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139 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

norwegen, thriller, horror, survival, wald

Dark Wood

Thomas Finn
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.08.2016
ISBN 9783426518748
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt
Eine neue TV-Reality-Show soll die Rettung für eine Hamburger Werbeagentur werden. Sechs Angestellte der kurz vor dem Aus stehenden Firma wollen mit Teamgeist das Preisgeld für ihren Arbeitgeber gewinnen und ihre Arbeitsplätze damit sichern. Dafür müssen sie drei Tage in der Wildnis im Norden Norwegens überstehen und dabei gefährliche und fiese Aufgaben lösen - ständig von Kameras begleitet, damit die Fernsehzuschauer auch etwas davon haben. Vom Moderator wird die Stimmung unter den Kollegen bewusst angeheizt und ein individuelles Preisgeld für den Besten im Team torpediert von Anfang an den Teamgeist. Alle Vorsätze, keine Internas aus dem Arbeitsleben und nichts Privates über die Kollegen zu verraten, werden schnell vergessen. Geheimnisse kommen ans Licht, Verdächtigungen und gegenseitiges Misstrauen bestimmen schon nach kurzer Zeit den Tag.

Doch es soll noch schlimmer kommen, denn selbst die fieseste Aufgabe der Show ist nichts gegen das unheimliche Grauen, das in der Wildnis lauert und aus dem Spiel tödlichen Ernst werden lässt...

Meine Meinung
Das Buch hat mir ein paar sehr spannende und unheimliche Lese-Stunden geboten und hat mir, wie schon viele andere Bücher des Autors, sehr gut gefallen. Eigentlich sind viele Reality-TV-Formate schon Horror genug, sollte man meinen, und der Autor hat hier eine Show ins Leben gerufen, die so fies ist, dass sie einem die Haare zu Berge stehen lässt - aber gerade deshalb auch schon wieder vorstellbar wirkt, wenn ich so darüber nachdenke, wie sich die TV-Shows im Fernsehen schon entwickelt haben. Ich würde mich nicht wundern, wenn wir irgendwann am TV-Bildschirm tatsächlich beobachten, wie Kandidaten derart fiese Aufgaben lösen müssen...

Doch die Show ist nicht Horror genug und wir merken bald, wir sind mit den sechs Angestellten nicht alleine im Wald. Wer oder was schleicht durchs Camp? Woher kommt der modrige Geruch? Mehr und mehr entsteht eine unheimliche und beängstigende Stimmung, während die Kollegen ihre Aufgaben lösen und dabei Entdeckungen machen, die mehr als erschreckend sind. Wer oder was ist los in diesem Wald? Für mich entstand phasenweise eine Stimmung wie sie die TV-Serie „Lost“ ausstrahlt. Dieses Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht stimmt, ein Gefühl von Bedrohung, Angst, Unverständnis und Gefahr, die man nicht greifen kann. Das war wirklich spannend geschrieben und steigerte sich hier natürlich noch, als die Gefahr dann immer tödlicher und grausiger wurde und ein Gesicht bekam.

Doch der Thriller war für mich als Wenig-Horror-Leser von der „Horror-Dosis“ immer gut lesbar. Es gab einige Schockmomente und auch ein paar grausig eklige Szenen, aber sie dominierten nicht die Handlung, sondern waren die Spitzen einer schon die ganze Zeit über zu spürenden gruseligen Stimmung. Und das gefällt mir sehr gut, ich mag nämlich keinen „Splatter-Horror“, sondern viel lieber dieses unterschwellige und die eigene Fantasie antreibende Horrorgefühl. Diese grausige Stimmung, von der man die Ursache nicht gleich kennt und die mehr das Gefühl beim Lesen anspringt, als „das Auge“. Das ist hier für mich sehr gut gelungen.

Sehr gut haben mir auch die Charaktere gefallen, die man gerade durch die Perspektivwechsel nach und nach gut kennenlernte und die insgesamt sehr lebendig beschrieben waren. Die Kollegen waren sehr unterschiedlich und nur scheinbar ein gutes Team. Es war sehr spannend zu lesen, wie im Laufe des Spiels die Geheimnisse der Mitstreiter ans Tageslicht gezerrt wurden und damit Konflikte heraufbeschworen wurden, die für den Überlebenskampf der Gruppe nicht unbedingt förderlich waren. So wurde die Spannung nicht nur vom Grauen von außen, sondern auch von innen heraus noch erhöht, denn wenn man sich gegenseitig nicht mehr trauen kann, wie soll man dann überleben?

Das Ende war dann überraschend und auch fies, aber passend. Und im Nachhinein ist besonders gruselig, dass das Grauen irgendwie doch auch so möglich sein könnte ... vielleicht ... irgendwann ...

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21 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

berlin, mordsspaß, spreewald

Die Spreewaldgurkenverschwörung

Cathrin Moeller
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.06.2016
ISBN 9783956495885
Genre: Humor

Rezension:

Inhalt
Helene ist Apothekenhelferin und liebt ihren Job, weshalb sie auch immer einen guten Rat für ihre Kunden oder gleich das passende Medikament in ihrer Handtasche für alle, die es brauchen, dabeihat. Leider sieht ihre Chefin nichts Gutes an ihr und schikaniert sie bei jeder Gelegenheit. Als Helene mal wieder mit ihrem Privatauto zu später Stunde ein Medikament ausfahren muss, trifft sie den Kunden nur noch tot an - erstochen. Das Messer steckt noch in seiner Brust, Ihre Erste-Hilfe-Maßnahmen kommen zu spät. Doch wer sollte an Helenes Unschuld glauben, wenn man sie kurze Zeit später quasi mit der Mordwaffe in der Hand am Tatort vorfindet? Der Kommissar nicht, das ist klar. Aber auch nicht die eigene Schwester, die als Staatsanwältin arbeitet und von ihrer Familie nichts mehr wissen will? Mit einem Vater, der sich für einen Mafioso hält und den Knast schon gut von innen kennt und einem Bruder, der seinem Vater nacheifert, sieht es daher nicht gut für Helene aus. Um ihre Unschuld zu beweisen, macht sie sich selbst auf die Suche nach dem Mörder, unterstützt von ihrem besten Freund Thorsten. Gemeinsam geht es tief hinein in den Spreewald, wo es nicht nur Mücken zu finden gibt...

Meine Meinung
Dieser Krimi, oder sagen wir besser diese Krimikomödie, hat mich sehr gut unterhalten. Eine sympathische Hauptdarstellerin mit einem schrägen Freund. Ihre kleinkriminelle Familie, die sich für DIE große Mafia-Familie hält. Eine Schwester, die sich als Staatsanwältin von ihrer räuberischen Familie distanziert. Ein Kommissar, der scheinbar verpeilt durch den Fall stolpert, ein Tatverdächtiger, der im Spreewald-Dschungel wild um sich schießt und ein besorgter Neffe des Mordopfers, der Helenes Herz zum Klopfen bringt. Diese Charaktere sorgen für eine turbulente Mörderjagd mit Situationskomik und Rätselspaß. Denn auch wenn ich schon schnell einen Verdacht hatte, machte es viel Spaß zu spekulieren, wie sich wohl alles zusammenfügen wird. Und auch wenn der Krimi aufgrund vieler lustiger, auch manchmal etwas überspitzter Szenen und Handlungen manchmanl in den Hintergrund zu rücken schien, gab es auch einige spannende Szenen, die mir ein etwas unheimliches Bild des Spreewalds boten, wenn Helene und ihr Freund dort mit dem Boot unterwegs waren.

Gut gefallen hat mir auch die Herzlichkeit, die das Buch ausstrahlte, die Lebendigkeit, die die Figuren besaßen. Helene ist eine gute Seele, aber mit sich selbst so gar nicht glücklich. Im Schatten ihrer perfekten Schwester, versucht sie, in deren Fußstapfen zu treten, sie sogar zu übertrumpfen, indem sie ihr Abitur nachholen will, um Richterin zu werden. Sie leidet unter ihrer Figur und traut sich nicht, sie zu zeigen und bringt sich mit ihrer etwas tollpatschigen ungestümen Art gerne in für sie ungemütliche Situationen. Es wird Zeit, dass ihr Selbstwertgefühl einen Schubs bekommt -  und so eine Mördersuche könnte dabei vielleicht sogar behilflich sein...

Es hat mir riesigen Spaß gemacht, Helene vom Untersuchungsknast aus in den Spreewald zu begleiten, auf der Suche nach dem Mörder, mit dem sie ihre eigene Unschuld beweisen will. Immer den Kommissar auf den Fersen, der seine Verdächtige umgekehrt nicht aus den Augen lassen will. Und begleitet von ihrem Freund als "Charlys Tante", der zu Helene hält, komme was wolle. Und wie passen nun die Spreewaldgurken hier noch rein? Das wissen nur die vielen Stechmücken, die sich gierig auf die Eindringlinge stürzen.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

michael frey dodillet, hund, hunde, 2016, humor

Herrchentrubel

Michael Frey Dodillet
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.05.2016
ISBN 9783453200876
Genre: Biografien

Rezension:

Inhalt
Krawallmäuse werden bestimmt ruhiger, wenn sie älter werden. Dieser (Wunsch)Gedanke des Autors wird von seiner Hündin Luna konsequent und wie selbstverständlich widerlegt. Sie „detoniert“ auch als „Oma“ regelmäßig und zuverlässig immer dann „wenn ein anderer Hund Deutschland betritt“. Unterstützung findet sie dabei natürlich immer noch von dem jüngeren Wiki, auf den wie gewohnt Verlass ist: was er einmal hat, das gibt er nicht mehr her – und wenn es die eigene Kotze ist.

So wird auch mit den Jahren der Alltag mit Luna und Wiki nicht ruhiger und Michael Frey Dodillet stöbert weiterhin in diversen TV-Shows, Hundeforen und Facebook-Gruppen nach neuen Erkenntnissen in der Hundeerziehung. Was er dort findet und bei Begegnungen mit unterschiedlichen „Krauses“ und „Gundulas“ erlebt, ist teilweise so skurril, dass es doch einfach nur erfunden sein kann. Ist es das nicht? Nein? ... Gut aufgehoben fühlen sich die Hunde und ihr Herrchen dann endlich bei einer ganz besonderen Hundetrainerin.

Als Luna dann plötzlich eine Beule bekommt, treten aber völlig andere Sorgen in den Vordergrund ...

Meine Meinung
Dies ist nun das dritte „Herrchen-Buch“ und auch mit diesem habe ich wieder einige sehr vergnügliche Lesemomente gehabt. Mit viel Humor und Selbstironie erzählt der Autor von den Erlebnissen mit seinen beiden Hunden, die einfach nicht ruhiger werden wollen. Immer auf der Suche nach neuen Erziehungserkenntnissen lässt der Autor uns Leser an seinen Funden im Internet oder bei Hundebegegnungen teilhaben – und staunen. Kann es wahr sein? Muss ich einfach nur immer genauso schnell laufen, wie mein Hund und schon zieht er nicht mehr an der Leine? So einfach kann perfekte Leinenführigkeit sein?

Gerade die Beschreibung von einigen Hundeforen und Facebook-Gruppen haben mich allerdings nicht nur zum Lachen gebracht, teilweise war ich über einige Ratschläge auch entsetzt. Um so schöner war dann die Begegnung mit einer Hundetrainerin, die einen ganz anderen Ansatz verfolgte und damit wirklich wertvolle und vor allem emotionale Hilfe leistete.

Wir begleiteten den Autor und seine Hunde in den Camping- und Wanderurlaub und da war einiges los! Ich kam aus dem Grinsen kaum noch heraus. Es ist einfach schön, dass der Autor sich im Buch auch immer wieder gerne selbst nicht so ernst nimmt und die Leser damit zum Schmunzeln bringen kann.

Trotz des Humors empfand ich dieses dritte Buch auch ganz besonders emotional. Die verzweifelten Momente, wenn man nach gefühlten unendlichen Versuchen endlich möchte, dass sich etwas ändert. „Mach, dass es aufhört. Schnell.“ Das waren Szenen, die mir einen Kloß in den Hals trieben. Ich konnte beim Lesen immer spüren, dass der Autor hinter seinen Hunden steht, auch wenn sie ihn zur Verzweiflung bringen. Man spürt hinter all den lustigen Szenen und der Situationskomik immer wieder ganz besonders die Liebe der Familie zu ihren Hunden. Das war sehr berührend zu lesen.

Besonders emotional war dann das letzte Kapitel, als sich ein Problem ganz anderer Art auftat: ein bösartiger Tumor. Hier hat der Autor es für mich sehr gut geschafft, in emotionaler Weise die Sorge und die Angst mit etwas Humor zusammenzubringen, ohne dass es unpassend wirkte. Lunas Kampf und die emotionale Belastung vom Herrchen waren sehr berührend beschrieben, doch schaffte es Luna mit ihrem skeptischen Blick auf die Regenbogenbrücke und ihrer unbezwingbar erscheinenden Lebensfreude, dabei auch ein Schmunzeln in mein Gesicht zu zaubern.

Für Hundebesitzer und Hundeliebhaber ist auch dieses dritte Buch wieder ein ganz besonderes Lesevergnügen. In einigen Dingen wird man sich und seinen eigenen Hund vielleicht wiederfinden, bei vielen Hundebegegnungen oder der Internetrecherche wird man ungläubig mit dem Kopf schütteln, oft wird man einfach nur laut lachen und immer wird man voller Hochachtung beobachten, wie der Autor das Zusammenleben mit seinen beiden Krawallmäusen meistert.

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57 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

fantasy, bernhard hennen, dsa, aventurien, das schwarze auge

Die Phileasson Saga - Nordwärts

Bernhard Hennen , Robert Corvus
Flexibler Einband: 494 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.04.2016
ISBN 9783453317512
Genre: Fantasy

Rezension:

Inhalt
Die beiden Drachenschiff-Kapitäne Asleif Phileasson, Foggwulf genannt, und Beorn, der Blender, sind harte Rivalen auf See. Beide machen reiche Beute auf ihren Fahrten und scheuen keine Gefahren. Eine Wettfahrt, so die Weisung der Göttin Travia, soll ein für alle Mal klären, wer von den beiden den Titel „König der Meere“ tragen darf. In 80 Wochen sollen sie das Land Aventurien umrunden und dabei 12 gefährliche Aufgaben lösen, wie sie noch nie vorher ein Mensch gestellt bekam. Beide Kapitäne stellen sich ihre Mannschaft zusammen, mit der sie hoffen, für alle Situationen gewappnet zu sein und stechen in See. Ihr erstes Ziel: die Insel der Schneeschrate weit oben im Norden, wo sie Eis und Kälte erwarten ...

Meine Meinung
Bevor es im Hauptteil mit der Wettfahrt losgeht, führt der Prolog erst einmal zehn Jahre zurück zu einem grausigen Ereignis, das seine Spuren bis in die Gegenwart zieht. Ein Handelsschiff strandet unfreiwillig bei dem Ort Steinakr und sein Schicksal ist damit besiegelt. Was jedoch die junge Händlertochter Fianna ertragen muss ist richtig schrecklich und liegt wie ein Schatten über dem Rest der Handlung. So schockierend und düster ich den Prolog auch empfand, so war es doch gut gemacht von den Autoren, denn es erzeugte eine ganz besondere Stimmung und Erwartungshaltung beim Lesen, besonders auch, weil man einen Teil der Figuren im Hauptteil wiedertrifft.

Doch erst einmal geht es im Hauptteil los mit der Wettfahrt. Man lernt die beiden Kontrahenten kennen und es fällt vorerst nicht schwer, seine Sympathie zu verteilen. Kapitän Asleif Phileasson, Foggwulf genannt, hatte für mich sofort eine positive Ausstrahlung, während Beorn, der Blender, nicht lange brauchte, um mir unsympathisch zu werden. Doch ich bin sicher, dass sich das im Laufe der Buchreihe noch ändern bzw. hin- und herschwanken wird, denn zum einen weiß ich von beiden Autoren, dass sie keine eindimensionalen Figuren in ihren Büchern beschreiben und zum anderen hat der Foggwulf gerade als ich dachte, er ist zu gut, um wahr zu sein, eine negative Eigenschaft gezeigt, die mich wütend gemacht hat. So gesehen wird es also noch spannend werden um die beiden Kontrahenten.

Die anderen Figuren gefallen mir auch überwiegend sehr gut. Sie sind alle nicht nur schwarz oder weiß, sondern haben Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen und bei einigen weiß man nicht, wie man sie greifen soll, welche Geheimnisse sie wohl in sich verbergen. Selbst böse erscheinende Charaktere, z. B. ein uralter geheimnisvoller dunkler Elf, üben eine besondere Faszination aus. Die Szenen mit ihm wirkten gruselig und grausam, ich spürte eine unterschwellige Gefahr voll dunkler Magie, aber andererseits zeigte er in einer anderen Situation Menschlichkeit. Was hat dieser Elf vor? Warum beteiligt er sich gerade auf Beorns Schiff an der Wettfahrt? Eine sehr geheimnisvolle Figur!

Tylstyr der junge Magier dagegen (eine der Hauptfiguren), der Phileasson begleitete, konnte mich nicht so packen, da er streckenweise auf mich zu apathisch und selbstbemitleidend wirkte. Sein Verhalten konnte ich zwar wohl oft auch nachvollziehen und er entwickelt sich auch langsam weiter, aber er machte mich ungeduldig und ich konnte bisher einfach keinen Draht zu ihm finden. Als einer der Figuren aus dem Prolog verfolgte ich seine Handlungen aber trotzdem mit erwartungsvoller Spannung.

Andere Besatzungsmittglieder des Foggwulfs wirkten auf mich dagegen schnell interessant und erhielten meine Sympathie, so z. B. die junge Geweihte aus dem Traviatempel, die als Schiedsrichterin mitfuhr und im Laufe der Reise zeigte, dass ihr mehr zuzutrauen war, als zuerst angenommen. Auch der Elf Salarin, der auf der Suche nach den Göttern immer ein bisschen unnahbar wirkte, konnte mich bald einfangen, auch weil er für einige humorvolle Szenen sorgte. Skurril war auch Irulla, eine Waldmenschenfrau mit einer Vorliebe für Spinnen und dem Tod. Und ebenfalls spannend war das Mädchen Leomara, das in Begleitung ihres Onkels, eines mysteriösen Nandusgeweihten, auf das Schiff kam und regelmäßig von Visionen bzw. einer fremden Stimme befallen wurde.

Insgesamt bietet gerade Phileassons Besatzung viele interessante Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die für die Lösung der Aufgaben noch sehr wichtig sein könnten. Alle bieten interessante Hintergründe und viel Potential für die weitere Handlung. Beorns Schiff lernen wir dagegen nicht so detailliert kennen und seine Besatzung wirkt insgesamt brutaler und nicht so vielschichtig. Einzig der schon erwähnte dunkle Elf und eine junge Fechterin, die zu Spekulationen einlädt, konnten mich hier neugierig machen. Aber da die Wettfahrt auf 12 Romane angelegt ist, werden wir sicherlich auch von Kapitän Beorn und seinen Leuten noch mehr erfahren, worauf ich sehr gespannt bin.

Sehr gut beschreiben ist neben der Handlung auch die Umgebung. Die Fahrt im nebligen Eismeer ließ mich frösteln, die Fahrt durch stürmisches Gewässer ließ mich schwanken und die Szene auf einem geheimnisvollen Plateau ließ mich fast die Magie spüren, die dort erwachte. Die beiden Autoren bieten somit nicht nur eine spannende Handlung, sondern auch viel Atmosphäre. Das mag mir sehr.

Die Idee der Wettfahrt mit 12 Aufgaben, für die jeweils ein Buch erscheinen soll, gefällt mir sehr gut und ich hoffe, dass dies auch realisiert wird. Ich mag derartige Rätsel und Wettkämpfe und gerade die Mischung aus Abenteuer, Fantasy und ein bisschen Seefahrergeschichte trifft da genau meinen Geschmack und ist sehr gut umgesetzt worden. Bemerkenswert finde ich dabei auch die tolle Zusammenarbeit der beiden Autoren, die einen Roman geschrieben haben, der wie aus einem Guss wirkt und keine Brüche, Stilunterschiede oder ähnliches aufweist. Ich freue ich jetzt schon auf Teil zwei und die damit verbundene Suche nach dem Geheimnis des Himmelsturms. 

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56 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

fantasy, magie, drache, drachen, barde

Feuerstimmen

Christoph Hardebusch
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Piper, 17.03.2016
ISBN 9783492703734
Genre: Fantasy

Rezension:

Inhalt
Die beiden Barden Aidan und Revus sangen einst vor Königen, doch ein schlimmes Erlebnis lässt Aidan an seiner Berufung zweifeln und so ziehen sie momentan durchs Land. Eines Tages machen sie Rast in einem Fischerdorf und werden von grausigen Seemonstern angegriffen. Mit Mühe können sie dem Angriff vorerst entkommen und versuchen nun die Bewohner des Dorfes zu retten, indem sie sie in befestigte Städte führen wollen.

Die junge Elena, Königin der Gesegneten Inseln, wird jäh aus ihrem Frieden gerissen, als das Verhalten einiger Einwohner in offenen Hass umschlägt und ein Beben die Insel erschüttert. Gemeinsam mit ihrer Beschützerin, der Kriegerin Kaleona, macht sie sich auf den Weg auf das bisher gemiedene Festland, um Hilfe für ihr Volk zu finden.

In den Tiefen des Meeres ist der Fünfte Drache gefangen, der einst Herrscher über die Welt werden wollte. Doch sein Schlaf scheint vorbei zu sein und seine Gier nach Macht ist ungebrochen. Aidan, Revus, Elena und Kaleona müssen für den Frieden in ihren Welten kämpfen – und eine besondere Waffe könnte dabei die Rettung sein: der Gesang der Magie!

Meine Meinung
Dieses Buch besitzt eine ganz besondere Verbindung zwischen Magie und Musik, denn es gibt eine zur Geschichte aufgenommene CD, die in Zusammenarbeit mit dem Autor und der Band Van Canto entstanden ist. Wer möchte, kann also zu dem Buch gleich die dazugehörige Musik „Voices of Fire“ hören.

Aber auch ohne Begleitmusik strahlte das Buch für mich allein durch die atmosphärischen Beschreibungen Musik aus. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, Musik zu hören, wenn der Wind in den Bäumen sang, das Wasser rauschte, der Nebel flüsterte ... zusammen mit den Gesängen des Barden, war diese Geschichte für mich tatsächlich oft wie ein magischer Gesang.

Überhaupt versteht es der Autor sehr gut, Atmosphäre zu schaffen. Seine Beschreibungen der Umgebung und der Geschehnisse waren schön intensiv. Ob in einer nebligen Höhle, bei den nächtlichen Angriffen der Seeungeheuer oder den kraftvollen Szenen voller Magie und Gesang: ich war immer mittendrin und konnte den Grusel, die Gefahr oder die Schönheit erspüren. Kampfszenen liefen wie ein kleiner Film vor den Augen ab, waren aber von der Länge her für mich nie zu viel.

Die Handlung war recht spannend und es hat mir viel Spaß gemacht, das Abenteuer der vier Helden zu begleiten, auch wenn ich insgesamt nicht zu viel Angst um sie hatte. Man wusste doch recht gut, woran man bei ihnen war und aufgrund der Kürze der Geschichte (es handelt sich um einen Einzelband) verlief die Geschichte natürlich recht geradlinig auf das Ende zu, ohne viel Hin- und Her. Das gab der Geschichte ein schönes Tempo, bedeutete aber auch, dass der ein oder andere Ansatz am Ende etwas schnell abgehandelt wurde oder nicht mehr wie erwartet zum Tragen kam. Insgesamt hat das meinem Lesevergnügen aber keinen Abbruch getan. Das Buch hat mich gut unterhalten und für ein paar schöne und „musikalische“ Lesestunden mit sympathischen Helden gesorgt.

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107 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

urlaub, italien, adria, humor, 80er jahre

In der ersten Reihe sieht man Meer

Volker Klüpfel , Michael Kobr
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Droemer, 09.03.2016
ISBN 9783426199404
Genre: Humor

Rezension:

Inhalt
Für Alex Klein, Mittvierziger und erfolgreicher Marketing-Spezialist, verheiratet und Vater zweier pubertierender Teenager, bedeuten Ferienreisen Flugreisen. Diese Sommerferien jedoch wird es eine Autofahrt nach Italien geben, denn es ist ein Nostalgie-Revival-Urlaub geplant. Alex hat sich breitschlagen lassen, eine große Familienreise zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester zu unternehmen – genau so wie früher in den 80er Jahren.

Am Abend vor der Abreise sind alle gereizt, nur Alex Vater nicht. Der kommt noch schnell vorbei und bringt Alex den „Großen Shell-Atlas“ vorbei, schließlich müsse man ja wissen, wo es lang geht... Auf der Suche nach den Reisepapieren fällt Alex das Fotoalbum mit den Bildern ihres ersten Italienurlaubs in die Hand. Er holt sich eine Flasche Rotwein und schwelgt in Erinnerungen, bis ihn die Müdigkeit überfällt.

Das Aufwachen ist dann ein Schock. Er befindet sich im Körper seines jugendlichen Ichs kurz vor der Abreise in den Urlaub. Zu fünft, Oma kommt auch mit, wird sich in den Ford Sierra gezwängt und gen Süden gefahren – hinein in den 80er-Jahre-Italienurlaub.

Meine Meinung
Das Buch ist ein Muss für alle, die ebenfalls zur damaligen Zeit ähnliche Urlaube gemacht haben. Aber auch jüngere Generationen werden ihren Spaß haben können, wenn sie lesen, wie es den Eltern damals in etwa ergangen ist. Ich jedenfalls habe Anfang der 80er Jahre den damals von gefühlt allen Bekannten unternommen Bibione-Ferienhaus-Urlaub gemacht und es kamen beim Lesen des Buches viele Erinnerungen hoch und ich musste an vielen Stellen einfach nur lachen. Ich erinnere mich noch gut, wie wir drei Geschwister auf dem Rücksitz kreuz und quer gelegen haben (Kindersitze waren ja unbekannt), an gruselige Grenzübergänge (uhh, Uniformierte, bloß nicht auffallen) und das besondere Gefühl, nun in einem anderen Land zu sein. Und auch daran, dass die Spaghetti gar nicht so schmeckten, wie zuhause meine geliebten Miracoli. ;)

Viele Details wie Walkmen, Nena, Dolomiti-Eis, die Mode etc. lassen einen gemeinsam mit Alex in die Zeit zurückfallen. Es werden viele Klischees über die deutschen Urlauber und die Vorurteile gegenüber dem fremden Land („Italien ist ja schön, wenn hier nicht so viele Italiener wären“) aufs Korn genommen. Vieles wirkt überspitzt dargestellt, aber ehrlich gesagt wirkte es auch erschreckend realistisch. Die Familie Klein wird nicht die einzige Familie gewesen sein, die bergeweise Proviant aus Deutschland mitgebracht hat, weil man ja dem fremden Essen nicht trauen kann („Die haben andere Mägen hier“).

Natürlich bietet die Familie Klein hier alles in sich vereint, was eine typische deutsche Familie damals so erleben haben konnte und wie sie gezielt in alle Fettnäpfchen treten konnten. Und der besondere Reiz war dabei für mich, dass Alex dies nun alles aus der Sicht eines Erwachsenen der heutigen Zeit miterlebt und ich mich mit ihm gemeinsam aufregen, fremdschämen oder amüsieren konnte. Lustige Momente waren dabei natürlich seine Ausrutscher, wenn er von Handys sprach oder davon, dass er etwas auf Facebook posten wird. Er ist 30 Jahre reifer, für ihn ist die italienische Küche natürlich längst ein Muss und das Miteinander vieler Nationen selbstverständlich. Und so drängt es ihn oft, bei den „Vergehen“ seiner Eltern einzugreifen.

Als er dann ganz selbstverständlich die einzige und leere italienische Verkaufsbude ansteuert, um als bisher wohl einziger Deutscher dort italienische Häppchen zu essen, freundet er sich mit dem einheimischen Jungen Andrea an - und verliebt sich in dessen Tante. Spontan macht er es sich zum Ziel, die stoffeligen Deutschen Urlauber dazu zu bringen, die italienischen Köstlichkeiten nicht länger zu verachten. Hier kommen seine Marketingkenntnisse zum Tragen und es hat Spaß gemacht, seine Bemühungen zu beobachten.

Das Buch ist ein Gute-Laune-Buch, das die 80er Jahre wieder auferleben lässt. Alex’ Ziel, der italienischen Familie mit ihrer Verkaufsbude zum Erfolg zu verhelfen ist dabei ein kleiner roter Faden, der von vielen kleinen Erlebnissen und Katastrophen im Urlaub begleitet wird. Man kann das Buch daher immer schön zwischendurch lesen, falls einem die „Gagdichte“ zu viel wird, die kurzen Kapitel bieten dies an.

Mir hat die Geschichte riesigen Spaß gemacht, gerade wohl, weil ich die Zeit damals auch miterlebt habe. Ich habe oft gelacht, mich auch fremdgeschämt aber auch das ein oder andere Mal ein warmes Gefühl bekommen, wenn ich z. B. durch die Sonnencreme mit dem „besonders hohen Schutzfaktor 6“ zwar an meine eigenen Sonnenbrände, aber damit auch an schöne Sommerferien in meiner Kinder- und Jugendzeit erinnert wurde, die ich stundenlang mit meiner besten Freundin im Freibad verbracht hatte.

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

lustig, andrea schacht, egmont lyx, katze, spannung

Die Nacht, in der der Kater sang

Andrea Schacht
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 04.02.2016
ISBN 9783802598951
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt
Jenny van Rosmalen hat eine schwere Zeit hinter sich und versucht einen Neuanfang. Dafür zieht sie in ein Haus auf dem Land und bekommt neben Renovierungsarbeiten auch noch einen Hausbewohner gratis mit dazu: Kater Ghizmo. Der schleicht sich mit der Zeit in das Herz der jungen Frau ein und als auf der Pferdeweide direkt nebenan ein grausamer Pony-Mord geschieht werden die beiden zu einem Team. Denn Ghizmo hat die Spur des Mörders erkannt und muss das nur noch seiner neuen Freundin klarmachen....

Meine Meinung
Ich kenne bereits einige Katzenromane der Autorin und habe mich mit jedem bisher sehr gut unterhalten. Und auch der Kater dieser Geschichte hat sich sehr schnell in mein Herz geschlichen. Die Autorin versteht es aber auch sehr gut, das Wesen der Katzen in vielen Details zu beschreiben, ohne ins Kitschige zu verfallen. Ihr Verhalten ist nicht vermenschlicht, auch wenn sie den Tieren Gedanken gibt. Und so ist auch hier wieder Ghizmo in erster Linie Kater, der gerne seine Überlegungen „vergisst“, wenn er die Spur einer Maus in die Nase bekommt und dabei von seinem eigentlichen Vorhaben ablässt. Gerne wird auch mal etwas „vertagt“, wenn der Hunger kommt oder die Müdigkeit groß wird. Andere Eigenschaften, wie die Eroberung des weichen Bettes oder eines guten Essens, das eigentlich für das Frauchen gedacht war, sind ebenfalls nicht übertrieben - Katzenbesitzer erkennen hier ihre Fellbündel mit Sicherheit in vielen Kleinigkeiten wieder. Und dies macht die Geschichte für mich einfach sehr sympathisch.

Erzählt wird im Wechsel aus den Perspektiven von Ghizmo und Jenny (Jenny dabei in der Ich-Form). Das macht viel Spaß, denn so ist man bei beiden Protagonisten live mit dabei und erlebt die ein oder andere kurze Szene auch noch aus der jeweils anderen Sicht. Neben Ghizmo war mir auch Jenny sehr schnell sympathisch, wobei aber auch die Nebenfiguren (menschlich und tierisch) sehr lebendig beschrieben wurden und ich ein gutes Bild von ihnen vor Augen hatte. Die einzelnen Dorfbewohner, mit denen Jenny zu tun hatte, wirkten dabei oft mehr oder weniger verdächtig, so dass man schön rätseln konnte, wer der grausame Ponymörder wohl war.

Neben dem Mordfall hatte aber auch Jenny selbst ein Geheimnis in ihrem Leben und erst nach und nach offenbarte sich dem Leser ihr Schicksal, das der Grund für ihre Zurückgezogenheit war. Und auch das war spannend zu lesen. Und nicht nur Jenny hat ihre Kämpe im Leben, auch Ghizmo ist immer sehr beschäftigt, sein Revier zu verteidigen, sich mit seinem Nachbarkater zu streiten und Jenny gut zu erziehen.

Der Roman hat Wohlfühlcharakter mit seinen sympathischen Figuren und dem aufgeweckten und frechen Kater, bietet Humor, einiges zum Rätseln und sogar ein bisschen Gänsehaut, wenn sich Jenny und Ghizmo nachts auf Mördersuche machen. 

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

krimi, leo wechsler, berlin, historischer krimi, 20er jahre

Es geschah in Schöneberg

Susanne Goga
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.01.2016
ISBN 9783423216227
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt
Berlin 1927. Der aufstrebende Modesalon „Morgenstern & Fink“ will auf einer wichtigen Modenschau die Aufmerksamkeit neuer Kundinnen gewinnen. Doch es kommt anders, denn gleich zu Beginn der Vorführungen gibt es einen Anschlag, der den Ruin des Modegeschäfts bedeuten kann. Wer möchte das Haus vernichten? Ein Konkurrent oder ist etwas Persönliches?

Kurz darauf geschieht ein Mord an einem Mitarbeiter des Instituts für Sexualwissenschaften. Das Opfer war homosexuell und ein Kämpfer gegen den Paragraphen 175. Liegt da das Mordmotiv zugrunde? Bei seinen Ermittlungen findet Oberkommissar Leo Wechsler ein Prospekt des Modesalons „Morgenstern und Fink“ in dessen Wohnung und auf einmal scheint es eine Verbindung zwischen den beiden Taten zu geben.

Meine Meinung
Dies ist nun der fünfte Fall des mittlerweile zum Oberkommissar beförderten Leo Wechslers und auch dieser hat mir wieder sehr gut gefallen. Man kann die Krimis natürlich auch gut unabhängig voneinander lesen, aber mir gefällt es besonders gut, auch die persönliche Entwicklung des mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsenen Ermittlers zu verfolgen. Denn die Krimis sind für mich eine besonders gut gelungene Mischung aus Kriminalfall, Familiengeschichte und historischen Fakten.

Die Atmosphäre der Zeit wird für mich besonders gut eingefangen. Man spürt richtig, wie die Stimmung so langsam immer beklemmender wird. Die Nazis bekommen mehr Präsenz, denn sie ziehen gewaltsam durch die Straßen, bedrohen Juden, schlagen Kommunisten brutal nieder. Die Menschen, auch Leo und einige Kollegen bleiben davon nicht unberührt, fühlen sich ungut und hoffen, dass diese Aufwiegler bald verboten werden. So richtige Sorgen macht man sich aber noch nicht - und nicht allen sind die braunen Aufwiegler ein Dorn im Auge. Und ausgerechnet Leos eigener Sohn macht aufregende Bekanntschaften, vor denen ich ihn immer wieder so gerne warnen wollte. Hier spürt man nun als Leser ganz besonders die Bedrohung, weil man weiß, was auf die Menschen noch alles zukommen wird, die von den Schrecken bisher noch nichts ahnten.

Die Autorin verarbeitet in ihren Krimis auch immer besondere Themen der Zeit, hier zum einen die in Berlin aufstrebende Modeszene, zum anderen die Situation der Homosexuellen, die damals in Berlin für die Abschaffung des Paragraphen 175 kämpften. Mir gefallen die vielen interessanten Details, die die Autorin sorgfältig recherchiert mit einbringt und auch die immer mal wieder im Verlauf des Krimis erscheinenden historischen Persönlichkeiten. So konnte ich auch hier wieder einige interessante Informationen beim Lesen mitnehmen und fühlte mich regelrecht in die Zeit zurückversetzt.

Der Fall selbst war spannend zu lesen und ich konnte besonders gut miträtseln, da immer nach und nach neue Puzzleteile hinzugefügt wurden, die wieder zu Spekulationen und Verdächtigungen führten. So wurde mir nie langweilig und ich war immer aktiv mit dabei, anstatt auf einmal irgendwelche Lösungen präsentiert zu bekommen, die nicht nachvollziehbar sind. Hier löste sich der Fall nach und nach schlüssig auf und auch wenn ich mit meinen Verdächtigungen ganz gut lag, wurde ich doch am Ende noch überrascht. Ich freue mich jetzt schon auf Leo Wechslers nächsten Fall!

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66 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

fantasy, london, 19. jahrhundert, 5, mantel und degen

Für König und Vaterland

Susanne Gerdom
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 11.02.2016
ISBN 9783959910514
Genre: Fantasy

Rezension:

Inhalt
London 1815: Während Napoleon aus seiner Verbannung heraus versucht, mehr und mehr Einfluss zu gewinnen, verstärkt das Innenministerium Englands seine Bemühungen, eine interne Verschwörung durch Verräter im eigenen Land aufzudecken. In dessen Dienst steht das „Liederliche Quartett“, eine Gruppe aus vier furchtlosen Adligen. Die vier Freunde sind aber nicht nur sehr gute Agenten, sondern stechen aufgrund ihrer Wesensarten aus der Gesellschaft heraus, besonders der als Wechselbalg verschriene und besonders gutaussehende Idris Hathaway, Marquess of Auden ist ein bei den Müttern junger Frauen gefürchteter Mann.

Sidhe, Vampire, Werwölfe und ähnliche Wesen werden von den Dämonenjägern des Vatikans verfolgt, so dass die Freunde nicht nur aufgrund ihrer Agentendienste immer wieder in gefährliche Situationen kommen. Als Idris nur mit knapper Not einem unbekannten Attentäter entkommt, spitzt sich die Lage zu. Gleichzeitig holt ihn die Vergangenheit ein, denn sein Bruder hat Idris’ verborgenes Wesen erkannt und will Rache...

Meine Meinung
Das Buch ist der Auftakt zu einer mehrteiligen Serie, kann aber auch für sich alleine gelesen werden, wenn man kein Problem damit hat, dass ein paar Fragen rund um die Figuren offenbleiben. Denn die Figuren tragen einige Geheimnisse mit sich herum, die sich nach und nach etwas auflösen und die der Geschichte ganz besonderen Reiz und Spannung geben.

Idris Hathaway, der als Wechselbalg bezeichnete Adlige und einer der vier Freunde des „Liederlichen Quartetts“, war mir sofort sympathisch in seiner humorvollen, aber auch sensiblen Art. Es zeigte sich schnell, dass an den Gerüchten wohl etwas wahr sein konnte, denn er zeigt eine besondere Verbindung zum Volk der Sidhe. Man konnte beim Lesen sehr gut seine innere Zerrissenheit spüren, denn er hadert doch sehr mit seinem Schicksal.

Gleichzeitig konnte man die besondere Wärme und Verbindung der vier Freunde untereinander spüren und die Sorge, die sie umeinander haben. Denn zur Sorge haben sie allen Grund, da neben Idris auch die anderen ein besonderes Schicksal tragen: ein geheimnisvoller orientalischer Fluch lastet auf dem einen, eine schwerwiegende Entscheidung verändert das Wesen des anderen und autistische Züge bedrohen die Freiheit des Vierten. Doch trotz dieser Belastungen sind sie ein erfolgreiches Team und arbeiten gerade an einem gefährlichen Geheimauftrag.

Neben den spannenden Szenen, wenn Idris von einem Attentäter verfolgt wird oder auch den besonders emotionalen Momenten, wenn Idris einem seiner Freunde in einer schlimmen Situation beisteht, gibt es auch viele humorvolle Szenen, die die Handlung immer wieder auflockern und vom Stil her an die Romane von Georgette Heyer erinnern. Überhaupt ist die Atmosphäre der damaligen Zeit sehr gut eingefangen worden, da die Autorin viele liebevoll erzählte historische Details z. B. bei den Beschreibungen der Kleidung, der Umgebung oder der Etikette einfließen lässt.

Die besondere Mischung des historischen Londons mit historischen Personen und einigen fantastischen Wesen hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die Figuren kamen mir durch die liebevollen Beschreibungen alle sehr nah und viele spannende und auch unheimliche Szenen sorgten bei mir für Gänsehaut. Ich hoffe sehr, bald den nächsten Band in den Händen zu halten und zu erfahren, wie es mit den vier Freunden und ihren jeweiligen besonderen Schicksalen weitergeht.

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41 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

fantasy, akitanien

Sieben Heere

Tobias O. Meißner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 09.11.2015
ISBN 9783492703123
Genre: Fantasy

Rezension:

Inhalt
Das akitanische Dorf Hagetmau wird eines Tages aus seinem Alltag gerissen, als ein fremder Trupp von 30 nafarroanischen Soldaren ins Dorf einmarschiert und verkündet, dass Hagetmau, wie auch die anderen umliegenden Dörfer, nun dem benachbarten Reich zugesprochen wird. Es soll sich für die Einwohner in ihrem Tagesablauf nichts ändern, man habe nicht vor Gewalt anzuwenden und erwarte nur, dass die „freundliche Übernahme“ akzeptiert werde.

Und tatsächlich verhalten sich die Soldaren unauffällig und lassen die Dörfler in Ruhe, plündern nicht und zeigen keine Gewalt. Im Gegenteil, sie sind freundlich und zurückhaltend. Nach der ersten Verblüffung und Unsicherheit beginnen die Dorfbewohner, sich mit der neuen Situation zu arrangieren, immerhin erleiden sie keinen Schaden. Doch nicht alle empfinden die Situation hinnehmbar, einige haben ein ungutes Gefühl damit und fühlen sich hintergangen. Doch wie geht man mit einem Feind um, der einem auf den ersten Blick scheinbar nichts antut? Wie wehrt man sich, wenn einen keiner wirklich angreift und keine Gewalt ausgeübt wird? Wie reagiert man auf einen Feind, der den Frieden und den Alltag im Dorf gar nicht verändert und die Bewohner daher gar keinen Schaden haben?

Eines Tages wird den Dorfbewohnern die Entscheidung abgenommen und von nun an heißt es nur noch überleben. Das Dorf und seine Bewohner müssen handeln ...

Meine Meinung
Diese Geschichte ist wirklich außergewöhnlich und hat mir gut gefallen. Mit epischen Schlachten und finsterer Magie hat sie wenig zu tun, dafür aber bietet sie ein überraschendes Szenario, das die beschauliche Welt einer Gruppe Menschen auf den Kopf stellt, in ihnen etwas verändert und sie zu Handlungen führt, deren Entwicklungen mindestens genauso spannend zu beobachten sind, wie große actionreiche Schlachten.

Spannend ist hier besonders die Veränderung der Dorfbewohner und wie sie mit der Situation umgehen. Man begleitet sie als Leser bei ihren Beratungen und ihren Streitereien, welche Strategien die besten sind und wie man sie ausführt. Dabei treffen unterschiedliche Charaktere zusammen, wie eine unerschrockene vorlaute junge Frau, die sich nichts gefallen lassen will, der „böse Junge“ des Dorfes, der für seine Aggressionen bekannt ist, der schüchterne Stotterer, der sich sonst immer im Hintergrund hält, der ambitionierte Sohn der Dorfvorsteherin, der bisher meist nur durch Worte, weniger durch Taten glänzte. Diese und einige andere Dorfbewohner haben nun ihren meist ersten echten Kontakt mit Gewalt und Tod und ich fand es sehr spannend, ihre unterschiedlichen Reaktionen auf die neue Situation zu verfolgen. Nachdem der „erste Stein gefallen ist“ und es kein Zurück mehr gibt müssen sie zu einer eingeschworenen Gruppe werden und viele bisherigen Skrupel und Ansichten verlieren an Bedeutung oder werden verdrängt. Ich habe mich hier sehr oft gefragt, wie ich mich wohl in der Situation der Dorfbewohner verhalten würde. Wie skrupellos kann man werden in einem Krieg? Wie passiert es, dass man eine Grenze überschreitet, die man vorher auch nur in Gedanken nie überschritten hätte?

Der Autor macht es dabei nicht nur den Protagonisten schwer, sondern auch dem Leser, denn er gibt beiden Seiten Menschlichkeit, sprich, er lässt die Dörfler einige der Besatzer kennenlernen und lässt auch die Leser in die Köpfe einiger Feinde schauen und was Dörfler und Leser dabei sehen sind Menschen, die zuhause Familie und Kinder haben, nach denen sie sich sehnen oder Soldaren, die anstatt feindlich zu reagieren hilfsbereit ihren Schutz anbieten. Aber es sind die Dörfler, die einfach überrannt wurden und ihre Religion und ihre Freiheit aufgeben sollen für Fremde. So sieht man in die Köpfe beider Seiten und es passierte mir nicht nur einmal, dass sich im Laufe der Geschichte meine Sympathien auch verschoben haben. Gerade das Verhalten der Dörfler, die eigentlich zu Beginn die Opfer waren, hat mich oft sehr entsetzt, auch wenn ich ihre Sorgen und Ängste nachvollziehen konnte. Ich schwankte viel hin und her, ich fand niemanden, zu dem ich eine Bindung aufbauen konnte, aber ich konnte mit jedem mitleiden, der den Tod fand. Es gibt hier kein Schwarz und Weiß, aber es gibt aber viele Entwicklungen und auch unerwartete Wendungen und Menschen, die sich durch die Geschehnisse verändern.

Für zarte Gemüter ist der Roman vielleicht mit Vorsicht zu genießen, denn der Tod wird gezeigt, wie er ist: nicht schön. Und er ist oft persönlich, von Angesicht zu Angesicht, was für mich immer schlimmer zu ertragen war, als anonymes Gemetzel. Aber gerade dies gab der Geschichte auch seine besondere Bedeutung und ein Beschönigen hätte nicht gepasst. Die Menschen haben eine Entscheidung getroffen und was diese Entscheidung genau bedeutet, damit müssen sie nun umgehen. Nicht jeder kommt einfach damit klar und bei manch einem zeigte sich im Laufe der Geschichte eine Verhaltensänderung, die mich etwas gruseln lässt und die im nächsten Teil sicherlich noch zu Konflikten führen wird.

Es ist also eine nicht so leicht verdauliche Geschichte, die mich zwar aufgrund der entstandenen Ausgangssituation einer feindlichen Besetzung schnell an „Asterix und Obelix“ erinnert hat, aber die trotz des auch vereinzelt mal aufblitzenden Humors natürlich nicht die Komik dieser Helden besitzt. Der Schreibstil des Autors ist dagegen sehr besonders finde ich. Sein Stil, seine Beschreibungen der Umgebung und der Handlungen erzeugen eine besondere, manchmal poetische Stimmung und eindrucksvolle Bildmomente. Insgesamt ist es keine „hektische“ Geschichte, sie wirkt eher düster, vielleicht auch das ein oder andere Mal etwas zu gedehnt, auch wenn ich die strategischen Gespräche der Charaktere interessant fand. Das Buch endet abrupt, aber als erster Teil einer Trilogie ist das in Ordnung. Man könnte es sogar so stehen lassen und sich selbst überlegen, wie es nach der ersten Etappe weitergehen könnte, aber ich bin natürlich nun doch sehr gespannt darauf, wie sich die nun entstandene Situation weiterentwickelt. 

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

berlin, historischer berlinkrimi, 2. weltkrieg, ll weltkrieg, mörderjagd

Odins Söhne

Harald Gilbers
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2015
ISBN 9783426516430
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt
Januar 1945 in Berlin. Der zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende entgegen, doch auch wenn die Alliierten schon nah sind, wehrt sich das deutsche Naziregime erbittert gegen die Niederlage. Nicht nur an der Front wird verbissen gekämpft, auch unter der Bevölkerung selbst gehen die Verfolgungen weiter und es wird bespitzelt und verurteilt. Deshalb ist es auch weiterhin für den ehemaligen jüdischen Kriminalkommissar Oppenheimer eine äußerst gefährliche Situation . Mithilfe seiner guten Freundin konnte er zwar unter falschem Namen untertauchen und arbeiten, aber die räumliche Trennung von seiner Frau tut weh und die Gefahr, verraten zu werden zehrt an den Nerven.

Eines Tages erscheint Hildes Ehemann, ein SS-Hauptsturmführer, vor deren Tür und erbittet Hilfe. Er will untertauchen, bevor der Krieg zu Ende geht. Kurz danach wird er ermordet aufgefunden und Hilde gerät ins Visier der Ermittler. Sie passt perfekt in die Rolle der Täterin und wird zum Tode verurteilt. Oppenheimer und ein paar Freunde von Hilde setzen alles daran, den wahren Mörder zu finden und ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn Todesurteile werden gerade sehr schnell ausgeführt. Im Zuge seiner Ermittlungen findet er nicht nur einige schrecklicher Erkenntnisse über den Ermordeten, sondern auch Informationen über eine seltsame Vereinigung ...


Meine Meinung
Ich war sehr gespannt, wie es Oppenheimer seit seinen letzten nervenaufreibenden Erlebnissen ergangen war und war erst einmal froh, dass er mithilfe von Hilde untertauchen konnte und in Berlin unter falschem Namen bisher einigermaßen gut über die Runden kam. Trotzdem hielt ich bei vielen Gelegenheiten die Luft an, weil nur der kleinste Verdacht gegen ihn fatal sein konnte. Man spürte richtig, wie besessen teilweise einige Leute waren, noch viele Feinde des Führers aufzuspüren und anzuzeigen, obwohl die Front der Alliierten immer näherkam. Das Gefühl, niemandem wirklich trauen zu können, musste zermürbend gewesen sein und entsprechend konnte ich mit Oppenheimer sehr gut mitfühlen, auch besonders dann, wenn er und seine Frau Lisa sich heimlich trafen.

Seine Suche nach dem wahren Mörder von Hildes Ehemann war dann sehr spannend zu lesen, denn seine Ermittlungen erhöhten natürlich das Risiko der Entdeckung. Seine Recherchen und seine Befragungen führte er zwar so unauffällig wie möglich aus, aber Kontakte mit dem SS-Regime blieben dabei nicht aus. Und diese seltsamen Ordensbrüder lauerten auch noch im Hintergrund. Die Spannung blieb für mich dabei immer sehr hoch und ich konnte immer gut mitfiebern.

Nervenaufreibend war die Handlung um die drohende Verurteilung Hildes. Rechtsprechung konnte man diese Verhandlungen nicht nennen, denn Todesurteile wurden mit den fadenscheinigsten Begründungen erteilt. Ich wurde so wütend, als ich die Anschuldigungen im Gericht mit Hilde zusammen anhören musste und ich zitterte bis zum Ende, ob Oppenheimer rechtzeitig die Beweise für Hildes Unschuld liefern konnte.
Doch nicht nur der Fall und die Rettungsversuche für Hilde waren spannend zu lesen. Besonders gut gefällt mir auch die besonders authentische Atmosphäre des Krimis. Es werden so viele interessante Details über die historischen und politischen Entwicklungen in der Stadt und die Lebensumstände und den Alltag der Menschen, der ja irgendwie weitergehen musste, erzählt. Die Umgebung und die Figuren wurden dadurch besonders lebendig, finde ich. Das gefällt mir richtig gut, weil ich mich deshalb noch mehr in die damalige Zeit hineinversetzt fühlte. Man erkennt daran auch die genaue Recherche des Autors, der sogar teilweise für Dialoge seiner Protagonisten aus Originalartikeln zitiert hat (das ist auch im Nachwort nachzulesen).

Dazu gehören auch die intensiven Beschreibungen der Bombenangriffe, die die Menschen in die Bunker trieb, wo sie mit Angst auf die Geräusche von außen hörten und die Erschütterungen durch die Einschläge fühlten. Diese Panik und die tödliche Bedrohung waren richtig spürbar. Ich hatte oft das Gefühl mittendrin zu sein, wenn Oppenheimer durch die zerstörten Straßen lief oder bei Alarm schnell den nächsten Luftschutzbunker ansteuerte.

Die Verbindung von fesselndem Kriminalfall und erschütterndem Zeitgeschehen ist dem Autor auch bei Oppenheimers zweitem Fall wieder sehr gut gelungen und ich bin jetzt schon sehr gespannt auf den nächsten Fall, denn das Ende dieses Krimis hängt mir noch eine ganze Weile nach und ich bin gespannt auf die weiteren Entwicklungen.

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41 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

science fiction, künstliche intelligenz

Das Schiff

Andreas Brandhorst
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Piper, 05.10.2015
ISBN 9783492703581
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Inhalt
Vor 6000 Jahren ist beim Krieg zwischen Menschen und Maschinen die Menschheit fast zerstört worden. Seitdem sorgen die Maschinen für die restlichen Menschen, indem sie ihnen am 30. Geburtstag mit einer besonderen Behandlung Unsterblichkeit geben und dann mit allem versorgen, was sie für ein sorgenfreies Leben benötigen. So können sie ganz ihren Interessen und Vergnügungen nachgehen. Sie werden nie krank, bleiben immer körperlich und geistig jung und müssen sich nur vor tödlichen Unfällen in Acht nehmen.

Doch manchmal funktioniert die Umwandlung in die Unsterblichkeit nicht und man gehört zu den Unglücklichen, die sterblich bleiben. So auch Adam, der daraufhin für die Maschinen als sogenannter Mindtalker arbeitet. Diese sind gerade aufgrund ihrer Sterblichkeit fähig, ihr Bewusstsein Lichtjahre entfernt zu anderen Planeten zu transferieren. Während ihr sterblicher Körper geschützt auf der Erde bleibt, schicken die Maschinen regelmäßig die Gedanken der Mindtalker ins All, wo sie dann unterschiedliche Missionen für die Maschinen auszuführen.

Für den greisen 92jährigen Adam ist dies sein Alltag, er fühlt sich gut versorgt und durch seinen Maschinen-Betreuer Bartholomäus vertrauensvoll betreut. Doch als ein kristallisierter Muriah gefunden wird, ein Zugehöriger einer Spezies, die seit dem großen Weltenbrand vor einer Millionen Jahren als verschollen gilt, und immer mehr alte Artefakte dieser Wesen von den Maschinen eingesammelt werden, beginnen in Adam Zweifel zu nagen. Und warum produzieren die Maschinen immer mehr Waffen, warum verschwinden auf einmal Mindtalker und was hat es mit dem feindlichen Schiff auf sich, das auf einmal auftaucht und die Maschinen in höchste Alarmbereitschaft bringt? Und dann nimmt Evelyn, eine Unsterbliche, die einer Protestbewegung gegen die Herrschaft der Maschinen angehört, mit Adam Kontakt auf, um ihm etwas Wichtiges mitzuteilen ...


Meine Meinung
Die Bücher von Andreas Brandhorst sind für mich immer wieder sehr spannend zu lesen und bieten immer wieder Beschreibungen und Gedanken, die vor meinen Augen ganz besondere Bilder erzeugen. So auch hier wieder. Andere Planeten oder die in der Zukunft veränderten Städte der Erde und auch die Umgebungen und die Erlebnisse, die Adam während seiner vielen Bewusstseinstransfers beobachtete und durchmachte, waren für mich wieder interessant beschrieben und sorgten für eine tolle Atmosphäre. Andreas Brandhorsts Romane lassen für mich aufgrund seines Schreibstils immer eine ganz besondere Stimmung entstehen. Aber nicht nur das. Das Besondere für mich sind auch immer wieder die Themen, die er in seinen Geschichten anspricht, in diesem Fall ganz besonders die menschliche Unsterblichkeit und die Evolution der Menschen/Maschinen.

Hier im Roman ist es für die Menschen normal, unsterblich zu werden. Sie verlassen sich darauf, dass die Maschinen sie an ihrem dreißigsten Geburtstag einer Behandlung unterziehen, nach der sie Tausende von Jahren alt werden können und nichts weiter mehr tun müssen, als ihrem Vergnügen nachzugehen. Eine schöne Vorstellung so viel Zeit für alles zu haben! Doch trotzdem fragt man sich beim Lesen, ob das so richtig ist. Denn ein fader Beigeschmack bleibt dabei: die Abhängigkeit von den Maschinen, die sich um die komplette Versorgung kümmern. Man fragt sich auch, warum machen sie das? Wirklich nur aus Menschenfreundlichkeit? Oder sollen die Menschen einfach nur ruhiggestellt werden, während sich die Maschinenintelligenzen immer schneller weiterentwickeln? Der Mensch hat die Maschinen erschaffen, aber irgendwann hat er sie wohl aus den Händen verloren...oder ist es doch gut und richtig, dass sich Maschinen um alles kümmern, weil sie sich nicht wie der Mensch von irrationalen und intuitiven Handlungen leiten lassen? Es wirkt dann fast beruhigend, dass es ein paar Unsterbliche wie Evelyn gibt, die misstrauisch gegenüber der Herrschaft der Maschinen sind und daran zweifeln, dass diese die Menschheit wirklich schützen wollen, wie sie es durchaus glaubhaft immer wieder versichern.

Denn es liest sich gruselig, wie weit die Maschinenintelligenzen sich weiterentwickelt und im All vernetzt haben. Man fragt sich schnell, wie lange die Maschinen die Menschen überhaupt noch brauchen, auch wenn es hier in der Geschichte noch eine Sache gibt, die der Mensch für sie tut. Eine Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine scheint also gegenüber dem Feind, der sie beide bedroht, noch notwendig zu sein – oder nicht?

Wie es bei Andreas Büchern ist, gibt es nicht einfach nur Schwarz und Weiß und so wird man beim Lesen immer mal wieder verunsichert, was nun Wahrheit ist und was nicht. So entstand bei mir trotz des allgemeinen Misstrauens gegenüber den Maschinen doch gerade bei Adams Maschinen-Betreuer Bartholomäus eine unerwartete Sympathie und seine Beweggründe erschienen ehrlich besorgt. Hat er recht? Kann der Mensch nicht mehr alleine überleben? Und Evelyn, auf deren Seite ich schnell stand, zeigte dagegen immer mal eine rücksichtslose Seite, die mich an ihrer Motivation manchmal zweifeln ließ. Könnte es sein, dass sie einer fixen Idee erlegen ist und mit ihrem Widerstand den Menschen eher schadet? So wurde für mich Adam zum Spielball zwischen überzeugenden Argumenten, versteckten Lügen, verschwundenen und wieder zurückgegebenen Erinnerungen und mühsam gesammelten eigenen Erfahrungen, während der Feind mit seinem Schiff in vernichtender Weise immer näher kam.

Es war berührend zu lesen, wie Adam durch die neu gewonnenen Erkenntnisse emotional aus seinem bisher irgendwie akzeptierten Lebensbild gerissen wurde. Es war spannend zu lesen, wie Adam nun trotz seines greisen Alters und seines geschädigten Bewusstseins beharrlich versuchte, die Wahrheit zu finden und dafür den Kampf nicht nur gegen den unbekannten Feind, sondern auch gegen seine eigene Schwäche und Sterblichkeit aufnahm. Und es war aufregend zu lesen, in welchen Dimensionen sich die Maschinenintelligenzen ausbreiteten und weiterentwickelten, auf den ersten Blick vielleicht unvorstellbar, aber doch mehr und mehr vorstellbar... und es war überraschend zu lesen, wie Adam am Ende agierte. Für mich ist dieses Buch auf jeden Fall wieder eine intelligente und sehr zum Nachdenken anregende Geschichte, die mir sicherlich noch eine ganze Weile im Kopf bleiben wird.

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106 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

glück, liebe, roman, berlin, eifersucht

Die erstaunliche Wirkung von Glück

Susann Rehlein
Fester Einband: 250 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 21.12.2015
ISBN 9783832198060
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt
Die junge Dorle wohnt in der winzigen Concierge-Wohnung eines herrschaftlichen Mehrfamilienhauses, deren Bewohner vom Alter her ihre Großeltern sein könnten. Als ehemaliges Heimkind kann sie Nähe nur schwer zulassen, worunter der junge Joe leidet, der gerne ihr Freund wäre. Er ist Dorles einziger junger Kontakt, denn er bringt ihr ihre regelmäßige Heimarbeit, mit der sie sich etwas Geld verdient. Kein Geld bekommt sie für die vielen Arbeiten, die sie für die Alten des Hauses leistet, weil diese sie als Concierge ausnutzen und ihr immer wieder wie selbstverständlich neue Aufträge geben, obwohl sie gar keine Concierge ist. Und wie selbstverständlich führt Dorle diese Aufträge auch einfach aus und putzt sogar noch der Putzfrau hinterher, weil ihr deren Arbeit nicht gründlich genug erscheint.

Dies geht irgendwann einer der Bewohnerinnen gegen den Strich. Als lebenslustige und selbstbewusste Frau kann Frau Sonne es nicht mehr mit ansehen, wie sehr Dorle sich ausnutzten lässt und gibt ihr einen Auftrag der anderen Art: Dorle soll für sie ihre große Wohnung hüten, dort Filme schauen, Pralinen essen, den Kater füttern und Faxe mit neuen Aufträgen erwarten. Diese Aufträge sind immer wieder neue Herausforderungen, auch wenn es sich dabei um Massagen, Sport oder Dates mit alten Männern handelt. Denn diese Aufträge bewirken einige Veränderungen in Dorle...

Meine Meinung
Dieses Buch ist ein zauberhaftes Buch, denn genau solch eine Ausstrahlung hatte es für mich beim Lesen. Es erscheint zwar erst einmal traurig und bedrückend, denn Dorles Leben, ihr mangelndes Selbstbewusstsein, ihr fehlendes Selbstwertgefühl wirkten bedrückend und ich war entsetzt darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit sie alles tat, was man ihr auftrug und das ganz ohne bitte und danke, sondern per Zettelnachricht oder wortlos. Noch entsetzter war ich, wenn Dorle froh darüber war, dass z. B. eine boshafte Nachricht einer Mitbewohnerin von ihr selbst gefunden wurde und somit für niemanden Schaden entstand. Niemand? Dorle sieht sich als Niemand! Ich hätte sie gleichzeitig drücken und schütteln mögen. Gleichzeitig tat mir auch Joe sehr leid, dem man anmerkte, dass er in Dorle verliebt war und der doch immer wieder von ihr zurückgewiesen wurde, weil er zu anstrengend für sie sei. Dass sie ihn selbst liebte, konnte sie sich einfach nicht eingestehen.

Doch dann kam Frau Sonne – und wie bei vielen Märchen, die ebenso eine bedrückende Anfangssituation bieten, passieren dann ungewöhnliche Dinge. Die Stimmung der Geschichte erinnerte mich beim Lesen daher oft an „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Alice im Wunderland“. Ersteres aufgrund der Ausgangssituation und Handlung, das zweite aufgrund der oft skurrilen Situationen und Figuren, die manchmal eine seltsam unwirkliche Atmosphäre schafften. So kam ich beim Lesen in eine eigenartige zauberhafte Stimmung.

Dorles Weg zu mehr Selbstwertgefühl war trotzdem nicht einfach. Es gab immer wieder Rückschläge und man begleitete Dorle durch ein Hoch und Tief der Gefühle. Traurigkeit, Wutanfälle, Depressionen wechselten mit Begeisterung, Staunen und Neugier. In einem Moment vergräbt sie sich niedergeschlagen in der hintersten Ecke, in einem anderen Moment erlebt sie ihren ersten Tanz und ein paar Küsse wie einen einzigen schönen Rausch. Es ist nicht so, dass sie irgendetwas bekommt und deshalb geht es ihr gut, sondern sie arbeitet an sich, sie erkennt, was mit ihr passiert, was man mit ihr macht und reagiert aber dann darauf. Diese Entwicklung war spannend und emotional zu lesen.

Man sollte für diese Geschichte aber auch ein bisschen Magie mögen, denn ein Zauber, den die Geschichte für mich auch ausmacht, ist, dass man mitten in der Realität auch mal mit zauberhaften Szenen überrascht wird. So spielt ein Kater mit ausgefallenen Fähigkeiten eine ganz besondere Rolle, den ich sehr mochte. Wer damit kein Problem hat und sich auf eine „Therapie“ der etwas anderen Art einlassen möchte, kann viel Spaß mit dieser Geschichte haben und dabei vielleicht sogar das ein oder andere für sich selbst mitnehmen.

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70 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

fantasy, high fantasy, drachen, drachen <3, wüste

Flammenwüste - Der Gefährte des Drachen

Akram El-Bahay
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 10.09.2015
ISBN 9783404207954
Genre: Fantasy

Rezension:

Inhalt
Nach dem letzten Kampf ist „Das erste Wort“ verschwunden, das demjenigen die größte Macht verleiht, der es ausspricht. Der dunkle Magier Nyan will mithilfe seiner dunklen Verbündeten die Herrschaft über die Völker gewinnen und braucht dafür nur noch das Wort - dies ist sein dringendstes Ziel. Um das zu verhindern, macht sich der junge Geschichtenerzähler Anûr mit seinem Gefährten, dem Drachen Meno, selbst auf die Suche, um dem Magier zuvorzukommen. Gleichzeitig ziehen seine Freunde, der Sultan Masul, der Zauberer Fis, der Sammler Hadukaba und seine große Liebe Shalia selbst in unterschiedliche Richtungen, um Verbündete gegen den dunklen Magier zusammenzuziehen. Die gefahrvollen Reisen bieten viele spannende Abenteuer, gefährliche Kämpfe und gruselige Begegnungen mit Flaschengeistern, Ghoulen, Wasserwesen und anderen Geschöpfen. Wer wird den Wettlauf um das letzte aller Worte gewinnen?

Meine Meinung
Der zweite Teil der Trilogie um den Märchenerzähler und seinen Gefährten, den Drachen, knüpft da an, wo „Flammenwüste“ aufgehört hat. Man kann das Buch zwar auch alleine lesen, aber ich persönlich würde mit Teil 1 ("Flammenwüste") anfangen, um die Entwicklungen der Protagonisten, die im ersten Buch erst zusammengefunden haben, richtig mitzuerleben. Kleine Rückblenden erklären zwar die vorangegangenen Geschehnisse, aber intensiver miterleben kann man meiner Meinung nach die Geschichte, wenn man die Figuren schon kennt. Die Rückblenden finde ich aber gut gemacht, denn sie wirken nicht zu aufdringlich, bringen einen aber doch gut auf den aktuellen Stand, wenn die Lektüre des vorangegangenen Buches schon eine Weile her ist.

Die Abenteuer der Freunde führen den Leser zu vielen spannenden Orten und unterschiedlichen Stimmungen. So gibt es rasante Kämpfe auf fliegenden Drachen, die einen schwindelig werden lassen, bedrückende und erschöpfende Wanderungen durch die heiße Wüste und über den Blindenpfad, bei dem man selbst beim Lesen schon das Gefühl bekommt, lieber die Augen zu schließen vor der grellen Sonne. Man findet sich auf unterirdischen Flüssen, in Höhlen und Gängen. Andere Abenteuer führen einen in eine geheimnisvolle Spiegelstadt mit grausigen Einwohnern oder in eine verschollene Stadt, in der eine fast skurrile Atmosphäre herrscht oder in eine Stadt auf dem See, die nicht nur eine besondere Ausstrahlung hat, sondern noch ein tiefes Geheimnis birgt. An einen ganz besonderen Ort führt es Anûr, einen Ort, an dem er an seine Grenzen stoßen und seine Angst bekämpfen muss. Die Szenen dort haben mir besonders gut gefallen, denn sie wirkten fast irreal und ich konnte sehr gut mit Anûr mitfiebern.

Auch die unterschiedlichsten Geschöpfe sorgen beim Lesen für Grusel und Spannung. So trifft man auch hier wieder auf Ghoule, deren verwesender Anblick mich schon im ersten Buch gegraust hat. Maride und Ifrite zeigen ihre besonderen Kräfte, geheimnisvolle Wasserwesen tauchen immer wieder auf und natürlich die Drachen.

Sehr schön ist auch der Humor, der immer wieder durchblitzt, wenn sich z. B. der fliegende Teppich selbständig macht oder Köpfe rollen. Und besonders gut gefallen mir die kleinen Geschichten in der Geschichte. Wenn diese Einschübe mit Märchen und Legenden erzählt werden, ist das immer wieder schön und verstärkt die sowieso schon sehr ausgefallene orientalisch märchenhafte Atmosphäre der Handlung. Und gerade, weil sie auch oft Bezug zu den Geschehnissen haben, wirken kleinen Märchen nicht wie Fremdkörper und stören auch nicht den Lesefluss, sondern bereichern die Geschichte für mich sogar noch.

Es mit mir sehr viel Spaß gemacht, Anûr auf seinem weiteren Weg in diesem Abenteuer zu begleiten. Von einem unbedarften neugierigen Geschichtenerzähler hat er mithilfe seiner Freunde (und natürlich der mächtigen Waffe an seiner Seite) für mich seit dem ersten Buch einiges gelernt, hat an sich gearbeitet, sich selbst neu kennengelernt und sogar seine Liebe gefunden. Das ist ganz schön viel für einen jungen Mann und ich finde es dabei realistisch, dass er eben auch Schwächen und Unsicherheiten hat, sich von Eifersucht (ob gerechtfertigt oder nicht) verwirren lässt, von der Liebe beeinflussen lässt oder aus Angst oder Naivität Fehler macht. Denn ja, es gibt auch Momente, da könnte man ihn schütteln, weil er die offensichtlichen Dinge nicht immer sieht. Aber er hat ja noch ein weiteres Buch Zeit, zu wachsen und sich noch weiter zu entwickeln und darauf bin ich schon gespannt.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

toskana, italien, freunde, männer, 2015

Männer al dente

Michael Frey Dodillet
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.05.2015
ISBN 9783453411289
Genre: Humor

Rezension:

Inhalt
Die vier Freunde Alain, Markus, Rudi und Thomas haben mit ihren fünfzig Jahren einen Punkt erreicht, an dem sie sich überlegen, wie es wohl im Leben weitergeht, was sich noch alles tun lässt und wie es so mit dem „Biss“ aussieht. Das Leben fackelt aber gar nicht lange rum und sorgt schon selbst dafür, dass es ihnen nicht zu ruhig wird. Alains 16jährige Zwillinge sorgen schon länger für Aufregung und regelmäßige Lehrergespräche für die Eltern, doch diesmal wird es ernst, denn ein Schulverweis droht. Markus macht Pläne für einen Wiedereinstieg in die Berufstätigkeit, doch bevor er damit in die Tiefe gehen kann, ist es wieder einmal seine Frau, die einen Karrieresprung vor sich hat und wieder einmal Markus, der für die Kinder seine Wünsche zurücksteckt. Thomas verliert seinen ungeliebten Job und auch seine Ehe kriselt, so dass er sich neu orientieren muss. Rudi dagegen ist immer noch glücklich verliebt in seine Grazia und arbeitet mit Begeisterung auf Claudias Hof in der Toskana, die dort einen Hofladen eröffnen möchte. Doch auch ihn trifft es unvorhergesehen, als Grazia schwer erkrankt. So trifft sich die ganze Clique samt Zwillingen in der Toskana, wo es wieder einmal turbulent zugeht.

Meine Meinung
Dies ist die Fortsetzung von „Die Toskana-Männer“. Auch wenn sich das Buch für sich alleine lesen lässt, würde ich persönlich empfehlen, mit dem ersten Buch zu beginnen, weil man dann die Personen und ihre Vorgeschichten kennt, sie schon lieb gewonnen hat und daher die Gespräche und die Handlung in diesem Buch viel besser nachempfinden kann.

Ein Jahr ist seit den ersten Erlebnissen vergangen und es war einfach sehr schön, wieder zu den vertrauten Personen zurückzukommen und ihre weiteren Schicksale mitzuerleben. Mit den aufmüpfigen Zwillingen sind neue Figuren dazugekommen, die für Aufregung unter den Freunden sorgten. Deren schrille und unkonventionelle Patentante landete ebenfalls in der Toskana und auch ein gefährlicher Stalker trieb sein Unwesen, der für zusätzliche Spannung sorgt und mich ein paar Mal die Luft anhalten ließ, wenn er fiese Aktionen plante. Auch Terriermischling Otto ist nicht mehr alleine, sondern mischte nun gemeinsam mit seinem Nachwuchs das Leben der Freunde auf, schließlich müssen auch die Kleinen lernen, dass es die schwarzen Hosenbeine sind, in die man sich genüsslich verbeißt.

Die Freunde, die mir im ersten Buch schon sehr sympathisch waren, wirkten auf mich hier wie vertraute Bekannte und auch die neuen Familienmitglieder habe ich schnell ins Herz geschlossen. Ihre Sorgen, ihre Streitereien und ihre Ängste, sei es um die Zwillinge oder ganz besonders um Grazia, waren spürbar beschrieben. Gerade Rudis Zwiegespräche und Gedanken an Grazias Krankenbett habe ich intensiv miterlebt und sie haben den oft polternden Rudi von einer ganz besonders emotionalen Seite gezeigt. Das waren sehr gefühlvolle Szenen, die mich sehr berührt haben. Berührend empfand ich aber auch die vielen Gespräche untereinander, wenn die Freunde beim Essen oder einem Glas Wein zusammensaßen und über verschiedene Themen Gespräche führten, die einmal ernster Natur waren, im nächsten Moment aber auch spaßige Kabbeleien oder aufgeregte, doch liebevolle Streitereien sein konnten, denen man aber anmerkte, dass sie unter vertrauten Freunden stattfanden.

Und das gefällt mir so besonders an dem Buch. Es ist stellenweise extrem lustig, wenn sich die Clique in die Haare kriegt oder Otto mal wieder „explodiert“. Es gibt so viel Spaß und einen so besonderen Humor in der Geschichte, der mich immer wieder lachen lässt. Gleichzeitig ist sie aber auch sehr emotional und intensiv und bietet so viel zum Nachdenken und Nachspüren, was Familie, Kinder, Freundschaft, Partnerschaft und Älterwerden betrifft. Trennung, Neuanfang, Verlustängste - viele Themen, die einen mehr oder weniger selbst beschäftigen und die, wie ich finde, hier neben viel Spaß auch viel Tiefe haben. Eine schöne Mischung, die hier vom Autor gefühlvoll zusammengebracht wurde und für mich perfekt zusammenpasst.

Es ist ein Buch, das für mich in keine Schublade passt mit seinem besonderen Humor, den tiefen Emotionen, der immer wiederkehrenden Aufregung und der im Hintergrund lauernden Spannung - und Otto!

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45 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

venedig, familie, italien, brücken, ängste

Das verschlossene Zimmer

Mascha Vassena
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 13.07.2015
ISBN 9783492305853
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt
Lena und ihre Mutter Gabriella bekommen jeweils einen Brief von einem Notar aus Venedig. Es handelt sich um eine dringende Erbangelegenheit, für deren Ausübung die Anwesenheit der beiden Frauen notwendig wäre. Lena sieht endlich eine Gelegenheit, mehr über ihre italienische Familie zu erfahren, was ihre Mutter bisher immer erfolgreich abgeblockt hatte. Und auch diesmal erfährt Lena nicht mehr, als dass sie den Brief gleich wegwerfen soll, wie es die Mutter selbst schon getan habe und allen weitern Kontakt zur Familie vermeiden muss, denn „wer solche Verwandten hat, braucht keine Feinde mehr“. Doch Lena lässt es keine Ruhe. Mit dem Wissen „Jetzt oder Nie“ durchsucht sie persönliche Dinge ihrer Mutter und findet ein Babyfoto mit einem fremden Namen. Daraufhin macht sie sich ohne das Wissen der Mutter auf den Weg nach Venedig, um endlich etwas über ihre Herkunft und ihre Familie zu erfahren. In Venedig angekommen sieht sie sich einer Familie aus altem Adel gegenüber, die in einem alten Palazzo wohnt und einige Geheimnisse mit sich herumträgt.

Warum kennt niemand das Baby vom Foto ihrer Mutter? Warum der offensichtliche Hass ihrer Tante gegen Lenas Mutter? Wo kommt das Geheule her, das nachts durch das Haus klingt? Wieso erscheint Lena der alte Palazzo teilweise so vertraut, wenn sie doch bisher nie in Italien gewesen war? Und woher kommt die plötzliche Brückenphobie, die Lena den Aufenthalt in Venedig gerade so schwer macht? Lena trifft auf Mauern und Schweigen. Nur die junge Cousine Vittoria nimmt Lena herzlich auf. Und dann ist da noch der gut aussehende und geheimnisvolle Restaurator Luciano ...

Meine Meinung
Die Geschichte wird in zwei Zeitsträngen erzählt und wechselt immer wieder vom Jahr 2014 ins Venedig der 1980er Jahre (1980-1988). In der Gegenwart begleiten wir Lena von München nach Venedig auf ihrer Suche nach Antworten zu den Geschehnissen, die ihre Mutter so lange schon vor ihr verheimlicht hatte. Sie möchte endlich ihre Familie kennenlernen und verstehen, was damals passiert ist. Dazwischen springt die Handlung immer wieder zurück zur Vergangenheit und beschreibt wichtige Episoden im Leben der Familie Orlandi und man lernt dabei nach und nach die jungen Schwestern Gabriella und Beatrice kennen und was zu den Katastrophen in deren Leben geführt hatte. Nach und nach wird uns Lesern klar, was passiert ist, bis es sich am Ende richtig aufklärt und auch Lena die volle Wahrheit erkennt.

Das wird für mich insgesamt sehr spannend erzählt und gerade die Wechsel von Gegenwart in Vergangenheit hält hier für mich die Spannung immer sehr hoch, weil so nur nach und nach die einzelnen Geheimnisse gelöst werden und ich beim Lesen so schön miträtseln und mitfiebern konnte. Und nicht nur die Vergangenheit sorgt dabei für Gänsehaut, weil einige Figuren sich grausig verhalten, sondern auch in der Gegenwart passieren einige unheimliche Dinge im Palazzo, die nicht nur Lenas Erinnerungen oder ihrer unerklärlichen Angst vor Brücken, sondern auch ganz realen Dingen entspringen. Will jemand Lena vertreiben?

Neben der immer ein bisschen unheimlich gehaltenen Stimmung in dem sowieso schon atmosphärisch besonderen Venedig, spielt sich aber auch eine kleine Romanze ab, die das ganze Geschehen etwas auflockert und mir ebenso viel Spaß gemacht hat, wie das Spekulieren darüber, was nun früher genau passiert ist. Gut gefallen hat mir dabei, dass es möglich war, der Vergangenheit auf die Spur zu kommen, aber es nicht zu einfach und nicht zu schwierig gemacht wurde. Nach meinem Empfinden wurden die Hinweise gut verteilt, man hat immer wieder neu spekulieren können und Lust gehabt, weiter darüber nachzudenken und herauszufinden, ob man mit seinen Gedanken richtig liegt. Auch wenn ich einiges richtig ahnte, schwankte ich auch immer mal wieder und die endgültige Auflösung bot dann immer noch eine Überraschung. Eine gute und spannende Mischung.

Auch die Charaktere haben mir gut gefallen. Sie wirkten lebendig und hatten Persönlichkeit. Die neugierige Lena war mir schnell sympathisch, der Restaurator mit seinem besonderen Charme sowieso und auch die aufmüpfige Cousine Vittoria, die Lena als einzige in der Familie herzlich aufnahm. Deren Schwester Celeste kam sehr unsicher rüber, überraschte aber später noch und ihr schmieriger Ehemann erzeugte schnell Widerwillen bei mir. Die charakterlich interessantesten Personen waren für mich aber die junge Gabriella in den Vergangenheitsszenen, die in ihrem Selbstbewusstsein der älteren Schwester Beatrice immer ein Dorn im Auge war, die von Neid und Hass zerfressenen und unberechenbar wirkende Beatrice damals und heute, und deren Ehemann Vincenzo, der in der Vergangenheit ein musischer, aber auch sehr schwacher Mensch gewesen ist.

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66 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

italien, cathrin moeller, freundschaft, humor, schwiegermutter

Wolfgang muss weg!

Cathrin Moeller
Flexibler Einband
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.06.2015
ISBN 9783956491931
Genre: Humor

Rezension:

 

Inhalt
Annemie ist Hausfrau und umsorgt ihren Gatten Wolfgang, wie es dessen Mutter wohl nicht besser tun könnte. Annemie weiß immer, wo Wolfgangs Socken sind und kann es ihm doch nie recht machen. Doch nicht mit Absicht, sondern aus Zufall ist Wolfgang plötzlich tot. Doch wird man ihr das glauben? Kurzentschlossen packt sie ihn erst mal in die Tiefkühltruhe. Doch als sich die Schwiegermutter ankündigt und auch die Nachbarin und sein Freund nach Wolfgang fragen, muss eine andere Lösung her. Und Wolfgang bietet dafür gleich selbst eine Lösung, denn wie es sich herausstellt, hatte dieser auch eigene Pläne, die Annemie und ihre beste Freundin Dörte nun in die Hand nehmen. Eine turbulente Reise beginnt, die bis nach Italien führt, Wolfgang und die anhängliche Schwiegermutter immer mit dabei ...

Meine Meinung
Der Debütroman der Autorin hat mir sehr viel Spaß gemacht. Der Stil ist sehr humorvoll und bietet einige absurde und schräge Situationen. Manchmal wirkt die Handlung dabei natürlich auch überspitzt, aber gerade das passte für mich immer gut zur Figur der eigentlich so braven Annemie und brachte mich öfter mal zum Lachen. Man sollte jedenfalls u. a. Spaß an teils überdrehter Situationskomik haben und für ein paar Stunden vergessen, dass das Verstecken von Toten, Falschaussagen, Diebstahl und Fälschungen eigentlich alles Verbrechen sind. Aber das vergisst man schnell, denn Annemie und ihre Freundin Dörte sind einfach sehr sympathisch und es machte mir richtig Spaß, mit ihnen gemeinsam auf der Flucht zu sein, bzw. ganz neue kriminelle Wege zu gehen.

Neben der dringlichen Aufgabe, den toten Wolfgang loszuwerden, bot die Geschichte noch Spaß beim Rätseln, denn die bei Wolfgang gefundenen Indizien sprechen dafür, dass dieser Dreck am Stecken hatte und das nicht alleine, denn wer ist die junge Frau, deren Foto er auf seinem Handy gespeichert hat? Und was hatten die beiden genau vor? Wie gut, dass Wolfgang Polizist war, so weiß Annemie doch recht gut, wie sie sich zu verhalten oder auch nicht zu verhalten hat, um der Sache auf den Grund zu gehen und dabei möglichst keinen Verdacht auf sich selbst zu lenken. Das bot einige lustige Lesemomente.

So lustig es aber auch war, Annemies Verwandlung von einem Hausmütterchen zu einer selbstbewussten kleinen Gaunerin zu beobachten, so gab es auch ein paar ernste Momente, wenn Annemie über ihr bisheriges Leben nachdachte oder erkannte, dass man in seinem Leben auch etwas Neues beginnen kann, wenn das alte Leben einen nur noch runterzieht. Es muss ja nicht gleich so überdreht werden, wie Annemies Spurwechsel, aber die Botschaft kann man sich trotzdem zu Herzen nehmen.

Mir hat der Roman ein paar lustige und spannende Lesestunden geschenkt, bei denen ich schön abschalten und entspannen konnte.

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

konstantinopel, christoph hardebusch, historischer roman, krieg, ritter

Die eiserne Krone

Christoph Hardebusch ,
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 26.06.2015
ISBN 9783805250658
Genre: Historische Romane

Rezension:

Inhalt
Konstantinopel 1453. Der Sultan des Osmanischen Reiches, Mehmed II, stürmt die Mauern der Stadt und triumphiert in einem gewaltigen Kampf. Mittendrin, zwischen den verzweifelten Verteidigern, kämpft der junge Bastard Lukas, den das Schicksal zwei Jahre zuvor dorthin verschlagen hatte. Damals gelang ihm mit viel Glück und der Hilfe des jungen osmanischen Adeligen Selim die Flucht von einem Galeerenschiff, wo der junge Deutsche als Sklave ein entbehrungsreiches Leben führte. Denn während einer Pilgerreise, auf der er Hinweise zu seiner Herkunft finden wollte, wurde er auf das Schiff verschleppt. Gesundgepflegt von der jungen Alexia, der Verlobten von Selim, reist er mit dieser nach Konstantinopel und begibt sich in den Dienst ihres Vaters. Weil er Gefühle für die junge Frau entwickelt hat, zögert er seine Weiterreise hinaus und als sich die Bedrohungen durch Sultan Mehmed II häufen und der Krieg mit aller Gewalt ausbricht, bleibt das Überleben in dieser opferreichen Schlacht erst einmal das Wichtigste. Doch gerade jetzt soll sich das Rätsel um seine Herkunft zu lösen?

Meine Meinung
Zu Beginn des Romans verschlägt es einen gleich auf das Galeerenschiff und man befindet sich mitten im Überlebenskampf des jungen Deutschen Lukas. Diese Szene ist sehr atmosphärisch und spannend geschildert, ich hatte das Gefühl, direkt dabei zu sein und die Kämpfe zu erleben und das tobende Meer zu spüren.

Und genauso ergeht es mir bei den übrigen Kampfszenen. Der Autor versteht es einfach sehr gut, durch detailreiche Beschreibungen eine intensive Kampfstimmung aufzubauen, die einen mitreißen und die Szenen wie einen Film vor den Augen ablaufen lassen. Aber für mein Empfinden übertreibt er es dabei nicht und so entstehen keine unendlichen Gemetzel, die man irgendwann nur noch überfliegt, sondern er erreicht für mich ein Maß, das die Szenen interessant und spannend wirken lässt ohne zu langweilen. Und es wird bei mir auch nicht meine Schmerz- oder Ekelgrenze überschritten, sondern ich kann die Szenen gut ertragen, so schlimm sie auch mal sind. Krieg ist Gewalt, Krieg ist Tod und Verletzung – und das wird deutlich.

Deutlich wird aber auch, wie gut der Autor für die Geschichte recherchiert hat. Die Kampfszenen auf den Mauern, zu Wasser und am Boden und die Beschreibungen der Umgebung, der Figuren und der Handlungen wirken authentisch. Ich persönlich kenne mich zwar leider nicht so gut aus in der beschriebenen Zeit und den historischen Ereignissen, aber der Roman hat mich dazu animiert, mich im Internet etwas schlau zu machen und was ich dort las, fand ich in der Handlung des Romans wieder – zum Leben erweckt. Das hat mir gut gefallen.

Interessant einerseits, aber manchmal etwas schwierig zu lesen andererseits empfand ich die doch recht episodenhafte Erzählweise. Die kontinuierliche Handlung war oft mit Zeitsprüngen unterbrochen, so dass Momente, die mit einem Abschnitt endeten, sich einfach auflösten, obwohl ich gerade darauf gespannt war, wie es damit wohl weiterging (z. B. ein Auftrag, den Lukas vom Sultan erhalten hatte). Zusätzlich zur Haupthandlung um Lukas gab es als Umrahmung einige Zwischenspiele, die kurze Szenen mit dem Sultan oder dessen Gegnern zeigten, die zwar das „Drumherum“ gut andeuteten und viel von der sich zusammenbrauenden Bedrohung vermittelten, aber eben auch nur kurze Episoden waren. Das Lesegefühl war dadurch ein wenig sprunghaft und ich entwickelte nicht so eine gute Nähe zu den Figuren.

Die Charaktere haben mir aber trotzdem gut gefallen. Sie waren lebendig beschrieben und hatten für mich Ausstrahlung, ich sah sie gut vor mir und konnte auch mit ihnen mitfiebern, auch wenn sie mir nicht so nahe kamen.

Das Ende der Kämpfe war durch die historischen Fakten natürlich vorgegeben, was blieb, war das Schicksal der Figuren, um die man zittern konnte. Die im Klappentext erwähnte Verschwörung sollte man einfach außer Acht lassen, sie spielt keine große Rolle im Buch., und den Roman hauptsächlich als eine spannende Geschichte rund um den Kampf um Konstantinopel lesen, verbunden mit einer kleinen Liebesgeschichte, die aber nicht der Schwerpunkt ist. Für mich war die Hauptperson hier die Stadt Konstantinopel und ihr historisches Schicksal. 

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

Ikarus

Andreas Brandhorst
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 15.06.2015
ISBN 9783453315457
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Inhalt
Wir befinden uns auf Tayfun, einem von 17 von Menschen besiedelten Planeten. Die Gesellschaft ist unterteilt in Kreditoren und Debitoren, wobei letztere es schwer haben, von ihrer Schuldnerseite weg zu kommen. Deshalb haben sich einige zu den sogenannten Liberisten zusammengeschlossen, um gegen dieses System anzukämpfen. Auf Seiten der Kreditoren stehen dagegen die einflussreichen Holder, die über Vermögen und Macht verfügen. Die Rigger, eine weitere Spezies, halb Mensch, halb Maschine, mischen ebenfalls mit und versuchen, ihren Einfluss zu erhöhen. Die Macht, die über allen steht: die Regulatoren: Seit 400 Jahren kontrolliert und isoliert diese außerirdische Intelligenz die Menschen auf diesem Planeten und nimmt sogar verstärkt Einfluss auf das Wetter. Als deren Aktivitäten mehr und mehr zunehmen, wird langsam klar, dass sie irgendetwas im Schilde führen. Etwas, das mit der Verbotenen Zone auf dem Planeten zu tun hat...

Als Jamo Jamis Takeder erwacht, ist das erste, das er erfährt, sein eigener Tod. Ihm wird klargemacht, dass er nur eine Kopie seines vor zwei Stunden ermordeten Originals ist und nun laut einer Testamentsvereinbarung 20 Tage Zeit hat, seinen Mörder zu finden. Als Kopiat macht er sich nun auf die Suche nach Informationen über die letzten Geschehnisse und muss erkennen, dass ihm zwei Tage an Erinnerungen fehlen und nicht nur das, sondern auch sonst ist sein Erinnerungsvermögen bruchstückhaft. Ohne zu wissen, wem er trauen kann, wer die Wahrheit spricht und was er kurz vor seinem Tod getan hat, versucht er aus den vielen Puzzleteilen ein vollständiges Bild zu erhalten, um seinen Mörder zu finden. Und immer wieder stolpert er über das Wort „Ikarus“. Was hat es damit auf sich? Wusste er einst darüber Bescheid?

Meine Meinung
Mit „Ikarus“ ist dem Autor wieder eine sehr spannende Geschichte gelungen. Science-Fiction mit Thriller- bzw. Krimi-Elementen machten die Geschichte für mich zu einem tollen Rätselraten, bei dem ich als Leserin sehr gut mit der Figur des Takeder mitfiebern konnte. Vieles sprach dafür, dass sein Tod mit „Ikarus“ zu tun hatte, doch wer oder was steckte dahinter und wer wollte davon profitieren und einen Mord dafür begehen? Takeders Suche, und damit auch die des Lesers, wurde erschwert durch die Erinnerungslücken und die Ungewissheit, wem man trauen konnte. Sollte der Original-Takeder sich tatsächlich mit den Rebellen getroffen haben, die er so verabscheute? Warum hat sich sein eigentlich bester Freund so seltsam verhalten? Und woher kommen die Stimmen, die ihm Anweisungen gaben? .... Gemeinsam mit dem Kopiat versuchte ich beim Lesen, mich zu orientieren und Zusammenhänge zu finden. Vieles war seltsam und erst einmal unverständlich, doch nach und nach klärten sich die Fragen und wurde mir die Welt, in der wir uns hier im Buch bewegten, deutlicher.

Denn wir begleiten nicht nur Takeder, sondern auch den Liberisten Mercurio und lernen so die andere Seite kennen, die schon lange versucht, sich den Fesseln des Schuldensystems zu entziehen. Auch die Bekanntschaft mit einem Rigger, halb Mensch halb Maschine sorgt für spannende Momente. Und die Szenen mit einigen Debitoren macht auch deren Los deutlich, immer wieder darum zu kämpfen, von der Debitoren- auf die Kreditorenseite zu wechseln, auch wenn sie dafür riskante Aufträge annehmen müssen. Takeder lernt bei seinen persönlichen Ermittlungen nicht nur, was es mit Ikarus auf sich hat, sondern lernt auch die ihm eigentlich bekannte Welt dabei neu kennen, mit anderen Augen eben. Auch wenn sein Original ihn immer wieder gerne beeinflussen möchte, so wird der Kopiat mit der Zeit immer eigenständiger und bewertet das Gesehene und Gehörte ganz neu. Diese Veränderung der Persönlichkeit war sehr gut mitzuerleben, ich konnte es richtig spüren beim Lesen.

Aber auch die anderen Figuren waren sehr interessant und lebendig beschrieben. Ihre Gedanken und ihre Motivationen waren spannend zu lesen und auch die Nebenfiguren hatten alle Ausstrahlung, z. B. hatte Takeders Ehefrau nur kurze Auftritte, aber dafür sehr deutliche. Und die anderen Spezies wie z. B. Rigger, Glaziale und Regulatoren waren natürlich auch wieder sehr beeindruckend in ihrer Art und ihren Handlungen.

Besonders beeindruckend war, wie in den anderen Büchern des Autors auch, wieder die beschriebene Welt. Die Beschreibungen des Planeten Tayfun, die Schiffsstadt der Regulatoren, das Apartment Takeders u. ä. auf der einen Seite und die virtuellen Welten, die Reisen durch die Datennetze und Zeitparallaxen auf der anderen Seite. Ob real oder virtuell, ich hatte wieder vermehrtes Kopfkino beim Lesen! Ich bewundere immer wieder die vielseitige Fantasie des Autors und seine besondere Fähigkeit, durch seinen Schreibstil in meinem Kopf intensive Bilder und Filme zu erzeugen.

Es ist sicherlich kein Buch zum Nebenher lesen, das würde ich bei keinem der Bücher des Autors tun, sondern die Handlung erfordert auch bei dieser Geschichte wieder viel Aufmerksamkeit. Dann ist es aber ein ganz besonderes Lesevergnügen und belohnt wird man auch hier wieder damit, dass alle Fäden am Schluss doch zusammenfinden. Und nach einem actionreichen und spannenden Finale bietet das Ende dann auch noch einen schönen Ausklang.

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39 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

auswanderung, brasilien, 19. jahrhundert, 2015, caspari

Im Tal der Zitronenbäume

Sofia Caspari
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 15.05.2015
ISBN 9783404172122
Genre: Historische Romane

Rezension:

Inhalt:
Sizilien/Brasilien 1859: Die neunzehnjährige Pauline findet keine Ruhe. Nachdem ihr Vater erst mit ihr aus Deutschland nach Sizilien gereist ist, um dem Einfluss ihrer Großeltern zu entgehen, zwingen den Vater bald unsaubere Geschäfte dazu, schon wieder zu fliehen. Fortgerissen von ihrem Freund Gregorio findet sie sich auf einem Schiff nach Brasilien wieder, wo der Vater ganz besondere Pläne mit seiner Tochter hat, die ihnen ein reiches Auskommen bieten sollen. Auf der Schiffsreise macht Pauline Bekanntschaft mit der Familie Hartung, die in der Neuen Welt ein neues Leben beginnen will und damit hofft, der Armut zu entgehen. Besonders zu deren Sohn Jonas fühlt Pauline sich gleich hingezogen und auch Jonas möchte sich nur ungern von Pauline trennen. Doch in Brasilien angekommen, trennen sich erst einmal ihre Wege ...

Meine Meinung:
Sofia Caspari entführt den Leser in ein spannendes und dramatisches Auswanderer-Abenteuer. Ihre bildreichen und intensiven Beschreibungen lassen dabei das Land mit seiner Pflanzen- und Tierwelt deutlich vor den Augen entstehen und gibt den Figuren viel Lebendigkeit und Ausstrahlung. Dramatische Szenen auf dem Auswandererschiff ließen mich das Meer und die Hitze fast spüren und ich konnte besonders gut mit den Passagieren, die beengt und verängstigt die Reise durchmachten, mitfühlen. Auch die Ankunft in Brasilien mit den vielen neuen Eindrücken von Land und Leuten wirkte sehr atmosphärisch.

Die Figuren haben mir auch gut gefallen. Pauline und Jonas waren mir schnell sympathisch. Beide wirkten neugierig und offen und entwickelten sich im Laufe der Geschichte weiter. Jonas lernte, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und während Pauline anfangs noch sehr den Vorgaben ihres selbstsüchtigen Vaters folgte, zeigte sie im Laufe der Geschehnisse mehr und mehr ihren eigenen Willen. Und gerade Pauline hatte einiges durchzustehen, bis sie sich aus den Fängen des ihr aufgedrängten Lebens lösen konnte. Sehr sympathisch war auch ihre gefühlvolle und ehrliche Art, die sich z. B. immer wieder in ihrem Entsetzen über die Haltung von Sklaven, ihrer freundlichen Art gegenüber den Sklaven auf ihrem Anwesen und natürlich ihrer Hilfsbereitschaft gegenüber der Familie Hartung zeigte. Ich habe sie schnell ins Herz geschlossen und mit ihr gelitten und gehofft, dass sie aus dem vom Vater erzwungenen Schicksal wieder herausfindet.

Ganz anders wirkte die Familie Hartung. Hier hatte ich Mühe, jemanden außer Jonas sympathisch zu finden. Auch wenn Herr Hartung die Auswanderung lange plante, so reiste er doch mit völlig anderen Erwartungen in das fremde Land, als es sich dann zeigte und seine Unzufriedenheit und ständigen Schuldzuweisungen machten ihn nicht gerade liebenswert. Auch seine Frau erschreckte mich mit ihrem Hass auf Land und Leute, auch wenn es durch Angst vor dem Neuen zu erklären ist und sie mir im Grunde auch leidtat, da sie sehr darunter litt, ihre Heimat zu verlassen, auch wenn es ihnen dort nicht so gut ging. Unheimlich war mir Greta, eine Cousine von Jonas, die als Kind von der Familie aufgenommen wurde und ihre ganzen Gefühle auf Jonas fixiert hatte. Es war schon Besessenheit, was sie ausstrahlte und sie versuchte entsprechend alles, um zu verhindern, dass Jonas sich Pauline zuwenden könnte. Ihre Intrigen und ihre Gedanken sorgten für eine ganz besondere Spannung.

Am Ende überschlugen sich dann zwar etwas die Ereignisse und ich hätte gerne ein paar mehr Seiten für die letzten Geschehnisse gehabt, aber auch so war das Ende sehr spannend und dramatisch, bevor ich es dann mit einem Lächeln zuschlagen konnte. 

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

palästina, susan abulhawa, khaled, nur, krankheit

Als die Sonne im Meer verschwand

Susan Abulhawa , Stefanie Fahrner
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Diana, 18.05.2015
ISBN 9783453291706
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt
Beit Daras, ein Dorf in Palästina wird 1948 Ziel eines israelischen Angriffs, bei dem die Familie Baraka ihr Zuhause verliert und die Geschwister Nazmiyya, Miriam und Mamduh ein neues Leben in Unterdrückung beginnen müssen. Nazymiyya gründet in Gaza eine große Familie und hält diese so gut es geht zusammen und versucht, allen Schicksalsschlägen zu trotzen. aber Mamduh versucht sein Glück in den USA. Dort wächst auch seine Enkelin Nur auf, um die er sich rührend kümmert, bis das für ihn nicht mehr möglich ist und für das Mädchen eine leidvolle Zeit beginnt. Doch die Familienbande sind stark und Nur macht sich auf den Weg in ihre Heimat ...

Meine Meinung
Dies ist die mehrere Generationen übergreifende Geschichte einer palästinensischen Familie, beginnend mit der Kindheit und Jugend Nazmiyyas über die Gründung einer eigenen Familie mit vielen Kindern und Enkelkindern. Wir lesen von Morden, Flucht und Vertreibung, Flüchtlingslagern und Gefangenschaft, kurz , vom Alltag einer vertriebenen Familie, deren Leben doch irgendwie weitergeht und besonders vom Zusammenhalt der Frauen geprägt wird. Diese Momente im Buch, die den Alltag der Frauen, ihre Sorgen und Nöte, ihr Lachen und Weinen, das Kämpfen ums Überleben, das Lieben und Hassen, das Streiten um Kleinigkeiten und das gemeinsame Kochen und sich kümmern hat mir eigentlich am besten gefallen. Die Frauen und ganz besonders die selbstbewusste Nazmiyya, die ihre große Familie um sich schart und die immer sagt, was sie denkt, haben die Geschichte oft sehr lebendig gemacht.

Neben dieser Erzählperspektive begleiten wir als Leser auch noch die kleine Nur, die in Amerika aufgewachsen ist, weil ihr Großvater Gaza verlassen hatte. Dessen Schicksal wird kurz angerissen und mit Nur weitergeführt, deren leidensvolle Kindheit im Land der Freiheit beginnt, als ihr Großvater stirbt. So sehr mir das kleine Kind auch leid getan hat und so sehr mich gerade die Szenen mit ihrem Großvater berührt und ihr späteres Leiden betrübt haben, so war sie mir als Erwachsene nicht mehr besonders nah. Sie wirkte auf mich längst nicht so authentisch wie Nazmiyya und ich konnte ihr Verhalten als Erwachsene nicht immer nachvollziehen, warum z. B. fragt sie monatelang nicht nach ihrer Familie, wenn sie schon in das Land reist? Das wirkte etwas seltsam und konstruiert.

Ein weiterer Erzählstrang wird einem Geist gewidmet. Der tote Junge zieht sich durch das ganze Buch, auch über sein eigenes Schicksal hinweg und hat eine Erzähler-Funktion. Gleichzeitig ist er in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft immer mit dabei, entweder als Lebender oder als Geist. Dabei wirkte er auf mich aber oft unnatürlich weise. Überhaupt spielten hier viele mystische Einschübe wie Dschinns eine Rolle, was einerseits sicherlich zu der arabischen Kultur gehört und daher auch passt, mir selbst beim Lesen aber manchmal zu viel war.

Die Geschichgte verläuft nicht geradlinig, sondern hat mehr oder weniger große Sprünge, so dass es nicht immer einfach ist, ihr zeitlich zu folgen. Man muss sich daran gewöhnen, bei Lesen die einzelnen Episoden wie einen Teppich miteinander zu verweben und am Ende dann ein Gesamtbild zu haben.

Natürlich wirkt die Geschichte sehr einseitig, denn sie wird aus der Sicht einer palästinensischen Familie erzählt, die die Vergehen ihrer eigenen Leute ausblendet und ein deutliches Feindbild besitzt und hier kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es darum geht, dieses Feindbild immer wieder zu benennen. Andererseits wirkt die Familie so auch authentischer, denn differenzierter wird die Einstellung vieler Betroffenen dort sicherlich nicht aussehen.

Ich bin hin und hergerissen, wie ich das Buch bewerten soll. Einerseits gab es berührende Szenen, die durch die bildliche und blumige Sprache der Autorin besonders hervorgehoben wurden, andererseits wirkte die Geschichte phasenweise auch leblos und seltsam distanziert, weil die Erzählweise oft sprunghaft und im Stil irgendwie unbeteiligt, wie ein Bericht, wirkte. Zudem wurden mir gegen Ende die bildhaften Beschreibungen etwas zu viel, ich fühlte mich übersättigt davon und hatte manchmal das Gefühl, dass einige Beschreibungen auch zu bemüht waren. Die mystischen Einschübe verstärkten meine Ungeduld mit der Geschichte gegen Ende leider dann auch noch. Und die immer mehr aufeinander folgenden Schicksalsschläge, die neben Krieg, Flucht, Missbrauch, Verbannung, Gefangenschaft und Tod auch noch Krankheiten, Fehlgeburten, unglückliche Liebschafen etc. brachten und damit das Gefühl entstehen ließen, diese Familie muss wirklich alle Schicksalsschläge erleiden, die es zu erleiden gibt, störten mich doch sehr, denn es wirkte überstrapaziert. Und wer aufgrund des Klappentextes den Schwerpunkt auf einer tragischen Liebesgeschichte erwartet, wird dies nicht finden, denn sie spielt nur eine kleine Rolle.

Es gab also durchaus berührende Szenen, die ich interessant und gut fand, gerade ein paar der Frauen waren sehr lebendig beschrieben. Aber insgesamt war mir die Geschichte zu konstruiert und zu überladen mit Schicksalen und Klischees und was die bildhaften Beschreibungen und die Esoterik betrifft, für mich irgendwann zu übertrieben.

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96 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 29 Rezensionen

irland, dublin, osteraufstand, freiheitskampf, liebe

Der dunkle Weg

Susanne Goga
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Diana, 14.04.2015
ISBN 9783453357990
Genre: Historische Romane

Rezension:

Inhalt
Die junge Hamburgerin Ida verlässt 1912 ihre Heimat, um eine Freundin in Irland zu besuchen. Schnell hat sie die Stadt Dublin und die Menschen, die sie dort kennenlernt, in ihr Herz geschlossen und beschließt, gegen den Willen ihrer Eltern, zu bleiben. Sie sucht sich eine Wohnung und eine Arbeit und beginnt zu malen. Denn Ida ist Künstlerin und fängt mit schnellen Strichen die Persönlichkeit von Menschen und Situationen ein. Schon bald findet sie sich in den Elendsvierteln wieder, um die Menschen zu malen und damit auf deren Leben aufmerksam zu machen.

Dort trifft sie auch auf den abweisend und unfreundlich wirkenden Arzt Cian, der sich mit ganzem Herzen der medizinischen Versorgung der notleidenden Bevölkerung verschrieben hat. Trotz seiner schroffen Art fühlt Ida sich schnell zu ihm hingezogen. Gleichzeitig mobilisiert sich der Widerstand der Freiheitskämpfer, die im Geheimen Pläne gegen die englischen Fesseln schmieden. Idas Liebe zu Land und Leuten wird immer fester, das Leben aber auch immer gefährlicher, denn neben den Revolutionen stürzt auch noch der Erste Weltkrieg über sie alle ein und plötzlich gehört Ida zum Feind. Sie muss sich entscheiden, wohin sie gehört...

Meine Meinung
Sehr gut gefällt mir, wie historische Personen der irischen Freiheitskämpfe und historische Ereignisse, wie z. B. die Waffenlieferungen, der Osteraufstand oder auch der Einbruch des 1. Weltkrieges geschickt in die Geschichte eingewebt wurden. Auch wenn Ida und Cian erfunden sind, so hatte ich beim Lesen das Gefühl, sie hätten auch wirklich damals gelebt haben können, so lebensecht agierten sie mit den historischen Personen, die hier von der Autorin zum Leben erweckt wurden.

Überhaupt wirkte die Atmosphäre der Zeit sehr authentisch auf mich. Nicht nur durch die schlimmen Bilder der Elendsviertel , die beschriebene Nöte der Arbeiter, die feinen Gesellschaften der reichen Familien und die gefährlichen Kämpfe der Rebellen, sondern auch durch die Gespräche und Gefühle der Protagonisten. Die Zeit und die Personen wirkten lebendig auf mich.

Und das erreichte die Autorin bei mir trotz oder gerade durch ihren ruhigen Stil. Die Figuren bekommen genug Zeit, sich vorzustellen. So erlebte man sehr gut mit, wie sich Ida in Dublin einlebte, dort neue Freundschaften schloss und zu sich selbst fand. Auch die Liebesbeziehung zwischen ihr und dem Arzt Cian wuchs langsam, aber damit um so realistischer, denn Ida war fremd im Land und musste erst einmal auf eigenen Füßen stehen und dabei die ablehnende Haltung ihrer Eltern verarbeiten, auch wenn sie ihre Liebe zu Irland schnell gefunden hatte. Und Cian trug ein belastendes Päckchen aus der Vergangenheit mit sich herum, das einer vertrauensvollen Verbindung erst einmal im Wege stand. Dazu noch Idas Angst um ihre neu gewonnen Freunde, die sich dem Widerstand verschrieben haben.

Doch auch wenn die Autorin die Geschichte ruhig fließen lässt, so ist sie alles andere als langweilig. Im Gegenteil: ich konnte dadurch eine sehr gute Nähe zu den Figuren aufbauen und daher ganz besonders gut mit ihren Erlebnissen und ihrem Zusteuern auf Krieg und Rebellion mitfiebern.

Ein sehr geschickter Beginn ist dabei der etwas beängstigende Prolog, den man beim Lesen die ganze Zeit im Hinterkopf behält und einen Hoffen und Bangen lässt und der sich gegen Ende dann wieder in die Geschichte einfügt. Das hält die Spannung gut oben.

Durch die historischen Figuren und Begebenheiten sind natürlich einige Schicksale vorgegeben, wenn man die Personen kennt. Aber ich kannte sie nicht und bin entsprechend ahnungslos auf das Ende zugesteuert, auch wenn ich schlimme Befürchtungen hatte. Der Freiheitskrieg der Iren, der mit dem Osteraufstand einen dramatischen Höhepunkt erreichte, war nun mal blutig.

Es war sehr interessant für mich, durch diesen Roman etwas über den Beginn der irischen Freiheitskämpfe zu lesen und die Menschen dahinter ein bisschen kennenzulernen und ihre Motivationen, Probleme und Konflikte zu erleben. Eingebettet in diesem Rahmen war das Schicksal von Ida und Cian für mich sehr spannend und emotional zu lesen. 

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(40)

74 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 21 Rezensionen

krimi, berlin, 1933, reichstagsbrand, gereon rath

Märzgefallene

Volker Kutscher
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 06.11.2014
ISBN 9783462047073
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt
Kriminalkommissar Gereon Rath feiert gerade Karneval in Köln, als er nach Berlin zurückbeordert wird: der Reichstag brennt. Es erwartet ihn ein neuer Nazi-Polizeipräsident, die Abschiebung seines ungeliebten Vorgesetzten Böhm und ein Mord an einem Obdachlosen. Obwohl die Jagd auf Kommunisten offensichtlich Priorität zu haben scheint und Gereon dafür zur Politischen Polizei wechseln muss, bleibt er hartnäckig an dem Mordfall dran. Der Tote war ein ehemaliger Soldat aus dem Ersten Weltkrieg und ist nicht einfach auf der Straße gestorben, sondern wurde mit einem Grabendolch ermordet. Ein Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Kriegsromans vom ehemaligen Leutnant Roddeck scheint offensichtlich. Was war damals geschehen? Wer hat Angst vor Enthüllungen? Und was hat ein junges Mädchen, das nur knapp einem Mordanschlag entkam, mit der ganzen Sache zu tun?

Meine Meinung
Die Atmosphäre wird immer düsterer. Es ist Anfang 1933 in Berlin und man spürt den sich verstärkenden Einfluss der Nationalsozialisten. Immer mehr Positionen werden von diesen besetzt, Kommunisten werden gejagt, Juden verlieren ihre Jobs und Übergriffe und Drohungen durch die Nazis werden immer häufiger und unbarmherziger. Reichstagsbrand, Bücherverbrennung, manipulierte Wahlen ... mit der Zeit merken auch die letzten Optimisten, dass Hitler und seine Anhänger stärker werden und keine vorübergehende Erscheinung sind. Auch Politikverweigerer Gereon Rath kann sich so langsam den Zuständen nicht mehr entziehen, nachdem sogar sein Arbeitsumfeld davon betroffen wird und die neuen Vorgesetzten ihn mit der Jagd auf Kommunisten beschäftigen, anstatt ihn wie gewohnt einen Mordfall lösen zu lassen.

Lange Zeit führte seine Gleichgültigkeit gegenüber der Politik zu regelmäßigem Streit mit seiner Verlobten Charly, die die Gefahr für Deutschland längst erkannt hat und entsprechend Position bezieht. Doch nach und nach wird nun auch Gereon bewusst, dass tatsächlich im Land etwas gar nicht stimmt, spätestens als politisch begründete Handlungen mit seinem Gerechtigkeitssinn kollidieren. Ist er sonst vielleicht gleichgültig, so reagiert er auf Ungerechtigkeit sofort, auch mit nicht immer korrekten Mitteln, entsprechend hartnäckig verbeißt er sich auch in seinen Fall. Aber auch Charly zeigt ein überraschendes Verhalten, das ohne die veränderten Zeiten kaum vorstellbar gewesen wäre. Andere Kollegen dagegen blühen regelrecht auf unter der neuen Herrschaft und sind kaum wiederzuerkennen, während es einige hart trifft und ihnen nur noch die Flucht bleibt. In diesem Buch kippt alles durcheinander und man spürt mit den Figuren die stark veränderte und sehr düstere Stimmung. Das wirkt wie in den bisherigen Büchern der Reihe wieder sehr authentisch und insgesamt beängstigend, weil wir als Leser natürlich wissen, dass es noch viel schlimmer kommt.

Der Kriminalfall rückt zwar fast in den Hintergrund, aber er ist doch auch wieder schön spannend und man kann sehr gut miträtseln. Diesmal führt uns der Fall etwas in die Vergangenheit zurück, nämlich in den Ersten Weltkrieg, genauer in den März 1917. Während die deutschen Soldaten mit dem „Unternehmen Alberich“ eine geplante Verwüstung hinterlassen, nutzt eine kleine Gruppe die Situation, um einen Goldraub zu begehen. Die Geschehnisse und ihre weitreichenden Folgen, bis hin zu mehreren Morden, mit denen nun eben Gereon Rath sich beschäftigt, sind interessant zu lesen und bieten sehr viel Raum für Spekulationen. Dies und die neuen politischen Umstände, die für Gereon Rath die Ermittlungen zusätzlich erschweren, machen diesen Krimi wieder zu einer spannenden, aufwühlenden und atmosphärisch sehr dichten Lektüre. Sehr gut sind auch wieder die Personen beschrieben, sie strahlen alle Persönlichkeit aus. Gereon Rath ist dabei wie gewohnt nicht immer sympathisch was das Zwischenmenschliche betrifft, aber er ist ein Charakter mit einer, wie ich finde besonders vielschichtigen Ausstrahlung. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Fall!

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tofu, soja, kichererbsen, vegan, spaghetti carbonara

So geht vegan!

Patrick Bolk
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Südwest, 08.09.2014
ISBN 9783517092782
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich selbst ernähre mich nicht vegan, sondern vegetarisch, aber ich wollte mich mit der veganen Ernährung beschäftigen und dafür ist dieses Kochbuch sehr geeignet. Es richtet sich nämlich besonders an Einsteiger und ist daher eine sehr gute Einführung in die vegane Ernährung. Natürlich finden auch Veganer hier schöne Anregungen, aber gerade die Basics werden sie schon kennen.

Nach einer kurzen Einführung, die allgemein auf die vegane Ernährung eingeht und mit ein paar Mythen aufräumt („zu ungesund, ich kann das nicht, zu kompliziert“) beginnt der Hauptteil, der in neun Rezeptbereiche eingeteilt ist. Jeder Teil hat wiederum eine kleine Einführung, die für den jeweiligen Bereich hilfreiche Informationen und Tipps bereithält, z. B. über Milch-, oder Eier-Ersatzprodukte, den veganen Vorratsschrank oder Zubereitungstipps und Nährstoffe. Man wird dabei nicht von Informationen erschlagen, sondern bekommt für den Anfang gerade die richtige Menge, um sich einen Überblick zu schaffen, gleichzeitig sind aber auch hinten im Buch viele Adressvorschläge, wo man noch mehr Informationen zum Thema finden kann. Ich finde die Einführungen zu den einzelnen Abschnitte schön beschrieben. Man wird nett und direkt angesprochen und das liest sich sehr sympathisch.

Folgende Bereiche gibt es:

1. Genuss ohne Fleisch und Fisch

Hier gibt es Rezepte mit Fleischersatz-Produkten wie Chili sin Carne, Seitan-Ofengulasch“ oder „Thunfisch“-Sandwich. Der Autor bietet hier Alternativen zu Fleischgerichten, die den Einstieg in die vegane Ernährung erleichtern können, weil man nicht ganz auf bekannte Gerichte verzichtet.

2. Ohne Milch und Milchprodukte

Hier werden neben der Herstellung von Soja-, Mandel-, Haferdrinks und Schmelzkäse auch Rezepte wie Sahnige Sojahack-Lauch-Suppe, Snow-White-Suppe und Käsespätzle mit Milchersatz vorgestellt.

3. Kochen und Backen ohne Eier

Grundrezepte für Mayonnaise und Remoulade neben Spaghetti Carbonara, Zwiebelkuchen, Torte und Tiramisu zeigen, wie gut das Backen und Kochen auch ohne Eier funktioniert und schmeckt.

4. Kreative vegane Küche

In diesem Abschnitt bietet der Autor Rezepte, die ohne Ersatzprodukte auskommen und mit ein bisschen Kreativität das Fleisch gar nicht erst vermissen lassen. Thaicurry mit Tofu, Ravioli mit Cashew-Tomaten-Füllung und Rote-Beete-Eintopf sind dafür ein paar Beispiele.

5. Getränke ohne Tierisches

Smoothies wie Waldbeere-Banane-Smoothie, Erfrischungsgetränke wie Mate-Limo, Cocktails wie White Russian und „Milch“getränke wie Mango-Lassi finden sich hier. Der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt und so gibt der Autor viele Tipps für Variationen.

6. Vegan unterwegs

Neben Tipps für vegane Ernährung in Restaurants, Seminaren oder Geschäftsessen finden sich hier Ideen für Snack und Knabbereien, die man gut mitnehmen kann, z. B. verschiedene leckere Sandwiches, Salat und Dips.

7. Besondere Gelegenheiten

Brunch, Grillsaison, Candle-Light-Dinner und Weihnachten sind Gelegenheiten, die für Einsteiger zu einer Herausforderung werden können. Hier werden dafür Tipps und Rezeptideen geboten. Wie wäre es z. B. mal mit einem Indischen Abend? Verschiedene Salate, Kuchen, Grillspieße, verschiedene Currys und zwei festliche Menus sind Bestandteil dieses Abschnittes.

8. Vegan mit Kindern

Wenn man Kinder hat, möchte man diesen vielleicht auch die vegane Ernährung schmackhaft machen oder die Kinder fragen selbst danach. Hier gibt der Autor Informationen, worauf man achten sollte (z. B. Vitamin B12), wie man die Lieblingsgerichte der Kinder vegan abwandeln kann etc. Rezepte wie Köttbullar mit Rahmsauce, Spaghetti Bolo, Cornflakes-Nuggets mit Pommes oder Waffeln mit Sahne und Kirschen sind ein paar Beispiele aus diesem Kapitel.

9. Vegan für Profis: Superfoods und Rohkost

Ein letzter kurzer Abschnitt widmet sich der Rohkost und den „Superfoods“, wie Matchatee, Gerstengras Gojibeeren und Chiasamen, um nur einige zu nennen. Diese Zutaten sollen einen besonders hohen Nährstoffgehalt haben und heilend wirken. In Gerichten wie Chiapudding, Superfoods-Riegeln oder Rohköstlichen Eiskreationen finden sie hier Anwendung.

Ich habe einige Rezepte ausprobiert und sie haben mir überwiegend sehr gut geschmeckt und sie waren einfach in der Zubereitung. Manche Zutaten sind zwar nicht immer einfach zu bekommen, es sei denn man hat einen gut sortierten Bioladen in der Nähe. Alternativ kann man sich auch einiges über den Internethandel schicken lassen (im Anhang sind verschiedene Online-Händler aufgeführt). Ich persönlich habe z. B. trotz längerer Suche kein Kala Namak bekommen, was dem veganen Eiersalat oder dem Tofu-Rührei einen typischen Ei-Geschmack hätte geben sollen. Mit den anderen Zutaten hatte ich aber kaum Probleme, da auch größere Supermärkte längst Tofuprodukte oder exotische Zutaten und Gewürze führen. Und Abwandeln kann man die Rezepte ja auch nach eigenem Geschmack.

Eine Sache hat leider nicht immer gepasst, nämlich die Zubereitungszeit. Ich habe einige Rezepte ausprobiert, die eine doppelte oder sogar dreifache Koch- oder Bratzeit benötigten als angegeben und immer waren die rohen Kartoffelstücke daran schuld. Da es nicht nur mit so erging, glaube ich, dass es an der geringen Flüssigkeitsmenge im Rezept lag, die die Kartoffeln nicht richtig garte. Hier würde ich in Zukunft vorgekochte Kartoffeln verwenden. Ansonsten war die Zubereitung für mich leicht verständlich und die Mahlzeiten gelangen wie im Rezept beschrieben.

Fazit: Das Kochbuch ist nach meinem Empfinden sehr gut geeignet für Einsteiger in die vegane Ernährung. Von fleischähnlichen Rezepten, die die Umstellung erleichtern können, bis hin zu kreativen Mahlzeiten, die kein Fleisch mehr vermissen lassen, wird dem Anfänger die Vielfalt der veganen Ernährung vorgestellt und Schritt für Schritt werden dabei gewohnte tierische Zutaten von pflanzlichen ersetzt. Viele zusätzliche Tipps und Anregungen bereichern die vorhandenen Rezeptideen und regen zum eigenen Experimentieren an. Das alles wird sehr sympathisch und ohne erhobenen Zeigefinger vom Autor vermittelt.

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erik kellen, nimmerherz, liebe, high fantasy, roter schnee wird fallen

Nimmerherz - Roter Schnee wird fallen

Erik Kellen
E-Buch Text: 488 Seiten
Erschienen bei eap media, 18.12.2014
ISBN B00R8KXS1S
Genre: Fantasy

Rezension:

Inhalt
Prinz Asha ist ein Nordmann und gehört zum Grimmhorn-Clan, der von seinem Vater Gorm mehr schlecht als recht regiert wird. Eine Intrige zwingt ihn und seine jüngere Schwester dazu, sein Haus zu verlassen und beim verwandten Eisschild-Clan Aufnahme zu finden. Dort merkt er schnell, dass etwas im Land nicht stimmt, denn sogar die gefährlichen Gletscherwesen Ro ‚Ar, Verbündete des Nordens, verhalten sich seltsam.

Ribanna ist Prinzessin des südlichen Königreiches Quell und hat alles andere im Kopf, als sich wie eine richtige Prinzessin zu benehmen. Tauchen und reiten zieht sie vornehmem Verhalten vor und ist entsprechend abgeneigt, sich um einen potenziellen Heiratskandidaten zu kümmern. Beim Treffen der Könige, das im Haus ihres Vaters stattfindet und bei dem der Frieden im Land wieder neu beschworen werden soll, merkt aber auch sie, dass seltsame Veränderungen stattfinden - und auch ihre Mutter wirkt ungewöhnlich nervös.

Ihr Gefühl von Bedrohung wird aber erst einmal verdrängt, denn sie trifft auf Asha und die beiden erfahren eine fast magische Verbundenheit. Ihre Liebe wird aber bald auf eine harte Probe gestellt, denn auf einmal ist nichts mehr wie es war...

Meine Meinung
Dies ist der erste Teil einer sehr spannenden und emotionalen Geschichte, die mich von Anfang an gefesselt hat. Eine bildhafte Sprache lässt die Umgebung deutlich vor Augen entstehen. So spürte ich das Grauen in manchen Szenen sehr deutlich, denn gerade Asha hatte einiges zu erleiden. Und wo dies war, z. B. auf den „Treppen“ und in der „Kraterstadt“, das war gruselig - aber auch einfach toll beschrieben. Die Umgebung ist sehr kontrastreich mit ihren Gletschern im Norden, den Wüsten im Süden, den Inseln und dem Meer. Diese Unterschiede spürt man auch gut beim Lesen. Die Atmosphäre ist insgesamt recht düster und grausam, auch wenn sie zwischendurch mit den Eskapaden der Prinzessin mal aufgelockert wird und es auch ein paar schöne magische Momente gibt. Gegen Ende des Buches entwickelt sich zu den dunklen Geschehnissen dann eine hoffnungsvolle Dynamik, die einen erwartungsvollen Blick auf Teil zwei werfen lässt.

Die detailreiche Sprache lässt auch die Figuren sehr lebendig wirken. So konnte ich einerseits sehr gut mit ihnen mitfiebern und mitleiden und sie wurden mir schnell sympathisch und andererseits hatte ich auch gut die jeweiligen Gegner vor Augen und konnte entsprechend gut Abneigung oder Grusel spüren. Damit nicht alles nur schwarz und weiß ist, gibt es aber auch noch eine Figur, die ich bisher nicht völlig einschätzen kann und bin gespannt auf welche Seite sie sich noch schlagen wird.

Erzählt wird wechselweise aus der Sicht von Asha und Ribanna, aber teilweise auch aus Sicht der jüngeren Schwester Tahni. Gerade auch Tahni ist mir schnell ans Herz gewachsen, denn das Mädchen musste aufgrund der verhängnisvollen Intrige sehr schnell erwachsen werden und Verantwortung tragen und ich bin sehr gespannt auf ihre weitere Entwicklung. Diese unterschiedlichen Sichtweisen gefallen mir sehr gut, so erhält man als Leser viel mehr Einblick in die unterschiedlichen Geschehnisse und Schauplätze.

Die Handlung ist spannend zu lesen, einige Geheimnisse oder Taten werden anfangs nur angedeutet, so dass man auch mal etwas verwirrt ist, aber im Laufe der Handlung klärt es sich dann oft auf oder bleibt eben auch mal so stehen. Nicht alles muss man erklären.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Emotional, magisch, düster und spannend war Teil eins. Nun bin ich gespannt auf Teil zwei, denn es gilt einen übermächtig wirkenden Feind zu besiegen, Königreiche und natürlich die Liebe zu retten.

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