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44 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 39 Rezensionen

frau, gefängnis, große liebe, indien, indisches gefängnis, innere freiheit, koruption, lebenstraum, liebe, magnolie, religion, selbstfindung, sich selbst finden, stark, starke frau

Die Magnolienfrau

Sabrina De Stefani ,
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Allegria, 06.04.2018
ISBN 9783793423249
Genre: Biografien

Rezension:

Der Klappentext und auch noch die Leseprobe dieses Buches hatten mich sehr gereizt, leider konnte das vollständige Buch die anfängliche Begeisterung nicht stützen und nicht halten.

Die erzählte Geschichte ist wohl sehr autobiographisch geprägt. Das Kind Sabrina, mit einer verkrümmten Wirbelsäule geboren, verbringt die ersten Jahre im Gipsbett. Die Großmutter, bei der sie aufwächst, fährt das Kind im Sommer unter den Magnolienbaum im Garten, dieser Baum wird für sie ein Symbol für Freiheit, wobei ich mir diesen Gedanken mit diesen Worten für ein Kind nicht wirklich vorstellen kann. Sei’s drum.
Sabrina lebt als Jugendliche zeitweilig bei der Mutter, doch die Großmutter bleibt zeitlebens die wichtigste Bezugsperson. Später absolviert sie erfolgreich eine Ausbildung, hat einen guten Job und ist doch nicht zufrieden. Freiheit bedeutet dieses Leben für sie nicht, doch danach strebt sie.
Sie wagt einen radikalen Neuanfang und begibt sich auf Reisen. Das Geld zum Leben verdient sie sich dabei durch die Herstellung und den Verkauf von Modeschmuck an Touristen. Zwischendurch gibt es immer wieder Abstecher in die Heimat, der Besuch bei der Großmutter ist immer ein wesentlicher Punkt dieser Stippvisiten.
Schließlich geht Sabrina nach Indien, trifft dort einen Mann, der ihre große Liebe werden könnte, werden soll, wäre er nicht ein religiöser Lehrer und ihm aufgrund dieser Stellung die „normale“ Beziehung zu einer Frau verboten. Auch er scheint ähnliche Gefühle für Sabrina zu hegen.
Sabrina entschließt sich, seine Schülerin zu werden und kämpft fortan jeden Tag aufs Neue mit den sich daraus ergebenden Schwierigkeiten des Alltags.
Ganz besonders diese Jahre haben wir die Lust an diesem Buch genommen. Thematisch zwar sehr interessant und einfühlsam, aber so detailversessen und mit ständigen Wiederholungen erzählt, fand ich das Buch ab hier nur noch sehr wenig spannend und musste mich mit Unterbrechungen immer wieder zum Weiterlesen zwingen.
Am Ende muss Sabrina Indien verlassen, landet unschuldig und schwanger in einem berüchtigten Gefängnis Asiens und bringt dort schließlich ihr Kind zur Welt. Ihr gelingt irgendwann die Flucht, Indien und den Vater ihres Kindes sieht sie nicht wieder.
Heute lebt die Autorin in der Schweiz und hat sich dort eine neue berufliche Existenz aufgebaut.
Insgesamt hat mich das Buch enttäuscht, da es in diesen indischen Jahren immer wieder und ausschließlich um die eigene Person der Autorin kreist. Über das religiöse Leben in dieser Phase ihres Lebens erfährt man sehr viel, fast möchte ich sagen zu viel. Dafür bleiben die anderen Menschen und Indien allgemein auf der Strecke. Schade.

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Tags: indien, lebenstraum, religion, selbstfindung   (4)
 

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172 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 30 Rezensionen

insel, krimi, mord, nora, nora linde, reihe, sandhamn, schären, schärengarten, schweden, schwedenkrimi, serie, stockholm, thomas andreasson, viveca sten

Tödlicher Mittsommer

Viveca Sten , Dagmar Lendt
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.04.2011
ISBN 9783462043112
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist zwar ein Krimi, angesiedelt im landschaftlich sehr reizvollen Schärengarten vor Stockholm, aber m. E. ist er eher für Leser, die es etwas ruhiger und beschaulicher mögen, zu empfehlen.
Während der hohen Zeit der Sommerurlaube in Schweden wird am Weststrand der Schäreninsel Sandhamn eine männliche Leiche angespült. Thomas Andreasson von der Polizeidienststelle in Nacka wird mit den Ermittlungen betraut, der selbst auf der Nachbarinsel ein Ferienhaus besitzt. Auf Sandhamn trifft er zudem eine alte Jugendfreundin wieder, die dort gemeinsam mit der Familie die Sommerferien verbringt. Thomas ist also auf verschiedene Weise ganz nah dran und er hat neben den Ermittlungen alle Hände voll zu tun, einen Medienhype und damit möglichweise die Abreise vieler Sommergäste zu verhindern.
Der Tote wird von seiner Cousine identifiziert und von ihr erfährt die Polizei, dass der Tote eine bedauernswerte Figur war. Sein Leben war trist, unscheinbar, ärmlich und genau dieser Eindruck bestätigt die Wohnung des Toten. Eine Ahnung, was ihn zum Opfer machte, hat weder die Cousine noch findet die Polizei Hinweise in dieser Richtung.
Doch nur wenige Tage später wird auch die Cousine umgebracht. Ein Einheimischer, der mit der Cousine gesehen wurde, ist schließlich das dritte Mordopfer, nur finden Thomas und seine Kollegen nicht den entscheidenden Zusammenhang zwischen den Toten, der als ein wirkliches Motiv herhalten könnte.
Nebenbei wird auch von Nora und Thomas aus dem privaten Leben erzählt, beider leben verläuft gerade nicht so gradlinig wie sie es noch kurz zuvor erwarten durften. Die Aufklärung der Morde bleibt aber immer im Vordergrund des Romans. Nora kann allerdings mit ihrer Orts- und Personenkenntnis auf der Insel ihren Teil zur Klärung beitragen.
Die Spannung ist wie schon eingangs erwähnt eher ruhig angelegt, trotzdem übt das Buch eine sehr feine Faszination aus und man will es nur ungern aus der Hand legen.
Plötzlich geraten einflussreiche Bewohner der Insel in den Focus der Polizei und der Leser merkt, dass hier eine ganz große Sache hinter dieser drei Morden steckt. Thomas und Nora kommen einem Wirtschaftsbetrug auf die Spur, bei dem es um richtig viel Geld geht. Und ab hier steigt auch die Spannung deutlich an, denn die Verantwortlichen gehen buchstäblich über Leichen, um das eigentliche Verbrechen zu vertuschen.

Wer sich an schwedischer Landschaft und Urlaubsfeeling erfreuen will, ist mit diesem Roman bestens bedient. Von beidem bekommt man reichlich und man würde gern gleich die Koffer packen. Dieser Roman sollte als Urlaubslektüre unbedingt mit hinein.

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Tags: sandhamn, schärengarten, schweden, stockholm, wirtschaftsbetrug   (5)
 

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50 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

berlin, indien, klinische studie, klinische studien, krimi, krisenmanagement, krisen-p, machenschaften der pharmaindustri, mats holm, medien, mord, pharmaindustrie, pr-agentur, pr-berater, thriller

Riskante Manöver

Birand Bingül
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 10.04.2018
ISBN 9783442716388
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Roman macht seinem Titel alle Ehre, denn riskant, wenn nicht mehr, sind die von Mats Holm angestrengten PR-Manöver durchaus und nicht immer ist sicher, ob sein Plan aufgehen wird.
Mats Holm ist PR-Agent besonders für Krisensituationen, freiberuflich tätig und vor allem eins: erfolgreich. Nicht ohne Grund wird er der „Master of Desaster“ genannt. Gemeinsam mit seiner Partnerin, Laura May, einer ehemaligen Polizistin, wird er von einem Riesen der Pharmaindustrie beauftragt, in einer ganz besonderen Situation für diesen tätig zu werden. Wenner Pharma hat ein neues Schmerzmittel für Kinder auf den Markt gebracht. In der Folge erkranken eine ganze Reihe von Kindern, es kommt sogar zu einem Todesfall.
Holm verlangt von seinen Auftraggebern die absolute Wahrheit, andernfalls wird er die Aufgabe ablehnen.
Nicht alle Personen Vorstandskreisen und auch in der PR-Abteilung des Unternehmens sind damit einverstanden, jemanden von außen zu holen und diesem auch noch sehr bedeutsame Interna mitzuteilen. So müssen Mats und Laura von Beginn an zwei Fronten kämpfen. Einmal intern im Konzern und extern organisiert die sehr versierte Pharma-Kritikerin Nina Rosenthal weitreichende Aktionen in der Öffentlichkeit. Fernsehauftritte und Demonstrationen vor der Firmenzentrale gehören dazu, aber auch die ganz intensive klassische Arbeit mit den Redaktionen und Presseagenturen.

Gereizt hat mich an diesem Buch die wahrscheinlich sehr breite „Trickkiste“ der PR-Arbeit und meine Erwartungshaltung in dieser Hinsicht wurde sogar noch übertroffen Selbstredend habe ich auch bislang nicht jede Nachricht blind geglaubt und versucht, die Dinge zu hinterfragen. Diese gesunde Skepsis bestätigt der Roman in jeder Hinsicht.
Nicht erwartet hatte ich den nebenbei laufenden und ausgesprochen spannend erzählten Kriminalfall. Eine Mitarbeiterin des Konzerns ist verschwunden, ein Mitarbeiter wird brutal ermordet. Die Polizei verdächtigt die Ehefrau und sieht keinen Zusammenhang mit der Firma. Ganz anders sehen das Mats Holm und Laura May.

„Riskante Manöver“ ist aus verschiedenen Gründen lesenswert und ich empfehle diesen gern zur Lektüre.
• Der Autor Bingül schreibt über ein Thema, in dem er sich auskennt. Er Ist Mitarbeiter beim WDR und hatte dort in der Vergangenheit verschiedenste journalistische Aufgaben. So funktioniert die Medienwelt heute.
• Dies ist Bingüls erster Roman und der ist erstaunlich gut gelungen, die Spannung des Falls erfährt der Leser von Anfang an und sie wird bis zum Ende durchgehalten.
• Der Schreibstil ich leicht und angenehm lesbar ohne dabei zu irgendeinem Zeitpunkt platt zu wirken.

Aus voller Überzeugung fünf Sterne.

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Tags: medikamententests, medikamentenzulassung, nebenwirkungen, pharmakonzern, pharmaskandal   (5)
 

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222 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 102 Rezensionen

1944, 2. weltkrieg, behinderung, euthanasie, heilanstalten, inge löhnig, krieg, mord, münchen, nazis, roman, spannungsroman, thriller, verbrechen, zweiter weltkrieg

Die Vergessenen

Ellen Sandberg
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Penguin, 27.12.2017
ISBN 9783328100898
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein sehr beeindruckender Roman, dies vorab.

Mit großer und stetig wachsender Spannung erzählt die Autorin hier eine Geschichte, die in der Gegenwart beginnt, aber sehr schnell durch Bilder und Aufzeichnungen in eine zweite Zeitebene und einen zweiten Erzählstrang ins Jahr 1944 zurückführt.

 

Manolis Lefteris, offiziell Autohändler, führt ein erfolgreiches Unternehmen für eine sehr betuchte Kundschaft. Inoffiziell bekommt er zeitweise Aufträge von einem vorerst geheimnisvollen „Köster“, deren Erfüllung mit den geltenden Gesetzten mehr oder weniger nicht im Einklang stehen. Niemand darf von diesem sehr lukrativen Doppelleben erfahren.

Vera Mändler, Journalistin bei einem Frauenmagazin, versucht eine Rückkehr in eine berufliche Position und zu Themen, die für sie serösen Journalismus bedeuten. Sie ist die Pseudoprobleme ihrer jetzigen Aufgabe so entsetzlich leid. Als sie in den Erinnerungen ihrer Tante Kathrin, Fotos und schriftlichen Aufzeichnungen, von Ereignissen im Jahr 1944 erfährt, in die ihre Tante eingebunden war, meint sie darin ihre Chance für eine berufliche Wende gefunden zu haben. Sie trifft eine Entscheidung.

Beide erfahren im Zuge ihrer Recherchen, dass es ganz offensichtlich auch heute noch Menschen gibt, die alles zu tun bereit sind, dass ihre eigene Rolle in Nationalsozialismus nicht bekannt wird. Und die auch heute noch bereit sind, dafür über Leichen zu gehen. Eine mehr oder weniger spielt dabei keine Rolle.

Kathrin Mändler Veras Tante, liegt nach einem Schlaganfall in einer Klinik. Sie war als junge Frau Krankenschwester in einem Heil- und Pflegeheim der Nazis, in dem die Genesung der Patienten, vor allem auch Kindern, nicht im Vordergrund zu stehen schien. Kathrin beobachtet, hinterfragt und macht sich damit nicht gerade beliebt bei den vorgesetzten Schwestern und Ärzten. Gleichzeitig unterhält sie aber eine Beziehung zu Karl Landmann, dem Leiter der Einrichtung, vor der niemand wissen darf und die von einer gewissen Hörigkeit bestimmt ist. Dieser Gewissenskonflikt nagt an ihr und muss unweigerlich in einer Katastrophe enden. Denn Kathrin kopiert und entwendet Krankenakten, gemeinsam mit einem jungen Mediziner, der als Praktikant in diese Einrichtung kommt.

Diese Unterlagen sind es, die Vera für ihren Artikel sucht, die Manolis für den Auftraggeber Kösters beschaffen soll, für die bereits ein Mensch gestorben ist und für die jemand offensichtlich bereit ist, jeden Preis zu zahlen, wenn er ihrer nur habhaft werden kann.

 

Dieser Roman ist absolut lesenswert. Es gelingt der Autorin, das Thema Euthanasie in einem Umfeld und mit Personen zu behandeln, die einem als Leser das Gefühl vermitteln, dies alles direkt mitzuerleben. Bedrückend und beindruckend zugleich und durch den Handlungsstrang in der Gegenwart mit einer großen Spannung ausgestattet. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen bevor nicht der letzte Satz gelesen war.

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Tags: 1944, euthanasie, heilanstalten, journalismus   (4)
 

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beziehungskiste, die große liebe, humor, liebe auf den ersten blick, scheidung, sorgerechtstreit, trennun, vater&sohn, vater und sohn

Oberkante Unterlippe

Stefan Schwarz
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.07.2017
ISBN 9783499266966
Genre: Romane

Rezension:

Rosenkrieg und Beziehungskisten – davon gibt sehr viel zwischen zwei Buchdeckeln, aber so, wie diese Lebenssituationen hier präsentiert werden, habe ich das noch nicht gelesen.
Der erste Unterschied, der auffällt und diese Geschichte so anders macht: in der Regel werden diese Romane von Frauen erzählt und aufgeschrieben – und es geht natürlich immer gegen den Mann. Das ist hier schon mal nicht der Fall. Protagonist und vielleicht auch der Gute ist hier ziemlich eindeutig der Mann. Oder sollte ich besser sagen zwei Männer?

Jannek ist Schauspieler, nicht so der ganz erfolgreiche Typ und somit auch finanziell nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens stehend. Als ihm Larissa begegnet, scheint dies für beide die Liebe ihres Lebens zu sein, doch was wie die Geschichte von Romeo und Julia beginnt, endet mit Trennung, Scheidung und schließlich einem handfesten Sorgerechtsstreit um den gemeinsamen Sohn Timmi. Jannek möchte seinen Sohn bei sich aufwachsen sehen und hat eigentlich nur seine beinahe bedingungslose Liebe für dieses Kind in die Wagschale zu werfen.
Auf Seiten der Mutter gelangt auch sehr viel Geld und eine gewisse Oberflächlichkeit in die Wagschale und diese Umstände wiederum weiß Timmi mit großem Geschick zu seinen Gunsten zu nutzen.
Und dann sind da noch die Großeltern auf der mütterlichen Seite, die ebenfalls mit ihren finanziellen Möglichkeiten Jannek und seinen Sohn auseinanderbringen wollen.

Beide Parteien wollen natürlich nur „das Beste“ für das Kind, doch was ist eigentlich das Beste? Darüber gehen die Vorstellungen weit auseinander, weil eben auch die erlernten und erlebten Wertevorstellungen kaum unterschiedlicher sein könnten.

Stefan Schwarz verfügt über eine Art von Humor, der jenseits von platter Comedy angesiedelt ist, seine Leser aber auf beinahe jeder Seite zum Lachen bringt. Dieser Jannek hat einfach das Herz auf dem rechten Fleck. Ganz im Gegenteil zur gegnerischen Seite, auf der Mutter und Großeltern versuchen, nicht nur Timmi mit ihren finanziellen Möglichkeiten zu beeindrucken, sondern mit diesen Vorstellungen auch beim Jugendamt und dem Familiengericht zu punkten. Ob ihnen dies gelingen wird? Nun, lesen Sie selbst.

Stefan Schwarz versteht sich meisterhaft auf den Umgang mit Sprache und so wird Ihnen dieser Roman wie ein heiterer Leckerbissen derselben erscheinen. Kosten Sie davon und genießen sie die Lektüre. Gewinnen Sie den Momenten, die nicht nur Ihnen ganz fürchterlich erscheinen, die auch immer vorhandene komische Seite ab und lachen Sie darüber. Das geht! Stefan Schwarz macht es Ihnen vor.

Viel Vergnügen beim Lesen.

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Tags: beziehungskiste, die große liebe, liebe auf den ersten blick, scheidung, sorgerechtstreit, trennun, vater und sohn   (7)
 

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20. jahrhundert, dartmoor, die mitternachtsrose, england, erster weltkrieg, familiendrama, familiengeheimnis, familiengeschichte, herrenhaus, indien, liebe, lucinda riley, roman, schauspielerin, vergangenheit

Die Mitternachtsrose

Lucinda Riley , Sonja Hauser
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 22.06.2015
ISBN 9783442479702
Genre: Romane

Rezension:

Der Name Lucinda Riley ist wohl immer wieder ein Garant für spannendes Lesevergnügen, so auch wieder bei diesem Roman.

Alles beginnt an einem hundertsten Geburtstag in Indien. Anahita feiert diesen Tag im Kreise ihrer Familie, aber für ihren Urenkel Ari soll dieser Geburtstag noch eine besondere Bedeutung bekommen. Er bekommt von seiner Urgroßmutter Anahita ein Manuskript überreicht und damit den Auftrag, ihren Sohn, der angeblich im Alter von drei Jahren schon gestorben sein soll, zu finden. Denn Anahita glaubt den Menschen, die ihr seit Jahrzehnten diesen Tod einreden, kein Wort. Sie ist fest davon überzeugt, dass dieser Sohn lebt. Doch Urenkel Ari geht sehr lasch mit dem Versprechen um das er Anahita gegeben hat und erst Jahre später reist er nach England, um endlich seinen Auftrag zu erfüllen. Dies ist einer der beiden Handlungsstränge.

Im zweiten lernen wir die amerikanische Schauspielerin Rebecca Bradley kennen, die ebenfalls nach England reist, um dort ihren neuen Film zu drehen. Um sie vor unliebsamen Pressebegegnungen zu schützen, in ihrem Privatleben fand gerade eine gravierende Veränderung statt, darf sie als Einzige des Filmteams auf Astbury Hall wohnen, einem etwas heruntergekommenen Herrensitz, der Hauptdrehort dieses Films ist. Sie hat es dort mit einer etwas eigenwillig agierenden Haushälterin zu tun, die offensichtlich den Hausherrn aus allem Alltagsgeschehen heraushalten will und fast über ihn zu wachen scheint. Trotzdem lernt Rebecca Lord Astbury kennen und er erscheint ihr von Anfang an ein wenig merkwürdig, ja sogar unheimlich und stellenweise ängstigt er sie.

Zur gleichen Zeit reist Ali Malik nach England, um das Rätsel um seine Urgroßmutter und deren Sohn zu lösen. Auch ihn führen die Aufzeichnungen, die er erhalten hat, nach Astbury Hall natürlich ist seine Person das Bindeglied zwischen den beiden Handlungen, aber auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Lucinda Riley nimmt die Leser mit auf eine aufregende Reise durch die Zeit und auf eine mindestens ebenso spannende Geschichte der indischen Gesellschaft zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie erzählt sehr spannend und bildreich, so dass man das Buch höchst ungern aus der Hand legt bevor man bis zum Ende und damit auch der Lösung der Geheimnisse dieser beiden Familien auf die Spur gekommen ist.

Lucinda Riley ist eine Unterhaltungsautorin, die ihr Handwerk gut beherrscht und ihren Lesern mit ihren Geschichten ein paar unbeschwerte Stunden beschert. Sicherlich sind das „Bücher zum Weglesen“, aber wenn wir ehrlich sind, braucht es auch diese Literatur für die Momente, in denen man sich einfach nur in eine solche Geschichte hineinfallen lassen möchte. Vielleicht an einem stürmischen Wochenende auf der Couch, am Kamin oder – zu anderen Jahreszeit – im Standkorb. Für all diese Gelegenheiten ist dieser Roman ein pralles und farbiges Lesevergnügen.

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Tags: england, familiengeschichte, filmgeschäft, herrenhau, indien, romantik, schauspielerin   (7)
 

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300 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

belletristik, diogenes, elefant, elefanten, experiment, genforschung, genmanipulation, gentechnik, glowing animals, martin suter, obdachloser, obdachlosigkeit, roman, zirkus, zürich

Elefant

Martin Suter
Fester Einband: 351 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 18.01.2017
ISBN 9783257069709
Genre: Romane

Rezension:

Skurril, das war ein erster Eindruck, den ich von diesem Buch nach der Vorschau und dem Klappentext bekommen hatte. Aber das ist nur ein Aspekt dieses Romans und zudem ein recht kleiner.
Ja, es mutet skurril an, dass ein in Geldnöten schwebender Zirkusdirektor sich von einem Genforscher gegen das Versprechen einer größeren Geldsumme auf ein verrückt anmutendes Experiment einlässt. Roux, der Forscher, will einer der Elefantenkühe des Zirkus mittels künstlicher Befruchtung und zuvor erfolgter Genmanipulation zu ganz besonderem Nachwuchs verhelfen. Einen Tierarzt, der das Experiment begleitet, hat Roux auch gefunden.

Schoch lebt in Zürich auf der Straße oder besser in einer Höhle, die sich am Uferweg des Flusses gebildet hat. Was er nachts plötzlich entdeckt, als er mit einem gehörigen Alkoholpegel aufwacht, kann er nicht glauben. Hat er Entzugserscheinungen? Aber nach seiner eigenen Feststellung kann es das nicht sein, denn getrunken hat er genug. Hat also ein Kind seine Höhle entdeckt und dort sein Spielzeug verloren? Doch so oft Schoch die Augen auch verschließt in dieser Nacht, sobald er sie wieder öffnet steht dieser rosafarbene und leuchtende Mini-Elefant wieder in der Ecke. Und ist beileibe kein Spielzeug, sondern sehr lebendig.

Kaung ist schon seit vielen Jahren im Zirkus als Wärter für die Elefanten angestellt. Elefantenflüsterer trifft aber seine Einstellung zu all seinen Schützlingen sehr viel besser und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er Roux und dessen Plänen mit großem Argwohn gegenübersteht. Das Experiment zu verhindern gelingt ihm nicht, aber er sorgt dafür, dass Roux von der Geburt zunächst nicht erfährt und aufgrund falscher Aussagen an das Scheitern seines Experiments glaubt.

Schoch hat nun diesen kleinen Elefanten – und er übernimmt plötzlich Verantwortung für ein anderes Lebewesen. Diesen kleinen Elefanten will und muss er beschützen, daran besteht für ihn kein Zweifel, auch wenn seine Beweggründe auch für ihn selbst erst einmal im Dunkel bleiben. Hilfe erfährt er dabei durch die Tierärztin Valerie, die schon sehr bald eine Vertraute für ihn wird.

Zwischen diesen Protagonisten entwickelt sich eine teilweise sehr verrückte und damit auch manchesmal sehr amüsante (Verfolgungs-)Jagd, die spannend auf der einen Seite und sehr anrührend auf der anderen Seite erzählt wird.
Dabei sind die Seiten GUT und BÖSE sehr klar verteilt und erkennbar. Schoch und Kaung sind zweifelsfrei die Guten, auch Valerie gehört dazu. Roux und bedingt auch der Zirkusdirektor sind die Bösen, denen man auch als Leser sehr misstrauisch gegenüber steht. Und ohne dass man es bewusst will, beginnt man sich mit dem Thema Gentechnik zu beschäftigen und versucht, eine eigene Position dazu zu finden. Angenehm fällt dabei auf, dass die Thematik sehr verständlich dargestellt wird und der Autor uns einen informativen Einblick liefert. Und ebenso angenehm, dass Suter es dem Leser überlasst, welcher der beiden konkurrierenden Sichtweisen er sich anschließen will.

Ein Buch für den Kopf und für das Herz – unbedingt lesen. Mich hat der kleine rosa Elefant sehr berührt.

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Tags: experiment, genforschung, gentechnik, zirkus, zürich   (5)
 

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anti-baby-pille, band 2, familiengeschichte, familien-saga, freundinnen, hamburg, historische romane, jahrhundert-trilogie, korn, mondlandung, nachkriegsjahre, nachkriegszeit, uhlenhorst

Zeiten des Aufbruchs

Carmen Korn
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 23.06.2017
ISBN 9783463406831
Genre: Historische Romane

Rezension:

Meine Begeisterung hält nicht nur an, sie ist sogar noch größer geworden. Auch den zweiten Band von Carmen Korns Jahrhundert-Trilogie habe ich in einem Rutsch gelesen und war bis zur letzten Seite fasziniert.
Von März 1949 bis November 1969 nehmen wir erneut am Leben von Henny, Käthe, Ida und Lina teil. Aber auch ihre Kinder und Enkel, Freunde, Nachbarn und viele weitere Wegbegleiter finden wir wieder, die wir zum Teil aus dem ersten Band kennen, andere lernen wir neu kennen.
Nicht alle  Männer sind aus dem Krieg heimgekehrt, von manchen weiß man, dass sie gefallen sind, andere sind einfach verschollen oder noch in der Gefangenschaft, die für einige erst nach 1950 endete. So ging es Käthes Mann Rudi und auch Käthe selbst sucht lange keinen Kontakt zu den anderen Freundinnen, besonders zu Henny. Sie meidet den Kontakt sogar und der Leser des ersten Bandes hat auch eine Ahnung, warum dies so ist.

Auch wenn das Buch in der Großstadt Hamburg spielt, so erinnert sich auch das Dorfkind in mir an viele Ereignisse ab Mitte bis Ende der Fünfziger, die in diesem Buch nicht nur eine Rolle spielen, sondern für einzelne Personen auch von großer Bedeutung sein können. Anfang der Siebziger wurde Hamburg nicht nur meine
Wahlheimat, sondern in beinahe einem ganzen Jahrzehnt zu einen Ort, den ich sehr gemocht habe und auch heute noch mag. Schon allein aus diesem Grund bin ich sehr gespannt auf den dritten Band dieser Trilogie.
Das Leben der drei Freundinnen und den Menschen in ihrem Umfeld ist sicherlich in erster Linie von persönlichen Entscheidungen und manchmal auch Schicksalsschlägen geprägt, aber auch allgemeine politische, gesellschaftliche  und kulturelle Ereignisse bleiben manchesmal nicht ohne Folgen für die Protagonisten.

Wer erinnert nicht die Nacht der ersten Mondlandung, als eine ganze Nation vor den Fernsehgeräten saß, so man denn ein solches bereits besaß. Gängige und auch weniger bekannte Lieder, Schlager einer ganzen Generation, werden in Ansätzen zitiert und man ertappt sich beim Lesen dabei, die Zeilen nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Ohren wahrzunehmen und summt an manchen Stellen ganz unwillkürlich mit.
Die Gründung des NWDR und später die Aufteilung in zwei heute noch existierende Sendeanstalten, die Wiederbewaffnung, die Sturmflut von 1962, die Anti-Baby-Pille, die Abschaffung des § 175, die Kubakrise und der Bau der Berliner Mauer, all das hat nicht nur das Leben unserer Romanfiguren begleitet und zum Teil auch verändert. Auch jeder Leser wird seine eigenen persönlichen Erinnerungen damit verbinden.
In Berlin agiert Rudi Dutschke, die Studentenunruhen beginnen und Ruth, Tochter von Käthe und Rudi, hat Verbindung in diese Kreise. Hier könnte sich andeuten, was zumindest Anfang des dritten Bandes eine Rolle spielen wird.  Viel passiert ist in Hamburg viel am Anfang der Siebziger.

Auch für diesen Band eine Leseempfehlung aus vollem Herzen und mit Überzeugung vergebe ich fünf Sterne. Mehr geht ja leider nicht.

PS. Für jeweils ein ausführliches Glossar am Ende beider Bände verdient Carmen Korn Lob und Anerkennung.

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Tags: anti-baby-pille, hamburg, mondlandung, nachkriegsjahre, uhlenhorst   (5)
 

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98 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

deutschland, eilbeck, erster weltkrieg, familiengeschichte, familiensaga, finkenau, frauen, hamburg, hebamme, hebammen, historischer roman, krieg, nationalsozialismus, trilogie, zweiter weltkrieg

Töchter einer neuen Zeit

Carmen Korn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 21.09.2016
ISBN 9783463406824
Genre: Historische Romane

Rezension:

Begeisterung pur – das hat dieser Roman in mir ausgelöst und so ist es nicht verwunderlich, dass ich die gut 540 Seiten in nur knapp anderthalb Tagen gelesen habe. Aufhören war nicht möglich, ich wollte einfach wissen wie es weitergeht mit Henny, Käthe, Ida und Lina. Vier Frauen, die zunächst nichts eint außer dass sie alle nicht weit von einander „auf der Uhlenhorst“, wie es in Hamburg heißt, leben. Und alle eint auch ein Hunger nach Liebe und Leben, nachdem sie gerade einen bösen Weltkrieg überstanden haben.
Der Roman beginnt im März 1919, Henny und Käthe beginnen gerade ihre Hebammenausbildung an der Frauenklinik Finkenau, Lina ist Grundschullehrerin und hat sich der Reformpädagogik verschrieben, Ida schließlich ist Tochter aus gutem Hause, ohne Beruf und Ausbildung, aber stets besorgt, dass sie ihr sehr angenehmes Leben aufgeben muss.
Der Roman endet im Dezember 1948 und damit nach einem zweiten verheerenden Krieg, den keine der Frauen so noch einmal erleben wollte. Aber – sie wurden nicht gefragt. Sie konnten nur in ihrer politischen Einstellung gegen die Nationalsozialisten und Hitler aufbegehren oder auch nicht, das Aufbegehren aber wurde von Jahr zu Jahr gefährlicher. Wem konnte man noch trauen, den Freunden, den Kollegen, der Familie?
Als Leser erlebt man diese Jahre beinahe hautnah mit, so sehr kann man sich mit diesen Hauptfiguren identifizieren, wobei sicherlich jeder Leser die Schwerpunkte anders setzt. Sicherlich auch in Abhängigkeit zur eigenen Entwicklung in der Kindheit und Jugend und dem Umfeld, in dem man groß und zum Erwachsenen wurde. Aber eine ganze Reihe der anderen Figuren im Umfeld der vier Frauen verdienen ebenso unseren Respekt, haben sie doch in entscheidenden Situationen Mut und Menschlichkeit bewiesen. Es gibt aber auch jene, vor denen man sich in Acht nehmen musste und die unterschiedlichen politischen Positionen prallten selbst innerhalb der Familien aufeinander.

Die einzelnen Episoden sind teilweise sehr kurz gehalten, woran man sich anfangs ein wenig gewöhnen musste, aber im Verlauf der Geschichte fand ich diesen Schreibstil sehr passend für dieses Buch. Die zum Teil zeitgleichen Entwicklungen und Ereignisse, die Wechselwirkungen der Ereignisse auf die verschiedenen Personen und die immer enger und bedrückender werdenden Einschränkungen im Alltag werden dadurch in einer Form für den Leser greifbar, wie ich es bisher nur selten in Büchern gefunden habe, die diese Zeitspanne beschreiben.

Gäbe es mehr als 5 Sterne, dieser Roman bekäme von mir noch mehr als diese absolute Leseempfehlung. Das Buch ist der erste Band der „Jahrhundert-Trilogie“, der zweite Band ist kürzlich erschienen. „Zeiten des Aufbruchs“ beginnt 1949 und reicht bis in die sechziger Jahre. „Wirtschaftswunder, Rock 'n' Roll, Cocktailpartys“ – ich freu’ mich drauf.

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Tags: hamburg, nationalsozialismus, uhlenhorst, weltkrieg 2, zwischen den beiden weltkriegen   (5)
 

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algarve, asperger, asperger-syndrom, autismus, gil ribeiro, hamburg, korruption, krimi, leander lost, lost, mord, portugal, ungewöhnlich, wasser, wein

Lost in Fuseta

Gil Ribeiro
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 31.03.2017
ISBN 9783462048872
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein ganz ungewöhnlicher Krimi, der vor allem durch sein Personal besticht und nicht so sehr durch die darin geschilderten Verbrechen.

Zwar hat mich der Titel zunächst ein wenig in die Irre geführt, weil ich einen Moment lang an „Verloren in Fuseta“ gedacht habe, aber diese Vokabel ist mitnichten gemeint. Leander Lost ist Polizist in Hamburg, der im Rahmen eines europäischen Austauschprogramms für ein Jahr in Portugal arbeiten soll. Aus Hamburg hat man ihn weggelobt, das ist schon sehr schnell klar, aber das Warum bleibt doch einige Zeit im Dunkel. Graciana Rosado und Carlos Esteves holen ihn vom Flughafen ab und werden bereits auf der Rückfahrt zu einem aktuellen Tatort gerufen. Ein nicht ganz sauberer Privatdetektiv wurde tot aufgefunden, Leander Lost ist von Anfang an dabei, doch dieser Anfang gestaltet sich für die beiden portugiesischen Beamten vorsichtig gesagt schwierig. Der Kollege aus Deutschland fällt nicht nur durch seine Kleidung auf und ein wenig auch aus dem Rahmen, auch seine Art Fragen zu stellen und Schlussfolgerungen zu ziehen eckt bei allen Beteiligten an.
Erst Gracianas Schwester erkennt durch einen ganz einfachen Zufall, was mit dem Fremden aus Hamburg los ist.
Leander Losts eigenwillige Art ist der Tatsache geschuldet, dass er am Aspberger-Sydrom, einer speziellen Form von Autismus, leidet. Menschen mit diesem Krankheitsbild verfügen oft über sehr ausgeprägte Inselbegabungen, z. B über ein ausgeprägtes fotografisches Gedächtnis  wie in diesem Fall. Autisten können im Allgemeinen Gesichter nicht in ihrer Gesamtheit wahrnehmen, sondern sehen und beurteilen Augen, Nase Mund stets als Einzelnes. Die Folge u. a. ist, das Leander Lost nicht in der Lage ist, Ironie zu erkennen und er gibt immer und in jeder Situation Antworten, die für ihn auf der Basis von Logik selbstverständlich sind, sein Gegenüber aber sehr oft verstören und verwundern.
Das macht ein Zusammenwachsen des Teams unmöglich, so scheint es anfangs und ist es wenig verwunderlich, dass Leander Lost schon am Tag nach seiner Ankunft einen Flieger zurück nach Deutschland besteigen will. Doch es kommt anders und die beiden Kollegen erkennen sehr schnell, wie sehr sie dieser Deutsche mit seinen besonderen Begabungen in ihrer Arbeit unterstützen kann.
Die weitere Handlung deckt einige Skandale auf, so geht es beispielsweise um das Thema Trinkwasser, dessen Qualität und wie ein großer Konzern damit Riesengewinne einfahren will. Es geht auch um skrupellose Vorgesetzte und lustlose Kollegen bei der Streifenpolizei, um einen ganz besonderen Familiensinn, der in Portugal wohl nicht nur in der Familie von Graciana Rosado an der Tagesordnung ist. Es geht auch um eine wunderschöne Landschaft und die kulinarischen Entdeckungen und Freuden einer südländischen Küche.

Ich habe dieses Buch sehr genossen, weil es neben der eigentlichen Krimihandlung und der Aufklärung des Falles auch sehr viel über interessante und auch auf ihre eigene Art sehr besondere Menschen erzählt. Und davon, dass man nur aufeinander zugehen und Interesse für das Gegenüber zulassen muss, um zu einem richtig guten Team zu werden.

Eine absolute Leseempfehlung und gerne mehr Bücher in dieser Reihe.

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Tags: algarve, asperger-sydrom, austauschprogramm, autismus, korruption, portugal   (6)
 

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56 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

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Verraten

Florian Schwiecker
Geheftet: 312 Seiten
Erschienen bei Edel Books - Ein Verlag der Edel Germany GmbH, 02.02.2017
ISBN 9783841905055
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In einem Interview, das auf seiner Webseite nachzulesen ist, wird der Autor aufgefordert, seinen Roman in zehn Worten zu beschreiben. Das liest sich dann so:
„Erschreckend real, gut recherchiert, spannend, überraschend und natürlich extrem unterhaltend.“
Das alles kann ich ohne Einschränkungen unterschreiben und trotzdem habe ich einen Kritikpunkt zu benennen. Allerdings richtet der sich nicht gegen Geschichte und Autor, sondern mehr an die Verantwortlichen im Verlag. „Der neue Luk-Krieger-Thriller“ prangt vorne auf dem Cover und das ist wörtlich genommen einfach nicht richtig. Diese Formulierung hat mich sofort veranlasst, nach früheren Titeln zu schauen und siehe da, die gibt es nicht. Ehrlicherweise sollte es also heißen „Der erste ….“.  Ja, ich freue mich durchaus auf weitere Romane mit diesem Ermittlerpaar, aber ich werde als Leser nicht gern an der Nase herumgeführt, lieber Verlag. Das am Rande.

Luk Krieger ist Agent einer Spezialeinheit zur Terrorbekämpfung, die selbst in Polizeikreisen so gut wie unbekannt ist. Allerdings hat diese Einheit, das SKT, im Inland keine Befugnisse.
Er ist nicht im Einsatz, als er hautnah die Explosion einer Bombe mitten in Berlin miterlebt. Danach ist er im Einsatz und der gestaltet sich anfangs ein wenig schwierig. Denn die ermittelnde Polizistin Anne Cole will sich zunächst gar nicht in die Karten schauen lassen. Von ihrem Chef wurde sie zwar zur Zusammenarbeit mit Luk Krieger angehalten, aber wie intensiv diese aussehen soll, ist ihr selbst überlassen. Es gelingt Luk, dass Anna zumindest ihre erste Ablehnung mehr und mehr aufgibt und die beiden zu einem guten Team zusammen finden.
Es gelingt Ihnen, den Attentäter und seine weiteren Pläne „zu lesen“ und ihm immer eng auf den Fersen zu sein. Trotzdem können sie zunächst weitere Anschläge nicht verhindern. Natürlich genießt  Luk Krieger bessere Möglichkeiten der Kommunikation und weitere Vorteile bis hin zu einer Art privatem Flugzeug des SKT, die Anna Cole nicht verfügbar hätte. Außerdem ist sie schon bald fasziniert von seinem Wissen, das einem Polizisten im Normalfall nicht verfügbar gemacht wird.

Ob sie allerdings den letzten und entscheidenden Anschlag werden stoppen können, will ich hier nicht verraten. Vielleicht ja, denn ein Krimi darf eigentlich nicht offen enden. Vielleicht nein, denn es soll ja weitere Romane um dieses Ermittlerpaar geben. Lesen Sie selbst.

Erschreckend fand ich in jedem Fall, wie skrupellos einzelne Personen in Polizeikreisen und in der Politik mit einem solchen Anschlag umgehen und das Leben vieler Menschen als eine Art Kollateralschaden einfach hinnehmen.  Insofern dürfen wir uns sicher bei solchen Ereignissen und den Nachrichten darüber immer wieder fragen, welche Wahrheit wir dabei gerade erfahren.

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Tags: berlin, köln, kölner dom, kompetenzgerangel, münchen, olympiastadion, papstbesuch, terror, terrorbekämpfung   (9)
 

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Murder Park

Jonas Winner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2017
ISBN 9783453421769
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach „Der Architekt“ und „Die Zelle“ war dies mein drittes Buch von Jonas Winner und noch bin ich hin- und hergerissen.
Im Gegensatz zu den beiden Erstgenannten hatte ich Schwierigkeiten den Einstieg zu finden, obwohl mir die Geschichte von Anfang an Lust auf das Buch gemacht hatte.

Paul ist ein junger Journalist, der ausgewählt wurde, gemeinsam mit 11 anderen Personen eine kurz vor der Eröffnung stehende Vergnügungsstätte auf einer Insel vor der amerikanischen Ostküste zu besuchen. Zodiac Island war einst ein berühmter Freizeitpark mit diversen Attraktionen und verschiedenen Übernachtungsmöglichkeiten. Vor 20 Jahren nun hat auf dieser Insel ein Serienmörder drei junge Frauen getötet und grausam zugerichtet. Die ersten beiden Taten wurden vor der Öffentlichkeit vertuscht, erst nach dem dritten Mord werden die Taten publik und der Park geschlossen. Das dritte der damaligen Opfer war Pauls Mutter, der damals vier Jahre alte Paul hat viele Stunden neben seiner toten Mutter ausgeharrt, der Mörder war kein Fremder für ihn. Jeff Bohner wurde gefasst, überführt, zum Tode verurteilt und starb auf dem elektrischen Stuhl.

Paul hat also ganz persönliche Motive, dieser Einladung Folge zu leisten. Die „Spielregeln“ für das Wochenende sind allen Beteiligten klar, sie sind für drei Tage auf der Insel auf sich allein gestellt und  ihnen soll das Konzept des neuen Zodiac Island präsentiert werden. Murder Park soll die Anlage künftig heißen und sie wird mit den Ängsten der Besucher ziemlich skrupellos spielen. Kontakte zu Dritten gibt es während des Wochenendes nicht und da die Fähre auch erst am Montag wieder fahren wird, gibt es auch keine Möglichkeit, die Insel vorzeitig zu verlassen.

Schon kurz nach dem Eintreffen der Gruppe und dem gegenseitigen Kennenlernen gibt es die erste Leiche. Keine fremde Person sondern eine dieser Zwölf ist das Opfer und es soll nicht bei diesem einen Vorfall bleiben. Und an dieser Stelle beginnt langsam ein Sog, der den Leser unweigerlich in die Geschichte hineinzieht. Mit Spannung und Entsetzen gleichzeitig verfolgt man die Gruppendynamik der noch Lebenden. Die Erkenntnis setzt sich durch, dass diese Vorabpräsentation und vor allem die Zusammensetzung der Gäste mit den Ereignissen von vor 20 Jahren in Verbindung stehen. Was bedeutet es, dass in dieser Gruppe jedes der zwölf Tierkreiszeichen exakt einmal vorkommt? Hat es überhaupt eine Bedeutung oder ist hier einfach nur ein Wahnsinniger am Werk? Wem kann Paul trauen und von wem sollte er sich lieber fernhalten? So wie dieser Protagonist ständig wieder in neue Zweifel hinsichtlich seiner Mitreisenden gerät, so geht es einem auch als Leser. Gerade glaubt man, jetzt doch die Lösung zu erahnen, überrollen einen die Ereignisse erneut und alle Theorie stürzt wieder wie ein Kartenhaus zusammen. Das Ende ist mindestens so überraschend wie spannend und lässt einen aufatmen.

Anfangs wechselt sich die Handlung mit den Auswahlprotokollen der zwölf Besucher recht regelmäßig ab, wobei im Verlauf des Buches die Handlungskapitel länger werden und die eingestreuten Protokolle nicht mehr so dominieren. Ich glaube, dass dieser Aufbau mir den Einstieg erschwert hat, trotzdem gibt es eine absolute Leseempfehlung – allerdings nur für hartgesottene Krimifans.

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Tags: freizeitpark, insel, ostküst, serienmörder, usa, vergnügungspark   (6)
 

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brandserie, feuerteufel, husum, keitum, nordfriesland, sylt

WattenBrand

Andreas Schmidt
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei CW Niemeyer, 28.02.2017
ISBN 9783827194848
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine rätselhafte Brandserie steht zunächst im Mittelpunkt der Geschichte. In unregelmäßigen Abständen stehen insbesondere in Nordfriesland immer wieder Scheunen oder ganze Bauernhöfe in Brand. Die beiden Kommissare Wiebke Ulbricht und Jan Petersen von der Kripo in Husum sind mit der Untersuchung betraut. In den Fokus der Ermittler gerät unter anderem der Landmaschinenverkäufer Rasmussen, der den Bauern in der Region Traktoren und mehr auf der Basis windiger Kredite verkauft hat. Hat er oder ein Dritter in seinem Auftrag auf diese Art und Weise den säumigen Zahlern einen Denkzettel verpassen wollen?
Doch dann brennt plötzlich ein alter leerstehender Friesenhof auf Sylt. Und in der Brandruine findet man die Leiche des Immobilienmaklers Frerk Lürsen, der u.a. Hauptinvestor eines ehrgeizigen Bauprojekts auf der Insel war. Darüber hinaus war Lürsen nicht sonderlich beliebt, nicht in der Region und nicht bei den Menschen, mit denen er teilweise seine Geschäfte machte. So hat er beispielsweise dem Bauern Jacobsen, dessen abgebrannte Scheune am Anfang des Romans steht, den Kauf des hochverschuldeten Hofes zu einem Spottpreis angeboten.
Gemeinsam mit einem Architekten und einem Naturschützer wollte Lürsen einen Ferienpark auf dem Wasser vor der Küste der Insel errichten. Zwischen diesen dreien gibt es aber nicht nur die geschäftliche Verbindung, sondern auch private Verstrickungen, von denen zunächst nur der Leser etwas erfährt. Mit dem Fortschreiten der Handlung wird dann deutlich, dass auch die Beteiligten mehr über diese Verbindungen und Liebeleien wissen, als sie anfangs zu sagen bereit sind.

Die große Frage für die Polizei ist nun, ob der Brand auf Sylt ein Teil der Serie war oder ob es sich um zwei getrennte Fälle handelt. Die Ansichten darüber sind sehr gespalten, doch da der Zusammenhang auch nicht ausgeschlossen werden kann, wird die Sonderkommission Immo gegründet, der neben Wiebke und Jan auch Kollegen von der Kripo in Flensburg und von der Insel angehören. Mit Hochdruck versuchen die Beamten Licht in ein zunächst recht undurchsichtiges Netz verschiedenster Möglichkeiten zu bringen.
Der Autor versteht es sehr geschickt, den Lesern immer wieder mögliche Lösungen anzubieten, die sich aber der weiteren Lektüre als Irrtümer herausstellen. So bleibt die Spannung stets auf einem hohen Niveau und verleitet einen dazu, länger zu lesen als man eigentlich wollte. Und schon wieder war die Nacht zu kurz …
Am Ende werden die Schuldigen natürlich gestellt, auch wenn diese keiner der zunächst ausgelegten Spuren entsprechen.

Ich bin zwar nicht so häufig in den Gegenden, in der dieser Roman spielt, denke aber, dass es Andreas Schmidt gut gelungen ist, die Stimmung der Landschaft und der Menschen gut einzufangen. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass der Autor sich im Kern auf zwei wirkliche Ereignisse stützt. So hat es die Brandserie vor einigen Jahren wirklich gegeben und auch das Projekt „Viva Mare“, ein Ferienanlage auf dem Wasser, hat es wirklich gegeben.

Gute Unterhaltung und Spannung – nicht nur für Menschen in der Region oder dortige Urlauber. Lediglich an wenigen sprachlichen Formulierungen, die ein wenig „unter der Gürtellinie“ und so gar nicht notwendig waren, habe ich mich ein wenig gestört.

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Tags: brandserie, feuerteufel, husum, keitum, nordfriesland, sylt   (6)
 

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Erntedank in Vertikow

Frank Friedrichs
Flexibler Einband: 302 Seiten
Erschienen bei DichtFest, 26.11.2016
ISBN 9783946937203
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kennengelernt habe ich diesen Autor und sein Buch im Rahmen einer regionalen Buchmesse. Für das Leseexemplar sage ich noch einmal DANKE und berichte mal von meinen Leseeindrücken.

Wir begegnen:
• einem zwar erfundenen Dorf im Mecklenburg, aber sicher gibt es ganz viele Dörfer, die hier als Vorbild dienen können,
• einem ungewöhnlichen Ermittler, der in dieser Aufgabe vielleicht eine neue berufliche Herausforderung finden will,
• und sehr unterschiedlichen Menschen mit vielen Macken und Eigenarten, die die menschliche Spezies abbildet.

Und somit ist dieser Roman nur am Rande ein Krimi. Ja, es gibt einen Todesfall. Aber der steht nur scheinbar im Mittelpunkt der Geschichte. Vielmehr nimmt Peer Wesendonk diesen Platz in der Mitte ziemlich raumgreifend ein. In seinem ersten Leben, vor einem schweren Motorradunfall, war er Organist hier im Dorf und hatte seinen Beruf oder besser seine Berufung gefunden. Jetzt kehrt er im Rollstuhl zurück und muss sich und sein Leben neu organisieren. An seinen Arbeitsplatz an die Orgel kann er nicht zurück, seine Frau ist während der Woche in Berlin, er ist also allein und hat vor allem viel Langeweile. Zwar organisiert seine Frau  ihm so manche Hilfen, sieht aber nicht, dass diese im Alltag und in der Praxis nur bedingt funktionieren.  Die Unzufriedenheit wächst und Peer fühlt sich mehr und mehr unverstanden.

Da kommt es ihm doch gerade recht, dass der vermeintliche Unfalltod der Nachbarin von manchem Dorfbewohner so gar nicht als Unfall gesehen wird. Hier handelt es sich wohl um Mord, meint man und Peer lässt sich von dieser Meinung anstecken. Zumal die Polizei offensichtlich keine Ermittlungen dieser Art anstellen will und den Vorgang als Unfall ad acta legen wird. Peer beginnt seine eigenen Ermittlungen und die Reaktionen im Dorf sind entweder für ihn oder gegen ihn und seine „dummen“ Fragen. Hat man ihn vielleicht schon als nächstes Opfer auserkoren? Oder entspringen all diese Überlegungen vielleicht nur seinem mit der neuen Situation überforderten Kopf. Aber die Anzeichen mehren sich, dass seine Überlegungen nicht von der Hand zu weisen sind und die unbequemen Fragen letztlich auch ihn selbst in Gefahr bringen.

Wie schon gesagt, ist der Kriminalfall nicht das Spannendste an diesem Roman. Vielmehr ist dies die sehr genaue Beobachtung der involvierten Charaktere und eine vielleicht manchmal ein klein wenig überzeichnete Darstellung der Personen. Aber durch diese spitze Feder wird besonders fein herausgearbeitet, wie das Leben auf dem Dorf, hier in Vertikow, und sicher auch anderswo funktioniert. Mindesten ebenso lesens- und erfahrenswert ist aber die Befindlichkeit des Menschen, der plötzlich sein ganzes Leben neu daraufhin ausrichten muss, dass er es alltäglich mit und in und aus einem Rollstuhl bewältigen muss.

Wer Spannung und Humor und die norddeutsche Mentalität mag, ist hier bestens bedient. 

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Tags: autounfall, dorfleben, hobbydetektiv, mecklenburg, orgelspiel, rollstuhlfahrer   (6)
 

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108 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 82 Rezensionen

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Die unbekannte Schwester

Theresa Prammer
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783471351390
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Carlotta Fiore, gescheiterte Opernsängerin und relativ erfolglose Kaufhausdetektivin hat es endlich geschafft. Nach zwei Fällen/ Romanen ist sie als Quereinsteigerin bei der Kripo in Wien angekommen, zusammen mit der Wiedereinstellung von Konrad Fürst, ihrem Vater. Diesen hat sie im ersten Band „wiedergefunden“ obwohl sie ihn nicht wirklich gesucht hat.

Carlotta wird von den Kolleginnen und Kollegen der Abteilung nicht gerade freundlich empfangen, sie wird mit Missgunst und Neid konfrontiert und falsch kolportierte Gründe für ihre Einstellung tun ein Übriges für ein ganz schlechtes Klima untereinander.
Der erste Fall für die beiden Neuen ist der Tod einen Journalisten, am Tatort findet sich ein Notizzettel, auf dem deutlich Carlottas Name steht. Leider kann sie sich dieses Beweisstück nicht aneignen, ein Kollege der Streifenpolizei war schneller. Die Beweisaufnahme am Tatort wie auch die Berichte von Spurensicherung und Gerichtsmedizin tendieren zu einem Suizid und damit soll der Fall möglichst schnell abgeschlossen werden. Carlotta sieht in diesem vermeintlichen Selbstmord aber die Vertuschung eines Mordfalls, weswegen sie alles daransetzt, dass weitere Ermittlungen stattfinden.  Die Hindernisse, die sie aus dem Weg räumen muss, sind schon sehr massiv und auch ihr Vorgesetzter will ihr Ermittlungen entziehen.
Es geht um brisante journalistische Recherchen, um eine alte Nachbarin als Zeugin, der man einfach nicht glauben will und um eine geheimnisvolle weibliche Besucherin, die den Toten kurz vor seinem Ableben noch aufgesucht hat.

Immer wieder werden diese aktuellen Ereignisse mit den persönlichen Lebensumständen von Carlotta und ihrer durchaus komplizierten Vergangenheit verwoben und da beginnt sich ein wenig Kritik bei mir zu rühren. Für meinen Geschmack nehmen diese Ereignisse einen zu großen Raum im Buch ein, der eigentliche Krimi tritt in den Hintergrund. Zeitweilig habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt einen Krimi lese.  In einer anderen Rezension habe ich gelesen, dies sei eigentlich eine Zusammenfassung von Carlottas Geschichte aus den beiden Vorgängerbänden. Das kann ich nicht wirklich beurteilen, da ich den zweiten Band nicht kenne. Aber so abwegig scheint mir diese Einschätzung nicht zu sein.

In den „Wiener Totenliedern“ habe ich den morbiden Charme, der sowohl zum Handlungsort Theater als auch zur Stadt Wien hervorragend passte, sehr genossen. Von dieser Stimmung habe ich in diesem Band leider nichts mehr wiedergefunden, das habe ich als sehr schade empfunden und deshalb kann ich diesen Band auch nur halbherzig zum Lesen empfehlen.
Sicher war ein gewisser Spannungsbogen da und die Neugier auf die Lösung sorgte dafür, das Buch bis zum Ende zu lesen. Aber zu mehr als drei Punkte kann ich mich nicht durchringen.

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Tags: mord, suizid, vertuschung, wien   (4)
 

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104 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 78 Rezensionen

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Weit weg ist anders

Sarah Schmidt
Flexibler Einband: 261 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 06.03.2017
ISBN 9783458362562
Genre: Romane

Rezension:

Edith aus Berlin, Christel aus Husum, beide siebzigjährig, lernen sich während einer Reha auf Usedom kennen. Christel möchte doch einfach nur nett sein, doch die etwas kratzbürstige Edith will eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. Mehr oder minder zwangsläufig raufen sich die beiden dann doch zusammen. Edith weiß, dass sie zurück in ihre Wohnung und nach der Reha ihr selbstbestimmtes Leben wieder aufnehmen kann. Bei Christel ist das so selbstverständlich nicht, ist sie doch schwer krank und zumindest nach Meinung ihrer gluckenhaften Tochter dazu nicht mehr im Stande. Aber – sie möchte auch noch ihre eigenen Entscheidungen treffen und sich nicht in ihr Leben hineinreden lassen.

Christel hat Edith nach Husum eingeladen und weil in der Berliner Wohnung gerade eine Handwerker-Attacke stattfindet, tritt Edith die Flucht an und reist in den Norden. Dort reift der Plan der beiden, gemeinsam auf eine Reise zu gehen, auch wenn dies mit vielen Vorbehalten geschieht. Immerhin gibt es da auch noch das liebe Geld, mit dem Christel großzügig versorgt ist, Edith dagegen muss sich ihre Finanzen einteilen. Auch wenn klar ist, dass Christel für die wesentlichen Kosten der reise aufkommen wird, schließlich braucht sie die Begleitung und manchmal Hilfestellung einer anderen Person. So gibt es über die finanzielle Situation, aber auch viele andere Themen immer wieder Gelegenheiten für  heftige Meinungsverschiedenheiten.

Als Leser/in erleben wir in diesem Buch das Altsein mit sehr vielen und unterschiedlichen Facetten. Vor allem aber zeigt es auch, dass ältere und nicht mehr so selbstständige Menschen nicht bevormundet werden wollen. Auch wenn die körperliche Kraft langsam schwindet, ist doch das eigene Denken nicht am Ende und die  Menschen sind durchaus zu eigenen Entscheidungen fähig.

Dieser Roman ist eine wohl komponierte Mischung aus Humor und Tiefgang. Sarah Schmidt erzählt die Geschichte von Edith und Christel mit sehr viel Situationskomik, beispielsweise wenn die beiden eine Spielbank besuchen. Doch sie findet auch für eine ausgiebige Reflektion dieses Lebensabschnittes die richtigen Worte.

Vielleicht hatte ich zu sehr „Heiterkeit“ erwartet und brauchte deshalb ein wenig längeres Nachdenken über den Roman. Mittlerweile glaube ich, dass sich die Geschichte so oder ähnlich täglich in unserer Nachbarschaft abspielen könnte und wir gut daran tun, manchesmal ein wenig genauer zu schauen. Wie beispielsweise der Briefträger in Berlin, der für mich neben den beiden Protagonistinnen eine bemerkenswerte Figur ist.

Sehr gelungen und zur Lektüre empfohlen, auch wenn man sich an den Personen reiben kann.

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Tags: alter, berlin, deutschlan, husum, pflegebedürftigkeit, reha, reisen, usedom   (8)
 

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adelheid, bastard, deutsche geschichte, gaidemar, henning, historisch, historischer roman, mittelalter, otto, otto der große, otto i., ottonen, panzerreiter, rebecca gable, rebecca gablé

Die fremde Königin

Rebecca Gablé , Jürgen Speh
Fester Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 27.04.2017
ISBN 9783431039771
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die fremde Königin

„… erzählt einen Abschnitt der deutschen und europäischen Geschichte dessen Spuren noch heute sichtbar und Teil unserer politischen Realität sind. Ich finde es wichtig, zu verstehen, wie wir wurden, wer wir sind. Dieser Roman will zur Beantwortung dieser Frage beitragen, aber keinen völkischen Schwachsinn transportieren.“

Diesen Anspruch an sich selbst formuliert Rebecca Gable im Nachwort ihres Romans, in dem sie natürlich auch wieder sehr detailliert erzählt, welche Handlungseckpunkte und Personen historisch belegt sind und wo und wann sie ihrer Fantasie freien Lauf gelassen hat.
Die Landkarte im vorderen und der Stammbaum im hinteren Vorsatz helfen sehr, wenn die eigene Orientierung gerade in den ersten Abschnitten noch mal ins Trudeln gerät ob der vielen Namen und Figuren, die man kennenlernt.
Dieser Fortsetzungsband zu „Das Haupt der Welt“ beginnt im Jahr 951 und führt uns in mehreren Zeitabschnitten bis in das Jahr 962.
Adelheid, die Witwe des Königs von Italien, wurde in Garda eingekerkert, bei ihr ihre noch sehr junge Tochter und die Dienerin Anna. Und Gaidemar, ein Bastard, der über seine Herkunft so gut wie gar nichts weiß, aber falsche Vermutungen hegt, soll den heimlichen Plan zur Befreiung der Königin ausführen.
Natürlich verliebt sich der junge Panzerreiter (das waren schwer bewaffnete Reiter, die bereits wie die späteren Ritter Rüstungen aus Metall trugen) in Adelheid, aber ebenso natürlich weiß der geübte Leser von Rebecca Gable, dass diese Verbindung viel zu einfach wäre. Adelheid heiratet – zunächst aus politischen Erwägungen – Otto den Ersten, König des Ostfränkischen Reiches. Adelheid ist eine Frau ihrer Zeit und dieser doch auch weit voraus. Zwar zieht sie nicht direkt mit in die diversen Schlachten, aber sie hat doch ihren Anteil an den Ereignissen und ist für Otto eine wichtige Ratgeberin, wenn nicht sogar die wichtigste.
Gaidemar befehligt Adelheids Leibwache und ist ihr Vertrauter, auch wenn Otto dieses Zusammenspiel zunächst wenig gefällt. Das wird sich im Verlauf des Buches ändern.
Neben vielen neuen Personen treffen wir auch einige Charaktere aus dem ersten Band wieder und zum Ende hin kennt Gaidemar auch seine eigene Herkunft und Geschichte. Dazwischen liegt ein lebhaftes Jahrzehnt, das typisch für diese Zeit geprägt ist von kriegerischen Auseinandersetzungen und ständig wechselnden Koalitionen. Bündnisse von heute haben möglicherweise morgen schon keinen Bestand mehr. Der Hof war eigentlich ständig auf Reisen zwischen seinen verschiedenen Herrschaftssitzen. Welche Riesenunternehmungen das aus heutiger Sicht waren, das lässt sich nur mühsam erahnen. Der Roman lebt neben dem historischen Rahmen natürlich von den für einen Historienschmöker im besten Sinne notwenigen Themen wie Freundschaft und Liebe, Hass und Hinrichtungen und jeder Menge Intrigen.

Wer historische Romane im Allgemeinen und Rebecca Gable im Speziellen mag, ist hier wieder bestens bedient und beraten.
Fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung, anders kann ich auf diese Buch nicht antworten.

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Tags: deutsche geschichte, mittelalter, ottonen, panzerreiter   (4)
 

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45 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

afghanistan, anschlag, anschläge, auslandseinsatz, bombardierung von zwei tanklastwagen, bundesweh, c.h. beck verlag, deutsche bundeswehr, deutscher geheimdienst, deutschlan, geheimdienst, geheimdienste, geheimdienste , journalist, thriller

Wer die Hunde weckt

Achim Zons
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 16.02.2017
ISBN 9783406704086
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

David Jakubowicz arbeitet als Auslandskorrespondent für eine große deutsche Zeitung. Als er im Auto der Amerikanerin Sandra Brown, Mitarbeiterin der CIA, einen Unfall nur knapp überlebt, wird ihm sehr schnell klar, dass Sandra Brown und er Opfer eines Anschlags geworden sind, den die Amerikanerin nicht überlebt hat. Von ihr sollte David brisantes Material über eine geplante politische Aktion in Afghanistan erhalten …
David gelingt es, sich vom Ort des Anschlags zu entfernen und seine Verletzungen im Krankenhaus behandeln zu lassen. Gleichzeitig verfolgt er so gut es geht, die Nachrichtenlage in der Welt und erfährt von einem Bombardement in Afghanistan. Ein deutscher Offizier hat am Fluss Taloqan durch die Amerikaner zwei Lastwagen bombardieren lassen, angeblich wollten die Taliban mit diesen Fahrzeugen einen Anschlag auf das dortige deutsche Lager verüben. Um die deutschen Soldaten zu schützen, blieb dem Kommandant keine andere Wahl.
Ob das wirklich so war, daran bekommt der Kommandant Robert Westphal massive Zweifel, als er auf den Bildern vom Tatort kleine Hände, kleine Füße entdeckt. Hat hier jemand, und wenn ja, wer, ein böses Spiel mit ihm gespielt? Westphal setzt sich sofort nach Deutschland ab …
Obwohl in einem anderen Jahr und an einem anderen Ort, erinnert doch vieles an die Geschehnisse in Kundus im Jahr 2009.
Auch David reist umgehend nach Deutschland, um Robert Westphal zu finden und persönlich zu den Vorgängen zu befragen, sein Jagdinstinkt nach der großen Schlagzeile ist geweckt.
Die Chefredaktion der großen deutschen Tageszeitung, für die David schreibt, sieht in der Story eine letzte Chance für das Blatt, das durch wirtschaftlich schwierige Zeiten trudelt. Westphal wurde von David gefunden und interviewt, macht aber eine Zustimmung zur Veröffentlichung seiner Kenntnisse von der Zahlung einer hohen Geldsumme abhängig.
Und dann schalten sich deutsche Geheimdienste und das Verteidigungsministerium ein. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel um die Wahrheit und in den Augen der beteiligten Personen und Institutionen gibt es sehr verschiedene Auffassungen von Wahrheit. Sehr deutlich wird, dass die wirkliche Wahrheit nichts mit der Wahrheit zu tun hat, die wir Normalbürger tagtäglich in den Nachrichten, sei es in Zeitungen oder in Funk und Fernsehen, erfahren dürfen.
Für mich sehr glaubhaft schildert der Autor Achim Zons diese schmutzigen „Geschäfte“ und einmal mehr bestätigt sich die Vermutung, dass die Auslandseinsätze aller westlichen Staaten beispielweise im nahen Osten, beispielsweise in Afrika, keineswegs dazu dienen, die Zivilbevölkerung in den betroffenen Regionen zu schützen. Vielleicht am Rande, aber wirklich wichtig und entscheidend in den Augen der Akteure sind ganz andere Aspekte.
Achim Zons erzählt seinen Roman aus wechselnden Perspektiven und trifft sehr genau immer jenen Punkt, an dem der Wechsel dieser Perspektiven zu erfolgen hat. Die dadurch erzeugte Spannung wird recht gut durchgehalten, selbst wenn der Autor sich an einigen Stellen in Nebensächlichkeiten verliert.

Wer politisches Weltgeschehen auf andere Weise erfahren will, ist mit diesem Buch bestens bedient und wird vielleicht seine eigenen Meinung damit schärfen. Für diese Leser empfehle ich den Roman ohne Einschränkung.

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Tags: afghanistan, amerikanisches militär, bombardierung von zwei tanklastwagen, deutsche bundeswehr, geheimdienste, zeitungswesen   (6)
 

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

brandenburg, erbe, erbschaft, familie, familiengeheimnis, familiengeheimnisse, familiengeschichte, flucht, geschichte, geschwister, krieg, nachkriegszeit, ostpreußen, roman, wende

Altenstein

Julie von Kessel
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 10.03.2017
ISBN 9783463406770
Genre: Romane

Rezension:

Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut, leider blieb es beim Lesen nur noch bedingt bei dieser Vorfreude.
Dabei hat das Buch eigentlich alle Komponenten, um aus dem Stoff einen spannenden Schmöker zu machen.
Das alles ist vorhanden:
Eine Großfamilie von Adel, die in den letzten Kriegsmonaten nach Westen flieht und in Bonn ein neues Zuhause findet.
Eine ausgesprochen starke weibliche Protagonistin, insgesamt 10 Geschwister aus unterschiedlichen Ehen und Beziehungen sowie ein stattliches Anwesen im Brandenburgischen.

Nach einigen Wirren der Flucht findet die Familie wieder zusammen und nach dem Fall der Mauer versucht Konrad, einer der Söhne, den früheren Familiensitz auf verschiedenen Wegen zurückzugewinnen. Das gelingt ihm nach einigen Schwierigkeiten, allerdings nur bedingt. Denn das Gutshaus wurde bereits früher verkauft, umliegende Wälder kann er schließlich mit dem geliehenen Geld einer der Schwestern erwerben. Aber damit sind die kommenden Probleme auch schon vorprogrammiert.

Positiv zu nennen ist auch ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und vor allem eine Namensauflistung, aus der das nicht leicht zu durchschauende Familiengeflecht erkennbar wird. Einige Figuren und Charaktere sind gut und pointiert herausgearbeitet, andere bleiben vielleicht auch mit Absicht eher schwach und ein wenig verschwommen.

Und die Autorin erzählt die Familiengeschichte auf unterschiedlichen Zeitebenen und auch nicht immer aus dem gleichen Blickwinkel. Und da fängt mein Unmut an. Hier wird  so munter hin und her gesprungen – in den Zeiten, in den Jahren, bei den Personen, dass ich es als ein deutliches Zuviel des Guten empfunden habe. Obwohl gerade diese Erzählweise mich in der Regel sehr reizt und ich mich durchaus als eine geübte Leserin dieses Genres verstehe, wusste ich hier manchesmal nicht mehr so ganz genau, wann und wo ich mich eigentlich gerade befinde.

Und in der Regel kann ich nach einem Buch dieser Art immer sagen, dass ich wieder etwas dazugelernt habe über unsere Geschichte. Das muss nicht viel sein und nicht groß. Es reicht manchmal ein kleines Detail oder eine neue Sichtweise von bereits Bekanntem. Aber auch das fehlt hier völlig, da so viele Informationen zwar angerissen, aber nicht vertieft werden und schon gar nicht mit wirklichen Hintergrundinformationen versehen sind.

Und das ist schade, das schmälert das Lesevergnügen doch ein wenig und lässt mich für dieses Buch deshalb nur bedingt eine Empfehlung aussprechen.

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Tags: bonn, brandenburg, einteignung und rückgabe, familiengeschichte, flucht 1945, treuhand   (6)
 

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184 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 73 Rezensionen

alter, diogenes, einsamkei, einsamkeit, familie, freundschaft, kent haruf, kleinstadt, liebe, liebe im alter, nacht, roman, seelen, skandal, vorablesen

Unsere Seelen bei Nacht

Kent Haruf , Pociao
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 22.03.2017
ISBN 9783257069860
Genre: Romane

Rezension:

Ein kleines und sehr feines Buch, über dessen Gewinn ich mich sehr gefreut hatte, kam aus dem Umschlag und nahm mich ein zweites Mal schon mit ersten Sätzen völlig gefangen. Das erste Mal war das mir bei der Leseprobe passiert.
Noch immer stelle ich mir den Anfang des Buches in meinem Umfeld vor und finde keine Person, der ich dieses „Abenteuer im Alter“ zutrauen würde.

Eines Abends nimmt Addie all ihren Mut zusammen und klingelt bei Louis, einem flüchtigen Bekannten aus der nächsten Nachbarschaft. Ihr Wunsch und ihre Frage an Louis klingen im ersten Moment so ungewöhnlich, doch schon sehr schnell beim Lesen des Buches scheint dies eine ganz natürliche Möglichkeit zu sein, Freundschaft zu schließen und die mögliche Einsamkeit des Alters zu überwinden. 

Seit Addie verwitwet ist, kann sie nicht mehr gut schlafen. Nachts lassen sich die Gedanken nicht verscheuchen und die Einsamkeit beschwert sie zusätzlich. Ihr Wunsch, es möge doch nachts wieder ein Mensch neben ihr liegen und mit ihr reden, klingt eigentlich nicht ungewöhnlich. Aber dass sie diesen Wunsch ohne drumherum zu reden, einfach so ihrem ebenfalls verwitweten Nachbarn präsentiert, ist doch nicht alltäglich und so nimmt es nicht wunder, dass Louis zunächst sprachlos reagiert. Doch Addie macht ihm auch sofort deutlich, dass sie dabei keinerlei erotischen Gedanken hegt, ihr geht es einzig und allein um das Gespräch und noch mehr um das Gefühl, nicht allein zu sein. Gerade und besonders in der Nacht.

Nach ein paar Tagen ist Louis bereit für einen Versuch und siehe da, beiden gefällt dies Arrangement gut. Es tut ihnen einfach gut, mit einem Menschen zu reden, dabei das eigene Leben zu reflektieren und auch sich selbst gegenüber zuzugeben, wo man entscheidende Fehler gemacht hat. Und da sich andere Menschen in der Nachbarschaft schon nach wenigen Tagen das Maul zerreißen, sind Addie und Louis der Meinung, dass er dann auch ganz normal abends durch die Vordertür kommen kann. Die ersten Abende wählte er noch den Weg über die Gärten und durch den Hintereingang. Aber das, was die beiden Protagonisten teilen, geht erstens niemanden etwas an und darf zweitens jeder wissen.

Im Verlauf der Geschichte spielen Addies Enkel Jamie und der Hund Bonny eine ganz wesentliche Rolle, beide leben eine Zeitlang in den beiden Haushalten und spornen die beiden Alten zu ungewöhnlichen Unternehmungen an. Alle Beteiligten genießen ihr „neues“ Leben und wären da nicht Tratscherei und Missgunst, könnte es gerne so bleiben. Dabei sind die Nachbarn noch nicht einmal die Schlimmsten. Noch viel dümmer und unangemessener fand ich die Reaktion der Kinder, insbesondere von Addies Sohn Gene. In ihm zeigt sich ein Wesenszug, den ich einfach nur verwerflich gegenüber der eigenen Mutter finde.

Dieses Buch möchte ich allen „Alten“ ans Herz legen und ihnen sagt, habt den Mut für Euer Leben und Eure Wünsche die Verantwortung zu übernehmen. Steht dazu. Und den jüngeren Lesern empfehle ich es, damit sie (wir) erkennen, dass wir nicht zu den Erziehungsberechtigten unserer Eltern werden, nur weil diese die 70 bereits überschritten haben.

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Tags: alter, einsamkeit, enkel, hunde, liebe, miteinander reden, zuneigung   (7)
 

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145 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

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Mach mir den Garten, Liebling!

Ellen Berg
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 16.11.2015
ISBN 9783746631462
Genre: Humor

Rezension:

Einen Schrebergarten als Geschenk? Zugegeben eine etwas ungewöhnliche Idee, aber Tante Ruth hat sich schon etwas dabei gedacht, als sie damals nach Italien auswanderte und ihren Garten ihrer Nichte Luisa vermachte.
Luisa ist eine Enddreißigerin und ein ausgesprochener Workaholic. Für die Firma steht sie immer zur Verfügung. Egal ob zusätzliche Stunden am Abend oder Wochenende anfallen, Luisa ist immer zur Stelle. Sie erhofft sich von ihrem Engagement den Aufstieg zur Geschäftsführerin und damit auch ein besseres Gehalt. Das hat ihr Chef ihr jahrelang in Aussicht gestellt. Glaubt sie. Auf dem bevorstehenden Betriebsfest zum Firmenjubiläum wird er bekanntgeben, dass er sich aus dem Geschäftsalltag herausziehen will und Luisa ist fest von ihrem Aufstieg überzeugt.
Aber – alles kommt ganz anders. Robin Konrad heißt der neue Geschäftsführer, kommt von außen und bringt nicht nur interessante Geldgeber in das nicht so ganz gesunde Unternehmen mit, sondern zu allem Überfluss auch noch seine eigene Assistentin. Luisa ist von einem auf den anderen Tag nicht nur ihre Hoffnungen, sondern auch noch die bisherigen Befugnisse los. Sie ist wütend, frustriert, am Boden zerstört, alles gleichzeitig. Doch schon sehr schnell merkt sie, dass mit Robin Konrad und seinen Geldgebern nicht alles koscher ist. Ihr Verdacht wächst, dass dieser die Firma keineswegs sanieren will, sondern ganz andere Pläne verfolgt. Bei ihrem Chef und den Kollegen findet sie lange kein Gehör ….
Zu allem Überfluss kündigt gerade jetzt Tante Ruth ihren Besuch an. Und sie will nicht nur ihre Nichte wiedersehen, sondern auch ihren Garten bewundern. Und da tut sich der nächste Abgrund in Luisas Leben auf. Um den Garten hat sie sich nicht gekümmert und entsprechend sieht dieser aus. Als sie sich dort zum ersten Mal blicken lässt, macht sie die nicht gerade erfreuliche Bekanntschaft ihres Gartennachbarn Kasunke. Er droht ihr, den Zustand des Gartens zu melden und zwangsweise einen Eigentümerwechsel zu veranlassen. Aber das, soviel weiß Luisa, darf auf keinen Fall passieren.
Rettungsaktionen sind also angesagt, für den Garten und für die Firma, und es gelingt Luisa mit der ihr eigenen Beharrlichkeit, Kollegen und Gartennachbarn für ihre Pläne zu gewinnen. Bis das allerdings gelingt, dürfen die Leser an einigen Verwicklungen und Missverständnissen teilhaben.

Der Roman von Ellen Berg liest sich sehr leicht, mit einen steten Schmunzeln und manchmal auch mit einem lauten Lachen. Sicher, die Charaktere sind allesamt sehr überzeichnet und mit spitzer Feder karikiert, aber gerade durch dieses Stilmittel wird jede einzelne Figur deutlich sichtbar und man ertappt sich beim Lesen dabei, die Pendants im eigenen Bekannten- und Kollegenkreis zu suchen. Und wir finden sie.

Gleiches gilt für die beiden wichtigen Aufgaben, auch hier wird sehr übertrieben dargestellt, was mit einem starken Willen alles möglich ist.
Aber – dies ist ja kein Sach- oder Fachbuch über Gartenrettung und Neugestaltung genauso wenig wie es ein Fahrplan zur Sanierung eines in die Jahre gekommenen Unternehmens ist. Deshalb seien wir nachsichtig mit der Realität im Zeitraffer, die in diesem unterhaltsamen Roman an den Tag gelegt wird und lassen wir uns einfach nur unterhalten. Leicht, locker, flockig wie an einem Frühlingstag im Garten.

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Tags: fimensanierung, kollegialität, rettungsaktionen, schrebergarten   (4)
 

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254 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

dani atkins, drama, familie, freundschaft, intensivstation, krankheit, liebe, roman, schicksal, tod, transplantation, trauer, traurig, vergangenheit, verlust

Der Klang deines Lächelns

Dani Atkins , Sonja Rebernik-Heidegger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2016
ISBN 9783426519356
Genre: Liebesromane

Rezension:

Sieben Jahre sind eine lange Zeit.  Sieben Jahre haben sich Ally und Charlotte, die in einer früheren Zeit mal gute Freundinnen waren, sich nicht mehr gesehen. Und eigentlich wollten sie sich auch nie wieder begegnen. Und nie wieder wollten sie noch einmal etwas miteinander zu tun haben. Und nun treffen sie ausgerechnet auf der Intensivstation eines Krankenhauses wieder aufeinander.
Was ist passiert?
Allys Mann Joe ist schwer verunglückt, als er versucht hat, einen Jungen aus einem zugefrorenen See zu retten. Jetzt kämpft er und kämpfen die Ärzte um sein Leben.
Charlotte wartet jeden Moment auf den Heiratsantrag von David, endlich soll ihr Traum in Erfüllung gehen. Stattdessen erhält sie die Schreckensnachricht von Joes Zusammenbruch, von dem zunächst niemand weiß, was ihn herbeigeführt hat.

Zunächst sind die beiden Frauen entsetzt, dass sie sich in diesen ohnehin schon schweren Stunden auch noch mit Ereignissen in ihrer gemeinsamen Vergangenheit konfrontiert sehen und dieser Situation nicht ausweichen können. Versuchen sie anfangs noch, die jeweils andere Frau einfach zu ignorieren, kommen sie im Verlaufe der Nacht nicht umhin, sich den Ereignissen zu stellen, die zum Ende ihrer ehemaligen Freundschaft geführt haben. Als Leser werden wir Zeuge einer sehr zaghaften und vorsichtigen Wiederannäherung der beiden Frauen, die letztlich auch Gespräche wieder möglich macht.

Erzählt wird diese Geschichte auf mehreren Zeitebenen und jeweils aus der Sicht jeweils einer der beiden Frauen. Dabei überlappen sie sowohl Zeiten als auch Ereignisse, so dass wir des Öfteren das gleiche Geschehen sehr unterschiedlich erzählt bekommen. Auf konkrete Zeitangaben verzichtet die Autorin, daher ergibt sich die gerade anstehende Zeitebene immer erst aus der erzählten Episode und das keineswegs schon in den ersten Sätzen. Diese Erzählweise macht die Lektüre anfangs recht mühsam, man gewöhnt sich allerdings im Laufe des Buches daran und damit wird das Lesen dann einfacher. Trotz dieser Hindernisse ist man aber von diesem Buch gefangen. Zum einen sicher, weil man wissen will, wie sich die Genesung darstellt bzw. ob es überhaupt eine Besserung gibt. Andererseits gibt dieser Roman ständig Anstöße, sich selbst zu hinterfragen. Wie würde man selbst in einer ähnlichen Situation reagieren? Kann es diese Anhäufung von Zufällen wirklich geben oder hat die Autorin einfach nur ein wenig dick aufgetragen?

Aber eigentlich ist das auch egal, es gelingt der Autorin, in diesem Roman eine Geschichte zu erzählen, die die Leser/innen anrührt ohne kitschig zu sein und die an jeder Stelle des Buches gut unterhält. Mit dem Fortschreiten der Ereignisse steigert sich auch die Spannung, das Ende ist dann allerdings etwas vorhersehbar. Und genau deshalb passiert auch an dieser Stelle wieder etwas beim Leser. Unweigerlich stellt man sich die Frage, ob man die Größe, eine Entscheidung dieser Tragweite zu treffen, selbst auch aufbringen könnte.

Trotz der kleinen Kritikpunkte möchte ich dieses Buch allen empfehlen, die gern emotional starke Frauen- und Familienschicksale lesen.

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Tags: angst, feindschaft, freundschaft, intensivstation, mut, organspende, schicksal   (7)
 

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

dackel, freundinnen, hamburg, liebeskummer, neuanfang, neue liebe, roman, trennung, trennungsagentur

Nach ihm die Sintflut

Jule Maiwald
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 16.12.2016
ISBN 9783499272332
Genre: Humor

Rezension:

Der Roman beginnt mit einer sehr skurrilen „Beerdigung“.

Anne, Anfang 40, eine Tochter, hat sich von ihrem Mann Richard getrennt. Und diese symbolische Beerdigung im Kreise ihrer besten Freundinnen soll der Start in Annes  neues Leben werden. In Ermangelung einer echten Leiche muss eine als Richard zurechtgemachte Gummipuppe diesen sozusagen vertreten ….

Anne ist danach von ihrem Trennungsschmerz noch keineswegs geheilt, aber jeder Tag der folgt,  ist ein wenig einfacher als der vorherige. Nur mit den Finanzen hapert es ein wenig. Richard ist ein erfolgreicher Schriftsteller und bislang war Anne nicht nur seine Ehefrau, sondern auch Dienstbotin jedweder Art und vor allem Lektorin ohne Bezahlung.
Die Jobsuche steht daher ganz oben auf Annes Agenda, gestaltet sich aber im Verlagsbereich nicht so ganz einfach. Und dann steht da plötzlich diese Idee im Raum, von der Anne anfangs alles andere als begeistert ist. Gemeinsam mit einer Freundin soll sie die Trennungsagentur Ex und Hopp gründen und deren Geschäftsführerin und Organisatorin werden. Schließlich lässt sie sich überreden, wenn auch noch nicht überzeugen und trotz ihrer Skepsis entwickelt sich das junge Unternehmen erfolgreich. Denn an verlassenen Frauen mangelt es in Hamburg nicht und es sind auch genügend darunter, die sich eine solche Zeremonie leisten können. Gemeinsam mit ihren Klientinnen entwickelt Anne immer neue, zum Teil sehr aufwändige Rituale und inszeniert „Beerdigungen“ ganz besonderer Art. Die Gummipuppen spielen dabei eine immer größere Rolle und sind bestens geeignet, gewisse Rachegefühle zu befriedigen.

Anfangs hatte ich meine Schwierigkeiten mit diesem Roman, er war so wenig lebendig. Aber das ändert sich mit dem steigenden Erfolg des Unternehmens. Es entstehen verrückte Ideen und es bilden sich Netzwerke unter den Frauen, die allerdings auch das ein oder andere Mal zu beinahe dramatischen Missverständnissen führen werden. Ganz besonders gilt das im Falle von Felix, dem möglicherweise neuen Mann in Annes Leben.
Wichtige weitere Figuren sind die Tochter und der Pekinese Gorbi, ein sehr eigenwilliges Exemplar dieser Spezies mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein ausgestattet. Gorbi gehört eigentlich Tante Martha und lebt während deren Reise bei Anne. Obwohl sie die meiste Zeit abwesend ist, spielt Tante Martha eine große Rolle in diesem Roman. In ihrem „Getzwitscher“ als Einleitung jedes Kapitels steuert sie Ideen und Meinungen dabei, die dann auch mal so klingen können:

"Ich halte es darum mit meinem Lieblingsfriseur, der sagt: "Männer sind wie Frisuren. Wechsle sie, bevor sie tun, was sie wollen, ihre Form verlieren oder langweilig werden." (Zitat Seite 34)

Viel Hamburger Lokalkolorit hat ein Übriges dazu beigetragen, dass ich dieses Buch als Häppchen für zwischendurch sehr genossen habe.

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Tags: dackel, freundinnen, hamburg, neue liebe, trennung, trennungsagentur   (6)
 

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261 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 111 Rezensionen

adoption, band 1, dna, familie, island, krimi, mord, morde, psychologin, reykjavik, serienmörder, thriller, yrsa sigurdardottir, yrsa sigurdardóttir, zahlensender

DNA

Yrsa Sigurdardottir , Anika Wolff
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 26.09.2016
ISBN 9783442756568
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Freundin sprach von einem „völlig schrägen“ Buch, nachdem sie diesen Roman als Hörbuch für sich entdeckt hatte. Was sie erzählte klang so verrückt, dass ich das Buch selbst auch lesen wollte und jetzt, auch ich bin atemlos bis zum Ende geblieben, kann ich ihr nur zustimmen.
Wer als einigermaßen versierter Krimileser vielleicht glaubt, dass ihm kaum noch „neue“ Morde über den Weg laufen können, wird hier aber sehr klar eines Besseren belehrt. Aber nicht nur das „Wie“ des Mordens ist überraschend und lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Auch das „Wer“ ist am Ende mehr als einfach nur eine Überraschung.  Diese Lösung, dieses Ende habe ich erst wenige Seiten vor dem Schluss, sozusagen auf der Zielgeraden, erraten können.

1987 – im Prolog – lernen wir drei Kinder kennen, Geschwister, die sehr aneinander hängen und wir erleben eine Diskussion unter Erwachsenen, in der es um die Entscheidung geht, diese Kinder zu trennen und somit adoptionsfähig zu machen. Oder soll man sie ob der besonderen Situation doch beieinander lassen, was aber sehr wahrscheinlich zu einem langen Aufenthalt im Kinderheim führen wird.

Jetzt sind wir im Jahr 2015 und im weiteren Verlauf des Romans rätselt man immer wieder, beinahe beständig, ob und wenn ja welche der handelnden Figuren wohl eines der Kinder von damals sein könnte. Oder sind es doch mehrere? Ein grauenvoller Mord an einer Frau, Mutter zweier Kinder, entsetzt nicht nur die Ermittler der Mordkommission und den Leiter dieser Sonderkommission Huldar. Auch die Psychologin Freyja, die bei den Befragungen eines Kindes, Tochter des Mordopfers, eine entscheidende Rolle spielt. In den Aussagen des Mädchens finden sich von Anfang an wichtige Hinweise, aber niemand kann diese richtig deuten und bewerten.
Und es soll nicht bei diesem einen Mord bleiben. Auf die Frage, was die Opfer ggf. miteinander verbindet, finden Huldar und seine Kollegen keine Antwort.

Überhaupt nicht einzuschätzen  war für mich die Rolle eines jungen Amateurfunkers, der plötzlich geheimnisvolle Zahlenbotschaften von einem unbekannten Sender erhält. Eine dieser Zahlen ist seine eigene Identitätsnummer, eine weitere die des ersten Mordopfers. Wer schickt ihm diese Botschaften und was will man ihm damit sagen. Auch diese Figur passt am Ende als ein wichtiges Mosaikteilchen in das Gesamtkonstrukt, erkennen kann man das als Leser aber erst zu einem Zeitpunkt, als es beinahe schon zu spät ist.

Mehr will ich über dieses Buch nicht verraten. Aber als Lektüre empfehlen will ich es sehr gern. Allerdings nicht an eher zartbesaitete Naturen, denn zimperlich geht der Mörder nicht vor und zimperlich ist auch kein Attribut für dieses Buch insgesamt, das der Auftakt zu einer Serie um Huldar und Freyja ist.

Wer nordische und insbesondere isländische Krimis mag, wird hier bestens bedient.

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Tags: amateurfunker, grausamkeit, island, serienmorde   (4)
 

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115 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

band 2, detektiv, dübell, familiengeschichte, fliegen, historisch, historische elemente, intrigen, jahrhundertsturm-reihe, jahrhundertwende, liebe, lilienthal, luftfahrt, richard dübell, zeppelin

Der Jahrhunderttraum

Richard Dübell
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.01.2017
ISBN 9783548288277
Genre: Historische Romane

Rezension:

„In den folgenden dreißig Jahren dachten die Menschen, wenn sie als Fliegen dachten, an Zeppeline.
Mit ihnen reisten sie um die Welt. Mit ihnen bombardierten sie im Krieg Ziele auf dem Boden, und zwar alle kriegführenden Parteien.
Der Mensch schafft es jedes Mal, seine größten Erfindungen in Waffen zu verwandeln.“

„… wenn das Luftschiff nicht zugleich so ungeheuer elegant, so schön gewesen wäre, Hundertachtundzwanzig Meter lang, zwölf Meter im Durchmesser – in allen Abmessungen pure Eleganz.
Es sah aus wie etwas, das sich ein Erzähler wie Jules Verne ausgedacht hatte, aber kein nüchterner Ingenieur.“

Dies sind nur zwei Zitate aus diesem umfangreichen Roman, die für den weit über eine Familiensaga hinausreichenden Rahmen des Buches stehen. „Jahrhunderttraum“ ist bereits der zweite Teil der Saga um die Familie von Briest, aber wer ihn nicht kennt, wird ihn auch nicht unbedingt vermissen.

Richard Dübell hat die Geschwister Otto, Amalie und Levin von Briest in den Mittelpunkt dieses Romans. Die Großeltern der beiden sind bei einem schlimmen Eisenbahnunglück in der Schweiz ums Leben gekommen, aber es gibt gewisse Zweifel daran, dass es ein Unfall war. Ein Detektiv wird beauftragt und damit beginnt eine spannende Suche nach Verantwortlichkeiten, die aber von amtlichen Seiten in vielerlei Hinsicht boykottiert werden.
Der Roman erzählt eine Zeitspanne der deutschen Geschichte von etwa 1891 an und reicht bis ins Jahr 1909. Schon in diesen Jahren erstarkt unterstützt von wirtschaftlich starken Persönlichkeiten eine politische Bewegung, die einen sehr fruchtbaren Nährboden für die Kräfte des Nationalsozialismus bereitet. In dieser Deutlichkeit war mir das bislang nicht bewusst.
Gleichzeitig ist dies eine Zeit des Aufbruchs, der industriellen Entwicklungen und Entdeckungen und ein großer Traum der Menschen ist die Fliegerei. Von den ersten relativ erfolglosen und immer wieder durch Rückschläge gekennzeichneten Versuchen eines Otto Lilienthal bis hin zum Grafen Zeppelin und seinem Fluggerät gleichen Namens reicht die Spanne und so unterschiedlich wie die verschiedenen technischen Ansätze, so spannend sind die Menschen, die hier ihre Träume verfolgen.
Auch wenn mich die technischen Details manchmal ein wenig zum drüber Hinweglesen verführt haben, alles in allem habe ich dieses Buch sehr genossen. Es vereint, was eine gute Familien- und Historiensaga mitbringen muss: Interessante Menschen, das spannend erzählte und gut recherchierte gesellschaftliche und politische Klima, in dem die Menschen leben, ein bisschen Tragik und Liebe nicht zu vergessen. Und wer das so geschickt und lesenswert miteinander verknüpft wie Richard Dübell, hat unbedingt eine 5 Sterne Empfehlung verdient.

Zum Lesen sehr empfohlen.

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Tags: anfänge der fliegerei, berli, bodensee, familiengeschichte, lilienthal, zeppelin   (6)
 
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