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64 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

cia, thriller, cruelty, lesewochenende, spionage

Cruelty

Scott Bergstrom , Christiane Steen
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 17.02.2017
ISBN 9783499272660
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Beim Thriller „Cruelty“ von Scott Bergstrom ist der Titel Programm, denn die Geschichte beinhaltet einige grausam anmutende Szenen. Wer also Gewaltanwendung bei kriminellen Handlungen nicht mag, für den ist dieses Buch nicht geeignet. In kräftigem Orange macht nicht nur der Titel auf dem Cover, sondern auch der in gleicher Farbe eingefärbte Buchschnitt auf sich Thriller aufmerksam. Diese Farbe habe ich direkt mit Gefahr in Verbindung gebracht vor der ich gewarnt werden sollte. Auch der düstere Untertitel „Ab jetzt kämpfst du allein“ erzeugte in mir bereits bei der Betrachtung des Buchs ein beklemmendes Gefühl.

Gwendolyn Bloom ist 17 Jahre alt und lebt momentan in New York. Ihre Mutter ist vor zehn Jahren gestorben. Mit ihrem Stiefvater, der als Politoffizier bei der UN beschäftigt ist, lebt sie irgendwo auf der Welt jeweils über einen längeren Zeitraum dort, wo er gerade beschäftigt ist. Am Tag nach seinem Geburtstag fliegt er aus beruflichen Gründen zu einem Kurzaufenthalt nach Paris. Noch am gleichen Abend stehen plötzlich zwei Special Agents des Diplomatischen Sicherheitsdienstes vor ihrer Haustür und teilen ihr das Verschwinden ihres Vaters mit. Erst auf diese Weise erfährt sie, dass er ein Spion der CIA ist. Weitere Tage vergehen und die rechtschaffene Schwester ihrer Mutter reist an, um sich um sie zu kümmern. Doch je mehr Zeit vergeht, desto weniger traut Gwendolyn dem Geheimdienst zu, ihren Vater zu finden. Der einzige Anhaltspunkt von dem aus sie ihre eigene Suche aufnehmen kann ist ein altes Taschenbuch, das ihr Vater bei einem Nachbarn kurz vor seiner Abreise deponiert hat. Doch mit unglaublichem Spürsinn gelingt es ihr, die Fährte aufzunehmen. Ihr Nachbar, früher selber für einen Geheimdienst tätig, vermittelt ihr einen Kontakt in Paris, der versucht sie physisch und psychisch auf potentielle Gefahren bei ihrer Suche vorzubereiten. Doch das was dann folgt hat Gwendolyn nicht in ihren schlimmsten Träumen vorausgesehen. Es ist eine Welt voller Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen die aus dem Handel mit Drogen, Menschen und Waffen bestehen.

Das Buch ist im Präsens geschrieben und so kamen mir die Gefahren in die die Protagonisten gerät noch gegenwärtiger vor. Gwendolyn verändert sich als recht junger Charakter in der feindlichen Welt der Geheimdienste sehr schnell. Auch in der Presse erfahre ich immer wieder von Radikalisierungen Jugendlicher bei denen ich staune, wie rasch das möglich ist. Scott Bergstrom beschreibt seine Hauptfigur als groß und kräftig. Eher untypisch für diesen Körperbau trainiert Gwen mehrmals wöchentlich an Sportgeräten auf hohem Niveau. Es ist also annähernd realistisch, wenn sie sich nach ihrer Vorbereitung in Paris erwachsenen Männern kämpferisch entgegenstellt. Sie spricht mehrere Sprachen und steht durch ihre Auslandsaufenthalte an der Seite ihres Vaters anderen Kulturen sensibel und offen gegenüber. Auch das Glück und der Zufall kommen ihr bei ihrer Mission häufiger entgegen. Allerdings fand ich es weniger glaubwürdig, dass sie die mentale Kraft besitzt den Level der Gewaltanwendung so anhaltend hoch zu halten und wörtlich über Leichen zu gehen um ihren Vater zu retten, der sie lebenslang über seine Tätigkeit belogen und immer wieder zu alleinigen Reisen aufgebrochen ist, ohne für ihre Sicherheit zu sorgen.

Nach einer eher ruhigen Einführung in die Welt von Gwendolyn beginnt die Spannung mit der Entführung des Vaters. Auch wenn die Protagonistin im Mittelteil auf der Stelle zu treten scheint konnte ich eine gewisse Erwartung weiteren Nervenkitzels nicht leugnen und ich wurde nicht enttäuscht. Zum Schluss bereitete der Autor mir ein furioses Finale. Das Ende deutet auf eine Fortsetzung hin. Wer mit Gewalt in Thrillern klar kommt und sich die Reife einer noch jungen Frau vorstellen kann, wird dieses Buch mögen und sich von der anhaltenden Spannung mitreißen lassen. 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

neuanfang, vergangenheit, roman, bürgerkrieg, deutschland

Tierchen unlimited

Tijan Sila
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2017
ISBN 9783462050264
Genre: Romane

Rezension:

„Tierchen Unlimited“ heißt der Debütroman von Tijan Sila. Doch Tierchen Unlimited sieht der Protagonist der Geschichte nur im Traum, wenn er sich eine wohlige Umgebung mit pelzigen Mitbewohnern wünscht. Aber die Gegenwart sieht anders aus. Er lebt in Sarajevo während des bosnischen Bürgerkriegs der 1990er, in dem Sentimentalität bei heranwachsenden Jungen nicht gefragt ist. Im Traum des unbenannten Ich-Erzählers, der autobiographisch einige Gemeinsamkeit mit dem Autor aufweist, blitzt der Wunsch nach Frieden auf. Das Cover des Buchs zeigt eine Unterteilung in schwarz und weiß. Dadurch ergibt sich deutlich eine fiktive Abgrenzung, durch Regeln und Normen gezogen, die der Hauptfigur des Romans dazu dienen, sie zu übertreten.

Das Fahrrad, das mühelos dort balanciert wo die Farben des Titels aufeinandertreffen, ist ein wichtiges Requisit des Erzählers zu Beginn der Geschichte, denn es bringt ihn aus einer Gefahrenzone. Wer jetzt denkt, das Buch beginnt während der Zeit des Bürgerkriegs, liegt falsch.

Zum ersten Mal begegnete ich dem Protagonisten im Buch in einer Situation, in der er wieder einmal eine ihm gesetzte Grenze überschritten hat. Nackt und verwundet wird er bei seiner Flucht mit dem Rad von mitleidigen Menschen ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht und dort verarztet. Dort begegnet er einer guten Freundin wieder, die inzwischen Polizistin ist. Er hat sie kennengelernt, nachdem er bereits einige Monate mit seinen Eltern in Deutschland lebte. Sie ringt gerne und ständig und (be-)nutzt ihn als Partner. Der Erzähler fühlt sich zu ihr hingezogen und ist von ihren Lebensumständen und ihrer Kraft fasziniert. Das ist für ihn neu, denn die Anforderungen und Erwartungen seiner bisherigen Freundschaften konnte er besser einordnen. Seine Überlegungen führen ihn und damit den Leser Jahre zurück zu seiner Jugend während der Kriegsjahre.

Bei seinen anschaulichen Schilderungen des Alltags im Krieg habe ich manches Mal erschreckt verharrt, wenn sich das Ende einer Waffenruhe ankündigte und der Protagonist immer noch auf den Straßen unterwegs war. Für die im Kriegsgebiet Wohnenden musste das Leben weitergehen, auch wenn es an Nahrungsmitteln oft fehlte. Es ist beängstigend zu lesen und macht betroffen. Aber Tijan Sila erzählt die Erlebnisse des Jungen mit einer großen Selbstverständlichkeit, die nicht in Wehmut an bessere Zeiten endet, sondern das Beste aus den Gegebenheiten macht. Und dazu gehören für einen Heranwachsenden Raufereien und Lügen. Es ist eine gefährliche und turbulente Zeit. Auch nach seiner Ankunft in Deutschland frönt der Ich-Erzähler keinem ereignislosen Alltag, was hauptsächlich an seiner erwachenden Liebe und einigen Bekannten mit nationalsozialistische Einstellung liegt.

Die Sprache des Autors ist schnörkellos und gerade, er scheut sich nicht die Dinge beim Namen zu nennen. Seine Erzählung ist realistisch und ich habe mich beim Lesen oft gefragt, welche Situationen der Autor selbst erlebt hat. In den Abschnitten über sein Leben in Deutschland fliegt er dann hier und da über die Realität hinaus, was dem Roman ein gehörige Portion Würze verleiht. Hatte der Protagonist in Bosnien noch mein Mitgefühl so war ich zunehmend amüsiert und es schlich sich eine Menge Häme bei seinen weiteren Schilderungen ein in denen er von unangenehmen Situationen erzählt, die sich durch sein grenzwertiges beziehungsweise normenüberschreitendes Verhalten ergeben. Hier kommt zwar zum Ausdruck, dass er nun mehr Möglichkeiten und die Freiheit hat, seine Zukunft zu gestalten, jedoch entbehrt das Ganze nicht einer gewissen Härte und Durchsetzungsfähigkeit.

Der Roman zeigt, dass jede Zeit, jede Umgebung, jede persönliche Einstellung und jedes Alter seine Tücken und Probleme mit sich bringt. Es ist nicht nur eine Gegebenheit die unser Leben gestaltet, sondern viele Dinge tragen dazu bei. Nicht aufzugeben, sein Vertrauen nicht verlieren und auf die Zukunft hoffen, ist die Essenz davon. „Tierchen Unlimited“ ist ein gelungenes Debüt, das ich gerne weiterempfehle.

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342 Bibliotheken, 24 Leser, 1 Gruppe, 93 Rezensionen

freundschaft, neapel, italien, armut, frauen

Meine geniale Freundin

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 422 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 29.08.2016
ISBN 9783518425534
Genre: Romane

Rezension:

„Meine geniale Freundin“ ist der erste Band einer vierteiligen Serie einer italienischen Autorin, die unter ihrem Pseudonym Elena Ferrante veröffentlicht. Die Buchreihe handelt von einer Frauenfreundschaft, die in Neapel in den 1950er Jahren beginnt und inzwischen mehr als 60 Jahre besteht. Der Ich-Erzählerin Elena, von Freunden auch Lenù genannt, begegnete ich erstmals im Prolog des Romans in der Gegenwart. Sie wohnt inzwischen in Turin und erhält von Rino, dem Sohn ihrer Freundin, einen Anruf aus Neapel, denn seine Mutter ist seit zwei Wochen verschwunden. Ihre Freundin Raffaella, die von Elena nur Lila gerufen wird, hat seit etwa drei Jahrzehnen angekündigt, dass sie sich irgendwann spurlos auflösen würde, sie wollte auf ihre ganz eigene Art ihr vergangenes Leben auslöschen.

Ich vertraue darauf, dass ihre geniale Freundin Elena in der Lage ist, sie zu finden. So habe ich gerne damit begonnen, die Geschichte der beiden Protagonistinnen zu lesen, deren Freundschaft mit einer Mutprobe begann. Ich bin gespannt, ob Elena die Suche nach ihrer Freundin aufnehmen und sie sogar aufspüren wird.

Lila und Elena sind im gleichen Alter und besuchen die gleiche Grundschulklasse. Wie in den 1950er Jahren allgemein üblich, wurde sehr viel im Freien gespielt. Elena und ihre Freunde halten sich dabei bis etwa zum Ende ihrer Grundschulzeit ausschließlich in ihrem Wohnviertel auf. In Gebäuden mit mehreren Stockwerken leben hier Handwerker mit ihren Familien, städtische Angestellte mit kleinem Gehalt oder auch Kaufleute, die Waren des täglichen Bedarfs vor Ort verkaufen. Um den Überblick über die Mitglieder der für die Erzählung wichtigsten Familien nicht zu verlieren, findet sich am Anfang des Buchs ein Personenverzeichnis. Ein Lesezeichen mit einer ähnlichen Auflistung liegt dem Roman bei.

Lilas Vater repariert Schuhe und Elenas ist Pförtner in der Stadtverwaltung. Die Freundinnen sind nicht nur äußerlich sehr unterschiedlich. Vor allem fällt Lila durch ihre Vorwitzigkeit auf. Lesen, Schreiben und Rechnen kann sie bereits vor Schulbeginn. Ihr Bruder ist sechs Jahre älter, in ihm hat sie ein Vorbild dem sie nacheifert. Durch das Lesen von geliehenen Büchern aus der örtlichen Bibliothek erweitert sie ihr Wissen über die allgemeinen Kenntnisse der Bewohner des Viertels hinaus. Elena bewundert Lila. Sie selbst ist ruhig, wirkt eher schüchtern und hat nur jüngere Geschwister. Ihre Eltern setzen daher mit ihren Entscheidungen in Bezug auf die Erziehung von Elena Maßstäbe für ihre übrigen Kinder, sie erwarten von ihrer Ältesten vorbildliches Verhalten.

Damals herrschte nicht nur in Italien ein geteiltes Rollenbild vor, nach dem der Mann für die Familie zu sorgen hat indem er durch Arbeit Geld verdient und die Frau ihrem Ehemann gehorcht, den Haushalt führt und den Lebensabend durch viele Kinder absichert. Der Umgang miteinander ist oft grob und Gewalt ist an der Tagesordnung. Vorrangig dient sie zur Herstellung von Gerechtigkeit. Auch im Kampf um einen hohen Rang in der sozialen Hierarchie der Gleichaltrigen sind heftige Prügeleien keine Seltenheit, vorwiegend bei den Jungen. Beide Mädchen sind sehr intelligent und ihre Lehrerin plädiert bei den Eltern für eine Fortsetzung der Schullaufbahn. Doch Lilas Eltern sind dagegen. Zwar bringen Elenas Eltern das benötigte Geld für die Schule mühsam auf, setzen Elena damit aber auch unter einen gewissen Erfolgsdruck. Elena, die bisher Lila in allem nachgeeifert hat und eifersüchtig auf deren Erfolge war, sieht für sich selbst nun im direkten Vergleich eine glücklichere Zukunft gesichert. In der Pubertät stellen sich bei den Freundinnen aber nicht nur körperliche Veränderungen ein. In Elena blitzt die Überlegung auf, dass der voraussichtliche Lebensweg von Lila vielleicht der Beneidenswertere ist.

Elena Ferrante gewährte mir als Leser einen voyeuristischen Blick auf den Alltag von Kindern beziehungsweise Jugendlichen, die in einem Stadtviertel Neapels aufgewachsen sind. Ich konnte mich gut in deren Umfeld hineindenken und der Vergleich zu meiner eigenen Kindheit in einem kleinen deutschen Dorf lag nahe. Dabei habe ich beispielsweise Mitleid gehabt, wenn die beiden körperlich gemaßregelt wurden, habe sie aber auch um die Leihmöglichkeit von Büchern beneidet. Auch die Wahl der Ich-Form als Erzählperspektive hat die Einblicke in den Alltag für mich vertieft. Elena erzählt als Mittsechzigerin in Erinnerung an ihre Jugend. Dabei sind einige Gedanken nur vage, wieder andere jedoch sehr ausgeprägt, vor allem solche, die für sie etwas Besonderes darstellen und ihre Freundschaft zu Lila mit allen Höhen und Tiefpunkten verdeutlichen. Ihre Erzählung über ihre Grundschuljahre ist eher schlicht, von ihrer Wahrnehmung als Kind beschränkt. Als Jugendliche gehören zu ihrer Peer-Group weiterhin die Gleichaltrigen des Viertels. Doch der Besuch der weiterführenden Schule bringt für Elena ganz eigene Probleme mit sich.

Die Suche nach dem Schuldigen, Vergeltung, Liebe, Hass und Vergebung sind an der Tagesordnung in der Welt der beiden Freundinnen Elena und Lila. So anschaulich und intensiv wie die Autorin die Kindheit und Jugend beschreibt, habe ich mich oft gefragt, wie viel davon die Autorin selbst erlebt hat. Interessant fand ich es, welchen Schwankungen zwischen Abneigung und Bewunderung die Freundschaft unterliegt, war aber gleichzeitig von Beginn an beruhigt darüber, dass sie auch nach über 60 Jahren immer noch besteht. Das Buch endet mit einer neuen Erkenntnis für Lila, die meine Freude auf das Lesen des nächsten Buchs noch ein wenig steigert. Gerne empfehle ich den Roman uneingeschränkt weiter.

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553 Bibliotheken, 29 Leser, 1 Gruppe, 97 Rezensionen

dystopie, cecelia ahern, liebe, perfect, fehlerhaft

Perfect – Willst du die perfekte Welt?

Cecelia Ahern , Christine Strüh , Christine Strüh
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 17.11.2016
ISBN 9783841422361
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Perfect – Willst du die perfekte Welt“ von Cecelia Ahern ist der abschließende Band einer dystopischen Dilogie die in Dublin spielt. Perfekt ist die nun 18-jährige Protagonistin Celestine jedoch nicht mehr seit sie einem älteren fehlerhaften Mann im Bus geholfen und selbst als Fehlerhafte gebrandmarkt wurde. Durch ein unvorhergesehenes Brandmal an geheimer Stelle wurde sie zu einer Art Waffe im Kampf gegen die Gilde, die über das moralische Verhalten der irischen Bürger urteilt.

Wie mächtig ein politisches System sein kann wenn es darum geht, Staatsangehörige in Bezug auf unerwünschte Meinungen zum Stillschweigen zu bringen, konnte man im ersten Teil der Dilogie lesen. Doch allen Anfeindungen zum Trotz hat Celestine auch Helfer an ihrer Seite. Einer davon ist ihr Großvater bei dem sie Unterschlupf sucht nachdem sie geflohen ist. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass sie bei ihm nicht sicher ist. Bei ihrer weiteren Flucht fällt es Celestine schwer zu erkennen, wer ihr helfen möchte und wer gegen sie arbeitet. Von liebgewonnenen Personen fühlt sie sich verraten und ist enttäuscht. Anderen bringt sie kein Vertrauen entgegen und wird von ihnen positiv überrascht. Wird sie eine Möglichkeit finden Richter Crevan, der sie verurteilt hat und mit ihm vielleicht die ganze Gilde zu Fall zu bringen?

Die Autorin beschreibt am Anfang noch einmal in geraffter Form die Ereignisse des ersten Buchs „Flawed“ und ergänzt im weiteren Verlauf an entsprechenden Stellen immer wieder ihre Ausführungen, so dass man den abschließenden Band auch ohne Vorkenntnisse lesen kann. Allerdings hat gerade „Flawed“ mir einige unvergessene Gänsehautmomente beschert auf die man dann verzichten würde.

Nach einem furiosen ersten Band hatte ich bedenken, ob die Geschichte so spannend weitergehen könnte. Doch bereits nach den ersten Seiten war ich fasziniert und wieder voll im Geschehen. Von Beginn an kämpft Celestine darum, wieder ihre vollen Bürgerrechte zu erhalten. Durch etliche geschickte Drehs und Wendungen nahm die Erzählung immer wieder einen anderen Verlauf.

Cecilia Ahern liefert für Charaktere, die mir zutiefst unsympathisch waren, Hintergründe und Erklärungen, warum sie entsprechend handeln. Dadurch wirken ihre Figuren realistisch. Aber auch Personen, die Celestine unterstützen, erhalten Motive für ihr Vorgehen. Sehr schön war es zu sehen, dass auch Celestine an ihren Aufgaben wächst, die durch die Hoffnung der Fehlerhaften die auf ihr ruhen genährt werden. Gerade für ihr jugendliches Alter kommt sie damit an ihr Limit. Der Roman ist für Jugendliche ab etwa 15 Jahren geeignet und gibt nicht nur dieser Altersgruppe ein Beispiel für einen gewaltfreien Kampf gegen eine Staatsmacht gerade in einer Zeit in der man sich fragt, wie in einigen Ländern Machthaber an die Spitze ihres Landes gefunden haben.

Von Beginn an steht bei diesem Buch die Vernichtung der Gilde im Vordergrund und hieran verankert die Autorin ihre Spannungsmomente. Doch ganz nebenher muss Celestine sich auch mit ihren Liebesgefühlen auseinandersetzen, die an das Vertrauen in die Person gekoppelt sind und natürlich in den Krisenzeiten in denen sie momentan lebt, nicht ganz einfach einzuordnen sind.

Das Buch bildet einen grundsoliden Abschluss der Dilogie, die mich vom Thema her fasziniert hat. Gerne gebe ich dem Buch meine Leseempfehlung.

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

wesley king, daniel is different, zwangsstörung, krankheit, ocdaniel

Daniel is different

Wesley King , Claudia Max
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Magellan, 18.01.2017
ISBN 9783734847103
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Daniel ist 13 Jahre alt als sich etwas Seltsames in seinem Schulalltag ereignet und er in Folge dessen bestätigt sieht, dass er verrückt ist. So beginnt das Buch „Daniel is different“ des US-Amerikaners Wesley King. Das erste Kapitel machte mich also schon gespannt darauf, was Daniel dazu gebracht hat so zu denken.

Das Cover des Buchs ist wunderschön mit seinen vielen Zahlen, fast jede davon anders, was wiederum die Bedeutung des Buchtitels unterstreicht. Die verschiedenen Ausführungen der Ziffern wurden auch zur Bezifferung der einzelnen Kapitel verwendet. Der Schriftzug „Daniel is different“, der Autoren- und der Verlagsname glänzen und heben sich nicht nur durch die blaue Farbe vom schwarz-weißen Hintergrund ab, sie sind auch fühlbar.

Bereits aufgrund des Titels war ich neugierig darauf zu erfahren, was an Daniel anders ist: sein Aussehen, sein Verhalten oder noch etwas ganz anderes? In der Schule und im Familienkreis versucht Daniel sich unauffällig zu verhalten. Er ist intelligent, aber keine besondere Sportskanone, obwohl er zum Footballteam gehört. Seit Jahren hat er einen besten Freund. Max und er haben zwar häufig verschiedene Ansichten, aber sie ergänzen sich auch in vielen Dingen. Auf jeden Fall halten sie immer fest zueinander und helfen sich wenn es nötig ist. Manchmal allerdings versteht Max nicht, warum Daniel beim Lösen bestimmter Aufgaben in der Schule falsche Antworten ins Heft schreibt oder warum er erst gar nicht zu einer Lösung kommt. Das hängt damit zusammen, dass Daniel wieder einmal darüber nachdenkt, ob sein Ergebnis nun gut ist oder irgendwelche Konsequenzen für ihn hat. Nicht nur Zahlen haben für ihn ganz bestimmte durch ihn festgelegte Eigenschaften. Einige Lösungen sind besser als andere und ein schlechtes Resultat kann durch Wiederholung verbessert werden. Abends kann er erst nach einem festen Ritual mit besten Ergebnissen einschlafen, aber das sieht zum Glück grundsätzlich niemand.

Die Geschichte wirkt sehr realistisch und im Nachwort bestätigte sich meine Vermutung, dass Wesley King so wie sein Protagonist Daniel selbst unter Zwangsstörungen leidet. Ganz nebenbei flechtet er einiges an Wissen über dieses Thema in die Romanhandlung ein. Daniel erzählt in der Ich-Form. Dadurch brachte er mir seine Erkrankung besonders nahe, weil ich auf diese Weise seine Gedanken beim Entstehen des Zwangs und während der Ausführung nachvollziehen konnte. Daniel wurde mir schnell sympathisch und ich bewunderte, dass er sich durch seine Krankheit nicht unterkriegen lässt, sondern unbeirrt davon am Schulleben und am Sport teilnimmt. Ihren Anteil tragen dazu vor allem Menschen bei, denen er vertrauen kann. Der Autor weist auch auf die Bedeutsamkeit von professioneller Hilfe hin.

Geschickt gelingt es Wesley King spannende Handlungen einzubauen. Da ist zum einen der Einsatz von Daniel als aktiver Spieler beim Football und das Erwarten des jeweiligen Spielverlaufs. Vor allem entwickelt sich aber die Beziehung zu einer Mitschülerin zu einer mitreißenden Kriminalhandlung, so dass ich über die Seiten nur so dahinflog. Außerdem durfte ich der sanften Auseinandersetzung Daniels mit seinen Gefühlen zu zweien seiner Mitschülerinnen folgen. All das beschreibt der Autor in einem leichten und lockeren Schreibstil. Seine Schilderung ist angefüllt mit Situationen die mich trotz der enthaltenen Ernsthaftigkeit amüsierten. Zusätzlich findet sich im Buch eine kleine Geschichte, die von Daniel aufgeschrieben wird, also eine Erzählung in der Erzählung.

Nicht nur äußerlich sondern vor allem vom Inhalt her ist „Daniel is different“ ein ganz tolles Buch. Es bietet dem Leser die Möglichkeit mehr über Zwangsstörungen, zu denen Zwangsgedanken und –handlungen gehören, zu erfahren. Hoffentlich kann es auch Betroffene dazu veranlassen, sich Hilfe zu suchen. Auf jeden Fall wird ihnen das Buch das Gefühl vermitteln, mit ihrer Krankheit nicht allein zu sein. Das Buch bietet genügend Stoff für eine Diskussion. Ich möchte dieses Buch gerne jedem ans Herz legen.

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155 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 71 Rezensionen

taste of love, liebe, kochen, maine, roman

Taste of Love - Geheimzutat Liebe

Poppy J. Anderson
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.01.2017
ISBN 9783404174683
Genre: Liebesromane

Rezension:

"Geheimzutat Liebe –Taste of Love“ ist der erste Band einer dreiteiligen Serie von Poppy J. Anderson. Bereits das Cover lässt hoffen, dass die feinen Zutaten ein schmackhaftes Gericht oder im übertragenen Sinne einen Roman voller Gefühle ergeben. Das Wort Liebe ist in glänzenden erhabenen Buchstaben zu sehen und die Liebe ist es auch, die in dieser Geschichte das Salz zur Suppe gibt.

Andrew Knight, Mitte 30, besitzt seit geraumer Zeit ein angesehenes Restaurant in Boston. Neben verwaltenden Tätigkeiten steht er auch täglich in der Küche und bereitet Mahlzeiten zu. Doch seine Nerven sind im Moment aufs Äußerste angespannt, so dass er sich spontan für einen Kurztrip nach Maine ans Meer entscheidet. Auf dem Weg dorthin verursacht er einen Autounfall und lernt dabei Brooke Day kennen. Brooke ist gelernte Journalistin, leitet aber wegen der Erkrankung ihrer Mutter derzeit das familieneigene kleine Restaurant. Andrews Wagen muss repariert werden und so folgt er Brooke zur Übernachtung zum Gasthaus. Es ist Ruhetag und so hilft er Brooke in der Küche bei der Zubereitung des Abendessens. Brooke ahnt nicht, wer da neben ihr werkelt, denn Andrew hat seine wahre Identität verschleiert. Beide schwelgen in Geschmack und duftenden Gerichten und seit langer Zeit hat Andrew wieder Freude am Kochen. Liebe geht bekanntlich durch den Magen und so keimen aus einer zunächst eher ruppigen Bekanntschaft ganz allmählich zarte Gefühle. Doch wie wird Brooke reagieren, wenn sie die Wahrheit über Andrew erfährt und wird Liebe über so viele Meilen hinweg Bestand haben können?

Andrew hat sich trotz seines Erfolgs seine Natürlichkeit bewahrt. Die Erwartungen seiner Familie, die ihn gerne als Anwalt gesehen hätte, hat er nicht erfüllt und ist daher besonders stolz über das Erreichte. Doch in Folge seiner Karriere als Koch und Restaurantbesitzer wird auch die Öffentlichkeit zunehmend auf ihn aufmerksam und weiterführende Angebote bleiben nicht aus. Das bestätigt zwar Andrew in seiner Leistung, aber der Erfolgsdruck lastet auf ihm.

Brooke dagegen hat ihre eigenen Berufswünsche hintenangestellt um ihre Eltern zu unterstützen. Ihr Vater umsorgt momentan zwar seine kranke Frau, lässt sich die Leitung des Familienrestaurants jedoch nicht aus den Händen nehmen, Auseinandersetzungen mit Brooke sind dadurch vorprogrammiert. Aber sie lässt sich kein X für ein U vormachen, erkennt den Wert einer Renovierung des Restaurants und setzt sich unbeirrt für ihre Meinung ein. Von Beginn an habe ich darauf gehofft, dass die beiden ein Paar werden. Der ständige Schlagabtausch der Protagonisten, die beide nicht auf den Mund gefallen sind, ist köstlich zu lesen und entbehrt nicht Witz und Ironie.

Ein wenig fragwürdig fand ich das Verhalten Andrews, seinem Restaurant spontan mehrere Tage den Rücken zukehren. Die Auseinandersetzung mit der Krankheit der Mutter und die Folgen daraus, zeigen auf, dass eigene Lebenspläne durch die Sorge um andere geliebte Menschen durcheinandergebracht werden können. Allerdings halte ich es für ein wenig unrealistisch, dass Brooke dafür ihren Journalistenjob vollständig aufgibt. Die wechselnden Gefühle zwischen Brooke und Andrew sind realistisch und nachvollziehbar dargestellt.

Poppy J. Anderson erfüllt die Erwartungen der Leserinnen an einen Liebesroman dadurch, dass sie zwei ausreichend attraktive Charaktere, die mir schnell sympathisch wurden, aufeinandertreffen lässt. Doch hinzu kommt noch eine gehörige Portion Küchenerfahrung, die sie mir in Form verschiedenster Gerichtskompositionen beschrieben hat. Bei der Vorstellung des Geschmacks der Zutaten, die sich da vereinten, muss ich zugeben, dass ich sehr gerne mal probiert hätte. Zwei der Rezepte finden sich zum Nachkochen auf der Innenseite der Buchklappen.

Insgesamt hat mir der Roman ein paar schöne Lesestunden beschert. Die Leidenschaft der Autorin fürs Kochen ist in der Geschichte spürbar. Man kann sich davon gut bei Kälte oder Regenwetter warm eingekuschelt unterhalten lassen, das Buch aber auch genauso gut in der Sonne genießen. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Statt etwas oder Der letzte Rank

Martin Walser
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 05.01.2017
ISBN 9783498073923
Genre: Romane

Rezension:

Der Erzähler des Buchs „Statt etwas oder Der letzte Rank“ von Martin Walser bleibt unbenannt, obwohl er sich letztlich manche Namen aneignet. Vor ihm steht eine leere imaginäre Wand ohne Muster. Ein Rahmen wie auf dem Cover des Romans wäre noch einengender und zum Glück gibt es ihn nicht. Doch die Mauer bietet dem Betrachter schon Einhalt, aufhalten kann sie seine Gedanken jedoch nicht. Er hat gelernt mit der Wand zu leben. Und die Ideen von Martin Walser finden sich ohne Begrenzung in den Worten der Kapitel wieder.

Das Buch ist als Roman bezeichnet und folgt man der allgemeinen Wikipedia-Erklärung, dass es sich hierbei um eine „Langform der schriftlichen Erzählung“ handelt ist das korrekt, aber dennoch ist der Inhalt mit keinem anderen Roman vergleichbar. Der Ich-Erzähler, der gerne auch zum gestehenden „Er“ wird, blickt Vielfach auf Erlebtes zurück bei dem er seine Gefühle in den erinnerten Situationen nicht verbergen kann. Er verfällt in Behauptungen bei Unsicherheit und offenbart dadurch seine Sensibilität. Überhaupt hat er selber immer nach der Wahrheit gesucht und sich selbst dahin gemaßregelt, dass Träumen ausreichend ist. Für ihn scheint es ein lebenslanges Dilemma zu sein, durch seine Meinung im Fokus zu stehen und doch gleichzeitig dabei nicht auffallen zu wollen. Sein Leben ist geprägt durch manche Auseinandersetzung, die nicht alle ohne negative Folgen für ihn geblieben sind.

Ich muss zugeben, dass das Buch erst das zweite ist, das ich von Martin Walser gelesen habe. Nach einer kurzen Recherche zu seinem bisherigen Leben im Internet sehe ich so manche Anspielung auf eigene Erlebnisse des Autors, zumal mich der Erzähler des Romans durch einen entsprechenden Textpassus darauf hinweist, dass er seine Geschichten gerne in die Schilderungen Bekannter verpackt. Auch wenn ich leider nicht alle deuten kann, stelle ich fest, dass seine Aussagen deutlich, bestimmt und ansprechend sind. Sarkasmus blitzt durch, der bei weiterer Bekanntheit des Autors und seiner Werke sicher noch amüsanter wäre.

Das im Buchtitel enthaltene und mir antiquiert erscheinende Wort „Rank“, welches nach einer Erklärung aus dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm als Synonym dem Wort Wendung entspricht gilt hier in zweierlei Sicht. Einerseits nimmt jedes Kapitel im formlosen Verlauf ungeahnte Drehungen von der Erzählung zur Lyrik, zur Aufzählung, zum Aphorismus hin zum Prosagedicht. Andererseits ist es der Schilderer selbst der sich da von Kapitel zu Kapitel von einem zum anderen dreht und dadurch erreicht, seine Gedanken von der erdachten Wand zu befreien. Der Erzähler erscheint gefestigt durch seine Erfahrungen und setzt man ihm den Autor gleich, habe ich als Leser gerne wahrgenommen, dass das Werken Martin Walsers weitergeht.

Ich habe solch einen Roman noch nicht gelesen und finde ihn eine Bereicherung der Möglichkeiten schriftstellerischen Ausdrucks, der allgemein wohl nur von einem bekannteren Autor ernst genommen wird. Ob man das Buch nun als genial oder verwirrend wahrnimmt mag jedem offen gestellt sein. Ich persönlich bevorzuge zwar eine gleichförmigere Erzählung, kann mich aber dem Reiz des vorliegenden Buch nicht gänzlich entziehen.

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77 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

berlin, mord, thriller, trauma, entführung

Der Todesprophet

Chris Karlden
Flexibler Einband: 382 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 15.08.2016
ISBN 9783746632322
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Der Todesprophet“ im gleichnamigen Thriller von Chris Karlden versetzt Berlin in Aufregung. Der Titel ist angelehnt an sein Tatmotiv. Eine Spritze, wie auf dem Cover zu sehen, kommt zwar auch zum Einsatz, doch seine Tötungsmethode ist sehr viel subtiler.

Bereits im Prolog lernt der Leser den Journalisten Ben Weidner kennen. Für einen Artikel ist er in Äthiopien unterwegs als er plötzlich in eine ungeahnte, tödliche Extremsituation gerät. Doch trotz des bleibenden Schreckens verweigert er jede Therapie. Seine Ehe mit Nicole leidet darunter und steht kurz vor der Scheidung. Eines Tages findet Ben nach einem interessanten Abend mit einem Date auf der Suche nach seinem Handy in der Wohnung der jungen Frau deren Leiche. Die Angabe eines Datums am Fundort lässt bald eine Vermutung Wirklichkeit werden, denn eine weitere Leiche wird zur angegebenen Zeit gefunden. Ben ist erstaunt, weil er der Taten verdächtigt wird. Aber aufgrund der Ereignisse in Afrika leidet er unter Flashbacks und Bewusstseinsausfällen. Die Fakten sprechen gegen ihn und allmählich traut er sich selbst nicht mehr. Er ahnt noch nicht, dass das Grauen für ihn noch nicht seine schlimmste Form angenommen hat und bald schon kämpft er um weit mehr als nur seine Unschuld.

Geschickt baut Chris Karlden Ben von Beginn an als potentiellen Mörder auf. Seine Motive sind begründet und selbst Ben glaubt schließlich daran, dass er während Aussetzern seines Bewusstseins die Taten vollzogen hat. Ich wollte dieser These nicht folgen, aber leider sprachen immer mehr Fakten dafür. Gerne hätte ich Ben sympathisch gefunden, aber sein Widerstand gegen eine Psychotherapie und die Konsequenzen daraus machten ihn mehr zu einer bedauernswerten Person. Dennoch fand ich es gut, in diesem Thriller mal nicht die üblichen Kriminalkommissare als Ermittler zu sehen, sondern mit Ben eine Person die um ihre Unschuld kämpft.

Der Thriller ist hervorragend konstruiert auch wenn sehr viele Zufälle eine Rolle spielen sowie die Arglosigkeit eines Charakters von dem ich dies nicht vermutet hätte. Alles erscheint schließlich schlüssig auch wenn etwas sehr oft auf die grausamen Erlebnisse von Ben als Motiv hingewiesen wird. Ben bleibt ständig in Bewegung was dazu beiträgt, das ständig etwas passiert und keine Langeweile aufkommt. Es gibt etliche unerwartete Wendungen selbst in den brenzligsten Situationen bei denen der Autor durch seinen Einfallsreichtum glänzt. Die Spannungskurve bleibt dadurch hoch bis zum Schluss. Vor allem habe ich lange gerätselt ob Ben wirklich der Täter ist. Für eine Antwort auf die Frage, wenn nicht er es war wer dann, standen mehrere Personen zur Verfügung, denen ich aufgrund dessen mein Vertrauen nicht mehr schenken konnte. Dank des leicht lesbaren Schreibstils konnte ich das Buch zügig lesen um endlich der Aufklärung näher zu kommen.

Für mich ich das Buch ein Highlight unter den deutschen Thrillerromanen und ich vergebe gerne eine Leseempfehlung.

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130 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

historischer roman, london, historisches london, londo, goga

Das Haus in der Nebelgasse

Susanne Goga
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Diana, 09.01.2017
ISBN 9783453358850
Genre: Historische Romane

Rezension:

Das Cover deutet bereits an, dass den Leser der Roman „Das Haus in der Nebelgasse“ von Susanne Goga in die Hauptstadt Englands nach London führt. Dort gelangt die Protagonistin Matilda Gray im Jahr 1900 auf der Suche nach einem ganz bestimmten Haus unweit der Themse in eine schmale neblige Gasse mit hohen Häusern in der sie fündig wird.

Matilda unterrichtet an einer Mädchenschule mit angeschlossenem Internat. Hier wird zwar Allgemeinwissen vermittelt, doch hintergründig werden den Konventionen der Zeit entsprechend die Schülerinnen darauf vorbereitet ihren späteren gutbetuchten Ehemännern den Haushalt zu führen und auf dem gesellschaftlichen Parkett zu glänzen. Laura Wesley ist 17 Jahre alt, Waise und eine der Schülerinnen. Eines Tages zieht sie Matilda in einer bestimmten Angelegenheit ins Vertrauen. Nach den Schulferien erscheint sie jedoch nicht mehr zum Unterricht, sondern reist gemeinsam mit ihrem Vormund ins Ausland. Ihre Begleitung hat der Schule erklärt, dass sie eine Krankheit dort auskurieren soll. Laura, die immer betont hat, durch Schulabschluss und Studium einmal unabhängig leben zu wollen, schickt Matilda aus Italien eine verschlüsselte Postkarte. Die Lehrerin folgt verschiedenen Hinweisen auf der Suche nach einer Möglichkeit, Laura zu helfen. Dabei begegnet sie dem Historiker Stephen Fleming, der ein Kenner der Geschichte Londons ist. Die Aufdeckung des Geheimnisses führt sie in das alte London von dem Teile immer noch unter dem heute Sichtbaren verborgen liegen.

Ein kurzer Prolog, der im Jahr 1665 spielt, ließ mich ahnen, dass damals in einer Familie sich etwas Schlimmes ereignet hatte und ungeduldig habe ich darauf gewartet bis sich zeigte, was diese kurze Episode mit den Geschehnissen im Jahr 1900 zu tun hatte. Die Autorin hat sehr gut zur Geschichte Londons recherchiert. Für uns heute nicht mehr sichtbar, weist Susanne Goga auf ein London hin, dessen historische Gemäuer sich noch immer unter den Gebäuden der Stadt befinden. Ihre Protagonistin scheut sich nicht, den Dingen persönlich auf den Grund zu gehen. Matilda ist selbstbewusst, engagiert und unabhängig. Obwohl auch ihre Eltern früh verstorben sind, hat sie sich ihren Studienwunsch erfüllt, so wird sie für manche Schülerin sicher zum Vorbild. Allerdings werden ihr von ihrer Schule deutliche Grenzen des Erlaubten gesetzt, auch in Bezug auf ihre Ermittlungen im Fall Lauras. Sie scheut die Konsequenzen bei Bekanntwerden ihrer unerlaubten Handlungen. Grundsätzlich ist Matilda jedoch mutig wenn sie sich beispielsweise bei Dunkelheit allein in verrufene Gegenden begibt. Matilda blieb mir allerdings etwas zu distanziert, in Herzensangelegenheiten hätte ich ihr mehr Courage zugetraut. In Sachen Liebe gibt es im weiteren Verlauf noch eine Wendung, die unvorbereitet kam.

Susanne Goga schreibt flüssig und leicht lesbar. Das Familiengeheimnis, nach dem Matilda sucht, hat sie sehr geschickt in ihrer gut konstruierten Geschichte verborgen. Das Spannungselement des aufzudeckenden Geheimnisses zieht sich durch den ganzen Roman, auch wenn die kleinteilige Suche nach der Lösung sich im Mittelteil ein wenig hinzieht. Das Hintergrundthema des unterirdischen Londons ist interessant und unverbraucht. Die Autorin flechtet geschickt in ihren Roman zeitlich Passendes, damals Aktuelles aus der Kulturszene ein. Insgesamt konnte ich mir London und seine Bewohner zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Beschreibungen gut vorstellen. Ich fühlte mich bestens unterhalten und ich empfehle ihn gerne weiter.

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187 Bibliotheken, 14 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

thriller, bobby dees, hoffman, florida, jilliane hoffman

Insomnia

Jilliane Hoffman , Sophie Zeitz , Stefanie Kremer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 27.12.2016
ISBN 9783805250719
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Seit drei Jahren treibt ein Serienmörder im Süden Floridas sein Unwesen. Neun Opfer hat man bisher aufgefunden, alle gleichen einander in bestimmten Merkmalen wie beispielsweise ihrem jugendlichen Alter und ihrer zierlichen Figur. Weil der Täter seine Opfer vor ihrem Tod mit Werkzeugen quält wird er der „Hammermörder“ genannt. Das ist die Ausgangslage im Thriller „Insomnia“ der US-Amerikanerin Jilliane Hoffman.

Je nach Fundort der Leichen sind unterschiedliche Ermittlungsteams zuständig, doch nun soll das Dezernat für Verbrechen an Kindern und Jugendlichen hinzugezogen werden. Special Agent Bobby Dees gehört dem Team seit dreizehn Jahren an. Wer den Vorgängerband „Mädchenfänger“ gelesen hat, kennt den Ermittler bereits. Ich habe das genannte Buch nicht gelesen, hatte aber keinerlei Probleme dadurch, weil die Autorin an entsprechenden Stellen Auszüge der damaligen Geschehnisse schildert, vor allem soweit sie Bobby Dees betreffen.

Insomnia, zu deutsch schlaflos ist der Täter, den ich bereits im Prolog des Buchs kennenlernen konnte. Er leidet unter Kopfschmerzen die erst schwinden, wenn er seine Fantasien auslebt. So scheu wie die Schneeeule deren Augen mich auf dem Cover fixieren, aber genauso aggressiv wie dieses Tier sein kann, agiert der Täter.

Eines Tages taucht in einem Truckstop in Südflorida die 17jährige schwerverletzte, als vermisst gemeldete Mallory Knight auf und behauptet, dass sie vom Hammermörder entführt und vergewaltigt wurde. Bobby Dees betont in einer Unterredung mit Mallory, dass er ihren Schilderungen nicht glaubt. Noch nie ist ein Opfer des Hammermörders lebend wieder aufgefunden worden. Mallory erkennt bald die Folgen ihrer Aussage, die sich fatal auf ihre Zukunft auswirken werden. An dieser Stelle erreicht die Geschichte einen ersten Höhepunkt. Das Motiv des Täters war mir vom Prolog an bekannt und auch die stattliche Anzahl der bisherigen Opfer. Nun hoffte ich darauf, dass Bobby Dees sehr bald schon Licht ins Dunkel bringen kann. Doch stattdessen sprang die Erzählung um vier Jahre in die Zukunft und das Morden ging weiter.

Jilliane Hoffman hat es geschafft, mich über die gelesenen Seiten hinweg bis zum Schluss zu fesseln. Als dann endlich der Fall vor der Klärung steht, stellte ich fest, dass noch nahezu hundert Seiten im Buch folgten. Doch das war nicht nur ein Abspann, sondern hier hielt die Autorin weiterhin den Spannungsbogen und führte ihn zu einem für mich unerwarteten Ende.

Die Geschichte wird aus einer allwissenden Erzählsicht geschildert. Ich fand es gut, dass die Handlungen immer ausreichend begründet wurden. Auf diese Weise wirkte alles realistisch und vorstellbar. Die Autorin hat einen mitreißenden Schreibstil. Sie versteht es, eine unterschwellige Spannung zu erzeugen und damit unangenehme Situationen zu erzeugen aus denen man sich nur durch schnelles Weiterlesen retten kann. Die kurzen Kapitel haben mich nicht in Ruhe verweilen lassen. Jilliane Hoffman bestückt ihre Szenerie mit mehreren potentiellen Tätern. Dazu liefert sie genauso viele Hintergrundinformationen zu den Personen die ausreichen, denjenigen zu verdächtigen. Ihre Charaktere leben nicht alle auf der Sonnenseite. Sie wurden verspottet oder reichten nicht an gewisse Maßstäbe ihrer Eltern heran.

Mich konnte dieser Thriller begeistern und daher gibt es von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle Leser des Genres.

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

lennox, herrenhaus, ägypten, gesellschaftsroman, zweiter weltkrieg

Die Frau des Juweliers

Judith Lennox , Mechtild Sandberg
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 02.11.2016
ISBN 9783866122963
Genre: Historische Romane

Rezension:

Juliet Winterton ist „Die Frau des Juweliers“ im gleichnamigen Buch von Judith Lennox. Doch die Erzählung dreht sich nicht nur um sie, sondern es ist die Geschichte der Familie Winterton in der Zeit von 1938 bis Ende 1966. Solch ein Herrenhaus auf dem Land ist auch Marsh Court, das Zuhause von Juwelier Henry Winterton in dem Juliet sich bald nach ihrem Einzug wohlfühlt. Anders dagegen sieht es in ihrer Ehe mit Henry aus.

Juliet ist 19 Jahre als sie den 17 Jahre älteren Henry in Kairo zum ersten Mal trifft bei dem Versuch eine wertvolle Perlenkette zu verkaufen um ihre finanziellen Nöte zu mildern. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen und heiraten bereits nach kurzer Zeit. Juliet folgt ihrem Ehemann nach Marsh Court und stellt schnell fest, dass Henry zwar im Beruf erfolgreich ist, aber ganz bestimmte Ansichten hat. Er wird schnell wütend, rügt sie wenn sie gegen Konventionen verstößt und möchte, dass sie sich mit ihrer Meinung nach seiner eigenen richtet. Familienmitglieder und Freunde von Henry sind stets gern gesehene Gäste und auch Juliet sind sie meistens angenehm. Ein erstes Kind lässt nicht lange auf sich warten und der 2. Weltkrieg steht bevor. Henry arbeitet viel und lange. In diesen einsamen Stunden zu unsicherer Zeit sehnt sie sich nach Vertrauen, Verständnis und Liebe und glaubt all das bei einem verheirateten Freund von Henry zu finden. Doch der Familienzusammenhalt steht immer im Vordergrund. Juliet ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ihr Geliebter ein dunkles Geheimnis birgt, das sich erst Jahre später auch ungewollte Auswirkungen auf sie selbst haben wird.

Judith Lennox erzählt die Geschichte in zeitlicher Reihenfolge aus einer allwissenden Sicht. Beginnend im Oktober 1939 schreitet die Erzählung zunächst zügig vorwärts. Die Not und das Leid im Weltkrieg werden auf wenigen Seiten thematisiert, jedoch hat auch die Familie Winterton die Einschränkungen zu spüren. Schnell erholt sich danach das Geschäft und die Kinder wachsen heran. Am Anfang des Buches findet der Leser eine Übersicht über die wichtigsten Charaktere und ihre Zugehörigkeit zu den Geschwistern Wintertons und den befreundeten Familien. Die Autorin dehnt ihre Erzählung auf die nun heranwachsenden Kinder der Familie aus und im weiteren Verlauf des Lesens war mir die Auflistung des Öfteren hilfreich. Einerseits ist es einfach, alle Nachkommen innerhalb der Familie zu beschäftigen, aber andererseits ist es schwierig, die Führungspositionen zu besetzen. So ergeben sich Neid, Hass und Missgunst, die sich im Folgenden durch die weitere Schilderung ziehen.

Etwa 2/3 der Erzählung spielt in den 1960er Jahren. Juliet reift zwar im Laufe der Jahre an ihrer Aufgabe, schafft sich Freiräume und engagiert sich beruflich und ehrenamtlich, doch ihr fehlen die nötigen Argumente und die Durchsetzungskraft um Streitigkeiten in der Familie beizulegen. Judith Lennox hat einen sehr leicht zu lesenden Schreibstil und eine realistische Darstellungsfähigkeit. Ihre Charaktere haben Ecken und Kanten, vor allem beharren die Mitglieder der Familie Winterton gerne auf ihrer eigenen Meinung. Den äußeren Schein zu wahren avanciert sehr hoch bei ihnen.

In all den Jahren wird auch Familie Winterton von einigen Schicksalsschlägen getroffen. So konnte ich beim Lesen Anteil nehmen an Freude und Leid der Familienmitglieder. Gehörten sie in den 1930er Jahren einem herrschaftlichen Stand an so wurden sie im Laufe der Zeit zu einer erfolgreichen Familie mit Geschäftssinn, die bodenständig ist und sich den Sinn für die Realität bewahrt. Das Geheimnis im Rahmen der Affäre Juliets baut zum Ende der Geschichte noch einmal Spannung auf. Der Schluss erscheint mir in Bezug auf das Unternehmen zwar ein wenig unrealistisch, aber den meisten Lesern wird er gefallen. Mir hat der Roman gut gefallen und daher empfehle ich ihn gerne weiter. 

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

kleiner klugscheisse, autismus, nanny, los angeles, kultautorin

Willkommen in der unglaublichen Welt von Frank Banning

Julia Claiborne Johnson , Iris Hansen , Teja Schwaner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 17.10.2016
ISBN 9783746632667
Genre: Romane

Rezension:

„Willkommen in der unglaublichen Welt des Frank Banning“ ist Alice Whitley im gleichnamigen Buch von Julia Claiborne Johnson. Sie ist 24, hat einen Collegeabschluss in Buchhaltung und bildender Kunst, ist technisch versiert und hat sich mit diversen Jobs weitere Fähigkeiten erworben, unter anderem hat sie an einer Privatschule unterrichtet. Als Leser lernte ich sie an der Seite der Titelfigur im Prolog des Romans während einer Fahrt mit dem Bus kennen. Bereits in diesem kurzen Abschnitt beschreibt die Autorin einige der Eigenheiten von Julian Francis, kurz Frank genannt und machte mir auf diese Weise Lust darauf, den 9-jährigen Jungen näher kennenzulernen. Gemeinsam mit Alice ist er auf dem Weg zum Krankenhaus um seine Mutter, die berühmte Schriftstellerein M.M.Banning, zu besuchen. Sie wurde dort zur psychiatrischen Beobachtung eingeliefert kurz nachdem es in ihrem Haus gebrannt hatte. Dieses tragische Ereignis wird auf dem Cover des Buchs in leichter Form umgesetzt. Doch Frank ist nicht der typische Skateboarder wie er auf der Rückseite zu finden ist, doch dazu später mehr.

Nur ein einziges Buch hat Mimi unter ihrem Pseudonym M.M. Banning bisher geschrieben und veröffentlicht. Damit sie ihr Leben und das von Frank weiterhin finanzieren kann ist es notwendig, dass sie endlich einen zweiten Roman schreibt. Ihr Verleger unterstützt sie dabei, indem er ihr seine eigene rechte Hand Alice als Hilfe für Sekretariatsarbeiten aber auch zur Haushaltsführung und Betreuung ihres Sohnes schickt. Rasch merkt Alice, dass Frank nicht so ist wie andere Kinder seines Alters. Er hasst T-Shirts und Jeans und kleidet sich stattdessen in Stoffhosen, Sakkos und Anzügen nach der Mode entsprechender Filmstars. Immer wieder ist die Rede von Filmen, von denen mir einige bekannt waren. Nach meinem Geschmack hat die Autorin diesem Thema einen zu großen Raum gegeben. Für das Zusammenleben mit Frank hat er eigene Regeln aufgestellt. Er darf nicht ohne vorherige Genehmigung von ihm angefasst werden. Das Gleiche gilt für Dinge die ihm gehören. Doch manches Mal wirkt er so schutzbedürftig, dass seine Regeln nicht einfach einzuhalten sind.

Alice ist die Ich-Erzählerin des Romans. Bisher lebte sie in einer kleinen, spärlich eingerichteten Wohnung in Brooklyn. Das Haus von Mimi und die Umgebung von Los Angeles bieten ihr eine nie gekannte Freizügigkeit. Doch sowohl Mimi wie auch Frank stehen ihr zunächst zurückhaltend gegenüber. Auf Mimi lastet der Druck, ein Buch möglichst bald fertig zu schreiben und Frank zeigt Anzeichen dafür, dass er seine Mutter vermisst, während sie sich zum Schreiben in ihr Arbeitszimmer zurückzieht. Insgesamt erschien Mimi mir sehr kühl im Auftreten und sie ist mit der Erziehung ihres Sohnes und dem gleichzeitigen Schreiben eines Buchs völlig überfordert. Alice fällt es daher schwer, deren Vertrauen zu gewinnen und die abneigende Haltung der beiden aufzubrechen.

Mimi und Frank leben zurückgezogen in ihrem Haus, das von einer Mauer umgeben ist und Frank ist Mimis einziger Lebenssinn. Sie unterstützt die Exzentrik ihres Sohns unter anderem damit, dass sie ihm die gewünschte Kleidung kauft und die Einhaltung seiner Regeln unterstützt. Sie agiert in dem guten Glauben Frank dadurch ein schönes Leben zu gestalten. Warum sie so handelt wird deutlicher als sie Alice von ihrer eigenen Kindheit und Jugend erzählt.

Frank konnte mit der Zeit meine Sympathie erlangen, denn er erscheint zwar manchmal neunmalklug, aber er kann genauso charmant auf seine ganz eigene Art sein. Er ist ein guter Beobachter. Seine auffällige Kleidung wirkt auf seine Mitschüler befremdend, so dass dies sicher mit ein Grund ist, dass er keinen Freund hat. Frank liebt enge Räumlichkeiten, eventuell weil sie ihm Schutz bieten vor erstaunten Blicken von anderen. Durch die faktische Betrachtungsweise von Frank und der Art wie er diese Fakten wieder gibt kommt es zu zahlreichen Situationen mit, aus seiner Sicht, ungewolltem Humor. Bewusst verzichtet Julia Claiborne Johnson Franks offensichtliche Störung zu benennen. Dadurch unterbleibt eine automatische Stigmatisierung und er hat die Möglichkeit zwar seine Eigenheiten auszuleben, aber sich dennoch ohne Einschränkungen seinen zukünftigen Platz im Leben zu sichern.

Der Roman zeigt auf eindrückliche Weise, dass bereits Kinder sehr verschiedenartig sind, wir Individualität akzeptieren sollten und durch diesen Prozess auch lernen können, sie wert zu schätzen. Zum Schluss erwartete mich als Leser noch eine überraschende Wendung. Frank konnte dadurch nochmals ein paar Sympathiepunkte bei mir hinzugewinnen. Gerne empfehle ich diese liebevolle, familiäre Geschichte weiter.

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146 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

becky chambers, der lange weg zu einem kleinen zornigen planeten, galaxie, tor, science-fiction

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Becky Chambers , Karin Will
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 27.10.2016
ISBN 9783596035687
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ ist das Debüt der US-Amerikanerin Becky Chambers. Der Science-Fiction-Roman hat mich an der Seite der Crew von Captain Ashby Sanoso mit an Bord der„Wayfahrer“, einem in die Jahre gekommenen aber noch voll funktionsfähigen Tunnelerschiffs, genommen auf dem Weg durch das Weltall hin zu dem äußerlich abweisend wirkenden Planeten Hedra Ka. Das Cover lässt mich in das All schauen mit einer Vielzahl von Sternen, unbekannten Welten und Wesen. Der Lichtstreifen am Horizont, der sich von dem dunklen Raum abhebt, steht für mich symbolisch als Hoffnungsträger für die Zukunft, in die die Frau am unteren Bildrand aber auch wir selber blicken.

Rosemary Harper ist Mitte 20 und kommt vom Mars. Sie hat sich eine neue Identität besorgt und tritt nun ihre eine Stelle auf der „Wayfahrer“ als Verwaltungskraft an. Mit dem Tunnelerschiff stoßen Ashby Sanoso und seine Crew Wurmlöcher ins All um Verbindungen zwischen Galaxien zu schaffen. Die Mannschaft setzt sich nicht nur aus Menschen zusammen, sondern auch andere Lebensformen gehören dazu. Sie verständigen sich hauptsächlich auf Klip, aber jede Spezies hat auch ihre eigene Sprache, die manchmal nicht aus Wörtern oder Lauten sondern aus Gesten besteht. Der Captain ist stolz darüber, als er den großen Auftrag erhält einen Tunnel zu dem weit entfernten, unfreundlich wirkenden Planeten Hedra Ka stoßen zu dürfen. Die Anreise wird einige Zeit in Anspruch nehmen und so ist Rosemary mit den anderen Crewmitgliedern auf engem Raum eine sehr lange Zeit unterwegs.

Eigentlich hört sich die Zusammenfassung dieses Romans eher unspektakulär an: ein Raumschiff macht sich auf einen langen Weg zu einem unbekannten Planeten um dort einen Auftrag auszuführen. Was aber die Autorin aus diesem Stoff macht, ist ganz fein. Zunächst beschreibt sie die Mitglieder der Schiffsmannschaft, die sehr verschieden sind. Alle sind bestens für ihren Job ausgebildet und kommen aus den unterschiedlichsten Regionen des Weltalls. Während der Captain, der Treibstoffwart Corbin und die Techniker Kizzy und Jenks menschlicher Abstammung sind, wobei man hier noch nach deren Herkunft unterscheiden muss, gehören zur Crew außerdem die Pilotin Sissix, die zu den reptilienartigen Aandrisk gehört, der Grum Dr. Koch, der als Arzt und Koch fungiert, der Navigator Ohan, der als nachtaktives Sianatpaar beschrieben wird und die Künstliche Intelligenz (KI) Lovelace, kurz Lovey genannt.

Jede Spezies bringt aufgrund seiner Herkunft unterschiedliche Lebenserfahrungen und auch Ansichten mit, die oft kulturell bedingt sind. Es ist nicht immer einfach miteinander aus zu kommen und für jeden ein Wohlgefühl an Bord zu schaffen, beginnend bei der Raumtemperatur hin zu Kleidung und Essen. Becky Chambers thematisiert diese und andere Probleme und diskutiert sie mit viel Respekt für jede Lebensform. Die Lösung ist nicht immer die Beste, aber grundsätzlich die Fairste. Freundschaft, Verständnis und Hilfsbereitschaft stehen dabei im Vordergrund.

Im folgenden Verlauf nimmt die Crew auf ihrem langen Weg Kontakt zu weiteren Spezies auf, sei es um Ersatzteile und Essenszutaten zu beschaffen oder auch mal zum Vergnügen. Auch hier beweist die Autorin viel Einfühlungsvermögen, denn leider gibt es auch immer wieder Missverständnisse, die ausgeräumt werden müssen um den Bestand der Galaktischen Union, in dem die verschiedenen Spezies vereint sind, zu erhalten. Interessant sind auch die Gefühle, die die Lebewesen zueinander entwickeln. Beispielsweise gibt es eine Art, die ihr Geschlecht im Laufe des Lebens wechselt, bei einer anderen ist Liebe zwischen ständig wechselnden Partnern üblich und außerdem entwickelt ein Techniker eine ungewöhnlich anmutende zarte Bande zur KI an Bord.

Karin Will hatte es sicher nicht leicht, die Beschreibung all dieser außergewöhnlichen Spezies und ihrer Besonderheiten vor allem in der Verständigung ins Deutsche zu übersetzen. Es ist ihr sehr gut gelungen und ich konnte den Ausführungen problemlos folgen und sie mir gut vorstellen.

„Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ beschreibt dem Leser eine futuristische Welt. Jedoch zeigt die Autorin darin auch, wie ein respektvolles Zusammenleben in einer Multikulturellen-Gesellschaft möglich ist, ohne jedoch den Anspruch zu erheben, dass letztlich alle Probleme gelöst werden können und niemand Ärger macht.

Mit diesem Buch habe ich nach langer Zeit wieder einmal einen Science-Fiction-Roman gelesen. Ich hoffe nicht nur auf eine Fortsetzung des Romans, sondern auch darauf, dass wir fremden Kulturen so offen entgegentreten wie die Crew der Wayfahrer. Meine Leseempfehlung für alle Sci-Fi-Fans! 

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99 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

elfen, fantasy, der winterkaiser, katherine addison, intrigen

Der Winterkaiser

Katherine Addison , Petra Huber
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 13.10.2016
ISBN 9783596036189
Genre: Fantasy

Rezension:

Maia ist erst 18 Jahre alt als er durch den Unfalltod seines Vaters, dem Elfenkaiser, und seiner Brüder zum Thronerben wird. Seine Mutter war die vierte Frau seines Vaters und aus der herrschenden Linie der Kobolde. Die Ehe basierte nicht auf Liebe, sondern wurde aus politischen Gründen arrangiert. Maias Mutter verstarb früh. Lange Jahre lebte er im Exil und wurde von einem Cousin nach strengen Regeln erzogen. Schnell wird ihm klar, dass er so bald wie möglich, die Nachfolge antreten muss. Trotz seiner Flugängste besteigt er wenig später ein Luftschiff um sich so schnell wie möglich zum Regierungssitz seiner Familie bringen zu lassen.

So beginnt der Fantasyroman „Der Winterkaiser“ von Katherine Addison. In der nun folgenden Geschichte begleitet der Leser Maia bei seinen täglichen Verrichtungen. Als erstes beschließt er seine Krönung und unmittelbar darauf hat die Beerdigung seines Vaters stattzufinden. Obwohl er nicht dazu erzogen wurde, Regierungsgeschäfte zu beschließen, sagt sein Verstand ihm, dass er als zukünftiger Kaiser die Entscheidungen ab sofort zu treffen hat, was er auch direkt in die Tat umsetzt. Damit gibt er eine klare Ansage an den bisherigen Berater seines Vaters. Maia bewegt sich auf dünnem Eis, denn er hat weder das Wissen dazu, den Elfenstaat zu führen, noch kennt er vertrauensvolle Personen von denen er sich Rat holen kann.

Katherine Addison, einem Pseudonym der Autorin Sarah Monette, schafft für ihren Roman eine eigene Welt von der der Leser auf der Innenseite der Klappbroschur eine Übersichtskarte erhält. Ihre Elfen sind ein altehrwürdiges Volk, sehr höflich und haben der allgemeinen Vorstellung entsprechend spitze bewegliche Ohren. Gewöhnungsbedürftig fand ich in diesem Zusammenhang die Form „Wir“ die Maia zu benutzen hat wenn er von sich selber spricht. Es gibt Hofrituale und Gesetze die uneingeschränkt auf für den Kaiser gelten. Bei Zuwiderhandeln drohen ein schneller Tod oder Verbannung. Die Namen der Elfen folgen eigens von der Autorin erdachten Regeln die im Anhang des Buches kurz erläutert werden. Für mich war es jedoch stellenweise schwierig, die Namen ihren jeweiligen Trägern zuzuordnen und dadurch wurde der Lesefluss gelegentlich gehemmt, zumal am Hof des Kaisers und in seinem Umfeld eine stattliche Anzahl Figuren angesiedelt sind. Im Anhang gibt es daher ebenfalls ein hilfreiches Verzeichnis dazu.

Maia wirkte auf mich durchgehend unwissend und unerfahren. Ohne um seinen Vater, zu dem er nie engeren Kontakt hatte, zu trauern, ist er sofort bereit die Thronfolge anzutreten. Er ist froh darüber, seinem bisherigen Lehrer, der ihn streng erzogen hat, aufgrund seiner neuen Machtbefugnisse eine neue Rolle fern von ihm zuzuordnen mit der Folge, dass er nun niemand Vertrautes mehr an seiner Seite hat. Reglementierungen hätte er ohnehin aufgrund seiner neuen Stellung von seinem Cousin nicht zu befürchten gehabt. Jetzt steht er im Fokus ohne dass er beurteilen kann, wer für ihn oder gegen ihn ist. Sein Handeln orientiert er daher sogar an den Beobachtungen, die er am Dienstpersonal im Exil gemacht hat. Und natürlich unterwirft sich nicht jeder diesem unerfahrenen, unbekannten Kaiser. Keine Figur des Buches konnte mir sympathisch werden, dazu agierte jeder Charakter zu sehr zu seinem eigenen Nutzen.

In dieser Fantasy werden Kämpfe nicht mit Waffen ausgetragen, sondern mit Worten. Die Autorin beschreibt gerne die Art und Weise der sprachlichen Mitteilung, wodurch der Leser erst ein Bild über die weitere Bedeutung erhält. Freundschaft und Liebe sind den Elfen zur Erhaltung ihrer Stellung im gesellschaftlichen Leben nicht wichtig. Ehen werden aus politischen Gründen geschlossen. Intrigen und Ränkespiele sind an der Tagesordnung. Auch besteht eine ständige Gefahr, selbst für den Kaiser, Unwillen auf sich zu ziehen und es nicht allen recht machen zu können.

Mir persönlich war die Fantasy etwas zu ruhig, das Gebaren am Hof zu aufgesetzt. Wer klirrende Schlachten und Zaubereien mag ist bei diesem Buch leider nicht richtig. Wer eine High Fantasy mit Elementen aus dem Steampunk und ein höfisches Szenarium mit politischen Rangeleien mag ist hier willkommen

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438 Bibliotheken, 22 Leser, 2 Gruppen, 63 Rezensionen

david hunter, thriller, simon beckett, england, backwaters

Totenfang

Simon Beckett , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 14.10.2016
ISBN 9783805250016
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der forensische Anthropologen Dr. David Hunter ermittelt im Buch „Totenfang“ von Simon Beckett zum fünften Mal. Der Fall zu dem er hinzugezogen wird führt ihn in die Backwaters, einem Flussmündungsgebiet in Essex. Die Wetterlage spült ihm Unerwartetes vor seine Füße, so dass der Titel des Thrillers zum Programm wird. Besonders gut finde ich die Aufmachung des Buchs. Obwohl die letzte Ermittlung an der Dr. Hunter beteiligt war schon ein paar Jahre zurückliegt hat das Cover eine ähnliche Aufmachung wie die bisherigen Bände der Reihe.

Seit den Geschehnissen im vierten Teil der Serie „Verwesung“ ist kein ganzes Jahr vergangen. Dr. Hunters Arbeitsvertrag mit der Universität läuft in wenigen Wochen aus, eine Verlängerung ist ungewiss. Als ihn Detective Inspector Lundy aus Essex anruft und um Mithilfe bei der Untersuchung einer Leiche bittet, überlegt er nicht sehr lange und verspricht sein sofortiges Kommen. Im Mündungsgebiet eines Flusses wurde ein Körper gesichtet, der nun an Land gebracht werden soll. Die Leiche ist bereits stark verwest, aber es besteht ein bestimmter Verdacht, wer es sein könnte. Die Kleidung deutet auf Leo Villiers hin, einem Mann knapp über 30 Jahre aus wohlhabendem Haus, der vor einigen Monaten verschwunden ist. Dr. Hunter erhält die Informationen, dass Leo Villiers kein gutes Verhältnis zu seinem Vater hatte. Außerdem unterhielt er wahrscheinlich ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau, die noch vor seinem eigenen Verschwinden als vermisst gemeldet wurde.
Der Funde der Leiche zieht einige Fragen nach sich: Hat Leo Villiers sich selbst gerichtet oder wurde er ermordet? Ist die verschwundene Frau ebenfalls tot und wenn ja, wer hat sie umgebracht? Noch bevor Dr. Hunter mit der Analyse des Materials beginnen kann wird ein Fuß angeschwemmt, der definitiv nicht zu dem bisherigen Fund passt …

Das Buch kann ohne Kenntnisse der vorigen Bände gelesen werden. Zu Beginn geht der Autor kurz auf die Vergangenheit von Dr. Hunter ein und leitet vom vorigen Buch zur Gegenwart über. Ich habe mich als Leser darüber gefreut, Dr.Hunter zunächst in seiner heimatlichen Umgebung zu begegnen, bevor er zu einem neuen Fall gerufen wurde. So konnte ich verfolgen, wie sich die Atmosphäre veränderte. Das Flussmündungsgebiet ist wenig besiedelt, Straßen werden häufig überschwemmt oder sind bei Flut manchmal gar nicht mehr zu erkennen, es regnet viel. Die Umgebung sorgte bei mir für ein Gefühl des Unwohlseins und auch Dr. Hunter hat sich dort nicht gerne aufgehalten. Unerklärbar verschwundene Personen und eine Familie bei der die Familienmitglieder immer wieder gereizt reagieren tragen ihren Teil zu einer düsteren, unheilvollen Stimmung bei.

Zunächst läuft die Story eher ruhig ab und der Leser wartet an Dr. Hunters Seite darauf, dass die allgemeine Annahme über die Identität des ersten Fundes bestätigt wird. Der forensische Anthropologe gerät derweil in missliche Situationen. Andererseits entwickelt er am Rande des Geschehens ein Gefühl der tieferen Zuneigung für eine der handelnden Personen. Ich habe ihm gerne ein wenig privates Glück gegönnt und gehofft, dass ihn seine Gefühle nicht täuschen werden und die betroffene Person sich nicht als Mordbeteiligte herausstellen würde. Über eine weite Strecke läuft die Handlung eher schleppend bis es durch eine überraschende Wendung einen deutlichen Spannungsanstieg gibt, der bis zum Ende gehalten wird.

Der Autor konnte mich mit seiner Figur des Dr. Hunter auch im vorliegenden Fall wieder überzeugen. Am Rande vermittelt er einiges Wissen über die Arbeit des forensischen Anthropologen zur Identifizierung von Skeletten und Knochen. Die Charaktere des Buches sind neben dem Protagonisten Menschen mit Ecken und Kanten, die in dem wenig besiedelten Gebiet der Flussmündung zurechtkommen müssen.

„Totenfang“ ist in der Reihe der Dr. Hunter-Bände meiner Meinung nach nicht unbedingt der Beste, aber dennoch ein komplexer, gut konstruierter Thriller den es sich zu lesen lohnt. Ich hoffe auf baldige Fortsetzung.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

adriaan van dis, biografisch, mutter-sohn-beziehung, ik kom terug, erinnerungen

Das verborgene Leben meiner Mutter

Adriaan van Dis , Marlene Müller-Haas
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droemer, 04.10.2016
ISBN 9783426281628
Genre: Romane

Rezension:

„Das verborgene Leben meiner Mutter“ erzählt Adriaan van Dis im gleichnamigen Buch. Am Ende ihres Lebens erfährt er sehr viele Details von ihr, die ihm bisher unbekannt waren oder bekommt sie in einem neuen Licht zu sehen. Der Schleier über den Geschehnissen der Vergangenheit lüftet sich für ihn immer mehr.

Marie van Dis wird 98 Jahr und lebt seit langem in einer Seniorenresidenz unweit der See. Nun fühlt sie, dass ihr nicht mehr viel Zeit auf dieser Erde bleibt. Zwei ihrer Töchter aus erster Ehe sind bereits verstorben, die dritte wohnt mit ihrer Familie in Italien. Daher wendet sie sich an ihren Sohn, der zu der Zeit in Paris lebt. Sie möchte noch einmal ihren Heimatort besuchen. Auf dieser kurzen Reise erfährt Adriaan zum ersten Mal den Namen seiner Großmutter. Er ist erstaunt, denn er hatte gedacht, dass er deren Namen nicht erwähnen darf, wenn er seine Mutter nicht erzürnen möchte. Doch Marie antwortet ihm, dass er nie danach gefragt hätte. Das ist einer der kleinen Momente im Buch, mit denen sich der Autor auseinandersetzt, ob sie für ihn die Möglichkeit bedeuten sich seiner Mutter anzunähern, denn sie Nähe zu ihm nie zugelassen. Geboren ist er in den Niederlanden, aber Marie hat ihren zweiten Mann, den Vater von Adriaan van Dis, mit dem sie offiziell nie verheiratet war, in einem Rotkreuzlager in Indonesien kennengelernt. Doch bis er zu diesem Punkt der Erzählung kommt, ist es ein langer Weg für die beiden.

Marie ist ihres Lebens überdrüssig. Jeder Tag fällt ihr schwerer, sie kann kaum noch gehen. Als sie nach Tabletten aus der Schweiz fragt merkt Adriaan auf. Seine Mutter hat inzwischen sein gestiegenes Interesse an den Geschichten aus ihrer Vergangenheit registriert und bietet ihm einen Deal an: ihre Erzählungen gegen die Mithilfe zu einem schnelleren Ableben. Doch so einfach ist das nicht, weder für Marie noch für Adriaan und schon gar nicht wegen geltender Gesetze und Regelungen.

Viele Erinnerungen von Marie sind verschüttet. Dadurch, dass sie beginnt ihre persönliche Habe aufzuräumen, kehren Teile davon, verbunden mit Geschichten zurück. So gern Adriaan es auch hätte, dass sie ihm ihr Leben kontinuierlich mitteilen würde, so sehr kommen immer nur Gedankenfetzen an die Oberfläche, die sie ihm meist telefonisch mitteilt. Irgendwann beginnt der Autor sie nach den Gesprächen aufzuzeichnen, damit sie nicht verlorengehen. Er versucht seine Mutter, die zunehmend fordernder wird, zu verstehen. Ihr Leben war nicht einfach. Als junges Mädchen vom Lande verliebte sie sich in einen dunkelhäutigen Offizier aus der niederländischen Kolonie, heiratete ihn, bekam drei Töchter und folgte ihm nach Indonesien. Hitze, Einsamkeit, Lager, Repatriantenheim und immer ein Gefühl zwischen zwei Welten zu stehen, begleiteten sie durch die folgenden Jahre. Marie war eine starke Frau, nicht nur körperlich, sondern vor allem darin, ihre Kinder und sich selbst zu schützen. Dafür musste sie viele Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen, die Adriaan erst jetzt in den Gesprächen mit seiner Mutter bewusst werden.

Der Autor fügt seine Aufzeichnungen zu einem Roman zusammen, der bewegend ist und betroffen macht. Der Autor erklärt sein Handeln in dieser Zeit des Ringens um Nähe zu seiner Mutter. Das Einfügen seiner eigenen Gefühle in den verschiedenen Situationen zeigte mir, dass es oftmals zwei Seiten gibt, mit denen man das Geschehene auffassen kann. Marie deckt immer mehr Begebenheiten, große und kleine, aber allesamt für sie bedeutsam auf, die sie in all den Jahren erlebt hat und vergessen wollte, um sich nicht dem Kummer und der Trauer hinzugeben, immer auf eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder hoffend.

„Das verborgene Leben meiner Mutter“ ist nur insoweit fiktiv, wie die Erinnerungen von Marie die Realität nicht mehr zugelassen haben. Es ist eine Geschichte, auf die man sich einlassen muss, um sowohl Mutter wie Sohn und ihr Verhältnis zueinander zu verstehen. Es ist ein Buch, das sich zu lesen lohnt, weil viele Szenen in Erinnerung bleiben werden. Absolute Leseempfehlung!

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(139)

347 Bibliotheken, 15 Leser, 1 Gruppe, 97 Rezensionen

frankreich, schwestern, resistance, zweiter weltkrieg, 2. weltkrieg

Die Nachtigall

Kristin Hannah , Karolina Fell
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2016
ISBN 9783352008856
Genre: Romane

Rezension:

Zwar beginnt das Buch „Die Nachtigall“ von Kristin Hannah im Jahr 1995 in Oregon/USA, doch die Handlung des Romans spielt zum größten Teil kurz vor und während des zweiten Weltkriegs in Frankreich. Es ist die Geschichte zweier Schwestern, Vianne und Isabelle Rossignol. Der Nachname bedeutet übersetzt „Nachtigall“ und hat dem Buch einerseits den Titel gegeben, andererseits ist er der Spitzname für Isabelle in ihrer Rolle als Fluchthelferin im Zweiten Weltkrieg. In kurzen Zwischenkapiteln, die im Jahr 1995 spielen, erzählt die Autorin dem interessierten Leser, was die Familienmitglieder in den Jahren nach dem Krieg erlebt haben.

Zwischen den Schwestern gibt es einen Altersunterschied von 10 Jahren. Isabelle war erst fünf Jahre alt, als ihre Mutter starb. Vianne hat sich schon sehr früh in einen Mann verliebt, den sie später auch heiratete. Ihr Vater ist ein Buchhändler in Paris und an der Erziehung seiner Kinder völlig desinteressiert. Doch auch Vianne ist überfordert damit, sich um ihre kleine Schwester zu kümmern, die daher überwiegend im Internat aufwächst. Sie widersetzt sich immer wieder den Regeln des Schullebens und wechselt daher häufiger ihren Aufenthaltsort. Als der Krieg beginnt, wird der Ehemann von Vianne eingezogen, der kleine Ort in Frankreich von den Deutschen besetzt und ein Hauptmann der Wehrmacht wird bei ihr einquartiert. Isabelle ist zu dieser Zeit wieder einmal von der Schule verwiesen worden. Als die Lage sich immer mehr zuspitzt, wird sie ihrer Rebellenrolle weiter dadurch gerecht, dass sie sich dem Widerstand anschließt, auch gegen den Willen des Mannes den sie bei der Résistance kennengelernt hat. Gibt es für die Liebe der beiden eine Zukunft und wird Vianne nach dem Krieg weiter ein Leben an der Seite ihres Ehemanns führen können?

Vor allem Isabelle wurde in ihrer Kindheit nicht mit Liebe verwöhnt. Nach dem Tod der Mutter ist der Vater hilflos mit den Kindern überfordert und Vianne steckt als Jugendliche in der Selbstfindungsphase. Eine Heimat findet sie auf diese Weise nicht und Vertrauen aufzubauen, ist auch schwierig. Ohne Schulabschluss sucht sie nach einer Tätigkeit, die ihr Anerkennung bringen kann, mit dem Ziel sowohl ihrem Vater wie auch ihrer Schwester zu beweisen, dass sie nützlich ist und den Respekt der beiden verdient hat. Die Tätigkeit für die Widerstandsgruppe ist ihr eigener Kampf dafür, als erwachsen zu gelten und selbstbestimmt leben zu dürfen obwohl sie noch minderjährig ist.

„Die Nachtigall“ ist eine sehr emotional ergreifende Geschichte. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs erzählt Kristin Hannah das Schicksal von Vianne und Isabell stellvertretend für so viele Frauen, die zu Hause auf ihre Lieben gewartet haben, die ihren Kriegsdienst abzuleisten hatten. Sie versuchten den Alltag weiterzuleben wie bisher, doch die ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln wurden immer weiter beschränkt von der deutschen Wehrmacht, die im Laufe der Zeit selbst in kleinsten Dörfern Einzug hielt.

Die Autorin hat die historischen Daten zum Roman gut recherchiert. Doch ihr Fokus bleibt auf den beiden Frauen, sie nutzt leider nicht die Möglichkeit der Geschichte von Randfiguren wie Rachel, der jüdischen Freundin von Vianne, eine größere Bedeutung zu geben. Für mich blieb beispielweise fraglich, womit Rachel und ihre Kinder in den Kriegstagen ihren Hunger gestillt haben. Auch einige andere Stellen waren ein wenig verschwommen dargestellt. In gewissen Situationen reagierten sowohl Vianne und Isabelle sehr impulsiv. Ich hätte den beiden an manchen Stellen aus ihrer Erfahrung heraus ein besonneneres Vorgehen zugestanden. Nichtsdestotrotz konnte mich der Roman in seinen Bann ziehen.

Obwohl ihr Roman sehr gefühlvoll geschrieben ist, wertet Kristin Hannah nicht über gute oder schlechte Eigenschaften der deutschen Besatzer. So neutral wie möglich schafft sie es, die Unterdrückung der Franzosen darzustellen und gesteht dennoch den Deutschen Menschlichkeit zu, die sich ihrer ausführenden Rolle als Befehlsempfänger bewusst sind.

Kristin Hannah gibt den französischen Frauen, die ihren Dienst für das Vaterland im Zweiten Weltkrieg auf ihre ganz eigene Weise geleistet haben mit diesem Roman ein Gesicht. Ihre Schilderung machte mich zunehmend betroffen und wird sicher noch sehr lange nachwirken. Das Buch ist definitiv eine Leseempfehlung!

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104 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

liebe, der duft von eisblumen, familiengeheimnis, blumen, veronika may

Der Duft von Eisblumen

Veronika May
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diana, 08.08.2016
ISBN 9783453358812
Genre: Liebesromane

Rezension:

Es ist „Der Duft von Eisblumen“ den Rebekka Winter im gleichnamigen Buch von Heike Eva Schmidt, die diesen Roman als Veronika May geschrieben hat, kennenlernt. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg den Rebekka gehen muss und der von ihr verlangt, dass sie den Büroalltag verlässt und sich für die Schönheiten der Natur öffnet. Die Kapitelüberschriften sind Pflanzennamen, deren Bedeutung man im Anhang nachlesen kann und so den Bezug zum jeweiligen Erzählabschnitt erhält.

Rebekka arbeitet in einer Werbeagentur und ist dort zuständig für das Finanzbudget jeder Kampagne des Unternehmens. Sie ist die einzige Frau im Vorstand und bisher glaubte sie, dass sie sich diesen Posten durch ihr Können und ihren Fleiß erarbeitet hätte. Gesellschaftliches Leben kennt sie kaum. Ihr Freund, ein früherer Arbeitskollege, hat sie betrogen und verlassen. Sie hat eine unsichtbare Mauer um sich errichtet, die alles Unerwünschte, alle negativen Gedanken und Gefühle fernhalten soll. Als sie eines Tages Kenntnis davon erhält, dass ihre Position lediglich der Frauenquote geschuldet ist, fährt sie wutgeladen auf dem Heimweg im Stau der Rushhour dem vor ihr stehenden Auto auf die Stoßstange. Die ihr als Strafe aufgetragenen Sozialstunden soll sie bei der betagten Dorothea von Katten in deren Villa ableisten. Für beide Seiten ist das nicht einfach, weil sie sich mit ihren Vorstellungen zu vielen Themen in ihren Meinungen uneins sind. Doch Frau von Katten verbirgt hinter ihrer manchmal rauen Art ein Familiengeheimnis, dem Rebekka sich mit und mit nähert.

Routine hat sich in Rebekkas Leben eingerichtet. Nachdem ihr Freund sich von ihr getrennt hat, braucht sie sich mit niemandem mehr abzustimmen. Allein die mahnenden Worte ihrer Mutter aus der Vergangenheit klingen weiter in ihrem Verstand. Sie ist selbstbewusst, aber dennoch unsicher, weil sie für ihre Tätigkeiten eher selten gelobt wird. Den Unfall provoziert sie vorsätzlich, auch wenn sie sich in dem Moment nicht der Konsequenzen im vollen Maße bewusst ist. Mit Frau von Katten trifft sie auf einen durch die Lebensjahre gereiften Charakter, der seine Erfahrungen gerne weitergibt. Jedoch ist Rebekka zunächst nicht bereit, Ratschläge entgegenzunehmen. Vieles was der Leser im Laufe der Zeit dadurch erfährt, dass Veronika May auf eine zweite Erzählebene wechselt, in der Frau von Katten auf ihre Jugend zurückblickt, lässt das Bild einer Frau entstehen, deren Leben zunächst fremdbestimmt war und die stets nach einer Möglichkeit gesucht hat sich selbst zu verwirklichen. Dazu musste sie Kompromisse eingehen.

Kommt mir Rebekka am Anfang reichlich arglos vor, wie sie ihre Stellung im Unternehmen einschätzt und wie impulsiv sie im Stau reagiert hat, so entwickelte sie sich im Ablauf der Geschichte weiter. Nicht nur die beiden Protagonistinnen sondern auch die Nebenfiguren hat die Autorin mit Ecken und Kanten ausgestattet. In ihren Begegnungen müssen sich daher die handelnden Personen aufeinander einlassen und lernen, den Gesprächspartner zu respektieren und dessen Meinung zu akzeptieren. Viele Charaktere konnten mir sympathisch werden.

Der Roman ist einem leichten und lockeren Schreibstil einfühlsam erzählt mit amüsanten Szenen. Das Familiengeheimnis gab der Geschichte zusätzlich eine Portion Spannung. „Der Duft von Eisblumen“ hat mir einige schöne Lesestunden gegeben und daher empfehle ich es gerne weiter.

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62 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

kindheit, 70er jahre, freiheit, ruhm, liebe

Raumpatrouille

Matthias Brandt
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.09.2016
ISBN 9783462045673
Genre: Romane

Rezension:

„Raumpatrouille“ ist in schriftstellerischer Hinsicht das Debüt des Schauspielers Matthias Brandt. Titelgebend für das Buch ist ein Rollenspiel, dem sich der Protagonist gerne hingibt. In den Erzählungen, die in diesem Buch versammelt sind, nahm mich der Autor mit in die 1960er und 1970er Jahre. Inhaltlich bieten die Geschichten Erinnerungen an eine Kindheit. Was davon er selbst erlebt hat, bleibt dem Willen des Autors nach offen. In seinen Schilderungen erzählt er von einem Jungen, der im Bundeskanzleramt in Bonn aufwächst, so wie er selbst als Sohn von Willy Brandt.

Matthias Brandt erlaubte mir als Leser einen neugierigen Blick auf das ganz normale Leben eines Jungen in einer prominenten Familie. Trotz des ihn und seine Eltern umgebenden Sicherheitspersonals vermag er dessen Anwesenheit auszublenden oder es sogar in sein Spiel mit einzubeziehen. Große Politikernamen sind für ihn nur Kollegen seines Vaters. Aufgrund seiner Sonderstellung versucht er sich in der Öffentlichkeit möglichst unauffällig zu verhalten und einfach nur ein kleiner Junge in einer großen Welt zu sein.

Der Autor schreibt in einer leicht lesbaren Sprache mit humorvollem Unterton und immer mit viel Einfühlungsvermögen. Er schildert seine damaligen Berufsträume und die Wege die er als Kind beschreitet, diese umzusetzen. Film und Fernsehen haben dabei seine Vorstellungswelt mit geprägt, an vieles davon konnte ich mich auch erinnern. Die Geschichten des Buchs erzählt er in Ich-Form. Immer wieder wirft er Fragen auf, die ihn an den Rand seines Wissens bringen und ihm dabei helfen, sich seinen Kosmos zu erschließen.

Viel zu schnell waren die Kapitel gelesen. Wer sich wie ich gerne mit dem Autor an die damalige Zeit rückerinnern möchte, dem kann ich dieses Buch empfehlen.

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202 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 59 Rezensionen

thriller, entführung, jugendbuch, thailand, spiel

Wonderland

Christina Stein
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 25.08.2016
ISBN 9783733502898
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die 20-jährige Elizabeth befindet sich mit ihren beiden besten Freundinnen, von denen sie Liz genannt wird, im Urlaub in Thailand. In einem Hostel befreunden sie sich mit mehreren jungen Männern in ihrem Alter. Jacob ist einer von ihnen. Er organisiert eine Strandparty auf dem Grundstück eines Verwandten. Liz hat dabei ein seltsames Gefühl im Bauch. Am nächsten Morgen finden sich alle sechs in einem Betonloch wieder, von Mauern umgeben unterbrochen von einem großen Metalltor mit Schiebeschubladen. Schon bald wird ihnen klar, dass sie sich in einem Reality Game befinden. Ihre Herausforderung: Sie sollen selbst entscheiden, wen sie als Nächstes dem Tod aussetzen. Wer spielt da mit ihnen? Hat Jacob sie in diese Falle gelockt? Und wenn ja, warum? Sollte man ihn daher nicht als erstes als Opfer auswählen?

Im Buch „Wonderland“ von Christina Stein ändert sich rasch das wunderbare Leben in einer thailändischen Strandvilla zu einem Schrecken ohne Ende. Schon nach wenigen Seiten ist man mitten auf einem Schauplatz des Horrors. Das Buch ist sicher nicht das Erste, das mit den Ängsten von Personen in einem Reality Game spielt. Die Autorin nimmt sogar Bezug auf andere Szenarien in diversen Medien. Aber sie bringt den Leser schnell hinein ins Spiel und hat sich noch eine weitere Verschärfung ausgedacht, sowie einige unerwartete Wendungen.

Christina Stein lässt dem Leser und der Gruppe von Beginn an die Hoffnung, dass wenigstens einer überleben wird. Aber alles erscheint unwirklich und undurchsichtig. Die Spielorganisatoren halten sich nicht immer an ihre Versprechen. Auf kleinstem Raum dazu verdammt, einen zum Tode zu verurteilen, liegen bei den Freunden die Nerven blank. Das Denken der Einzelnen dreht sich natürlich um den bevorstehenden möglichen Tod, aber auch um verpasste Chancen in der Vergangenheit. Eine gerechte Lösung gibt es nicht und so versucht jeder auf seine Art mit der Situation umzugehen. Jede Aussage wird auf die Goldwaage gelegt und gewertet. Liz fühlt sich schließlich von ihren Freunden hintergangen.

Das Spiel als solches ist recht einfach, eigentlich warten die Freunde nur auf die Auswahl des nächsten Opfers. Dennoch reißt der Spannungsbogen nicht ab, weil das Spiel plötzlich andere Ausmaße als voraussehbar war annimmt. Die Autorin beschreibt die Geschehnisse überaus realistisch. Zum tieferen Verständnis beim Leser trägt sie bei, indem sie auch die Hintergründe und Motive der Spielleiter in die Geschichte einflechtet.

Der Thriller wird hauptsächlich im Wechsel von ein oder zwei Kapiteln aus der Sicht von Liz und Jacob erzählt. Bei einer Ich-Form der Schilderungen gehe ich immer davon aus, dass der Erzähler, egal was kommt, am Ende noch lebt. Ob das hier auch der Fall war, verrate ich nicht. Auf jeden Fall konnte ich auf diese Weise intensiv an der Gefühlswelt der beiden teilhaben und noch mehr in das Geschehen eintauchen. Die Protagonisten haben ihre Ecken und Kanten, doch Sowohl Liz als auch Jacob konnten auf ihre Art meine Sympathie gewinnen. Das Buch liest sich flüssig und überaus spannend. Aufgrund der dargestellten Greuel ist eine Altersempfehlung ab 16 Jahren angemessen.

„Wonderland“ ist ein perfides Spiel mit den Gefühlen der befreundeten Gruppe und ebenso mit denen des Lesers. Schon nach kurzer Zeit hat mich die Geschichte eingesogen und bis zum Schluss nicht losgelassen. Klare Leseempfehlung! 

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

london, ehrgeiz, freundinnen, roman

The Girls

Rebecca Thornton , Tobias Schumacher-Hernández
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 26.08.2016
ISBN 9783499272325
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Josephine ist eins der „Girls“ im gleichnamigen Buch von Rebecca Thornton. Gemeinsam mit ihrer Freundin Freya besucht sie ein elitäres Mädcheninternat in London. In der Schule wird sie im letzten Jahr zur Schulsprecherin gewählt. Doch Rang und Namen, die von vielen beneidet werden, bedeuten für Josephine auch Verpflichtung. Ihre Mutter ist krank, ihr Vater die rechte Hand des Premierministers, darum möchte sie durch gute Noten und verantwortungsvollem Handeln der Mutter eine Freude bereiten und die Erwartungen ihres Vaters erfüllen. Gemeinsam mit Freya möchte sie noch eine Nacht durchfeiern, bevor der Schulstress beide vereinnahmt. Doch in dieser herbeigesehnten Nacht geschieht etwas Unerwartetes. Josephine möchte danach mit niemandem darüber reden, während Freya das Gespräch sucht und deswegen von ihrer Freundin unter Druck gesetzt wird. Ein Riss in der Freundschaft entsteht.

Während Josephine 18 Jahre später als Archäologin an einer Ausgrabungsstätte in Jordanien arbeitet erhält sie eine E-Mail von Freya mit der sie seit Schulzeiten keinen Kontakt mehr hatte. Freya möchte endlich über diese Nacht reden. Doch Josephine versucht dem Anliegen weiter mit Ignoranz zu begegnen.

„The Girls. Freundinnen. Unzertrennlich. Bis zu jener Nacht…“ so der vollständige Titel des Buchs ist das Debüt der Autorin. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen versucht sie zu beschreiben, wie eine einzige Nacht das weitere Leben von zwei Freundinnen verändern kann, die sich vorher sehr nahe standen. Der Fokus liegt auf Josephine, die den Roman in der Ich-Form erzählt. So kann der Leser die Gedankenwelt von ihr nachvollziehen. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen und beginnt in Jordanien im Jahr 2014 damit, dass die Protagonistin die E-Mail ihrer Freundin erhält, ein Grund für sie, sich an die Geschehnisse von damals zu erinnern. Jedoch hat sie erfolgreich verdrängt, was in dieser alles verändernden Nacht geschah.

Im Laufe der Erinnerungen Josephines erfährt der Leser mehr und mehr über ihre Eltern und das Leben im Internat. Es wird deutlich, welche Ansprüche an sie als Tochter eines ranghohen Politikers gestellt werden und als Musterschülerin, die sich das Vertrauen der Schulleitung erkämpft hat. Außerdem steht sie unter einem enorm hohen Druck aufgrund der bevorstehenden Prüfungen zur Aufnahme an der Eliteuniversität Oxford. Weder Josephine noch ihre Freundinnen konnten mir sympathisch werden, zu sehr beanspruchten sie Anerkennung und Ansehen für sich. Doch andererseits habe ich sie auch bemitleidet, weil sie wie in einem goldenen Käfig lebten.

Rebecca Thornton beschreibt in einem flüssig zu lesenden Schreibstil die Geschehnisse sehr realistisch und nachvollziehbar. Der Mittelteil zieht sich jedoch ein wenig hin ohne dass Erhellendes ans Tageslicht kommt. Was letztlich in der einen Nacht geschah und erst ganz am Ende des Buches beschrieben wird, fand ich voraussehbar. Dennoch muss man sich der Bedeutung für die Freundschaft von Josephine und Freya bewusst sein. Eine Spannung, die nicht wirklich greifbar ist und über den Geheimnissen der Nacht liegt, ist ständig vorhanden.

„The Girls“ ist ein Roman über die Bedeutung, welche Verletzungen das Verhalten einer Freundin auslösen und welche dauerhaften Nachwirkungen diese Kränkung haben kann. Ein in der Darstellung überzeugendes Debüt, dem ich gerne meine Leseempfehlung gebe.

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88 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

geheimnis, schriftsteller, identität, portrait, london

Mr Gwyn

Alessandro Baricco , Annette Kopetzki
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 27.02.2016
ISBN 9783455405613
Genre: Romane

Rezension:

Der englische Schriftsteller Jasper Gwyn war in den letzten zwölf Jahren überaus erfolgreich mit seinen Büchern. Doch eines Tages empfindet er sein bisheriges Leben als unpassend. In einer Liste, die er seinem Verleger zuschickt, hält er in 52 Punkten die Dinge fest, die er zukünftig nicht mehr zu tun gedenkt. Darunter befindet sich auch der Vorsatz, keine Bücher mehr zu schreiben und zu veröffentlichen. So beginnt der Roman „Mr. Gwyn“ von Alessandro Baricco.

In der folgenden Zeit gönnt Mr. Gwyn sich zunächst einen Urlaub. Nach weiteren Wochen und Monaten, in denen er London erkundet, wobei ihn häufiger ein Unwohlsein begleitet, kommt ihm beim Betrachten von Gemälden eine Idee. Er beschließt fortan Menschen zu porträtieren, allerdings nicht malend sondern schreibend. Sein Ziel dabei ist es, den zu Porträtierenden „nach Hause zu bringen“. Er möchte dabei die Natürlichkeit des Menschen einfangen. Derjenige, der vor ihm posieren wird, soll sich nicht für irgendwen oder irgendwas in Szene setzen, sondern sich so unbefangen wie Daheim geben.

Um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, mietet er ein Atelier, das er auf besondere Art ausleuchtet Die Sessions gedenkt er mit eigens dafür komponierter Musik untermalen zu lassen. Für ein erstes Porträt sucht er ein Modell, das dem Durchschnittsbürger entspricht und findet es in Rebecca, der Sekretärin seines Verlegers. Rebecca entwickelt sich zu seiner treuen Stütze und rechten Hand. Mr. Gwyn widmet sich seiner neuen Tätigkeit, bis eines Tages ein Modell sich nicht an die Vorgaben von ihm hält.

Jasper Gwyn ist ein Mensch, der gern alleine lebt und darum auch seine Marotten nach eigenem Willen ausleben kann. Bereits nach wenigen Seiten des Romans hatte ich als Leser den Eindruck, dass da unter der Oberfläche noch einiges mehr sein muss. Aber der Autor ließ mich nur hier und da mal durch das Schlüsselloch, wie es sinnbildlich auf dem Cover abgebildet ist, einen Blick auf die tatsächliche Persönlichkeit von Mr. Gwyn werfen. Stellt er als in der Öffentlichkeit stehender Schriftsteller das Verfassen von Büchern ein, schien es mir so, dass er an einem anderen Ort problemlos eine Rolle annimmt, die nicht dem Schreibverbot unterliegt.

Neben dieser sehr einzigartigen und geheimnisvollen Person zeichnet Alessandro Baricco auch mit Rebecca einen besonderen Charakter. Auffällig ist sie durch ihren korpulenten Körper, wie der Autor mehrmals betont. Dadurch hat sie Wiedererkennungswert gegenüber den anderen Figuren im Roman trotz ihres ansonsten durchschnittlichen Aussehens. Die Anweisungen ihrer Arbeitgeber führt sie kompetent aus und erwirbt sich damit das Vertrauen und die Hochachtung von Mr. Gwyn. Sie ist ein logisch denkender Mensch, dem es im Laufe der Zeit durch ihre Fähigkeiten gelingt einen Weg zu Jasper Gwyn zu finden.

Das Buch besteht aus zwei Teilen, dem eigentlichen Roman „Mr. Gwyn“ und der Kurzgeschichte „Dreimal im Morgengrauen“. Während ich im ersten Teil ständig darauf hoffte, einmal ein Porträt von Mr. Gwyn lesen zu dürfen, erfüllte mir der zweite Teil diesen Wunsch auf eine ganz eigene Weise. Dieses Buch bildete für mich eine perfekte Ergänzung zum ersten Teil und hob für mich ein wenig den Schleier um einen Blick auf die Vergangenheit von Mr. Gwyn zu werfen.

Wirkte die Idee, Porträts von Menschen zu schreiben und auch die Umsetzung zunächst kurios, so habe ich mich doch gespannt auf diesen Plan eingelassen. Kurze Kapitel und eine eindringliche Sprache zeigten mir schließlich, dass die Ausführung möglich ist. Atmosphärisch dicht mit ruhigen Beschreibungen und einem rätselhaften Charakter hat mir das Buch eine sehr schöne Geschichte mit Tiefgang geboten. Daher empfehle ich es gerne weiter.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Das Weihnachtsdorf

Petra Durst-Benning
E-Buch Text: 208 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 26.09.2016
ISBN 9783641200008
Genre: Romane

Rezension:

Es ist Anfang Dezember und wenige Monate nach dem großen „Kräuter der Provinz“-Fest im Genießerdorf Maierhofen. Zwar ist es grundsätzlich ruhiger hier geworden, doch die Bewohner haben so viel Erfolg verzeichnet und Zuspruch erhalten, dass sie nun einen Weihnachtsmarkt im Ort planen. Im Roman „Das Weihnachtsdorf“ nimmt Petra Durst-Benning ihre Leser erneut mit in das Allgäu. Bereits nach zwei Seiten war ich wieder mitten im Geschehen an der Seite der Bürgermeisterin Therese, die gerade ihre weihnachtliche Deko auspackt.

Bereits das Buchcover mit seinen ruhigen, aufeinander abgestimmten Farben und der Leuchte, die ein sanftes Licht abzustrahlen scheint, vermittelte mir eine voradventliche Stimmung. Das erste Buch mit dem Haupthandlungsort „Kräuter der Provinz“ muss man nicht unbedingt kennen, denn die Autorin fasst die Ereignisse an ansprechenden Stellen kurz zusammen. Es wäre aber sehr schade, das Buch nicht gelesen zu haben, weil man dort all die liebenswerten Charaktere wie beispielsweise Christine, Rosi und Edy sowie Greta schon ins Herz schließen kann, denen man dann im vorliegenden Roman wieder begegnet.

Der Ort hat mit seinem Konzept, nur selbst hergestellte Produkte zu verkaufen zwar Erfolg, doch nun zeigen sich leider auch die Schattenseiten in Form von Stress und Neidern. Missverständnisse sorgen für unerwartete Geschehnisse und für einige Bewohner findet das Weihnachtsfest nicht so wie geplant statt. Auch diesmal hat Petra Durst-Benning mit locker beschwingten Schreibstil einen überzeugend realistischen Roman geschrieben. Im hinteren Teil finden sich viele Rezepte und Tipps passend zur Advents und Weihnachtszeit und Tipps.

Es war einfach schön, beim Lesen wieder in Maierhofen vor Ort sein zu dürfen. Der Roman ist ein Must-Read für alle Fans der Autorin und vom Buch „Kräuter der Provinz“. Mir hat es sehr gut gefallen und gerne werde ich die ein oder andere Rezeptempfehlung aufgreifen und ausprobieren. Ich würde mich freuen, wieder einmal in Maierhofen zu Gast sein zu dürfen.

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102 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 40 Rezensionen

weihnachten, petra durst-benning, weihnachtsmarkt, das weihnachtsdorf, maierhofen

Das Weihnachtsdorf

Petra Durst-Benning
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 26.09.2016
ISBN 9783764505981
Genre: Romane

Rezension:

Es ist Anfang Dezember und wenige Monate nach dem großen „Kräuter der Provinz“-Fest im Genießerdorf Maierhofen. Zwar ist es grundsätzlich ruhiger hier geworden, doch die Bewohner haben so viel Erfolg verzeichnet und Zuspruch erhalten, dass sie nun einen Weihnachtsmarkt im Ort planen. Im Roman „Das Weihnachtsdorf“ nimmt Petra Durst-Benning ihre Leser erneut mit in das Allgäu. Bereits nach zwei Seiten war ich wieder mitten im Geschehen an der Seite der Bürgermeisterin Therese, die gerade ihre weihnachtliche Deko auspackt.

Bereits das Buchcover mit seinen ruhigen, aufeinander abgestimmten Farben und der Leuchte, die ein sanftes Licht abzustrahlen scheint, vermittelte mir eine voradventliche Stimmung. Das erste Buch mit dem Haupthandlungsort „Kräuter der Provinz“ muss man nicht unbedingt kennen, denn die Autorin fasst die Ereignisse an ansprechenden Stellen kurz zusammen. Es wäre aber sehr schade, das Buch nicht gelesen zu haben, weil man dort all die liebenswerten Charaktere wie beispielsweise Christine, Rosi und Edy sowie Greta schon ins Herz schließen kann, denen man dann im vorliegenden Roman wieder begegnet.

Der Ort hat mit seinem Konzept, nur selbst hergestellte Produkte zu verkaufen zwar Erfolg, doch nun zeigen sich leider auch die Schattenseiten in Form von Stress und Neidern. Missverständnisse sorgen für unerwartete Geschehnisse und für einige Bewohner findet das Weihnachtsfest nicht so wie geplant statt. Auch diesmal hat Petra Durst-Benning mit locker beschwingten Schreibstil einen überzeugend realistischen Roman geschrieben. Im hinteren Teil finden sich viele Rezepte und Tipps passend zur Advents und Weihnachtszeit und Tipps.

Es war einfach schön, beim Lesen wieder in Maierhofen vor Ort sein zu dürfen. Der Roman ist ein Must-Read für alle Fans der Autorin und vom Buch „Kräuter der Provinz“. Mir hat es sehr gut gefallen und gerne werde ich die ein oder andere Rezeptempfehlung aufgreifen und ausprobieren. Ich würde mich freuen, wieder einmal in Maierhofen zu Gast sein zu dürfen.

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70 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

alzheimer, kreuzfahrt, familie, krankheit, venedig

Tage zwischen Ebbe und Flut

Carin Müller
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783426519738
Genre: Romane

Rezension:

Im Buch „Tage zwischen Ebbe und Flut“ nimmt Carin Müller den Leser mit auf eine Kreuzfahrt im wörtlichen wie übertragenen Sinne. Denn Felix, 70 Jahre alt, hat Alzheimer. Es gibt gute und weniger gute Tage. Seine Gedanken beschreibt er wie Wellen, die er nicht festhalten kann. So gibt es zusammenhängende und anhaltende Phasen in denen er klar denken kann und solche Tage, an denen er immer wieder Dinge vergisst. Er ist sich danach auch mehr oder weniger seines Zustands bewusst. 

Doch nicht nur er hat Probleme mit der Krankheit, sondern vor allem seine Frau Ellen leidet unter seiner Vergesslichkeit. Sie ist es, die ihn immer wieder erinnern muss. Sie ist schon so lange mit Felix verheiratet, dass sie seine Bedürfnisse kennt und ihm auch mal vorgibt, was er zu tun und zu lassen hat, wenn es so aussieht, dass er gerade wieder mal verloren wirkt. Auf ihre Umwelt wirkt das manchmal befremdlich. Auch Judith, die Tochter von Felix und Ellen findet das Zusammenspiel ihrer Eltern manchmal seltsam. Dann hat sie die Idee zu einer Mittelmeerkreuzfahrt, zu der sie ihren Vater einlädt damit ihre Mutter einmal Zeit für sich findet. Doch Ellen weicht nicht von der Seite ihres Mannes und außerdem gesellt sich auch noch unerwartet Judiths Nichte Fabienne hinzu. Wird die Familie Erholung finden auf dem Schiff?

Carin Müller greift in ihrem Roman eine manchmal verharmloste, oft in der Öffentlichkeit vertuschte und doch so häufig auftretende Krankheit auf. Aus eigener Erfahrung schildert sie sehr einfühlsam und bewegt das Zusammenleben mit einem an Alzheimer Erkrankten. Auch ich kann auf diese Erfahrung zurückgreifen und fand die Beschreibungen sehr authentisch. Felix ist in seiner Art ein Sympathieträger, doch das Verhalten von Ellen wird man erst im Laufe der Geschichte begreifen können. Ich fand es gut, dass die Autorin ihre Figuren sich auf eine ehrliche Weise mit der Krankheit auseinandersetzen lässt, die Auswirkungen aufzeigt aber auch die Möglichkeiten im Umgang mit dem Erkrankten. Auf dem beschränkten Raum eines Kreuzfahrtschiffs hat Judiths Familie wenig Platz einer Auseinandersetzung untereinander zu entgehen. Zum Glück gibt es Freunde, die von außen auf das Miteinander schauen und helfend eingreifen können. So kommen Ellen, Judith und Fabienne im Laufe der Reise zu neuen Einsichten. Die Krankheit heilen kann keine von ihnen, aber sie können sich gegenseitig im Umgang mit Felix unterstützen.

Trotz des nachdenklich stimmenden Themas ist der Roman locker-leicht mit humorvollen Szenen geschrieben. So wie das Schiff übers Wasser dahin geglitten ist, so bin ich über die Seiten geflogen. Ganz nebenbei konnte ich mit den Passagieren noch an manchen Orten an Land gehen und habe einiges über die Tage an Bord erfahren. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter.

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