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Rising Sparks

Nico Abrell
Fester Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 27.12.2017
ISBN 9783744809818
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Als ich erfuhr, dass Nico Abrell ein Buch veröffentlichen würde, war ich sehr gespannt und beschloss, dass ich es auf jeden Fall lesen möchte. Überschattet wurde dies dann erstmal von einem rechtswidrigen Gewinnspiel, das der Autor auf seinem Youtube-Kanal startete. Für den Gewinn (Ein einstündiger Hangout mit dem Autor himself), war man gezwungen, das Buch zu kaufen, was schlichtweg verboten ist.
Trotzdem ging ich unvoreingenommen an das Werk heran und wurde leider dennoch enttäuscht.

Inhalt:
Die Protagonistin Skye steht kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag, an dem sie einer Prozedur unterzogen wird, bei der ihr tödliches Sekret unter die Haut gespritzt wird. Kurz darauf wird ihr ein Beruf zugeteilt, den sie ihr Leben lang ausführen muss, ansonsten bringt das Sekret sie um. Das klang erstmal ziemlich vielversprechend, wäre da nicht diese Protagonistin...

Skye beginnt schon auf der ersten Seite mit ellenlangen Lamentos, die sich durch das gesamte Buch ziehen. Ich verstehe ja, dass sie Angst hat und unsicher ist, was ihre Zukunft angeht, aber ihr Verhalten war maßlos übertrieben. Sie zittert, keucht und wimmert sich seitenlang durch die ersten Kapitel und wusste noch gar nicht, was überhaupt ihr Beruf sein wird. Kann ja auch sein, dass es der coolste Job der Welt wird, doch für Skye war das Warten ein Zerreißprobe, vergleichbar mit der, die ich beim Lesen hatte. Die erste Hälfte des Buches war sterbenslangweilig und ich konnte keinen Bezug zur Protagonistin aufbauen. Man erfährt quasi nichts über sie, außer, dass ihr Bruder vor Jahren von den Outlaws (den Rebellen, die sich gegen das System auflehnen), getötet wurde. Aus der Sicht des Bruders gibt es übrigens auch einige Kapitel, die nichts zur Geschichte beitrugen, außer sie noch länger zu ziehen, als sie ohnehin schon war.

Immer, wenn dann doch etwas Spannung aufkam, wurde diese direkt wieder zerstört, indem sich raustellte, das Skye alles nur geträumt hatte. Dies passierte insgesamt 3 (!) Mal und das grenzt für mich schon an Verarsche.

Meiner Meinung nach war die Geschichte ziemlich lieblos gestaltet, das Worldbuilding ist voller Lücken und es ist nur die Rede vom "System". Warum hat das System keinen Namen? Die Rebellen (die natürlich auch hier nicht fehlen dürfen), nennt man "Outlaws". Sehr innovativ.
In ihrer neuen Umgebung lernt Skye Alex und Zoey kennen, zwei Mädchen in ihrem Alter. Bis zum Ende blieben die Beiden farblos und ich konnte sie teilweise nicht mal auseinanderhalten.
Es plätschert alles so vor sich hin, bis sie in der zweiten Hälfte des Buches auf Kiran trifft, den Love-Interest wie es scheint. Dieser hatte bis auf seine strahlenden, smaragdgrünen Augen keine wirklichen Charaktereigenschaften zu bieten.

Dieses Buch war so unglaublich vorhersehbar. Die Protagonistin wächst behütet im "System" auf, wird in eine schwierige Situation geworfen und beginnt, am System zu zweifeln. Dann kommt der tolle, starke Typ, der eventuell auch nicht ganz so konform mit dem System geht. Es kam mir vor, als hätte ich diese Geschichte schon zig mal gelesen, nur besser.
Nachdem Skye ihren neuen Beruf bekommen hat (ich spoiler jetzt mal nicht, welchen. Auch wenn es verdammt vorhersehbar ist), wurde ihr Alptraum natürlich wahr: Sie hasst diesen Beruf und ist sich sicher, dass dem System ein Fehler unterlaufen ist. Sie wird von Zuhause verschleppt und an einen neuen Ort gebracht, an dem sie siebzehn andere Jugendliche trifft, die denselben Job zugeteilt bekommen haben. Also wurden siebzehn Leute in New Ainé am selben Tag siebzehn? Dann müssten theoretisch jeden Tag 10-20 neue Rekruten dort antanzen.

Die Nebencharaktere wurden hier sehr vernachlässigt und man verfolgte nur Skye, was ganz schön anstrengend war. Sie war ständig traurig, verängstigt oder deprimiert. Es gab keine einzige lustige Stelle, die diese Tristesse vielleicht etwas aufgelockert hätte. Skye zeigt bis zum Ende nicht den Funken (haha) Entwicklung. Sie ist das schwache, ängstliche Häschen, das darauf gewartet hat, vom starken Kiran gerettet zu werden. Wo bleiben die Protagonistinnen, die ihren Shit mal selbst in die Hand nehmen und sich nicht wie Dreck behandeln lassen? Braucht es denn immer einen Ritter in glänzender Rüstung?

Sogar der heftige Schicksalsschlag, der Skye zur Mitte des Buches wiederfährt, konnte mich nicht berühren, da ich schon ahnte, wie sich das Ganze auflösen würde. Es war alles so vorhersehbar.
Generell kam mir die diese Geschichte wie ein Sammelsurium verschiedenster Dystopien vor. Die Welt ähnelte sehr stark der aus den Tributen von Panem (Die Welt ist in Sektoren aufgeteilt, im "Mid-Sektor" lebt der Präsident) und der Plot erinnerte an Delirium (Prozedur am siebzehnten Geburtstag) und Hüter der Erinnerung (Berufe werden vorbestimmt). Mir fehlte schlichtweg die originelle Idee.

Die Geschichte war alles in allem wie kaltgewordener Tee. Man trinkt ihn, weil er da ist und man ihn halt schon gemacht hat, aber so richtig geil ist er nicht.

Stil:
Schon auf der ersten Seite des Buches ist von einem Lektorat die Rede, welches ich beim Lesen leider schmerzlich vermisste. Haufenweise Wortwiederholungen, Rechtschreibfehler und Wörter, die es gar nicht gibt (Kapitel 4: "...durchflutet mich wie ein Laubfeuer. Es heißt Lauffeuer.), ziehen sich durch das gesamte Buch und haben meinen Lesefluss enorm gestört. Sogar der Name der Protagonistin ist einmal falsch geschrieben (Syke, statt Skye). Natürlich ist für einige Dinge auch ein Korrektorat verantwortlich, nur kam es mir sogar so vor, als hätte niemand nur ein Mal über das Buch drübergelesen. Ich bin kein Lektor und habe fast auf jeder Seite irgendwelche Fehler und Füllwörter gefunden. Ständig fällt das Wort "schier", welches in den meisten Fällen null in den Kontext passt, was mir wiederrum das Gefühl gibt, der Autor hätte einen ziemlich mikrigen Wortschatz.

Es kam mir so vor, als wollte Abrell auf Biegen und Brechen ein literarisches Meisterwerk erschaffen, weil er es einfach mit Metaphern vollgestopft hat. Teilweise kamen mehrere Metaphern in einem Satz vor, die sich gegenseitig aufgehoben haben. Ein besonders gutes Beispiel, mit 3 (!) Metaphern in einem Satz, findet man in Kapitel 4: "Ich denke an den Funken Hoffnung in mir, der wie ein einzelner Sonnenstrahl, der die dunkle Wolkendecke zerreißt, versucht in mir aufzukeimen." Ich meine... Hallo?... VERY PHILOSOPHICALLY! 10/10!

Desweiteren wird unfassbar oft versucht, durch das Wiederholen des gleichen Satzes Spannung aufzubauen (Kapitel 8: "Schneller. Und schneller. Und schneller.) Oder es werden einfach viele kurze Sätze bzw. Wörte aneinandergereiht (Kapitel 7: "Stille. Totenstille. Momente vergehen. Und weitere. Und weitere."). Dies passierte so oft, dass ich irgendwann nur noch genervt war. Dadurch wird ein langweiliges Buch leider auch nicht aufregender.

Verwirrt hat mich auch der Name der Stadt, New Ainé. Das dachte ich mir auch oft beim lesen, "Ey, nee". Dann erfuhr ich, dass man das "é" gar nicht lang ausspricht, es sogar stumm ist! Warum also das Accent aigu auf dem "e"?

Noch einige Beispiele an unlogischen Sätzen:
Kapitel 8: "Bleibe zwischen Tür und Angel stehen." Das kann man nicht. "Tür und Angel" ist eine Redewendung, kein wirklicher Ort, wo man stehen kann.
Kapitel 7: "Recke meinen Hals der Luft entgegen." Luft. ist. überall...?!
Kapitel 7: "...wären die Konsequenzen unerträglich hoch." ?? Wie können Konsequenzen hoch sein?
Kapitel 25: "Er bleckt die Zunge." Die... Zähne vielleicht?
Kapitel 32: "Seine Mundwinkel schnellen müde nach oben." Okay, das wiederspricht sich irgendwie.
Außerdem ist die Längeneinheit in New Ainé "Einheiten". Nicht nur ist der Begriff ziemlich einfallslos, es wird sich auch nicht konsequent daran gehalten. Immer wieder schwankt es zwischen "Einheiten" und "Metern". Was denn nun?

Nico Abrell kann schreiben, keine Frage. Nur hätte dieses Buch ein vernünftiges Lektorat gebraucht und nicht zwei befreundete Männer, die einfach nur ihren Namen dafür hergeben. Dieses Buch ist voller Fehler und das ist wirklich schade. Ich hätte mich nicht getraut, das so zu veröffentlichen.

Gestaltung:
Das Cover finde ich wirklich sehr gelungen. Man merkt, dass der Autor auch Coverdesigner ist und viel Herzblut hineingesteckt hat. Außerdem ist die Innengestaltung des Hardcovers sehr schön geworden!

Fazit:
Leider bin ich ziemlich enttäuscht. Ich hätte gerne etwas Originelleres gelesen, das sich nicht liest wie ein Potpourri aus diversen anderen Dystopien auf dem Markt. Das große Problem war einfach, wie unausgereift dieses Projekt noch war und wie viel man hätte besser machen können. Das Ganze hätte mir unter Umständen sogar richtig gut gefallen können, wären die Charaktere nicht so farblos und die Protagonistin nicht so anstrengend gewesen.
Mich freut aber, dass ich hier größtenteil positive Rezensionen sehe, also scheint das Buch das Richtige für manche zu sein. Für mich leider nicht. :(

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