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alhambra publishing, jahreskalender, gedichte, shafiq naz, lyrik

Der deutsche Lyrikkalender 2012. Jeder Tag ein Gedicht

Shafiq Naz
Kalender: 440 Seiten
Erschienen bei Alhambra Publishing, 26.09.2011
ISBN 9782874480331
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:  
Tags: alhambra publishing, gedichte, jahreskalender, lyrik, shafiq naz, tischkalender   (6)
 

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goethe, james krüss, lyrik, arne rautenberg, clemens brentano

Der deutsche Lyrikkalender für junge Leser 2012

Shafiq Naz
Kalender: 430 Seiten
Erschienen bei Alhambra Publishing, 26.09.2011
ISBN 9782874480362
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Es lebe das Gedicht!

Einfach klasse, was Shafiq Naz da hervorgebracht hat. Er hat genau den Nerv der Zeit getroffen. In einer Gegenwart, in der Jugendsprache und -kommunikation oftmals SMS-reduziert aus kryptischen Kürzeln á la LOL, ROFL oder LMAO bestehen, wagt er es und bringt einen Tischkalender mit Gedichten klassischer und zeitgenössischer Poeten heraus, die sich größtenteils an jüngere Leser richten sollen. Ab ca. 12 Jahre ist als Zielgruppe angegeben.

Nun wird vielen Menschen, besonders Künstlern, ja nachgesagt, dass sie im Herzen Kind geblieben sind. Da ist wohl etwas dran, denn ich muss sagen, diesen Kalender habe ich mit großem Spaß beim Lesen erst mal selbst verschlungen. Das mag daran liegen, dass wir hier zwar jede Menge Gedichte - 366 von 200 Dichtern - vorfinden, die gar nicht mal unbedingt nur für junge Gemüter geschrieben wurden, aber dennoch verständlich sind und trotzdem tiefe Wahrheiten und viel Lehrreiches beinhalten. Nehme man nur einmal das Gedicht ,Der Asra` von Heinrich Heine. Oder Kurt Tucholskys ,Persisch`.

Hier kann man schwelgen in großen Lebensweisheiten (James Krüss, Gedicht für jeden Tag im Jahr),
in ganz großen Gedichten berühmter Klassiker (Rainer Maria Rilke, Ich lebe mein Leben:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
... ),

in Schulbuchklassikern (Heinrich Seidel, Das Huhn und der Karpfen oder Gotthold Ephraim Lessing, Lob der Faulheit, Christian Morgenstern, Fisches Nachtgesang), und zwischen Matthias Claudius, Else Lasker Schüler, Ingeborg Bachmann, Clemens Brentano, Hermann Hesse und Hölderlin findet man zeitgenössische und auch jüngere Dichter wie Karl Otto Conrady, Mathias Jeschke, Alfons Schweiggert und viele viele mehr.

Thematisch gibt es hier so allerlei, was gerade jungen Menschen Anlass zum Hinterfragen bietet, sei es das Gedicht ,Sophie Scholl` von Tina Stroheker, Rätselgedichte zum Thema Sprache (Jan Koneffke), Philosophisches wie ,Was ist die Welt` von Hugo von Hofmannsthal, neuzeitliche Sprachspiele wie z.B. Peter Rühmkorfs ,Reimfibel`, Anleitungen für Kinderstreiche (Joachim Ringelnatz, ,Maikäfermalen`) oder ein ziemlich ,moderner` Goethe:

Ein Hündchen wird gesucht,
Das weder murrt noch beißt,
Zerbrochene Gläser frißt
Und Diamanten scheißt.)

Man versuche einmal, Erwin Sacks ,Einführung in die organische Chemie` laut zu lesen. Genial!

Dieser hochwertige Tischkalender ist auf keinen Fall nur für jüngere Leser geeignet. Er macht sogenannten Erwachsenen, die sich noch wie Kinder freuen können, mindestens genausoviel Spaß. (,im monde wohnt der mondrian, Arne Rautenberg, herrlich!, dann wieder Eichendorffs ,Mondnacht`), oder Michael Augustins Anleitung, ,Wie man ein Kükengedicht macht`.

Auch optisch ist der Kalender sehr gelungen. Ein etwas kleineres Format als der klassische ,Erwachsenenkalender` sorgt für bessere Griffigkeit in Kinderhänden, bunte Farben signalisieren: hier gehts auch mal unernst zu. Ein sehr lebendiger und bunter Querschnitt aus der vor rund tausend Jahren einsetzenden Gedichttradition, die m.E. mit diesem Kalender gerade wieder einen Höhepunkt erlebt. Nicht mal Kinder kämen auf die Idee, hier die Abreißfunktion zu nutzen: dieser Kalender könnte auch nach einem Jahr weiterbenutzt werden. Aber: das sollte keineswegs eine Fortsetzung dieses Masterpieces editorischer Leistung verhindern.

Was man kaum verstehen kann: wie Shafiq Naz es nebenbei noch schafft, den ,Großen` Der deutsche Lyrikkalender 2012. Jeder Tag ein Gedicht: 366 klassische und zeitgenössische Gedichte zu edieren, und sowohl diesen als auch die Jugendausgabe nicht nur in Deutsch, sondern auch als komplett eigenständige englische (2012 ist momentan noch nicht auf Amazon verfügbar) Alhambra Poetry Calendar 2011 und französische Ausgaben zu produzieren. Da kann man sich nur noch verbeugen.

Calendrier de la poésie francophone 2011. L'année en poèmes: 365 poèmes classiques et contemporains
Ausgabe 2012: 24,50 Euro, ISBN-13 978-2-87448-034-8
Alhambra Calendrier de la poésie francophone pour les jeunes, 2012: 18,50 Euro, ISBN-13 978-2-87448-037-9
Alhambra Poetry Calendar, 2012, 24,50 Euro, ISBN-13 978-2-87448-035-5
Alhambra Poetry Calendar for young readers, 2012, 18,50 Euro, ISBN-13 978-2-87448-038-6

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gedichte, lyrik, poesie, deutschland, tentakel literaturmagazin

Die Dunkelheit knistert wie Kandis

Hellmuth Opitz
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Pendragon, 07.09.2011
ISBN 9783865322784
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Es knistert nicht nur, es gibt auch Explosionen!

Nicht gerade schmalbändig kommt Hellmuth Opitz` neuer Lyrik-Band ,Die Dunkelheit knistert wie Kandis' daher. Gleich acht Kapitel umfasst das Werk, auf stolzen 119 Seiten.

Sogleich im ersten Kapitel, welches im Titel schon verdeutlicht, dass wir uns in der kalten Jahreszeit und fast am Beginn eines neuen Jahres befinden, fällt auf, dass Hellmuth Opitz sehr angenehm zumeist vom ,wir' schreibt. Da kennt man ganz andere Auswüchse dichterischer Selbstbespiegelungen, die immerfort um das eigene Ich kreisen. Hellmuth Opitz interessieren die Anderen: der Mann, der optisch verändert aus dem türkischen Friseursalon kommt, um für das neue Jahr gewappnet zu sein, das Paar, das trotz finanzieller Schwierigkeiten wieder ein Jahr zusammen gemeistert hat und ,unbetretene` Wege ,ins Ungewisse` nicht allein beschreiten muss, die frisch verliebten Vierzehnjährigen, deren Zungen an Bushaltestellen ,Forschungsarbeiten` durchführen, das Paar, welches gemeinsam im März durch Wahren der äußeren Fassung und Fassade gegen die innere Verzweiflung anzukämpfen versucht. Das lyrische Ich bei Hellmuth Opitz ist kein einsames.

In Kapitel zwei wird es deutlich wärmer. Wir steuern auf den Frühling und Sommer zu. Wer Opitz-Gedichte kennt, weiß, was das bedeutet. ("I'll lift my shirt up", The National). Hellmuth Opitz stellt jedem Kapitel seines Bandes ein englischsprachiges Songtext-Zitat voraus. Dies ist sein persönliches Dankeschön an die Rockmusik im Allgemeinen und an Singer-/Songwriter-Lyrics im Besonderen, die ihn seinerzeit zum Verfassen von Gedichten gebracht haben. Seine von Liebe und Begehren handelnden Gedichte betrachten die weibliche Anmut, teilen den weiblichen Körper nicht nur in Bikini-, sondern auch in US-kartografische und unscharfe Zonen ein, ja in ein ganzes Sonnensystem, in dem Muttermale die Planeten darstellen. Die Frau, der dieses zweite Kapitel gewidmet zu sein scheint, darf sich glücklich schätzen, denn Hellmuth Opitz kann selbst den Auswirkungen Newtonscher Gesetzmäßigkeiten, dem ,Nachbeben der Schönheit`, noch Positives abgewinnen (Jedes Fältchen, jedes Gramm ist kostbarer gemeinsam erworbener Besitz."), dem andere Dinge ,nach all den Jahren` an Bedeutung überlegen sind. Wenngleich in einigen Texten (,Vom Kommen. Und Gehen` oder in ,Method Actress`) zwischen den Zeilen auch Reminiszenzen mitschwingen.

Ein weiteres Kapitel führt uns nach Manhattan (Tony K.,"The Funky Western Civilization"), in die hektische Unruhe morgendlicher Betriebsamkeit , in Restaurantketten und Edellokale, und überhaupt dreht sich hier einiges ums Essen und um die Bekömmlichkeit von Erlebtem, ob es degoustierbare Digitaldaten sind, Eichhörnchenfutter, Katz` Delicatessen oder das Dunkin` Donuts. Presslufthammer, Börsenzahlen, Polizei und Wanderprediger zeichnen ein Bild vom Broadway, der bei Tageslicht eher nüchtern wirkt.

Im vierten Kapitel widmet sich Hellmuth Opitz den Absurditäten der modernen Wirtschaftswelt. Nicht funktionierende Homepages, hohle Powerpointpräsentationen, Bluetooth und permanente Erreichbarkeit selbst im Urlaub erschweren ein Abschalten außerhalb vorbestimmter Zeitfenster. Der Mensch in seiner Rundum-Rolle als permanent funktionierendes ,Humankapital`, verfolgt von Marketingstrategien und Kapitalprozessen, die seine Sprache zu Worthülsen verkommen lassen. Im Text ,Contenance/Verlust` treibt Opitz seine gesellschaftlichen Beobachtungen samt ihrer Widersprüche auf die Spitze, wenn er von der ,Physiognomie der Besserverdiener` , dem ,Mutti-Tasking` und Au-Pair-gesteuertem ,Zeitmanagement` schreibt. Da bleibt nur noch der Versuch, den wachsenden ,Durst nach Sinn` ,offshore` zu befriedigen, und sei es auch nur, um vor eine Wand zu laufen.

Oder ihn in beseelten Haushaltsgegenständen zu suchen. Wer sich einen Eindruck über Hellmuth Opitz` ,gegenständlichen` Humor machen möchte, besuche auf YouTube den Kanal ,dasgedichtclip` und schaue sich u.a. sein in Szene gesetztes Gedicht , Mein Toaster` an. Sehr köstlich aber auch seine ,schnippische` Teekanne, deren fieseliger Strahl ein Fall für den Urologen ist, seine explodierende Mikrowelle (ist sicher jedem schon mal passiert), die Ballade vom ,gemobbten` Mob oder die ,tablettensüchtige` Spülmaschine. Mit Wortwitz schwenkt Opitz bei diesen Profan-zu-Sakral-Gedichten desöfteren mal zum Gereimten herüber, nicht mit strenger Konsequenz, oder probiert das Sonett. Seine Haushaltsgegenstände zumindest haben ihren festen ,Standpunkt`, was ein zeitgeistgeplagtes männliches Lyrisches Ich unter Leisungsdruck nicht immer von sich behaupten kann.

Hellmuth Opitz` während eines 2010 erfolgten Stipendiatsaufenthaltes im Brecht-Haus in Svendborg entstandenen Gedichte haben ein weiteres eigenes Kapitel erhalten. Brecht lebte hier von 1933-39 im Exil. Er schrieb hier so bedeutende Dramen wie Die Gewehre der Frau Carrar", Mutter Courage und ihre Kinder" und Das Leben des Galilei" sowie natürlich die bekannten Svendborger Gedichte". Wen wundert es da, dass Hellmuth Opitz dem Blick Brechts aus dem Fenster seines Arbeitszimmers nachspürt und in der Gestalt des Bücherregals mit den Brechtwerken den Birnbaum, auf welchen Brecht bereits blickte, vermutet?

Auch Bielefeld und der Fußball kommen nicht zu kurz in diesem Band, ein bisschen Sparrenburg, ein bisschen Westfälisch, aber da ja Zweifel an der Existenz dieser Stadt an sich bestehen, bleibt alles ein bisschen psychedelische Traumlandschaft wie die Autofahrt auf einer ,endlos` langen ,Linie Kokain`.

Das letzte Kapitel wird von einer Line aus Bob Dylan's Lyrics eingeleitet: ,Beyond Here Lies Nothin`.
Gedichte vom Tod und Sterben beschließen diese thematische Komposition vom Werden, Leben und Vergehen. Unfall, Krieg und Krankheit sowie Überlegungen, was einen selbst erwarten könnte, runden den Gedichtband ab.

Innerhalb der Texte gibt es etliche Referenzen zu Falkner-Gedichten, Song-Lyrics oder Gedichten anderer Lyriker. Das braucht schon einen Hellmuth Opitz, um die Wortneuschöpfung einer Kollegin selbstverständlich im eigenen Text verwenden zu dürfen und erst in den nachgestellten Anmerkungen darauf zu verweisen. Für allzu unbedarfte Leser könnte an diesen Stellen der Lesegenuss ohne entsprechendes Blättern etwas beeinträchtigt werden. Aber wie sagte schon der bekannte Münchner Lyrikverleger Anton G. Leitner: ein Gedicht darf ein Geheimnis bergen. Deshalb muss man auch nicht nachschlagen. Dennoch ist das Buch das, was es ist: ein rundum gelungener Opitz für alle Opitz-Fans und solche, die es werden möchten.

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