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15 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

autobiographie, sachbuch, politiker, politik, ost-west-verhältnis

Ein Leben ist zu wenig

Gregor Gysi , Hans-Dieter Schütt
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 09.10.2017
ISBN 9783351036843
Genre: Biografien

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59 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

raabe

Schlüssel 17

Marc Raabe
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.02.2018
ISBN 9783548289137
Genre: Krimi und Thriller

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26 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

familienbande, alkoholismus, kunrath, freundschaft, barbara kunrath

Töchter wie wir

Barbara Kunrath
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.01.2018
ISBN 9783548289236
Genre: Romane

Rezension:

„Töchter wie wir“- Das ist ein Buch mit einer Geschichte mitten aus dem Leben! In erster Linie berichtet die Autorin Barbara Kunath von einer komplizierten, unlösbar scheinenden Mutter/Tochter-Beziehung.
Abwechselnd erfährt man aus dem Leben der Mutter Hella und der Tochter Mona und welche Gründe es gab, dass die Familie Lorentz keine glückliche Familie war. Nach außen hin schien alles in bester Ordnung zu sein. Die Mutter eine junge schöne Frau, der Vater etwas älter, sehr erfolgreich im Beruf, im eigenen Unternehmen. Geld ist genügend vorhanden. Die Kinder, der Sohn Daniel und die Tochter Monique (genannt Mona), sind wohlgeraten. Und doch schwelten da Spannungen zwischen den Eltern einerseits und andererseits zwischen Mona und der Mutter sowie auch dem Vater, die sie ein Leben lang mit sich tragen wird. Es herrscht eine eisige, emotionslose Atmosphäre in der Familie, vor allem gegenüber der Tochter.

Mona lernt man kurz vor ihrem 40. Geburtstag kennen. Sie ist unglücklich, weil sie weder ein Kind, noch eine feste Bindung hat. Obendrein macht ihr der Job keinen Spaß und sie drücken die ständigen, finanziellen Probleme. Nach der Meinung ihrer Mutter Hella bringt sie nichts Wesentliches auf die Reihe. Das ist ein schlimmer Vorwurf, der allein für sich genommen schon ausreichend Konfliktstoff bietet. Der Vater verstarb inzwischen und spielt daher aktiv keine Rolle mehr im Geschehen.
Die Autorin lotet intensiv auf den 362 Textseiten die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander aus und geht dabei zurück in die Vergangenheit bis zur Generation der Großeltern sowohl mütterlicherseits, aber vor allem väterlicherseits. Was da zum Vorschein kam, hat mich sehr berührt. Der Roman nahm mich mit in den eigenen Alltag und brachte mich zum Nachdenken.

Fazit:
Die Geschichte wurde wunderbar erzählt. Sie gab mir tiefe Einblicke in die weitreichenden Folgen von lieblosen, egoistischen Verhaltensweisen an den eigenen Kindern.
Ich möchte deshalb dieses Buch wärmstens empfehlen mit fünf von fünf Sternen.

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110 Bibliotheken, 14 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

fantasy, bernhard hennen, azuhr, high fantasy, mären

Die Chroniken von Azuhr - Der Verfluchte

Bernhard Hennen
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 29.12.2017
ISBN 9783596297269
Genre: Fantasy

Rezension:

Nach langer Zeit habe ich wieder einmal mit „Die Chroniken von Azuhr“ ein Buch aus dem Fantasy-Genre gelesen. Und? Ich habe es nicht bereut.
Bernhard Hennen führt den Leser in die Welt Azuhr ein, die doch so sehr unserer Erde gleicht. Es geht um Macht, Reichtum, Intrigen, Magie, um Wirklichkeit gewordene Mären, um die Freiheit eines Volkes u.v.m. Die zahlreichen Kapitel waren angenehm kurz, so dass ich sehr schnell mit dem Lesen vorankam. Der Schreibstil und die Darstellung der Charaktere gefallen mir. Der Autor verfügt über eine sehr vielschichtige und verführerische Erzählweise und einer scheinbar unerschöpflichen Phantasie. Dieser Einfallsreichtum macht mich sehr neugierig auf die nächsten Bände!

Von Beginn an, mit dem langen Prolog, zog mich die Geschichte in ihren Bann. Es geht sofort ganz schön zur Sache. Die Pest wurde eingeschleppt in die schöne, reiche Stadt Arbora. Wie der Erzpriester Lucio diese schlimme Tatsache löst, damit hätte ich nicht gerechnet. Um die gesamte Insel Cilia zu retten, entscheidet er sich zum Äußersten. Eine brutale und risikoreiche Entscheidung! Woher wollte er gewußt haben, dass dann die Gefahr gebannt ist?
Dann erfolgt ein großer Zeitsprung! 53 Jahre später erleben wir in Dahlia den Sohn Lucios, Erzpriester Nandus, inzwischen ein älterer Mann. Von seinen drei Söhnen scheint nur Milan, der Jüngste, geeignet ihm im Amt zu folgen. Doch Milan Tormeno begehrt gegen seinen übermächtigen, allwissenden Vater auf. Er will nicht ins Rote Kloster und schließt sich den Rebellen des Schwertwaldes an. Damit begibt er sich in zahllose Gefahren, die mit Märengestalten und einer uralten dunklen Voraussage zu tun haben.

Von Kapitel zu Kapitel war ich erstaunt, wie sich die Charaktere entwickelten und auch entgegen meiner Erwartungen handelten. Keiner ist nur gut oder böse. Interessant wird es sein, wie es im zweiten Band weitergeht. So schätze ich z. B. Nandus ein:
Er ist erbarmungslos und sehr grausam, ordnet alles der Erhaltung seiner Macht und seiner Ziele unter. Wird das aber so bleiben? Und was ist mit Milan? Milan ist mir in seinem Gerechtigkeitssinn zunächst sehr sympathisch.

S. 198 „Ein Gesetz, das keine Menschlichkeit mehr kennt, ist nichts als Barbarei.“

Wie wird es mit ihm weitergehen? Ist er wirklich die „alte Seele“, die Nok, die mir noch mit zahlreichen Rätseln behaftete „Liebesdienerin“, die Auserwählte des Khan, eine weiße Tigerin, in ihm vermutet? Milan, ein Traumweber?

Steht das Reich tatsächlich vor einem neuen Zeitalter?

Insgesamt endet das Buch mit einem zunächst versöhnlichen Ende, mit vielen offenen Enden und ebensolchen Fragen. Ich bin sehr neugierig, wie es der Autor auflöst. Gibt es ein Wiedersehen mit Felicia? Oder mit Falce? Welche Rolle spielt im weiteren der Krähenmann? Und wer ist die Weiße Königin?
Mich begeisterte das Auftaktbuch und bewerte es mit fünf von fünf Sternen!

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158 Bibliotheken, 19 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

thriller, london, köder, ullstein, methoden der manipulation

Hangman - Das Spiel des Mörders

Daniel Cole , Conny Lösch
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 02.01.2018
ISBN 9783548289212
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Entgegen anders lautender Meinungen bin ich davon überzeugt, dass der Leser zum besseren Verständnis vor dem „Hangman“ den Debütroman von Daniel Cole „Ragdoll“ gelesen haben sollte. Ansonsten wird es viel zuviel, was man in dieser Geschichte noch zusätzlich zu verarbeiten hat.
In 40 Kapiteln, über 473 Textseiten mit Prolog und Epilog geht es dermaßen zur Sache, dass ich manchmal Mühe hatte, die Geschehnisse richtig einzuordnen. Die Kapitel sind mit Datumsangaben, Uhrzeiten versehen, die in der Zeit vor- und zurückspringen und die Geschichte in weitläufigen Spannungsbögen ständig vorantreiben. Zudem werden die Morde in zwei Ländern, zwei Kontinenten begangen. Es ist so, dass die Geschehnisse zeitversetzt passieren, wie gespiegelt. Ist es in New York ein „Köder“, der getötet wird, findet garantiert in London eine „Puppe“ ihr grausames Ende. Das jeweilige Wort wurde in die Brust des Menschen geritzt. Durch den Toten an der Brooklyn Bridge wird der Bezug zum Ragdoll-Fall hergestellt. Wie hängt das alles zusammen? Das ist die große Frage, die mich über das gesamte Buch begleitete.

Zwei Special Agents von FBI (Elliot Curtis) und CIA (Damien Rouche) sollen im neuen Fall mit Detective Chief Inspector Emily Baxter von der Londoner Metropolitan Police zusammenarbeiten. Emily hatte maßgeblich zur Auflösung der Ragdoll-Morde beigetragen. Diese drei Polizisten sind sehr spezielle, aber weitgehend authentische Vertreter ihrer Zunft. Elliot Curtis geht genau nach „Buchstaben und Gesetz“ vor, während Baxter und Rouche unkonventionelle Wege bevorzugen. Ihre Charaktere sind vielschichtig angelegt. Emily Baxter ist in diesem Band noch unzugänglicher, komplizierter, misstrauischer (selbst gegenüber ihrem Freund Thomas). Die Erfahrung, dass mit Damien Rouche irgendetwas nicht stimmt, teilte ich mit Baxter. Trotz seiner vielen „Macken“ mochte ich diesen Ermittler sehr und hoffe, dass er nicht tot ist und im nächsten Thriller von Cole genau wie Wolf wieder „aufersteht“. Dass der junge Edmunds wider Erwarten eine große Rolle in der Auflösung des Falles spielt, freute mich sehr. Dieser Protagonist ist eine wertvolle Bereicherung in der Reihe der auftretenden Personen.

Fazit:
Für mich erfüllte „Hangman“ alle Erwartungen an einen Thriller. Das heißt: eine Spannung zum Zerreißen, Elemente des „Mistery“ (bspw. die Szenerie im alten Theater), viele Cliffhanger (u. a. versteckte Bezüge zum vorherigen Fall), anregende, unterhaltsame, spannende Protagonisten. Die Handlung verläuft abwechslungsreich, hat überraschende Wendungen und ist unheimlich, gruselig und furchteinflößend.
Aufgefallen sind mir auch die realen Bezüge zu Terroranschlägen in London und Norwegen. Insgesamt gesehen eine Geschichte, die nachdenkenswert ist und nicht nur zur Unterhaltung gelesen werden sollte.

Vor allem für Thrillerfans bewerte ich „Hangman“ mit fünf von fünf Sternen.


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17 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

rainer schäfer, metzger, reiseabenteuer, reisebericht, sachsen

100 Länder, 100 Frauen, 100 Räusche

Michael Berndt , Rainer Schäfer
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei riva, 16.10.2017
ISBN 9783742302809
Genre: Biografien

Rezension:

„100 Länder, 100 Frauen, 100 Räusche“ von Michael Berndt, das ist ein Reisebericht der anderen Art. Das deutet schon der Titel an. Das Buch macht den Leser bekannt mit einem jungen, provinziellen Sachsen, der sich entschließt aus einer
„Endlosschleife aus Arbeit, kleinkarierter Muffigkeit und Suff“
auszubrechen und mit wenig Geld, ohne Fremdsprachenkenntnisse und totaler Unerfahrenheit allein nach Australien fliegt.
Wie er sich mit nur 23 Jahren den unbekannten Situationen stellt und wie er sich zu helfen weiß, das ist beachtlich. Seine Courage, seine Entschlossenheit bewundere ich. Ich glaube, dass er sich letztendlich immer wieder durchboxte, ist seinem flexiblen, anpassungsfähigen Wesen zuzuschreiben. Michael scheute sich vor keiner Arbeit, nimmt die schwersten Tätigkeiten auf sich. So beginnt seine abenteuerliche Reise um die Welt in „Down under“ und viele Länder folgen.
Heftige Schilderungen erwarten den Leser u. a. in den Ländern Asiens. Mir gab es besondere Einblicke in den Stand der Zivilisation. Diese krassen Unterschiede!
Vor allem, die Reihenfolge seiner Reisen: von Japan (hochtechnisiert, geordnetes Leben), dann Korea (das geteilte Land mit seinen Extremen in allen Bereichen) über China (Leben wie im Mittelalter in den Dörfern gegenüber dem schon modernen Leben in den Städten). Beeindruckend wie der junge Sachse neben seinen doch teilweise sehr heftigen, sexuellen Erlebnissen die Gewohnheiten, Traditionen, Lebensumstände, die Eßkultur in Vietnam, Thailand, Laos, Kambodscha beschreibt. Einiges war mir bekannt, aber das mit dem Schlangenblut habe ich noch nie gehört!
In Afrika kommt bei Michael erneut sein natürliches, unvoreingenommenes Wesen zum Ausdruck. Sein Pragmatismus ist hier scheinbar sehr nützlich. Wenn es so nicht geht, dann eben auf anderem Weg. Irgendwie muss eine Lösung her. Und der junge Globetrotter wird belohnt mit wunderbaren Augenblicken:
der Kilimandscharo, die Erlebnisse auf Sansibar mit den zutraulichen Delphinen...
Einfach beneidenswert! Solche Dinge vergißt man sein Lebtag nie.

Fazit:
Für mich war „100 Länder, 100 Frauen, 100 Räusche“ ein lesenswerter, vor allem authentischer Reisebericht mit aufschlussreichen, unterhaltsamen Einblicken abseits der touristisch erschlossenen Pfade. Für viele sind sicherlich Michaels sexuelle Erlebnisse sehr provokant. Daher ist dieses Buch keine Lektüre für Moralapostel und verklemmte Typen.
So eine Reise um die Welt in 8 Jahren, wie er sie machte ist einzigartig, weil sie ganz individuell auf seine Bedürfnisse ausgerichtet war. Ich habe die fast 250 Seiten (teilweise bebildert) mit großem Interesse verfolgt und bin ein über das andere Mal erstaunt gewesen, wie selbstverständlich der junge Mann sich die Welt eroberte. Das ist ein Privileg der Jugend und im späteren Leben so nicht mehr nachzuholen.

Von mir gibt es fünf von fünf Lesesternchen und eine unbedingte Lese-/Kaufempfehlung!

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146 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 81 Rezensionen

mobbing, selbstmord, schule, lindsey lee johnson, kalifornien

Der gefährlichste Ort der Welt

Lindsey Lee Johnson , Kathrin Razum
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 13.10.2017
ISBN 9783423281331
Genre: Romane

Rezension:

„Der gefährlichste Ort der Welt“ ist für mich nicht die kleine Stadt Mill Valley in Kalifornien, in der dieser Roman stattfindet. Ich bin der Meinung, dass damit das Internet, die Social Medias, gemeint sind und sie spielen in diesem Roman von Lindsey Lee Johnson eine sehr entscheidende Rolle.

Zu Beginn wird der Leser durch Tristans ausführlichen Aufsatz mit der beschaulichen, idyllisch gelegenen Stadt Mill Villey bekannt gemacht. Er vermittelte mir einen umfassenden, informativen Blick auf den Ort. Tristan Bloch ist ein intelligenter, aber etwas verschrobener Junge, der sich seltsam kleidet. Von der Natur wurde er nicht gerade mit einem guten Aussehen ausgestattet. Diese Kombination macht ihn zum Außenseiter. Trotzdem erscheint er mir reifer zu sein als die anderen in seiner 8. Klasse. Das Unheil nimmt seinen Lauf als Tristans mutiger, etwas unbeholfener Liebesbrief an die hübsche Calista (genannt Cally) Broderick auf Facebook gepostet und er auf übelste Weise geschmäht wird. Ein regelrechter „Shitstorm“, ein beispielloses Mobbing, bricht über ihn herein. Der sensible Junge sieht keinen Ausweg aus dieser ihn hilflos machenden Situation. Er fühlt sich alleingelassen und meint, dass für ihn kein Platz auf dieser Welt sei. Auch seine überbesorgte Mutter scheint ihm keine Hilfe zu sein. In seiner Verzweiflung stürzt er sich von der Golden Gate Bridge in die Tiefe.

Die Selbsttötung Tristans ist der Ausgangspunkt dieses Buches. In der Folge stellt die Autorin die Klassenkameraden des Mitschülers vor und wie sie seinen Tod wahrgenommen und verarbeitet haben.
Der Roman ist in drei Teile gegliedert – erster Teil: Achte Klasse; zweiter Teil: Elfte Klasse; dritter Teil: Zwölfte Klasse. Als Erzählperspektive wurde vorwiegend der neutrale Stil bevorzugt. Es wird dem Leser überlassen, eine Wertung der Charaktere vorzunehmen. Dadurch wirkte die Geschichte auf mich irgendwie distanziert, emotionslos und nüchtern. Die Jugendlichen bleiben mir zum überwiegenden Teil in ihrem Denken und Handeln fremd. In der Gruppe verhielten sie sich regelrecht asozial.

Fazit:
Mit Cally Broderick fing alles an und mit ihr schließt sich am Ende der Kreis.
„Nur Cally hatte sich verändert.“ S. 279
Sie ist die einzigste der Clique, die sich mit Tristan und seinem Selbstmord auseinandersetzte.

Mich läßt der Roman mit zwiespältigen Gefühlen und nachdenklich zurück. Was macht eigentlich die Kindheit und Jugend aus bei diesen jungen Menschen? Wo findet ihr Leben wirklich statt? Wie sieht ihr Weltbild aus?
„Der gefährlichste Ort der Welt“, dieser Roman beinhaltet einen bemerkenswerten, aufschlussreichen, erschreckenden Lesestoff, der sehr wichtige Themen rund ums Internet anspricht.
Bleibt für mich noch die Frage, ob wir in Deutschland auch schon diese amerikanischen Verhältnisse haben!?
Ich vergebe vier von fünf Sternen.
Lesenswert und zu empfehlen.

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Tags: mobbing   (1)
 

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96 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 80 Rezensionen

krimi, berlin, havelland, profiler, strichermilieu

Dunkel Land

Roxann Hill
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 13.11.2017
ISBN 9783959671385
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Am Anfang des Buches steht das wundervolle Gedicht von Theodor Fontane – „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. Damit stellt die Autorin Roxann Hill den Bezug zum Beruf der Protagonistin, sie ist Literaturwissenschaftlerin, und der Landschaft her. Obwohl die kriminalistischen Untersuchungen nicht auf Gut Wuthenow und auch nicht im Havelland stattfinden, sondern in Berlin.

Ganz schnell bin ich in die Geschichte hineingekommen.
Zu Beginn ein perverser Mörder, dem sein „Spielzeug“ keinen Spaß mehr macht. Er hat Freude am Quälen und Töten. Als der Mann, der fast noch ein Junge ist, nicht mehr reagiert, tötet er ihn. Hier agiert ein extrem perverser Mörder!
Im weiteren Verlauf lernt man eine junge Frau kennen. Verena Hofer benötigt dringend einen einträglichen, neuen Job. Sie und ihre kleine Nichte Amelie sind auf dem Weg von Nürnberg zum Gut Wuthenow im Havelland. Dort soll sie sich vermeintlich um einen Jungen kümmern. Angekommen, muss sie sich mit einigen Irrtümern bzw. Missverständnissen auseinandersetzen, bevor sie die Stelle endgültig antritt. Der Junge ist ein erwachsener, junger Mann und als Profiler, als freier Berater bei der Berliner Polizei beschäftigt. Allerdings hat er ein wesentliches Handycap! Sein Kurzzeitgedächtnis funktioniert nicht mehr, nachdem er schwer verletzt wurde. Verena nimmt die Stelle als Assistentin von Dr. Carl von Wuthenow an und beide werden kurz darauf als externe Berater der Staatsanwaltschaft im Fall des getöteten jungen Mannes in Aktion treten. Die junge Frau hat wahrlich keine leichten Aufgaben übernommen! Der Anfang las sich sehr gut. Doch wie sich die kriminellen Ermittlungen entwickelten, kamen bei mir hier und da schon mal leise Zweifel an der urplötzlichen Kompetenz der jungen Frau auf. Wie sie alles scheinbar mit links meistert, ist mir zu glatt erzählt und irgendwie realitätsfern. Auch die kleine Amelie, die gerade ihre Mutter verloren hat findet sich im Handumdrehen mit ihrer neuen Lebenssituation ab. Mit ihren fünf Jahren spricht sie sehr altklug und abgeklärt.

„Dunkel Land“ ist hauptsächlich aus der Perspektive von Verena Hofer erzählt und unterteilt in Kapitelnummern oder überschrieben mit Wochentagen. Die Charaktere von Carl und Verena waren meiner Meinung nach zu einfach gezeichnet. Mir gab es zu wenig Reibungspunkte. Verena ist taff und meistert alle Hürden, obwohl es viele heikle, gefährliche und eklige Situationen gab, die gestandene Männer an ihre Grenzen gebracht hätten.
Der Mörder wird durch einen Zufall entlarvt, zuerst natürlich von Verena! Carl, der erfahrene Profiler tappt in die Falle. Die Erzählstrategie wirkt auf mich sehr konstruiert.
Warum das Buch den Titel „Dunkel Land“ trägt, kommt auch zur Sprache. Es hängt mit dem jungen, ausländischen Opfer zusammen. Er empfand Deutschland als zu kalt und zu dunkel.

Wer den Krimi aufmerksam von der ersten Seite an liest, weiß sehr bald, wer der Täter ist. Für mich gab es zu viele offensichtliche Hinweise!

Trotz der vielen Ungereimtheiten im Zusammenspiel von Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft mit dem erfahrenen Carl und der unerfahrenen Verena, die plötzlich über Supertalente verfügt, war dieser Roman nicht langweilig. Er konnte mich gut unterhalten.
Der Schluss allerdings ist sehr merkwürdig. Es endet abrupt und unerwartet. Plant die Autorin eine Fortsetzung?
Da die Bewertung keine halben Sterne zuläßt, runde ich auf 4 von 5 Sternen auf.

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309 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 117 Rezensionen

belgien, roman, lize spit, freundschaft, und es schmilzt

Und es schmilzt

Lize Spit , Helga van Beuningen
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972825
Genre: Romane

Rezension:

Zunächst möchte ich auf das sehr schöne Cover von Lize Spits Roman „Und es schmilzt“ eingehen. Das kühle Weiß sticht einem sofort ins Auge mit den gefrorenen Buchstaben, in denen Pflanzen eingeschlossen sind. Der Schnitt ist in einem satten Grünton gestaltet, der wiederum mit dem violetten Lesebändchen harmoniert. Ein Buch in einem sehr geschmackvollen Outfit, dass
 zum Anfassen einlädt!
Das Buch ist das Debüt der jungen Belgierin Lize Spit und ich hoffe, dass sie auf den 505 Seiten nicht ihr eigenes Schicksal preisgibt. Die Autorin gehört dem gleichen Jahrgang wie ihre drei Hauptfiguren an.

Die Geschichte beginnt zunächst harmlos in einem kleinen Dorf namens Bovenmeer im Kempener Land. Die Hauptakteure heißen Eva, Pim und Laurens. Sie sind gleichaltrig und die Einzigen ihres Geburtsjahres, so dass sie als „Beistellklasse“ zu anderen Schülern dazukommen. Sie nennen sich die „Drei Musketiere“. Ich würde sie nach dem Lesen dieses Buches als „Trio infernale“ bezeichnen wollen.
Das Geschehen entwickelt sich aus der Ich-Perspektive Evas und zog sich für mich in der ausführlichen, detailverliebten Erzählweise der Autorin sehr hin. Die Kapitel wechseln sich mit Uhrzeitangaben, welche die Gegenwart kennzeichnen sowie den Datumsangaben des Sommers 2002 und allgemeinen Überschriften, die Vergangenheit betreffend, ab.
Eine Haupthandlung oder einen roten Faden vermochte ich nicht zu erkennen. Mich schockierten nicht die erotischen Erfahrungen der Jugendlichen, sondern die Eiseskälte und die seltsame Distanziertheit der ausführlichen Schilderungen Evas von den Übergriffen bis hin zu der grausamen, sexuellen Gewalt ihr gegenüber. Vor allem, was ist der Auslöser dafür? Jeder Mensch entwickelt doch einen gewissen Selbstschutz. Warum erduldete sie das?
So, wie Lize Spit in einer Ausführlichkeit, die seinesgleichen sucht, die Umstände in Evas Familie schildert, kann ich nur vermuten, dass die Ursachen in dem Milieu zu finden sind. Die Familie de Wolf ist eine desolate Gemeinschaft von fünf Personen. Sie besteht aus der alkoholkranken Mutter, dem suizidgefährdeten Vater, der jüngeren, zwanghaft gestörten Schwester Tesje und dem älteren Bruder Jolan, der sich so oft es geht, verkrümelt. Auch bei Eva scheint sich eine schwere Störung ihrer Persönlichkeit entwickelt zu haben. Mir ist die Geschichte zu lang, zu ausschweifend, zu unübersichtlich geraten, um das Ganze als logisch, folgerichtig und eindeutig einordnen zu können.

Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch sehr stark polarisiert. Mich konnte es nicht überzeugen trotz des überbordenden Hypes, der um diese Geschichte gemacht wird. Bei mir „schmolz“ immer mehr das Verständnis für das verstörende Verhalten der drei Jugendlichen. Mit großer Überwindung las ich das Buch zu Ende.

Ich vergebe drei von fünf Sternen!

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72 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 50 Rezensionen

thriller, catherine shepherd, spannung, julia schwarz, nachtspiel

Nachtspiel

Catherine Shepherd
Buch: 348 Seiten
Erschienen bei Kafel Verlag, 01.11.2017
ISBN 9783944676098
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Oktober 2016 las ich „Mooresschwärze“ und wie damals bin ich auch bei „Nachtspiel“ wieder ganz schnell ins Geschehen hineingekommen.
Die Hauptpersonen sind erneut Florian Kessler, der Kriminalbeamte und Dr. Julia Schwarz, die Rechtsmedizinerin.
Und wie schon im Vorgängerband spielt der vergewaltigte und ermordete Bruder noch immer eine große Rolle im Leben der jungen Frau. Dabei ist das gräßliche Verbrechen bereits 15 Jahre her. Jetzt sind es quälende, real erscheinende Albträume, die sie verfolgen. Sie setzen der kühlen, nach außen reserviert und beherrscht agierenden Julia sehr zu. Doch ihre Arbeit an den Toten leidet darunter nicht. Sorgfältig und akribisch untersucht sie weiter. Gemeinsam mit ihrem sensiblen, intelligenten, leicht verpeilten Assistenten Emanuel und mit Florian, sind sie einem Täter auf der Spur, der wie ein Phantom zu sein scheint.
Sie stürzt sich in die Arbeit, um ihren vermeintlichen Dämonen zu entkommen.
Als erstes, brutal gefoltertes Opfer landet die junge Polizistin Kim Wiesinger auf ihren Sektionstisch. Sie ist noch nicht fertig mit den Untersuchungen, da ruft Florian sie bereits zum nächsten Leichenfund. Es geht Schlag auf Schlag...

Trotz ihrer messerscharfen Intelligenz und ihrer kühlen Logik begeht Julia gravierende Fehler und übersieht offensichtliche Fakten und Zeichen. Als auf einem der Opfer mit Blut geschrieben steht: „Niemand rührt Julia an“, hätten schon die Alarmglocken schrillen müssen, sowohl bei der Rechtsmedizinerin als auch bei den Polizisten. Aus Gründen, die evtl. mit Überlastung, Ermittlungsdruck, Schlafmangel und überreizter Nerven zu tun haben, werden die Spuren nicht weiter verfolgt. Für mich war es eine klare Botschaft! Der Mörder musste etwas mit Julia zu tun haben. Wie hängt das alles zusammen? Ist vielleicht ihr Bruder Michael ein Bindeglied aus der Vergangenheit? Seine Ermordung wurde ja nie aufgeklärt.

Nachdem sie die Signatur des Killers auf den Körpern der Getöteten erkennt, bringt sie sich unüberlegt und in wütender Stimmung in eine sehr gefährliche Lage. Sie gerät in die Fänge des unkalkulierbaren Serienkillers. Mit viel Glück kann Florian und sein Team großes Unheil abwenden und zwei weitere Morde verhindern.

Genau wie „Mooresschwärze“ trieb mich „Nachtspiel“ von Seite zu Seite, von Kapitel zu Kapitel. Es war für mich Spannung pur auf 317 Textseiten und 52 Kapiteln.

Das Ende des Buches kam viel zu schnell. Ich hätte gerne noch weitergelesen und freue mich auf eine baldige Fortsetzung mit den beiden sympathischen Protagonisten Florian Kessler und Julia Schwarz.
Vielen Dank für kurzweilige Lesestunden und ein schönes Leseerlebnis, liebe Catherine Shepherd!
Ich empfehle „Nachtspiel“ für alle Thrillerfans und vergebe fünf von fünf Sternen.

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Tags: albtraumhaft, hinterlassene zeichen, wie ein phantom   (3)
 

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(110)

176 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 94 Rezensionen

glasengel, weihnachten, winter, reise, queen victoria

Winterengel

Corina Bomann
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 13.10.2017
ISBN 9783471351611
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch beginnt mit dem Jahr 1895 und den kursiv geschriebenen Erinnerungen einer jungen Frau. Anna Härtel, so der Name, lernte den Beruf einer Glasmacherin im badischen Spiegelberg (tatsächlich existent!), schaute sich alle Tricks und Tipps bei ihrem Lehrmeister, dem eigenen Vater ab. Nun ist sie die Alleinverdienerin und muss sich um ihre kranke Mutter und die minderjährige Schwester Elisabeth kümmern. Sie arbeitet in der Glashütte des Meister Philipps als Hilfskraft. Der Vater war plötzlich gestorben und hinterließ der Familie Schulden. Annas Traum in der eigenen Werkstatt zu arbeiten, zerplatzte wie Seifenblasen. Doch wie in einem Märchen eröffnet sich ihr die Möglichkeit ihre wunderschönen Glasengelchen der englischen Königin Victoria zu präsentieren. Der gutaussehende, angebliche Diener eines Lords soll Anna unbeschadet mit ihren Weihnachtsengeln noch vor dem Fest nach London bringen. Was sie alles erlebt in 37 Kapiteln und auf 345 Seiten ist kurzweilig, abwechslungsreich und schnell gelesen.

„Winterengel“ wird aus der Sicht Annas, aus der Ich-Perspektive erzählt.
Corina Bomann gelingt es im Handumdrehen einen in die Geschichte hineinzuziehen. Es ist eine warmherzige, mit viel Gefühl, aber ohne Schmalz geschriebene Story.
Glas ist Annas Leben, doch nie und nimmer würde sie deshalb Mutter und Schwester im Stich lassen. Das kommt bei allen Erlebnissen, die ihr auf ihrer aufregenden Reise nach England und selbst im dortigen Lande widerfahren, immer wieder durch. Die Hauptperson wurde von der Autorin glaubwürdig, schon ziemlich emanzipiert, selbstbewußt, aufrichtig, aber trotzdem als Kind ihrer Zeit beschrieben. Mit ihr wurde ich schnell warm.

„Winterengel“ bringt einem eine wunderbare, handwerkliche Tradition, die mit dem Weihnachtsfest engstens verbunden ist, nahe. Es endet natürlich mit einem wohligen „Happy-End“. Auch deshalb eignet sich das Buch hervorragend als Geschenk für die Advents- und Vorweihnachtszeit oder unterm Weihnachtsbaum für junge Mädchen und Frauen.

Von mir fünf von fünf Sternen für eine unterhaltsame, leichte Lektüre bei der man wunderbar relaxen kann!

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Tags: eine neue perspektive, traditionskunst, warmherzige story   (3)
 

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127 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 86 Rezensionen

thriller, schweden, skandinavien, stockholm, wolf

Die Fährte des Wolfes

Mons Kallentoft , Markus Lutteman , Christel Hildebrandt
Flexibler Einband: 458 Seiten
Erschienen bei Tropen, 07.09.2017
ISBN 9783608503715
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es geht mächtig rund in Zack Herrys Welt, dem Helden oder sagt man besser Antihelden ? des neuen schwedischen Bestsellerduos Mons Kallentoft und Markus Lutteman.
Der junge Polizist, Kriminalinspektor der Stockholmer Polizei, ist ein zwiespältiger, moralisch zwischen Baum und Borke stehender Charakter. Er kokst, nimmt sich die Mädels, wie sie ihm gefallen, fährt Motorrad ohne Helm mit 200 km/h u. v. m. Obwohl er erst 27 Jahre alt ist, musste er schon sehr viel persönliches Leid ertragen. In seinen Handlungen ist er sehr impulsiv, geht hohe Risiken ein und überschreitet manchmal leichtsinnig Grenzen.

Rasant und äußerst brutal geht es in der Geschichte um Prostitution, Frauen- und Drogenhandel zur Sache. Innerhalb kürzester Zeit werden sechs asiatische Prostituierte regelrecht hingerichtet. Eine der Frauen weist Bissspuren auf, die von einem Wolf stammen könnten. Die Ermittlungen der Stockholmer Polizei verlaufen lange ohne Ergebnis oder gehen in die verkehrte Richtung. Die Medien machen noch zusätzlich ordentlich Stimmung gegen sie. Einzig vor allem Zack mit seinen Kollegen können der unsichtbar agierenden, hochgradig kriminellen Organisation durch unkonventionelle, illegale Methoden etwas entgegensetzen. Hier schufen die beiden Autoren mit Deniz, Sirpa und Rudolf noch weitere sehr interessante Charaktere.

Ich kenne schon sehr viele Krimis aus Schweden, aber „Die Fährte des Wolfes“ toppt sie alle, was Düsternis, Brutalität, entmenschte Grausamkeit, apokalyptisches Szenario und gesellschaftlicher Ohnmacht gegenüber der kriminellen Gewalt betrifft.
Mit Gesetzen der demokratischen Ordnung ist solchen Tätern m.M.n. nicht mehr beizukommen. Mir gingen während und nach der Lektüre viele Fragen durch den Kopf. Die wichtigsten: Wie will man in Zukunft solchen Organisationen entgegentreten? Möchte man wirklich der kriminellen Gewalt weiterhin nicht nur in Schweden, sondern in ganz Europa Tür und Tor offenhalten?
Wenn der Mensch zur Ware wird und das ist ja hier der Fall, dann kommt es zu solchen abartigen, äußerst perversen Taten. Die Verwerfungen in der Gesellschaft nehmen immer größere Ausmaße an. Die Banden sind inzwischen international vernetzt. Und Polizei, Staatsanwaltschaft...sind in ihren Regeln gefangen. Die Medien berichten um der Sensation willen. Das kommt im Buch wunderbar zum Ausdruck.
Monster, Ungeheuer...- eigentlich gibt es kein adäquates Wort für die skrupellosen Verbrecher. Sie sind so weit weg von menschlichem, zivilisierten Verhalten, dass es einfach unvorstellbar ist, wozu sie fähig sind.
Den Autoren gelang mit diesem Thriller eine beeindruckende Sozial- und Gesellschaftskritik. Bedenklich, dass ein Polizist, der selbst kriminell agiert, in der Lage ist, die Täter auszuschalten.

Von mir gibt es eine Lese-/Kaufempfehlung und fünf von fünf Sternen.

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69 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

schweden, tagebücher, schule, lehrer, rassismus

Der Fall Kallmann

Hakan Nesser
E-Buch Text: 576 Seiten
Erschienen bei btb Verlag, 30.10.2017
ISBN 9783641208172
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Rätselhafte Todesfälle werden im neuen Buch des Bestsellerautors Nesser angekündigt! Trotzdem ist es kein Krimi, wie man ihn vom Autor gewohnt sein mag. „Der Fall Kallmann“ kommt für mich als Roman mit kriminalistischen Elementen daher.
Roman, das steht auch so auf dem schön gestalteten, stimmigen Cover. Also, diese Bemerkungen im Vorfeld für alle diejenigen, die einen spannenden Kriminalroman erwarten. Das ist dieses Buch definitiv nicht!

Aus verschiedenen Blickwinkeln (manchmal zu ausschweifend), in der Ich-Perspektive, wird der Fall Kallmann erzählt. Wer war dieser Eugen Kallmann? Was macht ihn zum Fall? Was meinte er, wenn er vom ungesühnten, nie entdeckten Verbrechen sprach bzw. schrieb? Starb er wirklich eines natürlichen Todes? Oder wurde bei seinem Sturz im Deutschen Haus nachgeholfen? Sein Nachfolger als Lehrer an der Bergtunaschule in K., Leon Berger, nimmt sich seinem geheimnisvollen Nachlass in Form der Tagebücher an. Diese Niederschriften erzeugen erst einmal neue Fragen, zumal ein letztes, möglicherweise wesentlich zur Erhellung des Falles beitragendes Tagebuch, zu fehlen scheint. Der junge Witwer Berger bleibt hartnäckig, initiiert eine kleine Detektivgruppe mit Mathe- und Physiklehrer Igor Masslind und der Beratungslehrerin Ludmilla Kovacs. Gemeinsam wollen sie den Fall Kallmann lösen und rühren damit an ein unheilvolles Geschehen in der Vergangenheit...

Hakan Nesser versteht es mit seinen realen Schilderungen die Geschichte voranzutreiben, indem er seine Charaktere einfach agieren läßt. Das sind die 15jährige Schülerin Andrea Wester und ihre Mutter Ulrika sowie die bereits erwähnten drei Lehrer. Durch sie erfährt man von anderen Personen wie z. B. von Charlie Mattis, dem genialen Schüler, von Emma, der schwedisch/argentinischen Freundin von Andrea u. v. m.
Durch sie bekommt man Einblicke in die gesellschaftlichen Verhältnisse in Schweden, in den Schulalltag, in die Lebensumstände der Menschen in der Mitte der neunziger Jahre und in die Probleme mit Rassismus und jungen Neonazis. Konkret berichtet wird von 1995 und 1996 mit Rückblicken ab 1980 in insgesamt 57 Kapiteln auf 570 Textseiten. Es endet im Mai 2015. Die furchtbaren Geheimnisse werden entwirrt. Auf alle meine Fragen erhielt ich eine Antwort.

„Der Fall Kallmann“ konnte mich durch Sprachstil und Entwicklung der Geschichte trotz einiger Längen überzeugen.
Von mir bekommt dieser Roman 4 von 5 Sternen und eine Lese-/Kaufempfehlung!

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Tags: auflösung erst ganz zum schluss, nicht entdeckter fall, ungelöster fall   (3)
 

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

krieg, chor, singen, england, tagebuch

Der Frauenchor von Chilbury

Jennifer Ryan , Andrea O'Brien , Andrea Sawatzki , Elena Wilms
Audio CD
Erschienen bei Argon, 07.09.2017
ISBN 9783839815762
Genre: Romane

Rezension:

„Der Frauenchor von Chilbury“ ist mein erstes Hörbucherlebnis. Und ich muss sagen, ich finde es großartig! Den Sprecherinnen folge ich ausnahmslos gern. Sie lesen mit Ausdruck in der Stimme, modulieren an den m. M.n. richtigen Stellen und machen deutlich, wenn sie jemanden anderes sprechen lassen. Natürlich ist es etwas ungewohnt. Hält man ein Buch in den Händen, kann man gegebenenfalls schnell mal zurückblättern. Kleine Schwierigkeiten bereiteten mir zu Beginn die englischen Namen. Da kann es schon mal die eine oder andere Verwechslung geben. Doch das legte sich bald.

Die Geschichte beginnt am 24. März 1940 und endet am 06. September 1940. In diesem kurzen Zeitraum bewegen sich die Berichte der vier grundverschiedenen Frauen/Mädchen. Da sind die Briefe an die Schwester von der Hebamme Edwina Paltry, und die ebenfalls an die Freundin briefschreibende, 18jährige Venetia Winthrop. Ihre Schwester Kitty, 13 Jahre alt, vertraut ihre Geheimnisse dem Tagebuch an und die Krankenschwester Margret Tilling berichtet in ihrem Journal. Die vier Frauen sind abwechselnd zu hören und treiben so die vorwiegend dramatische Geschichte voran. Jede für sich tut das, um ihre Gedanken zu ordnen, sich über verschiedene Dinge klarzuwerden, Sorgen, Ängste und Bedenken loszuwerden, sich Mut zuzusprechen oder sich zu rechtfertigen.

Alles fängt an mit der Bekanntmachung, dass der Chor von Chilbury mangels Männerstimmen, nach dem letzten Auftritt für die Trauerfeier des ersten Kriegstoten, aufgelöst wird. Die Frauen nehmen die Sache beherzt in die Hand und lassen sich ihren Chor nicht nehmen. Wie durch eine besondere Fügung, trifft im Ort die Musikprofessorin Primrose Trent ein und läßt sich dort nieder. Bald trägt ihre intensive Probenarbeit mit dem Chor die ersten Früchte. Ein wichtiger Gesangswettbewerb konnte gewonnen werden. Die Frauen schöpfen Kraft und Zuversicht und finden zunehmend ihre „eigene Stimme“ in einer schweren Zeit.

Der titelgebende Frauenchor nimmt nur geringfügigen Raum ein in der Erzählung. Das man nur wenige gesungene Passagen (vom Frauenensemble Encantada) hört und darüber auch noch hinweggesprochen wird, ist für mich das einzige Manko an dem Hörbuch. Es reicht jedoch nicht für einen Sterneabzug!
Die handelnden Personen sind durchgängig interessante, aufschlussreiche Menschen und werden aus den unterschiedlichen Sichtweisen hervorragend charakterisiert. Da sind die beiden Schwestern Venetia (gesprochen von Monika Oschek) und Kitty (hervorragend: Jasna Fritzi Bauer), Mrs. Tilling (Elena Wilms) und Edwina Paltry (gewohnt ausdrucksstark: Andrea Sawatzki.) Weitere wichtige Charaktere sind der Vater der Schwestern, der hartherzige Brigadier Winthrop, die Lehrerin Hatty, der junge Mr. Slayter, der Untermieter von Mrs. Tilling, der Colonel, das jüdische Mädchen Sylvie, die herrische Mrs. B. u. v. m.
„Der Frauenchor von Chilbury“ ist eine lebendige, gefühlvolle Geschichte, der es an Spannung und Dramatik an nichts fehlt.

Es war für mich ein großartiges Erlebnis dieses wunderbare Buch zu hören und ich kann es mit bestem Gewissen weiterempfehlen.Ich vergebe fünf von fünf wohltönenden Sternen!

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213 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 114 Rezensionen

liebe, isabelle ronin, du bist mein feuer, wattpad, feuer

Du bist mein Feuer

Isabelle Ronin , Sabine Schilasky
Flexibler Einband: 752 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 09.10.2017
ISBN 9783956497728
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Als ich die Leseprobe von „Du bist mein Feuer“ gelesen habe, wollte ich dieses Buch unbedingt haben. Aber was muss ich nun nach der 619 Seiten umfassenden Lektüre sagen? Selten ist es mir so schwer gefallen eine objektive Rezension zu schreiben.
Der Roman mit dem schönen Cover, mit der herrlichen roten Blume auf schwarzem Grund, wird als „ Chasing Red Die wattpad-Sensation“ angekündigt. Doch das war es für mich auf keinen Fall.

Was an dieser Geschichte eine Sensation sein soll, das blieb mir verborgen. Selten hat mich ein Buch so genervt wie dieses. Ausnahmslos jedes Klischee wird hier bedient und ich war froh als ich schließlich am Ende angelangt war.

Worum geht es?
Kurz gesagt: Der wunderschöne, reiche Junge trifft unverhofft auf die arme, aber attraktive Waise. Sie verlieben sich fast augenblicklich unsterblich ineinander, was ihnen aber von einigen mißgönnt wird. Er war bis dahin als unbekümmerter, begehrter, verwöhnter Womanizer („die Campusschlampe“) überall bekannt. Ihm konnte kein Mädchen widerstehen. Er bekam sie alle und legte sie schnell wieder ab. Eine richtige Beziehung hatte er in seinem 23jährigen Leben noch nie gehabt.

Die Liebesgeschichte von Caleb und Red lebt von unzähligen Wiederholungen. Immer wieder werden Calebs so grüne Augen, sein herrlich bronzefarbenes Haar und sein toller Körper erwähnt. Die attraktive, schwarzhaarige Veronica (Red) hatte eine schlimme Kindheit, einen gewalttätigen Vater, und ausgerechnet in den heißesten, körperlich intensivsten Szenen mit ihrem Liebsten erinnert sie sich daran. Sie zieht sich von Caleb immer wieder zurück. Ein ewiges Hin und Her! Erst auf S. 437 kommt es dazu, dass sie miteinander schlafen.
Die ganze Story wirkte auf mich unausgegoren, unreif, teilweise an den Haaren herbeigezogen. Es kommen Textstellen und Dialoge vor, die wie Versatzstücke erscheinen, irgendwie nicht zueinander passend, so als hätte die Autorin in dem Moment nicht gewußt, wie es weitergehen soll.
Justin und vor allem Beatrice heißen die intriganten, widerwärtigen, boshaften Charaktere. Auch bei diesen beiden wird übermäßig übertrieben. Am Ende geht aber alles glücklich aus, wie im Märchen.

Insgesamt muss ich sagen, dass mich dieses Buch überhaupt nicht überzeugen konnte. Da ich nun weiß, was „wattpad“ bedeutet, werde ich darum einen Bogen machen.
Für mich war „Du bist mein Feuer“ ein total überzogenes Gemisch aus sinnlicher, aber leider nicht überspringender Erotik, aus einem Rührstück und aus viel Dramatik. Für mich leider Zeitverschwendung!

Ich vergebe dafür nur zwei von fünf Sternen!

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Tags: courths - mahler modern, moderne liebe?   (2)
 

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510 Bibliotheken, 18 Leser, 1 Gruppe, 159 Rezensionen

liebe, europa, reisen, reise, liebe findet uns

Liebe findet uns

J. P. Monninger , Andrea Fischer
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.07.2017
ISBN 9783548289557
Genre: Liebesromane

Rezension:

Als erstes wurde ich auf das Cover aufmerksam. Es gefiel mir sehr in seiner Schlichtheit und der zurückgenommenen Farbigkeit. Der Fokus liegt auf dem Paar im glitzernden, goldenen Sternenregen. Da ich das Buch als ebook las, konnte ich es leider nicht in Wirklichkeit betrachten.

In Kurzform zum Inhalt:
Drei amerikanische, junge, befreundete Frauen befinden sich nach ihrem Uniabschluss auf Europareise, auf den Spuren Hemingways – Heather, Amy und Constance. Im Zug von Paris nach Amsterdam lernt Heather den attraktiven Jack aus Vermont kennen, in den sie sich recht bald heftig verliebt. Ich gewann den Eindruck, das es auf Gegenseitigkeit beruhte.
Jack reist aufgrund des Tagebuchs seines Großvaters durch Europa. Dieser hatte nach dem Ende des zweiten Weltkrieges einige Orte in verschiedenen Ländern besucht.
Jack und Heather bleiben fortan mit einer kurzen Unterbrechung zusammen, wobei hier und da heftige Differenzen zwischen beiden entstehen. Doch im großen und ganzen erscheint mir die Beziehung zwischen ihnen recht harmonisch abzulaufen. Gemeinsam besuchten sie mehrere Orte in verschiedenen Ländern Europas, die der Großvater aufgesucht hatte, abseits des Mainstreams. Sie verbringen beide die schönste Zeit ihres junges Lebens miteinander. Bevor sie wieder in die Heimat fliegen, pflanzen sie gemeinsam ein kleines Bäumchen im Jardin du Luxembourg von Paris. Danach fahren sie einträchtig zum Flughafen als verliebtes Paar. Kurz vor dem Abflug verläßt Jack sein Mädchen unter einem Vorwand und kommt nicht wieder. Er ist und bleibt für sie unauffindbar. Warum auf diese Weise? Was ist sein Geheimnis?

Meine Meinung:
Was danach kommt im zweiten Teil ist für mich so nicht nachvollziehbar. Ich versetze mich in die junge Frau. Für sie muss das Erlebte im nachhinein wie ein böser Traum erschienen sein. Auch ich als Leserin suchte wie sie vergeblich nach Erklärungen. Obwohl am Ende seine Beweggründe zur Sprache kommen, überzeugen sie mich nicht. Die Verbindung zwischen Heather und Jack entwickelte sich im Verlauf der gemeinsamen Reise ja auf eine Weise, die auf echte Gefühle füreinander schließen ließen, und das in einer relativ kurzen Zeit. Auf der anderen Seite stellte Jack alles in Frage und wollte sich nicht festlegen lassen. Seine Philosophie des Lebens paßte irgendwie nicht zu der Auffassung Heathers. Sein gesamtes Verhalten blieb mir fremd und rätselhaft. Die ganze Geschichte wiederum wird nur aus der Perspektive Heathers beleuchtet. Mir fehlte die gesamte emotionale Ebene, die ihn betreffen. Seine Sichtweise konnte man nur erahnen, sie kommt nie zum Vorschein. Das abrupte Ende ihrer Lovestory wird nie thematisiert. War es ihm je Ernst mit Heather? Einfach so zu verschwinden, egal aus welcher Motivation heraus, ohne Spuren zu hinterlassen, das finde ich schon krass. Dass die junge Frau danach ihre Pläne weiterverfolgte, ihre Arbeit bei der Bank of America aufnahm, ist bewundernswert. Sie funktionierte, irgendwie.

Die Auflösung, warum Jack verschwand, erfolgt am Ende des Buches, wiederum auf Betreiben Heathers. Sie sucht in Europa nach ihm und findet ihn in Bulgarien. Die Geschichte endet für mich sehr unbefriedigend. Es ist ein seltsamer Abschluß unter merkwürdigen Umständen. Es bleiben viele Fragezeichen.
Eine Bemerkung von Jack gab mir zu denken:
„Man mußte das Leben geschehen lassen.“ Für Heather war es seine große Lektion an sie.

Fazit:
Die beiden Teile des Romans wirken wie nicht zueinander gehörig. Ich konnte irgendwie mit „Liebe findet uns“ nicht warm werden. Die Geschichte hatte Potential, was leider verschenkt wurde. Deshalb vergebe ich nur drei Sterne.


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Tags: europareise, gebrochenes herz   (2)
 

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25 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

brot, sachbuch, lecker, vielfalt, backen

Brot

Walter Mayer , Alexandra Klobouk
Fester Einband: 277 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.09.2017
ISBN 9783458177258
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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192 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 115 Rezensionen

thriller, dänemark, mord, geheimbund, geheimdienst

Oxen - Das erste Opfer

Jens Henrik Jensen , Friederike Buchinger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423261586
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In Dänemark ist die Oxen-Trilogie bereits komplett erschienen und der Verkauf verläuft äußerst erfolgreich. Im Mai diesen Jahres erhielt Jens Henrik Jensen den „Danish Crime Award“.

Der erste Teil der Trilogie setzte bei mir sofort die Phantasie frei für einen Titel meiner Rezension. Zum Beispiel fiel mir ganz spontan ein: „Es ist was faul im Staate Dänemark“, nach Hamlet oder „Die erhängten Hunde und ihre tote Herrchen“ oder „Der traumatisierte Kriegsheld, der Geheimdienst und der Geheimbund“.

Eigentlich wollte der Protagonist Niels Oxen, ein hochdekorierter, schwer traumatisierter Ex-Elitesoldat nur seine Ruhe vor der Welt haben. Mit seinem schönen, weißen Samojeden, seinem treuen Hund wollte er sich in den Wald verziehen. Er war die laute Umgebung und menschliche Gesellschaft nicht mehr gewohnt. In den Nächten wurde er zudem von seinen Dämonen heimgesucht, sieben an der Zahl. Manchmal kam nur einer oder zwei, aber es konnten auch alle auf einmal sein. Schuld waren die grausamen Kampfhandlungen, die furchtbaren Erlebnisse wie ethnische Säuberungen in den Kriegen auf dem Balkan oder in Afghanistan.
ABER: Auf dem Weg in den schützenden Wald war Oxen in mondheller Nacht zur falschen Zeit am falschen Ort. Er stolpert regelrecht gegen einen erhängten Hund und über einen angeschlagenen, bewußtlosen Wachmann auf dem Grundstück eines hochrangigen Ex-Diplomaten. Hans-Otto Corfitzen, so sein Name, wird bald darauf tot in seinem Schloss Nørlund aufgefunden. Oxen gerät ins Visier des Geheimdienstes PET und eine unvorstellbare, unglaubliche Handlung wird vom Autoren in Gang gesetzt. Ziemlich spannend und abenteuerlich verläuft das weitere Geschehen, aber für mich war es teilweise sehr mühsam zu lesen. Es wird viel Aufmerksamkeit verlangt, wenn man den roten Faden nicht verlieren will. Besonders der Danehof, dieser Geheimbund mit Wurzeln ins Mittelalter, bleibt bis zum Schluß mit vielen Fragezeichen versehen. Es bleibt offen, wer alles dazu gehört.
Wie mit Menschenleben verfahren wird, welche Maschinerie der Geheimdienst in Gang setzt, um hochrangige Menschen zu schützen, auch wenn sie kriminell werden oder sogar töten, das war für mich schwer verdauliche Lesekost. Dieser unsägliche Filz um Macht, dieser unfaßbare Machtmißbrauch! Der Klüngel funktioniert und natürlich spielt Geld auch keine Rolle.
Oxen geht am Ende in den Wald zurück nach seiner knapp überstandenen Mission gegen einen unsichtbar bleibenden Gegner. Als Trumpf hält er eine wichtige Liste zurück, die Namen enthalten und den Danehof betreffen. Das ist der absolute Cliffhanger. Ich bin sehr gespannt auf Teil 2 und Teil 3.

„Oxen – Das erste Opfer“ ist keine übliche Thriller-Kost. Es war für mich der vielversprechende Auftakt zu der Trilogie des dänischen Autors.

Mein Fazit:
Ein rasanter, dramatischer Thriller mit unterhaltsamen Charakteren und einem brisanten Handlungsablauf.
Ich vergebe fünf von fünf Sternen.

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Tags: danehof, geheimbund, geheimdienst, hochdekoriert, traumatisierter elitesoldat   (5)
 

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153 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 90 Rezensionen

liebe, unfall, weihnachten, abschiedsbrief, winter

Morgen ist es Liebe

Monika Maifeld
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.09.2017
ISBN 9783426654323
Genre: Liebesromane

Rezension:

Gleich vorweg: Der Debütroman von Monika Maiwald ließ sich trotz einiger Schwachstellen gut lesen. Ich habe mich nicht gelangweilt. Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch durch eine Leseprobe. Und die sprach mich wirklich sehr an. Das war mein erster Eindruck, den ich so niederschrieb:

„Die Nacht war kalt genug zum Sterben.“ Das ist der unheildrohende Einstieg zu „Morgen ist es Liebe“. Sterben, das will unbedingt ein junger Mann an einem kalten Wintertag im Dezember. Es ist Dr. Martin Hallberg, Rechtsanwalt von Beruf, mit einer gutgehenden Kanzlei. Er hatte alles geregelt für sein Ableben und machte sich bereit. Warum nur? Was ist ihm Schlimmes widerfahren? Man möchte ihm zurufen: „Halt ein, warte doch noch!“ Da kommt ihm das Schicksal in Gestalt der jungen und attraktiven Ärztin Alexandra Novak in die Quere. Sie verunglückt in ihrem Auto in den Weinbergen. Ganz in seiner Nähe. Er leistet sofort erste Hilfe und bevor das Rettungsfahrzeug eintrifft, ist Martin verschwunden und vergißt seinen Mantel mit dem Abschiedsbrief in der Tasche...

Wie ein verzweifelter, lebensmüder, junger Mann durch einen Zufall zum Lebensretter und dadurch abgehalten wird, sich sein eigenes Leben zu nehmen, das hat schon was. So dachte ich! Die Geschichte dehnte sich aber über 421 Seiten. Sie war vorhersehbar, aber in die Länge gezogen durch die vielen komischen, banalen, absurden Zwischenfälle. Weniger wäre mehr gewesen. Ein ums andere Mal überlegte ich mir, so führt sich doch niemand auf. Sowohl Alexandra, die promovierte Ärztin, als auch Martin, der Anwalt, verhielten sich nicht ihrem Alter und ihrem beruflichen Status entsprechend. Seine Bedenken, seine verwinkelten Überlegungen konnte ich oft nicht nachvollziehen und sie agierte hier und da wie eine verzogene Göre, wie ein Burgfräulein, wie eine Adlige aus einem vergangenen Zeitalter.
Ab und zu wirken die Dialoge zudem etwas hölzern, gestelzt, sehr umständlich, wie als wäre da im nachhinein noch versucht worden etwas passender zu machen. Die Grenze zum Kitsch wurde fast erreicht.
Ein warmherzig und liebenswerter Charakter gelang der Autorin mit Martha, der Mutter von Alexandra. Ihre Reaktionen und ihr Verhalten konnte ich meistens nachvollziehen. Aber auch sie wirkte manchmal wie „aus der Zeit gefallen“.
Die Handlung beginnt kurz vor Weihnachten und endet eine Woche nach Neujahr, genau gesagt vom 21. Dezember bis zum 8. Januar. Das Datum ist gleichzeitig die Überschrift jedes Kapitels.

Wer Herz/Schmerz/Geschichten mag ist bei „Morgen ist es Liebe“ gut aufgehoben. Winter- Weihnachtsstimmung dazu, ein kuscheliges Plätzchen auf dem Sofa. Dann paßt es!

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Tags: happy end, lebensretter, verhinderter selbstmord   (3)
 

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352 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 109 Rezensionen

okapi, tod, westerwald, liebe, mariana leky

Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 10.01.2018
ISBN 9783832198398
Genre: Romane

Rezension:

Auf dieses Buch habe ich mich sehr gern eingelassen, obwohl es mir anfangs irgendwie abwegig vorkam, dass eine ältere Frau im Westerwald ausgerechnet von einem Okapi träumt. Aber gerade aus dieser Konstellation bezieht die Autorin den Fortgang der Geschichte. So abstrus es mir anfänglich erschien, so selbstverständlich trug mich der Okapi-Traum-Mythos durch den ganzen Roman. Ich lernte die einzigartigen Charaktere des Dorfes kennen, z. B. ihren besonderen Umgang mit der Vorsehung, mit der Möglichkeit nach Selmas Traum nur noch 24 Stunden am Leben zu sein. In kürzester Zeit waren sie mir vertraut, der schrullige Optiker (der erst im dritten Teil einen Namen bekommt), die skurrile, abergläubische Elsbeth, die traurige Marlis, die eigentlich nur ständig schlecht gelaunt ist, und viele andere mehr. Verschrobene Charaktere sind das, wie man sie nur selten in so einer Ansammlung in einem Roman wiederfindet.
Die Autorin schafft eine greifbare und dichte Atmosphäre mit ihren besonderen Personen. Ich wollte einfach immer nur weiterlesen und wissen, wie es weitergeht.

Aus der Ich –Perspektive berichtet Luise von ihrer Welt, von ihrem Kosmos, der im wesentlichen aus dem kleinen Dorf im Westerwald besteht. Die Erzählung beginnt aus ihrer Sicht im Alter von 10 Jahren und endet mit Anfang 30. Der Roman ist in drei Teile gegliedert und die Kapitel haben kurze, prägnante Überschriften. Die Großmutter Selma ist für Luise der Dreh- und Angelpunkt das ganze Leben lang. Sie ist eine Erscheinung, die man sich sofort vorstellen kann, da sie Rudi Carrell ähnlich sehen soll. Selma philosophiert, reflektiert, hat scheinbar alles im Griff. Für mich stellt sie den Mittelpunkt im Roman dar.
Die kleine Gemeinde im Westerwald ist ein Abbild dessen, was uns umgibt. Das Große im Kleinen und umgekehrt!

Mariana Leky überhöht mit der Darstellung ihrer Charaktere durch deren Skurrilität, durch ihre Eigenarten. Mir brachte sie dadurch die Personen nahe. Es gab einige Sätze, die mich besonders anrührten.
S. 52 „Ich beschloss, Martin später zu heiraten, weil ich fand der Richtige sei der, der einem das Hinsehen erspart, wenn die Welt ihren Lauf nimmt.“ (Luise als 10 jährige)
S. 235 „Wer ein Fledermausherz isst, dem tut nichts mehr weh.“ (die abergläubische Elsbeth zur verliebten Luise, um ihr zu helfen)
S. 272 „Danke, dass du mir am Ende so viele Anfänge bringst, ...und danke, dass du es mir das ganze Leben lang nicht gesagt hast.“ (Selma zum Optiker, der ihr seine unzähligen, angefangenen Liebesbriefe ans Sterbebett bringt)

Das Ende war für mich zunächst mit vielen Fragezeichen behaftet. Doch nach längerem Überlegen kam es mir dann plausibel vor. Luise wollte in die weite Welt hinaus, weil ihr das Umfeld zu klein und zu eng geworden war. Ihre Großmutter lebte nicht mehr und zwischen ihr und Frederik war durch die Masse an Briefen in all den Jahren alles gesagt. Ein offener Schluß!
Eine wirklich schön und wortgewandt erzählte Geschichte, die mir im Ergebnis sehr vertraut vorkam. Sie ist voller Metaphern, Gleichnissen und philosophischer Gedanken.

Für mich ein weiteres Lesehighlight 2017! Meine 100%ige Lese- und Kaufempfehlung!


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Tags: der westerwald, die weite welt, eine wunderschön erzählte geschichte, lesehighlight 2017, voller metaphern   (5)
 

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152 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 86 Rezensionen

bodensee, vertreibung, brigitte riebe, sudetenland, flüchtlinge

Marlenes Geheimnis

Brigitte Riebe
Fester Einband
Erschienen bei Diana, 11.09.2017
ISBN 9783453292055
Genre: Historische Romane

Rezension:

Drei Frauen, drei Generationen und ein Geflecht aus Lügen. Ein bewegender Roman über ein Familienschicksal vor der reizvollen Kulisse des Bodensees. So wird das Buch vom Verlag Diana angekündigt.
Was für eine wunderbar geschriebene Geschichte! Sofort war ich mittendrin im Geschehen. Das ist ein packendes Familienschicksal über drei Generationen, beginnend mit den Kriegsjahren im Sudetenland und den Folgen der Vertreibung. Das Thema hatte mich sofort im Griff. Ich konnte mich dem warmherzigen Schreibstil nicht entziehen.
Die Autorin Brigitte Riebe, der ersten Nachkriegsgeneration zugehörig, schrieb stellvertretend für die unsagbar vielen Betroffenen die gefährliche Zeit der Flucht und die Lebensgeschichte der fiktiven Eva Menzel auf.
Die Erzählung erfolgt auf zwei Ebenen, einmal in der Gegenwart um die Enkelin Christiane, genannt Nane, und zum anderen in der Vergangenheit um Eva. Die beiden Ebenen sind gleich intensiv und es ist sehr wichtig - (so finde ich) - auch "zwischen den Zeilen zu lesen". Der geschickte Wechsel zwischen den Zeiten erfolgt zum Ende der Kapitel jeweils auf dem höchsten Level der Spannung.
Eva, die deutsche Apothekerstochter aus dem nordböhmischen Reichenberg (jetzt: Liberec) führte ein sorgloses Leben in einem liebevollen, wohlsituierten Elternhaus. Das junge Mädchen lernte einen Beruf, ging zur Arbeit, hatte Hobbys, verliebte sich in einen jungen Tschechen. Scheinbar alles ganz normal, sollte man meinen. Durch die Kriegsjahre mussten alle Menschen Abstriche in ihrer Lebensführung hinnehmen. Jedoch ganz schlimm wurde es 1942 nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich, mit den furchtbaren Vergeltungsmaßnahmen und der Auslöschung des Dorfes Lidice. Das Verhalten und der Umgang zwischen der deutschen und tschechischen Bevölkerung veränderte sich radikal. Die vorherige scheinbare Normalität wandelte sich in die negativsten Erscheinungsformen, Hassgefühle, Verachtung, Demütigung, Geringschätzung bis hin zu Gewalt und Mord. Das Unheil bricht massiv über die deutsche Bevölkerung herein, was schließlich in der Vertreibung gipfelt... Die bedauernswerten Menschen! Die armen Kinderseelen! Wie tief sich die Ereignisse ins Bewußtsein/Unterbewußtsein graben hat die Autorin bei Marlene, der Tante von Nane, ergreifend beschrieben. Allerdings spreche ich den Leser hiermit direkt an, sich bestimmte Dinge vorzustellen. Alles kann man nicht schreiben.
Angenehm fiel mir auf, dass die Autorin nie den symbolischen Zeigefinger erhebt, sie läßt die Situationen und die Menschen und ihr Verhalten für sich sprechen.
Die Hauptpersonen Eva, Marlene, Viktoria, Christiane (Nane) sind ganz unterschiedliche, aber starke Persönlichkeiten. Doch auch die anderen Personen im Roman fallen auf durch jeweils lebhafte, bildliche Charakterisierung. Ich konnte sie mir gut vorstellen. Es wird keine Schwarz/Weiß-Malerei betrieben. Die Kraft der Worte weiß Brigitte Riebe in außergewöhnlicher Weise einzusetzen, ohne in Sentimentalität oder Rührseligkeit abzugleiten.
„Marlenes Geheimnis“ ist für mich ein zeitgeschichtlich wichtiges Werk über eine brisante Zeit und realistischer Geschichtsunterricht. Die finsterste deutsche Geschichte wurde in einen ausnehmend gut und unterhaltend erzählten Roman gepackt.
Ich verstehe dieses Buch als Mahnung an uns Nachgeborene. Das Wissen um die Vorgänge in der Zeit des Deutschen Reiches muss wach gehalten werden. So etwas darf niemals wieder passieren. Ich möchte Bertolt Brecht zitieren:
„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Das Ende des Buches ist auch ganz großartig, so voller Optimismus und Zuversicht und im harmonischen Einklang mit den Auberlin-Frauen und der Bentele-Familie. Einfach wunderschön. Sehr freue ich mich auf baldigen neuen Lesegenuß von Brigitte Riebe.
Ich vergebe sehr gern fünf von fünf Lesesternen und meine Lese-/Kaufempfehlung!

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Tags: brigitte riebe, flucht aus nordböhmen, lidice, schlimme zeiten, starke frauen, wichtiges zeitdokument   (6)
 

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56 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

norwegen, krimi, missbrauch, serie, gebetshäuser

Das Mädchen, das schwieg

Trude Teige , Gabriele Haefs , Andreas Brunstermann
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.07.2017
ISBN 9783746632919
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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97 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 65 Rezensionen

krimi, norwegen, frankreich, mord, munch

Kreuzschnitt

Øistein Borge , Andreas Brunstermann
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.09.2017
ISBN 9783426306048
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Buch von Øistein Borge wird als die Krimi-Entdeckung aus Skandinavien beworben. Ich kann dem nur voll und ganz zustimmen. Ja, „Kreuzschnitt“ ist ein spannender norwegischer Krimi, dessen Handlung zum größten Teil in Südfrankreich an der Côte d´Azur spielt.

Es beginnt dramatisch mit dem Prolog – in nur wenig kursiv geschriebenen Zeilen - , die das Leben des Osloer Kriminalisten Bogart Bull vollkommen auf den Kopf stellen. Von jetzt auf gleich verliert er durch einen durchgeknallten Verbrechertypen, der sich erbarmungslos an ihm rächen will, seine Frau Frida und seine Tochter Anine. Darüber büßt Bogart seinen Halt, seinen Lebenswillen ein und wird zum Alkoholiker. Er fällt in ein tiefes Loch, aus dem ihm der Vater und eine kluge, fähige Chefin wieder heraushelfen. Eva Heiberg bietet dem verzweifelten Mann eine neue berufliche Perspektive bei Europol. In enger Zusammenarbeit mit der französischen Polizei fängt Bogart an, den erbarmungslosen Mord an dem superreichen Norweger Axel Krogh zu untersuchen.

In 35 Kapiteln verbindet Øistein Borge Zeitebenen, Handlungsstränge, Personen, bei denen ich mir die Frage stellte, wie soll das alles jemals in eine Geschichte, in ein Ergebnis münden? Doch der Autor schreibt das so fesselnd, dass ich die Seiten regelrecht verschlungen habe.
Es sind vier Zeiten, die beschrieben werden: 1906, 1918, 1943 und 2014. Vollkommen unerwartet wird der Leser plötzlich aus der Gegenwart zurückversetzt in eine andere Zeitebene. Es ist das Jahr 1906 und wir treffen auf berühmte Malerpersönlichkeiten wie Henri Matisse, Edvard Munch, Kees van Dongen, André Derain, Georges Rouault und Othon Friesz. Sie gelten heute zu den Malern des Fauvismus, der klassischen Moderne. Nur der
Jüngste unter ihnen, Santiago Gaillard, ist fiktiv. Sie kommen aus einer Laune heraus überein, dass jeder ein kleines Dämonenbild malt und diese sieben Originale zusammen bei Santiago verbleiben. So weit, so gut.
Im Jahre 1943 schließlich befinden wir uns mitten im Krieg, in der Zeit des französischen Widerstandes gegen die Deutschen. Blutige Kapitel voller Grausamkeit, Brutalität und schändlicher Verbrechen. Nichts für zartbesaitete Gemüter! Doch Borge berichtet von der Realität. Wiederum Zahnräder im Fortgang des Geschehens sind Santiago Gaillard, einer der vielen Maquisards und sein Sohn gleichen Namens, aber Tigo genannt, ein Junge noch. Die Zeiträume wechseln ständig und mit Bull und dem französischen Kommissar Moulin ist man mittendrin, aber trotzdem steigt man nicht dahinter. Spuren führen ins Leere oder in die Irre. Die Schauplätze wechseln, doch auch, wenn man eins und eins zusammenzählt, die Fälle wollen erst einmal nicht zusammenpassen.

Mein Fazit:
„Kreuzschnitt“ ist für mich kein x-beliebiger 0815-Krimi, sondern bekommt von mir das Prädikat: „besonders wertvoll“.
Die dynamische Handlung mit bewegenden und schrecklichen Momenten ist durch überraschende Wendungen gekennzeichnet. Die Charaktere finde ich meisterhaft und vor allem realistisch dargestellt. Ich konnte sie mir uneingeschränkt vorstellen. Kommissar Bull ist zwar vom Schicksal arg gebeutelt, aber wie er sowohl mit den französischen Kollegen als auch ansonsten mit den Menschen umgeht, gefällt mir sehr. Eine Fortsetzung mit ihm wünsche ich mir, Herr Borge!
Das Cover paßt, hat aber mit der modernistischen Villa des Axel Krogh (ausgeführt durch den norwegischen Architekten Sverre Fehn) nichts gemein.

Ich vergebe fünf von fünf Sternen und meine unbedingte Lese/Kaufempfehlung!

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Tags: bestialische grausamkeiten, entmenschte kreaturen, kein 0815-krimi   (3)
 

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krimi, mord, gina, münchen, dühnfort

Sieh nichts Böses

Inge Löhnig
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 16.06.2017
ISBN 9783843715362
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Sieh nichts Böses“ ist schon Band 8 der Reihe um Kommissar Konstantin Dühnfort (Toni) und seiner Partnerin Gina Angelucci. Mir machte das nichts aus, obwohl es für mich der erste Krimi von Inge Löhnig war. Ich hätte es auch nicht bemerkt, denn die Story brauchte keine Vorgeschichte.

Toni kam mit seiner Gina gerade von der Hochzeitsreise aus Venedig zurück und schon wurde er zu einem neuen Fall gerufen. Ausgerechnet bei der jährlichen Überprüfung der Polizeispürhunde findet die Border-Collie-Hündin Ronja eine echte Leiche. In der Nähe der Toten liegt eine kleine Messingskulptur, ein Affe, der mit beiden Armen den Unterleib bedeckt. Das hat die Bedeutung „Tu nichts Böses!“, „Habe keinen Spaß!“, „Habe keinen Sex!“ Es ist Shirazu, die eher unbekannte vierte Figur der drei weisen Affen (nichts sehen, nichts hören, nichts sagen oder Mizaru, Kikazaru, Iwazaru.)
Neben der Haupthandlung, die Ermittlungen zum Mord an der jungen Veronika Lindenthal, gibt es mehrere Nebenhandlungen, die durch die Autorin ganz geschickt ineinander verflochten werden. Solche Geschichten liebe ich, denn man ist versucht, ständig mit zu ermitteln und Verbindungen zu suchen. Die vielen Erzählstränge vereinigen sich schließlich zu einem sinnvollen Ganzen.
Inge Löhnig gelang es hervorragend mit diesem Krimi brisante Probleme zu thematisieren, die körperliche und verbale Gewalt in der Familie, die autoritäre Macht in der Partnerschaft. Da ist zum einen die brutale Kindheit des Jasper Seyboth und seiner beiden Geschwister, der andauernd grundlos gereizte, prügelnde Vater und die devote, unterwürfige Mutter, die stets wegschaut. Auf der anderen Seite das Elternhaus der ermordeten Veronika. Die beschriebene, fassunglos machende Emotions- und Lieblosigkeit ihrer Eltern war mehr als erschreckend. Was gibt es nur für Scheusale in Menschengestalt? Und dann noch in gehobenen Verhältnissen, also dort, wo man es überhaupt nicht vermutet. Der Autorin gelangen mit diesem Krimi eindrucksvolle Milieustudien, tragische Einblicke hinter die etablierten Fassaden bürgerlicher Idylle.

Mit „Sieh nichts Böses“ schrieb die Autorin einen ergreifenden, unterhaltsamen Krimi, in dem auch das Privatleben von Dühnfort und Gina nicht zu kurz kommt. Dühnfort ist ein sympathischer Kommissar mit einer großen Leidenschaft für Espresso.
Sie scheinen ein normales Ehepaar zu sein mit ihren alltäglichen Sorgen. Im vorliegenden Fall haben sie allerdings eine besondere, nicht so alltägliche, private Entscheidung zu treffen. Gina ist schwanger und das Kind hat das Down-Syndrom. Wie wird sich das Paar entscheiden?

Mir hat Inge Löhnigs angenehmer, unterhaltsamer, ruhiger Schreibstil sehr gefallen. Sie ist nicht auf Action und auf Beschreibungen von blutigen, grausamen Details aus.
Der 8. Fall war für mich der erste. Daher habe ich keinen Vergleich, aber die Gewähr, dass die sieben vorherigen Fälle sicher auch gut zu lesen sein werden.
Ich kann den Krimi nur empfehlen und vergebe fünf von fünf Sternen.


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Tags: der achte fall, dühnfort privat, unter deutschen dächern   (3)
 

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island, thriller, mord, missbrauch, sog

SOG

Yrsa Sigurdardottir , Tina Flecken
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei btb, 18.09.2017
ISBN 9783442756643
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Von Yrsa Sigurdardóttir las ich bereits den außerordentlich fesselnden Thriller „DNA“. Genau wie dieser blieb auch „SOG“ spannend bis zum letzten Kapitel, bis zur letzten Seite! Beide Bände sind in sich abgeschlossene Fälle und können unabhängig voneinander gelesen werden. Über die gesamten 444 Seiten faszinierte mich die Autorin mit ihrer bildhaften Sprache. Sie bringt Vergleiche, die man gut nachvollziehen kann. Typisch bei ihr ist der mehrgliedrige Erzählstrang, der von Kapitel zu Kapitel wechselt. Wiederum fielen mir die ausgefallenen, grausamen Tötungsmethoden auf, wie schon beim Vorgängerband. Trotzdem verliert sich Yrsa nicht in grausame Details. Sie findet andere Möglichkeiten die perversen Umstände der Taten zu beschreiben. Vorausgesetzt, dass das Kopfkino funktioniert!

Handlung:
Es ist September im Jahr 2004, in Island. Vaka Orradóttir wartet frierend im Schatten des Schulhofes auf ihren Vater, der sie mit dem Auto abholen wollte. Es war für das achtjährige Mädchen der erste Tag in der neuen Schule. Da der Vater nicht kommt, sie kein Geld zum telefonieren hat, geht sie mit einem schüchternen, schlecht gekleideten Mädchen aus ihrer Klasse in ihr desolates, düsteres Wohnhaus. Der Prolog endet mit der Vermißtenmeldung Vakas. Was ist mit ihr passiert? Warum wird sie vermißt?
12 Jahre später – 2016 – bei der Kripo Reykjavik:
Huldar, der Kommissar, der in Ungnade gefallen ist, befasst sich mit Schulaufsätzen, die in einer Art Zeitkapsel aufbewahrt wurden. Es ist eine eher nebensächliche Beschäftigung für ihn. Neuntklässler sollten zehn Jahre zuvor das Island des Jahres 2016 beschreiben. Zukunftsvisionen junger Menschen! Einer der Schüler sagte Morde voraus und benennt die Initialen der Betroffenen. Huldar will den inzwischen jungen Mann finden und erhofft sich die Hilfe von Freya, die im Kinderhaus arbeitet. Er möchte von ihr, der Psychologin, professionellen Rat. Doch die Beiden haben ein zwiespältiges Verhältnis zueinander nach einem gründlich mißlungenen Date. Werden sich Kommissar und Psychologin wieder zusammenraufen und an einem Strang ziehen?
Dann wird Huldar von seiner Chefin Erla noch zu einem anderen Fall hinzugezogen, in dessen Verlauf zwei abgetrennte Hände gefunden werden. Wo ist der dazugehörige Körper?

Fazit:
Diese drei Handlungsstränge zusammengenommen ergaben für mich erst einmal überhaupt keinen Sinn. Genauso erging es den Ermittlern. Dazu kommt: Akten sind verschwunden, Dateien wie in Luft aufgelöst, Leute, die befragt werden leiden an Gedächtnisverlust. Zu Beginn läßt wirklich Sisyphos grüßen. Es ist kein roter Faden zu erkennen. Der Titel „Sog“ ist gut gewählt. Immer mehr fühlte ich mich ins Geschehen hineingezogen.
Die privaten Querelen des sympathischen, leicht neben der Kappe stehenden Huldar mit der zu zögerlichen, nachdenklichen Freya lockern die Abläufe um die kriminalistische Ermittlungsarbeit auf.

Die Auflösung der Geschichte ist in höchstem Maße unfassbar, macht betroffen und nachdenklich. Ich empfand den Thriller als gesellschafts- und sozialkritisch. Eine beispiellose Verkettung von selbstherrlichem Amtsmißbrauch, gepaart mit gravierenden Versäumnissen in öffentlichen, sozialen Bereichen, mit ignoranter Verantwortungslosigkeit, Karrierismus und arroganter Überheblichkeit führte letztendlich zur Katastrophe. Ich kann Huldars Ausraster am Ende des Buches verstehen und hoffe, dass er dafür nicht wieder büßen muss. Auf das nächste Buch von Islands erfolgreichster Krimiautorin freue ich mich.

Für einen hervorragenden Thriller vergebe ich fünf von fünf Sternen und die Lese- sowie Kaufempfehlung.

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Tags: huldar und freya, mißbrauch, sog   (3)
 
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