Leserpreis 2018

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126 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 62 Rezensionen

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Die Unsterblichen

Chloe Benjamin , Norbert Möllemann , Charlotte Breuer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 29.10.2018
ISBN 9783442758197
Genre: Romane

Rezension:

Es ist 1969 in New York Citys Lower East Side und es hat sich die Nachricht von der Ankunft einer mystischen Frau verbreitet, einer reisenden Hellseherin. Diese behauptet, sie könne jedem sagen, an welchem Tag sie sterben werden. Die Gold Kinder - vier Kinder zwischen 7 und 14 Jahren, die sich in den Sommerferien langweilen, sammeln sämtliches Taschengeld zusammen und schleichen sich hinaus, um ihr Schicksal zu hören. Ein Treffen, das ihr Leben in den nächsten Jahrzehnten bestimmt. Das Buch ist in vier Abschnitte aufgeteilt und mit einem Anteil von etwa 25% für jede Figur gut ausbalanciert und ich bin mir sicher, dass jede(r) eine Geschichte der Geschwister bevorzugen wird.

Die Unsterblichen ist eines dieser Bücher, in denen ich das Konzept sehr mochte, aber mit der Umsetzung hadere und ich nicht genau benennen kann, wieso. Ein Teil wird wohl dazu beigetragen haben, dass ich keinen Einstieg in das Leben der Geschwister fand und diese unnahbar blieben. Keiner der Golds war mir so richtig sympathisch und dass sie in ihrem Handeln einander sehr ähnlich waren, führte leider zu wenig Abwechslung für die einzelnen Charaktere und ihre Abschnitte. Ihre Handlungen waren oft nicht nachvollziehbar, die von resignativ bis emotional-impulsiv wechselten, wobei insbesondere letztere dann zu ihrem vorausgesagten Schicksalstag führten. Sie ließen sich von dem Wissen und dem Glauben an ihrem Todestag leiten, sei es bewusst oder unbewusst, sodass sich dieser in Form einer selbsterfüllenden Prophezeiung tatsächlich zutrug.

Der erste Abschnitt ist Simon gewidmet. Der scheue Junge entwickelt sich nachdem er mit seiner Schwester Klara nach San Francisco ging, zu einem egoistischen, vulgären, triebgesteuerten jungen Mann, der nur Spaß sucht, ständig die Hand bei anderen in der Hose hat und dabei nicht an Konsequenzen denkt oder daran, dass er mit seinem Handeln Menschen, die ihnen lieben, verletzen könnte. Dennoch hat mich Simons Geschichte am meisten bewegt. Dies lag an dem jungen Alter, in dem er starb, aber auch an der Todesursache, die bei mehr Aufklärung hätte abgewendet werden können. Doch die Zeit war eine andere und dies wurde schockierend transportiert. In den letzten Minuten seines Lebens erklärt er Klara, dass er alles richtig gemacht hat. Denn ohne die Wahrsagerin wäre er nie von zu Hause fortgegangen, er hätte niemals seine große Liebe kennengelernt und die Liebe für das Tanzen entdeckt. Ohne sie würde er zu Hause darauf warten, dass sein Leben beginnt. Diese Worte hinterlassen eine starke Botschaft: Die einzige Zeit, in der du garantiert leben wirst, ist jetzt! Also lebe so, wie du willst!

Klara und Simon stehen sich von den Gold Geschwistern am nahsten, da sie auch recht ähnliche Persönlichkeitseigenschaften aufweisen. Sie entflohen ihrer spießigen Erziehung, ohne Plan, hinein ins freigeistige und aufregende San Francisco und verfolgen ihren Traum.

Klara, inspiriert von der Großmutter, wächst über sich hinaus, trotzt den Tod in der waghalsigen Seilkunst, will in Las Vegas groß rauskommen - und ist dann irgendwann nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ein schleichender Prozess, aus dem selbst ihr Mann und ihre Tochter sie nicht befreien können.

Abgesehen von Varyas (natürlich ethisch fragwürdigen) Studien und den wissenschaftlichen Hintergründen fand ich keine der Geschichten von Daniel und ihr interessant. Es gab auch keine große Diskussion über die Auswirkungen von Simons oder Klaras Tod auf die anderen, abgesehen von der Verbindung über polizeiliche Ermittlungen. Ich hätte mir einen etwas tieferen Einblick über die Familienmitglieder und darüber gewünscht, was sie wirklich dachten und fühlten. Den Tod Daniels habe ich zumindest, bis zur entscheidenden Szene, nicht in dieser Form kommen sehen.

Varya, die älteste der Golds, kann sich am glücklichsten schätzen, da sie am längsten lebt, doch nutzt sie ihre Zeit bzw. lebt sie wenig. Vielleicht war dies eine weitere Botschaft Benjamins, doch Vayas Geschichte waberte vor sich hin. Sie wird zu einer engagierten Forscherin mit mehr Geheimnissen, als jeder in der Familie wahrnimmt, isoliert sich selbst durch phobische Ängste vor Krankheiten und Unglück und vermeidet jegliche physische und emotionale Berührung. Ihr Finale war dann ziemlich glanzlos, doch zeigt dieser auch am Besten, dass es nie zu spät ist, von vorne zu beginnen. Wir können immer von unserer Vergangenheit und der Vergangenheit der Menschen um uns herum lernen.

Der Schreibstil war solide und leicht, aber auch hier störte mich etwas. Sexuelle Aspekte wurden inmitten von Szenen erwähnt, die nichts mit Sex zu tun hatten. Für die Beschreibung von Varya, einer 13-jährigen, wäre mir etwas anderes eingefallen, als sie einfach mit einem dunklen Haarwuchs zwischen den Beinen auszustatten. Aus der "tragenden" Rolle des Nebencharakters Eddie wurde ich ebenfalls nicht schlau. Ich fand ihn unpassend und sein Beitrag zum Verlauf der Geschichte war mir zu unglaubwürdig.

Fazit: Interesse und phasenweise Langweile haben sich die Waage gehalten. Die Idee ist gut und der Leser bleibt mit interessanten Fragen über das Leben zurück: Haben die Golds unvorsichtig gehandelt, hätten sie andere Handlungsweisen (länger) leben lassen? Bestünde die Möglichkeit, das eigene Todesdatum zu erfahren, würdest du es wissen wollen? Sollen wir in unserem Leben stets auf Nummer sicher gehen, aber dadurch vielleicht Chancen und Erfahrungen verpassen, als wenn wir vielleicht ein paar Risiken eingegangen wären?

- 3 1/2 Sterne -

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76 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

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Unverfrorene Freunde

Klemens Pütz , Dunja Batarilo
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 21.09.2018
ISBN 9783550050343
Genre: Sachbücher

Rezension:

Pinguine sind mit ihrem Watschelgang, ihrer rundlichen Figur und ihrem eleganten Frack einfach drollig und gehören mit zu den beliebtesten Tieren, wie auch zu meinen. Klemens Pütz nimmt uns mit auf eine Reise, die die Welt der Pinguine am Land, im Wasser sowie den Wandel ihrer Lebensräume informativ und fesselnd beschreibt.

Dabei habe ich so viel Neues und Spannendes über Pinguine erfahren, was mich erstaunt zurückgelassen hat. Verbreitete Vorstellungen über gruppenkuschelnde Pinguine werden Kindesentführung, Prostitution, hohe Scheidungsraten, für den Nachwuchs tödlich endende Nachbarschaftskrisen oder Nekro- und Pädophilie gegenübergestellt.
Die seit fast 30 Jahren bestehende Leidenschaft von Klemens Pütz zeigt sich auf jeder Seite und ist ansteckend, sodass ich das Buch nur schwer aus den Händen legen konnte. Dazu beigetragen hat, neben den ohnehin interessanten, kälteresistenten Bewohnern, der lockere Schreibstil, welcher Fakten und Wissenschaft auf eine durchweg verständliche Weise an den Laien heranträgt und auch Erklärungen alltagsnah und greifbar macht. Amüsante Anekdoten und zwischendurch eingestreute persönlichere Auszüge machen Buch und Klemens Pütz durchweg sympathisch. So wird beispielsweise von dem glücklichen Zufall erzählt, der ihn zur Pinguinforschung brachte, seiner ersten Begegnung mit einem Pinguin, der ihn "in die Knie zwang", seiner Hochzeit unter den elegantesten Gästen, die man sich nur vorstellen kann oder der gegründeten Stiftung "Antartic Research Trust" auf den Falklands, die wissenschaftliche Forschung an (sub)antarktischen Tieren durchführt und so ihren Lebensraum zu schützen versucht.

Spannend war auch in einem Exkurs über die Evolution der Pinguine zu lesen. Wer hätte gedacht, dass der größte Pinguin 1,80m groß war?
Die Farbfotos sind großartig, schön und abwechslungsreich und haben mich animiert, anhand der vorangegangenen Beschreibungen im Buch, die Pinguinarten zu bestimmen und erst dann die entsprechende Bildunterschrift zu lesen. Kleine Erfolge für den Leser ;)

Pinguin- und generell Tierfreunde werden dieses mit Herzblut entstandene Buch lieben. Es werden erstaunliche Einblicke in die Welt und das Leben der Pinguine, die Unterschiede in ihrer Lebensweise und ihren Lebensraum gegeben, die man sicherlich vorher nicht wusste. Selten lässt sich ein Sachbuch finden, dass wissenschaftliche Sachinformationen sowie Spannung, Unterhaltung und Esprit vereint. Klemens Pütz ist dies in Zusammenarbeit mit der Journalistin und Autorin Dunja Batarilo hervorragend gelungen. Der eigene Wissensdrang wird angeregt und ließ mich die am Ende aufgeführte, weitergehende Literatur und Websites sichten, die sich Themen zu Pinguinen, Antarktis, Fischerei, Meer und Plastik widmen.

Insbesondere der letzte Teil stimmt dann mit Themen wie ölverschmierten Pinguinen, Überfischung, Plastikmüll und Klimawandel nachdenklich und traurig und zeigt, wie wichtig solch großartigen Forschungen sind, wie sie Klemens Pütz betreibt.
"Denn nur was man liebt, das schützt man auch. In diesem Sinne schreibe ich auch dieses Buch: Wer die Zusammenhänge versteht, der kann auch dementsprechend handeln. Denn Pinguine brauchen Freunde – nicht nur auf YouTube."

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150 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 90 Rezensionen

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Hippie

Paulo Coelho , Maralde Meyer-Minnemann
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.09.2018
ISBN 9783257070491
Genre: Romane

Rezension:

Nach einem kleinen Einstieg und Hintergrundinformationen zur generellen Nachrichtenverbreitung mittels der Unsichtbaren Zeitung, der Entstehung von Hippie-Trails, dem obligatorischen Reiseführer "Europe on Five Dollars a Day", den Reiseschwierigkeiten und die sich entwickelnde Dominanz der Hippie-Frauen, beginnt die Geschichte mit Karla. Sie kündigte ihren Job, um nun auf dem Dam in Amsterdam auf eine männliche Reisebegleitung nach Nepal im legendären „Magic Bus“ zu warten. Zeitgleich steht Paulo kurz vor der niederländischen Grenze, der in einem Rückblick von einer bereits gemachten Erfahrung auf einem Hippie-Trail berichtet. Beide begegnen sich schließlich in Amsterdam und sammeln auf dieser Reise ganz eigene Erfahrungen.

 

Mit der unabhängigen und emanzipierten Karla, die mir anfangs ganz sympathisch war, wurde ich im weiteren Verlauf der Geschichte nicht warm. Sie war mir zu herrisch, egoistisch und anstrengend. Erst als sich die Gründe für ihr Verhalten gegen Ende aufzeigten und sie sich mit sich selber versöhnte, konnte ich sie etwas besser verstehen. Umso positiver fand ich, dass Paulo der erste war, der nicht nach ihrer Pfeife tanzte. Insgesamt haben mir der Charakter bzw. ja der Autor und seine oft philosophischen Gedankengänge zugesagt. Diese Textstellen waren zwar stellenweise anstrengend und erforderten wirkliche Konzentration beim Lesen, aber sie waren zugleich auch so interessant, dass sie zum Nachdenken über das Gesagte anregten. Ebenso faszinierend war es zu erleben, wie Coelho war und lebte und welche Erfahrungen er gemacht hat, die den heute bekannten Schriftsteller formten. Zu diesen geschilderten Erfahrungen zählen aber nicht nur gute Erlebnisse. Die schreckliche Entführung und gewalttätige Vernehmung Paulos und seiner damaligen Freundin in Brasilien waren schockierend und zeigten die weit verbreiteten Meinungen über die Hippie-Kultur auf, die die "anders aussehenden" jungen Menschen schnell in Verbindung mit der Guerilla Bewegung um Che Guevara brachten. Bis sich der Verdacht als unbegründet herausstellte, durchlebte Coelho seine ganz eigene Hölle. Einer weiteren Hölle widerstand der Autor in den sog. Houses of the rising sun, deren genaue Bedeutung mir bis dato nicht bekannt war.

Im Buch sollte jedoch der Reiseaspekt im Vordergrund stehen. So ziert eine schöne Zeichnung der Reiseroute von Amsterdam bis Nepal mit dem berühmten Magic Bus die Innenseite des Buchdeckels, die von der heutigen Ehefrau Coelhos stammt. Die Stationen der Reise waren schön beschrieben, waren stets von einem Hauch Spiritualität umgeben und vermittelten vereinzelt einen lebendigen Eindruck, insbesondere in Istanbul war es so, als befände man sich selbst auf dem von Gewürzen und Menschenmengen umhüllten Basar, oder nehme mit Blick auf die Lichter jener Stadt ein wohlschmeckendes Gericht auf der Seite Asiens zu sich, nachdem man die Bosporus Brücke überquert hat.
Doch leider verabschiedet sich der Magic Bus von uns in Istanbul und fährt ohne uns weiter. Da Paulo beschließt in Instanbul in die spirituelle Schule der Derwische zu gehen und seine Reise nicht mehr fortsetzt, erfahren wir wider Erwarten leider nichts von den weiteren Orten der Reise Teheran, Kabul, Delhi und schließlich Nepal. Dies hat mich etwas enttäuscht, da eingangs so viel von dem großen Ziel Nepal geredet wurde und auch die Zeichnung eine solch lange Reise verspricht. Während es lange Zeit in Anspruch nahm, bis die Reise überhaupt stattfand, fand sie umso schneller ein jähes Ende. Paulo findet zwar einige Antworten, aber das Ende seiner Reise gestaltete sich leider als abrupt und nicht ganz geschlossen. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Mitreisenden kaum Interesse an den besuchten Ländern zeigten, obwohl ein allgemeiner Widerstand gegen den Massentourismus verbreitet war.

Angenehm überrascht hat mich dagegen die Menge interessanter, historischer Informationen, die man in Bezug auf die Zeit erfährt, die internationale Politik und damit verbundene Unruhen, Gesetze, die den Konsum von Drogen unter Strafe stellen und vorherrschende Meinungen über das bohemische Leben, die diesem einen gar nicht so bunten, friedvollen, harmonischen und freien Beigeschmack verliehen, wie wir es heute mit dem Hippie-Leben assoziieren.

Hippie vermittelt einen tiefen, vielfältigen sowie spirituellen Eindruck in die Zeit der 70er und mir gefallen viele Gedanken Coelhos sehr:

"Dann ging er hinaus und schloss die Tür, obwohl er wusste dass für jene, die versuchen eine Schwelle zu übertreten, die Türen immer offen sind. Man muss nur am Türknauf drehen."

"Der schlimmste Mord ist der, der an unserer Lebensfreude begangen wird."

Doch ich war nicht Teil der Reisegruppe, blieb eher Außenstehende, obwohl in der gewählten 3. Person ein Blick in das Innere aller Figuren gewährt wurde und dass sich die Türen des Magic Bus nach einer recht kurzen Reisedauer schon wieder schlossen, führte nicht zu dem erhofften Gefühl, sich auf einem der berühmten Hippie Trails zu befinden. Es mag sein, dass das Gefühl dieser Zeit stärker bei Jahrgängen Coelhos transportiert wird.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Das inoffizielle Harry-Potter-Bastelbuch

Christine Rechl
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei mvg, 31.08.2018
ISBN 9783868829686
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Das inoffizielle Harry Potter Bastelbuch - Zauberstäbe, Denkarium und Co. zum Selbermachen stammt aus der beeindruckend kreativen Feder der Autorin Christine Rechl und enthält auf rund 160 Seiten verschiedenste Bastelideen, die an die HP-Welt angelehnte Themen, Gegenstände und Motive sowie frische Ideen vereinen und zu DIY-Projekten umgewandelt wurden.

Die enthaltenen Bastelideen sind durchweg zauberhaft und stecken voller Liebe im Detail, die das eigene Heim zu einem wirklichen Hingucker machen. Die Ideen eignen sich natürlich auch wunderbar als Geschenke für Freunde und Familie, die ebenfalls Fans der magischen HP-Welt sind. Zur Unterstützung befinden sich im Buch verschiedene Vorlagen, die als Kopiervorlage verwendet werden können. Jede Bastelidee ist einer geeigneten Schwierigkeitsstufe zugeordnet und wird durch verständliche Anleitungen und Bilder schrittweise erläutert. Dies finde ich wirklich gelungen, denn so wirken die Ideen nicht einfach nur abstrakt, sondern zugänglich und realistisch.

Ich habe mich zunächst für Bastelwerke entschieden, die für mich kostentechnisch und angesichts meines noch wenig erprobten Basteltalents umsetzbar erschienen (Als Beispiel: Ein 5er Pack Blanko-Geschirrtücher und ein 10er Pack Textilstifte für ca. 18 Euro). Es ist nicht notwendig, sich rigoros an den Vorlagen zu halten. So habe ich beispielsweise die Vorlage zu der 'Karte des Rumtreibers', die im Buch als Wandbehang diente, als Malvorlage für ein Geschirrtuch verwendet. Auch habe ich es nicht ganz hinbekommen, das für mich nötige Maß zu finden. Das ist aber gar nicht schlimm. Man kann sich wirklich kreativ austoben, sodass ich das Geschirrtuch mit vielen weiteren Details, teils aus dem Buch und teils mit eigenen Ideen, gefüllt habe.

Das Bastelbuch bietet viele kreative Anregungen. Je nachdem, wie viel man auszugeben bereit bzw. auszugeben in der Lage ist, wird hier für jeden etwas Schönes zu finden sein. Ganz wenig Material wird z.B. für die Einladungskarten, die beweglichen Fotos, das Monsterbuch, die Erinnerungsphiolen oder die Schokofrosch-Verpackung benötigt. Ich hatte sehr viel Freude während des Bastelns und Gestaltens, sodass ich das Buch jeden empfehlen kann, der ein Stück Hogwarts nach Hause holen möchte.

Einen kleinen Minuspunkt gibt es dafür, dass nicht durchweg alle Ideen erschwinglich sind. Ich musste schon genau für mich abwägen, welches der Materialien ich nicht nur für einmalige Zwecke anschaffen möchte. Da meine Bastelstube recht spärlich ist, musste ich daher einige tolle Ideen leider erst einmal aufschieben.

 

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich für das gewonnene Buch bedanken. Sicherlich werde ich hieraus noch ein paar Ideen aufgreifen.

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189 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 59 Rezensionen

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Heute schon für morgen träumen

Lori Nelson Spielman , Andrea Fischer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 26.09.2018
ISBN 9783810530622
Genre: Romane

Rezension:

Emilia arbeitet in der Traditionsbäckerei ihrer Familie in Brooklyn, Bensonhurst. Ihre italienische Familie ist damals nach Amerika mit der Hoffnung auf ein besseres Leben ausgewandert. Ihre Mutter ist leider früh verstorben, weshalb sie und ihre Schwester Daria von Nonna Rosa aufgezogen wurden, die das Sagen in der Familie hat. Emilia ist eine harmoniebedürftige junge Frau, die unter Rosa kuscht und auch alles für ihre Schwester stehen und liegen lässt, welche sich auch nicht gerade freundlich ihr gegenüber verhält. Dann erreicht Emilia ein Brief ihrer Großtante Poppy, die sie und ihre Cousine Lucy mit auf eine Reise durch Italien nehmen will. Besonders Rosa ist nicht von dieser Idee begeistert, die Emilia von jeher den Kontakt zu ihrer Schwester untersagte. Erstmals erfährt Emilia auch, dass Poppy damals in ihrer Trauer um den Verlust ihres eigenen Kindes die Tochter ihrer Schwester, also Emilias Mutter, entführt haben soll, was Rosa ihr bis heute nicht verzeiht. Doch Poppy schafft es mit ihrem positiven Wesen Emilia von der Reise zu überzeugen, die Poppy an ihrem 80. Geburtstag vor der Kathedrale Ravello beenden will. Cousine Lucy ist anfangs wenig begeistert, doch Poppys Vorhaben, den "Fluch" der Zweitgeborenen der Familie alleinstehend zu bleiben, brechen zu können, überzeugt sie schließlich doch. Die drei Frauen erleben nicht nur eine wunderbare Reise durch Italien, sondern auch eine Reise in die Vergangenheit.

 

Die Figuren haben mir bis auf Rosa und Daria alle gefallen, obwohl sich die Einstellung zu Daria später auch noch ändert. Das Gefühl einer italienischen Großfamilie wird sehr gut vermittelt und ich konnte mir alle lebhaft vorstellen - angefangen über die graue Maus Emilia, die aber von Charakterstärke zeugt, über die schräge, lebenslustige Lucy, den ebenso lieben Onkel Dolphie in seinem Frisiersalon bis hin zu dem sympathischen Matteo, der seit Ewigkeiten in Emilia verknallt ist. Poppy habe ich von Anfang an am meisten in mein Herz geschlossen. Sie ist trotz ihres Alters erfrischend jung geblieben, schonungslos ehrlich, lustig und inspirierend. Sie hat so viel erlebt und vermittelt den Mädchen wunderbare Lebensweisheiten:

"Ihr, meine Lieben, seid noch in der Produktionsphase eures Films. Macht ihn spannend!“

Durch Poppys Gegenwart blühen die Mädchen auf ihre ganz eigene Weise auf, stehen zu sich selbst und für sich sein und erleben schließlich selbst, was Poppy meinte, als sie sagte: "Solange du nicht weißt, wer du nicht bist, weißt du auch nicht, wer du bist."

Während dieser Reise entdecken sich die Mädchen aber nicht nur selbst, sondern lernen auch Poppys Leben kennen und warum es ihr so wichtig, ist, dass sie an ihrem 80. Geburtstag unbedingt vor der Kathedrale stehen müssen. Dieser Abschnitt aus Poppys Leben ist herzzerreißend und man fiebert mit, ob sie dieses Ziel erreichen kann, denn Poppy bleibt nicht mehr viel Zeit.

 

Das Buch überrascht mit Wendungen in vielerlei Hinsicht, die ich nicht erwartet habe. Ich möchte gar nichts verraten oder etwas vorwegnehmen. Mich hat Poppys Familiengeschichte einfach sehr bewegt und stellenweise fassungslos und erschüttert zurückgelassen, sodass ich großen Respekt vor dieser starken, herzensguten Frau habe. Schon lange habe ich nicht mehr mit Figuren in einem Buch so gelitten, gehofft und geteilte Freude empfunden. Eine wirkliche Achterbahnfahrt der Gefühle.

Poppy verfolgte mit der Reise einen ganz besonderen Plan, der alle Menschen, die sie liebt, zu ihrem eigenen, aber auch gemeinsamen Glück und Happy End führt. Es freut mich so sehr, dass ihr Plan aufgegangen ist, sodass man das Buch mit einem beruhigten und glücklichen Gefühl schließen kann. Aus einer traurigen Vergangenheit schuf Poppy eine umso schönere Zeit und Zukunft für ihre Lieben und für neue Kapitel in ihrem Leben. In keinster Weise hatte ich dabei das Gefühl, dass Handlungsstränge unrealistisch oder kitschig sind. Der Zauber Poppys, der sich durch das ganze Buch zog, fügte alles auf eine wunderbare Weise zusammen und machte die Geschichte rundum perfekt.

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71 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

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Das Vogelhaus

Eva Meijer , Hanni Ehlers
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei btb, 27.08.2018
ISBN 9783442757947
Genre: Romane

Rezension:

Gwendolen, kurz Len, Howard widmete sich der Erforschung von Vögeln im natürlichen Lebensraum, ganz ohne die manipulativen Eingriffe anderer Forschungsrichtungen und schaffte so eine ganz neue und andere Perspektive auf die Vögel. Ihr Interesse entwickelte sich schon früh, denn auch ihr Vater war ein Naturliebhaber und zog Vögel groß. Eine andere Leidenschaft Lens führte sie aber zunächst auf die Musikschule in London. So richtig wohl fühlte sie sich dort jedoch nie und auch ihre Freunde und Liebschaft konnten sie nicht halten. So kaufte Len ein abgelegenes Haus in Sussex, um ungestört ihrem Lebenstraum nachgehen zu können.

Eine Geschichte, die mich sehr gelockt hat und die an sich auch immer noch interessant ist. Doch der Schreibstil machte für mich vieles kaputt. Die Sätze waren zu abgehackt und störten extrem. Ich könnte mir vorstellen, dass dies der Intention geschuldet war, kurze und prägnante Beschreibungen der Umgebung in Manier eines (Natur)forschers zu geben. Ein Auszug:


Die Dämmerung nistet sich zwischen den Bäumen ein. Blau wird zu Graublau, zehn Minuten, Dunkelgraublau, zwanzig, ich gehe die Anhöhe hinunter, Grauschwarz.“
Ich gehe den schmalen Pfad durch den hinteren Garten zum Fluss hinunter. Klatschmohn, Kornblumen, Raps. Die Sonne malt Muster auf meine Augenlider, Bienenkörbe, ich kneife sie zusammen..“

Solche kurzen Beobachtungen stellt Len auch in ihrer zwischenmenschlichen Umgebung an. Dies trägt aber dazu bei, dass sich über das gesamte Buch eine unüberwindbare Distanz zu den einzelnen Figuren aufbaut. Eine solche Unpersönlichkeit, dass ich vereinzelnd bis zum Ende nicht wusste, wer diese oder jene Figur ist – oder es schlicht vergessen habe. Zu diesen Figuren gehört auch ihre Familie. Ich kann nicht mit großer Sicherheit sagen, wie viele Geschwister Len überhaupt hat. Len hat sich sehr von ihnen isoliert. Von ihrer Schwester Margaret, die Len in jungen Jahren enttäuscht hat, erfährt man, nachdem Len nach London ging, gar nichts mehr. Alle Figuren sind so uninteressant, farblos und noch nicht mal großartig sympathisch. Man begegnet ihnen, sie begleiten eine Weile durch das Leben und verschwinden dann.

Gegenüber den blassen, menschlichen Figuren, werden aber Lens Vogelfreunde in sehr anschaulicher Weise beschrieben. Es waren mehr Vögel als Menschen, die einen im Buch begegnen und doch konnte ich mir die Vögel und ihre einzelnen Nachkommen besser merken und sie anhand ihrer Beschreibungen und Individualität auseinanderhalten.
Möglich, dass genau das so gewollt war. Mir kam die Beschreibung des Buchs in den Sinn: „Warum hat jemand lieber Vögel um sich, als Menschen?“. Ich verstehe Lens Einstellung gegenüber den Mensch im Allgemeinen, der sich plump und unachtsam in der Natur fortbewegt, kein Auge für die kleinen Lebewesen hat und sich für viel zu wichtig nimmt. Auch ich hatte kein Interesse an den Menschen im Buch. Lens Geschichte in London auf dem Kuratorium war einschläfernd und ich habe mich, wie sie wohl auch, nach den Vögeln gesehnt, die sie schmerzlich vermisste. Zwischendurch gibt es zwar durch Zeitsprünge einige kurze Abschnitte von 1-2 Seiten über die gemachten Erlebnisse und Beobachtungen der Vögel, aber im Großen und Ganzen erstreckt sich Lens Lebensweg in London bis etwa S. 190. Erst dann entscheidet sie sich, dem Leben in London den Rücken zu kehren und sich voll und ganz der Forschung zu widmen. Ab dann wird es interessant, aber bis dahin ist schon mehr als die Hälfte des Buchs vergangen. Man merkt, dass Lens Leben mit den Vögeln von weniger aneinandergereihten Gedankenfetzen gezeichnet ist. Ihre Beschreibungen sind nun ausführlicher, liebevoller, wärmer und weniger sachlich. Es scheint als hätte sie schließlich ihren Platz gefunden und kann unter den Tieren und in der Natur aufblühen. So wie die Vögel älter werden, sterben und die neue Brut das Haus "beschlagnahmt", wird natürlich auch Len älter. Wir haben sie seit Kindertagen begleitet, doch einen Wandel spüre ich nicht. Es wird zwar über die kleinen körperlichen Gebrechen geschimpft, doch das fortschreitende Alter würde ohne die angegebenen Jahreszahlen nicht transportiert werden. Sehr schön fand ich jedoch das Ende, was auf mich sehr beruhigend wirkte und "vogelfrei".

Ich habe großen Respekt vor der zu Unrecht vergessenen Forscherin, die eine wunderbare Herangehensweise für natürliche Experimente hatte. Durch mein Psychologiestudium bin ich mit den Experimenten des Behaviorismus vertraut, die nicht nur erschreckende Versuche mit Tieren, sondern auch mit Menschen durchführten (Man denke an den kleinen Albert). Es machte mich traurig und wütend, dass ihre Forschungen nicht anerkannt, ja sogar belächelt wurden. Dennoch fuhr sie unbehindert fort, brach mit gesellschaftlichen Konventionen, nach denen Frauen schleunigst einen Ehemann finden und Kinder bekommen sollten und schafft es schließlich sogar zu Veröffentlichungen von Büchern. Alleine zu sein, ohne Mann und Kinder, sah sie nicht als den Preis, den sie für ihre Arbeit zahlen musste. Len Howard ist eine tolle Pionierin ihrer Zeit, doch leider ist die Umsetzung ihrer erstaunlichen Geschichte nach meinem Geschmack nicht gelungen.




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209 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 135 Rezensionen

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Ins Dunkel

Jane Harper , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.07.2018
ISBN 9783499274732
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Teambuilding im australischen Busch, fünf Frauen und nur vier kommen zurück - blutend und verletzt. Ist Mutter Natur oder doch ein Verbrechen für Alices Verschwinden verantwortlich, schließlich ist Alice die Informantin in dem jüngsten Fall eines Geldwäschebetrugs von Aaron Falk und Carmen Cooper und somit von besonderem Interesse. Dass die Frauen unterschiedliche Versionen zu den Vorfällen haben, macht es nicht leichter. Als Aaron Falk einen mysteriösen Anruf der vermissten Frau erhält, indem "ihr weh tun" zu vernehmen ist, ist er nur noch mehr entschlossen, herauszufinden, was passiert ist und sie zu finden.

 

Die Handlung springt zwischen den Erlebnissen der Frauen und der Gegenwart mit Aaron und dem Fall, wobei man auch Teile über sein persönliches Leben erfährt, insbesondere seine Beziehung zu seinem verstorbenen Vater. Jedes Kapitel aus der Vergangenheit ist einer Frau gewidmet, sodass sich auch die herrschenden Spannungen zwischen ihnen nach und nach offenbaren. Auf diese Weise ergibt sich eine Mischung aus Überleben in der Wildnis und einer polizeilichen Untersuchung, wobei sich beide Handlungsstränge im Laufe der Geschichte sehr gut miteinander verzahnen. Insgesamt war die Zeit bei den Frauen im Wald jedoch spannender, welche oftmals durch den Sprung in die Gegenwart und den dort ablaufenden Handlungen gedrosselt wurde.

 

Die Charaktere, sowohl Falk als auch die fünf Frauen, sind gut konstruiert, jede für sich, mit klaren Merkmalen und Motivationen und auch beide Detektive waren gut ausbalanciert. Es entwickelten sich allmählich die Anfänge einer soliden Freundschaft...und dann auch einer Romanze, was ich nicht gut und auch unnötig fand.

 

Das Buch bietet weder große Wendungen noch einen Überraschungsmoment, doch der Schreibstil Harpers ist unglaublich packend und lässt nicht mehr los. Daher ist mein absoluter Lieblingsteil des Buchs auch nicht unbedingt der Inhalt, sondern die geschaffene Atmosphäre. Jane Harper schafft gekonnt eine düstere Stimmung der Bedrohung und der wild gewordenen Natur, die sich durch den ganzen Roman zieht. Man spürt die durchdringende Kälte, die klaustrophobische Wirkung des dichten Buschwerkes und später die unheimliche Aura der verlassenen Hütte, in der sich die Frauen aufhielten. Als ihre Panik einsetzte, setzte auch meine ein und ich war ebenso erleichtert, wie die Charaktere, als sie in ihren Autos aus der Wildnis heraus auf dem Weg nach Melbourne waren.

 

Ins Dunkel nimmt mit auf eine kraftvolle und stimmungsvolle Reise in jene Seite der menschlichen Natur, die so gefährlich und ungezähmt ist, wie die Giralang Ranges.

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61 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

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Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte

Rachel Khong , Tobias Schnettler
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2018
ISBN 9783462049725
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch mit dem eigentümlichen Namen "Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte" folgt ein Jahr im Leben der 30-jährigen Ruth Young, die auf Bitte ihrer Mutter in das Elternhaus in einem Vorort außerhalb von L.A. zurückkehrt, um sich um ihren an Demenz erkrankten Vater Howard zu kümmern. Ihr Vater war Professor an einem College, der nun nicht mehr zu unterrichten vermag. Ruth erlebt zudem selbst eine persönliche Krise. Da ihre Verlobung erst kürzlich auseinanderbrach, ist ihr Herz gebrochen. Ruth beginnt Details ihres täglichen Lebens und Howards Veränderungen aufzuzeichnen.

Die Thematik der Geschichte ist traurig - eine Person in der Familie hat Demenz, verliert langsam und Tag für Tag ihr Gedächtnis und die ganze Familie muss damit umgehen lernen. Die Geschichte wird von Khong aber mit einem weinenden und einem lachenden Auge erzählt. Die Mutter sieht die Quelle des Gedächtnisverlustes im Essen. Folglich muss sich die Familie nicht nur in einen gesünderen Ernährungsstil einlesen (u.a. Blumenkohl, Brokkoli, Vitamin D, Omega-3-Fette oder Nahrungsergänzungsmittel), sondern auch Studien zu Demenz eruieren, die Experimente an Ratten oder das Verspeisen von proteinreichen Quallen zur Verhinderung der Krankheit, anführen. Selbst der Vater, der unberechenbar klare Momente aufweist, scherzt über sein eigenes Schicksal und veräppelt Ruth damit, dass er angeblich nicht mehr das Wort für Banane wisse ("Hier, nimm eine von diesen krummen, gelben Früchten", sagt er.).

Die Struktur des Romans mag nicht jedem gefallen. Es finden sich nach Tagebuchmanier Einträge für jeden Monat des Jahres, die mal länger und mal kürzer gehalten sind und nur aus der Perspektive von Ruth erfolgen. Dabei wechselt sie zwischen Einträgen für sich selbst und Erinnerungen für ihren Vater. Aus diesem Grund wirkt der Inhalt, insbesondere auf den ersten Seiten recht sprunghaft und erschwerte nicht nur den Einstieg, sondern auch das Eintauchen in die Geschichte. All dies tut Ruth in Anlehnung und Replikation an ein Notizbuch, das ihr Vater ihr gab, als sie ein kleines Kind war, welches all die lustigen Dinge beinhaltet, die sie einst tat, fragte oder anmerkte und welches er aufbewahrte. Dies berührte mich, da es zeigte, wie viel Ruth ihm bedeutet. Was als kurze Berichte über ihr "neues" tägliches Leben zu Hause beginnt, wird schließlich aufschlussreicher, als Ruth über ihre eigene Vergangenheit nachzudenken anfängt und auch realisiert, dass sie in ihrer Verehrung ihres Vaters gegenüber seinen Fehlern blind war, wie es ihr Bruder und ihre Mutter dagegen nicht waren. Es ist fast so, als ob Ruths Erinnerungen in ihrem Leben wichtiger zu werden scheinen, als die ihres Vaters verschwinden. Herzlich war auch die Idee für Howard eine wöchentliche Scheinklasse auf die Beine zu stellen, damit er sich wieder gebraucht und als kompetenter Lehrer fühlen kann. Das Buch wird durch diese kleinen aneinandergereihten Situationen gefüllt, die auf ihre eigene Weise schön sind und die schweren Momente für die Familie erhellen. Doch der Leser bleibt durch die eingeschränkte Perspektive recht unbeteiligt und erfährt somit leider nichts über die Gedanken, Sorgen, Ängste und Beweggründe der einzelnen Familienmitglieder.

Das Buch erinnert an eigene (nicht getroffene) Entscheidungen, die eigene Familie, Altern und die Endlichkeit des Gedächtnisses. Es unterstreicht einmal mehr, dass Erinnerungen gepflegt werden sollten, weil sie eines Tages verschwinden könnten. Man fängt selbst an, über den unerträglichen Gedanken zu sinnieren, was wäre, wenn die eigenen Eltern an diesem unaufhaltsamen Leiden erkranken, wenn sie langsam vergessen, wer sie sind und die Personen vergessen, die sie mehr als alles andere auf der Welt geliebt haben.

Die Dinge, mit denen sich die Autorin beschäftigt, sind herzzerreißend, manchmal albern bis skurril und porträtieren dabei realistisch ein familiäres Zusammenleben über das sich ein Schatten durch die schwere Krankheit Demenz gelegt hat. Noch ein klein wenig mehr Tiefgang der einzelnen Figuren hätte das emotionale Facettenreichtum komplettiert. Denn insgesamt gefallen hat mir, dass diese traurige Thematik mal auf eine ganz andere Weise aufgegriffen wurde und diese humorvoll, aber nicht zu lächerlich erzählt wird.

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(8)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

Einhorn Theodor

Constanze Steindamm , Anna Carlsson
Audio CD
Erschienen bei Der Hörverlag, 16.07.2018
ISBN 9783844530513
Genre: Kinderbuch

Rezension:

9 tolle Geschichten bringen kleine und große Hörspiellauscher in die Zauberwelt von Theodor und seinen Freunden, die alle äußerst ausgefallende und damit einprägsame Namen tragen, u.a. Rainbow Flair, Rainbow Bubble, Merry Heart, Chili Con Charme oder Laguna Rider.

Es werden abwechslungsreiche Themen behandelt wie Freundschaft, ein kleiner Streit, Abenteuer am Land und in bzw. auf der Unterwasserwelt, aber auch was bestimmt jeder von sich selbst und Kindern kennt - wenn man sich mal den Bauch mit Süßem vollgeschlagen hat. Neben ein paar weiteren kleinen Botschaften wird eines in den Geschichten besonders deutlich. Auf Freunde ist immer Verlass - egal, in welcher Situation.

Die Wahl Anna Carlssons als Sprecherin ist super, die den Geschichten Leben einhaucht und jedem Einhorn eine unverwechselbare Stimme verleiht. Je nach Gemütslage ist auch eine passende, kindgerechte Veränderung in der Stimmlage zu vernehmen, was die unterschiedlichen Emotionen sehr schön transportiert und einfach Spaß beim Zuhören bringt. Auch kommen passende Hintergrundgeräusche und musikalische Einspielungen hinzu, die das Hörerlebnis abrunden.

Die Geschichten werden in einem ruhigen Tempo leicht verständlich erzählt und regen die Fantasie an. Man kann sich regelrecht vorstellen, wie die Einhornfreunde in der Zauberwelt spazieren gehen und nach einem fliegenden Muffin oder  Waffeleis schnappen.

Mein Patenkind liebt die Geschichten und hört sie jetzt in Dauerschleife zusammen mit ihrem Plüschtier Carbon Flash (jetzt sagt auch er mir etwas ;-)). Süß sind außerdem die kleinen Ausmalseiten im Booklet und eine kleine Charakterisierung jeden Einhorns mit einem entsprechenden Bild.

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(76)

106 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

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Manhattan Beach

Jennifer Egan , Henning Ahrens
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 29.08.2018
ISBN 9783103973587
Genre: Romane

Rezension:

Inmitten der großen Wirtschaftskrise in den USA, der Großen Depression, konzentriert sich das Buch auf das Leben einer irischen Familie, insbesondere der ältesten Tochter, Anna Kerrigan. Wir begegnen zunächst der 12-jährigen Anna, die ihren Vater oft bei seinen Arbeitsbesuchen begleitet, obwohl sie gar nicht weiß, was seine Arbeit eigentlich beinhaltet. Eines Tages besuchen sie Dexter Styles, da Annas Vater verzweifelt nach einer neuen Arbeitsmöglichkeit sucht. Er möchte die Lebensqualität der schwerbehinderten Tochter Lydia verbessern, indem er ihr einen Rollstuhl kauft. Dann verschwindet ihr Vater spurlos, wodurch Anna gezwungen ist, stärker und unabhängiger zu werden. Um Mutter und Schwester unterstützen zu können, arbeitet sie auf einer Marinewerft. Anna verfolgt in einer für Frauen schwierigen Zeit den Traum, Taucherin zu werden, um Rümpfe von Schiffen und Pipelines zu reparieren, die Amerika im Krieg zum Sieg führen sollen. Zugleich führt sie ihre Suche nach Antworten in Bezug auf das Schicksal ihres Vaters erneut zu Dexter Styles, der sich als ein einflussreicher lokaler Gangster entpuppt, sie aber nicht mehr erkennt. Bald erkennt sie, dass ihr Leben mehr mit dem von Dexter Styles verwoben ist, als sie es sich je hätte vorstellen können.

Egan legt eine atmosphärische Geschichte vor, die sich aus ihrer guten und langen Recherchearbeit (sie arbeitete seit 2004 an dem Buch) speist. Ihre Schilderungen über das Leben in einer Kriegsfabrik, die soziale Ordnung des Marinelebens, die Bedeutung einer alleinstehenden Frau der Arbeiterklasse zu dieser Zeit, die Notlage schiffbrüchiger Seeleute, das komplexe Funktionieren der kriminellen Unterwelt sowie größere gesellschaftliche Veränderungen inmitten katastrophaler Kriegsverluste haben eine evokative Kraft. Andere Darstellungen ergreifen dagegen emotional, beispielsweise als Anna versucht, eine emotionale Verbindung zu ihrer Schwester aufzubauen, die nicht einmal in der Lage zu sprechen ist, oder Momente, in denen Anna endlich unter Wasser taucht und eine ganz andere Welt erleben darf, frei von der Komplexität des Lebens am Land. In diesen Momenten sind die eigenen Sinne ausgeschaltet und man erlebt selbst die durch das Meereswasser entstehenden Geräusche im Taucherhelm.

An passenden Stellen fließen poetisch Worte ein. Es gelingt Egan ausgezeichnet, dem Leser Teil der inneren Monologe und Reflexionen ihrer Charaktere werden zu lassen, woraus sich oft wunderschöne Passagen ergeben. "Am Ende der Straße, unter einem weiten, grauen Himmel, konnte sie das Meer spüren, als wäre es ein schlafendes Geschöpf." Annas Faszination für das gewaltige, wunderschöne Meer, den "glitzernden Vorhang, der jeden Teil der Welt berührt", spiegelt sich in jeder ihrer Begegnungen wider.

Es gab jedoch auch Momente, in denen ich durch die vielen Details im Rahmen der Gangsterstory kurzzeitig das Interesse verloren habe, was eventuell daran lag, dass ich mich stets aufs Neue daran erinnern musste, wer wer ist und wer was getan hat. Dieser Gangsteraspekt hätte ruhig weggelassen werden können, denn der eigentliche Handlungsstrang hätte auch ohne diesen funktioniert und der Spannung keinen Abbruch getan. So habe ich mir aber zwischenzeitig immer wieder die Frage gestellt, wohin all dies führen soll und dieses große Fragezeichen und das Sinnieren über den Zweck, riss mich zuweilen aus dem Lesefluss.

Schlussendlich war es jedoch interessant zu verfolgen, wie sich alle Erzählstränge nach und nach aufeinander zu bewegten und tiefere Geheimnisse, so tief wie der Ozean, zum Vorschein gebracht wurden.

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(132)

335 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

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Alles Licht, das wir nicht sehen

Anthony Doerr , Werner Löcher-Lawrence
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei btb, 11.07.2016
ISBN 9783442749850
Genre: Romane

Rezension:

Es ist 1944 und Flugblätter fliegen durch die Luft von St. Malo, einer mittelalterlichen, von Mauern umgebenen Stadt, die fast vollständig vom Meer an der französischen Küste umgeben ist. Die Flugblätter warnen die Bewohner, dass die Alliierten dabei sind, die Stadt zu bombardieren und diese von allen verlassen werden sollte. Marie-Laure ist ein junges Mädchen, dass diese Flugblätter nicht lesen kann. Denn seit ihrem 6. Lebensjahr ist sie blind. Sie versteckt sich im Haus ihres Großonkels und wartet auf das Ende der Bombardierung, um das Modell des heiligen Malo zu schützen, das ihr Vater für sie gebaut hat, damit sie sich ihren Weg durch die engen Gassen merken kann. In einem anderen Land, Deutschland, wächst Werner mit seiner jüngeren Schwester Jutta in einem Waisenhaus in einer Bergbaustadt auf. Sie kennen nur Armut und haben wenig Aussichten, doch Werners Affinität zum Lernen führt ihn auf eine Reise beginnend vom Reparieren und Bauen von Radios über den Besuch einer Schule für die Hitlerjugend bis hin zum Entwerfen von Systemen zur Ausmerzung des Widerstands. Nach und nach werden wir Zeuge, wie der Krieg den einzelnen Orten ihre Schönheit nimmt.

 

Alles Licht, das wir nicht sehen, ist trotz der Thematik auf eine Art und Weise magisch, beleuchtet von schönster Prosa und sanften, aber kraftvollen Geschichten. Werner und Marie-Laure sind stille Individuen, die in vielerlei Hinsicht verwundbar sind - Marie-Laure, weil sie nicht sehen kann und Werner, weil er allein in einem System gefangen ist, welches er nicht bekämpfen kann. Dabei ist das sie umgebende Drama der Ereignisse so laut wie die Bomben, die St. Malo Stunde für Stunde treffen. Diese Vermischung Unschuldiger mit Schuldigen und der Stille mit dem lauten Getöse ist außerordentlich wirksam und bringt den Schrecken des Krieges und die verheerende Grausamkeit des NS-Regimes in einen scharfen Kontrast. Das Beobachten von Ereignissen, die sich durch die Perspektiven dieser beiden jungen Menschen auf verschiedenen Seiten des Konflikts entfalten, funktioniert sehr gut.

Einige Momente stechen unter vielen unvergesslichen heraus. So zum Beispiel die Reisen, die Marie-Laure durch ihren Onkel unternahm, ohne das Haus zu verlassen. Ihr erster Kontakt mit dem Meereswasser wird zutiefst schön und sinnlich beschrieben. Es gibt viel Leid im Leben des jungen Mädchens, aber auch schöne Momente, die es dagegen für Werner weniger gibt. Die Szenen in der Militärschule sind erschütternd, in der die Jungen zu gehorsamen Nazis ausgebildet werden. Es war faszinierend und herzzerreißend zu sehen, wie Marie-Laure und Werner ihre Stärken und Schwächen inmitten von so viel Terror und Hilflosigkeit steuern und sich aus diesen Erfahrungen entwickeln. Man könnte aufgrund des Klappentexts einen romantischen Inhalt erwarten, doch dies war nicht der Fall und ich bin wirklich froh, dass sich die Geschichte nicht in eine solche Richtung entwickelte. Dies wäre irgendwie nicht passend gewesen. Marie-Laure und Werner retten sich auf eine andere und zugleich so unterschiedliche Weise.

Die Geschichte zeigt, dass es keine Gewinner oder Verlierer im Krieg gibt. Nur Menschen, die verzweifelt sind, überleben, ihre Träume schützen und an denen festhalten wollen, die ihnen wichtig sind. Die Mitte des Romans ging etwas gemächlicher vonstatten. Ich hatte hier das Gefühl, dass das Tempo etwas schneller hätte sein können. Doch Doerrs Geschick, die ganze Geschichte zusammenzubringen, unterstrich die Tiefe und Bedeutung dieser Arbeit. Das Buch erinnerte mich aufgrund des Stils und Fokus an die Bücherdiebin. Beides Werke mit tiefem Sinn und nachhaltigen Botschaften.

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(78)

186 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

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Hogwarts-Schulbücher: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Joanne K. Rowling , Klaus Fritz , J.K. Rowling
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.03.2017
ISBN 9783551556967
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Vor mir liegt das Buch Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind in der Auflage von 2010, welches von dem fiktiven Magizoologen der HP-Welt Newt Scamander geschrieben wurde und als Lehrbuch fungiert. Man erfährt alles über magische Wesen, ihre Eigenschaften, ihre Klassifizierung oder Gefährlichkeit und natürlich, wo man sie findet. Es macht sehr Spaß dieses Buch zu lesen, da es als Duplikat von Harrys eigenem Schulbuch dient. Entsprechend sind auf einigen Seiten Eintragungen von Harry, Ron und Hermine zu finden, wie Galgenraten, Drei gewinnt oder kleine Sticheleien, z.B., dass Harry die Maulende Myrthe liebt oder, dass Ron beim Galgenraten an einem solchen Galgen hängt, wohlgemerkt getötet von einer Spinne.

Ebenso hat mit Sicherheit Ron der Gefährlichkeitseinstufung von Acromantulas mehr Kreuze hinzugefügt, als es das Ministerium für magische Klassifikationen bereits getan hat (ein X steht für langweilige Tierwesen und XXXXX für Zauberertöter bzw. für Tierwesen, die unmöglich zu domestizieren sind, was Hagrid etwas anders sehen dürfte. Auch den Satz "Gerüchte, dass in Schottland eine Kolonie von Acromantula gegründet wurde, sind unbestätigt", haben Harry und Ron nach ihren Erfahrungen im Verbotenen Wald durchgestrichen.
Diese Notizen machen das ohnehin schon interessante Buch nochmal etwas lustiger und lockern dieses auf, so wie man es sich auch von Schulbuchkritzeleien vorstellen kann. An Tierwesen begegnen wir auch welche, die bisher in der Buch/Filmreihe nicht behandelt wurden.

Ein Muss für jeden Harry Potter Fan!

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(111)

160 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 102 Rezensionen

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Ein unvergänglicher Sommer

Isabel Allende , Svenja Becker
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 13.08.2018
ISBN 9783518428306
Genre: Romane

Rezension:

Trotz, dass die Handlung insgesamt ruhig geschrieben ist, veranlasst die Geschichte, sich beim Lesen über kurz oder lang in die Welten der Figuren zu verlieren. Diesbezüglich benötigte ich jedenfalls einige Zeit, da mir die Geschichte etwas unzusammenhängend erschien. Jede individuelle Geschichte und damit verbundene Hintergründe wurden nur langsam enträtselt, sodass es schwer fiel, die vergangenen Leben mit dem gegenwärtigen Ereignis zu verbinden.
Die Charaktere sind alle auf ihre Weise sehr stark und berühren dementsprechend auf unterschiedliche Weise. Lucia ist komplex ausgearbeitet, klug und ein wenig verrückt. Mit fast zweiundsechzig Jahren hat sie so viel, leider meist nichts Gutes erlebt, jedoch konnten ihre Vergangenheit und ihre deutlich zu Tage tretende Einsamkeit nicht ihr lustiges und dynamisches Wesen nehmen. Lucias Vermieter ist Richard, ein älterer Mann, der anfangs eher griesgrämig wirkt. Im Laufe der Handlung kristallisieren sich aber auch die Lasten seines Lebens heraus. Umso schöner war die sich entfaltende Liebesgeschichte zwischen den beiden, auch wenn diese nicht ganz zu dem "Problem Leiche" passt. Evelyn stellt die geheimnisvollste der drei dar. Als sie vor Lucias und Richards Tür steht, ist sie zutiefst verängstigt, steckt in wirklichen Schwierigkeiten und ist zugleich Auslöser für die gemeinsam zu verbringenden Tage in einem eingefrorenen NY mit Rückblenden auf die individuellen und auf ihre Weise erschütternden und tragischen Leben, die von zerrütteten Familien durch politische Umwälzungen, Migration und Exil erzählen. Von allen Geschichten ist Evelyns die wohl schlimmste. Ihr Mut, ihre Ausdauer und ihre Fürsorge lassen einen ebenso mit ihr sympathisieren wie mit den anderen beiden. Jede Hintergrund-geschichte füllt Allende reich mit Details und führt den Leser in die Vergangenheit nach Chile, Brasilien und Guatemala, um die drei Leben dann zu einem untrennbaren Ensemble zu vereinen. Der Schreibstil Allendes verleiht dabei Atmosphäre und dem Roman wird eine ganz eigene, der Jahreszeit anlehnende, winterliche Stille zuteil, die die Begegnung der Charaktere rahmt. Die Stärke des Buchs liegt eindeutig bei den Charakteren, weniger in der Handlung selbst.
Dies führt auch zu dem schwächsten Aspekt. Dieser ist meines Erachtens der Grund, warum diese Charaktere überhaupt zusammen kamen. Das anfangs noch faszinierende Rätsel, mündet in eine unergründliche, abwegige, zu einfache Situation, das darüber hinaus angesichts des Rückblicks, der den Großteil des Dramas in der Geschichte konstruierte, in den Hintergrund zu rücken scheint. Warum das "Hier und Jetzt" für die anderen Teile der Handlung notwendig ist, bleibt undurchsichtig und hinterlässt einen störenden Nachgeschmack.
Zurück bleibt die hoffnungsvolle Botschaft, dass einem nach unaussprechlichen Ereignissen auch wieder das Gute widerfahren kann.

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(161)

313 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

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Die Eleganz des Igels

Muriel Barbery , Gabriela Zehnder
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.10.2011
ISBN 9783423253130
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte wird durch zwei Personen erzählt: Renee Michel, 54 Jahre alt und Concierge in einem erstklassigen Pariser Apartmenthaus sowie Paloma, ein zwölfjähriges Mädchen, das in einer der Apartments wohnt. Beide teilen etwas: Sie sind hochintelligent und interessieren sich für Literatur, Kunst, Philosophie und viele andere Dinge auf der Welt, wodurch sie sich aber stark von anderen Menschen absondern und sich gleichzeitig zu sehr negativen Charakteren machen. Renée widmet sich in ihren Erzählungen der Sinnlosigkeit, Bedeutungslosigkeit und Banalität des Lebens wohlhabender Menschen in ihrem Gebäude, die Dinge in zahlreichen Ausführungen kaufen, zum Psychiater gehen oder Philosophie studieren. Obwohl Renée sich selbst dem Philosophiestudium widmet, was aber bedeutungsvoll ist, findet sie es bei den reichen Mädchen sinnlos und albern. Ebenso seien sie nicht in der Lage, durch die Oberfläche zu dringen und ihr reiches Innenleben zu erkennen. Das möchte sie aber eigentlich auch gar nicht. Renée kennt die Reichen ebenso wenig, weiß aber, dass ihnen kein solch reiches Innenleben zuteil wurde. Selbst ärmere Menschen machen vor Renées Bemerkungen nicht halt, die ihre Kinder nicht lieben und durch Grunzen und Gesten kommunizieren würden. Paloma verachtet die Menschen um sie herum gleichermaßen: ihre Eltern, ihre Schwester, den Freund ihrer Schwester und ihre Klassenkameraden. Zweck ihrer Tagebucheinträge ist es, zu versuchen, einen Grund für das Leben vor ihrem geplanten Geburtstags-Selbstmord (!) zu finden, aber alles und jeder ist schlicht langweilig und korrupt: das Bildungssystem, die Regierung und ihre Eltern, die sie zu einer Therapie überreden wollen. Sie plant, ihre Wohnung anzuzünden.

 

Ich fand beide Figuren einfach nur nervig. Beide nutzen ihre Intelligenz als Knüppel, um andere zu verspotten und ihre Abneigungen weiter zu schüren. In keinster Weise fand ich ihre Ausführungen lustig. Dabei ist Renée noch schlimmer, als die pubertierende Paloma. So schaltet Renée ihren Fernseher ein, nur um den Anschein zu erwecken, sie sei eine "Bürgerliche", während sie aber eigentlich Weltliteratur liest, denn die anderen Bewohner des Hauses könnten das Fehlen von Fernsehgeräuschen bemerken. Aufgrund der Erwartungen der höheren sozialen Klasse, muss sie verstecken, "wer" sie ist. Verstehe ich nicht.. wohl narzisstisch angehaucht. Dagegen kann man noch einiges von Palomas Verhalten auf ihr Alter schieben. Der Schreibstil ist anstrengend, da sich die philosophischen Gedanken über Zeilen erstrecken. Dabei fand ich keine der Gedanken Renées oder Palomas tiefgründig oder gar interessant, die voll mit Stereotypen gespickt sind.

Die Handlung, wenn es denn eine gibt, beginnt nach 2/3 des Buches, als der pensionierte japanische Geschäftsmann Monsieur Ozu in das Gebäude zieht. Er ist sehr kultiviert, freundlich und sieht sofort durch das Gerüst der Schäbigkeit und Ignoranz, das Renée und Paloma aufgebaut haben und bringt diese zusammen. In Renée erkennt er eine Seelenverwandte, die alles schätzt, was er liebt und die Kunst, Musik und Literatur mit ihm teilen kann. Gegen Ende sollen die Charaktere wohl ein wenig gewachsen und zu besseren Menschen geworden sein, eine Wandlung und vielleicht auch intendierte Botschaft, die ich nicht abkaufe oder bei mir ankommt.

 

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(82)

134 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

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Mord im Orientexpress

Agatha Christie , Otto Bayer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 05.10.2017
ISBN 9783455001914
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Millionär Samuel Edward Ratchett glaubt, dass sein Leben in Gefahr sei und bittet Detektiv Hercule Poirot um Hilfe, der jedoch wegen seiner Geschäftigkeit in anderen Fällen ablehnt. Kurz nach Mitternacht am zweiten Tag der Reise wird der Orient-Express durch eine Schneeverwehung gestoppt. Am Morgen liegt Ratchett tot in seinem Abteil. Ein Dutzend Mal erstochen, seine Tür von innen verschlossen.

Ohne jeden Zweifel ist einer seiner Mitreisenden der Mörder. Durch den Schneesturm isoliert, muss Poirot den Mörder unter den 12 Passagieren ausfindig machen.

 

Die Geschichte geht mit interessanten Verhören weiter, die Aufschluss darüber geben, wer der Mörder sein könnte. Die anderen 12 Fahrgäste und der Lokführer werden befragt, Fakten gesammelt, es entstehen weitere Fragen und daraus Verdächtigungen und es werden schließlich Antworten gefunden. Das in Rachetts Abteil gefundene Taschentuch einer Dame, eine versehentlich fallengelassene Zigarre, eine Frau im scharlachroten Kimono, die man wegrennen sah und ein Knopf aus der Uniform des Lokführers formen zusammen den wachsenden Korpus entscheidender Beweise.

Bücher über Ermittlungen in einem Mordfall sind eine Faszination für viele von uns, da man sich inmitten eines zumeist spannenden Ratespiels befindet, wer der potentielle Täter sein könnte. Mit Agatha Christie liegt die Königin klassischer Krimis vor und Mord im Orient-Express zählt zu ihren besten. Christie hat den Passagieren des Zugs jeweils ein Kapitel gewidmet, während sie ihre Gedanken über den Mord vorbringen und sich als wichtige Informationsquellen erweisen. Christies Schreibstil und die Frage- und Argumentationsfähigkeiten, die sie Poirot gab, beeindrucken sehr und die Beweise der anderen genügen, am Buch festzuhalten, bis das Rätsel gelöst ist. Christie gab dem Ende des Geheimnisses eine einzigartige Note, die  für manche eine Überraschung und für manche eine Enttäuschung sein dürfte.

Agatha Christie hat einen unverwechselbaren Stil, das Tempo der Handlung zu bestimmen. Der erste Teil des Buches mag für einige der Leser etwas langsam vorangehen. Die ersten Ereignisse, wie Poirot mit dem Taurus Express reist, eine Notfallnachricht erhält, um nach London zurückzukehren oder wie er ein Ticket erster Klasse erhält sowie die verschiedenen Interaktionen mit den übrigen Fahrgästen werden sehr ausschweifend erzählt. Ein Überfliegen führt jedoch dazu, die in den ersten Teilen des Buches dargestellten Fakten zu übersehen. Erst später erfährt man, wie Christie am Anfang des Buches subtil die Beweise vorbringt, die Poirot später zur Lösung des Rätsels verwendet.

 

Mord im Orient Express ist ein weiterer Beitrag Christies auf der Liste berühmter Kriminalromane und entpuppt sich als gute Lektüre für alle, die sich besonders für das Detektiv-Genre interessieren und tief in den Prozess der Lösung des Rätsels involviert sein möchten.

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(326)

722 Bibliotheken, 56 Leser, 3 Gruppen, 40 Rezensionen

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Outlander - Die geliehene Zeit

Diana Gabaldon ,
Flexibler Einband: 1.232 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2015
ISBN 9783426518106
Genre: Historische Romane

Rezension:

23 Jahre nachdem sie durch einen Steinkreis in eine andere Zeit verschwunden ist, ist Claire Randall zurück im Schottland des 20. Jahrhunderts. Mit dabei ist ihre Tochter Brianna, die ihren Vater für den verstorbenen Historiker Frank Randall hält und keine Ahnung von der Wahrheit hat, dass ihre Mutter eine Zeitreisende ist und sie selbst die Tochter eines schottischen Gesetzlosen aus dem 18 Jahrhundert. In Inverness sucht Claire Roger Wakefield auf, der für sie herausfinden soll, wer die Schlacht von Culloden überlebt hat. In der Zwischenzeit bereitet sich Claire darauf vor, ihre erstaunliche Geschichte zu erzählen, ihrer Tochter Brianna ihren wahren Vater zu offenbaren und ihnen das einzige Beweisstück zu zeigen, das ihre Geschichte zweifelsfrei beweisen kann. Claire beginnt mit ihrer Erzählung und wir sind zurück im Jahre 1743 in Frankreich, um Charles Stuart vom Jakobitenaufstand abzuhalten, da Claire weiß, dass dieser in Culloden verheerend enden wird. Während sie in der französischen Gesellschaft verkehren, königliche Bälle in Versailles besuchen und auch der Bastille einen kurzen Besuch abstatten, bewegen sie sich stets auf einem schmalen Grad, denn Charles Stuart zu helfen, ist zugleich Verrat am englischen König. Claire findet indes sinnvolle Arbeit im städtischen Krankenhaus. Natürlich zieht Claire Ärger an, wo auch immer sie ist, und das ist keine Ausnahme. Sie hat auch einige ernste und moralische Entscheidungen in diesem Roman zu treffen, und sie tut dies, während sie sich selbst treu bleibt. Selbst als Jack Randall wieder auftaucht, versucht sie einerseits Jamies Wohlergehen sicherzustellen und andererseits Franks Existenz in der Zukunft nicht zu gefährden. Bald ist ihre Anwesenheit in Schottland notwendig und es scheint, dass das Schicksal einen anderen Plan für die Frasers, die MacKenzies und Schottland bereithält.

Der Roman ist in mehrere Abschnitte unterteilt, von denen einer 1968 stattfindet, wo Claire mit ihrer Tochter zurück ist, um ihr von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Der zweite Abschnitt bildet den Rückblick auf 1744 in Frankreich, wo die Frasers versuchen, Charles Stuart aufzuhalten und schließlich ihre Rückkehr nach Schottland. Auch im zweiten Band sind die behandelten Themen genreübergreifend: Es geht nicht nur um die Liebe von Jamie und Claire, sondern auch um die politischen Umwälzungen Schottlands, Hexerei, Frauenrechte, Ehre, Integrität, Eintreten für etwas, woran man glaubt, und das Akzeptieren von Unrecht.

Insgesamt hat mir der zweite Band gut gefallen. Claire und Jamie haben nichts an ihrem ausgezeichneten Charakter verloren. Claire ist genauso stark wie im ersten Buch, wenn nicht sogar stärker. Für eine Frau ihrer Generation mag sie zu selbstbewusst sein, aber ihre Anpassungsfähigkeit ist schlicht zu bewundern. Jamie, in der neuen Rolle des werdenden Vaters, brachte der Handlung stellenweise amüsante Parts, doch mit einigen seiner Einstellungen und Verhaltensweisen musste ich hadern. Aber na gut, andere Zeit, andere Sitten. Alle ursprünglichen Charaktere sind in dieser Fortsetzung zugegegen, doch es kommen auch neue Charaktere hinzu. Von Brianna und dem Historiker Roger war ich (noch) nicht sonderlich beeindruckt, da nicht viele Hintergrundinformationen über sie gegeben werden. Ich hoffe, mehr über sie in den kommenden Teilen zu lesen und herauszufinden.

Das Buch weist allerdings ein paar Schwächen auf. Die Erzählperspektive wird an verschiedenen Stellen geändert, was teilweise den Lesefluss stört. Auch bewegte sich der zweite Teil etwas langsamer als der erste der Reihe, vor allem in Paris, sodass einige Seiten weniger dem Roman keinen Abbruch getan hätten.

Es gab aber auch eine ganze Reihe von Überraschungen, die das Buch auffrischten. Die Eindringlichkeit mit der Gabaldon schreibt, gelingt auch hier. Egal ob im ländlichen Schottland oder im modernen Boston, diese Bücher transportieren einen wirklich in die Zeit und Umgebung.

Als das Buch endet, hat Roger einen entscheidenden Hinweis auf Jamies Schicksal entdeckt, der alles ändert, was Claire zu wissen glaubte. Ein gelungener Cliffhanger, der, um sich Jamies Verbleib zu vergewissern, direkt zum dritten Band greifen lässt - auch wenn man diesbezüglich angesichts der Vielzahl noch folgender Bücher wohl aufatmen darf.

  (38)
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(215)

539 Bibliotheken, 17 Leser, 2 Gruppen, 156 Rezensionen

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Wie man die Zeit anhält

Matt Haig , Sophie Zeitz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.04.2018
ISBN 9783423281676
Genre: Romane

Rezension:

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Tom Hazard, der wie 41 Jahre alt aussieht, jedoch wegen eines seltenen Leidens seit Jahrhunderten lebt. So kommt er auf ein stolzes Alter von 439 Jahren. Die Krankheit, genannt Anagerie, führt zu einem sehr langsamen Alterungsprozess. Menschen wie Tom werden von der Albatros Gesellschaft geschützt, die sie mit neuen Identitäten ausstatten, um nicht von "Eintagsfliegen", wie uns, entdeckt zu werden. Das Einzige, woran sich Tom halten muss, ist, sich nicht zu verlieben. Doch Tom hat nach so vielen Erlebnissen über Jahrhunderte hinweg von Shakespeares Aufführungen über die Erkundungen der hohen See Capt. Cooks bis hin zu Cocktailabenden mit Fitzgerald und seiner Frau Zelda Sehnsucht nach etwas in seinem Leben.



Die historischen Abschnitte des Romans beleben die Sinne so sehr, dass man sich mitten im Geschehen fühlt. Tom nimmt uns mit auf seine Lebensreise von 1599 bis zum heutigen 21. Jahrhundert und erweckt Historie auf eine Art und Weise zum Leben, die ich noch nie in einem Roman erlebt habe und die sehr viel Begeisterung beim Lesen auslöst.

Die Beziehungen, die er sein ganzes Leben lang pflegt, geben dem Buch eine wirklich emotionale Note und lassen die Traurigkeit Toms und das Leben, das er zu leben gezwungen ist, nachempfinden. Während des Lesens wird man sich seiner eigenen Menschlichkeit bewusst und Toms Geschichte zeigt die Nachteile eines fast ewigen Lebens: Das Gefühl im Leben nicht richtig "ankommen" zu können, die Vermeidung von Beziehungen und zusehen müssen, wie jeder um einem herum stirbt, während man selbst kaum altert - ein trauriger Gedanke.

Wie man die Zeit anhält ist eine Geschichte über die Liebe, jedoch mit einem Unterschied. Es ist eine bittersüße Zeitreise, bei der es darum geht, sich selbst zu finden und zu entdecken, wer man ist - auch wenn es Jahrhunderte dauert. So ist ein Teil von Toms Entwicklung, zu lernen, wie man Glück und etwas für das eigene Leben lebenswertes findet. Es ist eine Geschichte über die Gewissheit der Veränderung und über die Gefahren der Liebe, über die Liebe zu einem Kind und die Liebe zu einer anderen Person. Es geht darum, wie Liebe dich verändern - und zugleich retten kann.

Die mit Sensibilität und Mitgefühl erzählte und stets von einem Hauch Melancholie umgebende Geschichte, ist herzzerreißend und ich empfand eine tiefe Sympathie für Tom und sein Leben. Äußerst gespannt bin ich bereits auf die Verfilmung des Buchs, in der Benedict Cumberbatch die Rolle des Protagonisten übernehmen wird.

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(76)

224 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Die Elenden - Les Misérables

Victor Hugo , Paul Wiegler , Wolfgang Günther
Fester Einband: 1.745 Seiten
Erschienen bei Patmos-Verlag der Schwabenverlag AG, 15.01.2006
ISBN 9783491961692
Genre: Klassiker

Rezension:

Nach der Französischen Revolution lebt Jean Valjean mit seiner Familie in extremer Armut in Frankreich. Aus Verzweiflung zerbricht er ein Fenster und stiehlt einen Laib Brot. Seine Strafe wird durch mehrere Fluchtversuche verlängert, bis er schließlich 19 Jahre später endlich seiner Freilassung entgegen sehen kann. Doch die negativen Reaktionen anderer auf seine vorige Zeit als Sträfling in Form von geringeren Bezahlungen, die Weigerung ihm ein Zimmer zu vermieten oder Essen zu servieren, verstärken seine Härte und Verbitterung, die lediglich durch den Gnadenakt eines Bischofs Milderung erfahren. Als er in eine neue Stadt reist, rettet er jemanden das Leben und infolge des allgemeinen Wirbels um diese Situation vergessen die Stadtbeamten, ihn um seine Papiere zu bitten. Mit einer neuen Identität wird er in einer Fabrik angestellt, trägt zur Verbesserung der Produktion bei, was zu seiner Beförderung, schließlich zu seiner Position als Leiter der Fabrik und noch weiter zu seiner Wahl zum Bürgermeister führt. Bekannt ist er als ruhiger, freundlicher und wohlwollender Mann, der viel von seinem Reichtum für die Bedürftigen einsetzt. Doch der ehemalige Gefängniswärter Javert und nun Polizeiinspektor der Stadt meint Jean wiederzuerkennen.

Fantine, ein alleinstehendes junges Mädchen mit Kind, welches aus einer Liaison mit einem Mann hervorging, der sie lediglich als Ablenkung benutzte, muss Cosette dem Gastwirt Thenardier und seiner Frau gegen Geld anvertrauen, damit sie in einer anderen Stadt Arbeit finden kann. Sie landet in Valjeans Fabrik, wird jedoch gefeuert, als sich herausstellt, dass sie ein Kind hat. Als auch noch der Gastwirt versucht, Geld von ihr zu erpressen, ist Fantine so verzweifelt, dass sie ihre Zähne, Haare und schließlich ihren Körper verkauft, was im Buch diskret behandelt wird und von Hugo als eine Form der Sklaverei angesehen wird. Durch Vernachlässigung ihrer selbst wird sie schwer krank. Eine Auseinandersetzung auf der Straße macht sie auf Valjean aufmerksam. Als er ihre Geschichte hört, fühlt er sich für ihre Situation verantwortlich, da sie aus seiner Fabrik entlassen wurde. Er gibt ihr Geld, damit sie sich um sich und ihre Tochter kümmern kann, was ihm die Thenardiers jedoch übel nehmen, da ihnen nun eine Einnahmequelle verloren geht. Der Rest der Handlung beschreibt die Verfolgung von Jean durch Javert, manchmal auch Thenardier, Jeans Sorge um Cosette, ihre Entwicklung zu einer jungen Frau, wie sie sich in Marius verliebt, was wiederum Jean bedrückt, der nie jemanden geliebt hat und Angst hat, Cossette zu verlieren.

Dies ist lediglich ein kleiner Anriss, der Handlung neben vielen weiteren Ebenen, Nebenhandlungen und Charakteren in Les Misérables. Thematisiert werden Armut, Politik, französische Geschichte, die Rechtschaffenheit des Gesetzes (vertreten durch Javert) gegenüber Gnade (vertreten durch Jean). Das Buch behandelt christliche Themen wie Erlösung, Vergebung, Opfer und Selbstlosigkeit und das Bauen auf Gott und eine zweite Chance.


In der nicht gekürzten Fassung kommen manche Stellen nur sehr langsam voran, wobei die Handlung durch Dokumentationen unterbrochen zu werden scheint. Jeans und Cosettes Flucht in ein Kloster führt zu einem Abriss über die Geschichte der Klöster im Allgemeinen, dieses Klosters im Besonderen, ob Klöster richtig oder falsch sind. Oder eine Flucht durch die Kanalisation beinhaltet eine detaillierte Beschreibung der Geschichte der Abwasserkanäle und die Vorschläge, wie sie besser gemacht werden könnten. So leid es mir tut und ich mag ein Frevel sein, aber diese Nebenbemerkungen waren manchmal eher lästig und verführten zum Überspringen. Ich musste mich beherrschen, dies nicht zu tun.

Demgegenüber ist die gewählte Tiefe für die Charaktere sehr spannend. Hugo beschreibt ihre Persönlichkeiten, Hintergrundgeschichten, Erinnerungen, Gedanken, Handlungen und inneren Konflikte detailliert und lässt ihre Wege geschickt kreuzen. Alle weisen mehrere Facetten ihrer Persönlichkeit auf, die über den ersten Eindruck hinwegtäuschen. Im Verlauf der Handlung entwickelt sich Verständnis für ihr Verhalten und Tun, sobald sich ihre Motive offenbaren.

Es ist nicht leicht, dieses Buch zu lesen und man muss mit voller Aufmerksamkeit dabei sein, um keine Schlüsselmomente zu verpassen. Les Misérables ist eine schöne Geschichte über die Menschheit in all ihren Formen, gut oder schlecht, in all ihrer Schönheit und ihren Abgründen, mit all ihren Problemen und Erfolgen. Die philosophischen Gedanken Hugos sind trotz ihrer stellenweise anstrengenden Ausschweifungen ergreifend. Was die genaue Hauptbotschaft in diesem Buch ist, ist schwer mit ein paar Worten zu konkretisieren, doch es geht wohl auch darum, mit seinem eigenen Gewissen zu leben. Wichtiger als das, was andere von einer Person denken und wie sie sie beurteilen, ist, was sie für sich selbst empfindet für den eigenen Seelenfrieden. Wie Jean kann man vor der Polizei fliehen und sich verstecken, aber man kann sich nie selbst entkommen.

Ein Klassiker, den man gelesen haben sollte, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

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(9)

24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Die Schatzinsel

Robert Louis Stevenson
Fester Einband: 264 Seiten
Erschienen bei Impian, 10.01.2018
ISBN 9783962690120
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
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(770)

1.568 Bibliotheken, 89 Leser, 6 Gruppen, 124 Rezensionen

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Outlander - Feuer und Stein

Diana Gabaldon , Barbara Schnell
Flexibler Einband: 1.136 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.05.2015
ISBN 9783426518021
Genre: Historische Romane

Rezension:

Feuer und Stein ist kein gewöhnlicher Liebesroman, der sich so manch anderer Genres als dem klassischen Liebesgeplänkel bedient. Zeitreisen stimmen Fantasyfans zufrieden und das Leben im 18. Jahrhundert in den schottischen Highlands die Historikliebhaber. Hier greift Gabaldon tief in das Leben ihrer Charaktere und die Geschichte, die sie umgibt, ein und beschreibt z.B. sehr anschaulich den Jakobitenaufstand und die Schlacht von Culloden. Sie malt ein außergewöhnliches Bild, das den Leser wirklich in eine andere Zeit und einen anderen Ort versetzt.  

Claire ist eine starke Heldin, die manchmal etwas frech und aufmüpfig ist, was sie öfter in Schwierigkeiten bringt. Aber tief im Inneren ist sie eine freundliche und fürsorgliche Person. Sie passt sich erstaunlich gut an ihr widerfahrenes Dilemma, die neue Zeit, einen neuen Ort und das nicht ganz so bequeme Leben ein. Stellenweise muss ich zugeben, dass ich es etwas unglaubwürdig fand. Ebenso ihr lückenloses Wissen über all die Geschehnisse der Vergangenheit. Ihr Mann der Gegenwart (Frank) ist zwar Historiker, aber ob man so wirklich nebenbei genug Wissen ansammeln und behalten kann, ist fraglich. Daher ein kleiner Minuspunkt. Ihre neue Aufgabe als Heilerin, die die moderne Medizin durch alte Methoden ersetzt, ist dagegen authentisch, da sie Militär-Krankenschwester war. Claire ist hartnäckig, selbst wenn Situation aussichtlos erscheint, sodass sie für Jamie eine ebenso starke Säule darstellt, wie er für sie, und sie hat eine starke Leidenschaft, die zu seiner eigenen passt.

Jamie geht über den gewöhnlichen romantischen Helden hinaus, indem er physische und mentale Stärke, aber auch Charakterstärke beweist. Sein Wort ist ein Ehrenwort und wird nie gebrochen. Von außen wirkt er hart wie eine Schale, erträgt mehr körperliche und seelische Pein, als man von einem Menschen erwarten sollte, innen ist er jedoch freundlich, respektvoll, sanft und sensibel. Er ist sehr gebildet und seine Worte oftmals poetisch, nimmt sich aber selbst nie zu ernst.

Beide haben ineinander einen Seelenpartner gefunden, sie lieben selbstlos, mit all ihrem Vertrauen und mit ganzen Wesen. Schon etwas neidisch machend. Ihre nackte Ehrlichkeit gegenüber den anderen verleiht den Figuren eine atemberaubende Offenheit und Verletzlichkeit. Es war schön zu verfolgen, wie sich im Laufe der Geschichte ihre Freundschaft und Zweckehe zu einer tiefen Liebe entwickelt. Diese emotionale Intimität ist etwas ganz besonders und hebt sich von so manch oberflächlichen Liebesromanen ab. Sie elektrisieren, sodass Momente ihrer Trennung für einen selbst kaum auszuhalten waren und man sich einfach nur wünschte, dass sie wieder vereint sind.

Die Nebencharaktere bleiben gegenüber dem starken Paar aber nicht blass. Sie sind überraschend gut ausgearbeitet. Selbst wenn sie nur kleine Rollen haben, bleiben sie im Gedächtnis und tragen wesentlich zum Handlungsverlauf bei.

 

Das Buch ist sehr detailreich, wirkt aber dennoch nicht überladen oder mit überflüssigen Szenen gespickt. Nahtlos werden alle Elemente verflochten und es machte Spaß, einen intelligent geschriebenen und sorgfältig recherchierten Roman zu lesen. Die Geschichte ging weit über meine Erwartungen an einen Liebesroman hinaus und hat sogar mein Interesse geweckt, mehr über die Zeit und die Orte zu erfahren. Feuer und Stein ist die Art von Buch, das so fesselnd und lockend ist, dass es schwer fällt, es niederzulegen.

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(97)

232 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

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Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Joanne K. Rowling , Klaus Fritz
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 31.08.2018
ISBN 9783551557438
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Harry verbringt wie jedes Jahr seine Sommerferien bei den Dursleys. Als Tante Magda nicht nur Harry kritisiert, sondern auch noch seinen Vater beleidigt, lässt Harrys Wut und unkontrollierbare Zauberkraft sie kurzerhand zu einem Ballon anschwellen. Da minderjährige Zauberer außerhalb der Schule nicht zaubern dürfen, droht Harry nun der Verweis. Als Harry mitsamt Koffer, Besen und Hedwig aus dem Haus der Dursleys stürmt, tritt aus dem Schatten ein großer, schwarzer und gefährlich aussehender Hund hervor. Diese Begegnung wird just unterbrochen als der magische Bus "Der Fahrende Ritter" Harry aufliest, der ihn nach London in die Zaubererunterkunft "Den Tropfenden Kessel" bringt, wo er auch auf seine Freunde trifft. Eine zentrale und neue Person in diesem Buch spielt Sirius Black, der beste Freund von Harrys Vater James. Dieser soll einst den geheimen Aufenthaltsort von Harrys Eltern an Voldemort verraten und außerdem Massenmord an Muggeln begangen haben. Für diese Vergehen saß Black im Zauberergefängnis Askaban, eine Insel, die von furchterregenden Dementoren beherrscht und bewacht wird. Doch Black schaffte, was noch keinem anderen Zauberer zuvor gelang und floh. Nun versucht er Harry zu jagen, um die Arbeit seines Meisters zu vollenden. Doch nicht nur Black, sondern auch die Dementoren, die Hogwarts zum Schutz vor Black belagern, setzen Harry zu. Als die Wahrsage-Lehrerin Trelawney aus den Teeblättern das unheilvolle Omen des Grimms liest, erschaudern die Schüler, denn der Anblick dieses Wesens bringt den Betrachter den sofortigen Tod.

Ist Harrys Ende besiegelt?

 

Der dritte Band ist ein Teil, in dem die Harry-Potter-Reihe beginnt, erwachsen zu werden. Nicht nur in Bezug auf die wirklich düsteren Gestalten, die auftauchen, sondern auch in Bezug auf die Anziehung des anderen Geschlechts. Dementoren und Werwölfe eröffnen eine neue Facette der Dunkelheit und des Grauens, die von den früheren Ereignissen mit den Riesenspinnen und dem Basilisken einfach nicht erreicht werden kann. Rowlings Beschreibung der Dementoren, deren verrottende Hand sich in Richtung ihres Opfers streckt wird eindringlich beschrieben. Der Ton von Askaban ist dunkel, wie sein unmittelbarer Vorgänger, vielleicht noch eindrücklicher, obwohl ich zugeben muss, dass die Filmadaption dazu beitrug, diesen Eindruck zu festigen.

Überraschend und zugleich positiv ist auch Hermines Entwicklung, die langsam die Züge einer nicht ganz so braven und folgsamen Schülerin annimmt. So verpasst sie Malfoy eine oder stürmt genervt aus dem Unterricht für Wahrsagerei. Ein Fach, in dem selbst sie einmal nicht die Klassenbeste ist. Rowling spinnt eine sehr verwobene Geschichte, jedes Ereignis, jeder Kommentar und jede Info wird sorgfältig platziert und führt zu einem wirklich spektakulären Abschluss. Es ist nicht nur ein wunderschöner Roman, sondern auch die Charaktere von Askaban tragen zur Lesefreude bei. Professor Lupin ist eine großartige Ergänzung, warm, ermutigend und von einer gut abgestimmten Portion Geheimnissen umgeben. Er ist ein Lehrer, mit dem Harry sich auf einer persönlichen Ebene zu identifizieren scheint, ein Mentor, der eine persönliche Verbindung zu Harry herstellt. Es ist das erste Mal in den Büchern, dass Harry jemanden hat, an dem er sich nicht nur wegen schulischer Belange richten kann, sondern auch bei größeren moralischen und persönlichen Dilemmata.

 

Am Ende des Buches hat Harry einige sehr wichtige Schritte in Richtung Erwachsensein unternommen und wir finden auch philosophische Aspekte. Das Leben kann manchmal buchstäblich die Freude aus unserem Leben saugen, Geheimnisse führen zu Missverständnissen, aber wir finden auch Trost in glücklichen Erinnerungen oder sogar in einem Bissen Schokolade.

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(80)

208 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

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Harry Potter und der Halbblutprinz

Joanne K. Rowling , Klaus Fritz
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 31.08.2018
ISBN 9783551557469
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Dunkle Lord ist zurück und auch das Ministerium ist sich dessen nun gewiss. Das sechste und vorletzte Buch der HP -Reihe signalisiert das Ende der Dinge, wie wir sie in der magischen Welt kennengelernt haben. In diesem Buch wird Harry mehr in die Legende der Geschichte involviert, die im vorherigen Buch mit der geheimen Prophezeiung enthüllt wurde, wonach sich Harry und Voldemort in einem allerletzten Kampf gegenüberstehen und einer sterben muss, damit der andere überlebt. Um sein eigenes Überleben zu sichern, muss Harry herausfinden, wie er Voldermorts Tod herbeiführen kann. Doch das ist kein einfach zu lösendes Rätsel und dieses beginnt schon früh im Roman, als Harry Dumbledore in die Heimat von Horace Slughorn, einem pensionierten Lehrer aus Hogwarts, begleitet. Andernorts treffen sich Snape und Narcissa Malfoy und Snape gibt ein magisch bindendes Versprechen, "den unbrechbaren Schwur", das ihn zwingt, eine unbekannte Aufgabe an der Stelle von Narcissas Sohn Draco zu erfüllen, welcher sich äußerst merkwürdig in Hogwarts verhält und herumschleicht. Harry entdeckt in Slughorns Zaubertränkeunterricht ein mit hilfreichen Notizen und Rezeptänderungen gefülltes Notizbuch, die Harry an die Spitze der Klasse katapultieren. Dieses ist Eigentum des Halbblutprinzen, eines früheren Hogwarts-Schülers, der ein Händchen für Zaubertränke und eine Vorliebe dafür hatte, selbst gefährliche Zaubersprüche zu erschaffen. Während herauszufinden gilt, wer hinter dem Halbblutprinzen steckt und was Draco im Schilde führt, muss sich Harry zudem auf seine bevorstehende Schlacht mit Voldemort vorbereiten, wozu er tiefe Einblicke in Voldemorts Vergangenheit und dunkle Seele benötigt.

 

Rowling verbringt nun viel mehr Zeit mit der sozialen Dynamik und dem aufkeimenden Liebesleben und Hormonen ihrer Charaktere als in den vorherigen Büchern. Zunehmend finden nun auch andere an Ron und Hermine gefallen, die zu (manchmal unfreiwilligen) Dates führen (doch leider nicht zusammen) und Ginny erblüht in den Augen unseres Helden zu einer sehr attraktiven jungen Frau. Erwachsener erscheint nun auch Draco Malfoy, eine Figur, der wir bisher nur als prahlerischen Tyrannen begegnet sind. Er scheint sich mit Prüfungen auseinandersetzen zu müssen, die mit denen von Harry selbst konkurrieren.

Voldemorts abschreckende Präsenz und Bedrohung ist allgegenwärtig, obwohl er nicht (direkt) zugegen ist. Harrys Lektionen mit Dumbledore enthüllen einige sehr beunruhigende Geheimnisse über die Vergangenheit des Dunklen Lords und ich muss gestehen, dass ich beim ersten Mal, als ich das Buch las, von den präsentierten Offenbarungen ziemlich beeindruckt war. Angesichts der Vorbereitung auf den letzten Kampf und der über die Zauberergemeinschaft hängenden Angst, scheint jedoch nur sehr wenig zu geschehen. Der Halbblutprinz ist mehr in der Vergangenheit verwurzelt als in der sich sehr schnell verdunkelnden Gegenwart und wir beschäftigen uns tiefer mit der Geschichte des Dunklen Lords als mit dem, was er im Moment tut. Zu erfahren, was das Ministerium nun gedenkt zu tun, in Panik geratene Menschen und gemeldete Verschwundene formen zusammen perfekt den düsteren Schleier, der sich über die Zaubererwelt gelegt hat.

 

- Spoiler-

Der Tod Dumbledores, den ich sehr bewundert habe, kam wie aus dem Nichts und schockierte mich. Das Buch gibt einem jedoch nicht wirklich die Chance, um ihn zu trauern, da sich die Ereignisse überschlagen. Auch die Offenbarung, die Draco und Snape umgibt, ist so viel größer und erstaunlicher, dass sie ein wenig von den anderen Ereignissen ablenkt, die in dieser schicksalshaften Nacht stattfinden. Hogwarts ist durch den Verlust am Boden zerstört, war Dumbeldore doch eine verbindende Figur innerhalb der Schule und diese Trauer füllt den Raum.

- Spoiler Ende-

 

Das vorletzte Buch ist nochmal eine Stufe dunkler und komplexer als jedes der Bücher, die vor ihm erschienen sind und bis zum Ende bleiben viele Fragen unbeantwortet. Doch das Wissen, dass es dringend noch mehr der so wichtigen Horkruxe zu finden gibt, lässt einen direkt zum letzten Band greifen, in welchem sich Harry der ultimativen Herausforderung stellen muss.

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(80)

203 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

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Harry Potter und der Orden des Phönix

Joanne K. Rowling , Klaus Fritz
Fester Einband: 960 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 31.08.2018
ISBN 9783551557452
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zum Ende der Sommerferien und nach einer Konfrontation mit Cousin Dudley und seiner Gang werden sowohl Dudley als auch Harry von Dementoren angegriffen, was Harry zwingt, einen Patronuszauber auszuführen. Das Zaubereiministerium beschuldigt Harry schnell des Verbrechens minderjähriger Magie und nur durch die Hilfe Dumbledores und der Nachbarin Mrs Figg, die eigentlich ein Squib ist und all die Jahre ein wachendes Auge auf Harry hatte, werden die Anklagen fallengelassen. Dolores Umbridge, die ebenfalls bei Harrys Anhörung zugegen war, wird neue Lehrerin für die dunklen Künste in Hogwarts, die sich im Namen des Ministeriums in Hogwarts Angelegenheiten einmischt, die Verleumdungskampagne gegen Harry und Dumbledore fortsetzt und ihre Aussage, Voldemort sei zurückgekehrt, diskreditiert. Schnell wird klar, dass nichts an der pink gekleideten und von Bildern flauschiger Kätzchen umgebenden Dolores kuschelig ist. Harry und seine Freunde gründen 'Dumbledores Armee', um im Raum der Wünsche gegenseitig Verteidigungszauber zu üben, was gegen eines der vielen neuen Verordnungen verstößt, die Umbridge in der erlangten Position als neue Schulleiterin erlassen hat. In der Zwischenzeit gewinnt Voldemort immer mehr Macht und entdeckt eine Schwachstelle in der Verbindung zu Harry. Ist die Vision um Sirius Folterung durch Voldemort im Ministerium wahr oder werden die Freunde in eine Falle gelockt?

 

Der Orden des Phönix wird weder durch ein magisches Geheimnis noch durch eine Reihe von zu bestehenden Aufgaben angetrieben, wie es bei den anderen Teilen der Fall war, sondern durch Harry selbst. In diesem Buch war er teils eine schwer verständliche Figur, was aber zeigt, dass Harry weder perfekt, noch in irgendeiner Weise bereit ist, der Retter zu sein, den die Zauberwelt von ihm zu erwarten scheint, was von den Obrigkeiten verspottet und bestraft wird. Die Art und Weise wie Rowling Aspekte wie politische Korruption und Zensur der Medien berührte, waren besonders effektiv, die wohl auch vermitteln sollen, warum es wichtig ist, nicht allem, was zu lesen ist, blind zu vertrauen und zu lernen, dass auch Erwachsene manchmal falsch liegen können. Der immense Druck, der auf Harry lastet, den niemand in seinem Alter erfahren sollte, führt schließlich auch dazu, dass er Personen anschreit, denen er einst unbestritten gefolgt wäre. Dies erinnert daran, dass Harry bei aller Magie und Heldentum ein normaler und eben auch reizbarer Jugendlicher ist, was ihn zu einem menschlicheren Helden macht, als viele Fantasy-Autoren es geschafft haben. Dass die Protagonisten ihre Kindlichkeit verlieren und älter werden, zeigen auch die ersten anfallenden ZAG-Prüfungen und die beruflichen Möglichkeiten, die sich für die Schüler ergeben.

Hinsichtlich neuer Charaktere hat Luna Lovegood ihren ersten Auftritt, von der ich ein großer Fan bin, da sie eine reizende und eigentümliche Ergänzung und eine der seltenen Protagonisten ist, die nicht aus dem Haus Gryffindor stammt. Sie ist ein sehr sympathischer Charakter mit einer guten Balance aus Humor und Weisheit. Ebenfalls gut, aber natürlich weniger sympathisch gezeichnet, ist Dolores Umbridge. Den Schrecken und die Abscheu, die sie zu verbreiten in der Lage ist, speist daraus, dass sie unglaublich realistisch ist, indem sie blind glaubt, dass Opfer notwendig seien, um das höhere Wohl zu erreichen. Auch gibt es ein Wiedersehen mit einigen lieb gewonnen Figuren wie Sirius, Tonks oder Lupin, die für einige, wenn auch kurze, erheiternde Momente sorgen.

Der fünfte Teil hat quasi eine Brückenfunktion zwischen den ersten vier in sich geschlossenen Abenteuern und den nächsten zwei Geschichten und offenbart ein wichtiges Puzzleteil in der Beziehung zwischen Voldemort und Harry.

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336 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 40 Rezensionen

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Harry Potter und der Stein der Weisen

Joanne K. Rowling , Klaus Fritz
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 31.08.2018
ISBN 9783551557414
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Das erste Buch Harry Potter und der Stein der Weisen beginnt in einer scheinbar gewöhnlichen Nacht auf einer ruhigen Straße. Drei Menschen versammeln sich, ein älterer Mann, eine Frau mit strengem Gesicht und ein großer bärtiger Motorradfahrer, sie sprechen über eine seltsame und verwirrende Reihe von Ereignissen, es fallen Worte wie Tragödie und Mord, und warum dies bedeutet, dass sie ein in Decken gehülltes Baby vor der Tür des Hauses im Ligusterweg Nr.4 in Surrey, England, zurücklassen müssen. Dieses kleine schlafende Kind mit blitzförmiger Narbe auf der Stirn ist Harry Potter, dessen Eltern angeblich bei einem Autounfall ums Leben kamen. Er wird nun von seiner Tante Petunia und ihrem Mann Vernon aufgezogen, doch an seinem 11. Geburtstag führt eine Reihe sehr bizarrer Ereignisse schließlich zur Aufdeckung Harrys wahrer Identität, er ist ein Zauberer, wie einst seine Eltern.

Von Hagrid, dem Hünen auf dem Motorrad, erfährt er, dass seine Eltern von einem bösen Zauberer namens Lord Voldermort ermordet wurden und dass Harrys wahrer Platz in Hogwarts, Schule für Hexerei und Zauberei, ist. Auf der Reise zu der magischen Schule mit dem Hogwarts Express schließt er schnell Freundschaft mit Ron Weasley und etwas später nach einem Vorfall mit einem Bergtroll auch mit Hermine Granger. Doch im Verlauf des Schulalltags aus Quidditch und Unterricht in Zaubertränke, Geschichte der Zauberei oder Verwandlung entdeckt das Trio, dass etwas in der Schule verborgen ist, etwas Wertvolles und möglicherweise Gefährliches.

 

Das erste Buch führt uns zum ersten Mal in die magische Welt ein, indem man ebenso wie Harry und seine Mitschüler und Freunde mit seltsamen, noch nie erlebten Wundern bekannt gemacht wird. Rowling hat eine starke und vielschichtige Welt mit immensen Details aufgebaut, jedoch wird man nicht mit Informationen überhäuft. Vielmehr baut sich die zauberhafte Welt allmählich auf und wird mit jedem Buch größer und fantastischer. Alle Charaktere, Lehrer, Schüler, aber auch die Bösewichte haben glaubwürdige Persönlichkeiten, mit Eigenheiten und Fehlern, die dazu beitragen, dass aus ihnen liebenswerte und langjährige Charaktere entstehen.

Zu Recht wurde diesem Buch zugeschrieben, dass es nicht nur eine Generation von Kindern/Jugendlichen zum Lesen anregte, sondern auch Erwachsene begeisterte. Und obwohl ich die Geschichte mittlerweile in- und auswendig kenne, genieße ich es jedes Mal aufs Neue, in diese Welt voller Magie einzutauchen.

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258 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

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Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Joanne K. Rowling , Klaus Fritz
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 31.08.2018
ISBN 9783551557421
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Noch bevor Harry sein zweites Jahr in Hogwarts beginnt, wird er von einem seltsamen Besucher gewarnt, dass "schreckliche Dinge" in der Schule stattfinden sollen. Hierbei handelt es sich um den wunderbaren Elf Dobby. Trotz dieser kryptischen Warnung nicht nach Hogwarts zurückzukehren, macht er sich zusammen mit Ron im fliegenden Auto der Familie Weasley auf dem Weg. Harry fängt an, bedrohlich zischende Stimmen zu hören, die nur er hören kann. Darüber hinaus erscheinen seltsame Botschaften in der ganzen Schule, die verkünden, dass jeder Schüler, der kein Vollblut-Zauberer und somit unwürdig ist, sterben wird und dass die "Kammer des Schreckens" wieder geöffnet wurde. Die Legende erzählt, dass diese geheime Kammer im Schloss von einem der vier Gründer der Schule, Salazar Slytherin, erbaut wurde. In jener Kammer befindet sich ein Monster, das nur vom Erben des Zauberers kontrolliert werden kann. Es scheint niemand mehr sicher, nicht einmal die Geister des Schlosses oder die Katze von Filch, dem Hausmeister. Als eine Schülerin als letztes Opfer für das Monster in die Kammer des Schreckens geschleppt wird, scheint Voldermort endlich wieder in voller Stärke zurückkehren zu können.

Das zweite Buch ist rätselhafter als sein Vorgänger, mit einem Hauch von Intrigen und gespickten Unsicherheiten. In vielerlei Hinsicht öffnet die Kammer des Schreckens Türen zu Aspekten der HP-Reihe, die später enorm wichtig werden. Hinweise zu Voldermorts Vergangenheit, seiner Seele und Entscheidung, Harry zu töten, beginnen Gestalt anzunehmen und zukünftige Beziehungen werden angedeutet. Das Buch bietet eine etwas dunklere Sicht auf die Zauberwelt. Erstmals werden die Themen Rasse und Gleichstellung, die in den Büchern zu zentralen Themen werden, explizit vorgestellt und durch die Häuserzugehörigkeit (Slytherin, das reinrassige Haus) vereinfacht. Durch die Kategorien "Squib", "muggelstämmig", "Halbblut" und "Reinblut" hebt Rowling die sehr realen Unterschiede in der Behandlung und den Möglichkeiten hervor, die den Menschen in der realen Welt geboten werden. Während den Reinblütigen der unschätzbare Reichtum an Vertrautheit mit der Magie und einem gewissen Anspruchsgefühl zuteil wird (zumindest die eher extremistischen wie die Malfoys), müssen sich die Muggelgeborenen als Nachzügler dieser magischen Welt durch harte Arbeit beweisen, wie dies durch Hermine Granger illustriert wird, eine von Harrys besten Freunden und die "brillanteste Hexe" in ihrem Jahr.

Die Kammer des Schreckens beherbergt mit Gilderoy Lockhart, dem charmant unfähigen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste, einen der (buchstäblich) farbenprächtigsten Professoren, der je in Hogwarts "unterrichtete". Lockharts absurde Eitelkeit, sein blendendes Lächeln, sein Drang nach Selbstportraits und Autogrammstunden sind eine willkommene Erholung nach dem stotternden Vorgänger Quirrell.

Die Kammer des Schreckens ist ein dunkleres Buch. Die Hallen von Hogwarts scheinen gefährlicher zu sein, die Charaktere sind wesentlich hinterhältiger und selbst Harry durchläuft viel mehr seelische Prüfungen. Irgendwann wendet sich der größte Teil der Schule von ihm ab, ein starker Gegensatz zu dem sofortigen Ruhm und der Anerkennung, die er für einen Großteil des Steins der Weisen genossen hatte. Zum ersten Mal sehen wir Harry mit dieser Art von gesellschaftlicher Missbilligung umgehen, und etwas sagt uns, dass es nicht das letzte Mal sein wird, dass er sich ihr stellt. Harrys Zeit in Hogwarts wird nicht einfacher und bedarf, dass er emotional und magisch wächst.

Insgesamt ein notwendiger Teil der Reihe, der gelesen werden muss, um die folgenden fünf Bücher zu verstehen.

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