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royal me, romance, tina köpke, serie, monarchie

Royal Me: The Masquerade (Episode 1)

Tina Köpke
E-Buch Text
Erschienen bei null, 04.12.2016
ISBN B01MRJWS0B
Genre: Sonstiges

Rezension:


Wie sehr habe ich mich darauf gefreut, diese Rezension schreiben zu können <3 Royal Me ist nämlich ein Werk, das mir ganz besonders am Herzen liegt - ich hatte nämlich das Vergnügen, Betaleserin spielen zu dürfen. Schon damals hatte ich die Episode innerhalb weniger Tage durch - und zurück blieb der Wunsch nach mehr.
Für diese Rezension habe ich Tinas Werk ein zweites Mal gelesen, und wieder flog ich förmlich durch die Seiten.
Zum Einen liegt das an ihrem grandiosen Schreibstil - Tina schafft es nicht nur, das Callahan Castle (der Ort, an dem die Royalen verweilen) lebendig werden zu lassen, sondern auch die Gefühle der Charaktere sehr viel greifbarer und einfach echter zu machen. 
Ich war am Anfang skeptisch. Konnte mich die erste Episode eines Serials mit weniger als 30.000 Wörtern, noch dazu aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, überzeugen? Waren diese knapp hundert Seiten genug, um eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen?
Es brauchte nur eine erste Szene aus Vals Sicht. Val ist ein italienischer Bilderbuch-Macho, dessen Zunge viel zu scharf ist und der viel zu viel Alkohol verträgt (und trinkt). Binnen weniger Minuten saß ich lachend vor dem Dokument und war umso erstaunter, als ich die Szene plötzlich vorbei war.
Und so ging es mir mit einem Großteil der Charaktere - und die, denen ich anfangs skeptisch gegenüberstand, wuchsen mir mit der Zeit umso mehr ans Herz. Jeder von ihnen ist nicht nur in seinem Auftreten, sondern in seiner ganzen Erzählstimme so... individuell, dass ich nicht anders konnte, als sie zu lieben.
Abgesehen von Val wäre da zum Beispiel noch Priya aus Indien, deren Kultur so fremd ist und durch Tinas Schreibstil dem Leser doch erstaunlich gut nahe gebracht wird.
Da ist Oliver, der mit Val zusammen mein absoluter Liebling ist, den man einfach nur in den Arm nehmen möchte. Und Lina, mit der er eine gemeinsame Vergangenheit hat - doch die Dinge sind nicht so einfach...
Oder Anouk, die isländische Thronfolgerin, anfangs auch "Eisprinzessin" genannt. Doch eigentlich hat sie ein Herz aus Gold.
Und, wie gesagt, damit habe ich längst nicht alle angesprochen. Es sollte aber reichen, um zu zeigen, dass Royal Me: The Masquerade vor Diversität nur so strotzt - aber auch an Ideenreichtum mangelt es der ersten Episode nicht. Allein durch die enge Charakterbindung fiebert man automatisch mit, will, dass sich bestimmte Pärchen bilden und andere nicht, will am liebsten heulen, wenn es den Charakteren schlecht geht. (Vielleicht habe ich ein, zwei Mal selbst zu den Taschentüchern gegriffen...)
Obwohl es relativ kurz ist, so besitzt Royal Me dennoch einen ordentlichen Spannungsbogen, ist nicht nur ein Auftakt, sondern so viel mehr als das. Man liest ein Kapitel nach dem anderen, blinzelt zweimal, und plötzlich ist es vorbei und man will nur noch mehr. Mehr von Val und Oliver und Alicia und Priya und Lina und Anouk und Callum und Maya. Mehr Drama und mehr zauberhafte Worte. Mehr Royal Me.

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parallelwelten, englische literatur, magie, v.e. schwab, victoria schwab

A Gathering of Shadows

Victoria Schwab
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Tor Books, 23.02.2016
ISBN 9780765376473
Genre: Sonstiges

Rezension:


Die Shades of Magic-Reihe ist (bisher) das perfekte Beispiel für Bücher, die von den Charakteren vorangetrieben werden. Damit will ich nicht sagen, dass nichts passiert. Es passiert sogar einziges (und, wie üblich, wird der Plot gerade zum Ende hin wesentlich actionreicher), aber im Vergleich zu A Darker Shade of Magic ist A Gathering of Shadows noch einmal um einiges... gemütlicher.
Aber das macht überhaupt nichts.
Von Kell habe ich bereits in meiner letzten Rezension geschwärmt. In A Gathering of Shadows wuchs er mir noch mehr ans Herz: Nach den Ereignissen des ersten Bandes fühlt er sich mehr denn je wie ein Untertan denn ein wirkliches Mitglied der Königsfamilie. Rund um die Uhr wird er von Wachen begleitet, die sichergehen sollen, dass er nicht in eine andere Welt reist oder generell den Palast verlässt - alles "zum Schutze Rhys". Er muss quasi die Konsequenzen dafür tragen, dass er seinen Bruder gerettet hat - und langsam aber sicher frisst es ihn auf.
Allein aufgrund dessen tat er mir einfach unglaublich leid. Die Zerrissenheit, die auf diese Umstände folgte, war jedoch noch schlimmer. Eine Zerrissenheit, die eine ganz andere Seite Kells ans Tageslicht bringt - einen zweifelnden Kell, der mehr und mehr den Wunsch verspürt, seiner eigenen Familie zu entfliehen, dessen geliebtes rotes London nicht mehr (nur) ein Heimatgefühl vermittelt.
Wie man schon zwischen den Zeilen herauslesen konnte, wird auch Rhy viel präsenter. Rhy war eigentlich mein Highlight des Buches - in der Rezension zu A Darker Shade of Magic wünschte ich mir noch, mehr von ihm zu lesen, und in A Gathering of Shadows bekam ich diesen Wunsch vollkommen erfüllt. Endlich erhielt ich einen Einblick in Rhys Kopf und liebte ihn zugleich nur noch mehr. Sein Humor und damit verbunden die Beziehung zu Kell lockerten die düstere Atmosphäre einerseits auf, andererseits brachte es mich dazu, die beiden Brüder weiter ins Herz zu schließen.
Und Lila... selbst Lila, der ich im ersten Band noch eher zögerlich gegenüberstand, hat mich jetzt endlich vollkommen überzeugt. Auch sie hat sich weiterentwickelt, und erstmalig können wir eine andere Seite von ihr erahnen... einen Teil von ihr, der nicht konstant Leute wegstößt und flüchten möchte. Allein die "Beziehung" zu Alucard Emery, einem weiteren genialen Nebencharakter (und der Kapitän des Schiffes, auf dem sie die vier Monate verbrachte), ist unglaublich spannend gestaltet und schreit nach MEHR.
Wie ihr seht, ist die Rezension wieder einmal sehr auf die Charaktere fokussiert - aber alles andere würde dem Buch nicht gerecht werden. Ich habe es bereits gesagt: Der Fokus liegt eben auf den Charakteren. Sie sind unglaublich essentiell für die Geschichte!
Aber auch der Weltenbau bedruckt wieder einmal. In A Gathering of Shadows gewährt Schwab uns einen detaillierten Einblick in das Schloss und vor allem auch ins weiße London... wo uns mehr Überraschungen erwarten, ein größerer Plottwist lauerte schon in den ersten Seiten des Buches. Ebenfalls flocht Schwab neue Aspekte über die Magie an sich ein, was vor allem das Turnier sehr spannend machte.
Ich habe es schon mehrmals gesagt, und betone es gerne noch einmal: A Gathering of Shadows ist kein Buch, in dem die Dinge Schlag auf Schlag passieren - aber sie passieren, und mit einer emotionalen Wucht, die kaum vorzustellen ist. Ihr kennt das Prinzip aber schon von A Darker Shade of Magic, also bin ich mir sicher, dass euch der Folgeband (mindestens) genauso gut gefallen wird.
Zuletzt bleibt nur noch die Frage, wie zur Hölle das alles ausgehen soll... das ist mir ein absolutes Rätsel, denn A Gathering of Shadows endet an einem Punkt, an welchem so ziemlich alles passieren könnte.
Aber egal, wie sie sich entschieden hat - in ein paar Monaten zur Erscheinung des finalen Bandes, A Conjuring of Light, wird Schwab uns definitiv ein weiteres Mal das Herz brechen.

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Tags: englische literatur, junge erwachsene, v.e. schwab, victoria schwab   (4)
 

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victoria schwab, this savage song, ya, englisches jugendbuch, fantasy

This Savage Song

Victoria Schwab
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Greenwillow Books, 07.06.2016
ISBN 9780062380852
Genre: Sonstiges

Rezension:


Endlich mein zweites Buch von Victoria Schwab! So viel sei vorweggenommen: Ich bin nun endgültig ein Fan der Autorin und muss nach und nach wirklich all ihre Bücher lesen.
In This Savage Song beweist sie wieder einmal, was für geniale Ideen sie hat. Das USA, wie wir es kennen, existiert nicht mehr (ironisch, ich weiß). Die Geschichte spielt in einer Stadt namens Verity, die geteilt ist - und die von Monstern bewohnt wird, von Malchai, Corsai und Sunai, die am seltensten sind. Die Monster sind unter Kommando der zwei Männer - Harker und Flynn -, die die beiden Stadtteile verteidigen, aber immer mehr Unruhen treten zutage. Der sechsjährige Waffenstillstand droht zu zerfallen.
Inmitten dieses Trümmerfelds der Menschheit befinden sich Kate und August. Kate hat ihre Mutter verloren und versucht seitdem umso mehr, zu einer Kopie ihres Vaters zu werden - sie will Harker beweisen, dass sie genauso rücksichtslos und brutal sein kann. Und sie ist es auch, zumindest zu Beginn des Buches.
August hingegen weiß selbst nicht genau, was er ist, seitdem er eines Tages einfach aufgetaucht ist. Die Sunais sind nicht nur selten, sondern sehen den Menschen am ähnlichsten - doch August fühlt sich nicht menschlich, nicht wirklich, sondern überwiegend leer.
Am Anfang tröpfelt die Geschichte ein wenig vor sich hin - Schwab nimmt sich Zeit, die Charaktere einzuführen, was auch gut so ist, da damit auch Stück für Stück Informationen über dieses besondere Setting eingestreut werden. Wie bei A Darker Shade of Magic war ich gerade am Anfang von This Savage Song noch ziemlich verwirrt. Mit der Zeit wurde das alles jedoch klarer, auch wenn der Weltenbau hier nicht ganz so stark ist wie bei ADSOM. Ich bin jedoch sehr gespannt, was wir darüber noch in der Fortsetzung erfahren.
Im Zentrum stehen aber auch einfach die Charaktere. Und, Gott sei Dank, nicht in einer "Ich-liebe-meinen-Feind"-Weise - This Savage Song fokussiert einfach stark auf Kates und Augusts Entwicklung, was mir unglaublich gut gefiel. Beide Figuren sind einfach nicht Gutmenschen oder Heilige, sondern haben wirkliche Schwächen und weniger schöne Charakterattribute - aber das macht sie nur umso dreidimensionaler und spannender.
Ich möchte auch gerne noch einmal betonen, wie toll ich es finde, dass das Buch ohne eine Liebesgeschichte auskommt - auch wenn Kate und August zusammenarbeiten und sich "näher kommen", so bleiben sie doch bis zum Schluss Individuen mit ihren eigenen Köpfen und Entscheidungen.
Der Schreibstil ist, wie "üblich", einfach grandios. Victoria Schwab schreibt in der dritten Person jeweils aus Kates bzw. Augusts Sicht, und sie brilliert darin, schafft eine Nähe zu den Charakteren und somit eine emotionale Bindung.
Gegen Ende des Buches stieg die Spannung fast ins Unermessliche, und ich flog förmlich durch die Seiten, konnte das Buch gar nicht mehr beiseite legen. Irgendetwas an This Savage Song hat mich vollkommen in die Welt der beiden Jugendlichen hineingezogen und in mir den Wunsch erweckt, sie niemals wieder verlassen zu müssen.
Was kann ich also sagen? Victoria Schwab hat es wieder getan - wieder eine originelle Idee in Buchform verpackt, wie ich sie so noch nie gelesen habe, mit authentischen Charakteren und einem tollen Schreibstil versehen. Ich bin begeistert!

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Tags: fantasy, jugendbuch, this savage song, victoria schwab, young adult   (5)
 

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science fiction, young adult, gemina, the illuminae files, young adult fiction

Illuminae Files - Gemina

Amie Kaufman , Jay Kristoff
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Alfred A. Knopf Books for Young Readers, 18.10.2016
ISBN 9780553499155
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Illuminae hatte meiner Meinung nach ein paar Schwächen. Aber irgendetwas an dem Konzept des Buches, der Idee dahinter, hat mich so sehr in den Bann gezogen, dass ich mir Gemina wenige Tage nach dem Erscheinen zulegte.
War ich anfangs noch ein wenig "traurig", dass sich die Geschichte jetzt primär um andere Charaktere drehte, legte sich das schnell - denn Nik und Hanna sind verdammt coole Protagonisten, über die Stück für Stück mehr enthüllt wurde.
Hanna, auf der einen Seite, ist nicht (nur) das verwöhnte Mädchen, das sie vor allem anfangs den Eindruck macht zu sein. Schnell stellt sich heraus, dass sie ziemlich gut darin ist, am Leben zu bleiben - und auch zurückschlagen kann.
Niks Auftreten, auf der anderen Seite, ist auch zu einem gewissen Teil Schein. Der Leser fragt sich ziemlich bald, was wirklich in seiner Vergangenheit vorgefallen ist - und wie viel von dem, was man von ihm erfährt, wirklich wahr ist.
Warum ich die beiden letztendlich lieber als Kady und Ezra mochte? Ich bin mir nicht sicher, ehrlich gesagt. Aber sie wirkten einfach um einiges... dreidimensionaler auf mich. Nicht unbedingt realitätsnaher (sorry, doch diese Romanzen und Bad Boys sind teilweise doch etwas klischeebehaftet), aber dennoch greifbarer. Ich hatte einfach das Gefühl, besser in Niks und gerade Hannas Köpfe hineinschauen zu können als in die von Kady und Ezra. In Gemina wird auch mehr mit Überwachungsprotokollen gearbeitet als in Illuminae, vermutlich liegt es daran - was auch half, das Geschehen des Buches übersichtlicher zu gestalten.
Was in Illuminae etwas schwächer war, ist Geminas große Stärke: der Plot! Zugegeben ist er teilweise etwas konfus - aber einen Großteil des Buches über ist es einfach nur genial. Man wird förmlich in die Geschichte hineingezogen und nicht mehr losgelassen. Und wer von den Plottwists in Illuminae schon nicht genug bekommen konnte, wird in Gemina mindestens genauso viel (und noch mehr Freude) mit ihnen haben. Das ist mein vollkommener Ernst. Mein Weltbild innerhalb einer Geschichte wurde selten so sehr erschüttert - Kaufman und Kristoff haben alles auf den Kopf gestellt, spielen mit der Grenze zwischen Genialität und Absurdität. Ich war perplex, habe gelacht, habe sogar geweint - konnte nicht glauben, was für eine Lösung letztendlich präsentiert wurde. Gemina ist vollkommen abgefahren; ist nicht so von AIDAN oder der Aufmachung abhängig, wie es Illuminae war, und allein in diesem Aspekt schlägt es seinen Vorgänger definitiv.
Gerade auf die Illustrationen möchte ich noch einmal eingehen; in Gemina hat Marie Lu einen grandiosen Beitrag geleistet - ja, die Frau kann nicht nur fantastische Bücher schreiben, sondern auch fantastisch illustrieren. Ich hätte auch 600 Seiten gefüllt mir ihren Bildern anschauen können und hätte das völlig in Ordnung empfunden.
Um auf eine Frage einzugehen, die bestimmt vielen im Kopf herumschwirrt - ja, Kady und Ezra tauchen in Gemina auf. Hätte ich mir gewünscht, dass sie etwas präsenter sind? Ja und nein zugleich - denn letztendlich ist die Frage drängender, was zur Hölle in dem dritten Band passieren wird. Ohne Witz. Ich hoffe inständig darauf, dass wir keine neuen Protagonisten mehr bekommen und stattdessen die (überlebenden) alten Gesichter wieder zu sehen bekommen. Gerade nach den Enthüllungen in Gemina - meine Güte, ich war ja so was von ahnungslos.
Ich bin noch nicht so weit, sagen zu können, dass ich Gemina geliebt habe - auf jeden Fall werde ich beide Bücher vor dem Erscheinen des finalen Bandes ein weiteres Mal lesen; ich glaube, dass ich sie dann (noch) mehr mögen werde. Aber gerade im Vergleich zu seinem Vorgänger hat mir dieser Band schon wesentlich besser gefallen - es gab nur kleinere Mankos wie Niks Cousine (ich kam mit ihr als Charakter einfach nicht klar) und hin und wieder kleinere Verwirrung bezüglich der Storyline.
Aber wenn ich eines mit Sicherheit sagen kann, dann das: Wer Illuminae gemocht/geliebt hat, wird noch mehr Spaß mit Gemina haben!

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Tags: science fiction, young adult, young adult fiction   (3)
 

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london, paralellwelte, magie, v.e. schwab, victoria schwab

A Darker Shade of Magic

V.E. Schwab
Flexibler Einband: 513 Seiten
Erschienen bei Titan Books, 27.02.2015
ISBN B011T7AAT8
Genre: Fantasy

Rezension:


Ich habe Twitter erst vor ein paar Wochen für mich entdeckt. Vor allem war ich fasziniert davon, wie viel man dort über die Leben anderer Autoren entdecken kann. So entschied ich mich irgendwann, Victoria Schwab (V.E. Schwab ist ihr Pseudonym) zu folgen. Ich hatte von ihr und ihren Büchern schon vielerlei gehört, und als ich immer mehr über sie las und immer neugieriger wurde, wusste ich, dass es an der Zeit war, endlich mal ein Buch von ihr zu lesen.
Die Wahl viel auf A Darker Shade of Magic. Ich kann (noch) nichts zu anderen Büchern von ihr sagen, aber das war definitiv kein Fehlgriff.
Gleich auf der ersten Seite lernen wir Kell kennen, der einen magischen Mantel mit unendlich vielen "Seiten" besitzt. War ich anfangs noch leicht verwirrt, so fanden sich im Verlaufe des Buches immer mehr solche Kleinigkeiten wie zum Beispiel kleine Spiele, mit der man seine Magie trainieren kann. 
Aber auch im größeren Sinne ist die Welt, die Schwab erschaffen hat, etwas ganz Besonderes. Lediglich das graue London spielt tatsächlich in "unserer" Welt (oder ähnelt zumindest unserer), die anderen in komplett fiktiven Welten mit fiktiven Ländern. Jedes London hat ähnliche Berührungspunkte, geht aber in anderen Details komplett auseinander. Ich war schnell komplett fasziniert und in den Bann dieser Welt gezogen, die Stück für Stück vor meinem inneren Auge entstand.
Dieser geniale Weltenbau geht nahtlos in die Magie über; auch die ist ganz anders als alles, was ich jemals gelesen habe. Starre Regeln, wie man sie aus anderen Büchern kennt, gibt es hier nicht; aber generell würde ich das Buch unter seinem Wert verkaufen, wenn ich versuchen würde, es irgendwie zu vergleichen. Denn das geht nicht. Der große Fantasyboom ist längst vorbei, viele Bücher, die in das Genre fallen, verlaufen einem ähnlichen Schema. Das ist hier nicht der Fall. Die Magie, die Welten... alles ist so originell und neu und faszinierend.
Die Charaktere führten letztendlich dazu, dass ich mich komplett in die Geschichte verliebte. Die Handlung verläuft hier nicht Schlag auf Schlag, aber das braucht sie auch nicht; die Figuren sind Meisterwerke in sich.
Da haben wir zuallererst natürlich Kell - Kell, der sich an die ersten fünf Jahre seines Lebens nicht erinnern kann. Der zu der königlichen Familie des roten Londons gehört. Der alles für seinen Bruder, Rhy, tun würde, und unglaublich determiniert ist.
Rhy liebe ich auch jetzt schon, selbst wenn er noch nicht super präsent in A Darker Shade of Magic ist. Ein sehr charmanter, charismatischer Prinz, der viel Witz in die Geschichte bringt.
Und zuletzt Lila, ein Mädchen, das nur frei sein will, das kein wirkliches Zuhause hat und ihr "Gehalt" durch das Bestehlen anderer Menschen verdient. Lilas und Kells Wege kreuzen sich, und Stück für Stück lernen sie, dem anderen unter die Arme zu greifen. Gleichzeitig bleiben sie komplette Individuen - sie... ergänzen sich lediglich ein wenig. Vor allem gefiel mir, dass das Buch (fast) komplett ohne Romantik auskommt. Das hat es auch nicht gebraucht, und ich bin froh, dass Victoria Schwab das mit Bravour bewiesen hat.
Wie ihr seht, fehlt es A Darker Shade of Magic an nichts: Mit einem tollen Schreibstil wird man von Schwab in Kells Welt entführt und will sie am liebsten gar nicht mehr verlassen. Die Magie, der Weltenbau, die Charaktere - alles begeisterte mich vollkommen.

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futuristisch, young adult, gossip girl, dystopie, jugendbuch

The Thousandth Floor

Katharine McGee
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 30.08.2016
ISBN 9780062418593
Genre: Sonstiges

Rezension:


The Thousandth Floor ist eines dieser Bücher, das ich einfach lesen musste, weil ich die Idee so unglaublich spannend finde. Manhattan 2118, ein futuristisches, gigantisches Hochhaus und eine Geschichte, die ein wenig Gossip-Girl-Vibes versprach - ich war sofort mit dabei!
Gerade dieses Setting ist eine Stärke des Buches. Ich habe festgestellt, dass ich durch die Straßen laufe, Häuser angucke und versuche, mir die Größe des "Towers", wie er im Buch genannt wird, vorzustellen. Bisher bin ich wieder und wieder gescheitert. 1000 Stockwerke - 2,5 Meilen laut dem Buch - sind eine Sache. Aber sich dann noch eine Fläche vorzustellen, die ganze Straßen beherbergt? Wo nicht nur ein paar Apartments aneinandergereiht sind, sondern dutzende Wohnungen und Geschäfte? Wow. Einfach wow.
Immer wieder flechtet McGee kleine Details ein, die beweisen, wie gut sie sich den Tower selbst vorstellen und auch dem Leser nahebringen kann. Ich bin immer noch ganz fasziniert und frage mich - wie so ziemlich bei allen futuristischen Büchern -, was genau davon eintreffen wird.
Im Zentrum des Buches stehen sonst natürlich die Charaktere. Bei The Thousandth Floor gibt es nicht einen elaborierten Plot, sondern wird dieser vielmehr durch die Figuren vorangebracht und entwickelt.
Die fünf oben erwähnten Charaktere sind die, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist. Es gibt allerdings noch zahlreiche weitere, und damit meine ich wirklich zahlreiche. Dennoch gelang es mir überraschend gut, den Überblick zu behalten und schnell entwickelten sich Favoriten oder... eben nicht-Favoriten.
Von den Perspektivträgern konnte ich nur zwei richtig gut leiden, und das waren Avery und Rylin - der Reichtum in Person (Averys Eltern besitzen das Apartment im 1000. Stock) und dagegen Rylins krasse Armut. Sie ist ein wenig das Äquivalent zu Dan aus Gossip Girl, nur weniger... nervig und sprunghaft. (Wenn hier Gossip Girl-Fans mitlesen: Sorry!) Avery ist vor allem missverstanden und überraschend isoliert, auch wenn jeder von ihr annimmt, das Gegenteil zu sein. Ich konnte ihre Gefühle besonders gut nachvollziehen und vor allem ihr Adoptivbruder Atlas ist mir auch sehr sympathisch geworden.
Watt habe ich mehr oder weniger toleriert, zu Eris habe ich nie wirklich eine Verbindung aufgebaut und Leda... Leda ist schlichtweg unsympathisch, schon fast krankhaft neidisch. Ich frage mich, ob das absichtlich so konzipiert war - wenn ja, hätte ich einfach gar nicht erst aus ihrer Perspektive geschrieben. Ihre Kapitel haben sich einfach immer gezogen und waren durchweg negativ.
Dafür gab es ja noch ein paar angenehmere Nebencharaktere - allen voran Cord, der Chuck Bass des Towers. Er hat eine düstere Vergangenheit, einen herrischen Bruder und verbirgt sich hinter seinem Reichtum und einer Maske. Einer meiner Favoriten.
Katharine McGees Schreibstil ist simpel, sodass man trotz dem eher komplexen Weltenbau der Geschichte gut folgen kann. Vor allem haben die Kapitel eine angenehme Länge, sodass man selbst bei eher ungeliebten Charakteren nicht lange warten muss, bis jemand anderes auftaucht.
Vor allem das Ende des Buches hat mich komplett aus der Bahn geworfen - auch wenn bereits im Prolog etwas vorweggenommen wird, war ich doch ziemlich überrascht. Gerade die Art und Weise, wie alle Storylines jetzt unwiederbringlich miteinander verflochten sind, macht mich doch verdammt neugierig auf den weiteren Verlauf der Geschichte. Ich bin definitiv wieder mit dabei, wenn die Geschichte der Tower-Bewohner weitererzählt wird!

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six of crows, fantasy, freundschaft, crooked kingdom, befreiung

Crooked Kingdom

Leigh Bardugo
Flexibler Einband
Erschienen bei Henry Holt, 27.09.2016
ISBN 9781250119315
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Ich habe das Schreiben dieser Rezension vor mir hergeschoben, etwas, das ich sonst niemals mache. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich, egal, welche Wörter ich nehmen werde - ich werde diesem Buch niemals gerecht werden. Das will ich von Anfang an klar stellen, und auch, dass das vermutlich keine traditionelle Rezension in dem Sinne wird.
Ich habe Six of Crows geliebt. Die Charaktere sind mir beim zweiten Lesen noch mehr ans Herz gewachsen, und noch bevor ich Crooked Kingdom begann, tat der Gedanke, sie gehen lassen zu müssen, weh.
Crooked Kingdom hat aber noch viel mehr mit mir angestellt. Zum ersten Mal seit Jahren hat mich ein Buch so mitgenommen, dass ich nach Tagen noch daran denke. Selbst mein Schreiben, das ich sonst sehr regelmäßig mache, brachte ich nicht mehr über mich. Immer wieder kehrten meine Gedanken zu diesem Buch zurück, und an die Dinge, die ich gelesen und erfahren habe. Ich habe - auf gut Deutsch - geheult wie ein Schlosshund, und das nicht nur an den düsteren Stellen, selbst in schönen, positiven Momenten sind mir die Tränen gekommen.
Also... wo fange ich an? In Crooked Kingdom kriegen wir endlich Ketterdam zu sehen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Gleich am Anfang des Buches befindet sich eine wunderschön gestaltete Karte, die zum Entdecken und genaueren Angucken einlädt. Die Dregs führen uns zu neuen Schauplätzen wie van Ecks Haus, der Hafen, selbst die Universität... Die Atmosphäre ist einfach grandios, genau wie das Gefühl, Kaz, Inej, Jesper, Wylan, Matthias und Nina in vertrautem Gebiet zu sehen.
Der Plot... Lief alles in Six of Crows auf die Mission im Ice Court zu, so begleitet Crooked Kingdom von der ersten Seite an eine unglaubliche Spannung. Das Buch strotzt nur so von Enthüllungen und Wendungen. Selbst ruhige Momente sind von dem Wissen überschattet, dass es nicht lange so bleiben kann.
Die Spannung existiert auch zwischen den Charakteren, die immer noch das Kernstück dieser Dilogie sind - da kann der Plot noch so grandios sein. (Und er ist wirklich grandios. Leigh Bardugo beweist ein unglaubliches Talent für eine ausgearbeitete Handlung.) Ich habe mich lange gefragt, was die Beziehungen zwischen Inej und Kaz, Nina und Matthias, Wylan und Jesper so reizvoll macht. Und die ganzen Freundschaften zwischen ihnen.
Es ist die Elektrizität.
Leigh Bardugo gelingt es, mit zielsicher eingesetzten Worten solch eine Spannung zu erzeugen, dass man nicht anders kann als komplett in den Bann der Charaktere und ihrer Beziehungen gezogen zu werden.
Wie auch schon in Six of Crows streut Bardugo geschickt Informationen über die Vergangenheit der sechs Krähen ein. Wylan ist wohl der Charakter, dem der größte Zuwachs an Tiefe zuzuschreiben ist, aber auch über Inej oder gerade Matthias erfährt man noch einiges. Und als wäre das noch nicht genug, tauchen vertraute - und geliebte - Gesichter aus der Grisha-Trilogie auf und verstärken das Gefühl, in eine vertraute Welt zurückzukehren.
Damit wären wir dann wieder an dem Punkt angelangt, an welchem ich meine Liebe für das Buch, für die ganze Dilogie deklariere; aber wie gesagt, keine Worte können dem gerecht werden, was Crooked Kingdom mit mir angestellt hat. Ich habe noch nie, noch nie solch ein gelungenes Ende für einen Mehrteiler vor mir gehabt. Auch wenn es herzzerreißend ist, die Charaktere gehen lassen zu müssen... so passt das Ende doch wie die Faust aufs Auge. Es wird den Charakteren, den unglaublichen Dimensionen der Geschichte gerecht, es ist... es ist perfekt. Anders kann ich es nicht beschreiben.

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Tags: crooked kingdom, dilogie, fantasy, leigh bardug, six of crows, young adult fantasy   (6)
 

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mobbing, drama, liebe, young adult, familie

Holding Up the Universe

Jennifer Niven
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Penguin, 06.10.2016
ISBN 9780141357058
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Auch wenn mich All the Bright Places von Jennifer Niven nicht komplett überzeugen konnte, so hat es mich doch neugierig gemacht - neugierig auf andere Werke der Autorin. Umso mehr freute ich mich, Holding Up the Universe als Rezensionsexemplar zu erhalten.
Niven erzählt sowohl aus der Sicht von Jack und Libby, wechselt sogar relativ häufig zwischen den beiden hin und her und ermöglicht somit einen leichten Einstieg in die Geschichte. Denn gerade die häufigen Wechsel machen die Storyline doch sehr reizvoll.
Ich habe sowohl Libby als auch Jack sehr gerne gemocht. Niven ist nicht auf Libbys Gewicht fixiert - oder auf irgendwelches Abnehmen -, sondern vielmehr auf die Message dahinter. Wie Libbys Umfeld darauf reagiert, wie Libby damit umgeht. Vor allem ist Libby kein schwächliches Mädchen, das sich verstecken will; sie steht mehr und mehr für sich selbst gerade und beweist ein grandioses Selbstbewusstsein. Außerdem entwickelt sie stückchenweise ihre eigene Message, die sie in die Welt hinausschreit.
Jack mochte ich fast noch ein bisschen lieber. Ich weiß nicht, warum - vielleicht, weil man gerade ihm anmerkt, dass er selbst noch mitten in diversen Lernprozessen steckt. Er kann sich nicht von seiner On-Off-Beziehung lösen, er bringt es nicht über sich, anderen Leuten von seiner Krankheit zu erzählen, manchmal wählt er schlichtweg die falschen Worte und stürzt sich in eine kleine Katastrophe. Gerade diese kleinen Fehler machen ihn unglaublich liebenswert, und es ist spannend zu sehen, wie er sich im Laufe des Buches entwickelt.
Was mich allerdings massiv, massiv gestört hat, war die Beziehung der beiden.
Jetzt ist es raus. Das ist einer der Sätze, von denen ich niemals gedacht habe, dass ich sie sagen würde. Aber in Holding Up the Universe hatte ich zum ersten Mal ein wirklich starkes Gefühl, dass ich die ganze Romantik nicht will und nicht brauche.
Versteht mich nicht falsch: Die beiden haben ein paar süße Szenen. Aber das ganze wechselt von Kitsch zu abrupten, teilweise absurden Streiten und letztendlich einem überstürzten Ende, das Niven viel zu unvollständig hinterlassen hat.
Wie auch schon bei All the Bright Places, und es macht mich fast traurig, da ein "Muster" zu erkennen, hat Holding Up the Universe eine ganz wundervolle Nachricht. Niven wählt die richtigen Worte, bereitet das Thema taktvoll auf und beweist, wie gut sie sich auskennt! Wirklich, wirklich grandios.
Aber diese Liebesgeschichte zwischen Libby und Jack verdrängt fast die Bedeutung des Buches... Das ist so ein Widerspruch, weil Libby und Jack als Individuen ganz wundervolle Charaktere sind. Und wenn sie sich gegenseitig helfen und unterstützen. Aber wenn man plötzlich nur noch an die Augen des anderen denkt und überlegt, ob man ihn küssen soll, und Jack trotz seiner Prosopagnosie sich an Libbys Gesicht erinnern kann, dann... dann verliert die Geschichte ihren Zauber. Und beide Protagonisten ihre Individualität.
Vielleicht werde ich es noch mit einem dritten Buch von Jennifer Niven versuchen - falls/sobald sie ein weiteres veröffentlicht. Aber letztendlich hatte ich bei Holding Up the Universe ein kleines Déjà-Vu: Ein angenehmer Schreibstil und eine grandiose, überwältigend gute Umsetzung der Thematik - aber die Romanze passte einfach nicht hinein. Letztendlich hat Holding Up the Universe versucht, mich zu berühren, ist aber auf dem Weg dahin gescheitert.

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fantasy, throne of glass, sarah j. maas, jugendbuch, english books

Empire of Storms

Sarah J. Maas
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury USA Childrens, 08.09.2016
ISBN 9781619636071
Genre: Fantasy

Rezension:


Ich habe schon oft erzählt, was für ein Pech ich mit Spoilern habe. Wie sehr ich diese biestigen Sätze und Bilder verabscheue, die mich immer dann erwischen, wenn ich einen Augenblick lang unaufmerksam bin, die meine Vorfreude dämpfen oder komplett ruinieren. Game of Thrones, die Bestimmung 3, der dritte Ewiglich-Band, All the Bright Places... nur um ein paar Beispiele zu nennen.
Bei Empire of Storms ist schon Wochen im Voraus ein riesiges Drama ausgebrochen, das ich nicht nachvollziehen konnte (und irgendwie auch nicht nachvollziehen wollte). Es wurde teilweise förmlich mit Spoilern geworfen, weswegen ich mich letztendlich dazu entschieden habe, nicht mehr auf die US-Paperback-Ausgabe zu warten. (Und weil ich es, ehrlich gesagt, leid war, andauernd ein Jahr hintendran zu sein. Meine Geduld hat auch ihre Grenzen.)
Also... wo fange ich an? Dachte ich bei Queen of Shadows schon, dass die Serie an Komplexität kaum noch zu übertreffen ist, so hat Empire of Storms noch einmal eins draufgesetzt. Obwohl jetzt mehr und mehr Charaktere aufeinander treffen und Storylines zusammenlaufen, so gewinnt Sarah J. Maas' Plot immer mehr an Komplexität. Noch mehr an Komplexität. Empire of Storms beweist, wie gut und vorausschauend sie geplant hat - Dinge, die bereits in den ersten Bänden erwähnt wurden, werden hier wieder aufgenommen. Das Weltbild wieder und wieder auf den Kopf gestellt. Ich habe das Gefühl, Queen of Shadows und Empire of Storms mindestens noch einmal lesen zu müssen, um sie in ihrer Komplexität vollkommen erfassen zu können. Im Moment kann ich eigentlich nur so viel sagen: Ich bin beeindruckt und ziehe meinen Hut vor Sarah J. Maas. So viel Genie beweisen nur wenige Autoren.
Wer noch nicht The Assassin's Blade gelesen hat, sollte es spätestens vor Empire of Storms tun, besser noch vor Queen of Shadows. Maas bezieht sich mehr und mehr auf die Ereignisse dort. Ja, man kann Empire of Storms ohne dieses Wissen lesen und gut verstehen. Aber ich persönlich habe es genossen, noch einmal zu diesen Kurzgeschichten zu greifen und mich an die verschiedenen Charaktere aus ihnen zu erinnern. Ein weiterer Aspekt, der der Geschichte Tiefe verleiht.
Empire of Storms beginnt im gemäßigten Tempo, aber das ist man eigentlich seit Heir of Fire gewöhnt, um ehrlich zu sein. Und das meine ich nicht negativ: Wenn Maas das Tempo, das sie gegen Mitte/Ende hin anstrebt, von Anfang an vorlegen würde, würde ich vermutlich spätestens bei der Hälfte des Buches einen Herzinfarkt erleiden. Ich sehe auch keinen Grund, mich darüber zu beschweren: Die Charaktere müssen sich schließlich auch entwickeln, und ich hatte nie das Gefühl, dass ich Szenen gelesen habe, die nicht die eigentliche Geschichte vorangebracht haben.
Und wo wir bei Charakteren sind: Hier meine übliche Schwärmerei, was die Charaktere anbetrifft.
Nein, natürlich nicht.
Aber wieder einmal bin ich beeindruckt von der Wandlungsfähigkeit der Charaktere. Manon ist mir mittlerweile richtig ans Herz gewachsen, aber indem Sarah J. Maas auch Rowans "Cadre" (damit meine ich vor allem Lorcan, Fenrys und Gavriel, mein persönlicher unterschätzter Favorit) einbringt und wir diese besser kennen lernen, wächst nur die Liste der Charaktere, die ich nie wieder loslassen will. Allein Elide zeigt in Empire of Storms, wie widerstandsfähig sie ist - und dass sie Stück für Stück immer stärker wird.
Über das Ende habe ich in der Zeit, in der ich auf meine Kopie gewartet habe, einiges gehört. Worüber sich alle einig waren: Es ist verstörend zerstörend. Ich habe, ehrlich gesagt, mit dem Schlimmsten gerechnet. Die gute Nachricht? Das, was ich befürchtet habe, traf nicht ein. Die schlechte Nachricht? Es war viel schlimmer als alles, was ich mir jemals erträumt habe. Ähnlich wie bei A Court of Mist and Fury habe ich ein wenig, äh, meine Contenance verloren und auch Tage später bin ich immer noch leicht verstört.
Ihr habt es schon erwartet, oder? Ich sage es trotzdem noch einmal: Sarah J. Maas hat es wieder getan.

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cassandra clare, magisterium, magie, fantasy, chaos

Magisterium - Der Schlüssel aus Bronze

Cassandra Clare , , Holly Black , Anne Brauner
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783846600283
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Im Folgenden beziehe ich mich auf die englische Ausgabe, Magisterium: The Bronze Key.


Ich war fest entschlossen, keine ausführliche Rezension zu The Bronze Key zu schreiben. The Iron Trial und The Copper Gauntlet haben mir gut gefallen, aber es war eben nur gut. Und dann war da noch die Tatsache, dass der dritte Band mit 256 Seiten Seiten noch kürzer als seine Vorgänger ist.
Oh, ich hatte ja keine Ahnung.
Hat man schon in The Copper Gauntlet gemerkt, dass Call und seine Freunde langsam älter werden, so hat sich das in The Bronze Key noch einmal verstärkt. Zum Einen wird die ganze Serie, die Atmosphäre noch einmal wesentlich düsterer. Leute sterben - natürlich ist das noch längst nicht so explizit beschrieben wie zum Beispiel in Young Adult Büchern, aber es ist, als würde die Serie mit den Protagonisten mitwachsen.
Denn auch Call, Aaron und Tamara werden älter. Jaspers Interesse für romantische Beziehungen erwacht. Dadurch werden vor allem ihre Entscheidungen und ihr Verhalten rationaler, aber immer noch für ihr Alter angemessen. Gleichzeitig wird das Buch nicht vollkommen von Ernsthaftigkeit konsumiert, im Gegenteil; ich habe bei keinem der Bände so sehr gelacht wie bei The Bronze Key! Gerade Jaspers Datingtipps:

“Number one,” Jasper said, with a frown at Call, who clearly didn’t appreciate the wisdom that was about to be dispensed, “when you talk to a girl, you have to look her right in the eye. And you can’t blink. That’s very important.”
“Doesn’t that mean your eyes start watering?” Aaron asjed.
“Not if you do it right,” Jasper replied significantly. Call wondered what that meant. Were you supposed to develop a second eyelid, like a lizard?
(Magisterium: The Bronze Key, Holly Black & Cassandra Clare, Quelle)

Ich mag einfach die Atmosphäre und fast schon der Komfort, den Calls Welt mir bietet. Mit jedem Buch hat man mehr und mehr das Gefühl, nach Hause zu kommen. Die Geschichte ist fantastisch - voller Magie und Geheimnisse.
Und die Chemie zwischen den Charakteren erst! Ich habe ja schon erwähnt, dass sie reifer werden, aber gerade Aarons und Calls Freundschaft ist wirklich grandios dargestellt. Obwohl die beiden Feinde sein sollten, können sie doch aufeinander zählen, obwohl sie sich erst seit drei Jahren kennen, herrscht solch ein tiefgreifendes Vertrauen zwischen ihnen.
Aber Leute, das Ende erst. Ich bin immer noch nicht darüber hinweg. Und irgendwie erwarte ich eine Hintertür, so wie man das von Cassandra Clare und Holly Black kennt. Wir wissen ja mittlerweile gut genug, dass beide Autorinnen Plottwists beherrschen wie kaum andere. Doch dieser übersteigt alles - er katapultiert The Bronze Key, wenn nicht die ganze Serie, noch einmal auf ein anderes Level und hebt sich von anderen Middle Grade Serien ab. Ich bin immer noch schockiert, beeindruckt, zutiefst berührt (und verstört). Mit The Bronze Key haben Clare und Black endlich das Potential der Serie vollkommen ausgeschöpft und meine Hoffnungen, die ich für die Reihe hatte, bestätigt.

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fantasy, jugendbuch, magie, sarah j. maas, chaol

Queen of Shadows

Sarah J. Maas
Flexibler Einband
Erschienen bei Bloomsbury UK, 10.09.2015
ISBN 9781408858615
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Da ich ein großer Fan von Sarah J. Maas und ihren Büchern bin, (was ich nie müde werde zu betonen) war meine Aufregung dementsprechend groß, als Queen of Shadows endlich, endlich bei mir ankam. Anders ausgedrückt: Drei Tage später klappte ich das Buch zu und war mal wieder ein emotionales Wrack.
Aber fangen wir von vorne an: Schon an den ersten paar Seiten von Queen of Shadows merkt man, dass die Serie sich langsam ihrem Ende zuneigt - Fäden werden aufgenommen und verknüpft, Ereignisse, auf die man seit hunderten Seiten hingefiebert hat, finden endlich statt. So treffen wir ziemlich bald auf Arobynn, Aelins Mentor, der sie zum Assassine ausgebildet hat. Und weil ich nicht spoilern will, sei so viel gesagt: Arobynn hat sich seit The Assassin's Blade kein bisschen gebessert. Man wünscht sich immer noch, dass er sich doch zum Guten wenden würde, aber... tief drinnen weiß man, dass er es nicht tun wird.
Eigentlich wollte ich auch weniger über Arobynn reden (aber ich steigere mich einfach zu sehr rein, wenn sein Name erwähnt wird), sondern vielmehr über die anderen Charaktere. Denn wie auch schon in den vorhergehenden Bänden gibt es viel Wachstum - und auch Stagnation.
Bei letzterem meine ich - wer hätte es gedacht - Chaol. Chaol ist auch jemand, den ich gern mögen würde, aber dann lese ich über die Dinge, die er macht und sagt, und verfluche ihn wieder aufs Neue. Trotzdem könnte ich ihn niemals hassen. Denn was ich an ihm schätze, ist seine unglaubliche Loyalität Dorian gegenüber. Bei vielen ist das umstritten, aber ich für meinen Teil bewundere ihn deswegen - habe es schon immer, vom ersten Band an. Allerdings verabscheue ich die Konsequenzen dieser Loyalität: Chaols Blindheit gegenüber allem anderen, und vor allem seine Vorurteile. Gerade die Art und Weise, wie er in Queen of Shadows mit Aelin umspringt, erweckte in mir schlichtweg den Wunsch, ihn zu erwürgen. Ständig stellt er ihren Charakter infrage, unterstellt ihr, ihre Magie - wenn sie eines Tages zurückkommt - zu missbrauchen und grundsätzlich ist er fast angewidert von der Frau, die Aelin geworden ist. Chaol ist einfach, wie man in Heir of Fire schon merkt, stehen geblieben. Während all die anderen Charaktere gewachsen sind, ist Chaol immer noch an demselben Platz, und besitzt nichts mehr als seinem Pflichtgefühl. Ich hoffe, nein, glaube, dass sich das noch ändern wird, und bin gespannt, wie er sich entwickelt.
Aelin ist dazu der krasse Gegensatz. In Queen of Shadows wird sie nicht mehr Celaena genannt, hat jetzt offiziell ihre "richtige" Identität angenommen. Ich weiß gar nicht mehr, was ich zu ihr noch sagen soll. Dass ich komplett beeindruckt von ihr bin? Vollkommen begeistert von der Art und Weise, wie Maas solch einen vielschichtigen und gleichzeitig abgründigen Charakter geschaffen hat? Das trifft es vermutlich. (Ansatzweise.)
Ein paar Worte wollte ich auch noch zu Manon verlieren. In Heir of Fire stand ich ihr noch unglaublich skeptisch gegenüber, konnte die Begeisterung anderer Leser gar nicht verstehen - in Queen of Shadows hat sich das vollkommen gewendet. Ich lernte, sie besser zu verstehen, vor allem auch den größeren Zusammenhang mit den anderen Charakteren, insbesondere Aelin - ich habe einfach ihre Rolle viel besser verstanden. Ich reihe mich nun also stolz bei den Manon-Fans ein, und bin gespannt, was die Geschichte für sie noch so bereithält.
Wenn es nach mir ginge, würde ich jetzt noch ähnliche Romane über Rowan und Dorian verfassen, aber das will ich euch nicht auch noch antun. So viel sei gesagt - bei ein paar Szenen mit Rowan hat Sarah J. Maas bewiesen, wie unglaublich gut sie schreiben kann (besonders, wenn es, nun, heiß wird). Und Dorian... Dorian ist wirklich einer meiner liebsten Charaktere. Ich kann hier wirklich nicht viel zu ihm sagen, ohne zu spoilern, aber ich würde ihm am liebsten eine lange, lange Umarmung geben.
Gleichzeitig führt Maas noch einen Haufen anderer Charaktere ein, zum Beispiel Lysandra, die wir schon aus The Assassin's Blade kennen, oder Nesryn, die... Vergangenheit mit Chaol hat. Oder Elide! Und zu guter Letzt kann ich natürlich nicht Aedion unterschlagen - Aelins Cousin. Was Aelin alles riskiert, um ihn zu befreien, sagt eigentlich schon alles. Der Bund zwischen den beiden ist unglaublich ergreifend.
Was an der ganzen Throne of Glass-Serie so beeindruckend ist, ist die Balance, die Sarah J. Maas einbringt. Obwohl es von Buch zu Buch mehr düstere Szenen gibt, gibt es immer noch diese hellen, lichtbringenden Momente, in denen ich vor dem Buch sitze und herzlich lachen muss. (Damit sie mir dann im nächsten Kapitel wieder das Herz brechen kann.) Obwohl das Buch über 600 Seiten hat, ist es ein richtiger Pageturner. Wieder und wieder gelang es der Autorin, mich in die Irre zu führen, mich nach Luft schnappen zu lassen. Das Buch strotzt nur vor unerwarteten Wendungen und schockierenden Enthüllungen. (Aber ganz im Ernst: Wer hat etwas anderes erwartet?)
Müsste ich Queen of Shadows mit einem Wort beschreiben, dann wäre das wohl episch. Die Welt, die Charaktere, die Geschichte, diese ganze Komplexität und die puren Emotionen auf jeder Seite - keine Ahnung, wie Sarah J. Maas das alles hinbekommt. Aber ich ziehe meinen Hut vor ihr, wieder und wieder, Seite für Seite, und bin ehrfürchtig und gespannt auf all das, was noch kommen wird.

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drohne, jugendbuch, thriller, elanus, ursula poznanski

Elanus

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Loewe, 22.08.2016
ISBN 9783785582312
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Ich habe schon seit einer gefühlten Ewigkeit nichts mehr von Ursula Poznanski gelesen. Einen Krimi von ihr letztes Jahr. Aber Saeculum habe ich sage und schreibe in 2011 gelesen! (Ich weiß, ich erwähne in so ziemlich jedem Beitrag, wie lange xy her ist. Aber es ist Fakt. Ich stecke gedanklich noch in 2012 fest, verzeiht mir.)
Also, auf jeden Fall habe ich mich gefreut, mit Elanus endlich wieder zu einem Jugendbuch Poznanskis greifen zu können - gerade, da ich so gute Erinnerungen an vergangene hatte.
Doch schon nach den ersten paar Seiten stockte ich. Nicht wegen dem Schreibstil - auch wenn der manchmal etwas holprig ist, so schreibt Poznanski dennoch im Großen und Ganzen flüssig und ermöglicht dem Leser, einfach Kapitel um Kapitel zu lesen.
Ich hatte ein gewaltiges Problem mit Jona. Was auch zu erwarten war. Jona ist nämlich nicht der Typ Protagonist, der dem Leser ans Herz wächst. Er ist arrogant und überheblich - lässt keine Gelegenheit aus, um seinen Kommilitonen verbal eins auszuwischen, muss immer seine geistige Überlegenheit beweisen. Er ist sich dem auch bewusst, kann seine unfreundlichen Reaktionen oft aber nicht vermeiden. Hinzu kommt ja auch noch die Sache mit Elanus, seiner Drohne - welcher Siebzehnjährige baut schon so ein Teil, um es (illegal) herumfliegen zu lassen und damit Leuten nachzustellen?
Es ist in meinen Augen schlichtweg gewagt, so jemanden als Protagonisten zu wählen. Aber vielleicht hat auch gerade seine oft verquere Sichtweise das Buch spannend gemacht - ganz sicher bin ich mir da nicht. Ich verfluchte ihn nur, ehrlich gesagt, ziemlich oft.
Ebenfalls meine Probleme hatte ich mit einem Großteil der Nebencharaktere - sie wirken etwas... zweidimensional konstruiert. Die Art, wie sie sprechen und agieren, machte oft einen sehr gestellten und unnatürlichen Eindruck auf mich. Zum Beispiel Pascal - ein Junge im Nachbarhaus, der sich aus irgendeinem mir unerklärlichen Grund mit Jona anfreundet. Im Ernst: Jona ist komplett unfreundlich zu ihm, Pascal aber kehrt wieder und wieder zurück und wird völlig überdreht dargestellt.
Das hört sich jetzt alles ziemlich negativ an - dabei hatte ich definitiv meine guten Momente mit Elanus. Zuallererst muss ich einwenden, dass Jona sich verändert. Darauf habe ich gehofft, und das wurde auch gut eingebunden. Er ist am Ende des Buches bei weitem kein Heiliger, aber Stück für Stück änderte er sich - ganz subtil. Das hat mir sehr gut gefallen.
Außerdem hat Ursula Poznanski wieder einmal bewiesen, wie gut sie Fragen aufwerfen kann. Nach über der Hälfte des Buches kamen immer noch neue Fragen in meinem Kopf hinzu, und nur wenige wurden beantwortet. Leider habe ich einen größeren Plottwist vorhergesehen (ich bin normalerweise die Letzte, die irgendwas errät), aber abgesehen davon war die ganze Auflösung sehr zufriedenstellend, wenn auch das Ende noch etwas besser ausgestaltet hätte werden können.
Kommt Elanus an Erebos oder Saeculum ran? Auf keinen Fall, wenn man mich fragt. Aber man kann definitiv angenehme Lesestunden mit Jona und seiner Geschichte verbringen, auch wenn man keinen sympathischen Protagonisten erwarten sollte. Elanus ist auf jeden Fall speziell - von der Idee her bis hin zu den Charakteren. Und vielleicht besteht gerade darin der Reiz des Buches.

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enttäuschung, rainer m. schröder, jugendbuch

Wolf Moon River

Rainer M. Schröder
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei cbj, 12.09.2016
ISBN 9783570172391
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Klappentexte sind so eine Sache - manchmal liefern sie einen komplett falschen Eindruck von der Geschichte, dann sind sie viel zu kryptisch, und hin und wieder liefern sie auch viel zu viele Informationen.
Einen Klappentext wie den von Wolf Moon River habe ich selten erlebt. Hier könnt ihr den nachlesen, wenn ihr wollt. Aber ich würde es nicht machen - nicht, wenn ihr das Buch noch lesen wollt. Zu sagen, dass darin unglaublich viel verraten wird, wäre noch untertrieben. Da ich mich beim Bloggerportal für das Buch beworben habe, habe ich logischerweise den Klappentext zuvor gelesen (was ich sonst nicht so oft mache - ich weiß schon, wieso). Und er klang toll. Aber ich hatte nicht die geringste Ahnung, WIE viel er verraten würde. 
Am besten, ich fange von vorne an.
Aufgrund des Klappentextes ging ich stark davon aus, dass die Geschichte vordergründig von Patrick und Olivia handelt. Stattdessen bekam ich zuerst ein Kapitel aus Jacks Sicht zu lesen, dann auch zahlreiche aus Sicht seiner Verfolger, Scott und Frank. Ich war irritiert. Vor allem, weil die Storyline von Patrick und Olivia nicht richtig in die Gänge kam - zunehmend wuchs das Gefühl, dass ich plottechnisch auf der Stelle trete. Ich konnte nicht begreifen, weshalb das alles für mich wichtig sein sollte.
Jetzt, nachdem ich den Klappentext noch ein paar Mal gelesen habe, frage ich mich, ob das Problem eher beim Buch oder bei dieser kleinen Inhaltsangabe liegt. Aber auch das Buch hat gravierende Schwächen, über die ich einfach nicht hinwegsehen kann.
Die ganze Klappentext-Sache mal außer Acht gelassen, war schon allein der Schreibstil des Autors sehr störend. Zum Einen schreibt er sehr unpersönlich - wahrt immer eine Distanz zu den Charakteren und beschreibt ihre Gefühlslage eher, anstatt sie dem Leser aufzuzeigen und subtil näherzubringen. Dann allerdings neigt er zu unglaublichem Infodumping.
Ich habe keinen Zweifel, dass Rainer M. Schröder grandiose Recherche leistet. Beim Lesen von Wolf Moon River erhielt ich nur eine Andeutung auf das Wissen, das er vermutlich besitzt. Aber ist es wirklich nötig, dem Leser sämtliche Details über Kanufahren aufzuzeigen? Wieder und wieder die Beschaffenheit von einem Flugzeug zu erläutern, die die Geschichte nur bedingt voranbringt? Vor allem in solchen Längen, dass das Lesen wirklich, wirklich zur Qual wurde. 
Vielleicht will mir da jemand widersprechen. Und das ist auch völlig in Ordnung. Aber ich bin der Typ Leser, der sich nicht mit Details wie der Marke des Motorbootes oder dessen PS aufhält.
Ich war also schon nach den ersten paar Kapiteln ungemein frustriert. Das Ganze wurde noch schlimmer, als Patrick und Olivia dann aufeinander trafen und sich kennenlernten.
Patrick ist... die Unfreundlichkeit in Person, so könnte man es zumindest sagen. Er ist nicht ganz sechzehn Jahre alt (Fun fact: Im Klappentext heißt es, er sei siebzehn) und verhält sich, als sei er zwölf. Und inmitten einer Trotzphase. Außerdem haut er Sätze raus, die... die, sorry, niemand so sagt. Um ein Beispiel zu nennen: "Ich bin nicht langsam, sondern im Energiespar-Modus." (Wolf Moon River, S. 42, Rainer M. Schröder, cbj) Charaktere dürfen gerne Sprüche raushauen und sarkastisch sein. Von mir aus können sie einfach von Grund auf unfreundlich sein, das macht sie zwar nicht sympathisch, aber na ja, solche Menschen gibt es eben. Aber ich habe noch nie im Leben jemanden getroffen, der Sätze herunterspult, die man auf irgendwelchen Facebook-Seiten findet. Und ja, das ist mehr als nur einmal vorgekommen. Und jedes Mal verfluchte ich Patrick nur noch mehr - anders kann ich es nicht ausdrücken.
Jack und seine "Freunde" sind kein Stückchen besser. Auch sie bleiben blass, ihre Hintergründe werden mehr heruntergebetet als dass sie realistisch wirken oder sie zu dreidimensionalen Charakteren machen.
Mein Highlight - wenn überhaupt - war Olivia. Auch sie wirkt nicht ganz... realistisch, doch bei ihr ist es Rainer M. Schröder zumindest gelungen, mich zu überraschen. Sie ist vermutlich auch die Einzige, mit der ich ansatzweise mitfühlen konnte.
Wobei - hier noch eine kurze Anmerkung. Da es gleich am Anfang der Geschichte passiert, ist es kein Spoiler, also: Ich dachte anfangs, Olivia würde an einer Essstörung leiden (es ist letztendlich etwas komplett anderes). Und zwar wegen dieser Äußerung: "Dabei hätte sie nur zu gern einen Becher heiße Schokolade genommen. Aber (...) sie [durfte] sich auf gar keinen Fall auch noch eine zweite Kalorienbombe leisten." (Wolf Moon River, S. 28, Rainer M. Schröder, cbj) Das ist, ganz abgesehen von Olivia als Charakter, eine sehr bedenkliche Äußerung, bei der ich unglaublich stutzig geworden bin und die - zumindest meiner Meinung nach - auch gut und gerne auf manche triggernd wirken kann.
Ein weiterer Aspekt, der mich sehr gestört hat, war die Überschneidung von manchen Kapiteln - dabei beziehe ich mich auf die Kapitel über Jack und seine Verfolger. Es wurde ein Teil aus Jacks Perspektive erzählt, und dann genau derselbe Teil noch einmal aus Scotts bzw. Franks Perspektive. Und das geht gar nicht. Ein kleines bisschen imaginativer Freiheit muss dem Leser wirklich noch bleiben.
Eines muss ich dem Autor lassen: In der Hinsicht wird das Buch besser, und hin und wieder gibt es sogar kleine Zeitsprünge. Zumindest gehen die Überschneidungen weg, spätestens dann, als wir endlich inhaltlich bei dem Klappentext ankommen.
Vielleicht hat Rainer M. Schröder einfach der Plot gefehlt? Im Nachhinein beschleicht mich zumindest das Gefühl. Denn bis zu dem Absturz (und dem Zusammentreffen beider Parteien, das erst kurz vor Ende des Buches passiert!) passiert schlicht und ergreifend wenig. Oder zumindest nichts, das man nicht auch in der Hälfte oder einem Viertel der Kapitel zusammenfassen könnte.
Das Ende, beziehungsweise der Showdown, ist okay, zumindest im Vergleich zum Rest des Buches. Es gibt ein paar Augenblicke, die mich überrascht haben, auch wenn diverse Erklärungen/Auflösungen schlichtweg dürftig sind. Der Epilog kam dann schon wieder zu plötzlich für mich, und gerade Olivia und Patrick handeln darin out of character, wenn man mich fragt.
Tja, das ist jetzt verdammt lang geworden. Wenn ihr alles gelesen habt, meinen Respekt! Wenn nicht, ich kann es euch nicht übel nehmen. Wolf Moon River ist für mich ein kompletter Reinfall gewesen. Ich respektiere das Wissen des Autors, denn man erkennt, dass er gute Vorarbeit geleistet hat - nur die Umsetzung ist nicht gelungen. Wenn ihr an Wolf Moon River interessiert seid, lest in die Leseprobe rein. Oder leiht es euch aus. Aber letztendlich ist es ein Buch, das man wirklich nicht lesen braucht.

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amie kaufman, jay kristoff, englisch, young adult, invasion

Illuminae Files - Illuminae

Amie Kaufman , Jay Kristoff
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Knopf Books for Young Readers, 20.10.2015
ISBN 9780553499117
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Ich bin bestimmt ein halbes Jahr lang um Illuminae herumgeschlichen. Keine Ahnung, warum. Vermutlich eine Mischung aus Geiz und Unsicherheit, ob mir das Thema beziehungsweise das Genre zusagen würde. Als ich das Buch für unglaubliche zehn Euro (ich frage mich immer noch, wo der Haken ist) entdeckte, betrachtete ich das als einen Wink des Schicksals. Und mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass ich einfach ein Problem mit Science-Fiction habe. Ich rede mir immer ein, dass ich das Genre nicht mag, aber langsam glaube ich, dass ich das Genre sogar sehr, sehr gerne mag und einfach immer gewaltigen Respekt vor solchen Büchern habe. Weil Verständnis(probleme), ihr wisst schon.
Deshalb war ich nicht gerade sehr begeistert, als ich Illuminae aufschlug und nur Bahnhof verstand. Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben. Aber plötzlich begegnete man mir mit unzähligen Dokumenten, Namen, Raumschiffen... lauter Dingen, an die ich mich erinnern sollte und die ich teilweise nicht einordnen konnte. Statt die Erzählart zu genießen, versuchte ich, die einzelnen Fragmente irgendwie einzuordnen, was mir nicht immer gelang.
Sagen wir es so: Ich hatte das Gefühl, sehr langsam voranzukommen (wie ihr hier nachlesen könnt). Und das bei dem Buchformat. Mir fehlte komplett die Orientierung, die der Erzähler normalerweise bietet. Eine Einordnung, wo genau man sich aufhält und wie die Welt aussieht und wie man sich das alles vorstellen muss. Und das war sehr frustrierend - ich war schon so weit, mein Englisch anzuzweifeln. Dabei ist Illuminae sicher nicht mehr oder weniger kompliziert verfasst als andere Bücher aus dem Genre.
Aber ich wollte es unbedingt verstehen. Wollte begreifen, warum Illuminae so gehypt wird.
Und langsam, ganz langsam wurde es besser. Ich konnte die Raumschiffe auseinander halten und mich mehr auf die Geschichte und die Charaktere als nur auf das reine Verständnis konzentrieren.
Kady und Ezra sind nämlich tolle Protagonisten, wenn auch nicht im traditionellen Sinne. Dadurch, dass Illuminae so fragmentiert gestaltet ist, bekommt man sie nicht im eigentümlichen Sinne mit. Es ist mehr, als würde man eine Show, einen Bericht über sie anschauen, und das ist etwas, an das ich mich erst einmal gewöhnen musste. Letztendlich habe ich sie beide ins Herz geschlossen - Ezra sogar ein bisschen mehr als Kady. Bei ihm fand ich besonders spannend, wie er mit Kady und ihrer Beziehung umgegangen ist. Generell kam die Darstellung der beiden sehr realistisch rüber und hat mir unglaublich gut gefallen.
Mein Highlight des Buches war allerdings AIDAN. AIDAN ist (schlagt mich, wenn ich das jetzt falsch erkläre) eine künstliche Intelligenz. Quasi das Gehirn eines der Raumschiffe. Und es beginnt, auf eigene Faust zu handeln - auf Kosten von Menschenleben. Ein Großteil Illuminaes ist aus AIDANs Sicht geschrieben, und das ist mir natürlich einerseits noch nie untergekommen, andererseits fand ich es so unglaublich faszinierend. Ich war gefangen zwischen Begeisterung und Schock, und dann dachte ich wieder darüber nach, ob so tatsächlich eine mögliche Zukunft aussehen könnte. Das war vermutlich auch so ziemlich der Aspekt, der mich letztendlich überzeugt hat. Hier haben Kaufman und Kristoff grandiose Arbeit geleistet!
Ich will die Aufmachung natürlich nicht außen vor lassen. Das Buch ist ein Hingucker. Es ist ein Individuum. Es gibt zahlreiche Bücher mit Chatverläufen, Dokumenten, Notizen - aber keines, das Illuminae auch nur ansatzweise gestaltungstechnisch das Wasser reichen kann. Ich mochte es, aber ich bin nicht so weit zu sagen, dass ich es liebte. Es war eine grandiose und einzigartige Erfahrung, so viel ist klar... aber gleichzeitig ist es mein Kernproblem.
Ich glaube nämlich, dass Illuminaes Charm darin liegt, dass es inhaltliche Schwächen - damit meine ich vor allem den langsamen und stockenden Anfang - hinter der schönen Aufmachung versteckt. Und in diesem Fall hat mich der Rest des Buches nicht so unglaublich umgeworfen, dass ich darüber hinwegsehen könnte.
Das soll nicht heißen, dass ich dieses Buch nicht weiterempfehle - die Story hat mich definitiv gepackt, und gerade das Ende macht doch neugierig darauf, wie dieser spezielle Krieg verlaufen wird. Der Folgeband Gemina wird im Oktober erscheinen, und der wird definitiv bei mir einziehen. 

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fluch, fantasy, liebe, magie, jugendbuch

Secret Fire - Die Entflammten

C. J. Daugherty , Peter Klöss , Jutta Wurm
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 22.08.2016
ISBN 9783789133398
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Endlich ein neues Buch von C.J. Daugherty! Nach der Night School-Reihe war ich ja echt gespannt auf ihr nächstes Werk. Und so viel sei vorweggenommen: ich wurde nicht enttäuscht!
Schon auf den ersten Seiten ist man mitten im Geschehen und beobachtet Sacha dabei, wie er eine Wette abschließt, fünf Stockwerke herunterspringt und quicklebendig wieder aufsteht. Sofort werden die ersten Fragen aufgeworfen - wie ist das möglich? Und was ist das für ein seltsamer Fluch?
Während der nächsten paar Kapitel kommen immer mehr Fragen hinzu, und auch der Schreibstil trug definitiv dazu bei, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. C.J. Daughertys und Carina Rozenfelds Stile schmelzen ineinander, es ist unmöglich, zu erkennen, wer was geschrieben hat. Generell liest sich das Buch so leicht wie auch Daughertys andere Bücher - was ich persönlich sehr mag.
Auch wenn der Schreibstil eher schlicht gehalten ist, kreierte er doch lebendige Bilder vor meinem inneren Auge. Ich liebte die Darstellung Englands und ganz besonders die Frankreichs. Ich hatte bereits das Glück, beide Länder zu besuchen, und war begeistert von der Atmosphäre in Secret Fire (und bekam, zugegeben, ein bisschen Fernweh).
Inmitten dieses Settings spielt Sachas und Taylors Geschichte, die jeweils aus der Sicht der beiden in der dritten Person erzählt wird. Sie sind quasi Gegensätze in Person: Taylor, die folgsame, fleißige Schülerin - Sacha, der schwankt zwischen Verleugnung und Akzeptanz seines nahenden Todes und immer noch mit dem Tod seines Vaters kämpft. 
Als die beiden sich das erste Mal treffen, - und schon vorher bei diversen Chats - ist die Harmonie zwischen den beiden unübersehbar. Und gerade das schätze ich an ihnen: die Chemie, die sich Stück für Stück zwischen den beiden entwickelt. Gerade zum Ende hin wurde diese immer stärker, ohne die Beziehung unangemessen schnell wachsen zu lassen, und ich freue mich schon darauf, zu sehen, was die beiden in Band 2 erwartet.
Allerdings muss ich zugeben, dass ich Sacha wesentlich lieber als Taylor mochte. Ich hatte nämlich manchmal das Gefühl, dass Taylor Adjektive zugeordnet wurden, denen sie sich nicht gemäß verhielt. Sie bekam zahlreiche Auszeichnungen für Ehrenämter, ist aber gerade in der ersten Hälfte des Buches öfters unfreundlich und teilweise abweisend.
Dafür machte es mir umso mehr Spaß, über Sacha zu lesen. Woran genau das lag? Ich weiß es nicht. Vermutlich, weil er tendenziell ein... dunklerer Charakter ist. Diese Zerrissenheit macht ihn einfach unglaublich reizvoll zu lesen, diese Balance zwischen Leben und Tod, mit der er spielt. Ich bin wirklich - wie bereits gesagt - gespannt, was die Geschichte noch für diese beiden bereithält.
Es gab noch ein paar weitere kleine Aspekte, die mich gestört haben. Zum Einen die Übersetzung (aber das hatte ich bereits hier und hier angesprochen) - ich kann es einfach nicht leiden, wenn ich mitten im Text Wörter wie "relaxed" oder "trendy" entdecke. Ich hatte stellenweise bei Secret Fire - Die Entflammten einfach das Gefühl, man würde zwanghaft versuchen, Jugendsprache nachzuahmen (und dabei scheitern).
Ein bisschen schade fand ich auch, dass die Nebencharaktere stellenweise etwas blass blieben. Es gibt eine Ausnahme (Louisa - eine supercoole, toughe Frau, über die ich nicht viel erzählen kann, ohne zu spoilern), aber gerade Sachas und Taylors Familien waren auffällig oft "nicht da" oder "in der Schule".
Zuletzt gab es ein paar inhaltliche Durststrecken im Buch. Wie bereits gesagt, ist der Schreibstil super angenehm, deshalb ist das auch nicht weiter aufgefallen - aber hin und wieder beschlich mich das Gefühl, dass versucht wurde, die Geschichte unnötig in die Länge zu ziehen.
Das hört sich allerdings viel zu negativ an - im Großen und Ganzen hat mir Secret Fire - Die Entflammten wirklich gut gefallen. Gerade die Idee, die letztendlich hinter all dem steckt, finde ich sehr cool und originell. Außerdem hatte das Buch ein paar Wendungen drinnen, die ich definitiv nicht kommen gesehen habe, und gerade Sachas Entdeckungen im Laufe des Buches haben mich in ihren Bann gezogen.
Um es kurz zu fassen: alles in Secret Fire - Die Entflammten hat mich verdammt neugierig gemacht, wie Sachas und Taylors Geschichte wohl weitergehen mag. Ich bin wirklich gespannt, was C.J. Daugherty und Carina Rozenfeld sonst noch in petto haben!
(Und WIE schön ist das Cover, bitte?!)

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wüste, alwyn hamilton, fantasy, amani, rebellin des sandes

AMANI - Rebellin des Sandes

Alwyn Hamilton , Ursula Höfker
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei cbt, 22.08.2016
ISBN 9783570164365
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Von der ersten Seite an ist man mitten im Geschehen. Amani bereitet sich gerade auf den Wettbewerb vor. Ziemlich bald zeigt sich, dass sie eine begnadet gute Schützin ist - wenn nicht sogar die beste der Anwesenden. Alwyn Hamiltons simpler, fast schon nüchterner Schreibstil brachte mir nicht nur die Geschichte näher, sondern machte es auch unmöglich, das Buch beiseitezulegen. Mit jeder weiteren Seite entfaltete sich eine unglaublich umfassende und detaillierte Welt vor mir.
Dabei ist das Buch gerade einmal 352 Seiten lang. Hamilton gelingt es, dem Leser nur das Nötige an Informationen zu füttern, sodass ich nur ahnen kann, wie viel mehr da noch folgt. Auch sonst verbringt sie keine Zeit mit unnötigen Beschreibungen, ein Aspekt, der mir immer sehr gut gefällt. Beim Lesen von AMANI - Rebellin des Sandes hatte ich das Gefühl, dass jedes Wort am richtigen Platz ist. Und ich kann mich nur wiederholen: Amanis Welt faszinierte mich vollkommen - von magischen Wesen bis hin zu Sultanen und mysteriösen Waffen ist alles mit dabei. Selten konnte ich mir eine fiktive Welt so gut vorstellen.
Amani als Protagonistin hat mir unglaublich gut gefallen. Sie ist ein sehr starkes, eigenwilliges Mädchen, und vor allem ist sie alles andere als fehlerfrei. Um ihr Ziel zu erreichen, ergreift sie vor allem anfangs Maßnahmen, die zweifelhaft, wenn nicht sogar verwerflich sind. Und - so komisch sich das anhört - gerade das mochte ich an ihr. Es ist eine Sache, eine starke Protagonistin zu schaffen, das ist heutzutage nicht mehr allzu selten. Es ist allerdings eine andere Sache, sie nicht total selbstlos zu machen. Sie auch mal selbstsüchtig handeln zu lassen. Denn das macht Amani so real - so sympathisch.
Selbst die Gesellschaft hat die Autorin detailliert ausgearbeitet - Frauen haben wenig, wenn nicht gar nichts zu sagen und sind mehr ein Objekt als eine Person, die zu einer Meinung berechtigt ist. Deshalb ist Amani oft als Junge verkleidet unterwegs, und stößt in ihrer "wahren" Erscheinung nicht selten auf Schwierigkeiten. Auch die Art und Weise, wie der Sultan und seine Untertanen eingeflochten sind, fand ich unglaublich faszinierend. Für jemanden wie mich, der sich mit dem Thema bisher nicht befasst hat, hat Hamilton alles erstaunlich einfach erklärt und mir wieder einmal das Gefühl gegeben, ihre Welt ein Stückchen besser kennenzulernen.
Auch Jin mochte ich sehr gerne. Die Chemie zwischen den beiden ist fantastisch, und ich hatte wirklich Spaß, von ihnen zu lesen. Sie sind sich einfach auf Augenhöhe, und im Verlaufe des Buches werden sie zu einem Team, das immer enger zusammenarbeitet. Natürlich bahnt sich auch hier eine Romanze an, aber Alwyn Hamilton flechtet diese überraschend dezent ein. (Alles andere wäre auch bei der Seitenanzahl zu viel gewesen.)
Tja... was soll ich sagen? Ich war und bin restlos begeistert. Schon nach den ersten paar Kapiteln wünschte ich mir, das Buch würde niemals enden, und das Gefühl blieb bis zur letzten Seite. Die Autorin hat nicht nur eine Welt erschaffen, die in meinem Kopf lebendig geworden ist, sondern auch zwei starke Protagonisten, die unglaublich gut miteinander harmonieren. AMANI - Rebellin des Sandes ist ein grandioser Auftakt - anders kann man es einfach nicht in Worte fassen.

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573 Bibliotheken, 19 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

träume, fantasy, liebe, kerstin gier, silber

Silber - Das dritte Buch der Träume

Kerstin Gier
E-Buch Text: 432 Seiten
Erschienen bei Fischer E-Books, 08.10.2015
ISBN 9783104029900
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Ich habe das Finale der Silber-Trilogie ewig lange vor mir hergeschoben. Nicht, weil ich die Reihe nicht beenden wollte, sondern vielmehr, weil sie mich nicht (ganz) so umgeworfen hat wie die Edelstein-Trilogie und die Meinungen über den letzten Band eher auseinandergehen. Als ich den letzten Band jedoch in der Bücherei entdeckte, hielt ich das für einen Wink des Schicksals. Als würde es sagen: "Hier, nimm mich. Ich würde zwar super hübsch in deinem Regal aussehen, aber falls ich dir inhaltlich nicht zusage, ärgerst du dich wenigstens nicht über das Geld."
Dem konnte ich nichts entgegenhalten. Beim Aufschlagen des Buches entdeckte ich jedoch einen weiteren Grund, weshalb ich so lange gezögert hatte: Ich hatte nämlich mehr oder weniger große Gedächtnislücken. Glücklicherweise greift Kerstin Gier hin und wieder zu kleineren Erklärungen, sodass ich mich allmählich an das Wesentliche erinnerte. Dem Lesevergnügen tat es zumindest keinen Abbruch (auch wenn ich mir sicher bin, dass die Leute, die sich komplett erinnern, noch mehr Spaß hätten).
Von der ersten Seite an ist man wieder von Kerstin Giers locker-leichtem Schreibstil gefesselt und vor allem ihr genialer Humor begeistert. Oftmals habe ich mich dabei erwischt, laut zu lachen, weil es einfach zu urkomisch war. Liv ist auch einfach eine tolle Protagonistin - zwar nicht immer selbstischer, was sie oftmals zu überspielen versucht, aber dafür einfach sehr charmant und... realistisch. Liv stelle ich mir als ein Mädchen vor, mit dem man den Spaß seines Lebens haben kann. (Auch wenn ich mittlerweile, wie ich mit Schrecken festgestellt habe, älter als sie bin. So spielt das Leben! ;))
Generell sind die Charaktere der Grund, warum ich die Trilogie sehr gern mag. Henry, Grayson, selbst Arthur und Anabel - jeder von ihnen ist facettenreich und hat seine Eigenheiten, Stärken und Schwächen. Es machte einfach unglaublich Spaß, ihre Geschichten zu verfolgen, ihre Entwicklungen zu beobachten (ob negativ oder positiv).
Denn letztendlich ist es in meinen Augen der Plot, der etwas schwächelt - vor allem bei diesem letzten Band. Gerade in der ersten Hälfte des Buches ging die eigentliche Geschichte nicht so wirklich vorwärts, was nicht super tragisch ist, weil Kerstin Gier einfach klasse schreiben kann... aber es fällt eben auf. Auch das langersehnte Finale kommt etwas zu kurz, und ein Großteil der Auflösung wird in einem Kapitel abgefertigt. Das ist einfach schade - gerade da hätte Gier sich gerne etwas mehr Zeit nehmen dürfen.
Aber das ist Kritik auf hohem Niveau. Wie gesagt, beim Lesen des Buches hatte ich ziemlich viel Spaß. Es ist keine super tiefgehende Lektüre, aber grundsätzlich eine schöne Unterhaltung. Kein komplett runder Abschluss, aber zumindest im Großen und Ganzen ein zufriedenstellender.

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120 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

fantasy, magie, freundschaft, susan dennard, safiya

Schwestern der Wahrheit

Susan Dennard , Vanessa Lamatsch
Fester Einband: 530 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 22.08.2016
ISBN 9783764531348
Genre: Fantasy

Rezension:


Im Englischen sind Safi und Iseult schon seit Anfang Januar in aller Munde, deshalb freute ich mich umso mehr, als ich das deutsche Exemplar in den Händen hielt. Noch bevor man das Buch aufschlägt, merkt man, dass es mit Liebe gestaltet wurde - von dem Cover hin bis zur farbigen Karte, die mich mehrmals vor der absoluten Verwirrung bewahrt hat.
Jetzt aber zum Inhalt des Buches. Aufgrund der Bloggeraktion wusste ich schon vorher mehr über Safis und Iseults Welt als vor den meisten anderen Büchern, die ich lese, dennoch war ich zu Beginn ganz schön überwältigt. Susan Dennard hält sich nicht bei Begriffen, wie zum Beispiel Strangschwestern, Blutmagis, Höllenbarden und vielen mehr, zurück. Und diese Begriffe werden auch selten erklärt, vielmehr muss der Leser seine eigenen Schlüsse ziehen. Gerade zu dem zwanzigjährigen Waffenstillstand beziehungsweise dem Krieg davor hätte ich noch mehr erfahren - aber vielleicht kommt das noch im zweiten Band. Generell bin ich einfach nicht ein Fan davon, alles der Fantasie des Lesers zu überlassen - bis ich zumindest ansatzweise durchgeblickt hatte, waren schon einige Seiten vergangen.
Das ist auch so ziemlich der Hauptgrund, weshalb sich der Anfang für mich etwas schleppend hinzog. Außerdem musste ich mich ein wenig an Susans Schreibstil gewöhnen - sie schreibt zwar aus der dritten Perspektive, bleibt aber doch immer einen Ticken distanziert. Doch sobald ich die Anfangsschwierigkeiten überwunden hatte, wurde ich immer wärmer mit dem Buch und war zunehmend begeisterter.
Denn auch wenn es an Erklärungen mangelt, ist die Welt, die Susan Dennard kreiert hat, schlichtweg grandios und gewaltig komplex (erneut: mit meinem Gedächtnis bin ich sehr dankbar für die schöne Karte) und ich hatte Spaß, sie mit Iseult und Safi zu erkunden. Da ich selbst schreibe, weiß ich, wie schwierig es ist, solche Welten zu erstellen, und Susan Dennard macht nicht bei Städten oder Ländereien halt, sondern kreiert verschiedene Stämme/Völkergruppen. Ich kann nur ahnen, wie viel Arbeit sie da reingesteckt hat.
Auch die Charaktere sind ein Kunstwerk an sich. Da sind natürlich Iseult und Safi, die im Mittelpunkt stehen, aber gerade die Nebencharaktere sind für mich noch einmal einen Ticken interessanter - zum Beispiel Merik, der verzweifelt um Handelsbündnisse kämpft und alles für sein Land tun würde, Aeduan, ein Blutmagis, dessen Absichten oft unergründlich sind und Leopold, ein Prinz, der mich immer wieder überrascht hat. Das ganze Netzwerk, das die Autorin geschaffen hat, hat mir einfach unglaublich Spaß gemacht! Deshalb habe ich mich auch gefreut, Kapitel aus den Sichten all dieser Charaktere zu sehen, weil das einfach alles viel greifbarer und vielschichtiger gemacht hat.
Vor allem ist es toll, dass eine Freundschaft im Mittelpunkt steht anstatt irgendeiner Liebesgeschichte. Damit will ich nicht sagen, dass Schwestern der Wahrheit komplett ohne Romantik auskommt, aber sie ist sehr subtil, was immer wieder erfrischend ist.
Leider habe ich mich hin und wieder an der Übersetzung gestört - mir ist bestimmt fünfzehn, wenn nicht zwanzig Mal, ein fehlender Buchstabe aufgefallen, und natürlich kann das mal passieren, aber in der Häufigkeit hat es mich wirklich überrascht. So etwas ist mir noch nie untergekommen! Auch an anderen Stellen wirkte die Wortwahl beinahe ein wenig unpassend, aber da ich das Original nicht kenne, kann ich das natürlich nicht vergleichen oder kritisieren.
Letztendlich aber steht die Geschichte im Vordergrund, und auch den Showdown will ich nicht unerwähnt lassen. Ich habe schon seit Ewigkeiten keinen gut ausgestalteten Showdown mehr gelesen, deshalb habe ich mich umso mehr über diesen gefreut! Susan Dennard nimmt jede Storyline wieder auf und haut noch so einige Wendungen rein, die mich vollkommen überrascht haben. Und viel schneller, als mir lieb war, hatte ich die letzte Seite von Schwestern der Wahrheit gelesen und war noch gar nicht so richtig bereit, die Welt, die ich kennengelernt habe, loszulassen. Ein toller Auftakt!

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(1.197)

2.038 Bibliotheken, 31 Leser, 5 Gruppen, 201 Rezensionen

selection, casting, kiera cass, liebe, prinzessin

Selection - Die Kronprinzessin

Kiera Cass , Susann Friedrich , Lisa-Marie Rust
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 23.07.2015
ISBN 9783737352246
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Oh, wie sehr habe ich mich darauf gefreut, in Americas und Maxons Welt zurückzukehren! Ich bin ja, ehrlich gesagt, in den letzten Jahren ein ziemlich großer Fan geworden.
Natürlich stehen in Selection - Die Kronprinzessin America und Maxon nicht mehr im Vordergrund. Stattdessen lernt man jetzt Eadlyn kennen, ihren Zwillingsbruder Ahren und die zwei kleineren Brüder Osten und Kaden. Die Überwältigung hält nur kurz an, und stattdessen war ich konstant am Grinsen, weil ich es einfach genial fand, wie viel Leben in das Schloss eingekehrt ist - vor allem, wenn man "alte Gesichter" wiedersieht. 
Klipp und klar muss man natürlich sagen: Eadlyn ist keine America. Sie ist in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass sie die Kronprinzessin ist, und das merkt man ihr (selbstverständlich) auch an. Sie verhält sich nach der Etikette, wirkt manchmal etwas arrogant und hat eben als Allererstes ihre Position im Kopf. Mit wohlgemerkt achtzehn Jahren! Ich kann nachvollziehen, dass diese Charakterzüge auf den ein oder anderen womöglich befremdlich wirken, aber ich mochte sie sehr gerne. Gerade ihr Ehrgeiz hat mich beeindruckt - und dass sie immer versucht, ihr Bestes zu geben. Selbst als sie wieder und wieder scheitert und bei dem Casting patzt, macht sie immer weiter, versucht es erneut, egal was die anderen um sie herum sagen.
Die anderen Castingteilnehmer haben es auch in sich. Keine Ahnung, wie Kiera Cass es schafft, da alle auf dem Schirm zu haben, ich bin schon froh, wenn ich mich da an ein paar Namen erinnere. Da gibt es Kile, Marlees Sohn, den Eadlyn bereits kennt, Henri, der mit Sprachbarrieren zu kämpfen hat, und Ean, dessen Ziele beinahe unergründlich sind... Wen Eadlyn wählen wird? Ich weiß es nicht. Wirklich nicht. Ich meine, ich habe eine Hoffnung, aber so durchsichtig, wie das Ganze bei den Vorgängern war, ist diese Selection definitiv nicht. 
Vor allem gibt es wieder viel Drama. (Ich überlege immer noch, ob eine Selection mit Männern oder mit Frauen übler ist.) Was ich gerade an Band Drei und Vier toll finde, ist, dass Cass auch die Welt außerhalb des Schlosses miteinbezieht. Da draußen sind nicht nur namenlose Gesichter, sondern Menschen mit echten Problemen.
Letztendlich gab es nur kleinere Dinge, die mein Lesevergnügen gemindert haben. Manche Dialoge waren für meinen Geschmack etwas zu gekünstelt und wirkten sehr überspitzt, und auch die Art und Weise, wie America und Maxon sich manchmal verhalten haben, war etwas befremdlich. Aber das kann auch daran liegen, dass ich mich noch daran gewöhnen muss, dass auf einmal achtzehn plus Jahre verstrichen sind.
Im Großen und Ganzen hatte ich aber ein dickes, fettes Grinsen beim Lesen dieses Buches im Gesicht. Ich mag die Welt einfach. Ich mag die Charaktere und ich mag die Idee, und gegen Ende kamen mir sogar die Tränen (womit ich vermutlich die Einzige bin). Selection - Die Kronprinzessin zu lesen, fühlte sich einfach wie eine Heimkehr an - und nichts anderes hätte ich mir gewünscht.

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159 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

jugendbuch, freundschaft, liebe, meer, ulla scheler

Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen

Ulla Scheler
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2016
ISBN 9783453270435
Genre: Jugendbuch

Rezension:


"Zu meinem achtzehnten Geburtstag schenkte mir mein bester Freund Ben eine Sachbeschädigung."

Mit diesen Worten heißt Ulla Scheler zu Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen willkommen und markiert damit den Beginn eines Abenteuers, das sich Stück für Stück vor dem Leser ausbreitet. Denn auch wenn ich mir im Nachhinein nicht vollkommen sicher bin, was ich über dieses Buch denke, eines ist sicher - es ist zumindest eines, das hervorsticht und beeindruckt durch seine Andersartigkeit.
Wir lernen ziemlich schnell die beiden Hauptfiguren kennen: Hanna, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, und Ben, ihr bester Freund seit vielen Jahren. Ben ist jedoch seit einem Monat verschwunden, und als er wieder auftaucht, ist die Beziehung zwischen den beiden angespannt. Die beiden sind pure Gegensätze: Ben, der Sprayer, der in der Schule öfters fehlt als dass er anwesend ist. Hanna, die ein wenig still ist, die sich ihre Abschlussfeier auf keinen Fall entgehen lassen will.
Man sagt ja immer, dass sich Gegensätze anziehen - das muss auch der Fall bei den beiden sein, weil mir immer wieder die Frage aufkam, wie sie sich überhaupt erst angefreundet haben, wo sie doch so unterschiedlich sind.

"Wir machten die Leute um uns herum wahnsinnig, aber wir fühlten uns golden."

Ich mochte Hanna sehr gerne als Protagonistin. Ihre Erzählart und ihr Verhalten machte sie sehr sympathisch und vor allem realistisch. Ich konnte sie verstehen, konnte mit ihr mitfühlen und mitfiebern. Selbst als sie mit Ben auf diese fast schon wahnsinnige (oder zumindest wahnsinnig überstürzte) Reise geht, konnte ich ihr Bedürfnis nach Abenteuer, danach, aus dem Alltag auszubrechen, sehr gut nachvollziehen.

"Während er knipste, hatte Ben ein abwesendes Lächeln auf dem Gesicht. Wie viele Menschen sahen wohl den Ben, den ich sehen durfte? Wie viele Menschen sahen mich so, wie ich war? Nein, stopp. Wie viele Menschen sahen mich so, wie ich sein könnte? Ich wusste nicht, was von beiden ich wichtiger fand, aber die Antwort auf beide Fragen war wohl Ben."

Als das Buch jedoch voranschritt, hatte ich das Gefühl, dass die beiden einander nicht guttun. Sie konnten irgendwie nicht voneinander loslassen, obwohl sie zusammen auch nicht funktionierten.
Auch mit den Nebencharakteren - vor allem Chloé und Sam - hatte ich Probleme. Sie waren für mich sehr abstrakt, fast absurd dargestellt. Gerade weil sie letztendlich eine wichtigere Rolle spielten als zuerst angenommen, hätte ich sie gerne besser verstanden.
Ich fragte mich ebenfalls, was Ulla Scheler genau erzählen wollte - ging es ums Erwachsenwerden? Darum, aus dem Alltag auszubrechen, Dinge zu wagen? Manchmal hatte ich das Gefühl, den Kern der Geschichte zu verpassen oder nicht zu sehen, und das war schade.

"Wie mutig man sein musste, um ein Leben zu leben."

Den Fluch hingegen fand ich sehr spannend. Die Legende, die Chloé erzählt hat, dass man nicht wusste, ob es sich dabei um die Wahrheit handelte, und wenn ja, wie wahr es war - hier hat Scheler gute Arbeit geleistet. Zumindest ich war die ganze Zeit verunsichert, ob ihr Roman nicht doch fantastische Elemente hätte. Die ganze Auflösung, die Idee, die dahintersteckte, hat mir auch einfach unglaublich gut gefallen!
Aber, und das muss ich leider auch sagen, ist die Geschichte in meinen Augen viel zu lang gestreckt. Ich hatte das Gefühl, dass Hanna und Ben einen Großteil der Zeit in der Schwebe hingen, wusste nicht, welche Bedeutung diverse Szenen haben sollten, und vor allem Dialoge waren oftmals zu lang und zu wenig wichtig. Fünfzig, vielleicht hundert Seiten weniger hätten das Buch noch einmal reizvoller gemacht.

"Ich bin seine Achillesferse, seine epische Schwachstelle."

Was mir allerdings am besten an Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen gefallen hat, ist der Schreibstil.
Ulla Scheler ist nicht nur eine sehr junge Autorin, hierbei handelt es sich auch um ihr Debüt. Und sie beweist jetzt schon, mit was für einer Finesse sie schreiben kann, Ich bin gespannt, wo das noch hinführt, und bin mir sicher, dass ihr nächstes Buch noch besser wird!
Es ist nämlich nicht so, als hätte es mir kein Vergnügen bereitet, Hannas und Bens Geschichte kennen zu lernen. Ich hatte das Buch binnen weniger Stunden durchgelesen, ich hätte mir lediglich an manchen Stellen etwas mehr und an anderen etwas weniger gewünscht. Gerade das Ende hat mich sehr unbefriedigt zurückgelassen (was allerdings auch teilweise daran liegt, dass ich offene Enden in den meisten Fällen nicht ausstehen kann).
Aber letztendlich handelt es sich bei Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen um ein solides Debüt, das sicher nicht jeder Autor so gut gemeistert hätte. Ich mag, dass Ulla Scheler mit verschiedenen Elementen spielt und ihre Worte so auswählt, dass sie nicht nur eine Gänsehaut, sondern auch einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

3,5 Sterne

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1.144 Bibliotheken, 31 Leser, 1 Gruppe, 98 Rezensionen

kreuzfahrt, thriller, sebastian fitzek, selbstmord, schiff

Passagier 23

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 29.10.2015
ISBN 9783426510179
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Beginnen möchte ich gerne mit Martin Schwartz, der Protagonist des Psychothrillers. Schwartz als abgebrüht zu bezeichnen, wäre untertrieben. Nach dem Tod seiner Frau und seines Sohnes sieht er keinen wirklichen Grund mehr, sich um sein Überleben zu bemühen. In seinem Job als verdeckter Ermittler schreckt er vor nichts zurück: Gleich zu Anfang des Buches zieht er sich selbst einen Zahn, um eine Tarnung realistischer zu machen. Da war ich schon einmal baff. Ich meine, Fitzek hat einen Hang zu... eigenartigen Protagonisten. Zu Protagonisten, die gesundheitliche Probleme haben, anders ausgedrückt. Aber mit Schwartz hat er es meiner Meinung nach auf den Gipfel getrieben.
Was ich in seinen anderen Büchern auch noch nicht so erlebt habe, war das unglaubliche Personenspektrum. Genauer gesagt: Personen, die auch wirklich zu Wort kommen und ihre eigene Perspektive haben. Da gibt es eine alte Frau, die sich eine feste Kabine auf dem Kreuzfahrtschiff geleistet hat und jetzt ein Buch über die Geheimnisse schreibt, die sie dort entdeckt hat. Ein fünfzehnjähriges Mädchen, das einen perfiden Plan verfolgt. Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes, der selbst Opfer einer Erpressung ist. 
Ich weiß nicht, wie Sebastian Fitzek das macht, aber es ist ihm gelungen, so viele Charaktere auf dem Plan zu haben und doch jedem ausreichend Platz zu gewähren. Keine Storyline kommt zu kurz oder wirkt unausgereift. Vor allem weiß man von keinem der Charaktere, auf welcher Seite er jetzt steht - auch eine Charakteristik für Fitzeks Bücher. Hinter jedem, wirklich jedem Charakter könnte sich der Mörder verbergen. Oder jemand, der nur seinen eigenen Vorteil verfolgt.
Und was soll ich zur Geschichte sagen? Bereits nach den ersten paar Seiten ergriff mich eine leichte Paranoia. Fitzek kreierte eine Atmosphäre, die schlicht ergreifend unheimlich war - mit Grausamkeiten seitens des Feindes, oder schlichtweg düsteren Entdeckungen. Hinzu kommt seine Fingerfertigkeit, was die letztliche Auflösung anbetrifft - wie immer gelingt es ihm nicht nur, dutzende Stränge auszuwerfen, sondern sie alle nahtlos aufzulösen.
Passagier 23 ließ mich baff zurück. Natürlich erkennt man ein gewisses Muster in allen Büchern Fitzeks. Der mehr oder weniger gebrochene Protagonist, die Verstrickung der Geschichte, die Brutalität der Verbrechen. Aber hier hat er noch einen drauf gesetzt: Das Geflecht an Charakteren beeindruckt mich im Nachhinein noch, und auch die Liebe zum Detail, die Finesse des Plots hinterließ einen bleibenden Eindruck bei mir.
Ich habe es schon einmal erwähnt, und werde es noch einmal tun: Auch wenn ihr glaubt, kein typischer Thriller-Leser zu sein... probiert es mal mit einem Fitzek. Vermutlich wird es euch die ein oder andere ruhige Stunde rauben, aber das ist es definitiv wert, wenn man auf die schlichte Genialität jedes seiner Bücher blickt.

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Tags: psychothriller, sebastian fitzek, thriller   (3)
 

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74 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

joyride, young adult, anna banks, carly, liebe

Joyride

Anna Banks , Michaela Link
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 11.07.2016
ISBN 9783570310557
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Ich habe Joyride gekauft, weil ich Lust auf ein sommerliches Buch hatte, eine leichte Liebesgeschichte. Und so viel muss ich dem Buch auch lassen: Meine Anforderungen waren erfüllt. Aber viel mehr leider auch nicht.
Zuallererst muss ich sagen, dass ich die ursprüngliche Idee von Anna Banks zwar etwas schräg, aber sehr witzig finde. Ein Junge, der seinen Onkel über alles liebt und ihn von seiner Alkoholsucht abbringen will und dafür eine (nicht geladene, nur so nebenbei) Pistole auf ihn hält. Ein Mädchen, das besagten Onkel davor "bewahrt", überfallen zu werden. Erst später finden sie heraus, dass es sich bei dem Jungen um Arden handelte.
Das ist witzig. Es gibt immer diese klischeehaften Anfänge: Mädchen stolpert in Jungen, mysteriöser Junge ist neu in der Stadt und so weiter - Banks hat aber etwas Originelles kreiert.
Abgesehen davon fällt es mir leider schon schwerer, Gutes über das Buch zu sagen.
Arden ist natürlich schwer beeindruckt von Carly, die er in all den Jahren nie bemerkt hat. Deshalb beginnt er, öfters mit ihr zu reden, versucht, sie zu gemeinsamen Treffen zu überzeugen, obwohl sie ihm wieder und wieder eine Abfuhr erteilt. Ihm, den Mädchenschwarm.
Tja, ihr merkt sicher schon, dass das wiederum nach Klischee schreit. Hinzu kommt, dass Carly und Arden jede Menge Geheimnisse haben - übersetzt: Familiendrama. Besonders Ardens Vater, der Sheriff, unterstützt nach Kräften die Abschiebung von Einwanderern und hat eine angespannte (obwohl das noch untertrieben ist) Beziehung zu seinem Sohn. Anna Banks versucht, ihn als absoluten Bösewicht darzustellen, was ihr nur bedingt gelingt. Als Leser versteht man, dass der Sheriff ein ziemlicher Mistkerl ist. Aber sie treibt das Ganze so sehr auf die Spitze, dass ich nicht umhinkam, die Augen zu verdrehen. Der Sheriff bleibt, wie so ziemlich jeder Charakter in Joyride, zweidimensional.
Arden und Carly als Protagonisten sind... okay. Ich meine damit, dass ich mir ganz sicher bin, dass die Autorin etwas Gutes mit ihnen vorhatte. Die Intentionen sind da, und hin und wieder schimmern sie durch. So wirklich liebenswert wurden sie letztendlich nicht. Besonders, wenn sie sich andauernd trafen, um irgendwelche (wirklich idiotischen) Streiche zu spielen, konnte ich nur die Augen verdrehen. Banks wollte damit symbolisieren, dass Carly ein Stück ihrer Kindheit zurückerhält - ist ja schön und gut. Lächerlich wirkte es trotzdem auf mich.
Am allerwenigsten konnte ich übrigens Carlys Bruder leiden (okay, zusammen mit dem Sheriff). Julio wirkte nicht wie ein großer, hart arbeitender Bruder auf mich, sondern viel mehr wie ein Mann, der Carly das Leben zur Hölle machte, indem er ihr wieder und wieder ein schlechtes Gewissen einredete. Carlys Familie blieb generell sehr unsympathisch - auch das bisschen, was man von ihren Eltern mitgekriegt hat.
Ihr merkt schon, worauf es hinausläuft. Eine wirkliche Empfehlung kann ich euch nicht aussprechen, aber es wäre auch nicht fair, zu sagen, dass das Buch eine absolute Katastrophe ist. Denn Anna Banks Schreibstil ist völlig in Ordnung, und vereinzelte Wendungen sind gut gelungen. Wirklich, die Idee an sich ist nicht schlecht - ich bin mir ganz sicher, dass sie etwas Wunderbares mit der Geschichte von Carly und Arden erzählen wollte. Es gelang ihr nur nicht, das Ganze glaubhaft zu vermitteln.

2,5 Sterne

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griechische mythologie, mythologie, trojanischer krieg, achilles, madeline miller

The Song of Achilles

Madeline Miller
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Harpercollins, 15.03.2012
ISBN 9780062126122
Genre: Romane

Rezension:


Bin ich die Einzige, die manchmal ein Buch bestellt, von dem sie eigentlich gar nichts weiß? Ich habe lediglich den Namen von The Song of Achilles öfters in Buchbloggerkreisen gehört. Nicht laut, eher so ein Flüster-Tipp. Und als ich das Buch gebraucht für gute zwei Euro sah, hab ich's eben bestellt.
Ohne die geringste Ahnung zu haben, was mich erwartet.
Als ich schließlich das Buch das erste Mal in die Hand nahm und herausfand, dass es sich hierbei um griechische Mythologie handelte, wusste ich erst recht nicht, was ich davon halten sollte. Bitte verzeiht mir - aber ich kannte die Geschichte von Achilles und Patroclus nicht. Den Namen Achilles habe ich schon mal gehört, natürlich. Ich wusste ein bisschen von dem Trojanischen Krieg, Odysseus war mir zumindest etwas vertraut.
Und es war wunderbar.
Ich habe im Nachhinein überlegt, ob ich das Buch (noch) mehr gemocht hätte, wenn ich von Anfang an die Geschichte gekannt hätte. Und ich glaube, die Antwort ist nein. Madeline Miller hat mir die Geschichte (die ich hinterher ausgiebig recherchiert habe, keine Sorge) auf eine Art und Weise nahe gebracht, wie es kein Geschichtsbuch, kein Wikipedia-Eintrag hätte tun können. Außerdem hatte die Art und Weise, ganz unwissend an die Sache heranzugehen, etwas gewaltig Erfrischendes.
Wenn ihr also ebenfalls die Geschichte von Patroclus und Achilles nicht kennt und euch das Buch interessiert - ihr könnt da mit wenig oder sogar ohne jegliches Vorwissen herangehen. Meiner Meinung nach lohnt es sich.
Was mich allerdings zuallererst in den Bann gezogen hat, war etwas ganz anderes. Es war der erste Satz. Der erste Abschnitt. Das erste Kapitel.
Ich kann euch nicht sagen, wann ich zuletzt ein Buch gelesen habe, das mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Immer öfter kommen mir Bücher unter, die zwar gut, wenn nicht sogar exzellent sind, aber die mich erst nach einigen Seiten fesseln können. Das war bei The Song of Achilles nicht der Fall.
Ein Teil dieser Wirkung ist gewiss der Geschichte zuzuschreiben. Der andere Teil jedoch (ein ziemlich großer, wenn es nach mir geht) gebührt Millers Begabung.
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich außerschulisch einen Stift zur Hand genommen und begonnen, Sätze zu unterstreichen. Für mich ist das ein großer Schritt - normalerweise lasse ich meine Bücher nahezu unberührt.
Hier jedoch konnte ich mich nicht halten. 


"The rosy gleam of his lip, the fevered green of his eyes. There was not a line anywhere on his face, nothing creased or greying; all crisp. He was spring, golden and bright."


Madeline Miller macht die simpelsten Beschreibungen zu wahren Kunstwerken, sodass ich manche Zeilen wieder und wieder lesen wollte, absolut beeindruckt von ihrem Schreibstil. Miller hat ganze zehn Jahre für das Verfassen dieses Buches gebraucht - aufgrund der Recherche, wie es in diversen Quellen heißt. Ich fragte mich öfters, ob sie wohl auch eine lange Zeit an den Sätzen gefeilt hat, oder ob dies überwiegend Begabung ist - wie auch immer es sei... In nicht einmal 400 Seiten hat sie mich komplett überzeugt. The Song of Achilles ist das am besten geschriebene Buch, das ich in meinem Leben gelesen habe.


Achilles und Patroclus sind keine Helden, auch wenn vor allem Ersterer unter diesem Beinamen nach Troja geht. Beide sind fehlerhaft. Beide sind keine vollkommenen Charaktere - meistens überwiegen sogar die negativen Eigenschaften - Patroclus mit seiner Passivität, Achilles und seine Arroganz. Trotzdem habe ich sie vergöttert, ganz besonders die Tatsache, dass die Geschichte aus Patroclus' Sicht verfasst ist. Natürlich beschönigt er manchmal das Verhalten Achilles' - gleichzeitig stellt Miller seinen inneren Kampf dar, die Frage, ob die Liebe der beiden Männer stark genug ist, um das alles auszuhalten.
Doch vor allem anfangs, zu Beginn der Belagerung, ist alles noch sehr positiv gestimmt. Wie Miller es treffend beschreibt:


"It was as Odysseus had said: he had light enough to make heroes of them all."


Später, in den Jahren, die sie ihre Lager aufgespannt haben, ändert sich das alles natürlich. Doch so sehr man Achilles' Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen sein kann, die Liebe zwischen ihm und Patroclus ist... rein. Madeline Miller beschreibt sie sehr sanft, gleichzeitig innig und unzerstörbar.


"'You chose her,' he says. 'Over me.' 
'Over your pride.' The word I use is hubris. Our word for arrogance that scrapes the stars, for violence and towering rage as ugly as the gods."


Und weil ich sowieso gerade eine Flut an Zitaten abtippte, will ich euch ein letztes nicht vorenthalten. Ich bin mir relativ sicher, dass wir vor ein paar Jahren in der Schule Ausschnitte der Ilias gelesen haben. Auf jeden Fall hatte ich schon immer eine leichte Begeisterung für Odysseus, und mir gefiel die Art und Weise, wie Miller ihn porträtiert hat, einfach unglaublich gut - so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Für mich ist er einfach ein unberechenbarer, gleichzeitig aber auch unglaublich genialer und intelligenter Charakter.


"Odysseus shrugged. 'There are many ways to start a war. I always think raiding makes a good beginning. It accomplishes almost the same thing as diplomacy, but with greater profit.'"


Natürlich kann ich euch nicht sagen, ob Millers Darstellung historisch korrekt ist. Ich habe schon zahlreiche Rezensionen gelesen, die sich über die Homosexualität in dem Buch beschwert haben, aber die stemple ich mal unter "nicht ernstzunehmen" ab. ;) 
Wie ich bereits gesagt habe: The Song of Achilles stellt die griechische Mythologie auf eine unglaublich faszinierende, spannende Art und Weise da, die mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen hat. Selbst als ich erst fünfzig Seiten gelesen hatte, wollte ich nicht, dass das Buch jemals endet.
Und jetzt noch zwei Dinge zum Schluss: Wer kann, soll das Buch auf Englisch lesen. Ich kenne zwar die deutsche Übersetzung nicht, doch das Original besticht in diesem Falle mit einem unglaublich brillanten Schreibstil, der auch für weniger erfahrene Leser gut verständlich sein müsste.
Außerdem entschuldigt bitte die Länge der Rezension. Ich habe meines Erachtens noch nie so eine lange verfasst, und ich habe auch selten so lange überlegt, wie ich die Liebe, die ich für dieses Buch empfinde, in Worte fassen soll. Jetzt, am Ende, glaube ich zwar nicht, dass es mir besonders gut gelungen ist, aber... aber wenn ihr euch nur ansatzweise für Madeline Millers Werk interessiert, dann nehmt es zur Hand. Egal, ob neu oder gebraucht - dieses Buch ist ein spektakuläres Meisterwerk, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

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97 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

jugendbuch, freundschaft, lebe, götter, jugen

Das Morgen ist immer schon jetzt

Patrick Ness , Petra Koob-Pawis
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 27.06.2016
ISBN 9783570172667
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Ich wollte schon immer mal ein Buch von Patrick Ness lesen. Einfach, weil ich schon so viel Gutes von ihm gehört habe. Was mich erwarten würde, wusste ich dennoch nicht - und Das Morgen ist immer schon jetzt war definitiv eine ganz besondere Erfahrung.

Es ist unglaublich schwer, den Inhalt zu beschreiben. Ich habe auch während des Lesens oft innegehalten und mich gefragt, was genau gerade vor sich geht - was Ness mit seiner Erzählung erreichen möchte.
Man muss sich das so vorstellen: Zu Beginn jeden Kapitels widmet sich Patrick Ness in einem Absatz den sogenannten "Indie Kids". Die Indie Kids sind eine Gruppe Kinder, die irgendwie abgesondert von dem Rest der Stadt leben und denen immer so seltsame Geschichten passieren. (Unter anderem gab es einmal eine Vampirwelle - eine Anspielung, wie ich erst im Nachhinein begriffen habe.) Und Patrick Ness hat sich für diese Kinder quasi eine komplette Storyline ausgedacht, die er parallel zu der von Mikey erzählt, nur in absoluter Kurzform. Und das hat mich am Anfang verwirrt, als ich mit Namen bombardiert wurde. Ich kam mir fast zu blöd vor, um diesen Aspekt zu verstehen, auch wenn sich das beim Voranschreiten der eigentlichen Geschichte gelegt hat, insbesondere, als sich beide Storylines zumindest kurzzeitig überschnitten.
Das ist eine Eigenheit des Buches.
Die andere Eigenheit betrifft die Geschichte an sich. Von Vampiren über tote Indie Kids bis hin zu blauen Lichtern ist alles dabei - darunter auch zahlreiche Anspielungen bzw. Anlehnungen an andere Geschichten. Dieser Mix ist teilweise verdammt verwirrend, zumindest erging es mir so. Von den meisten Büchern ist man ein Wesen gewohnt oder zumindest eine überschaubare Auswahl - für Das Morgen ist immer schon jetzt fand ich keine passende Schublade.
Wohlgemerkt sage ich nicht, dass das schlecht ist. Ich empfand es lediglich als ungewöhnlich und stellenweise verwirrend - wenn man sich jedoch einmal darauf einlässt bzw. daran gewöhnt, dann ist es schlichtweg originell. Jedenfalls ist mir bisher noch nichts dergleichen untergekommen. (Und Schubladendenken sollte man sowieso aufgeben!)
Was ich an dem Buch jedoch uneingeschränkt liebte? Einmal die Charaktere. Nicht nur Mikey, sondern auch seine Freunde Henna, Jared und Mel (die auch seine Schwester ist). Und das ist nur eine kleine Auswahl. Selbst die Indie Kids habe ich ziemlich ins Herz geschlossen. Ness kreiert damit nicht nur Diversität (Jared, zum Beispiel, ist schwul), sondern auch ein fantastisches Netz an Freunden mit unterschiedlichen Problemen, Eigenheiten und Interessen. 
Die einzige Ausnahme davon ist meiner Meinung nach Mikeys Mutter, deren Charakter mir ziemlich künstlich vorkam. Auch die Art und Weise, wie sie als Politikerin porträtiert wurde, hat mir nicht gefallen, aber das ist wirklich eine Kleinigkeit, die nicht weiter ins Gewicht fällt. Abgesehen davon habe ich riesigen Gefallen daran gefunden, mehr über die anderen zu erfahren - von Nenn-mich-Steve bis hin zu "Merde Breath" (ein Spitzname für Meredith, Mels und Mikeys Schwester).
Auch unglaublich gut gefallen hat mir die Art und Weise, wie Ness von psychischen Krankheiten erzählt. Mikey leidet unter einer Zwangsstörung, die sich während des Buches wieder verschlimmert, und seine Schwester Mel leidet/litt an einer Essstörung. Hier wird nichts verschönt, aber gleichzeitig auch nicht übermäßig dramatisiert - Patrick Ness fügt diese beiden Aspekte geschickt in die Geschichte ein. Auch wenn ich diese Krankheiten nicht nachvollziehen kann, so hatte ich doch den Eindruck, dass Ness alles sehr realistisch darstellt.
Tja, und der angenehme Schreibstil des Autors trug nur dazu bei, dass ich das Buch binnen weniger Tage ausgelesen hatte. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, was ich dazu sagen möchte, wie genau ich meine Wertung begründen kann - was mir, zugegeben, nicht einfach fiel. Ich möchte das jetzt einfach mal so loswerden: Das Morgen ist immer schon jetzt IST ein seltsames Buch. Es hat zahlreiche Eigenheiten und Aspekte, die auf den ersten Blick schräg wirken, aber das ist auf keinen Fall etwas Schlechtes. Das Buch macht Spaß. Es macht Spaß, von Mikey und seinen Freunden zu lesen, und zusammen mit den Indie Kids zu hoffen, dass sie Schlimmeres vermeiden können. Und in diesem Sinne ist Das Morgen ist immer schon jetzt ein wirklich wertvolles Buch.

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Tags: cbj, jugendbuch, mental health, patrick ness, young adult   (5)
 

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fantasy, kaz, matthias, nina, heist

Six of Crows

Leigh Bardugo
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Orion Children's Books, 29.09.2015
ISBN 9781780622279
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Ich hätte niemals gedacht, dass ich dieses Buch so sehr mögen würde. Wirklich nicht. Das hatte nicht einmal etwas damit zutun, dass ich nach der Grisha-Trilogie zwar wusste, dass Leigh Bardugo schreiben kann, aber mir nicht sicher war, ob Six of Crows mich ebenfalls überzeugen können würde.
Denn ich und dieses Buch hatten nicht gerade einen reibungslosen Start. Auch wenn ich die Grisha-Trilogie gelesen habe, war ich schlichtweg überwältigt. Es war eine Sache, alle Hauptcharaktere (immerhin sind es sechs davon!) auf dem Schirm zu behalten. Aber es kamen gefühlt weitere hundert Orte und Nebencharaktere dazu, und ich blätterte entweder andauernd zurück und/oder war dezent frustriert. Das kann aber auch daran liegen, dass ich einfach ein verdammt schlechtes Namensgedächtnis habe. Ihr wisst gar nicht, wie stolz ich darauf bin, bei Game of Thrones zumindest 80% der Zeit (ich spreche von den Büchern) durchzublicken.
... wie auch immer. Auch als ich endlich die Namen einigermaßen auf die Reihe kriegte, hörte es mit den Schwierigkeiten nicht auf. Ich stolperte nämlich über Rückblenden - Bardugo fügte mehr und mehr Rückblenden über die Vergangenheit der Charaktere ein. Ich bekam quasi das Gefühl, dass die eigentliche, präsente Geschichte gar keinen wirklichen Fortschritt machte. Dass Kaz, Inej, Jesper, Wylan, Nina und Matthias auf ihrer Reise nicht wirklich voran kamen.
Aber ich hatte ja keine Ahnung.
1) Ich glaube (oder zumindest möchte ich es so interpretieren), dass Bardugo nicht nur eine Geschichte erzählt. Sie hat vielmehr ein Netzwerk, ein Meisterwerk an Charakteren geschaffen. Als ich verstand, dass diese Flashbacks zwar nicht unbedingt die eigentliche Handlung voran brachten, sondern allem viel mehr Tiefe verlieren, konnte ich sie erst so richtig genießen - und die Charaktere in der Gegenwart, ihr Verhalten und ihre Entscheidungen viel besser verstehen.
2) Und für jede Stelle, die mal nicht voller Spannung war, macht Bardugo am Ende fünf gut. Ungelogen: einer der besten Showdowns, den ich seit langem gelesen habe. Immer, wenn ich dachte, es voraussehen zu können, setzte die Autorin noch einen drauf. Fantastisch!
Deshalb bin ich ein kleines bisschen in Six of Crows verliebt (und ganz besonders in Kaz). Ich weiß, dass ich ein gutes Buch gelesen habe, wenn ich die Charaktere nicht gehen lassen will. Wenn es mir wehtut, wenn ihnen etwas widerfährt. Wenn ich mit ihnen mitfiebere und manchmal einfach zwei Gesichter aneinander pressen will.
Jeder von Kaz' Crew, Kaz miteingeschlossen, ist individuell. Mehr als das: jeder hat seine eigene Vergangenheit, seine Präferenzen, Abneigungen, Vorurteile und Ängste. Leigh Bardugo zeigt nicht nur, dass sie das Thema Diversität gut ins Spiel bringen kann, sondern erweitert auch den Blick auf andere Völker in "ihrer" Welt wie zum Beispiel die Fjerdans. Es war nicht nur spannend, sondern auch einfach super interessant, mal einen anderen (weniger positiven) Blick auf die Grisha zu kriegen.
Und deshalb stieg meine Wertung, als ich das Buch gelesen habe. Ich kann nicht anders. Ich gebe jedem Buch bis zur letzten Seite eine Chance, mich zu überzeugen, und Six of Crows hat diese definitiv genutzt. Leider, leider handelt es sich dabei um einen Zweiteiler, eine Tatsache, die ich erst noch verkraften muss. Denn ich weiß einfach, dass Bardugo einen genialen zweiten (letzten :( ) Band schreiben wird. Mit noch mehr Plottwists, noch mehr Weltenbau und - hoffentlich auch - mehr Charakteren, die ich nicht loslassen will.

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Tags: fantasy, grisha, leigh bardugo, six of crows   (4)
 
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