Leserpreis 2018

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Die Gewissenlosen

Caryl Férey , Michaela Meßner
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Limes, 26.11.2018
ISBN 9783809026969
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wenn überhaupt, dann wird der bretonische Autor Caryl Férey den deutschen Lesern am ehesten durch die Verfilmung seines Südafrikaromans „Zulu“ (mit Orlando Blum und Forest Whitaker) bekannt sein., denn obwohl er seit 1994 schreibt, wurden bisher lediglich „Zulu“ und „Jähzorn“ in deutscher Übersetzung veröffentlicht. Sehr bedauerlich, denn seine Romane sind reinster Polar, rabenschwarze sozialkritische Momentaufnahmen einer komplexen und chaotischen Welt. Bestes Beispiel hierfür ist die Trilogie (2002 – 2018), in deren Zentrum der nach dem IRA-Attentat auf Lord Mountbatten ausgewiesene Ire Mc Cash steht. Jurastudium in Frankreich, danach Polizeidienst in Brest

Nun liegt zumindest der mittlere Band mit dem Titel „Die Gewissenlosen“ (veröffentlicht bei Limes) nun endlich in der Übersetzung vor: Es sieht nicht gut aus für Mc Cash. Er droht zu erblinden, hat höllische Schmerzattacken und nichts, wofür es sich zu leben lohnen würde. Quittiert den Job und wartet auf das Ende. Der Brief einer verstorbenen Ex-Geliebten reißt ihn aus der Lethargie, denn offenbar hat er eine Tochter, um die er sich kümmern soll. Seine Begeisterung über diese Nachricht hält sich in Grenzen, aber er macht sich auf den Weg nach Montfort-sur-Meu, wo kurz nach seiner Ankunft die Leiche eines ertrunkenen Mädchens gefunden wird. Bei toten Kindern kennt selbst der desillusionierte Mc Cash kein Pardon. Getrieben von unbändiger Wut nutzt er seine ehemaligen Kontakte, um den Täter dingfest zu machen. Aber gleichzeitig muss er, der für sein eigenes Leben keinen Pfifferling mehr geben würde, auch seine Tochter beschützen. Sie kannte das Mädchen, und könnte deshalb bereits ins Visier des Täters gerückt sein.

Harte Sprache, jede Menge Gewalt, kurze Kapitel, alles auf den Punkt. Jeweils überschrieben mit einem Songtitel der britischen Punkband The Clash. Und wie deren Musik hat auch dieser Roman einen ganz besonderen Rhythmus und darf wohl als Hommage an diese Band verstanden werden. „La jambe gauche de Joe Strummer“ („Das linke Bein des Joe Strummer“), so der Originaltitel. Joe Strummer, Sänger und Gitarrist, bekannt dafür, dass er bei Konzerten mit seinem linken Bein „wie eine Furie auf den Boden stampfte“. In Rage wie Mc Cash. Strummer starb am 22. Dezember 2002 an einem nicht festgestellten Herzfehler.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale

Jean-François Parot , Michael Killisch-Horn
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blessing, 29.10.2018
ISBN 9783896676252
Genre: Historische Romane

Rezension:

Nicolas Le Floch ist zurück, der Pariser Commissaire und Protagonist des französischen Schriftstellers und Historikers Jean-Francois Parot. Die Reihe besteht aus dreizehn Bänden, wird aber auch nicht fortgeführt, da der Autor im Mai 2018 leider verstorben ist.

Zehn Jahre sind seit dem letzten Fall vergangen, mittlerweile schreiben wir das Jahr 1770, und das dritte Buch (der dreizehnbändigen Reihe) „Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale“ startet mit einem historisch verbürgten Ereignis: Tausende Pariser Bürger haben sich auf der Place Louis XV versammelt, um das große Feuerwerk anlässlich der Vermählung von Ludwig XVI. mit Marie-Antoinette anzuschauen, als durch fehlgeleitete Raketen eine Massenpanik ausbricht. Le Floch ist auf Befehl von Polizeichef Sartine vor Ort, kann aber die Katastrophe auch nicht verhindern. Es gibt unzählige Verletzte und 139 Tote, und unter den Toten fällt Le Floch eine junge Frau mit Strangulationsmerkmalen am Hals auf, die eine schwarze Perle in der Hand hält. Ihre Identität ist schnell geklärt, sie ist die Nichte eines Pelzhändlers, erst vor kurzem aus Neufrankreich (dem heutigen Kanada) zurückgekommen. Aber wer könnte ein Interesse an dem Tod der jungen Frau haben? Le Floch wird mit den Untersuchungen beauftragt, läuft gegen Wände, da offenbar jeder etwas zu verbergen hat und sieht sich während seinen Ermittlungen mit Ereignissen konfrontiert, die weit über seine Vorstellungskraft hinausgehen…

Was die Kriminalromane dieser Reihe auszeichnet ist die historische Authentizität, die mit Sicherheit dem Umstand geschuldet ist, dass das Interesse des Historikers Jean-Francois Parots dem Zeitalter der Aufklärung mit Schwerpunkt Paris galt. Zu dieser Thematik gibt es von ihm auch eine Examensarbeit, in der er exemplarisch die gesellschaftliche Entwicklung in drei Pariser Vierteln unter die Lupe nimmt. Man watet mit seinen Protagonisten durch den allgegenwärtigen Dreck, hat den fauligen Gestank der Gassen in der Nase, hat Mitleid mit den Ärmsten, regt sich über die Borniertheit der Bürger und die Verschwendungssucht des Adels auf. Gepaart mit einem spannenden und raffinierten Plot und einem sympathischen Protagonisten, der sich vom Landei zum Stadtmensch entwickelt hat, bietet „Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale“ historisch interessierten Lesern beste Unterhaltung auf hohem Niveau.

Dazu gibt es dann auch noch ein schönes Extra: auf den Innenseiten der Klappenbroschur findet man einen detaillierten Pariser Stadtplan der damaligen Zeit, auf dem die Handlungsorte gekennzeichnet sind, so dass der Leser die Schritte der Protagonisten verfolgen kann.

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24 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Der achte Tag

Nicci French , Birgit Moosmüller
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 29.10.2018
ISBN 9783570103173
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hier ist er also nun, der Abschluss der Frieda Klein-Reihe des englischen Autorenpaares Nicci Gerrard und Sean French. Seit 2011 verfolgen wir das Katz-und Maus Spiel zwischen Frieda, der Londoner Psychotherapeutin, und dem von ihr besessenen Psychopathen Dean Reeve. Er geht buchstäblich über Leichen, um an Frieda heranzukommen, und so ist es für jeden lebensgefährlich, sich bloß in ihrer Nähe aufzuhalten. So rücken immer wieder völlig Unbeteiligte in den Fokus des Killers, wie in diesem Fall Lola Hayes, die Studentin, die es sich nach dem Vorschlag ihres Dozenten in den Kopf gesetzt hat, ihre Seminararbeit über Frieda zu schreiben. Dazu muss sie aber mit ihr in Kontakt kommen. Gar nicht so einfach, den Frieda ist abgetaucht, um Reeves Nachstellungen zu entgehen. Aber dieser weiß schon, welche Knöpfe er drücken muss, um die Therapeutin aus ihrem Versteck zu locken, auch wenn dabei Menschen ihr Leben verlieren. Frieda ist die Einzige, die ihn stoppen kann, auch wenn sie dafür ihr eigenes Leben in den Ring werfen muss.

Wie bereits in den vorherigen Bänden der Reihe entwickelt sich die Handlung langsam und bedächtig. Verschiedene Handlungsstränge und eine Vielzahl von Personen, die, wie es scheint, auf den ersten Blick keinen Bezug zu den zugrunde liegenden Ereignissen haben, entwickeln sich allmählich zu einer komplexen Story. Und hier kommt die Qualität des Autorenpaars deutlich zum Vorschein, die dadurch, dass sie jeder Figur eine entsprechende Hintergrundgeschichte mit auf den Weg geben, für Stimmigkeit sorgen und dem Leser das Gefühl vermitteln, zu keinem Zeitpunkt den Überblick zu verlieren. Auch wenn man das Gefühl hat zu wissen, wohin die Geschichte führt, gibt es doch genügend Überraschungsmomente, die keine Langeweile aufkommen lassen.

Alles hat einmal ein Ende, und so gilt es, etwas wehmütig Abschied von einer spannenden Reihe zu nehmen, die mich über die Jahre begleitet hat. Wer Frieda noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen. Aber bitte nicht mittendrin einsteigen, sondern mit “Blauer Montag”, dem ersten Band beginnen und sich dann chronologisch durch die Wochentage lesen. Spannende Unterhaltung ist garantiert!

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Der Einzelgänger

Lee Child , Wulf Bergner
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.11.2018
ISBN 9783764506520
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Um es in Abwandlung eines Zitates von Forrest Gump zu sagen: Eine Sammlung von Short Storys ist wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man bekommt. Diese Aussage trifft auch bei der neuesten Veröffentlichung aus dem Jack Reacher Universum den Nagel auf den Kopf.

„Der Einzelgänger“, unter dem Titel „No middle name“ im Original 2017 erschienen, ist eine Sammlung von zwölf kürzeren und längeren Erzählungen, die Lee Child im Lauf der Jahre geschrieben hat. Wer die Reacher-Reihe kennt, weiß was ihn erwartet, allerdings gibt es auch eine Überraschung. „Der zweite Sohn“ führt zurück in Reachers Kindheit auf einem Stützpunkt in Okinawa, wohin die Familie versetzt wurde und man in Grundzügen bereits erkennen kann, wie und warum sich der Teenager entwickeln wird. Für mich eine der stärksten Storys der Sammlung.

Ansonsten gibt es wenig neue Aspekte, aber das ist ja auch das Schöne daran. Der einsame Wolf stromert ziellos durch die amerikanischen Bundesstaaten, wird mehr oder weniger zufällig in mehr oder weniger kriminelle Ereignisse hineingezogen und hilft diese, mit mehr oder weniger Köpfchen und /oder brachialer Gewalt aufzuklären.

Was das Niveau der einzelnen Erzählungen angeht, habe ich mir deutlich mehr erwartet. Höchstens die Hälfte ist qualitativ den Romanen ebenbürtig. Vieles wirkt unrund, extrem konstruiert, ist langatmig, noch nicht auf den Punkt gebracht. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass diese Storys die Ideen des Autors sammeln, Grundgerüste und/oder Exposés für künftige Reacher Geschichten sind. Das wird besonders bei „Zu viel Zeit“ deutlich, von Child in „The midnight line“ (der 22. Reacher, 2017, noch nicht übersetzt) fortgeführt und ausgearbeitet.

Dennoch ist „Der Einzelgänger“ gerade wegen seiner Themenvielfalt die perfekte Wahl für Neueinsteiger ins Reacher-Universum, kann aber auch den Fans empfohlen werden, die sich die Wartezeit auf den zwanzigsten Band der Reihe „Keine Kompromisse“ verkürzen möchten. Erscheint im Juni 2019 bei Blanvalet.

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5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Joe

Larry Brown , Thomas Gunkel
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 29.10.2018
ISBN 9783453271760
Genre: Romane

Rezension:

Oxford, Mississippi scheint ein gutes Pflaster für Autoren zu sein, die sich mit dem Leben im Armenhaus der Vereinigten Staaten literarisch auseinandersetzen. Denn von dort kommen William Faulkner, Richard Ford, John Grisham und nicht zuletzt der geniale Tom Franklin, der hierzulande nach dem Erfolg seines Rural Noir „Krumme Type, krumme Type“ hoffentlich endlich die Aufmerksamkeit erhält, die ihm gebührt.

Und natürlich darf in dieser Aufzählung auch Larry Brown nicht vergessen werden, der schreibende Feuerwehrmann, der leider 2004 im Alter von 53 Jahren viel zu früh verstarb. In der Übersetzung war bisher nur „Fay“ (Original aus dem Jahr 2000) verfügbar, aber glücklicherweise scheint Heyne nun die Lücken zu füllen und hat mit „Joe“ (erstmals 1991 erschienen) nachgelegt.

Aber wer ist nun dieser Joe? Ex-Häftling, Spieler, Gelegenheitstrinker mit einer gescheiterten Ehe, Vorarbeiter einer schwarzen Crew, die unrentable Bäume töten, damit auf den entstandenen Freiflächen im darauffolgenden Jahr gutes Holz gepflanzt werden kann. Ein Mann mit Moral, der sein Leben in den Griff bekommen will. Für den fünfzehnjährigen Gary ist er ein Vorbild. Einer, der ihm einen Job gibt und eine Perspektive zeigt, um dem trostlosen Leben seiner Landstreicher-Familie zu entkommen und sich aus den Fängen seines nichtsnutzigen Vaters Wade zu befreien. Wade ist erbärmlich, ein heruntergekommener Säufer, der seine Frau schlägt, seinen Sohn bestiehlt und seine kleine Tochter für die nächste Flasche Schnaps an schmierige Typen verkauft (die älteste Tochter ist übrigens Fay, und sie ist die einzige, die aus eigenem Antrieb und ohne fremde Hilfe der Familie den Rücken kehrt und sich mutterseelenallein auf den Weg in ein neues Leben macht). Anfangs hält Joe sich aus diesen interfamiliären Problemen heraus, aber schließlich gibt es da den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, und es kommt zur finalen Konfrontation.

Die Schicksale von Larry Browns Figuren treffen den Leser mitten ins Herz, was mit Sicherheit auch dem schlichten, authentischen Stil geschuldet ist. Er beschönigt nichts, zaubert keinen Gutmenschen aus dem Hut, der den armen Jugendlichen adoptiert und ihm ein sorgenfreies Leben garantiert. Bei ihm kämpft jeder jeden Tag ums Überleben. Muss sich seinen Dämonen stellen und immer wieder aufs Neue entscheiden, welchen Weg er gehen will. Und manchmal müssen auch gute Menschen schlimme Dinge tun um diejenigen, die ihnen etwas bedeuten, zu beschützen, und ihnen so die Hoffnung auf ein besseres Leben zu geben und zu erhalten.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Paris MM-City Reiseführer Michael Müller Verlag

Ralf Nestmeyer
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Müller, Michael, 06.11.2018
ISBN 9783956546372
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wer eine Städtereise in die Metropole an der Seine plant, sollte im Vorfeld dafür unbedingt „Paris“ von Ralf Nestmeyer (kürzlich in der 11. aktualisierten Auflage erschienen) zur Hand nehmen, denn dieser Reiseführer bietet für jeden etwas. Hervorzuheben ist, dass sich Nestmeyer nicht nur auf die allgemein bekannten Sehenswürdigkeiten beschränkt, sondern auch die eher kleinen, oft auch skurrilen Highlights der Stadt vorstellt.

Die Aufteilung ist sehr gut gelungen: Anhand von dreizehn ausführlich beschriebenen Touren von der Ile de la Cité mittendrin bis nach Belleville im Osten begleitet der Autor den Besucher durch die verschiedenen Arrondissements und Quartiers, wobei er jeweils zuerst einen groben Überblick über die Besonderheiten (historisch, aber auch aktuell) der Viertel gibt. In der nachfolgenden Beschreibung des Spaziergangs stellt er dann detailliert die jeweiligen Sehenswürdigkeiten vor, abgerundet durch die Einsprengsel „Paris im Kasten“, die eher unbekannte Hintergrundinformationen zu besonderen Ereignissen/Gebieten/Personen liefern. Am Ende jedes Tour-Kapitels sind dann noch die praktischen Infos zu finden (Restaurants- und Einkaufstipps), und natürlich darf auch der doppelseitige Kartenauschnitt nicht fehlen sowie ein großer Stadtplan im Maßstab 1:20.000 und ein Métro-Plan. Unverzichtbar, wenn man auf eigene Faust unterwegs ist.

Ergänzend sind schließlich noch jede Menge Ausflugstipps ins Pariser Umland beschrieben, die alle problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Ob Disneyland oder Parc Astérix für die Kleinen, Vaux-le-Vicomte oder Versailles für die historisch Interessierten oder der Parc de la Villette mit der Cité des Science et de l’Industrie für die Techniks, hier findet jeder Besucher das, was ihn am meisten interessiert.

Für all diejenigen, die nicht nur flanieren sondern sich auch informieren wollen, hat Nestmeyer am Ende des Reiseführers nochmals auf ca. achtzig Seiten „Nachlesen & Nachschlagen“ (Geschichte, weiterführende Literaturtipps, Anreise, Unterkunft etc.) sowie „Kompakt – Auf einen Blick“ (alle Museen, alle Restaurants) alles Wissenswerte zusammengetragen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Reiseführer jede Menge Informationen bietet, nicht nur für Paris-Neulinge, sondern auch für die „Wiederholungstäter“, zu denen ich mich zähle. Und wer noch auf der Suche nach dem idealen Reisebegleiter ist, sollte hier unbedingt zugreifen!

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68 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

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Eine Familie in Deutschland

Peter Prange
Fester Einband: 672 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 24.10.2018
ISBN 9783651025561
Genre: Historische Romane

Rezension:

Nach „Unsere wunderbaren Jahre“, das zeitlich nach der Währungsreform angesiedelt ist, widmet sich Peter Prange in „Eine Familie in Deutschland: Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“ einmal mehr einem Kapitel der deutschen Geschichte. Als Rahmenhandlung dient ihm hierbei die Errichtung des Volkswagenwerks im Wolfsburger Umland. Und damit das Ganze nicht gar zu dokumentarisch gerät, legt er besonderes Augenmerk auf die Familie der Isings, deren Wohlstand sich auf die Produktion von Rübenzucker gründet.

Angelegt ist das Epos auf zwei Teile, wobei der vorliegende Band den Zeitraum zwischen der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs behandelt. Dabei immer im Fokus die vier erwachsenen Kinder der Isings (es gibt noch einen Nachzügler, Willy, der mit Trisomie 21 geboren wurde). Da ist Horst, der Älteste und strammer Nationalsozialist, dessen ganzes Sinnen und Trachten auf die Erlangung eines Parteiamts gerichtet ist. Charly, die engagierte Kinderärztin, deren Beziehung zu einem jüdischen Architekten und der bedingungslosen Liebe zu ihrem kleinen Bruder sie folgenschwere Entscheidungen treffen lässt. Georg, der Ingenieur, ein Wendehals, der seinen besten Freund und Mentor dem beruflichen Erfolg opfert. Und schließlich Edda, die künstlerisch begabte, verstrickt in eine unheilvolle Beziehung mit einer Propagandistin des NS-Regimes.

Prange erzählt ihre Geschichten und persönlichen Dramen, wobei er dies immer wieder mit historischen Ereignissen, Institutionen und Personen der Zeitgeschichte verknüpft. Ob Professor Sauerbruch, Ferdinand Porsche oder Leni Reifenstahl, die Probleme bei der Realisierung des Volkswagens, die Verfolgung und Deportation der Juden, all das wird von dem Autor korrekt dargestellt und verleiht dieser Familiengeschichte eine Authentizität, die weit über das hinausgeht, was man üblicherweise von historischen Romanen, die diesen Zeitraum behandeln, gewohnt ist. Dabei kommen die Inhalte nicht langatmig und trocken belehrend daher, sondern fügen sich nahtlos in die (emotionalen) Schilderungen der persönlichen Schicksalsjahre der Protagonisten ein, die von Widerstand und Kapitulation, Mut und Liebe, aber auch von Verrat und Verzweiflung geprägt sind.

Deutsche Zeitgeschichte, anschaulich und historisch korrekt präsentiert, und wieder einmal ein großer Wurf, der Peter Prange mit diesem Roman gelungen ist. Und natürlich möchte man wissen, wie es für die Kinder der Isings weitergeht. Hoffentlich müssen wir nicht gar so lange auf Teil 2 warten.

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84 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

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Der Zorn der Einsiedlerin

Fred Vargas , Waltraud Schwarze
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Limes, 29.10.2018
ISBN 9783809026938
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jean-Baptiste Adamsberg ist anders. Anders, als man sich üblicherweise einen Commissaire der Brigade Criminelle vorstellt. Oft scheint es, als sei er abwesend, mit dem Kopf in den Wolken, aber dieser Eindruck täuscht. Mit seiner unkonventionellen Denkweise, seinen Ahnungen, führt er sein Team regelmäßig auf die richtige Spur und löst den Fall. Und auch dieses Team hat es wahrlich in sich: Danglard, Froissy, Retancourt, Veyrenc de Bilhc, um nur einige zu nennen – jede/r für sich ein Original mit einzigartigen Fähigkeiten, die für ihren Chef durchs Feuer gehen. Manchmal zwar nur widerstrebend, dann aber, wenn sie sich auf seine Denkweise einlassen und die Muster erkennen, mit umso mehr Elan und Sachkompetenz.

So auch in ihrem neuesten Fall, für den Adamsberg seinen isländischen Rückzugsort verlassen und zurück in die französische Metropole muss. Eine Frau wurde ermordet, der Täter muss aus dem unmittelbaren Umfeld kommen. Als Täter kommen nur zwei Menschen in Frage, entweder der Ehemann oder der Geliebte. Aber nicht dieser Fall fesselt das Interesse des verschrobenen Kommissars, sondern eine auffällige Häufung von Todesfällen im Süden Frankreichs, bei denen die Opfer durch Spinnenbisse ums Leben kommen. Wäre da nicht die Tatsache, dass das Gift einer einzelnen Einsiedlerspinne niemals ausreichen würde, um einen Menschen zu töten. Adamsberg verbeißt sich gegen den Widerstand seines Teams in den Fall, gräbt tief und tiefer, auch in seiner eigenen Vergangenheit und löst, wie könnte es anders sein, auch diesen Fall.

Wie bereits in den vorangegangenen elf Bänden der Adamsberg-Reihe beschränkt die die französische Autorin Fred Vargas (von Haus aus Historikerin und Archäozoologin) nicht auf das bloße Whodunit, sondern bietet ihren Lesern jede Menge Details zu Historie, Mythologie und in diesem speziellen Fall auch Zoologie. Dabei verliert sie aber nicht ihren scharfen Blick auf die gesellschaftliche Realität aus den Augen und thematisiert in „Der Zorn der Einsiedlerin“ die Ausgrenzung und Ächtung von Frauen, die sich den gängigen Vorstellungen widersetzen – nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart. Man muss sich darauf einlassen können und wird dafür mit einem ganz besonderen Kriminalroman belohnt, dessen Kernaussage von hinten durch die Brust ins Auge trifft.

Volle Punktzahl und nachdrücklich zur Lektüre empfohlen!

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42 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Bittere Schokolade

Tom Hillenbrand
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.11.2018
ISBN 9783462050738
Genre: Krimi und Thriller

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Huhn & Hähnchen

Tareq Taylor , Inga Nevermann-Ballandis , Marcus Lawett
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Sieveking Verlag, 01.09.2018
ISBN 9783944874845
Genre: Sachbücher

Rezension:

Schon Henri IV. versprach im sechzehnten Jahrhundert „jedem Bauer am Sonntag ein Huhn im Topf“, denn Hühnerfleisch mag jeder. Es ist unglaublich variabel und kann deshalb in den verschiedensten Geschmacksrichtungen und Zubereitungsarten auf den Teller gebracht werden. Und damit es nicht immer nur Hühnersuppe oder Grillhähnchen gibt, lohnt es sich, einen Blick in das neue Kochbuch von Tareq Taylor „Huhn & Hähnchen. Vielseitig und weltweit geliebt“ zu werfen.

Das Buch ist voll mit Rezepten aus aller Welt, die einem schon beim bloßen Anschauen der wunderschön fotografierten Gerichte das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Aber das erste, was mir positiv ins Auge gefallen ist, war die ausführliche Warenkunde, die dem Rezeptteil vorangestellt ist. Ich kaufe mein Geflügel häufig in Frankreich ein (wir wohnen eine Fahrstunde von der Grenze entfernt), da dort die Auswahl an ordentlich aufgezogenem Federvieh wesentlich größer ist als auf unserem Wochenmarkt. Schwarzfeder-, Bresse-, Hof- und Mais-Hühner, Poularden und Stubenküken, alles vorhanden. Und all diese stellt Taylor auf einer Skala von 1 bis 10 anhand der Textur und des Geschmacks vor. Daneben gibt es natürlich auch noch eine detaillierte Schritt-für-Schritt Anleitung für das richtige Tranchieren.

Es folgen die Rezepte, wobei sich Internationales wie Pollo al limone, Udon, Cocos Chicken Curry etc. mit Klassikern wie Hähnchen-Schnitzel oder Hähnchen Kiew abwechselt. Taylor startet mit den Basics „Brühen, Fonds und Saucen“. Danach geht es um „Suppen und Eintöpfe“, „Reis- und Nudelgerichte“, „Aus Ofen und Pfanne“, „Gegrilltes“ sowie „Brote, Salate und Fast Food“ für Übriggebliebenes. Dazu sind noch doppelseitige Erläuterungen zu „Früchte und Nüsse“, „Gewürze“, „Knusprige Haut und andere Tricks“ und „Fett“, jeweils in ihrem Verhältnis zu Hühnerfleisch, zu finden. Die Zubereitungen an sich sind gut erklärt, die Zutaten separat aufgeführt und in jedem ordentlich sortierten Supermarkt erhältlich. Und damit der Hobbykoch eine Ahnung davon hat, wie das Endergebnis aussehen sollte, runden appetitanregende Fotos der jeweiligen Gerichte die Rezepte ab.

„Huhn & Hähnchen“ ist ein wunderschönes Kochbuch, voll mit tollen Rezepten, jeder Menge Infos und Anregungen, das ich gerne weiterempfehle

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35 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Wer Strafe verdient

Elizabeth George , Charlotte Breuer , Norbert Möllemann
Fester Einband: 864 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 08.10.2018
ISBN 9783442313730
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In Kürze, weshalb ich auch darauf verzichte, näher auf den Inhalt einzugehen:

Ich kann die vielen negativen Rezensionen nicht nachvollziehen. Von Elizabeth George darf man keinen gemütlichen englischen Landhauskrimi der Sorte Mord-Ermittlung-Entlarvung des Täters erwarten. Und das Ganze am besten auf 250 Seiten, damit es schnell runtergelesen werden kann. Aber das hat sie ja bereits hinlänglich in den Vorgängerbänden der Reihe bewiesen. Ihr Anliegen ist es, das komplizierte Beziehungsgeflecht im Umfeld des Verbrechens darzustellen, und das gelingt ihr auch in "Wer Strafe verdient" perfekt. Ja, und das benötigt Raum - in diesem Fall stark über 800 Seiten. Natürlich sind nicht alle Informationen für die Aufklärung relevant, aber so kann sich der Leser ein wesentlich besseres Bild von den Umständen machen, die zu dem Verbrechen führen. Und auch die Befindlichkeiten und persönlichen Probleme der Protagonisten von Scotland Yard - Havers, Lynley und Ardery - gehören meiner Meinung dazu, steht es doch außer Frage, dass diese die Ermittlungsarbeit gehörig beeinflussen.

Für mich war dieser Band jedenfalls wieder das beste Beispiel für einen aus der Masse hervorstechenden englischen  Whodunit, der wieder einmal mehr beweist, dass Elizabeth George zurecht als Queen of Crime zu bezeichnen ist. Punkt!

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

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Hinter den drei Kiefern

Louise Penny , Andrea Stumpf , Gabriele Werbeck
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Kampa Verlag, 06.09.2018
ISBN 9783311120025
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Three Pines, ein idyllisches Dörfchen in Kanada im November. Da ist nichts zu spüren von der Wärme und der verzaubernden Szenerie, die der Indian Summer mit sich bringt. Es ist kalt, grau und unwirtlich. Und über allem liegt ein Hauch von Bedrohung, ausgelöst durch eine schwarz verhüllte Gestalt, die am Morgen nach Halloween plötzlich auftaucht und annähernd reglos auf dem Dorfplatz steht und in das Bistro starrt. Verkörpert er den Tod, und wenn ja, was will er? Matheo, der freie Journalist, bringt Licht ins Dunkel. Die Gestalt entstammt der spanischen Mythologie, es ist ein Cobrador del Frac, der das Gewissen verkörpern los, Schuldner aufspüren und sie ihrer gerechten Strafe zuführen soll. Stellt sich nur noch die Frage, hinter wem er her ist und warum.

Armand Gamache, Hauptfigur und mittlerweile Chef der Sûreté von Québec, sind die Hände gebunden. Herumstehen ist nicht illegal, er kann nicht einschreiten. Erst als Reine-Marie eine Leiche im Keller der Kirche entdeckt, nimmt er die Ermittlungen auf und öffnet damit die Büchse der Pandora.

„Hinter den drei Kiefern“ ist der mittlerweile dreizehnte Band der Gamache-Reihe der Kanadierin Louise Penny, die bei uns leider noch nicht den großen Durchbruch geschafft hat (bisher liegen inklusive dieses Bandes erst fünf Bücher der Reihe in deutscher Übersetzung vor). Das mag darin begründet sein, dass diese Kriminalromane weder gemütliche Urlaubskrimis mit Regio-Touch noch blutige Fast Food-Serienkiller Reißer sind. Der Leser muss geduldig und aufmerksam sein, muss die verschiedensten Informationen aufnehmen und speichern, um sie im richtigen Moment des intelligenten, verschachtelten Plots abrufen zu können, in dem sie gekonnt Vergangenes und Gegenwärtiges mischt. Dazu kommt, dass ihre Hauptfigur kein Superheld à la James Bond ist, der sich schießend und prügelnd um Aufklärung bemüht. Am ehesten ist Gamache Vargas‘ Adamsberg vergleichbar, beide eher von der stillen, nachdenklichen Sorte, aber mit einem messerscharfen Verstand ausgestattet, die mit Intuition und Fingerspitzengefühl ihre Fälle zum Abschluss bringen.

Dorf-Idylle meets Drogenkrieg in der kanadisch-amerikanischen Grenzregion. Lesen – unbedingt!

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155 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

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Die Tochter des Uhrmachers

Kate Morton , Charlotte Breuer , Norbert Möllemann
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Diana, 08.10.2018
ISBN 9783453291386
Genre: Romane

Rezension:

Romane, in denen ein Geheimnis aus der Vergangenheit gelüftet werden will, haben Konjunktur. Dafür verknüpfen die (üblicherweise) Autorinnen Gegenwärtiges mit Vergangenem, was mal mehr, mal weniger gut gelingt. Ein erfolgreiches Konzept, zumindest für die Australierin Kate Morton, deren Schmöker sich regelmäßig in den Bestsellerlisten etablieren.

In ihrem neuen Roman „Die Tochter des Uhrmachers“ sichtet Elodie, Archivarin und die zukünftige Braut, anlässlich ihrer bevorstehenden Hochzeit Familienfotos und stößt dabei auf das Bild eines Hauses, das Erinnerungen an die Gute Nacht-Geschichten hervorruft, die ihr ihre verstorbene Mutter allabendlich erzählt hat. Und es ist dieses Haus, hinter dessen Mauern sich im Lauf der Jahre so viel ereignet hat und das deshalb zum Dreh- und Angelpunkt des Romans wird.

Und daraus resultiert auch das große „Aber“, dessen ich mich während des Lesens nicht erwehren konnte. Es war einfach zuviel von allem, was dazu führte, dass die Geschichte immer nur an den verschiedenen Oberflächen gekratzt hat: vier verschiedene Zeitebenen (eigentlich drei: Gegenwart, Ende neunzehntes Jahrhundert, Zweiter Weltkrieg) mit vier unterschiedlichen Protagonistinnen, deren Schicksal samt und sonders mit dem Herrenhaus Birchwood Manor verknüpft ist. Jede hat ihre eigene Geschichte, und die Verknüpfungen bekommt Morton auch gut hin, aber die Personen bleiben flach, erreichen den Leser nicht.

Dennoch, wer einen Schmöker für die trüben Herbsttage sucht, den man trotz des Umfangs zügig herunterlesen kann, kann hier unbedenklich zugreifen.

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(12)

16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

Klugen Appetit!

Dennis Wilms
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei ZS Verlag GmbH, 07.09.2018
ISBN 9783898838139
Genre: Sachbücher

Rezension:

Dass unser Essen Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat, dürfte mittlerweile ja hinlänglich bekannt sein. Wer sich ausschließlich von Fastfood und industriell hergestellten Nahrungsmitteln ernährt, spielt mit seiner Gesundheit und muss sich nicht wundern, wenn im Laufe der Jahre ernährungsindizierte Krankheiten auftreten. Es bilden sich Plaques in den Arterien, die zu Minderdurchblutung führen und Infarkte auslösen können. Diabetes, die neue Volkskrankheit, breitet sich immer weiter aus. Demenz und Alzheimer nehmen zu.

Dennis Wilms, Wissenschaftsjournalist, Autor und „Lehrling“ bei der Sterneköchin Cornelia Poletto, hat sich mit diesen Phänomenen auseinandergesetzt, nachdem seine Mutter an Alzheimer erkrankte. Sein Ausgangspunkt ist die Frage danach, was jeder einzelne von uns aktiv dafür tun kann, um kognitive Degenerationen zu verhindern. Daraus entstand sein Buch „Klugen Appetit. Kochen für mehr Power im Kopf“, ein Kompendium aus Informationen und Rezepten für Besser-Esser. Wilms räumt mit Ernährungsmythen auf und gibt Tipps, mit denen wir den geistigen Verfall aufhalten und die Neurogenese (d.h. die Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn) mit dem, was auf unsere Teller kommt, fördern können.

Eiweiß, Körner, Gemüse und Kräuter, Hülsenfrüchte, Fisch und Meeresfrüchte, Geflügel und mageres Fleisch – das ist die Unterteilung, mit der er arbeitet. Die jeweiligen Abschnitte leitet er mit einem Theorieteil ein, es folgt pro Doppelseite ein Rezept, wobei er sich den jeweiligen „Brain-Factor“ der Zutaten anschaut. Die Rezepte sind klar strukturiert, die Zubereitung detailliert beschrieben, so dass sie auch von Ungeübten realisiert werden können. Informationen zur Nährstoffzusammensetzung sind selbstverständlich, ebenso ein schönes Foto des vorgestellten Gerichts. Die Zutaten sollten überall erhältlich sein, lediglich bei Frischfisch könnte es Probleme mit der Beschaffung geben, aber dann kann man ja immer noch auf TK-Ware ausweichen.

Ein Minuspunkt sind für mich allerdings die industriell hergestellten Milchprodukte, die er als Alternative in einigen der Eiweißrezepte verwendet. Hier verwende ich dann doch lieber Herkömmliches (Buttermilch, Magerjoghurt) mit geringerem Fettanteil.

Wer sich mit gesunder Ernährung, die auch einen prophylaktischen Nutzen hat, auseinandersetzt, ist mit diesem Wissenskochbuch bestens bedient. Ich habe es auf Herz und Nieren getestet und kann es trotz der oben genannten kleinen Einschränkung jedenfalls empfehlen.

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97 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 16 Rezensionen

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Mittagsstunde

Dörte Hansen
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Penguin, 15.10.2018
ISBN 9783328600039
Genre: Romane

Rezension:

„Mittagsstunde“ ist ein Heimatroman. Wer allerdings idyllischen Kitsch à la Förster-im-Silberwald erwartet, wird enttäuscht sein. Ihr geht es eher darum zu zeigen, was das dörfliche Leben ausmacht und wie es sich im Lauf der Jahre verändert hat.

Brinkebüll, in kleines Dorf in Nordfriesland. Ingwer Feddersen ist dort geboren, aufgewachsen und weggegangen, hat studiert, lebt jetzt in einer Dreier-WG in Kiel und kommt an den Wochenenden zurück, um seine mittlerweile tütteligen Großeltern zu versorgen. Mit seinen Augen sehen wir auf die Veränderungen, den Wandel, der auch vor Brinkebüll nicht Halt gemacht hat. Er ist ein Wanderer zwischen zwei Welten, der sich in keiner der beiden richtig heimisch fühlt. Da ist einerseits das großstädtische Leben, in dem jeder für sich ist, andererseits aber auch der dörfliche Kokon, in dem jeder von jedem alles weiß. Wer Frau und Kinder schlägt oder nicht ganz richtig im Kopf ist. Wo man die Eigenheiten des anderen kennt und toleriert. Ein Ort der Sicherheit, Beständigkeit.

Aber nichts währt ewig, es ist die große Flurbereinigung in den sechziger Jahren, die die Moderne einläutet. Äcker werden begradigt, neu verteilt, zusammengelegt, um die Bewirtschaftung zu optimieren. Ein Schlag mit der Axt, der alte Strukturen aufbricht, Vertrautes verschwinden lässt, das Leben im Geestdorf nachhaltig verändert.

Ein Roman über Verwurzelung, über Kindheit und Erwachsenwerden, über Weggehen und Heimkommen. Nie sentimental, aber immer mit einem melancholischen Blick auf das, was verloren ist. Um mit Joni Mitchell zu sprechen: „Du weißt nicht, was du hattest, bis es verschwunden ist…sie haben das Paradies gepflastert und einen Parkplatz daraus gemacht“ (übersetzte Textzeile aus: Big yellow taxi).

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59 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

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Black Hand

Stephan Talty , Jan Schönherr
Flexibler Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 12.11.2018
ISBN 9783518469248
Genre: Sachbücher

Rezension:

Joseph Petrosino ist ein Pionier. Der erste Polizist, der sich dem organisierten Verbrechen in New York in den Weg stellt. Unter Police Commissioner Theodore Roosevelt, später 26. Präsident der Vereinigten Staaten, kämpft er nicht nur gegen die italienische Mafia sondern auch gegen die Korruption in den eigenen Reihen. Zahlreiche Bücher und Filme widmen sich diesem Ausnahmepolizisten, und "Black Hand", das neueste Werk aus der Feder des Journalisten Stephan Talty erzählt dieses Stück amerikanischer Kriminalgeschichte:

New York, Anfang 20. Jahrhundert. Die erste Welle der italienischen Einwanderer hat sich in ihrem Leben in der Fremde eingerichtet. Die einen arbeiten hart, um sich ihren Traum vom Leben in Freiheit und Wohlstand zu erfüllen, die anderen schließen sich zu kriminellen Vereinigungen zusammen und erpressen von ihren Landsleuten Gelder im großen Stil. Und dabei ist ihnen jedes Mittel recht. Selbst vor Kindern machen sie nicht halt, ein Leben zählt nichts für sie. Die am meisten gefürchtete Organisation der italienischen Mafia ist die "Black Hand".

Talty startet seinen Rückblick mit einem Fall, der den Leser mitten in deren skrupelloses Treiben katapultiert:  Willi Labarbera, der fünfjährige Sohn italienischer Einwanderer, verschwindet spurlos. Doch dann kommt eine Lösegeldforderung, 5.000 Dollar wollen die Entführer, alles, was die Familie besitzt. Unterzeichnet ist der Brief mit dem Siegel der "Black Hand", der berüchtigten mafiösen Geheimgesellschaft. Die Labarberas wissen sich nicht zu helfen, kontaktieren die Polizei, und Joseph Petrosino nimmt sich des Falls an.

Petrosino, ebenfalls Kind einer italienischen Einwandererfamilie, will mehr von seinem Leben als seinen Unterhalt mit Schuhputzen zu verdienen. Er muss früh erfahren, dass die Italiener ganz unten auf der Skala stehen, was die gesellschaftliche Akzeptanz angeht. Nicht nur die Amerikaner verachten sie, nein, auch die irischen Immigranten, die sich speziell an der Ostküste und auch in New York bereits gemütlich eingerichtet haben, blicken verächtlich auf sie herab und machen ihnen das Leben schwer. Aber Petrosino lässt sich davon nicht abhalten und versucht das menschenmögliche, um die Lebensbedingungen seiner Landsleute zu verbessern, ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Und dazu gehört es für ihn, die "Black Hand" Mobster unschädlich zu machen. Diesem Ziel widmet er mit einer wahren Besessenheit sein Leben. Und er ist äußerst gut in dem, was er tut. Auch wenn es ihm schlussendlich nicht gelungen ist, den Sumpf trockenzulegen.

Manchmal schreibt dann doch das Leben die spannenderen Geschichten als die Fiktion. Talty schildert sehr anschaulich zum einen die Lebensbedingungen der italienischen Einwanderer, die Widerstände, gegen die sie ankämpfen müssen, zum anderen lässt er seine Leser äußerst präzise an der Polizeiarbeit Petrosinos und dessen Truppe teilhaben.

Amerikanische Kriminalgeschichte gepaart mit True Crime. Äußerst informativ. Spannend erzählt, vollgepackt mit Informationen, ermöglicht der Autor dem Leser den Blick in eine Zeit, in der die Mafia in New York noch in den Kinderschuhen steckt.

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(42)

82 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 39 Rezensionen

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Gun Love

Jennifer Clement , Nicolai von Schweder-Schreiner
Fester Einband: 251 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.09.2018
ISBN 9783518428320
Genre: Romane

Rezension:

Ein Szenario, das in den Vereinigten Staaten gang und gäbe ist. Vierzehn Jahre leben Mutter und Tochter in ihrem Auto, abgestellt auf dem Parkplatz eines heruntergekommenen Trailerparks in Florida, eine Zwei-Zimmer-Wohnung sozusagen. Pearl, der mittlerweile vierzehnjährigen Tochter, sind die Vordersitze zugeteilt, die Mutter macht es sich nach Feierabend auf der Rückbank bequem. Im Kofferraum lagern die Schätze für schlechte Zeiten, kostbare Porzellanteller und Familienschmuck.

So, jetzt habe ich mich natürlich gefragt, was das für eine Familie ist, vor der Pearls Mutter kurz nach deren Geburt davongelaufen ist. Sie scheinen wohlhabend zu sein, haben ihrer Tochter eine was man so „gute“ Erziehung nennt angedeihen lassen, kümmern sich aber ansonsten wohl nicht weiter um sie. Denn wie lässt es sich sonst erklären, dass die Schwangerschaft sowie die Geburt im Badezimmer nicht bemerkt werden? Einzig der Vater fällt  aus dem Rahmen, der auf Kleingetier mit einer Fliegenklatsche einschlägt, was schlussendlich den Anlass für die Flucht der hypersensiblen Tochter aus dem Elternhaus bietet. Aber welche Eltern setzen nicht Himmel und Hölle in Bewegung, wenn ihre Tochter spurlos verschwindet? Sehr seltsam, aber sei’s drum. Jetzt zieht sie also ihr Kind mit Unterstützung der Freunde aus dem Trailerpark groß, redet ihr dieses White Trash-Leben mit romantisierenden Phrasen schön, die doch nur den Zweck haben, den allgegenwärtigen Mangel zu kaschieren.

Waffen sind allgegenwärtig, mal nur eine, dann wieder ein ganzes Arsenal. Sie werden gereinigt, benutzt, um ein missgebildetes Alligatorjunges zu erschießen oder von dem geschäftstüchtigen Priester eingesammelt und über die mexikanische Grenze verschoben. Und sie killen, töten Pearls Mutter und katapultieren diese schlagartig in die reale Welt der Waisen.

„Gun Love“ ist ein Buch, mit dem ich hadere. Keine Frage, die Sprache ist brillant, poetisch (wunderbare Übersetzung von Nicolai von Schweder-Schreiner) verklärt aber letztlich damit nur dieses Leben in einer Parallelwelt, das dem Mädchen Pearl keinerlei Perspektive für die Zukunft bietet. Und das geht mir wirklich nicht nur an die Nieren sondern auch auf die Nerven.

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139 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 74 Rezensionen

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Die Schwestern vom Ku'damm

Brigitte Riebe
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 23.10.2018
ISBN 9783805203371
Genre: Historische Romane

Rezension:

Brigitte Riebes neuer Roman nimmt uns mit in das Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Drei Schwestern: Rike, die Älteste, die Vernünftige. Silvie, die Mittlere, die Lebenshungrige und begnadete Schwarzhändlerin. Und schließlich Florentine, das Nesthäkchen, die künstlerisch Begabte. Der familiäre Hintergrund ist privilegiert, stammen sie doch aus der ehemals wohlhabenden Familie des Berliner Kaufhauskönigs Thalheim. Wobei „ehemals wohlhabend“ so nicht stimmt, da es dem Patriarch der Familie gelungen ist, rechtzeitig eine nicht unbeträchtliche Menge an Barvermögen (Geld, Schmuck, aber auch wertvolle Stoffe für die Prodiktion von Kleidern) zur Seite zu schaffen und somit dem Zugriff der plündernden Besatzungsmächte zu entziehen. Zeitlicher Rahmen sind die Jahre zwischen Mai 1945 und Sommer 1951, in denen Rike alles daran setzt, ihren Traum zu verwirklichen: den Vorkriegsstatus wieder herzustellen und das Kaufhaus Thalheim wieder aufzubauen.

Die Story an sich ist, wie es sich für einen historischen Frauenroman gehört, auf ein Happy End hin konzipiert. Zwar müssen die Protagonistinnen mit den Widrigkeiten kämpfen, die die Nachkriegsjahre bereithalten –  Hunger, Kälte, Mangel an Lebensnotwendigem – aber mit dem notwendigen finanziellen Polster in der Hinterhand klappt das schon irgendwie. Und wenn alle Stricke reißen, ist da ja immer noch Onkel Carl, der, anders als der typische Mitläufer Friedrich, nicht in die Partei eingetreten ist, und nun seine Beziehungen spielen lassen kann.

Was ich an den Büchern von Brigitte Riebe schätze, ist die gründliche Recherche, die ihren historischen Romanen zugrunde liegt. Und was das angeht, hat sie auch hier nicht enttäuscht. Unzählige Fakten über das besetzte Berlin sind hier in die Handlung eingearbeitet, oft nur in einem Nebensatz, manchmal aber auch etwas ausführlicher. Eine detaillierte Zeittafel am Ende des Buches rundet dies ab und kann Leserinnen, die mit dieser Periode nicht vertraut sind, zusätzliche Informationen bieten. Das ist allemal fünf Sterne wert!

Gestört haben mich allerdings die vielen glücklichen Zufälle und die daraus resultierende Vorhersehbarkeit der Geschichte, die auf mich im Endeffekt dann doch sehr unrealistisch gewirkt hat (dafür deshalb nur zwei Sterne), weshalb ich mir den Rest der Reihe – konzipiert ist die Geschichte der Schwestern auf drei Bände, in der jeweils eine von ihnen im Mittelpunkt stehen wird – sparen werde.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

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Das dunkle Herz der Stadt

George Pelecanos
Fester Einband: 246 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 20.08.2018
ISBN 9783869139173
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

George Pelecanos, amerikanischer Autor mit griechischen Wurzeln, ist in Washington D.C. aufgewachsen. Und es ist das Leben in dieser Metropole, die sein Schreiben geprägt hat, die in seinen Romanen immer wieder in den Vordergrund drängt. So auch in „Das dunkle Herz der Stadt“, dem Abschlussband der Nick Stefanos-Trilogie, erstmals 1995 erschienen, nun endlich auch von Karen Witthuhn sehr stimmig ins Deutsche übersetzt und in dem fränkischen Verlag ars vivendi erschienen. Bleibt zu hoffen, dass der Roman viele Leser findet – verdient hätte er es allemal, auch wenn die Hauptfigur Nick Stefanos nicht der typische Sympathieträger ist. Ex, das ist das vorherrschende Persönlichkeitsmerkmal von Stefanos. Ex-Cop und Ex-Privatdetektiv, ein Säufer, der die Spirituosen auf Ex kippt, zu denen er durch seinen Job als Barkeeper unbeschränkten Zugang hat.

Als er nach einem seiner Alkoholexzesse völlig derangiert am Flussufer erwacht, erinnert er sich vage daran, dass er in der vergangenen Nacht den gedämpften Knall eines Schalldämpfers gehört haben könnte. Gehört haben könnte, wie jemand ermordet wurde. Er hat sich nicht getäuscht, die Leiche eines Jugendlichen wird im Wasser gefunden. Aber interessiert sich jemand für die Aufklärung? Für die Polizei ist es nur ein Fall unter vielen. Ein ermordeter schwarzer Teenager? Schnell erledigt, ganz klar eine Gang-Geschichte, ein Junkie, Drogen - kann man ad acta legen. Nicht so Nick, der Zweifel an dieser Theorie hegt, vor allem, weil auch ein Freund des Mordopfers von der Bildfläche verschwunden ist. Da ist er wieder, sein Schnüfflerinstinkt, der ihm keine Ruhe lässt. Und der so heftig an ihm nagt, dass er die Nachforschungen selbst in die Hand nimmt, unterstützt von Jack LaDuke, der Auftrag hat, den vermissten Freund des Opfers zu finden.

Es gibt zwei Protagonisten in diesem Kriminalroman. Einerseits natürlich Nick Stefanos, der uns aus der Ich-Perspektive an den Ermittlungen in diesem Fall sowie auch äußerst ausführlich an seinem Leben teilnehmen lässt. Zum anderen die Unterwelt von Washington, Hauptstadt am Potomac, nicht glitzernd und glänzend sondern trostlos, dunkel und dreckig und kalt, deren Darstellung über die Jahre sich der Autor verschrieben hat. Er nimmt uns mit in die verrufenen Viertel, in die Sozialbauten, die „Projects“, wo die Verlierer des amerikanischen Traums hausen. Es ist eine Reise in die Finsternis, authentisch gestaltet durch Filmtitel, Automarken und natürlich die allgegenwärtige Musik aus dem Autoradio.

Nix für Zartbesaitete, aber für Freunde des Hardboiled-Genres ein absolutes Muss!

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(36)

87 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 27 Rezensionen

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Mein Ein und Alles

Gabriel Tallent , Stephan Kleiner
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Penguin, 24.09.2018
ISBN 9783328600282
Genre: Romane

Rezension:

Gabriel Tallent ist mit „Mein Ein und Alles“ ein Roman gelungen, der keinen Leser unberührt lassen wird, und ich kann mich der Meinung Stephen Kings anschließen, der dieses Debüt als ein Meisterwerk bezeichnet und es mit den großen Klassikern der amerikanischen Literatur vergleicht. Für mich ist es eine Mischung aus Thoreaus „Walden“ und Woodrells „Winter’s Knochen“. Thoreau wegen der ausufernd detaillierten Beschreibungen einer ungebändigten Natur, Woodrell wegen Turtle, dem Mädchen, das allerdings erst im Laufe der Handlung zu dieser Stärke gelangt, die Ree Dolly von Beginn eigen ist. Außerdem ist ein wichtiges Thema - und zutiefst amerikanisch - die Bedeutung der Waffen, deren Gebrauch und Pflege eine zentrale Rolle in diesem Roman einnimmt.

Tallent beschreibt eine Vater/Tochter-Story, die von Obsession, Dominanz und Missbrauch erzählt, aber gleichzeitig ist es auch die Geschichte der Befreiung aus einer zerstörenden Beziehung. Seit dem Tod der Mutter lebt Turtle mit ihrem Vater in den nordkalifornischen Wäldern. Es ist ein dreckiges, rohes Leben für das Mädchen, geprägt von physischen und psychischen Misshandlungen durch den obsessiven, in Waffen vernarrten Vater, der schöngeistmäßig einerseits die Werke der großen Philosophen liest, andererseits seine Tochter regelmäßig vergewaltigt. Die Gefühle des Mädchens sind widersprüchlich, sie hasst ihn und sie liebt ihn, ist er doch ihre einzige Bezugsperson. Aber dann lernt sie Jacob kennen, einen gleichaltrigen Jungen, der ihr zeigt, dass Beziehungen auch anders funktionieren können. Und das ist der Auftakt für Turtles schmerzhafte Befreiung von ihrem Vater.

Es ist ein eindringliches Leseerlebnis. Der Autor verlangt uns einiges ab. Manchmal muss man das Buch einfach zur Seite legen und das Gelesene sacken lassen, weil man die Brutalität in dieser Vater/Tochter-Beziehung kaum noch aushalten kann. Im Gegensatz dazu steht die Sprache, so poetisch und federleicht, die ein Gegengewicht schafft. Absolut beeindruckend, mit einer Protagonistin, die man so schnell nicht vergessen wird. Keine Frage, ein Roman für meine Jahresbestenliste!
 

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(75)

199 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

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Escape Room

Chris McGeorge , Karl-Heinz Ebnet
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur, 03.09.2018
ISBN 9783426226773
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Neu erfunden hat Chris McGeorge das Genre mit "Escape Room" nun wirklich nicht. Es ist eher eine Hommage an die Klassiker des Genres, von denen jeder mindestens ein Locked Room Mystery in seinem Oeuvre hat. Handwerklich ist dieser Thriller in Ordnung, und dennoch konnte er mich nicht packen. Die Figuren sind übersichtlich, allerdings fehlt mir in ihrer Charakterisierung dann doch die Tiefe. Sie bleiben blass, können keine Sympathien wecken. Die Story an sich wirkt konstruiert, woran auch die Rückblenden nichts ändern. Spannung und Interesse meinerseits am Fortgang der Handlung kam leider zu keinem Zeitpunkt auf. Eine typisch "akademisch" Arbeit, die er für seinen Abschluss in Creative Writing vorgelegt hat. Bitte, liebe Verleger, verschont uns zukünftig mit den Schreibversuchen dieser Möchtegern-Autoren!

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(88)

192 Bibliotheken, 12 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

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Die Suche

Charlotte Link
Fester Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 01.10.2018
ISBN 9783764504427
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Scarborough, North Yorkshire, an der englischen Ostküste. Auf der einen Seite die Nordsee, auf der anderen Seite die Hochmoore des North York Moors Nationalparks. Mädchen verschwinden, spurlos, und als nach einem Jahr vergeblicher Suche endlich eine Leiche auftaucht, macht schnell die Rede vom Hochmoor-Killer die Runde. Von außen betrachtet sind die betroffenen Familien intakt, schaut man aber genauer hin erkennt man deren Dysfunktionalität.

Aber Scarborough ist auch die Heimat von Kate Linville, DS bei Scotland Yard, die momentan vor Ort ist, um ihr total verwüstetes Elternhaus für den geplanten Verkauf auf Vordermann bringen zu lassen. Da sich auch die Tochter ihrer Bed & Breakfast Vermieter unter den Verschwundenen befindet, bitten diese um ihre Hilfe, obwohl für den Fall eigentlich DCI Caleb Hale von der hiesigen Polizei zuständig ist. Link-Lesern sind die beiden bereits aus dem 2015 erschienenen Kriminalroman „Die Betrogene“ bekannt, an den die Autorin in „Die Suche“ lose anknüpft. Was diese beiden angeht, ist noch alles beim Alten: Linville, die talentierte Ermittlerin, ist noch immer das graue Mäuschen ohne Selbstbewusstsein auf der Suche nach Akzeptanz und einer Beziehung, Hale ist ein Abhängiger und ist sich dessen auch bewusst, kämpft jeden Tag mit seiner Alkoholsucht. Mir war das etwas zu leblos und holzschnittartig, ich hätte mir etwas mehr Tiefgang gewünscht.

Auf 656 Seiten breitet Charlotte Link diesen Fall aus, wobei der Story eine Straffung sicherlich gut getan hätte. Die erste Hälfte erschöpft sich in endlosen Wiederholungen, es sind keinerlei Fortschritte im Handlungsverlauf zu erkennen. Alles ist klein klein, jedes Detail wird bis zum Äußersten ausgereizt, weshalb die Lektüre in diesem Stadium äußerst ermüdend für den Leser ist. In der zweiten Hälfte nimmt die Geschichte dann aber glücklicherweise Fahrt auf, entwickelt Spannung und weckt das fast erloschene Interesse des Lesers.

Was man Link zugutehalten muss, sie verliert nie den Überblick und schafft es, die verschiedenen Perspektiven – Linville, Hale, Opfer, Familien und Entführer – schlüssig weiterzuentwickeln, das große Ganze im Auge zu behalten und schlussendlich zu einem befriedigenden Ende zu bringen.

Fazit: Ein gefälliger Schmöker für dunkle Herbsttage, der Durchhaltevermögen erfordert und keine großen Ansprüche an den Leser stellt.

Bei der Bewertung habe ich zwischen drei und vier Sternen geschwankt und mich letztlich für vier entschieden, da die Autorin das geliefert hat, was man von ihr erwartet.

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(75)

92 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 71 Rezensionen

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Redemption Point

Candice Fox , Thomas Wörtche , Andrea O'Brien
Flexibler Einband: 439 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 02.10.2018
ISBN 9783518468982
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit „Redemption Point“, dem zweiten Band der Crimson Lake-Reihe, schreibt die australische Autorin Candice Fox die Geschichte um die beiden Außenseiter Ted Conkaffey und Amanda Pharrell fort. Die sich nicht gesucht, aber gefunden haben, weil sie beide erleben mussten, wie es ist, misstrauisch beäugt zu werden und ihr altes Leben zu verlieren. Ted, Ex-Cop und des Mordes an einer Dreizehnjährigen beschuldigt, und Amanda, die verurteilte Mörderin. Deren Wege sich an ihrem Rückzugsort in einer australischen Kleinstadt kreuzen und die nun gemeinsam als Privatdetektive arbeiten.

Es sind zwei Fälle, die die beiden zu bearbeiten haben. Da ist zum einen der noch immer ungeklärte Fall aus Teds Vergangenheit, der nun, unterstützt von dem Vater des Mädchens und einem Drogenboss, der schützend seine Hand über ihn hält, alles daran setzt, den wahren Täter dingfest zu machen. Amanda kümmert sich währenddessen mit Hilfe von DI Pip Sweeney um einen vermutlichen Raubmord, der sich in einer dubiosen Hinterhofkneipe ereignet hat.

Tja, was bin ich mit großen Erwartungen an diesen Nachfolgeband von "Crimson Lake" herangegangen. Umso größer war die Enttäuschung, hat sich dieser doch relativ schnell als das typische "Mittelbuch" einer Trilogie entpuppt. Absolut keine Fortschritte in den Entwicklungen der Personen und ihrer Backstorys, endlose Wiederholungen von Conkaffeys Geschichte, den falschen Beschuldigungen, seiner zerrüttenden Ehe und so weiter. Amanda hingegen nervt nur noch mit ihrem albernen, kindischen Getue. Und die "Liebes Tagebuch" Einträge des wahren Vergewaltigers setzen dem ganzen dann noch die Krone auf. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie alt denn die Protagonisten sind. Zehn oder zwölf Jahre?

Vielleicht hätte sich die Autorin eingehender von ihrem Mentor James Patterson beraten lassen sollen. Aber wahrscheinlich wäre auch er auf die Marketingtricks der Branche ausgewichen, die bei Reihen einen garantierten Umsatz wittern. Ich werde mir jedenfalls den abschließenden Band der Trilogie sparen.

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(83)

199 Bibliotheken, 18 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

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Der Outsider

Stephen King , Bernhard Kleinschmidt
Fester Einband: 752 Seiten
Erschienen bei Heyne, 27.08.2018
ISBN 9783453271845
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein elfjähriger Junge wird geschändet und ermordet aufgefunden, und alle Zeugenaussagen deuten auf Terry Maitland, den allseits beliebten Trainer des Jugend-Baseball Teams als Täter hin, der schließlich vor den Augen des vollbesetzten Stadions verhaftet und abgeführt wird. Nicht nur der zuständige Detective sowie der Staatsanwalt sind sich ihrer Sache völlig sicher, auch die Einwohner von Flint City wollen Maitland hängen sehen. Die Indizien sind eindeutig, oder etwa doch nicht? Denn im Laufe der Untersuchung stellt sich heraus, dass es unumstößliche Beweise dafür gibt, dass der Verhaftete zum Tatzeitpunkt an einer Veranstaltung für Englisch-Lehrer teilgenommen hat. Erst als Holly Gibney, King-Lesern bekannt aus der Mercedes-Trilogie und bekennende Cineastin, den entscheidenden Hinweis gibt, stellen die Verantwortlichen fest, dass es offenbar doch Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die sich nicht so einfach erklären lassen. Aber für Terry Maitland und die Familie des Opfers kommt diese Einsicht leider zu spät.

Diesmal also nicht Derry, Maine sondern Flint City in Oklahoma, Mittlerer Westen (65,3 % für Trump, 28,9 % für Clinton), später nahe Austin, Texas, beides traditionell konservative Staaten. Ich gehe davon aus, dass sich Stephen King etwas dabei gedacht hat, als er die Kleinstadt Flint als Handlungsort für seinen neuen Roman „Der Outsider“ auserkoren hat. In Ansätzen mag er hier eine Bestandsaufnahme des heutigen Amerika unter Trump gemacht haben, aber die Belege dafür sind mir dann doch etwas zu mager. „Make America great again“-Mützen, ein paar Trump-Schilder und ein Autoaufkleber „Ich bin für Hillary“ – das war’s dann aber auch schon. Der Hass gegen den pädophilen Mörder, der aus den Einwohnern von Flint einen Lynchmob macht, ist nicht typisch amerikanisch. Das könnte in der Tat überall passieren. Und auch die Verbreitung „offizieller“ Informationen/Nachrichten, ganz gleich ob Fake oder nicht, ist mittlerweile durch die Konzentration im Pressebereich und die schnelle Verbreitung via Social Media weltweit gesichert. Am ehesten geht hier für mich noch die Zuckermelone voller Maden als Anspielung auf das heutige Amerika durch: außen hui und innen pfui.

„Der Outsider“ kommt in typischer King-Manier daher. Allerdings gilt es gerade zu Beginn eine längere Durststrecke (ca. 150 Seiten) zu überwinden, in der die diversen Zeugenaussagen protokolliert werden. Erst danach kommen die bekannten Zutaten zum Einsatz und der Krimi wechselt das Gewand in Richtung Horrorthriller, wobei die Schlusssequenz meiner Meinung nach etwas zu versöhnlich ausfällt. Aber vielleicht wird Stephen King langsam auch altersmilde…

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Blutiger Januar

Alan Parks , Conny Lösch
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 03.09.2018
ISBN 9783453271883
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Riege der schottischen Autoren hat Zuwachs bekommen – und was für einen! Mit „Blutiger Januar“ legt Alan Parks einen Erstling hin, der es in sich hat. Im Zentrum steht Harry McCoy, Detective bei der Polizei in Glasgow. Aber er geht seinem Job nicht in dem Glasgow nach, das 1990 Europäische Kulturhauptstadt wurde. Das wäre wahrscheinlich auch zu langweilig. Nein, Parks hat sich dafür zwanzig Tage im Januar 1973 ausgeguckt, eine Zeit also, in der die Stadt, bedingt durch den Niedergang der Wirtschaft, am Boden liegt. Hohe Arbeitslosigkeit, daraus resultierende Armut und leere Stadtsäckel sorgen dafür, dass die Kriminalitätsrate an die Decke geht und Glasgow an die Spitze der Verbrechenshauptstädte Europas vorrückt. Drogen, Prostitution, organisiertes Verbrechen. Das zeigt uns Parks: einen ungeschönter Blick auf die Elendsquartiere der Obdachlosen und die Tristesse der kleinen Leute auf der einen Seite, Protz und Prunk der Wohlhabenden auf der anderen.

 Ausgangspunkt ist der Mord an einer jungen Frau, deren Mörder sich nach dem tödlichen Schuss selbst richtet. Einer von McCoys ehemaligen „Klienten“, aktuell im Knast von Barlinnie einsitzend, hatte ihm die Tat angekündigt, wusste aber nicht warum und von wem. Gemeinsam mit dem Neuling Wattie wird er auf den Fall angesetzt. Allerdings wissen seine Vorgesetzten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er damit jede Menge Dreck an die Oberfläche befördern und nicht nur dem Glasgower Geldadel gehörig auf die Füße treten wird, denn in diesem Krimi ist keiner ohne Schuld.

„Everybodys darling“ wird McCoy nun sicherlich nicht werden, Vorzeigepolizist geht anders. Er trinkt zu viel, konsumiert Drogen und geht keiner Prügelei aus dem Weg. Seine Freundin ist eine heroinabhängige Prostituierte, sein Freund aus Kindertagen ein gewalttätiger Schläger in der Glasgower Unterwelt, mit dem ihn eine gemeinsame Vergangenheit in einem Kinderheim verbindet.

 Die Story an sich ist gradlinig geplottet, düster, stellenweise harte Kost, dem „Tartan Noir“ zuzuordnen. Allerdings bleibt Parks z.B. im Vergleich mit Mina, der anderen Chronistin Glasgows, eher an der Oberfläche. McCoy sieht, was um ihn herum vor sich geht, die Schieflage der Gesellschaft, aber kommentiert das höchstens in Ansätzen. Hier hätte ich mir etwas mehr Reflexion/Kritik gewünscht, aber es sei ihm verziehen. Und kann ja noch kommen, denn „Blutiger Januar“ ist der erste Band der Reihe mit Harry McCoy. Der Nachfolger „February’s Son“ ist im Original, wie könnte es anders sein, für Februar 2019 angekündigt und wird natürlich auch gelesen.

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