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401 Bibliotheken, 6 Leser, 3 Gruppen, 72 Rezensionen

thriller, wien, wiesbaden, andreas gruber, bka

Todesurteil

Andreas Gruber
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.02.2015
ISBN 9783442480258
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Den ersten Fall um das Ermittlerduo Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez habe ich damals förmlich verschlungen, somit wurde dieser 2. Teil für mich praktisch zur Pflichtlektüre. Der eigenwillige, unangepasste – um nicht zu sagen kauzige – Profiler Sneijder hat alles Potential, um zum Kultermittler zu avancieren. Obwohl er alles andere als liebenswürdig und der typische Ermittler ist, mag ich ihn besonders, vielleicht auch gerade deswegen. Als Figur ist er eigentlich recht einfach gezeichnet, er ist das Ekel in persona, das stellt er konsequent unter Beweis. Aber zwischen den Zeilen lernt man auch einen anderen Sneijder kennen, den, der die Fähigkeiten der Studentin Sabine Nemez richtig einschätzt, sie fordern und fördern will und sich voll und ganz für sie einsetzt. Dieser Thriller bekommt durch seinen Ermittler die Facetten, die ihn von der Masse der Thriller abheben.


„Todesurteil“ wird in zwei Handlungsebenen erzählt. Die eine umfasst das Geschehen um die Studentin Sabine Nemez, die von Sneijder an die Akademie des BKA für hochbegabten Nachwuchs in Wiesbaden geschleust wurde und sich dort im Rahmen ihrer Ausbildung mit bislang ungeklärten Kriminalfällen befassen muss, wobei sie zwischen einigen recht schnell einen Zusammenhang entdeckt. Der zweite Handlungsstrang ist in Wien angesiedelt. Dort taucht Clara, ein zehnjähriges Mädchen, das ein Jahr lang vermisst wurde, wieder auf. Sie konnte ihrem Peiniger entkommen, der auf ihren Rücken Motive aus Dantes Inferno tätowierte. Die Staatsanwältin, Melanie Dietz, ermittelt und die Spuren führen unter anderem nach Wiesbaden.


Sowohl Sabine Nemez als auch Melanie Dietz sind persönlich in die Fälle involviert, sie sind hoch motiviert, diese aufzuklären und wagen auch mutige Alleingänge, die den Thriller zwar spannend machen, aber nicht unbedingt realitätsnah sind. Aber egal, ich habe schließlich einen Thriller gelesen und keinen Dokumentarbericht bezüglich polizeilicher Ermittlungsarbeit. Und dieser Thriller hat alles, was ich von diesem Genre erwarte. Er ist eingänglich geschrieben, leicht und flüssig zu lesen, hat einen durchgehend zunehmenden Spannungsbogen, ist psychologisch gut konstruiert und weist etliche unerwartete Wendungen auf. Die Atmosphäre ist dunkel und dicht und auch mich hartgesottene Thrillerleserin hat so manche Szene sehr berührt.


Wenn ich den letzten Sätzen dieses Thrillers Glauben schenken darf, hat Maarten S. Sneijder schon einen neuen Fall im Köcher, ich hoffe sehr, dass Andreas Gruber seine Leser nicht zu lange darauf warten lässt.


Wer spannende, rasante und gut durchdachte Thriller mit speziellen Ermittlern mag, wird bei diesem voll und ganz auf seine Kosten kommen. Ich fühlte mich von ihm sehr gut unterhalten.

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379 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 58 Rezensionen

altes land, flüchtlinge, hamburg, flucht, ostpreußen

Altes Land

Dörte Hansen
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Knaus, 16.02.2015
ISBN 9783813506471
Genre: Romane

Rezension:

Es gibt Bücher, die sprechen mich auf den ersten Blick an. „Altes Land“ von Dörte Hansen war so eines und das Innere des Romans hielt, was das Äußere versprach.

Dit Huus is mien un doch nich mien, de no mi kummt, nennt’t ook noch sien.“ (S. 7)

In dem Roman über Fluchten und der Suche nach Geborgenheit, über das entwurzelt Sein und das Heimatgefühl breitet die Autorin sehr leise, aber eindringlich ein Panorama von Land und Leuten in den nahe der Elbe gelegenen Obstmarschen aus. Sie erzählt von Hildegard, die nach dem Krieg als Flüchtling auf den Hof kam und durch ihre Heirat mit Karl, dem Hoferben, ein Stück Heimat suchte, aber nie dort ankam und wieder ging. Ganz anders Vera, ihre Tochter, die, von ihrer Mutter verlassen, mit Karl dort bleibt und über Jahrzehnte keine Hand an Haus und Hof legt, um etwas zu verändern. Sie lebt dort, doch ihre Wurzeln sind nur an der Oberfläche.

„… sie konnte hier nicht weg. Sie war ein Moos, das nur an diesen Mauern hielt. Das hier nicht wachsen konnte oder blühen, aber doch bleiben.

Sie war ein Flüchtling, einmal fast erfroren, nie wieder warmgeworden. Ein Haus gefunden, irgendeins, und dort geblieben, um nur nicht wieder in den Schnee zu müssen.“ (S. 222)

Frischen Wind bringt dann Anne, ihre Nichte, auf das Gehöft, die mit ihrem Sohn Leon aus Hamburg-Ottensen vor einer gescheiterten Beziehung und den jungen, ökologisch korrekten Helikopter-Müttern geflohen ist.

Dörte Hansen scheint sie alle persönlich zu kennen, ihre Romanfiguren. Sie hat sie facettenreich und wie aus dem Leben geschnitten beschrieben. Jeder hat seine eigenen charismatischen Zügen, ist ein Wesen, das einzigartig anmutet. Trotz aller Unterschiede sind sich die beiden Heldinnen näher, als sowohl der Leser und auch sie selbst zunächst vermuten. Sie sind allein, Einzelgängerinnen, die sie von der Allgemeinheit abheben. Die Autorin ist eine ausgezeichnete Beobachterin, warmherzig, aber mit spitzer Feder, einem Augenzwinkern und einer gewissen Scharfzüngigkeit zeigt sie unterschiedliche Lebenskonzepte auf.

Dass die Autorin Linguistin ist, merkt man jeder Seite dieses Romans an. Kein Wort ist zu viel, keines zu wenig. Die Geschichte hat Tiefe, Herzenswärme und Witz und ist vollkommen frei von jeglichem Heimatkitsch und Herz-Schmerz-Geplänkel. Ich habe in den letzten Wochen viele gute und sehr gute Bücher gelesen, aber dieses war ein Wohlfühlbuch im allerbesten Wortsinn. Es nahm mich gefangen, in Gedanken schlenderte ich die Dorfstraße entlang und sah all die Menschen, die mir gute Bekannte zu sein schienen, vor meinem inneren Auge.

„Altes Land“ ist ein Roman, mit dem Dörte Hansen in dem ihr eigenen, wunderbaren Sprachstil Land und Leuten ein Denkmal setzt. Ich habe jede Seite genossen, es ist schon jetzt eines meiner Jahreshighlights 2015. Er klingt immer noch in mir nach.

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128 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

historischer roman, deutschland, eisenbahn, bismarck, otto von bismarck

Der Jahrhundertsturm

Richard Dübell
Flexibler Einband: 1.056 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 06.02.2015
ISBN 9783548286648
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Romanhandlung setzt im Jahr 1840 ein, endet im Sommer 1871 und wird auf zwei Ebenen entwickelt. Eine führt den Leser ins Preußische. Alvin von Briest, Zweitgeborener, geht nach dem Tod seines Vaters leer aus und schlägt auf Ratschlag seines Freundes Otto von Bismarck die Militärlaufbahn ein. Zur gleichen Zeit will sich der Münchener Paul Baermann zum Dampfmaschineningenieur ausbilden lassen. Ein Zwischenfall setzt diesem Traum aber ein jähes Ende. Beide begegnen sich in Berlin und ihr Weg führt sie nach Paris, dort arbeiten sie für Eisenbahngesellschaft und planen das Streckennetz. Schließlich verlieben sie sich in die gleiche Frau, aber Alvin heiratet Louise.

Anhand des Schicksals der drei Hauptfiguren breitet Richard Dübell für seine Leser ein beeindruckendes historisches Panorama aus, in dem Zeitgeist sowie politische und technische Entwicklungen für das entsprechende Kolorit sorgen. So wird deutlich, welche Bedeutung der Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Entwicklung der Telegrafie sowohl für die Zivilbevölkerung als auch für das Militär hat. Paul, als Vertreter der Zivilisten und Alvin als Militärangehöriger stehen mit ihrem Gedankengut jeweils für ihre Gesellschaftsschicht. Die politische Ebene wird hauptsächlich durch Otto von Bismarck geprägt, dem als Freund Alvins zwar keine Hauptrolle, aber trotzdem eine bedeutende in diesem Roman einnimmt. Die historischen Ereignisse reichen von der Märzrevolution im Jahr 1848 bis hin zur Gründung des Deutschen Reiches 1871.

Das Verknüpfen von historischem Geschehen, technischem Fortschritt, Reflexion der gesellschaftlichen Entwicklung und fiktiver Romanhandlung ist Richard Dübell ausgesprochen gut gelungen. Er hat meisterlich erzählt und in dem über 1000 Seiten umfassenden Roman keine Längen aufkommen lassen. So baute sich vor meinem inneren Auge ein umfassendes authentisches Zeitbild auf. Ein wenig habe ich mich lediglich an der Ménage-à-trois zwischen Louise, Alvin und Paul gestoßen. Es gelingt mir nicht, mir vorzustellen, dass diese Beziehung in aller Öffentlichkeit ohne Konsequenzen – zumindest für Alvins militärische Laufbahn – in der beschriebenen Zeit gelebt werden konnte. Das schmälert meinen sehr positiven Eindruck nicht wesentlich. Denn Richard Dübell ist es gelungen, mich wie ein stiller Beobachter zu den einzelnen Schauplätzen zu führen und mir die Atmosphäre hautnah zu vermitteln.

„Der Jahrhundertsturm“ ist ein sehr interessanter und ebenso unterhaltsamer Roman, gut durchdacht und intelligent aufgebaut, dazu ist er nicht nur leicht zu lesen, sondern auch noch sehr lesenswert. Wer wie ich die Verbindung von erzählter und erdachter Geschichte und einem faktischen historischen Rahmen sehr mag, wird bei diesem sehr gut aufgehoben sein.

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1.495 Bibliotheken, 35 Leser, 4 Gruppen, 232 Rezensionen

krebs, familie, tod, liebe, hospiz

Die letzten Tage von Rabbit Hayes

Anna McPartlin , Sabine Längsfeld ,
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.03.2015
ISBN 9783499269226
Genre: Romane

Rezension:

Vor vier Jahren wurde bei Mia Hayes, genannt Rabbit, Brustkrebs diagnostiziert. Sie kämpfte, wurde erfolgreich behandelt und führte ein ganz normales Leben. Aber dann meldete sich der Krebs wieder, mit Metastasen in der Leber und den Knochen, Stadium IV. Zum Sterben wird sie in ein Hospitz gebracht. Es heißt nun, zu regeln, was zu regeln ist und Abschied zu nehmen, von Juliet, der 12-jährigen Tochter, den Eltern, den Geschwistern, der besten Freundin. Vorrangig ist dabei die Sorge um Juliet. Erst nach und nach erkennt das Mädchen, wie ernst und hoffnungslos die Lage ihrer Mutter ist und dass sie eher Tage als Wochen vom Tod trennen. Die Familie sorgt sich rührend um Rabbit. Aber wer soll sich um Juliet kümmern? Die über 70-jährigen Eltern? Die Schwester, die von ihrer eigenen Familie gefordert ist? Der Bruder, der Single ist und zwischen Irland und den USA pendelt?


„Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ ist in neun Teile gegliedert, einen für jeden Tag, den sie noch lebt. Dabei wird dem Leser auch die Sicht der Familienangehörigen und Freunde nahe gebracht. In kurzen Abschnitten kommen sie in den neun Teilen zu Wort. Rabbits letzte Tage werden zwar chronologisch erzählt, trotzdem gibt es immer wieder Rückblicke und Erinnerungen, die über Mias Träume vermittelt werden. So nimmt die Autorin der Thematik ein wenig die Schwere, denn der Leser lernt auch die junge, gesunde Frau kennen. Nicht so gut gefallen hat mir das Gezänk, bei wem letztlich Juliet aufwachsen soll. Schön, dass alle für sie eintreten wollten, aber mir wurde des zu flach und ein wenig zu klischeehaft beschrieben. So wie mich auch die Sprache in dem Roman nicht vollends überzeugt hat. Das Buch lebt hauptsächlich von den Dialogen, die dann auch recht häufig oberflächlich gefärbt waren. Dabei hätte gerade dieser Roman alle Möglichkeiten gehabt auch tiefer gehende Gedanken einzubringen. Allerdings wurde auf den von mir eingangs befürchteten weinerlichen Grundton verzichtet.


Kurzum, in „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ hat die Autorin ein schweres Thema aufgegriffen und versucht, es leicht zu erzählen. Mir war das stellenweise ein wenig zu leicht. Trotzdem hatte ich mit diesem Roman angenehme und unterhaltsame Lesestunden.



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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Im Tunnel

Peter Zingler
Fester Einband: 574 Seiten
Erschienen bei Frankfurter Verlagsanstalt, 01.02.2015
ISBN 9783627002145
Genre: Romane

Rezension:

Es ist der 30. Dezember. Eine Woche zuvor hatte überraschend ein Richter Paul Zakowski, Peter Zinglers Alter Ego, den Rest seiner zweijährigen Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Nun sitzt er seit den frühen Morgenstunden in der Abgangszelle des Gefängnisses und wartet auf seine Entlassung, die eigentlich fast unmöglich erscheint, warten doch noch zwei weitere Gefängnisstrafen auf ihn. Für zwei Jahre und vier Monate des Landgerichts Bonn und weitere vier Jahre des Landgerichts Frankfurt liegen noch keine Vollstreckungsbefehle vor. Hinter den Kulissen wird eifrigst telefoniert und beraten, kann man Zakowski wirklich frei lassen? Wenn bis 17 Uhr keine der beiden Strafen in Vollzug gesetzt wird, muss er entlassen werden. Aber wer ist einen Tag vor Silvester noch zu erreichen? Währenddessen schweifen Pauls Gedanken in die Vergangenheit ab. Wie wurde er zu dem schweren Jungen mit der beachtlichen kriminellen Karriere?


Während der Wartezeit, auf der letzten Etappe seiner Inhaftierung, begleitet der Leser den Protagonisten von 6.00 bis 16.50 Uhr. Mit wechselnden Zeitebenen schafft der Autor eine Art doppelter Spannung. Werden sich die Tore der Haftanstalt wirklich öffnen? Wie sieht die Vergangenheit von Paul Zakowski aus? Die Geschehnisse in der Anstalt werden minutiös geschildert, der Leser weiß in dieser Erzählebene immer etwas mehr als Paul, der nicht über die Geschehnisse hinter den Kulissen informiert ist und nur warten und spekulieren kann. Anders ist es bei Pauls Erinnerungen. Diese werden von einem Erzähler in hauptsächlich in Form von Episoden und Anekdoten geschildert. Durch das Abschweifen von Pauls Gedanken während seiner Wartezeit erhält der Leser eine ausgezeichnete Innensicht auf Paul Zakowski und erfährt, was den Menschen und Täter Zakowski ausmacht. Ich empfand diesen Roman als sehr spannend. Allerdings war dies keine Spannung wie man sie bei einem Thriller findet und die einen fast atemlos lesen ließ. Sie war subtiler, unterschwelliger. Es war einfach ein gespannt Sein auf die weitere Handlung.


Ich habe die Geschichte um Paul Zakowski und die Selbstreflexionen des Autors sehr gern und mit viel Begeisterung gelesen. Peter Zingler weiß ganz genau, wovon er schreibt. Dieser Roman ist autobiografisch. Der Sprachstil ist der Handlung sehr angepasst. Das langsame Vergehen der Zeit in der Abgangszelle wird spürbar, im Gegensatz dazu werden die Rückblicke sehr flott und mitunter mit einem Augenzwinkern erzählt.


Mit „Im Tunnel“ hat Peter Zingler den ersten Teil seines autobiografischen Romans vorgelegt. Ich habe ihn sehr gern gelesen und erwarte nun mit entsprechender Vorfreude den auf er letzten Seite angekündigten zweiten Teil. Ein Blick in die Biografie des Autors lässt mich erahnen, dass dies dann der Roman einer außergewöhnlichen Wandlung werden könnte.

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137 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

liebe, israel, palästina, krieg, hass

Ismaels Orangen

Claire Hajaj , Karin Dufner
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.03.2015
ISBN 9783764505165
Genre: Romane

Rezension:

Während in Jaffa 1948 der siebenjährige Salim Al-Ismaeli darauf wartet, erstmals die Früchte des anlässlich seiner Geburt gepflanzten Orangenbaums ernten zu können, bricht der Krieg aus. Israel hat gerade erst seine Unabhängigkeit erklärt, als Armeeeinheiten einer Allianz arabischer Staaten das Land angriffen. Ohne die ersehnte Ernte muss Salims Familie nach Nazareth zu einer Tochter des Vaters aus erster Ehe fliehen. Als dann auch noch seine Mutter mit seinem jüngeren Bruder die Familie verlässt, ist der Junge vollends entwurzelt, und wächst zudem unter dem Einfluss des immerwährenden und alles bestimmenden Nahostkonflikts auf.

In einer weiteren Handlungsebene lernt der Leser Judith, die Tochter von Holocaust-Überlebenden, kennen und kann immer wieder einen Blick auf ihre Entwicklung und die wichtigsten Etappen in ihrem jungen Leben werfen. Schließlich treffen sich beide in London und entgegen aller Konventionen und dem Willen der Familien verlieben sich der Palästinenser und die Jüdin ineinander und heiraten.

Wer die politischen Gegebenheiten kennt, fragt sich, ob eine solche Liebe zwischen den Kulturen Bestand haben kann. Auch für Salim und Judith ist das die entscheidende Frage. Von den Familien wird ihre Beziehung nicht akzeptiert und auch gesellschaftlich ist nicht leicht für das Paar. Diese Schilderungen gehören zu den überzeugendsten des Romans. Sie sind durchweg glaubhaft. Claire Hajaj ist selbst Tochter einer jüdischen Mutter und eines palästinensischen Vaters und wusste damit genau über die Schwierigkeiten und Belastungen, denen eine solche Beziehung ausgesetzt ist, Bescheid.

In loser Zeitfolge berichtet die Autorin vom Jahr 1948 bis 1987 episodenhaft von den entscheidenden Ereignissen im Leben der Protagonisten. Da immer wieder längere Zeiträume aus der Betrachtung ausgespart wurden, vermisste ich ein wenig Informationen über das Leben der Helden, insbesondere Salims, in der Zwischenzeit. Sehr interessant fand ich die zeitgeschichtlichen Bezüge, die besonders in der ersten Hälfte des Romans in ihrer Auswirkung auf das Leben der einfachen Menschen beschrieben wurden.

Waren zunächst die Charaktere gut gezeichnet, wurden sie spätestens mit dem Aufenthalt der Familie in Kuwait immer schablonenhafter und die Entwicklung der Geschehnisse wurde etwas vorhersehbarer. So kam es zu einer Kühle und Distanziertheit zwischen den Protagonisten und mir, die so auf den ersten Seiten des Romans nicht zu erwarten war.

Trotz meiner Kritikpunkte habe ich „Ismaels Orangen“ sehr gern gelesen. Besonders die Kindheit Salims und Judiths hat mich gefesselt. Der Roman ist recht flüssig zu lesen. Zu Beginn musste ich mir fremde Begriffe noch recht häufig im Glossar nachlesen, mit der Zeit prägte ich mir die wichtigsten jedoch ein und der Lesefluss wurde seltener durch das Nachschlagen unterbrochen.

Der Nahostkonflikt begleitet mich schon mein ganzes Leben. Dieser sehr lesenswerte und interessante Roman hat meinen Blick auf einen politischen Brennpunkt gelenkt, über den ich mich künftig noch weiter informieren werde. Ich empfehle ihn gern allen zeitgeschichtlich interessierten Lesern. Er ist ein zum Nachdenken anregender Roman, der neben der Geschichte einer großen Liebe auch viel Wissenswertes vermittelt.

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58 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

tudors, tagebuch, historienroma, dynastie, tudor

Wie Ihr wollt

Inger-Maria Mahlke
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 09.03.2015
ISBN 9783827012135
Genre: Romane

Rezension:

Inger-Maria Mahlke hat einen sehr unkonventionellen Roman geschrieben. In einer Anmerkung wendet sie sich persönlich an die Leser und weist darauf hin, dass sie keinen historischen Roman geschrieben hat, sondern sich einen historischen Stoff literarisch angeeignet hat. So hat sie einen sehr modernen Roman in einer historischen Kulisse vorgelegt, der sich ganz besonders durch die Sprache von anderen Romanen abhebt. Jung und modern ist ihr Stil, dazu wortgewandt, bissig, ironisch und auch humorvoll. Immer wieder stellte ich fest, dass sich zwar die Zeiten geändert haben, viele Probleme von damals aber auch heute von ebenso großer Aktualität sind.


Mit „Wie ihr wollt“ hat mich die Autorin vollkommen überzeugt. Den Gegensatz des historischen Themas und der jungen Sprache schafft sie zu harmonisieren. Sie hat mich nachdenklich gemacht und mich lächeln lassen. Sie schreibt scharfzüngig und gleichzeitig ein wenig schelmisch.


Das Buch wird durch einen Stammbaum und eine umfangreiche Figurenliste ergänzt. Das erleichtert es besonders Lesern wie mir, denen die Elisabethanische Zeit nicht ganz so vertraut ist, die Orientierung.


Kurzum, dieser Roman kommt in historischem Gewand daher und spricht doch das Heute deutlicher an als manch zeitgenössisches Werk. Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen. Meine Überraschung über den zunächst ungewöhnlichen Stil wandelte sich schnell in Freude darüber, ein nichtalltägliches, sich vom Mainstream sehr angenehm abhebendes Buch in Händen zu halten.


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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

spiritualität, philosophie, wuli highlights

Von Zeit und Fluss

Thomas Wolfe , ,
Fester Einband: 1.100 Seiten
Erschienen bei Manesse, 20.10.2014
ISBN 9783717523260
Genre: Romane

Rezension:

Jahre ist es her, seit ich Thomas Wolfes „Schau heimwärts, Engel!“ gelesen habe, in dem er die Jugendgeschichte Eugene Gants erzählt. Diese Geschichte findet in „Of Time and the River“ ihre Fortsetzung. Mit „Von Zeit und Fluss“ veröffentlichte der Manesse Verlag Irma Wehrlis Neuübersetzung des modernen amerikanischen Klassikers.

Eugene Gant ist erwachsen geworden. So beginnt der Roman mit einem Abschied, der Protagonist verlässt seine Familie und die Heimat und tritt sein Studium an der Harvard University an. Auf der Zugfahrt nach Boston durchlebt er förmlich eine Wandlung. Mit dieser Zugfahrt beginnt Eugene Gant eine Suche nach dem Sinn des Lebens. Er erkennt, das gesamte Leben ist im Fluss und die ihn ständig treibende Frage, wird er auch durch sein Studium und die Lektüre noch so vieler Bücher nie beantworten können. Nicht nur durch den Tod des Vaters, der ein Trinker war und den er eigentlich verachtete, lernt er die große, den Menschen innewohnende Trauer kennen. Der Roman trägt den Untertitel „Eine Legende vom Hunger des Menschen in der Jugend“ und genau das trifft es. Dem Leser werden die Träume und Sehnsüchte, aber auch die Ängste und Selbstzweifel, die Trauer und Verzweiflung des jungen Mannes offenbart und dies auf eine Art und Weise, die seine Gefühle sehr nachvollziehbar und verständlich macht.

Aber nicht nur die Entwicklung des Eugene Gant, der für eine Jugend voller Sehnsüchte und Leidenschaften, Wünsche und Emotionen steht, wird in diesem Roman thematisiert. Neben der Lebensgeschichte des Protagonisten steht gleichrangig das von Thomas Wolfe gezeichnete politische und gesellschaftliche Panorama der USA in den 1920er Jahren.

Mit seinen 1.200 Seiten ist dieser Roman schon ein wirklicher, vor Lesebeginn durchaus furchteinflößender Wälzer, der aber sowohl mit Anspruch, als auch mit Unterhaltung, Information und einem einem brillant gezeichneten Zeitbild überzeugt. Wie ein Film lief die Handlung beim Lesen vor meinem geistigen Auge ab. So war die Bewältigung dieses Werkes letztendlich keine Arbeit, sondern eine durchweg lohnende Lektüre, die dem Leser amerikanische Kultur und Geschichte in einer Zeit des Aufbruchs nahe bringt. Diese Neuübersetzung ist äußerst gelungen, der Charme des Originals, Schlüsselszenen habe ich parallel gelesen, blieb erhalten.

„Von Fluss und Zeit“ ist ein wunderbares Roman, der Roman einer Wandlung und Entwicklung im personlichen und gesellschaftlichen Sinne. Dieses Buch berührt und informiert, es macht eine Zeit des Aufbruchs mit dem Protagonisten gemeinsam erlebbar. Wolfes Roman ist ein Leseerlebnis der besonderen Art, das ich nicht missen möchte.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der tadellose Herr Taft

Husch Josten
Fester Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Berlin University Press ein Imprint von Verlagshaus Römerweg, 20.09.2014
ISBN 9783862800698
Genre: Romane

Rezension:

In letzter Zeit habe ich einige kluge und intelligent geschriebene Romane gelesen, aber keiner war dabei, in dem der Leser zum Hinterfragen eigener Standpunkte förmlich aufgefordert wird. Husch Josten stellt Fragen, unbequeme Fragen und berührt damit den Puls unserer Zeit. So schneidet sie als Themen Europa und die deutsche Politik an, bezieht die Afghanistan-Problematik im Speziellen und den Krieg im Allgemeinen ein den Roman ein. Aber auch ganz allgemeine Gedankenanstöße, z.b. den das Nachdenken der Menschen betreffend, fand ich ebenso interessant wie unterhaltsam dargelegt. Gerade die offenen Fragen regen unwahrscheinlich zum Nachdenken an, man positioniert sich selbst und hinterfragt eigene Standpunkte.So wie Daniel Taft seine Ehefrau suchte, dem mit der Frau sein Lebenssinn abhandengekommen war, der sich vollkommen neu orientieren musste, so sucht auch der Leser nach Antworten auf die aufgeworfenen Fragen.

Wie ein roter Faden zieht sich die Musik durch den Roman. In jedem Kapitel wird ein Song angesprochen, der mit dem Geschehen harmoniert.

Husch Josten hat einen ganz hervorragenden Roman geschrieben, einen der mich voll und ganz überzeugt. Sprachlich ist er kraftvoll und wortgewaltig, aber gleichzeitig sehr feinsinnig und empathisch. Inhaltlich breit gefächert, gesellschafts- und sozialkritisch, bleibt er trotzdem immer eng an der Handlung, die auch mit unvermuteten Wendungen aufwartet. Es gibt keine störenden Längen oder gar ein Abdriften ins Banale.

„Der tadellose Herr Taft“ ist ein sehr lesenswerter, kluger Roman, der zum Denken anregt, zum Diskutieren verleitet und einen langen Nachhall hat. Für mich ist er das Jahreshighlight. Ich wünsche mir, dass dieser Roman viele, viele Leser erreicht und diese genau so begeistert wie mich.

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60 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

texas, indianer, roman, familiengeschichte, wilder westen

Der erste Sohn

Philipp Meyer , Hans M. Herzog
Fester Einband: 680 Seiten
Erschienen bei Knaus, 26.05.2014
ISBN 9783813504798
Genre: Romane

Rezension:

"Ein großes Epos über die Besiedlung von Texas, so packend erzählt wie von Karl May, aber frei von falscher Romantik.", so Wolfgang Herles in seiner Literatursendung "Das Blaue Sofa" am 30. Mai 2014 im ZDF.

Eigentlich könnte ich es mir leicht machen und sagen, der Beurteilung von Herrn Herles schließe ich mich 100prozentig an. Philipp Meyer ist aber mit „Der erste Sohn“ ein wirklich beeindruckender Roman gelungen. Die Familiengeschichte der McCulloughs wird über einen Zeitraum von guten 150 Jahren, eng verwoben mit der texanischen Geschichte, erzählt. Dazu nutzt er drei verschiedene Zeitebenen. Die am weitesten zurückliegende lebt durch Eli McCullough. Als Junge wird er von Indianern entführt. Er durchlebt schreckliche Situationen, wird aber von den Comanchen auch stark geprägt. Sodass aus Eli der Gründer einer Dynastie wird, die zu Reichtum und Macht kommt. Peter, Elis Sohn und in dessen Augen ein Schwächling, steht im Mittelpunkt der zweiten Zeitebene. In diesem Part geht es um die Auseinandersetzungen mit den Mexikanern. Und schließlich taucht der Leser in das Leben von Elis Enkelin Jeanne Anne McCullough ein. Sie ist eine starke, geschäftstüchtige Frau, die erkennt, die Zukunft der Familie und damit eng verbunden die von Texas liegt nicht in der Rinderzucht sondern in der Förderung von Öl. Eines zeigen aber alle drei, ihr Leben ist ein Kampf, dem sie sich auf ganz individuelle Art stellen.

Philipp Meyer hat eine wirklich großartige Familiensaga geschrieben. Seine Charaktere sind vielschichtig, ausgefeilt und nicht in schablonenhaft. Sie entsteigen gefühlt dem wahren Leben, haben gute und schlechte Eigenschaften und nicht alle ihre Entscheidungen sind vom Leser in Gänze nachvollziehbar. Aber auch mit den historischen Ausführen langweilt Meyer seine Leser nicht, sie sind interessant und haben immer einen Bezug zur Familie McCullough.

“Der erste Sohn“ hat mich von der ersten Seiten angesprochen und gefesselt. Es hat alles, was ich von einem guten Roman erhoffe, einen interessanten Plot, eine gute Charakterisierung der Personen und eine lebendige Sprache. Es ist einer jener Romane, die man aufgrund ihrer Vielfältigkeit, gern auch einem Re-read unterziehen kann.

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65 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

finnland, helsinki, liebe, familie, winter

Winterkrieg

Philip Teir , Thorsten Alms
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Blessing, 15.09.2014
ISBN 9783896675347
Genre: Romane

Rezension:

Gern ließ ich mich von Autor Philip Teir gedanklich nach Finnland mitnehmen. Mit seinem Roman erzählte er nicht nur eine Familiengeschichte, er vermittelte mir gleichzeitig ein interessantes Gesellschaftsbild vom Finnland unserer Zeit. Seine Protagonisten stammen allesamt aus der bürgerlichen Mittelschicht und wurden so charakterisiert und beschrieben, dass man sich gut in sie hineinversetzen konnte und nach kurzer Lesezeit glaubte, Max und Katriina, Eva und Helen sind Menschen, wie man selbst welche kennt. Sie haben sich mit ihrer Sinnsuche und dem inneren Konflikt zwischen Unabhängigkeit und Sicherheit nicht zu weit von meiner Gedankenwelt entfernt. Doch gerade diese Sinnsuche erschien mir dann ein wenig oberflächlich. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Tiefe in den Dialogen und Gedanken der Figuren gewünscht. Ein wenig vermisste ich auch, dass der Autor meine eigenen Gefühle für seine Helden anspricht. So blieben zu ihnen trotz allem Verständnis für ihr Tun und Lassen stets eine kühle Distanz. Der Autor zeichnete ein sehr gutes Gesellschaftsbild, von dem die Protagonisten aber gelegentlich in den Hintergrund gedrängt wurden.

„Winterkrieg“ lässt sich gut und recht flüssig lesen und erzählt von alltäglichen Problemen, die weder neu noch noch fremd sind. Sei es der zweite Frühling oder das sich selbst Finden in jungen Jahren, alles wurde unterhaltsam, manchmal etwas skurril, manchmal mit unterschwelligem Witz an den Leser gebracht. Der Roman wies nur wenige Längen auf und bescherte mir abwechslungsreiche Lesestunden.

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

roadtrip, brüder, finnland

Ausflug mit Urne

Roope Lipasti , Regine Pirschel
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Blessing, 25.08.2014
ISBN 9783896675286
Genre: Romane

Rezension:

Wo bringt man in einem alten Renault am besten eine Urne unter? Mit diesem Problem haben sich Teemu und Janne zu Beginn des Buches auseinandersetzen. In der Urne befindet sich die Asche von Jalmari, dem Lebensgefährten ihrer Großmutter. Jalmari führte ein unruhiges Leben, mehr als fünfzigmal zog er um.

Nun machen sich seine „Stiefenkel“ auf den Weg nach Imatra zur Testamentsvollstreckung. Auf dem Weg dorthin pilgern sie an die Orte, an denen Jalmari gelebt hat und spekulieren über ihr mögliches Erbe. Es ist für sie auch eine Reise in die Vergangenheit, bei der alte Konflikte wieder aufbrechen und sie letztlich doch trotz allem Trennenden Gemeinsamkeiten entdecken. Nach und nach erfährt der Leser Episoden aus dem Leben der Brüder, aber auch das von Jalmari setzt sich langsam wie ein Puzzle zusammen.

Diese unterhaltsame, teils abstruse, teils skurrile Geschichte wird von Teemu, dem Ich-Erzähler, auf lakonisch-bildhafte Art erzählt. Die Gedanken darüber werden Bilder und im Kopf läuft beim Lesen gefühlt ein Road-Movie ab. Sprachlich finde ich „Ausflug mit Urne“ sehr gelungen, es vereint amüsante Unterhaltung und gedankliche Tiefe. Die Zahl der Charaktere im Roman ist überschaubar, diese sind aber so gut gezeichnet, dass man als Leser schnell den Eindruck hat, alte Bekannte auf ihrer Tour zu begleiten. Das Beste allerdings kam für mich zum Schluss – ein absolut nicht vorhersehbares Ende.

„Ausflug mit Urne“ ist für mich eine echte Neuentdeckung. In Finnland ist Roope Lipasti als Autor einer Kolumne längst kein Unbekannter mehr. Sein Roman über zwei so unterschiedliche Brüder, über eine Reise in die Vergangenheit, über das Älterwerden, über das Leben ist eine erfrischende, witzige und doch tiefgründige Familiengeschichte, die ich mit Freude und Begeisterung gelesen habe.

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48 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

krieg, trauer, jochen rausch, roman, familie

Krieg

Jochen Rausch
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 17.09.2013
ISBN 9783827011695
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie der Titel es schon kurz und prägnant aussagt, geht es um den Krieg. Dafür hat Jochen Rausch zwei Ebenen geschaffen. Im Mittelpunkt eines Erzählstranges steht Chris, der junge Mann, der sich als Soldat verpflichtet und nach Afghanistan geht. Findet er das Ganze zunächst noch cool, wird er schnell von der harten Realität eingeholt.

Zu Hause haben sein Vater Arnold, seine Mutter Karen und seine Freundin Sandra die Nachrichten verfolgt, auf Mails gewartet und gemeinsam mit Chris die Tage gezählt, die sein Kriegseinsatz noch dauern sollte. Rund um Arnold baut der Autor die zweite Erzählebene oder besser gesagt, den zweiten Kriegsschauplatz auf. Arnold hat alles verloren. Neben dem Tod seines Sohnes muss er mit der Trennung von Karen fertig werden. Er hat sich mit dem Hund von der Welt in eine einsame Berghütte zurückgezogen. Aber auch dort findet er keine Ruhe. Es beginnt auch für ihn ein Überlebenskampf. Er führt seinen Krieg mit den Dämonen der Vergangenheit und einem Unbekannten, der in seine Hütte einbrach und das Wenige, das er noch besaß, zerstörte und den Hund schwer verletzte.

Dieser 220 Seiten lange, in 66 Kapitel und sieben Teile gegliederte Roman hat mich sehr berührt. Der stakkatoartige, gehetzte Stil passte sehr gut zur Handlung, er verdeutlichte die Gemütsverfassungen und Ängste von Chris und Arnold. Stellenweise spürte ich die Anspannung der beiden fast körperlich. Die Stimmung war bedrückend und bedrohlich. Immer wieder gab es beeindruckende Beschreibungen des Wetters, welches die Dunkelheit in Arnolds Gefühlswelt untermauerte.

Mir hat dieser mit Worten geizende, tiefe, bedrückende und intensive Roman sehr gut gefallen. Ich schätze ihn als sehr bedeutend und wichtig ein, weil er auf einzigartige Weise Einblick in das Seelenleben des Soldaten und der daheimgebliebenen Eltern gibt.

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46 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

stefan zweig, schriftsteller, joseph roth, exil, belgien

Ostende

Volker Weidermann
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.03.2014
ISBN 9783462046007
Genre: Romane

Rezension:

Im belgischen Küstenort Ostende treffen sich im Sommer 1936 Stefan Zweig und Joseph Roth, um dort gemeinsam die Ferien zu verbringen. Ich kenne die Biografien der beiden Literaten und habe immer wieder Probleme, mir diese beiden völlig unterschiedlichen Männer als Freunde vorzustellen. Joseph Roth zähle ich zu meinen Lieblingsautoren und auch Stefan Zweigs Werk schätze ich sehr. Die Runde wird durch Irmgard Keun, Hermann Kersten, Ernst oller und Egon Erwin Kisch komplettiert. Sie sind Emigranten, weil sie – bis auf Irmgard Keun – Juden sind, weil ihre Bücher in Deutschland nicht mehr verlegt werden. So nah sie sich im Geiste sind, so sehr unterscheiden sie sich in ihrem Leben. Ost-Jude, West-Jude, Nicht-Jude, armer Jude, reicher Jude, Trinker und Pazifist, Liebende, Lebende, Verzweifelte sind sie. Und sie sind Freunde, wenn auch diese Freundschaft, insbesondere die zwischen Zweig und Roth, argen Belastungsproben ausgesetzt ist.

Diesen Roman habe ich sehr genossen. Ich fühlte mich Roth, Zweig und den anderen so nah, wie ich es durch das bloße Lesen ihrer Biografien nie war. Beeindruckend dabei ist, das Volker Weidermann mir dieses Leseerlebnis auf nur 160 Seiten bescherte. Es gibt keine überflüssigen Worte oder Dialoge und schon gar keine Längen. Die Urlaubsidylle ist jedoch nur scheinbar. Das wird sehr deutlich, wenn man von jedem der Protagonisten mehr Hintergrundinformationen erhält. Dieser Rückzugsort ist wie ein Mantel des Schweigens, der ihre eigentlichen Sehnsüchte verhüllt. Sein besonderes Flair hat Ostende nur durch die Gemeinschaft.

Für mich war es sehr interessant, ein wenig an den Gedanken und Gefühlen dieser literarischen Gemeinschaft teilhaben zu können. Ich habe ihre Hoffnungen, Wünsche, Abgründe und ganz persönliche Tragik erkennen können. Darüber hinaus bekam ich so ganz nebenbei einen kleinen Einblick in die Werke der Autoren und „Meine Freunde, die Poeten“ von Hermann Kersten ist sofort auf meinen Wunschzettel gewandert, weil es diesen Roman, den ich sehr gern weiterempfehle, noch einmal vertieft.

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74 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 35 Rezensionen

würzburg, judenverfolgung, juden, mittelalter, historischer roman

Die letzte Jüdin von Würzburg

Roman Rausch , ,
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.05.2014
ISBN 9783499268038
Genre: Historische Romane

Rezension:

Von der Thematik hat mich dieser historische Roman sofort interessiert. Der Autor, Roman Rausch, wurde mir schon von verschiedenen Seiten wegen seiner gut recherchierten Romane wärmstens ans Herz gelegt. Um so mehr freute ich mich, als ich seinen neuen Roman endlich vor mir liegen hatte. Zwar geht es auch in diesem um eine Frau, die aus der Not heraus in Männerkleidung schlüpfen muss, trotzdem ist „Die letzte Jüdin von Würzburg“ keiner der Romane, in denen die Historie lediglich als Kulisse für moderne Gedanken dient. Roman Rauschs Roman verdient zu Recht die Bezeichnung historisch. Das gilt sowohl für die Handlung als auch für die Handelnden. Er hält, analog den Gemälden der alten Meister, historisches Geschehen im geschriebenen Wort fest und lässt es vor dem Auge des Lesers wieder aufleben. Dabei geht es dem Autor nicht nur um Schilderung der Ereignisse selbst, er geht auch auf die Ursachen der Judenpogrome um 1349 ein. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, Roman Rausch beschreibt Personen, deren Lebensumstände und Erlebnisse, als hätte er sie über eine lange Zeit beobachtet und würde sie persönlich kennen. Er hat die verbürgten Geschehnisse mit Leben erfüllt und authentisch an den Leser weitergegeben. Einen besseren Beweis seiner mit Akribie durchgeführten Recherche kann ein Autor wohl nicht liefern.


Auch von der sprachlichen Gestaltung hat mir „Die letzte Jüdin von Würzburg“ gut gefallen. Das Buch ließ sich flüssig lesen, hatte einen gut konstruierten Spannungsbogen, war sehr interessant und informativ und hat mich darüber hinaus sehr gut unterhalten. Roman Rausch hat es geschafft, mir ein Stück Geschichte nahe zu bringen und mich diese auch begreifen lassen. Vielleicht auch weil er beiden Seiten, den Juden und den Christen, eine Stimme gab, ihre Ängste beschrieb und als Erzähler neutral blieb.


„Die letzte Jüdin von Würzburg“ führte mir Ereignisse vor Augen, die mir bislang nicht in dem Maße bekannt waren. Roman Rausch öffnete mir mit seinem Roman auf sehr unterhaltsame Weise ein Fenster in die Geschichte. Und wäre da nicht die Geschichte mit der Frau in Männerkleidung, die bei mir immer ein wenig einen faden Beigeschmack hat, würde ich diesen Roman als totales Highlight feiern und bejubeln. Den an der Geschichte interessierten Lesern empfehle ich ihn trotz meiner ganz persönlichen Animosität gern weiter.


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270 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 58 Rezensionen

krimi, mord, freundschaft, nachlassverwaltung, testament

Das Verstummen der Krähe

Sabine Kornbichler
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2013
ISBN 9783492302036
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Fünf Freunde, ein Mord, ein verschwundener junger Mann, ein Selbstmord und der letzte Wille einer eines natürlichen Todes Verstorbenen bilden das Grundgerüst dieses Kriminalromans. Dazu kommt eine sehr ungewöhnliche Ermittlerin, als Nachlassverwalterin ist Kristina Mahlo die „Anwältin der Toten“. Es war erfrischend über diese ganz andere Form der Ermittlungen zu lesen. Auch kam dieser Krimi ohne Blutvergießen aus, weshalb er nicht weniger spannend war. Interessante Charaktere, menschliche Schwächen, persönliche Geheimnisse und ein guter Plot machten diesen Kriminalroman zu einem Leseerlebnis. Der Roman ist leicht und flüssig zu lesen, die Spannung ist von Beginn an gegeben und wird auch bis zum Ende hin gehalten. An keiner Stelle empfand ich Längen, was sicher auch der großen Themenvielfalt, zu verdanken ist. Trotz der diversen angeschnittenen Themen hatte ich nie das Gefühl, der Krimi wäre überladen davon oder gar unlogisch. Der Leser weiß nie genau, er kann nur ahnen, wie der Handlungsfortschritt sich gestaltet. Zum Schluss fügt sich alles schlüssig zu einem glaubhaften Ganzen.

Sabine Kornbichler hat mit „Das Verstummen der Krähe“ einen intelligenten Kriminalroman vorgelegt, der der erste Teil einer Reihe um die Nachlassverwalterin Kristina Mahlo sein soll. Eigentlich lese ich nur ungern Serien, in diesem Fall könnte ich mir aber gut vorstellen, auch noch weitere Teile zu lesen.

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92 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

kate lord brown, valencia, roman, dorf, blüte

Das Haus der Tänzerin

Kate Lord Brown , Elke Link
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Piper, 16.07.2013
ISBN 9783492302326
Genre: Historische Romane

Rezension:

Kate Lord Brown erzählt die Geschichte von Emma, deren Leben durch den Tod ihrer Mutter, die Trennung von ihrem Freund und den damit verbundenen Ereignissen etwas aus den Fugen geraten ist, in zwei Zeitebenen. Der sich um Emma rankende Handlungsstrang ist in der jüngsten Vergangenheit in den Jahren 2001 - mit Blick auf den 11. September - und 2002 angesiedelt. Ein zweiter Handlungsstrang spielt in der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs, in dem man einen weiteren Einblick in die Familie Emmas und deren Umfeld bekommt. Und natürlich gibt es ein totgeschwiegenes Familiengeheimnis. Eine ganz Weile laufen beide Fäden parallel, nach und nach nähern sie sich dann aber immer mehr an und die Zusammenhänge werden klar. Sehr gelungen fand ich die Art und Weise, wie die Autorin historisch verbürgte Persönlichkeiten in ihren Roman integrierte. So ließ sie den Leser beispielsweise miterleben, wie Robert Capa sein weltberühmtes Foto vom 'Tod eines Soldaten' „schoss“. Das war auch der eigentliche Grund, weshalb ich zu diesem Buch griff. Ich war neugierig, wie die Autorin den Spagat zwischen der von mir erwarteten Liebesgeschichte und dem Kriegsgeschehen bewältigt. Der Bürgerkrieg wurde von Kate Lord Brown sehr eindringlich beschrieben. Besonderes Augenmerk widmete sie dabei der Situation der Personen, die in der zweiten Linie kämpften.

Die Geschichte um Emma, die Parfümeurin, war dann aber doch keine rosarote und süßlich-sentimentale Liebesgeschichte, wie von mir anfangs befürchtet. Es wurde von einer jungen Frau erzählt, die das Erbe ihrer verstorbenen Mutter antritt, die um ihren Freund trauert, der am 11. September 2001 in New York ums Leben kam, von dem sie zwar getrennt war, aber dessen Kind sie erwartete und die nun in Spanien einen neuen Anfang wagt.

Ein erstes Verbindungsglied beider Ebenen ist die Parfümherstellung, die auch in Kriegszeiten eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat.

Besonders der historische Teil dieses Romans hat mich berührt und begeistert. Emmas Geschichte war für mich immer eine Art Unterbrechung, gut zum Durchatmen und die Emotionen zu beruhigen. Aber trotzdem habe ich auch diesen Part gern gelesen. Wer Familiengeschichten mag, die gut mit historischem Geschehen verknüpft sind, wird mit „Das Haus der Tänzerin“ gut unterhalten werden.

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(145)

262 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 65 Rezensionen

thriller, rache, mord, bestatterin, bestattungsinstitut

Totenfrau

Bernhard Aichner
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 10.03.2014
ISBN 9783442754427
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Brünhilde Blum wurde als Kind von einem Bestatterehepaar adoptiert. Aber sie hatte alles andere als eine schöne Kindheit. So muss sie Leichen waschen und für die Bestattung vorbereiten, mit allem, was dazu gehört – Dinge, die Kinder nicht sollten. Erfüllt sie ihre Aufgaben nicht, sperrt der Vater sie in einem Sarg Sarg ein. Aber eines Tage, die Familie ist auf einem Segeltörn, lässt Blum ihre Eltern kaltblütig ertrinken. Als erster nach der Tat ist Mark bei ihr, er ist Polizist und bestätigt ihre Aussage. Beide verlieben sich, heiraten wenig und haben acht Jahre später zwei Töchter. Blum führt das Bestattungshaus weiter. Man gönnt ihr das Glück von ganzem Herzen. Aber dann fährt Mark mit dem Motorrad los, es kommt zum Unfall, an dessen Folgen er verstirbt. Für Blum bricht eine Welt zusammen. Als sie Marks Sachen ordnet, findet sie sein Handy. Sie hört die Sprachnotizen ab, weil sie einfach seine Stimme hören will. Dabei erfährt sie erstaunliches über einen Fall, an dem Mark gerade gearbeitet hat und plötzlich ist fraglich, ob es wirklich ein Unfall war, oder ob weit mehr dahinter steckt. Blum beginnt auf eigene Faust mit den Nachforschungen und ihrem ganz persönliche Rachefeldzug...

„Totenfrau“ wird in 49 eher kurzen Kapiteln erzählt, die von einem Rückblick auf die Geschehnisse, die sich acht Jahre zuvor ereigneten, eingerahmt werden. Von Beginn an wird Spannung auf gebaut, diese steigert sich im Verlauf der Handlung und flacht erst ganz zum Ende hin ein ganz klein wenig ab. Vielleicht habe ich das auch nur so empfunden, weil ich schon sehr zeitig eine Vermutung hatte und sich alles dann genau in diese Richtung entwickelte, da fehlte mir ein wenig das Unverhoffte.

Dramaturgisch ist dieser Thriller, wie viele andere auch - spannend. Er unterscheidet sich jedoch von den anderen durch die Sprache. Atemlos, stakkatoartig, in kurzen Sätzen wird diese Geschichte erzählt, schnell kommt Bernhard Aichner auf den Punkt, es gibt nichts Beschönigendes, nichts Angedeutetes. Der Autor spricht Klartext und nennt die Dinge beim Namen und beschreibt Taten wie sie sind. Dabei verlangt er seinen Lesern einiges ab. Zimperlich darf man nicht sein, grauenhafte und auch ekelerreegende Szenen muss man mit der Protagonistin überstehen. Eigentlich müsste man einer jungen Frau, die kaltblütig tötet und stringent ihrem Racheplan folgt, mit Abscheu und Abneigung begegnen. Das konnte ich nicht. Der Autor erwischt seine Leser ganz brutal auf der emotionalen Ebene. Da man mit Blum mitfühlen kann, entwickelt man Verständnis für ihr Tun, fiebert mit ihr mit, hofft, dass ihr nichts passiert, damit sie ihren Plan in die Tat umsetzen kann.

Bernhard Aichner verzichtet auf die grammatikalisch korrekte Kennzeichnung der wörtlichen Rede. Gespräche finden stets nur zwischen zwei Beteiligten statt. Mittels Aufzählungsstrich ordnet der Autor diesen die einzelnen Gesprächsteile zu.

Mich hat „Totenfrau“ schnell in den Bann gezogen, innerhalb von zwei Tagen habe ich diesen Thriller gelesen. Er hat mich gefühlsmäßig sehr beansprucht. Aber ich habe ihn sehr gern gelesen. Die kleinen Kritikpunkte haben den Unterhaltungswert dieses Thrillers nicht geschmälert. Ich empfehle ihn gern weiter.

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

erste weltkrieg

Tobys Zimmer

Pat Barker , Miriam Mandelkow
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Dörlemann, 13.02.2014
ISBN 9783038200017
Genre: Romane

Rezension:

Der erste und kürzere Teil des Romans ist im Jahr 1912 angesiedelt. In diesem werden die Figuren eingeführt, die den Leser durch die gesamte Handlung auf aktive oder passive Weise begleiten. Elinor und Toby sind Geschwister. Sie stammen aus gutem Haus stehen und sich gefühlsmäßig so nah, schier unzertrennlich, fast wie Zwillinge. Beide bewahren das Geheimnis einer gemeinsamen Nacht.

Elinor besucht eine Londoner Kunstschule und belegt zusätzlich einen Anatomiekurs. Toby erfüllt seine Pflicht im Royald Army Medical Corps an der Front in Frankreich, bis eines Tages im Jahr 1917 die Nachricht „Vermisst, vermutlich gefallen“ die Familie Brooke darüber in Kenntnis setzt, dass der Sohn und Bruder nicht mehr heimkehren wird. Dieser Verlust schmerzt Elinor maßlos und sie sucht in der Kunst Vergessen. So nimmt sie nach längerem Zögern, sie will nichts mit dem Krieg zu tun haben, das Angebot ihres ehemaligen Dozenten Henry Tonks an, ihm, dem Chirurgen und Maler, bei der zeichnerischen Dokumentation der verstümmelten Gesichter der Soldaten zu assistieren.

Auf diese Weise kommt sie auch Kit Neville, dem ehemaligen Kommilitonen näher, der als einziger in Tobys Nähe war, aber über die Geschehnisse schweigt. Aber Elinor muss wissen, was geschehen ist.

Mit „Tobys Zimmer“ greift Pat Barker ein Thema neu auf, das bereits Kern ihrer „Regeneration-Trilogie“ war – der Erste Weltkrieg. Die Autorin schildert jedoch weniger das Kriegsgeschehen an sich, sie zeigt auf, was der Krieg mit den Menschen gemacht hat, wie er sich auf sie ausgewirkt hat. Sie beschreibt grauenvolle Gesichtsverletzungen, die Versuche diese zu behandeln und die Behandlungsverläufe zeichnerisch festzuhalten. Henry Tonk und auch die sogenannte „Blechnasenabteilung“ hat es wirklich gegeben. Pat Barker setzt ihnen mit ihrem Roman ein Denkmal.

Geschickt baut sie einen Spannungsbogen auf, so dass es dem Leser schwerfällt sich von dem Roman loszureißen. Man fühlt, leidet und trauert mit, man versteht und kann tief in die Seelen der vom Krieg gezeichneten Menschen blicken, egal ob sie selbst im Krieg waren oder zu den Daheimgeblieben gehören.

„Tobys Zimmer“ hat aber im englischen Original noch eine Vorgeschichte, denn es ist eigentlich die Fortsetzung von „Life Class“. Ich hoffe sehr, dass dieser Roman auch noch den deutschen Lesern zugänglich gemacht wird.

Pat Barkers Roman „Tobys Zimmer“ ist nicht nur vom Inhalt ein hervorragendes Werk, er ist auch noch äußerst schön anzusehen. Ohne den üblichen Schutzumschlag, sozusagen schutzlos, nur mit einem farbigen, gut in die Zeit passenden Foto auf dem Buchdeckel präsentiert es sich dem Leser.

„Tobys Zimmer“ ist ein eindringliches und bewegendes Buch, in dem der Krieg die Handlung nie vordergründig bestimmt, ihr aber die grundlegende Richtung gibt.

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285 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 77 Rezensionen

jugendbuch, liebe, mörder, thriller, auftragskiller

Boy Nobody

Allen Zadoff , Petra Post , Andrea von Struve
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei bloomoon, 03.09.2013
ISBN 9783845800059
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Man braucht die Suchmaschinen nicht lange bemühen, um festzustellen, dass Allen Zadoff für seinen Roman ein Thema gewählt hat, das nicht so realitätsfern ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Auch für ein Jugendbuch ist es aus meiner Sicht durchaus geeignet. Nobody wurde als Protagonist etwas eindimensional dargestellt. Seine Emotionslosigkeit trug besonders dazu bei, dass zumindest ich ihn sehr distanziert betrachtete. Er war mir jedoch nicht unsympathisch, eher empfand ich Mitleid mit dem intelligenten Jungen, der von „Mutter und Vater“ auf solch kaltblütige Art missbraucht wurde. Dass er zu Gefühlen fähig ist, wurde schließlich im Verlauf der Handlung zumindest ansatzweise deutlich, auch wenn er dies für sich nicht richtig einordnen konnte.

Stellenweise empfand ich den Roman auch als etwas überzogen. Besonders an den Action-Szenen störte ich mich ein wenig. Gerne hätte ich aber noch mehr aus Nobodys Vergangenheit erfahren, vielleicht hätte ich dann besser verstanden, weshalb er die Anweisungen seiner Auftraggeber nicht mehr hinterfragt. So wirkte der Roman auf mich oberflächlich und ohne eigentliche Aussage. Vielleicht erschließt sich diese jedoch, wenn man die in Aussicht gestellte Fortsetzung kennt. Potential für eine Entwicklung des Jungen sehe ich deutlich vor mir. Der Zielgruppe entsprechend war die sprachliche Gestaltung, dialoglastig, kurze Kapitel, eine etwas holprige Sprache.

„Boy Nobody“ ist vom Anspruch her eher ein literarisches Leichtgewicht, trotzdem war dieses Jugendbuch durchaus spannend und unterhaltsam zu lesen und ich bin sehr gespannt, wie es mit dem Protagonisten in der Fortsetzung weitergehen wird und ob er gegen seine „Familie“ doch irgendwann aufbegehrt.

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Stefan Rott oder Das Jahr der Entscheidung

Max Brod , D evad Karahasan , Dževad Karahasan
Fester Einband: 530 Seiten
Erschienen bei Wallstein, 03.03.2014
ISBN 9783835313378
Genre: Klassiker

Rezension:

Im April 1914 lernt man den Prager Gymnasiasten Stefan Rott kennen. Er ist ein guter Schüler und entstammt einem ebenso guten Hause. Die Welt ist noch in Ordnung. Stefan kümmert sich um die Schule und seinen Freundeskreis. Er führt tiefe Gespräche über die Fragen des Lebens und der Moral mit seinem Religionslehrer, dem Katecheten Professor Werder. Er ist hin- und hergerissen von diesen Gesprächen, denn der Professor warnt ihn eindringlich vor Hochmut und böser Begierde zwei Eigenschaften, die dem 17-jährigen nicht fremd sind, begehrt er doch die Mutter seines engsten Freundes Anton Liesegang innigst. Mit seinem Freund Anton entzweit er sich, kommt ihm später aber wieder näher, noch mehr nähert er sich aber Phyllis Liesegang an.

Max Brod hat einen Roman geschrieben, der sehr ruhig und ausführlich den Alltag im Frühjahr und Frühsommer des Jahres 1914 schildert. Es geschieht nicht sehr viel. Die Schüler gehen in die Schule, haben ihre ganz normalen Probleme, Zwistereien und erste Verliebtheiten. Aber es würde dem Roman nicht gerecht, würde man ihn auf diese Sphäre der Handlung reduzieren. Der Autor gibt ein sehr genaues Zeitbild ab. Ein Erzähler überblickt die Zusammenhänge und vermittelt diese dem Leser in dem Maße, wie es für das Verständnis der Handlung erforderlich ist. Er schildert alltägliche Begebenheiten ebenso wie die vorherrschen politischen Strömungen, dabei bedient sich der Autor einer Sprache, die den verstaubten Charme der k. u. k. Monarchie aufleben lässt. Sein Sprachstil ist durchaus anspruchsvoll. Seine langen und mitunter verschachtelten Sätze, die man sich häufig auf der Zunge zergehen lassen muss, fordern dem Leser Konzentration auf den Text ab. Dafür wird man aber mit einem völligen Eintauchen in die Welt des Stefan Rott in seine Gedanken und Gefühle und die historische Situation entschädigt. Dieser Roman hat etwas sprachlich so Erhabenes, das ihn aus der Massen- und Mainstreamliteratur deutlich hervorragen lässt. Stefan Rott, sein Freund Anton und beider Mitschüler Dlouhý stehen für verschiedene politische Strömungen.

Das Attentat von Sarajewo hat nicht nur Auswirkungen auf die Weltpolitik, auch der kleine Prager Kosmos um unsere Protagonisten ändert sich schlagartig. Auch im Max Rotts Welt wird jetzt geschossen.

„Stefan Rott oder Das Jahr der Entscheidung“ ist ein ganz wundervoller Roman über eine Jugend und das Zerbrechen einer heilen Welt. Leser, die Freude an ruhiger Erzählweise und grandiosem Sprachgebrauch haben, werden diesen Roman mit Sicherheit mögen.

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

italien, case rosse, krimi, 2. weltkrieg, weltkrieg

Die Toten im Schnee

Giuliano Pasini , Sigrun Zühlke
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Piper, 15.10.2013
ISBN 9783492302869
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Die Toten im Schnee“ ist einer der Kriminalromane, die sich des sehr in Mode gekommenen Lokalkolorits bedienen, dazu kommt ein Kommissar, zugereist und mit ein paar persönlichen Unzulänglichkeiten ausgestattet. Vom Ansatz her bietet Giuliano Pasini nichts Neues. Aber dann wird der in der Gegenwart erfolgte Mehrfachmord mit Geschehnissen zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges verknüpft. Damit beginnt die Handlung, die zuvor schon etwas behäbig anmutete, deutlich an Tempo und Spannung zu gewinnen. Zwar merkt man dem Kriminalroman deutlich das eine oder andere Handlungskonstrukt, um es nicht Unstimmigkeit zu nennen, an, trotzdem habe ich ihn nicht ungern gelesen. Was mir am Anfang noch etwas wirr und undurchschaubar erschien, bekam nach und nach immer mehr Sinn. Dazu kam der sehr interessante historische Teil, der mich ein wenig mehr über die jüngere Geschichte Italiens hinzulernen ließ.


Für einen Krimi ist der Sprachstil beachtenswert. Stellenweise gab es fast schon poetisch anmutende Passagen, dem stehen die Mordschilderungen in krassem Kontrast gegenüber. Dadurch erhält der Krimi eine ganz besondere Atmosphäre. So störte mich die im Präsens gehaltene Erzählweise mit zunehmendem Lesefortschritt auch immer weniger. Mehr störten mich die sehr eindimensionale Figuren, die mich teils sehr nervten und teils zum Superhelden mutierten.


Alles in allem ist „Die Toten im Schnee“ ein Kriminalroman, der leicht zu lesen und sprachlich gut gestaltet ist. Ansonsten hebt er jedoch sich nicht bemerkenswert aus der Masse der Krimis ab.



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31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

liebe, mord, schwul, vater, simon

Die kurzen und die langen Jahre

Thommie Bayer
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.03.2014
ISBN 9783492054812
Genre: Romane

Rezension:

1964 wünschte sich der 12-jährige Simon nichts mehr als den Tod des Vaters, doch an dessen Stelle starb die Mutter. 10 Jahre später wurde der Vater Opfer eines Doppelmordes. Das Motiv der Tat konnte zunächst nicht ermittelt werden, es kam erst nach Jahrzehnten durch einen Zufall ans Licht. Als Simon einige Zeit nach der Tat die Hütte im Wald, in der der Vater ermordet wurde, aufsuchte, lernte er die 8 Jahre ältere Sylvie, Witwe des zweiten Opfers, kennen. Sylvie wird Simons Traumfrau, die Frau seines Lebens, die alles Überstrahlende. Ein Paar werden beide jedoch nicht. Sie sind Seelenverwandte. Lange Zeit schreiben sie sich Briefe, verlieren sich aber irgendwann aus den Augen, jeder lebt sein eigenes Leben. Als Simon nach Jahren des Schweigens wieder Post von Sylvie erhält, schließt sich ein Kreis.

Thommie Bayer hat einen neuen Roman geschrieben. Wer bereits andere von ihm kennt, wird nicht verwundert sein, er schreibt wieder über die Liebe, ein, wie er selbst sagt, weltbewegendes Thema. Er schildert sie in vielen Facetten. Brillant erzählt Thommie Bayer vom ungestümen Begehren und der alles in den Schatten stellenden Liebe seines Protagonisten zu Sylvie, die ihn wie einen kleinen Bruder liebt, innig, voller Vertrauen – aber platonisch. So bleibt Simons große Liebe unerfüllt, andere Partnerinnen müssen diese Lücke schließen - mehr schlecht als recht. Neben der Liebe schlängelt sich wie ein alles verbindender roter Faden die Musik durch die Handlung und Simons Leben, Melodien, die man kennt und sofort im Ohr hat.

Die Geschichte wird von Simon rückblickend aus der Gegenwart in der Ich-Form erzählt. Dabei spielt der Briefwechsel mit Sylvie eine bedeutende Rolle. Durch Sylvies Briefe werden sowohl der weibliche Aspekt als auch eine Art Außensicht auf Simon dargestellt. Im immer sporadischer werdenden Blick auf einzelne Jahre nimmt man am Leben der Hauptfiguren teil, lernt sie kennen, versteht ihr Handeln mal mehr oder mal weniger und bekommt ein Gespür für die Zeit, als Telefone noch Wahlscheiben hatten und das Schreiben von Briefen Normalität war und kann die Entwicklung der Personen und ihrem Umfeld bis in die Gegenwart verfolgen.

Wer bei diesem Roman eine herkömmliche seichte Liebesgeschichte erhofft, wird wohl enttäuscht werden. Auch einen Krimi hat der Leser trotz des Mordfalles nicht zu erwarten. „Die kurzen und die langen Jahre“ ist ein sehr gefühlvoller Roman über eine unerwiderte Liebe und das sich selbst Fremdsein in „Ersatzpartnerschaften“. Der Schreibstil Thommie Bayers ist beeindruckend, gefällig und sehr angenehm zu lesen. Mit 202 Seiten verteilt auf 50 Jahre Handlung ist dieser Roman eher kurz, hält aber einiges Potential zum Nachdenken und sich selbst Erkennen bereit. Ich empfehle ihn sehr gern weiter.

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65 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 37 Rezensionen

widerstand, hitler, ernst toller, dora fabian, 2. weltkrieg

Alles, was ich bin

Anna Funder , Reinhild Böhnke
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 20.02.2014
ISBN 9783100215116
Genre: Romane

Rezension:

„Alles was ich bin“ ist ein äußerst authentischer Roman. Anna Funder hat darin die Gespräche mit ihrer an Demenz erkrankten Freundin Ruth verarbeitet. Die Krankheit hat die Geschehnisse in Ruths jüngerer Vergangenheit verblassen lassen, dafür erscheinen ihr die wesentlich weiter zurückliegenden Ereignisse deutlich und klar wie nie. Ruth hat die aufregende Zeit nach dem 1. Weltkrieg selbst miterlebt. Ernst Toller, Dora Fabian, Hans Wesemann, Berthold Jacob und eben Ruth Blatt bildeten eine Gruppe junger Widerstandskämpfer gegen die immer mehr an Einfluss gewinnenden Nazis. Abwechselnd wird die Geschichte dieser im wesentlichen fünf Personen aus der Sicht von Ruth und Ernst Toller erzählt. Dadurch ist der Leser scheinbar unmittelbar in das Geschehen involviert, erfährt alles sozusagen aus erster Hand. Es wird von den wilden zwanziger Jahren, dem entstehenden Nationalsozialismus und dem sich formierenden Widerstand dagegen, von Repressalien, Flucht und geglaubter Sicherheit berichtet. Die Geschichtskundigen wissen, welchem Irrtum die Gruppe oblag, sich in ihrem Exil in England sicher zu fühlen.

„Alles, was ich bin“ habe ich sehr gern und mit ebenso viel Interesse gelesen. Der Stil mit dem die Autorin ihren Lesern Geschichte nahe bringt, ist beeindruckend. Die Realitätstreue Anna Funders lässt mich diesen Roman als Zeitdokument bezeichnen, trotzdem sie zu den historisch verbürgten Personen fiktive gesellte.

Dieser auf Tatsachen fußende Roman ist hochinteressant und obwohl die Geschehnisse fast hundert Jahre zurückliegen, ist seine Aktualität kaum übersehbar. Er bekommt meine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Durch diesen Roman, der meine erste literarische Begegnung mit Anna Funder war, bin ich auf ein weiteres Werk aus ihrer Feder aufmerksam geworden. „Stasiland“ steht bereits weit oben auf meiner Wunschliste.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

lebenslügen, psychogramm, gefühlskälte, minderwertigkeitsgefühle, häusliche gewalt

Die Sünden meiner Väter

Liz Nugent , Alexandra Kranefeld
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.10.2013
ISBN 9783785724798
Genre: Romane

Rezension:

Scheinbar ist Oliver Ryan ein völlig normaler Mensch, ein international erfolgreicher Kinderbuchautor, glücklich verheiratet und von allen geachtet. Wie konnte es nur dazu kommen, dass er seine Frau ins Koma geprügelt hat? Recht schnell wird deutlich, diese Außenwirkung ist nur eine aus Lügen errichtete Fassade. Nach und nach kommt man dem wirklichen Oliver auf die Spur. Aus seiner eigenen Sicht und der von anderen, seinen Lebensweg kreuzenden Personen wird sein Werdegang betrachtet. Zunächst sind es Ungereimtheiten, die auffallen, dann bemerkt man Lügen und letztlich fällt das ganze Lügengebilde in sich zusammen und der wahre Oliver wird entlarvt.

Zunächst hatte ich ein paar Probleme, in das Buch hineinzukommen, es wirkte durch die verschiedenen Zeitebenen und Blickwinkel ein wenig zerrissen. Aber als ich mich damit angefreundet hatte, entwickelte es einen wahren Sog. Die Puzzleteile fügten sich zusammen und die Frage nach dem Warum klärte sich in dem Maße, wie deutlich wurde, wie viele Leben Oliver zerstört hat.

Liz Nugent hat in ihrem Debütroman ein beeindruckendes Psychogramm ihres Protagonisten erstellt. Dafür hat sie seine Psyche förmlich seziert, Ursachen für sein Verhalten von seiner Kindheit an geschildert und den Leser auf der Empathieebene eingefangen. Durch verschiedenen Sichtweisen der Ereignisse kommt es zu unvermeidlichen Wiederholungen, die sich stellenweise in Längen im Geschehen auswachsen.

„Die Sünden meiner Väter“ ist ein spannender Roman, den ich nach leichten Anlaufschwierigkeiten förmlich verschlungen habe und der mich auch eine ganze Weile nach der Lektüre noch beschäftigt hat.

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