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60 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 40 Rezensionen

fliegen, pilotinnen, frauenbewegung, historischer roman, frauen

Unsere Hälfte des Himmels

Clarissa Linden
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 10.01.2017
ISBN 9783426519011
Genre: Romane

Rezension:

Bei diesem Roman versprachen die Beschreibung und die Leseprobe etwas mehr, als das Buch zumindest anfangs halten konnte.
Wer allerdings das Durchhaltevermögen aufbringt und die ersten 180/ 200 Seiten wirklich liest, wird dann doch durch stetig wachsende Spannung und eine recht gute Geschichte belohnt. Wie gut, dass ich diese Rezension schreiben musste, daher durfte ich meinem anfänglichen Wunsch, mit der Lektüre aufzuhören, nicht nachgeben.
Durchhaltevermögen und Stärke mussten auch die Frauen beweisen, die in 20er und 30er Jahren Fliegerinnen waren bzw. werden wollten.
So wie Amelie und ihre beste Freundin Hanni. Ihre Geschichte spielt im Jahr 1935 und bereits erreichte Frauenrechte bzw. Frauenfreiheiten werden von den Nationalsozialisten sukzessive wieder zurückgedrängt. Amelie und Hanni wollen sich diesen gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit nicht unterordnen und ihren Traum von Fliegen leben und sie wollen auch davon leben, sprich: damit Geld verdienen. Beide bewerben sich heimlich in Berlin bei der Bücker Flugzeugbau GmbH um einen Ausbildungsplatz. Wenn alles klappt, dann wollen sie gemeinsam nach Berlin gehen und auch zusammen dort wohnen. Ein Gedanke, den sich anfangs beide verbieten, ist die Frage, was passieren wird, wenn nur eine von ihnen eine Zusage bekommt. Aber schneller als erwartet tritt ein Mann in Amelies Leben, ausgerechnet der Fluglehrer ihre besten Freundin. Ab diesem Moment gibt es Geheimnisse zwischen den beiden und die Freundschaft droht daran zu zerbrechen.
Ein zweiter Handlungsstrang spielt im Jahr 1971 und hier ist Amelies Tochter Lieselotte die Protagonistin. Lieselotte ist verheiratet, lebt in Kassel und erfährt durch einen Telefonanruf, dass ihre Mutter einen Unfall erlitten hat und in einem Frankfurter Krankenhaus im Koma liegt. Obwohl das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter nie besonders herzlich war, reist Lieselotte nach Frankfurt und quartiert sich für einige Tage in der Wohnung der Mutter ein. Im Krankenhaus erfährt sie, dass Koma-Patienten wahrscheinlich hören und fühlen, was um sie herum passiert, auch wenn es dafür keine erkennbaren Reaktionen gibt. Ihr wird nahegelegt, der Mutter vorzulesen und über Dinge zu sprechen, die schöne Erinnerungen wecken können. Von dieser Aufgabe ist Lieselotte völlig überfordert und so beginnt sie, in den Schränken der Mutter nach Aufzeichnungen oder Fotos zu suchen. Denn, das stellt sie mit Erschrecken fest, sie weiß noch weniger über Leben und Vergangenheit der Mutter, als ihr bewusst ist. Bei ihrer Suche nach Amelies Vergangenheit hilft ihr deren Nachbarin Marga, eine junge Studentin, die Lieselotte eher befremdlich findet und sich wundert, dass zwischen Mutter und Nachbarin ein freundschaftliches Verhältnis besteht. Erst durch Marga beginnt Lieselotte neben den Recherchen auf Amelies Spuren auch ihr eigenes Leben und ihre Ehe zu hinterfragen.
Beide Frauenfiguren, Amelie und Lieselotte, leben in Zeiten, die Frauen neben den allgemeinen politischen Ereignissen auch als Umbruchzeiten erlebten. 
Nach den anfänglichen Längen ist dies ein Roman, der zeitgeschichtliche Ereignisse mit dem Schicksal von Menschen geschickt verbindet. Und auch neugierig machen kann, von weiteren Fliegerinnen und deren Leben als Pionierinnen zu lesen. Und der einmal mehr deutlich aufzeigt, welch menschenverachtende Mächte in den Jahren des Nationalsozialismus am Werk waren.

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Tags: berlin, emanzipation, fliegerinnen, frankfurt, nationalsozialismus, pilotinnen   (6)
 

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390 Bibliotheken, 28 Leser, 2 Gruppen, 53 Rezensionen

david hunter, thriller, simon beckett, england, totenfang

Totenfang

Simon Beckett , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 14.10.2016
ISBN 9783805250016
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Gut Ding will Weile haben“ sagt das Sprichwort nicht ohne Grund.

Es gibt viele Dinge, die immer besser werden, je mehr Zeit für das Gutwerden man ihnen einräumt. Das gilt auch und im Besonderen für Bücher, obwohl  das Gefühl dafür leider immer mehr verloren geht.
Auf dieses Buch trifft dieser Satz ohne Einschränkungen zu. Simon Beckett hat sich nach dem letzten Roman der David-Hunter-Reihe Zeit gelassen, gute sechs Jahre liegen zwischen dem Vorgänger und dem jetzt erschienenen fünften Band „Totenfang“. Bei den letzten Bänden wurden leichte Ermüdungserscheinungen sichtbar und die Lesefreude nahm an. Jetzt ist sie mit Macht zurückgekehrt und ich habe „Totenfang“ mit der gleichen Atemlosigkeit gelesen wie seinerzeit „Die Chemie des Todes“.
Die beruflichen Aussichten Dr. Hunters sind zur Zeit nicht die besten, seine Anstellung an der Uni scheint gefährdet und auch die Polizei greift seltener auf seine Hilfe als forensischer Anthropologe zurück.
Auf der Fahrt zu einem Wochenendaufenthalt bei Freunden stolpert Dr. Hunter sozusagen in seinen nächsten Fall hinein – und findet eine Leiche. In einem unwirtlichen Mündungsgebiet an der Küste von Essex, den Backwaters, ereilt ihn eine Autopanne, die noch Folgen haben wird. Hilfe sucht er bei einer Familie, die ihm die Unterstützung zwar nicht verweigert, aber es an der notwendigen Höflichkeit und Freundlichkeit fehlen lässt.
Dr. Hunter versteht dieses Verhalten erst, als er erfährt, dass die Ehefrau und Mutter der Familie seit einigen Monaten vermisst wird. Aber da ist es zum Teil schon zu spät, seine Verstrickung in den Fall steht in ständigem Widerstreit zu seinen beruflichen Aufgaben und der Arbeit für die Polizei.
Wie man es von Simon Beckett gewohnt ist, beschreibt er den Zustand und die Veränderungen von  Wasserleichen sehr detailliert ohne dass es für den Leser eklig wird. Man erfährt, wann und warum sich nach und nach Körperteile wie Hände und Füße, später auch der Kopf vom Torso lösen. Welche Einflüsse hat die Natur? Die Wassertemperatur, Ebbe und Flut, der auch ohne Wasser schon sehr komplizierte Verwesungsprozess gehen hier eine Verbindung ein, die kaum sichere Aussagen über den Todeszeitpunkt und die näheren Umstände des Todes erlauben. Doch diese Leiche bleibt nicht die einzige, ist eine davon der ebenfalls seit Wochen verschwundene Leo Villiers? Dr. Hunter hegt daran Zweifel, aber der Vater von Leo lässt eine wahre Armada von Anwälten tätig werden, damit der Tod seines Sohnes festgestellt wird. Wohlgemerkt festgestellt, nicht aufgeklärt.
Dieses Verhalten und weitere recht eigenwillige Figuren treten nach und nach auf und tragen neben dem unwirtlichen und teilweise bedrohlichen Wetter zur immer weiteren persönlichen Verstrickung Dr. Hunters in den Fall bei, was wiederum sein Verhältnis zur Polizei sehr belastet. Er will es lange nicht wahrhaben, aber er befindet sich in akuter Gefahr.
„Totenfang“ ist spannend von Anfang an und trotzdem gelingt es Beckett, diese Spannung von Seite zu Seite noch zu steigern.  Die letzten 200 Seiten musste ich am Stück lesen, eine Pause hätte ich nicht mehr geschafft.
Diesem Buch gebe ich eine absolute Leseempfehlung!

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Tags: backwaters, david hunter, england, entführung, erpressung, wasserleichen   (6)
 

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228 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 84 Rezensionen

familie, liebe, anna mcpartlin, homosexualität, roman

Irgendwo im Glück

Anna McPartlin , Sabine Längsfeld
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 26.08.2016
ISBN 9783499272233
Genre: Romane

Rezension:

Zugegeben – bislang hat mich diese Autorin nicht so sehr angesprochen, aber mit diesem Roman hat sie mich nicht nur total überrascht, sondern auch begeistert.

„Irgendwo im Glück“ sein, mehr möchte Jeremy nicht, aber diesen Moment, diesen Raum zu finden, das ist nicht so einfach. Schon gar nicht wenn man Teenager ist und sich die eigenen Lebensumstände ganz anders ausmalt.
Jeremy ist 16, mit seiner jüngeren Schwester lebt er bei seiner Mutter Maisie Bean, die den gewalttätigen Ehemann und Vater vor Jahren endlich verlassen hat und es so gerade schafft, mit zwei Jobs sich und ihrer kleinen Familie ein einigermaßen normales Leben zu gestalten. Große Sprünge können sie nicht machen, das Geld ist immer knapp, aber sie haben sich eingerichtet in ihrem Leben und sind (meistens) zufrieden.
Jeremy kümmert sich immer dann, wenn seine Mutter aus dem Hause ist, liebevoll und  verantwortlich um die demente Großmutter Bridie, die mit ihnen im Haushalt lebt und keinesfalls mehr allein bleiben kann.
In dieser doch einigermaßen stabilen Situation geschieht Unfassbares. Jeremy ist plötzlich verschwunden, gemeinsam mit seinem besten Freund Rave. Keiner der Clique, mit der die beiden stets zusammen waren, hat eine Erklärung und so wird schließlich eine polizeiliche Untersuchung eingeleitet. Taucher suchen den nahen Stausee ab, finden aber nichts. Lediglich das Fahrrad, mit dem die beiden Jungen unterwegs waren, wird nach einigen Tagen in einem Gebüsch gefunden.
Die Medien stürzen sich auf den Fall, am Ende tritt Maisie sogar im Rahmen einer Polizeipressekonferenz auf und appelliert an mögliche Entführer, ihren Sohn gehen zu lassen. 

Ausgesprochen geschickt finde ich die Erzählweise der Autorin. Das Buch beginnt mit einem Prolog, in dem wir Leser teilnehmen an einer Lesung der Autorin Maisie Bean, die die Geschichte ihres Sohnes, seines Verschwindens, der Suche und der Sorge einer ganzen Familie und Region vor 20 Jahren erzählt. Und an gleicher Stelle bei der gleichen Gelegenheit finden wir uns am Ende im Epilog wieder, der letztlich ein flammendes Plädoyer der Autorin – und der Mutter von Jeremy - an das Publikum und auch an uns, die Leser des Romans, darstellt.
Die Geschichte beginnt am ersten Januar 1995 und endet nach nur wenigen Tagen. Was in diesen Tagen geschieht, wird immer wieder aus wechselnden Perspektiven der beteiligten Personen geschildert. Damit erleben wir auch hautnah, wie verschieden Menschen über ein gleiches Detail oder eine gleiche Handlung denken können.
Dadurch ist der Autorin ein Buch zu einem heiklen Thema auf stellenweise sogar leichte Art gelungen, immer allerdings mit einer großen Spannung versehen, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Wer die Autorin bereits kennt, sollte auf dieses Buch keinesfalls verzichten. Er wird aufs Angenehmste überrascht sein.

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Tags: drogen, entführung, familie, homosexualität, verschwinden   (5)
 

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143 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

krebs, liebe, tod, freundschaft, krankheit

Das Leben drehen

Nicole Walter
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2012
ISBN 9783426510612
Genre: Romane

Rezension:

Plötzlich war da dieser Hut in ihrem in ihrem Zimmer, vor ihrem Schreibtisch.

Und unter diesem Hut Amelie. „Ich bitte sie um ihren Mann. Nicht für lange. Ich werde sterben“. Das hatte sie gesagt und für Marlene stürzt mit diesen Worten eine bislang als heil geglaubte Welt zusammen.
Marlene, Ärztin in der Onkologie, ist verheiratet mit Markus, einen erfolgreichen Fotografen. Beiden fordert der Beruf viel Zeit ab und beide gehen in ihren jeweiligen Aufgaben auf. Und plötzlich diese Erkenntnis: Markus betrügt mich, ich habe nichts bemerkt! Habe ich wirklich nichts bemerkt?

Marlenes Gefühle fahren Achterbahn. Ihr ganzes Weltbild ist aus den Fugen geraten und ihr eigenes Leben erst recht. Sie hat einige Baustellen in ihrer Vergangenheit, die sie jetzt wie ganz selbstverständlich wieder einholen, denen sie sich allerdings erstmals mit einer gewissen Bereitschaft stellt. Nach anfänglicher Hilflosigkeit ist Marlene bereit, Amelie als Patientin auf ihrer Station zu akzeptieren und will mit ihr gemeinsam um das Leben der jungen Frau kämpfen. Markus entpuppt sich als ganz offensichtlicher Feigling, als er von Amelies Krankheit erfährt, reagiert er mit Flucht. Soweit die rein äußerlichen Fakten, das Innenleben aller Beteiligten aber ist sehr viel tiefer betroffen und auch vielschichtiger, als es sich in diesen Äußerlichkeiten zeigen kann.
Amelie und Marlene empfinden im Laufe der Geschichte mehr und mehr Freundschaft für einander und es gelingt Amelie, Gedanken bei Marlene aufzurufen, denen diese sich bislang beharrlich verweigerte. Jetzt setzt sie sich mit diesen ungeklärten Fragen und Beziehungen aus ihrem Leben, aus ihrer Vergangenheit auseinander und ist in der Lage, Lösungen anzustreben und auch zu finden.

Bis hierhin bleiben trotz der spannenden und auch anrührenden Geschichte die Charaktere ein wenig distanziert gegenüber der Leserin, das ändert sich allerdings mit dem Auftreten von Amelies Oma, bei der alle gemeinsam einige Zeit in der Toskana verbringen. Mit dieser Frau erlebt der Roman nicht nur in den Handlungen eine gewisse Wendung, sondern hier erscheint unter all den Figuren plötzlich ein richtiger Mensch auf der Bildfläche. Ein Mensch mit Ecken und Kanten, mit Lebenserfahrung und auch mit einer Einstellung zu Leben und Tod, von der wir uns alle eine Scheibe abschneiden können. Und eine Figur, die mit beiden Beinen auf der Erde steht und im Hier und Jetzt verankert ist.
Nicht zuletzt diese Figur hat mich dem bis dahin etwas sperrigen Buch versöhnt, ohne diese Oma hätte ich vielleicht irgendwann doch nicht weiter gelesen.

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Tags: ehebruch, freundschaft, krebestation, münchen, onkologie, rod, toskana   (7)
 

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

faber-castell, 19. jahrhundert, faber-castel, bleistiftfabrik, familiendynastie

Eine Zierde in ihrem Hause

Asta Scheib
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 23.08.2011
ISBN 9783499256608
Genre: Biografien

Rezension:

Es ist schon viele Jahre her, dass ich dieses Buch gelesen habe. Damals überlegte ich etwas despektierlich, ob ich ein Buch über „diese „Bleistifttante“ überhaupt lesen wollte.
Asta Scheib hat mich eines Besseren belehrt. Schon von den ersten Seiten an war ich fasziniert von dem lockeren, aber keineswegs flachen Schreibstil und von Seite zu Seite begeisterte mich der Faktenreichtum, der hinter diesem Roman steht und von einer gründlichen Recherche zeugt.
Erzählt wird die Geschichte der Ottilie von Faber, die mit gerade mal 16 Jahre von ihrem Großvater als Erbin und Nachfolgerin in der Firma bestimmt wird. In diesem Sinne wird sie fortan erzogen und in die Belange des damals schon recht erfolgreichen Unternehmens eingeführt.  Der Großvater verstirbt früh und Ottilie heiratet seinem Wunsch entsprechend der Grafen zu Castell. Dass sie entgegen den Gewohnheiten der Zeit ihren eigenen Namen behalten kann, hat noch der Großvater durchgesetzt und so nennt sie sich nun Ottilie von Faber-Castell. Tief verborgen in ihrem Inneren weiß Ottilie, dass diese Ehe falsch für sie ist. Aber es sollen viele Jahre vergehen, ehe sie sich befreit. Der Ehemann setzt alles daran, Ottilie aus der Firma drängen und auf den ihr und allen Frauen angemessenen Platz zu verweisen. Kinder, Küche, Kirche. Ottilie bekommt in dieser Ehe fünf Töchter und dann schließlich den lang ersehnten Erben. 
Sie hat mittlerweile einen anderen Mann kennengelernt und erreicht für sich den Punkt in ihrem Leben, an dem sie ihr eigenes Leben beginnen und leben will. Sie erwirkt die Scheidung, verliert ihr Erbe und jeglichen Kontakt zu ihren Kindern, aber sie weiß, dass diese Entscheidung für sie die richtige ist.
Historisch interessant wird dieser Roman vor allen dadurch, dass er nicht nur eine Seite des damaligen  Lebens erzählt. Mit dem Dienstmädchen Anna, die im Laufe des Buches zu einer Vertrauten von Ottilie wird, erleben wir auch das Leben der einfachen Leute im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das dadurch entstandene breite Bild dieser Zeit lässt uns den Roman nicht nur lesen, sondern in gewisser Weise auch erleben. Und wir erleben in der Person des Großvaters einen Unternehmer, der schon damals wusste, dass er seinen Wohlstand und sein privilegiertes Leben zu einem guten Teil seinen Angestellten und Arbeitern zu verdanken hat. Und der danach handelt.

Wie gesagt, es ist lange Jahre her, das ich dieses Buch gelesen habe; jetzt bin ich zufällig wieder darauf gestoßen und habe einige Passagen noch einmal gelesen. Es hat mich noch immer fasziniert und hat für mich als historisch-biografischer Roman weiterhin eine gewisse Bedeutung. Es liest sich flüssig und spannend und wird sicher alle begeistern, die Gefallen an starken Frauenfiguren und guten  und historisch interessanten Familiengeschichten haben.

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Tags: 19. jahrhundert, bleistiftfabrik, faber-castell, ottilie von faber-castell   (4)
 

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65 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

südtirol, krimi, commissario grauner, mord, ultental

Die Stille der Lärchen

Lenz Koppelstätter
Flexibler Einband
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 13.10.2016
ISBN 9783462047349
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein bizarres Bild erwartet den Commissario Grauner, als er in diesem einsamen Tal in Südtirol eintrifft.
Unweit des Dorfes St. Gertraud lehnt draußen bei den alten Urlärchen an einem dieser Stämme die Leiche eines 17jährigen Mädchens. Ein Mörder ist schnell gefunden, oder besser zwei Mörder.
Zum einen ist da der geständige Architekt Benedikt Haller, der erst vor kurzem in dieses einsame Tal gezogen und vom ersten Tag bis jetzt ein Außenseiter geblieben ist. Will er mit seinem Geständnis seinen Sohn schützen?  Michael, ein verhaltensauffälliger Jugendlicher, war Klassenkamerad des Opfers und vielleicht waren die beiden sogar befreundet? Die Dorfgemeinschaft, die ansonsten schweigt wie eine Wand, ist sich in dieser Sache aber ganz sicher. Der Michl war’s und ihn wollen sie dafür auch bestraft wissen. Die Erkenntnisse und auch die Arbeit der Polizei bedeuten ihnen nichts, ihre eigenen (Vor)-urteile sind wichtiger und mit Sicherheit auch richtiger. Entsprechend zäh gestalten sich die Befragungen und der Dorfgeistliche scheint auch eine sehr dubiose Rolle zu spielen. Zudem gibt es nach und nach immer mehr Hinweise auf ein gut 100 Jahre zurückliegendes Ereignis, mit dem der jetzige Mord irgendwie in Verbindung stehen soll.
Grauner und sein Kollege Saltapepe geben nicht viel auf das Geständnis Hallers. Zumal er alle weiteren Aussagen verweigert und sie an dieser Stelle einfach nicht weiterkommen.
Dass sie den Mord trotz all dieser Widernisse in wenigen Tagen aufklären, liegt zum einen an dem kriminalistischen „Näschen“ von Grauner, der neben seinem Beruf als Polizist im Nebenerwerb auch noch „Viechbauer“ ist und beide Berufe mit Leidenschaft und Herzblut ausübt. Es liegt aber auch an der oft anderen Einschätzung von Saltapepe, der als zwangsweise Zugezogener mit der Mentalität der Menschen in der Region oftmals seine Schwierigkeiten hat. Er kommt eigentlich aus Neapel, wurde in diese „hinterste Ecke“ in Südtirol zwangsversetzt und möchte manchesmal die Fälle lösen wie er das aus dem Süden her kennt. Da nimmt man schon mal schnell die Waffe zur Hand. Grauner dagegen ist Südtiroler durch und durch, er ist verwurzelt in der Gegend und versteht die Leute auf seine Weise einfach besser.
Diese beiden Charaktere, die, so scheint es stellenweise, auch ein wenig Gegenspieler und Konkurrenten sind, machen für mich den Reiz dieses Buches aus. An ihnen sieht man überdeutlich, dass Südtirol und das übrige Italien zwar verwaltungstechnisch ein Land sind. Im Leben und im Alltag Menschen ist das aber noch lange nicht angekommen.
Grauner und Saltapepe beißen sich jeder auf seine Weise in den Ereignissen fest, streiten sich aufs Feinste und finden sich doch immer in gemeinsamen Erkenntnissen wieder.
Die Lösung ist überraschend, aber doch logisch und was diesem Roman an Spannung durch Action vielleicht ein wenig fehlt, macht er durch die Spannung, die in den Charakteren steckt, allemal wieder wett.

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70 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

nsu, verfassungsschutz, düsseldorf, mord, thriller

Wolfsspinne

Horst Eckert
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 26.08.2016
ISBN 9783805250993
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: düsseldorf, nsu, raf, rauschgift, verfassungsschutz   (5)
 

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(22)

49 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

thriller, playground, mutterliebe, schweden, fantasie

Playground – Leben oder Sterben

Lars Kepler , Christel Hildebrandt
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492060462
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Was trifft für mich nach der Lektüre dieses Buches eigentlich zu? Letzteres sicher nicht, denn ich hatte ganz andere Erwartungen. Da ich schon einige Romane dieses Schreibduos kenne, war ich schon eher darauf eingestellt, etwas Ähnliches lesen zu können. Aber weit gefehlt und da mich das Buch auf seine ganz eigene Art gefesselt hat, ist auch das erste Attribut nicht zutreffend. Bleibe ich also bei „ganz gern gelesen“ und füge hinzu, auch mit großer Spannung gelesen.

Der Roman spielt auf zwei Ebenen, mit relativ kurzen Sequenzen in der realen Welt und sehr ausführlichen in einer fiktiven Welt. Und ob diese zweite Welt vielleicht doch real sein könnte, das werden wir nicht erfahren. Im Mittelpunkt steht Jasmin, die zu Beginn als Soldatin der schwedischen Armee im Kosovo kämpft und bei einem Einsatz schwere Verletzungen erleidet. Kurzzeitig ist sie klinisch tot, wird aber reanimiert. Diese kurze Zeitspanne erlebt Jasmin als eine Halluzination, die zeitlich eine ganz andere und viel weiterreichende Dimension darstellt als nur einige Minuten.
Jasmin redet immer wieder über dieses Erleben und wird damit als psychisch krank eingestuft. Sie wird behandelt und lernt in dieser Zeit, dass es besser ist, nicht auf ihren Erfahrungen zu beharren, wenn sie wieder in ein normales Leben zurückkehren  will. Jahre später, Jasmin ist aus der Armee ausgeschieden, hat inzwischen ein Kind, passiert das Gleiche wieder. Nach einem Autounfall, bei dem sie und auch ihr Sohn schwer verletzt werden, gerät sie wieder in diese fiktive Welt.
Sie weiß nun, dass sie sich die Erfahrungen nicht eingebildet hat und fasst nach ihrer „Rückkehr“ einen schwerwiegenden Entschluss. Um das Leben ihres Sohnes zu beschützen und zu retten, muss sie noch einmal in diese andere Welt zurückkehren.

Diese fiktive Welt des Nahtoderlebnis wird sehr ausführlich beschrieben, vieles daran erinnert an das heutige China und das ist sicherlich kein Zufall. In diesem anderen Erleben geht es um nichts mehr als das nackte Überleben. Die Minuten hier, in denen sich entscheidet, ob ein Patient reanimiert werden kann, weiten sich dort zu einem komplexen Geschehen in einer zeitlichen Dimension, die nicht zu fassen, aber in jedem Fall sehr viel größer ist. Zwischen dem Stillstand des Herzens und dem endgültigen Tod, nach dem eine Rückkehr nicht mehr möglich ist, haben die Betroffenen in dieser anderen Welt viele Möglichkeiten der Einflussnahme. Nur wenn sie die richtigen Entscheidungen treffen und die zahlreichen Kampfsituationen bestehen, haben sie eine Chance. In diesem Geschehen, in den Kämpfen, geht es brutal und blutig zu, zartbesaitete Gemüter sollten das vorher wissen, aber die Spannung hat mich immer weiter gezogen bis zum Schluss.

Playground ist ein ganz anderes Buch von Lars Kepler als die Erwartungshaltung vermuten ließ, aber auch ein ganz anderes Buch hinsichtlich des Themas.
Ich kann mich nicht erinnern, über das Thema Nahtoderfahrung schon einmal in einem Roman in so ausführlich und detailliert geschilderten Erlebnissen gelesen zu haben.

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Tags: chin, klinisch tot, nahtod, soldatin   (4)
 

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120 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

sylt, krimi, dora heldt, einbrüche, immobilien

Böse Leute

Dora Heldt
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 19.02.2016
ISBN 9783423260879
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer Dora Heldt kennt, wird auch diesen Roman von ihr mit Genuss lesen. Wer allerdings das erwartet, was als Genre auf dem Cover steht – Kriminalroman – wird das Buch nach der Lektüre möglicherweise ein wenig enttäuscht zur Seite legen.
Die Autorin bleibt ihrer bislang bekannten Linie treu und erzählt erneut eine kurzweilige Geschichte von der Insel Sylt und auch das Personal ist den Fans dieser Autorin nicht fremd.

Hauptkommissar a. D. Karl Sönnigsen ist seit kurzem pensioniert. Sein Nachfolger als Revierleiter ist in Karls Augen ein echter Reinfall und so nimmt es nicht wunder, dass Karl zusammen mit den Freunden Onno, Charlotte und Inge ein eigenes Ermittlerteam auf die Beine stellt, das fröhlich bei Kaffee und Kuchen drauflos ermittelt. Dabei versteht er es geschickt, selbst eigentlich so wenig Arbeit wie möglich zu erledigen und die verschiedensten Aufgaben an die drei anderen Hobbydetektive zu delegieren.

Natürlich hat das die „echte“ Polizei so gar nicht gern, was die Vier dort auf die Beine stellen. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich Karl Sönnigsen kräftig mit seinem in seinen Augen unfähigen Nachfolger Peter Runge anlegt. Diese mysteriösen Einbrüche können doch nicht so schwierig aufzuklären sein. Denn eingebrochen wird nicht in die Villen der Reichen und Schönen, sondern in die eher bescheidenen Häuser von Einheimischen. Und – es wird auch eigentlich nichts gestohlen außer sehr wenig Bargeld. Die Terassentüren bieten wenig Widerstand  und die Einbrecher hinterlassen stets große Unordnung.

Doch jetzt, beim letzten Einbruch, ist plötzlich ein Detail anders. Es gibt eine Leiche. Unfall oder Mord? Gibt es Zusammenhänge zum Einbruch? Diese und andere Fragen soll eine vom Festland hinzugezogene Kollegin von der Mordkommission klären. Eigentlich ist Anna eine alte Bekannte von Karl, doch auch sie ist nicht willens, ihre Erkenntnisse mit ihm und seinen Freunden zu teilen. Und nun wird Karl richtig bockig. Dann gibt er auch nicht mehr preis, was seine Rentnergang herausfindet.
Seine Nase erkennt immer noch die richtige unter den verschiedenen Spuren und so wundern sie Leser und Leserinnen nicht, dass am Ende ein siegreiches Quartett von Hobbyermittlern steht. Das sich natürlich auch wieder mit den richtigen Polizisten aussöhnt …

Nein, ein Krimi im klassischen Sinne ist das nicht geworden, eher ein Liebes-, Frauen- und vielleicht auch ein Gesellschaftsroman, in dem ein paar Einbrüche zu klären sind. Sozusagen mit einer „Prise Krimi“. Die Aufklärung lässt Dora Heldt ihre Protagonisten eher nebenbei erledigen, denn das Leben bietet ja noch so viele andere Seiten, die in einem Roman auch erzählt sein wollen. Liebe, Missgunst, Neid und die daraus resultierenden Missverständnisse und Verwicklungen.

Ich habe das Buch schnell und auch gern gelesen, es unterhält auf die bekannt kurzweilige Art und wird sowohl allen Dora – Heldt - Fans gefallen als auch jenen, die etwas Spannendes lesen wollen, aber nach eigenem Bekunden keine Krimis mögen.

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Tags: einbruch, hobbydetektive, immobilien, mord, sylt   (5)
 

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91 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

helgoland, thriller, spannung, orkan, anna krüger

Hell-Go-Land

Tim Erzberg
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 22.08.2016
ISBN 9783959670463
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bislang hatte ich nie Neugierde nach Helgoland verspürt, doch nach der Lektüre dieses Buches sieht das anders aus. Und ich verspüre große Lust, die Insel zu erkunden, stellenweise mit diesem Roman als Reiseführer.

Der Leser erlebt Helgoland im Winter, während eines heftigen und mehrere Tage andauernden Sturms. Es sind keine Touristen mehr auf der Insel und die Bewohner haben sich in ihren Häusern und auch in ihrer Privatheit verschanzt.
Genau in diese Zeit fällt der erste Arbeitstag von Anna Krüger, die hier im abgeschiedenen Polizeiposten der Insel ihre neue Stelle als stellvertretende  Leiterin der Dienststelle antritt. Anna ist auf der Insel aufgewachsen, aber von Ihrer Rückkehr wissen nur ganz wenige und das aus gutem Grund.
Trotzdem erwartet sie schon an diesem ersten Tag eine grausige Überraschung. Ein Paket, an sie persönlich adressiert, wurde vor der Tür der Dienststelle abgelegt und der Inhalt macht ihr unmissverständlich klar, dass es vor den Schrecken der Vergangenheit kein Entrinnen gibt. Und es werden weitere Pakete folgen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn Anna weiß: wenn sie nicht in Erfahrung bringt, wer ihr diese Pakete schickt, wird es ein Menschenleben kosten.
Obwohl man als  Leser an vielen Stellen den Ereignissen ein wenig voraus ist, erfährt man doch sehr lange Zeit nicht, welcher Art das Geheimnis aus Annas Jugend ist, das offensichtlich noch immer so großen Einfluss auf sie hat. Damit gelingt es dem Autor, zum einem die Spannung stets auf einem hohen Niveau zu halten und uns andererseits häufiger auf neue Fährten zu bringen und damit auch neue Verdächtige ins Spiel einzuführen.
Nicht nur Anna hat ihr Geheimnis, auch andere Personen und auch ihre Kollegen verbergen Dinge aus Vergangenheit und Gegenwart.

Das wirklich unwirtliche Wetter wie auch die Verschlossenheit der Insulaner sind nur zwei Aspekte des Romans, die eine düstere und leicht depressive Stimmung erzeugen, die beim Lesen wie mit Händen zu greifen scheint. Und doch können wir die entscheidenden Wendungen der Geschichte nicht festhalten, genauso wenig wie das Anna und ihren Kollegen gelingt. Das Böse oder der Böse ist ihnen bis zu einem furiosen Showdown immer ein Stück weit voraus.

Tim Erzberg ist es in diesem Buch gelungen, einen Handlungsort zu zeichnen, der neugierig macht und uns darin authentische und glaubwürdige Charaktere zu präsentieren. Wir spüren das Grauen, erleben die Angst und können nachempfinden, dass Anna sich davon nicht beherrschen lassen will.
Ein wirklich spannender und gut erzählter Thriller und ein Autor, von dem ich gern mehr lesen möchte.
Lesen Sie Hell-Go-Land und sie werden begeistert sein.

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66 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

mallorca, sommer, liebesgeschichte, roman, beziehung

Die Sommer mit Lulu

Peter Nichols , Dorothee Merkel
Fester Einband: 507 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.07.2016
ISBN 9783608983104
Genre: Romane

Rezension:

„ … mit Anlaufschwierigkeiten“ habe ich in einer Rezension gelesen und leider muss ich mich dieser Feststellung anschließen. Ich würde sogar weitergehen und sagen wollen, dass diese Anlaufschwierigkeiten sehr, sehr lange angehalten und es mir schwer gemacht haben, das Buch überhaupt zu Ende zu lesen.

Dabei fing es mit einer sehr vielversprechenden Leseprobe an und auch mit einer Erzählidee, die mich sehr neugierig gemacht hat. Lulu und Gerald waren einmal ein Ehepaar, damals vor etwa 60 Jahren. Obwohl beide fast ihr ganzes Leben auf Mallorca verbringen, vergehen die Jahre nach dem Bruch der Beziehung ohne ein weiteres Zusammentreffen der beiden bis zu diesem Tag, der ihre beiden Leben beenden wird.
Eine zufällige Begegnung dieser beiden Personen steht am Anfang des Romans und von jetzt auf gleich  befinden sich Lulu und Gerald in einem heftigen Streit. Dieser wird nicht nur verbal ausgetragen, sondern führt auch zu vielleicht nicht beabsichtigten Handgreiflichkeiten und endet mit fatalen Folgen. Die beiden Alten stürzen über die Klippen ab und überleben diesen Absturz nicht. Auf der Polizeistation begegnen sich Luc und Aegina, die Kinder der beiden aus späteren Ehen. War es ein Unfall? Was genau ist passiert? Die Fragen bleiben in letzter Konsequenz auch für den Leser unbeantwortet.
Nun beginnt eine rückwärts gerichtete Erzählweise das Leben der beiden Protagonisten zu beleuchten, aber leider in einer Weise, bei der man sehr schnell den Eindruck gewinnt, dass die eigentlichen Hauptfiguren an den Rand treten, vielleicht sogar an den Rand gedrängt werden.

In fünf Etappen, die zeitlichen Abstände sind sehr unterschiedlich und betragen mal nur drei, in anderen Fällen mehr als 20 Jahre, sollten wir jetzt doch eigentlich die Gesichte von Lulu und Gerald erfahren und auch, was die beiden so sehr entzweit hat. Nur leider passiert das nicht. Ohne rechten Zusammenhang werden in den Mittelpunkt dieser Episoden Figuren gestellt, die zwar alle in irgendwelchen Beziehung zu mindest einer der beiden Protagonisten stehen, aber im Roman soviel Raum einnehmen, dass von Lulu und Gerald nicht mehr so viel die Rede ist.
Erst am Schluss erfahren wir auf den letzen Seiten den Grund für die Verletzung, die Lulu ihrem damaligen Ehemann Gerald nie verzeihen konnte.

Und von diesen letzten Seiten habe ich mich dann in gewisser Weise belohnt gefühlt, dass ich durchgehalten habe. Bis dahin war mein Weiterlesen vor allem der Tatsache geschuldet, dass ich eine Rezension schreiben musste.

Ja, es gibt auch einige wenige Dinge, die mir gut gefallen haben. Beispielsweise die landschaftlichen Eige

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Tags: beziehungen, malerei, mallorca   (3)
 

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333 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 114 Rezensionen

schottland, pfau, banker, humor, teambuilding

Der Pfau

Isabel Bogdan
Fester Einband: 247 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783462048001
Genre: Romane

Rezension:

Schon lange hat mich ein Buch nicht mehr so amüsiert wie dieses. Wenn er nicht so lang wäre: „Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“ hätte auch als Titel für diesen Roman herhalten können.
Ja, diese Geschichte ist eine Aneinanderreihung von Missverständnissen und alle basieren letztlich darauf, dass jede der handelnden Figuren jeweils nur das ihr gerade bekannte und sichtbar gewordene Detail betrachtet und ihm seine eigenen Interpretation beifügt, weil die Zusammenhänge, die ganz schnell Klarheit schaffen könnten, einzig dem Leser vorbehalten bleiben.
Und das ist die Geschichte: Lord und Lady McIntosh besitzen ein größeres Anwesen in Schottland, dessen Unterhaltung regelmäßig viel Geld verschlingt. So hat das Ehepaar ein paar Cottages zu Feriendomizilen aus- und umgebaut, um so weitere Einnahmequellen zu haben. Auf dem Grundstück gibt es zur eigenen Erbauung und derer der Gäste ein paar Pfauen, die doch, so der Lord, wirklich schön anzusehen sind.
Leider hat einer dieser Pfauen eine ausgeprägte Macke entwickelt, er reagiert mit geradezu zerstörerischer Wut auf alles Blaue, das sich ihm in den Weg stellt.
Nun erwarten die McIntosh über das Wochenende eine Gruppe von Bankern, die dort ein Seminar zur besseren Teambildung absolvieren sollen. Neben der Teamleiterin und ihren Mitarbeitern reisen eine Psychologin und vor allem auch eine eigene Köchin mit an. Und  es passiert sehr viel Unvorhergesehenes. Ein plötzlicher Wintereinbruch und in der Folge eine ernsthafte Erkältung der Vorgesetzten verhindern den Ablauf des Wochenendes gemäß dem vorhandenen Plan. Und die Vorgesetzte ist ausgerechnet mit einem metallicblau lackierten Auto angereist.
Natürlich attackiert der Pfau dieses Auto auf das Übelste und natürlich versuchen die Gastgeber dieses Malheur so lange wie möglich zu vertuschen. Der Pfau verliert in der Folge dieses erneuten  Angriffes sein Leben …..
Anfangs läuft das Seminar sehr schlecht an, erst als die Chefin wegen ihrer Erkältung ans Bett gefesselt ist, fangen die Mitarbeiter an, ihre Aufgaben anzugehen und das sogar mit Erfolg. Von der eigenen Köchin werden sie gut versorgt, einzig die Tatsache, das der Aufenthalt wegen des Wettern länger dauern wird, macht der Köchin Kopfzerbrechen.
So ist sie gar nicht unglücklich darüber, dass ihr der Zufall ein Stück Fleisch in die Hände spielt, mit dem sie am letzten Abend des Aufenthalts eine große Überraschung plant. Doch dazu sind zuvor allerlei Heimlichkeiten vonnöten und sie hat immer wieder Mühe, dass niemand seine Blicke zu tief in die Speisekammer wirft.
Eigentlich gelingt in diesen Tagen allen alles. Der Lord kann den toten Pfau verheimlichen, die Banker werden nach ihrer Rückkehr besser zusammenarbeiten als vor diesem Wochenende und die Köchin serviert trotz aller Widrigkeiten ein delikates Essen am letzten Abend. Ende gut, alles gut möchte man meinen.  Aber, wie eingangs erwähnt,  weiß man als Leser ja mehr als die Beteiligten und so kann diese Geschichte an dieser noch nicht zu Ende sein. Ist sie auch nicht.
Es folgt ein abschließendes Kapitel einige Wochen später und hier schließt sich der Kreis. Zumindest eine Person versteht jetzt die Zusammenhänge.
Schon lange habe ich mich nicht mehr so amüsiert bei einem Buch, der Humor ist „very british“ und von der Autorin teilweise mit sehr spitzer Feder formuliert. Ein kleiner Geniestreich in Sprache und Inhalt. Viel Spaß bei der Lektüre.

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Tags: bankberater, küchengeheimnis, schottland, winter   (4)
 

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(16)

41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

krimi, pia korittki, ostsee, lübeck

Tödliche Mitgift

Eva Almstädt
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.06.2014
ISBN 9783404171743
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

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40 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

toscana, freundinnen, italien, frauen um 50, liebesroman

Sommerreise

Åsa Hellberg , Hanna Granz
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.04.2016
ISBN 9783548612508
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: frauen um 50, freundinnen, italien, liebesroman, vergangenheitsbewältigung   (5)
 

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(44)

65 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

spreewald, ddr, liebe, gurken, wende

Liebe in Sommergrün

Heike Wanner
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.04.2016
ISBN 9783548287621
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags: familienroman, nach der wende, ost-west-liebesgeschichte, spreewald, wende   (5)
 

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(140)

258 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 105 Rezensionen

theater, romeo und julia, shakespeare, sachsen, liebe

Romeo und Romy

Andreas Izquierdo
Flexibler Einband: 491 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.04.2016
ISBN 9783458361411
Genre: Romane

Rezension:

Alles beginnt am Theater – mit einer Niederlage - und es endet am Theater – mit einem Riesenerfolg.
Romy und Ben sind an einem kleinen Stadttheater engagiert, sie als Souffleuse, er für den Romeo. Zwar wäre Romy lieber auf anstelle „unter“ der Bühne und sie hält sich auch ohne jeden Zweifel für die bessere Julia als die in dieser Rolle agierende Schauspielerin. Zudem ist sie beinahe unsterblich in Ben verliebt und so spielen sich  weite Teile der Dialoge nicht zwischen Romeo und Julia sondern zwischen Romeo und Romy ab. Was den Ablauf auf der Bühne nicht unerheblich stört und letztlich dazu führt, dass die Premiere ein ziemliches Desaster wird.
Romy hat zudem die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter Lene erhalten, bei der sie nach dem frühen Tod der Mutter aufgewachsen ist.
Nach der Beisetzung beschließt sie erst einmal, in diesem winzigen und verlassenen Dorf in Sachsen, kurz vor der Grenze zu Tschechien, zu bleiben und sich über ihr weiteres Leben Gedanken zu machen. Den kleinen Hof und eine geringe Menge Bargeld hat sie geerbt und so muss sie sich nicht um die nächsten Wochen und Monate sorgen.
In diesem Dorf Großzerlitsch leben nur noch eine sehr überschaubare Anzahl Menschen, vorwiegend bereits in sehr fortgeschrittenem Lebensalter. Sie haben sich darin eingerichtet, auf ihr Lebensende zu warten und auf eine unausgesprochene Form um die verbliebenen drei freien Grabstellen auf ihrem Friedhof zu konkurrieren. Danach werden die Beerdigungen nach Kleinzerlitzsch verlegt und dorthin will keiner zu seiner letzten Ruhe. Eines der Gräber ist durch den Tod Oma Lenes jetzt schon belegt, ein unausgesprochener Wettstreit unter den Alten hat begonnen.
Romy kommt durch den Anblick der alten Scheune auf ihrem Hof eine kühne, ja geradezu eine vermessene Idee.
Gemeinsam ein elisabethanisches Theater in dieser Scheune entstehen zu lassen, gemeinsam mit den Alten des Dorfes und dann Romeo und Julia aufführen …..
Zunächst sind alle sehr skeptisch, sie wird belächelt bis ausgelacht. Aber – nach und nach kommen immer der Bewohner und sagen zunächst sehr zögerlich, später immer deutlicher „ich bin dabei“. Romy ist überglücklich.
Der Hauptteil des Romans erzählt jetzt von diesem Vorhaben - von der ersten Zeichnung, über Probleme mit der Genehmigung, der immer wieder wackeligen Finanzierung, vielen bautechnischen Fragen, von den Kostümen und den Proben und vor allem davon, wie aus dieser sehr gemischten Truppe im Laufe des Projekts immer mehr eine verschworene Gemeinschaft wird, die aus jedem Rückschlag mit mehr Selbstbewusstsein wieder aufsteht. Und weitermacht. Mittlerweile denkt niemand mehr über den Tod und die beiden letzten Grabstellen nach, alle leben wieder sehr aktiv und blühen geradezu auf.
Diese so sehr vielfältigen Facetten der Menschlichkeit, des Miteinander, des Wissens um die eigenen Stärken, sind es, die das Buch so lesenswert machen. Sich Romeo und Julia, hochbetagt und sächselnd, auf der Bühne vorzustellen, auch alle anderen Darsteller/innen in hohen Lebensjahren, das erzeugt schon ganz besondere Bilder im Kopf.
Ich habe dieses Buch sehr genossen, immer wechselnd zwischen Lachen und Weinen und ich konnte so vieles nachvollziehen, weil ich selbst seit einer Reihe von Jahren sehr engagiert und mit viel Liebe zum Detail an Open-Air-Theaterstücken mitarbeite. Volle Punktzahl, aber ich hätte auch noch ein, zwei Sterne mehr vergeben.

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Tags: amateurtheater, laientheater, romeo und julia, sachsen, shakespeare, theater   (6)
 

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(38)

50 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

wien, mord, mörderin, liebe, dreifachmörderin

Die Prinzessin von Arborio

Bettina Balàka
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 14.07.2016
ISBN 9783709972397
Genre: Romane

Rezension:

Die Zorzi, so wird Elisabetta Zorzi im Allgemeinen genannt, ist eine schwarze Witwe par excellence. Alle drei Ehemänner sind auf sehr rätselhafte Weise ums Leben gekommen, aber erst beim dritten Todesfall schöpft die Polizei überhaupt Verdacht, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.
Die Zorzi, eine erfolgreiche Restaurantbetreiberin in Wien mit italienischen Wurzeln, will unbedingt Kinder. Dreimal glaubt sie, den richtigen Mann dafür gefunden zu haben, aber schon nach kurzer Zeit des Zusammenlebens erkennt  sie, ich welches Gefängnis sie sich selbst mit ihrer Wahl begeben hat. Also liegt es nahe, sich auch selbst wieder daraus zu befreien und dies geschieht mit höchster Akribie. Präzise erfindet sie die jeweilige Geschichte, wie und wo Ehemann Nr., 1, 2 und 3 verschwunden bzw. einem Unfall zum Opfer gefallen sind. Eine winzige unbedachte Reaktion im Rahmen der polizeilichen Befragungen lässt die Polizei misstrauisch werden und es beginnen intensive Ermittlungen.

Dies ist der erste Teil des Romans, der immer wieder eingestreut die Formulierung „Später wird Körber darüber sagen, ….“ enthält. Damit deutet sich bereits eine nicht ganz chronologische Erzählweise an. Körber ist als Kriminalpsychologe in diesen Fall involviert und maßgeblich an der Überführung der Mörderin beteiligt. Erst im dritten Todesfall entstehen überhaupt Verdachtsmomente gegen die Zorzi, die die trauernde Witwe überzeugend darstellt und letztlich über ein winziges Detail ihrer Argumentation stolpert. Erst jetzt entstehen auch Verdachtsmomente hinsichtlich der beiden früheren Todesfälle und man stellt jetzt auch hier Ermittlungen an. Schließlich ist Alfred Körber derjenige, dem die entscheidenden Zweifel an den Darstellungen der Zorzi kommen und gleichzeitig entsteht zwischen den beiden eine so intensive Form der Anziehung, der man sich auch als Leser nicht entziehen kann. Und diese „Beziehung“ endet nicht mit der Verurteilung, nein eigentlich beginnt sie jetzt erst richtig. Es folgen mehrfache Besuche Körbers im Gefängnis, bei denen sich langsam eine Nähe, eine ganz besondere Verbundenheit entwickelt, die in der Mitte des Buches Ihren Höhepunkt erfährt.

Ich war gespannt, wohin diese Entwicklung führen würde, war dann aber mehr als überrascht von der Wendung im dritten und letzten Teil. Diese Wendung führt zu einem offenen Ende des Romans, das ich eigentlich bei Büchern nicht sehr schätze. Hier aber war wohl ein anderer Schluss gar nicht vorstellbar und damit auch nicht möglich. Möge sich jeder Leser, jeder Leserin also ihr eigenes Ende vorstellen.

Das Buch ist nicht so sehr aufgrund seiner Krimianteile spannend, sondern vielmehr sind es die psychologischen Aspekte der Ereignisse und die Schilderung der Hauptcharaktere mit all ihren Sehnsüchten, Träumen, Hoffnungen, die einen von Seite zu Seite weiter in ihren Bann ziehen.
Ist das nun eine Liebesgeschichte mit viel Krimianteilen oder doch eher ein Krimi mit einer gut erdachten Liebesgeschichte? Ich weiß es nicht – und es ist eigentlich auch völlig nebensächlich. Wichtig ist nur, dass dies ein sehr lesenswerter und spannend erzählter Roman ist, den sogar mein Mann als ein außergewöhnliches Buch bezeichnet hat. Frauen sehe ich allerdings als die eigentliche Zielgruppe an und auch auf Grund seines Äußeren wird das Buch diese wahrscheinlich sehr viel häufiger ansprechen.

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Tags: beziehungsfalle, charakterstudien, dreifachmörderin, gefängnislieb, italien, wien   (6)
 

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(44)

70 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

schwestern, familie, lebenskrise, wunderschönes cover, noah

Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten

Susanna Mewe
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 12.02.2016
ISBN 9783746632193
Genre: Romane

Rezension:

Es geht in diesem Buch um vier Schwestern, die schon zeitlebens ein etwas gespanntes Verhältnis zu einander haben. Sie treffen sich um Weihnachten im Haus von Paula, in deren Ehe es zu kriseln scheint und der sie anscheinend irgendwie helfen wollen. Infolge vieler jeweils eigener Probleme gelingt es aber keiner der drei anderen Schwestern, sich ehrlich auf Paula einzulassen.

Da ich mit dem Buch herzlich wenig anfangen konnte, es mich weder angesprochen noch überzeugt hat und wahrscheinlich nur ein böser Verriss herauskomme würde, verzichte ich hier auch auf eine ausführliche Rezension.

Allerdings habe ich mit einer gewissen Befriedung bei den anderen Rezensenten gelesen, dass dieser Roman allgemein wenig Anklang gefunden hat.

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Tags: beziehungskrisen, eheproblem, familie, lebenskrisen, schwesterliebe, zickenkrieg   (6)
 

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(36)

52 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

hamburg, krimi, drogen, kiez, mord

Blaue Nacht

Simone Buchholz
Flexibler Einband: 235 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.03.2016
ISBN 9783518466629
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hurra, wieder ein Chas-Riley-Buch.
Schon nach den ersten Sätzen umgibt mich ein Gefühl von nach Hause kommen zu liebgewordenen Freunden.
Chas Riley hatte zuletzt einen ihrer Vorgesetzten der Korruption überführt und das ist ihr zumindest beruflich gar nicht gut bekommen. Sie hat als Opferschutzbeauftrage innerhalb der Staatsanwaltschaft eine neue Aufgabe bekommen, was in der Praxis soviel bedeutet wie kaltgestellt zu sein.
Ihr „Opfer“ in diesem Roman ist Joe, der krankenhausreif geschlagen wurde und um nichts in der Welt mit Chas reden will. Trotzdem wird ihr schon bald klar, dass es hier um ein ganz großes Ding geht. Als es ihr mit ihrer Beharrlichkeit gelingt, Joe wenigsten drei Namen und den Hinweis auf einen Beamten der Leipziger Drogenfahnder zu entlocken, kommt die Geschichte in Gang. Auch ihr früherer Chef, der Faller, ist wieder mit von der Partie. Chas hat ihn ins Krankenhaus mitgeschleppt und nun scheint sich zwischen Joe und dem Faller eine Verbindung zu entwickeln, die ihr nur bedingt recht ist. Außerdem sieht sie ihren väterlichen Freund auch in erheblicher Gefahr, denn der hat immer noch eine Rechnung mit jemandem offen, der überall auf dem Kiez nur der Albaner genannt wird. Dass dieser dem Drogengeschäft und anderen krummen Dingern wirklich abgeschworen hat, mag so recht niemand glauben, auch wenn er seit Jahren nicht mehr in Erscheinung getreten ist.
Der Roman mag Lesern, die sich im Drogenmilieu nicht explizit auskennen, durchaus noch einige Neuigkeiten bieten und auch sonst ist der Fall spannend und rasant erzählt.
Aber wie auch bei früheren Romanen der Autorin liegt die Qualität des Romans auch hier wieder jenseits des eigentlichen Kriminalfalls. Da ist zum einen die „Großfamilie“ der Chas Riley zu nennen, zu der neben dem Faller ihre Freunde Rocco und Carla gehören, auch der Calabretta und natürlich der Klatsche, ihr mal mehr, mal weniger Freund, mit dem sie in diesem Buch gerade mal wieder etwas enger liiert ist. Rocco und Carla betreiben ein Cafe auf dem Kiez und dieses ist gleichzeitig auch fast täglicher Rückzugs- und Anlaufpunkt für Chas darstellt. Der Calabretta ist Polizist, hat italienische Wurzeln und in diesem Roman heftigen Trennungsschmerz.
Die Schilderung dieser Personen und ihrer persönlichen Umstände gelingt Simone Buchholz mit Bravour. Sie schafft ein Kiezfeeling, in das sich der Leser unmittelbar eingebunden fühlt. Man glaubt sich oft genug neben ihr an den verschiedenen Theken, vor sich einen Kaffee oder ein Bier oder manchmal auch noch stärke Sachen, je nach Tages- oder Nachtzeit. Ja, es wird viel geraucht und getrunken in diesem Buch, aber diese Szenen wirken alle so echt, dass man mittendrin zu sein meint.

Und man würde etwas Wesentliches unterschlagen, würde man nicht auch die erzählerische Qualität dieser Autorin deutlich hervorheben. Als Beispiel dafür mag nur einer der vielen zitierfähigen Sätze herhalten, die dieses Buch bevölkern: „Er hat die Gezeiten im Gang und die Große Freiheit im Gesicht.“
In diesem Sinne hat der Roman Blaue Nacht Hamburg im Gang und den Kiez im Gesicht. Ich bin einmal mehr von dieser Krimi-Reihe und seiner Autorin begeistert.

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Tags: dresden, drogenmilieu, hambur, kiez, leipzig, mordermittung, tschechei   (7)
 

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(308)

579 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 114 Rezensionen

einsamkeit, liebe, verlust, familie, tod

Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells
Fester Einband: 355 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257069587
Genre: Romane

Rezension:

Was bewegt so viele Rezenten hier und auf anderen Plattformen für dieses Buch beinahe ausschließlich fünf Sterne zu vergeben und sich in Lobeshymnen gerade zu überschlagen? Ich gebe zu, ich verstehe diese Euphorie nur bedingt.
Ja, ich habe das Buch auch gern gelesen und das Schicksal der einzelnen Personen hat mich durchaus mehr oder weniger angerührt.
Ja, der Autor erweist sich an vielen Stellen als ein Meister der Sprache und wenn ich lese, dass er insgesamt sieben Jahre an diesem Buch gearbeitet hat, der Roman dabei von ursprünglich mehr als achthundert Seiten auf gut 350 Seiten verdichtet wurde, dann ist diese Arbeit nicht nur sehr anzuerkennen, sondern auch in vielen Zeilen zu entdecken. Und hat dem Buch sicherlich sehr gut getan.
Die Hauptfiguren des Romans sind die Geschwister Jules (10), sein Bruder Marty (12) und die große Schwester Liz (13). Bis zu diesem Zeitpunkt wachsen die Drei in einem behüteten Elternhaus in München auf, doch dieses heile Leben wir jäh durch den tödlichen Unfall der Eltern beendet.
Alle drei Geschwister kommen in ein Internat, zwar in die gleiche Einrichtung, aber das ändert nichts daran, dass sie sich immer weiter voneinander entfernen.
Jules ist der Ich-Erzähler seiner und der Geschichte seiner Familie im weiteren Sinne und daher stehen auch seine Gefühle, seine Empfindungen und seine Gedanken in diesem Stadium des Buches im Vordergrund.
Seine Gedanken kann er in dieser Zeit nur mit Alva, einer Schulfreundin teilen, mit der ihn die Erfahrung von großem Verlust und tiefer Trauer verbindet. Ich habe die Gedanken und Empfindungen eines Jungen in diesem Alter oftmals als deutlich zu erwachsen empfunden. Da diese Passagen als Erinnerungen des erwachsenen Jules geschrieben sind, ist das zu akzeptieren, so ganz überzeugt hat mich das allerdings nicht und ich fand den jungen Jules manchmal nicht wirklich glaubhaft.
Nach der Schule, nach dem Abitur verlieren sich Jules und Alva aus den Augen, eine erneute Begegnung wird es erst gute 20 Jahre später geben. Nach diesem Treffen scheint eine Rückkehr zur alten Freundschaft für Jules nicht mehr denkbar. Weitere zwei Jahre später nimmt er eine Einladung von Alva in die Schweiz an, wo sie mit ihrem Mann sehr zurückgezogen lebt. Noch einmal steht die Frage im Raum: Können sie an die alte Freundschaft anknüpfen. Und jetzt ändert sich plötzlich alles für Jules und Alva.
Im Laufe der Zeit kommen jetzt nicht nur die beiden Freunde wieder zusammen sondern auch die Geschwister rücken näher zusammen. Es scheint als habe jeder seinen Platz im Leben gefunden und lebt von Alltagskleinigkeiten abgesehen sein glückliches und zufriedenes Leben. Jules und Marty leben mit ihren Familien beide wieder in München, Alva spielt jetzt endlich die „richtige“ Rolle in Jules Leben, nur Liz ist in Berlin geblieben und noch immer ein kleines bisschen die Außenseiterin.
Doch erneut schlägt das Schicksal zu und ein zweites Mal müssen die Protagonisten sich mit Verlust und Trauer und vor allem dem Weiterleben danach auseinandersetzen. Dieser letzte Teil hat mir besonders gut gefallen, weswegen ich trotz meiner eher verhaltenen Einleitung eine Leseempfehlung aussprechen möchte. Gern werde ich bei Gelegenheit wieder zu diesem Autor greifen und bin gespannt, wie ich dann urteile.

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Tags: erwachsen werden, geschwiste, internat, trauer, trauernde kinder, verlust   (6)
 

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(1.333)

2.472 Bibliotheken, 80 Leser, 5 Gruppen, 170 Rezensionen

liebe, briefe, jojo moyes, liebesbriefe, london

Eine Handvoll Worte

Jojo Moyes , Marion Balkenhol , ,
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 04.10.2013
ISBN 9783499267765
Genre: Romane

Rezension:

Wieder eine durchaus einfühlsame Liebesgeschichte dieser Autorin. Allerdings reiht sich dieser Roman ein in eine Fülle ähnlicher von dieser und einer Reihe anderer Autorinnen, die derzeit recht beliebt sind.

Das bekannte Rezept von zwei Handlungssträngen und jeweils einer für die jeweilige Handlung bedeutende Frauenfigur wird auch hier beibehalten. Wir lernen Elli kennen, eine in einer beruflichen Sackgasse steckende Journalistin, die händeringend nach einer guten Story sucht. In der Jubiläumsausgabe Ihrer Zeitung sollen sich Vergangenheit und Gegenwart begegnen und Elli durchforstet das Zeitungsarchiv nach einer zündenden Idee.
Sie stößt auf einen Brief, der in den 1960er Jahren an eine Jennifer Stirling gerichtet wurde und in der der unbekannte Absender Jennifer bittet, ihren Ehemann und ihr derzeitiges, gut situiertes Leben zu verlassen. Ist Jennifer diesem Ruf, dieser Bitte gefolgt?
Ellie setzt alles daran, dieses herauszufinden und daraus ihre Story zu formen. Immer mehr setzt sie sich dabei auch mit ihren eigenen Leben und der Beziehung zu einem verheirateten Mann. Wird er jemals seine Familie verlassen, um sein Leben mit ihr zu teilen?
Wirklich beeindruckend fand ich an diesem Roman, dass noch einmal deutlich wurde, wie sehr das Leben von Frauen vor etwas mehr als 50 Jahren eingeschränkt wurde. Vom Ehemann, von der Familie und dem gesellschaftlichen Umfeld. Sich aus diesen Konventionen, teils Restriktionen zu befreien, war eine große Aufgabe und gelang nur wenigen. Ob dies Jennifer gelungen ist, ob sie das überhaupt wollte, das findet Ellie im Laufe ihrer Recherchen heraus. Und noch mehr. Sie findet auch den Absender dieses Briefes und davon ist sie mehr als überrascht, ebenso wie man das als Leserin ist.
Dass sie mit dieser Story ihre berufliche Zukunft rettet, habe ich dann als ein wenig zu viel „heile Welt“ empfunden. Aber – es ist halt ein Roman, der unterhalten soll und das gelingt ihm zweifelsohne.

Reizvoll waren auch die Zitate, die jedes Kapitel einleiten und die Stimmung der Geschichte aufnehmen, aber auch widerspiegeln. Die Autorin schreibt in ihrem DANK am Ende des Romans, dass diese Texte fast ausnahmslos aus echter Korrespondenz stammen und von den Verfassern zur Verfügung gestellt wurden. Und sie schreibt, sie habe „Absender und Empfänger gleichermaßen unterschlagen, um die Unschuldigen und die weniger Unschuldigen zu schützen“.

Mit ein wenig Phantasie kann man sich vorstellen, dass diese Texte wirklich von Jennifer und ihrem Geliebten stammen. Allen Fans von Jojo Moyes und anderen Autorinnen in diesem Genre wird dieser Roman sicher gut gefallen, sie werden ein heiteres Lesevergnügen erleben.

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Tags: affären, frauenbild im wandel, journalismus, liebesbriefe, verheiratete männer   (5)
 

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(68)

117 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 58 Rezensionen

weingut, spanien, frauen, familie, mord

Die Frauen von La Principal

Lluís Llach , Petra Zickmann
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 07.03.2016
ISBN 9783458176725
Genre: Romane

Rezension:

Was für ein Buch? Was für eine Täuschung? Wohlgemerkt nicht Enttäuschung!
Äußerlich und auch im Innern, zumindest am Anfang der Handlung, glaubt man einen Familienroman in Händen zu halten, der sich im Verlauf der ersten Kapitel zu einem Gesellschaftsbild des Spaniens unter Franco erweitert und ganz zum Schluss zu einem Krimi mit fulminanten Ende aufschwingt.
So wie es drei Frauenfiguren, alle mit dem Namen Maria, und die drei Generationen der Familie auf dem Weingut Principal gibt, ist das Buch auch mit drei Erzählsträngen ausgestattet.
Einer beschreibt die Zeit am Ende des 19: Jahrhunderts, als die erste Maria, später nur noch „die Alte“ genannt, auf dem Landgut zurückbleiben muss, als ihr Vater mit den vier Brüdern nach Barcelona geht. Das Gut steht vor dem Aus, die Reblaus hat die gesamten Weinberge befallen und vernichtet. Aber – der Keller ist voll mit flüssigem Gold, von dem sich die Brüder große Verkaufshoffnungen machen. Doch durch den frühen Tod des Vaters kommt alles ganz anders und Maria hat fortan keinen Kontakt mehr mit den Brüdern. Erst mehr als vierzig Jahre später soll einer der Brüder, er ist mittlerweile Bischof, wieder eine Rolle im Leben ihrer Tochter, der zweiten Maria, spielen. Diese Geschichte beginnt in den früheren 30er Jahren, ein wichtiger Aspekt ist im Jahr 1936, dem ersten Jahr des Bürgerkriegs in Spanien, das Auffinden einer verstümmelten männlichen Leiche, verpackt in einem Sack, den man wohl nicht ohne Absicht direkt vor den Toren der Principal abgelegt hat. Der Mord wird nicht aufgeklärt und erst vier Jahre später, die Franco-Anhänger sind jetzt an der Macht, erwirkt ein junger und  ehrgeiziger Inspektor die Wiederaufnahme des Verfahrens und beginnt in diesem Fall zu ermitteln.
In seinen Gesprächen mit den Beteiligten wird die Geschichte nachgezeichnet und als Leser erleben wir darin ein anschauliches Gesellschafts- und Sittenbild der Franco-Diktatur. Auch die katholische Kirche ist involviert in Gestalt des bereits benannten Bischofs und des Dorfpfarrers von Rius, dem Dorf zu dem die Principal gehört.
Immer wieder begegnen dem Leser kursiv gesetzte Passagen, die man fälschlicherweise der früheren Amme Ursula, die längst zur langjährigen Vertrauten der zweiten Maria avanciert ist, zuordnen möchte. Von wem sie aber wirklich stammen, erfahren wir erst im erst im letzten der drei Teile, nämlich dem FINALE, wie es auch der Autor benannt hat.
Neben den drei Marias, die letzte erleben wir im Jahre 2001, ist die Figur des Inspector Recader, der sich mit Eifer in die wieder aufgenommen Ermittlungen stürzt. Recader hat privat eine große Leidenschaft, an der er uns das ein oder andere Mal teilhaben lässt. Er ist Fan des englischen Kriminalromans, insbesondere Agatha Christie und ihr „belgischer Detektiv“ haben es ihm angetan. Und so kann er nicht umhin, seine eigene Arbeit hin und wieder mit dem großen Vorbild zu vergleichen.
Jetzt erst erfährt der Leser auch, wer der Verfasser der Aufzeichnungen ist, die immer wieder die vordergründige Handlung unterbrechen und in Rückblicken Personen und Ereignisse auf der Principal wieder lebendig werden lassen. Diese Auflösung habe ich als einen kleinen Paukenschlag empfunden ebenso wie die Lösung des ehemaligen Mordfalls. Und in diesem zwar sehr kleinen, aber alles aufklärenden Finale, wurde es noch fast ein richtiger Krimi. Zumindest die Spannung dieser letzten Seiten steht dafür. Eine absolute Leseempfehlung und volle fünf Punkte.

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Tags: franco-ära, homophobie, spanischer bürgerkrieg, weingut   (4)
 

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(72)

182 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

hypochonder, tod, krankheit, humor, roman

Die sieben Tode des Max Leif

Juliane Käppler
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 11.01.2016
ISBN 9783426517253
Genre: Romane

Rezension:

Tucholsky hat einmal über männliche Grippekranke gesagt „mit diesem Aufwand an Getue kriegen Frauen Kinder“. Fast möchte man meinen, dass er diesen Satz ganz sicher auch für Menschen wie den Protagonisten aus diesem Roman formuliert hat.
Max Leif macht schon eine „Menge Getue“ um seine vielen eingebildeten Krankheiten und damit er in diesem selbst erschaffenen Sumpf nicht am Ende untergeht, stehen ihm eine Menge Freunde zur Seite.

Aber von vorn: Max Leif ist Anfang vierzig, erfolgreich im Musikgeschäft tätig und muss sich eigentlich keine Sorgen machen, vor allem keine finanziellen. Aber – er selbst hat erst kürzlich einen Herzinfarkt erlitten und überdies seinen besten Freund schon aus Kindertagen durch einen ebenso plötzlichen wie unerwarteten Tod verloren. Geblieben ist ihm Hannibal, der Dobermann des Freundes, dem er fortan Asyl in seinem Haus gewährt.
Darüber ist seine russische Putzfrau wenig erbaut, auch in anderen Fragen des Alltags und des Lebens sieht Max sich mit Ihren Regeln und Lebensweisheiten konfrontiert. Jekaterina hat das Herz auf dem rechten Fleck und größtmögliche Wehrhaftigkeit, die Max ihr gegenüber gelingt ist im Zweifelsfall das Haus zu verlassen, wenn sie zum Putzen antritt.
Doch es gibt noch weitere tolle Charaktere in diesem Buch. Da ist z. B. Frau Dr. Bärbeißer, Max Hausärztin, die sich seinen Symptomen und vor allem seinen durch Recherchen im Internet untermauerten Selbstdiagnosen immer wieder entgegenstellt. Sie ist zwar meistens ziemlich genervt von Max neuen Erkenntnissen, erweist sich aber als eine leidenschaftliche Ärztin, die auch einem Bilderbuch-Hypochonder wie Max einer ist, auf versteckt liebevolle Art gewachsen ist.
Und da ist Maja, bei der Max seinen täglichen Espresso trinkt, und obwohl sie häufig die Unfreundlichkeit in Person ist, kann Max einen Tag ohne die Begegnung mit ihr kaum ertragen. Warum kann Maja nicht endlich den Platz seiner noch immer nervigen  Exfreundin Claudia einnehmen, Max versteht es nicht und flüchtet in neue Krankheiten. Warum ist Flo, ein früherer Angestellter und Freund,  so sauer auf ihn, nachdem Max sein Plattenlabel verkauft hat? Max möchte ihn am liebsten in die Wüste schicken, und ruft ihn doch immer wieder an und manchmal auch zur Hilfe.
Alle Figuren dieses Buches sind nicht nur gut oder nur böse oder schlecht. Vielmehr weisen sie alle, wie auch im wirklichen Leben, viele verschiedene Facetten auf und werden dadurch immer glaubwürdiger.
Selbst Max Leif, der eigentlich immer traurig, immer deprimiert und angeschlagen durch sein im Moment recht ungeordnetes Leben taumelt, lässt in an vielen Stellen seine anderen Seiten durchschimmern. Und da ist er liebevoll und verantwortungsbewusst sich selbst und den Menschen in seiner Umgebung gegenüber.
„Die sieben Tode des Max Leif“ ist eine vordergründig lustige und actionreiche Lektüre, hat aber auch Tiefgang und Nachdenklichkeit an den richtigen Stellen und schafft es damit, die Leser nachdrücklich zu berühren.
Eine sehr kurzweilige Lektüre, die Raum lässt für andere Sichtweisen und Erfahrungen, und zur Reflektion geradezu einlädt.
Zum Lesen wärmsten empfohlen, es gibt kaum eine Gelegenheit, zu der Max Leif nicht passen würde. Am besten gleich zwei kaufen, eines für sich selbst und ein weiteres zum Verschenken.

 

 

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Tags: frankfurt, hypochonder, lifestyle, midlifekrise   (4)
 

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(106)

156 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 87 Rezensionen

spanien, geburtstag, familie, spanischer bürgerkrieg, enkel

Albertos verlorener Geburtstag

Diana Rosie , Gabriela Schönberger
Fester Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.02.2016
ISBN 9783426653937
Genre: Romane

Rezension:

Ein ganz wunderbares und anrührendes Buch, das auch auf Grund seiner Äußerlichkeit Freude macht. Es liegt gut in der Hand, hat ein angenehmes Format, ein Lesebändchen und ein sehr stimmungsvolles Cover.
Und in dieser schönen Hülle steckt ein sehr berührendes und auch heiter-leichtes Buch, dem aber der Tiefgang und die Nachdenklichkeit an den richtigen Stellen nicht fehlen.
Alberto muss sich einige Tage um seinen Enkel Tino kümmern, dessen Vater hatte einen schlimmen Unfall und so ist die Mutter rund um die Uhr in der Klinik. Tino ist natürlich verstört und so bekommt er zum Abendessen eine dicke Scheibe Weißbrot mit einer Füllung aus Schokolade. Dieses einfache und doch so trostreiche Mahl stößt für den Großvater eine ganz schmale Tür zu seinen verschollenen Erinnerungen der Kindheit auf und von dieser Kindheit wird in einer zweiten Erzählebene berichtet. Von dieser Zeit in den dreißiger Jahren, in Spanien geprägt vom beginnenden Bürgerkrieg, erinnert Alberto fast nichts mehr. Er weiß nur, dass er in einem Waisenhaus aufgewachsen ist  und hat keinerlei Erinnerungen mehr an seine Eltern.
Im Gespräch mit dem Großvater erfährt Tino ein ihn bestürzendes Detail aus dem Leben seines geliebten „Apu“, das seine Vorstellungswelt vollständig sprengt. Der Großvater hat noch nie seinen Geburtstag gefeiert. Ja er weiß nicht einmal, an welchem Tag sein Geburtstag überhaupt war. Tino überredet den Großvater, sich gemeinsam auf eine Reise zu begeben, um den Geburtstag von Apu (heraus-) zu finden. Nach anfänglichem Zögern brechen die beiden auf, finden erste Anhaltspunkte und Menschen aus Apus Kinderjahren. Die meisten wissen fast gar nichts mehr, aber einen oder zwei kleine, aber entscheidende Hinweise bekommen die beiden Geburtstagssucher dann jeweils doch. So geht es von Station zu Station, mal zu Fuß, mal mit dem Bus, und langsam nimmt ein Leben, nimmt ein Lebensweg Gestalt an.
Es sind vielleicht ein paar zu viele Personen, die den Weg des Großvaters begleitet haben oder zumindest in seinem Leben an entscheidenden Punkten ein Rolle spielten. Doch keine dieser Figuren ist langweilig, alle haben etwas zu berichten und eine Haltung im Leben, die auch für Tino zu wichtigen Erfahrungen werden.

Alberto und Tino wünsche ich ganz viele LeserInnen, sie haben es einfach verdient. Diese besondere Beziehung des beiden und die sehr lebensklugen Gespräche sind mehr als lesenswert. Und das Buch beweist: Lachen und Weinen sind wohl die beiden verschiedenen Seiten der gleichen Medaille, die da LEBEN heißt. Selbst in traurigen Episoden hat der Erzählton immer auch etwas tröstlich Heiteres, das sich wie ein unsichtbarer roter Faden durch dieses Buch, durch dieses Leben zieht.

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vietnam, liebe, virus, epidemie, hanoi

Die kleine Souvenirverkäuferin

François Lelord , Ralf Pannowitsch
Fester Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.04.2012
ISBN 9783492054904
Genre: Romane

Rezension:

Julien lebt Anfang der 90er Jahre in Vietnam und die Eingewöhnung ist nicht einfach für ihn. So anders sind Land und Leute.  Es herrscht eine permanente und immer diffuse Angst vor staatlichen Restriktionen, der Kontakt von Ausländern mit den Einheimischen wird nicht gern gesehen.

Julien arbeitet als Arzt in einem Krankenhaus und wird dort mit einer rätselhaften Viruserkrankung konfrontiert. Sein vietnamesischer Chef und seine britische Kollegin Clea versuchen, die erkrankte Ordensschwester zu behandeln, stehen aber vor einem Rätsel. Da das Virus anscheinend aus dem Norden von der Dorfbevölkerung in die Städte getragen wird, begeben sich Clea und Julien auf eine ebenso verbotene wie auch gefährliche Reise in diese Region, um diesem Krankheitserreger auf die Spur zu kommen.

Julien hat in den Wochen vor dieser Reise des Öfteren den Kontakt zu einer jungen Frau gesucht, die auf der Uferpromenade verbotenerweise Souvenirs an die Touristen verkauft. Wobei Kontakt fast noch besser durch Beobachten ausgedrückt wäre, denn ein wirkliches Gespräch kommt zumindest anfangs kaum zustande. Diese junge Frau ist wie viele andere, die es ihr gleichtun, in ständiger Gefahr von der Polizei aufgegriffen und inhaftiert zu werden, andererseits benötigt sie diesen noch so kleinen Verdienst für die Unterstützung ihrer Familie. Julien möchte diese junge Frau gern näher kennenlernen. Er hat sich in sie verliebt, weiß aber aus seinen Kontakten mit der französischen Botschaft, wie gefährlich eine solche Bekanntschaft beiden werden kann. Die Polizei und der Staat haben ihre Augen überall und unterbinden Kontakte dieser Art immer sehr rigoros.

Julien und Clea finden wichtige Informationen über das Virus heraus, allerdings passiert bei einer Blutentnahme ein Unfall und sehr wahrscheinlich hat sich Clea selbst infiziert. Nach ihrer Rückkehr in die Hauptstadt kann Julien die kleine Souvenirverkäuferin zunächst nicht wiederfinden. Und er missachtet alle Warnungen, dass er nicht nach ihr suchen soll. In der Konsequenz wird er seitens der Polizei unter Hausarrest gestellt und ihm wird jeglicher Kontakt zu Einheimischen untersagt.

Im Großen und Ganzen ist diese Geschichte um die verbotene Liebe sehr anrührend und ohne Pathos erzählt. Leider vermittelt der zwischen Zeilen immer mal wieder das Gefühl, dass die Kolonialzeit Frankreichs in Vietnam noch immer besteht, auch wenn wir mittlerweile in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts angekommen sind. Das verwunderte mich umso mehr, als ich dann las, dass der Autor in beiden Ländern lebt. Hier hätte ich etwas mehr Abstand gut gefunden.

Trotz dieser kleinen Kritik hat mir der Roman sehr gut gefallen, gerade weil es eine Geschichte der leisen Töne ist. Insgesamt hat Lelord diese Mischung aus Liebesgeschichte und Medizinkrimi gepaart mit dem nötigen Wissen über das politische und gesellschaftliche Leben gekonnt erzählt. Ich kann das Buch wärmstens zum Lesen empfehlen.

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Tags: hanoi, infektionen, liebe, seuche, vietnam, viruserkrankung   (6)
 
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