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468 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 64 Rezensionen

stephen king, mord, vergnügungspark, joyland, geisterbahn

Joyland

Stephen King , Hannes Riffel
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.01.2015
ISBN 9783453437951
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich habe es wirklich versucht.
Als Juliane (I AM JANE) und Jemima (Hochhorst) ankündigten, dass es einen Stephen King Novembergeben würde, war ich Feuer und Flamme und beschloss, dass es an der Zeit war, King eine zweite Chance zu geben, nachdem Der dunkle Turm ein Reinfall für mich war. In der Bücherei suchte ich mir Joyland aus; ich war zu vorsichtig, um mich an ein längeres Werk zu wagen, und die Prämisse klang spannend genug, dass ich das Buch mit seinen knapp 350 Seiten auslieh.
Ziemlich schnell stellte sich ein Gefühl ein, das ich auch bei Der dunkle Turm empfunden hatte – so einfach und angenehm zu lesen der Schreibstil auch sein mochte, konnte ich nicht den Eindruck abschütteln, auf der Stelle zu treten. An den 350 Seiten las ich acht Tage, gefühlt mindestens doppelt so lange.
Zuallererst wurde ewig lang eine Hintergrundgeschichte zu Devin und seiner (Ex-)Freundin gegeben (an deren Namen ich mich nicht einmal mehr erinnern kann), und dann wurde beschrieben, wie er in Joyland eingeführt wurde, welche Freunde er machte und welchen ulkigen Gestalten er dort begegnete. Alles fühlte sich wie eine lang(wierig)e Einführung an.
Ich habe die Inhaltsangabe oben bewusst knapp gehalten – rückblickend verrät der offizielle Klappentext nämlich fast alles, selbst Ereignisse, die erst nach der Hälfte des Buches passieren. Wenn er noch den Namen des Mörders erwähnen würde, hätte er den Plot von Joyland präzise erfasst. Es gab nur wenige Momente, die mich ansatzweise bewegen konnten; selbst die Auflösung der Mordserie hatte ich tatsächlich erraten, etwas, das mir sonst selten passiert. Grundsätzlich war dieser Krimi-Aspekt enttäuschend – Devins Suche war für mich inkohärent und an den Haaren herbeigezogen, ebenso wie die Aufklärung im Showdown.
Vor allem – und das trägt für mich das größte Gewicht – war die Aufdeckung der Mörder so belanglos. Ich konnte einfach nicht erschließen, warum ausgerechnet Devin sich für die umgebrachten Mädchen einsetzen sollte, warum er – als Unbeteiligter, als nur jemand Weiteres, der von den grausamen Taten gehört hatte – auf den Mörder stolpern sollte, und vor allem nach all der Zeit! Es war mir zu passiv; Devin war mir, bis auf wenige Ausnahmen, zu passiv. Ich wurde die ganze Geschichte über nicht wirklich warm mit ihm, und das, obwohl er nichts wirklich trennt, aus allem etwas Persönliches macht. Er war mir zu normal, zu nett – ein langweiliger Gary Stu.
Alles, das ansatzweise interessant hätte sein können, wurde schnell im Keim erstickt – die hässliche Trennung verarbeitete Devin mit extra viel Gejammer; Erin und Tom – zwei Gleichaltrige, mit denen Devin sich anfreundet, und die einzigen Charaktere, die mir sympathisch waren – werden schnell abgefertigt; Annie (eine Frau, an deren Haus Devin täglich vorbei läuft) wird zu einem Sexobjekt degradiert, weil sie ja so viel reifer und erfahrener ist als Devin und ihm natürlich noch einiges beibringen kann. Und ja, auch Devin scheint oft nur auf Oberflächlichkeiten (Stichwort: Brüste) zu achten. Gibt ja sonst nichts zu sehen.
Selbst ein paranormales Element – der Geist einer der ermordeten Frauen, der in Joyland gesichtet wird – wird schnellstmöglich im Keim erstickt; der Ansatz ist so vage, dass er auf mich rückblickend wie ein verzweifelter Versuch wirkt, der Geschichte noch irgendwie mehr Kohärenz zu verleihen.
Nein, Joyland war keineswegs so schlimm wie Der dunkle Turm – aber in Anbetracht der Sache, dass die Veröffentlichung der beiden Werke dreißig (!) Jahre auseinanderliegt, finde ich es ganz schön erschreckend, wie ähnlich sich die Werke in ihren Schwächen sind. Als hätte sich King kein bisschen weiterentwickelt.
Ich weiß, dass die King-Fans sehr zahlreich und enthusiastisch sind – und ich wollte es wirklich verstehen, wollte die Faszination hinter dem Autor begreifen. Aber nach Joyland bin ich mir ziemlich sicher, dass ich vorerst keine weiteren Versuche wagen werde. Die Geschichte war mir einfach zu stereotypisch, zu flach, zu banal.

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145 Bibliotheken, 12 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

fantasy, kai meyer, bücher, magie, die seiten der welt

Die Seiten der Welt

Kai Meyer
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 24.08.2017
ISBN 9783596198528
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Schon lange wollte ich etwas von Kai Meyer lesen – als ich dann in der Buchhandlung über die Taschenbuchausgabe von Die Seiten der Welt stolperte und ihre Schönheit bewunderte, beschloss ich, dass es an der Zeit war, den Versuch zu wagen. Als sich dann noch ergab, dass Kai Meyer eine Lesung in Freiburg hielt, wertete ich das erst recht als Zeichen.
Bereits nach dem Lesen der ersten paar Seiten merkte ich, dass Kai Meyer da eine ganz großartige, einzigartige Welt erschaffen hat – eine Welt, in der sich alles um Bücher dreht, in der es Buchstabenschwärme und fliegende Origamis gibt; in der man mit zwei exakt gleichen Ausgaben eines Buches von einem Ort zu einem anderen springen kann und noch so viel mehr. Diese Welt ist letztendlich auch das, was mir ganz klar am besten am Buch gefallen hat – kein Wunder, dass ihr auf der Website zum Buch eine ganz eigene, mit Illustrationen gestaltete Seite findet, die anzuschauen ich euch nur nahelegen kann. Es kam mir ein wenig wie ein "erwachsenes" Tintenherz vor – wesentlich ausgereifter, teilweise auch wesentlich düsterer, und definitiv um einiges komplexer.
Leider hatte ich Schwierigkeiten, richtig in die Geschichte hereinzukommen. Selbst nachdem ich die Komplexität der Welt zu überblicken lernte, konnte mich die Geschichte immer noch nicht wirklich packen, und auch nach dem Beenden des Buches fällt es mir schwer, auszumachen, woran das lag.
Zum einen wurde ich mit Furia als Protagonistin nicht ganz warm; nichts an ihr war außergewöhnlich, packend genug, um eine engere Verbindung zu ihr aufzubauen. Dass Meyer die dritte Person wählte, um ihre Geschichte zu erzählen, schien nur mehr Distanz zu erzeugen. Sie funktionierte als Medium für die Geschichte – mehr aber auch nicht.
Mit den Nebencharakteren konnte ich tendenziell mehr anfangen, wenn auch hier die große Sympathie ausblieb; am liebsten mochte ich da noch Cat, die Diebin, auf die Furia in Libropolis trifft. In ihr fand ich irgendwie das, was ich in Furia vermisste – eine Geschichte, die über die in Die Seiten der Welt hinausreichte, starke Motive und einfach einen eigensinnigen Charakter. Außerdem hat mir die Freundschaft zwischen ihr und Furia sehr gut gefallen – es ist immer toll, wenn zwei weibliche Charaktere nicht nur als Rivalinnen dargestellt werden. Ebenfalls sehr gerne mochte ich Isis Nimmernis, die jemand ist, die man zuerst als Feindin einschätzt, letztendlich aber eher in eine graue Zone einzuordnen ist – da gibt's ganz viel Potential. Auch die prominenteste Bösewichtin Mater Antiqua gefiel mir sehr gut; sie beauftragte jedoch die Umgarnte mit ihren Kavalieren, die mir zu eindimensional und oberflächlich war – das Einzige, was sie auszeichnete, war ein starker Männerhass, der auch von anderen Charakteren belächelt wurde. Das war mir einfach eine Spur zu abgedreht.
Wie auch immer – da mich die Geschichte nicht wirklich packen konnte, kam mir das Buch mit seinen 550 Seiten ewig lang vor; oftmals legte ich es mitten in der Szene weg, weil ich mich einfach nicht dazu bringen konnte, weiterzulesen. Ich las über eine Woche daran und kam nur selten in einen richtigen Fluss. Irgendetwas an dem Plot war mir zu langsam, zu langatmig. Ich konnte mich nicht wirklich für die Geschichte motivieren, so beeindruckend ich auch den Weltenbau fand.
Das Ende gefiel mir hingegen insofern sehr gut, dass es selbst Stränge aufnimmt und zu Ende führt, die ich schon längst wieder vergessen hatte. Es ist wirklich zufriedenstellend und darüber hinaus so abgerundet, dass man nicht unbedingt nach dem zweiten Band lechzt. Zumindest ist das für mich optimal, weil ich mir aktuell noch nicht sicher bin, ob ich den zweiten Band lesen möchte. (Die Vorgeschichte, Die Spur der Bücher, reizt mich mehr – in der Lesung hat Kai Meyer daraus vorgelesen, und mit Geschichten im viktorianischen London kann man mich einfach immer ködern!)
Zuletzt möchte ich noch sagen, dass mir Kai Meyer ursympathisch ist – ob das meine Meinung auf das Buch beeinflusst hat, weiß ich/hoffe ich jedoch nicht. :D Die Lesung war auf jeden Fall ein ganz besonderes Erlebnis – er hat ganze 45 Minuten vorgelesen und danach eine ausgiebige Fragerunde gemacht, ehe es ans Signieren ging, und als Mensch ist er richtig cool! Es ist schade, dass mich Die Seiten der Welt nicht wirklich überzeugen konnte – aber ich bin immerhin froh, es endlich versucht zu haben, und ziehe vor ihm und seiner Arbeit meinen Hut. Die Welt der Bibliomantik hat mich definitiv fasziniert.

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young adult, ya fantasy

Even the Darkest Stars

Heather Fawcett
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 19.10.2017
ISBN 9780062463388
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich hätte niemals zu Even the Darkest Stars gegriffen, wäre es nicht in meiner FairyLoot von September enthalten gewesen. Ich hatte dieses Buch nicht einmal auf meinem "Radar", ehrlich gesagt – aber als ich erstmalig von der Prämisse las, war ich gleich Feuer und Flamme für Kamzins Abenteuer. Zumindest ich habe noch nie etwas in der Art gelesen, fand die Idee einfach unglaublich cool.
Obwohl es sich bei Even the Darkest Stars um ihr Debüt handelt, gelang es Heather Fawcett mühelos, mich von der ersten Seite an in den Bann zu ziehen. Die Geschichte entwickelt schnell eine Sogwirkung, die ich so nicht erwartet hätte – gerade in Anbetracht der Sache, dass das Buch nicht nur in einer fiktiven Welt spielt, sondern auch ein ganzes Magiesystem inklusive eigenartigen Wesen und Gestalten mitbringt, manche mehr, andere weniger vertraut. Dennoch hatte ich nie das Gefühl, dem Ganzen nicht folgen zu können; nur wenige Fragen über den Weltenbau blieben für mich unbeantwortet, und gerade für den Auftakt einer Reihe bin ich wirklich zufrieden mit der Menge Informationen, die ich als Leserin erhielt.
Fawcetts Schreibstil ist poetisch und bildhaft, gerade die Dialoge haben mir unglaublich gut gefallen. Andere Rezensenten loben insbesondere, dass es ihr gelingt, die Landschaft (insbesondere die Berge) dem Leser nahezubringen; das kann ich persönlich nicht bestätigen. Es kann aber auch gut daran liegen, dass ich weder mit dem Thema noch mit der englischen Terminologie vertraut bin und tatsächlich öfters mal etwas nachschlagen/googeln musste, um zu verstehen, was um Kamzin herum eigentlich gerade passierte. Wenn ihr sowieso mit dem Lesen auf Englisch noch nicht so vertraut seid, würde ich euch vielleicht raten, auf die deutsche Ausgabe zu warten. (Aber es lohnt sich!)
Was die Charaktere anbetrifft, hat Fawcett ebenfalls tolle Arbeit geleistet. Gerade die Protagonistin Kamzin ist mir mit ihrem trockenen Realismus sehr schnell sympathisch geworden. Sie ist nicht jemand, der sich kleinmacht oder schlechtredet; stattdessen kann sie ihre Fähigkeiten realistisch einschätzen. Die Familiendynamik zwischen ihrem Vater und ihrer Schwester hat mir ebenfalls gut gefallen – auch wenn das Verhältnis der drei angespannt ist, hatte ich als Leserin stets das Gefühl, ausreichend Gründe dafür zu erhalten.
Kamzins bester Freund Tem … ist nicht der übelste beste Freund, den ich je gelesen habe, aber ich hege immer noch diese seltsame bester Freund-Abneigung, die die Grisha-Trilogie in mir ausgelöst hat. (Heißt: Ich mag es nicht, wenn a) der beste Freund als weiteres Loveinterest eingeführt wird und b) der Protagonistin nur ein Klotz am Bein ist.) Es ist kein Spoiler, wenn ich sage, dass Tem sehr verliebt in Kamzin ist (die beiden haben es miteinander versucht und sie weiß, dass sie ihn nicht auf diese Weise liebt), und als Begleiter auf ihrer Reise ist er … zumindest manchmal nützlich. Also, ich bin zwiegespalten. Es tut mir leid. Vermutlich gilt wie immer, dass es an meiner seltsamen Aversion liegt, dass ich Tem nicht wirklich wertschätzen könnte.
Kommen wir zu dem Hauptaugenmerk à la dem mysteriösen Typen aus dem Klappentext namens River Shara. Hier wurde ich sehr positiv überrascht, einerseits, wie die Romanze zwischen ihm und Kamzin sich entwickelt, aber auch er als Charakter hat mir sehr gut gefallen. Bevor er und Kamzin sich erstmalig annähern, arbeiten sie miteinander und man erfährt einiges über ihn, seine Familie und seine Prinzipien. Ich habe die beiden sogar (sehr) geshippt, was sich bei mir zu einer Seltenheit entwickelt hat, also … ich bin immer noch echt froh darüber. Die Dialoge der beiden sind einfach herrlich, brachten mich oft zum Lachen und besitzen einfach eine grandiose Dynamik.
Grundsätzlich wird das Versprechen des Klappentexts gehalten: Even the Darkest Stars ist wirklich ein einzigartiges Buch, sowohl vom Weltenbau (es gibt kleine Drachen, die quasi als Lichter fungieren!), aber auch von den Charakteren (das All That Sass-Motto der FairyLoot ist definitiv zutreffend) her. Selbst die Geschichte hat eine komplett andere Richtung in den letzten paar Kapiteln eingeschlagen, sehr düster, aber unglaublich cool! Da kann ich auch bereitwillig darüber hinwegsehen, dass die Geschichte im Mittelteil etwas langsamer voranschreitet. Andererseits klebte ich auch so sehr an den Seiten, dass mir das kaum aufgefallen sind.
Der zweite Band, All the Wandering Light (noch so ein schöner Titel!), erscheint leider erst im September 2018. Andererseits bietet mir das genug Zeit, Even the Darkest Stars ein zweites Mal zu lesen – denn ich bin wirklich schwer beeindruckt von Heather Fawcetts Debüt und kann mir gut vorstellen, dass es einiges in Kamzins Welt gibt, das ich noch nicht entdeckt habe.

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mental health, depressionen

Irre glücklich

Jenny Lawson
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Kailash, 17.10.2016
ISBN 9783424631302
Genre: Sachbücher

Rezension:

Auf Irre Glücklich bin ich wegen der Autorin Veronica Schwab aufmerksam geworden, die dieses Buch schon öfters empfohlen hat und es auch auf Goodreads mit This book is everything kommentiert. Außerdem bin ich immerzu interessiert, mehr über Mental Health, insbesondere über Depressionen und Angststörungen wie in Lawsons Fall, zu lernen. Gerade da sind Berichte von Betroffenen unglaublich wichtig.
Leider hatte ich eine andere Erwartung von dem Buch – ich erwartete etwas Kohärenteres, nicht die episodenartigen Erzählungen, die nach jedem Kapitel in sich abgeschlossen sind. Dafür ermöglichen diese, im Notfall ein Kapitel zu überspringen (es gibt bspw. ein Kapitel mit einer Trigger-Warnung) oder das Buch über einen längeren Zeitraum zu lesen, ohne etwas zu verpassen oder zu vergessen. Grundsätzlich lässt sich Irre Glücklich aber sehr leicht lesen, einerseits vom Schreibstil her, aber auch in Hinsicht darauf, wie Lawson mit der Thematik umgeht.
Der Titel sagt eigentlich schon alles: Es ist wirklich ein Buch, das das Leben feiert. Es gibt nur zwei, drei Kapitel, in denen Lawson wirklich ihre Krankheiten im Detail erwähnt oder ohne eine humoristische Note, wo sie von den Zeiten spricht, in denen es ihr schlechter geht. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Buch daher für Betroffene sehr gut geeignet ist – wenn nötig, spricht Lawson eine Trigger-Warnung aus, aber abgesehen davon zeigt sie mit Irre Glücklich einfach, wie lebenswert das Leben ist. Die Autorin bildet quasi einen gewaltigen, bunten Hoffnungsschimmer ab, und das schätze ich unglaublich.
Zugegeben: Jenny Lawson lebt das alles oft auf sehr exzentrische Weise aus. Die Versprechungen von Ausflügen nach Australien und haufenweisen ausgestopften Tieren und absurden Dialogen mit ihrem Ehemann Victor sind nicht übertrieben. Ich kann nicht einmal sagen, dass Lawson sich überspitzt ausdrückt, denn die beschriebenen Erfahrungen entsprechen einfach der Prämisse, ihr Leben an den guten Tagen zu 200% zu leben – und dass daraus Ereignisse resultieren, die auf den Leser alles andere als alltäglich wirken, ist rückblickend eine logische Konsequenz.
Auch Lawsons Humor ist sehr speziell, hat aber in den meisten Fällen bei mir genau den richtigen Nerv getroffen. Es ist eine gesunde Mischung aus Sarkasmus und schlichtweg der Fähigkeit, die eigene Krankheit fast schon gesondert zu betrachten und sie als Quelle von Humor zu gebrauchen. Dabei bezeichnet Lawson sich zum Beispiel auch selbst als Irre – was ich okay finde, da sie die Selbstbezeichnung wählt; falls es auch aber stören sollte, würde ich euch von dem Buch eher abraten.
Im Großen und Ganzen hat mir Irre Glücklich gut gefallen – während mir die einzelnen Kapitel manchmal etwas zu überdreht und auch zu ausführlich waren, ohne einen wirklichen roten Faden aufzuweisen, schätze ich doch die Aussage des Buches, dass man sein Leben feiern soll. Das hat Jenny Lawson sich zu ihrer Mission gemacht – ob auf TwitterInstagramihrem Blog oder eben in diesem Buch.

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30 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

shakespeare, drama, roman, theater, eifersucht

Das verborgene Spiel

M. L. Rio , Karin Dufner
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Penguin, 11.09.2017
ISBN 9783328100539
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, was ich für Das verborgene Spiel empfinde, aber zwei Dinge kann ich ganz klar sagen: Es ist ein Buch, über das nicht ansatzweise genug geredet wird. Und es ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss.
Ich habe in der Inhaltsangabe nicht übertrieben, als ich schrieb, dass Shakespeare omnipräsent in dem Leben von Oliver und seinen Freunden ist. Sie zitieren Shakespeare in jeder Lebenslage, können immer die richtige Zeile anbieten; sie führen ausschließlich Shakespeare auf, und die Aufführungen beschreibt Rio mit einer Detailtreue, dass man teilweise seitenlang (ggf. leicht abgewandelte) Shakespeare-Dialoge liest. Darauf muss man sich einstellen. Wenn das nichts für euch ist, werdet ihr mit dem Buch vermutlich weniger Spaß haben.
Ihr braucht allerdings nicht Shakespeare zu kennen – vor Das verborgene Spiel war ich lediglich mit Romeo und Julia und ein paar Sonetten vertraut, habe höchstens mal etwas während dem Lesen gegoogelt, um die Charakterrollen aus anderen Stücken besser verstehen zu können. Die Autorin flicht all das aber so gut ein, dass man mit den Charakteren auf der Bühne steht – und dazu braucht man nicht einmal den Text zu kennen.
Letztendlich ist es ein Buch, dessen Charaktere von Shakespeares Stücken leben, und als Leser begegnet man derselben Sogströmung – von der ersten Seite an, denn statt in Teile und Kapitel ist das Buch in Akte und Szenen eingeteilt. Grandios!
Auch die Darstellung von Olivers Freundeskreis hat mir unglaublich gut gefallen. Richard, Alexander, James, Meredith, Wren, Filippa – jeder spielt eine andere Rolle, sowohl im Theater als auch außerhalb. Es benötigte nur wenige Szenen, bis ich sie auseinanderhalten konnte, was bei mir etwas heißt … M. L. Rio gelingt es mühelos, jedem der Charaktere distinktive Eigenschaften zu verpassen, vor allem aber auch Dynamiken unter den Charakteren zu entwickeln. Obwohl die Geschichte ausschließlich aus Olivers Perspektive in der ersten Person berichtet wird, hatte ich das Gefühl, neben seiner Geschichte Bruchstücke von sechs weiteren zu erfahren.
Mein Highlight unter seinen Freunden ist ganz klar James – ein höchstintelligenter Charakter, der beste Schauspieler in der Gruppe, der sich gerade in den Rollen, die er dadurch erhält, eingeengt fühlt. Er ist Olivers Mitbewohner, sein bester Freund, vielleicht mehr? Rio schuf eine solche Spannung zwischen ihnen, dass ich förmlich an den Seiten klebte. Noch nie ist mir eine derartig undefinierte Beziehung begegnet, die mich so sehr packen konnte. Ich liebe es, wenn mir als Leserin die Antworten nicht auf dem Silbertablett präsentiert werden. Und auch hier schuf die Autorin einen Interpretationsfreiraum zwischen Andeutungen und Möglichkeiten, den ich liebte.
Das verborgene Spiel ist letztendlich eine Geschichte von menschlichen Abgründen. (Wenn ihr den offiziellen Klappentext lest, verrät der auch etwas mehr – ich habe ihn erst hinterher gelesen und war froh darüber. Eure Entscheidung!) Von subtilen Nuancen zwischen den Charakteren bis hin zu gravierenden Entscheidungen, die die Charaktere treffen oder vor die sie gestellt werden, ist alles mit dabei. Die Andeutungen, die von Anfang des Buches vermittelt werden, werden schnell zu einer düsteren Realität, als man Zeuge davon wird, wie Oliver und seine Freunde immer tiefer in die Katastrophe rutschen.
Rio schaffte es ebenfalls, mich wieder und wieder zu überraschen, die Geschichte sich in Richtungen entwickeln zu lassen, die ich nicht erwartete, rückblickend aber auf fast schon ein Ultimatum hinarbeiteten. Als ich mit dem Lesen des Buches begann, wusste ich nur, dass es außerhalb meiner Komfortzone lag, und war deshalb zögerlich, fast schon skeptisch – stattdessen entwickelte Das verborgene Spiel eine Sogwirkung, die es mir unmöglich machte, Olivers Geschichte loszulassen.
Nach derartig hohen Einsätzen hatte ich nicht die geringste Ahnung, wie Rio das Buch beenden würde – aber auch hier packte sie meine Erwartungen und stellte sie vollkommen auf den Kopf. Ohne etwas zu verraten: Das Ende überwältigte mich dermaßen, dass ich die letzten Sätze mehrmals las, die Anspielung googelte, begeistert den Kopf schüttelte, ein paar Tränen verdrückte und es noch einmal las.
Dann setzte ich mich an meinen Laptop und bestellte mir mehrere Werke Shakespeares. Wenn ich das nächste Mal in Olivers Welt zurückkehre, will ich gut vorbereitet sein.

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liebe, jugendbuch, vergangenheit, ulla scheler, und wenn die welt verbrennt

Und wenn die Welt verbrennt

Ulla Scheler , Diana Mantel
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Heyne, 18.09.2017
ISBN 9783453271425
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Schon mit ihrem Debüt Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen hat Ulla Scheler bewiesen, wie gut sie schreiben kann. Deshalb habe ich mich umso mehr gefreut, eine Chance zu erhalten, Und wenn die Welt verbrennt zu lesen. Nach Erhalten des Buches war meine Neugier so groß, dass ich es gleich am selben Abend aufgeschlagen habe – und am Abend darauf die letzte Seite las. Dass das Buch über 400 Seiten schwer ist, merkt man zu keinem Augenblick, im Gegenteil; ich inhalierte Felix' und Alisas Geschichte förmlich, und gerade die ersten drei Viertel des Buches waren toll, stellenweise grandios.
Die Geschichte wird sowohl aus Alisas Perspektive im Präsens als auch aus Felix' Perspektive im Präteritum erzählt – ein Tempuswechsel, der mir so noch nie begegnet ist und der mir überraschend gut gefallen hat. Bis auf ein paar holprige Übergänge ist die Erzählung aus den zwei Perspektiven in meinen Augen sehr gut gelungen.
Schnell hat sich Felix als mein persönlicher Favorit herauskristallisiert: seine Gefühle, nie gut genug zu sein, und seine Ziellosigkeit im Leben werden von Scheler so subtil, aber doch allanwesend dargestellt, dass ich gar nicht anders konnte, als mit ihm mitzufühlen.
Mit Alisa hatte ich dafür ein paar Schwierigkeiten, was hauptsächlich daran liegt, dass sie die Geheimnistragende der beiden ist – sie hat diese düstere Vergangenheit, die sie zwar verdrängen will, aber nicht kann. Allerdings wird gerade zu Anfang dieses Geheimnis nur angedeutet, auch in Felix' Perspektive, und das ziemlich oft, etwas, was mich persönlich stört. Es ist klar, dass ein Geheimnis besteht, dann muss man nicht noch andauernd darauf hinweisen, ohne dem Leser oder den Figuren selbst irgendwelche Klarheit anzubieten.
Umso besser hat mir dann die Richtung gefallen, die die Geschichte eingeschlagen hat. Während ich die Beziehung von Felix und Alisa zumindest anfangs etwas überstürzt fand, begannen die beiden schnell, sich besser kennen zu lernen und miteinander statt gegeneinander zu arbeiten – zumindest von Felix' Seite aus, Alisa öffnete sich nur langsam. Und gerade diese Enthüllung ihrer Vergangenheit, die Twists beinhaltet, die selbst Alisa so nicht vorausgesehen hat, war der prominente Faktor, der es mir unmöglich machte, das Buch aus der Hand zu legen. Immer, wenn ich dachte, jetzt auf der richtigen Spur zu sein, brachte Ulla Scheler eine neue Überraschung ein, und es gab bis zum Ende eigentlich nur einen Aspekt, den ich richtig erraten hatte – sehr cool, und vor allem eine Richtung, die ich nicht erwartet hatte.
Wie bereits erwähnt: Der Schreibstil hat mir außerordentlich gut gefallen, noch besser als in Schelers Debüt. Einerseits trug er mich durch die Geschichte, andererseits schaffte es die Autorin mit ihren Worten, kleinste zwischenmenschliche Nuancen auszudrücken und Gefühle zu formulieren, die man sonst gar nicht erfassen kann. Klasse fand ich es auch, dass Alisa in ihren Kapiteln immerzu einen "kleinen Käfer" anspricht. Wirklich wunderschön.
Jetzt kommt das große Manko. Leider. Denn bis zu etwa den ersten dreihundert Seiten wäre Und wenn die Welt verbrennt ein Buch gewesen, das vier, wenn nicht sogar fünf Sterne verdient hätte. Ich war voll und ganz in der Geschichte drinnen – bis die Charaktere sich auf einmal selbst zu widersprechen schienen, und der Plot zwar einen überraschenden Twist nahm, die Konsequenzen aber so absurd waren, dass ich das Gefühl hatte, ein völlig anderes Buch in der Hand zu halten. Felix machte plötzlich Dinge, die nicht im Geringsten zu erklären waren, und darüber hinaus beinhaltete der Plottwist eine Straftat, die von keinem der Charaktere – weder von den Tätern noch von den Mitwissenden – thematisiert wurde. Die Krönung zu dieser Absurdität bildete das letzte Kapitel, das mehr wie ein verzweifelter Versuch wirkte, die Geschichte in die richtige Richtung zu biegen, letztendlich bei mir aber nur einen bitteren Beigeschmack hinterließ.
In der Danksagung berichtet Ulla Scheler von ihren Problemen beim Schreiben des Buches, und leider merkt man das dem Endprodukt auch an. Nach diesem fulminanten Auftakt war das Ende so absurd und abwegig, dass ich enttäuscht und frustriert gleichermaßen war und mir fast wünschte, niemals die letzten Kapitel gelesen zu haben.
Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, in der Zukunft zu einem weiteren Buch von ihr zu greifen; der Schreibstil rettet nicht über die Probleme der Charaktere und des Plots zurück, und in dem Fall von Und wenn die Welt verbrennt auch nicht über die Ignoranz, mit der ernste Probleme im Text behandelt werden.

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182 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

science fiction, virtual reality, 80er jahre, sci-fi, vr

Ready Player One

Ernest Cline , Sara Riffel , Hannes Riffel
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 27.04.2017
ISBN 9783596296590
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Aus irgendeinem Grund war ich immer davon überzeugt, dass mir Ready Player One nicht gefallen würde. Was mich dann doch dazu bewegt hat, es zu lesen, war die Tatsache, dass es verfilmt wird, und dass die Verfilmung wiederum das Buch in der Bloggerszene wieder hat aufleben lassen … wenn das Sinn macht. Kurzum: Ich war neugierig. Dabei hatte ich nicht mal wirklich eine Ahnung, was mich erwarten würde – abgesehen von den ganzen 80er-Anspielungen.
Das vorweg: Nur wenige der Anspielungen habe ich auf Anhieb verstanden. Und wisst ihr was? Das war nicht das geringste Hindernis. Cline integriert Beschreibungen in den Text, die auch einem unwissenden Leser ermöglichen, Wades Begeisterung für zahlreiche kultige Spiele, Serien, Musik und Bücher nachzuempfinden. Für diejenigen, die die angesprochenen Dinge kennen, ist das Ganze bestimmt doppelt so cool.
Was mich an Ready Player One am meisten fasziniert hat, war tatsächlich der Weltenbau. Eigentlich ist das total absurd, denn die Art und Weise, wie davon berichtet wird, ist streng genommen reiner Infodump. Es gibt immer wieder Absätze, nein, ganze Seiten, wo Wade nur über die Vergangenheit berichtet, wie die OASIS entstand, wo er quasi Hallidays Biographie wiedererzählt … gerade zu Anfang des Buches wird eigentlich nur Hintergrundwissen vermittelt. Und was für mich gedanklich immer ein totaler Downturner war, hat hier bei Ready Player One einfach so gut funktioniert – und das hat mich unglaublich fasziniert.
Zum einen fand ich es cool, so viel zu erfahren, weil es nicht nur zeigt, wie die Welt im Jahre 2044 ist, sondern auch, wie es dazu kam. Das machte diese fast schon dystopische Realität um einiges greifbarer, da mir nicht plötzlich statt der Welt A die Welt B präsentiert wurde, sondern auch den Weg dorthin erläutert kriegte. Der zweite Grund, warum mir dieser Informationsfluss gut gefiel, war schlichtweg Wades Stimme – Cline gelingt es wunderbar, seinem Protagonisten eine ganz einzigartige Erzählweise zu verpassen, die selbst dann durchschimmert, wenn er irgendwelche Fakten von sich gibt. Von der ersten Seite an wurde in die Welt hineingezogen, und das schon, obwohl es noch nicht einmal um die Jagd nach dem Easter Egg ging, sondern erst darauf hingearbeitet wurde.
Zu Wade an sich hatte ich gar keine übermäßig tiefgreifende Sympathie entwickelt – ich bewunderte den Jungen, bemitleidete ihn manchmal, war beeindruckt von seinem Wissen und seiner Intelligenz … aber ich brauchte diese tiefe Verbindung auch gar nicht, denn wie bereits gesagt: Als Erzählstimme von dieser Geschichte hat er einfach wunderbar funktioniert. Die Nebencharaktere – auch wenn wir sie nur durch Wades Perspektive sehen – sind mir eher ans Herz gewachsen, wie zum Beispiel Wades bester Freund Aech, die mysteriöse Art3mis, in die Wade nicht-so-heimlich verliebt ist, oder der schrullige Ogden, der Mitgründer der OASIS.
Die Suche nach dem Easter Egg war in der Hinsicht besonders spannend, dass wir dadurch einen Einblick in die OASIS erhielten, da die einzelnen Rätsel zahlreiche Planeten in den Sektoren abdeckten. Es ist einfach so cool, dass einerseits Dinge wie Schule, Arbeit etc. in die OASIS ausgelagert werden (können), sie gleichzeitig aber Quests beinhaltet, die den Charakteren ermöglichen, ein höheres Level zu erreichen, magische Artefakte, Möglichkeiten, den Avatar aufzurüsten – in der Definition auch als MMOSG (Massively Multiplayer Online Simulation Game) bezeichnet.
Die Lösung der Rätsel erfordert ein umfangreiches Wissen über all die Medien, die Halliday zu Lebenszeiten konsumierte – Wissen, dass sich Wade über Jahre mühsam angeeignet hat und dann dementsprechend einbringen kann. Da das bereits von Anfang an klar ist – also, dass er dieses Wissen besitzt – war es für mich als Leserin auch nur logisch, dass er (mit etwas Startschwierigkeiten) gute Chancen hatte, im Wettbewerb in den vorderen Reihen mitzumischen.
An der Stelle setzt allerdings mein erster kleinerer Kritikpunkt ein. Manchmal waren mir ein paar Gegebenheiten zu … konstruiert. Wade tut etwas Beeindruckendes, und erst in einem darauffolgenden Absatz wird erklärt, dass er schon vor Monaten XY gemacht hat, damit das Beeindruckende überhaupt erst so funktionieren konnte. Eine nachgeschobene Erklärung quasi, wo ich mich als Leserin immer etwas ausgelassen fühle. Es ist mir etwas zu leicht gemacht, diese Erklärung dann einzuschieben, wo sie gebraucht wird.
Mein zweiter kleiner Kritikpunkt bezieht sich auf die Romanze. Wade macht von Anfang an klar, dass er in ein Mädchen verliebt ist, das er nur aus der OASIS kennt, aber aus der Verliebtheit wird schnell eine regelrechte Obsession, in Folge derer er manchmal einfach total unsinnige Entscheidungen trifft. Auch wenn diese Liebelei die Geschichte im Großen und Ganzen nicht überschattet, hat sie dem Ende des Buches doch irgendwie einen enttäuschenden Beigeschmack beschert.
Wohlgemerkt: Beide Kritikpunkte sind auf hohem Niveau. Es sollte mittlerweile klar geworden sein, dass ich das Buch liebte und es am liebsten gar nicht mehr aus der Hand geben wollte. Vielleicht lag es daran, dass ich keine hohen Erwartungen an Ready Player One hatte – aber aus der Perspektive von jemandem, der mit der Videospielwelt und der ganzen Kultur der 80er eigentlich gar nichts am Hut hat, ist es für mich doppelt beeindruckend, dass Ernest Cline es so mühelos gelang, mich in diese Welt hineinzuziehen, mich mit seiner eigenen Begeisterung anzustecken.


4,5 Sterne!

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Tags: jugendbuch, science fiction, virtuelle realität   (3)
 

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

lgbtqia, young adult, the gentleman's guide to vice and virtue, ya, lgbt

The Gentleman's Guide to Vice and Virtue

Mackenzi Lee
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Katherine Tegen Books, 27.06.2017
ISBN 9780062382801
Genre: Sonstiges

Rezension:

The Gentleman's Guide to Vice and Virtue gehört zu denen Büchern, die mich auf eine Art und Weise berührt haben, dass es mir auch noch Tage später schwerfällt, dieses Gefühl in Worte zu fassen. Was für mich total verrückt ist, weil ich niemals erwartete, dass dieses Buch mich so sehr trifft.
Ich hatte eine quirlige, witzige Reise durch Europa mit einer gesunden Prise Humor erwartet, was nichts zuletzt daran lag, dass das Buch seit Monaten in aller Munde ist – die deutsche Ausgabe ist immerhin schon im März erschienen, und auch im englischsprachigen Raum teilten Booktuber schon Monate vor Erscheinen des Buches positive, wenn nicht sogar euphorische Meinungen, die meine Erwartung von dem Buch derartig prägten und formten.
Es ist nicht so, dass ich diese quirlige Reise nicht bekam, oder dass der Humor nicht an Perfektion grenzt … (Das ist untertrieben: Montys Humor ist perfekt. Ich habe so selten so laut bei einem Buch gelacht – und Lee gelingt es besonders gut, mich auf der einen Seite weinen und auf der nächsten wie blöd grinsen zu lassen.) Aber darüber hinaus besticht das Buch mit einer Tiefe, mit einer Ernsthaftigkeit unter dieser leichten Ebene, die mich zutiefst beeindruckt und bewegt hat.
Wenn ich genauer darüber nachdenke, ist es fast so, als wäre The Gentleman's Guide to Vice and Virtue für jeden eine ganz einzigartige Erfahrung, was gar nichts mit der Interpretation der Inhalte zu tun hat, sondern damit, dass jeder Inhalt des Buches für jeden zugänglich ist … mit versteckten, "zweiten" Bedeutungen für diejenigen, die es brauchen.
Ihr fragt euch, was ich hier für einen Stuss zusammenschreibe? Ich denke mir nämlich gerade auch, dass das sehr absurd klingt. Aber dann müsste ich irgendwie den Platz in meinem Herzen leugnen, den Monty und Percy und Felicity in Windeseile erobert haben.
Wie eigentlich alle Bücher lebt auch The Gentleman's Guide to Vice and Virtue von seinen Charakteren. Da ist natürlich unser Protagonist Monty, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird; ein junger Mann, der augenscheinlich nichts außer Alkohol und Liebeleien im Kopf hat. Doch im Laufe des Buches beginnt Lee, mehr und mehr Schichten von Monty zu enthüllen, die mir nicht nur den Atem raubten, diesen Jungen umarmen und nie wieder loslassen wollten … die Autorin machte es darüber hinaus auf eine Art und Weise, die mir nicht das Gefühl gab, dass mir bisher Informationen vorenthalten wurden – sondern dass diese Teile von Monty teils so in ihm vergraben sind, dass er es selbst kaum wagt, sie zu berühren. Von einem humorvollen, höchst skandalösen jungen Mann wurde er zu jemandem, der versuchte, sein Leben mit aller Kraft zusammenzuhalten.
Percy, Montys bester Freund und Schwarm, wurde zu meiner Erleichterung nicht als Loveinterest abgestempelt – besonders schön ist Lee hier die Balance zwischen oh-Gott-was-wenn-er-mich-nicht-so-mag und oh-Gott-mag-er-mich-vielleicht-so? gelungen. Percy ist immer noch vorrangig Montys bester Freund, und durch all die Jahre, die sie sich schon kennen, sind sie zu einer unzertrennlichen Einheit geworden. Kurzum: Ich habe sie eigentlich von den ersten zwei Sätzen an geshippt.
Und ich schließe mich der allgemeinen Meinung an, wenn ich sage, dass ich öfters als nicht das Bedürfnis hatte, die Köpfe der beiden endlich zusammenzudrücken. Aber Spaß beiseite: Ich find's absolut fantastisch, wenn Liebespaare in Romanen wirklich und wahrhaftig Freunde sind, bevor sie mit diesem ganzen Romantik-Kram anfangen. In The Gentleman's Guide to Vice and Virtue war es darüber hinaus von der ersten Seite an klar, wer hier Interesse an wem hat, was doppelt erfrischend ist.
Ich hatte oben bereits angedeutet, dass das Buch auch vor ernsten bzw. kritischen Themen nicht zurückschreckt, und Percys und Montys (potenzielle) Beziehung ist eines davon, Homosexualität im 18. Jahrhundert – damals auch ganz gerne noch Sodomie (angelehnt an die Bibel) genannt. Lee thematisiert die Queer Culture, wie sie es nennt, nicht nur im Text selbst, sondern auch noch ausführlicher (inklusive ihrer unglaublich spannenden und nicht weniger bedrückenden Recherche) im Anhang, wo sie auch weitere Themen wie Rassismus und, ja, Epilepsie anspricht. Einer der Charaktere (es wird erst im Laufe des Buches enthüllt, deshalb werde ich hier keine Namen nennen) ist nämlich von Epilepsie betroffen, und Lee beschreibt nicht nur den (weniger schönen) Umgang mit dieser Krankheit, sondern auch generell den Umgang mit einem kranken Geliebten und dem (nett gemeinten, oftmals aber sehr schädlichen) Wunsch, diesen zu heilen, mit einer Sensibilität, die unglaublich ist.
Besonders gut hat mir in der Hinsicht gefallen, dass Lees Charaktere nicht perfekt auf die eben angesprochenen Themen reagieren, sondern Fehler machen … und auf eben diese problematischen Verhaltensweisen angesprochen werden, sich entschuldigen und aus ihren Fehlern lernen. So, wünsche ich mir, sollte immer mit problematischen Inhalten in Büchern umgegangen werden: Wenn der/die Autor*in sich entscheidet, diese zu repräsentieren, dann soll den Lesern auch gezeigt werden, wo eben die Probleme liegen. Und zuletzt für die ausführliche Recherche, die angemessene Sensibilität und die unglaublich gelungene Integration in den Text kann ich nur meinen Hut vor Mackenzi Lee ziehen.
Zuletzt kann ich euch nur noch sagen, dass es tatsächlich nichts an diesem Buch gibt, das ich nicht liebe. Montys Schwester Felicity hat mich mit ihrem trockenen Humor, ihrer Intelligenz und ihrer Scharfsinnigkeit beeindruckt; selbst Nebencharaktere, so unsympathisch sie auch sein mögen, bestechen dennoch mit einer künstlerischen Brillanz. Der Schreibstil ist grandios, mit wunderschönen, bildhaften Ausdrücken, die all die Orte, die Monty, Percy und Felicity aufsuchen, mit einer Leichtigkeit zum Leben erwecken lassen. Mackenzi Lee bewältigt das Genre mit links und machte es mir nicht nur zu einem Vergnügen, sondern zu einer Ehre, an Montys Geschichte teilnehmen zu dürfen.
(Deshalb freue ich mich umso mehr, dass Lee bereits angekündigt hat, dass ein Spin-Off zu Felicity geben wird – The Lady's Guide to Petticoats and Piracy.)
Ich kann mich nur wiederholen – The Gentleman's Guide to Vice and Virtue hat mich von der ersten Seite mit solch einer Wucht gepackt, dass ich mir nicht vorstellen konnte, diese Geschichte jemals wieder gehen zu lassen, und mir immer wieder bewiesen, dass ich Monty und seine Abenteuer noch mehr lieben konnte. Ein grandioses Buch, das nicht nur ein diesjähriger Favorit ist, sondern zu einer Zeit in mein Leben kam, in der ich gar nicht wusste, wie sehr ich es brauchte.

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Tags: historical fiction, jugendbuch, lgbtqia, young adult   (4)
 

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Der Dunkle Turm – Schwarz

Stephen King , Joachim Körber
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.07.2017
ISBN 9783453504028
Genre: Fantasy

Rezension:

Ach herrje.
Interessanterweise bin ich auf Schwarz gekommen, weil ich Der Dunkle Turm im Kino gesehen habe und mir dachte: Hey, der Film war ein bisschen kurz, ich bin total neugierig, wie Rolands Welt in Stephen Kings Werk beschrieben wird. Das wird keine Filmrezension, und ich habe mich auch nicht näher eingelesen, inwiefern der Film etwaige Details aus späteren Bänden aufnimmt, aber so viel kann ich sagen – retrospektiv war mir der Film um einiges lieber, weil ich da wenigstens irgendwelche Antworten bekommen habe.
Als Leser komme ich normalerweise gut damit klar – befürworte es sogar –, ins kalte Wasser geworfen zu werden. Stephen King hat mich jedoch nicht nur ins kalte Wasser geworfen, sondern meinen Kopf immer tiefer unter die Oberfläche gedrückt, wenn ich versucht habe, zu schwimmen.
Genug der Metaphorik: Ich bin einfach nicht in die Geschichte reingekommen, was an zwei Dingen liegt. Zum einen konnte ich keinerlei Verbindung zu den Charakteren aufbauen, weder zu Roland, dem Protagonisten, noch Jake, der ab dem ersten Drittel des Buches recht präsent wird. Die Nebencharaktere kamen mir bestenfalls wie Skizzen vor, und keine davon gefiel mir sonderlich gut. Stellenweise hat das immerhin zu der Geschichte gepasst, wenn deutlich wurde, dass Stephen King gerade dieses Unwohlsein beim Leser hervorrufen wollte – das gelingt ihm ganz wunderbar. Gerade die Kampfszenen in dem Buch haben mir mit ihrer brutalen Realität unglaublich gut gefallen! Aber mit den Charakteren wurde ich einfach nicht warm.
Der zweite, große Grund, der mich weiter von der Geschichte entfernt hat, war der Weltenbau. Nein, warte, der Weltenbau ist da, wird zumindest angedeutet – aber nicht im Geringsten erklärt. Das ganze Buch über passieren höchst seltsame Dinge, Roland gibt irgendwelche ominösen Begriffe von sich, und nichts, einfach gar nichts, wird erklärt. Eine Handvoll Dinge konnte ich mir zusammenreimen; vielleicht fehlte es mir beim Rest an Fantasie. Auf jeden Fall führte es dazu, dass ich mit jeder verstreichenden Seite nur noch frustrierter wurde.
Auf den letzten fünfzehn Seiten des Buches liefert King erstmalig Antworten. Und auch diese sind wieder so abstrakt, so vage verfasst, dass ich hinterher nur wenig schlauer war und dafür maximal frustriert und einfach froh, dass das Buch vorbei war. Ich habe noch nie ein 300 Seiten-Buch gelesen, das sich so verflucht lang angefühlt hat. Dabei lässt sich das Buch an sich leicht lesen, Kings Schreibstil hat mir gut gefallen, insbesondere die kleinen, allgemeingültigen Weisheiten, die im Text verstreut sind! Aber dieser konfuse Plot, diese Fragen, die sich angehäuft haben, haben es mir einfach unmöglich gemacht, meinen Gefallen an manchen Szenen für mehr als ein paar Seiten aufrecht zu halten.
Was Schwarz anbetrifft, scheint es einen allgemeinen Konsensus zu geben, den ich in einigen Rezensionen gelesen und von anderen Fans erzählt bekommen habe: "Nur dran bleiben, die Reihe lohnt sich erst ab den Folgebänden so richtig!", "Der erste Band ist der zähste, einfach durchbeißen!" – und so weiter. Aber ganz im Ernst: Ist das nicht ein Privileg Kings? Bei jedem weniger bekannten Autor würde man eher dazu raten, die Reihe abzubrechen … oder der Verlag würde sie einstellen, wenn sie sich nicht gut verkaufen würde.
Ja, vielleicht werde ich weiterlesen. Doch das rechtfertigt es in meinen Augen noch lange nicht, solch einen zähen ersten Band abzuliefern. Oder aber ich werde einem anderen Werk Kings eine Chance geben, und wenn es dann nichts wird, soll es eben nicht sein. Es ist verrückt, welche Ehrfurcht ich gegenüber diesem Mann empfinde; dass ich mich kaum traue, dieses Buch zu kritisieren, weil er einen (fast schon) legendären Status in Autorengefilden eingenommen hat.
Zuletzt möchte ich noch darauf eingehen, dass ich es schade finde, dass King im ersten Drittel des Buches mehrmals vulgäre Beschreibungen bei Frauen verwendet. Da finden sich Sätze wie "Ihre Brüste drängten sich in überreifer Pracht gegen die vom Waschen ausgebleichte Bluse, die sie trug" und "Der Revolvermann pustete sie um, und sie landete mit hurenhaft gespreizten Beinen und über die Schenkel gerutschtem Rock auf dem Boden" (beide zitiert nach Schwarz (Der Dunkle Turm), Stephen King, Heyne). Ich habe die Argumente gehört: Dass es ein Mittel sei, um die Figuren zu charakterisieren, dass man es im Kontext betrachten müsste … nein, finde ich nicht. Im Kontext und außerhalb des Kontexts sind solche Beschreibungen veraltet und unschön, und die Sexualisierung der weiblichen Nebencharaktere führte nicht gerade dazu, dass ich sie besser kennen lernte. Ein kleiner Trost: Diese Beschreibungen häufen sich lediglich in den ersten hundert Seiten, aber unschön sind sie immer noch.
Kurzum – mein erster King war ein absoluter Reinfall. Der Geschichte gelang es nur bruchstückhaft, mich zu fesseln, und anstatt Licht ins Dunkle zu bringen, habe ich mich als Leser irgendwann nur noch an der Nase herumgeführt gefühlt. Ich habe eine gefühlte Ewigkeit an dem Buch gelesen, und war einfach nur noch froh, als es vorbei war.

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siena, jugendbuch, ursula poznanski, thriller, italien

Aquila

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Loewe, 14.08.2017
ISBN 9783785586136
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nachdem Poznanskis Elanus weniger mein Fall war, habe ich mich umso mehr darüber gefreut, im Rahmen der Leserunde auf Lovelybooks ein Rezensionsexemplar von Aquila gestellt zu bekommen. Die Prämisse klang einfach genial: eine Erinnerungssuche in der italienischen Stadt Siena.
Und auch das Buch geht vielversprechend los. Poznanski fackelt nicht lange und wirft den Leser direkt ins Geschehen, das Buch beginnt mit Nikas Aufwachen und schnell wird alles noch verwirrender, mysteriöser und gefährlicher. Die ersten 150 Seiten waren toll, denn genauso wie Nika tappt man vollkommen im Dunkeln, und als immer mehr Fragen aufgeworfen werden, stellt man sich als Leser auch die Frage, wie das alles aufgelöst werden soll.
Nach diesem grandiosen Auftakt begann die Geschichte etwas zu stocken, indem sie immer wieder um dieselben Fragen kreiste und nicht wirklich Antworten gab. Ab diesem Punkt nahmen auch meine Probleme mit Nika zu. Zum einen, weil sie sich – aber das ist wohl eine Protagonistenkrankheit – immer öfters Hals über Kopf in unsinnige Gefahren begab; andererseits hatte ich aber auch nicht das Gefühl, sie wirklich zu kennen. Sie wird dürftig charakterisiert: mit ihrem Stiefvater kommt sie nicht klar, in Deutschland hat sie eine beste Freundin, und ihr Studium mag sie nicht wirklich. Außerdem hat sie sich nicht richtig bemüht, Italienisch für ihr Auslandssemester zu lernen. Es wird nicht verraten, was sie wirklich gern macht, was sie bewegt; sie erwägt nicht einmal, ihre beste Freundin anzurufen und ihr von dem Schlamassel zu erzählen, in dem sie immer tiefer versinkt.
In der Leserunde hat jemand angemerkt, dass das in dem Kontext nicht wichtig sei – schließlich geht es um die Suche nach Nikas Erinnerungen. Ich hingegen glaube, dass es Geschmackssache ist. Ich persönlich würde mir lieber etwas mehr Zeit nehmen, meine Protagonistin kennenzulernen, damit ich mit dieser auch richtig mitfühlen kann.
Grundsätzlich ist mein größter Kritikpunkt an Aquila eben das Zwischenmenschliche. Ich will hier keine Namen nennen oder spoilern, aber so viel sei gesagt: Im Laufe des Buches bahnt sich eine Liebesgeschichte an, die vollkommen an den Haaren herbeigezogen und nicht nur total unrealistisch ist, sondern auch rein moralisch betrachtet haarspaltend ist. Ebenfalls am Rande wird eine Betrugsgeschichte erwähnt, die von der Betrogenen einfach mit einem Achselzucken abgewunken wird. Paart das mit ein paar absurden Kommentaren, und ihr könnt euch vorstellen, wie frustriert und wütend ich am Ende des Buches war. Was die Charaktere anbetrifft, gibt es wirklich keinen in Aquila, der mir nur ansatzweise sympathisch war. Selbst über Nika konnte ich letztendlich nur den Kopf schütteln.
Auch die Auflösung hat mir weniger gut gefallen. Wir verbringen so viel Zeit mit der Spurensuche, dass das Verbinden der einzelnen Hinweise einerseits total konstruiert wirkte, andererseits auch einfach im Kontext… unrealistisch war? Und irgendwie wieder nichts Neues. Ich hatte das Gefühl, dass Poznanski in Aquila viele Möglichkeiten, das Buch origineller zu gestalten, verpasst hat. Sehr schade.
Kurzum: Aquila hat vielversprechend begonnen, aber die Charaktere, die verworrene Spurensuche und die an den Haaren herbeigezogene Auflösung haben mir das Lesevergnügen ziemlich vermiest. Nachdem ich schon Elanus tendenziell enttäuschend fand, war das vorerst mein letzter Poznanski. Ich glaube mittlerweile einfach, dass es schwer ist, an Erebos und Saeculum anzuknüpfen; vielleicht habe ich auch einfach zu hohe Erwartungen. Aquila konnte in meinen Augen nicht erfüllen, was es verspricht.

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fantasy, verbündete, historischer fantasy, heyne, highfantasy

Die Königin der Schatten - Verbannt

Erika Johansen , Sabine Thiele
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Heyne, 26.06.2017
ISBN 9783453315884
Genre: Fantasy

Rezension:

Es ist noch keinen Monat her, dass ich Die Königin der Schatten - Verflucht gelesen habe und positiv überrascht war. Ich bin sogar so weit gegangen, zu sagen, dass es einer der besten zweiten Bände war, die ich jemals gelesen habe. Ich muss nicht hinzufügen, dass meine Freude auf den Abschluss der Trilogie gigantisch war.
Durchaus hinzufügen muss ich allerdings, dass ich nach dem Höhenflug des zweiten Bandes umso tiefer fiel.
Von Anfang an fiel es mir schwer, in die Geschichte reinzukommen; ich hatte das Gefühl, dass die Geschehnisse zwischen Kelsea und der Roten Königin irgendwie an den Haaren herbeigezogen waren. Die Dialoge wirkten flach, und immer wieder wurde die Vergangenheit der Roten Königin thematisiert. Letztlich konnte ich einfach ihre Beweggründe nie hundertprozentig nachvollziehen, die Motive waren mir schlichtweg nicht stark genug.
Wie auch schon in dem vorherigen Band beschränkt sich Johansen nicht nur auf Kelseas Perspektive; neben der Sichtweise von ein paar anderen Nebencharakteren gibt es auch in Die Königin der Schatten - Verbannt einen Strang, der komplett in der Vergangenheit spielt. Dort begegnen wir Katie, einem Mädchen, das der ersten Generation nach der Überfahrt entspringt und erlebt, wie die so mühsam erkämpfte Utopie an ihrer Umsetzung scheitert.

"Vielleicht ist es uns nicht möglich, zufrieden zu sein, dachte Kelsea […]. Vielleicht sind wir nicht gut genug für Utopien."
(Die Königin der Schatten - Verbannt, Erika Johansen, Heyne Verlag)

Kurzum – alle Handlungen waren spannender als Kelseas. Oder zumindest bewegten sich alle vorwärts, im Gegensatz zu den Geschehnissen zwischen Kelsea und der Roten Königin, die fast eingefroren schienen, sich immer um dieselben Themen drehten oder diese so abstrakt behandelten, dass das Folgen erschwert wurde.
Die anderen Sichtweisen gefielen mir nur bedingt besser; am liebsten war mir Aisas Perspektive. Das Mädchen hat einfach so viel Biss und so einen starken, eigensinnigen Charakter. Zusammen mit Mace gehört sie wohl zu meinen liebsten Figuren der ganzen Trilogie.
Mit Katies Vergangenheitsstrang hingegen hatte ich mehr zu kämpfen. Gerade zum Anfang hin zieht sich ihre Geschichte ungemein, und ich fragte mich öfters, warum wir diesen Einblick jetzt erhielten; hier hätte meiner Meinung nach einiges gekürzt werden konnten. Als Katies Geschichte endlich Fahrt aufnahm, war sie in Ordnung… bis es sehr schnell sehr unangenehm wurde. Ohne hier zu spoilern: Es gibt zwei Sexszenen, die nicht nur vorne und hinten keinen Sinn machen, sondern einfach abrupt, unschön sind und der Geschichte keinen, überhaupt keinen Mehrwert bringen.
Das war ungefähr im letzten Drittel des Buches. Bis dahin war ich schon ordentlich frustriert, weil die Geschichte sich im Schneckentempo vorwärts zu bewegen schien. Aber nichts konnte mich auf das vorbereiten, was daraufhin noch folgte.
Im Nachhinein ist es, als hätte jemand völlig anderes als Erika Johansen dieses Buch geschrieben. Nichts passte mehr wirklich. Die Charaktere verhielten sich anders als gedacht, es wurden unnötige Vorgeschichten dazu gedichtet und ein paar Stränge gezogen, die storytechnisch gar keinen Sinn machen. Das war schlimm genug – es war quasi, als wären die Charaktere, die ich lieben gelernt habe, gegen irgendwelche halbherzigen Doppelgänger ausgetauscht geworden. Aber nichts, nichts von alldem kam an dieses Ende ran. Erst dachte ich noch: Huch, das sind ziemlich wenige Seiten, um die ganzen Katastrophen noch aufzulösen. Der Grund eröffnete sich mir bald. Es wird nichts aufgelöst. Johansen wählt eine simple und faule Lösung und kümmert sich gar nicht erst um die Lösung all der Probleme. Ich war perplex… vorrangig aber wütend und frustriert.
Ich bleibe dabei: Die Königin der Schatten - Verflucht ist tatsächlich einer der besten zweiten Bände, die ich jemals gelesen habe. Aber im Umkehrschluss ist Die Königin der Schatten - Verbannt vermutlich der schlechteste Abschluss einer Reihe, der mir jemals begegnet ist. Die Handlung tritt größtenteils auf der Stelle, Charaktere wirken wie ausgewechselt, und die Auflösung wurde mit einem Deus ex Machina par excellence umgangen. Das ist nicht zuletzt schade, wenn man daran denkt, was für ein unglaubliches Potential diese Reihe hatte, mit ihrer innovativen Idee und einer einzigartigen Protagonistin und Themen wie Politik und Moral, die selten so explizit angesprochen werden… und wie all das in diesem letzten Teil ungenutzt blieb.

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schattenjäger, werwölfe, dämonen, vampire, liebe

Lord of Shadows (The Dark Artifices)

Cassandra Clare
Flexibler Einband: 720 Seiten
Erschienen bei Simon & Schuster Childrens Books, 23.05.2017
ISBN 9781471116650
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich habe Lady Midnight geliebt. Dann habe ich Lord of Shadows gelesen.
Nach mittlerweile über acht Jahren bin ich immer noch jedes Mal aufs Neue überrascht, wie es Cassandra Clare wieder und wieder gelingt, mich vollkommen zu begeistern. Ich dachte, Lady Midnight wäre grandios, wenn nicht sogar ihr bestes Werk – aber wenn man mich fragt, verblasst es neben Lord of Shadows. Als hätte es sorgsam und gemächlich das Fundament gelegt, und Lord of Shadows wäre das atemberaubende Bauwerk darauf, das so viele sorgsam gestaltete Details enthält, dass man gar nicht weiß, wo man mit dem Staunen anfangen soll.
Von der ersten Seite an hatte mich das Buch gepackt; Cassandra Clare legt ein ungewohntes Tempo vor, und es gibt nur wenige ruhige Momente in Lord of Shadows. Ich stand kontinuierlich unter Strom, während ich das Buch gelesen habe, konnte und wollte es nicht weglegen – die Bedrohung von Malcom im ersten Band war meiner Meinung nach gar nichts gegen das Grauen, das auf die Schattenjäger in Lord of Shadows wartet. Gerade, weil es von mehreren Seiten kommt, und darüber hinaus Dimensionen annimmt, die mich als Leser schlichtweg schockierten.
Womit ich mir ganz sicher bin: Lord of Shadows ist Clares düsterstes Buch. Die Charaktere stehen nicht nur vor Entscheidungen ungeahnter Größe und Brutalität, sondern machen darüber hinaus unmoralische Dinge und betreten Wege, die ich nicht für möglich gehalten hätte. In anderen Büchern von Clare hatte ich oft das Gefühl, dass die Charaktere durchweg undurchdachte Entscheidungen treffen; auch das ist bei Lord of Shadows nicht mehr der Fall. Ich schätze, das liegt nicht zuletzt daran, in welchen Zeiten Emma und die Blackthorns aufgewachsen sind, und wie diese sie dazu gezwungen haben, viel zu früh erwachsen zu werden.
Das Buch erhält außerdem mit dem Auftreten des Cohorts eine politische Note, die ebenfalls neu für Clare ist und – neben den Charakteren, natürlich – fast mein "Lieblings"aspekt des Buches ist. Die extremistischen Einstellungen dieser Gruppe waren erschreckend, widerwärtig… und verdammt real, wie eine beängstigende Prophezeiung vonseiten Clares. Gerade, wenn man einen Blick auf aktuelle Entwicklungen wirft, wirkt Lord of Shadows wie ein unheimlicher Spiegel, den man eigentlich nicht wahrhaben will.
Kurzum: Der Plot von Lord of Shadows ist pure Genialität. Dass das Buch 700 Seiten schwer ist, hat man – gerade im Kontrast zu Lady Midnight – an keiner Stelle gemerkt.
Wahrscheinlich verdreht jemand von euch jetzt die Augen, aber das Herz der Geschichte sind – wie üblich – die Charaktere. Eine unangenehme Wahrheit gleich im Voraus: Am wenigsten interessiert hat mich Emma und Julians Beziehung. Versteht mich nicht falsch, ich habe die Szenen geliebt, in denen gezeigt wird, wie gut sie miteinander arbeiten können. Ich kann jedoch nur begrenzt die romantische Spannung nachvollziehen, und von allen Ships in dem Buch interessiert mich ihres letztendlich am wenigsten. (Auch wenn ich mir… Sorgen mache, ob/wie der Parabatai-Bund gelöst wird.) Ich mag auch Emma viel lieber als Julian, hauptsächlich, weil ich bei ihren Szenen mehr das Gefühl hatte, dass sie auf den Punkt kommt – bei Julian ist alles oft viel zu kompliziert, und in der nächsten Sekunde jagt mir der Junge Angst ein. (Obwohl Emma definitiv der einzige Charakter in der Reihe ist, der sich immer noch kopflos in wahnwitzige Gefahren stürzt.)
Dafür haben mich die anderen Charaktere (und ihre Liebeleien) viel mehr überzeugt. Ich war überrascht, wie sehr mir die Blackthorns letztendlich am Herz liegen, da ich mich nach Lady Midnight noch davon überzeugen wollte, dass ich sie ja gar nicht sooo gern mag. Aber ganz im Ernst – das Trio Livvy, Ty und Kit war einfach mein persönliches Highlight! Gerade Kit stand ich im ersten Band noch skeptisch gegenüber, in Lord of Shadows hat er mein Herz im Sturm erobert. Es ist spannend, zu sehen, dass er zwar neu in den Schattenjäger-Reihen ist, aber dennoch einiges über sie weiß. Besonders herzerwärmend war es, zu lesen, wie er insbesondere von den Zwillingen aufgenommen wurde, und grundsätzlich brachte er einfach etwas Erfrischendes in die Runde. Die Herondales sind schon genial.
Von Cristina war ich bereits im ersten Buch ein Fan, und das hat sich in Lord of Shadows nicht im Geringsten verändert: Mit ihrer erwachsenen, ehrlichen Art ist sie gute Seele und Ruhepol gleichermaßen. Auch mit Mark wurde ich vollends warm, und selbst, was die Entwicklungen Kierans anbetrifft, hat Clare gezeigt, dass in ihm tatsächlich ein junger Mann steckt, den man ins Herz schließen könnte.
Grundsätzlich bin ich überrascht, wie viele Fragen und offene Stränge Lord of Shadows zurückgelassen hat. Von der plötzlichen Brutalität des Endes, vor der mich haufenweise Leute schon gewarnt haben (nett gemeint, hat aber nichts geholfen! :D), mal ganz abgesehen, habe ich das Gefühl, dass es noch so viele offene Fragen gibt! Ich finde es gar nicht so schlimm, dass Queen of Air and Darkness erst 2019 erscheinen soll, weil Clare sich auch dieses Mal bei der Reihenfolge der Bücher etwas gedacht hat; vielmehr stellt sich mir die Frage, wie zur Hölle sie das alles in einem Buch abwickeln will? Entweder hat der dritte Band über 1000 Seiten oder ich sterbe in jedem Kapitel einen literarischen Tod. Ich bin für die erste Option, bitte danke.Und ja, das Ende war wirklich heftig. Überraschenderweise habe ich keine Träne vergossen, weil ich so geschockt war, aber damit gerechnet hätte ich niemals.
Es gibt nur noch einen Punkt, über den ich mich noch nicht begeistert ausgesprochen habe – auch in Lord of Shadows gibt es wieder zahlreiche altbekannte Charaktere, die auftauchen. Ich will euch gar nicht verraten, wer, aber die Besuche werden länger und intensiver und es ist einfach fantastisch. Der Traum eines Fans, quasi.
Mittlerweile seid ihr mein Geschwärme vermutlich leid – kurz gesagt: Ich glaube tatsächlich, dass Lord of Shadows Clares bestes Werk ist, aber das ändert sich vermutlich mit den nächsten Büchern, die sie auf den Markt bringt. Bis dahin seid ihr vor weiteren Lobtiraden sicher. Und wenn du das hier noch liest und das Buch noch nicht kennst, dann, bitte, tu mir den Gefallen und hole das gefälligst nach.

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Tags: cassandra clare, lord of shadows, the dark artifices, urban fantasy, young adult   (5)
 

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fantasy, erika johansen, die königin der schatten, krieg, magie

Die Königin der Schatten - Verflucht

Erika Johansen , Sabine Thiele
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 16.05.2016
ISBN 9783453315877
Genre: Fantasy

Rezension:

Als ich Die Königin der Schatten - Verflucht in die Hand nahm, hatte ich befürchtet, Anschlussschwierigkeiten zu haben, da das Lesen des ersten Bandes über anderthalb Jahre zurückliegt. Deshalb war ich umso positiver überrascht, als sich meine Befürchtungen als größtenteils unbegründet herauskristallisierten: Ein ganz grobes Hintergrundwissen reicht, um fast alles in Band 2 zu verstehen, nur bei kleinen Details war ich manchmal verwirrt. Meinem Lesevergnügen hat es zumindest keinen Abbruch getan, und ich musste mir nicht die Zeit nehmen, den ersten Band ein zweites Mal zu lesen (nicht zuletzt, weil der wiederum 500+ Seiten misst).
Das Stichwort ist bereits gefallen: Die Königin der Schatten - Verflucht war von der ersten bis zur letzten Seite ein einziges Vergnügen. Ich bin überrascht, wie gut mir der Band gefiel. Vielleicht liegt das daran, dass ich mich mittlerweile selbst in Kelseas Altersklasse bewege, aber stand ich der Protagonistin im ersten Band noch zwiegespalten gegenüber, habe ich sie jetzt endgültig ins Herz geschlossen. Gerade, weil sie in ihren ersten Wochen als Königin Fehlentscheidungen getroffen hat und immer noch trifft. Aber immerhin trifft sie Entscheidungen, tritt die Politik nicht nur an irgendwelche Untertanen ab, sondern beteiligt sich aktiv – und sieht auch ihre Verfehlungen ein.

"Schmerz entwaffnet nur die Schwachen."
(Die Königin der Schatten - Verflucht, Erika Johansen, Heyne)

Kelsea ist eine Protagonistin mit zahlreichen Makeln, und gerade die Tatsache, dass sie das selbst sieht, macht sie in meinen Augen so sympathisch. Es gibt einfach zu viele Protagonistinnen, die ihr Handeln kein einziges Mal hinterfragen, und Johansen gelingt hier ein erfrischender Twist. In dem zweiten Band entwickelt Kelsea sich noch dazu in eine sehr düstere Richtung, die mich unglaublich faszinierte und mich realisieren ließ, wie sehr ich sie unterschätzt habe. Das teils naive Mädchen aus dem ersten Band ist einer starken Frau gewichen, die sich den Konsequenzen ihrer Handlungen stellt.
Ein kurzer Einwand dazu (für diesen Absatz gilt eine Triggerwarnung für selbstverletzendes Verhalten!): In Folge der Verdüsterung ihres Charakters entdeckt Kelsea auch, dass sie durch ihre bloßen Gedanken Leute verletzen kann. Um ihre Wut zu "kontrollieren", richtet Kelsea diese Kraft immer öfter gegen sich selbst und lässt ihre Haut aufreißen. An mehreren Stellen im Buch wird beschrieben, wie ihre Arme und Beine Wunden zeigen, bluten, etc., und sie tauscht sich sogar mit einem anderen Charakter darüber aus, der ähnlich fühlt. Das finde ich, kurzum gesagt, katastrophal: Es wird ganz deutlich und explizit ein selbstverletzendes Verhalten gezeigt, ohne die Problematiken dessen zu thematisieren. Dass Kelsea es als Ventil für ihre Wut gebraucht, wird als vollkommen akzeptabel dargestellt, was dem Buch stellenweise einen bitteren Beigeschmack verlieh.
Auch die Nebencharaktere, insbesondere Kelseas Königsgarde, oder zum Beispiel Pater Tyler, sind exzellent herausgearbeitet und brillieren als eigenständige Figuren, nicht nur als Hilfswerke der Protagonistin. Jedem wird eine eigene Stimme und eigene Charakteristika verliehen; dass das Buch auch aus anderen Sichtweisen erzählt wird und nicht nur aus Kelseas, hat mich nicht im Geringsten gestört. Im Gegenteil: Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, zu sehen, wie unterschiedlich die Perspektiven auf die Ereignisse sein können und wo Intrigen geschmiedet und Ereignisse enthüllt werden, von denen Kelsea noch gar keine Idee hat.

"Und Kelsea fragte sich plötzlich, ob die Menschheit sich je änderte. […] Das bestimmendste Charakteristikum dieser Spezies war wohl die Verfehlung."
(Die Königin der Schatten - Verflucht, Erika Johansen, Heyne)

Schon in Die Königin der Schatten hat mich der Weltenbau ganz besonders fasziniert: Obwohl Kelseas Welt mittelalterliche Zustände darstellt, spielt die Geschichte etwa im Jahr 2300, ist also eine verquere Zukunftsvision. Im ersten Band gab es für meinen Geschmack noch zu wenig Informationen über diese Welt, was sich im zweiten drastisch ändert: Erika Johansen baut über Kelseas Visionen die Perspektive einer Frau namens Lily Mayhew ein, die im 21. Jahrhundert lebt und sich gerade in dieser Umbruchphase befindet.
Zugegeben: Ich stand Lilys Kapiteln etwas zwiegespalten gegenüber, nicht zuletzt, weil ihre Perspektive einen Großteil des Buches einnimmt, was mich etwas abschreckte, weil ja eigentlich Kelseas Geschichte erzählt wird. Auch wenn ich die Ereignisse der Vergangenheit unglaublich spannend fand (dazu gleich noch mehr), fragte ich mich immer wieder, welche Bedeutung ihre Perspektive jetzt für Kelseas Gegenwart hat. Zum Ende des Buches hin werden mehr Parallelen gezogen, aber auch diese erschienen mir etwas an den Haaren herbeigezogen und ließen mich eher unbefriedigt zurück, nachdem ich so viel Zeit mit Lily verbracht hatte. Ich kann mir gut vorstellen, dass man Lilys Sichtweise stark hätte kürzen können – aber, wie gesagt, da die Ereignisse zu ihrer Zeit an sich nicht uninteressant waren, störten mich ihre Passagen nicht zum Lesezeitpunkt, sondern eher im größeren Zusammenhang.
Und, wie bereits angedeutet: Die Essenz des Weltenbaus ist einfach unglaublich genial! Ich habe noch nie etwas Vergleichliches gelesen. Was Erika Johansen in Die Königin der Schatten - Verflucht ausführt, ist kreativ und faszinierend und erschreckend zugleich. Ich kann aufgrund von Spoilern nicht ins Detail gehen, aber sie löst sich etwas von dem dystopischen Weltenentwurf und widmet sich Leuten zu, die bewusst eine Utopie schaffen wollten. Ich bin immer noch begeistert; es ist einfach vollkommen anders als alles, was ich jemals gelesen habe. Johansen revolutioniert High Fantasy, und sie macht es mit einer beeindruckenden Leichtigkeit.
Kurz gesagt: Obwohl Die Königin der Schatten - Verflucht über 600 Seiten stark ist, habe ich die Dicke des Buches höchstens in den Momenten gespürt, in denen mein Handgelenk nachgeben wollte. Die Kapitel flogen förmlich an mir vorbei, und ich war konstant gespannt, wie Kelseas Geschichte weitergeht, ob sich eine Lösung finden lässt, um die Mort-Invasion irgendwie zu stoppen. Vermutlich ist das Buch einer der besten zweiten Bände, die ich jemals gelesen habe.

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dschinny, jessica khoury, aladdin, liebe, ein kuss aus sternenstaub

Ein Kuss aus Sternenstaub

Jessica Khoury , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 360 Seiten
Erschienen bei cbj, 10.07.2017
ISBN 9783570403532
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es war Mara von cakes & colors, die mich vor über einem Jahr in ihrer Rezension zu The Forbidden Wish (OT) meine Neugier weckte. Als ich dann vor ein paar Monaten entdeckte, dass das Buch auf Deutsch erscheinen würde, betrachtete ich das als Wink des Schicksals, es endlich zu lesen. Und so viel vorweg: Es hat mich nicht enttäuscht!
Seit AMANI — Rebellin des Sandes bin ich auf den Geschmack von Geschichten mit orientalischem Setting gekommen. Dieses gestaltet Jessica Khoury auf wundersame Weise in Ein Kuss aus Sternenstaub aus. Von Beschreibungen der Stadt über die Kleidungen der Figuren bis hin zu Bräuchen — alles ist bis ins Detail ausgearbeitet. Obwohl es sich bei dem Buch um einen Einzelband handelt, hat man nicht das Gefühl, einen unvollständigen Weltenbau zu erhalten. Fremde Begriffe werden nach und nach erklärt oder geschickt in den Text eingeflochten, sodass man der Geschichte gut folgen kann und mit Zahras Welt vertraut wird.

"Sogar ein Dieb kann Ehre haben, und sogar eine Dschinny hat vielleicht ein Herz."
(Ein Kuss aus Sternenstaub, Jessica Khoury, cbj)

Allein die Idee des Buches ist spannend und originell — Khoury platziert mit Zahra ganz bewusst eine starke Frau in das Zentrum der Geschichte, die eigensinnige und gleichzeitig moralisch zwielichtige Entscheidungen trifft. (Zugegeben: An manchen Stellen wirkt Zahra nicht wie die 4000-jährige Frau, die sie eigentlich ist, aber das verzeihen wir ihr.) Sie ist quasi Aladdin überlegen, obwohl er gleichzeitig als Lampenbesitzer ihr Gebieter ist, was die Beziehung der beiden ungleich und in der Konsequenz unglaublich faszinierend gemacht hat.
Ehrlich gesagt — es gibt bessere Romanzen als die zwischen Zahra und Aladdin. Aber durch die Machtdifferenz zugunsten Zahras ist ihre originell, und Aladdin ist keiner dieser verpönten Bad Boys, die man heutzutage überwiegend in Young Adult antrifft. Ihre Beziehung hat mich also nicht gestört, mich aber auch nicht großartig berührt.
Auch Aladdin an sich fand ich etwas enttäuschend. Zu Beginn des Buches zeigt er solide Motive, die sich dann im Laufe der Handlung verflüchtigen und auch in seiner Liebe zu Zahra etwas untergehen. Da wäre definitiv noch einiges mehr gegangen! Es geht doch nichts über eine gute Charaktermotivation; Aladdin ist leider der zielloseste Charakter von allen.
Viel spannender hingegen fand ich Zahras Vergangenheit, die sie auch 500 Jahre später noch verfolgt: Auch damals ist ihr Liebe zum Verhängnis geworden, wenn auch diese ganz anders interpretiert wird. Ein schöner Twist, der zeigt, dass es auch platonische Beziehungen gibt.
Besonders viel Frauenpower beweist Ein Kuss aus Sternenstaub bei seinen Nebencharakteren, an ihrer Spitze Prinzessin Caspida mit ihren Wachmaiden. Caspida hat mit ihrem unglaublich starken Willen, ihrer Determination und schließlich ihrer Freundschaft zu Zahra das Buch für mich einfach abgerundet. (Ausnahmsweise würde ich mich für ein Spin-Off aussprechen!)


"Der Preis jeder Lüge ist, dass die Wahrheit immer an den Tag kommen wird."
(Ein Kuss aus Sternenstaub, Jessica Khoury, cbj)

Die Charaktere und das fantastische Setting trösten auch darüber hinweg, dass der Plot manchmal etwas hinkt — damit meine ich überhaupt nicht, dass es dem Buch an Spannung fehlt, im Gegenteil! Gerade die politischen Aspekte der Handlung haben mich unglaublich fasziniert. Ich finde lediglich, dass Khoury bei manchen brenzlige Situationen etwas um den Brei geschrieben hat, sozusagen. ;) Besonders beim Ende hätte es so viele Möglichkeiten gegeben, die Autorin wählte aber den (meiner Meinung nach) voraussehbarsten Ausgang.
Aber wie könnte ich über dieses Buch reden, ohne den Schreibstil zu erwähnen? Jessica Khoury schreibt einfach atemberaubend und unglaublich bildhaft, ohne, dass der Text zu dicht wird oder die Vergleiche zu absurd. Allein des Schreibstils wegen muss man das Buch lieben — hinzu kommen aber noch die unglaublich faszinierende Protagonistin Zahra, starke weibliche Nebencharaktere und eine originelle Erzählung, die in mir den Wunsch erweckte, ebenfalls einmal Zahras und Aladdins Parthenien besuchen zu können.

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Tags: ein kuss aus sternenstaub, einzelband, orientalisch, standalon, the forbidden wish, young adult   (6)
 

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jugendbuch, liebe, young adult, contemporary, freundschaft

When Dimple Met Rishi

Sandhya Menon
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei Simon Pulse, 30.05.2017
ISBN 9781481478700
Genre: Sonstiges

Rezension:

When Dimple Met Rishi ging (zumindest in der englischsprachigen Bloggerwelt) ein gewaltiger Hype voraus. Schon Monate vor Erscheinen des Buches stolperte ich über eine positive Rezension nach der anderen. Und wenn man mich fragt, wird es diesem Hype gerecht — zumindest in den Aspekten, die auch angepriesen wurden.
Zuallererst: Dimple und Rishi haben mich zu 150% überzeugt. Okay, Dimple vielleicht zu 100, und Rishi doppelt so sehr — aber meine Güte, die beiden sind einfach herrlich. Dimple lebt für ihre Passion — alles, was mit Computern zutun hat — und ist unglaublich eigenständig und zögert vor allem nicht, für das zu kämpfen, was sie möchte. Obwohl ihre Mutter sie in eine ganz andere Frauenrolle (idealerweise geschminkt und verheiratet) pressen will, lehnt sie sich dagegen auf und hinterfragt ganz bewusst die Werte, für die sie steht.
Rishi ist zumindest in der Hinsicht das krasse Gegenteil: Er unterstützt die Idee der arrangierten Ehe und kann es kaum abwarten, Dimple zu treffen. Außerdem hat er einen festen Plan, will an eine technische Universität gehen, heiraten, Kinder kriegen — seine wahre Leidenschaft, die Kunst (speziell Comics), muss seiner Überzeugung nach dafür auf der Strecke bleiben. Gleichzeitig setzt er sich unglaublich für die Leute ein, die ihm am Herzen liegen.
Es war unglaublich spannend, zu sehen, wie die zwei Jugendlichen mit teils so unterschiedlichen Wertvorstellungen lernten, einen Mittelweg zu finden. So banal das auch klingen mag: Sie unterhielten sich tatsächlich darüber. Ich finde, man sieht in der Literatur viel zu selten (angehende) Paare, die etwas anderes tun, außer sich zu streiten/ignorieren und übereinander herzufallen. Auch wenn Dimple und Rishi in einem sehr kurzen Zeitraum von sechs Wochen sich kennen (und lieben?) lernen, geht ihre Beziehung nicht einfach von 0 auf 100. Sie müssen zuallererst lernen, miteinander auszukommen, mit dieser absurden Situation umzugehen, und werden allmählich Freunde, als sie mehr Zeit miteinander verbringen.
Und, ich kann es nicht oft genug betonen, ich habe die beiden SO SEHR geshippt. Ich habe wirklich für die beiden mitgefiebert. Denn Sandhya Menon gelingt es mit Bravour, eine Chemie zwischen den beiden entstehen zu lassen, die einfach so... echt wirkt. Ich war und bin vollkommen begeistert! (Und hätte auch gerne einen Rishi, bitte danke!)
Auch wenn ich nicht für die Repräsentation sprechen kann, möchte ich noch kurz auf die Darstellung der indischen Kultur in dem Buch eingehen. Die Autorin flicht geschickt indische Phrasen ein oder schlichtweg Begriffe für Kleidungsstücke oder besondere Speisen, was mich oft dazu verleitete, nach den Wörtern zu googeln — eine coole Art und Weise, mehr über eine Kultur zu lernen. Besonders schön, dass es sich hierbei um Own Voices handelt.
Es gibt letztendlich zwei Kritikpunkte, die ich an When Dimple Met Rishi äußern kann: Für die Tatsache, dass Dimple extra an einem Coding-Camp teilnimmt, geht es überraschend wenig um ihr Hobby, beziehungsweise darum, was sie explizit für den Wettbewerb macht. Das ist einfach schade, weil dieser Einblick sehr spannend (und definitiv neuartig) gewesen wäre!
Mein zweiter Kritikpunkt ist das Ende — nicht die Art, wie es endet, sondern, dass einfach ein paar Ereignisse auf den letzten Seiten einerseits unnötiges Drama erzeugen und andererseits so... voraussehbar sind? Vermutlich der einzige Aspekt, in dem When Dimple Met Rishi auch nur irgendein Klischee ansatzweise erfüllt.
Aber was soll ich sagen — insgesamt habe ich das Buch geliebt, und ich möchte abermals betonen, dass die Repräsentation einer realistischen und gesunden Beziehung einfach unglaublich gut gelungen ist. Ich habe Dimple und Rishi vollkommen ins Herz geschlossen, und war verdammt traurig (okay, vielleicht habe ich geheult), sie gehen lassen zu müssen. Ein absolutes Must-Read, vielleicht sogar, wenn ihr sonst weniger YA Contemporary lest, und erst recht, wenn ihr Lust auf ein diverses Jugendbuch habt, das mit den altbackenen Klischees bricht.

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young adult, feminism, anxiety, holly bourne, jugendbuch

Am I Normal Yet?

Holly Bourne
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Usborne Publishing Ltd, 01.08.2015
ISBN 9781409590309
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich habe Am I Normal Yet? aus einer reinen Laune heraus gekauft. Das eBook war günstig, es klang nach einem etwas anderen Jugendbuch, und die Bewertungen bei Goodreads waren überraschend gut. Holly Bourne hat bereits ziemlich viele Bücher veröffentlicht, und ich bin fest entschlossen, in der Zukunft noch mehr von ihr zu lesen!
Aber zurück zum Anfang: Am I Normal Yet? hat schon eine ganz besondere Prämisse. Wir haben ein Jugendbuch, das sich auf Thematiken konzentriert, die in anderen Büchern oft untergehen oder gar nicht erst erwähnt werden: Freundschaft, Mental Health und Feminismus. Allein schon den Versuch zu unternehmen, das in ein Buch zu packen, finde ich bewundernswert — hinzu kommt, dass Holly Bourne verdammt gute Arbeit geleistet hat.

"When boys get older, if they don't find someone they get called bachelors. We get called spinsters. There isn't a word that means male spinster. Just like there isn't a word for a guy who sleeps around — whereas there are TONS for girls. The Englisch language itself is sexist — it reinforces those overgeneralized, screwed-up notions about how boys and girls are allowed to be..."
(Holly Bourne, Am I Normal Yet?)

Die Freundschaft der drei Mädchen — die später den Spinster Club (dt. Club der alten Jungfern) gründen — ist einfach herrlich. Sie unterstützen sich gegenseitig, sind ehrlich zueinander und können sich auch eingestehen, wenn sie etwas falschgemacht haben. Nie hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass Amber und Lottie nur als Freundinnen charakterisiert werden; stattdessen gibt Bourne ausnahmslos jedem Charakter in dem Buch einen wirklichen Charakter, mit eigenen Geschichten und entsprechenden Eigenheiten. Gerade beste Freundinnen werden so oft stereotypisiert — hier aber nicht, und allein das machte das Buch zu einem absoluten Lesevergnügen.
Bald häuften sich die positiven Aspekte: Ich schloss die Protagonistin Evie unglaublich ins Herz, liebte ihre enge Beziehung zu ihrer Schwester, allein schon der Schreibstil ist herrlich erfrischend. Holly Bourne bringt einen ganz besonderen Humor mit ein, wegen dem ich öfters lachend (oder zumindest grinsend) vor dem Buch saß.

"Everyone's on the cliff edge of normal. Everyone finds life an utter nightmare sometimes, and there's no 'normal' way of dealing with it." Sarah sighed. "There is no normal, Evelyn. There's only what's normal to you. You're chasing a ghost."
(Holly Bourne, Am I Normal Yet?)

Mein Lieblingsaspekt — neben der Freundschaft und den feministischen Einflüssen — war aber ganz klar die Ausgestaltung von Mental Health. Evie kämpft seit Jahren mit einer OCD und einer generalisierten Angststörung. Ich kann nicht als Betroffene sprechen, hatte aber den Eindruck, dass Bourne sehr sorgfältig recherchiert hat und das Thema auch im Buch exzellent angeht. Vor allem wird hier, im Gegensatz zu anderen Büchern, nichts romantisiert. Wir erleben Evie an Höhepunkten, aber auch an (vielen) Tiefpunkten. Ihr Verhalten wird nicht beschönigt, hässliche Aspekte nicht ausgelassen. Vor allem wird ihre Therapie nicht nur angesprochen, sondern explizit im Buch thematisiert und nicht klischeehaft abgespeist. Auch im Nachhinein bin ich noch vollkommen begeistert von dieser akkuraten und ehrlichen Repräsentation.
Es gab nichts, das mich an Am I Normal Yet? wirklich gestört hat. Ich habe hauptsächlich einen kleineren Kritikpunkt anzubringen, das einzige Klischee, das sich überhaupt in dem Buch finden lässt: Im Laufe der Handlung gibt es drei Jungs, die mehr oder weniger plötzlich an Evie interessiert sind. (Zugegeben, nicht gleichzeitig, und keiner schwört ihr seine ewige Liebe, was einen Pluspunkt gibt.) Ich war einfach manchmal etwas überrumpelt in der Hinsicht, weil es mir etwas... unrealistisch erschien? Gleichzeitig muss ich zumindest Bournes Umgang damit loben. Denn wieder wird nichts romantisiert, und auch Lottie und Amber halten vor Evie nicht zurück, was sie davon halten.

"You find his arrogance and his alphaness sexy — because you've been conditioned into thinking that's how boys should be."
(Holly Bourne, Am I Normal Yet?)

Tja, ich wünschte, ich hätte mit sechzehn Jahren so gedacht. Vor allem wünschte ich aber, dass solche Verhaltens- und Denkweisen in mehr Jugendbüchern herausgefordert werden würden.
Was soll ich sagen — ich habe es keine Sekunde bereut, Am I Normal Yet? spontan gekauft zu haben. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich das Buch verschlungen und allein schon die Tatsache, dass es zwei weitere Bände aus Ambers bzw. Lotties Sicht gibt, freut mich ungemein! Bourne hat ein unglaublich wichtiges Buch geschrieben, das nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit bekommt, wie es verdient — das muss sich ändern!
Schließen möchte ich mit einer Aussage der Autorin:

"Feminism is for all genders. Feminism benefits all genders."

Amen.

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81 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

appalachian trail, wandern, abenteuer, jugendbuch, usa

The Distance from me to you

Marina Gessner , Katrin Behringer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 06.03.2017
ISBN 9783845816043
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Vielleicht hätte ich es besser wissen müssen.
In letzter Zeit bin ich den "klassischen" Jugendbüchern à la Girl meets Boy aus dem Weg gegangen. Weil ich kein Fan von den Liebesgeschichten war, weil sie bestenfalls schlecht und schlimmstenfalls katastrophal dargestellt wurden. Dennoch entschloss ich mich, The Distance from me to you eine Chance zu geben. Denn die Idee eines Mädchens, das alleine eine 2000 Meilen lange Wanderung macht, hat mich einfach unglaublich fasziniert und ich war zumindest gespannt, wie die Autorin dieses Element ausgestalten würde.
Leider konnte mich das Buch nicht im Geringsten überzeugen, schlimmer noch: Es hat mich durchweg schockiert und wütend gemacht.
Schon in den ersten Kapiteln, noch bevor Sam überhaupt eingeführt wird, wird klar, dass hier viel schwarz-weiß gezeichnet wird. Courtney bleibt zu Hause wegen einem Jungen; obwohl sie als beste Freundin betitelt wird, hatte ich nicht das Gefühl, zwischen ihr und Kendra eine Freundschaft zu sehen.
Mit Brendan, Kendras Freund, ist es ähnlich. Er wird als "lieb, aufrichtig und ernst" beschrieben, außerdem will er im Herbst sein Studium aufnehmen. Da der Klappentext bereits Sam ankündigt, rechnete ich damit, dass Kendra und Brendan sich trennen würden. Genau das passierte auch: Als Kendra auf dem Trail unterwegs ist, erhält sich die Nachricht von Brendan, er wolle sich auf sein Studium konzentrieren und daher eine Beziehungspause. Aha. Das ist von seiner Seite schön blöd, aber Kendras Reaktion ist noch absurder. Sie trauert nicht, ist nicht wütend, verurteilt ihn höchstens für seine Prioritäten. Schließlich steckt er ja in seinen Plänen fest.
Grundsätzlich fiel es mir unglaublich schwer, eine emotionale Beziehung zu den Charakteren aufzubauen. Das liegt gar nicht einmal daran, dass Gessner in der dritten Person schreibt — vielmehr berichtet sie tatsächlich nicht von den Gefühlen der Charaktere. Sie reagieren kaum emotional, setzen sich nie mit ihren Handlungen auseinander... und das gilt für die Protagonisten! Die wenigen Nebencharaktere werden nur klischeehaft charakterisiert, sodass sie vollkommen blass bleiben.
Meine Meinung über Kendra schwankte regelmäßig, worauf ich später noch zurückkommen werde, aber aus ihr hätte man grundsätzlich etwas machen können. Was Sam anbetrifft... puh.
Eingeführt wird er als klassisches Loveinterest: Groß, gutaussehend, ein Mädchenmagnet. (Dass er seit Wochen auf dem Trail herumläuft und vermutlich nicht mehr frisch riecht, erwähnt niemand.) Er flirtet natürlich mit Kendra, die sich als bestenfalls unauffällig beschreibt, und da die beiden in dieselbe Richtung laufen, begegnen sie sich in der Folge immer wieder.
Anstatt die Chance auszunutzen und die beiden sich wirklich kennenlernen zu lassen, konstruiert die Autorin lediglich zufällige Treffen, von denen eins absurder als das andere ist. Sam erzählt nichts von sich selbst und seiner Vergangenheit, und wenn Kendra etwas sagt, dann verhöhnt er sie regelrecht dafür. Leute, ich habe so einiges gelesen, aber ich bin noch nie einem so verachtungsvollen Charakter begegnet. Sam ist unfähig, irgendetwas zu kommunizieren, und in der Folge dessen schlichtweg voreingenommen und verbittert:

"Sam hatte ihr nichts davon gesagt, wie aufgewühlt und unruhig er war. Komisch, dass sie es nicht bemerkte. Er vergaß, dass er manchmal [...] schwer zu durchschauen war."
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)

Nur, dass wir uns richtig verstehen. Sam macht Kendra für seine Unfähigkeit verantwortlich. Sie muss ihn verstehen. Ganz zu schweigen von verallgemeinernden, sexistischen Aussagen wie diesen:

"Sie sah genauso aus, wie ein Mädchen aussehen sollte, süß, brav und anständig."
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)

"Unglaublich, wie reiche Mädchen ihr Geld verschwendeten, ganz abgesehen von ihrer Energie."
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)

Da fehlen selbst mir die Worte, und ich dachte, ich hätte schon alles gelesen.
Das Ganze gipfelt in einem von zahlreichen Ausbrüchen Sams:

"'Halt die Klappe', rief Sam endlich."
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)

Es besteht einfach keinerlei Chemie zwischen den beiden, wie auch? Sie reden ja nicht miteinander. Sie wissen in der Konsequenz nichts voneinander und hören sich nicht zu. An irgendeinem Punkt entscheidet Kendra, sich vor ihm auszuziehen, was den Start der "Beziehung" der beiden markiert. Wow. Super romantisch. Ich glaube, ich hätte das sogar noch hingenommen, aber das, was ich oben zitiert habe, markiert keine schlecht geschriebene, sondern eine schlichtweg toxische Beziehung. (Sam bringt sie im Laufe des Buches auch noch dazu, sehr viele, sehr blöde Dinge zu machen.) Was für ein Bild wird da jüngeren Lesern vermittelt?
Dieses Verhalten färbt natürlich auch auf Kendra ab:

"Die ganzen Bücherstapel zu Hause, das viele Lernen, die ganzen guten Noten, und trotzdem wusste sie nicht, wie man es anstellte: die simpelste, grundlegendste Sache der Welt, nämlich einen Jungen dazu zu bringen, sie zu küssen."
(The Distance from me to you, Marina Gessner, bloomoon)

Das Problem habe ich schon öfters bei Jugendbüchern beobachtet. Gerade, wenn das Mädchen einen Hintergrund aus einer intakten bzw. wohlhabenden Familie und guten Noten hat, wird das oft als etwas Schlechtes dargestellt? Als ob man sie dafür verurteilen müsste. Als ob sie das zu einem Langweiler oder einem weniger guten Menschen machen würde. Wieder gibt es nur schwarz oder weiß. Verdammt schade. Es ist nichts Falsches daran, aus seiner Komfortzone auszubrechen. Aber auch hier animiert Sam Kendra zu Dingen, auf die sie niemals eigenständig gekommen wäre, und wodurch sie unverantwortliche Entscheidungen trifft, mit denen sie sich selbst in Gefahr bringt. Und das nur, um mit ihren "langweiligen" Regeln zu brechen? Um begehrenswert für diesen Jungen zu sein?
Was Sam anbetrifft, kann ich nichts Revidierendes sagen. Seine Vergangenheit rechtfertigt nicht im Geringsten sein Verhalten.
Kendra... Kendra hätte eine ziemlich gute Protagonistin werden können. Es gibt vereinzelte Augenblicke im Buch, in denen man einen ganz anderen Blick auf sie erhaschen kann. Allein schon die Tatsache, dass sie sich vornimmt, die Wanderung alleine durchzuziehen, fand ich unglaublich bewundernswert! Leider geht die Kendra des Anfangs (wenn auch sie Vorurteile hegt und undankbar wirkt) im Mittelteil verloren. Der Wanderaspekt geht mit Sams Auftauchen den Bach herunter, rückt schlichtweg in den Hintergrund und verliert sich stellenweise komplett. Da wäre so viel mehr gegangen!
Am Ende des Buches gelang es Gessner zumindest, einen Hoffnungsschimmer zu erwecken (nicht nur, weil es vorbei war). Ich werde nichts spoilern, aber meiner Meinung nach hat sie mit dem Ausgang die bestmöglichste Entscheidung getroffen; noch dazu sieht auch Kendra bis zu einem gewissen Grad ein, was für gefährliche Entscheidungen sie getroffen hat.
Aber, wie bereits gesagt, nichts kann über diesen katastrophalen männlichen Protagonisten hinwegretten. Wieder einmal ist es schockierend, was man in Jugendbüchern vorfinden kann, was von vielen als schlichtweg "normal" gelesen wird. Da bildet The Distance from me to you keine Ausnahme.

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high school, mystery, pretty little liars, breakfast club, jugendbuch

One of Us Is Lying

Karen M McManus
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Delacorte Press, 30.05.2017
ISBN 9781524764722
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Auf One of Us Is Lying habe ich mich schon seit Monaten gefreut; dass der örtliche Thalia es schon Tage vor dem Erscheinen vorrätig hatte, wertete ich noch als zusätzliches Zeichen. Ich weiß gar nicht mehr, was mich so sehr an dem Buch fasziniert hat; vermutlich hatte ich einfach mal wieder Lust auf einen "guten alten" Contemporary. Genau das — und vielleicht noch ein bisschen mehr — sollte ich bekommen.
Zuallererst finde ich es beeindruckend, wie gut es McManus gelingt, die Geschichten der vier Jugendlichen (Simon bekommt logischerweise keine Perspektive) zu erzählen. Obwohl das Buch keine vierhundert Seiten hat, hatte ich nie das Gefühl, dass irgendjemand zu viel oder zu wenig zu Wort kam. Zugegeben habe ich nicht alle von ihnen von anfangs an gemocht, — gerade mit Addy hatte ich meine Probleme — aber als ich das Buch zuschlug, war ich schon ein wenig traurig, sie alle gehen zu sehen.
Das Ding ist, sie werden im Klappentext der Geschichte als Stereotype beschrieben: Bronwyn ist die Streberin, Nate der Drogendealer, Addy das folgsame Hündchen ihres Freundes, Cooper ist der perfekte Schönling, dem die Sportstipendien förmlich zufliegen. Dabei macht die Autorin so viel mehr aus ihnen, verpasst ihnen Familien, Hobbys, Freunde und schafft es noch irgendwie, das alles ins Buch zu packen, ohne dass irgendwo Längen entstehen. Grundsätzlich finde ich klasse, welche Rolle Familie in One of Us Is Lying einnimmt. Nein, es werden nicht harmonische Familien präsentiert — aber wenigstens werden die Eltern und Geschwister erwähnt und tauchen tatsächlich auf, anstatt immer "zufällig" außer Haus zu sein. Gerade Addys und Bronwyns Schwestern sind ziemlich präsent, was ich klasse finde.
Man könnte argumentieren, dass dadurch das Mysterium rund um Simons Tod in den Hintergrund rückt — wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, ist das definitiv bis zu einem gewissen Grad der Fall. Das Ding ist, dass mich das überhaupt nicht gestört hat. Ich hätte über die Charaktere einfach so lesen können und das Buch trotzdem noch genossen, obwohl dieser Kriminalaspekt dem Ganzen einen zusätzlichen Kick gegeben hat. Es ist durchaus gut gemacht — mit genau der richtigen Prise Überraschungen, dass ich das Buch nur noch mit Mühe weglegen konnte.
Zugegeben, ich habe ausnahmsweise tatsächlich erraten, wer Simon umgebracht hat. Ich hatte zumindest von Anfang an eine Vermutung, die sich bewahrheitete, und somit hatte ich nicht den "großen Knall" am Ende des Buches, was für mich okay war und zumindest meinem Lesegenuss keinen Abbruch tat.
Was ich allerdings kritisieren muss, — ohne zu sehr zu spoilern, daher keine Namen — ist ganz speziell das Ende zweier Charaktere. In den letzten Augenblicken wurde noch (unnötiges) Drama hineingebracht, weswegen besagte Charaktere nicht das Happy End bekommen konnten, was ich mir für sie gewünscht hätte (sie waren/sind meine Favoriten). Das ist ein klitzekleiner Wermutstropfen, denn im Großen und Ganzen hat mich One of Us Is Lying nicht nur überzeugt, sondern in erster Linie überrascht. Ja, die Idee ist nicht neu; manch andere würden sie vielleicht sogar als "ausgelutscht" bezeichnen. Aber mit authentischen Charakteren verleiht Karen M. McManus der Geschichte einen ganz besonderen Twist, weshalb ich letztendlich froh bin, ihr Debüt gelesen zu haben.

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science fiction, roboter, sylvain neuvel, außerirdische, aliens

Giants - Zorn der Götter

Sylvain Neuvel , Marcel Häußler
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.05.2017
ISBN 9783453534803
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Giants: Sie sind erwacht war eines meiner Jahreshighlights 2016. Ihr könnt gar nicht glauben, wie sehr ich mich auf die Fortsetzung gefreut habe — und so viel kann ich sagen, ich bin wieder einmal begeistert!
Das System ist dasselbe wie schon beim ersten Band: Die Geschichte wird auf ihre ganz besondere Art und Weise durch Interviews und gegebenenfalls Berichte erzählt. Im Zentrum steht wieder der mysteriöse Interviewer (über den wir in diesem Band tatsächlich mehr erfahren!), der die Fäden in den Händen zu halten scheint.
Obwohl zwischen den Ereignissen in beiden Büchern zehn Jahre verstrichen sind, wurde man als Leser erstaunlich schnell und mühelos in die zwischenzeitlichen Geschehnisse eingeführt. In Giants: Zorn der Götter gibt es sogar einen weiteren Zeitsprung, und auch dieser gelingt Sylvain Neuvel mühelos.
Auch die Thematik bleibt spannend, Neuvel kreiert ein weiteres Mal Science Fiction vom Feinsten: In dem Buch finden sich Aspekte der Physik, Linguistik, Politik und verstärkt der Biologie — all das Komplexe wieder so heruntergebrochen, dass selbst Fachfremde kein Problem haben, sich zurechtzufinden. Im Gegenteil: Man ist wieder und wieder aufs Neue fasziniert, was der Autor geschaffen hat. Es wirkt so real, dass mir die Idee, dass es in dem Buch eigentlich um eine Alien-Invasion gibt, stellenweise fast schon absurd vorkam! An dieser Stelle liegt auch mein einziger, kleiner Kritikpunkt: Der Grund hinter der Invasion war mir letztendlich fast schon zu banal. Ich hatte nach all den Geschehnissen irgendetwas Größeres, Wirkgewaltigeres erwartet — aber vielleicht muss ich das Ganze auch erst sacken lassen.
Wo ich schon von Geschehnissen spreche — meine Güte. Ich dachte, Giants: Sie sind erwacht hätte mich an die Grenzen meiner Nerven gebracht. Aber das war noch gar nichts gegen diesen Band. Ich habe die zweite Hälfte des Buches in einem Rutsch durchgelesen, was mir wirklich schon ewig nicht mehr passiert ist; es war mir einfach unmöglich, es wegzulegen. Grundsätzlich ist der Plot einfach so viel größer angelegt, als ich jemals erwartet hätte. Vom Syndrom eines schlechten zweiten Bandes keine Spur, im Gegenteil — Neuvel legte immer noch einmal eine Schippe drauf, wenn ich es für unmöglich glaubte.
Ich kann auch nicht genug betonen, wie sehr mir die Charaktere ans Herz gewachsen ist — allen voran Kara und Vincent, aber auch Rose und selbst den mysteriösen Interviewer habe ich lieb gewonnen. Ich bin wieder einmal beeindruckt, wie viel nur über Dialog bzw. Interviews übermittelt werden kann. Und meine Güte, haben sie mich in Existenzkrisen gestürzt. Ich habe einen Großteil des Buches auf einer Busfahrt gelesen, und ich habe unverschämt oft aus dem Fenster geblinzelt, weil mir die Tränen kamen.
Also, ja, ich bin aufs Neue begeistert. Eigentlich noch mehr als zuvor. Giants: Zorn der Götter ist mehr eine würdige Fortsetzung, die ich nur auf hohem Niveau kritisieren kann. Ansonsten beweist Neuvel erneut, wie gut er nicht nur schreiben, sondern auch diese verschiedenen Themenbereiche miteinander verflechten kann. Von mir gibt's eine ganz klare Empfehlung. Und alle, die die Reihe noch nicht begonnen haben, sollten das definitiv nachholen!

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fantasy, kendare blake, magie, penhaligon, königin

Der Schwarze Thron - Die Schwestern

Kendare Blake , Charlotte Lungstrass-Kapfer
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 09.05.2017
ISBN 9783764531447
Genre: Fantasy

Rezension:

Der Schwarze Thron  Die Schwestern ist eines dieser Bücher, das seit einer Ewigkeit auf meiner Wunschliste stand, ich mir aber — aus welchem Grund auch immer — nie zulegte. Deshalb habe ich mich umso mehr darüber gefreut, das Buch vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt zu kriegen. Vielen Dank an der Stelle noch mal dafür!
Die Idee klingt vielversprechend: Ein Drillingspaar, das sich auf den Tod bekämpfen muss. Eine Welt mit verschiedenen magischen Elementen, und vor allem vielen Leuten hinter den Kulissen, die versuchen, die Fäden nach ihren Vorstellungen zu ziehen. Leider konnte mich die tatsächliche Umsetzung weniger überzeugen.
Eines muss man Kendare Blake lassen: Ihr Schreibstil hat mich unglaublich fasziniert. Sie schreibt in der dritten Person Präsens, beschränkt sich nicht auf die Sicht der Drillinge, sondern schlüpft auch in die Perspektive zahlreicher Nebenfiguren. Dabei gelingt es ihr, nahtlos von einer Sicht in die andere überzugehen, manchmal auch inmitten einer Szene — fand ich sehr cool. Andererseits fürchte ich auch, dass der Schreibstil für dieses Buch vielleicht ungeeignet war; ich hatte oft das Gefühl, dass die Stimme von jedem Charakter dieselbe war und dass ich sie maximal durch ihre Namen unterscheiden konnte. Außerdem wirkt der Stil oft sehr nüchtern, fast schon kindlich; dass das Buch ein paar... brutalere Momente hat, bildet dazu einen ziemlich krassen Kontrast, der mir persönlich negativ aufgefallen ist.
Grundsätzlich hat Blake in mir einen Interessenskonflikt ausgelöst: Ich war überwältigt und unterwältigt zugleich. Einerseits bekommt man praktisch drei Bücher, schließlich wird die Geschichte von jeder Anwärterin erzählt, die in ihrer eigenen Nische mit eigenen Freunden/Ziehfamilien/politischen Machtpolen lebt. Das bedeutet verdammt viele Namen, die ich bis zum Ende des Buches ehrlich gesagt nicht auf die Reihe gekriegt habe. Gleichzeitig... gleichzeitig passiert einfach nichts. Alle drei Geschichten treten mehr oder weniger auf der Stelle, ein paar wenige Ausnahmen gegen Ende der Geschichte. Auf mich wirkte alles so... sinnlos. Als würde man bloß ein Ende herauszögern, die Reihe so weit wie möglich in die Länge strecken. Das war ziemlich frustrierend.
Auch in anderen Aspekten hätte so viel mehr passieren können — allen voran der Weltenbau, aber auch das politische Element des Romans war zweidimensional. Die Motivationen der einzelnen Charaktere sind schwach oder mir unergründlich, und die Magie und das ganze Warum bleiben auch sehr vage. Überhaupt weiß ich nicht, was ich von der Einteilung in Giftmischer (Katharine), Elementwandler (Mirabella) und Naturbegabte (Arsinoe) halten soll. Gerade die letzten beiden überschneiden sich irgendwie?
Seltsam fand ich auch, dass sie als Bewohner der Insel Fennbirn eine unglaublich stereotype und vorurteilige Auffassung von den Landbewohnern hatten, die nicht genauer erklärt wurde und auf mich einfach einseitig und voreingenommen wirkte.
Was mich jedoch am meisten frustrierte, waren die durchweg sinn- und zwecklosen Liebesbeziehungen. Ja, Plural. Leider. Zuallererst musste jede der (fünfzehnjährigen!) Anwärterinnen mindestens einen Typen zugeordnet kriegen. Meistens kennen sie sich genau fünf Minuten, bis sie bereits übereinander herfallen. Katharine, zum Beispiel, wird gelehrt, wie sie richtig küssen soll. Äh, ja. Grundsätzlich wird andauernd von irgendwelchen Freiern geredet, die sich dann auf die Königin stürzen wollen, die am ehesten den Kampf gewinnt. Als ob das bisher Beschriebene nicht schon schlimm genug wäre, wird das Ganze von einer Betrugsgeschichte getoppt.
Ich habe nicht genau darauf geachtet, aber meines Eindrucks nach ist die Gesellschaft Fennbirns darüber hinaus stark heteronormativ und, tja, weiß. Der einzige Junge (einer der Freier), der mit dunkler Haut beschrieben wird, wird ein paar Seiten später als flüchtend umschrieben und quasi als Feigling bezeichnet.
Ja, ich habe das Lesen des Buches nicht gehasst. Zumindest anfangs nicht. Der Schreibstil ist wirklich okay, und er ermöglicht es, das Buch zügig durchzukriegen. Katharine habe ich irgendwie ins Herz geschlossen, und ginge es nur um sie, würde ich die Reihe vielleicht sogar weiterverfolgen. In den letzten Zügen des Buches gibt es sogar ein paar wirklich überraschende Plottwists, aber das genügt leider auch nicht, um meinen Glauben in die Geschichte wiederherzustellen. Wie gesagt, die Idee ist toll, aber die Umsetzung ist flach und bisweilen katastrophal. Der Schwarze Thron — Die Schwestern macht zahlreiche Versprechen, kann aber keins davon halten.

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fantasy, marie lu, malfetto, inquistion, besondere fähigkeiten

The Young Elites

Marie Lu
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin USA, 07.10.2014
ISBN 9780399172724
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich hätte The Young Elites fast nicht gelesen. Ich hatte das Buch schon im Hinterkopf, seitdem es im Englischen erschienen ist; habe zahlreiche Meinungen gehört, die meisten weniger begeistert. Dann kam die Publikation in Deutschland, und meine Neugier war wieder aufs Neue entfacht. So sehr, dass ich all die durchschnittlichen Rezensionen aus meinen Gedanken schob und mir sagte: Du hast Marie Lus Legend-Reihe auch geliebt. Versuch's doch einfach.
Ich sollte öfter auf mich selbst hören.
Adelinas Geschichte ist eine von Höhen und Tiefen — mehr Tiefen, um ehrlich zu sein — und natürlich könnte ich dieses Buch nicht rezensieren, ohne über sie zu sprechen. Sie wird oft als Anti-Heldin beschrieben, aber ich bin mir nicht so sicher, ob ich der Bezeichnung zustimmen kann. Ist sie überhaupt eine Heldin? Wer ist sie? Und wie tief reicht die Dunkelheit in ihr? Ganz im Ernst: Ich kann keine dieser Fragen beantworten. Ihr Charakter hat mich dennoch unglaublich gepackt, gerade, weil er so schwer zu fassen ist — natürlich hat sie ihre guten Momente, denen, in welchen sie eher einer "typischen" Young Adult-Protagonistin entspricht, aber dann tut sie wieder Dinge, die ich weder nachvollziehen noch gutheißen kann, und ich bin einfach unglaublich... fasziniert? Manchmal habe ich sie hassen wollen. Meistens habe ich sie schütteln wollen. Doch am Ende des Buches war ich immer noch interessiert, wollte einfach mehr von ihrer Geschichte. Ich könnte nicht sagen, dass ich sie bewundere. Aber ich glaube, ich mag sie. (Irgendwie.)
Grundsätzlich beweist Lu mit The Young Elites, dass man nicht immer Charaktere braucht, die man gut leiden kann, um ihre Geschichte zu mögen — da ist zum Beispiel Tieren, der Inquisitor, der erst nach Adelinas Leben, dann nach ihren Kräften trachtet. Tieren ist ein unglaublich guter Bösewicht, mit Motiven, die mir beim ersten Lesen fast zu unglaublich erschienen, um wahr zu sein.
Oder Enzo, der Führer der Dagger Society. Wären wir in einem typischen YA-Buch, wäre er wohl das klassische love interest, mit der düsteren Aura und dem faszinierenden Aussehen. Aber auch hier wird der Geschichte Originalität verliehen, denn seine Motive, seine Ziele, sein ganzes Handeln haben mich schlichtweg beeindruckt. Ich glaube, zusammen mit Raffaele — einem weiteren Young Elite, der so sanft und nachsichtig auftritt, dass man es ihm fast nicht abkaufen möchte — ist er mein Lieblingscharakter. Wie Adelina konnte auch ich mich nicht seinem Bann entziehen.
Gut gefallen hat mir auch die Art und Weise, wie das Buch verfasst war, wenn auch es anfangs etwas befremdlich auf mich wirkte — Lu erzählt überwiegend aus Adelinas Sicht im Präsens, wechselt aber manchmal in die dritte Person Präsens, um in die Köpfe anderer Charaktere zu schlüpfen. Dadurch wurde das Spektrum der Geschichte noch einmal größer und nur noch spannender.
Die Geschichte spielt in Kenettra im 14. Jahrhundert, eine Welt, die mich stark an das Italien der Renaissance erinnert hat. Ich habe noch nie eine Geschichte mit solch einem Setting gelesen, und es hat mir unglaublich gut gefallen — Lu gelingt es mühelos, dem Leser Adelinas Welt nahezubringen, nicht zuletzt, weil diese bis ins kleinste Detail ausgearbeitet ist und einfach überzeugt. Normalerweise habe ich so meine Probleme, mich in einem mir fremden Setting zurechtzufinden, aber hier gelang mir die Anpassung mühelos. Auch die Erklärung, die für die Fähigkeiten der Young Elites geliefert wird, war besonders originell und toll integriert.
Warum ich dem Buch dennoch keine volle Punktzahl verleihe, kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht, weil mich die Entwicklung zum Ende hin so unerwartet getroffen hat, dass ich jetzt noch nicht sicher bin, wie die Geschichte weitergehen soll — vielleicht auch, weil ich Adelina doch nicht alles verzeihen kann. Ich glaube, es liegt auf jeden Fall daran, dass ich hin und wieder Adelinas Sicht auf die Dinge etwas zu abrupt fand, weswegen ein paar Ereignisse mich schlichtweg etwas aus der Bahn geworfen haben. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Adelinas Geschichte noch so einiges mehr beinhaltet — und ich sie definitiv weiter verfolgen werde. Letztendlich ist The Young Elites für mich ein weiterer Beweis für Marie Lus Können, und sie kann sich damit in die Ränge meiner Lieblingsautoren einreihen.

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young adult, jugendbuch, russland

The Crown's Game 01

Evelyn Skye
Flexibler Einband
Erschienen bei Harper Collins Publ. USA, 17.05.2016
ISBN 9780062560605
Genre: Sonstiges

Rezension:

The Crown's Game war zu hundert Prozent ein Impulskauf. Ich hatte von dem Buch schon eine Weile gehört, und schließlich war es eine Rezension, die mir den letzten Stoß gab. Ein paar Tage später hielt ich es in den Händen; ein paar weitere Tage später schlug ich es zu und war mir nicht ganz sicher, was ich da gerade gelesen habe. Grundsätzlich ist The Crown's Game ein Buch, das mit den Erwartungen des Lesers spielt und dann doch einen ganz anderen Weg einschlägt.
Darüber hinaus ist es ein Werk, das vorrangig von den Charakteren lebt und weniger von actionreichen Szenen. Da sind natürlich Vika und Nikolai, die beiden Enchanter, aber auch Pasha, der Zarewitsch, Nikolas bester Freund und zuletzt der Sohn des Zars, des Mannes, der das Spiel erst initiiert hat.
Vika war meine absolute Favoritin des Trios. Zu ihr habe ich nicht nur die größte Verbundenheit gespürt, sondern sie hat mich schlichtweg mit ihrer Art beeindruckt — sie ist unglaublich willensstark und liebt ihren Vater über alles; gleichzeitig kämpft sie mit sich selbst, fragt sich, ob sie Nikolai einfach kaltblütig töten kann, um den Wettkampf zu gewinnen.
Nikolai mochte ich zumindest anfangs weniger — vermutlich, weil ich manchmal das Gefühl hatte, keinen richtigen Draht zu ihm zu finden. Dennoch war es spannend zu sehen, wo die Schwerpunkte seiner Fähigkeit im Gegensatz zu Vikas liegen. Außerdem ist er einer dieser Charaktere, die man erst im Nachhinein richtig zu schätzen weiß; wie zum Beispiel seine Selbstlosigkeit, die er hinter seinen Taten versteckt.
Ein wenig an Rhy aus A Darker Shade of Magic erinnert hat mich Pasha: Ein Thronfolger, der noch nicht wirklich bereit ist, die Bürden des Königsreichs auf den eigenen Schultern zu tragen — und es dennoch viel zu früh tun muss. Allein dafür habe ich ihn ins Herz geschlossen; er ist einfach ein unglaublich lebensfroher Charakter, immerzu optimistisch (anfangs sogar noch etwas naiv) und einfach so... weltoffen. Er macht, ohne zu viel zu verraten, meiner Meinung nach auch die spannendste Entwicklung durch. Leider geht sie etwas zu schnell vonstatten, was besonders im Kontrast zu dem gemächlicheren Tempo des Buches mich etwas aus der Bahn warf. Aber das ist eine Kleinigkeit; bei The Crown's Game ist jede Kritik auf hohem Niveau.
Evelyn Skye hat den Wettkampf zwischen Nikolai und Vika grundsätzlich ganz anders gestaltet, als ich erwartet habe; ich dachte eher an Kämpfe auf Leben und Tod wie bei The Hunger Games oder Throne of Glass. Stattdessen entwickelte sich der Wettbewerb eher wie ein Schachspiel; ein Enchanter macht seinen Zug, dann kommt der nächste... bei den einzelnen Runden nahm sich Skye ausreichend Zeit, um die Magie darzustellen und sie vor den Augen des Lesers lebendig werden zu lassen.
Ich muss sowieso anmerken, dass sowohl der Weltenbau als auch die Ausgestaltung der Magie vollkommen gelungen ist. The Crown's Game spielt in Russland, und aus dem Nachwort der Autorin lässt sich schließen, dass sie sich tatsächlich an einen großen Teil der historischen Gegebenheiten gehalten hat. Durch ihr Studium wurde ihr bereits die meiste Recherche abgenommen, was ich besonders spannend finde. Ich kann nicht für eine korrekte Darstellung sprechen, aber zumindest so viel sagen: Vikas Russland ist vor meinen Augen zum Leben erwacht.
Mein Highlight dieses Weltenbaus: Dass Magie fast schon wie eine Religion behandelt wird. Entweder man glaubt daran — oder tut es nicht. Die Leute, die nicht daran glauben, erfinden unglaublich faszinierende/schräge Ausreden für bestimmte Phänomene. Das war einfach ein i-Tüpfelchen, das mich immer wieder zum Schmunzeln brachte.
Obwohl das Tempo der Geschichte zur Mitte hin etwas langsamer wird, nahm das Ende nur umso mehr Fahrt auf und ließ mich vollkommen schockiert zurück. Zwei gute Nachrichten: The Crown's Game ist der Auftakt einer Dilogie. Der zweite Teil erscheint im Mai. Mehr will man als Leser doch nicht hören, oder?
Es war wirklich ein fantastisches Debüt. Eines, dem man anmerkt, wie viel Arbeit hineingeflossen ist. Es gibt nur kleinere Schwächen: Manchmal bewegt sich die Geschichte einfach zu langsam. Hin und wieder fehlte mir ein wenig der Draht zu den Charakteren. Aber abgesehen davon hat mich das Russland der Charaktere mit offenen Armen empfangen — und ich bin unglaublich gespannt, zu welchem Ende Vikas, Nikolais und Pashas Geschichte gelangen wird.

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Tags: jugendbuch, russland, young adult   (3)
 

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54 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 8 Rezensionen

earl, jugendbuch, teenager, leben, tod

Me and Earl and the Dying Girl

Jesse Andrews
Fester Einband: 295 Seiten
Erschienen bei Harry N Abrams Inc, 01.03.2012
ISBN 9781419701764
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es ist eine dieser Rezensionen, bei der ich keine Ahnung habe, wie ich den Inhalt des Buches zusammenfassen soll. Allerdings nicht, weil zu viel passiert. Auch nicht, weil ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Nicht einmal, weil der Inhalt des Buches schwer zu beschreiben ist. Es liegt schlichtweg daran, dass ich keine Ahnung habe, was Jesse Andrews mit Me and Earl and the Dying Girl bezwecken wollte.
Zuallererst muss man dem Buch eins lassen: Es ist in seiner Aufmachung und Erzählweise unglaublich originell. Greg wendet sich direkt an den Leser. Er spricht über das Aufschreiben seiner Geschichte, und wie schwer ihm das Schreiben fällt. Manchmal gibt er das Geschehene in Listen wieder, oder aber in Form eines Filmskripts. Das gefiel mir unglaublich gut, und man merkt auch, wie viel Mühe in die Gestaltung geflossen ist.
Und ganz im Ernst: Ich mochte Gregs Stimme. Selbst Bücher, die als humorvoll beschrieben werden, bringen mich selten zum Grinsen, geschweige denn zum Lachen; bei Me and Earl and the Dying Girl gab es allerdings mehrere Momente, in denen ich laut gelacht habe. Zumindest das kann Greg dem Leser gut vermitteln.
Ich habe oben bewusst geschrieben, dass ich Gregs Stimme mochte — Greg als Protagonist war mir nämlich im besten Fall gleichgültig, gegen Ende hin habe ich mich zunehmend über ihn aufgeregt. Zu Beginn des Buches brüstet er sich noch damit, wie stolz er darauf ist, dass es ihm gelingt, in der Schule keiner wirklichen Gruppe anzugehören und einfach so unsichtbar wie möglich zu sein. Aber diese Hauptsache-niemand-bemerkt-mich-Haltung überträgt er auch auf alle anderen Bereiche seines Lebens. Er kümmert sich nicht um seine Noten. Er kümmert sich nicht darum, auf welches College er geht. Selbst um seine proklamierte Liebe zum Filmemachen kümmert er sich nicht. Es machte einfach auf mich den Eindruck, als würde er sich nicht im Geringsten darum bemühen, auch nur irgendetwas aus sich zu machen, und das war unglaublich frustrierend für mich.
Earl konnte ich noch weniger ausstehen. Seine Familie wird erschreckend beschrieben; sein Haus ist in einem katastrophalen Zustand, seine zahlreichen Brüder prügeln sich regelmäßig, gehen selten bis nie zur Schule und haben auch noch etwas mit Drogen am Hut. Greg verwendet bei Earls Beschreibung Einschränkungen: Die Drogen habe er aufgegeben. Jetzt rauche er nur noch. Was mich an Earl aber am meisten gestört hat, war seine unglaublich vulgäre Ausdrucksweise. Jedes zweite Wort war irgendeine Beleidigung, idealerweise noch vollkommen sinnfrei aneinander gehängt. Generell machen seine Dialoge mit Greg keinen Sinn: Jeder versucht nur, den anderen in irgendwelchen abstoßenden Ausdrücken zu übertrumpfen. Earl hat seine besten Momente gegen Ende des Buches, als er aus irgendeinem Grund plötzlich anfängt, lauter Weisheiten von sich zu geben. Außerdem ist er der Einzige, der Rachel gegenüber so etwas wie Empathie zeigt. Die Entwicklung ist mir ein Rätsel — genau wie Earls Freundschaft mit Greg —, aber in diesen Momenten war er mir zumindest wesentlich lieber als Greg.
Besonders schade ist, dass Rachels Geschichte hinter all dem verloren geht. Man sollte vom Titel ausgehend meinen, dass sie zumindest einen gewissen Anteil an der Geschichte hat, aber ganz im Ernst, die (wohl gemerkt anfangs von Gregs Mutter erzwungenen) Treffen bestehen meistens darin, dass Greg Rachels große Schneidezähne auffallen und dass Rachel nicht wirklich viel sagt und dass Greg deswegen anfängt, viel zu reden, und sie früher oder später zum Lachen bringt. Ich kann nicht mal sagen, ob ich Rachel mochte oder nicht, weil ich schlichtweg das Gefühl hatte, sie gar nicht zu kennen.
Das Ding ist, ich habe mich nicht schlecht unterhalten gefühlt. Im Gegenteil, ich hatte das Buch in drei Tagen ausgelesen und der Erzählstil und die Aufmachung haben mich wirklich fasziniert. Es ist schlichtweg schade, dass das Buch keinen roten Faden hat. Greg fängt irgendwo an und hört irgendwo anders auf. Als Leser wird man da zwangsweise enttäuscht. Vielleicht ist man auch einfach verwöhnt — schließlich bekämpfen die meisten Protagonisten das Böse und retten die Welt und kriegen am Ende noch einen tollen Job. (Oder so.) Aber zumindest was die Originalität anbetrifft, kann Me and Earl and the Dying Girl punkten. Was den Rest anbetrifft... eher weniger.

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Tags: humor, jugendbuch, krebsbuch, young adul   (4)
 

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258 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 55 Rezensionen

fantasy, william ritter, krimi, jackaby, jugendbuch

Jackaby

William Ritter , Dagmar Schmitz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 11.07.2016
ISBN 9783570310885
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich weiß gar nicht so genau, was ich von Jackaby erwartet habe - was seltsam ist, denn nach dem Lesen des Buches fühle ich mich, als wären meine Erwartungen überhaupt nicht erfüllt worden. Andererseits fällt es mir schon schwer, die Essenz des Buches zu umreißen; denn auch wenn es gute dreihundert Seiten lang ist, habe ich irgendwie das Gefühl, dass nichts passiert ist.
Aber zurück zum Wesentlichen. Zuallererst wäre da unsere Protagonistin Abigail. Am Anfang war sie mir irgendwie sympathisch: Das Geld, das ihre Eltern für ihr Studium gespart haben, hat sie verwendet, um die Welt zu bereisen - irgendwann aber landet sie in New Fiddleham und muss sich eingestehen, dass sie keinen Schritt weiter ist. Sie wirkt wie ein eigenständiges Mädchen, das für sich denken kann und vor allem einen eigenen Willen hat, was insbesondere in Anbetracht der Tatsache interessant ist, dass die Geschichte im späten 19. Jahrhundert spielt. Doch nach ein paar Kapiteln geht es mit ihr schlichtweg bergab. Sie heftet sich Jackaby an die Fersen; wenn sie überhaupt noch etwas sagt, dann etwas Offensichtliches. Das fast schon Absurde ist, dass sie genau wegen ihrer "Fähigkeit", das Offensichtliche und Banale auszusprechen, von Jackaby geschätzt und letztlich engagiert wird. Detektivarbeit leistet sie gar keine.
Und das ist nur das Oberflächliche. Die Art und Weise, wie William Ritter von ihr erzählt, hat mir auch nicht gefallen - und dabei ist das Buch aus ihrer Perspektive geschrieben! Es misslang mir, auch nur die kleinste Verbindung zu Abigail aufzubauen. Ich interessierte mich einfach null für sie. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass sie alles nur observierte und letztendlich tatenlos war.Besonders schade war auch, dass andere Frauencharakter typisch negativ dargestellt wurden - es wird beschrieben, wie sie über Abigails Auftreten lästern und sich klischeehaft verhalten. Bis auf einen Geist gibt es keinen weiblichen Nebencharakter, der nicht irgendwie negativ gegenüber Abigail auffällt.
Auch besonders nervenaufreibend: Ziemlich schnell bekommt Abigail von Jackaby irgendwelche ominösen Dinge erzählt, von kleinen (unsichtbaren) Tieren, die in ihrer Kleidung sitzen, über seltsame Vorkommnisse bis hin zu Banshees. Und sie nimmt das einfach so hin. Von einer Sekunde auf die andere hat sie alles akzeptiert, obwohl sie das meiste nicht einmal sieht (darauf komme ich gleich noch).
Jackaby hingegen war mein "Highlight" des Buches. Anführungszeichen, weil selbst er letztendlich mich mehr verwirrt als begeistert zurückgelassen hat. Immerhin brachten mich diverse Aussagen von ihm zum Schmunzeln; sein ganzes Auftreten wirkt ziemlich inkohärent und mysteriös, wir erfahren quasi gar nichts über seine Vergangenheit und auch nicht wirklich viel über seine Fähigkeit. Wie eben schon angedeutet, ist Jackaby der Einzige seiner "Art". Er sieht, hört und weiß Dinge, die kein anderer beherrscht. Daher wirkten seine Erzählungen oft abgehoben und unglaubwürdig.
Grundsätzlich fühlte sich das magische Konstrukt einfach falsch an. Nichts an New Fiddleham ist magisch. Es ist eine stinknormale, durchschnittliche, ja, langweilige Stadt mit unterdurchschnittlichen Charakteren und... einer Prise Magie? Ich weiß nicht. Das wirkte auf mich zusammenhanglos, so zwecklos. Lieber wäre es mir gewesen, wäre Jackaby ein nicht-magisches Mysterium gewesen, "schlichtweg" ein Genie. Letztendlich war es absurderweise Jackabys mysteriöse Art, die das Buch halbwegs leserlich machte.
Für den Krimiplot konnte ich mich auch nicht wirklich begeistern, was eben vordergründig daran lag, dass ich sämtlichen Charakteren komplett neutral gegenüberstand. Die Geschichte konnte mich einfach nicht packen. Und die Spurenjagd war sehr offensichtlich und einfach total uninteressant gestaltet. Letztendlich ist es Jackaby, der das Rätsel löst, und Abigail bringt sich nur unnötig in Gefahr und muss dann zu guter Letzt, um alle Klischees zu erfüllen, auch noch gerettet werden.
Es ist nicht so, dass Jackaby ein schlechtes Buch ist. Dazu fehlt es ihm einfach an Essenz. Immer, wenn ich nach irgendetwas im Plot greifen wollte, glitt es mir zwischen den Fingern hindurch. Abigail als Protagonistin war eine graue Maus, die man kaum bemerkte. Höchstens der Dialog zwischen ihr und Jackaby war noch ganz amüsant. Abgesehen davon war Jackaby leider ein sehr nichtsaussagender Reinfall für mich.

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Tags: cbt, jugendbuch, krimi, william ritter   (4)
 

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young adult, urban fantasy, fantasy

Kingdom on Fire 01. A Shadow Bright and Burning

Jessica Cluess
Flexibler Einband
Erschienen bei Random House Lcc Us, 20.09.2016
ISBN 9781524701444
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, weshalb ich A Shadow Bright and Burning überhaupt gekauft habe.
Es hat durchschnittliche Bewertungen auf Goodreads, der offizielle Klappentext ist voller Klischeesätze und gefühlt hat das Buch niemand gelesen. Es verging sogar so viel Zeit zwischen dem Kauf des Buches und dem tatsächlichen Lesen, dass ich bis dato vergessen hatte, worum es ging. Ich wusste nur noch irgendetwas von viktorianischem London und Fantasy.
In anderen Worten: Ich erwartete höchstens, A Shadow Bright and Burning zu mögen. Stattdessen war ich umso überraschter, dass ich es liebte.
Die Liebe fängt schon bei Henrietta an. (Extra Liebe gibt's dafür, dass ihre Hautfarbe als "dunkel" beschrieben wird!) Cluess erzählt aus ihrer Perspektive in der ersten Person Präteritum und verleiht der Protagonistin eine richtige eigene "Stimme" - Henrietta ist keine dieser Auserwählten, die keinen Plan hat, was sie macht; sie ist keine, die ihre Kraft dann von einem Tag auf den anderen perfekt beherrscht; und zu guter Letzt ist sie keine typische graue Maus, die sich selbst schlechtredet. Kurzum: Sie ist eine der seltenen Young Adult-Protagonistinnen, die nicht alle Klischees absahnen. Im Gegenteil: Mit teilweise bissigen Antworten brachte sie mich oft zum Lachen, und ihr Dickkopf gemischt mit ihrem Humor war einfach herrlich erfrischend und brachte in die teils doch düstere Geschichte eine leichtere Note rein. Mein Highlight: Ganz trocken nennt sie ihren Stab, mit dem sie Magie wirkt, "Porridge".
Ebenfalls genoss ich, wie mit dem Thema "die Auserwählte" gespielt wurde. Durch geschickte Wendungen und Offenbarungen wechselte ich manchmal jede Seite meine Meinung über Henrietta. Ist sie nun die Auserwählte, oder nicht? Wer ist sie dann? Woher kommt sie? Wer waren ihre Eltern? Cluess schafft ein Mysterium nach dem anderen, und es war faszinierend. 
Aber auch die anderen Charaktere haben verdammt viel Spaß gemacht. Von Agrippa, der Zauberer, der Henrietta aufnimmt und als Art Vaterfigur fungiert, bis hin zu den Jungs, mit denen sie trainiert - ihr hattet ja keine Ahnung, wie skeptisch ich anfangs war. Die weibliche Protagonistin eingepfercht mit sechs Jungs im selben Alter? Sollten wir statt einem Liebesdreieck jetzt ein Liebesheptagon haben? Die Antwort ist natürlich nein, sonst hätte ich vermutlich schon längst aufgehört, das Buch in den Himmel zu loben. Denn die Jungs sind nicht nur alle gut ausgearbeitet und jeder eine Persönlichkeit für sich, sondern auch zumindest zu einem Großteil wenig an Henrietta interessiert. Zumindest in dem Sinne. Und selbst als die Romantik dann auftaucht, ist sie so dezent und irrelevant für den weiteren Verlauf des Buches, dass ich mich nur noch mehr in das Werk verliebte.
Doch zurück zu den sechs Jungs - zwei davon habe ich ganz besonders ins Herz geschlossen. Da ist zum einen Magnus, der noch mehr Sprüche raushaut als Henrietta und mich von seinem ersten Auftreten an konstant zum Lachen brachte.
Und dann ist da Blackwood, der auf mich wie eine Variation von William Herondale von Cassandra Clares The Infernal Devices wirkte, rein von dem Aussehen und dem Verhalten her. Blackwood ist der reifste von den Jungen; er ist jung zum Earl ernannt worden und trägt die größte Verantwortung in der Gruppe der Lehrlinge. Gegen Ende des Buches erhält seine Schale erstmalig Risse - und ich bin gespannt, was da noch kommt.
Jetzt redet sie die ganze Zeit von den Charakteren, denkt ihr? Die Geschichte ist mindestens genauso cool. Zum einen hat Cluess ein London abgebildet, das vor meinen Augen lebendig geworden ist; ich lief durch die Gänge der Schule, in der Henrietta zu Beginn des Werkes unterrichtet, und zuletzt auch im Anwesen, wo sie zur Schülerin wird. Inmitten all diesem befindet sich die Magie - Jessica Cluess unterscheidet zwischen Hexen, Zauberern und Magiern (Witches/Sorcerers/Magicians im Original), die alle ihre eigenen Fähigkeiten haben. Die Zauberer bilden dabei die Elite der Gesellschaft; durch Ereignisse der Vergangenheit sind Hexen quasi ausgestorben, und die Magier sollen ihnen bald folgen, wenn man die entsprechenden Leute fragt.
Gleichzeitig wird Cluess' England von sogenannten Ancients bedroht; sieben dämonenartige Wesen, die seit Urzeiten bestehen und jetzt versuchen, die englischen Städte Stück für Stück an sich zu reißen. Wir befinden uns von der ersten Seite an in einem Krieg - ein weiterer Aspekt, den ich originell fand und an dem Buch geliebt habe -, zu dem Henrietta dazukommt; sie ist kein Auslöser, und erst recht ist sie nicht die Lösung.
Ich könnte allerdings nicht das Buch rezensieren, ohne nicht auch Rook zu erwähnen - Henriettas bester Kindheitsfreund, der mit ihr in die Stadt reist und in dem Haus, in welchem sie trainiert wird, als Stallbursche engagiert wird. Als Rook klein war, wurde er von einem Ancient angegriffen und trägt seitdem Wunden, die nicht verheilen, und ihn sowohl körperlich als auch mental beeinflussen. Soweit ich das mitgekriegt habe, wird Rook von den meisten Rezipienten des Buches gemocht; ich persönlich konnte ihn nicht leiden. Warum? Ganz einfach: Er erinnerte mich - aus irgendeinem idiotischen Grund - total an Mal aus der Grischa-Trilogie. Genau, wie ich Alina und Mal zusammen nie verstanden habe, konnte ich auch Rooks und Henriettas Freundschaft nur bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Ich fand ihre Motive nobel, ihm zu helfen; gleichzeitig brachte er sie mehrmals in unmögliche Situationen, und ich wollte ihn einfach nur noch schütteln. Ich habe außerdem die Befürchtung, dass er in sie verliebt ist, klopfe jetzt aber einfach dreimal aufs Holz und hoffe, dass sich das nicht bewahrheitet.
Es gab noch ein paar weitere kleine Dinge, die ich fairerweise zur Kritik anbringen muss: Leider hat auch Henrietta ihre Momente, in denen sie sich blindlings in irgendwelche Situationen stürzt, in denen sie sich nicht befinden sollte. Man muss ihr allerdings zugutehalten, dass sie sich meistens selbst rettet/retten kann (und, wie bereits gesagt, ich habe sie voll und ganz ins Herz geschlossen). Außerdem gibt es eine Stelle, in der wir in Magnus einen Wandel sehen, den ich persönlich als zu abrupt und einfach rätselhaft empfand - das war aber zum Glück einmalig. Zuletzt finde ich, dass bei Cluess' Weltenbau noch Luft nach oben ist. Wir haben schon eine spannende Basis bekommen, auf die sie hoffentlich in den nächsten zwei Bänden aufbauen wird.
Denn letztendlich handelt es sich hier nicht nur um den Auftakt zu einer Trilogie, sondern noch dazu um Jessica Cluess' Debüt - und was für eins es ist. Vor allem ist es ihr gelungen, mich voll und ganz in die Geschichte zu ziehen und mich meine Umgebung vergessen zu lassen. A Shadow Bright and Burning war für mich ein grandioser Auftakt; ich habe mit den Charakteren gelacht, geweint, geflucht und fast jeden von ihnen ins Herz geschlossen.

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