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74 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

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Die Sommertänzerin

Judith Kinghorn , Kristina Lake-Zapp
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.04.2012
ISBN 9783442379095
Genre: Romane

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49 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Vom Ende einer Geschichte

Julian Barnes , Gertraude Krueger
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei btb, 11.05.2015
ISBN 9783442748747
Genre: Romane

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126 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Die Tyrannei des Schmetterlings

Frank Schätzing
Fester Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 24.04.2018
ISBN 9783462050844
Genre: Krimi und Thriller

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Die Flötenspielerin

Hilga Höfkens
Flexibler Einband: 296 Seiten
Erschienen bei TWENTYSIX, 14.05.2018
ISBN 9783740716646
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Flötenspielerin handelt vom Kampf um eine Liebe, deren Hoffnung und Erfüllung.
Leah wird als Hexe verfolgt und findet gemeinsam mit ihrem Ziehvater Sebastian Zuflucht im herzöglichen Irgendwo, irgendwann im 13.Jh. Leahs Stärke ist der Umgang mit Tieren, insbesondere mit Pferden, sie versteht es, Heilverfahren selbst zu entwickeln und kann diese auch an Menschen anwenden. Sie macht bald die Bekanntschaft mit einem als Einsiedler lebenden, im Dorf wegen seiner Brandwunden als Kapuzenmann verschrienen jungen Mann. Alexander birgt ein ebenso großen Geheimnis wie Leah, die nur auf den ersten Blick eine Pferdemagd ist.

In Hilga Höfkens Debüt wird das Sujet des Historischen Romans geradezu ausgeweidet. Das Metier der Heilerin, Ritterspiele, Tjoste, nicht eigentlich neuer Stoff. Verglichen wird die Geschichte gern mit dem Glöckner von Notre Dame oder Die Schöne und das Biest, Parallelen die einzig auf Alexanders Narbengesicht zurückzuführen sind, und dem Ganzen nicht gerecht werden. Es mag sein, dass die Autorin schon sehr früh viel zu viel Potential verpulvert, indem zu zeitig vorhersehbar wird, wie es um Leah und Alexander in Wirklichkeit bestellt ist, wer hier eigentlich die Ränkeschmiedin im Ganzen ist, etc. Das ist schade. Es ist leider auf S. 40 alles klar. Das muss ja nicht sein.
Obschon die Autorin Detailverliebt vorgeht, was ihrer sachlichen Sprache keinen Abbruch tut, hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle eine Verschiebung der Detailbeschreibungen gewünscht. Das Sujet des hist. Romans der Moderne ist nun inzwischen an die 25 Jahre alt. Fans müssen nichts mehr über Pflanzenheilkunde lernen, denn dies Thema wurde ja schon mannigfach ausgebreitet. Mir hätte gut gefallen, wenn das "Irgendwo" und "Irgendwann" eine reale Entsprechung gehabt hätte. Die Autorin hat bewiesen, dass sie eine Meisterin der Recherchen ist und hätte sicher ein Leichtes daran gehabt, sich eine präzise politische und wirtschaftliche Phase des 13.Jh. auszuwählen, vor der Kulisse sich Leahs und Alexanders Geschichte echter angefühlt hat. Leider konnte mich zumindest in diesem Punkt (die Liebelei) die Autorin nicht abholen.

Und so ist erklärbar, dass an manchen Stellen für mich  die Spannung leider abflaute, Dialoge werden in die Länge gezogen, wo eine Raffung und / oder indirekte Rede, innerer Monolog oder ähnliches Abwechslung und Würze in der Kürze geboten hätten. Es kommt zu inhaltlichen wie stilistischen Wiederholungen.

Und auch hier bestätigt sich wieder die Erfahrung, die ich mit bislang jedem Self-publishing gemacht habe: es fehlt der letzte Schliff. Leider wimmelt es im Satz vor R/G und Layout-Fehlern, was die Freude über die Liebesgeschichte ein bisschen schmälert.

Dennoch gebührt dem Romandebüt im Selbstmanagement mein allergrößter Respekt.

Ich möchte der Autorin danken, dass ich bei der Leserunden dabei sein durfte und mir ein Buch zur Verfügung gestellt wurde.

Herzlich
Ivonne Hübner

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Tags: 13.jh, die schöne und das biest, historischer roman   (3)
 

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(156)

253 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 121 Rezensionen

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Die Geschichte des Wassers

Maja Lunde , Ursel Allenstein
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 19.03.2018
ISBN 9783442757749
Genre: Romane

Rezension:

Unwillkürlich vergleicht man die Geschichte des Wassers mit der Geschichte der Bienen. Es ist ungerecht, aber nun einmal automatisiert, wenn zwei gesellschaftskritische, globalrelevante Titel in so kurzer Folge erscheinen. Vielleicht hätte sich Maja Lunde noch ein Jährechen Zeit nehmen sollen, um sich einen fesselnderen Plot einfallen zu lassen.
Das Bienenbuch hat einen wahren hype des Naturschutzes losgetreten, was richtig und wichtig war. Das Wasserbuch wird es nicht. Vielleicht ist es nicht Maja Lundes Anspruch gewesen, man weiß es nicht.

Signes und Davids Handlungsstränge - wieder wechseln die Erzählperspektiven ab, wieder tauchen wir in verschiedenen erzählte Zeiten ein (oder auch nicht, denn zumindest in Davids Story gibt es kein Wasser mehr) - sind sehr kurz gehalten. Das ist störend. Häufig nur 3-4 Seiten, dann kommt der jeweils andere wieder zu Wort.
Mich hat es so sehr gestört, ständig aus den Gefühlsebenen der jeweiligen katapultiert zu werden, dass ich kurzerhand das Buch zweimal las: zum einen nur David, zum anderen nur Signe und das ging dann besser. Daher frage ich mich - wenn man die letzten beiden Kapitel außer Acht lässt  - was die abwechselnden Erzählhaltungen bezwecken wollen?
Auch die Plots von Signe und David sind schwach. Kleine Spannungsbögen, die den Leser vom einen zum anderen Kapitel schleppen, von Zeit zu Zeit Fahrt aufnehmen, z.B., wenn es um Signes oder Davids Kind geht, im Großen und Ganzen aber dahinplätschern wie das knapper werdende Wasser.
Auch bleibt fraglich, ob die "Wasser"-Thematik, die an und für sich stimmig recherchiert zu sein scheint - man lernt Dinge, die man nicht braucht übers Segeln - nicht viel packendere und viel wichtigere Ressourcen bereit hielte. Plastik im Ozean wird nur angeschnitten. Thema Gletschersterben wird ohne seine tragischen Konsequenzen "benutzt". Es steckt so viel mehr hinter der globalen Katastrophe. Gerade in meinem Landstrich herrscht seit Ende April eine so entsetzliche Dürre, dass die Wasserproblematik eigentlich in allen Medien thematisiert werden sollte.
"Die Geschichte des Wassers" ist in meinen Augen eine verpasste Chance und lediglich eine Gelddruckmaschine.
Schade.

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76 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

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Die Mutter meiner Mutter

Sabine Rennefanz
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 14.09.2015
ISBN 9783630874548
Genre: Biografien

Rezension:

Ein viel versprechendes Cover und ein Plot ganz im Sinne der modischen Familiengeschichten und wieder irgendein dunkles Geheimnis, dessen Aufklärung zutage bringt, dass das Familienidyll gar keines ist und alles anders als man denkt.
Sabine Rennefanzens "Die Mutter meiner Mutter" reiht sich in die Masse von Nachkriegs-Familiengeschichtenbewältigungsschmöker und bleibt doch nur farblos.
Auf 250 Seiten beschreibt die Autorin die Jugend ihrer Oma Anna, die als Ostflüchtling in ein - wohl- brandenburgisches Dorf "Kosakenberg" kommt. Dort als Magd bei ihrer "Ziehmutter" Amalie arbeitet. Es folgen ungezählte Dorfanekdoten mit Leuten mit viel zu vielen ähnlich klingenden Namen. Die Autorin versucht einen Spannungsbogen mittels zweier Handlungsstränge: einerseits aus Sicht der Ich-Erzählerin (non-fiktive Enkelin oder autobiografisch?) in der Gegenwart, andererseits aus Annas Sicht, verquirlt dabei die Erzählhaltungen, sodass man (also ich) häufig einen Absatz mehrmals lesen muss, um das Subjekt und die Erzählzeit zu erkennen. Das macht dieses schmale Buch für mich zu einem Wälzer.
Schade.
Eine gute Idee, ein Spitzencover, aber eine Mühsal, Annas vorhersehbares (und logisches) "Geheimnis" zu lüften.

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Tags: chronik, familie, familiengeheimnis, familiengeschichte, nachkriegsdeutschland, ostflüchtling, vergewaltigung   (7)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

affäre, daz, dora heldt, ehe, einfache lesbarkeit, einfache sprache, familie, frauenroman, freundschaft, funktionaler analphabetismus, hamburg, legasthenie, liebe, neuanfang, scheidung

Ausgeliebt

Dora Heldt , Spaß am Lesen Verlag GmbH , Sonja Markowski
Buch: 120 Seiten
Erschienen bei Spaß am Lesen, 06.11.2017
ISBN 9783944668758
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags: affäre, ehe, scheidung   (3)
 

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Das Marillenmädchen

Beate Teresa Hanika
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei btb, 09.07.2018
ISBN 9783442716937
Genre: Romane

Rezension:

Wien, jetzt und damals.
Elisabetta Schapiro, Kobold, Tochter eines jüdischen Arztes und einer Opernsängerin, jüngste dreier Schwestern, ist womöglich das Marillenmädchen, das jedes Jahr getreulich die Früchte des Baumes in ihrem Garten einkocht. Ein Baum, der mit ihr gealtert ist, sie begleitet hat wie die - vorübergehend verschollene - Schildkröte Hitler. Wer hinter dieser Geschichte einen Klamauk vermutet, wird zu Recht enttäuscht.
Elisabetta wird als alte Dame vorgestellt, die ihr Leben Revue passieren lässt. Ein bisschen schrullig wird ihr von ihren Schwestern Gesellschaft geleistet. Doch die beiden - Judith und Rahel - weilen längst nicht mehr unter den Lebenden. Sie wurden gemeinsam mit den Eltern ausgang des Krieges deportiert. Gerade noch so, was dem Ganzen eine gewisse Tragik verleiht. Elisabetta kommt davon, weil sie mit ihrem Jugendfreund und Hassliebe Franz in den Trümmern der Stadt herumstreunt, wird jedoch Zeugin der Verschleppung ihrer Familie und wird nie darüber hinweg kommen. Franz wird sich von Elisabetta abwenden, eine deutsche, blonde Frau heiraten und ihr die Ehe brechen. Elisabetta wird eine Tochter von ihm bekommen und eine Enkeltochter, die Rahel genannt wird. Ihre Familie wird ein jüdisches Restaurant betreiben, es Shalom nennen und hier wird die Tragödie ihren Lauf nehmen.

Hanika zeichnet auf ganz fantastische Weise Parallelen des jüdischen Lebens zur Zeit des 3.Reiches und unserer Gegenwart. Schmerzhafte, ehrliche Assoziationen, die die Neonazi-Szene beleuchtet und mit "dem Mädchen" Pola, ihrem Bruder und dessen faschistischem Netzwerk eine Bühne geben.  Pola und Rahel werden ein Liebespaar, was nicht sein sollte, weiß man, in welchen Kreisen Pola verkehrt.

Hanika verquickt Sentenzen der jungen und der alten Elisabetta so raffiniert, sodass die Entwicklung der Geschichte nicht vorhersehbar und doch hinter jeder Buchseite Überraschungen stecken,

Ein wichtiges Buch. Eine großartige, traurige und ehrliche Geschichte, die uns zum Nachdenken anregt, uns noch lange nach dem letzten Satz schweigend innehalten lässt.

Ivonne Hübner
Febr. 2018

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Tags: altern, erinnerungen, familie, faschismus, holocaus, neonazis, rechtenszene, schwestern, verlust, zeitzeugnis   (10)
 

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(132)

261 Bibliotheken, 5 Leser, 8 Gruppen, 23 Rezensionen

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Die Mittagsfrau

Julia Franck
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.04.2009
ISBN 9783596175529
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: familiensaga, familienschicksal, goldene zwanziger, starke charaktere, starke frauen, zweiter weltkrieg   (6)
 

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(29)

58 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

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Das Lied der Stare nach dem Frost

Gisa Klönne
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.07.2014
ISBN 9783492304764
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: 2.weltkrieg, familie, familiengeheimnis, familiengschichte, mecklenburg-vorpommern, mutter-tochter-beziehung, zeitzeugen, zeitzeugnis   (8)
 

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202 Bibliotheken, 18 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Tyll

Daniel Kehlmann
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 09.10.2017
ISBN 9783498035679
Genre: Romane

Rezension:

Sehr interessant für mich als Historikerin. "Tyll" bleibt leider aber ein Fachbuch mit einem Funken Unterhaltung. Für alle, die sich im 30jährigen Krieg auskennen sehr ansprechend. Wieso musste er aber die Schwankfigur missbrauchen? Daniel Kehlmanns Dreistigkeit, Till Eulenspiegel aus der Renaissance in den Barock zu verpflangen, ist ein strategischer Schachzug zum Jubiläumsjahr des 30jährigen Krieges. Gut ausgeschöpft. Es scheint, er habe die Kapitel in einen Topf geworfen, gut gerührt und so zum Roman zusammen gefügt, wie  er sie aus dem Zauberkessel gefischt hat. Gut recherchiert, das muss man ihm lassen. Seine Sprache ist vielgerühmt, dem ist nichts hinzuzufügen. Was aber will der Roman? Kehlmann legt Hölzchen zu Stöckchen, geht zu sehr ins Detail, als dass man sich über den 3-Phasen-Krieg informieren könnte, was von einem belletristischen Roman zu viel verlangt wäre. Und die Figur des Till Eulenspiegel ist zu viel erfunden, als dass man sie autobiografisch nennen kann. Dem Historiker mag das Versteckspiel der kleinen Indizien und Hinweise auf gewisse Personen und Schauplätze des 30jährigen Gemetzels Vergnügen bereiten, wie ein Rätselraten oder Geschichtstest "Na? Weißt dus noch?" Aber an und für sich bewegt sich Kehlmann gestalterisch auf der Bühne der historische Roman-Autoren, was man von ihm nicht kennt. Vielleicht kommt Kehlmann in das Alter, in dem ers gemütlich mag.
Fazit:
Unterhaltend an der Oberfläche schürfend unter dem Deckmantel gut recherchierte Stichproben eines großen Krieges.

Jan.2018
Ivonne Hübner

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(10)

11 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

familiengeschichte, magischer realismu

Asche zu Asche, Sterne zu Staub

Wiebke Schmidt-Reyer
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei epubli, 20.06.2017
ISBN 9783745073584
Genre: Romane

Rezension:

Selten habe ich so lange für einen Roman gebraucht wie für diesen. Der Austausch mit der Autorin in der Leserunde sollte mich durch die Ansammlung von geschilderten Ereignissen in einem Wust von Namen, Generationen und Belanglosigkeiten manövrieren und dennoch bleibt ein ganz schaler, farbloser Eindruck vom Roman zurück, wobei der Klappentext so viel verspricht.

Was die Autorin - immer wieder in der Leserunde wurde dies beteuert - mit "Magischem Realismus" in ihrem Buch belegen möchte,  kann ich nicht entdecken.

Die Autorin versucht mit ellenlangen Schachtelsätzen zu überzeugen, dass sie erzählen kann. Das hätte ich ihr auch mit einer leserfreundlichen Stilistik auch geglaubt. Die Aneinanderreihung von Hypotaxen ist heut längst nicht mehr notwendig - gemessen am modernen, zeitgenössischen Erzählen; Schachtelsätze, die auch im historischen Roman eher altbacken und hinderlich wirken. Es wird in die Länge gezogen. Ein roter Faden, ein Handlungsstrang, der Spannung aufbaut und Neugier weckt, war mir leider nicht gegeben, die unübersichtliche Flut an Personen, die Aneinanderreihung von Berichten wirkt ermüdend.

Der Inhalt ist in einem Satz erzählt: Da gibt es Kim, die von ihrer Familie, auch von ihrer Großmutter Auguste berichtet und jene Auguste berichtet von Kim in einer Art Rückblende, denn Auguste stirbt und ihr Nachlass muss geregelt werden. Erzählhaltungen variieren hier vom Präs. in en Prät., was in einem Dafürhalten auch nicht für Systematik gesorgt hat. Es wird ein Familiengeheimnis gelüftet, das vorhersehbar ist, nicht wirklich überrascht, wenn man "Asche zu Asche ..." in die Reihe der Familiengeschichten seit Julia Frank stellen möchte. Es gibt kleine erzählerische Lichtblicke, wenn das Sterben thematisiert wird, aber auch das ohne inhaltlich stringenten Konsens.

Layout: leserunfreundlich, weil sehr enger Satz mit einer kleinen Type, sehr schmale Seitenränder, klobiges handling, sehr lange Absätze, die die oben geschilderten Schachtelsätze schier unbezwingbar machen.

Fazit: Ich finde es schade, dass hier das Vorurteil des mangelhaft überarbeiteten Self-publishings bestätigt wird. Man muss wissen, wie viel Mühe, Fleiß, Geduld, Kreativität der Selbstverlag abverlangt und leider wurde Wiebke Schmidt-Reyer hier schlecht beraten. HIer zeigt sich, wie wichtig professionelles Korrektorat und Lektorat sind.

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(52)

100 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

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Die Erfindung der Flügel

Sue Monk Kidd , Astrid Mania
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei btb, 13.03.2017
ISBN 9783442714674
Genre: Romane

Rezension:  
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(66)

109 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 53 Rezensionen

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Ivy und Abe

Elizabeth Enfield , Babette Schröder
Flexibler Einband: 439 Seiten
Erschienen bei Diana, 18.09.2017
ISBN 9783453291898
Genre: Liebesromane

Rezension:

Es ist ein ganz unkonventionelles Geschichtenformat.
Nicht so sehr die Handlung ist bannend - eher ein Kammerspiel zwischen zwei Menschen, die sich immer wieder neu kennen lernen, gerahmt von gewissen geschichtlichen Ereignissen, die wir als Mitteleuropäer mitbekommen haben -, sondern die Idee, dass Ivy und Abe in jedem Kapitel, erstens immer weiter in die Vergangenheit versetzt werden, immer jünger werden also und zweitens ihre Beziehung zueinander in Variationen geschildert werden.
Im Grunde sind es Kurzgeschichten. In einer jeden geht es um Ivy, über deren Familiengeschichte und Vergangenheit wir von Kapitel zu Kapitel mehr erfahren sollen. Abe nimmt in jeder Geschichte eine andere Rolle ein. Wieso? Das ist mir  nicht klar.

Wieso hat Enfield ihn nicht in jedem Kap. anders genannt? Keine Ahnung. Interessant ist, wie sich eine Frau in jeder "Geschichte" anders definiert, sich auf verschiedene Weisen auf den "neuen" Mann in ihrem Leben einlässt. Das gefällt mir sehr.

In der Szenengestaltung fehlt es mir an Atmosphäre, an Abwechslung in der sehr dialoglastigen Erzählweise. Längere erzählte Handlungen wären abwechslungsreich.
Ein Buch, das sich sehr schnell "wegliest", sehr emotionsgeladen ist und vor allem unglaublich traurig. Ein Buch, das uns die Endlichkeit des Lebens vor Augen führt. Kein Buch für trübe Tage, das würde vllt. deprimieren, weil es von Verlust und Sehnsucht getrieben ist.
Das wiederholte Motiv: Ehebruch. In beinahe jedem Kapitel wird das thematisiert. Verschiedene Varianten, verschiedene Fantasien ausdiskutiert. Man bekommt den Eindruck, als habe die Autorin probiert, wie sie ihren Roman eigentlich beginnen möchte und hier sämtliche Entwürfe als Einzelkapitel aneinandergereiht.
Leider verliert das Experiment für mich ab der Mitte an Spannung. Es wird müßig, die vielen Varianten des Beziehungsdramas nachzuvollziehen, weil es sich wiederholt. Plätze, Bemerkungen, Figuren, kleine Ereignisse, Gegenstände wiederholen sich und bilden die eigentlichen Konstanten, welche aber keinen wirklichen Zweck erfüllen, denn die Vernetzungen bilden kein übergeordnetes großes Ganzes.
Dennoch ist das das Buch durchziehende Schicksal der kranken Mutter und des kranken Bruders sehr berührend.

Sehr flotter, übersichtlich, doch sehr geraffter Lesefluss möglich. Bisher ein wirklich nachdenklich machendes Vergnügen.
Für das Ende hätte ich mir eine Umarmung der ersten mit der letzten Ivy gewünscht, was vllt. erklären würde, dass alle Episoden dazwischen einfach ihrer Fantasie entsprangen, wie sie ihn hätte in ihrem langen Leben kennenlernen können. Eine Leserhoffnung, die sich nicht bewahrheitet. Und so bleiben es scheinbar lose aneinandergerreihte Episoden, die, so zusammenhanglos sie trotz kleiner Parallelen s.o. scheinen, eher unbefriedigt wirken. Eine Identifikation mit den Figuren kann nicht so richtig funktionieren, weil die "Kurzgeschichten" eben zu kurz sind, das große Ganze fehlt.

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(203)

522 Bibliotheken, 42 Leser, 2 Gruppen, 68 Rezensionen

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Ein wenig Leben

Hanya Yanagihara , Stephan Kleiner
Fester Einband: 960 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 30.01.2017
ISBN 9783446254718
Genre: Romane

Rezension:

... du musst ihnen zeigen, dass es dir gefällt" (555)
Und da ist Jude St. Francis gerade mal 10 oder 11 Jahre alt.

Einem Impuls folgend würde ich Hanya Yanagihara (HY) die 2 Kg Papier gern vor die Füße schleudern und brüllen: Wieso? Wozu schreibst du dieses Buch?

Weder ist es eine Biografie, noch ein Tatsachenbericht, noch liegen dem Erzählten irgendwelche real existierende Figuren zugrunde. Es belehrt nicht, es bildet nicht, es schockiert einfach nur und macht traurig. Es ist eine Aneinanderreihung von Schrecknissen, die hier einem Jungen von 8-15 Jahren angedichtet werden und deren Dämonen er bis ins weite Erwachsenenalter nicht loswird.

!!! Achtung Spoiler!!!

Wozu also? Es gibt hunderte, aberhunderte Berichte von Opfern sexuellen Missbrauchs. Man kennt die furchtbaren Einzelheiten mittlerweile aus Missbrauchsskandalen, egal ob im Internat oder im Milleur geschehen.

Dass das Lesen dieses knapp 1000seitigen Buches so schwer fällt, ist nicht dem Stil, sondern der Grausamkeit, die Jude St. Fransis widerfährt, geschuldet. Und die Tatsache, dass es nicht stimmen kann, nicht stimmen soll, nicht stimmen darf.

Es kann/darf/soll nicht sein, dass ein Baby auf einer Mülltüte ausgesetzt wird, dass es als einziges Kind in ein Kloster kommt, hier Prügelstrafen, sexuellen Missbrauch erfahren muss, dem falschen "Bruder" vertraut, mit ihm aus dem Kloster flieht, von ihm, achtjährig, zur Prostition gezwungen wird, von ihm missbraucht wird, von ihm unterrichtet wird: in schulischen wie autoagressiven Verhalten, Verhalten gegen sich, den eigenen Körper, das ihn nie mehr losalssen wird, von der Polizei aufgegriffen wird, in ein Heim gesteckt wird, von Heimbetreuern immer wieder vergewaltigt wird, sich bald als Stricher identifiziert, weil er nichts anderes kann, aus dem Heim flieht, per Anhalter von Truckern missbraucht wird, von Geschlechtskrankheiten zerfressen von einem Psychiater aufgesammelt wird, zwölf Wochen weggesperrt, aufgepeppelt, wieder nur missbraucht, schließlich laufen gelassen wird, laufen so lange, bis er nicht mehr kann, dann von dem Mann überfahren wird, ins Krankenhaus kommt, hier von Sozialarbeiterin Ana gelehrt wird, zu reden, das Reden nicht bis zum Schluss wird lernen können, weil Ana vorher sterben wird, auf dem College seine drei Freunde: Malcom, Willem und Jean-Baptiste kennenlernen wird, lernen wird, entdecken wird, wie grandios er ist, sein Engelsgesicht - er muss eine wahre Schönheit sein, beliebt und gern gesehen auf jeder Partie - ihm alle Pforten der Sympathien öffen wird, er ein grandioser Anwalt sein wird (ja der grandioseste überhaupt), überhüuft von Geld!, er nach Jahrzehnten eine homosexuelle Beziehung mit Caleb probieren wird und auch von ihm beinahe zu Tode gebracht werden wird, da jener nicht ertragen wird, wie vernarbt, entstellt, gegeißelt Jude ist, von ihm vergewaltigt und geprügelt wird, Jude sich von diesen Übergriffen kaum erholen wird, sich schließlich der langjährige Freund Willem ihm seine Liebe gestehen wird, die beiden eine Beziehung probieren werden, Judes Angst vor Sex (und immer wieder Sex, Motto und Thema über hunderte Seiten) wieder und wieder zutage kommt, er es für Willem tun wird, sich dann anschließend beinahe bis zum Äußersten selbst verletzen wird, um Scham, Ekel und Abscheu gegen das Körperliche abzustreifen, sich zu reinigen, sich zu säubern und endlich, endlich wird er erzählen, wird sich Willem anvertrauen, es werden "Glückliche Jahre" folgen, denen aber wieder nur das Schrecknis anhaftet, indem Jude 1. die Beine amputiert werden, zweitens Willem bei einem Autounfall ums Leben kommen wird.

Und man fragt sich, wie eine Autorin dermaßen pervertierte Gedanken über dermaßen viele Seiten ausbreiten kann. Und wieder: Warum?

Ein solches Leben kann es nicht gegen. Die Entwicklunspsycholgin in mir weigert sich gegen das Vertrauen in so viele überzeichnete Charaktere. Ein Junge, Jugendlicher, dem so viel Grauen widerfährt, würde erstens eine Randexistenz führen, eingewiesen, betreut, oder, sich therapieren und ein abgeschottetes, zurückgezogenes Leben führen, keinesfalls als Partymaus und Schönling Jude.

Wozu also? Wozu das Grässliche, das Abscheuliche?
Ich weiß es nicht.
Unserem animalischen, angeborenen Voyerismus sei dank, ist es ein Bestseller geworden und ich schäme mich für diese publik gewordene Geilheit.

I. Hübner Sept. 2017

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Tags: angs, autoagression, gewalt gegen jugendliche, gewalt gegen kinder, grausamkeit, hoffnung, homosexualität, kinderhei, kindesmisshandlung, männerfreundschaft, pädophili, panik, psychiatrie, psychologi, zwangsprostitution   (15)
 

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Jacob beschließt zu lieben

Catalin Dorian Florescu
Fester Einband: 402 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 08.03.2012
ISBN 9783406612671
Genre: Romane

Rezension:

Catalin Dorian Florescu erzählt in "Jacob beschließt zu lieben" die Geschichte eines leidgeprüften, vergessen geglaubten Landstrichs dem Banat, eingeklemmt und gesplittert zwischen Serbien, Ungarn, Rumänien, hin- und hergestoßen und unterschätzt.

Mithilfe des pers. Ich-Erzählers berichtet Florescu von einer 300jährigen Familiengeschichte auf ganz verblüffende Art und Weise. Dabei verquicken sich die Handlungsstränge des um 1920 einem Zeitungsartikel folgenden, ins schwäbische Dorf Triebswetter (im rumänischen Banat) stolpernden Jacob (senior , den im 30jährigen Krieg - "Lothringer, auf dem Weg nach Hause" (73) - umherirrenden Caspar, Urgroßvater des um 1769 aus Dieuse aufbrechenden über Wien ins Banat kommenden Frédéric Aubertin (während seiner Heimatsuche umbenannt in Frederick Obertin), mit der des Ich-Erzählers Jacob (junior).
Und das alles, ohne, dass man den Überblick verliert.

Jener zuletzt genannte Ich-Erzähler Jacob Obertin wird von seinem Vater im ausgehenden 2.WK an die Russen verraten, nach Sibirien verschickt, weil er dem Alten nicht tauglich erscheint, den Hof weiter zu führen. Jacub kann vom Viehwaggon abspringen und wird unweit seiner Heimat aufgepeppelt. Einige Jahre bleibt er im sog. Exil, bis er sich getraut, nach Hause zurückzukehren, wo sein Halbbruder (Halbzigeuner und Bastard seines Vaters) den Hof längst einverleibt hat. Jacob beschließt, auszuwandern, sich eine neue Existenz jenseits der Rumänischen Grenzen zurück in Lothringen, wo alles begann, aufzubauen. Sein Vater vereitelt den Plan. 

Jacob hätte alle Berechtigung seinen Vater zu hassen. Zeitlebens hatte der seinen Sohn, kränklich, weil zu früh geboren, verachtet, bloß gestellt, ihm Hof und Erbe versagt, obwohl Jacob senior sich den Hof (als sich den Rumänen überlegen fühlender Schwabe) erschlichen hatte. Man erwartet, dass der Sohn seinen Vater für alles, was der ihm angetan hatte, erschlägt.
Die Schwabenstämmigen werden vertrieben - nicht aber nach Lothringen, sondern in einen unbenannten, unwirtlichen Landstrich.

Und am Ende beschließt Jacob zu lieben. Und sich und seinem Vater ein Haus am Ende der Welt zu bauen.

Die Kunst des Erzählens des 1967 in Rumänien geborenen Florescu ist syntaktisch wie semantisch erstaunlich. Immer wieder schweifen die Handlungsstränge in die Vergangenheit, wodurch ein Netz von Erzählzeiten gespannt wird.
Wir erfahren erstaunliches über die politischen Umwälzungen eines Landstriches zwischen Serbien, Rumänien und Ungarn, hin- und her gepeitscht zwischen Diktatur und Deportation, wo die Zeit stehen geblieben zu sein schien, aber eigentlich mit den Umwälzungen besonders nach dem 2. Weltkrieg im Eilschritt davon flog.

Ivonne Hübner, Aug.2017

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Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde , Ursel Allenstein
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei btb, 20.03.2017
ISBN 9783442756841
Genre: Romane

Rezension:

Tao (Bezirk 242, Shirong Sichuan, China, 2098), George (Autumn Hill, Ohio, USA 2007), William (Maryville, Hertfordshire, England, 1852) sind die Stimmen dieses beeindruckenden Romans von Maja Lunde, der uns vor Augen führt, dass die Spezies Mensch - gemessen an Georges Geschichte - mitten in der blinden, selbstsüchtigen Zerstörung unserer Lebensgrundlage ist. Ich möchte gerade mal den ländlich Lebenden zumuten, den Kreislauf der Natur und die Grundsubstanz unserer Nahrungskette zu verstehen. "Die Geschichte der Bienen", fasst nun auf kompakten, schnell zu lesenden 500 Seiten zusammen, was in die Allgemeinbildung eingehen sollte, nämlich, dass alles Leben von der Produktivität der Bienen abhängt. Niemand sonst, als die Landbevölkerung erfährt mit Blick auf die fruchtlosen Obstbäume in einem Jahr wie diesem (2017), wie schmerzhaft es ist, wenn die Bienen im April/Mai ausblieben.

Auf wunderbare Weise versteht Lunde es, die anfangs separat und schier unabhängig voneinander funktionierenden Geschichten der o.g. Protagonisten miteinander in Verbindung zu bringen: William, der die Savage-Standardbeute (Bienenstock) entwickelt, sein Nachfahre George, der sie in seinem Familieunternehmen über Generationen einsetzte, und doch dem CCD - Colony Collapse Disorder (Bienensterben) - hilflos ausgeliefert war und Tao, die Thomas Savage Standardwerk des "blinden Imkers" in die Finger bekommt, um das Rätsel der sterbenden Bienenpopulationen zu begreifen und in einem unglaublich tristen Endzeitchina erst durch den Tod ihres dreijährigen Sohnes Wei-Wen einer neuen Chance, einer Hoffnung gegenwärtig wird,, da die Bienen zurückkehren.

Lunde thematisiert noch mehr: Drei Geschichten, drei Söhne, drei Familientragödien. Während William klar wird, dass er nicht auf seinen einzigen und erstgeborenen Sohn Edmund, sondern auf seine Tochter Charlotte bauen  muss, droht George seinen Sohn Thomas an die Literaturwissenschaften zu verlieren, anstatt ihn in der Familienimkerei zu wissen. Und schließlich wird Taos Geschichte durch die Trauer um ihren Sohn Wei-Wen, ihren Schuldgefühlen und der Frage nach dem unbewussten Märtyrertod des Kindes geprägt.

Man mag von stilistischen Schwächen besonders in Taos Geschichte absehen. Auch scheint das China der Zukunft sehr klischeehaft, sehr konstruiert. Einige von Taos Handlungssträngen bleiben für mich unmotiviert.

Eines jedoch macht Maja Lunde diffizil klar: Mit den Bienen endet auch die Geschichte der Menschen.

Erschreckend, wahr und aufrüttelnd!
Ein Buch für die Schullektüreliste!

Ivonne Hübner

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Tags: biologie   (1)
 

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29 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

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Hinter den Augen der Welt

Tess Schirmer
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Querverlag, 27.02.2017
ISBN 9783896562524
Genre: Historische Romane

Rezension:

Tess Schirmer überzeugt in ihrem Debut durch sprachliche Rafinesse, Liebe zum Detail, wortgewandtem Spannungsaufbau und herrlich verträumter Atmosphäre des Englands im 17.Jh.
Wer ausgesucht sinnliche historische Romane mit außergewöhnlicher Handlung mag, wird "Hinter den Augen der Welt", Querverlag, 2017, lieben.

Im Fokus steht die Geschichte zweier Mädchen, Mary und Finn, die sich auf subtile Weise näher kommen, sich ineinander verlieben und doch hinter den Augen der Welt ihre Verbindung nicht lange geheim halten können. Tess Schirmer gelingt es, durch verwobene Intrigen Handlungsstränge ineinander fließen zu lassen und so dem Leser viel Spielraum für Fantasiereisen ins antithetische Barockzeitalter während des 30jährigen Krieges zu geben. Ohne übertrieben politisch oder sozialpsychologisch vorzugehen, fesselt die Autorin den Leser durch vortrefflich recherchierte Fakten des Landadels, kenntnisreiche Darstellungen des Handlungszeitraumes, zeigt somit nachvollziehbar die Antriebe und Beweggründe der dargestellten Personen auf.

Ohne den Romanschluss vorwegnehmen zu wollen, bleibt der Leser gespannt, ob wir durch einen Fortsetzungsband verwöhnt werden, nachdem die Protagonistinnen ihrer romantischen Beziehung zueinander überführt und einem inquisitorischen Gericht ob vermeintlicher teuflischer Handlungen vorgeführt werden. Es bleibt spannend.

Ivonne Hübner, 2017

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Tags: 17.jh. hist. roman, 30jähriger krieg, englan, hist. roman, homosexualität, lesbische liebe   (6)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

berge, blaukraut, flucht von der burg, gefangen, gesteinsmehl, gletschermumie ötzi, gluthauer, glutperlen, glutstein, goldwäsche, großvater mütterlicherseits, hanelswege, historisch, holzkohle, steinzeit

Die Verschwörung von Breitental - Das Kupferbeil des Ötzi

Christian Ausmünster
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei epubli, 09.11.2016
ISBN 9783741864254
Genre: Biografien

Rezension:

Inhalt:

Im zweiten Teil der geplanten Trilogie begegnen wir Narado, dem bekanntlich die Figur der Gletschermumie „Ötzi“ zugrundeliegt als Jugendlichem. Seine Geschichte wird erzählt bis zu seinem Tode. Wir erfahren, wie sich ein nomadenähnliches Leben vor ca. 5000 Jahren zugetragen haben könnte. Kenntnisreich berichtet Christian Ausmünster von einem bewegten Leben zwischen Sippenkonflikten und Umbrüchen der Zeitgeschehnisse, wenn z.B. die gewinnbringende Bearbeitung von Kupfer aus Südeuropa in die Berge gebracht wird, wobei sich der Autor hier dichterischer Freiheiten bedient und von seinen minutiösen Recherchen abweicht.

Der Inhalt der Handlung ist schnell erzählt: Narado wird durch einen Komplott seiner Stiefmutter gezwungen, seiner Heimat, dem Breitental (Vinschgau), den Rücken zu kehren. Seine abenteuerliche Odyssee beginnt. Wir erfahren welche räuberische Übergriffe seiner Heimat widerfahren. Feuersbrünsten zum Trotz erfährt das Breitental mit Narados Rückkehr, seinem angehäuften Wissen aus vielen Begegnungen eine Handelsblüte, bevor er und sein Sohn sich erneut auf den Weg machen. Diese letzte Reise soll ihm zum Verhängnis werden. So wird Narado Opfer dessen, worum sich bis heute die „Ötzi“-Mythen ranken.

Ausmünster gelingt ein sehr rührender, sehr einfühlsamer letzter Moment in Narados Leben und somit gekonnt die Brücke zu der so genannten Gletschermumie, die uns heute noch fassungslos in ihren Bann zieht.

 

Stilistik:

Begrifflichkeiten, die Ausmünster erdacht hat, passen sehr gut in eine fantastische Zeit vor 5000 Jahren, von deren semantischer Morphologie man wenig bis gar nichts weiß.  Fraglich bleibt, ob die Abweichungen von den hist. Tatsachen, was bspw. Schmerlzofenkonstruktionen und geologische Beschaffenheit des Terrains betreffen, hätten sein müssen, oder ob der Autor sich nicht auch an den Forschungsstand hätte halten können und ebenso gelungen und überzeugend konstruiert hätte.

Gehäufte, seitenlange Dialoge, ausschließlicher Gebrauch von direkter Rede und innere Monologe als direkte Rede verfasst, sind Geschmackssache und können zuweilen Spannung hemmen. Gleiches gilt für die größtenteils vernachlässigte Atmosphäre der Handlungsräume und die Wiederholungen im Handlungsstrang. Hier seien als Beispiele die sich oft ganz sehr ähnelnden Reiserouten in kurzer Abfolge genannt. Die Motivationen von Narados Reisen sind häufig hintergründig,  es geht um Kupfervorkommen, dann wieder um Getreide oder Auskundschaftungen, oder einfach nur ums Reisen selbst. So wirft sich die Frage auf, ob man die Intermezzi zwischen den gleichen Reisen / Ausflügen nicht hätte weglassen können, da sie zumeist den jeweiligen Handlungsstrang unwesentlich verfolgen.

Die erste Hälfte des Buches ist zeitlich gedehnt, die zweite sehr gerafft, was ein Ungleichgewicht hervorruft, wodurch man bes. in der zweiten Hälfte den Eindruck bekommt, als würde Narado stakkatoartig hin und her gehetzt wie eine Marionette.

 

Fazit:

Unglaubliche Mühen und Aufwand wohnen dem Werk inne, dem einfach noch der letzte Schliff zu fehlen scheint, was die Lockerung der Stilistik, die Atmosphäre gemäß der fünf Sinne fürs innere, lesende Auge betreffen. Hier nimmt mich persönlich Ausmünster nicht konsequent mit in die Berge einer Welt vor 5000 Jahren, was das eigentlich Spannende an der Sache gewesen wäre. Ein ums andere Mal wird der Tenor und der Focus auf Nebensächliches gelegt, worunter der Handlungsstrang leidet. Zu viel wird ausgesprochen, zu wenig Leerstellen gelassen, zu selten dem Leser zugetraut, sie mit der eigenen Fantasie zu füllen. Das ist unglaublich schade, fesselt doch schon allein die ausgewählte Thematik und der Mut, sich dem Gletschermann Ötzi auf belletristische Weise zu nähern. Diesem Mut gebührt meine Bewunderung und Anerkennung.

Umfangreiches Zusatzmaterial hilft dem Unkundigen und dem Neueinsteiger in Band 2 sich in die Materie hineinzufinden, ohne lange selbst auf Recherchereise ins Internet oder einschlägige Literatur gehen zu müssen.

April 2017

Ivonne Hübner

 

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Tags: alpen, berge, gletschermumie ötzi, kupferzeit, steinzeit   (5)
 

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69 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Pfaueninsel

Thomas Hettche
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 08.02.2016
ISBN 9783442749836
Genre: Romane

Rezension:

Hettche erzählt die Geschichte der kleinwüchsigen Marie, die mehr oder weniger zufällig zunächst als Attaktion, dann als scheinbar vergessenes Beiwerk auf der Potsdamer Pfaueninsel lebt. Wunderbare Landschaftsgestaltungen lassen das Herz des Gartenliebhabers höher schlagen. Ich denke, wenn ich nicht jahrelang in Potsdam gelebt hätte, hätte ich das Buch beiseite gelegt, da der Leser mit doch sehr detaillierten Beschreibungen von der Urbarmachung bis zur Kommerzialisierung der Pfaueninsel konfrontiert wird. Die doch sehr sinnliche, sehr blumige Sprache überrascht hinter jeder Zeile und macht, wenn auch der Handlungsstrang zuweilen ins Langatmige fällt, diesen Roman zum Genuss.
Marie, die als Zwergenwüchsige gemeinsam mit ihrem Bruder auf der Insel lebt, wird als Kuriosum dargestellt und man hat das Gefühl, ihr zu nahe zu treten, wenn Hettche von ihren Amouren mit ihrem (ebenfalls kleinwüchsigen) Bruder, ihrem deformierten Körper, ihren Sehnsüchten und Verliebtheit in Gustav berichtet. Die Bedienung unseres natürlichen Voyeurismus stehlen den Landschaftsarchitekten Lenné und Schinkel zu weilen die show, was nicht hätte sein müssen.

Ivonne Hübner

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Tags: kleinwuchs, pfaueninsel, potsdam   (3)
 

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Der Pfau

Isabel Bogdan
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783462048001
Genre: Romane

Rezension:

Eine Gruppe Banker verschlägt es auf einen leidlich heruntergekommenen Landsitz irgendwo in England. Teambuilding steht auf dem Seminarplan. So weit so gut. Hier hätte Isabel Bogdan doch eine schöne Basis für einen unterhaltsamen, lustigen Roman gehabt. Die Hauptfigur aber übernimmt ein Pfau, der es mit der Farbe Blau nicht so hat. Ob Pfau und Blau absichtlich als Reimpaar hier verwendet wurden, erschließt sich mir nicht, aber viele der wohl witzig gemeinten Passagen bleiben fad und leer, zum Schmunzeln kommt es auch dann nicht, als der Hund der Bankchefin den (bereits erschossenen) Pfau aportiert und es einigen Trubel gibt, das vermeintliche durch Banker-Hund erlegte Tier zu entsorgen. Bogdan macht zu viele Worte um Unwichtiges, oder das, was der Leser durch seine Phantasie hätte füllen können. 
Schade, denn diese Teambuilding-Idee war wirklich gut.

Ivonne Hübner

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Tags: banker, landsit, pfau, psychologie, teambuildingseminar   (5)
 

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271 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

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Ein ganzes Leben

Robert Seethaler
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.01.2016
ISBN 9783442482917
Genre: Romane

Rezension:

Robert Seethaler schafft vermutlich das, was nie ein Autor zuvor gekonnt hat: er packt eine zum Greifen nahe, zum Weinen sinnliche, zum Lachen rührende, zum Riechen echte, zum Staunen überwältigende Lebensgeschichte auf 150 Seiten.
Nicht umsonst wurde Robert Seethalers "Ein ganzes Leben" mit Lob und Preisen überhäuft. Zu Recht.
Erzählt wird Andreas Eggers Geschichte. Eine ganz simple Lebensgeschichte eines in den Bergen lebenden und dort sterbenden Mannes. Kriegsgefangenschaft auf anderthalb Seiten und doch viel aussagekräftiger und einnehmender als manchens Werk über in Sibirien Gefangen von 400 Seiten. Ein einfaches, hartes Leben aus Eggers  Perspektive geschildert und doch so ausführlich, so detailiert, dass man schon jeden Satz analysieren müsste, um jede Geste, jede Mimik, Geräusch, Geschmack, Gefühl zu erfassen, um nichts zu übersehen. Ein so dichtes Buch, alle Sinne stets bedienend, dass man es durchaus zwei, dreimal hintereinander lesen kann und muss. Die Auslassungen machen es zu dem, wonach es uns dürstet, die wir seit zig Jahren von 900-Seiten-Schinken gequält werden. Dieses Buch ist Urlaub.
Seethalers Philosophie ist hinlänglich bekannt und eine Schule für jeden Autor, für mich auf jeden Fall.

Danke, Herr Seethaler für dieses Erlebnis, diese Lehre!!!

Ivonne Hübner

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Tags: aussiedler, berg, dor, einsamkeit, eremit, gebirge, seilbahn, seilbahnarbeiten, tal   (9)
 

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Fremde Seele, dunkler Wald

Reinhard Kaiser-Mühlecker
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 25.08.2016
ISBN 9783100024282
Genre: Romane

Rezension:

Reinhard Kaiser-Mühlecker. "Fremde Seele, dunkler Wald". Im Herbst 2016 gehypt, nominiert für den Deutschen Buchpreis und doch hält der 300 Seiten starke Text nicht, was Titel und cover versprechen.
Augebaut wird "Fremde Seele, dunkler Wald" wunderbar atmosphärisch, Figuren schaurig mystifiziert.  Solche wie wir: Existenzen reingeworfen in die Maschine des 21.Jh. - kümmert euch! Wahrlich: die ersten 100 Seiten bilden eine Einheit und es hätte dabei bleiben können. Wozu der Ausrutscher ins Krimi-Genre, wozu die Teenager-Affäre, verschließt sich mir. Als habe Kaiser-Mühlecker nicht weiter gewusst und, um auf Nummer Sicher zu gehen, von diesem und jenem dazugetan, obwohl es an Zutaten genügt hätte:
Eine gehörige Portion heruntergekommenen Bauernhofes, eine Handvoll depressiver, demotivierter, desilliusionierter Menschen,  alle charakterlich sehr stark gezeichnet; der Luftschlösser zimmernde Familienvater, die schweigsame, mit allem abschließende Mutter, die geifernde Oma, die auf dem Erbe ihres Mannes hockt wie eine Matrone, schließlich die drei Geschwister: Alexander, der Soldat, der bei der Bundeswehr nicht mehr das findet, was er dort einst zu suchen geglaubt hatte, Jakob, mit minderwertigem Schulabschluss, ohne Träume und schier ohne Perspektive, und Luisa, die aus ihrer gescheiterten, schwedischen Ehe flieht.
Gekonnt: alle drei finden sich, scheinbar verängstigt von ihren Ausflügen ins Leben wieder auf dem Hof ein. Schwach: der philosophische Grundgedanke, dass das Suchen nicht zwangsläufig mit dem Finden einher gehen muss, bleibt nur angerissen.
Manko: Als Jakob (ca. 16) so etwas wie eine Beziehung versucht, lassen Spannung und Handlung nach.
Bis auf das Fünkchen Zuviel dennoch eine wahr gezeichnetes, unverblümtes Bild unserer Gesellschaft.

Ivonne Hübner

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Tags: bauernhof, berg, brüder, bundeswehr, erbe, erbstreit, gebirge, kühe, soldat, vieh   (10)
 

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Altes Land

Dörte Hansen
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Knaus, 16.02.2015
ISBN 9783813506471
Genre: Romane

Rezension:

"Die Frauen hatten Helden oder Tiere werden müssen, anders war man mit den Kindern nicht über dieses Eis gekommen" (S. 271)

Altes Land ist nicht bloß die Geschichte dreier Generationen von Flüchtlingen: Hildegard von Kampcke, Kriegsflüchtling von 1945; ihrer Tochter Vera, Seelenflüchtling; deren Nichte Anne, Urbanflüchtling. Dieses Buch ist eine Abrechnung und zieht herrlich ehrlich und unverblümt Bilanz mit unserer von verschrobenen, kalkulierten, maßgeschneiderten und designten Ideallebenskonzepten abgeknabberten Lebenswirklichkeit.
Es rechnet ab mit Gummistiefeldemeterfanaten, die auf der Suche nach sich selbst das Weite (aufs Land) suchen und hier doch wieder nur Pestizidbauern finden, du um das nackte bäuerische Überleben kämpfen.
Dörte Hansen spricht mir aus der Seele, wenn sie aus der Sicht der Alteingesessenen "Dörfler" einen ernüchternden Blick auf den nervenden, invasierenden und marodierenden Stadtzuzug wirft, wie auf Neuzüchtungen in der Obstauslage eines Supermarktes.
Ihre Sprache ist wie eine Rettung. Seit Günter Grass habe ich keine so facettenreichen, farbenfrohen. Sprachbilder mehr gelesen: gebündelt und gezurrt wie Strohpuppen, standsicher und absolut nachvollziehbar. Ein literarisches Ereignis.

Die Menschen, die Hansens Figuren Vera und Anne - die Haupthandelnden, wie ich meinen möchte - begegnen, werden klar charakterisert. Wir finden uns in einer großstädtischen, aber bitte im Szenestadteil verordneten Blutegel eines "Musimaus"-Musiklehrers, der die Eltern der "hochbegabten" Kleinen schröpft und ihnen Illusionen von Orffschen Talenten ans Bein nagelt; wir treffen den ganz normalen Wahnsinn eines mittelständischen Handwerkerbetriebes, der gegen Pressholz und Kunststofffenster kämpft in einer Welt, wo man den Kindern zwar Reiswaffeln in die Münder stopft, aber Laminat dem Echtholzfußboden den Vorzug gibt. Wir begegnen dem Möchtegern-Aussteiger und freischaffenden Journalisten, der sich auf Kosten der Land-Raritäten eine goldene Nase in seiner Branche (der er seine Autarkie angesagt hat und doch von ihr abhängig ist) verdienen will.

Das, was wie köstliche Überspitzungen auf der Zunge zergeht, ist bei genauerem Nachschmecken so wahr und furchtbar schmerzhaft, dass man dieses Buch einigen zartbesaiteten "Neudörfischen", gestrandet aus der Großstadt und um kümmerliche Neuzuüchtungen ganz ohne Dach über den Tomaten tänzelnd, einfach nicht schenken kann. Sie würden einem glatt die Freundschaft kündigen.

Liebe Frau Hansen, danke für dieses ehrliche Buch!

Ivonne Hübner

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Tags: alleinerziehende, biobauernhof, demeter, facherwerkhaus, generationskonflikt, kriegsflüchtlin, nachkriegsdeutschland, norddeutschland, scheidungskinde   (9)
 

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1890, amsterdam, bilde, johanna van gogh-bonger, kunst, kunstgeschichte, maler, malerei, paris, theo van gogh, van gogh, vincent van gog

Die Witwe der Brüder van Gogh

Camilo Sánchez , Peter Kultzen
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 15.02.2016
ISBN 9783293207257
Genre: Romane

Rezension:

1890: Johanna van Gogh-Bonger, verheiratet mit Theo van Gogh und damit Vincent van Goghs Schwägerin, gibt mithilfe ihrer Tagebuchaufzeichnungen einen Einblick in die letzten Wochen ihres Mannes, welcher nach dem Tod seines Bruders abbaut und letztlich einer Depression, gepaart von körperlichen Symptomen erliegt.Vinvents Tod ist ein Schmerz, der mir ewig nachgehen wird und den ich ein Leben lang mit mir herumtragen werde. (Theo) Mit 29 verwitwet und alleinerziehend nimmt Johanne den Kampf mit vang Goghs Gläubigern, seinem Vermächtnis und seinem Werk auf.
Camilo Sanchez webt seinen Roman um die Tagebuchaufzeichnungen der Johanna und bewegt sich ganz dicht am wirklich Geschehenen.
Im Eigentlichen hat Johanne Vincent van Gogh, ihren Schwager kaum gekannt, kurze Begegnungen, abrupt beendete Besuche des Windfang, immer nervösen, herumstreunenden Geistes. Gerade vier Tage von Van Goghs Leben durfte Johanne bezeugen und dennoch, so schreibt sie, war er allgegenwärtig. Die enge Verbindung zwischen Theo und Vincent, täglicher - oft mehrmaliger! - Briefwechsel, Vincents Geld- und Seinsnöte immerdar, schien sie ihn besser zu kennen als ihren Mann. Selbst der Sohn war nach dem Schwager benannt worden. Und dann, als Theo verstorben war, nimmt sich Johanne der Vermächtnisse beider an: Das Werk des einen, die Schulgefühle und Verpflichtungszwänge des anderen.

Sanchez' Werk: ein längst überfälliges Zeugnis dessen, dass der berühmte Vincent van Gogh als unbekannter, armer Kerl in Vergessenheit geraten wäre, wenn sich eine Frau nicht wider aller Konventionen für ihn und sein Werk stark gemacht hätte.

Danke, Johanna van Gogh-Bonger

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Tags: 1890, amsterdam, bilde, johanna van gogh-bonger, maler, malerei, paris, theo van gogh, vincent van gog   (9)
 
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