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Der Apfelbaum

Christian Berkel
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 12.10.2018
ISBN 9783550081965
Genre: Romane

Rezension:


„Wenn wieder einmal jemand fragt, wo es denn bleibt, das lebensgesättigte, große Epos über deutsche Geschichte, dann ist von jetzt an die Antwort: Hier ist es, Christian Berkel hat es geschrieben. Dieser Mann ist kein schreibender Schauspieler. Er ist Schriftsteller durch und durch. Und was für einer.“ Das sagt Daniel Kehlmann über dieses Buch bzw. den Autor.

Christian Berkel, den ich als Schauspieler und Hörbuchsprecher sehr schätze, hat einen Roman geschrieben. Ich war neugierig auf dieses Buch, auf sein Debüt als Schriftsteller, und nach der Lektüre wünsche ich mir ganz klar „mehr“.

Was nun macht dieses Buch so lesenswert? Das ist zu einem guten Teil sicherlich die Geschichte, die sich biographisch an die Geschichte der Familie des Autors anlehnt.
Im Mittelpunkt stehen die Mutter Sala, Halbjüdin aus einer durchaus besser gestellten und intellektuellen Familie, und der Vater Otto, der aus einem einfachen Elternhaus aus dem Arbeitermilieu stammt. Haben die beiden eine Chance auf ein gemeinsames Leben. Als sie sich kennenlernen sind beide viel zu jung für diese Frage, später kommt der Krieg dazwischen...
Sala verlässt Deutschland im Jahre 1938, lebt zunächst bei ihrer jüdischen Tante in Paris, bis auch dort durch den Einmarsch der Deutschen das leben aus den Fugen gerät.
Otto zieht als Sanitätsarzt in den Krieg und gerät kurz vor Ende in russische Kriegsgefangenschaft, erst 1950 kehrt er in ein noch immer weitgehend zerstörtes Berlin zurück.
Sala versucht zu fliehen, wird verraten und in ein Lager in den Pyrenäen gebracht. Fast schon ist sie auf dem Weg nach Auschwitz, als sie in einen Zug nach Leipzig gerät und dort untertauchen kann. Nach Kriegsende versucht sie, sich in Buenos Aires ein neues Leben aufzubauen, was ihr aber nicht gelingt. Schließlich kehrt auch sie nach Berlin zurück. Sie finden sich wieder, soviel sei hier verraten, aber werden sie an die alte Liebe anknüpfen können?
Ein wenig gewöhnungsbedürftig waren anfangs die Zeitsprünge, die der Autor den Lesern zumutet, im Verlauf des Buches aber machten sie auch einen Teil der Spannung aus.
Mich haben die Gespräche mit seiner Mutter beeindruckt, die dement ist, aber zu dieser Zeit auch noch klare Momente hat. In den anderen Momenten verwechselt sie Personen, erfindet Ereignisse neu und stellt zeitliche Zusammenhänge her, die aus dem wirklichen Leben heraus ganz unmöglich waren. Bewundert habe ich die Geduld, mit der Christian Berkel durch diese Unterhaltungen geht. Unterhaltungen, die einerseits von einem frechen berlinerischen Humor Salas zeugen, aber andererseits auch die ganze Dramatik einer Demenzerkrankung erkennen lassen.

Ich wünsche diesem Buch ganz viele LeserInnen und bin sicher, dass es auch ganz viele Gespräche in den eigenen Familien nach sich ziehen kann.

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150 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 83 Rezensionen

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Deutsches Haus

Annette Hess
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 21.09.2018
ISBN 9783550050244
Genre: Romane

Rezension:

Sehr zurückgenommen und sparsam scheint der Umschlag für dieses Buch. Wie gut er doch passt, weiß man nach der Lektüre dieses sehr lesenswerten Romans.
Annette Hess ist die Autorin der Serien „Weissensee“ und „Kudamm 56/59“, schon das machte mich neugierig und ich begann mit Spannung mit der Geschichte von Eva, einer jungen Frau aus Frankfurt im Jahr 1963.
Eva arbeitet als Übersetzerin und wohnt mit dem kleineren Bruder noch der Wohnung der Eltern, die im gleichen Gebäude eine Gastwirtschaft betreiben. Sie steht kurz vor der Verlobung mit Jürgen, den sie an diesem Sonntag zum ersten Mal ins Elternhaus eingeladen hat. Wird er dem Vater die entscheidende Frage stellen, darum kreisen ihre Gedanken in den ersten Seiten dieses Romans.
Ein Telefonanruf verändert nicht nur diesen Sonntag, sondern für Eva das ganze bisherige Leben. Sie wird von ihrem Arbeitgeber als Übersetzerin bei einem wichtigen Termin bei der Staatsanwaltschaft angefordert.

Verstört von den in diesem Gespräch erfahrenen Dingen kehrt sie zurück. In den folgenden Tagen stößt sie in den Zeitungen auf den Hintergrund und erfährt, dass der Mann, dessen Aussagen sie übersetzt hatte, als Zeuge im ersten Auschwitz-Prozess angereist ist. Eva wird trotz einiger Vorbehalte als Übersetzerin für den Prozess verpflichtet und kann gar nicht fassen, was sie in diesen Tagen erfährt. All ihre Versuche, mit den Eltern über diese deutsche Vergangenheit zu sprechen, werden abgeblockt, ganz besonders vom Vater, und auch Jürgen ist gar nicht begeistert von Evas beruflichem Tun. Auch er stört sich an dem neuen Wissen, das Eva erfährt. Aber nicht nur das. Er ist auch fest im Rollenbild dieser Jahre verwurzelt, das da heißt: Der Mann bringt das Geld nach Hause, die Frau gehört ins Haus. Dass Eva sich immer mehr von diesem Lebensbild verabschiedet und sich als eigenständig denkendes Wesen emanzipiert, dem kann er nicht folgen. Hat diese Beziehung also überhaupt eine Zukunft, das fragen sich beide.
Diese private Entwicklung ist aber nur die eine Seite des Buches, die andere Seite ist der Prozess und wie die verschiedenen Personen damit umgehen. Uns begegnet eine widerliche Vertuschungs- und Verleumdungskultur auf Seiten der Angeklagten und schier unglaubliche Berichte auf Seiten der Zeugen.
Ja, heute wissen wir viel mehr über die Geschehnisse hinter den Mauern der Konzentrationslager, fassen können wir es trotzdem nicht wirklich. Und erschreckend ist, dass sich an den Argumenten derer, die darüber immer wieder den Mantel des Schweigens decken wollen, nichts geändert hat. Noch immer findet Verleugnung und Verharmlosung bis in die heutige Zeit statt.
Ruhig und besonnen erzählt die Autorin diese Geschichte, gerade das macht den Roman so lesenswert. Und am Ende ist keine der handelnden Personen mehr die gleiche Figur wie am Anfang, Evas Veränderung hat auch deutliche Spuren bei den anderen Personen hinterlassen. 

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Woman in Cabin 10

Ruth Ware , Stefanie Ochel
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 27.12.2017
ISBN 9783423261784
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nein, eine Sympathiefigur ist Lo, die Hauptfigur dieses Romans, wahrlich nicht. Aber sei’s drum. Das tut der Spannung dieses Thrillers keinen Abbruch.
Lo ist Reisejournalistin und als solche kann sie an der exklusiven Jungenfernfahrt des privaten Kreuzfahrtschiffes Aurora teilnehmen. Als sie diese Reise antritt, steht sie persönlich unter großem Stress. Wenige Tage vor der Abreise wurde in ihre Wohnung eingebrochen, des Nachts und während sie in der Wohnung war. Sie hat den Täter nicht erkennen können, doch seit dieser Nacht leidet sie unter erheblichen Schlafstörungen mit allen Folgen, die daraus resultieren. Sie ist permanent übermüdet, sie trinkt zu viel und sie benötigt außerdem schon länger Medikamente gegen immer wiederkehrende Panikattacken. Außerdem kriselt es auch in der Beziehung zu ihrem Freund Judah.
So verspricht sie sich von dieser kurzen Kreuzfahrt im Kreis ausgewählter Gäste des Eigners Richard Bullmer ein wenig Ruhe und Erholung. Dazu sollen auch viel Entspannung und der Luxus an Bord beitragen. Alles ist perfekt für die Gäste vorbereitet und organisiert.
Dies alles wird aber schon in der ersten Nacht an Bord unterbrochen. Lo bittet ihre Nachbarin in Kabine 10 um ein Fläschchen Mascara, da sie ihr eigenes vergessen hat einzupacken. Nach einem eleganten Dinner und viel Champagner schreckt sie nachts aus dem Schlaf. Aus der Nachbarkabine hat sie den Schrei einer Frau gehört. Später beobachtet sie, dass etwas Schweres über die Reling ins Wasser geworfen wird. Und sie entdeckt schließlich auch noch Blutspuren an der Glastrennwand der Terrasse zur Nachbarkabine.
Sie spricht darüber mit dem Sicherheitschef der Yacht, doch auch wenn er ihr Glauben schenken will, sprechen doch alle Fakten gegen ihre Aussage. Denn – die Nachbarkabine war gar nicht belegt, der dafür gebuchte Gast hatte kurzfristig absagen müssen. Doch damit will Lo sich nicht zufriedengeben. Sie weiß, was sie gesehen hat. Sie beobachtet genau, weiß aber schon bald nicht wem sie vertrauen kann. Und die Schlaflosigkeit wie auch ihre anderen Probleme holen sie wieder ein.

Mit teilweise fast atemloser Spannung verfolgt man als Leser die Fakten, die Lo Stück für Stück herausfindet und das sind solche, die nicht zu Ruhe und Entspannung beitragen. Nach einiges weiteren Tagen und Nächten an Bord glaubt sie, der Lösung ein Stück näher zu kommen und lässt sich auf ein Gespräch mit dem Gastgeber ein, der ihr sehr verständnisvoll seine Unterstützung zusichert. Trotzdem beginnen sich die Ereignisse sich mit großer Dramatik zu beschleunigen und Lo martert sich mit Selbstzweifeln.
Die Ich-Erzählung der Protagonistin wird immer mal wieder von Nachrichten, Chats u. ä. unterbrochen, aus denen wir Leser entnehmen, dass an der Küste Norwegen eine Leiche angespült wurde, die man als die der angeblich verschwundenen Journalistin erkennt.

Die Auflösung werden wohl die Wenigsten so vermutet haben, wie sie sich am Ende dann zeigt. Bis es aber soweit ist, werden noch atemlose Lesestunden vergehen.

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Tags: kreuzfahrt, luxusyacht, nordsee, norwegen   (4)
 

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Mexikoring

Simone Buchholz
Flexibler Einband: 247 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.09.2018
ISBN 9783518468944
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Am Anfang stand große Freude. Ein neuer Fall für Chas Riley in Hamburg und dann auch noch Glück in der Verlosung und das Buch gewonnen. Als es im Briefkasten steckte, sofort angefangen zu lesen und auch diesen mittlerweile 8. Band in einem Rutsch durchgelesen.

Simone Buchholz gelingt auch in diesem Roman wieder das, was sie in meinen Augen auszeichnet und das ist ihre ganz eigene und besondere Sprache. Aus Gedankenschnipseln werden Sätze, sehr eigenwillige manchmal und aus diesen wiederum werden Geschichten und aus diesen Geschichten wieder wird das Universum, das Hamburg heißt und das Simone Buchholz alias Chas Riley ganz offensichtlich liebt. Anders kann ich es mir nicht vorstellen, denn diese Liebe für die Stadt spricht aus all ihren Romanen. Und ihr gelingt es scheinbar mühelos, die Stimmung der Stadt und ihrer Menschen auf diese ganz besondere Weise greifbar zu machen. Immer wieder beschleicht mich beim Lesen das Gefühl, gerade mittendrin in dem Geschehen zu sein, von dem ich gerade lese.
Leider waren meines Erachtens die Passagen, die in Bremen spielen, in dieser Hinsicht etwas schwächer.

Worum geht es nun in diesem neuen Roman? In Hamburg brennen Autos, beinahe in jeder Nacht und in dieser Nacht sitzt noch ein Mensch in dem brennenden Fiat in der City Nord. Nouri Saroukhan ist der verstoßene oder verlorene Sohn eines Bremer Clans und damit sind wir mittendrin in der organisierten Kriminalität, in der Rivalität dieser oft verfeindeten Familienclans, deren Vorstellungen von Ehre und Moral uns mehr als fremd sind. Haben Nouris Herkunft und damit seine Vergangenheit etwas mit seinem Tod zu tun? Oder haben Kollegen aus der Versicherung, in der er gearbeitet hat und dort offensichtlich etwas entdeckt hat, dass er besser nicht entdeckt hätte, ein wenig nachgeholfen? Oder ist es vielleicht doch ein Suizid? Und – wer war die rothaarige Frau, die ein Kollege von Chas Riley kurz auf dem Parkdeck gesehen hat?

Nach zum Teil wunderbar bizarren Unterhaltungen und einigen durchsoffenen Nächten fügen sich die Ermittlungsergebnisse langsam zu einem Ganzen. Nicht an allen Stellen passen sie zu dem scheinbar Offensichtlichen und die Lösung ist eine andere als anfangs vermutet. Bis es aber soweit ist, spielt Simone Buchholz in bewährter Weise mit Ihrem Text und dem, was sie erzählen will. Beinahe hemmungslos springt sie zwischen Gegenwart und verschiedenen Vergangenheiten hin und her, erstaunt und überrascht uns stets auf Neue mit jedem Kapitel. Es war wieder ein wunderbarer Lesegenuss.

Deshalb fünf Punkte und eine uneingeschränkte Leseempfehlung. 

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Tags: bremen, city nord, clans, drogen, hamburg, kiez, organisierte kriminalität, st. pauli   (8)
 

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413 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 140 Rezensionen

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Der Zopf

Laetitia Colombani , Claudia Marquardt
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 21.03.2018
ISBN 9783103973518
Genre: Romane

Rezension:

Ein ganz wunderbares Buch! Das schon mal vorweg und zum Lust machen, es zu lesen.
In ihrem ersten Roman „Der Zopf“ erzählt die Autorin von drei Frauen auf drei Kontinenten, deren Lebenswege sehr unterschiedlich sind. Und das in vielerlei Hinsicht. Sie stammen aus sehr verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen und somit auch sehr verschiedenen wirtschaftlichen Verhältnissen.

Da ist zum einen Smita, eine Frau in Indien, die sich für ihre Tochter nichts sehnlicher wünscht als das diese Lesen, Schreiben und Rechnen lernt. Aber dass ein Kind der untersten indischen Kaste, der Unberührbaren, eine Schule besuchen könnte, ist im Normalfall undenkbar. Smita aber hat einen eisernen Willen und ist auch unter schwersten Bedingungen nicht bereit, diesen Gedanken aufzugeben und ihrer Tochter ein besseres Leben als das eigene zu ermöglichen.

Da ist als zweite Giulia, die Tochter eines Perückenmachers auf Sizilien, die das Handwerk von ihrem Vater und Vorbild erlernt hat und die ihren Beruf und das Material, mit dem sie täglich umgehen darf, liebt. Auf ihren Schultern lastet plötzlich die ganze Verantwortung für den Familienbetrieb, als der Vater nach einem Unfall im Koma liegt. Als sie entdeckt, dass das Unternehmen unmittelbar vor dem Bankrott steht, sucht sie nach Wegen, die Werkstatt für die Familie, aber auch für ihre Arbeiterinnen zu erhalten. Gegen viele Widerstände vor allem in der Familie setzt sie sich durch und führt einige ganz grundlegende Veränderungen ein.

Und als dritte Frau erleben wir Sarah, die in Montreal als erfolgreiche Anwältin in einer renommierten Kanzlei großes Ansehen genießt und auf dem besten Wege ist, als Partnerin in die oberste Ebene aufzurücken. Ihre Erfolge vor Gericht können sich sehen lassen und obwohl alleinerziehend kann sie ihren Kindern eine Menge bieten, alles außer Zeit. Als sie die Diagnose Krebs erhält, glaubt sie, so weitermachen können wir bisher. Arztbesuche, Therapien werden in ihrem Terminkalender unter bestimmten Verschlüsselungen geführt. Niemand in der Kanzlei erfährt etwas bis sich eines Tages Sarah und ihre Assistenten im Wartezimmer eines Arztes plötzlich gegenüberstehen. Kann Sarah sich der Loyalität der Mitarbeiterin sicher sein?

Am Ende des Buches verbinden sich diese drei Handlungsstränge auf eine Weise, die jeder der drei Frauen ihren Wunsch erfüllt und sie untrennbar mit einander verbindet, obwohl sie sich nie begegnen werden. Bis dahin erfährt man viele sehr persönliche Beweggründe dieser drei Frauen, die jede auf ihre Weise sicher eine außergewöhnliche Lebenssituation erfahren. Auch die kulturellen, traditionellen und gesellschaftlichen Hintergründe werden ohne Pathos erzählt und vielleicht berühren sie deshalb auf eine ganz besondere Weise.

Eine absolute Leseempfehlung und ein Buch, dass noch lange nachwirken wird.

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Tags: anwältin, brustkrebs, familienbetrieb, indien, kastenwesen, montreal, perückenmacher, sizilien, unberührbare   (9)
 

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48 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

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Die Magnolienfrau

Sabrina De Stefani ,
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Allegria, 06.04.2018
ISBN 9783793423249
Genre: Biografien

Rezension:

Der Klappentext und auch noch die Leseprobe dieses Buches hatten mich sehr gereizt, leider konnte das vollständige Buch die anfängliche Begeisterung nicht stützen und nicht halten.

Die erzählte Geschichte ist wohl sehr autobiographisch geprägt. Das Kind Sabrina, mit einer verkrümmten Wirbelsäule geboren, verbringt die ersten Jahre im Gipsbett. Die Großmutter, bei der sie aufwächst, fährt das Kind im Sommer unter den Magnolienbaum im Garten, dieser Baum wird für sie ein Symbol für Freiheit, wobei ich mir diesen Gedanken mit diesen Worten für ein Kind nicht wirklich vorstellen kann. Sei’s drum.
Sabrina lebt als Jugendliche zeitweilig bei der Mutter, doch die Großmutter bleibt zeitlebens die wichtigste Bezugsperson. Später absolviert sie erfolgreich eine Ausbildung, hat einen guten Job und ist doch nicht zufrieden. Freiheit bedeutet dieses Leben für sie nicht, doch danach strebt sie.
Sie wagt einen radikalen Neuanfang und begibt sich auf Reisen. Das Geld zum Leben verdient sie sich dabei durch die Herstellung und den Verkauf von Modeschmuck an Touristen. Zwischendurch gibt es immer wieder Abstecher in die Heimat, der Besuch bei der Großmutter ist immer ein wesentlicher Punkt dieser Stippvisiten.
Schließlich geht Sabrina nach Indien, trifft dort einen Mann, der ihre große Liebe werden könnte, werden soll, wäre er nicht ein religiöser Lehrer und ihm aufgrund dieser Stellung die „normale“ Beziehung zu einer Frau verboten. Auch er scheint ähnliche Gefühle für Sabrina zu hegen.
Sabrina entschließt sich, seine Schülerin zu werden und kämpft fortan jeden Tag aufs Neue mit den sich daraus ergebenden Schwierigkeiten des Alltags.
Ganz besonders diese Jahre haben wir die Lust an diesem Buch genommen. Thematisch zwar sehr interessant und einfühlsam, aber so detailversessen und mit ständigen Wiederholungen erzählt, fand ich das Buch ab hier nur noch sehr wenig spannend und musste mich mit Unterbrechungen immer wieder zum Weiterlesen zwingen.
Am Ende muss Sabrina Indien verlassen, landet unschuldig und schwanger in einem berüchtigten Gefängnis Asiens und bringt dort schließlich ihr Kind zur Welt. Ihr gelingt irgendwann die Flucht, Indien und den Vater ihres Kindes sieht sie nicht wieder.
Heute lebt die Autorin in der Schweiz und hat sich dort eine neue berufliche Existenz aufgebaut.
Insgesamt hat mich das Buch enttäuscht, da es in diesen indischen Jahren immer wieder und ausschließlich um die eigene Person der Autorin kreist. Über das religiöse Leben in dieser Phase ihres Lebens erfährt man sehr viel, fast möchte ich sagen zu viel. Dafür bleiben die anderen Menschen und Indien allgemein auf der Strecke. Schade.

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Tags: indien, lebenstraum, religion, selbstfindung   (4)
 

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Tödlicher Mittsommer

Viveca Sten , Dagmar Lendt
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.04.2011
ISBN 9783462043112
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist zwar ein Krimi, angesiedelt im landschaftlich sehr reizvollen Schärengarten vor Stockholm, aber m. E. ist er eher für Leser, die es etwas ruhiger und beschaulicher mögen, zu empfehlen.
Während der hohen Zeit der Sommerurlaube in Schweden wird am Weststrand der Schäreninsel Sandhamn eine männliche Leiche angespült. Thomas Andreasson von der Polizeidienststelle in Nacka wird mit den Ermittlungen betraut, der selbst auf der Nachbarinsel ein Ferienhaus besitzt. Auf Sandhamn trifft er zudem eine alte Jugendfreundin wieder, die dort gemeinsam mit der Familie die Sommerferien verbringt. Thomas ist also auf verschiedene Weise ganz nah dran und er hat neben den Ermittlungen alle Hände voll zu tun, einen Medienhype und damit möglichweise die Abreise vieler Sommergäste zu verhindern.
Der Tote wird von seiner Cousine identifiziert und von ihr erfährt die Polizei, dass der Tote eine bedauernswerte Figur war. Sein Leben war trist, unscheinbar, ärmlich und genau dieser Eindruck bestätigt die Wohnung des Toten. Eine Ahnung, was ihn zum Opfer machte, hat weder die Cousine noch findet die Polizei Hinweise in dieser Richtung.
Doch nur wenige Tage später wird auch die Cousine umgebracht. Ein Einheimischer, der mit der Cousine gesehen wurde, ist schließlich das dritte Mordopfer, nur finden Thomas und seine Kollegen nicht den entscheidenden Zusammenhang zwischen den Toten, der als ein wirkliches Motiv herhalten könnte.
Nebenbei wird auch von Nora und Thomas aus dem privaten Leben erzählt, beider leben verläuft gerade nicht so gradlinig wie sie es noch kurz zuvor erwarten durften. Die Aufklärung der Morde bleibt aber immer im Vordergrund des Romans. Nora kann allerdings mit ihrer Orts- und Personenkenntnis auf der Insel ihren Teil zur Klärung beitragen.
Die Spannung ist wie schon eingangs erwähnt eher ruhig angelegt, trotzdem übt das Buch eine sehr feine Faszination aus und man will es nur ungern aus der Hand legen.
Plötzlich geraten einflussreiche Bewohner der Insel in den Focus der Polizei und der Leser merkt, dass hier eine ganz große Sache hinter dieser drei Morden steckt. Thomas und Nora kommen einem Wirtschaftsbetrug auf die Spur, bei dem es um richtig viel Geld geht. Und ab hier steigt auch die Spannung deutlich an, denn die Verantwortlichen gehen buchstäblich über Leichen, um das eigentliche Verbrechen zu vertuschen.

Wer sich an schwedischer Landschaft und Urlaubsfeeling erfreuen will, ist mit diesem Roman bestens bedient. Von beidem bekommt man reichlich und man würde gern gleich die Koffer packen. Dieser Roman sollte als Urlaubslektüre unbedingt mit hinein.

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Tags: sandhamn, schärengarten, schweden, stockholm, wirtschaftsbetrug   (5)
 

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 49 Rezensionen

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Riskante Manöver

Birand Bingül
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 10.04.2018
ISBN 9783442716388
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Roman macht seinem Titel alle Ehre, denn riskant, wenn nicht mehr, sind die von Mats Holm angestrengten PR-Manöver durchaus und nicht immer ist sicher, ob sein Plan aufgehen wird.
Mats Holm ist PR-Agent besonders für Krisensituationen, freiberuflich tätig und vor allem eins: erfolgreich. Nicht ohne Grund wird er der „Master of Desaster“ genannt. Gemeinsam mit seiner Partnerin, Laura May, einer ehemaligen Polizistin, wird er von einem Riesen der Pharmaindustrie beauftragt, in einer ganz besonderen Situation für diesen tätig zu werden. Wenner Pharma hat ein neues Schmerzmittel für Kinder auf den Markt gebracht. In der Folge erkranken eine ganze Reihe von Kindern, es kommt sogar zu einem Todesfall.
Holm verlangt von seinen Auftraggebern die absolute Wahrheit, andernfalls wird er die Aufgabe ablehnen.
Nicht alle Personen Vorstandskreisen und auch in der PR-Abteilung des Unternehmens sind damit einverstanden, jemanden von außen zu holen und diesem auch noch sehr bedeutsame Interna mitzuteilen. So müssen Mats und Laura von Beginn an zwei Fronten kämpfen. Einmal intern im Konzern und extern organisiert die sehr versierte Pharma-Kritikerin Nina Rosenthal weitreichende Aktionen in der Öffentlichkeit. Fernsehauftritte und Demonstrationen vor der Firmenzentrale gehören dazu, aber auch die ganz intensive klassische Arbeit mit den Redaktionen und Presseagenturen.

Gereizt hat mich an diesem Buch die wahrscheinlich sehr breite „Trickkiste“ der PR-Arbeit und meine Erwartungshaltung in dieser Hinsicht wurde sogar noch übertroffen Selbstredend habe ich auch bislang nicht jede Nachricht blind geglaubt und versucht, die Dinge zu hinterfragen. Diese gesunde Skepsis bestätigt der Roman in jeder Hinsicht.
Nicht erwartet hatte ich den nebenbei laufenden und ausgesprochen spannend erzählten Kriminalfall. Eine Mitarbeiterin des Konzerns ist verschwunden, ein Mitarbeiter wird brutal ermordet. Die Polizei verdächtigt die Ehefrau und sieht keinen Zusammenhang mit der Firma. Ganz anders sehen das Mats Holm und Laura May.

„Riskante Manöver“ ist aus verschiedenen Gründen lesenswert und ich empfehle diesen gern zur Lektüre.
• Der Autor Bingül schreibt über ein Thema, in dem er sich auskennt. Er Ist Mitarbeiter beim WDR und hatte dort in der Vergangenheit verschiedenste journalistische Aufgaben. So funktioniert die Medienwelt heute.
• Dies ist Bingüls erster Roman und der ist erstaunlich gut gelungen, die Spannung des Falls erfährt der Leser von Anfang an und sie wird bis zum Ende durchgehalten.
• Der Schreibstil ich leicht und angenehm lesbar ohne dabei zu irgendeinem Zeitpunkt platt zu wirken.

Aus voller Überzeugung fünf Sterne.

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Tags: medikamententests, medikamentenzulassung, nebenwirkungen, pharmakonzern, pharmaskandal   (5)
 

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269 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 116 Rezensionen

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Die Vergessenen

Ellen Sandberg
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Penguin, 27.12.2017
ISBN 9783328100898
Genre: Romane

Rezension:

Ein sehr beeindruckender Roman, dies vorab.

Mit großer und stetig wachsender Spannung erzählt die Autorin hier eine Geschichte, die in der Gegenwart beginnt, aber sehr schnell durch Bilder und Aufzeichnungen in eine zweite Zeitebene und einen zweiten Erzählstrang ins Jahr 1944 zurückführt.

 

Manolis Lefteris, offiziell Autohändler, führt ein erfolgreiches Unternehmen für eine sehr betuchte Kundschaft. Inoffiziell bekommt er zeitweise Aufträge von einem vorerst geheimnisvollen „Köster“, deren Erfüllung mit den geltenden Gesetzten mehr oder weniger nicht im Einklang stehen. Niemand darf von diesem sehr lukrativen Doppelleben erfahren.

Vera Mändler, Journalistin bei einem Frauenmagazin, versucht eine Rückkehr in eine berufliche Position und zu Themen, die für sie serösen Journalismus bedeuten. Sie ist die Pseudoprobleme ihrer jetzigen Aufgabe so entsetzlich leid. Als sie in den Erinnerungen ihrer Tante Kathrin, Fotos und schriftlichen Aufzeichnungen, von Ereignissen im Jahr 1944 erfährt, in die ihre Tante eingebunden war, meint sie darin ihre Chance für eine berufliche Wende gefunden zu haben. Sie trifft eine Entscheidung.

Beide erfahren im Zuge ihrer Recherchen, dass es ganz offensichtlich auch heute noch Menschen gibt, die alles zu tun bereit sind, dass ihre eigene Rolle in Nationalsozialismus nicht bekannt wird. Und die auch heute noch bereit sind, dafür über Leichen zu gehen. Eine mehr oder weniger spielt dabei keine Rolle.

Kathrin Mändler Veras Tante, liegt nach einem Schlaganfall in einer Klinik. Sie war als junge Frau Krankenschwester in einem Heil- und Pflegeheim der Nazis, in dem die Genesung der Patienten, vor allem auch Kindern, nicht im Vordergrund zu stehen schien. Kathrin beobachtet, hinterfragt und macht sich damit nicht gerade beliebt bei den vorgesetzten Schwestern und Ärzten. Gleichzeitig unterhält sie aber eine Beziehung zu Karl Landmann, dem Leiter der Einrichtung, vor der niemand wissen darf und die von einer gewissen Hörigkeit bestimmt ist. Dieser Gewissenskonflikt nagt an ihr und muss unweigerlich in einer Katastrophe enden. Denn Kathrin kopiert und entwendet Krankenakten, gemeinsam mit einem jungen Mediziner, der als Praktikant in diese Einrichtung kommt.

Diese Unterlagen sind es, die Vera für ihren Artikel sucht, die Manolis für den Auftraggeber Kösters beschaffen soll, für die bereits ein Mensch gestorben ist und für die jemand offensichtlich bereit ist, jeden Preis zu zahlen, wenn er ihrer nur habhaft werden kann.

 

Dieser Roman ist absolut lesenswert. Es gelingt der Autorin, das Thema Euthanasie in einem Umfeld und mit Personen zu behandeln, die einem als Leser das Gefühl vermitteln, dies alles direkt mitzuerleben. Bedrückend und beindruckend zugleich und durch den Handlungsstrang in der Gegenwart mit einer großen Spannung ausgestattet. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen bevor nicht der letzte Satz gelesen war.

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Tags: 1944, euthanasie, heilanstalten, journalismus   (4)
 

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

beziehungskiste, die große liebe, humor, liebe auf den ersten blick, scheidung, sorgerechtstreit, trennun, vater&sohn, vater und sohn

Oberkante Unterlippe

Stefan Schwarz
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.07.2017
ISBN 9783499266966
Genre: Romane

Rezension:

Rosenkrieg und Beziehungskisten – davon gibt sehr viel zwischen zwei Buchdeckeln, aber so, wie diese Lebenssituationen hier präsentiert werden, habe ich das noch nicht gelesen.
Der erste Unterschied, der auffällt und diese Geschichte so anders macht: in der Regel werden diese Romane von Frauen erzählt und aufgeschrieben – und es geht natürlich immer gegen den Mann. Das ist hier schon mal nicht der Fall. Protagonist und vielleicht auch der Gute ist hier ziemlich eindeutig der Mann. Oder sollte ich besser sagen zwei Männer?

Jannek ist Schauspieler, nicht so der ganz erfolgreiche Typ und somit auch finanziell nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens stehend. Als ihm Larissa begegnet, scheint dies für beide die Liebe ihres Lebens zu sein, doch was wie die Geschichte von Romeo und Julia beginnt, endet mit Trennung, Scheidung und schließlich einem handfesten Sorgerechtsstreit um den gemeinsamen Sohn Timmi. Jannek möchte seinen Sohn bei sich aufwachsen sehen und hat eigentlich nur seine beinahe bedingungslose Liebe für dieses Kind in die Wagschale zu werfen.
Auf Seiten der Mutter gelangt auch sehr viel Geld und eine gewisse Oberflächlichkeit in die Wagschale und diese Umstände wiederum weiß Timmi mit großem Geschick zu seinen Gunsten zu nutzen.
Und dann sind da noch die Großeltern auf der mütterlichen Seite, die ebenfalls mit ihren finanziellen Möglichkeiten Jannek und seinen Sohn auseinanderbringen wollen.

Beide Parteien wollen natürlich nur „das Beste“ für das Kind, doch was ist eigentlich das Beste? Darüber gehen die Vorstellungen weit auseinander, weil eben auch die erlernten und erlebten Wertevorstellungen kaum unterschiedlicher sein könnten.

Stefan Schwarz verfügt über eine Art von Humor, der jenseits von platter Comedy angesiedelt ist, seine Leser aber auf beinahe jeder Seite zum Lachen bringt. Dieser Jannek hat einfach das Herz auf dem rechten Fleck. Ganz im Gegenteil zur gegnerischen Seite, auf der Mutter und Großeltern versuchen, nicht nur Timmi mit ihren finanziellen Möglichkeiten zu beeindrucken, sondern mit diesen Vorstellungen auch beim Jugendamt und dem Familiengericht zu punkten. Ob ihnen dies gelingen wird? Nun, lesen Sie selbst.

Stefan Schwarz versteht sich meisterhaft auf den Umgang mit Sprache und so wird Ihnen dieser Roman wie ein heiterer Leckerbissen derselben erscheinen. Kosten Sie davon und genießen sie die Lektüre. Gewinnen Sie den Momenten, die nicht nur Ihnen ganz fürchterlich erscheinen, die auch immer vorhandene komische Seite ab und lachen Sie darüber. Das geht! Stefan Schwarz macht es Ihnen vor.

Viel Vergnügen beim Lesen.

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Tags: beziehungskiste, die große liebe, liebe auf den ersten blick, scheidung, sorgerechtstreit, trennun, vater und sohn   (7)
 

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638 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 61 Rezensionen

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Die Mitternachtsrose

Lucinda Riley , Sonja Hauser
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 22.06.2015
ISBN 9783442479702
Genre: Romane

Rezension:

Der Name Lucinda Riley ist wohl immer wieder ein Garant für spannendes Lesevergnügen, so auch wieder bei diesem Roman.

Alles beginnt an einem hundertsten Geburtstag in Indien. Anahita feiert diesen Tag im Kreise ihrer Familie, aber für ihren Urenkel Ari soll dieser Geburtstag noch eine besondere Bedeutung bekommen. Er bekommt von seiner Urgroßmutter Anahita ein Manuskript überreicht und damit den Auftrag, ihren Sohn, der angeblich im Alter von drei Jahren schon gestorben sein soll, zu finden. Denn Anahita glaubt den Menschen, die ihr seit Jahrzehnten diesen Tod einreden, kein Wort. Sie ist fest davon überzeugt, dass dieser Sohn lebt. Doch Urenkel Ari geht sehr lasch mit dem Versprechen um das er Anahita gegeben hat und erst Jahre später reist er nach England, um endlich seinen Auftrag zu erfüllen. Dies ist einer der beiden Handlungsstränge.

Im zweiten lernen wir die amerikanische Schauspielerin Rebecca Bradley kennen, die ebenfalls nach England reist, um dort ihren neuen Film zu drehen. Um sie vor unliebsamen Pressebegegnungen zu schützen, in ihrem Privatleben fand gerade eine gravierende Veränderung statt, darf sie als Einzige des Filmteams auf Astbury Hall wohnen, einem etwas heruntergekommenen Herrensitz, der Hauptdrehort dieses Films ist. Sie hat es dort mit einer etwas eigenwillig agierenden Haushälterin zu tun, die offensichtlich den Hausherrn aus allem Alltagsgeschehen heraushalten will und fast über ihn zu wachen scheint. Trotzdem lernt Rebecca Lord Astbury kennen und er erscheint ihr von Anfang an ein wenig merkwürdig, ja sogar unheimlich und stellenweise ängstigt er sie.

Zur gleichen Zeit reist Ali Malik nach England, um das Rätsel um seine Urgroßmutter und deren Sohn zu lösen. Auch ihn führen die Aufzeichnungen, die er erhalten hat, nach Astbury Hall natürlich ist seine Person das Bindeglied zwischen den beiden Handlungen, aber auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Lucinda Riley nimmt die Leser mit auf eine aufregende Reise durch die Zeit und auf eine mindestens ebenso spannende Geschichte der indischen Gesellschaft zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie erzählt sehr spannend und bildreich, so dass man das Buch höchst ungern aus der Hand legt bevor man bis zum Ende und damit auch der Lösung der Geheimnisse dieser beiden Familien auf die Spur gekommen ist.

Lucinda Riley ist eine Unterhaltungsautorin, die ihr Handwerk gut beherrscht und ihren Lesern mit ihren Geschichten ein paar unbeschwerte Stunden beschert. Sicherlich sind das „Bücher zum Weglesen“, aber wenn wir ehrlich sind, braucht es auch diese Literatur für die Momente, in denen man sich einfach nur in eine solche Geschichte hineinfallen lassen möchte. Vielleicht an einem stürmischen Wochenende auf der Couch, am Kamin oder – zu anderen Jahreszeit – im Standkorb. Für all diese Gelegenheiten ist dieser Roman ein pralles und farbiges Lesevergnügen.

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Tags: england, familiengeschichte, filmgeschäft, herrenhau, indien, romantik, schauspielerin   (7)
 

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Elefant

Martin Suter
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 18.01.2017
ISBN 9783257069709
Genre: Romane

Rezension:

Skurril, das war ein erster Eindruck, den ich von diesem Buch nach der Vorschau und dem Klappentext bekommen hatte. Aber das ist nur ein Aspekt dieses Romans und zudem ein recht kleiner.
Ja, es mutet skurril an, dass ein in Geldnöten schwebender Zirkusdirektor sich von einem Genforscher gegen das Versprechen einer größeren Geldsumme auf ein verrückt anmutendes Experiment einlässt. Roux, der Forscher, will einer der Elefantenkühe des Zirkus mittels künstlicher Befruchtung und zuvor erfolgter Genmanipulation zu ganz besonderem Nachwuchs verhelfen. Einen Tierarzt, der das Experiment begleitet, hat Roux auch gefunden.

Schoch lebt in Zürich auf der Straße oder besser in einer Höhle, die sich am Uferweg des Flusses gebildet hat. Was er nachts plötzlich entdeckt, als er mit einem gehörigen Alkoholpegel aufwacht, kann er nicht glauben. Hat er Entzugserscheinungen? Aber nach seiner eigenen Feststellung kann es das nicht sein, denn getrunken hat er genug. Hat also ein Kind seine Höhle entdeckt und dort sein Spielzeug verloren? Doch so oft Schoch die Augen auch verschließt in dieser Nacht, sobald er sie wieder öffnet steht dieser rosafarbene und leuchtende Mini-Elefant wieder in der Ecke. Und ist beileibe kein Spielzeug, sondern sehr lebendig.

Kaung ist schon seit vielen Jahren im Zirkus als Wärter für die Elefanten angestellt. Elefantenflüsterer trifft aber seine Einstellung zu all seinen Schützlingen sehr viel besser und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er Roux und dessen Plänen mit großem Argwohn gegenübersteht. Das Experiment zu verhindern gelingt ihm nicht, aber er sorgt dafür, dass Roux von der Geburt zunächst nicht erfährt und aufgrund falscher Aussagen an das Scheitern seines Experiments glaubt.

Schoch hat nun diesen kleinen Elefanten – und er übernimmt plötzlich Verantwortung für ein anderes Lebewesen. Diesen kleinen Elefanten will und muss er beschützen, daran besteht für ihn kein Zweifel, auch wenn seine Beweggründe auch für ihn selbst erst einmal im Dunkel bleiben. Hilfe erfährt er dabei durch die Tierärztin Valerie, die schon sehr bald eine Vertraute für ihn wird.

Zwischen diesen Protagonisten entwickelt sich eine teilweise sehr verrückte und damit auch manchesmal sehr amüsante (Verfolgungs-)Jagd, die spannend auf der einen Seite und sehr anrührend auf der anderen Seite erzählt wird.
Dabei sind die Seiten GUT und BÖSE sehr klar verteilt und erkennbar. Schoch und Kaung sind zweifelsfrei die Guten, auch Valerie gehört dazu. Roux und bedingt auch der Zirkusdirektor sind die Bösen, denen man auch als Leser sehr misstrauisch gegenüber steht. Und ohne dass man es bewusst will, beginnt man sich mit dem Thema Gentechnik zu beschäftigen und versucht, eine eigene Position dazu zu finden. Angenehm fällt dabei auf, dass die Thematik sehr verständlich dargestellt wird und der Autor uns einen informativen Einblick liefert. Und ebenso angenehm, dass Suter es dem Leser überlasst, welcher der beiden konkurrierenden Sichtweisen er sich anschließen will.

Ein Buch für den Kopf und für das Herz – unbedingt lesen. Mich hat der kleine rosa Elefant sehr berührt.

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Tags: experiment, genforschung, gentechnik, zirkus, zürich   (5)
 

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

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Zeiten des Aufbruchs

Carmen Korn
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 23.06.2017
ISBN 9783463406831
Genre: Historische Romane

Rezension:

Meine Begeisterung hält nicht nur an, sie ist sogar noch größer geworden. Auch den zweiten Band von Carmen Korns Jahrhundert-Trilogie habe ich in einem Rutsch gelesen und war bis zur letzten Seite fasziniert.
Von März 1949 bis November 1969 nehmen wir erneut am Leben von Henny, Käthe, Ida und Lina teil. Aber auch ihre Kinder und Enkel, Freunde, Nachbarn und viele weitere Wegbegleiter finden wir wieder, die wir zum Teil aus dem ersten Band kennen, andere lernen wir neu kennen.
Nicht alle  Männer sind aus dem Krieg heimgekehrt, von manchen weiß man, dass sie gefallen sind, andere sind einfach verschollen oder noch in der Gefangenschaft, die für einige erst nach 1950 endete. So ging es Käthes Mann Rudi und auch Käthe selbst sucht lange keinen Kontakt zu den anderen Freundinnen, besonders zu Henny. Sie meidet den Kontakt sogar und der Leser des ersten Bandes hat auch eine Ahnung, warum dies so ist.

Auch wenn das Buch in der Großstadt Hamburg spielt, so erinnert sich auch das Dorfkind in mir an viele Ereignisse ab Mitte bis Ende der Fünfziger, die in diesem Buch nicht nur eine Rolle spielen, sondern für einzelne Personen auch von großer Bedeutung sein können. Anfang der Siebziger wurde Hamburg nicht nur meine
Wahlheimat, sondern in beinahe einem ganzen Jahrzehnt zu einen Ort, den ich sehr gemocht habe und auch heute noch mag. Schon allein aus diesem Grund bin ich sehr gespannt auf den dritten Band dieser Trilogie.
Das Leben der drei Freundinnen und den Menschen in ihrem Umfeld ist sicherlich in erster Linie von persönlichen Entscheidungen und manchmal auch Schicksalsschlägen geprägt, aber auch allgemeine politische, gesellschaftliche  und kulturelle Ereignisse bleiben manchesmal nicht ohne Folgen für die Protagonisten.

Wer erinnert nicht die Nacht der ersten Mondlandung, als eine ganze Nation vor den Fernsehgeräten saß, so man denn ein solches bereits besaß. Gängige und auch weniger bekannte Lieder, Schlager einer ganzen Generation, werden in Ansätzen zitiert und man ertappt sich beim Lesen dabei, die Zeilen nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den Ohren wahrzunehmen und summt an manchen Stellen ganz unwillkürlich mit.
Die Gründung des NWDR und später die Aufteilung in zwei heute noch existierende Sendeanstalten, die Wiederbewaffnung, die Sturmflut von 1962, die Anti-Baby-Pille, die Abschaffung des § 175, die Kubakrise und der Bau der Berliner Mauer, all das hat nicht nur das Leben unserer Romanfiguren begleitet und zum Teil auch verändert. Auch jeder Leser wird seine eigenen persönlichen Erinnerungen damit verbinden.
In Berlin agiert Rudi Dutschke, die Studentenunruhen beginnen und Ruth, Tochter von Käthe und Rudi, hat Verbindung in diese Kreise. Hier könnte sich andeuten, was zumindest Anfang des dritten Bandes eine Rolle spielen wird.  Viel passiert ist in Hamburg viel am Anfang der Siebziger.

Auch für diesen Band eine Leseempfehlung aus vollem Herzen und mit Überzeugung vergebe ich fünf Sterne. Mehr geht ja leider nicht.

PS. Für jeweils ein ausführliches Glossar am Ende beider Bände verdient Carmen Korn Lob und Anerkennung.

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Tags: anti-baby-pille, hamburg, mondlandung, nachkriegsjahre, uhlenhorst   (5)
 

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128 Bibliotheken, 10 Leser, 2 Gruppen, 14 Rezensionen

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Töchter einer neuen Zeit

Carmen Korn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 21.09.2016
ISBN 9783463406824
Genre: Historische Romane

Rezension:

Begeisterung pur – das hat dieser Roman in mir ausgelöst und so ist es nicht verwunderlich, dass ich die gut 540 Seiten in nur knapp anderthalb Tagen gelesen habe. Aufhören war nicht möglich, ich wollte einfach wissen wie es weitergeht mit Henny, Käthe, Ida und Lina. Vier Frauen, die zunächst nichts eint außer dass sie alle nicht weit von einander „auf der Uhlenhorst“, wie es in Hamburg heißt, leben. Und alle eint auch ein Hunger nach Liebe und Leben, nachdem sie gerade einen bösen Weltkrieg überstanden haben.
Der Roman beginnt im März 1919, Henny und Käthe beginnen gerade ihre Hebammenausbildung an der Frauenklinik Finkenau, Lina ist Grundschullehrerin und hat sich der Reformpädagogik verschrieben, Ida schließlich ist Tochter aus gutem Hause, ohne Beruf und Ausbildung, aber stets besorgt, dass sie ihr sehr angenehmes Leben aufgeben muss.
Der Roman endet im Dezember 1948 und damit nach einem zweiten verheerenden Krieg, den keine der Frauen so noch einmal erleben wollte. Aber – sie wurden nicht gefragt. Sie konnten nur in ihrer politischen Einstellung gegen die Nationalsozialisten und Hitler aufbegehren oder auch nicht, das Aufbegehren aber wurde von Jahr zu Jahr gefährlicher. Wem konnte man noch trauen, den Freunden, den Kollegen, der Familie?
Als Leser erlebt man diese Jahre beinahe hautnah mit, so sehr kann man sich mit diesen Hauptfiguren identifizieren, wobei sicherlich jeder Leser die Schwerpunkte anders setzt. Sicherlich auch in Abhängigkeit zur eigenen Entwicklung in der Kindheit und Jugend und dem Umfeld, in dem man groß und zum Erwachsenen wurde. Aber eine ganze Reihe der anderen Figuren im Umfeld der vier Frauen verdienen ebenso unseren Respekt, haben sie doch in entscheidenden Situationen Mut und Menschlichkeit bewiesen. Es gibt aber auch jene, vor denen man sich in Acht nehmen musste und die unterschiedlichen politischen Positionen prallten selbst innerhalb der Familien aufeinander.

Die einzelnen Episoden sind teilweise sehr kurz gehalten, woran man sich anfangs ein wenig gewöhnen musste, aber im Verlauf der Geschichte fand ich diesen Schreibstil sehr passend für dieses Buch. Die zum Teil zeitgleichen Entwicklungen und Ereignisse, die Wechselwirkungen der Ereignisse auf die verschiedenen Personen und die immer enger und bedrückender werdenden Einschränkungen im Alltag werden dadurch in einer Form für den Leser greifbar, wie ich es bisher nur selten in Büchern gefunden habe, die diese Zeitspanne beschreiben.

Gäbe es mehr als 5 Sterne, dieser Roman bekäme von mir noch mehr als diese absolute Leseempfehlung. Das Buch ist der erste Band der „Jahrhundert-Trilogie“, der zweite Band ist kürzlich erschienen. „Zeiten des Aufbruchs“ beginnt 1949 und reicht bis in die sechziger Jahre. „Wirtschaftswunder, Rock 'n' Roll, Cocktailpartys“ – ich freu’ mich drauf.

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Tags: hamburg, nationalsozialismus, uhlenhorst, weltkrieg 2, zwischen den beiden weltkriegen   (5)
 

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115 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 58 Rezensionen

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Lost in Fuseta

Gil Ribeiro
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 31.03.2017
ISBN 9783462048872
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein ganz ungewöhnlicher Krimi, der vor allem durch sein Personal besticht und nicht so sehr durch die darin geschilderten Verbrechen.

Zwar hat mich der Titel zunächst ein wenig in die Irre geführt, weil ich einen Moment lang an „Verloren in Fuseta“ gedacht habe, aber diese Vokabel ist mitnichten gemeint. Leander Lost ist Polizist in Hamburg, der im Rahmen eines europäischen Austauschprogramms für ein Jahr in Portugal arbeiten soll. Aus Hamburg hat man ihn weggelobt, das ist schon sehr schnell klar, aber das Warum bleibt doch einige Zeit im Dunkel. Graciana Rosado und Carlos Esteves holen ihn vom Flughafen ab und werden bereits auf der Rückfahrt zu einem aktuellen Tatort gerufen. Ein nicht ganz sauberer Privatdetektiv wurde tot aufgefunden, Leander Lost ist von Anfang an dabei, doch dieser Anfang gestaltet sich für die beiden portugiesischen Beamten vorsichtig gesagt schwierig. Der Kollege aus Deutschland fällt nicht nur durch seine Kleidung auf und ein wenig auch aus dem Rahmen, auch seine Art Fragen zu stellen und Schlussfolgerungen zu ziehen eckt bei allen Beteiligten an.
Erst Gracianas Schwester erkennt durch einen ganz einfachen Zufall, was mit dem Fremden aus Hamburg los ist.
Leander Losts eigenwillige Art ist der Tatsache geschuldet, dass er am Aspberger-Sydrom, einer speziellen Form von Autismus, leidet. Menschen mit diesem Krankheitsbild verfügen oft über sehr ausgeprägte Inselbegabungen, z. B über ein ausgeprägtes fotografisches Gedächtnis  wie in diesem Fall. Autisten können im Allgemeinen Gesichter nicht in ihrer Gesamtheit wahrnehmen, sondern sehen und beurteilen Augen, Nase Mund stets als Einzelnes. Die Folge u. a. ist, das Leander Lost nicht in der Lage ist, Ironie zu erkennen und er gibt immer und in jeder Situation Antworten, die für ihn auf der Basis von Logik selbstverständlich sind, sein Gegenüber aber sehr oft verstören und verwundern.
Das macht ein Zusammenwachsen des Teams unmöglich, so scheint es anfangs und ist es wenig verwunderlich, dass Leander Lost schon am Tag nach seiner Ankunft einen Flieger zurück nach Deutschland besteigen will. Doch es kommt anders und die beiden Kollegen erkennen sehr schnell, wie sehr sie dieser Deutsche mit seinen besonderen Begabungen in ihrer Arbeit unterstützen kann.
Die weitere Handlung deckt einige Skandale auf, so geht es beispielsweise um das Thema Trinkwasser, dessen Qualität und wie ein großer Konzern damit Riesengewinne einfahren will. Es geht auch um skrupellose Vorgesetzte und lustlose Kollegen bei der Streifenpolizei, um einen ganz besonderen Familiensinn, der in Portugal wohl nicht nur in der Familie von Graciana Rosado an der Tagesordnung ist. Es geht auch um eine wunderschöne Landschaft und die kulinarischen Entdeckungen und Freuden einer südländischen Küche.

Ich habe dieses Buch sehr genossen, weil es neben der eigentlichen Krimihandlung und der Aufklärung des Falles auch sehr viel über interessante und auch auf ihre eigene Art sehr besondere Menschen erzählt. Und davon, dass man nur aufeinander zugehen und Interesse für das Gegenüber zulassen muss, um zu einem richtig guten Team zu werden.

Eine absolute Leseempfehlung und gerne mehr Bücher in dieser Reihe.

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Tags: algarve, asperger-sydrom, austauschprogramm, autismus, korruption, portugal   (6)
 

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57 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

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Verraten

Florian Schwiecker
Flexibler Einband: 312 Seiten
Erschienen bei Edel Books - Ein Verlag der Edel Germany GmbH, 02.02.2017
ISBN 9783841905055
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In einem Interview, das auf seiner Webseite nachzulesen ist, wird der Autor aufgefordert, seinen Roman in zehn Worten zu beschreiben. Das liest sich dann so:
„Erschreckend real, gut recherchiert, spannend, überraschend und natürlich extrem unterhaltend.“
Das alles kann ich ohne Einschränkungen unterschreiben und trotzdem habe ich einen Kritikpunkt zu benennen. Allerdings richtet der sich nicht gegen Geschichte und Autor, sondern mehr an die Verantwortlichen im Verlag. „Der neue Luk-Krieger-Thriller“ prangt vorne auf dem Cover und das ist wörtlich genommen einfach nicht richtig. Diese Formulierung hat mich sofort veranlasst, nach früheren Titeln zu schauen und siehe da, die gibt es nicht. Ehrlicherweise sollte es also heißen „Der erste ….“.  Ja, ich freue mich durchaus auf weitere Romane mit diesem Ermittlerpaar, aber ich werde als Leser nicht gern an der Nase herumgeführt, lieber Verlag. Das am Rande.

Luk Krieger ist Agent einer Spezialeinheit zur Terrorbekämpfung, die selbst in Polizeikreisen so gut wie unbekannt ist. Allerdings hat diese Einheit, das SKT, im Inland keine Befugnisse.
Er ist nicht im Einsatz, als er hautnah die Explosion einer Bombe mitten in Berlin miterlebt. Danach ist er im Einsatz und der gestaltet sich anfangs ein wenig schwierig. Denn die ermittelnde Polizistin Anne Cole will sich zunächst gar nicht in die Karten schauen lassen. Von ihrem Chef wurde sie zwar zur Zusammenarbeit mit Luk Krieger angehalten, aber wie intensiv diese aussehen soll, ist ihr selbst überlassen. Es gelingt Luk, dass Anna zumindest ihre erste Ablehnung mehr und mehr aufgibt und die beiden zu einem guten Team zusammen finden.
Es gelingt Ihnen, den Attentäter und seine weiteren Pläne „zu lesen“ und ihm immer eng auf den Fersen zu sein. Trotzdem können sie zunächst weitere Anschläge nicht verhindern. Natürlich genießt  Luk Krieger bessere Möglichkeiten der Kommunikation und weitere Vorteile bis hin zu einer Art privatem Flugzeug des SKT, die Anna Cole nicht verfügbar hätte. Außerdem ist sie schon bald fasziniert von seinem Wissen, das einem Polizisten im Normalfall nicht verfügbar gemacht wird.

Ob sie allerdings den letzten und entscheidenden Anschlag werden stoppen können, will ich hier nicht verraten. Vielleicht ja, denn ein Krimi darf eigentlich nicht offen enden. Vielleicht nein, denn es soll ja weitere Romane um dieses Ermittlerpaar geben. Lesen Sie selbst.

Erschreckend fand ich in jedem Fall, wie skrupellos einzelne Personen in Polizeikreisen und in der Politik mit einem solchen Anschlag umgehen und das Leben vieler Menschen als eine Art Kollateralschaden einfach hinnehmen.  Insofern dürfen wir uns sicher bei solchen Ereignissen und den Nachrichten darüber immer wieder fragen, welche Wahrheit wir dabei gerade erfahren.

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Tags: berlin, köln, kölner dom, kompetenzgerangel, münchen, olympiastadion, papstbesuch, terror, terrorbekämpfung   (9)
 

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371 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 156 Rezensionen

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Murder Park

Jonas Winner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2017
ISBN 9783453421769
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach „Der Architekt“ und „Die Zelle“ war dies mein drittes Buch von Jonas Winner und noch bin ich hin- und hergerissen.
Im Gegensatz zu den beiden Erstgenannten hatte ich Schwierigkeiten den Einstieg zu finden, obwohl mir die Geschichte von Anfang an Lust auf das Buch gemacht hatte.

Paul ist ein junger Journalist, der ausgewählt wurde, gemeinsam mit 11 anderen Personen eine kurz vor der Eröffnung stehende Vergnügungsstätte auf einer Insel vor der amerikanischen Ostküste zu besuchen. Zodiac Island war einst ein berühmter Freizeitpark mit diversen Attraktionen und verschiedenen Übernachtungsmöglichkeiten. Vor 20 Jahren nun hat auf dieser Insel ein Serienmörder drei junge Frauen getötet und grausam zugerichtet. Die ersten beiden Taten wurden vor der Öffentlichkeit vertuscht, erst nach dem dritten Mord werden die Taten publik und der Park geschlossen. Das dritte der damaligen Opfer war Pauls Mutter, der damals vier Jahre alte Paul hat viele Stunden neben seiner toten Mutter ausgeharrt, der Mörder war kein Fremder für ihn. Jeff Bohner wurde gefasst, überführt, zum Tode verurteilt und starb auf dem elektrischen Stuhl.

Paul hat also ganz persönliche Motive, dieser Einladung Folge zu leisten. Die „Spielregeln“ für das Wochenende sind allen Beteiligten klar, sie sind für drei Tage auf der Insel auf sich allein gestellt und  ihnen soll das Konzept des neuen Zodiac Island präsentiert werden. Murder Park soll die Anlage künftig heißen und sie wird mit den Ängsten der Besucher ziemlich skrupellos spielen. Kontakte zu Dritten gibt es während des Wochenendes nicht und da die Fähre auch erst am Montag wieder fahren wird, gibt es auch keine Möglichkeit, die Insel vorzeitig zu verlassen.

Schon kurz nach dem Eintreffen der Gruppe und dem gegenseitigen Kennenlernen gibt es die erste Leiche. Keine fremde Person sondern eine dieser Zwölf ist das Opfer und es soll nicht bei diesem einen Vorfall bleiben. Und an dieser Stelle beginnt langsam ein Sog, der den Leser unweigerlich in die Geschichte hineinzieht. Mit Spannung und Entsetzen gleichzeitig verfolgt man die Gruppendynamik der noch Lebenden. Die Erkenntnis setzt sich durch, dass diese Vorabpräsentation und vor allem die Zusammensetzung der Gäste mit den Ereignissen von vor 20 Jahren in Verbindung stehen. Was bedeutet es, dass in dieser Gruppe jedes der zwölf Tierkreiszeichen exakt einmal vorkommt? Hat es überhaupt eine Bedeutung oder ist hier einfach nur ein Wahnsinniger am Werk? Wem kann Paul trauen und von wem sollte er sich lieber fernhalten? So wie dieser Protagonist ständig wieder in neue Zweifel hinsichtlich seiner Mitreisenden gerät, so geht es einem auch als Leser. Gerade glaubt man, jetzt doch die Lösung zu erahnen, überrollen einen die Ereignisse erneut und alle Theorie stürzt wieder wie ein Kartenhaus zusammen. Das Ende ist mindestens so überraschend wie spannend und lässt einen aufatmen.

Anfangs wechselt sich die Handlung mit den Auswahlprotokollen der zwölf Besucher recht regelmäßig ab, wobei im Verlauf des Buches die Handlungskapitel länger werden und die eingestreuten Protokolle nicht mehr so dominieren. Ich glaube, dass dieser Aufbau mir den Einstieg erschwert hat, trotzdem gibt es eine absolute Leseempfehlung – allerdings nur für hartgesottene Krimifans.

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Tags: freizeitpark, insel, ostküst, serienmörder, usa, vergnügungspark   (6)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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WattenBrand

Andreas Schmidt
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei CW Niemeyer, 28.02.2017
ISBN 9783827194848
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine rätselhafte Brandserie steht zunächst im Mittelpunkt der Geschichte. In unregelmäßigen Abständen stehen insbesondere in Nordfriesland immer wieder Scheunen oder ganze Bauernhöfe in Brand. Die beiden Kommissare Wiebke Ulbricht und Jan Petersen von der Kripo in Husum sind mit der Untersuchung betraut. In den Fokus der Ermittler gerät unter anderem der Landmaschinenverkäufer Rasmussen, der den Bauern in der Region Traktoren und mehr auf der Basis windiger Kredite verkauft hat. Hat er oder ein Dritter in seinem Auftrag auf diese Art und Weise den säumigen Zahlern einen Denkzettel verpassen wollen?
Doch dann brennt plötzlich ein alter leerstehender Friesenhof auf Sylt. Und in der Brandruine findet man die Leiche des Immobilienmaklers Frerk Lürsen, der u.a. Hauptinvestor eines ehrgeizigen Bauprojekts auf der Insel war. Darüber hinaus war Lürsen nicht sonderlich beliebt, nicht in der Region und nicht bei den Menschen, mit denen er teilweise seine Geschäfte machte. So hat er beispielsweise dem Bauern Jacobsen, dessen abgebrannte Scheune am Anfang des Romans steht, den Kauf des hochverschuldeten Hofes zu einem Spottpreis angeboten.
Gemeinsam mit einem Architekten und einem Naturschützer wollte Lürsen einen Ferienpark auf dem Wasser vor der Küste der Insel errichten. Zwischen diesen dreien gibt es aber nicht nur die geschäftliche Verbindung, sondern auch private Verstrickungen, von denen zunächst nur der Leser etwas erfährt. Mit dem Fortschreiten der Handlung wird dann deutlich, dass auch die Beteiligten mehr über diese Verbindungen und Liebeleien wissen, als sie anfangs zu sagen bereit sind.

Die große Frage für die Polizei ist nun, ob der Brand auf Sylt ein Teil der Serie war oder ob es sich um zwei getrennte Fälle handelt. Die Ansichten darüber sind sehr gespalten, doch da der Zusammenhang auch nicht ausgeschlossen werden kann, wird die Sonderkommission Immo gegründet, der neben Wiebke und Jan auch Kollegen von der Kripo in Flensburg und von der Insel angehören. Mit Hochdruck versuchen die Beamten Licht in ein zunächst recht undurchsichtiges Netz verschiedenster Möglichkeiten zu bringen.
Der Autor versteht es sehr geschickt, den Lesern immer wieder mögliche Lösungen anzubieten, die sich aber der weiteren Lektüre als Irrtümer herausstellen. So bleibt die Spannung stets auf einem hohen Niveau und verleitet einen dazu, länger zu lesen als man eigentlich wollte. Und schon wieder war die Nacht zu kurz …
Am Ende werden die Schuldigen natürlich gestellt, auch wenn diese keiner der zunächst ausgelegten Spuren entsprechen.

Ich bin zwar nicht so häufig in den Gegenden, in der dieser Roman spielt, denke aber, dass es Andreas Schmidt gut gelungen ist, die Stimmung der Landschaft und der Menschen gut einzufangen. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass der Autor sich im Kern auf zwei wirkliche Ereignisse stützt. So hat es die Brandserie vor einigen Jahren wirklich gegeben und auch das Projekt „Viva Mare“, ein Ferienanlage auf dem Wasser, hat es wirklich gegeben.

Gute Unterhaltung und Spannung – nicht nur für Menschen in der Region oder dortige Urlauber. Lediglich an wenigen sprachlichen Formulierungen, die ein wenig „unter der Gürtellinie“ und so gar nicht notwendig waren, habe ich mich ein wenig gestört.

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Tags: brandserie, feuerteufel, husum, keitum, nordfriesland, sylt   (6)
 

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

autounfall, bauunternehmer, behinderung, cosy crime, ddr, dorfleben, drohung, ehemaliges kinderheim, erbschaft, fahrerflucht, frank friedrichs, gelesen 2017, mecklenburg, organist, rollstuhlfahrer

Erntedank in Vertikow

Frank Friedrichs
Flexibler Einband: 302 Seiten
Erschienen bei DichtFest, 26.11.2016
ISBN 9783946937203
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kennengelernt habe ich diesen Autor und sein Buch im Rahmen einer regionalen Buchmesse. Für das Leseexemplar sage ich noch einmal DANKE und berichte mal von meinen Leseeindrücken.

Wir begegnen:
• einem zwar erfundenen Dorf im Mecklenburg, aber sicher gibt es ganz viele Dörfer, die hier als Vorbild dienen können,
• einem ungewöhnlichen Ermittler, der in dieser Aufgabe vielleicht eine neue berufliche Herausforderung finden will,
• und sehr unterschiedlichen Menschen mit vielen Macken und Eigenarten, die die menschliche Spezies abbildet.

Und somit ist dieser Roman nur am Rande ein Krimi. Ja, es gibt einen Todesfall. Aber der steht nur scheinbar im Mittelpunkt der Geschichte. Vielmehr nimmt Peer Wesendonk diesen Platz in der Mitte ziemlich raumgreifend ein. In seinem ersten Leben, vor einem schweren Motorradunfall, war er Organist hier im Dorf und hatte seinen Beruf oder besser seine Berufung gefunden. Jetzt kehrt er im Rollstuhl zurück und muss sich und sein Leben neu organisieren. An seinen Arbeitsplatz an die Orgel kann er nicht zurück, seine Frau ist während der Woche in Berlin, er ist also allein und hat vor allem viel Langeweile. Zwar organisiert seine Frau  ihm so manche Hilfen, sieht aber nicht, dass diese im Alltag und in der Praxis nur bedingt funktionieren.  Die Unzufriedenheit wächst und Peer fühlt sich mehr und mehr unverstanden.

Da kommt es ihm doch gerade recht, dass der vermeintliche Unfalltod der Nachbarin von manchem Dorfbewohner so gar nicht als Unfall gesehen wird. Hier handelt es sich wohl um Mord, meint man und Peer lässt sich von dieser Meinung anstecken. Zumal die Polizei offensichtlich keine Ermittlungen dieser Art anstellen will und den Vorgang als Unfall ad acta legen wird. Peer beginnt seine eigenen Ermittlungen und die Reaktionen im Dorf sind entweder für ihn oder gegen ihn und seine „dummen“ Fragen. Hat man ihn vielleicht schon als nächstes Opfer auserkoren? Oder entspringen all diese Überlegungen vielleicht nur seinem mit der neuen Situation überforderten Kopf. Aber die Anzeichen mehren sich, dass seine Überlegungen nicht von der Hand zu weisen sind und die unbequemen Fragen letztlich auch ihn selbst in Gefahr bringen.

Wie schon gesagt, ist der Kriminalfall nicht das Spannendste an diesem Roman. Vielmehr ist dies die sehr genaue Beobachtung der involvierten Charaktere und eine vielleicht manchmal ein klein wenig überzeichnete Darstellung der Personen. Aber durch diese spitze Feder wird besonders fein herausgearbeitet, wie das Leben auf dem Dorf, hier in Vertikow, und sicher auch anderswo funktioniert. Mindesten ebenso lesens- und erfahrenswert ist aber die Befindlichkeit des Menschen, der plötzlich sein ganzes Leben neu daraufhin ausrichten muss, dass er es alltäglich mit und in und aus einem Rollstuhl bewältigen muss.

Wer Spannung und Humor und die norddeutsche Mentalität mag, ist hier bestens bedient. 

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Tags: autounfall, dorfleben, hobbydetektiv, mecklenburg, orgelspiel, rollstuhlfahrer   (6)
 

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111 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 83 Rezensionen

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Die unbekannte Schwester

Theresa Prammer
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783471351390
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Carlotta Fiore, gescheiterte Opernsängerin und relativ erfolglose Kaufhausdetektivin hat es endlich geschafft. Nach zwei Fällen/ Romanen ist sie als Quereinsteigerin bei der Kripo in Wien angekommen, zusammen mit der Wiedereinstellung von Konrad Fürst, ihrem Vater. Diesen hat sie im ersten Band „wiedergefunden“ obwohl sie ihn nicht wirklich gesucht hat.

Carlotta wird von den Kolleginnen und Kollegen der Abteilung nicht gerade freundlich empfangen, sie wird mit Missgunst und Neid konfrontiert und falsch kolportierte Gründe für ihre Einstellung tun ein Übriges für ein ganz schlechtes Klima untereinander.
Der erste Fall für die beiden Neuen ist der Tod einen Journalisten, am Tatort findet sich ein Notizzettel, auf dem deutlich Carlottas Name steht. Leider kann sie sich dieses Beweisstück nicht aneignen, ein Kollege der Streifenpolizei war schneller. Die Beweisaufnahme am Tatort wie auch die Berichte von Spurensicherung und Gerichtsmedizin tendieren zu einem Suizid und damit soll der Fall möglichst schnell abgeschlossen werden. Carlotta sieht in diesem vermeintlichen Selbstmord aber die Vertuschung eines Mordfalls, weswegen sie alles daransetzt, dass weitere Ermittlungen stattfinden.  Die Hindernisse, die sie aus dem Weg räumen muss, sind schon sehr massiv und auch ihr Vorgesetzter will ihr Ermittlungen entziehen.
Es geht um brisante journalistische Recherchen, um eine alte Nachbarin als Zeugin, der man einfach nicht glauben will und um eine geheimnisvolle weibliche Besucherin, die den Toten kurz vor seinem Ableben noch aufgesucht hat.

Immer wieder werden diese aktuellen Ereignisse mit den persönlichen Lebensumständen von Carlotta und ihrer durchaus komplizierten Vergangenheit verwoben und da beginnt sich ein wenig Kritik bei mir zu rühren. Für meinen Geschmack nehmen diese Ereignisse einen zu großen Raum im Buch ein, der eigentliche Krimi tritt in den Hintergrund. Zeitweilig habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt einen Krimi lese.  In einer anderen Rezension habe ich gelesen, dies sei eigentlich eine Zusammenfassung von Carlottas Geschichte aus den beiden Vorgängerbänden. Das kann ich nicht wirklich beurteilen, da ich den zweiten Band nicht kenne. Aber so abwegig scheint mir diese Einschätzung nicht zu sein.

In den „Wiener Totenliedern“ habe ich den morbiden Charme, der sowohl zum Handlungsort Theater als auch zur Stadt Wien hervorragend passte, sehr genossen. Von dieser Stimmung habe ich in diesem Band leider nichts mehr wiedergefunden, das habe ich als sehr schade empfunden und deshalb kann ich diesen Band auch nur halbherzig zum Lesen empfehlen.
Sicher war ein gewisser Spannungsbogen da und die Neugier auf die Lösung sorgte dafür, das Buch bis zum Ende zu lesen. Aber zu mehr als drei Punkte kann ich mich nicht durchringen.

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Tags: mord, suizid, vertuschung, wien   (4)
 

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103 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 78 Rezensionen

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Weit weg ist anders

Sarah Schmidt
Flexibler Einband: 261 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 06.03.2017
ISBN 9783458362562
Genre: Romane

Rezension:

Edith aus Berlin, Christel aus Husum, beide siebzigjährig, lernen sich während einer Reha auf Usedom kennen. Christel möchte doch einfach nur nett sein, doch die etwas kratzbürstige Edith will eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. Mehr oder minder zwangsläufig raufen sich die beiden dann doch zusammen. Edith weiß, dass sie zurück in ihre Wohnung und nach der Reha ihr selbstbestimmtes Leben wieder aufnehmen kann. Bei Christel ist das so selbstverständlich nicht, ist sie doch schwer krank und zumindest nach Meinung ihrer gluckenhaften Tochter dazu nicht mehr im Stande. Aber – sie möchte auch noch ihre eigenen Entscheidungen treffen und sich nicht in ihr Leben hineinreden lassen.

Christel hat Edith nach Husum eingeladen und weil in der Berliner Wohnung gerade eine Handwerker-Attacke stattfindet, tritt Edith die Flucht an und reist in den Norden. Dort reift der Plan der beiden, gemeinsam auf eine Reise zu gehen, auch wenn dies mit vielen Vorbehalten geschieht. Immerhin gibt es da auch noch das liebe Geld, mit dem Christel großzügig versorgt ist, Edith dagegen muss sich ihre Finanzen einteilen. Auch wenn klar ist, dass Christel für die wesentlichen Kosten der reise aufkommen wird, schließlich braucht sie die Begleitung und manchmal Hilfestellung einer anderen Person. So gibt es über die finanzielle Situation, aber auch viele andere Themen immer wieder Gelegenheiten für  heftige Meinungsverschiedenheiten.

Als Leser/in erleben wir in diesem Buch das Altsein mit sehr vielen und unterschiedlichen Facetten. Vor allem aber zeigt es auch, dass ältere und nicht mehr so selbstständige Menschen nicht bevormundet werden wollen. Auch wenn die körperliche Kraft langsam schwindet, ist doch das eigene Denken nicht am Ende und die  Menschen sind durchaus zu eigenen Entscheidungen fähig.

Dieser Roman ist eine wohl komponierte Mischung aus Humor und Tiefgang. Sarah Schmidt erzählt die Geschichte von Edith und Christel mit sehr viel Situationskomik, beispielsweise wenn die beiden eine Spielbank besuchen. Doch sie findet auch für eine ausgiebige Reflektion dieses Lebensabschnittes die richtigen Worte.

Vielleicht hatte ich zu sehr „Heiterkeit“ erwartet und brauchte deshalb ein wenig längeres Nachdenken über den Roman. Mittlerweile glaube ich, dass sich die Geschichte so oder ähnlich täglich in unserer Nachbarschaft abspielen könnte und wir gut daran tun, manchesmal ein wenig genauer zu schauen. Wie beispielsweise der Briefträger in Berlin, der für mich neben den beiden Protagonistinnen eine bemerkenswerte Figur ist.

Sehr gelungen und zur Lektüre empfohlen, auch wenn man sich an den Personen reiben kann.

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Tags: alter, berlin, deutschlan, husum, pflegebedürftigkeit, reha, reisen, usedom   (8)
 

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324 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 112 Rezensionen

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Die fremde Königin

Rebecca Gablé , Jürgen Speh
Fester Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 27.04.2017
ISBN 9783431039771
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die fremde Königin

„… erzählt einen Abschnitt der deutschen und europäischen Geschichte dessen Spuren noch heute sichtbar und Teil unserer politischen Realität sind. Ich finde es wichtig, zu verstehen, wie wir wurden, wer wir sind. Dieser Roman will zur Beantwortung dieser Frage beitragen, aber keinen völkischen Schwachsinn transportieren.“

Diesen Anspruch an sich selbst formuliert Rebecca Gable im Nachwort ihres Romans, in dem sie natürlich auch wieder sehr detailliert erzählt, welche Handlungseckpunkte und Personen historisch belegt sind und wo und wann sie ihrer Fantasie freien Lauf gelassen hat.
Die Landkarte im vorderen und der Stammbaum im hinteren Vorsatz helfen sehr, wenn die eigene Orientierung gerade in den ersten Abschnitten noch mal ins Trudeln gerät ob der vielen Namen und Figuren, die man kennenlernt.
Dieser Fortsetzungsband zu „Das Haupt der Welt“ beginnt im Jahr 951 und führt uns in mehreren Zeitabschnitten bis in das Jahr 962.
Adelheid, die Witwe des Königs von Italien, wurde in Garda eingekerkert, bei ihr ihre noch sehr junge Tochter und die Dienerin Anna. Und Gaidemar, ein Bastard, der über seine Herkunft so gut wie gar nichts weiß, aber falsche Vermutungen hegt, soll den heimlichen Plan zur Befreiung der Königin ausführen.
Natürlich verliebt sich der junge Panzerreiter (das waren schwer bewaffnete Reiter, die bereits wie die späteren Ritter Rüstungen aus Metall trugen) in Adelheid, aber ebenso natürlich weiß der geübte Leser von Rebecca Gable, dass diese Verbindung viel zu einfach wäre. Adelheid heiratet – zunächst aus politischen Erwägungen – Otto den Ersten, König des Ostfränkischen Reiches. Adelheid ist eine Frau ihrer Zeit und dieser doch auch weit voraus. Zwar zieht sie nicht direkt mit in die diversen Schlachten, aber sie hat doch ihren Anteil an den Ereignissen und ist für Otto eine wichtige Ratgeberin, wenn nicht sogar die wichtigste.
Gaidemar befehligt Adelheids Leibwache und ist ihr Vertrauter, auch wenn Otto dieses Zusammenspiel zunächst wenig gefällt. Das wird sich im Verlauf des Buches ändern.
Neben vielen neuen Personen treffen wir auch einige Charaktere aus dem ersten Band wieder und zum Ende hin kennt Gaidemar auch seine eigene Herkunft und Geschichte. Dazwischen liegt ein lebhaftes Jahrzehnt, das typisch für diese Zeit geprägt ist von kriegerischen Auseinandersetzungen und ständig wechselnden Koalitionen. Bündnisse von heute haben möglicherweise morgen schon keinen Bestand mehr. Der Hof war eigentlich ständig auf Reisen zwischen seinen verschiedenen Herrschaftssitzen. Welche Riesenunternehmungen das aus heutiger Sicht waren, das lässt sich nur mühsam erahnen. Der Roman lebt neben dem historischen Rahmen natürlich von den für einen Historienschmöker im besten Sinne notwenigen Themen wie Freundschaft und Liebe, Hass und Hinrichtungen und jeder Menge Intrigen.

Wer historische Romane im Allgemeinen und Rebecca Gable im Speziellen mag, ist hier wieder bestens bedient und beraten.
Fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung, anders kann ich auf diese Buch nicht antworten.

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Tags: deutsche geschichte, mittelalter, ottonen, panzerreiter   (4)
 

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

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Wer die Hunde weckt

Achim Zons
Flexibler Einband: 399 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 16.02.2017
ISBN 9783406704086
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

David Jakubowicz arbeitet als Auslandskorrespondent für eine große deutsche Zeitung. Als er im Auto der Amerikanerin Sandra Brown, Mitarbeiterin der CIA, einen Unfall nur knapp überlebt, wird ihm sehr schnell klar, dass Sandra Brown und er Opfer eines Anschlags geworden sind, den die Amerikanerin nicht überlebt hat. Von ihr sollte David brisantes Material über eine geplante politische Aktion in Afghanistan erhalten …
David gelingt es, sich vom Ort des Anschlags zu entfernen und seine Verletzungen im Krankenhaus behandeln zu lassen. Gleichzeitig verfolgt er so gut es geht, die Nachrichtenlage in der Welt und erfährt von einem Bombardement in Afghanistan. Ein deutscher Offizier hat am Fluss Taloqan durch die Amerikaner zwei Lastwagen bombardieren lassen, angeblich wollten die Taliban mit diesen Fahrzeugen einen Anschlag auf das dortige deutsche Lager verüben. Um die deutschen Soldaten zu schützen, blieb dem Kommandant keine andere Wahl.
Ob das wirklich so war, daran bekommt der Kommandant Robert Westphal massive Zweifel, als er auf den Bildern vom Tatort kleine Hände, kleine Füße entdeckt. Hat hier jemand, und wenn ja, wer, ein böses Spiel mit ihm gespielt? Westphal setzt sich sofort nach Deutschland ab …
Obwohl in einem anderen Jahr und an einem anderen Ort, erinnert doch vieles an die Geschehnisse in Kundus im Jahr 2009.
Auch David reist umgehend nach Deutschland, um Robert Westphal zu finden und persönlich zu den Vorgängen zu befragen, sein Jagdinstinkt nach der großen Schlagzeile ist geweckt.
Die Chefredaktion der großen deutschen Tageszeitung, für die David schreibt, sieht in der Story eine letzte Chance für das Blatt, das durch wirtschaftlich schwierige Zeiten trudelt. Westphal wurde von David gefunden und interviewt, macht aber eine Zustimmung zur Veröffentlichung seiner Kenntnisse von der Zahlung einer hohen Geldsumme abhängig.
Und dann schalten sich deutsche Geheimdienste und das Verteidigungsministerium ein. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel um die Wahrheit und in den Augen der beteiligten Personen und Institutionen gibt es sehr verschiedene Auffassungen von Wahrheit. Sehr deutlich wird, dass die wirkliche Wahrheit nichts mit der Wahrheit zu tun hat, die wir Normalbürger tagtäglich in den Nachrichten, sei es in Zeitungen oder in Funk und Fernsehen, erfahren dürfen.
Für mich sehr glaubhaft schildert der Autor Achim Zons diese schmutzigen „Geschäfte“ und einmal mehr bestätigt sich die Vermutung, dass die Auslandseinsätze aller westlichen Staaten beispielweise im nahen Osten, beispielsweise in Afrika, keineswegs dazu dienen, die Zivilbevölkerung in den betroffenen Regionen zu schützen. Vielleicht am Rande, aber wirklich wichtig und entscheidend in den Augen der Akteure sind ganz andere Aspekte.
Achim Zons erzählt seinen Roman aus wechselnden Perspektiven und trifft sehr genau immer jenen Punkt, an dem der Wechsel dieser Perspektiven zu erfolgen hat. Die dadurch erzeugte Spannung wird recht gut durchgehalten, selbst wenn der Autor sich an einigen Stellen in Nebensächlichkeiten verliert.

Wer politisches Weltgeschehen auf andere Weise erfahren will, ist mit diesem Buch bestens bedient und wird vielleicht seine eigenen Meinung damit schärfen. Für diese Leser empfehle ich den Roman ohne Einschränkung.

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Tags: afghanistan, amerikanisches militär, bombardierung von zwei tanklastwagen, deutsche bundeswehr, geheimdienste, zeitungswesen   (6)
 

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

brandenburg, erbe, erbschaft, familie, familiengeheimnis, familiengeheimnisse, familiengeschichte, flucht, geschichte, geschwister, krieg, nachkriegszeit, ostpreußen, roman, wende

Altenstein

Julie von Kessel
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 10.03.2017
ISBN 9783463406770
Genre: Romane

Rezension:

Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut, leider blieb es beim Lesen nur noch bedingt bei dieser Vorfreude.
Dabei hat das Buch eigentlich alle Komponenten, um aus dem Stoff einen spannenden Schmöker zu machen.
Das alles ist vorhanden:
Eine Großfamilie von Adel, die in den letzten Kriegsmonaten nach Westen flieht und in Bonn ein neues Zuhause findet.
Eine ausgesprochen starke weibliche Protagonistin, insgesamt 10 Geschwister aus unterschiedlichen Ehen und Beziehungen sowie ein stattliches Anwesen im Brandenburgischen.

Nach einigen Wirren der Flucht findet die Familie wieder zusammen und nach dem Fall der Mauer versucht Konrad, einer der Söhne, den früheren Familiensitz auf verschiedenen Wegen zurückzugewinnen. Das gelingt ihm nach einigen Schwierigkeiten, allerdings nur bedingt. Denn das Gutshaus wurde bereits früher verkauft, umliegende Wälder kann er schließlich mit dem geliehenen Geld einer der Schwestern erwerben. Aber damit sind die kommenden Probleme auch schon vorprogrammiert.

Positiv zu nennen ist auch ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und vor allem eine Namensauflistung, aus der das nicht leicht zu durchschauende Familiengeflecht erkennbar wird. Einige Figuren und Charaktere sind gut und pointiert herausgearbeitet, andere bleiben vielleicht auch mit Absicht eher schwach und ein wenig verschwommen.

Und die Autorin erzählt die Familiengeschichte auf unterschiedlichen Zeitebenen und auch nicht immer aus dem gleichen Blickwinkel. Und da fängt mein Unmut an. Hier wird  so munter hin und her gesprungen – in den Zeiten, in den Jahren, bei den Personen, dass ich es als ein deutliches Zuviel des Guten empfunden habe. Obwohl gerade diese Erzählweise mich in der Regel sehr reizt und ich mich durchaus als eine geübte Leserin dieses Genres verstehe, wusste ich hier manchesmal nicht mehr so ganz genau, wann und wo ich mich eigentlich gerade befinde.

Und in der Regel kann ich nach einem Buch dieser Art immer sagen, dass ich wieder etwas dazugelernt habe über unsere Geschichte. Das muss nicht viel sein und nicht groß. Es reicht manchmal ein kleines Detail oder eine neue Sichtweise von bereits Bekanntem. Aber auch das fehlt hier völlig, da so viele Informationen zwar angerissen, aber nicht vertieft werden und schon gar nicht mit wirklichen Hintergrundinformationen versehen sind.

Und das ist schade, das schmälert das Lesevergnügen doch ein wenig und lässt mich für dieses Buch deshalb nur bedingt eine Empfehlung aussprechen.

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Tags: bonn, brandenburg, einteignung und rückgabe, familiengeschichte, flucht 1945, treuhand   (6)
 

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197 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 73 Rezensionen

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Unsere Seelen bei Nacht

Kent Haruf , pociao
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 22.03.2017
ISBN 9783257069860
Genre: Romane

Rezension:

Ein kleines und sehr feines Buch, über dessen Gewinn ich mich sehr gefreut hatte, kam aus dem Umschlag und nahm mich ein zweites Mal schon mit ersten Sätzen völlig gefangen. Das erste Mal war das mir bei der Leseprobe passiert.
Noch immer stelle ich mir den Anfang des Buches in meinem Umfeld vor und finde keine Person, der ich dieses „Abenteuer im Alter“ zutrauen würde.

Eines Abends nimmt Addie all ihren Mut zusammen und klingelt bei Louis, einem flüchtigen Bekannten aus der nächsten Nachbarschaft. Ihr Wunsch und ihre Frage an Louis klingen im ersten Moment so ungewöhnlich, doch schon sehr schnell beim Lesen des Buches scheint dies eine ganz natürliche Möglichkeit zu sein, Freundschaft zu schließen und die mögliche Einsamkeit des Alters zu überwinden. 

Seit Addie verwitwet ist, kann sie nicht mehr gut schlafen. Nachts lassen sich die Gedanken nicht verscheuchen und die Einsamkeit beschwert sie zusätzlich. Ihr Wunsch, es möge doch nachts wieder ein Mensch neben ihr liegen und mit ihr reden, klingt eigentlich nicht ungewöhnlich. Aber dass sie diesen Wunsch ohne drumherum zu reden, einfach so ihrem ebenfalls verwitweten Nachbarn präsentiert, ist doch nicht alltäglich und so nimmt es nicht wunder, dass Louis zunächst sprachlos reagiert. Doch Addie macht ihm auch sofort deutlich, dass sie dabei keinerlei erotischen Gedanken hegt, ihr geht es einzig und allein um das Gespräch und noch mehr um das Gefühl, nicht allein zu sein. Gerade und besonders in der Nacht.

Nach ein paar Tagen ist Louis bereit für einen Versuch und siehe da, beiden gefällt dies Arrangement gut. Es tut ihnen einfach gut, mit einem Menschen zu reden, dabei das eigene Leben zu reflektieren und auch sich selbst gegenüber zuzugeben, wo man entscheidende Fehler gemacht hat. Und da sich andere Menschen in der Nachbarschaft schon nach wenigen Tagen das Maul zerreißen, sind Addie und Louis der Meinung, dass er dann auch ganz normal abends durch die Vordertür kommen kann. Die ersten Abende wählte er noch den Weg über die Gärten und durch den Hintereingang. Aber das, was die beiden Protagonisten teilen, geht erstens niemanden etwas an und darf zweitens jeder wissen.

Im Verlauf der Geschichte spielen Addies Enkel Jamie und der Hund Bonny eine ganz wesentliche Rolle, beide leben eine Zeitlang in den beiden Haushalten und spornen die beiden Alten zu ungewöhnlichen Unternehmungen an. Alle Beteiligten genießen ihr „neues“ Leben und wären da nicht Tratscherei und Missgunst, könnte es gerne so bleiben. Dabei sind die Nachbarn noch nicht einmal die Schlimmsten. Noch viel dümmer und unangemessener fand ich die Reaktion der Kinder, insbesondere von Addies Sohn Gene. In ihm zeigt sich ein Wesenszug, den ich einfach nur verwerflich gegenüber der eigenen Mutter finde.

Dieses Buch möchte ich allen „Alten“ ans Herz legen und ihnen sagt, habt den Mut für Euer Leben und Eure Wünsche die Verantwortung zu übernehmen. Steht dazu. Und den jüngeren Lesern empfehle ich es, damit sie (wir) erkennen, dass wir nicht zu den Erziehungsberechtigten unserer Eltern werden, nur weil diese die 70 bereits überschritten haben.

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Tags: alter, einsamkeit, enkel, hunde, liebe, miteinander reden, zuneigung   (7)
 
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