Fornika

Fornikas Bibliothek

234 Bücher, 252 Rezensionen

Zu Fornikas Profil
Filtern nach
234 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(85)

180 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

krieg, slawen, heiler, könig, verrat

Das Haupt der Welt

Rebecca Gablé
Flexibler Einband: 960 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.08.2015
ISBN 9783404172009
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Er wusste es war ein Abschied für immer. Früher oder später würde sein Vater den erzwungenen Frieden mit dem Sachsenkönig brechen; kein Fürst konnte es sich auf Dauer erlauben, sich unterjochen zu lassen. Die Sorge um das Wohlergehen seines Sohnes würde ihn nicht abhalten.“

929 n. Chr. Beim Fall der Brandenburg werden Hevellerprinz Tugomir und seine Schwester Dragomira von den siegreichen Sachsen unter König Heinrich gefangengenommen und als Geißel zur Sicherung des Friedens verschleppt. Während Dragomira sich recht schnell mit ihrem Schicksal abfinden kann, bleibt Tugomir zerrissen und ungewiss über seine Zukunft. Erst als er sich im Laufe der Jahre auf seine Fähigkeiten als Heiler berufen kann, findet er langsam einen Platz im Leben. Seine Gefangenschaft wird immer mehr in den Hintergrund gedrängt, wird er doch von den Prinzen Thankmar und Otto gar als Freund und Vertrauter angesehen. Prinz Otto, der als König Otto der Große in die Geschichte eingehen soll. Auch genannt Totius caput mundi, das Haupt der ganzen Welt…

Mit Das Haupt der Welt lässt Rebecca Gablé das erste Mal ein Stück deutscher Geschichte lebendig werden und für mich ist das Konzept voll aufgegangen. Obwohl die geschichtlichen Ereignisse zu dieser Zeit sehr turbulent und teilweise verwirrend sind, schafft sie es, dass der Leser die politischen Hintergründe durchschaut und den Überblick über das Wirrwarr der Völker behalten kann, die irgendwann einmal Deutschland bilden sollen.

Zeichnen sich ihre Bücher immer durch große historische Genauigkeit aus, geht die Autorin mit diesem Buch noch einen Schritt weiter: auch die Hauptfiguren sind historische Persönlichkeiten. Und doch gelingt es ihr die Figuren genauso griffig, detailliert und liebevoll zu zeichnen, wie man es von ihren fiktiven Protagonisten wie den Waringhams gewohnt ist.

Der Schreibstil ist gewohnt informativ und fesselnd zugleich, die Dialoge mit teilweise wunderbar trockenem Humor gespickt. Die Erzählperspektive wechselt v.a. zwischen Tugomir, Dragomira und Otto. So lernt man das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln kennen und kann sich noch besser einfinden. Bedingt durch Tugomirs Beruf als Heiler lernt man in diesem Buch so Einiges über die damaligen Heilmethoden. Das fand ich sehr interessant, manche dieser Methoden wurden fast bis in die heutige Zeit ähnlich angewandt.

Vielen Dank an Bastei Lübbe, dass ich das Buch vorab lesen durfte! Mir hat dieses Buch wieder ausnehmend gut gefallen, sodass ich mit Freude die Maximalpunktzahl vergebe. Zu einer Fortsetzung würde ich nicht Nein sagen.

  (6)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

hölle, gegenwart, urban fantasy, fantasy, humor

Happy Hour in Hell

Tad Williams
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Hodder & Stoughton, 26.09.2013
ISBN 9781444738612
Genre: Fantasy

Rezension:

Bobby Dollar, seines Zeichens Engel auf Erden, muss seine bislang schwerste Aufgabe lösen: Caz, seine heimliche Geliebte, ihres Zeichens wiederum hochrangige Adelige der Hölle, wird eben dort von einem der mächtigsten dunklen Fürsten gefangen gehalten. Kaum ein Ort, an dem ein Engel viel zu suchen hätte. Doch Bobby Dollar wäre nicht Bobby Dollar, würde er nicht sogar einen Weg in die Hölle finden…

 Nachdem ich „The dirty streets of heaven“ verschlungen habe, hatte ich sehr hohe Erwartungen an diesen zweiten Band der Reihe um Bobby Dollar. Meine Erwartungen wurden auch, bis auf kleine Abstriche, erfüllt. Tad Williams beweist wieder einmal seinen großartigen Humor, lässt aber gleichzeitig Bobby wahrhaft höllische Erfahrungen machen. Die Qualen und Bestrafungen, das Leid und Elend der Höllenbewohner sind sehr bildlich dargestellt. Williams bedient sich dabei bekannter Vorstellungen von z.B. Bosch oder Dante, hat aber gleichzeitig auch eigene Ideen für sein ganz persönliches Inferno eingebaut. Eine ganz spezielle Hölle also, die als Handlungsort für die Geschichte durchaus sehr interessant ist. Doch man quält sich nicht (anders als Bobby) durch die Seiten, sondern fiebert mit den Figuren mit, wünscht ihnen natürlich immer das Beste, naja, zumindest, das sie heil am Ende des Buches ankommen. Der Autor schreibt sehr flüssig und spannend, zu der Angst um Bobby und Caz, mischt sich beim Leser zudem die Neugier was es denn mit dem unheilvollen Pakt zwischen Himmel und Hölle auf sich hat. Leser von Band 1 erinnern sich, da gabs doch diese mysteriöse Feder? Nicht zuletzt wegen dieser Vorgeschichte, sollte man die Reihe also nicht mit diesem zweiten Band beginnen. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, allerdings merkt man ihm doch an, dass es sich hierbei um ein Zwischenstück handelt, welches hauptsächlich zur Vorbereitung auf den finalen Teil der Trilogie dient. Zudem haben sich kleine Längen eingeschlichen, sodass das höllische Lesevergnügen unterm Strich 4 Sterne von mir bekommt.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(29)

65 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 22 Rezensionen

giralda, sevilla, schach, spanien, historischer roman

Der Turm der Könige

Nerea Riesco , Lisa Grüneisen
Fester Einband: 535 Seiten
Erschienen bei Scherz, 05.10.2011
ISBN 9783502102267
Genre: Historische Romane

Rezension:

Mitte des 13ten Jahrhunderts sollte eine Schachpartie über Wohl und Wehe der Giralda in Sevilla entscheiden. Ein muslimischer Turm auf christlichem Boden? Ein Unding. Wer die Schachpartie zwischen Muslimen und Christen gewinnt, entscheidet über das Los des Minaretts. Doch die Partie wird unterbrochen und ist auch 500 Jahre später noch nicht entschieden. Nicht zuletzt deswegen, weil die ursprünglichen Regeln verloren gingen…

 Ein geheimnisvolles Schachspiel. Versteckte Regeln, Ritterorden und geheime Absprachen. Nerea Riesco kombiniert die mysteriöse Suche um die letzte Schachpartie gekonnt mit einer (unkitschigen) Liebesstory und Sevillas Geschichte im 18ten Jahrhundert. Mir hat diese Mischung über weite Strecken gut gefallen, die Autorin hat einen sehr angenehmen Schreibstil und kann auch die (für mich) eher langweiligen Schachsequenzen und –regeln entsprechend locker an den Leser bringen. Das ganze Buch ist einer Schachpartie ähnlich aufgebaut, das Spiel zieht sich als roter Faden durch die Geschichte, auch wenn die sich gerade mit etwas ganz anderem befasst. Die Figuren sind ganz gut gelungen, ab und an etwas stereotyp, aber durchaus interessant gestaltet. Die Familiengeschichte der Druckerfamilie de Haro ist abwechslungsreich, manchmal etwas abenteuerlich, ab und an leider auch etwas langweilig. Insgesamt bin ich den Figuren aber gerne über die Seiten gefolgt. Der Spannungsbogen ist mäßig aufgebaut, der vermeintliche Höhepunkt meiner Meinung nach etwas misslungen, sodass ich mit dem Ende nicht so richtig glücklich war. Insgesamt ist der Turm der Könige aber durchaus ein lesbarer historischer Roman, kein Highlight, aber doch unterhaltsam.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

globalization, relationships, change, liebesgeschichte, refugee

Exit West

Mohsin Hamid
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hamish Hamilton, 02.03.2017
ISBN 9780241290088
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nadia und Saeed sind grundverschieden, trotzdem fühlen sie sich zueinander hingezogen. Während ihre ungenannte Stadt irgendwo im Nahen Osten langsam aber sicher in den Krieg schlittert, die Straßen durch Bomben und Granaten immer unsicherer werden, entwickeln die beiden echte Zuneigung füreinander. Als in der ganzen Stadt Türen in andere Länder, Türen in die Sicherheit auftauchen, müssen die beiden schwierige Entscheidungen fällen.

 Mohsin Hamid hat sich der Flüchtlingsthematik auf ganz eigene Weise genähert. Er nennt die Stadt des jungen Paares bewusst nicht, sodass ihre Geschichte für viele andere stehen könnte. Zu Beginn erlebt man die beiden als „normales“ Paar, ihr Alltag ist noch kaum von den Unruhen belastet, sie führen ein relativ normales Leben. Ich fand es interessant zu verfolgen wie sich ihre Beziehung und auch ihre Charakter mit zunehmender Gefahr verändern. Die zunehmende Bedrohung ist immer fühlbar, aber der Fokus des Erzählers liegt meiner Meinung nach doch auf der Paarbeziehung. Ohne kitschig zu werden übrigens.

Immer wieder gibt es kurze Einschübe, man lernt in kurzen Sequenzen Menschen an handlungsfremden Orten kennen. Bis zuletzt habe ich die Intention des Autors nicht durchblickt, für mich waren diese Einschübe völlig zusammenhangslos in die Geschichte des Paares eingebettet. Der Erzählstil wiederum hat mir sehr gut gefallen, dem Autor gelingt ein etwas märchenhafter Ton, der zu den quasi magischen Türen passt. Allerdings bedient er sich dabei endloser Bandwurmsätze, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Mich haben sie nicht gestört, ich kann aber verstehen, wenn jemand von den langen Sätzen genervt ist.

Insgesamt ist Exit West eine kleine, aber feine Geschichte, die ein brandaktuelles Thema mal auf etwas andere Art aufgreift.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

14 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kochen, frankreich, lebensgeschichte

Ein Diktator zum Dessert

Franz-Olivier Giesbert , Katrin Segerer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Penguin, 14.11.2016
ISBN 9783328100607
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(25)

54 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

irland, geister, vergangenheit, waisenhaus, dorfgemeinschaft

Der Freund der Toten

Jess Kidd , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 19.05.2017
ISBN 9783832198367
Genre: Romane

Rezension:

Mitte der 70er Jahre wird das verschlafene irische Dörfchen Mulderrig plötzlich gehörig wachgerüttelt: Mahony, ein junger Hippie, ist auf der Suche nach seinen Wurzeln. Diese Wurzeln sind dem Dorf nicht nur sehr peinlich, sondern sollten eigentlich auch die ganze Zeit hübsch in der Erde versteckt bleiben. Genau wie die Toten, die Mahony sehen kann.

 Man könnte meinen, ähnliche Familiendramen mit etwas Gruselfaktor gäbe es zuhauf. Könnte man. Man darf aber nicht den außergewöhnlichen Erzählstil der Autorin vergessen, der macht dieses Buch nämlich zu etwas ganz Besonderem. Jess Kidd belebt jeden Stein und jeden Baum; allerdings nicht auf die Herr-der-Ringe-Ent-Art, sondern eher wie es vielleicht ein Dichter der Romantik getan hätte. Äste beugen sich über Kinder, Holzwürmer singen, Flussinseln schlafen, Sonnenlicht folgt den Leuten auf Schritt und Tritt. Dieser Erzählstil schafft eine unglaublich dichte und lebendige Atmosphäre, die mich begeistert hat. Die Autorin kann jedoch nicht nur mitreißend erzählen, sondern auch ihr irisches Dörfchen mit allerlei Marken beleben. Egal ob der ungeliebte Pfarrer oder die alte, aber mit allen Wassern gewaschene Mrs Cauley, ich fand sie großartig gezeichnet und an den richtigen Stellen etwas überspitzt dargestellt. Denn Kidd beweist Humor und eine spitze Feder. Auch die Toten, die mit Mahony kommunizieren können, fügen sich hervorragend in die Geschichte ein, ohne dass diese zu sehr ins Gruselgenre abdriftet. Es handelt sich eigentlich um völlig normale Menschen, die halt den kleinen Schönheitsfehler haben, tot zu sein. Einziger (kleiner) Kritikpunkt meinerseits ist die Tatsache, dass Mahony sich sofort zum Schwarm sämtlicher (!) Dorffrauen entwickelt. Das war mir zu übertrieben, aber vielleicht wollte die Autorin ein bisschen Freie-Liebe-Feeling der Hippies in die Geschichte bringen. Doch das tat dem Lesegenuss keinen Abbruch und so hat sich „Der Freund der Toten“ schon jetzt zu einem meiner Jahreshighlights gemausert.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(127)

292 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

freundschaft, familie, rachel joyce, schuld, unfall

Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte

Rachel Joyce , Maria Andreas
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.10.2014
ISBN 9783596195374
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(64)

82 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 61 Rezensionen

thriller, nur ein kleiner gefallen, darcey bell, blog, freundinnen

Nur ein kleiner Gefallen - A Simple Favor

Darcey Bell , Juliane Pahnke
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 10.04.2017
ISBN 9783959671019
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Stephanie lebt nach dem Tod ihres Mannes alleine mit ihrem Sohn in einem New Yorker Vorort. Der Alltag ist ausgefüllt mit Muttersein und Kindererziehung, in ihrer Freizeit bloggt sie über… das Muttersein und Kindererziehung. Etwas Halt und Abwechslung gibt ihr ihre beste Freundin Emily. Doch eines Tages verschwindet Emily spurlos. Stephanie tritt auf ihrem Blog eine Suche los, kümmert sich liebevoll um Emilys Sohn und kommt auch deren Mann näher…

 Darcey Bell hat in ihrem Debutroman ein spannendes Szenario geschaffen: erfolgreiche Karrierefrau und Mutter verschwindet, inklusive überraschender Wendungen. Ihre Grundidee hat mir sehr gut gefallen, die Geschichte lässt sich gerade auch am Anfang sehr gut an. Leider hat Bell sich wohl ein bisschen an jüngste Bestseller wie Gone Girl oder Girl on the train ranhängen wollen, ich sah da schon einige Parallelen, was mir so ein bisschen den Lesespaß verdorben hat. Die Autorin schreibt flüssig und spannend, zieht allerdings im Laufe der Handlung so manches Kaninchen aus dem Schreiberlingshut, worunter die Glaubwürdigkeit der Geschichte relativ schnell leidet. Das Ende konnte mich dementsprechend auch nicht mehr überzeugen, wobei es durchaus stimmig mit der Entwicklung der Story war; nur halt nicht nach meinem Geschmack.

Mir ging die Figur Stephanie unendlich auf die Nerven: Sohn hier, Alltag mit Kindern da… sie ist das pure und reine Klischee der Übermutter, einer Frau, die nach der Geburt ihres Kindes NUR noch für ihre Mutterrolle lebt und sich selbst dafür komplett aufgibt. Ihre Blogeinträge, die sich übrigens sehr schön in den Lesefluss einfügen, strotzen vor Selbstbeweihräucherung und sind Ausdruck dieses Mutterseins und ihrer Heimchen-am-Herd-Einstellung. Ihre Vergangenheit umgibt ein düsteres Geheimnis, welches man erstens relativ früh in der Handlung errät und welches meiner Meinung nach so gar keine Funktion erfüllt und mir somit nur unnötig die Seiten gefüllt hat. Leider sind auch die anderen Hauptfiguren nur wenig sympathischer, sodass ich eigentlich so wirklich mit keinem mitfühlen wollte. Ein eher durchwachsenes Lesegefühl also, wobei mich der Erzählstil der Autorin schon angesprochen hat und ich ihr durchaus noch mal eine Chance geben würde. In einem Buch ohne Kinder ; )

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(70)

139 Bibliotheken, 14 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

bienen, roman, bienensterben, generationenroman, vergangenheit

Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde , Ursel Allenstein
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei btb, 20.03.2017
ISBN 9783442756841
Genre: Romane

Rezension:

Drei Familien, drei Orte, drei verschiedene Zeiten. William bläst im Jahre 1852 Trübsal, weil die aufsteigende Forscherkarriere ins Stocken geraten ist. Forschungen am hauseigenen Bienenstock könnten der Karriere wieder Flügel verleihen. George ist im Jahre 2007 damit beschäftigt, den Junior ins brummende (und summende) Familiengeschäft einzuweisen, die Imkerei. Doch der will seine Flügel selbst erproben und steckt seine Nase lieber in der Unibibliothek in Bücher. Für Bücher hat Tao im Jahre 2098 keine Zeit, als professionelle Bestäuberin liegt das Wohl und Wehe der jährlichen Ernte in ihren Händen. Denn 2098 gibt es keine Bienen mehr, und ohne sie bleibt die mühselige Arbeit an den Menschen hängen. Die sind zwar bienenfleißig, kommen jedoch schnell an ihre Grenzen.

 Maja Lunde hat einen wunderbaren Roman geschaffen, der dem Leser einen tiefen Blick in den Bienenstock erlaubt. Braun-gelb und geflügelt sind ihre wichtigsten Protagonisten, die Tiere, die sich als Konstante durch die drei Handlungsstränge ziehen. Man lernt vieles über die Insekten, Lunde verpackt die Informationen aber in kleine Häppchen, die sich hervorragend in die Handlung einfügen. Die Bedeutung der Bienen für die Landwirtschaft und damit ihre Bedeutung für den Menschen spielt eine große Rolle. Nachdenkliche Töne lässt die Autorin anklingen, aber auch warnende. Der Handlungsstrang um Tao malt ein düsteres Bild einer bienenlosen Welt und die Warnung senkt sich dem Bienenstachel ähnlich ins Fleisch des Lesers. Doch das Buch wartet nicht nur mit beklemmender Endzeitthematik auf, sondern weiß auch zu unterhalten. Alle drei Geschichten sind liebevoll ausgearbeitet, die Charaktere echt und glaubwürdig. Die Eltern-Kind-Beziehung steht immer im Fokus (ein interessanter Gegenpol übrigens: im Bienenstock ist der Einzelne nichts, für die eigene Familie jedoch alles), man sieht diese im Wandel der Zeit gegenüber gestellt. Die Figuren wirken in ihren jeweiligen Epochen authentisch, und ich habe eigentlich alle drei sehr gemocht. Die verschiedenen Handlungsstränge wirken nicht mühsam zusammen zwischen die Buchdeckel gequetscht, sondern weisen genug Gemeinsamkeiten auf um ein großes Ganzes zu bilden. Sprachlich hat mich die Autorin ebenfalls überzeugt, sie trifft immer den richtigen Ton, von anklagend bis (honig-)süß. Ihr Erzählstil, zusammen mit ihrer hervorragend konzipierten Geschichte, haben mich dann auch an den Seiten kleben lassen, sodass ich dieses Buch sehr genossen habe und jetzt nicht nur Lust auf ein Honigbrot habe, sondern sehr gespannt auf die kommenden Romane der Autorin bin.

  (7)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(13)

84 Bibliotheken, 25 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

essen, kellnern, sein leben leben, kellner, new york

Sweetbitter

Stephanie Danler , Sabine Kray
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 11.04.2017
ISBN 9783351036720
Genre: Romane

Rezension:

„Essen wird zu einer Wissenschaft, definiert durch Sprache. Nie wieder wirst du einfach Nahrung zu dir nehmen.“

Die 22jährige Tess zieht mit Sack und Pack nach New York, zum Erwachsenwerden und zum Erleben. Einen rechten Plan hat sie nicht, bekommt jedoch unverhofft eine Stelle als Hilfskellnerin im edlen Restaurant am Union Square. Zwischen exquisiten Speisen und ausgesuchten Weinen lernt Tess nicht nur einiges über die Welt der Gourmets, sondern auch den anziehenden Barkeeper Jake kennen.

 Sweetbitter ist der Debutroman von Stephanie Danler, die hier ihre eigenen Erfahrungen verarbeitet. Man merkt ihr die Liebe zum Beruf an, zu den Genüssen der gehobenen Küche, der Welt der Weinkenner. Ihre Beschreibungen des Geschmacks und Geruchs der Speisen, ihrer Anrichtung und auch ihrer Bedeutung in der High Society sind der Autorin hervorragend gelungen, man bekommt Hunger beim Lesen; selbst auf Austern ; ) Auch ihre Figuren, die Mitarbeiter des Restaurants wirken sehr echt, z.T. sind sie an Kollegen Danlers angelehnt, größtenteils jedoch Fiktion. Als Leser konnte ich nicht unterscheiden, wer „echt“ war und wer nicht. Die Hauptfigur Tess selbst war mir leider sehr unsympathisch, trotz ihrer jungen Jahre wirkt sie oft wie ein völlig gedankenloser Genussmensch, der nur für sich lebt. Natürlich gibt es auch solche Menschen, mir ging sie jedoch mit ihrer Art oft auf die Nerven. So hab ich ihr dann auch manche Niederlage gegönnt, ebenso ihre Probleme mit anderen Menschen. Danler hat keinen ganz einfachen Erzählstil, mir war er oft zu reduziert, andere Passagen hingegeben haben mich wiederum begeistert. Der Aufbau der Geschichte hat mir gut gefallen, Danler orientiert sich an den vier Jahreszeiten und gibt so der Story eine ansprechende Struktur.

Insgesamt habe ich dieses Buch mit gemischten Gefühlen gelesen, der Ausflug in die Welt des Genusses hat mir gut gefallen, die Hauptfigur und ihre Handlungen eher weniger. Kein ganz großer Knüller für mich, aber eine Autorin, die ich im Auge behalten werde.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(34)

63 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

krieg, frankreich, gesellschaft, rassismus, gesellschaftskritik

Die Zeit der Ruhelosen

Karine Tuil , Maja Ueberle-Pfaff
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 10.03.2017
ISBN 9783550081750
Genre: Romane

Rezension:

Ein Elitesoldat, der nach seinem Einsatz in Afghanistan mit sich und der Welt zu kämpfen hat. Ein erfolgreicher Geschäftsmann, dem der Erfolg zwischen den Händen zu zerrinnen droht. Ein aufstrebender Politiker, der die Fallstricke der eigenen Herkunft nicht sehen will. Eine Journalistin, die am Puls der Zeit arbeitet und dabei den eigenen Puls nicht mehr zu fühlen scheint. Jeder ist getrieben, von den eigenen Wünschen, dem Druck der Gesellschaft, der Vorgabe „erfolgreich“ zu sein. Von „leben“ war nicht die Rede.

Karine Tuil hat in ihrem mitreißenden Gesellschaftsroman verschiedene brandaktuelle Themen aufgegriffen, die sich trotz ihrer Diversität zu einem großen Ganzen verbinden lassen. Sie streift mit dem Leser durch die Amtszimmer von Paris, lässt Einblicke in das Leben von großen Geschäftsmännern zu und zeigt gleichzeitig das Leben des „kleinen Mannes“, der an vorderster Front gekämpft hat und dafür mit nichts zurück in den normalen Alltag geworfen wird. Ihre Charaktere sind sehr lebendig geraten, vielschichtig und spielen mit so manchen Vorurteilen. Vorurteile, gegen die sie einen ähnlich erfolgreichen Kampf kämpfen wie einst Don Quijote gegen seine berühmten Windmühlen. Tuils Roman ist kein Wohlfühlroman, es werden harte Fakten und unbequeme Wahrheiten auf den Tisch gelegt, erzählt in einem nüchternen Ton, der seinen Teil zu der fast soghaften Wirkung der Geschichte beiträgt. Klug geschrieben, authentisch erzählt und geschickt konstruiert; Die Zeit der Ruhelosen bereitet dem Leser so manchen ruhelosen Moment, gilt es doch viele Denkanstöße zu verarbeiten. Ein Roman, der unterhält und bewegt.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(84)

217 Bibliotheken, 22 Leser, 0 Gruppen, 66 Rezensionen

barcelona, spanien, carlos ruiz zafón, zafón, der friedhof der vergessenen bücher

Das Labyrinth der Lichter

Carlos Ruiz Zafón , Peter Schwaar
Fester Einband: 944 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 16.03.2017
ISBN 9783100022837
Genre: Romane

Rezension:

Ein wichtiger Minister verschwindet in der Hochzeit der spanischen Franco-Ära spurlos. Pikanterweise ist der Verschwundene niemand anders als Mauricio Valls, ehemaliger Gefängnisdirektor von Montjuïc. Die junge Alicia Gris wird auf seinen Fall angesetzt und muss dementsprechend zurück nach Barcelona; in die Stadt, die ihre Vergangenheit verbirgt. Die Spuren sind schwer zu lesen, doch wenns ums Lesen geht, kommt man in Barcelona an ihr nicht vorbei: der Buchhandlung Sempere und Söhne, die weit mehr zu bieten hat als käufliche Lektüre. Schnell sind die Semperes wieder mitten im Geschehen…

 Mit „Das Labyrinth der Lichter“ beendet Zafón seinen Zyklus um den Friedhof der vergessenen Bücher. Im Vorwort wird man darauf hingewiesen, dass es nicht zwingend notwendig sei, die anderen Bände vorher gelesen zu haben. Meiner Meinung nach lässt man sich jedoch einige Aha-Momente durch die Lappen gehen, wenn man hiermit neu in die Reihe einsteigt. Es werden viele lose Enden verknüpft und allerlei bekannte Gesichter begegnen dem Leser auf den Seiten, sodass ich schon denke, dass dem Neu-Leser der Einstieg mit diesem Band schwer fallen dürfte.

Qualitativ knüpft Zafón mühelos an die vorherigen Bände an. Er beschreibt Barcelona und Umgebung so detailliert und fängt auch die Stimmung der jeweiligen Orte unglaublich gut ein, sodass der Leser sofort ein stimmiges Bild vor Augen hat. Auch seine Figuren sind dem Autor authentisch gelungen, zugegebenermaßen hat man von einigen natürlich schon ein grobes Bild aus den vorherigen Bänden, aber auch neue Personen wie Vargas oder Alicia werden gut eingeführt. Alicia ist eine sehr interessante Protagonistin, die sich nicht leicht in die Karten schauen lässt und deswegen als etwas mysteriöse Figur für Zafóns geheimnisvolle Geschichte hervorragend geeignet ist. Denn geheimnisvoll ist es schon, das Verschwinden von Valls und auch sonst hat der Autor wieder einige Rätsel und Überraschungen für den Leser vorbereitet. Wieder einmal beweist Zafón, dass Spannung und Humor nicht zwangsweise bedeuten, dass man auf tiefsinnige, poetische Betrachtungen verzichten muss; trotzdem ist sein Stil sicherlich nicht jedermanns Sache. Mich hat dieser vierte Band wieder mitgenommen und verzaubert, auch wenn sich einige kleine Längen eingeschlichen haben.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

18 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

island, dorf, geschichten

In den Wind geflüstert

Gudmundur Andri Thorsson , Tina Flecken
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 12.08.2014
ISBN 9783455403343
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

mathematik, universität, mord, missgunst, teil einer reihe

Am Anfang war dein Ende

Faye Kellerman , Mirga Nekvedavicius
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 06.03.2017
ISBN 9783959670616
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein junger Student wird tot in einem Waldstück aufgefunden; nackt; neben seinem Kopf eine Pistole. Alles sieht nach Selbstmord aus, doch der Ermittler Decker zweifelt. Schnell wird klar, dass es sich bei dem toten Eli um einen brillanten Kopf handelte, der dabei war sich auf dem Gebiet der angewandten Mathematik einen Namen zu machen. Tragen Neider Mitschuld an seinem Tod?

 „Am Anfang war dein Ende“ war für mich das erste Buch aus der Reihe um das Team Decker/McAdams, ich bin aber trotzdem schnell mit den beiden vertraut gewesen. Das fast väterliche Verhältnis der beiden wirkt sehr realistisch und ich fand sie durchweg sympathisch. Immer wieder wird Bezug auf die Vergangenheit der beiden genommen, jedoch so, dass sich auch der Neuleser gut zurecht findet.

Der mathematische Hintergrund von Eli bringt es mit sich, dass einige Inhalte der höheren Mathematik eine Rolle in der Geschichte spielen. Leider hat es die Autorin nicht ganz geschafft, diese verständlich an den Leser zu bringen, zudem wiederholt sie einige Aspekte völlig unnötig. Ansonsten fand ich den akademischen Rahmen sehr gut gewählt und die Klüngelei und das Konkurrenzdenken unter den schlauen Köpfen sehr spannend und authentisch gemacht. Der Fall wird spannend aufbereitet und Kellermans ansprechender Erzählstil fesseln zusätzlich an die Seiten. Insgesamt ein Buch, das mich gut unterhalten hat und das Lust auf die vorherigen und noch kommenden Bände macht.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(64)

88 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

fbi, nero wolfe, new york, krimi, detektiv

Es klingelte an der Tür

Rex Stout , Conny Lösch , Jürgen Kaube
Fester Einband: 248 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608981117
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Archie Goodwin und sein Chef Nero Wolfe haben einen brisanten Fall auf den Tisch bekommen: eine taffe Dame hat sich mit dem FBI des J. Edgar Hoover angelegt, zigtausend Exemplare eines Enthüllungsbuches unter die Leute gebracht. Nicht unbedingt die beste Idee, denn jetzt klebt ihr das FBI an den Fersen. Wolfe soll‘s richten…

 Ich liebe „klassische“ Detektive, egal ob es sich dabei um Miss Marple, Sherlock Holmes oder Dupin handelt. Nero Wolfe war mir bisher noch nicht in die Finger gekommen; leider muss ich nach der Lektüre dieses Buches auch sagen: verpasst hab ich nichts. Wolfe war eine absolut nichtssagende Figur, die angeblich superschlau ist, in der Geschichte aber eigentlich nicht viel mehr tut als zu essen, zu lesen oder an der hauseigenen Orchideenzucht zu schnibbeln. Die Hauptermittlungsarbeit liegt bei Archie, dem ich die ganze Zeit doch eher distanziert begegnet bin; auch dessen ermittlerische Qualitäten konnten mich nicht so recht überzeugen. Zwei Hauptfiguren also, die mich schon mal nicht mitreißen konnten. Der Fall (kleiner Mann vs. übermächtiges FBI) hätte da noch einiges rausreißen können, es hätte spannend, beklemmend, ungerecht etc. zugehen können. Tut es aber nicht. Die Story plätschert vor sich hin, das FBI tritt hauptsächlich durch wage bedrohliche Figuren auf und ist ansonsten v.a. dann Thema, wenn die Sprache zum gefühlt 35ten Mal auf die abgehörten Telefone in Wolfes Büro kommt. Dann muss das kleine Dickerchen nämlich die Treppe in ein anderes Stockwerk nehmen und das geht ja nun gar nicht. Sprachlich ist der Krimi (wenn man ihn denn überhaupt so bezeichnen will) recht ansprechend, auch die Aufmachung ist sehr schön geworden. Sonst konnte ich leider nicht viel Positives am Buch finden, sodass dies hier für mich der erste und letzte Krimi mit Wolfe gewesen sein dürfte und ich mich ehrlich frage, mit welchem Recht der Autor damit so große Erfolge gefeiert hat.

  (5)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(144)

194 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 128 Rezensionen

thriller, psychothriller, schweden, stockholm, krimi

Glücksmädchen

Mikaela Bley , Katrin Frey
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.02.2017
ISBN 9783548288444
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach dem Tennistraining verschwindet die 8jährige Lycke spurlos. Während sich Mutter, Vater und dessen neue Frau gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, scheint nur die Reporterin Ellen wirklich an Lyckes Suche mitzuwirken. Diese wird jedoch immer wieder durch Parallelen zu ihrer eigenen Vergangenheit aus der Bahn geworden. Bald wird zudem klar, dass Lycke durchaus gute Gründe zum Verschwinden gehabt hätte…

Mikaela Bley hat eine spannende Geschichte geliefert, die mich durchweg gut unterhalten hat. Die Spannung wird gut aufgebaut und gehalten, kleine Cliffhanger lassen einen schnell weiterlesen. Bley entwickelt die Story langsam, aber stetig, man braucht eine Weile bis man die wahren Verhältnisse durchschaut hat. Die Figuren sind ihr recht gut gelungen, gerade Lyckes Familie fand ich sehr gut skizziert. Die Beziehungen untereinander, die chaotischen Gefühlswelten und vor allem das Verhalten gegenüber Lycke werden sehr authentisch dargestellt und lassen den Leser so manches Mal schlucken. Ellen ist mir als Person nicht sympathisch, sie ergibt aber eine interessante Protagonisten, die einen immer wieder überrascht. Die Verstrickungen mit ihrer eigenen Vergangenheit hätte ich persönlich nicht gebraucht, sie fügen sich aber halbwegs gut in die Handlung. Die Autorin hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der sich sehr flüssig lesen lässt, wobei sie trotzdem mit mancher Ausdrucksweise überraschen kann.

Insgesamt ein spannendes Buch, das mit ungeahnten Tiefen aufwartet, die so manche Unregelmäßigkeit kaschieren können. Ein Psychothriller ist es allerdings beileibe nicht, auch wenn man so mancher Figur gerne Psycho auf die Stirn schreiben würde ; )

  (6)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(58)

87 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

kindheit, märchen, jugendbuch, geister, fantasy

The Ocean at the End of the Lane

Neil Gaiman
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Harperluxe, 18.06.2013
ISBN 9780062278593
Genre: Romane

Rezension:

Anlässlich einer Beerdigung kehrt ein Mann in die Gegend seiner Kindheit zurück. An einem idyllischen Teich sitzend erinnert er sich plötzlich an Ereignisse, die kurz nach seinem siebten Geburtstag stattfanden. Er erinnert sich an seine Nachbarin Lettie, an deren wunderliche Familie, an seine ungeliebte Nanny und an ein Kätzchen mit ozeanblauen Augen. Und an Dinge, die es nie gab. Oder doch?

 Neil Gaiman schafft es eigentlich immer mich in seine Geschichte zu ziehen, doch bei dieser hier wollte und wollte es nicht klappen. Atmosphärisch dicht (wie immer), ansprechend erzählt (wie immer) mit einem ordentlichen Schuss Magie und Phantasie (auch wie immer). Trotzdem konnte ich nicht eintauchen (nicht wie immer; und das trotz eines ganzen Ozeans, der doch zum eintauchen einlädt). Die Fantasyelemente wirkten irgendwie aufgesetzt und konnten mich so gar nicht überzeugen, einzig der Teich hat es mir angetan. Der nostalgische Unterton, der sich durch die Geschichte zieht, wirkte sehr authentisch, doch das allein reichte mir nicht so recht. Im Mittelteil kämpft die doch relativ kurze Geschichte trotzdem mit Längen. Der Schluss hat mich dann noch einmal runtergezogen, weil damit die ganze Erzählung auf mich fast sinnlos wirkte. Insgesamt häuft die Story dann also doch einiges an Negativpunkten an, die trotz gewohnt Gaiman’scher Erzählweise für mich somit auf keinen grünen Zweig kommt. Schade.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

An Evening of Long Goodbyes by Paul Murray (2011-04-07)


Flexibler Einband
Erschienen bei null, 01.01.1800
ISBN B017MYN4WW
Genre: Sonstiges

Rezension:

Charles Hythloday war in seinen bisherigen 24 Lebensjahren hauptberuflich Sohn. Nach dem Tod seines Vaters leben er, seine Schwester Bel und die gemeinsame Mutter weiterhin recht feudal im eigenen Anwesen, die Tage vergehen mit süßem Nichtstun. Bis das Kartenhaus zusammenstürzt, denn das Vermögen ist mitnichten unendlich. Charles landet in der harten Realität und findet sich – gelinde gesagt – nicht ganz so gut zurecht.

 Charles ist ein echter Träumer, lebt in seiner eigenen Welt und hält von sich und seinem Geschmack sowieso am meisten. Gerade diese dandyhafte Selbstverliebtheit macht ihn dann unterm Strich doch recht unsympathisch, man erwischt sich dabei, dass man ihm den Sturz auf die Nase gönnt. Seine weltfremde Art sorgt auf der anderen Seite natürlich auch für einige Schmunzler, was mich mit seiner Figur zumindest ein bisschen versöhnt hat. Seine Schwester ist da etwas sympathischer, so wirklich warm wurde ich aber mit keinem der Protagonisten.

Murray schreibt humorvoll, trifft immer mal wieder mit einzelnen Sätzen genau ins Schwarze, hat aber noch lange nicht die Qualität erreicht, die er mit „Skippy dies“ bewies. Leider hat die Story dann doch einige Längen und unnötige Abzweigungen genommen, die sich zudem verzetteln und den Leser ausbremsen. Auch dem Ende konnte ich nicht ganz so viel abgewinnen, Murray scheint da auf Teufel komm raus unbedingt einen spektakulären Schlusspunkt setzen zu wollen… woran er dann doch eher scheitert. Insgesamt ein Buch mit guten Ansätzen, das aber hinter Murrays anderen Werken doch weit zurücksteht.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(92)

152 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 88 Rezensionen

kamerun, usa, new york, amerika, american dream

Das geträumte Land

Imbolo Mbue , Maria Hummitzsch
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2017
ISBN 9783462047967
Genre: Romane

Rezension:

Der Kameruner Jende Jonga hat mit Hilfe seines Cousins den Absprung nach New York geschafft. Nachdem er sich als Taxifahrer durchgeschlagen hat, konnte er sogar Frau und Sohn nachholen. Einziges Manko: bisher hat Jende nur eine Arbeitserlaubnis, seine Frau nur ein Studentenvisum. Wenn sie langfristig in Amerika bleiben wollen, brauchen sie dringend richtige Papiere. Das Glück scheint auf ihrer Seite, als Jende einen Job bei Clarke Edwards bekommt. Der ist bei Lehman Brothers ganz oben mit dabei und so scheint Jende endlich eine Perspektive zu haben.

 Imbolo Mbue hat mich mit ihrem Debut absolut überzeugt. Eine warmherzige Geschichte, die gleichzeitig nachdenklich macht, sozialkritisch ist, hochaktuelle Themen wie eben der Fall von Lehman Brothers und dessen Folgen aufgreift. Mbue erzählt authentisch vom Leben der Jongas, ihren Bemühungen sich zu integrieren, ihrem Kampf mit den Behörden. Dem Leser wird wehmütig ums Herz, wenn man sieht welche Früchte die harte Arbeit tragen (wenige), wie die Jongas an ihrem Leben in New York hängen (sehr), wie sie ihre Zukunft in den USA planen (zuversichtlich). Auf der anderen Seite weiß man was Lehman Brothers droht, welche Folgen sich für das ganze Land ergeben werden. Und trotzdem hofft man mit aller Kraft für Jende und seine Frau Neni. Auf der anderen Seite hofft man auch für Clarke Edwards und seine Familie, die zwar einen anderen Ausgangspunkt haben (sie gehören zur High Society), aber trotzdem auch ihr Päckchen zu tragen haben. Diese Gegensätze der beiden Familien, der sozialen Schichten und Kulturen machen einen großen Reiz des Buches aus. Ebenso natürlich der Erzählstil der Autorin, der mich wirklich begeistert hat. Authentisch, bilderreich und warmherzig, weise und doch nicht belehrend. Eine hervorragende Mischung, die mich durch die Seiten des Buches hat fliegen lassen.

Ein wunderbarer Roman, der die harte Wirklichkeit nicht verheimlicht, aber trotzdem Zuversicht und Hoffnung ausstrahlt. Der alte amerikanische Traum, neu erzählt.

  (5)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

41 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

nigeria, musik, diktatur, afrika, liebe

Tadunos Lied

Odafe Atogun , Miriam Mandelkow
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Arche, 10.02.2017
ISBN 9783716027554
Genre: Romane

Rezension:

Taduno war ein erfolgreicher Sänger in Lagos, bis ihn seine Musik wider den Diktator in den Untergrund trieb. Doch schon nach wenigen Monaten erreicht ihn ein Brief seiner Freundin Lena, die vom Regime gefangen genommen wurde; als Köder für Taduno. Der will seine Liebe retten und begibt sich nach Hause. In ein Zuhause, in dem ihn und seine Musik alle vergessen zu haben scheinen.

 Der nigerianische Autor Odafe Atogun hat sich auf eine märchenhafte und poetische Weise mit dem Thema der Freiheit auseinandergesetzt. Andersdenken, Regimetreue, der Aufstand des kleinen Mannes, aber auch Freundschaft und Liebe finden Platz in seiner Geschichte. Er schreibt sehr berührend und märchenhaft, was allerdings auch der harten Realität viel von ihrer Schärfe nimmt; zu viel für meinen Geschmack. Die Beschreibung von Tadunos Musik und deren Wirkung auf andere ist dem Autor allerdings hervorragend gelungen. Berührend und gleichzeitig traurig, auf der anderen Seite aber auch Mut machend und sehr kraftvoll spielt Taduno sich durch die Seiten und man meint die sanften, aber direkten Klänge seiner Gitarre zu hören. Seine Suche nach der eigenen (Sing-)Stimme ist ebenso metaphorisch zu sehen wie viele andere Bilder, die der Autor verwendet. Kleine Unstimmigkeiten nahmen mir zwar nicht den Lesespaß, machten die Geschichte insgesamt dann aber doch etwas weniger rund. Natürlich muss in einem Märchen nicht alles logisch sein, trotzdem erwarte ich mir bei dieser ernsten Thematik dann doch eine gewisse Realitätsnähe.

Taduno blieb mir insgesamt immer ein bisschen fremd, auch wenn er mir nicht unsympathisch war. Als Gegenspieler muss man den Diktator und die Regimetreuen sehen, die ausnahmslos stereotyp geraten sind, was man dem Autor aber erstaunlich gut verzeihen kann. Für mich war Tadunos Musik die Hauptfigur, die die Geschichte trägt.

Insgesamt ein nachdenklicher und berührender Roman, der mir jedoch nicht immer direkt genug war und manches dann doch eher versteckt als auszusprechen.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(47)

84 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

historischer roman, magdeburg, verrat, liebe, mittelalter

Die rote Löwin

Thomas Ziebula
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.01.2017
ISBN 9783404174768
Genre: Historische Romane

Rezension:

Im Jahre 1205 werden Runja und ihr Bruder Waldemar dank eines Überfalls der Wenden zu Waisen. Alleine schlagen sie sich bis Magdeburg durch, wo ihr Leben eine weitere Wendung nimmt. Waldemar gerät in die Fänge der Kirche, Runja… auch. Nur dass sie dort zur Mörderin ausgebildet wird…

 Mit der roten Löwin hat Autor Thomas Ziebula einen actionreichen historischen Roman abgeliefert, der mich über weite Teile an die Seiten gefesselt hat. Die Spannung wird immer hoch gehalten, nicht zuletzt dank einiger Perspektivwechsel, die den Leser schnell weiterlesen lassen. Die rote Löwin ist ein sehr schnelllebiges Buch: starkes Tempo in der Handlung, kurze und prägnante Sätze, die diese Schnelllebigkeit unterstreichen. Mir ging es manchmal zu schnell, für einige Situationen hätte ich mir mehr Erzählzeit gewünscht. Die Figuren sind dem Autor nur teilweise gelungen, gerade Runja ist jedoch erfreulicherweise nicht die typische 08/15 - Protagonistin eines historischen Romans. Eine starke, junge Frau, die vor nichts zurückschreckt und mit ihren Grausamkeiten den etwas zarter besaiteten Leser vielleicht auch mal verschrecken könnte. Mir hat sie gut gefallen, gerade weil sie anders ist. Ihr Gegenspieler ist etwas stereotyp geraten, man nimmt ihn aber trotzdem gut an. Andere Neben- und leider auch eine Hauptfigur sind mir zu dünn geraten, gerade Pirmin ist so eine wichtige Figur, über die der Leser unterm Strich aber kaum etwas erfährt.

Mit Sicherheit steckt auch in diesem Buch eine ausführliche Recherche, ich muss aber ehrlich sagen, dass historische Fakten für mich im Blut der Protagonisten ertränkt wurden. Kein typischer historischer Roman also, sondern vielleicht eher was für den Thrillerleser, der sich mal in anderen Gefilden umsehen will. Gerade im letzten Drittel des Buches konnte ich der Handlung dann leider nicht mehr viel abgewinnen, sie erinnerte mich eher an einen Actionstreifen im TV, der durch viel Geknalle und schnelle Bilder überzeugen will. Gegen Ende also eher noch ein Dämpfer, die ersten Teile habe ich noch sehr gerne verfolgt.

Insgesamt für mich ein eher durchwachsenes Buch, das mich weder durch Handlung noch durch Erzählstil voll überzeugen konnte.

  (7)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(70)

113 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 63 Rezensionen

alter, freundschaft, sibirien, roman, bäume

Betrunkene Bäume

Ada Dorian
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 24.02.2017
ISBN 9783961010011
Genre: Romane

Rezension:

Erich ist 80 Jahre alt und hat somit sein Leben fast hinter sich. Katharina wird demnächst 18 und fängt gerade erst an zu leben, indem sie als Erstes von Zuhause ausreist; um schließlich in der Wohnung neben Erich zu stranden. Erich war früher in Sibirien als Forscher tätig, Katharinas Vater hat sich gerade dorthin abgesetzt. Bald wird aus der zufälligen Begegnung im Hausflur eine interessante Freundschaft.

 Ada Dorian hat eine sehr feinfühlige Geschichte geschrieben, die den Leser trotz der vermeintlich banalen Handlung schnell fesselt. Es geht um große Gefühle, Familie, Freundschaft, Einsamkeit; Fehler, die man nie wieder gutmachen kann. Dem Ganzen liegt ein melancholischer Ton zugrunde, es fällt oft schwer Hoffnung für die Protagonisten zu finden. Trotzdem handelt es sich hierbei nicht um ein depressives Stück Literatur, sondern eine sensible Geschichte, die die verschiedenen Lebensabschnitte der Figuren gut zueinander fügt. Die Protagonisten sind nicht ganz einfach zugänglich, trotzdem fühlt man mit ihnen mit. Die Handlung plätschert leider etwas vor sich hin, ich hätte mir schon ein deutlicheres Ziel gewünscht. Das Ende war dann doch etwas vorhersehbar, aber zumindest stimmig, sodass alles in allem eine runde Geschichte herauskommt. Ein interessantes Debut, dass trotz kleiner Abstriche Lust auf mehr von der Autorin macht.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(52)

63 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 49 Rezensionen

krimi, nordirland, irland, adrian mckinty, mord

Rain Dogs

Adrian McKinty , Peter Torberg
Flexibler Einband: 404 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.02.2017
ISBN 9783518467473
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wir schreiben das Jahr 1987. Irland steckt immer noch mitten in den Troubles, Duffy steckt immer noch in persönlichen Krisen. Freundin weg, schlechte Musik im Radio und dann bekommt er auch noch den Fall einer vermeintlichen Selbstmörderin aufs Auge gedrückt. Doch Sean zweifelt, nicht zuletzt weil die einzige Alternative eine locked room mystery ist. Aber zweimal innerhalb weniger Jahre? Der Fall wird nicht weniger brisant als eine finnische Delegation in Duffys Fokus gerät, von denen der wirtschaftliche Aufschwung der ganzen Region abhängen könnte. Maulkorb für Duffy vorprogrammiert…

 Adrian McKinty schafft es immer wieder mich mit seinen Büchern zu begeistern. Präziser, oft reduzierter Stil, düstere und griffige Atmosphäre, schwarzer Humor und knallharte Sozialkritik. Das alles erzählt einen interessanten und spannenden Kriminalfall, bei dem natürlich nichts so ist wie es zunächst scheint. Als Hauptfigur der etwas schnodderige, mittelmäßig erfolgreiche Duffy, der seinem Frust schon auch mal mit Alkohol und dem täglichen Joint entflieht. Der gleichzeitig mit seinem Musik- und Literaturgeschmack, seiner intelligenten aber auch zynischen Ausdrucksweise und seinem Sinn für Gerechtigkeit (wohlgemerkt Gerechtigkeit nicht Recht) einfach grundsympathisch ist. Ich mag Duffy einfach ; ) McKinty verknüpft Fiktion und Realität, Damaliges und Heutiges geschickt und auf seine einmalige Art. Ein kritischer Blick auf Gesellschaft und Politik vermischt sich mit dem fiktiven Geschehen derart mitreißend, sodass ich hinterher nur sagen kann: Rain Dogs war reines Lesevergnügen. Wie immer bei McKinty.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

25 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

leben

Zwölf Leben

Ayana Mathis ,
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.09.2015
ISBN 9783423144360
Genre: Romane

Rezension:

Hattie ist gerade 17 als sie Mutter wird; und nur ein paar Tage älter als sie die Kleinen wieder verliert. Schwer werden auch die nächsten Jahre und Jahrzehnte, mit insgesamt 11 Kindern ist das Leben kein Wunschkonzert. Schon gar nicht, wenn man die falsche Hautfarbe hat und im Amerika des frühen 21ten Jahrhunderts lebt.

Ayana Mathis hat einen wunderbaren Episodenroman rund um Hattie und ihre 11 Kinder verfasst. Jedem ist exakt 1 Kapitel gewidmet, dabei unterscheiden sich die Sprösslinge nicht nur im Alter, sondern auch in der gewählten Erzählperspektive. Mal wird ein Ich-Erzähler aktiv, mal schreibt jemand einen Brief. Immer abwechslungsreich und doch nicht bruchstückhaft, liest man sich so durch die Jahrzehnte. Jahrzehnte des Umbruchs, des Rassismus, man liest über kleine Probleme des Alltags und über große wie den Vietnamkrieg. Eines ist klar, langweilig ist das Leben der Shepherds nicht. Schwer haben sie es, meistens zumindest; trotzdem versinkt man nicht im Elend, sondern die starken Seiten der Figuren werden ausgearbeitet. Die Autorin beweist einen eindringlichen Erzählstil und bringt einem die Charaktere trotz der kurzen Spotlights sehr gut nahe. Voller Emotionen, jedoch nie kitschig, ist so ein tiefgründiger Roman entstanden, bei dem jedes Leben seinen eigenen Stern verdient hätte. So bleibt es halt bei 5 Sternen ; )

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(57)

70 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 52 Rezensionen

schottland, thriller, 1869, krimi, culduie

Sein blutiges Projekt

Graeme Macrae Burnet , Claudia Feldmann
Fester Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag , 08.02.2017
ISBN 9783958900554
Genre: Historische Romane

Rezension:

Im Sommer 1869 macht sich der 17jährige Roderick „Roddy“ Macrae auf zu seinem Nachbarn Lachlan. Im Gepäck ein Spaten und eine Spitzhacke. Als Roddy Lachlans Haus wieder verlässt, liegen dessen Kinder und Lachlan selbst brutal ermordet in der Küche. Roddy gesteht alles, der Fall scheint klar. Doch was steckt wirklich hinter diesen grausamen Morden?

 Graeme Macrae Burnet begibt sich in diesem Buch auf die Spuren seines Vorfahren Roderick. Der hat im Gefängnis eine Art Tagebuch geführt und seine Erinnerungen aufgeschrieben, zudem hat Burnet die Geschichte mit Aussagen von Zeitzeugen, Zeitungsberichten, Gesprächsprotokollen der Ärzte u.ä. ergänzt. Diese unterschiedlichen Quellen und Schriftstücke wirken aber mitnichten zusammengestückelt, sondern ergänzen sich derart gut, dass ein sensibler und gleichzeitig düster-spannender Thriller herauskommt. Ich war fasziniert von Roddys Bericht, er schreibt feinfühlig und berührend, gleichzeitig aber sehr nüchtern und klar. Seine Herkunft als armer Bauerssohn ohne rechte Perspektive ist beklemmend, die Familiensituation angespannt, der Zwist mit Lachlan dramatisch. Der Autor verrät in einem Vorwort, dass er an Roddys Bericht kaum Hand angelegt hat, somit gibt dieser wieder wie intelligent und klar der Junge einerseits, wie verzweifelt und auswegslos seine Situation andererseits war. Pikant ist dieser Bericht auch insofern, weil sein Geisteszustand immer wieder zur Diskussion steht: kann ein so intelligenter und fügsamer Junge einen brutalen Mord begehen ohne geistesgestört zu sein? Die psychologische Komponente macht ebenfalls einen großen Reiz der Geschichte aus, Roddys Fall zeigt sehr deutlich in welchen Kinderschuhen psychologische Gutachter etc. zu dieser Zeit noch steckten. Burnet lässt zudem immer wieder sozialkritische Töne anklingen, die Kirche hat bei Roddys Schicksal ebenso scheinheilig mitgemischt wie Gutsverwalter und andere Obrigkeiten. Insgesamt gewährt dieses Buch einen deprimierenden, aber keineswegs sensationslüsternen Blick auf ein dramatisches Schicksal eines „unbedeutenden“ Jungen, der irgendwo im schottischen Niemalsland lebte und doch traurige Berühmtheit erlangte. Eine traurige Geschichte, aber hervorragend erzählt.

  (4)
Tags:  
 
234 Ergebnisse