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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Statt etwas oder Der letzte Rank

Martin Walser
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 05.01.2017
ISBN 9783498073923
Genre: Romane

Rezension:

Der Erzähler des Buchs „Statt etwas oder Der letzte Rank“ von Martin Walser bleibt unbenannt, obwohl er sich letztlich manche Namen aneignet. Vor ihm steht eine leere imaginäre Wand ohne Muster. Ein Rahmen wie auf dem Cover des Romans wäre noch einengender und zum Glück gibt es ihn nicht. Doch die Mauer bietet dem Betrachter schon Einhalt, aufhalten kann sie seine Gedanken jedoch nicht. Er hat gelernt mit der Wand zu leben. Und die Ideen von Martin Walser finden sich ohne Begrenzung in den Worten der Kapitel wieder.

Das Buch ist als Roman bezeichnet und folgt man der allgemeinen Wikipedia-Erklärung, dass es sich hierbei um eine „Langform der schriftlichen Erzählung“ handelt ist das korrekt, aber dennoch ist der Inhalt mit keinem anderen Roman vergleichbar. Der Ich-Erzähler, der gerne auch zum gestehenden „Er“ wird, blickt Vielfach auf Erlebtes zurück bei dem er seine Gefühle in den erinnerten Situationen nicht verbergen kann. Er verfällt in Behauptungen bei Unsicherheit und offenbart dadurch seine Sensibilität. Überhaupt hat er selber immer nach der Wahrheit gesucht und sich selbst dahin gemaßregelt, dass Träumen ausreichend ist. Für ihn scheint es ein lebenslanges Dilemma zu sein, durch seine Meinung im Fokus zu stehen und doch gleichzeitig dabei nicht auffallen zu wollen. Sein Leben ist geprägt durch manche Auseinandersetzung, die nicht alle ohne negative Folgen für ihn geblieben sind.

Ich muss zugeben, dass das Buch erst das zweite ist, das ich von Martin Walser gelesen habe. Nach einer kurzen Recherche zu seinem bisherigen Leben im Internet sehe ich so manche Anspielung auf eigene Erlebnisse des Autors, zumal mich der Erzähler des Romans durch einen entsprechenden Textpassus darauf hinweist, dass er seine Geschichten gerne in die Schilderungen Bekannter verpackt. Auch wenn ich leider nicht alle deuten kann, stelle ich fest, dass seine Aussagen deutlich, bestimmt und ansprechend sind. Sarkasmus blitzt durch, der bei weiterer Bekanntheit des Autors und seiner Werke sicher noch amüsanter wäre.

Das im Buchtitel enthaltene und mir antiquiert erscheinende Wort „Rank“, welches nach einer Erklärung aus dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm als Synonym dem Wort Wendung entspricht gilt hier in zweierlei Sicht. Einerseits nimmt jedes Kapitel im formlosen Verlauf ungeahnte Drehungen von der Erzählung zur Lyrik, zur Aufzählung, zum Aphorismus hin zum Prosagedicht. Andererseits ist es der Schilderer selbst der sich da von Kapitel zu Kapitel von einem zum anderen dreht und dadurch erreicht, seine Gedanken von der erdachten Wand zu befreien. Der Erzähler erscheint gefestigt durch seine Erfahrungen und setzt man ihm den Autor gleich, habe ich als Leser gerne wahrgenommen, dass das Werken Martin Walsers weitergeht.

Ich habe solch einen Roman noch nicht gelesen und finde ihn eine Bereicherung der Möglichkeiten schriftstellerischen Ausdrucks, der allgemein wohl nur von einem bekannteren Autor ernst genommen wird. Ob man das Buch nun als genial oder verwirrend wahrnimmt mag jedem offen gestellt sein. Ich persönlich bevorzuge zwar eine gleichförmigere Erzählung, kann mich aber dem Reiz des vorliegenden Buch nicht gänzlich entziehen.

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73 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

berlin, mord, thriller, trauma, entführung

Der Todesprophet

Chris Karlden
Flexibler Einband: 382 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 15.08.2016
ISBN 9783746632322
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Der Todesprophet“ im gleichnamigen Thriller von Chris Karlden versetzt Berlin in Aufregung. Der Titel ist angelehnt an sein Tatmotiv. Eine Spritze, wie auf dem Cover zu sehen, kommt zwar auch zum Einsatz, doch seine Tötungsmethode ist sehr viel subtiler.

Bereits im Prolog lernt der Leser den Journalisten Ben Weidner kennen. Für einen Artikel ist er in Äthiopien unterwegs als er plötzlich in eine ungeahnte, tödliche Extremsituation gerät. Doch trotz des bleibenden Schreckens verweigert er jede Therapie. Seine Ehe mit Nicole leidet darunter und steht kurz vor der Scheidung. Eines Tages findet Ben nach einem interessanten Abend mit einem Date auf der Suche nach seinem Handy in der Wohnung der jungen Frau deren Leiche. Die Angabe eines Datums am Fundort lässt bald eine Vermutung Wirklichkeit werden, denn eine weitere Leiche wird zur angegebenen Zeit gefunden. Ben ist erstaunt, weil er der Taten verdächtigt wird. Aber aufgrund der Ereignisse in Afrika leidet er unter Flashbacks und Bewusstseinsausfällen. Die Fakten sprechen gegen ihn und allmählich traut er sich selbst nicht mehr. Er ahnt noch nicht, dass das Grauen für ihn noch nicht seine schlimmste Form angenommen hat und bald schon kämpft er um weit mehr als nur seine Unschuld.

Geschickt baut Chris Karlden Ben von Beginn an als potentiellen Mörder auf. Seine Motive sind begründet und selbst Ben glaubt schließlich daran, dass er während Aussetzern seines Bewusstseins die Taten vollzogen hat. Ich wollte dieser These nicht folgen, aber leider sprachen immer mehr Fakten dafür. Gerne hätte ich Ben sympathisch gefunden, aber sein Widerstand gegen eine Psychotherapie und die Konsequenzen daraus machten ihn mehr zu einer bedauernswerten Person. Dennoch fand ich es gut, in diesem Thriller mal nicht die üblichen Kriminalkommissare als Ermittler zu sehen, sondern mit Ben eine Person die um ihre Unschuld kämpft.

Der Thriller ist hervorragend konstruiert auch wenn sehr viele Zufälle eine Rolle spielen sowie die Arglosigkeit eines Charakters von dem ich dies nicht vermutet hätte. Alles erscheint schließlich schlüssig auch wenn etwas sehr oft auf die grausamen Erlebnisse von Ben als Motiv hingewiesen wird. Ben bleibt ständig in Bewegung was dazu beiträgt, das ständig etwas passiert und keine Langeweile aufkommt. Es gibt etliche unerwartete Wendungen selbst in den brenzligsten Situationen bei denen der Autor durch seinen Einfallsreichtum glänzt. Die Spannungskurve bleibt dadurch hoch bis zum Schluss. Vor allem habe ich lange gerätselt ob Ben wirklich der Täter ist. Für eine Antwort auf die Frage, wenn nicht er es war wer dann, standen mehrere Personen zur Verfügung, denen ich aufgrund dessen mein Vertrauen nicht mehr schenken konnte. Dank des leicht lesbaren Schreibstils konnte ich das Buch zügig lesen um endlich der Aufklärung näher zu kommen.

Für mich ich das Buch ein Highlight unter den deutschen Thrillerromanen und ich vergebe gerne eine Leseempfehlung.

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43 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

historischer roman, england

Das Haus in der Nebelgasse

Susanne Goga
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Diana, 09.01.2017
ISBN 9783453358850
Genre: Historische Romane

Rezension:

Das Cover deutet bereits an, dass den Leser der Roman „Das Haus in der Nebelgasse“ von Susanne Goga in die Hauptstadt Englands nach London führt. Dort gelangt die Protagonistin Matilda Gray im Jahr 1900 auf der Suche nach einem ganz bestimmten Haus unweit der Themse in eine schmale neblige Gasse mit hohen Häusern in der sie fündig wird.

Matilda unterrichtet an einer Mädchenschule mit angeschlossenem Internat. Hier wird zwar Allgemeinwissen vermittelt, doch hintergründig werden den Konventionen der Zeit entsprechend die Schülerinnen darauf vorbereitet ihren späteren gutbetuchten Ehemännern den Haushalt zu führen und auf dem gesellschaftlichen Parkett zu glänzen. Laura Wesley ist 17 Jahre alt, Waise und eine der Schülerinnen. Eines Tages zieht sie Matilda in einer bestimmten Angelegenheit ins Vertrauen. Nach den Schulferien erscheint sie jedoch nicht mehr zum Unterricht, sondern reist gemeinsam mit ihrem Vormund ins Ausland. Ihre Begleitung hat der Schule erklärt, dass sie eine Krankheit dort auskurieren soll. Laura, die immer betont hat, durch Schulabschluss und Studium einmal unabhängig leben zu wollen, schickt Matilda aus Italien eine verschlüsselte Postkarte. Die Lehrerin folgt verschiedenen Hinweisen auf der Suche nach einer Möglichkeit, Laura zu helfen. Dabei begegnet sie dem Historiker Stephen Fleming, der ein Kenner der Geschichte Londons ist. Die Aufdeckung des Geheimnisses führt sie in das alte London von dem Teile immer noch unter dem heute Sichtbaren verborgen liegen.

Ein kurzer Prolog, der im Jahr 1665 spielt, ließ mich ahnen, dass damals in einer Familie sich etwas Schlimmes ereignet hatte und ungeduldig habe ich darauf gewartet bis sich zeigte, was diese kurze Episode mit den Geschehnissen im Jahr 1900 zu tun hatte. Die Autorin hat sehr gut zur Geschichte Londons recherchiert. Für uns heute nicht mehr sichtbar, weist Susanne Goga auf ein London hin, dessen historische Gemäuer sich noch immer unter den Gebäuden der Stadt befinden. Ihre Protagonistin scheut sich nicht, den Dingen persönlich auf den Grund zu gehen. Matilda ist selbstbewusst, engagiert und unabhängig. Obwohl auch ihre Eltern früh verstorben sind, hat sie sich ihren Studienwunsch erfüllt, so wird sie für manche Schülerin sicher zum Vorbild. Allerdings werden ihr von ihrer Schule deutliche Grenzen des Erlaubten gesetzt, auch in Bezug auf ihre Ermittlungen im Fall Lauras. Sie scheut die Konsequenzen bei Bekanntwerden ihrer unerlaubten Handlungen. Grundsätzlich ist Matilda jedoch mutig wenn sie sich beispielsweise bei Dunkelheit allein in verrufene Gegenden begibt. Matilda blieb mir allerdings etwas zu distanziert, in Herzensangelegenheiten hätte ich ihr mehr Courage zugetraut. In Sachen Liebe gibt es im weiteren Verlauf noch eine Wendung, die unvorbereitet kam.

Susanne Goga schreibt flüssig und leicht lesbar. Das Familiengeheimnis, nach dem Matilda sucht, hat sie sehr geschickt in ihrer gut konstruierten Geschichte verborgen. Das Spannungselement des aufzudeckenden Geheimnisses zieht sich durch den ganzen Roman, auch wenn die kleinteilige Suche nach der Lösung sich im Mittelteil ein wenig hinzieht. Das Hintergrundthema des unterirdischen Londons ist interessant und unverbraucht. Die Autorin flechtet geschickt in ihren Roman zeitlich Passendes, damals Aktuelles aus der Kulturszene ein. Insgesamt konnte ich mir London und seine Bewohner zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Beschreibungen gut vorstellen. Ich fühlte mich bestens unterhalten und ich empfehle ihn gerne weiter.

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124 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

thriller, hoffman, jilliane hoffman, florida, bobby dees

Insomnia

Jilliane Hoffman , Sophie Zeitz , Stefanie Kremer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 27.12.2016
ISBN 9783805250719
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Seit drei Jahren treibt ein Serienmörder im Süden Floridas sein Unwesen. Neun Opfer hat man bisher aufgefunden, alle gleichen einander in bestimmten Merkmalen wie beispielsweise ihrem jugendlichen Alter und ihrer zierlichen Figur. Weil der Täter seine Opfer vor ihrem Tod mit Werkzeugen quält wird er der „Hammermörder“ genannt. Das ist die Ausgangslage im Thriller „Insomnia“ der US-Amerikanerin Jilliane Hoffman.

Je nach Fundort der Leichen sind unterschiedliche Ermittlungsteams zuständig, doch nun soll das Dezernat für Verbrechen an Kindern und Jugendlichen hinzugezogen werden. Special Agent Bobby Dees gehört dem Team seit dreizehn Jahren an. Wer den Vorgängerband „Mädchenfänger“ gelesen hat, kennt den Ermittler bereits. Ich habe das genannte Buch nicht gelesen, hatte aber keinerlei Probleme dadurch, weil die Autorin an entsprechenden Stellen Auszüge der damaligen Geschehnisse schildert, vor allem soweit sie Bobby Dees betreffen.

Insomnia, zu deutsch schlaflos ist der Täter, den ich bereits im Prolog des Buchs kennenlernen konnte. Er leidet unter Kopfschmerzen die erst schwinden, wenn er seine Fantasien auslebt. So scheu wie die Schneeeule deren Augen mich auf dem Cover fixieren, aber genauso aggressiv wie dieses Tier sein kann, agiert der Täter.

Eines Tages taucht in einem Truckstop in Südflorida die 17jährige schwerverletzte, als vermisst gemeldete Mallory Knight auf und behauptet, dass sie vom Hammermörder entführt und vergewaltigt wurde. Bobby Dees betont in einer Unterredung mit Mallory, dass er ihren Schilderungen nicht glaubt. Noch nie ist ein Opfer des Hammermörders lebend wieder aufgefunden worden. Mallory erkennt bald die Folgen ihrer Aussage, die sich fatal auf ihre Zukunft auswirken werden. An dieser Stelle erreicht die Geschichte einen ersten Höhepunkt. Das Motiv des Täters war mir vom Prolog an bekannt und auch die stattliche Anzahl der bisherigen Opfer. Nun hoffte ich darauf, dass Bobby Dees sehr bald schon Licht ins Dunkel bringen kann. Doch stattdessen sprang die Erzählung um vier Jahre in die Zukunft und das Morden ging weiter.

Jilliane Hoffman hat es geschafft, mich über die gelesenen Seiten hinweg bis zum Schluss zu fesseln. Als dann endlich der Fall vor der Klärung steht, stellte ich fest, dass noch nahezu hundert Seiten im Buch folgten. Doch das war nicht nur ein Abspann, sondern hier hielt die Autorin weiterhin den Spannungsbogen und führte ihn zu einem für mich unerwarteten Ende.

Die Geschichte wird aus einer allwissenden Erzählsicht geschildert. Ich fand es gut, dass die Handlungen immer ausreichend begründet wurden. Auf diese Weise wirkte alles realistisch und vorstellbar. Die Autorin hat einen mitreißenden Schreibstil. Sie versteht es, eine unterschwellige Spannung zu erzeugen und damit unangenehme Situationen zu erzeugen aus denen man sich nur durch schnelles Weiterlesen retten kann. Die kurzen Kapitel haben mich nicht in Ruhe verweilen lassen. Jilliane Hoffman bestückt ihre Szenerie mit mehreren potentiellen Tätern. Dazu liefert sie genauso viele Hintergrundinformationen zu den Personen die ausreichen, denjenigen zu verdächtigen. Ihre Charaktere leben nicht alle auf der Sonnenseite. Sie wurden verspottet oder reichten nicht an gewisse Maßstäbe ihrer Eltern heran.

Mich konnte dieser Thriller begeistern und daher gibt es von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle Leser des Genres.

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

lennox, herrenhaus, ägypten, gesellschaftsroman, zweiter weltkrieg

Die Frau des Juweliers

Judith Lennox , Mechtild Sandberg
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 02.11.2016
ISBN 9783866122963
Genre: Historische Romane

Rezension:

Juliet Winterton ist „Die Frau des Juweliers“ im gleichnamigen Buch von Judith Lennox. Doch die Erzählung dreht sich nicht nur um sie, sondern es ist die Geschichte der Familie Winterton in der Zeit von 1938 bis Ende 1966. Solch ein Herrenhaus auf dem Land ist auch Marsh Court, das Zuhause von Juwelier Henry Winterton in dem Juliet sich bald nach ihrem Einzug wohlfühlt. Anders dagegen sieht es in ihrer Ehe mit Henry aus.

Juliet ist 19 Jahre als sie den 17 Jahre älteren Henry in Kairo zum ersten Mal trifft bei dem Versuch eine wertvolle Perlenkette zu verkaufen um ihre finanziellen Nöte zu mildern. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen und heiraten bereits nach kurzer Zeit. Juliet folgt ihrem Ehemann nach Marsh Court und stellt schnell fest, dass Henry zwar im Beruf erfolgreich ist, aber ganz bestimmte Ansichten hat. Er wird schnell wütend, rügt sie wenn sie gegen Konventionen verstößt und möchte, dass sie sich mit ihrer Meinung nach seiner eigenen richtet. Familienmitglieder und Freunde von Henry sind stets gern gesehene Gäste und auch Juliet sind sie meistens angenehm. Ein erstes Kind lässt nicht lange auf sich warten und der 2. Weltkrieg steht bevor. Henry arbeitet viel und lange. In diesen einsamen Stunden zu unsicherer Zeit sehnt sie sich nach Vertrauen, Verständnis und Liebe und glaubt all das bei einem verheirateten Freund von Henry zu finden. Doch der Familienzusammenhalt steht immer im Vordergrund. Juliet ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ihr Geliebter ein dunkles Geheimnis birgt, das sich erst Jahre später auch ungewollte Auswirkungen auf sie selbst haben wird.

Judith Lennox erzählt die Geschichte in zeitlicher Reihenfolge aus einer allwissenden Sicht. Beginnend im Oktober 1939 schreitet die Erzählung zunächst zügig vorwärts. Die Not und das Leid im Weltkrieg werden auf wenigen Seiten thematisiert, jedoch hat auch die Familie Winterton die Einschränkungen zu spüren. Schnell erholt sich danach das Geschäft und die Kinder wachsen heran. Am Anfang des Buches findet der Leser eine Übersicht über die wichtigsten Charaktere und ihre Zugehörigkeit zu den Geschwistern Wintertons und den befreundeten Familien. Die Autorin dehnt ihre Erzählung auf die nun heranwachsenden Kinder der Familie aus und im weiteren Verlauf des Lesens war mir die Auflistung des Öfteren hilfreich. Einerseits ist es einfach, alle Nachkommen innerhalb der Familie zu beschäftigen, aber andererseits ist es schwierig, die Führungspositionen zu besetzen. So ergeben sich Neid, Hass und Missgunst, die sich im Folgenden durch die weitere Schilderung ziehen.

Etwa 2/3 der Erzählung spielt in den 1960er Jahren. Juliet reift zwar im Laufe der Jahre an ihrer Aufgabe, schafft sich Freiräume und engagiert sich beruflich und ehrenamtlich, doch ihr fehlen die nötigen Argumente und die Durchsetzungskraft um Streitigkeiten in der Familie beizulegen. Judith Lennox hat einen sehr leicht zu lesenden Schreibstil und eine realistische Darstellungsfähigkeit. Ihre Charaktere haben Ecken und Kanten, vor allem beharren die Mitglieder der Familie Winterton gerne auf ihrer eigenen Meinung. Den äußeren Schein zu wahren avanciert sehr hoch bei ihnen.

In all den Jahren wird auch Familie Winterton von einigen Schicksalsschlägen getroffen. So konnte ich beim Lesen Anteil nehmen an Freude und Leid der Familienmitglieder. Gehörten sie in den 1930er Jahren einem herrschaftlichen Stand an so wurden sie im Laufe der Zeit zu einer erfolgreichen Familie mit Geschäftssinn, die bodenständig ist und sich den Sinn für die Realität bewahrt. Das Geheimnis im Rahmen der Affäre Juliets baut zum Ende der Geschichte noch einmal Spannung auf. Der Schluss erscheint mir in Bezug auf das Unternehmen zwar ein wenig unrealistisch, aber den meisten Lesern wird er gefallen. Mir hat der Roman gut gefallen und daher empfehle ich ihn gerne weiter. 

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

kleiner klugscheisse, autismus, nanny, los angeles, kultautorin

Willkommen in der unglaublichen Welt von Frank Banning

Julia Claiborne Johnson , Iris Hansen , Teja Schwaner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 17.10.2016
ISBN 9783746632667
Genre: Romane

Rezension:

„Willkommen in der unglaublichen Welt des Frank Banning“ ist Alice Whitley im gleichnamigen Buch von Julia Claiborne Johnson. Sie ist 24, hat einen Collegeabschluss in Buchhaltung und bildender Kunst, ist technisch versiert und hat sich mit diversen Jobs weitere Fähigkeiten erworben, unter anderem hat sie an einer Privatschule unterrichtet. Als Leser lernte ich sie an der Seite der Titelfigur im Prolog des Romans während einer Fahrt mit dem Bus kennen. Bereits in diesem kurzen Abschnitt beschreibt die Autorin einige der Eigenheiten von Julian Francis, kurz Frank genannt und machte mir auf diese Weise Lust darauf, den 9-jährigen Jungen näher kennenzulernen. Gemeinsam mit Alice ist er auf dem Weg zum Krankenhaus um seine Mutter, die berühmte Schriftstellerein M.M.Banning, zu besuchen. Sie wurde dort zur psychiatrischen Beobachtung eingeliefert kurz nachdem es in ihrem Haus gebrannt hatte. Dieses tragische Ereignis wird auf dem Cover des Buchs in leichter Form umgesetzt. Doch Frank ist nicht der typische Skateboarder wie er auf der Rückseite zu finden ist, doch dazu später mehr.

Nur ein einziges Buch hat Mimi unter ihrem Pseudonym M.M. Banning bisher geschrieben und veröffentlicht. Damit sie ihr Leben und das von Frank weiterhin finanzieren kann ist es notwendig, dass sie endlich einen zweiten Roman schreibt. Ihr Verleger unterstützt sie dabei, indem er ihr seine eigene rechte Hand Alice als Hilfe für Sekretariatsarbeiten aber auch zur Haushaltsführung und Betreuung ihres Sohnes schickt. Rasch merkt Alice, dass Frank nicht so ist wie andere Kinder seines Alters. Er hasst T-Shirts und Jeans und kleidet sich stattdessen in Stoffhosen, Sakkos und Anzügen nach der Mode entsprechender Filmstars. Immer wieder ist die Rede von Filmen, von denen mir einige bekannt waren. Nach meinem Geschmack hat die Autorin diesem Thema einen zu großen Raum gegeben. Für das Zusammenleben mit Frank hat er eigene Regeln aufgestellt. Er darf nicht ohne vorherige Genehmigung von ihm angefasst werden. Das Gleiche gilt für Dinge die ihm gehören. Doch manches Mal wirkt er so schutzbedürftig, dass seine Regeln nicht einfach einzuhalten sind.

Alice ist die Ich-Erzählerin des Romans. Bisher lebte sie in einer kleinen, spärlich eingerichteten Wohnung in Brooklyn. Das Haus von Mimi und die Umgebung von Los Angeles bieten ihr eine nie gekannte Freizügigkeit. Doch sowohl Mimi wie auch Frank stehen ihr zunächst zurückhaltend gegenüber. Auf Mimi lastet der Druck, ein Buch möglichst bald fertig zu schreiben und Frank zeigt Anzeichen dafür, dass er seine Mutter vermisst, während sie sich zum Schreiben in ihr Arbeitszimmer zurückzieht. Insgesamt erschien Mimi mir sehr kühl im Auftreten und sie ist mit der Erziehung ihres Sohnes und dem gleichzeitigen Schreiben eines Buchs völlig überfordert. Alice fällt es daher schwer, deren Vertrauen zu gewinnen und die abneigende Haltung der beiden aufzubrechen.

Mimi und Frank leben zurückgezogen in ihrem Haus, das von einer Mauer umgeben ist und Frank ist Mimis einziger Lebenssinn. Sie unterstützt die Exzentrik ihres Sohns unter anderem damit, dass sie ihm die gewünschte Kleidung kauft und die Einhaltung seiner Regeln unterstützt. Sie agiert in dem guten Glauben Frank dadurch ein schönes Leben zu gestalten. Warum sie so handelt wird deutlicher als sie Alice von ihrer eigenen Kindheit und Jugend erzählt.

Frank konnte mit der Zeit meine Sympathie erlangen, denn er erscheint zwar manchmal neunmalklug, aber er kann genauso charmant auf seine ganz eigene Art sein. Er ist ein guter Beobachter. Seine auffällige Kleidung wirkt auf seine Mitschüler befremdend, so dass dies sicher mit ein Grund ist, dass er keinen Freund hat. Frank liebt enge Räumlichkeiten, eventuell weil sie ihm Schutz bieten vor erstaunten Blicken von anderen. Durch die faktische Betrachtungsweise von Frank und der Art wie er diese Fakten wieder gibt kommt es zu zahlreichen Situationen mit, aus seiner Sicht, ungewolltem Humor. Bewusst verzichtet Julia Claiborne Johnson Franks offensichtliche Störung zu benennen. Dadurch unterbleibt eine automatische Stigmatisierung und er hat die Möglichkeit zwar seine Eigenheiten auszuleben, aber sich dennoch ohne Einschränkungen seinen zukünftigen Platz im Leben zu sichern.

Der Roman zeigt auf eindrückliche Weise, dass bereits Kinder sehr verschiedenartig sind, wir Individualität akzeptieren sollten und durch diesen Prozess auch lernen können, sie wert zu schätzen. Zum Schluss erwartete mich als Leser noch eine überraschende Wendung. Frank konnte dadurch nochmals ein paar Sympathiepunkte bei mir hinzugewinnen. Gerne empfehle ich diese liebevolle, familiäre Geschichte weiter.

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124 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

becky chambers, galaxie, science-fiction, raumschiff, der lange weg zu einem kleinen zornigen planeten

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Becky Chambers , Karin Will
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 27.10.2016
ISBN 9783596035687
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ ist das Debüt der US-Amerikanerin Becky Chambers. Der Science-Fiction-Roman hat mich an der Seite der Crew von Captain Ashby Sanoso mit an Bord der„Wayfahrer“, einem in die Jahre gekommenen aber noch voll funktionsfähigen Tunnelerschiffs, genommen auf dem Weg durch das Weltall hin zu dem äußerlich abweisend wirkenden Planeten Hedra Ka. Das Cover lässt mich in das All schauen mit einer Vielzahl von Sternen, unbekannten Welten und Wesen. Der Lichtstreifen am Horizont, der sich von dem dunklen Raum abhebt, steht für mich symbolisch als Hoffnungsträger für die Zukunft, in die die Frau am unteren Bildrand aber auch wir selber blicken.

Rosemary Harper ist Mitte 20 und kommt vom Mars. Sie hat sich eine neue Identität besorgt und tritt nun ihre eine Stelle auf der „Wayfahrer“ als Verwaltungskraft an. Mit dem Tunnelerschiff stoßen Ashby Sanoso und seine Crew Wurmlöcher ins All um Verbindungen zwischen Galaxien zu schaffen. Die Mannschaft setzt sich nicht nur aus Menschen zusammen, sondern auch andere Lebensformen gehören dazu. Sie verständigen sich hauptsächlich auf Klip, aber jede Spezies hat auch ihre eigene Sprache, die manchmal nicht aus Wörtern oder Lauten sondern aus Gesten besteht. Der Captain ist stolz darüber, als er den großen Auftrag erhält einen Tunnel zu dem weit entfernten, unfreundlich wirkenden Planeten Hedra Ka stoßen zu dürfen. Die Anreise wird einige Zeit in Anspruch nehmen und so ist Rosemary mit den anderen Crewmitgliedern auf engem Raum eine sehr lange Zeit unterwegs.

Eigentlich hört sich die Zusammenfassung dieses Romans eher unspektakulär an: ein Raumschiff macht sich auf einen langen Weg zu einem unbekannten Planeten um dort einen Auftrag auszuführen. Was aber die Autorin aus diesem Stoff macht, ist ganz fein. Zunächst beschreibt sie die Mitglieder der Schiffsmannschaft, die sehr verschieden sind. Alle sind bestens für ihren Job ausgebildet und kommen aus den unterschiedlichsten Regionen des Weltalls. Während der Captain, der Treibstoffwart Corbin und die Techniker Kizzy und Jenks menschlicher Abstammung sind, wobei man hier noch nach deren Herkunft unterscheiden muss, gehören zur Crew außerdem die Pilotin Sissix, die zu den reptilienartigen Aandrisk gehört, der Grum Dr. Koch, der als Arzt und Koch fungiert, der Navigator Ohan, der als nachtaktives Sianatpaar beschrieben wird und die Künstliche Intelligenz (KI) Lovelace, kurz Lovey genannt.

Jede Spezies bringt aufgrund seiner Herkunft unterschiedliche Lebenserfahrungen und auch Ansichten mit, die oft kulturell bedingt sind. Es ist nicht immer einfach miteinander aus zu kommen und für jeden ein Wohlgefühl an Bord zu schaffen, beginnend bei der Raumtemperatur hin zu Kleidung und Essen. Becky Chambers thematisiert diese und andere Probleme und diskutiert sie mit viel Respekt für jede Lebensform. Die Lösung ist nicht immer die Beste, aber grundsätzlich die Fairste. Freundschaft, Verständnis und Hilfsbereitschaft stehen dabei im Vordergrund.

Im folgenden Verlauf nimmt die Crew auf ihrem langen Weg Kontakt zu weiteren Spezies auf, sei es um Ersatzteile und Essenszutaten zu beschaffen oder auch mal zum Vergnügen. Auch hier beweist die Autorin viel Einfühlungsvermögen, denn leider gibt es auch immer wieder Missverständnisse, die ausgeräumt werden müssen um den Bestand der Galaktischen Union, in dem die verschiedenen Spezies vereint sind, zu erhalten. Interessant sind auch die Gefühle, die die Lebewesen zueinander entwickeln. Beispielsweise gibt es eine Art, die ihr Geschlecht im Laufe des Lebens wechselt, bei einer anderen ist Liebe zwischen ständig wechselnden Partnern üblich und außerdem entwickelt ein Techniker eine ungewöhnlich anmutende zarte Bande zur KI an Bord.

Karin Will hatte es sicher nicht leicht, die Beschreibung all dieser außergewöhnlichen Spezies und ihrer Besonderheiten vor allem in der Verständigung ins Deutsche zu übersetzen. Es ist ihr sehr gut gelungen und ich konnte den Ausführungen problemlos folgen und sie mir gut vorstellen.

„Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ beschreibt dem Leser eine futuristische Welt. Jedoch zeigt die Autorin darin auch, wie ein respektvolles Zusammenleben in einer Multikulturellen-Gesellschaft möglich ist, ohne jedoch den Anspruch zu erheben, dass letztlich alle Probleme gelöst werden können und niemand Ärger macht.

Mit diesem Buch habe ich nach langer Zeit wieder einmal einen Science-Fiction-Roman gelesen. Ich hoffe nicht nur auf eine Fortsetzung des Romans, sondern auch darauf, dass wir fremden Kulturen so offen entgegentreten wie die Crew der Wayfahrer. Meine Leseempfehlung für alle Sci-Fi-Fans! 

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88 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

fantasy, der winterkaiser, elfen, tor verlag, fantasy literatur

Der Winterkaiser

Katherine Addison , Petra Huber
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 13.10.2016
ISBN 9783596036189
Genre: Fantasy

Rezension:

Maia ist erst 18 Jahre alt als er durch den Unfalltod seines Vaters, dem Elfenkaiser, und seiner Brüder zum Thronerben wird. Seine Mutter war die vierte Frau seines Vaters und aus der herrschenden Linie der Kobolde. Die Ehe basierte nicht auf Liebe, sondern wurde aus politischen Gründen arrangiert. Maias Mutter verstarb früh. Lange Jahre lebte er im Exil und wurde von einem Cousin nach strengen Regeln erzogen. Schnell wird ihm klar, dass er so bald wie möglich, die Nachfolge antreten muss. Trotz seiner Flugängste besteigt er wenig später ein Luftschiff um sich so schnell wie möglich zum Regierungssitz seiner Familie bringen zu lassen.

So beginnt der Fantasyroman „Der Winterkaiser“ von Katherine Addison. In der nun folgenden Geschichte begleitet der Leser Maia bei seinen täglichen Verrichtungen. Als erstes beschließt er seine Krönung und unmittelbar darauf hat die Beerdigung seines Vaters stattzufinden. Obwohl er nicht dazu erzogen wurde, Regierungsgeschäfte zu beschließen, sagt sein Verstand ihm, dass er als zukünftiger Kaiser die Entscheidungen ab sofort zu treffen hat, was er auch direkt in die Tat umsetzt. Damit gibt er eine klare Ansage an den bisherigen Berater seines Vaters. Maia bewegt sich auf dünnem Eis, denn er hat weder das Wissen dazu, den Elfenstaat zu führen, noch kennt er vertrauensvolle Personen von denen er sich Rat holen kann.

Katherine Addison, einem Pseudonym der Autorin Sarah Monette, schafft für ihren Roman eine eigene Welt von der der Leser auf der Innenseite der Klappbroschur eine Übersichtskarte erhält. Ihre Elfen sind ein altehrwürdiges Volk, sehr höflich und haben der allgemeinen Vorstellung entsprechend spitze bewegliche Ohren. Gewöhnungsbedürftig fand ich in diesem Zusammenhang die Form „Wir“ die Maia zu benutzen hat wenn er von sich selber spricht. Es gibt Hofrituale und Gesetze die uneingeschränkt auf für den Kaiser gelten. Bei Zuwiderhandeln drohen ein schneller Tod oder Verbannung. Die Namen der Elfen folgen eigens von der Autorin erdachten Regeln die im Anhang des Buches kurz erläutert werden. Für mich war es jedoch stellenweise schwierig, die Namen ihren jeweiligen Trägern zuzuordnen und dadurch wurde der Lesefluss gelegentlich gehemmt, zumal am Hof des Kaisers und in seinem Umfeld eine stattliche Anzahl Figuren angesiedelt sind. Im Anhang gibt es daher ebenfalls ein hilfreiches Verzeichnis dazu.

Maia wirkte auf mich durchgehend unwissend und unerfahren. Ohne um seinen Vater, zu dem er nie engeren Kontakt hatte, zu trauern, ist er sofort bereit die Thronfolge anzutreten. Er ist froh darüber, seinem bisherigen Lehrer, der ihn streng erzogen hat, aufgrund seiner neuen Machtbefugnisse eine neue Rolle fern von ihm zuzuordnen mit der Folge, dass er nun niemand Vertrautes mehr an seiner Seite hat. Reglementierungen hätte er ohnehin aufgrund seiner neuen Stellung von seinem Cousin nicht zu befürchten gehabt. Jetzt steht er im Fokus ohne dass er beurteilen kann, wer für ihn oder gegen ihn ist. Sein Handeln orientiert er daher sogar an den Beobachtungen, die er am Dienstpersonal im Exil gemacht hat. Und natürlich unterwirft sich nicht jeder diesem unerfahrenen, unbekannten Kaiser. Keine Figur des Buches konnte mir sympathisch werden, dazu agierte jeder Charakter zu sehr zu seinem eigenen Nutzen.

In dieser Fantasy werden Kämpfe nicht mit Waffen ausgetragen, sondern mit Worten. Die Autorin beschreibt gerne die Art und Weise der sprachlichen Mitteilung, wodurch der Leser erst ein Bild über die weitere Bedeutung erhält. Freundschaft und Liebe sind den Elfen zur Erhaltung ihrer Stellung im gesellschaftlichen Leben nicht wichtig. Ehen werden aus politischen Gründen geschlossen. Intrigen und Ränkespiele sind an der Tagesordnung. Auch besteht eine ständige Gefahr, selbst für den Kaiser, Unwillen auf sich zu ziehen und es nicht allen recht machen zu können.

Mir persönlich war die Fantasy etwas zu ruhig, das Gebaren am Hof zu aufgesetzt. Wer klirrende Schlachten und Zaubereien mag ist bei diesem Buch leider nicht richtig. Wer eine High Fantasy mit Elementen aus dem Steampunk und ein höfisches Szenarium mit politischen Rangeleien mag ist hier willkommen

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374 Bibliotheken, 27 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

david hunter, thriller, simon beckett, england, totenfang

Totenfang

Simon Beckett , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 14.10.2016
ISBN 9783805250016
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der forensische Anthropologen Dr. David Hunter ermittelt im Buch „Totenfang“ von Simon Beckett zum fünften Mal. Der Fall zu dem er hinzugezogen wird führt ihn in die Backwaters, einem Flussmündungsgebiet in Essex. Die Wetterlage spült ihm Unerwartetes vor seine Füße, so dass der Titel des Thrillers zum Programm wird. Besonders gut finde ich die Aufmachung des Buchs. Obwohl die letzte Ermittlung an der Dr. Hunter beteiligt war schon ein paar Jahre zurückliegt hat das Cover eine ähnliche Aufmachung wie die bisherigen Bände der Reihe.

Seit den Geschehnissen im vierten Teil der Serie „Verwesung“ ist kein ganzes Jahr vergangen. Dr. Hunters Arbeitsvertrag mit der Universität läuft in wenigen Wochen aus, eine Verlängerung ist ungewiss. Als ihn Detective Inspector Lundy aus Essex anruft und um Mithilfe bei der Untersuchung einer Leiche bittet, überlegt er nicht sehr lange und verspricht sein sofortiges Kommen. Im Mündungsgebiet eines Flusses wurde ein Körper gesichtet, der nun an Land gebracht werden soll. Die Leiche ist bereits stark verwest, aber es besteht ein bestimmter Verdacht, wer es sein könnte. Die Kleidung deutet auf Leo Villiers hin, einem Mann knapp über 30 Jahre aus wohlhabendem Haus, der vor einigen Monaten verschwunden ist. Dr. Hunter erhält die Informationen, dass Leo Villiers kein gutes Verhältnis zu seinem Vater hatte. Außerdem unterhielt er wahrscheinlich ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau, die noch vor seinem eigenen Verschwinden als vermisst gemeldet wurde.
Der Funde der Leiche zieht einige Fragen nach sich: Hat Leo Villiers sich selbst gerichtet oder wurde er ermordet? Ist die verschwundene Frau ebenfalls tot und wenn ja, wer hat sie umgebracht? Noch bevor Dr. Hunter mit der Analyse des Materials beginnen kann wird ein Fuß angeschwemmt, der definitiv nicht zu dem bisherigen Fund passt …

Das Buch kann ohne Kenntnisse der vorigen Bände gelesen werden. Zu Beginn geht der Autor kurz auf die Vergangenheit von Dr. Hunter ein und leitet vom vorigen Buch zur Gegenwart über. Ich habe mich als Leser darüber gefreut, Dr.Hunter zunächst in seiner heimatlichen Umgebung zu begegnen, bevor er zu einem neuen Fall gerufen wurde. So konnte ich verfolgen, wie sich die Atmosphäre veränderte. Das Flussmündungsgebiet ist wenig besiedelt, Straßen werden häufig überschwemmt oder sind bei Flut manchmal gar nicht mehr zu erkennen, es regnet viel. Die Umgebung sorgte bei mir für ein Gefühl des Unwohlseins und auch Dr. Hunter hat sich dort nicht gerne aufgehalten. Unerklärbar verschwundene Personen und eine Familie bei der die Familienmitglieder immer wieder gereizt reagieren tragen ihren Teil zu einer düsteren, unheilvollen Stimmung bei.

Zunächst läuft die Story eher ruhig ab und der Leser wartet an Dr. Hunters Seite darauf, dass die allgemeine Annahme über die Identität des ersten Fundes bestätigt wird. Der forensische Anthropologe gerät derweil in missliche Situationen. Andererseits entwickelt er am Rande des Geschehens ein Gefühl der tieferen Zuneigung für eine der handelnden Personen. Ich habe ihm gerne ein wenig privates Glück gegönnt und gehofft, dass ihn seine Gefühle nicht täuschen werden und die betroffene Person sich nicht als Mordbeteiligte herausstellen würde. Über eine weite Strecke läuft die Handlung eher schleppend bis es durch eine überraschende Wendung einen deutlichen Spannungsanstieg gibt, der bis zum Ende gehalten wird.

Der Autor konnte mich mit seiner Figur des Dr. Hunter auch im vorliegenden Fall wieder überzeugen. Am Rande vermittelt er einiges Wissen über die Arbeit des forensischen Anthropologen zur Identifizierung von Skeletten und Knochen. Die Charaktere des Buches sind neben dem Protagonisten Menschen mit Ecken und Kanten, die in dem wenig besiedelten Gebiet der Flussmündung zurechtkommen müssen.

„Totenfang“ ist in der Reihe der Dr. Hunter-Bände meiner Meinung nach nicht unbedingt der Beste, aber dennoch ein komplexer, gut konstruierter Thriller den es sich zu lesen lohnt. Ich hoffe auf baldige Fortsetzung.

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adriaan van dis, biografisch, mutter-sohn-beziehung, ik kom terug, erinnerungen

Das verborgene Leben meiner Mutter

Adriaan van Dis , Marlene Müller-Haas
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droemer, 04.10.2016
ISBN 9783426281628
Genre: Romane

Rezension:

„Das verborgene Leben meiner Mutter“ erzählt Adriaan van Dis im gleichnamigen Buch. Am Ende ihres Lebens erfährt er sehr viele Details von ihr, die ihm bisher unbekannt waren oder bekommt sie in einem neuen Licht zu sehen. Der Schleier über den Geschehnissen der Vergangenheit lüftet sich für ihn immer mehr.

Marie van Dis wird 98 Jahr und lebt seit langem in einer Seniorenresidenz unweit der See. Nun fühlt sie, dass ihr nicht mehr viel Zeit auf dieser Erde bleibt. Zwei ihrer Töchter aus erster Ehe sind bereits verstorben, die dritte wohnt mit ihrer Familie in Italien. Daher wendet sie sich an ihren Sohn, der zu der Zeit in Paris lebt. Sie möchte noch einmal ihren Heimatort besuchen. Auf dieser kurzen Reise erfährt Adriaan zum ersten Mal den Namen seiner Großmutter. Er ist erstaunt, denn er hatte gedacht, dass er deren Namen nicht erwähnen darf, wenn er seine Mutter nicht erzürnen möchte. Doch Marie antwortet ihm, dass er nie danach gefragt hätte. Das ist einer der kleinen Momente im Buch, mit denen sich der Autor auseinandersetzt, ob sie für ihn die Möglichkeit bedeuten sich seiner Mutter anzunähern, denn sie Nähe zu ihm nie zugelassen. Geboren ist er in den Niederlanden, aber Marie hat ihren zweiten Mann, den Vater von Adriaan van Dis, mit dem sie offiziell nie verheiratet war, in einem Rotkreuzlager in Indonesien kennengelernt. Doch bis er zu diesem Punkt der Erzählung kommt, ist es ein langer Weg für die beiden.

Marie ist ihres Lebens überdrüssig. Jeder Tag fällt ihr schwerer, sie kann kaum noch gehen. Als sie nach Tabletten aus der Schweiz fragt merkt Adriaan auf. Seine Mutter hat inzwischen sein gestiegenes Interesse an den Geschichten aus ihrer Vergangenheit registriert und bietet ihm einen Deal an: ihre Erzählungen gegen die Mithilfe zu einem schnelleren Ableben. Doch so einfach ist das nicht, weder für Marie noch für Adriaan und schon gar nicht wegen geltender Gesetze und Regelungen.

Viele Erinnerungen von Marie sind verschüttet. Dadurch, dass sie beginnt ihre persönliche Habe aufzuräumen, kehren Teile davon, verbunden mit Geschichten zurück. So gern Adriaan es auch hätte, dass sie ihm ihr Leben kontinuierlich mitteilen würde, so sehr kommen immer nur Gedankenfetzen an die Oberfläche, die sie ihm meist telefonisch mitteilt. Irgendwann beginnt der Autor sie nach den Gesprächen aufzuzeichnen, damit sie nicht verlorengehen. Er versucht seine Mutter, die zunehmend fordernder wird, zu verstehen. Ihr Leben war nicht einfach. Als junges Mädchen vom Lande verliebte sie sich in einen dunkelhäutigen Offizier aus der niederländischen Kolonie, heiratete ihn, bekam drei Töchter und folgte ihm nach Indonesien. Hitze, Einsamkeit, Lager, Repatriantenheim und immer ein Gefühl zwischen zwei Welten zu stehen, begleiteten sie durch die folgenden Jahre. Marie war eine starke Frau, nicht nur körperlich, sondern vor allem darin, ihre Kinder und sich selbst zu schützen. Dafür musste sie viele Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen, die Adriaan erst jetzt in den Gesprächen mit seiner Mutter bewusst werden.

Der Autor fügt seine Aufzeichnungen zu einem Roman zusammen, der bewegend ist und betroffen macht. Der Autor erklärt sein Handeln in dieser Zeit des Ringens um Nähe zu seiner Mutter. Das Einfügen seiner eigenen Gefühle in den verschiedenen Situationen zeigte mir, dass es oftmals zwei Seiten gibt, mit denen man das Geschehene auffassen kann. Marie deckt immer mehr Begebenheiten, große und kleine, aber allesamt für sie bedeutsam auf, die sie in all den Jahren erlebt hat und vergessen wollte, um sich nicht dem Kummer und der Trauer hinzugeben, immer auf eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder hoffend.

„Das verborgene Leben meiner Mutter“ ist nur insoweit fiktiv, wie die Erinnerungen von Marie die Realität nicht mehr zugelassen haben. Es ist eine Geschichte, auf die man sich einlassen muss, um sowohl Mutter wie Sohn und ihr Verhältnis zueinander zu verstehen. Es ist ein Buch, das sich zu lesen lohnt, weil viele Szenen in Erinnerung bleiben werden. Absolute Leseempfehlung!

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frankreich, schwestern, resistance, zweiter weltkrieg, krieg

Die Nachtigall

Kristin Hannah , Karolina Fell
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2016
ISBN 9783352008856
Genre: Romane

Rezension:

Zwar beginnt das Buch „Die Nachtigall“ von Kristin Hannah im Jahr 1995 in Oregon/USA, doch die Handlung des Romans spielt zum größten Teil kurz vor und während des zweiten Weltkriegs in Frankreich. Es ist die Geschichte zweier Schwestern, Vianne und Isabelle Rossignol. Der Nachname bedeutet übersetzt „Nachtigall“ und hat dem Buch einerseits den Titel gegeben, andererseits ist er der Spitzname für Isabelle in ihrer Rolle als Fluchthelferin im Zweiten Weltkrieg. In kurzen Zwischenkapiteln, die im Jahr 1995 spielen, erzählt die Autorin dem interessierten Leser, was die Familienmitglieder in den Jahren nach dem Krieg erlebt haben.

Zwischen den Schwestern gibt es einen Altersunterschied von 10 Jahren. Isabelle war erst fünf Jahre alt, als ihre Mutter starb. Vianne hat sich schon sehr früh in einen Mann verliebt, den sie später auch heiratete. Ihr Vater ist ein Buchhändler in Paris und an der Erziehung seiner Kinder völlig desinteressiert. Doch auch Vianne ist überfordert damit, sich um ihre kleine Schwester zu kümmern, die daher überwiegend im Internat aufwächst. Sie widersetzt sich immer wieder den Regeln des Schullebens und wechselt daher häufiger ihren Aufenthaltsort. Als der Krieg beginnt, wird der Ehemann von Vianne eingezogen, der kleine Ort in Frankreich von den Deutschen besetzt und ein Hauptmann der Wehrmacht wird bei ihr einquartiert. Isabelle ist zu dieser Zeit wieder einmal von der Schule verwiesen worden. Als die Lage sich immer mehr zuspitzt, wird sie ihrer Rebellenrolle weiter dadurch gerecht, dass sie sich dem Widerstand anschließt, auch gegen den Willen des Mannes den sie bei der Résistance kennengelernt hat. Gibt es für die Liebe der beiden eine Zukunft und wird Vianne nach dem Krieg weiter ein Leben an der Seite ihres Ehemanns führen können?

Vor allem Isabelle wurde in ihrer Kindheit nicht mit Liebe verwöhnt. Nach dem Tod der Mutter ist der Vater hilflos mit den Kindern überfordert und Vianne steckt als Jugendliche in der Selbstfindungsphase. Eine Heimat findet sie auf diese Weise nicht und Vertrauen aufzubauen, ist auch schwierig. Ohne Schulabschluss sucht sie nach einer Tätigkeit, die ihr Anerkennung bringen kann, mit dem Ziel sowohl ihrem Vater wie auch ihrer Schwester zu beweisen, dass sie nützlich ist und den Respekt der beiden verdient hat. Die Tätigkeit für die Widerstandsgruppe ist ihr eigener Kampf dafür, als erwachsen zu gelten und selbstbestimmt leben zu dürfen obwohl sie noch minderjährig ist.

„Die Nachtigall“ ist eine sehr emotional ergreifende Geschichte. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs erzählt Kristin Hannah das Schicksal von Vianne und Isabell stellvertretend für so viele Frauen, die zu Hause auf ihre Lieben gewartet haben, die ihren Kriegsdienst abzuleisten hatten. Sie versuchten den Alltag weiterzuleben wie bisher, doch die ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln wurden immer weiter beschränkt von der deutschen Wehrmacht, die im Laufe der Zeit selbst in kleinsten Dörfern Einzug hielt.

Die Autorin hat die historischen Daten zum Roman gut recherchiert. Doch ihr Fokus bleibt auf den beiden Frauen, sie nutzt leider nicht die Möglichkeit der Geschichte von Randfiguren wie Rachel, der jüdischen Freundin von Vianne, eine größere Bedeutung zu geben. Für mich blieb beispielweise fraglich, womit Rachel und ihre Kinder in den Kriegstagen ihren Hunger gestillt haben. Auch einige andere Stellen waren ein wenig verschwommen dargestellt. In gewissen Situationen reagierten sowohl Vianne und Isabelle sehr impulsiv. Ich hätte den beiden an manchen Stellen aus ihrer Erfahrung heraus ein besonneneres Vorgehen zugestanden. Nichtsdestotrotz konnte mich der Roman in seinen Bann ziehen.

Obwohl ihr Roman sehr gefühlvoll geschrieben ist, wertet Kristin Hannah nicht über gute oder schlechte Eigenschaften der deutschen Besatzer. So neutral wie möglich schafft sie es, die Unterdrückung der Franzosen darzustellen und gesteht dennoch den Deutschen Menschlichkeit zu, die sich ihrer ausführenden Rolle als Befehlsempfänger bewusst sind.

Kristin Hannah gibt den französischen Frauen, die ihren Dienst für das Vaterland im Zweiten Weltkrieg auf ihre ganz eigene Weise geleistet haben mit diesem Roman ein Gesicht. Ihre Schilderung machte mich zunehmend betroffen und wird sicher noch sehr lange nachwirken. Das Buch ist definitiv eine Leseempfehlung!

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liebe, der duft von eisblumen, familiengeheimnis, blumen, veronika may

Der Duft von Eisblumen

Veronika May
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diana, 08.08.2016
ISBN 9783453358812
Genre: Liebesromane

Rezension:

Es ist „Der Duft von Eisblumen“ den Rebekka Winter im gleichnamigen Buch von Heike Eva Schmidt, die diesen Roman als Veronika May geschrieben hat, kennenlernt. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg den Rebekka gehen muss und der von ihr verlangt, dass sie den Büroalltag verlässt und sich für die Schönheiten der Natur öffnet. Die Kapitelüberschriften sind Pflanzennamen, deren Bedeutung man im Anhang nachlesen kann und so den Bezug zum jeweiligen Erzählabschnitt erhält.

Rebekka arbeitet in einer Werbeagentur und ist dort zuständig für das Finanzbudget jeder Kampagne des Unternehmens. Sie ist die einzige Frau im Vorstand und bisher glaubte sie, dass sie sich diesen Posten durch ihr Können und ihren Fleiß erarbeitet hätte. Gesellschaftliches Leben kennt sie kaum. Ihr Freund, ein früherer Arbeitskollege, hat sie betrogen und verlassen. Sie hat eine unsichtbare Mauer um sich errichtet, die alles Unerwünschte, alle negativen Gedanken und Gefühle fernhalten soll. Als sie eines Tages Kenntnis davon erhält, dass ihre Position lediglich der Frauenquote geschuldet ist, fährt sie wutgeladen auf dem Heimweg im Stau der Rushhour dem vor ihr stehenden Auto auf die Stoßstange. Die ihr als Strafe aufgetragenen Sozialstunden soll sie bei der betagten Dorothea von Katten in deren Villa ableisten. Für beide Seiten ist das nicht einfach, weil sie sich mit ihren Vorstellungen zu vielen Themen in ihren Meinungen uneins sind. Doch Frau von Katten verbirgt hinter ihrer manchmal rauen Art ein Familiengeheimnis, dem Rebekka sich mit und mit nähert.

Routine hat sich in Rebekkas Leben eingerichtet. Nachdem ihr Freund sich von ihr getrennt hat, braucht sie sich mit niemandem mehr abzustimmen. Allein die mahnenden Worte ihrer Mutter aus der Vergangenheit klingen weiter in ihrem Verstand. Sie ist selbstbewusst, aber dennoch unsicher, weil sie für ihre Tätigkeiten eher selten gelobt wird. Den Unfall provoziert sie vorsätzlich, auch wenn sie sich in dem Moment nicht der Konsequenzen im vollen Maße bewusst ist. Mit Frau von Katten trifft sie auf einen durch die Lebensjahre gereiften Charakter, der seine Erfahrungen gerne weitergibt. Jedoch ist Rebekka zunächst nicht bereit, Ratschläge entgegenzunehmen. Vieles was der Leser im Laufe der Zeit dadurch erfährt, dass Veronika May auf eine zweite Erzählebene wechselt, in der Frau von Katten auf ihre Jugend zurückblickt, lässt das Bild einer Frau entstehen, deren Leben zunächst fremdbestimmt war und die stets nach einer Möglichkeit gesucht hat sich selbst zu verwirklichen. Dazu musste sie Kompromisse eingehen.

Kommt mir Rebekka am Anfang reichlich arglos vor, wie sie ihre Stellung im Unternehmen einschätzt und wie impulsiv sie im Stau reagiert hat, so entwickelte sie sich im Ablauf der Geschichte weiter. Nicht nur die beiden Protagonistinnen sondern auch die Nebenfiguren hat die Autorin mit Ecken und Kanten ausgestattet. In ihren Begegnungen müssen sich daher die handelnden Personen aufeinander einlassen und lernen, den Gesprächspartner zu respektieren und dessen Meinung zu akzeptieren. Viele Charaktere konnten mir sympathisch werden.

Der Roman ist einem leichten und lockeren Schreibstil einfühlsam erzählt mit amüsanten Szenen. Das Familiengeheimnis gab der Geschichte zusätzlich eine Portion Spannung. „Der Duft von Eisblumen“ hat mir einige schöne Lesestunden gegeben und daher empfehle ich es gerne weiter.

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57 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

kindheit, freiheit, ruhm, liebe, spiel

Raumpatrouille

Matthias Brandt
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.09.2016
ISBN 9783462045673
Genre: Romane

Rezension:

„Raumpatrouille“ ist in schriftstellerischer Hinsicht das Debüt des Schauspielers Matthias Brandt. Titelgebend für das Buch ist ein Rollenspiel, dem sich der Protagonist gerne hingibt. In den Erzählungen, die in diesem Buch versammelt sind, nahm mich der Autor mit in die 1960er und 1970er Jahre. Inhaltlich bieten die Geschichten Erinnerungen an eine Kindheit. Was davon er selbst erlebt hat, bleibt dem Willen des Autors nach offen. In seinen Schilderungen erzählt er von einem Jungen, der im Bundeskanzleramt in Bonn aufwächst, so wie er selbst als Sohn von Willy Brandt.

Matthias Brandt erlaubte mir als Leser einen neugierigen Blick auf das ganz normale Leben eines Jungen in einer prominenten Familie. Trotz des ihn und seine Eltern umgebenden Sicherheitspersonals vermag er dessen Anwesenheit auszublenden oder es sogar in sein Spiel mit einzubeziehen. Große Politikernamen sind für ihn nur Kollegen seines Vaters. Aufgrund seiner Sonderstellung versucht er sich in der Öffentlichkeit möglichst unauffällig zu verhalten und einfach nur ein kleiner Junge in einer großen Welt zu sein.

Der Autor schreibt in einer leicht lesbaren Sprache mit humorvollem Unterton und immer mit viel Einfühlungsvermögen. Er schildert seine damaligen Berufsträume und die Wege die er als Kind beschreitet, diese umzusetzen. Film und Fernsehen haben dabei seine Vorstellungswelt mit geprägt, an vieles davon konnte ich mich auch erinnern. Die Geschichten des Buchs erzählt er in Ich-Form. Immer wieder wirft er Fragen auf, die ihn an den Rand seines Wissens bringen und ihm dabei helfen, sich seinen Kosmos zu erschließen.

Viel zu schnell waren die Kapitel gelesen. Wer sich wie ich gerne mit dem Autor an die damalige Zeit rückerinnern möchte, dem kann ich dieses Buch empfehlen.

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188 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 57 Rezensionen

thriller, entführung, thailand, jugendbuch, spiel

Wonderland

Christina Stein
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 25.08.2016
ISBN 9783733502898
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die 20-jährige Elizabeth befindet sich mit ihren beiden besten Freundinnen, von denen sie Liz genannt wird, im Urlaub in Thailand. In einem Hostel befreunden sie sich mit mehreren jungen Männern in ihrem Alter. Jacob ist einer von ihnen. Er organisiert eine Strandparty auf dem Grundstück eines Verwandten. Liz hat dabei ein seltsames Gefühl im Bauch. Am nächsten Morgen finden sich alle sechs in einem Betonloch wieder, von Mauern umgeben unterbrochen von einem großen Metalltor mit Schiebeschubladen. Schon bald wird ihnen klar, dass sie sich in einem Reality Game befinden. Ihre Herausforderung: Sie sollen selbst entscheiden, wen sie als Nächstes dem Tod aussetzen. Wer spielt da mit ihnen? Hat Jacob sie in diese Falle gelockt? Und wenn ja, warum? Sollte man ihn daher nicht als erstes als Opfer auswählen?

Im Buch „Wonderland“ von Christina Stein ändert sich rasch das wunderbare Leben in einer thailändischen Strandvilla zu einem Schrecken ohne Ende. Schon nach wenigen Seiten ist man mitten auf einem Schauplatz des Horrors. Das Buch ist sicher nicht das Erste, das mit den Ängsten von Personen in einem Reality Game spielt. Die Autorin nimmt sogar Bezug auf andere Szenarien in diversen Medien. Aber sie bringt den Leser schnell hinein ins Spiel und hat sich noch eine weitere Verschärfung ausgedacht, sowie einige unerwartete Wendungen.

Christina Stein lässt dem Leser und der Gruppe von Beginn an die Hoffnung, dass wenigstens einer überleben wird. Aber alles erscheint unwirklich und undurchsichtig. Die Spielorganisatoren halten sich nicht immer an ihre Versprechen. Auf kleinstem Raum dazu verdammt, einen zum Tode zu verurteilen, liegen bei den Freunden die Nerven blank. Das Denken der Einzelnen dreht sich natürlich um den bevorstehenden möglichen Tod, aber auch um verpasste Chancen in der Vergangenheit. Eine gerechte Lösung gibt es nicht und so versucht jeder auf seine Art mit der Situation umzugehen. Jede Aussage wird auf die Goldwaage gelegt und gewertet. Liz fühlt sich schließlich von ihren Freunden hintergangen.

Das Spiel als solches ist recht einfach, eigentlich warten die Freunde nur auf die Auswahl des nächsten Opfers. Dennoch reißt der Spannungsbogen nicht ab, weil das Spiel plötzlich andere Ausmaße als voraussehbar war annimmt. Die Autorin beschreibt die Geschehnisse überaus realistisch. Zum tieferen Verständnis beim Leser trägt sie bei, indem sie auch die Hintergründe und Motive der Spielleiter in die Geschichte einflechtet.

Der Thriller wird hauptsächlich im Wechsel von ein oder zwei Kapiteln aus der Sicht von Liz und Jacob erzählt. Bei einer Ich-Form der Schilderungen gehe ich immer davon aus, dass der Erzähler, egal was kommt, am Ende noch lebt. Ob das hier auch der Fall war, verrate ich nicht. Auf jeden Fall konnte ich auf diese Weise intensiv an der Gefühlswelt der beiden teilhaben und noch mehr in das Geschehen eintauchen. Die Protagonisten haben ihre Ecken und Kanten, doch Sowohl Liz als auch Jacob konnten auf ihre Art meine Sympathie gewinnen. Das Buch liest sich flüssig und überaus spannend. Aufgrund der dargestellten Greuel ist eine Altersempfehlung ab 16 Jahren angemessen.

„Wonderland“ ist ein perfides Spiel mit den Gefühlen der befreundeten Gruppe und ebenso mit denen des Lesers. Schon nach kurzer Zeit hat mich die Geschichte eingesogen und bis zum Schluss nicht losgelassen. Klare Leseempfehlung! 

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

london, ehrgeiz, freundinnen, roman

The Girls

Rebecca Thornton , Tobias Schumacher-Hernández
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 26.08.2016
ISBN 9783499272325
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Josephine ist eins der „Girls“ im gleichnamigen Buch von Rebecca Thornton. Gemeinsam mit ihrer Freundin Freya besucht sie ein elitäres Mädcheninternat in London. In der Schule wird sie im letzten Jahr zur Schulsprecherin gewählt. Doch Rang und Namen, die von vielen beneidet werden, bedeuten für Josephine auch Verpflichtung. Ihre Mutter ist krank, ihr Vater die rechte Hand des Premierministers, darum möchte sie durch gute Noten und verantwortungsvollem Handeln der Mutter eine Freude bereiten und die Erwartungen ihres Vaters erfüllen. Gemeinsam mit Freya möchte sie noch eine Nacht durchfeiern, bevor der Schulstress beide vereinnahmt. Doch in dieser herbeigesehnten Nacht geschieht etwas Unerwartetes. Josephine möchte danach mit niemandem darüber reden, während Freya das Gespräch sucht und deswegen von ihrer Freundin unter Druck gesetzt wird. Ein Riss in der Freundschaft entsteht.

Während Josephine 18 Jahre später als Archäologin an einer Ausgrabungsstätte in Jordanien arbeitet erhält sie eine E-Mail von Freya mit der sie seit Schulzeiten keinen Kontakt mehr hatte. Freya möchte endlich über diese Nacht reden. Doch Josephine versucht dem Anliegen weiter mit Ignoranz zu begegnen.

„The Girls. Freundinnen. Unzertrennlich. Bis zu jener Nacht…“ so der vollständige Titel des Buchs ist das Debüt der Autorin. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen versucht sie zu beschreiben, wie eine einzige Nacht das weitere Leben von zwei Freundinnen verändern kann, die sich vorher sehr nahe standen. Der Fokus liegt auf Josephine, die den Roman in der Ich-Form erzählt. So kann der Leser die Gedankenwelt von ihr nachvollziehen. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen und beginnt in Jordanien im Jahr 2014 damit, dass die Protagonistin die E-Mail ihrer Freundin erhält, ein Grund für sie, sich an die Geschehnisse von damals zu erinnern. Jedoch hat sie erfolgreich verdrängt, was in dieser alles verändernden Nacht geschah.

Im Laufe der Erinnerungen Josephines erfährt der Leser mehr und mehr über ihre Eltern und das Leben im Internat. Es wird deutlich, welche Ansprüche an sie als Tochter eines ranghohen Politikers gestellt werden und als Musterschülerin, die sich das Vertrauen der Schulleitung erkämpft hat. Außerdem steht sie unter einem enorm hohen Druck aufgrund der bevorstehenden Prüfungen zur Aufnahme an der Eliteuniversität Oxford. Weder Josephine noch ihre Freundinnen konnten mir sympathisch werden, zu sehr beanspruchten sie Anerkennung und Ansehen für sich. Doch andererseits habe ich sie auch bemitleidet, weil sie wie in einem goldenen Käfig lebten.

Rebecca Thornton beschreibt in einem flüssig zu lesenden Schreibstil die Geschehnisse sehr realistisch und nachvollziehbar. Der Mittelteil zieht sich jedoch ein wenig hin ohne dass Erhellendes ans Tageslicht kommt. Was letztlich in der einen Nacht geschah und erst ganz am Ende des Buches beschrieben wird, fand ich voraussehbar. Dennoch muss man sich der Bedeutung für die Freundschaft von Josephine und Freya bewusst sein. Eine Spannung, die nicht wirklich greifbar ist und über den Geheimnissen der Nacht liegt, ist ständig vorhanden.

„The Girls“ ist ein Roman über die Bedeutung, welche Verletzungen das Verhalten einer Freundin auslösen und welche dauerhaften Nachwirkungen diese Kränkung haben kann. Ein in der Darstellung überzeugendes Debüt, dem ich gerne meine Leseempfehlung gebe.

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87 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

geheimnis, schriftsteller, identität, portrait, london

Mr Gwyn

Alessandro Baricco , Annette Kopetzki
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 27.02.2016
ISBN 9783455405613
Genre: Romane

Rezension:

Der englische Schriftsteller Jasper Gwyn war in den letzten zwölf Jahren überaus erfolgreich mit seinen Büchern. Doch eines Tages empfindet er sein bisheriges Leben als unpassend. In einer Liste, die er seinem Verleger zuschickt, hält er in 52 Punkten die Dinge fest, die er zukünftig nicht mehr zu tun gedenkt. Darunter befindet sich auch der Vorsatz, keine Bücher mehr zu schreiben und zu veröffentlichen. So beginnt der Roman „Mr. Gwyn“ von Alessandro Baricco.

In der folgenden Zeit gönnt Mr. Gwyn sich zunächst einen Urlaub. Nach weiteren Wochen und Monaten, in denen er London erkundet, wobei ihn häufiger ein Unwohlsein begleitet, kommt ihm beim Betrachten von Gemälden eine Idee. Er beschließt fortan Menschen zu porträtieren, allerdings nicht malend sondern schreibend. Sein Ziel dabei ist es, den zu Porträtierenden „nach Hause zu bringen“. Er möchte dabei die Natürlichkeit des Menschen einfangen. Derjenige, der vor ihm posieren wird, soll sich nicht für irgendwen oder irgendwas in Szene setzen, sondern sich so unbefangen wie Daheim geben.

Um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, mietet er ein Atelier, das er auf besondere Art ausleuchtet Die Sessions gedenkt er mit eigens dafür komponierter Musik untermalen zu lassen. Für ein erstes Porträt sucht er ein Modell, das dem Durchschnittsbürger entspricht und findet es in Rebecca, der Sekretärin seines Verlegers. Rebecca entwickelt sich zu seiner treuen Stütze und rechten Hand. Mr. Gwyn widmet sich seiner neuen Tätigkeit, bis eines Tages ein Modell sich nicht an die Vorgaben von ihm hält.

Jasper Gwyn ist ein Mensch, der gern alleine lebt und darum auch seine Marotten nach eigenem Willen ausleben kann. Bereits nach wenigen Seiten des Romans hatte ich als Leser den Eindruck, dass da unter der Oberfläche noch einiges mehr sein muss. Aber der Autor ließ mich nur hier und da mal durch das Schlüsselloch, wie es sinnbildlich auf dem Cover abgebildet ist, einen Blick auf die tatsächliche Persönlichkeit von Mr. Gwyn werfen. Stellt er als in der Öffentlichkeit stehender Schriftsteller das Verfassen von Büchern ein, schien es mir so, dass er an einem anderen Ort problemlos eine Rolle annimmt, die nicht dem Schreibverbot unterliegt.

Neben dieser sehr einzigartigen und geheimnisvollen Person zeichnet Alessandro Baricco auch mit Rebecca einen besonderen Charakter. Auffällig ist sie durch ihren korpulenten Körper, wie der Autor mehrmals betont. Dadurch hat sie Wiedererkennungswert gegenüber den anderen Figuren im Roman trotz ihres ansonsten durchschnittlichen Aussehens. Die Anweisungen ihrer Arbeitgeber führt sie kompetent aus und erwirbt sich damit das Vertrauen und die Hochachtung von Mr. Gwyn. Sie ist ein logisch denkender Mensch, dem es im Laufe der Zeit durch ihre Fähigkeiten gelingt einen Weg zu Jasper Gwyn zu finden.

Das Buch besteht aus zwei Teilen, dem eigentlichen Roman „Mr. Gwyn“ und der Kurzgeschichte „Dreimal im Morgengrauen“. Während ich im ersten Teil ständig darauf hoffte, einmal ein Porträt von Mr. Gwyn lesen zu dürfen, erfüllte mir der zweite Teil diesen Wunsch auf eine ganz eigene Weise. Dieses Buch bildete für mich eine perfekte Ergänzung zum ersten Teil und hob für mich ein wenig den Schleier um einen Blick auf die Vergangenheit von Mr. Gwyn zu werfen.

Wirkte die Idee, Porträts von Menschen zu schreiben und auch die Umsetzung zunächst kurios, so habe ich mich doch gespannt auf diesen Plan eingelassen. Kurze Kapitel und eine eindringliche Sprache zeigten mir schließlich, dass die Ausführung möglich ist. Atmosphärisch dicht mit ruhigen Beschreibungen und einem rätselhaften Charakter hat mir das Buch eine sehr schöne Geschichte mit Tiefgang geboten. Daher empfehle ich es gerne weiter.

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Das Weihnachtsdorf

Petra Durst-Benning
E-Buch Text: 208 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 26.09.2016
ISBN 9783641200008
Genre: Romane

Rezension:

Es ist Anfang Dezember und wenige Monate nach dem großen „Kräuter der Provinz“-Fest im Genießerdorf Maierhofen. Zwar ist es grundsätzlich ruhiger hier geworden, doch die Bewohner haben so viel Erfolg verzeichnet und Zuspruch erhalten, dass sie nun einen Weihnachtsmarkt im Ort planen. Im Roman „Das Weihnachtsdorf“ nimmt Petra Durst-Benning ihre Leser erneut mit in das Allgäu. Bereits nach zwei Seiten war ich wieder mitten im Geschehen an der Seite der Bürgermeisterin Therese, die gerade ihre weihnachtliche Deko auspackt.

Bereits das Buchcover mit seinen ruhigen, aufeinander abgestimmten Farben und der Leuchte, die ein sanftes Licht abzustrahlen scheint, vermittelte mir eine voradventliche Stimmung. Das erste Buch mit dem Haupthandlungsort „Kräuter der Provinz“ muss man nicht unbedingt kennen, denn die Autorin fasst die Ereignisse an ansprechenden Stellen kurz zusammen. Es wäre aber sehr schade, das Buch nicht gelesen zu haben, weil man dort all die liebenswerten Charaktere wie beispielsweise Christine, Rosi und Edy sowie Greta schon ins Herz schließen kann, denen man dann im vorliegenden Roman wieder begegnet.

Der Ort hat mit seinem Konzept, nur selbst hergestellte Produkte zu verkaufen zwar Erfolg, doch nun zeigen sich leider auch die Schattenseiten in Form von Stress und Neidern. Missverständnisse sorgen für unerwartete Geschehnisse und für einige Bewohner findet das Weihnachtsfest nicht so wie geplant statt. Auch diesmal hat Petra Durst-Benning mit locker beschwingten Schreibstil einen überzeugend realistischen Roman geschrieben. Im hinteren Teil finden sich viele Rezepte und Tipps passend zur Advents und Weihnachtszeit und Tipps.

Es war einfach schön, beim Lesen wieder in Maierhofen vor Ort sein zu dürfen. Der Roman ist ein Must-Read für alle Fans der Autorin und vom Buch „Kräuter der Provinz“. Mir hat es sehr gut gefallen und gerne werde ich die ein oder andere Rezeptempfehlung aufgreifen und ausprobieren. Ich würde mich freuen, wieder einmal in Maierhofen zu Gast sein zu dürfen.

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97 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

weihnachten, petra durst-benning, roman, weihnachtsmarkt, maierhofen

Das Weihnachtsdorf

Petra Durst-Benning
Fester Einband: 204 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 26.09.2016
ISBN 9783764505981
Genre: Romane

Rezension:

Es ist Anfang Dezember und wenige Monate nach dem großen „Kräuter der Provinz“-Fest im Genießerdorf Maierhofen. Zwar ist es grundsätzlich ruhiger hier geworden, doch die Bewohner haben so viel Erfolg verzeichnet und Zuspruch erhalten, dass sie nun einen Weihnachtsmarkt im Ort planen. Im Roman „Das Weihnachtsdorf“ nimmt Petra Durst-Benning ihre Leser erneut mit in das Allgäu. Bereits nach zwei Seiten war ich wieder mitten im Geschehen an der Seite der Bürgermeisterin Therese, die gerade ihre weihnachtliche Deko auspackt.

Bereits das Buchcover mit seinen ruhigen, aufeinander abgestimmten Farben und der Leuchte, die ein sanftes Licht abzustrahlen scheint, vermittelte mir eine voradventliche Stimmung. Das erste Buch mit dem Haupthandlungsort „Kräuter der Provinz“ muss man nicht unbedingt kennen, denn die Autorin fasst die Ereignisse an ansprechenden Stellen kurz zusammen. Es wäre aber sehr schade, das Buch nicht gelesen zu haben, weil man dort all die liebenswerten Charaktere wie beispielsweise Christine, Rosi und Edy sowie Greta schon ins Herz schließen kann, denen man dann im vorliegenden Roman wieder begegnet.

Der Ort hat mit seinem Konzept, nur selbst hergestellte Produkte zu verkaufen zwar Erfolg, doch nun zeigen sich leider auch die Schattenseiten in Form von Stress und Neidern. Missverständnisse sorgen für unerwartete Geschehnisse und für einige Bewohner findet das Weihnachtsfest nicht so wie geplant statt. Auch diesmal hat Petra Durst-Benning mit locker beschwingten Schreibstil einen überzeugend realistischen Roman geschrieben. Im hinteren Teil finden sich viele Rezepte und Tipps passend zur Advents und Weihnachtszeit und Tipps.

Es war einfach schön, beim Lesen wieder in Maierhofen vor Ort sein zu dürfen. Der Roman ist ein Must-Read für alle Fans der Autorin und vom Buch „Kräuter der Provinz“. Mir hat es sehr gut gefallen und gerne werde ich die ein oder andere Rezeptempfehlung aufgreifen und ausprobieren. Ich würde mich freuen, wieder einmal in Maierhofen zu Gast sein zu dürfen.

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68 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

alzheimer, kreuzfahrt, familie, krankheit, venedig

Tage zwischen Ebbe und Flut

Carin Müller
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783426519738
Genre: Romane

Rezension:

Im Buch „Tage zwischen Ebbe und Flut“ nimmt Carin Müller den Leser mit auf eine Kreuzfahrt im wörtlichen wie übertragenen Sinne. Denn Felix, 70 Jahre alt, hat Alzheimer. Es gibt gute und weniger gute Tage. Seine Gedanken beschreibt er wie Wellen, die er nicht festhalten kann. So gibt es zusammenhängende und anhaltende Phasen in denen er klar denken kann und solche Tage, an denen er immer wieder Dinge vergisst. Er ist sich danach auch mehr oder weniger seines Zustands bewusst. 

Doch nicht nur er hat Probleme mit der Krankheit, sondern vor allem seine Frau Ellen leidet unter seiner Vergesslichkeit. Sie ist es, die ihn immer wieder erinnern muss. Sie ist schon so lange mit Felix verheiratet, dass sie seine Bedürfnisse kennt und ihm auch mal vorgibt, was er zu tun und zu lassen hat, wenn es so aussieht, dass er gerade wieder mal verloren wirkt. Auf ihre Umwelt wirkt das manchmal befremdlich. Auch Judith, die Tochter von Felix und Ellen findet das Zusammenspiel ihrer Eltern manchmal seltsam. Dann hat sie die Idee zu einer Mittelmeerkreuzfahrt, zu der sie ihren Vater einlädt damit ihre Mutter einmal Zeit für sich findet. Doch Ellen weicht nicht von der Seite ihres Mannes und außerdem gesellt sich auch noch unerwartet Judiths Nichte Fabienne hinzu. Wird die Familie Erholung finden auf dem Schiff?

Carin Müller greift in ihrem Roman eine manchmal verharmloste, oft in der Öffentlichkeit vertuschte und doch so häufig auftretende Krankheit auf. Aus eigener Erfahrung schildert sie sehr einfühlsam und bewegt das Zusammenleben mit einem an Alzheimer Erkrankten. Auch ich kann auf diese Erfahrung zurückgreifen und fand die Beschreibungen sehr authentisch. Felix ist in seiner Art ein Sympathieträger, doch das Verhalten von Ellen wird man erst im Laufe der Geschichte begreifen können. Ich fand es gut, dass die Autorin ihre Figuren sich auf eine ehrliche Weise mit der Krankheit auseinandersetzen lässt, die Auswirkungen aufzeigt aber auch die Möglichkeiten im Umgang mit dem Erkrankten. Auf dem beschränkten Raum eines Kreuzfahrtschiffs hat Judiths Familie wenig Platz einer Auseinandersetzung untereinander zu entgehen. Zum Glück gibt es Freunde, die von außen auf das Miteinander schauen und helfend eingreifen können. So kommen Ellen, Judith und Fabienne im Laufe der Reise zu neuen Einsichten. Die Krankheit heilen kann keine von ihnen, aber sie können sich gegenseitig im Umgang mit Felix unterstützen.

Trotz des nachdenklich stimmenden Themas ist der Roman locker-leicht mit humorvollen Szenen geschrieben. So wie das Schiff übers Wasser dahin geglitten ist, so bin ich über die Seiten geflogen. Ganz nebenbei konnte ich mit den Passagieren noch an manchen Orten an Land gehen und habe einiges über die Tage an Bord erfahren. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter.

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

erwachsenwerden, familienroman, mutterbeziehung, matriarchiat

Das Unglück anderer Leute

Nele Pollatschek
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch, 11.08.2016
ISBN 9783869711379
Genre: Romane

Rezension:

„Das Unglück anderer Leute“ ist der Debütroman von Nele Pollatschek. Titelgebend ist die Grundaussage des Buchs, dass man selber bestimmen kann wie man auf ein Unglück reagiert, das anderen passiert. Wut, Trauer, Verzweiflung und Mitgefühl kann man sehr gut schauspielern, doch wenn man direkt betroffen ist, wird es schwer, seine wahren Gefühle zu verbergen.

Thene ist Mitte 20 und studiert in Oxford. Ihre Mutter Astrid ist jemand, der besonders all jene liebt, die ihrer Hilfe bedürfen und dafür darauf besteht, dass ihre Wohltat auch immer wieder thematisiert wird. Leider schafft ihr das nicht nur Freunde. Zur Verleihung ihres Mastertitels hat Thene ihre in Frankfurt lebende Mutter und ihren Vater sowie ihre Oma, die beide in Berlin wohnen, nach Oxford/England eingeladen. Typischerweise ordnet Astrid an, dass sie am Flughafenzubringer abgeholt werden will, Widerspruch zwecklos obwohl andere Möglichkeiten bestehen. Ihre Verwandtschaft steht in ihrer Schuld für alle vergangenen Dienste. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf und breitet sich jenseits aller Wahrscheinlichkeiten in der Familie von Thene mütterlicher- wie auch väterlicherseits aus.

Auf den ersten Buchseiten plaudert Thene als Ich-Erzähler ein wenig über ihre Mutter, die seit langem von ihrem Vater geschieden ist, aber noch von zwei weiteren Männern noch jeweils ein Kind, beide jünger als Thene, bekommen hat. Sie thematisiert den Konflikt in dem sie steckt. Gerne würde sie selbstbestimmt leben, war aber bisher finanziell von ihrer Mutter abhängig und hatte sich deshalb immer wieder ihrem Willen zu beugen. Mit ihrem Masterabschluss in der Tasche sieht sie ein Ende in Sicht. Doch die Ablösung aus dieser immer wiederkehrenden Konfrontation und die Durchsetzung des eigenen Willens gehen nicht ohne Gewissensbisse vonstatten. Es ist nicht einfach, die eingefahrene Linie von jemandem zu durchbrechen, der auf seine Art und Weise stets erfolgreich war. Inzwischen hat Thene aber für sich eine Möglichkeit gefunden, dem Streit mit ihrer Mutter zu umgehen.

Nachdem ich in der ersten Hälfte der Geschichte schon mit einigen kuriosen Verwandten Bekanntschaft schließen durfte, lernte ich im Folgenden weitere sehr interessante und skurille Personen kennen, die mehr oder weniger zu Thenes Familie gehören. Obwohl Thene einiges zum Kotzen findet, kümmert sie sich trotz Wenn und Abers um diejenigen, die ihr am nächsten stehen.

Der Roman handelt von Liebe, Hass und Zusammenhalt in der Familie und ist trotz nachdenklich stimmendem Hintergrund stets mit einem humorvollen Unterton und einem Augenzwinkern erzählt. Die Geschichte trägt durchaus autobiographische Züge, weil die Protagonistin im gleichen Alter wie die Autorin ist und die Romanhandlungen an den Plätzen stattfinden, an denen auch Nele Pollatschek beheimatet ist. Allerdings führt sie die Geschichte mittels des Stilmittels der Hyperbel zu einem grandiosen, überwältigendem, unerwarteten Schluss. Mit einem lachendem und einem weinenden Auge habe ich das Buch zu Ende gelesen. Es hat mir sehr gut gefallen und ich empfehle das Buch gerne weiter.

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121 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 58 Rezensionen

bluescreen, science fiction, dan wells, jugendbuch, zukunft

Bluescreen

Dan Wells , Jürgen Langowski
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492280211
Genre: Fantasy

Rezension:

„Bluescreen – Ein Mirador-Roman“ von Dan Wells ist der erste Band einer Cyberpunk-Serie, die in El Mirador, einem Stadtteil Los Angeles im Jahr 2050 spielt. Auf dem Cover ist eine Platine zu sehen als Hinweis darauf, dass Vernetzungen in diesem Science-Fiction-Roman eine große Rolle spielen. Die Schrift des Titels schreit dem Leser in bright-white förmlich entgegen. Genauso aufgedreht und unruhig ist Los Angeles in der Zukunft, die der Autor uns im Roman aufzeigt. Jeder kann nach Bedarf den ganzen Tag online sein. Möglich wird das durch ein Djinni genanntes Implantat im Kopf. Banden treiben ihr Unwesen in der Realität wie in der Virtual Reality.

Der Leser begegnet der 17-jährigen Marisa, genannt Mari zum ersten Mal, während sie mit ihren vier Freundinnen das Onlinegame Overworld spielt. Anja und Sahara kennt Mari persönlich, weil sie auch in Los Angeles wohnen, den beiden anderen begegnet sie nur in Form ihrer Avatare im Spiel. Anjas Vater ist reich und sie kann sich daher vieles leisten. Durch einen Bekannten hat sie einen Stick erhalten auf dem Bluescreen einprogrammiert ist. Wenn sie diesen Stick mit ihrem Djinni verbindet, erlebt sie einen Sinnesrausch ohne gleichen. Sie möchte ihren Freundinnen gerne einen solchen Trip schenken, doch diese sind vorsichtig, nachdem Anja dadurch kurzfristig ins Koma gefallen ist. Marisa und ihre Freundinnen setzen alles daran herauszufinden, wer Bluescreen programmiert hat. Den Entwicklern bleibt das nicht unbemerkt. Je mehr die Freundinnen über die Hintergründe zu der Droge erfahren, desto mehr erfassen sie erst das Ausmaß dessen, was sie bewirken kann.

Dadurch, dass immer mehr menschliche Arbeit durch Maschinen übernommen wurde, sind sehr viele Menschen in der von Dan Wells gemalten Zukunft arbeitslos und arm. Sie wissen oft nicht, wie sie überleben sollen, noch schlimmer ist es, wenn sie eine Familie zu ernähren haben. In der Gruppe fühlen sie sich stärker und unterstützen sich gegenseitig. Sie sind nicht abgeneigt, sich durch illegale Geschäfte etwas Geld zu verdienen und durch den Gruppendruck wird von jedem Mitglied nicht nur Loyalität sondern auch Mittun eingefordert. Der Autor schildert ein beängstigendes Szenario der armen Bevölkerung im Zusammenhang mit Bluescreen.

Obwohl ich anfangs etwas Schwierigkeiten hatte, in die Geschichte hinein zu finden, nahm sie zunehmend an Spannung zu. Marisa und ihre Freundinnen sind technikaffin, handeln aber manchmal unüberlegt, was durchaus dem jugendlichen Alter geschuldet sein kann. Die ersten männlichen Freunde die Erwähnung fanden, beschrieb Dan Wells dagegen eher als weniger firm in technischen Sachen. Als Leser konnte ich zunächst die Hauptcharaktere und deren Umfeld in Ruhe kennenlernen. Zunehmend steigerte sich aber die Handlung und weitere Figuren sorgten für Ausgleich meiner ersten Wahrnehmung in Bezug auf Technikerfahrung der Geschlechter und Alter. Mit ansteigendem Tempo zeigten sich schließlich die Verflechtungen zwischen Drogenhandel, Armut, wirtschaftlicher Macht und Gesundheit gibt. Mich machte das nachdenklich darüber, ob unser technischer Fortschritt wirklich wünschenswert ist.

Auf der anderen Seite vergisst Dan Wells aber auch nicht auf Vorteile hinzuweisen, vor allem bei der Heilung von Krankheiten oder auch dem Ersatz von Körperteilen. Obwohl die Möglichkeit besteht ständig online zu sein, bleibt der Zusammenhalt in der Familie dennoch bestehen. Das Netz bietet nicht nur zusätzlich gemeinsame Erlebnisse, sondern man kann Kontakte über alle Grenzen hinweg schließen.

Das Buch schließt mit einem Cliffhanger, der auf eine Fortsetzung drängt. Bluescreen zeichnet eine düstere Zukunft mit einigen hellen Lichtstreifen auf, die die Hoffnung aufrechterhalten, dass die Welt von morgen weiterhin lebenswert ist. Die neue Serie von Dan Wells ist meine Empfehlung für alle Dystopienfans, die technisch interessiert sind.

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344 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 63 Rezensionen

thriller, hamburg, darknet, anonym, ursula poznanski

Anonym

Ursula Poznanski , Arno Strobel
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 21.09.2016
ISBN 9783805250856
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Anonym“ ist das zweite Buch, das Ursula Poznanski und Arno Strobel zusammen geschrieben haben. Der Thriller ist gänzlich verschieden und unabhängig von der ersten gemeinsamen Arbeit „Fremd“, und hat das Potential dazu, in Serie zu gehen. Auf dem Cover erkennt man im oberen Drittel die Hafenanlagen Hamburgs im Abendlicht und nach Hamburg führt uns auch die vorliegende Geschichte der beiden Autoren. In einem spannenden Prolog lernt der Leser einen Mann kennen, der aus einem Traum erwacht den er immer wieder träumt. Für mich stellte sich daher von Beginn an die Frage: Ist er der kommende „anonyme“ Mörder und liegt hier das Motiv?

Bereits im ersten Kapitel werden der Hamburger Kriminalkommissar Daniel Buchholz und sein Team mit einem Mord konfrontiert. Früh am Morgen wird Buchholz als leitender Ermittler zum Tatort gerufen. Ein Anwalt ist auf ungewöhnliche Weise grausam zu Tode gekommen, Selbstmord ist ausgeschlossen. Noch vor Ort lernt er seine neue Kollegin Nina Salomon kennen. Sie wurde an ihrem ersten Arbeitstag auf ihrer morgendlichen Joggingrunde über den Todesfall informiert und von ihrer Vorgesetzten zum Tatort gebracht. Obwohl beide sich zunächst misstrauisch abschätzen, gehen sie bei den Ermittlungen sofort professionell vor. Schnell führt die Spur ins Internet zu einem Forum bei dem ein Spiel mit furchtbarem Ausgang gespielt wird. Die Forumsmitglieder reichen den von Personen ein, denen sie den Tod wünschen und warum sie diese tot sehen wollen. Die Mitspieler geben ihre Stimme einem Kandidaten von der Liste mit ausgesuchten Vorschlägen. Die Seite liegt im Darknet und alle Versuche sie zu eliminieren schlagen fehl. Zu Beginn der Fahndung läuft bereits die nächste Runde, Eile ist also angesagt. Während die Ermittlungen scheinbar auf der Stelle verharren, wächst der Druck aus der Öffentlichkeit. Und das Spiel geht unbeirrt weiter …

Mit Daniel Buchholz und Nina Salomon haben die beiden Autoren interessante Charaktere geschaffen. Während beispielsweise Buchholz sehr viel auf sein Äußeres gibt, liebt Salomon eher die saloppe Lebensweise. Außerdem nimmt Salomon es nicht immer so genau mit dem Ausführen von Anweisungen ihres Vorgesetzten. Beide lernen sich erst im Laufe der Zeit besser zu schätzen je mehr sie voneinander über das Umfeld in dem sie leben und der Vergangenheit des jeweils anderen erfahren.

Von Beginn an wird Spannung erzeugt. Durch das laufende Spiel bleibt die Spannungskurve bis zum Schluss hoch und reißt den Leser im Lesefluss förmlich mit. Die Kapitel sind in chronologischer Reihenfolge und im Wechsel in der Ich-Form aus Sicht von Buchholz und Salomon mit unwesentlichen Überschneidungen erzählt. Dadurch erfahren wir als Leser natürlich auch, was beide übereinander denken. In wenigen Einschüben wird der Täter in den Fokus gerückt, ohne dass der Leser jedoch einen wesentlichen Vorteil bei der Fallaufklärung gegenüber den Fahndern erhalten würde. Die Anonymität des Darknets lässt den Mörder in der Masse verschwinden. Das macht die Sache gerade so spannend, denn der Mörder könnte überall sein und so traut man als Leser mehreren Figuren des Thrillers im Zeitablauf die Täterrolle zu.

Arno Strobel und Ursula Poznanski denken sich fantasievolle, überraschende Todesarten aus, die mich als Leser schaudern ließen. Einige unerwartete Wendungen sorgen außerdem für Spannung und führen zu einem ungeahnten Ende mit Show-Down. Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen und ich wünsche mir weitere Fälle für Buchholz und Salomon. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für Thrillerfans.

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1.005 Bibliotheken, 34 Leser, 2 Gruppen, 199 Rezensionen

dystopie, flawed, jugendbuch, cecelia ahern, fehlerhaft

Flawed – Wie perfekt willst du sein?

Cecelia Ahern , Anna Julia Strüh , Christine Strüh
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 29.09.2016
ISBN 9783841422354
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Flawed – Wie perfekt willst du sein?“ ist der erste All-Age-Roman von Cecilia Ahern und der erste Teil einer Dilogie. Die uns heute bekannten Staaten unserer Erde existieren auch in „Flawed“. Wir befinden uns als Leser also nicht in einer eigens für das Buch geschaffenen Welt wie es in Fantasys möglich ist, sondern Cecilia Ahern nimmt ihre Leser in dieser Dystopie mit nach Irland in eine naheliegende Zukunft. Doch nach Vorfällen in der Vergangenheit des Staates hat das Land zum Schutz seiner Bürger sein Gerichtssystem weiterentwickelt.

Die Protagonistin Celestine hält sich selbst für perfekt. Beste Schulnoten scheinen ihr Recht zu geben. Sie ist bei ihren Klassenkameraden beliebt. Ihre Eltern sind wohlsituiert und sie wohnen in einer der besten Gegenden Dublins. Zu ihren Nachbarn gehört Richter Crevan, der an der Spitze des Gerichts der Gilde steht, die über die Fehlerhaften urteilen. Fehlerhafte sind Bürger, die sich gegenüber der Gesellschaft moralisch und ethisch falsch verhalten haben und zur Strafe markiert werden. Celestine ist mit dem Sohn des Richters liiert. Doch dann gerät Celestine in eine Situation bei der ihre scharfe Logik und ihr Mitgefühl über ihren Verstand siegen. Für alle, die ihr Handeln beobachtet haben, hat sie sich fehlerhaft verhalten. Plötzlich findet sie sich auf der Anklageseite wieder. Nur wenn sie ihren eigenen Prinzipien untreu wird, könnte sie eventuell eine Strafe vermeiden. Wie wird sie sich entscheiden?

Beim Thema „Flawed“, ins Deutsche übersetzt so viel wie „fehlerhaft“ oder auch „mit charakterlichen Mängeln behaftet“ erscheinen in meiner Erinnerung gleich zu Beginn des Lesens verschiedenste Szenarien. Die Masse aller Bürger hat, beginnend von einzelnen Stimmen, immer schon gegen unerwünschte Personen versucht, diese zu benennen und sie zum Schweigen zu bringen. Oftmals endete die Beschuldigung für die betroffenen Personen im Fiasko. In unserer heutigen Zeit erreichen solche Benennungen eine neue Dimension. Aktuell werden mit zunehmender Vernetzung immer mehr Daten öffentlich. Äußert sich der Einzelne gegen den Mainstream besteht die Möglichkeit, dass er in den Fokus der Medien gerät und von diesen an einen virtuellen Pranger gestellt wird. Cecilia Ahern spinnt diese Tatsache in ihrem Buch „Flawed“ weiter und zeigt uns in beängstigendem Maße wohin die Zukunft führen kann.

Eigentlich fühlt Celestine sich in ihrem Leben sehr wohl und sieht ihre Zukunft bereits deutlich vor sich. Sie hat ein untrügliches Gespür für Zahlen und Logik und genau hier, bei dieser für sie so wichtigen Eigenschaft wird sie durch das Verhalten ihrer Mitmenschen getroffen und ihre Vorstellung von einer perfekten Welt kommt ins Wanken. Sie gehört zu einer Familie, die medientauglisch ist. Ihre Mutter ist Model, ihr Vater Chef eines Nachrichtensenders. Sie pflegen persönliche Beziehungen zum hoch angesehenen Kreis der Gildemitglieder. Ihrem jugendlichen Alter ist es geschuldet, dass sie sich zunächst nicht bewusst ist, wie sehr ihre Meinung durch die Zugehörigkeit zu einer Familie die Trends zu setzen, vermag die Menge beeinflussen kann und warum sie daher zum Präzedenzfall in der Öffentlichkeit wird.

Im Gegenzug dazu zeichnet die Autorin mit Art, dem Freund Celestines, einen jungen Mann, der sich seiner Bedeutung als Sohn des obersten Gilderichters durchaus bewusst ist und für den es zum Problem wird, seine Beziehung mit Celestine fortzusehen, sollte ihr Verhalten als fehlerhaft beurteilt werden. Anders wie Celestine fehlt ihm für seine Vorstellungen von der persönlichen Zukunft die nötige Unterstützung aus seiner Umgebung.

Cecilia Ahern ist nicht zimperlich in der Beschreibung einiger Szenen. Dadurch, dass das Buch in der Ich-Form geschrieben ist, kann der Leser Celestines Gefühle bei denen im Laufe der Seiten die Angst zu dominieren beginnt umso deutlicher nachfühlen.

Über die von Cecilia Ahern beschriebene Gesellschaft war ich von Beginn an entsetzt. Die Geschichte hat mich ab einem bestimmten Punkt mitgerissen und ich habe mit Celestine darauf gehofft, dass jemand den Wahnsinn der Markierungen und ihr eigenes Leid stoppen kann. Das Buch hat mich nachdenklich darüber gestimmt, ob die Schilderungen real werden könnten.

Der Roman endet mit einem Cliffhanger der mich mit Spannung bereits die Fortsetzung erwarten lässt. Aufgrund einiger Schilderungen empfehle ich das Buch an Jugendliche ab 15 Jahren, junge Erwachsene und Ältere.

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48 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

ddr, familie, vater, familiengeschichte, krebs

Familie der geflügelten Tiger

Paula Fürstenberg
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 11.08.2016
ISBN 9783462048759
Genre: Romane

Rezension:

Die verschiedenfarbigen Linien auf dem Cover des Buchs „Familie der geflügelten Tiger“, dem Debütroman von Paula Fürstenberg, stehen für die Strecken der Straßenbahn auf deren Wegen die 20-jährige Johanna Ende 2007 unterwegs ist. Denn entgegen dem Wunsch ihrer Mutter macht sie nach dem Abitur eine Ausbildung zur Straßenbahnschaffnerin in Berlin. Um dem Dorfleben in Mecklenburg-Vorpommern zu entkommen, wo sie geboren wurde und aufwuchs, ist sie in die Bundeshauptstadt gezogen.

Eine Kopie der Ebstorfer Weltkarte gehört zur Kartensammlung von Johanna. Vor allem ein geflügelter Tiger lenkt immer wieder ihre Aufmerksamkeit auf sich. Es ist weniger der Mut dieses Tiers, sondern vielmehr die Tatsache, dass er als Fabelwesen ins Reich der Fantasie gehört, warum er Johanna beunruhigt. Denn Fantasie gehört zu ihrem Leben dazu, vor allem wenn es darum geht, das Fehlen ihres Vaters Jens, der Frau und Tochter wenige Wochen vor dem Fall der Berliner Mauer plötzlich verlassen hat, in ihrem Leben zu erklären. Sie hat bisher ihr Unwissen damit aufgefüllt, wenn es um eine Erklärung ging weshalb er verschwunden ist, womit er seinen Lebensunterhalt verdient und wo er heute lebt.

Bei einem der immer seltener gewordenen Besuche bei ihrer Mutter erzählt diese ihr von dem unerwarteten Anruf ihres Vaters, der seine Tochter um Rückruf gebeten hat. Dadurch erfährt sie, dass Jens in einem Krankenhaus liegt, gar nicht weit von ihrer eigenen Wohnung entfernt. Sie hat Hoffnung darauf, endlich Antworten auf schon lange bestehende Fragen zu erhalten.

Johannas Suche nach den Gründen für das Verschwinden ihres Vaters wird zu einem Ausflug in die Geschichte Deutschlands vor und nach dem Mauerfall. Gerade weil Johanna noch zu jung dazu ist, sich an die Zeit im Osten vor der Wende zu erinnern, ist sie auf die Erzählungen anderer angewiesen. So entsteht aus vielen subjektiven Schilderungen ein Bild in ihrem Kopf, der ihr als Hintergrund dazu dient zu verstehen, was ihrem Vater damals und in der Folgezeit zugestoßen ist. Aber rund wird dieses Bild für sie nicht. Die Suche ist für sie auch ein Stück Suche nach sich selbst und mit der Zeit beginnt die Vergangenheit eine andere Bedeutung für sie zu erhalten.

Die Charaktere im Roman sind fein gezeichnet und durchgehend interessant. Die Autorin hat mit viel Einfühlungsvermögen die Situation in der Johanna sich befindet beschrieben. Hilfreich dabei war sicher, dass ihre Protagonistin gleichaltrig mit ihr ist. Der Leser erhält Informationen zu den markantesten Stationen im Leben der handelnden Personen. Das Wissen über die staatliche Macht der DDR und Vorstellungen von deren Eingreifen spielen in die Gedankengänge der Figuren hinein. Die Autorin versucht jedoch nie zwischen Ost und West zu werten.

Paula Fürstenberg wählt für ihren Roman die Ich-Form. So lässt sich leicht Johannas Hartnäckigkeit, die Gründe für ungewöhnliche Entscheidungen und die Konsequenzen, die sie aus ihren Handlungen zieht, verfolgen. Ein leiser Humor gibt der Geschichte die Leichtigkeit und hilft Johanna dabei all die Neuigkeiten zu verarbeiten, die Vergangenheit zu akzeptieren und voller Hoffnung in die Zukunft zu schauen, obwohl ihr Vertrauen gelitten hat.

Unerwartete Familienbegegnungen, überraschende Wendungen und viel Platz für eigene Spekulationen über die Gründe des Verschwindens von Johannas Vater machten mir das Buch zu einem Lesevergnügen. Gerne habe ich auch daran zurückgedacht, wie ich selbst die Wende erlebt habe. Leseempfehlung!

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70 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

nsu, verfassungsschutz, düsseldorf, mord, thriller

Wolfsspinne

Horst Eckert
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 26.08.2016
ISBN 9783805250993
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In „Wolfsspinne“ von Horst Eckert ermittelt der Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Che Veih bereits zum dritten Mal. Die Fälle sind in sich abgeschlossen, so dass man jedes Buch auch unabhängig von den anderen lesen kann. Titelgebend ist diesmal eine Aktion des Verfassungsschutzes aus dem Jahr 2011 die diesen Namen trägt, weil charakteristisch für Wolfsspinnen deren Schnelligkeit, Unnachgiebigkeit und ihre Perfektion in Sachen Tarnung ist.

An der Aktion Wolfsspinne war Ronny Vogt beteiligt. Er wurde vom Verfassungsschutz in die Szene des Nationalsozialisten Untergrunds in Thüringen eingeschleust. Doch deren Aktivitäten nehmen zu und gleichzeitig steigt die Gefahr, dass die Polizei die Tarnung aufdeckt. Damit das nicht geschieht, erhält Ronny den Auftrag, dem entgegenzuwirken, allerdings nicht ohne ihn an den Rand seiner Dienstbeflissenheit zu bringen.

Vier Jahre später bedient Ronny in einer Düsseldorfer Frittenbude. Er arbeitet immer noch für den Verfassungsschutz. Und wieder einmal droht seine Tarnung aufzufliegen, diesmal im Laufe der Ermittlungen im Mordfall Melli Franck. Frau Franck gehörte ein angesehenes Restaurant in Düsseldorf und sie war mit einem TV-Moderator liiert. Hauptkommissar Veih wird mit der Fallaufklärung beauftragt. Doch zunächst führen die Spuren ins Drogenmilieu. Noch während die Ermittlungen anlaufen wird Veih für seine Verteidigung gegen einen Teilnehmer bei einer Demo, an der er privat teilgenommen hat, belangt. Für die Aufklärung des Falls ist das nicht von Vorteil, ihm droht sogar die Abgabe der Leitung bei den Ermittlungen.

Die Krimis von Horst Eckert sagen mir unter anderem wegen der realistischen Charaktere besonders gut zu. Die Figuren sind ausgereift, ihr Handeln ist schlüssig. Nicht nur Vincent Veih, sondern das ganze Ermittlerteam hat einen privaten Hintergrund, der manche Ansichten in Dienstangelegenheiten der jeweiligen Person erklärt. Veih scheint emotional nicht nur seiner Mutter sondern auch seiner früheren Freundin wieder näher gekommen zu sein. Dennoch gibt es immer noch die offene Frage nach seinem Vater. So wie Veih Loyalität einfordert, so gibt er sie auch, wird aber diesmal von Kollegen und Vorgesetzten enttäuscht, als die Anschuldigungen nach der Demonstration gegen ihn erhoben werden. Dennoch lässt er sich nicht einfach aus seiner Rolle drängen, bleibt ruhig und auf Fakten basiert.

„Wolfsspinne“ ist so wie die beiden Vorgänger komplex aufgebaut. Horst Eckert erzählt die Geschehnisse auf zwei Zeitebenen und springt immer wieder ins Jahr 2011 zurück. So formt sich für den Leser mehr und mehr ein Bild, was genau vor vier Jahren wirklich geschah und zu Konsequenzen in der Gegenwart geführt hat und natürlich in den aktuellen Fall hineinspielt. Einige Tatsachen werden dem Leser bekannt vorkommen, das ist so gewollt. Der Autor hat sehr gut recherchiert und macht den Krimi durch das Einflechten realen aber verfremdeten Geschehens glaubwürdig. Auch diesmal schafft es der Autor wieder eine Spannungskurve aufzubauen und sie bis zum Ende gleichmäßig hochzuhalten. Meist kurze Sätze bauen die jeweilige Situation auf und schildern die ablaufenden Handlungen. Viele Dialoge mit schnellen Wortwechseln lassen den Leser die Seite überfliegen. Szenenwechsel fordern zwar die Aufmerksamkeit des Lesenden, sorgen aber für ständig neue Ereignisse.

Für mich ist es immer wieder ein besonderes Vergnügen Kommissar Veih bei seinen Ermittlungen zu folgen, weil ich die Örtlichkeiten meist kenne. Zurück bleibt bei mir das Gefühl, dass nicht alles was wir in der Öffentlichkeit von einem Fall dargestellt bekommen, den Tatsachen entspricht. Und das sollten wir in Erinnerung behalten.

Auch „Wolfsspinne“ konnte mich wieder spannungsmäßig fesseln und hat mich auf ganzer Linie überzeugt. Daher empfehle ich das Buch gerne an alle Krimifans weiter.

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