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76 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

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Die Mutter meiner Mutter

Sabine Rennefanz
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 14.09.2015
ISBN 9783630874548
Genre: Biografien

Rezension:

Ein viel versprechendes Cover und ein Plot ganz im Sinne der modischen Familiengeschichten und wieder irgendein dunkles Geheimnis, dessen Aufklärung zutage bringt, dass das Familienidyll gar keines ist und alles anders als man denkt.
Sabine Rennefanzens "Die Mutter meiner Mutter" reiht sich in die Masse von Nachkriegs-Familiengeschichtenbewältigungsschmöker und bleibt doch nur farblos.
Auf 250 Seiten beschreibt die Autorin die Jugend ihrer Oma Anna, die als Ostflüchtling in ein - wohl- brandenburgisches Dorf "Kosakenberg" kommt. Dort als Magd bei ihrer "Ziehmutter" Amalie arbeitet. Es folgen ungezählte Dorfanekdoten mit Leuten mit viel zu vielen ähnlich klingenden Namen. Die Autorin versucht einen Spannungsbogen mittels zweier Handlungsstränge: einerseits aus Sicht der Ich-Erzählerin (non-fiktive Enkelin oder autobiografisch?) in der Gegenwart, andererseits aus Annas Sicht, verquirlt dabei die Erzählhaltungen, sodass man (also ich) häufig einen Absatz mehrmals lesen muss, um das Subjekt und die Erzählzeit zu erkennen. Das macht dieses schmale Buch für mich zu einem Wälzer.
Schade.
Eine gute Idee, ein Spitzencover, aber eine Mühsal, Annas vorhersehbares (und logisches) "Geheimnis" zu lüften.

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Tags: chronik, familie, familiengeheimnis, familiengeschichte, nachkriegsdeutschland, ostflüchtling, vergewaltigung   (7)
 

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274 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

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Ein ganzes Leben

Robert Seethaler
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.01.2016
ISBN 9783442482917
Genre: Romane

Rezension:

Robert Seethaler schafft vermutlich das, was nie ein Autor zuvor gekonnt hat: er packt eine zum Greifen nahe, zum Weinen sinnliche, zum Lachen rührende, zum Riechen echte, zum Staunen überwältigende Lebensgeschichte auf 150 Seiten.
Nicht umsonst wurde Robert Seethalers "Ein ganzes Leben" mit Lob und Preisen überhäuft. Zu Recht.
Erzählt wird Andreas Eggers Geschichte. Eine ganz simple Lebensgeschichte eines in den Bergen lebenden und dort sterbenden Mannes. Kriegsgefangenschaft auf anderthalb Seiten und doch viel aussagekräftiger und einnehmender als manchens Werk über in Sibirien Gefangen von 400 Seiten. Ein einfaches, hartes Leben aus Eggers  Perspektive geschildert und doch so ausführlich, so detailiert, dass man schon jeden Satz analysieren müsste, um jede Geste, jede Mimik, Geräusch, Geschmack, Gefühl zu erfassen, um nichts zu übersehen. Ein so dichtes Buch, alle Sinne stets bedienend, dass man es durchaus zwei, dreimal hintereinander lesen kann und muss. Die Auslassungen machen es zu dem, wonach es uns dürstet, die wir seit zig Jahren von 900-Seiten-Schinken gequält werden. Dieses Buch ist Urlaub.
Seethalers Philosophie ist hinlänglich bekannt und eine Schule für jeden Autor, für mich auf jeden Fall.

Danke, Herr Seethaler für dieses Erlebnis, diese Lehre!!!

Ivonne Hübner

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Tags: aussiedler, berg, dor, einsamkeit, eremit, gebirge, seilbahn, seilbahnarbeiten, tal   (9)
 

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1890, amsterdam, bilde, johanna van gogh-bonger, kunst, kunstgeschichte, maler, malerei, paris, theo van gogh, van gogh, vincent van gog

Die Witwe der Brüder van Gogh

Camilo Sánchez , Peter Kultzen
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 15.02.2016
ISBN 9783293207257
Genre: Romane

Rezension:

1890: Johanna van Gogh-Bonger, verheiratet mit Theo van Gogh und damit Vincent van Goghs Schwägerin, gibt mithilfe ihrer Tagebuchaufzeichnungen einen Einblick in die letzten Wochen ihres Mannes, welcher nach dem Tod seines Bruders abbaut und letztlich einer Depression, gepaart von körperlichen Symptomen erliegt.Vinvents Tod ist ein Schmerz, der mir ewig nachgehen wird und den ich ein Leben lang mit mir herumtragen werde. (Theo) Mit 29 verwitwet und alleinerziehend nimmt Johanne den Kampf mit vang Goghs Gläubigern, seinem Vermächtnis und seinem Werk auf.
Camilo Sanchez webt seinen Roman um die Tagebuchaufzeichnungen der Johanna und bewegt sich ganz dicht am wirklich Geschehenen.
Im Eigentlichen hat Johanne Vincent van Gogh, ihren Schwager kaum gekannt, kurze Begegnungen, abrupt beendete Besuche des Windfang, immer nervösen, herumstreunenden Geistes. Gerade vier Tage von Van Goghs Leben durfte Johanne bezeugen und dennoch, so schreibt sie, war er allgegenwärtig. Die enge Verbindung zwischen Theo und Vincent, täglicher - oft mehrmaliger! - Briefwechsel, Vincents Geld- und Seinsnöte immerdar, schien sie ihn besser zu kennen als ihren Mann. Selbst der Sohn war nach dem Schwager benannt worden. Und dann, als Theo verstorben war, nimmt sich Johanne der Vermächtnisse beider an: Das Werk des einen, die Schulgefühle und Verpflichtungszwänge des anderen.

Sanchez' Werk: ein längst überfälliges Zeugnis dessen, dass der berühmte Vincent van Gogh als unbekannter, armer Kerl in Vergessenheit geraten wäre, wenn sich eine Frau nicht wider aller Konventionen für ihn und sein Werk stark gemacht hätte.

Danke, Johanna van Gogh-Bonger

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Tags: 1890, amsterdam, bilde, johanna van gogh-bonger, maler, malerei, paris, theo van gogh, vincent van gog   (9)
 

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armut, arzt, elend, familie, frankreich, französische literatur, jahrhundertwende, klassiker, louis ferdinand céline, paris, roman, sprache, tod auf kredit

Tod auf Kredit

Louis-Ferdinand Céline , Werner Bökenkamp , any.way , Wiebke Jakobs
Flexibler Einband: 704 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 03.01.2005
ISBN 9783499238475
Genre: Klassiker

Rezension:

Céline (*1984) reflektiert auf nahezu grausame Weise seine (und die Arbeit seines Alter Egos) als Pariser Arzt, die er hasst, und mit der er auf radikale Weise abrechnet. Céline selbst kriegsinvalid, studierte Medizin und erlangt zweifelhafte Bekanntheit durch antisemitische Veröffentlichungen, floh 1844 aus Frankreich und wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Erst 1952 konnte er nach Frankreich zurückkehren und ließ sich als Armenarzt in Meuden nieder. Er starb 1961.
"Alte Erinnerungen sind hartnäckig... aber sie sind spröde... sie sind gebrechlich ...", zieht er, wie er es regelmäßig tun wird, auf S.52 eine Art Fazit, oder absolutiert sich vor seinen Lesern für sein chaotisches, versatzartiges Konglomerat aus erlebter und erzählter Rede, springt in seinen "hartnäckigen" Erinnerungen hin und her, was es dem Leser nicht immer leicht macht, ihm zu folgen. Nicht so sehr die Anekdoten, die er wie trash vor des Lesers Füße wirft, packen denselben, sondern die erbarmungslose Sprache. Er euphemisiert nicht, erzählt nicht durch die Blume. Alles, was ihn abstößt, Menschen im Besonderen, wird beim Worte genommen. Sexualität, Brutalität, das nackte Leben in Armut, ihre Abgründe, Gewalt, davor macht der Autor nicht Halt. Er reißt uns nicht mit in eine abgerundete Geschichte mit Liebeskeplänkel und einem formschönen Spannungsbogen, sondern in seine Abneigung gegenüber allen Menschlichen, wobei der Autor immer wieder in seine unfassbare Kindheit, eine "fast"-Kindheit zurück erinnert und ein wesentlicher Bestandteil seiner wichtigsten Erinnerung nimmt auch dieses Mal die Krankheit ein (seiner Mutter). Der Vater mag Inspiratior der expressiven Sprache gewesen sein. Die verwirrte Psyche des Vaters und die schwache Mutter geben den Anstoß für eine kritische Realitätsbetrachtung auf die Kindheit und Jugend. Céline seziert die gesamte Familie, rechnet ab, scheinber.
Und dennoch scheint Céline nie Ruhe zu finden, so heißt es: "Ich war unerbittlich, ich war rasend, besonders, weil ich mich mit der Phantasie entschädigte..." (301) Und wieder fällt er auf das Körperliche zurück, jede Tragödie scheint im Körperlichen zu münden, sei es eine Prügelei oder die Wollust.
Die Syntax: elypsenhaft, unvollendet, lässt den Leser zuweilen im Stich, nicht selten muss eine Passage wiederholt gelesen werden, um den Sprung von einen in den nächsten Gemützszustand nachvollziehbar zu machen, aber dennoch... Céline fesselt, weckt den düstersten, beschämensten Voyerismus in uns und dabei bekommt man rote Ohren, weil man sich ertappt und entblößt, ja nackt fühlt.

I.Hübner

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Tags: arzt, jahrhundertwende, paris   (3)
 

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betteln, flucht, hunger und krankheiten, kolchose, ostrpeußen, pferde, raucher mit zehn jahren, wolfskinder

Wolfskind

Ingeborg Jacobs
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Propyläen Verlag, 10.03.2010
ISBN 9783549073711
Genre: Sachbücher

Rezension:

Liesabeth Otto ist ein "Wolfskind". Ihr Sprachrohr wird ab 1994 Ingeborg Jacobs, die Dokumentarfilmerin, die durch Zufall mit der Ostpreußin bekannt wurde. Seither teilt Liesabeth Otto ihr Leben mit abertausenden Dokumentarfilzuschauern und Lesern.
Sie wird 1937 in Wehlau geboren, verliert ihre Mutter an den Hunger und wird als kleines Kind in ein Sammellager verfrachtet, in dem sie mit ihren Halbgeschwistern Christel und Manfred ums nackte Überleben kämpft. Eine unüberlegte Bemerkung ihrer älteren Schwester lässt sie das Weite suchen und von nun an ist die Siebenjährige (!) auf sich allein gestellt, überwindet Hunger und Krankheiten mithilfe von mitleidigen Bauern, aber ein wirkliches Zuhause soll ihr nicht vergönnt werden. Liesabeth Ottos Leben ist gezeichnet durch Entbehrungen und kein Auge bleibt Trocken bei der Lektüre ihrer oftmals grausamen Erlebnisse. Ingeborg Jacobs Ein berührendes Bekenntnis einer im Leben starken, im Traum schwachen Frau, die nicht nur die eigenen Kinder zu Grabe getragen hat und dennoch immer wieder Lebensmut und freudvolle Momente fand. "Ich war wie der Wind", schreibt sie und meint das eigentlich nicht beschreibbare Gefühl einer heimatlosen Waisen eines Sommers.
Ottos Erinnerungen hat Jacobs in überschaubaren Anekdoten zusammengetragen und in schnell lesbarem, kaum verschnörkeltem, aber umso ehrlicherem Stil zurück gelassen, was es dem ergriffenen Leser nur noch leichter macht, in ein Leben zwischen Weltkrieg, Eisernem Vorhang und Zerfall der Sowjetmacht einzutauchen.
I. Hübner

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Tags: betteln, flucht, hunger und krankheiten, kolchose, ostrpeußen, pferde, raucher mit zehn jahren, wolfskinder   (8)
 

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exil, holocaust, verfolgung

Leb ich denn, wenn andere leben

Grete Weil
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 01.02.1998
ISBN 9783312002405
Genre: Biografien

Rezension:

Grete Weil (1906-1999) meldet sich 91jährig noch einmal zu Wort und legt ein Zeitzeunis ab, das durch eine Fülle von detailierten Schilderungen und ein enormes Fachwissen manch einem Geschichtsbuch den Rang ablaufen könnte, was der Poetik ihrer Erinnerungen keinen Abbruch tut.
"Ich bin mir der Gefahren einer Autobiographie bewusst. Da ist einmal die Eitelkeit, die jeder, der glaubt, etwas zu sagen zu haben, mit sich herumträgt - und die bei einer Auobiographie nach außen gekehrt wird."
Grete Weil erzählt mit der ihr eigenen Bescheidenheit und Distanz, dass sie das "Jüdischsein" erst begriffen, als sie das Stigma der Verfolgung durchlitten hatte. "WIe hält es die Autorin mit der Wahrheit? Ich bin eine äußerst unwillige und deshalb wohl auch schlechte Lügnerin. Was ich sage, soll stimmen. Doch inwieweit trügt die Erinnerung?" Mit Leidensgefährtinnen wie Ruth Klüger hat Grete Weil die Liebe zur Literatur und Philosophie gleich. Die sich ähnenlden Schutzmechanismen in einer Zeit, in der Selbstschutz das oberste Gebot sind, werden auch hier mit all seiner Traurigkeit deutlich. Und Grete Weil distanziert sich von ihren Wurzeln "Nach dem Krieg trat ich in die Neu gegründete Gemeinde nicht wieder ein."

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Tags: exil, holocaust, verfolgung   (3)
 

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2.weltkrieg, auschwitz, genozid, holocaust, holocoust, hungertod, israel, kindsmord, mengele, mutterschaft, nationalsozialismus, pharmazie, ruth elias, schmerz, theresienstadt

Die Hoffnung erhielt mich am Leben

Ruth Elias
Fester Einband: 333 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.06.1996
ISBN 9783492032667
Genre: Biografien

Rezension:

Den Holocaust und die Schrecken, die damit verbunden sind, zu bewerten, liegt mir fern und scheint in keiner Weise angemessen. Deshalb möchte ich mich mit dem Stil des Buches beschäftigen.
Ein chronologischer Abriss der Schrecken, die oft wiederholte Frage nach dem "Warum" machen das Buch stilistisch zu einer leichten Lektüre, die Inhalte jedoch sind so intim, so grausam, so erschreckend, dass man schwer daran zu arbeiten hat. Ruth Elias nimmt Erinnerungen als das Tor zur Erlösung und hat mit ihren zahlreichen Lesungen, ihren ungezählten Kritiken Ruhm erlangt, ob ein Mensch, dem derart Schreckliches widerfahren ist, je Erlösung erlangen wird, bleibt fraglich.
Ruth Elias geht durch die Hölle, gerät im Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz Unmenschen wie dem Todesarzt Mengele in die Hände und muss ihr Neugeborenes dem Hungertod aussetzen. Weil sie dazu nicht imstande ist, entscheidet sie sich, das Kind zu erlösen. "Ich habe mein eigenes Kind gemordet", klagt die Autorin sich selbst an und in dieser Aussage liegt die ganze Wucht der Schwere, die eine Frau zeitlebens nicht loslassen wird.

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Tags: 2.weltkrieg, auschwitz, holocaust, mengele, theresienstadt   (5)
 

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antisemitismus, auschwitz, biographie, exil, "frauen lesen anders", holocaust, juden in deurtschland, judenverfolgung, "katasrophenüber deutsche literatur", kz, kz-überlebende, mutter-tochter-konflikt, nationalsozialismus, theresienstadt, überlebenskampf

Weiter leben

Ruth Klüger
Fester Einband
Erschienen bei Gruner + Jahr, 01.01.2005
ISBN 9783570195154
Genre: Biografien

Rezension:

Wer kennt nicht Ruth Klüger, die große Literaturwissenschaftlerin, die ein Leben in Wien begann und es in den USA fortsetzte.
Ruth Klüger, geb. am 30.10.1931 in Wien, wird als Jüdin nach Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt deportiert und erzählt ihre erschütternden Erfahrungen und ihren Überlebenskampf so poetisch und trotzdem authentisch, dass einem das Herz beim Lesen schmerzt. "Der Tod, nicht Sex war das Geheimnis, worüber die Erwachsenen tuschelten, wovon man gern mehr gehört hätte." Eine Aussage so allumfassend und prägnant, mit der die Erinnerungen an eine Jugend beginnen, dass man das, was folgt, kaum glauben mag. Ruth Klügers Jugend ist geprägt vom Verlassenwerden und Verlassenmüssen. Sie erinnert sich an einen Charakter, der Gedichte aufsagte, einer Angewohnheit, die bei ihr "bis zur Manie gedieh" und die Gedichte aus Auschwitz mitbrachte. Rasch wird die Jugendlichen eine unabänderliche Liebe zur Literatur entwickeln und sie brauchen wie ein Stückchen Brot und doch nie satt werden. Philosophisch und unangefochten intensiv wird uns Ruth Klüger eine Zeitzeugin bleiben.

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Tags: exil, "frauen lesen anders", holocaust, "katasrophenüber deutsche literatur"   (4)
 

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berufung, erfahrung, erste hälfte 20.jh., geburtshilfe, hebamme, landhebamme, landleben, lebenswerk

Ich, Adeline, Landhebamme

Adeline Favre
Flexibler Einband: 188 Seiten
Erschienen bei Rowohlt TB.
ISBN 9783499235115
Genre: Biografien

Rezension:

Im frühen 20.Jahrhundert scheint in den Bergen Frankreichs die Zeit stehen geblieben. Nahezu mittelalterlich muten die Wohnverhjältnisse von Adiline Favre (geb.22.Mai1908 im Wallis) Patienten an, nahezu machtlos steht die jungen Hebamme Geburtskomplikationen, Ungeborenen- und Neugeborenenkrankheiten, deren Urpsrung fast immer mangelnde Hygiene sind, gegenüber. Doch immer weiß sich Adeline zu helfen, nie verliert sie den Mut.
Die Ich-Perspektive macht das Erlebte der Landhebamme unmittelbar, der weitestgehend Kompakte Satzbau zu einer leichten Lektüre, die Wissensdurst auf dem Gebiet der Geburtshilfe stillt.

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Tags: erste hälfte 20.jh., geburtshilfe   (2)
 

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autobiographie

Die gerettete Zunge

Elias Canetti
Fester Einband: 374 Seiten
Erschienen bei Hanser, 01.01.1993
ISBN 9783446123359
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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auslöschung, behinderungen im alltag, beobachtungen, biographie, brutalität, deportation, deutsche geschichte, dresden, drittes reich, einschränkungen, geschichte, holocaust, judenverfolgung, nationalsozialismus, tagebücher

Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933 - 1945.: 8 Bde.

Victor Klemperer , Walter Nowojski
Flexibler Einband
Erschienen bei Aufbau Tb
ISBN 9783746655147
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Ich wollt es wäre Schlafenszeit und alles wäre vorbei." (10.August, Mittwoch 1938)
Mit der Machtergreifung Hitlers beginnt das Zeugni des Victor Klemperer, welches abzulegen er seiner Nachwelt über 12 Jahre lang als Pflicht und Selbstgeißelung aufrecht erhält. Victor Klemperer ist Germanistikprofessor in Dresden, was aber vor dem Hintergrund des Naziregimes zu einem unwesentlichen Detail abgeschwächt wird. Von nun an bleibt vordergründig, dass er Jude ist. Mit der Rektorwahl, die er bereits 1933 als "schmutzige Sache" bezeichnet, beginnen seine Aufsätze, mit der Befreiung aus dem Arbeitslager und der wiedererlangten Freiheit enden sie - vorläufig. Seine arische Frau Eva ermöglicht ihm ein Überleben zwischen Verdunkelung und Kartoffelkeller.
Victor Klemperer, von Berufs wegen ein begnadeter Schreiber, führt durch unmittelbare Nähe dem Leser die Gepflogenheiten der Deutschen gegenüber den Juden vor Augen. Wir erfahren ungefiltert, was es heißt, Pogrome, Unterjochung und Enttäuschungen zu erleben. Seine sachliche, auf Berichtscharakter abzielende Darstellungsweise nötigt Klemperer eine erstaunliche Objektivität ab, die ihm nicht immer leicht fällt. "Als ich mir noch in harmloser Verfassung die Sprache des dritten Reichs notierte, vermerkte ich in den letzten Wochen vor der Katastrophe: 1) das plötzlich ganz offene Prahlen in Wort und Bild [...] (6. Dezember, Dienstag, 1938) Parallel zum Tagebuch sammelt Victor Klemperer Sprachversatzstücke, Wortfetzen, Neologismen sowie Entlehnungen, die er als "Lingua Tertii Imperii" herausbringen will, dass es ihm nach dem Krieg gelingt, scheint während der Zeit der Nationalsozialisten unmöglich. Nicht nur seine Manuskripte gehen einen abenteuerlichen Weg.

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Tags: 2.weltkrieg, dresden, germanistikprofessor, holocaust, lti, ns-regime, victor und eva   (7)
 

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2. weltkrieg, biografie, bomben, bombennächte, düster, kinderlandverschickung, kindheit, kindheit im krieg, köln, krieg, nazideutschland

Für einen Augenblick wachsen uns Flügel

Irmtraut Balz
Fester Einband: 367 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 01.02.2002
ISBN 9783462030860
Genre: Biografien

Rezension:

Den Holocaust und die Schrecken, die damit verbunden sind, zu bewerten, liegt mir fern und scheint in keiner Weise angemessen. Deshalb möchte ich mich mit dem Stil des Buches beschäftigen.
Irmtraut Balz erlebt den Rassenhass von einer eigentümlich anderen Seite, sodass ihre Lebenserinnerungen zu der ungezählten biografischen Literatur verfolgter Juden als unentbehrliche Ergänzung zu betrachten ist. Ihre Familie wechseln Religion, die Kinder wechseln die Schule, um der Judenverfolgung aus dem Wege zu gehen. Mit der Kinderlandverschickung.
Die Autorin erzählt lyrisch von dem, was unbegreiflich bleibt. Eine große Sprachgewandtheit und enorme Bilder von einem Dorf nahe Köln bleiben im Gedächtnis.

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Tags: kinderlandverschickung, nazideutschland   (2)
 

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2. wweltkrieg, amerika, auschwitz, familiengeschichte, holocaust, jüdin, mengele

Gerdas Schweigen

Knut Elstermann
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei bebra verlag, 01.01.2006
ISBN 9783898090728
Genre: Sachbücher

Rezension:

Den Holocaust und die Schrecken, die damit verbunden sind, zu bewerten, liegt mir fern und scheint in keiner Weise angemessen. Deshalb möchte ich mich mit dem Stil des Buches beschäftigen.
Knut Elstermann fasst seinen Bericht in so unglaubliche Bilder, dass einem das Schicksal seiner Verwandten Gerda Rother richtig nahe geht. Das ist ein Knut Elstermann, den man als Filmkritiker kannte, nicht aber als Romancier bzw. Biograf. Dass seine Tante Gerda aus Amerika ein trauriges Kapitel hatte, war der Familie nie entgangen, aber dass man dieses Kapitel auch ans Licht bringen könnte, wagte keiner zu glauben. Tabubruch "Nicht nach dem KZ fragen und mit keinem Wort das Baby erwähnen, das dort, man könne sich das kaum vorstellen, zur Welt gekommen sei." Schrecken des Naziregimes und ein so rührendes, reales Buch um eine unglückliche Frau und Mutter. Elstermanns Sprachgewandtheit ist in jeder Zeile zu entdecken, Modiwechsel machen das Ganze schaurig erlebbar.
I. Hübner

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Tags: 2. wweltkrieg, amerika, holocaust   (3)
 

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

2. weltkrieg, holocaust

Nichts als das nackte Leben

Gerda W. Klein
Fester Einband
Erschienen bei Bleicher
ISBN 9783883506630
Genre: Sachbücher

Rezension:

Den Holocaust und die Schrecken, die damit verbunden sind, zu bewerten, liegt mir fern und scheint in keiner Weise angemessen. Deshalb möchte ich mich mit dem Stil des Buches beschäftigen.
Gerda Weissmann wurde 1924 in Bielitz geboren. Ihre Autobiografie wurde 1957 - also unmittelbar unter dem Einfluss der Traumata geschrieben - veröffentlicht. Die Autorin geht chronologisch sortiert vor, spart an euphemistischen Bildern und Verschlüsselungen. Der auffällige Nominalstil gibt dem Ganzen zuweilen Berichtscharakter. Gerda W. Klein schildert ihre Erlebnisse auf einem der berüchtigten Todesmärsche über Dresden, Chemnitz und Plauen bis ins tschechische Wallern.

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Tags: 2. weltkrieg, holocaust   (2)
 

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50 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

amerika, armut, autobiographisch, biografie, biographie, erinnerungen, familie, irland, kindheit, kneipen, memoiren, new york, roman, sub, usa

Der Junge aus Limerick

Malachy McCourt , Claudia Feldmann
Flexibler Einband: 331 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 11.05.2001
ISBN 9783596149728
Genre: Biografien

Rezension:

Die Antwort auf seinen älteren Bruder? 1998.
Als im selben Jahr Frank McCourts großer Roman "Die Asche meiner Mutter" rauskam, setzte sich sein Bruder ebenfalls an den Pult, nahm die Schreibfeder zur Hand und begann zu schreiben ... von Kneipen und Saufgelagen, deren Aneinanderreihung den Nachvollzug eines tieferen Sinns schwer fallen lassen. Was der ältere dem jüngere McCourt voraus hat, ist das Talent zum Schreiben und es ist Schade, dass Malachy McCourt mit solch einem Urteil leben muss. Sie haben dieselben Wurzeln, daselbe Schicksal. Malachy schafft es erst mithilfe des älteren Bruders zurück nach New York, aber da hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Er verdingt sich als Hafenarbeiter, Tagelöhner eben, was an und für sich genug Stoff hergäbe, die chronologische Abhandlung, nahezu ohne metaphorisches oder allegorisches Geschick, ist dann aber zu ermüdend. Anekdoten werden so erzählt, wie man sie in der Kneipe von dem angetrunkenen Dandy lieber nicht hören will und das ist nicht jedermanns Geschmack.

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Tags: amerika, kneipen   (2)
 

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Die Asche meiner Mutter

Frank McCourt , Harry Rowohlt
Fester Einband: 508 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 01.01.1997
ISBN 9783630869452
Genre: Romane

Rezension:

An diesem Buch sollte niemand vorübergehen.
Als Frank McCourt 1998 den Mut fasste, die Geschichte seiner Jugend aufzuschreiben, setzte er ein Zeichen. Was bis dahin als gezüchteter Milieuroman in den Buchläden stand, konnte nur verblassen.
"Wenn ich auf meine Kindheit zurückblicke, frage ich mich, wie ich überhaupt überlebt habe." Dieser Frage geht der Leser auf den Grund und kann sie einfach nicht beantworten, so unglaublich ist das Schreckliche, was der junge McCourt durchmachte, bevor ihm die Auswanderung nach Amerika gelang, wo er zur Welt kam, von wo seine Mutter Angela zurück in die Irische Heimat emigriertee, weil Kinder starben und Katholiken nicht akzepitert schienen.
Aber nicht das vom Shannon furchtbar durchnässte Limmerick, nicht die ewig sterbenden Geschwister, nicht der ewig arbeitslose, prespyterianische Vater, nicht der Magen, der "an der Wirbelsäule klebt", weil er ewig leer ist, nicht die ewig mauelende Tante Aggie, nicht der ewig geschwärzte Onkel Pat, nicht die Oma und ihre ewig verlockende Zuckerdose und nicht Malon Griffith, der ewig über die eigene Mutter drüber steigt, weil der Vater seit Ewigkeiten in England arbeiten ist und ewig kein Geld nach Limmerick schickt, nicht Cu Chulains Abenteuer. Nicht das macht Frank McCourts Roman so unglaublich stark - das Elend hat seinem Bruder Malachy, als er sich als Autor probierte nicht zum Ruhm verholfen -, sondern die Bildsprache des Englischlehrers McCourt.
Bilder vom Shannon und des verdammenswürdigen Onan, Bilder der schwindsüchtigen Jugendliebe Theresa, Bilder vom schlacksigen Jungen, der versucht, normal zu sein. Und Farben, die in der Romanvefilmung nur zu gut wiedergegeben werden: das Rot der entzündeten Augen, das Rot der Flohbisse, das Rot des blutenden Herzen Marias. Religion und Triebhaftigkeit kämpfen einen ungleichen Kampf. Und Klänge: das Rauschen des Brackwassers, das auf die Gasse geschüttet wird, das höhnende Lachen der Nachbarn, das Wimmern der sterbenden Kleinkinder, das Weinen einer verzweifelten Mutter, die Gesänge des nüchternen und betrunkenen Vaters.
Der Roman ist Verfilmung genug, weil er alle Sinne betäubt und den Leser mitreißt. Einen Flim hätte es nicht gebraucht und wer den Film ohne das Buch gelesen zu haben konsumiert, wird es nicht begreifen.
"Natürlich hatte ich eine unglückliche Kindheit; eine glückliche Kindheit lohnt sich ja kaum." Ein Satz, der Literatur- und später Filmgeschichte schrieb und aus dem man nicht schlau wird, egal wie häufig man den Roman liest.
Ein Autor, der mich so sehr geprägt hat wie ihn dereinst sein Literaturlehrer.und eine Geschichte, die mich seit 12 Jahren nicht in Ruhe lässt.
"Liebe Dein Mutterherz,
Solang es schlägt.
Später wenn es begraben,
Ist es zu spät." (McCourt S. 12)
I.Hübner

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Tags: blutendes mariaherz, druckerschwärze im gesicht, fish&ships, im namen des vaters des sohnes und des heiligen geizes amen, ira, irland, katholizismus, kohleaugen, limmerick, literaturlehrer, malachy mc court, schwindsucht, shannon   (13)
 

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Die wahre Geschichte der Geisha

Mineko Iwasaki
Flexibler Einband
Erschienen bei Heyne, W, 01.11.2003
ISBN 9783453873612
Genre: Biografien

Rezension:

Die Antwort auf Arthur Goldens "Geisha"? Mitnichten. Mineko Iwasaki zeichnet ihr eigenes Leben auf, das sie als eine der größten Geishas verbrachte. "Glanz und Elend" hieß es schon bei Honoré de Balzac und gilt für das entbehrungsreiche Leben Iwasakis ebenso. Ihre Herkunft prägte das elfte Kind einer Künstlerfamilie und stahl ihr die Kindheit. Mineko Iwasaki lgt ihrer Autobiografie Fotografien bei, die Zeugnis ablegen von einem Leben voller Drill und Entbehrungen.
Der Mythos, der Dienst einer Geishas habe etwas mit Prostitution zu tun, wird spätestens mit diesem Buch ausgeräumt.
I.Hübner

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Tags: blaue augen, gaiko, geisha, geita, japan, kimono, kirschblüte, kyoto, meiko, obi   (10)
 
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