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theater, romeo und julia, shakespeare, sachsen, liebe

Romeo und Romy

Andreas Izquierdo
Flexibler Einband: 491 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.04.2016
ISBN 9783458361411
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt: Die Geschichte beginnt mit Romy, die sich auf lustige Weise sehr selbstkritisch beschreibt "Mit dieser Wirnis (Haaren) hatte sie den Tod verdient." Auch ihre Tätigkeit als Souffleuse sieht sie gegenüber all den wichtigen Rollen als minderwertig. So war sie doch selber mal eine Schauspielerin. Dabei hat eine Souffleuse eine sehr wichtige Aufgabe und ist für ein Theaterstück unentbehrlich. Dies wird klar, als ihr Romeo einen Aussetzer hat und sie ihren Einsatz verpasst. Denn mitten im Stück ereilt Romy eine erschreckende Nachricht: Oma Lene ist plötzlich verstorben. Romy wird gefeuert und findet sich im beschaulichen Großzerlitsch wieder. Dort erfährt sie, dass ihre Oma Selbstmord begangen hat. Wie unverfroren!, finden die Alteingesessenen. Denn durch Oma Lenes selbst herbeigeführten Cholesterinüberschuss hat sie einen der letzten heiß begehrten Friedhofsplätze ergattert. Romy erbt den Hof ihrer geliebten Oma und verfällt zunächst in rentnerhafter Lethargie, völlig eingelullt von der ländlichen Idylle ziehen die Tage in Endlosschleife an ihr vorbei. Irgendetwas muss sich ändern, und so versucht Romy Oma Lenes Scheune in ein elisabethanisches Theater umzubauen, um das eintönige Leben der Alten wieder aufleben zu lassen, deren einzige Anstrengung nur noch in einem Wettstreit um ein frühzeitiges Ableben besteht. Denn niemand möchte auf den Friedhof der "bekloppten" Kleinzerlitscher. Also wird schon mal trotz Asthma geraucht, sich unzählige Male vor ein Auto geworfen oder unter halsbrecherischem Körpereinsatz die eigentlich sauberen Fenster geputzt. Ein schier unmöglich erscheinendes Unterfangen für Romy? Und plötzlich steht auch noch ihr Vater vor der Tür, der sich vor etlichen Jahren aus dem Staub gemacht hat.

Meinung: Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Der Autor hat es geschafft, das Dorf und seine Bewohner, die für Romy eine große Familie sind, allein durch seine geschriebenen Worte zu visualisieren. Ich schlendere quasi durch das Dorf und sehe alles direkt vor mir. Den Löschteich, das Muschebubu, die Häuser, Emils befahrenden Supermarkt und auch die alte Scheune, die sich zunächst in Romys Vorstellungen und dann tatsächlich in ein altes, wunderschönes Theater verwandelt. Und auch die Gefühlswelten werden sehr gut beschrieben, wobei der anfängliche Wortwitz nicht verloren geht. Dennoch ist das Buch nicht mit lustigen Anekdoten überladen. Vielmehr fügen sich diese leichtfüßig und locker in den passenden Momenten ein und haben mich manche Male Schmunzeln lassen.
Mit Charme und Witz wird der Leser so in die kleine Gemeinde Großzerlitsch aufgenommen, und kommt nicht umhin, die etwas verschrobenen Dorfbewohner ins Herz zu schließen. Ich habe mich mit ihnen gefreut, mit ihnen gefiebert, gelacht und gelitten, je näher man sie kennenlernte. Jede einzelne Figur wird auf ihre ganz besondere (Eigen)Art skizziert, sodass man sie sehr gut auseinander halten kann. Sie wirken individuell und authentisch und bilden nicht nur das Herzstück des Dorfes, sondern auch das des gesamten Buches. Am Ende fiel mir der Abschied solch sympathischer Romanfiguren wirklich schwer. Man möchte am liebsten in den nächsten Bus nach Großzerlitsch fahren, um den alten Herrschaften einen Besuch abzustatten.
Das Buch ist sehr facettenreich, denn wer eine reine Komödie erwartet, liegt falsch. Der Plot überrascht auch mit traurigen Geschehnissen und Hintergründen. Die Liebesgeschichte zwischen Romy und Ben war zwar absehbar, aber dennoch nimmt diese kein großes Gewicht ein, sondern vollzieht sich eher hinter den "Kulissen". Ich find es gut, dass der Fokus auf einer ganz anderen Botschaft lag: Für mich war es eine Geschichte, die auf erfrischende Weise lehrt, dass manches Wagnis eingegangen werden muss, um Träume zu verwirklichen. Denn meistens ist es die Angst vor dem Unbekannten, das Ungewisse, das gefürchtete Scheitern, das uns im beschaulichen Alltagstrott verharren lässt. Nicht nur die Älteren, sondern auch Romy, mussten über ihren eigenen Schatten springen. Aus (wenn auch kurzweiliger) Dickköpfigkeit wurde Tatendrang. Aus Tatendrang ein neues Leben. Manchmal bedarf es ein kleines bisschen Hilfe, um wieder den Glauben an sich selber zu finden. Gut, wenn in solchen Momenten eine Familie da ist, die Kraft und Zusammenhalt gibt und wie auch in diesem Roman über reine Blutsverwandtschaft hinausgehen kann.
"Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl" (Grönemeyer)

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