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Die Charité: Hoffnung und Schicksal

Ulrike Schweikert
E-Buch Text
Erschienen bei Rowohlt E-Book, 26.06.2018
ISBN 9783644404236
Genre: Historische Romane

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91 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 60 Rezensionen

berlin, beziehungsstress, ego, empfehlung, gesellschaft, gesellschaftskritik, hashtag, intrigen, kritik, leserunde, michael nast, paperback, partys, roman, schickimicki

#EGOLAND

Michael Nast
Geheftet: 432 Seiten
Erschienen bei Edel Books - Ein Verlag der Edel Germany GmbH, 06.04.2018
ISBN 9783841905963
Genre: Romane

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133 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 67 Rezensionen

astronaut, demenz, familie, freundschaft, hoffnung, major tom, marsmission, menschen, misanthropismus, raumfahrt, reise zum mars, buecherseele79, gefühlvoll, dement, zum weinen, zum lachen, zum nachdenken, alter, verantwortung, hoffnung, all, allein sei,

Miss Gladys und ihr Astronaut

David M. Barnett , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 28.05.2018
ISBN 9783548289540
Genre: Romane

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75 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 62 Rezensionen

holland, kinder, korten, kuckuckskind, lüge, lynn von raaben, missbrauch, mord, rache, thriller, unfall, unrecht, vergangenheit, vergeltung, wut

Gleis der Vergeltung

Astrid Korten
Flexibler Einband: 309 Seiten
Erschienen bei Independently published, 20.05.2018
ISBN 9781982949457
Genre: Sonstiges

Rezension:

Was für ein entsetzliches Szenario schon zum Beginn des Buches. Das war ein furioser Start in die Geschichte! Der Bräutigam ist mit seinem Motorroller auf dem Weg zu seiner Braut. In Gedanken und voller Vorfreude ist er schon bei ihr. Aber er weiß auch, dass er mitnichten der Traumschwiegersohn ist. Die Familie seiner Braut mag ihn nicht. Sie sind voller Dünkel. Keine guten Voraussetzungen. Lynn wird am Tag der Hochzeit vergeblich warten. Er kommt nicht. Benedikt verunglückt tödlich.
Sieben Jahre später bekommt die sehr zurückgezogen lebende und noch immer in Trauer gefangene Lynn-Elisabeth von Raaben die Nachricht, dass es kein Unfall, sondern Mord war. Sie wird durch Hinterlist und Tücke zu einem niederträchtigen Rachefeldzug verleitet, den sie ohne moralische Bedenken zunächst mitträgt und lange Zeit nicht hinterfragt...

Diese Geschichte wurde von Astrid Korten nach einer wahren Begebenheit geschrieben und wie sie das tut, sucht seinesgleichen. Sie hat einen aufwühlenden, fesselnden Schreibstil, der in seiner scheinbaren unterkühlten Distanziertheit eine Wirkung erzielte, die mich emotional tief berührte. Durch den ständigen Wechsel der handelnden Personen in kurzen Kapiteln und dem kursiv geschriebenen Text, der mit „Sie“ betitelt wird, erzeugt die Autorin eine besondere, oft beklemmend wirkende Dramaturgie. „Sie“ nehmen erst zum Ende hin Gestalt an. Die beteiligten Personen und ihre Rolle im Geschehen ließen mich bis fast zum Schluss des Buches rätseln, manchmal schier verzweifeln. Ich ahnte und vermutete und lag dann doch wieder falsch. Diese Rachegelüste, diese Widersprüche, diese Lügen, die Abgebrühtheit, die Eiseskälte, die Gefühllosigkeit, der Haß, die Wut und so vieles mehr! Alles wird in den Handlungssträngen, die scheinbar zunächst nichts miteinander zu tun haben, sehr geschickt eingefädelt und miteinander verwoben. Also, nichts ist so, wie es scheint! Zusätzliche Verwirrung stifteten bei mir die Zeitsprünge. Die Handlung wird von 1965 bis 2017 geführt. Das ist eine große Zeitspanne von über fünf Jahrzehnten. Es wird eine grenzenlose Spannung aufgebaut, die am Ende in einer unfaßbaren, unbegreiflichen Wahrheit eskaliert. Ich hatte Gänsehaut vor Entsetzen.

Noch nie hat mich ein Psychothriller nur ansatzweise so ergriffen wie dieser. Mich erschütterte das Gelesene zutiefst und ich bedanke mich bei Astrid Korten, dass sie dem Thema Kindesmißbrauch mit einer neuen Facette Gehör verschafft. Mit diesen hier im Buch hervorragend herausgearbeiteten Aspekten und Fakten gibt sie dem Verbrechen eine neue Dimension, die den meisten Menschen (ich schließe mich mit ein) so noch nie bewußt geworden ist.
Ich empfehle „Gleis der Vergeltung“ mit der brisanten Thematik und wünsche dem Buch, dass es viele Leser erreicht. Von mir gibt es die Höchstbewertung. Fünf von fünf Sternen!

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8 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

kinderbuch, kobold, spannend, witzig

Alles Murks!

Usch Luhn , Susanne Göhlich
Fester Einband
Erschienen bei Coppenrath, 16.01.2018
ISBN 9783649619864
Genre: Kinderbuch

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51 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

alltagsproblematik, anpassung, atmosphärisch, dumont verlag, entwurzelung, familie, familiengeschichte, familiensaga, flucht, hala alyan, heimat, leben, lebendig, literatur, palästina

Häuser aus Sand

Hala Alyan , Michaela Grabinger
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.06.2018
ISBN 9783832198558
Genre: Romane

Rezension:

„Häuser aus Sand“ von der palästinensich-amerikanischen Autorin Hala Alyan beschreibt die Generationen der Familie Jakoub. Ein um das andere Mal müssen sie ihre Häuser verlassen und fliehen. Jaffa, Nablus, Kuwait-Stadt, Amman, Beirut sind ihre Lebensstationen bis die jüngste Generation auch in Europa und Amerika ansässig wird. Der zeitliche Rahmen umfasst eine Spanne von 1963 bis 2014.
Klappentext:
Vor Jahren schon musste Salma ihre geliebte Heimat Jaffa verlassen. In Nablus hat sie mit ihrem Mann und ihren Kindern einen neuen Platz gefunden. Doch das Haus bleibt ihr stets fremd. Allein den Garten kann sie zu ihrem eigenen Reich machen, und unter ihren Händen wird er zu einem farbenfrohen Paradies. Ihre Tochter Alia dagegen fühlt sich mit dem Haus und Nablus so verbunden, wie Salma es mit Jaffa war. Doch der Kaffeesatz sagt auch Alia ein unruhiges und schwieriges Leben voraus. Salma verschweigt diesen Teil der Vorahnung und muss erleben, wie ihr Sohn ihr im Sechstagekrieg genommen wird und ihre Tochter nach Kuwait flieht. Alia hasst ihr neues, beengtes Leben und durchlebt, so wie ihre Mutter, nicht nur dieselbe Sehnsucht nach der Heimat, sondern auch den Widerstand ihrer Kinder gegen ihr Festhalten an den alten Regeln. Zwanzig Jahre später verlieren Alia und ihre Familie erneut ihr Zuhause und retten sich in alle Himmelsrichtungen: nach Boston, Paris, Beirut. Wieder einmal wird ihre Geschichte von anderen bestimmt und geschrieben. Erst als Alias Kinder in der Fremde auf einen Ort hoffen, der ihnen für immer bleibt, begreifen sie, dass die Überzeugungen ihrer Mutter deren einziger Halt in einer sich ständig ändernden Welt sind.
Meine Meinung:
Meine Vorstellungen und Erwartungen von diesem Buch waren andere. Ich wollte gern verstehen, warum die Menschen vertrieben werden, warum sie flüchten müssen. „Häuser aus Sand“ war weitgehend ein Bericht über den Werdegang der Familie Jakoub, von der nur Salma jemals in Palästina lebte.
Die ersten Seiten mit Salmas Lesen aus dem Kaffeesatz fand ich ja noch ganz amüsant, aber bald darauf hatte ich die Lust am Buch verloren. Der ständige Personen- und Ortswechsel über 50 Jahre in verschiedenen Ländern und auch Kontinenten konnte mich nicht fesseln. Vor allem die weiblichen Personen erschienen mir austauschbar. Die Jakoubs leben in einer abgehobenen Welt. Sie haben keinen Zugang zum normalen Leben der Palästinenser, die in ärmlichen Verhältnissen oder in Lagern leben müssen.
S. 21 „Parallelexistenzen, denkt Salma manchmal. Die eine isst zum Abendessen Lamm, die andere Gurken, und wer die eine, wer die andere ist, entscheidet das Schicksal aufs Geratewohl.“
Einige der Hauptpersonen erscheinen mir wie aus der Zeit gefallen und Alia, die Vertreterin der zweiten Generation der Palästinenser auf der Flucht, bezeichnet u. a. Länder wie Frankreich oder Amerika als „Hurenländer“. Akzeptanz, Toleranz für andere Lebensweisen? Wie stehts damit? Die Jakoubs leiden nie materielle Not. Sie sind reich. Viele Frauen leben in ihren traditionellen Rollen, bleiben dort verhaftet, die Welt dreht sich um die Kinder, ums Aussehen, die Mode, um die Wohnungsausstattung. Für die Hausarbeit allerdings gibt es Bedienstete, die z. B. aus Indien kommen und ihre Familie nur aller zwei Jahre sehen. Mir erschien das wie Stillstand, gepflegte Langeweile, Tristesse. Die Sichtweisen sind oberflächlich und rückwärts gewandt, nicht zielführend. Es ist nur die logische Konsequenz, dass die Kinder ausbrechen und ihre Zukunft im Westen sehen...
Die politischen Konflikte im Nahen Osten werden kaum thematisiert oder so erwähnt, dass ich sie googeln musste (Sechstagekrieg, Invasion in Kuwait...). Dann störten mich die vielen fremden Wörter im gesamten Buch. Sie werden zwar im Anhang erklärt, aber mich brachten sie immer wieder zusätzlich aus dem Konzept. Weiterhin erschloß sich mir der Sinn nicht, warum der Originaltitel „Salt Houses“ nicht beibehalten wurde, zumal im Text, wenn auch fast zum Schluß Bezug darauf genommen wird.
Ich kann diesem Buch nur drei von fünf Sternen geben.

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101 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 70 Rezensionen

busfahrer, italien, krankheit, krebs, liebe, linienbus, meer, mut, österreich, reise, rene freund, roadtrip, road trip, schulbus, tod

Ans Meer

René Freund
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 14.05.2018
ISBN 9783552063631
Genre: Romane

Rezension:

René Freund erzählt eine alltägliche Begebenheit aus einem kleinen österreichischen Städtchen. Anton Schwenk, der Linienbusfahrer befindet sich auf seiner täglichen Tour und es ist für ihn kein so guter Tag.
Schon nach den ersten Zeilen war ich mittendrin im Geschehen und fühlte mich als Passagier in Antons gelben, alten, klapprigen Bus. Anton ist mir sofort ans Herz gewachsen. Ein Mann wie ein Bär („Bärli“), aber unbeholfen, wenn es um Herzensdinge geht. Er hat gern alles unter Kontrolle, die er aber bei seiner Nachbarin Doris so gern verlieren möchte.
Als Linienbusfahrer trägt er große Verantwortung. Jedoch die Realität hatte seine Liebe zum ehemaligen Traumberuf aufgefressen. Ein Tag war inzwischen wie der andere und er hat viel Zeit zum Nachdenken. Es kommt bei ihm nach und nach viel Frust auf, die ständigen Kontrollanrufe der Mutter, der hustende Mann auf dem Balkon seiner Liebsten, die infame Beschuldigung der Körperverletzung eines Schülers und die zeitnahe Vorladung bei seinem Arbeitgeber deswegen. Das führt dazu, dass er alles auf eine Karte setzt. Er erfüllt der todkranken Carla ihren Wunsch nochmal ihre italienische Heimat, die Lieblingsstätte ihrer Kindheit, die Bucht, das Meer zu sehen. Spontan fragt er die verbliebenen Fahrgäste: „Wer hat Lust, ans Meer zu fahren?“ und funktioniert kurzerhand seinen Linienbus zum Reisebus um. Sofort geht es los mit der Reise, die mit unvorhergesehenen Hindernissen aufwartet...

Sämtliche Charaktere wurden wunderbar herausgearbeitet. Der sympathische, liebenswürdige Anton, seine nervtötende Mutter Mechthild, die todkranke Clara, die demente Frau Prenosil und die unterschiedlich temperamentvollen Kinder bzw. Jugendlichen Annika, Ferdinand, Helene und Eva.
Abwechselnd wird aus Antons und Doris Sicht die Handlung auf 140 Textseiten und in 55 kurzen Kapiteln vorangetrieben.
René Freund schreibt mit Gefühl, sehr warmherzig und mit guter Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis. Obwohl ich zunächst etwas bekümmert war, dass die Fahrt mit Anton so schnell zu Ende ging, empfand ich es dann doch als angenehm, dass die Story nicht zu lang war. Dicke Bücher gibt es genug!

Fazit:
Ich habe die Reise "Ans Meer" mit sehr viel Vergnügen gelesen. Ich fand die Geschichte um Anton und Doris sehr gut erzählt.
„Ans Meer“ ist vor allem für diejenigen, die kurze, aber gehaltvolle Geschichten lieben!
Es ist ein schmales, emotionsgeladenes Buch mit viel Ideenreichtum, mit einer Geschichte über die Liebe, Krankheit, Verlust und Tod, über Zuwendung, Fürsorge und deren Fehlen, aber auch über Kontrollzwang und nicht Loslassenkönnen und über so vieles mehr. Nicht zu vergessen die kleinen Heldentaten im Alltäglichen!

Ich vergebe sehr gern meine Kauf- und Leseempfehlung für dieses schmale, unterhaltsame Büchlein. Von mir gibt es fünf von fünf blitzblanken, strahlenden Sternen!

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85 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 50 Rezensionen

fortsetzung, fragolin, frankreich, isabelle bonnet, kloster, krimi, krimi-reihe, madame le commissaire, mord, nonne, nonnen, nonnenkloster, polizei, provence, reihe

Madame le Commissaire und die tote Nonne

Pierre Martin
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.04.2018
ISBN 9783426521977
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Madame le Commissaire und die tote Nonne“ ist der fünfte Band der Krimi-Reihe. Für mich war es der erste Fall mit Madame, aber ich fühlte mich sofort mittendrin und ausgezeichnet unterhalten. Es ist also nicht zwingend notwendig, die vorherigen Bücher gelesen zu haben.

Im vorliegenden Krimi ermittelt die ebenso sympathische wie mutige Kommissarin Isabélle Bonnet von der Police nationale im beschaulichen Örtchen Fragolin. Das tut sie mit ihrem schusselig genialen, etwas verschrobenen Assistenten Apollinaire. Sie unterstützt die örtliche Polizei, nachdem sie in Paris am Arc de Triomphe Opfer eines Bombenattentates wurde. Von ihrem toleranten Chef in der Hauptstadt erhält sie dabei jegliche Unterstützung.
Isabélle wird an ihrem freien Tag mit dem Tod einer jungen Nonne konfrontiert, die scheinbar beim Suchen von seltenen Heilpflanzen den Halt verlor und in die Tiefe stürzte. Bald stellt sich heraus, dass sie mit ihrer Intuition richtig lag. Es war Mord! Sie nimmt mit offiziellem Auftrag die Ermittlungen auf, die sie recht bald in das sehr einsam, aber malerisch gelegene Kloster Monastère de bonne sœurs führen.
Die Story um die junge, tote Nonne zieht ihre Spannung aus den hervorragend ausgearbeiteten Charakteren. Wer der Täter ist, bleibt lange im Dunkeln, da immer neue Verdächtige auftauchen. Wie nebenbei lernt man die berühmte, französische Lebensart kennen. Isabélle mit ihrem ausgefallenen Liebesleben ist da nur ein sehr amüsantes Beispiel. Aber bei ihrer ménage à trois zeichnen sich dunkle Wolken ab. Da bin ich schon sehr neugierig auf den nächsten Band.
Pierre Martin schrieb in unterhaltsamer Manier einen spannenden Kriminalfall, dessen scheinbar lose Fäden am Ende wie mühelos zusammenfinden. Seinen besonderen Charme erhält die Geschichte auch durch seine französischen und lateinischen Sätze, die sofort übersetzt werden.
Ich habe wieder einen neuen Schriftsteller kennengelernt, dessen Schreibweise mir sehr zusagt und freue mich schon jetzt auf sein nächstes Buch.

Diesen Krimi empfehle ich mit der Höchstbewertung!

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171 Bibliotheken, 10 Leser, 3 Gruppen, 111 Rezensionen

bretagne, drama, frankreich, frauen, liebe, meer, nina george, paris, roman, schönheit, selbstfindung, selbstverwirklichung, sinnlichkeit, sommer, sprachgewaltig

Die Schönheit der Nacht

Nina George
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.05.2018
ISBN 9783426654064
Genre: Romane

Rezension:

Was mir als erstes auffiel war das Äußerliche: der schöne Titel und das ansprechende Cover sowie das türkisfarbene Innenleben des Buches mit dem Abdruck der Zitate, jeweils eins vorn und eins hinten drin. Eine edle Aufmachung mit Lesebändchen!
Meine Erwartungen an den Roman wurden übertroffen. Ich dachte an Liebe, Leidenschaft, an Sinnlichkeit und Begehren, an Selbstverwirklichung und an Freiheit in der Beziehung. Das alles bekam ich geliefert und noch viel mehr, allerdings anders als vermutet. Es passiert nichts wirklich Aufregendes in Nina Georges Roman und doch ist ihr mit der Geschichte über das normale Leben zweier Frauen ein literarisches Juwel gelungen.
Zum einen ist da Claire, eine Frau in der Mitte ihres Lebens, eine Frau, die scheinbar alles hat. Sie gelangte aber an einen Wendepunkt, fühlt sich verbittert und irgendwie versteinert. Ihr Seelengleichgewicht ist äußerst fragil geworden. Gilles, ihr Ehemann betrügt sie seit längerem und sie sucht in gelegentlichen „One-Day-Stands“ eine Bestätigung ihres Frauseins.
Die andere Frau heißt Julie, steht am Anfang ihres Lebens und ist die Freundin von Nicolas, dem Sohn von Claire und Gilles. Der Zufall will es, dass Claire in ihr die Person erkennt, die ihr im Hotel nach ihrem Seitensprung begegnete. Nun fahren sie alle gemeinsam, wie die Familie seit 22 Jahren schon, in ihr Ferienhaus an der bretonischen Küste...

In einem großartigen, sprachgewandten Stil beschreibt die Autorin die Wandlung von Claire und Julie. Beide entdecken sich neu. Ich habe mich sehr gern darauf eingelassen und konnte die Entwicklung der so unterschiedlichen Frauen akzeptieren bis hin zum hoffnungsfrohen Finale. Die innere Zerrissenheit beider Protagonistinnen vermochte ich gut nachzuvollziehen.
Ich bin von der Schönheit und Macht der Sprache beeindruckt. Nina George verfügt über ein großes Talent mit Worten zu malen, Metaphern einfließen zu lassen und auch zwischen den Zeilen Stimmungen zu erzeugen. Ich fand viele ausdrucksstarke, inhaltsreiche Sätze. Ein Beispiel nur:
„Worte konnten lügen.
Immer.
Die Stimme nie, der Körper nie, und was von jenseits der geschlossenen Tür so unvermutet auf Claire regnete, war die Nacktheit einer Seele. Eingehüllt in einen Atem, der wie das
Einatmen vor dem Schweigen war.“


Eine der vielen Schlüsselszenen war für mich als Julie mit den drei Männern (Gilles, Nicolas, Ludovic) auf dem Heimweg, plötzlich aus dem Auto aussteigt, abrupt die Beziehung zu Nicolas beendet und sich mit einer rücksichtslosen Entschlossenheit im heftigen Gewitterregen zurückkämpft zu Claire ans Meer. Hier die Metapher: Aufrecht durch den Sturm gehen!
Mein Leben geht schon weit über die Mitte hinaus. Ich befinde mich im letzten Drittel. Auch deshalb kann ich das Geschriebene gut einordnen. Es vermochte jede Menge Bilder und Erinnerungen in meinem Kopf zu wecken. Das ist so tragisch am Leben! Ich meine damit, wenn man glaubt Bescheid zu wissen, dann ist es auch bald zu Ende. Auch dazu fand ich ein Zitat:
„Erst am Ende lernen wir uns kennen.“ S. 272

Für mich war „Die Schönheit der Nacht“ ein wundervolles Leseerlebnis mit wertvollen Erkenntnissen. Viele inhaltsschwere, tolle Sätze fanden Eingang in mein Zitatebuch und eine für mich neue Schriftstellerin fand Eingang in mein Herz.
Ich empfehle dieses Buch eigentlich allen, egal ob Mann oder Frau. Es ist mit soviel Herzenswärme, Liebe zum Detail, Feingefühl und Klugheit geschrieben.

Von mir bekommt es die Höchstbewertung!

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150 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 123 Rezensionen

agenten, cia, debüt, familie, karen cleveland, maulwurf, russland, schläfer, spannung, spionage, thriller, usa, verlag btb, wahrheit, wahrheit gegen wahrheit

Wahrheit gegen Wahrheit

Karen Cleveland , Stefanie Retterbush
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 10.04.2018
ISBN 9783442716746
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Karen Cleveland beschreibt in ihrem Debütroman eine Familie in einer Situation, die ganz sicher eine absolute Ausnahme darstellt. Im Klappentext wird eine ganze Menge des Buchinhalts schon verraten.
Klappentext:
Vivian Miller ist Spionageabwehr-Analystin bei der CIA. Mit ihrem Mann Matt, einem IT-Spezialisten, und ihren Kindern lebt sie in einem Vorort von Washington, D.C. Auf diesen Tag hat sie seit zwei Jahren hingearbeitet: Mithilfe eines speziellen Algorithmus will Vivian ein Netzwerk russischer Spione in den USA enttarnen. Ihr gelingt der Zugriff auf den Computer eines russischen Agentenbetreuers. Auf eine Datei mit fünf Fotos - allesamt „Schläfer“, die auf amerikanischem Boden operieren. Doch was sie entdeckt, bringt alles, was ihr wichtig ist, in Gefahr - ihre Familie, ihre Ehe, ihren Job. Ist es den Russen gelungen, sie an ihrer einzigen Schwachstelle zu treffen? Ist Matt nicht nur ein perfekter Mann und ein perfekter Vater. Sondern am Ende auch ein perfekter Lügner?
Meine Meinung:
Cleveland läßt ihre Protagonistin aus der Ich-Perspektive erzählen und beschreibt zwar eindringlich und für mich nachvollziehbar die Gefühlswelt Vivians, ihre innere Zerissenheit, ihre Wut, ihre Verzweiflung. Sie fühlt sich von Matt verraten und hintergangen. Vivian befindet sich in einer aussichtslosen Zwickmühle. Wie soll sie sich entscheiden? Auf der einen Seite sollte sie sich in ihrer Position loyal zu ihrem Land verhalten. Zum anderen sind da die Kinder und ihre Ehe. Wie soll sie es fertigbringen, die Liebe ihres Lebens, den Vater ihrer vier Kinder verraten und ausliefern? So weit, so gut! Ihre Entscheidungen sind dann so, wie ich sie niemals bei einer Expertin vermutet hätte, eher bei einer ganz normalen Hausfrau und Mutter. Vivians Vorgehen empfinde ich als äußerst dilettantisch, unüberlegt, ja leichtfertig und im Grunde nicht zielführend. Das kann eigentlich so nicht funktionieren. Und das ist für mich der Knackpunkt. Karen Cleveland übte acht Jahre den Beruf als Analystin der CIA aus. Sie müsste es wissen, wie es tatsächlich abläuft. Ich finde es unglaubwürdig, dass Agententätigkeit so verläuft. Ein um das andere Mal habe ich beim Lesen mit dem Kopf geschüttelt über die Naivität von Vivian.
Fazit:
Wer sich mit einer Familiengeschichte im Agentenmilieu anfreunden kann, dem kann ich dieses Buch empfehlen. Der Schreibstil ist angenehm.
„Wahrheit gegen Wahrheit“ bedient nicht das gängige Klischee eines (Spionage)-Thrillers. Es verläuft weitgehend unblutig, auf emotionaler Ebene. Hier handelt es sich um die zweckdienliche Verbindung einer CIA-Spionageabwehrspezialistin mit einem russischen Undercover-Agenten. Ehe, Beruf und Familie läuft bei den Millers wie geschmiert trotz finanzieller Probleme und das soll und wird auch so bleiben. Der Plot des Buches ist ganz darauf ausgerichtet.
Für mich als Thrillerfan ist dieses Buch definitiv keines, was in dieses Genre gehört. Es fehlte die durchgehende Spannung, der Thrill eben, wie man es so schön bezeichnet. Vieles war so etwas von vorhersehbar!
Obwohl das Buch von Autoren wie John Grisham, Patricia Cornwell, Lee Child in höchsten Tönen gelobt wird, bin ich nicht so euphorisch. Die Geschichte enthielt mir zu viele Ungereimtheiten. Gespannt bin ich auf die Umsetzung für den Film!

Ich bewerte mit vier von fünf Sternen.

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290 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 118 Rezensionen

16. jahrhundert, altern, dtv-verlag, geschichte, langes leben, leben, liebe, london, matt haig, roman, suche, vergangenheit, wie man die zeit anhält, zeit, zeitreise

Wie man die Zeit anhält

Matt Haig , Sophie Zeitz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.04.2018
ISBN 9783423281676
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch hat mich begeistert. Ich war hin und weg von der Idee und der Umsetzung. Das beginnt schon mit dem sehr schönen Cover. Ein Mann liegt sinnierend in lässiger Haltung vor dem Zifferblatt einer riesigen Uhr. Eine passende Darstellung zum Titel „Wie man die Zeit anhält“!
Der britische Autor Matt Haig erzählt in fünf Teilen, im ständigen Wechsel der Orte auf mehreren Kontinenten und über verschiedene Jahrhunderte, eine wundersame, aber zu Herzen gehende Geschichte eines sehr, sehr langsam alternden Menschen. Eine besondere genetische Veranlagung läßt ihn sehr gemächlich altern, etwa 1:15 zu den normalen Sterblichen, den sogenannten Eintagsfliegen. Es ist die beeindruckende Story von Tom Hazard, so lautet sein modernisierter abgekürzter Name. Er wurde als Adliger im Jahr 1581 in einem kleinen französischen Château geboren...
Doch er war immer einsam in den über 400 Jahren, nachdem er seine große Liebe verlor. Tom muss beizeiten den schmerzlichen Verlust geliebter Menschen durch Aberglaube, Hexenverfolgung, unbändigen Haß und Krankheit erdulden. Eine Bürde, die ihn in den folgenden Jahrhunderten niederdrückt und schwer belastet.
Hendrich Pietersen, selbst über 700 Jahre alt, fordert von Tom, um sich zu schützen, aller acht Jahre seine Identität und sein Umfeld zu wechseln. Das hat Tom bis in die Gegenwart getan. Doch das möchte er nicht mehr, möchte zur Ruhe kommen. Er will keine Regeln mehr einhalten müssen. Die erste und wichtigste Regel lautet: Du darfst nicht lieben. Niemals! Er will eine neue Identität als Lehrer für Geschichte in London, in der Nähe des Stadtteils, wo er mit seiner einzigen großen Liebe in seinen realen jungen Jahren Anfang des 17. Jahrhunderts lebte...

Wird es ihm gelingen die erste Regel zu durchbrechen? Ist ihm ein normales Leben in unserer Zeit vergönnt? Und werden seine schlimmen Kopfschmerzen und die Flashbacks abnehmen? Das Gewicht der Gedanken und die Erinnerungen werden Tom zuviel. Findet er die neue Liebe, die ihm gut tut? Und wird er sie festhalten können?

Ich fand dieses Buch sehr interessant. Für mich war es eine schöne, fiktive Geschichte, die mich mit der großen Frage zurückließ, was wäre, wenn es tatsächlich unter uns Menschen gibt, die ein Methusalemalter erreichen können? Darüber läßt sich gut philosophieren. Die Suche nach der Liebe und dem Sinn des Lebens sind Themen, die immer Bestand haben.
Es bereitete mir jedenfalls großes Vergnügen den jungen Alten durch die Jahrhunderte zu folgen, in denen er u. a. mit prominenten Persönlichkeiten zusammentraf.

Für mich war es ein Lesehighlight des Jahres 2018.

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138 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 73 Rezensionen

1938, deutschland, flop, flucht, heimatlos, historischer roman, hitler, holocaust, jude, juden, judenverfolgung, nationalsozialismus, reisen, roman, zweiter weltkrieg

Der Reisende

Ulrich Alexander Boschwitz , Peter Graf
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 18.03.2018
ISBN 9783608981230
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ulrich Alexander Boschwitz (Pseudonym John Grane) war ein deutsch-jüdischer Schriftsteller, wurde 1915 in Berlin geboren und starb im Oktober 1942 bei der Überfahrt von Australien nach Europa. Ein deutsches U-Boot torpedierte das britische Passagierschiff Abosso und mit Boschwitz ging auch sein überarbeitetes Manuskript zum Reisenden unter. Das Buch schrieb er als 23jähriger, ein erstaunlich reifes Werk. Nach 80 Jahren des Erscheinens in englischer Sprache übernahm Peter Graf die Überarbeitung des Buches, was nun hier vorliegt.
Inhalt lt. Klappentext:
Deutschland im November 1938. Otto Silbermanns Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Er selbst versucht, unsichtbar zu bleiben, nimmt Zug um Zug, reist quer durchs Land. Inmitten des Ausnahmezustands. Er beobachtet die Gleichgültigkeit der Masse, das Mitleid einiger Weniger. Und auch die eigene Angst.
Der jüdische Kaufmann Otto Silbermann, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, wird in Folge der Novemberpogrome aus seiner Wohnung vertrieben und um sein Geschäft gebracht. Mit einer Aktentasche voll Geld, das er vor den Häschern des Naziregimes retten konnte, reist er ziellos umher. Zunächst glaubt er noch, ins Ausland fliehen zu können. Sein Versuch, illegal die Grenze zu überqueren, scheitert jedoch. Also nimmt er Zuflucht in der Reichsbahn, verbringt seine Tage in Zügen, auf Bahnsteigen, in Bahnhofsrestaurants. Er trifft auf Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie auf schlechte Menschen. Noch nie hat man die Atmosphäre im Deutschland dieser Zeit auf so unmittelbare Weise nachempfinden können. Denn in den Gesprächen, die Silbermann führt und mithört, spiegelt sich eindrücklich die schreckenerregende Lebenswirklichkeit jener Tage.
Meine Eindrücke:
Das Buch erzählt von den Novembertagen des Jahres 1938. Es beginnt einen Tag nach der „Reichsprogromnacht“ und führt den Leser mit der Hauptfigur Otto Silbermann durch die Wochen danach. Der jüdische Geschäftsmann wird auf brutale, unwürdige Weisevon einem Moment auf den nächsten aus seinem normalen Alltag gerissen. Verzweifelt versucht er seine menschliche Würde zu bewahren. Es war für mich schrecklich zu lesen, wie er von Angst und Zweifeln geplagt, seine Entscheidungen ständig hinterfragt, wieder verwirft im wirren Wechsel. Ich fühlte mich wie in einem Strudel mit hineingezogen und konnte seine widersprüchlichen Gefühle verstehen. Man muss sich das mal vorstellen: von jetzt auf gleich alles zu verlieren! Er hatte alle Grundlagen eines normalen Lebens eingebüßt, nicht zuletzt seine Heimat. Seine Aktionen mit dem Zug durch Deutschland zu fahren, waren eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt. Doch wie er sich selbst immer wieder etwas vormacht, seine Lage nicht erkennt, zeigt dieses Zitat:
"Es sind zu viele Juden im Zug, dachte Silbermann. Dadurch kommen wir alle in Gefahr. Euch anderen habe ich es überhaupt zu verdanken. Wenn ihr nicht wärt, dann könnte ich in Frieden leben. Weil ihr aber seid, falle ich in eure Unglücksgemeinschaft! Ich unterscheide mich durch nichts von anderen Menschen, aber vielleicht seid ihr wirklich anders und ich gehöre nicht zu euch. Ja, wenn ihr nicht wärt, würde man mich nicht verfolgen. Dann könnte ich ein normaler Bürger bleiben. Weil ihr existiert, werde ich mit ausgerottet."

Fazit:
„Der Reisende“ ist ein brisantes, sehr bewegendes und ausserordentlich beeindruckendes Buch. Ich empfinde die Geschichte als hochaktuell, anschaulich und informativ und empfehle sie für den Schulunterricht. Mein Dank gilt Peter Graf und dem Verlag für diese aufsehenerregende Wiederentdeckung eines literarischen Zeugnisses der Ereignisse, die dem Holocaust vorangingen! Das Nachwort liefert wichtige Informationen des Herausgebers!

Ich beurteile dieses Buch mit der Höchstnote.

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58 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

alpen, alpenkrimi, entführung, graseggers, hubertus jennerwein, jennerwein, krimi, krimi mit witz, krimireihe, kultig, lokalkolorit, mafia, österreichischer striezi und mafia-problemlöser, regionalkrimi, schräg

Am Abgrund lässt man gern den Vortritt

Jörg Maurer
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 21.03.2018
ISBN 9783651025196
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser Autor ist für mich eine Offenbarung. Der zehnte Fall für seinen Kommissar Jennerwein ist für mich der erste. Wenn die anderen Bände ähnlich „gestrickt“ sind, dann kann ich den Hype um Jörg Maurer verstehen, seine Spitzenplatzierungen auf den Bestsellerlisten.
Diesen zehnten Band, obwohl es mein erster Band ist, empfinde ich als schriftstellerische Meisterleistung. Das ist große Unterhaltung! Es beginnt bereits mit dem Aufbau des Romans, jedes Kapitel ziert eine große 10. In der Null verbirgt sich klein die Zahl des tatsächlichen Kapitels. Daneben stehen in kleiner Schriftgröße u. a. Bonmots, Zitate, Sprichwörter, Bemerkungen aus der Bibel oder von prominenten Leuten u.s.w., alles, was mit der 10 zu tun hat. Zu jedem Kapitelbeginn schmückt ein putziges Murmeltier die untere Seite.
Die Fülle an Informationen ist insgesamt exorbitant für einen Kriminalroman.

Ich möchte den Inhalt des Klappentextes nicht wiedergeben. Den kann jeder selbst nachlesen.
Es beginnt mit einem in lustigen Worten verfaßtem Prolog. Danach fängt der Roman mit den Hauptpersonen Ignaz und Ursel Grasegger an, einem scheinbar geläuterten Gaunerpaar, intelligent, gewieft, mit allen Wassern gewaschen, beide Genießer, gutem Essen total verfallen. Sie wollen wieder ehrlich werden und stehen kurz vor der Neueröffnung ihres Bestattungsunternehmens. Kriminalkommissar Hubertus Jennerwein tritt erst auf S. 26 ins Geschehen ein. Er befindet sich in entspannter Urlaubsstimmung, auf dem Weg nach Schweden. Noch. Doch es kommt recht bald alles ganz anders...
Der zehnte Fall nimmt seinen Anfang in einem nicht näher genannten prominenten bayrisch-alpenländischen Kurort im Werdenfelser Land. Das kann eigentlich nur Garmisch-Partenkirchen sein. In 70 kurzen Kapiteln werden mitunter sehr grausige Dinge auch noch einfallsreich witzig erzählt, in bestem schwarzen Humor. Die Seiten triefen nur so davon. Das schon mal als Warnung, für diejenigen, die das nicht mögen. Ich bin ein Fan.
Der Autor hat mit einer Menge Lokalkolorit den Leuten, egal wo, ob nun in Bayern, Österreich, Schweiz oder sonstwo aufs „Maul“ geschaut. Bis in die kleinste Nebenfigur sind die Charaktere präzise und anschaulich beschrieben. Seine teilweise skurillen Figuren sind aber nie überzeichnet. Die Spannung bleibt trotz des humorigen, leichten Sprachstils stets hoch. Es driftet nie in Klamauk ab. Jörg Maurer besitzt eine herausragende Beobachtungsgabe und kann sie optimal schriftstellerisch verwerten. So viele intelligente Einfälle! Er ist ein Quell grenzenloser Phantasie. Sogar für eine kurze Gastrolle vom kultigen Kluftinger, wo man fast seinen Vornamen erfährt, ist noch Raum.
Einige Begriffe habe ich gegoogelt, um herauszufinden, ob es diese tatsächlich gibt (z. B. Fausto Incontini, der Erfinder des Doppelschlages, eines selten ausgeführten, speziellen Präzisionsschusses oder die therapeuthische Methode Sassafran – beides fiktiv, aber gut erfunden). Das Buch gewährt viele Einblicke, Erkenntnisse, in einem Genre, bei dem man das nicht unbedingt erwartet. Ich hoffe, dass ich meine Begeisterung in etwa rübergebracht habe. Die Leser sollten es unbedingt selbst herausfinden.
Der 10. Fall ist alles das, was der Autor in seinem Kapitel Nachspiel (auch wieder ein besonderer Kunstgriff vom Autor – er blickt an einem runden Geburtstag zurück) selbst nennt:
der kniffligste, der brenzligste, der verschlungenste, der waghalsigste...S. 398
Fazit:
Deftige, urige Unterhaltungsliteratur, ein Krimi vom Feinsten!

Bei Maurer macht das Lesen einen Riesenspaß! Ich habe selten so oft und herzlich gelacht.
Mir bleibt nun noch die Freude auf die vorherigen neun Bände und auf den baldigen (?) 11. Jennerweinschen Fall!
Die Covergestaltung und die Aussagekraft des Titels fügen sich nahtlos in meinen positiven Gesamteindruck ein.
Von mir dringendst empfohlen, mit der Höchstbewertung!

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127 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 96 Rezensionen

beichte, bergwerk, duisburg, entführung, honig, krimi, leiche, martin bauer, mord, polizeiseelsorger, religion, ruhrgebiet, ruhrpott, serienmörder, vergangenheit

Tiefer denn die Hölle

Peter Gallert , Jörg Reiter
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 06.04.2018
ISBN 9783548290355
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie schon den ersten Band „Glaube, Liebe, Tod“ vom Autorenduo Peter Gallert und Jörg Reiter las ich auch „Tiefer denn die Hölle“ mit Begeisterung. Der Krimi konnte mich wieder voll und ganz überzeugen.
Mit dem sympathischen Martin Bauer, dem Polizeiseelsorger, schufen die beiden Schriftsteller eine sehr beeindruckende Romanfigur. Er ist äußerst ungewöhnlich in der Auffassung und Umsetzung seiner Arbeitsaufgabe. Bauer nutzt seinen scharfen Verstand, seinen evangelischen Glauben und seine oft zutreffende Intuition. Dabei kollidiert er sehr häufig mit der Polizeiarbeit, gelangt an und über die Grenzen seiner Zuständigkeit und bringt damit die Hauptkommissarin Verena Dohr oft in arge Bedrängnis. Sie, die schon genug andere Probleme, sowohl dienstlich als auch privat, beschäftigen. Ihr intriganter Kollege Guido Karman kann es gar nicht erwarten, dass sie irgendeinen Fehler macht. Schon lange ist er sich mit dem Polizeidirektor Lutz einig, dass mit ihr die falsche Person die Dienststelle leitet. Es wird kräftig an ihrem Stuhl gesägt.

Der Fall, der dieses Mal zu lösen ist:
In einem stillgelegten Bergwerk entdeckt man eine Leiche, die über und über mit Honig bedeckt ist. Bauer wird zu Hilfe gerufen, weil der diensthabende Polizeiseelsorger Monsignore Rüdiger Vaals in der Tiefe des Schachtes einen Herzinfarkt erlitten hat. Welchem Schrecken verdankte er diesen? Hatte er den Mann erkannt?
Obwohl es mit seiner Ehe immer noch nicht zum besten steht und seine Frau Sarah hochschwanger ist, kann er es nicht lassen. Er muss ermitteln und durch seine unkonventielle, einfühlsame Vorgehensweise kommt er zu Erfolgen, die ihn durchaus auch an seine Grenzen bringen. Er bringt sich in große Gefahr...

Die beiden Autoren erzeugen eine Spannung, die einem die Luft anhälten läßt. Durch die besonderen Charaktere, durch ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen wird es noch aufgeheizt. Konflikte sind vorprogrammiert und wurden hervorragend für den Leser nachvollziehbar ausgearbeitet. Ich empfand es so geschrieben als wäre ich mittendrin. Situationen, Empfindungen, Gerüche! Total realistisch! Kein Wunder eigentlich, denn die Autoren schreiben auch Drehbücher zusammen. Einige Bilder hatte ich jedenfalls lange im Kopf.
Dieser Krimi verfügt über eine kreative Dramaturgie. Als Beispiele möchte ich die Briefe des Kindes an seine tote Mutter nennen und die Einarbeitung von Bibelzitaten im Geschehen. Technische Details wie schon im ersten Teil werden angesprochen und erklärt. Tatorte sind stillgelegte Zechen im Ruhrgebiet. So konnte ich mich z. B. schlau machen, was unter einer Dahlbuschbombe zu verstehen ist. Also besitzt der Krimi auch durchaus einen bildenden Faktor.

Fazit:
Ein Krimi, der nicht in erster Linie durch ausgefeilte Dialoge besticht! Was mir wieder auffiel sind die lebensechten Personen mit ihren alltäglichen Problemen. Keine Superhelden! Sehr nah an der Realität.Die Story machte mich betroffen, weil die grausigen Taten nicht eher gestoppt wurden. Es gibt das Beichtgeheimnis! Muss daran auch heute noch unter allen Umständen festgehalten werden? Für mich unbegreiflich!

Der zweite Fall von Gallert und Reiter ein Krimi der Extraklasse. Ich vergebe meine Lese- und Kaufempfehlung sowie die Höchstbewertung.

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74 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

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Wie ich dank Shakespeare in Verona die große Liebe fand

Glenn Dixon , Lars Bauer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.03.2018
ISBN 9783462051148
Genre: Liebesromane

Rezension:

Meine Bewunderung für den Autor Glenn Dixon. Ein Mann verarbeitet seine unglücklichen Erlebnisse in der Liebe und verbindet sie gekonnt mit dem Shakespeare-Drama „Romeo und Julia“. Der Titel „Wie ich dank Shakespeare in Verona die große Liebe fand“ ist aussagekräftig und wer ihn richtig interpretiert, weiß schon wie die Geschichte endet.

Glenn Dixon arbeitete als Highscool-Lehrer in Kanada. Er besprach regelmäßig in den Abschlussklassen das klassische Drama um Romeo und Julia. Dabei blieb er mit den jungen Leuten dicht am heutigen Leben dran. Mit der Liebe hat er so seine ganz eigenen bitteren Erfahrungen machen müssen. Glenn ist lange gefangen in der Liebe zu Claire und hat leider viel zuviel Zeit verbracht mit der total verkorksten Beziehung zu ihr. Bis es ihm endlich reicht und er beschließt, sich eine Auszeit in Italien zu nehmen.
Der Ich-Erzähler, der Autor selbst, begibt sich von Kanada aus in die Stadt Verona mit einem ganzen Sack voller Fragen, um etwas über die Liebe, diese allumfassende Kraft und vielleicht etwas über Shakespeare zu erfahren. Kurz nach der Ankunft trifft er bald auf die Briefbeantwortungsstelle „Julias Sekretärinnen“. Es gibt jede Menge Arbeit, denn täglich treffen viele Briefe ein. Diese wollen beantwortet werden. Glenn wird als erster Mann in den Kreis der „Julias“ aufgenommen. Er als „Julias Sekretär“ soll sich die englischsprachigen Anfragen vornehmen. Selten sind Briefe von Männern dabei. Meistens sind es Frauen, die sich offenbaren, Rat suchen. Die Briefe kommen aus aller Welt. Nun steht er vor der Frage: Wie schreibt man Briefe an wildfremde Menschen mit unaufdringlicher Empathie und ohne Klischees bei diesem wichtigen Thema Liebe? Das ist alles andere als leicht.

„Sie alle wollten von „Julia“, diesem angeblichen Vorbild romantischer Weisheit, wissen, wie die Liebe funktioniert.“ – S. 23

Also, Glenn Dixon erzählt abwechselnd von sich, von seinen Schülern und von seinen Briefen in Verona. Den Schreibstil bezeichne ich als geradlinig, ehrlich ohne Herzschmerz und Dramatik. Die Aufteilung des Romans erfolgt in Kapitel mit Überschriften (aus Romeo und Julia) und in Akten wie bei dem Drama. Ein Abschnitt wird vom nächsten durch ein hübsches Efeurankenbildchen getrennt. Es erfolgen immer mal wieder Unterbrechungen durch kurze, sachliche Abstecher in wissenschaftliche Exkurse über die Liebe. (z. B. S. 103 „chemische Monde“, „biologische Sterne“).
Eine ganz wichtige Feststellung im Roman war für mich, dass man sich erst einmal selbst lieben muss, um andere lieben zu können. Sowie der Satz: „Sei dir selber treu.“ Den verwendet Glenn oft in seinen Juliabriefen als Abschluß.

Für mich war es ein kurzweiliges Buch. Ich empfand es als beispielhaft für die positive Verarbeitung einer unglücklichen Liebesbeziehung. Das Ende läßt hoffen für Glenn Dixon und die Liebe seines Lebens.

Fazit:
Für Freunde der Literatur von Shakespeare, für Italienliebhaber und nicht zuletzt für Verona-Fans besonders geeignet.
Ich vergebe vier von fünf Sternen!

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203 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 83 Rezensionen

ballett, biografie, eva stachniak, familie, historischer roman, karriere, london, paris, roman, ruhm, russland, st. petersburg, tanz, tanzen, tänzer

Die Schwester des Tänzers

Eva Stachniak , Peter Knecht
Flexibler Einband: 570 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 29.10.2016
ISBN 9783458361787
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Die Schwester des Tänzers“ wurde in der Ichform geschrieben, aus der Sicht der Bronislawa Nijinska. Sie ist die Tochter von Tänzern, die anfänglich einer fahrenden Truppe angehörten und hatte zwei ältere Brüder. Alles drehte sich in der Familie nur ums Tanzen, eine absolut tanzverrückte Familie zu Anfang des 20. Jahrhunderts.
Die Geschichte beginnt 1939 auf dem Schiffsweg nach Amerika. Bronia (die Abkürzung des Namens Bronislawa) reflektiert ihr gesamtes Leben, das immer im Schatten ihres genialen Bruders stattfand. Es liest sich wie ein Geschichtsbuch. Zuerst das Zarenreich, dann der Beginn des ersten Weltkrieges, der Sturz des Zaren und die Ermordung der gesamten Zarenfamilie, die Machtergreifung durch die Bolschewiki, ihre Stationen im Tanzensemble und allein auf sich gestellt... alles aus Sicht und dem Hintergrund des Tanzes. Für Bronislawa, für ihre Mutter, für ihre Kinder ist es ein schweres und entbehrungsreiches, von Schicksalsschlägen gekennzeichnetes Leben.

Ein beeindruckender Roman über die Hintergründe des Lebens eines großen Talentes! Eigentlich war Bronislawa Nijinska ihrem Bruder Waslaw ebenbürtig, aber sie erhielt nie die Gelegenheit sich voll zu entfalten. Leider ein Tribut an die gesellschaftlichen Verhältnisse. Für Frauen war eine andere Entwicklung vorgesehen. Im Gegensatz zu ihrem Bruder geriet sie in Vergessenheit. Die Karriere von Tanzgott Nijinski währte nur kurz, war jedoch prägend. Er litt an einer Nervenerkrankung, die es ihm unmöglich machte, jemals wieder auf die Bühne zurückzukehren.

Eva Stachniak ließ Geschichte lebendig werden und gibt Einblicke ins Künstlerleben Anfang des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Ländern Europas, in erster Linie in Rußland.
Die Autorin recherchierte hervorragend und schuf ein reales Bild mit historischen Persönlichkeiten und ihren Werken. So begegnen dem Leser der Impresario Sergei Djagilew mit seinem legendären Ensemble Ballett Russes, die zur sogenannten russischen Avantgarde gehörten, die den Weg mit den Nijinskis und anderen herausragenden Künstlern für eine moderne Tanzkunst prägten. Auch die Komponisten Igor Strawinsky und Sergei Rachmaninow, die berühmte Tänzerin Anna Pawlowa und viele weitere prominente Zeitgenossen fanden Eingang in den Roman. Geschichtliche Ereignisse wurden in den Kontext zum Leben der Nijinskis gestellt, so dass sie nicht ausführlich abgehandelt wurden. Das störte aber meinen Lesegenuß nicht. Als einzigen Kritikpunkt möchte ich anfügen, dass etwas zu weitschweifig erzählt wurde. 570 Seiten waren schon ziemlich viel.

Insgesamt gesehen fand ich die Story gut erzählt und kann sie weiterempfehlen, besonders für Kunstfreunde, Fans des Balletts. Von mir vier von fünf Sternen.

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736 Bibliotheken, 26 Leser, 1 Gruppe, 175 Rezensionen

bienen, bienensterben, china, dystopie, england, familie, hoffnung, imker, maja lunde, natur, naturschutz, roman, umwelt, vergangenheit, zukunft

Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde , Ursel Allenstein
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei btb, 20.03.2017
ISBN 9783442756841
Genre: Romane

Rezension:

„Die Geschichte der Bienen“ ist ein Roman, der nahebringen sollte, wie weit unsere Welt bereits am Abgrund steht. Seit einigen Jahren schon wird ein weltweites, angeblich „mysteriöses“ Bienensterben beobachtet, ohne dass sich etwas Wesentliches im Verhalten zu unserer Umwelt ändert. Es scheint so, als würden wir alle miteinander sehend einer Katastrophe entgegengehen. Dabei weiß man über die Ursachen sehr genau Bescheid!

Maja Lunde schrieb eine Geschichte über die Bienen in drei Zeitebenen. Sie beginnt im Jahre 2098 mit der Chinesin Tao und ihrer Familie. Seit über 50 Jahren gibt es keine bestäubenden Insekten mehr auf der Erde. Alles ist der Nahrungsbeschaffung untergeordnet. Die Obstbäume werden handbestäubt. Bildung ist zweitrangig. Jede Hand wird gebraucht und so werden schon Kinder mit acht Jahren an die schwere Arbeit in den Bäumen herangeführt...

Der zweite Protagonist ist William Savage, 1852 in England. Er beschäftigt sich mit den Bienen und entwirft ein besonderes Modell der Bienenbeute...

Die dritte Ebene in der Gegenwart (2007) wird durch George bestimmt. Er lebt in Autumn Hill, Ohio, USA. Er baut seine eigenen Bienenstöcke nach einem Bauplan, der schon seit Generationen in der Familie existiert...

Meine Meinung:
Die Autorin verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft und läßt geschichtliche Tatsachen in den Roman mit einfließen. Die distopische Geschichte um Tao endet hoffnungsvoll.
Den Schreibstil empfand ich als angenehm und leicht lesbar. Besonders positiv: Es gibt keinen erhobenen Zeigefinger. Jeder kann sich selbst ein Bild und seine Gedanken machen. Ihre Charaktere sind nicht unbedingt sympathisch, aber realistisch agierende Personen mit ihren Stärken und Schwächen. Die Handlungen erscheinen mir nicht immer logisch.

Fazit:
Ein wichtiger Beitrag zum Thema Umwelt und Klimawandel. „Die Geschichte der Bienen“ machte mich nachdenklich.

Ich vergebe vier von fünf Sternen!

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215 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 108 Rezensionen

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Die Geschichte des Wassers

Maja Lunde , Ursel Allenstein
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 19.03.2018
ISBN 9783442757749
Genre: Romane

Rezension:

Nach der „Die Geschichte der Bienen“ legte Maja Lunde nun „Die Geschichte des Wassers“ vor. Der Klappentext setzte in mir eine Erwartung frei, die ich nach dem Lesen des Buches nur in Ansätzen erfüllt sah. Der Anspruch, den das Thema Klimawandel bedingt, wurde m. M. nach mit diesem Buch nicht erfüllt. Das liegt nicht am Unvermögen der Autorin sich auszudrücken, sondern wie sie ihre Hauptpersonen (vor allem Signe) agieren läßt und wie die beiden Handlungsstränge miteinander verbunden werden. Doch der Reihe nach:

Auf 474 Seiten läßt die Autorin die Ich-Erzähler Signe und David abwechselnd zu Wort kommen. Diesen ständigen Wechsel empfinde ich nicht gerade als Vorteil. Vor allem bei der norwegischen Protagonistin Signe, die ja aus der Gegenwart im Jahre 2017 berichtet und immer wieder in die Vergangenheit in ihren Erinnerungen abdriftet, erscheint das sehr einseitig und teilweise sehr engstirnig. Ihr Verhalten bezeichne ich als übermotiviert und oft unangemessen. Der Kampf Signes gegen das Wasserkraftwerk in ihrer Heimat kommt mir vor wie ein Kampf gegen Windmühlen. Sie ist eine couragierte Umweltaktivistin für die es keine Grenzen gab und gibt, mittlerweile um die 70 Jahre alt. Die Naturschützerin sucht ihre alte Heimat mit dem Ziel auf, den Abbau des Gletschereises zu boykottieren. Die Leute holen aus dem Gletscher das Eis, damit es die Reichen in den Wüstenstaaten in ihren Drink geben können. Sie packt resolut einige Kisten ein und macht sich mit ihrem Segelboot auf den beschwerlichen Wasserweg nach Frankreich zu ihrer Jugendliebe Magnus, der inzwischen dort lebt. Und ab hier fragte ich mich, wann nimmt denn die Geschichte nun richtig Fahrt auf? Was bezweckt Signe mit ihrem Tun? Warum macht sie das?

Die andere Handlungsebene beginnt im Jahre 2041 in Frankreich. David, ein sehr junger Vater, befindet sich mit seiner Tochter Lou auf der Flucht aus seiner Heimat, einem Ort namens Argelés. Das Traumziel sind die im Roman namenlosen „Wasserländer“ im Norden, weil eine große Dürre herrscht, das Land verbrannte. Das Wasser wurde immer knapper. Beide stranden erst einmal in einem Flüchtlingslager bei Timbaut. Dort wollen sie auf die Mutter Anna und das Baby August warten, die sie auf der Flucht aus den Augen verloren hatten. Die Verhältnisse im Lager sind katastrophal. Als David und Lou das Boot in einem verwilderten Garten in der Nähe finden, war mir klar, wie Signe von vor 24 Jahren ins Bild paßt...

Maja Lundes Schreibstil empfand ich wie schon bei den „Bienen“ als angenehm. Es läßt sich gut lesen. Sie besitzt ein großes Erzähltalent, was sich aber für mich nicht in der Logik ihres gesamten Romans widerspiegelt. Die Autorin beschreibt ein großes Thema, das mich in der Art und Weise, wie es mit den Geschichten um David und Signe erzählt wurde, leider nicht wirklich überzeugte.
Schon bei den Bienen fehlte mir das wirklich verbindende Element in der Geschichte, das Große und Ganze. Hier beim „Wasser“ wird auf gesellschaftliche Verhältnisse so gut wie gar nicht bzw. sehr vage eingegangen. Es sind nur 24 Jahre, die vergehen, aber wo sind die Anzeichen einer Wasserkatastrophe beschrieben? Wo ist die beängstigende, bedenkliche Gefahr? Es wird, wenn überhaupt, nur postuliert.

David und Signe bleiben als Charaktere zu blass. Die anderen Personen im Roman sind leider nur Randfiguren, die dem Leser zur Begutachtung, Betrachtung, Beurteilung aus der Sicht der Erzähler vorgestellt werden. Auch sie blieben mir zu farblos. Insgesamt fehlte mir eine ausreichende Erörterung der beunruhigenden Fakten rings um das Thema Wasser.

Maja Lunde macht es mir sehr schwer eine Bewertung zu finden. Die „Bienen“ haben mir trotz ebenfalls einiger Abstriche besser gefallen. Da es keine halben Sterne gibt, vergebe ich statt 3,5 Sterne 4 Sterne.

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154 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 91 Rezensionen

andalusien, england, gemälde, insel-verlag, jessie burton, krieg, kunst, künstler, liebe, london, malerei, muse, roman, spanien, spanischer bürgerkrieg

Das Geheimnis der Muse

Jessie Burton , Peter Knecht
Flexibler Einband: 461 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.03.2018
ISBN 9783458363293
Genre: Romane

Rezension:

Dieser Roman von Jessie Burton erfüllte meine Erwartungen voll und ganz. Auf 455 Textseiten und in sechs Teilen mit inhaltsreichen, aussagekräftigen Überschriften entwickelt sie eine Story, die es in sich hat. Die Kapitel, die 1936 spielen sind mit römischen Zahlen und die von 1967 mit arabischen Zahlen gekennzeichnet.
Ich war sehr angetan vom Schreibstil und konnte es nicht erwarten, wie es weitergeht. In zwei Handlungsebenen stellt die Autorin die Lebenswege zweier, nein eigentlich dreier junger Frauen vor.

Inhalt:
Im Jahre 1936 beginnt die Geschichte um Olive Schloss, einer 19jährigen sehr talentierten Malerin, Tochter reicher Eltern im schon in Aufruhr befindlichen Spanien. Der Bürgerkrieg kündigt sich an. Olive bewarb sich an einer Kunstakademie und wurde auf Grund ihres Maltalentes angenommen. Jedoch beginnt sie ihr Studium nicht. Der Vater, ein Kunsthändler, weiß von alldem nichts. Er hält von Frauen in der Kunst nicht viel. Sie malt heimlich und versteckt ihre tollen Bilder.
Mit ihren Eltern, die gemeinsam mit ihr von England nach Spanien kamen, bewohnt das junge Mädchen eine Finca in dörflicher Umgebung in der Nähe von Malaga. Die ortsansässigen Geschwister Teresa und Isaac Robles kümmern sich um die Belange der Familie. Jeder hat ein Geheimnis und die unheilvolle Allianz zwischen den fünf Personen nimmt ihren Lauf...
1967, - 41 Jahre später – , begegnen wir im Swinging London der dunkelhäutigen Odelle Bastien, die aus Trinidad stammt. Sie berichtet aus der Ich-Perspektive und bringt einem die sie umgebenden Personen sehr nahe und viel Licht ins Dunkel. Da sind: Cynthia, ihre beste Freundin, ebenfalls aus Trinidad stammend, der sie alles anvertrauen kann. Lawrie, der weiße, junge Engländer, den sie lieben lernt und der ein geheimnisumwittertes Gemälde von seiner verstorbenen Mutter erbt. Nicht zuletzt ist da noch ihre Arbeitgeberin in der Kunstgalerie, die feinsinnige, elegante Majorie Quick, die Odelle sehr in ihr Herz geschlossen hat. Quick übernimmt auch die Initiative, um Odelles großes Schreibtalent publik zu machen. Mit dem Gemälde und der Kreativität der jungen Frau schließt sich bei der Person Quick ein Kreis, auf den ich hier nicht näher eingehen kann, nicht ohne zu spoilern.

Meine Meinung:
Von Jessie Burton wurden die beiden Handlungsebenen ganz geschickt choreographiert mit einigen überraschenden Wendungen. Sie führte mich immer wieder auf falsche Fährten. Wie sie ihre Figuren agieren läßt, wie sie sich entwickeln oder auch nicht in ihrer jeweiligen Epoche, das ist äußerst spannend zu lesen. Zumindest ein Leben hätte ganz anders verlaufen können, aber dann gäbe es diese fesselnde Geschichte nicht. Mit der betreffenden Person habe ich ein bißchen gehadert, aber solche Menschen soll es geben.
Jessie Burton brachte mir im Nu die Protagonisten nahe. In einer unkomplizierten, einfachen Sprache wird hier kommuniziert. Sehr unterhaltsam! Nebenher bekommt man einen Einblick in die Mode, die Frisuren, die Musik der Endsechziger, in die Lebensverhältnisse in London zu der Zeit. Immer wieder erfährt man auch so nebenher von den Seitenhieben, die beide, sowohl Odelle als auch die Freundin Cynthia, wegen ihrer dunklen Hautfarbe abbekommen.

Cover:
Es macht neugierig, ist interessant anzusehen und anzufassen (erhabene Buchstaben) und vermittelt bei den Gegenständen den Inhalt des Buches (z. B. Pinsel und Schreibmaschine).

Fazit:
Für dieses Buch gebe ich gern meine Lese- und Kaufempfehlung sowie die höchste Bewertung!

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138 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 73 Rezensionen

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In eisiger Nacht

Tony Parsons , Dietmar Schmidt
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.01.2018
ISBN 9783404176212
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Schicksal der zwölf jungen Frauen verschiedenster Nationalitäten war in dem Moment besiegelt, als sich die Türen des Kühllasters verschlossen und der Fahrer seinem Ziel entgegenraste. In London angekommen, sind elf von ihnen bereits tot. Erfroren! Der Lkw wurde einfach stehengelassen, vom skrupel- und hirnlosen Fahrer keine Spur. Eine junge Frau führt in einem Londoner Herzzentrum noch einen aussichtslosen Kampf um ihr Leben und verliert. Es ist die junge und zukunftsgläubige Hana aus Serbien. Mit ihr stirbt auch ihr Traum auf ein besseres Leben. Sie wollte so gern als Krankenschwester in dem reichen Land arbeiten. Krankenschwester? ...
Es waren zwölf Frauen im Lkw, aber 13 Pässe wurden gefunden. Was ist mit Nummer 13? Wo ist sie? Für Detective Max Wolfe und sein Team beginnt ein gefährlicher, lebensbedrohlicher Kampf gegen ein dichtes Netzwerk des Menschenhandels.

Selten habe ich einen so individuellen Krimi mit einem dermaßen sorgfältig ausgearbeiteten Plot und einem solch verantwortungsvollen, mitfühlenden Ermittler wie Max Wolfe gelesen. Für mich ist „In eisiger Nacht“ das erste Buch von Tony Parsons. Mir war nach dem Lesen vollkommen klar, warum es alle seine Romane auf nationale und internationale Bestsellerlisten geschafft haben. Verdient geschafft haben! Mir fiel sofort der intensive Schreibstil, die bildhafte Sprache, die anschaulichen Vergleiche auf. Hier eine kleine Auswahl:
S. 10 „Der Mann mit dem zerschmolzenen Gesicht...“
S. 14 „Was war das für ein eisiger Nebel in ihrem Kopf?“
S. 81 „Der Bass...so laut, dass ich ihn in den Backenzähnen spürte.“
S. 85 „...schwankte auf Absätzen so lang wie Injektionsnadeln.“
S. 95 „...lagen zwei Wagen zerbeult wie leere Zigarettenschachteln am Straßenrand.“
S. 147 „Es war, als wäre die Welt in Bewegung.“

„In eisiger Nacht“ (Band 4 einer Reihe) wurde im personalen Stil geschrieben, aus der Perspektive des Detective Max Wolfe. Ich las 38 Kapitel, die nicht zu lang sind und 334 Seiten eines spannenden Krimis in den realen Abgründen unseres Kontinents. Schwer zu ertragen sind und waren für mich die Euphemismen, die den Themen Schleusertum und Menschenhandel anhaften. Diese immer und immer wiederkehrenden beschönigenden, verharmlosenden Ausdrücke für die erschütternden, kriminellen Machenschaften!
Der Protagonist Max Wolfe, alleinerziehender Vater von Tochter Scout, ist ein sehr präsenter Detective mit positiver Ausstrahlung. Ihn hat das harte, kriminelle Milieu, mit dem er es immer wieder zu tun hat, noch nicht gefühllos gemacht. Ich mag diesen Charakter sehr. Auch die anderen Figuren wurden sehr gut ausgearbeitet.

Fazit:
Vom Prolog an, war ich im Banne des Geschehens. Die Story ist äußerst realistisch erzählt und ganz dicht am Leben dran. Der Autor berichtet beängstigend genau, wie die Migranten nach Europa kommen, wie sie die Schleusernetzwerke nutzen. Er zeichnet das bedrohliche Bild einer kriminellen Industrie mit einem Jahresumsatz von ca. 5 Milliarden Pfund, inzwischen das am schnellsten wachsende Geschäft der Welt.

Dieser authentische Kriminalroman ging mir unter die Haut. Es passiert hier in Europa, mitten unter uns. Unvorstellbar!

Meine Bewertung: Fünf von fünf Sternen und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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29 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

agenten, biologische waffen, drohnen, enco, fiktion, flugzeugentführung, gefälschte dokumente, hochspannend, realität, salamander, teil 2, thriller, triangular files, trilogie, verbrechen

Die Kaskaden des Salamanders

Van Deus
Flexibler Einband: 566 Seiten
Erschienen bei B-B-One Publishing, 10.12.2015
ISBN 9783945752777
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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126 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 61 Rezensionen

1940, barcelona, bürgerkrieg, emanzipation, ermittlungen, familie, familiengeschichte, franco, frauen, generationen, homosexualität, katalonien, mord, spanien, weingut

Die Frauen von La Principal

Lluís Llach , Petra Zickmann
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 07.03.2016
ISBN 9783458176725
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch habe ich schon vor einiger Zeit gelesen. Es war ein Gewinn bei Vorablesen. Nun möchte ich doch noch ein Urteil über „Die Frauen von La Principal“ abgeben.
Die Geschichte beginnt Ende des 19. Jahrhunderts in einem spanischen Dorf. Es handelt von tatkräftigen Frauen einer Familie und dem Weingut La Principal.
Da ist zunächst die äußerst attraktive Maria, die nach dem Tod des Vaters im Alter von 20 Jahren La Principal übernimmt, übernehmen muss. Ihre vier Brüder waren allesamt nach Barcelona gegangen und hatten sich dort etabliert. Mit Charakterstärke und Willenskraft behauptet sie sich in der Welt der Machos und erwirbt sich den Ruf einer gewieften Geschäftsfrau und der berühmtesten Frau der Provinz. Aber auch den einer launischen Tyrannin.

Lluis Llach konnte mich mit seinem Buch begeistern. Mir gefällt sein wunderbarer Schreibstil. Mit sehr viel Wärme, stimmungsvoller Atmosphäre und Spannung erzählt der Autor von drei Frauen einer Familie, die sich den jeweiligen Zwängen ihrer Zeit entgegenstellen und ihr Leben selbstbewußt gestalten.

Ich vergebe fünf von fünf Sternen und meine Leseempfehlung für ein besonderes Buch spanischer Zeitgeschichte vom Ende des 19. Jh. bis in die Gegenwart.

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140 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 86 Rezensionen

albert einstein, einstein, forschung, frau, frauenschicksal, liebe, liebesgeschichte, mileva maric, physik, relativitätstheorie, relativitätstherorie, roman, schweiz, wissenschaft, zürich

Frau Einstein

Marie Benedict , Marieke Heimburger
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2018
ISBN 9783462049817
Genre: Romane

Rezension:

Mileva Marić wurde 1875 in Serbien (damals zu Österreich/Ungarn gehörend) geboren. Frühzeitig erkannte der Vater ihre außergewöhnliche Begabung und herausragende Intelligenz. Er unterstützte das auffällige Potential seiner Tochter und ebnete ihr den Bildungsweg. Junge Mädchen waren in der Regel in der damaligen Zeit per Gesetz vom Besuch einer höheren Schule ausgeschlossen und damit war der Zugang zu einem Studium verwehrt. 1896 beginnt sie, als einzigste Frau am Polytechnikum in Zürich, Physik zu studieren. Mit Feuereifer stürzte sie sich in das Studium. Nur Albert Einstein schien von allen Mitstudenten der jungen Frau wohlgesonnen zu sein. Ihre Beziehung entwickelt sich langsam, aber beständig nimmt das tragische Schicksal Milenas seinen Lauf...

Noch nie vorher hatte ich von Albert Einsteins erster Frau etwas gelesen oder gehört. Marie Benedict verstand es, mir in einem schönen, emotionalen Schreibstil den Lebensweg der begabten jungen Frau nahe zu bringen. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, d. h. aus der Sicht von Mileva. Das bedeutet, dass die Autorin den weltberühmten Albert Einstein nur durch den Blickwinkel seiner ersten Frau agieren läßt. Der Leser sollte jedoch dabei berücksichtigen, dass hier eine fiktive Geschichte der realistischen Persönlichkeiten erzählt wird. Das Leben der Beiden wird nachvollziehbar dargestellt, bekannte Quellen werden eingearbeitet.
Viele Faktoren trugen dazu bei, dass die Träume der jungen hochintelligenten Frau nicht wahr werden konnten. Das berühmte „Hätte-Wäre-Wenn“ kam mir bei der Lektüre immer wieder in den Sinn. Das gilt aber gleichermaßen für beide. Wäre z. B. Albert Einstein der geniale Erfinder geworden, ohne Mileva? Ihr größter Fehler war, dass sie vom Beginn ihrer Liebe an, mehr von seinen als von ihren Fähigkeiten überzeugt war, sich ständig von ihm unterbuttern ließ und stets seine Interessen über ihre eigenen stellte. Diese Gefahr hatte bereits Milevas Vater vorausgesehen: "Du behältst stets dein Tempo durch das Leben bei - solange keine Kraft von außen auf dich einwirkt. Ich hoffe sehr, dass keine äußere Kraft dich jemals bremsen wird."(S. 57) Diese "äußere Kraft" war ausgerechnet der Mann, den sie so sehr liebte, ihr Albert. Sein Versprechen: „beruflich und privat auf Augenhöhe“ hat er nie eingelöst (S. 134). Tut mir leid, das so schreiben zu müssen, doch er hat sie regelrecht und sehr bewußt um ihren wahrscheinlich beträchtlichen wissenschaftlichen Beitrag an seiner Arbeit betrogen.

Zwangsmäßig verglich ich meinen eigenen beruflichen Werdegang mit dem von Mileva. Ich bin in der DDR aufgewachsen und hatte keinerlei Beschränkungen, um das Abitur abzulegen und trotz Kind ein Direktstudium erfolgreich zu beenden (mit 22 Jahren). Dabei stand mir in der gesamten Zeit niemand und nichts im Wege. Im Gegenteil, ich erfuhr jede Menge Unterstützung, auch von meinem Mann. Überlegenswert ist, wie es derzeit mit den Möglichkeiten für Mädchen/Frauen bestellt ist. Ich werte nicht, denn das kann jede für sich und ihre Situation beurteilen. Die heutigen gesellschaftlichen Bedingungen lassen aber meiner Meinung nach viel Raum zur Verbesserung offen. Es gäbe noch viel zu tun. Zum Glück haben wir nicht mehr die Zustände wie zu Milevas Zeiten, aber es gibt auch keinen Grund mit der Lage der Frauen zufrieden zu sein.

Fazit:
Mir hat das Buch sehr gefallen. Es berührte mich. Milena Marić wurde zu einem Opfer ihrer Zeit. Ein tragisches Frauenschicksal! Es wird mich noch eine Weile beschäftigen.
Ich bewerte mit fünf von fünf Sternen und gebe sehr gern meine unbedingte Lese-/Kaufempfehlung.

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Ocean City - Jede Sekunde zählt

R. T. Acron
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 09.03.2018
ISBN 9783423761994
Genre: Jugendbuch

Rezension:

R.T. Acron – dahinter verbergen sich Frank Maria Reifenberg und Christian Tielmann, zwei geschätzte Kinder- und Jugendbuchautoren. „Ocean City-Jede Sekunde zählt“ ist der Auftaktband einer Trilogie.

Ocean City - dahinter verbirgt sich eine Riesenstadt, die auf dem Meer erbaut wurde. Die einzige Währung, die dort zählt, ist Zeit. Und: „Wer die Zeit kontrolliert, hat die Macht.“!
Die beiden Jungen Crockie und Jackson haben im Geheimen einen Transponder entwickelt, der ihnen mit einem einfachen Trick erlaubt, die Zeitkonten zu hacken. Sie träumen von einem zeitunabhängigen Leben. Aus unerklärlichen Gründen waren ihnen die Zeitkontrolleure auf die Schliche gekommen. Crockie wird angeschossen auf der Flucht und verschwindet spurlos. Ist sein Freund tot? So schnell wie möglich muss Jackson das selbstgebaute Gerät noch vor dem Geheimdienst finden, ansonsten sind die Familien der beiden Freunde geliefert. Doch wo soll er mit seiner Suche beginnen in der 15-Millionen-Einwohner-Stadt? Seine äußerst schwierige Mission beginnt...

Mir gefiel die Auftaktgeschichte ausnehmend gut, obwohl ich weit weg von der Zielgruppe bin. Der Sprachstil ist angenehm und jugendgemäß. Die Sätze sind kurz gehalten. Schön, wie hier sehr anschaulich von einem totalitären Gesellschaftsgefüge erzählt wird und viele Fragen aufgeworfen werden. Was ist das für ein Leben in der Riesenstadt, die mitten im Ozean errichtet wurde? Die City versorgt sich selbst und hat sich gegen die Umwelt total abgeschottet. Alles wird recycelt und dem System wieder zugeführt. Allerdings zeigen sich auch die ersten bedenklichen Verschleißerscheinungen. Es gibt Areale, die nicht mehr betreten werden dürfen, wenn man es nicht mit der Gesundheit oder sogar mit dem Leben bezahlen will.
Die Zeitkonten sind die Basis des friedlichen und erfolgreichen Zusammenlebens. Das gesamte Wirtschaftssystem basiert auf Zeit. Belohnung sowie Bestrafung erfolgen in Minuten und Sekunden. Wer nicht spurt, wird auf den unwirtlichen Kontinent geschickt, in die staatenlosen Regionen. Dort kämpfen die Menschen ums nackte Überleben.

Fazit:
Acron gelang es auf 266 Textseiten und in 25 Kapiteln eine aktionsgeladene, interessante Story zu erzählen. Der erste Teil der Trilogie endet offen und mit einer überraschenden Wende. Ein schönes Jugendbuch, das mit diesem fulminanten Auftaktband Lust auf die beiden weiteren Folgen macht.
Die Charaktere, selbst die Nebenfiguren sind hervorragend gezeichnet, mit ihren Stärken und Schwächen.
Das Buch zeigt die Probleme unserer Zeit auf, wie z. B. die Umweltverschmutzung, den Umgang mit wertvollen Ressourcen, nicht nur der Zeit und, dass wir endlich aufhören müssen Raubbau an unserer Erde zu begehen.

Wertvolle Lektüre, die ich dringend empfehlen möchte für jugendliche Leser beiderlei Geschlechts – eigentlich für alle, für jung und alt!

Ich vergebe fünf von fünf Sternen.

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Hologrammatica

Tom Hillenbrand
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2018
ISBN 9783462051490
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Ich habe mich nach anfänglichen Startschwierigkeiten, auch wegen der vielen fremden Wörter, sehr schnell festgelesen. „Hologrammatica“ war für mich ein absolut fesselnd geschriebener Science–Fiction–Thriller. Ich musste schon voll und ganz bei der Geschichte bleiben, mich konzentrieren, um alles in den richtigen Kontext zu bringen.

Galahad Singh ist der Protagonist, ein Privatermittler, hier Quästor genannt, der den Auftrag erhält, die verschwundene Kryptologin Juliette Perotte zu finden. Die Suche nach ihr gestaltet sich von Anfang an als sehr schwierig. Da sie reich ist, kann sie sich in vielerlei Gestalten verwandeln, kann sich jede Menge „Gefäße“ (Klone) leisten. Doch wie sich herausstellen wird, sind das die geringsten Probleme mit denen der Ermittler im Verlauf seiner Nachforschungen zu kämpfen hat. Zudem verliebt er sich in jemand, von dem er nicht weiß, wer sich dahinter verbirgt. Ist es ein Mann oder eine Frau? Durch die zahlreichen, technischen Möglichkeiten kann sich jeder hinter einer anderen, geschönten Fassade verbergen. „Wer sieht so aus, wie er aussieht?“ S. 135

„Hologrammatica“ wird als Thriller bezeichnet und spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft und zwar im Jahr 2088.
Die Story ist schon ganz schön drastisch und extrem, denn so weit ist diese Zukunft nicht. Nur noch 70 Jahre trennen uns von dieser Zeit. Tom Hillenbrand beschreibt den Zustand unserer Welt im weiteren Fortgang des Klimawandels. Australien – dieser Kontinent wurde inzwischen zum unbewohnbaren Territorium. Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Sibirien ist das erstrebte Ziel, um dort zu wohnen. Europa ist klimatisch unerträglich. Flora und Fauna in Brasilien werden durch einen Giftwald geprägt. Die Tiere sehen aus wie mißglückte, genetische Experimente...
Hologramme werden über alles gelegt, um die Welt besser aussehen zu lassen, um Unregelmäßigkeiten, häßliche Aspekte zu vertuschen. Einige Superreiche leben inzwischen im Asteroidengürtel und auf dem Mars. In den 40er Jahren des 21. Jahrhunderts wurde mit Hilfe einer „Künstlichen Intelligenz (KI)“ damit begonnen, das hochkomplexe System des Klimawandels zu lösen. Durch die Entwicklung spezieller Viren gelang es die Bevölkerung im Verlaufe der Jahre dynamisch zu dezimieren, ohne zu töten. Das war für mich eine erstaunliche Variante der Absenkung der Weltbevölkerung

Wie der Autor die komplizierten, vielschichtigen Probleme im Verlaufe der Geschichte miteinander verbindet und dies auch noch verdammt unterhaltsam rüberbringt, das nötigte meine Hochachtung ab. Mit enormer, nahezu überbordender Phantasie, Witz und Humor läßt er Galahad an der Rettung der Menschheit teilhaben. Es endet hoffnungsvoll.

Ich erwartete eine spannende Zukunftsgeschichte mit teils dystopischen Ausblicken, die ich auch bekam, obwohl ich mich manchmal in Absurdistan wähnte!
Am Ende des Buches sind einige spezielle Ausdrücke erklärt zum besseren Verständnis.

Das Cover ist so aussagekräftig, dass die Augen schmerzen. Ein absoluter Eyecatcher. Sehr gut gelungen!

Meine Bewertung: Fünf von fünf Sternen und eine dringende Empfehlung für Sci-Fi-Fans.

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