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111 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

mobbing, zukunft, schule, norwegen, angst

Der Tag wird kommen

Nina Vogt-Østli , Dagmar Lendt
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 01.01.2014
ISBN 9783649613862
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Worum geht's? Hans Petter wurde in der Grundschule vom Schulrüpel Andreas heftig gemobbt. Mittlerweile in der Mittelschule hat sich das gelegt, weil Hans Petter gelernt hat, unsichtbar zu sein. Doch dann rückt er auf einmal doch wieder in den Blickpunkt seines Peinigers, der sich jetzt vor allem auf psychischen Druck verlegt. Aber egal, Hans Petter fühlt sich sowieso den anderen überlegen - moralisch wie intellektuell. Er muss einfach nur die Schule überleben, denn der Tag wird kommen, an dem er allen zeigen kann, was in ihm steckt. Doch zuerst wird er von einem Mädchen, Fera, angeschrieben, die behauptet in der Zukunft zu leben. Ein fieser Streich von Andreas und seinen Kumpeln? Eine psychisch Kranke? Oder doch ein Mädchen aus der Zukunft? Es wird sich zeigen.
Schreibstil: Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, weswegen man sehr schnell durch das Buch kommt. Der Ich-Erzähler Hans Petter wechselt sich ab mit Chat-Gesprächen zwischen ihm und Fera. Den Schreibstil fand ich, obwohl recht einfach, nicht schlecht. Lässt sich alles sehr flüssig und zügig lesen.
Handlung: Die Idee, die hinter der Handlung steckt, ist sehr gut. Nur wird sich leider nicht die Zeit genommen, sie auch richtig auszureizen. Die Geschichte bleibt oberflächlich und nimmt sich keine Zeit für Entwicklungen. Es wirkt, als hätte die Autorin Fixpunkte, die sie sich vorgenommen hat abzuarbeiten, und das tut sie dann auch, ohne weitere Tiefe.
Charaktere: Selbes gilt auch für die Charaktere. Dadurch dass das Buch aus Hans Petters Sicht beschrieben ist und der sich nunmal kein Stück für seine Mitmenschen interessiert, bleiben alle Charaktere einseitig beleuchtet. Sie werden in Schemata gesteckt und bleiben da. Es kommt kein Gefühl auf, keine Spannung, man fühlt mit niemandem mit, schüttelt nur manchmal fassungslos den Kopf.
Cover/Titel: Sowohl das Cover als auch den Titel finde ich sehr passend für die Geschichte. Beides wirkt ansprechend und führt zum Buch gut hin, wenn auch in anderer Art und Weise als erwartet.
Fazit: Das Buch hätte wirklich gut werden können, ist es aber nicht. Es fehlt an Tiefe. Man hätte sich schlicht für die einzelnen Handlungsschritte und auch für die Charaktere mehr Zeit nehmen können. Vielleicht wäre auch die Wahl eines anderen Erzählers sinnvoll gewesen. Drei von fünf Punkten von mir.

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143 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

england, hilary mantel, thomas cromwell, historischer roman, historisch

Wölfe

Hilary Mantel , Christiane Trabant
Flexibler Einband: 768 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 09.08.2016
ISBN 9783832161934
Genre: Historische Romane

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

tom, chillingham, zukunft, multipler

In Zukunft Chillingham

Volker König
E-Buch Text: 177 Seiten
Erschienen bei Latos-Verlag, 18.10.2013
ISBN B00G0YVYMI
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Worum geht's? Die Kühe sind angepisst von den Menschen und wollen sie loswerden. Das Kontinuum will dabei helfen und schickt daher BEM, der auf die Erde einschlagen soll. Doch die Menschheit ist nicht ganz doof und hat einen Plan, um ihr Überleben zu sichern. Der gelingt auch. Für kurze Zeit.
Schreibstil: Das Buch ist sehr humorvoll, ironisch geschrieben. Manchmal auch etwas arrogant, was aber sehr gut hineinpasst. Man hat das Gefühl, das Raum-Zeit-Kontinuum selbst erzählt die Geschichte und findet die kleinen Sorgen der Menschen einfach lächerlich und unwichtig. Ich mochte den Stil sehr gerne, auch wenn er manchen an ein paar Stellen vielleicht zu derb scheinen mag.
Charaktere/Handlung: Richtige Hauptcharaktere gibt es nicht, auch wenn manche Charaktere wiederkehren. Das ist aber auch nicht nötig. Die Geschichte deckt mehrere hundert Jahre ab und beleuchtet Spotlightmäßig verschiedene Zeiten anhand der handelnden Personen/Tiere/whatever. Dies macht das Ganze abwechslungsreich und unterhaltsam.
Cover/Titel: Cover und Titel scheinen im Grunde gar nicht so viel mit der Handlung zu tun zu haben und dennoch unterstreichen sie die Absurdheit des Textes hervorragend, weswegen ich sie stimmig finde.
Fazit: Das etwas andere Buch, das sich aber auf jeden Fall zu lesen lohnt. Vier von fünf Sternen.

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47 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

fantasy, chroniken von chaos und ordnung, krieger, intrigen, brutal

Thorn Gandir - Aufbruch

J. H. Praßl
Flexibler Einband: 548 Seiten
Erschienen bei Acabus Verlag, 21.10.2013
ISBN 9783862822102
Genre: Fantasy

Rezension:

Worum geht es? Es ist ein episches Werk (es ist angelegt auf acht Bände), weswegen es schwierig ist, die Handlung einfach so zusammenzufassen. Schließlich wird auf den ersten 200 Seiten eine komplette Geschichte erzählt, wie aber eigentlich nur den Prolog für die weitere Handlung bildet. Nachdem der Waldläufer Thorn Gandir und manch andere nämlich das Valianische Imperium vor dem Sklavenaufstand gerettet haben, folgt bald darauf die nächste Aufgabe. Valians Zepter, mit dessen Hilfe Senatsvorsitzender Testaceus zum Cäsarus aufgestiegen ist, wird gestohlen. Thorn und seine Gefährten Chara, die Söldnerin, Bargh, der Krieger, und Telos, der Priester, nehmen die Verfolgung der Diebe auf und kommen so immer tiefer in das Wüstenreich des Alten vom Berg. Dem Mann, der Thorn alles genommen hat, das er liebte. Oder?
Schreibstil: Ich mag den Schreibstil sehr gerne. Er ist deutlich, leicht nachvollziehbar und die Wörter sind gut gewählt. Vor allem finde ich es gut, dass schlimme Dinge auch genauso schlimm dargestellt werden wie sie sind und nichts verharmlost wird. Auch scheut sich das Autorenteam nicht davor, lieb gewonnene Charaktere sterben zu lassen, was realistisch ist, auch wenn es natürlich schade ist.
Charaktere: Hauptcharaktere sind Thorn und Chara, doch dienen sie nicht wirklich der Identifikation. Zumindest nicht für jeden. Thorn ist immer unschlüssig, wankelmütig und auch etwas naiv. Geliebt zu werden ist sein einziges Begehr. Und natürlich für die Ordnung zu kämpfen. Doch richtig Gedanken darüber, was das Gute ist, hat er sich nicht gemacht. Chara hingegen ist sehr abgebrüht, kalt und unnahbar. Sie lässt sich nicht in die Karten schauen und bleibt daher auch für den Leser die meiste Zeit nicht zu erreichen. Anders sieht es hingegen mit Nebencharaktären aus. Meist wirken sie sympathischer als Thorn und Chara. Bodenständiger, menschlicher, humorvoller. So bleiben diese Charaktere, um einen Anknüpfungspunkt für die Geschichte zu finden.
Handlung: Die Welt Amaleas ist eine ganz eigene. Sie lässt sich nicht wirklich mit anderen Fantasy-Welten vergleichen, was für mich ein Pluspunkt in Sachen Originalität darstellt. Von Anfang an gibt es richtig Action. Flucht, Intrigen, Krieg, Liebe, Sterben. Alles dabei. Leider flaut das Tempo dann im mittleren Teil ziemlich ab und es beginnt, sich etwas zu ziehen. Die Abenteuer, die die vier bestehen müssen, wirken etwas willkürlich aneinandergereiht. Dennoch bleibt der Schreibstil so angenehm, dass man gerne und leicht weiterliest
Cover/Titel: Sowohl das Cover als auch den Titel der Reihe sowie des einzelnen Buches finde ich sehr passend. Vor allem der Titel der Reihe hat es mir angetan. Die Chroniken von Chaos und Ordnung. Das verspricht schon einiges und ich bin gespannt, was noch folgen wird nach Thorn Gandir.
Fazit: Das Buch ist der Auftakt einer Reihe und als solches sollte man es auch sehen, um es richtig bewerten zu können. Die Charaktere sind noch nicht ausgereift, die Handlung noch nicht allzu weit fortgeschritten, die Welt noch nicht ganz erforscht. Doch das ist auch ganz klar. Es folgen schließlich noch weitere Bände. Von daher hat das Buch für mich seinen Zweck erfüllt: es macht neugierig auf die Welt Amaleas, auf Chaos und Ordnung und auf die Charaktere. Daher von mir vier von fünf Sternen.

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afghanistan, geschwister, kabul, liebe, familie

Traumsammler

Khaled Hosseini , Henning Ahrens
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 18.09.2013
ISBN 9783100329103
Genre: Romane

Rezension:

Worum geht's? Der grobe Rahmen der Geschichte wird gebildet durch Abdullah und Pari, einem Geschwisterpaar, das in früher Kindheit voneinander getrennt wird. Aus Geldnot wird Pari in eine reiche Familie verkauft. Seitdem ist die Sehnsucht der ständige Begleiter der beiden.
Doch nicht nur um sie geht es in diesem Roman. Nein, auch viele am Rand beteiligte Figuren bekommen ihre eigene Geschichte. Nabi, der Onkel von Pari und Abdullah, der in seine Arbeitgeberin verliebt ist, selbst jedoch von wem ganz anderen geliebt wird. Die böse Stiefmutter, die von Schuldgefühlen geplagt wird und die schwerste Entscheidung überhaupt treffen musste. Mr. Markos, der sein ganzes Leben lang versucht, sich zu lösen, nur um am Ende gefangen zu werden. Verschiedene Personen, verschiedene Zeiten. Und doch sind sie alle lose miteinander verbunden.
Schreibstil: An Khaled Hosseinis Schreibstil gibt es nicht das Geringste auszusetzen. Seine Sprache ist klar und dennoch so bildgewaltig wie eh und je. Er ist der große Märchenerzähler. Es fühlt sich an, als säße man abends an einem Lagerfeuer und würde seinen Geschichten lauschen. Und doch ist jedes einzelne Kapitel ein bisschen anders geschrieben. In ein Kapitel wird zum Beispiel ein ganzes Interview eingefügt. Und doch ist alles stimmig.
Handlung/Charaktere: Hier wird es schwierig mit  dem Beurteilen. Es gibt ja schließlich keine durchgehende Handlung, sondern eher viele kleine Geschichten, die auch gut alleine stehen können. Ebenso gibt es viele verschiedene Charaktere. Manche Geschichten und Menschen gehen einem mehr ans Herz als andere. Manche bringen einem zum Weinen, andere ziehen an einem vorbei, ohne dass man wirklich drin ist. Schwierig.
Cover/Titel: Das Cover ziert Abdullah und Pari vor dem Hintergrund der afghanischen Berge, was wunderschön aussieht. Gerade zu poetisch. Und es passt auch, da die beiden den groben Rahmen des Buches bilden. Beim Titel fällt es schwerer. Mir scheint eher, dass Hosseini selbst der Traumsammler ist, der uns an seinen Geschichten teilhaben lässt. Warum das Buch Traumsammler heißt, erfährt man erst im letzten Kapitel. Im Grunde ist es nur eine Erwähnung am Rande. Aber bei diesem Buch hätte man auch nie einen Titel finden können, der alles umfasst.
Fazit: Wieder schafft es Khaled Hosseini mit seinen Worten zu verzaubern. Nur wechselt man dieses Mal zwischen verschiedenen Personen und Geschichten, was dem Zauber einen kleinen Abbruch tut. Man möchte länger bei manchen Menschen verweilen, muss sich im nächsten Kapitel dann aber wieder an wen Neuen gewöhnen, in den man sich vielleicht nicht so hineinfühlen kann.
Insgesamt kommt dieses Buch für mich nicht an 'Drachenläufer' heran. Ich schwanke zwischen drei und vier Sternen. Da mich Hosseini an einigen Stellen doch wieder berührt hat, bekommt er letztlich die vier Sterne.

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72 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

katrina, hurrikan, mississippi, familie, armut

Vor dem Sturm

Jesmyn Ward , Ulrike Becker
Buch: 320 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 11.09.2013
ISBN 9783888978616
Genre: Romane

Rezension:

Handlung: Esch lebt mit ihren Brüdern und ihrem Vater etwas abgelegen auf dem 'Pit'. Seit dem Tod ihrer Mutter hat die Familie verlernt, wie man Gefühle zeigt. Jeder konzentriert sich lieber auf etwas, das er beeinflussen kann. Skeetah auf seine Hündin China, die er in Hundekämpfen antreten lässt. Randall auf seine hoffentliche Karriere als Basketballprofi. Junior auf seine Geschwister. Esch auf Sex. Der Vater auf den aufziehenden Sturm. Im Angesicht dieser Naturkatastrophe namens Katrina wird der Familie endlich bewusst, was wirklich wichtig ist.
Schreibstil: Die Art zu schreiben ist geprägt von vielen Vergleichen und Metaphern, die man nicht gleich versteht oder die auch gar nicht zu verstehen sind. Außerdem wird die gesamte Handlung seltsam emotionslos erzählt, was in diesem Fall jedoch gut ist, da es die Emotionslosigkeit der gesamten Familie beschreibt.
Handlung/Charaktere: Durch die kühle Art zu erzählen wird dem Leser die Chance genommen, sich in die Charaktere hineinzuversetzen oder sie lieb zu gewinnen. Die Beziehung zwischen Leser und Charakter bleibt meist oberflächlich. Die Handlung wiederum wird zu sehr von China, dem Hund, bestimmt. Lange Passagen drehen sich um ihre Pflege, die Geburt ihrer Welpen, ihre Kämpfe und so weiter.
Cover/Titel: Cover und Titel sind beide sehr schön, passen jedoch nicht zum Buch. Wer sich darauf freut, eine Geschichte über 'Katrina' zu hören, wird hier wohl enttäuscht werden.
Fazit: Meiner Meinung nach wird das Buch der eigenen Erwartungshaltung nicht gerecht. An vielen Stellen wirkt es zu bemüht und konstruiert. Nähe zum Geschehen kommt selten auf. Die Idee finde ich aber gut, ebenso wie den Versuch, die Sprache den Gefühlen anzupassen.
Daher 3 von 5 Sternen.

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51 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

nationalsozialismus, mut, jugendliche, widerstand, hitler

Edelweißpiraten

Dirk Reinhardt
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 09.09.2013
ISBN 9783746629902
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext: Sie wollten nicht wegsehen – da wagten sie alles! Der 16-jährige Daniel freundet sich mit dem alten Josef Gerlach an. Aber etwas zwischen ihnen bleibt unausgesprochen. Da überlässt ihm der alte Mann sein Tagebuch. Es erzählt, wie Gerlach als 14-Jähriger die HJ verlässt und sich einer Clique anschließt, die sich »Edelweißpiraten« nennt. Ihr Markenzeichen: lange Haare und coole Klamotten. Ihr Motto: Freiheit! Zunächst beginnt alles ganz unpolitisch. Doch als die Lage immer schlimmer wird, planen sie gefährliche Aktionen gegen die Nazis …
Cover/Titel: Schlichter Titel, aber mehr braucht es auch gar nicht, stehen die im Buch beschriebenen Edelweißpiraten doch für eine Vielzahl von Gruppen. Das Cover zeigt deutlich das eigentliche Anliegen der Edelweißpiraten: einfach mit Freunden zusammensein, singen, musizieren, Spaß haben und sich nicht einschränken lassen. Freiheit eben.
Sprachstil: Ein Großteil des Buches besteht aus Tagebucheinträgen von Josef 'Gerle' Gerlach. Dirk Reinhardt hat es verstanden, die Einträge in einer authentischen, einfachen, der Jugend angepassten Sprache zu verfassen. Jedes einzelne Wort könnte ein Jugendlicher zu der Zeit genauso verwendet haben. Es ist echt und daher umso eindringlicher. Gedanken, die sich jeder hätte machen können.
Handlung/Charaktere: Im Grunde wollen Gerle und seine Freunde nicht mehr, als ihre Freizeit ohne Regeln gemeinsam mit Singen, Wandern und Gitarre Spielen zu verbringen. Doch das totalitäre Regime steht dem im Wege. So kommen die Jugendlichen immer wieder in Berührung mit HJ, Blockwarten und später auch der SS. Durch diese Begegnungen entwickelt sich schleichend ein politisches Bewusstsein, das es den Piraten nicht mehr gestattet, einfach wegzuschauen. Die Wandlung der Gruppe und die Entwicklung der einzelnen Freunde sind sehr gut nachvollziehbar. Die Spirale der Gewalt dreht sich unablässig und am Ende fragt man sich: 'Wie konnte es so weit kommen?'
Lieblingsstelle: 'Ich fragte mich, was für ein Gefühl es wohl war, auf ein so langes Leben zurückzublicken. War einem der Junge, der man vor siebzig Jahren gewesen war, inzwischen fremd - fast wie ein anderer Mensch? Oder gab es da etwas, tief in einem drin, an irgendeinem geheimen Ort, das sich nie änderte, das immer gleich blieb von der Geburt bis zum Tod, so wie der Name oder die Farbe der Augen oder das Muttermal auf dem Rücken? War man sich noch vertraut nach all der Zeit? Erkannte man sich wieder? Und wem ähnelte der alte Mann wohl mehr: einem anderen Greis von heute oder dem Jungen von damals?'
Fazit: Ein rundum gelungenes Buch, das einen zum Nachdenken regt, ohne aber mit der moralischen Keule zu schwingen. Die Edelweißpiraten sind keine idealistischen Widerstandskämpfer. Es sind Jugendliche, die merken, dass etwas falsch läuft, und etwas dagegen unternehmen wollen. In dem Buch gibt es kein schwarz/weiß. Gerade deswegen ist es auch gut für den Schulunterricht geeignet. Man wird nicht zu gezwungen, am Ende bei einer 'Moral der Geschicht' anzukommen und gerade deswegen macht man sich seine eigenen Gedanken. Uneingeschränkt empfehlenswert.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

israel, zeloten, massada, kamp, bibel

Ostrakon. Die Scherbenhüterin

Michaela Abresch
Flexibler Einband
Erschienen bei Acabus Verlag, 23.08.2013
ISBN 9783862822294
Genre: Historische Romane

Rezension:

Palästina im ersten Jahrhundert nach Christus. Daya verliert ihre Mutter, eine Schreiberin und Wegbegleiterin Jesu, bereits sehr früh. Doch verliert sie nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihre Stimme und ihre Heimat. Fortan wird sie begleitet von ihrer Sehnsucht nach einer Heimat. Bei ihren Verwandten findet sie keine neue Heimat, nein, sie muss sogar fliehen, als sie an einen alten Mann verheiratet werden soll. Dann scheint es, als könnte sie bei Freunden ihrer Mutter eine Heimat finden, doch auch dort hält sie nichts. Schließlich sieht sie ein, dass Heimat kein Ort ist, sondern ein Gefühl.
Eingebettet ist diese Suche in die Geschichte Palästinas im 1. Jh. v. Chr. Man erfährt vieles über die Lebensverhältnisse von damals und auch über die Gesinnung der Zeloten, dank Mattaji, der ebenfalls ein Suchender ist.

Die Idee, der zeitliche Rahmen und auch die Art, Dinge zu formulieren, haben mir wirklich gefallen. Nur leider veliert die Geschichte nach dem schönen Beginn an Spannung und vor allem im mittleren Teil werden die Zeistränge von Daya und Mattaji nicht konsequent miteinander vereinbart oder es gibt Zeitsprünge oder man denkt, es wäre viel mehr Zeit vergangen als es eigentlich ist. Außerdem habe ich im mittleren Teil leider die Verbindung zu Daya verloren, weswegen es mir nicht mehr möglich war, mich in sie hineinzuversetzen.

Gute Idee und toller Schreibstil minus Längen und Zeitenproblemen ergibt drei Sterne. :)

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1.650 Bibliotheken, 41 Leser, 10 Gruppen, 144 Rezensionen

new york, liebe, amerika, radio, gewalt

Der Junge, der Träume schenkte

Luca Di Fulvio , Petra Knoch
Flexibler Einband: 783 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 22.07.2011
ISBN 9783404160617
Genre: Historische Romane

Rezension:

Klappentext: New York, 1909. Aus einem transatlantischen Frachter steigt eine junge Frau mit ihrem Sohn Natale. Sie kommen aus dem tiefsten Süden Italiens - mit dem Traum von einem besseren Leben in Amerika. Doch in der von Armut, Elend und Kriminalität gezeichneten Lower East Side gelten die gnadenlosen Gesetze der Gangs. Nur wer über ausreichend Robustheit und Durchsetzungskraft verfügt, kann sich hier behaupten. So wie der junge Natale, dem überdies ein besonderes Charisma zu eigen ist, mit dem er die Menschen verzaubern mag...
Cover/Titel: Sowohl Cover als auch Titel haben mich sehr angesprochen, jedoch nur solange, bis ich das Buch gelesen habe. Den Titel kann man lassen, er passt noch zum Buch. Aber das Cover vermittelt meines Erachtens einen falschen Eindruck vom Buch. Es geht nicht um den jungen fünfjährigen Natale. Die eigentliche Geschichte beginnt erst, als Christmas (denn ja, auch der Name ist mehr oder weniger Schwindel) schon fünfzehn ist.
Dennoch beides sehr ansprechend, wenn auch irreführend.
Schreibstil: Den Schreibstil fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, da er etwas abgehackt und sachlich wirkte. Jedoch gewöhnt man sich schnell daran und versteht auch, warum es so wirken soll: die beschriebenen Handlungen, so schrecklich sie uns auch vorkommen mögen, waren damals an der Tagesordnung. Entweder ändert sich der Schreibstil irgendwann oder man hat sich daran gewöhnt, jedenfalls fällt es einem dann leicht, in die Geschichte einzutauchen. Blumige Beschreibungen fehlen oft, was ich für meinen Teil gut finde. Dafür sind nach meinem Geschmack an ein paar Stellen zu viele Wiederholungen. Auf jeden Fall gefiel mir die schonungslose Art, mit der Luca di Fulvio das Grauen bzw. die Grausamkeit der Menschen darstellt. Nüchtern beinahe.
Alles in allem also am Anfang gewöhnunsgbedürftig, später aber mitreißend.
Handlung und Charaktere: Hier muss ich am Anfang gestehen, dass ich mir das Buch zu einem guten Teil auch wegen des tollen Namen des Protagonisten gekauft habe. Natale. Problem war nur, dass Natale bei ihrer Ankunft in den USA sogleich umgetauft wird auf Christmas. Mit diesem Namen hatte ich die ersten hundert Seiten wirklich Probleme, weil ich ihn so furchtbar fand. Dann jedoch hat Christmas dafür gesorgt, dass man jede Diskussion um den Namen vergisst. Denn Christmas ist ein äußert liebenswerter kleiner 'Hosenscheißer'. Gerne würde er zu den 'Großen' gehören und weil er es nicht tut, macht er zumindest seine Umgebung eben dies glauben. Denn eins kann Christmas wirklich gut: sich Geschichten ausdenken.
Christmas zur Seite gestellt wird Ruth, die er am Anfang des Buches blutüberströmt findet und rettet. Ruth stammt aus einer reichen jüdischen Familie, passt also gar nicht zu dem armen Schlucker und obendrein Italiener Christmas.
Nun könnte man meinen, dass es sich um eine 08/15 Liebesgeschichte handelt und es nur darum geht, ob die beiden am Ende zueinander finden.
Kern der Geschichte ist jedoch nicht diese Frage, sondern eine ganz andere: Wie werde ich derjenige, der ich gerne wäre?
Der Weg zur Antwort ist holprig und steinig und di Fulvio verschweigt nicht die dunklen Seiten der Menschen. Trotz all der Grausamkeiten, die teilweise angesprochen werden, behält man am Ende des Buches vor allem eins in Erinnerung: Hoffnung und Optimismus.
Fazit: Ein Buch für jeden, der noch nicht am Ende seines Weges angekommen ist. Viel Liebe, viel Grausamkeit, aber vor allem viel Optimismus zeichnen dieses Buch aus. Genauso wie die sonderbaren, aber liebenswerten Charaktere. Ein Zuhälter zum Beispiel, der immer schwarze Hände hat, da er denkt, sie zu waschen bringt Unglück, und der, wenn er gerührt ist, erstmal laut rumflucht und andere beschimpft. Oder ein Schwarzer aus Harlem, der einmal im Jahr auf etwas spuckt, das einem Weißen gehört.
Auf jeden Fall lesenswert. Vier Sterne von mir.

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225 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

england, historischer roman, waringham, tudor, bloody mary

Der dunkle Thron

Rebecca Gablé
Flexibler Einband: 1.008 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.08.2013
ISBN 9783404168439
Genre: Historische Romane

Rezension:

Klappentext: London 1529: Nach dem Tod seines Vaters erbt der vierzehnjährige Nick of Waringham eine heruntergewirtschaftete Baronie und den unversöhnlichen Groll des Königs Henry VIII. Dieser will sich von der katholischen Kirche lossagen, um sich von der Königin scheiden zu lassen. Bald sind die Papisten, unter ihnen auch Henrys Tochter Mary, ihres Lebens nicht mehr sicher. Doch in den Wirren der Reformation setzen die Engländer ihre Hoffnungen auf Mary, und Nick schmiedet einen waghalsigen Plan, um die Prinzessin von ihrem größten Feind zu beschützen: ihrem eigenen Vater...
Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, da mich vor allem die ersten beiden Waringham-Bücher begeistert haben. Doch das, was diese beiden Bücher ausgemacht hat, fehlte mir hier leider.
Zum einen geht es um die Handlung an sich: normalerweise war ich es von Büchern von Rebecca Gablé gewohnt, dass es viel Spannung gibt, überraschende Wendungen, schockierende Offenbarungen und dergleichen mehr. Zwarr gibt es auch hier Offenbarungen und dergleichen, nur denkt man sich eher 'aha' und mehr nicht dabei. Das finde ich schade. So ist man leider nicht so gefesselt, wie man sein könnte.
Womöglich liegt das aber auch schlicht an der beschriebenen Zeit. Englische Renaissance. Alles befindet sich im Umbruch und was früher galt, gilt heute schon lange nicht mehr. Eigentlich ein interessantes Thema. Doch fehlt hier natürlich auch der Zauber des Mittelalters, der in den früheren Werken fester Bestandteil war. Man vermisst den Krieg, die siegreichen (oder auch nicht) Soldaten und das Spiel um die Macht.
Natürlich kann Frau Gablé nicht die Geschichte umschreiben, das möchte ich auch weiß Gott nicht. Jedoch fehlte mir als altem Waringham-Anhänger die direkte Beteiligung am Geschehen im Machtzentrum. Man bekommt die ganzen Intrigen und Ränkespiele nur am Rande mit, weil sich Nicholas nicht um Politik kümmert.
Außerdem fehlten mir bei 'Der dunkle Thron' Personen, die man richtig ins Herz schließen und lieben kann. Meine Lieblingspersonen waren Raymond und Chapuys, die beide nicht wirklich im Zentrum der Handlung stehen. So war ich während der gesamten Lektüre meist ziemlich unbewegt, da ich nicht so sehr mitgefiebert habe, wie wünschenswert gewesen wäre. Vielleicht fehlt mir auch einfach das Haus Lancaster. seufz
Sprachlich ist das Ganze natürlich wieder einwandfrei, genauso wie der gesamte geschichtliche Hintergrund. Ich schätze es sehr, wenn man bei einem historischen Roman etwas lernen kann. Da gibt es nichts zu mäkeln. Vor allem die vielen kleinen Details machen die Geschichte lebendig.

Fazit: Ein an sich gelungenes Buch, bei dem man jedoch nicht zu sehr an Charaktern oder Charaktereigenschaften, die es in den Vorgängerromanen gab, hängen darf. Ich bin sicher, wenn man weniger an John of Gaunt oder Somerset und Richmond hängt, kann man bestimmt auch einen Lieblingscharakter in 'Der dunkle Thron' finden.

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Tags: bloody mary, england, henryviii, renaissance, waringham   (5)
 
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