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38 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 29 Rezensionen

österreich, historischer roman, donaumonarchie, kaiser, erster weltkrieg

Der Sturz des Doppeladlers

Birgit Mosser
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Amalthea Signum, 05.09.2016
ISBN 9783990500521
Genre: Historische Romane

Rezension:

Berta ist Kindermädchen in einem angesehenen Haus. Als sie erfährt, dass ihr Verlobter gefallen und sie zu allem Unglück 1916 mitten im 1. Weltkrieg schwanger ist, bleibt kein Stein auf dem anderen.

Julius Holzer ist stolzer Österreicher - Tiroler. An der Grenze zu Italien aufgewachsen, fällt es ihm schwer gegen die Italiener zu kämpfen, waren sie doch viele Jahre Nachbarn, sogar Verwandte von ihm sind Italiener. Doch der Krieg unterscheidet nicht, er zerstört Leben und Seelen ohne nach ihren Namen zu fragen.

Rittmeister August Belohlavek ist kaisertreu und pflichtbewußt. Doch auch er muss miterleben, wie das große Kaiserreich zunehmend auseinander fällt und alle Normen, Gesetze und Traditionen an Gültigkeit verlieren und schließlich muss er erkennen und feststellen, dass auch sein Status nichts mehr wert ist, denn die Welt beginnt sich neu zu drehen.

Sektionschef Ferdinand von Webern muss tatenlos zusehen, als sich seine Tocher - nun endlich großjährig zum Einsatz als Lazarettschwester meldet. Der Vater wird halb krank vor Sorge, doch gleichzeitig wollen auch die Regierungsgeschäfte nach dem Tod des Kaisers 1916 weitergeführt werden. Aber es scheint, Kaiser Karl hat wenig Geschick um das Land aus dem Krieg zu führen. Der Vielvölkerstaat zerbröselt unter seinen Händen.

Birgit Mosser erzählt die Geschichten von 4 Familien in den letzten 2 Jahren des ersten Weltkrieges. Geschickt verwebt sie die Geschichten mit historischen Ereignissen, verknüpft aber die Schicksale der Menschen auch miteinander.  Historisch korrekt recherchiert und gleichzeitig berührend und empathisch geschrieben - das macht Birgit Mossers' ersten Roman aus. Die LeserInnen tauchen in die Welt vor genau 100 Jahren ein und erleben nicht nur die Schrecken des Krieges sondern auch verletzten Stolz, stures Festhalten an einer vergangenen Zeit und damit verbunden - persönliches Scheitern, Liebe - wo alle Hoffnung schon verloren scheint, Aufstieg und Untergang.

Empfehlenswert!


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(91)

167 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

mord, freundschaft, internet, soziale netzwerke, jugendthriller

Schlehenherz

Heike Eva Schmidt
Flexibler Einband: 238 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter, 01.01.2012
ISBN 9783800056705
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Lila und Vio sind beste Freundinnen, sie teilen alles miteinander. Ganz normale Teenager eben. Lila ist die ruhigere von beiden, aus gutem Elternhaus. Vio ist rebellisch und hat es mit ihrer alleinerziehenden Mutter nicht immer leicht. Sie ergänzen sich also perfekt und sind immer füreinander da, Geheimnisse voreinander kennen sie gar nicht. Oder vielleicht doch?

Kurz vor einer Schulparty hat Vio wieder eine Auseinandersetzung mit ihrer Mutter, sie setzt sich über ihren Hausarrest hinweg und möchte bei Lila unterkommen. Doch diese hat Bedenken. Vio fühlt sich von der besten Freundin verraten und zieht alleine in Richtung Party. Dort allerdings verliert sich ihre Spur...

Die Charaktere sind in sich schlüssig aufgebaut und handeln nach ihren Eigenschaften, es entsteht nicht der Eindruck, dass die Autorin zugunsten des Plotts der Charaktergestaltung untreu wird. Lila leidet unter dem Verlust der besten Freundin und wer auch immer schon einen lieben Menschen verloren hat, kann ihre Gefühle und Gedanken voll und ganz nachvollziehen.

Das zieht die LeserInnen in das Buch, es macht traurig, aber es macht auch gleichzeitig Hoffnung und diese Komponenten sind im Genre des Jugendthrillers wichtig und es ist schön sie hier anzutreffen.

Mit "Schlehenherz" finden sich die LeserInnen in einem bedrückenden Jugendthriller wieder, der es trotz seiner jugendlichen Ausrichtung schafft ganz schön Tempo zu machen.

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(451)

737 Bibliotheken, 6 Leser, 10 Gruppen, 119 Rezensionen

liebe, stalking, wien, stalker, angst

Ewig Dein

Daniel Glattauer
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 06.02.2012
ISBN 9783552061811
Genre: Romane

Rezension:

Judith ist glückliche Single-Frau. Ihr Leben ist angefüllt mit ihrem Beruf als Inhaberin eines Lampengeschäfts. Sie ist beliebt in ihrem Freundeskreis und wird von ihrer Familie geschätzt. In einem Lebensmittelgeschäft läuft sie Hannes Bergtaler über den Weg, einem charmanten Architekten der sich anstellt ihr Herz zu erobern. Doch was wie eine zarte Liebesgeschichte beginnt, entwickelt sich bald zu einem undurchdringbaren Psychodschungel.

Dem Buch fehlt leider eine gewisse Tiefe, die Charakterbildung wurde anscheinend zugunsten des Plotts gekürzt. So bleiben vor allem die Motive von Hannes deutlich im Hintergrund, was der Spannung abträglich ist. Judiths' Charakterzüge werden so gut wie gar nicht deutlich und es scheint eher, dass die Figur sich nur dem Plott dienlich verhält, zuerst naiv, dann verängstigt und schließlich entschlossen und voller Energie - wobei das in Anbetracht verschiedener Umstände im Verlauf des Buchs mehr als unwahrscheinlich erscheint.

Daniel Glattauer hat uns zarte Romane wie "Gut gegen Nordwind" geschenkt und auf den ersten Blick scheint auch "Ewig dein" genauso ein Roman zu sein. Am Ende des Buchs wird aber kein Stein mehr auf dem anderen sein und die LeserInnen bleiben verstört zurück.

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(98)

178 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

liebe, new york, zukunft, musso, vielleicht morgen

Vielleicht morgen

Guillaume Musso , ,
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 09.11.2015
ISBN 9783492307680
Genre: Romane

Rezension:

Matthew ist seit einem Jahr Witwer, die Rückkehr ins Leben fällt ihm schwer. Nur für seine kleine Tochter versucht der einst charismatische Universitätsprofessor so etwas wie Normalität aufrecht zu erhalten. Die Versuche seiner Mitbewohnerin April, ihn wieder in ein aktives Leben zu führen, scheitern meist kläglich. Eines Tages überredet April ihn, sie zu einem Kunden zu begleiten. Auf einem Hausflohmarkt ersteht Matthew ein gebrauchtes MacBook.

Auf der Festplatte sind noch Fotos der vorherigen Besitzerin, also kontaktiert er sie kurzerhand. Diese meint allerdings sie besitzt ihr MacBook noch immer und hat auch nicht vor es zu verkaufen. Es entwickelt sich ein E-Mail-Verkehr, der immer seltsamer wird.

Der sympathische aber durch den Tod seiner Frau gebrochene Matthew ist ein herrlich, liebevoller Protagonist, den man gern begleitet und sich bald mit ihm identifiziert. Man wünscht ihm Gutes und leidet mit ihm, wenn es ihm verwehrt bleibt.

Der/die Antagonist/in bleibt lange im Dunkeln versteckt, umso schockierender präsentiert sich diese Person dann, als sie ins Licht des Romans rückt.

Guillaume Musso, der Meister der kryptischen Wendungen bleibt sich in "Vielleicht morgen" treu. Geschickt mischt er die Genres "Liebesgeschichte" und "Mystery Thriller" ineinander und erschafft dadurch einen wahren Page Turner. Auf jeden Fall empfehlenswert - nicht nur für Frauen.

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(66)

120 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

schriftsteller, liebe, krimi, freundschaft, labil

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Joël Dicker , Carina von Enzenberg
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.05.2016
ISBN 9783492307543
Genre: Romane

Rezension:

„Die Wahrheit ändert nichts an dem, was man für einen anderen Menschen empfindet. Das ist ja die Krux mit den Gefühlen“ (S. 680)

Marcus Goldman ist der aufsteigende Stern am Literaturhimmel. Sein erstes Buch schlägt wie eine Bombe ein und macht aus ihm einen gefeierten, wohlhabenden Mann. Er unterschreibt einen Vertrag mit einem großen Verlag über mehrere Folgebücher und schlittert dann langsam aber unaufhaltsam in eine Schreibkrise.

Als der Verleger ihm schließlich mit Klage droht, sollte er sein zweites Buch nicht fristgerecht fertig stellen, flüchtet Goldman zu seinem früheren Mentor Harry Quebert. In der Abgeschiedenheit des Städtchen Aurora, hofft er die Inspiration zu finden um das geforderte Buch doch noch verfassen zu können.

Die Entdeckung aber, die er im Haus von Quebert machen wird und die darauffolgenden Ereignisse, sollen das Leben von Marcus komplett verändern.

Joel Dicker knallt uns rund 700 Seiten Buch um die Ohren und sagt nicht dazu was es sein soll. Ist es Literatur, Krimi, Liebesgeschichte oder doch eher Gesellschaftskritik? Ich würde sagen, ein bisschen was von all diesen Dingen und dann noch in der beinah perfekten Mischung. Wir erleben eine Männerfreundschaft, wie sie wohl nur einmal im Leben vorkommt, ein Lehrer und ein Schüler, die sich lieben wie Vater und Sohn und sich vielleicht gerade deswegen nichts schenken und sich das größte Geschenk des Lebens überhaupt machen – sie erlauben sich an der Ehrlichkeit des jeweils anderen zu wachsen.

Wir erleben eine Mutter, die besessen von seit jeher gültigen sozialen Normen geprägt, alle heiligen Zeiten bei ihrem Sohn anruft und ihm die Hölle im Bezug auf sein Single-Dasein heiß macht. Dabei bringt sie alle Waffen der emotionalen Erpressung gezielt und für  beeinflussbare Charaktere absolut tödlich zum Einsatz. Den LeserInnen entkommt beim Lesen hier sicher der eine oder andere herzhafte Lacher.

Eine Kleinstadt, gebeutelt von einem schrecklichen Verbrechen, hüllt sich in Schweigen und verschwindet lieber in totale Verdrängung als sich der Vergangenheit und ihrer Auswirkungen zu stellen.

Schließlich erleben wir mit Goldmans‘ Verleger den absoluten Mitläufer im Web 2.0 – Wahnsinn. Barnaski surft auf jeder Welle, die Geld verspricht mit. Um die nächste Million zu machen würde er wahrscheinlich seine Mutter samt Schoßhündchen dem Teufel verkaufen und am Scheiterhaufen des Social Media Hypes noch selbst anzünden. Alles für die Klicks, alles für die Verkaufszahlen. Ethik, Moral oder Respekt vor der Kunst existieren für ihn nicht.

Einzig die Liebesgeschichte bleibt auf weiten Strecken recht unnahbar. Als LeserIn ertappt man sich immer wieder dabei, dass man den Liebenden ihre tiefen Gefühle nicht ganz abnimmt. Nichts desto trotz hat der Autor einen Roman geschaffen, der bis zur letzten Seite spannend und unvorhersehbar bleibt.

Dicker nimmt uns mit auf eine Reise in den scheußlichsten Abgrund der menschlichen Seele um uns zu zeigen, dass genau dort auch die schönsten Eigenschaften eines Menschen wohnen können.

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(78)

156 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 51 Rezensionen

münchen, zwillinge, holunder, rezepte, familiengeschichte

Die Holunderschwestern

Teresa Simon
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2016
ISBN 9783453419230
Genre: Historische Romane

Rezension:

Katharina Raith betreibt eine Werkstatt als Möbelrestauratorin gemeinsam mit ihrer Kollegin Isi. Sie entstammt einer Linie stolzer Frauen, am bekanntesten die Urgroßmutter Fanny von der alle mit großer Hochachtung sprechen und deren Erbe noch immer in der Familie spürbar ist. Als plötzlich ein charmanter Engländer vor Katharinas‘ Tür steht und ihr verschollene Tagebücher ihrer Urgroßmutter übergibt, droht das hohe Podest der Urgroßmutter zu bröckeln. Katharina erfährt  durch die Tagebücher die ungeahnte Geschichte einer Frau, die in den „zerrissenen Jahren“ – den Jahren zwischen den großen Kriegen jung war und ihr Leben versuchte zu meistern.

Ihre Partnerin Isi hat ein Talent überteuerte Möbelruinen anzuschleppen, aber als sie eine Ladenzeile aus den 1920er Jahren auftut ahnen beide Frauen noch nicht wie eng ihr Schicksal mit dieser verwoben sein wird…

Teresa Simon verzauberte uns vor einem Jahr mit ihrem Debütroman „Die Rosenblütenvilla“. Ihr zweiter Roman ist ungefähr in der gleichen Zeitepoche angesiedelt und wieder geht es um eine Familiengeschichte, die ihre Schatten von der Mitte des vergangenen Jahrhunderts bis weit in die Gegenwart zu werfen vermag. Liebevoll ausgearbeitete Charaktere bewegen sich in einer hervorragend recherchierten Umgebung. Vergangenheit und Gegenwart fließen völlig natürlich ineinander.

Katharina ging in ihren eigenen Weg aus dem Schatten einer überkritischen Mutter heraus, die wie sich später herausstellt, durch übertriebenen Ehrgeiz ihre Unsicherheit und Selbstzweifel besiegen wollte, dass dabei die Beziehung zur einzigen Tochter auf der Strecke bleibt, stellen die beiden Frauen beinahe zu spät fest.

Interessant ist auch die Verbindung von Fanny und Fritzi den ungleichen Zwillingsschwestern. Während Fanny sich dem Leben stellt und ihm mit Kraft und Durchhaltevermögen begegnet, scheint Fritzi wie ein Blättchen im Wind vom Schicksal durchgewirbelt zu werden. Was die Schwestern verbindet, scheint sie auch zu trennen, denn sie neiden einander die Eigenschaften der jeweils anderen.

Die zerrissenen Jahre, also die Zeit zwischen den zwei großen Kriegen, werden erschreckend gut dargestellt, die aufkeimende Hoffnung der Menschen nach Ende des ersten Weltkrieges sowie die bittere Enttäuschung dieser Hoffnungen lässt die Leserinnen oft erdrückt innehalten. Mehr als einmal wünscht man sich einen alternativen Ausgang als die steile Karriere Hitlers, die mit seiner Machtergreifung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Was Simon vor allem im letzten Drittel des Buches fehlt, ist eine klare Linie, die sie verfolgt um offene Erzählstränge zu einem stimmigen Ende zu bringen. Der Ausgang verschiedener Teilgeschichten bleibt völlig im Dunkeln. Zwar mutmaßen die ProtagonistInnen zu einigen Ereignissen über einen möglichen Ausgang, aber auch das wird nur halbherzig verfolgt.

Der obligatorische Kitsch-Schluss, den offensichtlich alle Frauenromane haben müssen hilft da leider auch nicht um die Leserin befriedigt zurück zu lassen. Trotzdem für Regenstunden oder einen Tag am Strand ein durchaus geeigneter und sehr schöner Roman.

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(84)

206 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

irland, historischer roman, krieg, kiera brennan, 12. jahrhundert

Die Herren der Grünen Insel

Kiera Brennan
Fester Einband: 960 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 15.02.2016
ISBN 9783764505592
Genre: Historische Romane

Rezension:

Irland im 12. Jahrhundert. Menschen kämpfen hier wie überall sonst auf der Welt ums Überleben. Das Mittelalter ist ein grausames Zeitalter, in dem der Mensch den Kräften der Natur so gut wie schutzlos ausgeliefert ist.

Es herrscht das Gesetz des Stärkeren, das Gesetz von Männern. Recht und Besitz erhält wer stark genug ist es sich zu erkämpfen. Frauen sind Ware, sie werden hin- und hergeschoben, politisch arrangiert verheiratet, unterdrückt  und geschändet.

Eine Insel – viele Gesichter, wir erleben nicht nur den nach aussen hart wirkenden Ascall und seinen jüngeren Bruder Alillán, sondern tauchen auch ein in die Erlebenswelten von gerissenen Händlern, intriganten Adligen, ehrbaren und weniger ehrbaren Rittern, Barden und vielen anderen mehr.

Über sechs Jahre begleiten wir die Schicksale der ProtagonistInnen, dabei wendet sich das Blatt des Schicksals mehr als einmal für alle Beteiligten.

Interessant ist die Erzählung der einzelnen Geschichten der Charaktere, die Handlungen einiger haben direkte Auswirkungen auf das Leben anderer und obwohl manche sich im Lauf des Buchs nie begegnen, sich nicht einmal kennen, sind ihre Schicksalsfäden doch untrennbar miteinander verwoben.

Kierra Brennan legt uns einen historischen Roman vor, dem es an nichts mangelt. Sie hält sich an dokumentierte Ereignisse und flicht diese ebenso flüssig in ihre Handlung ein wie sie fiktive und historisch belegte Personen abwechselt und zusammenbringt.

Dabei lässt sie sich fast 1000 Seiten lang Zeit. Doch nicht ein einziges Wort scheint diesem Roman zu viel zu sein. Jegliches Ereignis, jeglicher Dialog, jede Beschreibung, jeder Einblick in die Gedankenwelt einer Person oder die Beschreibung der wilden grünen Insel, wirkt durchdacht und wohl überlegt. Da ist nichts zu viel.

Das Ende ist offen gehalten, mit ein wenig Glück dürfen wir uns auf weitere Geschichten von Ascall, Rósín und Faolán freuen.

Insgesamt ein rundherum stimmiges Buch, das allerdings nicht wenig von den LeserInnen verlangt, komplexe Handlungsstränge, schwer lesbare Namen, für Fans von Historischen Romanen genau das Richtige, für alle anderen mitunter eine Herausforderung. 

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

koma, wachkoma, spannend, reporterin

Locked in - Wach auf, wenn du kannst

Holly Seddon
E-Buch Text: 433 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 14.03.2016
ISBN 9783641170318
Genre: Sonstiges

Rezension:

Alex Dale ist freie Journalistin. Aktuell beschäftigt sie sich mit den Arbeiten von Dr. Haynes, einem Arzt dem Herausragendes in der Forschung mit WachkomapatientInnen gelingt.

Eher zufällig stößt sie auf den Fall von Amy Stevenson, das Mädchen wurde vor 15 Jahren schwer misshandelt und liegt seitdem im Wachkoma. Alex ist ungefähr im gleichen Alter wie Amy und kann sich dunkel an ihren Fall erinnern, da sie zum Zeitpunkt des Verbrechens auch in der gleichen Gegend wohnhaft waren.

Sie versucht mit Hilfe ihres Ex-Mannes, der bei der Polizei arbeitet, den Fall neu aufzurollen. Dabei steht ihr aber ein Umstand gewaltig im Weg. Ihre massive Alkoholsucht.

Aus der Sicht von 4 unterschiedlichen Personen rollt Holly Seddon ihre Geschichte auf. Besonders interessant ist dabei die Perspektive von Amy, die seit Jahren im Wachkoma liegt und dennoch ihre Umgebung wahrnimmt. Obwohl gefangen in ihrem Körper, versucht sie aus den Einflüssen, die auf sie einströmen ihre Schlüsse zu ziehen und zu verstehen was um sie geschieht.

Alex kämpft gegen den Dämon Alkohol und ihr Kampf, lässt uns mit ihr mitfiebern. Ihre Leidenschaft Amys‘ Geschichte aufzudecken trotz der vielen Hindernisse, die sie sich selbst in den Weg stellt, ist ein Beispiel für Disziplin auch unter widrigsten Umständen.

Der Plot ist stimmig und wird spannend vorangetrieben. Leider verabsäumt Holly Seddon neben der Story auch die Charaktere weiter zu entwickeln. Komplexe Situationen lösen sich gerade im letzten Drittel des Buches in Wohlgefallen auf. Offensichtlich psychologische Probleme mancher Charaktere verschwinden angesichts schöner Ereignisse im Nichts.

Das Buch endet an der Stelle wo es im Eigentlichen Sinn erst interessant werden könnte. Die Tragik des Falls wird nach seiner Auflösung zwar deutlich, was dieser Umstand allerdings mit den Beteiligten macht, wie sie alle mit dieser Traumatisierung umgehen und sie vielleicht lösen oder an ihr scheitern, bleibt völlig offen. Ebenso Amys‘ weitere Geschichte.

Ein interessantes, auch ein wenig ungewöhnliches Buch für zwischendurch, ohne wirklichen Tiefgang.

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(344)

664 Bibliotheken, 15 Leser, 2 Gruppen, 159 Rezensionen

selbstmord, liebe, suizid, depression, jennifer niven

All die verdammt perfekten Tage

Jennifer Niven ,
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Limes, 28.12.2015
ISBN 9783809026570
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Theodore Finch lernt Violet auf dem Glockenturm der Schule kennen. Sie starrt paralysiert in die Tiefe und er kann sie vor dem Sturz in den sicheren Tod bewahren.

Violet hat ihre Schwester erst vor einigen Monaten bei einem Verkehrsunfall verloren. Sie ist einsam, weicht Lehrern und Eltern aus, versteckt sich hinter ihrer Trauer und steuert auf die komplette Apathie zu.

Theodore kann sie überzeugen, mit ihm gemeinsam an einem Schulprojekt zu arbeiten, das sie zu entlegenen Winkeln von Indiana führt.

Violet beginnt Vertrauen in Finch, wie ihn alle nennen, zu fassen und sich wieder dem Leben zu öffnen. Mit jedem Stückchen Lebensfreude, das sie sich zurückerobert, scheint Finch jedoch genau diese Lebensfreude zu verlieren.

„All die verdammt perfekten Tage“ ist ein Jugendroman im Fahrwasser von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter, eine Liebesgeschichte zweier junger Menschen, die an der Schwelle zum Erwachsen werden stehen und drohen zu scheitern.

Finch ist ein Eigenbrödler, ein seltsamer Kauz – kurz ein richtiger Nerd. Er ist die Zielscheibe von Hohn und Spott an der Schule, scheint sich aber kaum etwas daraus zu machen. Er spielt mit unterschiedlichen Charakterzügen, so wie andere Menschen ihre Kleider wechseln. Finch hat ein schwieriges Elternhaus und ist sich oft selbst überlassen. Es mangelt ihm an Vorbildern, zu denen er aufsehen und sich orientieren kann.

Violet ist genau das Gegenteil, bis zum Tod ihrer Schwester war sie beliebt, ein Cheerleader aus einem geordneten Elternhaus. Sie gerät ins Straucheln und Theodore Finch scheint nicht unbedingt geeignet sie langfristig aus dem tiefen Loch zu befreien zu können, in dem sie seit dem Tod ihrer Schwester steckt.

Die Geschichte an sich, folgt einer nachvollziehbaren Idee. Leider springt der Funke für mich nicht so wirklich über. Finchs‘ Vergangenheit bleibt über weite Strecken im Dunkeln, was ihn tatsächlich so zerstört, finden die LeserInnen nicht heraus. Somit bleiben auch viele seiner Handlungen unverständlich.

Die zahlreichen wortschweren Zitate, die die Autorin für die Nachrichten nutzt, die Finch und Violet sich schreiben, geben dem Roman leider nicht mehr Tiefe sondern führen ihn in den Bereich der Pseudophilosophie. Es scheint, dass jedes Gespräch zwischen den ProtagonistInnen zum einzigartigen Moment hochstilisiert wird und das wirkt spätestens ab der Hälfte des Romans nur noch ermüdend.

Der Fort- und später Ausgang der Geschichte ist bald klar und kommt dann wenig überraschend daher, was auch dazu beiträgt, dass sie sich wie Kaugummi zieht.

Leider kann ich hier keine wirkliche Leseempfehlung aussprechen.

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(1.279)

2.017 Bibliotheken, 40 Leser, 3 Gruppen, 99 Rezensionen

dystopie, die bestimmung, veronica roth, tris, liebe

Die Bestimmung - Letzte Entscheidung

Veronica Roth , Petra Koob-Pawis
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.02.2015
ISBN 9783442482528
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Fraktionen sind zerfallen, Tris‘ Heimat liegt im Chaos. Die Fraktionslosen schließen sich zusammen und greifen unter Fours‘ Mutter Evelyn nach der Macht. Allerdings sind nicht alle von der Veränderung in der Stadt begeistert, es bilden sich Gruppen, die die Fraktionen wieder einrichten wollen.

Mitten in diesen Geschehnissen versuchen Tris und Four sich zurecht zu finden und landen in einer Mission, die sie aus der Stadt herausführen soll. Den Grenzzaun aber hinter sich gelassen, sind sie im Begriff eine Wahrheit zu erfahren, die ihr gesamtes bisheriges Leben absurd erscheinen lässt.

Mit „Letzte Entscheidung“ schließt die Trilogie um Tris und Four. Wir erleben die Geschichten von liebgewonnen Charakteren, die wir nun über drei Bücher begleiten durften und schon auf den ersten Seiten gelingt es Veronica Roth mit Leichtigkeit die LeserInnen wieder in ihr dystopisches Universum zu entführen.

Tris und Four sind nicht nur ein Liebespaar sondern auch ein disharmonisches Team. Ihr größtes Problem scheint die zu große Liebe zum jeweils anderen zu sein. Mit ihrem Bestreben den, die Andere vor Schaden zu bewahren, fügen sie einander oft Schmerz zu.

Die beiden sind ein Beispiel für gute Absichten, die wenn nicht ausgesprochen zu Katastrophen führen können und ihre verzweifelten Anstrengungen, alles richtig zu machen, begleiten wir im abschließenden Band von „Die Bestimmung“.

Roth gelingt es über drei Bände einen logischen Bogen zu spannen, der in sich schlüssig ist, und bleibt ihrem Stil und der Geschichte bis zum Ende treu.

Uneingeschränkte Leseempfehlung für alle drei Bände.

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(158)

281 Bibliotheken, 3 Leser, 7 Gruppen, 22 Rezensionen

thriller, russland, mord, sowjetunion, kgb

Kind 44

Tom Rob Smith , Armin Gontermann
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 30.04.2012
ISBN 9783442478071
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Leo Demidow hat im zweiten Weltkrieg gut gedient. Nach Kriegsende tritt er beim MGB ein und steigt dort rasch auf. Er ist ein fähiger Offizier, der Aufträge nicht lange hinterfragt sondern sie präzise und gnadenlos ausführt. Staatsfeinde werden zur Rechenschaft gezogen und ihrer gerechten Strafe zugeführt. Dass diese gerecht ist, davon ist Leo überzeugt. Für das höhere Ziel verschließt er die Augen und erlaubt sich weder Ethik noch Moral.

Als er schließlich einem untergeordneten Kameraden ausreden soll, dass dessen Sohn ermordet wurde, obwohl alle Indizien darauf hindeuten, beginnt sein fester Glaube in die Staatsweisheit erste Risse zu bekommen.

Bei einer weiteren Verhaftung, sieht Leo dann doch genauer hin und erkennt, die vermeintliche Unschuld des „Staatsfeindes“. Immer stärker hinterfragt er die Ziele und Vorgehensweisen des MGB.

Alles kippt schließlich, als Leo beauftragt wird, seine eigene Frau zu beschatten und schließlich der Spionage zu überführen…

Kind 44 ist der erste Teil einer dreiteiligen Thriller-Reihe von Tom Rob Smith. Wir begleiten den Protagonisten Leo und seine Frau Raisa auf ihrem Lebensweg in Russland unter Stalin.

Die Wirtschaftskraft wird vorangetrieben und ihr zugrunde liegt ein sehr eingeschränkter Kodex des Vertrauens in den Übervater Stalin, der keine Widerworte duldet und selbst das geringste Vergehen mit Verbannung oder Tod ahndet.

Der Held Leo kommt gar nicht so heldenhaft herüber, eher ist er ein Mensch, der versucht nicht aufzufallen und möglichst ungesehen die Karriereleiter hinauf zu  klettern. Erst als ihm sämtliche Vergünstigungen und Annehmlichkeiten abgeschnitten werden, beginnt er eine eigene Meinung zu entwickeln und lernt zu dieser auch zu stehen.

Kind 44 besticht durch ausführliche Charakterzeichnung der ProtagonistInnen, leider krankt es an derselben für den Antagonisten.

Die überdeutlichen Längen im Buch werden unglücklicherweise nicht durch wechselnde Schauplätze oder das Einbringen einer anderen Perspektive aufgebrochen und somit gerät, der flüchtige Leser vor allem im Mittelteil leicht ins Stocken.

Insgesamt verdient „Kind 44“ eher den Titel „Kriminalroman da auf allzu blutige Szenen zumeist verzichtet wird.

Gelungen ist der düstere und beklemmende Plot, der den Protagonisten im Lauf des Buchs zu einem und zu einem einzigen Ausweg führen.

Für hartgesottene LeserInnen, die auch bei Längen dran bleiben.

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(132)

210 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 77 Rezensionen

dresden, schokolade, liebe, rosen, familiengeschichte

Die Frauen der Rosenvilla

Teresa Simon
E-Buch Text: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 09.02.2015
ISBN 9783641144722
Genre: Romane

Rezension:

Anna hat alle Hände voll zu tun. Ihr gehört eine gut gehende Schokoladenmanufaktur und sie eröffnet gerade eine zweite Filiale. Ihr Großvater, zu dem sie ein sehr inniges Verhältnis hatte, hat ihr die Rosenvilla vermacht. Ein altes, herrschaftliches Haus, das sie mit sehr viel Liebe und noch mehr Geld renoviert hat.

Neben der Neueröffnung ihres zweiten Schokoladenladens beschäftigt sie sich mit den Wurzeln der Villa. Sie will das traditionsreiche Haus detailgetreu wieder herstellen. Dabei hat sie sich unzählige alte Rosensorten anliefern lassen, die sie mit einem Gärtner, der ihr zugleich ein guter Freund ist im Garten der Villa anpflanzt.

Eine sympathische Protagonistin, die wir auf der Suche nach ihrer Vergangenheit begleiten. Ein scheinbar längst vergessenes Geheimnis, das aber wie ein Schatten über der Familie liegt und Schokolade, zartbitter, bittersüß, süß, herb aber auf jeden Fall – Trost spendend.

Teresa Simons Buch weckt ganz unterschiedliche Gefühle und Stimmungen bei ihren (wahrscheinlich zumeist weiblichen) LeserInnen, Sehnsucht, Wärme, Neugier…alles kann mit dabei sein.

Leider kann die Autorin ab der Hälfte des Buches, die stimmungsgeladene Atmosphäre kaum halten und schafft es auch nicht, das komplexe Gefüge an Geschehnissen zu einem glaubhaften Strang “Vergangenheit” zu verarbeiten.

Die Glaubwürdigkeit einzelner Charaktere leidet darunter, dass sie dazu benutzt werden den Plott zu erfüllen und dadurch leidet auch die Lesefreude. Vor allem im hinteren Drittel wirken die Szenen eiligst aneinandergereiht. Was sich geschmeidig aneinander reihen sollte wirkt konstruiert und mühsam in den Rahmen gepresst. Einige grobe Schnitzer seitens des Lektorats machen es den LeserInnen dann auch nicht gerade leicht.

Für einige Stunden ein schönes Buch, das aber den Erwartungen, die es geweckt hat, nicht gerecht werden konnte.

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(45)

59 Bibliotheken, 0 Leser, 5 Gruppen, 36 Rezensionen

japan, katze, garten, katzen, glück

Der Gast im Garten

Takashi Hiraide , Ursula Gräfe
Fester Einband: 133 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 07.03.2015
ISBN 9783458176268
Genre: Romane

Rezension:

Ein Pärchen im mittleren Alter hat sich eine kleines Haus etwas außerhalb Tokyos gemietet. Dort leben sie relativ farblos vor sich hin. Sie streiten sich nicht, sie streiten sich nicht mit den Nachbarn. Aber sie leben auch nicht richtig. Bis das Leben in Form einer kleinen Katze bei ihnen Einzug hält und langsam aber sicher alles verändert.

Takashi Hiraide bildet mit seinem kleinen Roman, der mit wenigen Worten auskommt um eine atemberaubende Stimmung zu erzeugen, die Abgestumpftheit unserer Gesellschaft ab. Zwei Menschen, die einander haben und doch füreinander und für andere wortlos geworden sind, beginnen sich über ein scheinbar unbedeutendes Wesen - eine Katze - wieder zu spüren. Sie nehmen wahr und erleben, was um sie herum passiert. Und nicht nur das, sie reflektieren wieder, sich selbst aber auch andere.

Mit wenigen Sätzen erzählt er uns, wie farblos das Leben ist, wenn wir uns nicht an andere knüpfen und uns von ihnen in ihre Leben knüpfen lassen.

Die kleine Katze Chibi schleicht sich in so ein fade gewordenes Leben und mit ihrer bloßen Anwesenheit verändert sie so vieles in den Herzen der Menschen um sie herum.

Takashi Hiraide zeigt uns - das Leben. Das Leben, das einfach - IST. Mit und ohne große Dramen, mit und ohne große Katastrophen. Das Leben fragt nicht, es hinterfragt nicht - es fließt und wir fließen für den Bruchteil eines Wimpernschlages mit.

Ein kraftvolles Buch, das ganz ohne "Knuff" - "Bumm" - "Bäng" auskommt. Lesenswert!

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(81)

196 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 18 Rezensionen

liebe, tiger, fantasy, indien, band 4 der reihe tiger-saga reihenfolge

Schwur des Tigers - Eine unsterbliche Liebe

Colleen Houck , Beate Brammertz
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Heyne, 19.01.2015
ISBN 9783453269767
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ren, Kishan und Kelsey steht die 4. Aufgabe Durgas' bevor, doch zunächst gilt es Kelsey aus den Fängen des Zauberers Lokesh zu befreien. Lokesh will seine Macht mit der Kelseys' vereinen um noch mächtiger zu werden.

Sein Größenwahn kennt keine Grenzen, mit Kelseys' Hilfe will er zum Dämon werden und sich die ganze Welt unterwerfen.

Ren, der seine Erinnerungen wieder hat, muss damit zurechtkommen, dass Kelsey nun mit Kishan zusammen ist. Sie aufzugeben kommt für ihn allerdings keine Sekunde lang in Frage.

Der langersehnte 4te Band der Tiger-Reihe ist endlich auf Deutsch erschienen und verspricht das epische Finale der Geschichte um Kelsey und ihre zwei Tiger. (Mittlerweile ist aber bekannt, dass Colleen Hock bereits an Teil 5 arbeitet :) )

Die zunehmende Oberflächlichkeit, die sich schon in Band 3 ausbreitete, wird in "Schwur des Tigers" noch verstärkt. Weder Kelsey noch Ren scheinen durch ihre Abenteuer und Geschehnissen an Erfahrung zu gewinnen oder aus Widerfahrenem Konsequenzen zu ziehen.

Der kantige und unbeugsame Kishan verkommt in Kelseys' Nähe zum Schmusekätzchen und überhaupt ist das Buch auf weiten Strecken einfach zu nett, zu glatt zu vorhersehbar.

Die Gaben Durgas' machen inzwischen jede Bedrohung zu einem Witz, denn sie lösen einfach jedes Problem mit einem Augenzwinkern. So flauen auch Situationen mit ordentlich Spannungspotential nach wenigen Sätzen schnell ab, weil klar wird, dass die ProtagonistInnen mühelos die Oberhand behalten werden.

Einzelne Erzählstränge enden im Nichts, werden nicht aufgelöst oder schlimmer führen zu logischen Fehlern in der Geschichte.

Das Ende mag Fans der Reihe versöhnen, für mich allerdings wurde hier Potential zu einer großen, authentischen Liebesgeschichte schlichtweg vernichtet.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

magie, mut, zauberei, drachen, familie

Der Drache hinter dem Spiegel

Ivo Pala
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 27.11.2014
ISBN 9783737351010
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Der Spiegel selbst war uralt und an vielen Stellen fleckig; trotzdem konnte William sich gut darin sehen. Er las Erleichterung in seinem Gesicht, aber auch Besorgnis, hinter dem Vorhang doch keine Tür gefunden zu haben.” (S. 72)

William und seine 4 Geschwister sind auf dem Weg zu ihrem Großvater, den sie noch nie gesehen haben. Der Vater ist schwer erkrankt und die Mutter mit 5 Kindern und der Pflege des Vaters, dem es stetig schlechter geht, schlicht überfordert.

Nach einer wilden Überfahrt ins fremde Schottland, finden sich die 5 allein wieder. Der Großvater, der sie hätte abholen sollen taucht nicht auf. Also machen sie sich auf eigene Faust auf die Suche nach seinem Schloss.

Dort angekommen stellen die 5 schnell fest, dass der Großvater sich doch sehr von ihren Vorstellungen eines alten, zittrigen Väterchens unterscheidet. Dazu kommt das mystische, weitläufige Schloss, das seine ganz eigenen Geheimnisse birgt. Sich neugierig vorzuwagen, ist aber vielleicht nicht immer eine gute Idee, wie die Geschwister bald feststellen werden…

Ivo Pala legt mit “Der Drache hinter dem Spiegel” sein erstes Kinderbuch vor. Die nordische Mythen- und Sagenwelt, hat es dem Autor augenscheinlich angetan und wer das schon bei der Elbenthal-Sagagenossen hat, wird auch an diesem Buch seine Freude haben.

Auch bereits bekannt, ist der Faible von Pala für Kampfszenen sowie das Zusammentreffen mit göttlichen Wesen und Fabeltieren. Dabei gelingt es ihm mühelos eine Brücke zu schlagen, auf der die LeserInnen gemütlich in die Welt der Fantasie wechseln können.

Aus dem Sumpf der Kinderliteratur hebt sich “Der Drache hinter dem Spiegel” angenehm heraus, da sich dieses Buch nicht scheut, altgediente Figuren und Sagengeschichten aufzugreifen und neu, kindgerecht zu verpacken.

Das erste Buch ohne Bilder, das ich meiner Tochter vorgelesen habe, hat sie gefordert, begeistert und wohl für immer für die Welt des geschriebenen Wortes anfällig gemacht, denn sie meinte noch bevor wir das Buch beendet hatten:

“Ab jetzt lesen wir nur mehr Bücher ohne Bilder, nur mit Fantasie.”

Ivo Pala hat meiner Großen mit diesem Buch eine Tür aufgestoßen, in die Welt der Literatur und sie auf ihren eigenen Weg geschickt und ich denke genau das kann das Buch auch bei anderen Kindern erreichen.

Erwachsene dürfen das Buch übrigens auch lesen und ganz in die Welt der Fantasie abtauchen.

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147 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 69 Rezensionen

überwachung, thriller, fbi, nanotechnologie, usa

T.R.O.J.A. Komplott

Ortwin Ramadan , Martina Eisele
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 01.01.2015
ISBN 9783649618652
Genre: Jugendbuch

Rezension:

“Ich dachte immer , man kann die Dinger nicht so einfach rausnehmen, weil die Nanobots sonst im Körper Amok laufen”, wunderte sich der stellvertretende Direktor der NSA. (S.166)

Nico ist beinahe am Ziel. Er steht kurz vor der Aufnahme ins FBI. Am Tag der Angelobung kommt doch noch einmal alles anders. Nico wird unehrenhaft entlassen, angeblich wurde ein psychologisches Gutachten nicht berücksichtigt.

Am Boden zerstört verlässt der junge Mann das Ausbildungslager, alle seine Hoffnungen scheinen zerschlagen.

Wir befinden uns in einer nahen Zukunft, das Gesundheitssystem arbeitet mittlerweile mit Nanobots und implantierten Chips, die es ermöglichen Ernährung und Lebensstil aller Menschen zu dokumentieren. Es gibt eine umfangreiche Gesetzgebung, die einen ungesunden Lebensstil zu einem teuren Vergnügen macht. Der Erfolg spricht für sich, die Lebenserwartung steigt und die Wohlstandserkrankungen werden zunehmend ausgemerzt. Aber was machen die mikroskopisch kleinen Roboter in unserer Blutbahn, wenn sie nicht gerade unsere Vitalfunktionen überwachen? Welche Informationen können noch übertragen werden? Wer macht sie sich zu Nutze und zu welchem Zweck?

Die Hauptpersonen sind Nico und Beta, die zwei völlig konträre Sichtweisen des Geschehens erzählen und darstellen können, dadurch wird der Plot sehr schnell rund und glaubwürdig. Ein wirklich tieferes Verständnis für die Beweggründe der Charaktere gewinnen die LeserInnen im Verlauf des Buchs allerdings nicht.

Angesiedelt ist die Geschichte in Amerika, so lässt sie sich gegebenenfalls eben auch gut übersetzen und in andere Länder verkaufen. Für mich bleibt da aber ein schales Gefühl bestehen – wieso kann ein dystopisches Thema nicht im Schwarzwald, in Berlin, in Graz oder im ungarischen Lenti umgesetzt werden?

Ortwin Ramadan ist ein bekannter Kinderbuchautor und versucht sich nun im Genre der Jugendbücher. T.R.O.J.A. ist eine handwerklich gut ausgearbeitete Dystopie, ganz im Fahrwasser der Vorbilder aus dem anglo-amerikanischen Raum. Die Geschichte funktioniert, das aber sonst oft so erfrischende “Kantige” das deutschsprachige AutorInnen mitbringen geht dabei verloren.

Es wird natürlich deutlich, dass das Buch für eine jugendliche LeserInnenschaft geschrieben wurde, dennoch vermisst es Tiefe und innere Konflikte der Charaktere. Für ein paar anregende Stunden aber, die ein wenig an unsere Fähigkeit politische Systeme und ihre Missstände zu hinterfragen durchaus geeignet.


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676 Bibliotheken, 14 Leser, 3 Gruppen, 46 Rezensionen

crossfire, liebe, erotik, sylvia day, hingabe

Crossfire - Hingabe

Sylvia Day , ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.12.2014
ISBN 9783453545786
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Wir waren noch nicht weit gekommen, als sie sagte: "Wann hat deine Mutter mit dir gesprochen?" 
Verdammt. Diesen Unterton kannte ich genau, und ich wusste, was er bedeutete. (S. 252)

Endlich sind sie wieder da - Mr. Dunkel und Gefährlich und Eva Tramnell - eine Sexgöttin in ganz egal welchen Klamotten. Wir sind beim vierten Teil der Reihe angelangt und bekommen was wir erwarten. Schneller Sex, harter Sex, zärtlicher Sex und vor allem - unmöglicher Sex. Der Mann der immer kann, trifft die Frau, die immer will. Eine perfekte Kombination und sie liefert was sie soll. Gute Unterhaltung.

Der literarische Höhenflug bleibt auch bei Teil 4 aus, aber wer sucht das bei Days' Büchern schon?

Wir begleiten Eva und Gideon ein weiteres Stück auf ihrem gemeinsamen Weg. Zwei kaputte Charaktere, die viel Schlimmes erlebt haben und sich zugleich anziehen als auch abstoßen. Gideon hat gelernt mit eiserner Disziplin und Härte gegen sich selbst und andere zu überleben und hat sich mit diesen Eigenschaften ein Imperium aufgebaut. Durch Eva lernt er seine weiche Seite kennen und wir prompt zum Angriffsziel für seine vielen Feinde. Eva will ihm helfen und ihm nahe kommen, aber gerade diese Nähe macht Gideon schwach und er will sie mit aller Macht vermeiden. Die Zerreißprobe für die Beziehung lässt da natürlich nicht lange auf sich warten.

Das offene Ende von Teil 3 ließ die Fans von Eva und Gideon etwas ratlos zurück und so hofften wir wohl alle auf erlösende Antworten in Teil 4. Diese Hoffnungen wurden leider nur zum Teil erfüllt. Die Geschichte um Nathans' Tod wird so gut wie gar nicht vorangetrieben, ebenso wenig löst sich der Eiertanz um Brett Kline. Hier wirkt es leider so, dass die Autorin die Geschichte künstlich in die Länge zieht um noch Stoff für weitere Bücher zu haben. Was schade ist und den Charakteren nicht gerecht wird.

Altbekanntes lässt die LeserInnen zwar wieder schnell in die Geschichte eintauchen, aber deutliche Längen und die konsequente Nicht-Klärung von Erzählsträngen schmälern das Lesevergnügen. Ansonsten ein solider Erotikroman.

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225 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 81 Rezensionen

trauer, liebe, tod, rosen, jugendbuch

Dornenherz

Jutta Wilke
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 01.01.2014
ISBN 9783649613701
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Die richtigen Entscheidungen. Wir müssen Entscheidungen treffen. Immer wieder. Natürlich. Aber gibt es überhaupt ein Richtig oder Falsch? Oder gibt es einfach nur Konsequenzen, mit denen wir nach jeder Entscheidung leben müssen" (S. 176)

Anna ist nicht Ruth. Aber sie versucht es verzweifelt zu sein. Seit dem tragischen Unfalltod der älteren Schwester ist in Annas' Leben alles verkehrt. Die einst glückliche Familie versinkt in Trauer, Schmerz und Schuldgefühlen und kann sich gegenseitig nicht mehr helfen.

Am ersten Todestag von Ruth, rebelliert Anna und weigert sich mit zum Friedhof zu fahren. Stattdessen will sie auf einen anderen weitläufigen Friedhof um vielleicht wieder zu zeichnen. Gezeichnet hat sie seit Ruths' Tod überhaupt nicht mehr.

Auf der Suche nach einem passenden Motiv stößt Anna auf einen verwitterten Steinengel mit einer Rose in der Hand.

Ihn als Motiv zu wählen stößt eine Kette von Veränderungen in Annas' Leben an und kein Stein bleibt auf dem anderen.

Mit "Dornenherz" erzählt uns Jutta Wilke auf berührende Art und Weise wie der Tod eine Familie ins Unglück stürzt und wir begleiten die Charaktere auf ihrem schmerzhaften Weg zurück ins Leben

Die Schwester zu verlieren ist tragisch, aber jeden Tag aufzuwachen und versuchen in ihren Schuhen zu laufen ist - unmöglich. Glaubhaft erzählt die Autorin wie Anna mehr und mehr sich selbst verliert und den Kontakt zu anderen Menschen erst recht.

Besonders schön sind die vielen Rosengedichte, die Jutta Wilke zusammengetragen hat um der Geschichte die richtige Atmosphäre zu verleihen.

Ein klassisch, schönes, melancholisches Buch für alle die gerne in Romantik gewürzt mit einem Hauch Mystik eintauchen möchten. Ihr werdet es nicht bereuen.

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58 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

rheingau, korruption, mord, reihe, regionalkrimi

Bluthatz

Richard Hagen
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.03.2014
ISBN 9783442380091
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inga Jäger und Kai Gebert sind zwar noch kein altgedientes Team aber dennoch gut eingespielt. Seit ihrem ersten gemeinsamen Fall sind gerade sechs Wochen vergangen und Inga Jäger beginnt sich gut einzuleben und Kontakte aufzubauen, als der nächste grausame Mord geschieht.

Sofort machen sich Gebert und Jäger auf den Weg zum Tatort um sich zu den Todesumständen zu informieren. Effizient wie gewohnt arbeiten sie mit der Spurensicherung und der Forensik  zusammen, so verwundert es nicht, dass die beiden alsbald an den richtigen Orten unangenehme Fragen stellen.

Doch diesmal scheint es, dass unser Dream-Team sich einem übermächtigen Feind gegenübersieht, der skrupellos über Leichen geht. Plötzlich scheinen sich die Rollen zu verschieben und Jäger werden mit einem Schlag Gejagte.

Auch der zweite Fall von Inga Jäger und Kai Gebert spielt in der Gegend rund um das Kloster Eberbach. Diesmal entführt uns Richard Hagen in die beschauliche Stadt Eltville. Doch viel Zeit für Muße und Landschaft bleibt nicht, denn Hagen reißt uns mit in den Strudel der Ereignisse und treibt seinen Geschichte mit viel Tempo voran.

Wir treffen altbekannte Charaktere wieder, wie die Otto oder Elli Falkenstein und erfahren mehr über Inga und Kai. Wo der erste Band "Ihr unschuldiges Herz" ins Mystische ging, da verlagert sich "Bluthatz" in einen Strudel an Intrigen und Komplotten. Das gibt dem Roman etwas herrlich erfrischendes und die LeserInnen haben nie das Gefühl, den Aufguss einer bereits bekannten Geschichte mit neuen Opfern und TäterInnen  zu lesen.

Hartgesottene Thrillerfans werden diesen Ausflug in die Krimiwelt nicht bereuen und zartbesaitete Seelen (so wie ich), finden mit "Bluthatz" einen guten Einstieg in Genres, die mehr Gewalt beinhalten.

So wie so, ein spannendes Buch, dass sich innerhalb kürzester Zeit weggelesen hat.

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(179)

372 Bibliotheken, 24 Leser, 2 Gruppen, 46 Rezensionen

new york, gemälde, drogen, kunst, tod

Der Distelfink

Donna Tartt , Rainer Schmidt , Kristian Lutze
Fester Einband: 1.024 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 10.03.2014
ISBN 9783442312399
Genre: Romane

Rezension:

Ein großes Leid und eines, das ich erst anfange zu verstehen: Wir können uns unser eigenes Herz nicht aussuchen, Wir können uns nicht zwingen zu wollen, was gut für uns oder gut für andere ist. Wir können uns nicht aussuchen, wer wir sind. (S. 1.008)

Theos Tag beginnt nicht besonders, er wurde von der Schule suspendiert und soll dort mit seiner Mutter vorstellig werden. Es regnet, die beiden sind wortkarg miteinander. Theo hat ein schlechtes Gewissen und dann auch wieder nicht, ein kleiner Fehltritt und schon macht die Schule ein Drama daraus. Aber seine Mutter zu enttäuschen tut ihm weh, ihr Schweigen, straft ihn.

Bereitwillig stimmt er deswegen zu, eine aktuelle Kunstausstellung niederländischer Künstler in der 5th Avenue zu besuchen.

Nicht lange nach ihrem Aufenthalt und als die beiden eigentlich schon wieder am Gehen sind, passiert das Schreckliche. Mehrere Bomben detonieren im Gebäude und richten eine Verwüstung sondergleichen an. Theodore bleibt wie durch ein Wunder so gut wie unverletzt. Auf der Suche nach seiner Mutter begegnet er einem Sterbenden, dessen Hand er hält. Das verwirrende Gespräch, dass er mit diesem Mann führt, leitet Theo dazu an, eines der bedeutendsten Gemälde der Ausstellung zu entwenden – den Distelfink von Carel Fabritius.

Im allgemeinen Chaos entschlüpft Theodore durch einen Hinterausgang und flüchtet sich in die elterliche Wohnung. Erst als seine Mutter nicht nach Hause kommt beginnt er zu fürchten, ihr sei etwas zugestoßen. Als einige Zeit später die Fürsorge vor der Tür steht ist es gewiss – sie ist im Museum zu Tode gekommen.
Für Theo beginnt ein Leben voller Unsicherheiten und die sich zunächst langsam drehende Abwärtsspirale droht bald ihn und alle seine Hoffnungen und Träume mit in den Abgrund zu reißen.

Wir begleiten Theo durch sein bewegtes Leben, dabei hilft die verwendete Ich-Form den LeserInnen ganz schnell Teil von Theo’s Welt zu werden.

Donna Tartt schreibt leichtfüssig einen Roman der genauso Gesellschaftskritik, wie Milieustudie aber auch Krimi oder metaphysische Weltanschauung sein kann. Dabei versteigt sie sich ab und an in wortreiche, detailgetreue Wiedergaben von Situationen, was aber nur in seltenen Fällen die Toleranz der LeserInnen übersteigen mag.

Für manche vielleicht nicht einfach zu verdauen ist Tartts Hang zur Metaphysik und der allzu smoothe Ausgang der Geschichte, der sich nicht recht mit der zuvor aufgebauten Dramaturgie verbinden will.

Insgesamt aber 1022 lesenswerte Seiten, die uns erschrecken und berühren werden und uns viele Gedanken in viele unterschiedliche Richtungen denken lassen werden.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Immer wieder dasselbe und am besten nichts Neues

Peter Strasser
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Braumüller Verlag, 04.02.2014
ISBN 9783992001125
Genre: Romane

Rezension:

Unser Staatsfunk überträgt schamlos die Gehirnamputiertenperformance eines Rapper-Duos namens Trackshittaz, das einen sexistischen Deppertensong namens “Woki mit deim Popo!” zum Besten gibt, wozu einige großer Töchter meiner Heimat, die sich um Sexstangen ringeln, im leuchtenden Vollgummilook ihre Hinterteile wackeln lassen.(S. 117)

Oben genanntes Zitat gibt unglücklicherweise keine satirische, überzogene Beschreibung des österreichischen Gebührenfernsehens wieder, sondern ist ein Tatsachenbericht. Trackshittaz sind ein real existierendes Musikduo und traten mit dem genannten Lied beim Eurovisions-Songcontest auf.

Peter Strasser legt auf charmante Art und Weise den Finger in die Wunden der österreichischen Volksseele. Da wo wir gern ein wenig drüberschauen, sei es nun Fremdenhass, immer dreisterer Rechtsruck der FPÖ, spießbürgerliches Kleinbürgertum, Coaching- und TherapeutInnenwahn oder schlichtweg der Irrglaube, für jedes Zipperlein gäbe es ein “Pulver” (=Medikament).

Dabei immer mit dabei der Vollmops “Paul”, der in regelmäßigen Abständen “äußerln” getragen werden muss und dessen Hauptmahlzeiten aus Sachertorten mit ordentlich Schlagrahm bestehen.

“Paul” bildet dabei nicht selten das Glied zur Aussenwelt, denn der Protagonist (ein Abbild von Peter Strasser?) verschließt sich nur zu gern in seiner Beamtenwohnung und ertränkt seine Höllenqualen, die eine Pragmatisierung nun mal so nach sich ziehen gern mit Prontopax Forte.

Das Buch weist eine sehr präsente österreichische Färbung auf, manche Sachverhalte sind vielleicht für deutsche LeserInnen nicht verständlich, der Humor wie auch der Zynismus sind es aber immer.

Peter Strasser führt das Schwert der Worte mit feiner Klinge. Für die LeserInnen verschwimmt dabei ganz rasch die Grenze zwischen Mitlachen und dem unheimlichen Gefühl, der Autor mache sich einen Spaß auf Kosten seiner LeserInnenschaft.

Böser Humor gepaart mit Faktenwissen regt uns zum Nachdenken an und nach so manchem herzlichen Lacher müssen wir uns fragen wie weit ist das KleinbürgerInnentum auch in unserem eigenen Alltag eine tragende Rolle spielt.

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303 Bibliotheken, 3 Leser, 16 Gruppen, 72 Rezensionen

hexen, london, frosch, liebe, magie

Hexendreimaldrei

Claudia Toman
Flexibler Einband: 399 Seiten
Erschienen bei Diana TB, 11.05.2009
ISBN 9783453354005
Genre: Fantasy

Rezension:

„Vergessen Sie nicht“, sagt Lady Grey eindringlich, bevor sie die Tür hinter mir schließt, „die Vereinigung verfolgt jeden Ihrer Schritte. Wenn Sie das Wohlergehen des Frosches nicht gefährden wollen, halten Sie sich an unsere Abmachung….“(S. 137)

Auf dem Kirchenklo verkrochen, weil die stattfindende Hochzeit nicht die eigene ist? Für Olivia kein Fauxpas, schließlich ist der Bräutigam ihre große Liebe. IHRE! Und nicht etwa die der glücklichen Braut. Verzweifelt zündet sie ein Streichholz an und sieht sich alsbald einem Love-Parade-tauglichen Feerich gegenüber.

Dieser ist bereit der unglücklichen Olivia einen Wunsch zu erfüllen. Kaum darüber nachgedacht hat sie es auch schon ausgespuckt. Der fremdheiratswillige Märchenprinz landet als Frosch in Olivias Tasche. Beim Anblick des quackenden Etwas in ihrem Badezimmer, bereut Olivia aber ganz schnell den unvorsichtig geäußerten Wunsch.

Auf der Suche nach einer Möglichkeit dem Frosch seine menschliche Gestalt zurück zu geben, gerät Olivia in ein durch und durch magisches Abenteuer. Glaubt sie zuerst noch daran, die Sache schnell und problemlos abwickeln zu können, lernt Olivia doch relativ schnell und schmerzhaft, dass frau mit übersinnlichen Mächten nicht spielen sollte.

Claudia Tomans Debütroman erzählt uns ein Märchen neu. Auf den ersten Blick könnten wir also denken alles wird uns bekannt und vertraut sein. Doch weit gefehlt, geschickt verwebt die Autorin das Märchen mit Auszügen der Literatur. Sie führt uns durch eine weltbekannte Stadt lenkt unseren Blick aber weit weg von dem Offensichtlichen in die Welt der Magie und Fantasie. So verwundert es auch nur auf den ersten Blick, wenn steinerne Statuen zu sprechen beginnen oder längst verstorbene Schauspieler Olivia auf ihrer Suche unterstützen.

Durch die Geschichte tragen die sympathische Protagonistin Olivia, der treulose Frosch aber auch die „Bösewichte“ lesen sich schön, nicht, dass frau sie unbedingt ins Herzen schließen müsste, aber ihr Handeln wird stimmig dargestellt, die Hintergründe glaubhaft beleuchtet, somit fällt es leicht Verständnis und Wohlwollen auch für sie zu entwickeln.

Nicht zuletzt gewinnen die LeserInnen Olivias heimliche Helferleins bald sehr lieb. Sind sie es doch, die die oftmals strandende Protagonistin aufbauen und versuchen auf den rechten Weg zu führen ohne ihr dabei jedoch mit erhobenem Zeigefinger zu begegnen.

Der wunscherfüllende Feerich schließlich, der für Olivias Unglück verantwortlich zeichnet ist zum einen ein ganz und gar lästiger Geselle, der aber gerade wegen seiner Exzentrik zum Sympathieträger wird.

Durch stimmungsvolle Umgebungsbeschreibungen, die sich geschmeidig ins Gesamtwerk der Geschichte fügen und sie nicht überladen oder belasten schafft die Autorin es uns ganz in ihre Welt zu ziehen.

Grundsätzlich ist das Spiel mit Worten und ihre beinah magisch verzaubernde Wirkung eines der größten Talente Claudia Tomans. Sie erzählt Olivias Geschichte so leichtfüßig und eingängig, dass wir uns beim Lesen sofort daheim fühlen. Dabei vermeidet sie aber, die vielen Frauenromanen längst zu eigen gewordene Oberflächlichkeit. Sie schafft es vielmehr uns mit der Protagonistin lachen zu lassen und nicht über sie, was in vielen anderen Geschichten der Fall ist und mitunter ein schales Gefühl beim Lesen vermittelt.

Obwohl Auftakt einer Trilogie, ist das Buch in sich abgeschlossen und hinterlässt die LeserInnen nicht mit einem unangenehmen Cliffhanger. Dennoch macht es aber ganz große Lust aufs Weiterlesen.

Ein wunderbares Buch für ein paar magische Stunden, bei einer guten Tasse Tee – Maulbeerblatt muss es aber nicht unbedingt sein. J

„Hexendreimaldrei“ ist der erste Teil einer Trilogie, es folgten noch „Jagdzeit“ und „Goldprinz“.

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54 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

fantasy, dystopie, liebe, atlantis, wasser

Die Erben von Atlantis

Kevin Emerson , Oliver Plaschka
Flexibler Einband: 520 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 09.12.2013
ISBN 9783453315280
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Owen lebt in einer lebensfeindlichen Umgebung. Der Klimawandel hat die Bevölkerung zu zwei Drittel vernichtet und der Rest lebt unter der Erde oder wie einige Privilegierte in Kuppeln gigantischer Größe. Diese Kuppeln simulieren ein intaktes Klima, sind aber doch zu mehr als 98 % künstlich.

Owen bewirbt sich für ein Sommercamp, in einer solchen Kuppel und hat tatsächlich Glück, er wird aufgenommen. Doch bereits kurz nach seiner Ankunft stellt er fest, dass die Informationen über das heile Leben in den Kuppeln nicht ganz der Realität entsprechen. Als er eine massive körperliche Veränderung bei sich feststellt, nehmen die Geschehnisse ihren Lauf.

Kevin Emerson zeichnet ein düsteres Zukunftsszenario für uns Menschen. Weite Teile der Erde sind unbewohnbar und zu Wüsten geworden. Länder und Städte, wie wir sie kennen existieren nicht mehr. Die Regierung wurde durch private Konzerne ersetzt, die sich zusammenschlossen und einzelne Bastionen der Menschheit in Form der „Eden-Camps“ erbauten. Diese Herangehensweise an sich ist spannend und auch nicht weit hergeholt, weltweit scheint sich die Zahl der Länder rapide zu erhöhen, die aus ihren Schulden nicht mehr herauskommen werden.

Angesichts einer globalen klimatischen Katastrophe kann es durchaus sein, dass Großkonzerne, die Geschicke in die Hand nehmen würden.

Ein gutes Leben kann in der neuen Welt führen, wer über das nötige Kleingeld verfügt, aber auch die Eden-Camps scheinen das Ende ihrer Lebenszeit zu erreichen. Ausgerechnet eine Handvoll Jugendliche entdeckt, was jahrhundertelang verborgen blieb.

Owen und Lilly sind in diesem Fall die ProtagonistInnen um die herum die Geschichte gebaut wird. Beide werden von Emerson mit Liebe zum Detail dargestellt, ergeben sich aber dem typischen Klischee von amerikanischen Teenagern. Dabei wäre gerade hier viel Potential für kreative Charaktergestaltung gewesen.

Der Autor müht sich redlich um eine plastische Zeichnung des Antagonisten der Geschichte, schafft es aber nicht wirklich ein komplexes Zusammenspiel von Umständen und Eigenschaften zu beschreiben. So kann man dessen Beweggründe zwar nachvollziehen aber wirkliche Tiefe wird nicht erreicht, der seelische Zwiespalt der inzwischen sooft eingesetzt wird, ist auch schon altbekannt sodass es hier schon interessanter gewesen wäre einen durch und durch bösen Charakter zu zeichnen.

Die Geschichte an sich enthält viele gute Zutaten, erzählt aber kaum originäres, eine wirkliche Überraschung bietet sie für Dystopien erfahrene LeserInnen nicht.

Dennoch bereitet „Die Erben von Atlantis“ ein paar schöne, mitunter auch spannende Stunden, es unterhält gut und macht auf den zweiten Teil neugierig.

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149 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

wien, liebe, mauerblümchen, naschmarkt, dotti

Mohnschnecke

Anna Koschka
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.12.2013
ISBN 9783426511381
Genre: Liebesromane

Rezension:

Aus und vorbei, das Mauerblümchen Dotti ist nach der Trennung von Traummann Florian Glahnz wieder im Beziehungsstatus „pluskatze“.

Doch irgendetwas stimmt nicht und um genau zu sein, stimmt etwas schon länger nicht. Dotti kann nicht mehr lesen, sie schafft es nicht mehr, sich auf Bücher einzulassen und das ist für ihren Beruf als Rezensentin eine Katastrophe.

Als sie im Lokal ihrer Mutter ein augenscheinlich vergessenes Rezeptbuch findet, nimmt sie es an sich und will hinter sein Geheimnis kommen. Dabei taucht Dotti immer tiefer in eine Geschichte der Liebe ein, Letztendlich muss sie sich durch die Suche nach dem/der Verfasser/in auch ihren eigenen Dämonen stellen

„Mohnschnecke“ setzt nicht dort an wo „Naschmarkt aufhörte, es fehlt uns fast ein ganzes Jahr. Ein Jahr, dass Anna Koschka uns in Rückblenden und Tagträumen von Dotti zeigt. Dabei bedient sie sich einer verspielten Sprache, die voll süßer Verheißung ist und die LeserInnen zum Träumen bringt.

In liebevoller Kleinarbeit vermengt sie das Bittere und das Süße um in unseren Köpfen ein Bild von Liebe und Schmerz entstehen zu lassen. Dabei durchstreift sie mit liebevollen Seitenhieben die deutschsprachige Literaturszene, insbesondere die Online-Community und entlockt Insidern so manches herzhafte Lachen.

Die Charaktere sind bereits aus Naschmarkt bekannt und allseits beliebt. Anna Koschka verleiht ihrer Geschichte durch die lebensechte Darstellung ihrer Personen ein besonderes Maß an Tiefe.

Dem Buch haftet ein unerklärlicher Zauber an, frau (und hoffentlich auch Mann ;) ) bekommt Lust, die Rezepte nachzubacken, die eingestreuten Links wecken die EntdeckerInnen in uns und das Flair, das Anna Koschkas Geschichten umgibt ist einfach unbeschreiblich – das kann ich nicht „rezensieren“ das kann ich euch nur ans Herz legen zu lesen.

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

lügen, liebe, familie, arbeitslosigkeit, deutschland

Als Tom mir den Mond vom Himmel holte

Silke Schütze
Flexibler Einband: 378 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.10.2010
ISBN 9783426637968
Genre: Liebesromane

Rezension:

Sophie ist Mitte dreißig, arbeitslos und lebt mit zwei Rentnerinnen in einer Art WG. Als ihr Bruder heiraten soll und die Eltern sich sorgen, dass sie als schwarzes Schaf der Familie sie blamieren wird, greift sie zu einer List.

Kurzerhand beschließt Sophie, mit Hilfe einer guten Freundin, ein wenig an ihrem Auftreten herumzumanipulieren. Ein schickes Kostüm hier, eine gefälschte Rolex da, ein Ferrari-Schlüssel ohne Ferrari und schon ist die Maskerade perfekt.

Zu dumm, dass sie just an diesem Abend ihrem Traummann begegnet und auch ihm eine erfolgreiche Geschäftsfrau vorspielt, anstatt zu ihrer Arbeitslosigkeit zu stehen.

Tom und Sophie verlieben sich und mit dem Engerwerden ihrer Beziehung wird es für Sophie immer schwerer ihr gefälschtes Leben vor Tom aufrecht zu erhalten.

Locker flockig beschreibt Silke Schütze wie ihre Protagonistin von einer Lüge in die nächste tappst und sich alsbald in ihrem selbstgesponnenen Netz unentwirrbar verstrickt.

Die sympathische Sophie stolpert durch ihr Leben und schafft es ohne Festanstellung und vor allem ohne Ziel relativ gut über die Runden zu kommen. Einquartiert bei zwei pensionierten Damen, die mehr als einmal rettende Engel in der Not sind, kann sie sich über Existenzängste nicht beklagen.

Schütze versucht lockere Frauenlektüre und tiefgreifende, komplexe Lebensprobleme in ihrem Roman zu verarbeiten. Dies gelingt ihr leider nur bedingt. Eine beginnende schwere Krankheit wird nur gestreift und der Umgang mit ihr, meiner Meinung nach sogar sträflich oberflächlich dargestellt.

Durch das ganze Buch reihen sich Zufälle und Wendungen, die zu Beginn vielleicht noch zum Schmunzeln anregen, aber mit fortschreitender Seitenzahl immer mehr an den Haaren herbeigezogen wirken und den Plot insgesamt ins Unglaubwürdige und Oberflächliche abgleiten lassen.

Verschiedene Sachverhalte lösen sich wie von selbst, oder werden abgetan, da eine eingehende Betrachtung wohl der seicht dahinplätschernden Geschichte geschadet hätten.

Vielleicht ein Buch für ein paar verregnete Sommerstunden, aber zu großen Teilen entbehrlich.

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