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diverse books, englisch, s, meredith russo, transsexualität

If I Was Your Girl

Meredith Russo
E-Buch Text: 288 Seiten
Erschienen bei Usborne Publishing Ltd, 01.06.2016
ISBN 9781474924702
Genre: Sonstiges

Rezension:

Genau so macht man es richtig. Ein Jugendbuch über ein Transgender Mädchen geschrieben von einer Transgender Frau mit einem Transgender Model auf dem Cover. Ich habe Amandas Geschichte absolut geliebt. Wenn ihr wissen möchtet, wie gut mir das Buch gefallen hat, dann solltet ihr auf jeden Fall weiterlesen und euch meine nachfolgende Rezension nicht entgehen lassen.


Jetzt, da Als ich Amanda wurde von Meredith Russo auch endlich auf dem deutschen Buchmarkt erschienen ist, war es schon fast unmöglich, nicht auf dieses Buch aufmerksam zu werden. Das Buch steht schon auf meiner Wunschliste, seit ich vor einigen Monaten zum ersten Mal davon erfahren habe und jetzt, da alle meine deutschen Buchbloggerkollegen/innen und BookstagramMer davon schwärmen, konnte ich nicht anders und habe mir das Hörbuch dazu gekauft. Um genau zu sein, habe ich es umsonst bekommen, da ich mich endlich auch mal bei Audible für einen Testmonat angemeldet habe. Was mir überaus gelegen kam, da ich mir selbst ein Buchkaufverbot auferlegt habe. Vor ein paar Tagen habe ich also mein erstes richtiges Hörbuch beendet (hierzu zähle ich nicht die Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg, Ducktales etc. pp. Hörspiele aus meiner Kindheit) und habe mich gleich in dem Moment verliebt, als die Stimme der Sprecherin zum ersten Mal aus den Lautsprechern erklang. Ich habe wirklich nie erwartet, dass ich Hörbücher so toll finden würde. Ich bin kein großer Musik Fan und dachte mir, ich versuche mich einfach mal an einem Hörbuch während ich im Fitness Studio oder im Auto bin und obwohl ich befürchtet hatte, das Hörbuch würde mich während des Fahrens zu sehr ablenken, war dem absolut nicht der Fall. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, nach einem stressigen Arbeitstag so richtig schön abzuschalten.

EINE EMOTIONALE ACHTERBAHNFAHRT

Ich habe in den letzten Tagen einige Rezensionen gelesen in denen Leute davon sprachen, sie hätten das Buch nicht als emotional empfunden, was ich absolut nicht bestätigen kann. Vielleicht ist es ein Unterschied, ob man sich nun das Hörbuch, gesprochen von der großartigen Sprecherin Samia Mounts, anhört, oder eben das Buch liest. Samia Mounts hat einen grandiosen Job gemacht. Ihre Stimme passt einfach so fabelhaft zu Amandas Charakter und die Art und Weise wie sie diverse Worte, Dialoge etc. pp. betont, verlieh dem Ganzen, insbesondere den Unterhaltungen, etwas absolut Reales und Echtes.

Ist es komisch wenn ich sage, dass ich ihre Stimme vermisse? Während ich mir das Hörbuch angehört habe, hatte ich die ganze Zeit über das Gefühl, als würde ich mit einer alten Freundin, mit der ich schon sehr lange nicht mehr gesprochen habe, telefonieren. Ich kann ihre Stimme noch immer in meinem Kopf hören und es kam mir einfach so vor, als wäre es tatsächlich Amanda, die mir ihre Geschichte erzählt. Ich denke genau so soll es auch sein bei Hörbüchern, aber da dies mein erstes richtiges Hörbuch war, war ich vollkommen beeindruckt, vielleicht auch ein bisschen überfordert mit all den Emotionen, die auf mich eingeflossen sind (Amandas und meine eigenen) und obwohl es schon einige Tage her ist, seit ich das Buch beendet habe, ist Amanda noch immer so präsent in meinen Gedanken, als wäre sie eine richtige Freundin.

Was mir besonders gut an diesem Buch gefallen hat, waren die vielen Rückblicke in Amandas Vergangenheit; in ihre Zeit der vollkommen Verwirrtheit; eine Zeit, in der sie von ihren vermeintlichen Freunden und Klassenkameraden gemobbt wurde für die Person, die sie schon damals war … ich bin mehr als einmal in Tränen ausgebrochen. Es muss einfach so schwer gewesen sein, all diese Zeit ein so großes Geheimnis mit sich herum zu schleppen. Ich fand es toll, wie viel Unterstützung sie von ihrer Betreuerin erhalten hat und auch die Reaktionen ihrer Eltern empfand ich als wirklich sehr interessant und ehrlich, konnte eines der beiden Elternteile doch um einiges besser mit der ganzen Situation umgehen, als das andere. Ich glaube ohne dieses Buch gelesen zu haben, hätte ich mir niemals vorstellen können, wie es womöglich für Eltern eines Transgender-Kindes sein muss, in einer solchen Situation zu stecken. Es war deutlich zu spüren, dass beide Eltern ihre Tochter lieben, ebenso deutlich zu spüren war es allerdings auch, wie sehr sie mit all dem zu kämpfen hatten und wie viel Arbeit es benötigte das neue Leben ihrer Tochter zu akzeptieren.

HERZZEREIßEND UND ECHT

Es ist ziemlich schwer für jemanden, der nicht Transgender ist, zu verstehen, wie es ist, als Transgender in unserer Welt zu leben und dieses Buch hat mich so viel gelehrt, hat mir so viel beigebracht. Dieses Buch ist unglaublich informativ und sehr sehr wertvoll. In diesem Zusammenhang sollte man sich auch auf gar keinen Fall die Anmerkung der Autorin ganz am Ende entgehen lassen. Ihre Anmerkung enthält unglaublich wichtige Informationen sowohl für Transgender als auch für Cisgender.

Das Buch ist überwältigend und emotionsgeladen. Es werden wichtige Themen wie Akzeptanz, Freundschaft und Familie besprochen. Ich liebe Amanda. Obwohl sie mit ihren Ängsten und Ablehnung zu kämpfen hat, ist sie ein unfassbar starkes Mädchen. Doch sie war nicht immer so, es hat Jahre an Arbeit gekostet, so zu werden wie sie heute ist und ihr dabei zuzusehen, wie sie selbständiger, erwachsener und mutiger wurde war einfach unglaublich.

Was mich dieses Buch auch mal wieder gelehrt hat ist die Tatsache, wie grausam wir Menschen doch sein können.

Die Charaktere waren alle super ausgearbeitet. Es war so interessant zu sehen, wie ein Transgender Mädchen die High School meistert, dort wo keiner ihre Geschichte kennt. Es war auch interessant ihren Freunden und Klassenkameraden dabei zuzusehen, wie sie auf Amanda und ihre wahre Geschichte reagierten. Einige von ihnen machten mich so wütend, dass ich sie am liebsten mit irgendwelchen Gegenständen beworfen hätte, andere wiederum machten mich unglaublich glücklich – füllten mein Herz mit ganz viel Liebe und Wärme.

Ich bin Amandas Geschichte absolut verfallen – und zwar mit Haut und Haar. Es ist ein fantastisches Buch, das ich jedem wirklich nur ans Herz legen kann, egal ob man sich einfach für Transgender interessiert oder mehr über sie erfahren möchte. Amanda ist eine der ehrlichsten, großartigsten und mutigsten Charaktere von denen ich jemals gelesen habe. Wenn ihr das Buch bisher noch nicht gelesen habt, solltet ihr es auf jeden Fall ganz bald nachholen. Besonders empfehlen kann ich im Übrigen wirklich das Hörbuch, die Sprecherin macht ihre Sache einfach großartig.

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Tags: diverse books, diversity, herzensbuch, meredith russo, s, transgender   (6)
 

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becky albertall, the upside of unrequited, englische bücher, becky albertalli, diversity

The Upside of Unrequited

Becky Albertalli
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Balzer + Bray, 11.04.2017
ISBN 9780062348708
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nachdem ich Nur drei Worte absolut geliebt habe, zweifelte ich keine Sekunde daran, dass mir auch dieses Buch gefallen würde. Vorab ganz kurz: ich würde auf jeden Fall empfehlen Nur drei Worte vor The Upside of Unrequited zu lesen. Es ist nicht zwingend notwendig, doch es gibt einige Anspielungen auf Nur drei Worte, was das Leseerlebnis noch einmal zu etwas ganz Besonderem machen, sofern man Nur drei Worte denn vorher gelesen hat. Wenn nicht, auch nicht schlimm – wie gesagt, es ist nicht von Nöten Nur drei Worte zu lesen, um dieses Schmuckstück hier zu verstehen, dennoch würde ich es empfehlen.

The Upside of Unrequited ist eine so unglaublich bezaubernde, hinreißende und so süße Geschichte, die euch auf jeden Fall „all the feels“ geben wird. Dieses Buch ist einzigartig und anders als all die Bücher, die ich bisher gelesen habe. In diesem Buch geht es um Charaktere mit verschiedenen, meist viel zu selten repräsentierten, Körpertypen, -formen, etc. pp. Unsere Protagonistin Molly ist, wie sehr häufig üblich in Jugendbüchern, kein gerstenschlankes Supermodel. Außerdem leidet sie unter Angstzuständen und Panikattacken, welche sie mit Hilfe diverser Medikamente im Griff hält. Ihre Zwillingsschwester Cassie, ist, zumindest was das Äußere betrifft, das absolute Gegenteil von Molly. Außerdem interessiert sich Cassie, entgegen ihrer Schwester, nicht für Jungs, sondern für Mädchen, ganz konkret für ein koreanisch-amerikanisches, pansexuelles Mädchen. Sie haben zwei Mütter, die durch eine Samenspende in der Lage waren, Kinder zu bekommen. Ich habe sehr häufig die Erfahrung gemacht, dass Eltern, Geschwister, überhaupt ein familiäres Zusammenleben in Jugendbüchern häufig weggelassen wird; vorzugsweise über zerrüttete Familienverhältnisse geschrieben wird, weil es einfacher ist und gleichzeitig ein bisschen Drama verursacht. Hier ist das anders. Familie wird in diesem Buch sehr groß geschrieben, was mir unfassbar gut gefallen hat und mal ein bisschen Wind rein bringt, in dieses meiner Meinung nach stark klischeehaltige und eingefahrene Jugendbuchgenre. Molly ist nicht nur ihre Zwillingsschwester unglaublich wichtig, sondern ihre gesamte Familie, ihre Mütter, ihr kleiner Bruder und auch ihre Freunde, die fast schon wie Familie für sie sind.

FAMILIE WIRD HIER GROß GESCHRIEBEN

In Punkto Familie gab es nur ein winzig kleiner Punkt, der mich etwas störte. Das Buch verleiht dem Leser teilweise den Eindruck, als wäre der einzig richtig und wahre Weg, sein Leben zu leben, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Obwohl der Begriff Familie in diesem Buch sehr weitläufig verwendet wird und nicht abstellt auf Vater, Mutter, Kind, werden eben Menschen, die unverheiratet und kinderlos sind teilweise so hingestellt, als würden sie kein erfülltes Leben leben, was in meinen Augen völliger Schwachsinn ist. Manche Menschen haben einfach nicht das Bedürfnis zu heiraten oder Kinder zu bekommen; können aber ebenso glücklich sein, ob nun in einer festen Beziehung oder eben nicht, wie ein verheiratetes Ehepaar mit drei Kindern oder mehr.

Molly ist mir hier in ihrem Denken manchmal zu festgefahren. Zwar erwähnt sie, dass sie Feministin ist, glaubt aber nur dann glücklich zu sein/werden, wenn sie endlich einen festen Freund hat, was sich in meinen Augen etwas widerspricht. Natürlich ist es schön einen Partner zu haben und es ist auch vollkommen in Ordnung einen zu wollen (das macht eine Frau nicht weniger feministisch), was mich gestört hat ist, dass Molly es so hinstellt, dass sie ohne Freund, ohne Partner automatisch ein unglückliches Leben führen wird und das ist in meinen Augen mehr als falsch. Manche Menschen entscheiden sich nicht ohne Grund dazu, nicht zu heiraten, Single zu bleiben und kinderlos.

Dennoch empfand ich die Geschichte als sehr realistisch, insbesondere was die Darstellung des Lebens eines Teenagers angeht. Sie trinken, sie sprechen über Sex, sie belügen ihre Eltern, sie streiten, sie sind selbstbewusst aber ebenso zweifeln sie an sich selbst, sie sind neugierig, sie verlieren die Nerven wegen Dingen, die im Leben eines Erwachsenen unwichtig erscheinen, sie übertreiben, sie sind eifersüchtig, sie sagen und tun gemeine Dinge, sie vertragen sich wieder …  Es war unfassbar erfrischend ein Jugendbuch zu lesen, dass so realitätsnah war. Die Charaktere wirken echt; alle haben sie ihre Ecken und Kanten und genau dafür habe ich sie geliebt, Molly, ebenso wie ihre Schwester Cassie, Mina und Reid – vor allen Dingen Reid.

Nicht nur die Charaktere waren gut ausgearbeitet, durchdacht, wirkten realistisch und echt, sondern auch die Beziehungen. Nichts wirkte aufgesetzt oder oberflächlich; auch die Art und Weise wie sich die Beziehungen, egal ob auf freundschaftlicher oder romantischer Ebene, weiterentwickelt haben, war einfach wunderschön mit anzusehen und hat mein Herz höher schlagen lassen. Müsste ich einen Lieblingscharakter wählen, würde meine Wahl definitiv auf Reid fallen – oder Olivia.

JUGENDLICHE LEICHTIGKEIT

Der Schreibstil war wie gewohnt großartig und wies diese wunderbare jugendliche Leichtigkeit auf, die viele Autoren versuchen einzufangen, aber es ganz häufig nicht schaffen. Ja Jugendliche benutzen Slang, doch ich finde es wichtig, hier ein Gleichgewicht zu finden, sodass die Geschichte am Ende nicht zu plump wirkt. Becky Albertalli hat genau das geschafft und ihrem Buch eben genau die notwendige jugendliche Leichtigkeit verliehen, die es gebraucht hat. Man ist nur so durch die Seiten geflogen; hat gegrinst, geweint, war wütend, hat den Kopf geschüttelt – Emotionen über Emotionen, auch wenn mich The Upside of Unrequited nicht ganz so intensiv fesseln konnte wie Nur drei Worte.

Ich kann dieses Buch wirklich nur empfehlen, insbesondere für diejenigen, die sich eventuell gerade in einer Leseflaute befinden. Man fliegt nur so durch die Geschichte hindurch, wird dennoch Teil davon. Außerdem ist dies ein Buch, das ganz viele verschiedene Gruppierungen von Menschen anspricht und repräsentiert. Ich bin mir sicher, dass sich jeder irgendwie in mindestens einer der Charaktere wiederfindet, da sie alle so vielfältig sind und eben genau das ist es, was dieses Buch zu einem absolut großartigem Lesevergnügen macht.

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Tags: becky albertalli, diversity, englische bücher   (3)
 

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carlsen, abenteuer, schokopokalyps, chris callaghan, carlsen verlag

Schokopokalypse

Chris Callaghan , Britt Somann-Jung
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 31.08.2017
ISBN 9783551520944
Genre: Kinderbuch

Rezension:

In den letzten Monaten habe ich meine Liebe zu Kinderbüchern wiederentdeckt und konnte bei diesem Titel einfach nicht widerstehen. Ein Buch über eine Schokoladen-Apokalypse? Einfach genial. Abgesehen davon, dass ich von dem Buch ständig Hunger auf Schokolade bekam, insbesondere auf die sogenannten Schokidoki-Riegel, die es ja in Wirklichkeit leider nicht gibt, hat mir das Buch insgesamt wirklich unglaublich gut gefallen! Wenn ihr wissen möchtet, wie gut, dann lest euch unbedingt meine nachfolgende Rezension durch. Ein ganz großes Dankeschön an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch gegen meine ehrliche Meinung!

„Wo ist Willy Wonka, wenn man ihn braucht?“

Das Ende der Welt ist eine häufig genutzte und gern gesehene Thematik in Büchern, Filmen oder Fernsehserien. Sei es nun die altbekannte Zombieapokalypse, eine Alieninvasion oder ein Virus, das die ganze Welt befällt – wir haben alles schon gesehen. In diesem Buch hier geht es allerdings nicht um das bevorstehende Ende der Welt, sondern – viel schlimmer – um das Ende aller Schokolade.

Unsere Protagonistin Jelly (kurz für Jennifer) wohnt gemeinsam mit ihrer hart arbeitenden Mutter, ihrem Vater, der erst kürzlich seinen Job verloren hat und ihrer Großmutter, die wegen Platzmangel im Haus in einem Wohnwagen lebt, der im Vorgarten steht, in einer Kleinstadt namens Mampfton die bekannt und berühmt ist für ihre Schokolade. Hier gibt es Unmengen an Schokoladenläden und sogar das größte Schokoladenlager der Welt hat seinen Sitz hier in Mampfton.

Als dann plötzlich irgend ein merkwürdiger Professor in den Fernsehnachrichten verkündet, über eine Prophezeiung gestolpert zu sein, die besagt, dass in wenigen Tagen sämtliche Schokolade auf der ganzen Welt verschwinden wird, macht sich zunächst kaum einer Gedanken über die Konsequenzen. Immerhin wohnen sie in Mampfton, der Schokoladenstadt schlechthin. Hier gibt es immerhin genug Schokolade, und zwar für alle.

Als die Schokolade dann plötzlich dennoch knapp wird, sieht es so aus, als würde die Schokopokalyspe tatsächlich bevorstehen. Jelly ist verrückt nach Schokolade und weigert sich zu glauben, dass das Ende der Schokolade bevorstehen soll; sie kann einfach nicht glauben, dass es in nur wenigen Tagen schon keine Schokolade mehr geben wird – und zwar nie wieder. Sie fängt also an zu ermitteln. Sie ist fast 100 % sicher, dass dieser merkwürdige und unhöfliche Besitzer des luxuriösesten Schokoladenladens der Stadt, Herr Garibaldi Schokolati, etwas mit der Sache zu tun hat. Und dem dubiosen Dave traut sie auch nicht über den Weg. Außerdem wäre da auch noch ihre viel zu laute und viel zu nervige Nachbarin, Mrs Bunstable, die bei jeder Gelegenheit herumschnüffelt. Nun liegt es also an Jelly das Rätsel zu lösen, herauszufinden, was es mit der ganzen Sache auf sich hat und ob es tatsächlich stimmt, was der Professor über das endgültige Ende der Schokolade erzählt hat – bevor es zu spät ist. Denn geben wir es zu, eine Welt ohne Schokolade wäre ein absoluter Albtraum.

Ich bin ein riesiger Roald Dahl Fan und dieses Buch hat mich so sehr an meine Lieblingsgeschichte, Charlie und die Schokoladenfabrik erinnert, es war einfach großartig. Schokopokalypse ist ein lustiges und aufregendes Abenteuer mit wundervollen und großartigen Charakteren. Ich habe mich sofort in Jelly verliebt und auch die liebe Gran hat sich ganz rasch zu einer meiner absoluten Lieblingsfiguren gemausert. Die Chemie zwischen den beiden hat einfach gestimmt; am besten waren ohnehin die Witze, die Jelly über die Unterhosen ihrer Großmutter gemacht hat. Einfach großartig!

Jelly ist eine Heldin, wie sie jedes Kinderbuch haben sollte. Sie ist klug, hartnäckig, stark und hat einen großartigen Sinn für Humor. Sie ist außerdem ein unfassbar liebes Mädchen, fürsorglich und absolut liebenswert. Sie ist definitiv eine der liebevollsten und mutigsten kleinen Mädchen, die ich bisher in Kinderbüchern kennen lernen durfte. Auch die anderen Charaktere, allen voran ihre Familie, ist einfach wunderbar ausgestaltet, lustig und liebenswert. Ich liebe Geschichten, die die Familie der Hauptfiguren nicht in den Hintergrund drängen, nur weil es ohne eine Familie eben leichter ist, um gleichzeitig damit noch ein bisschen Drama zu verursachen. Das Zusammenspiel der Figuren war einfach bemerkenswert und einige der schönsten Szenen waren definitiv die familiären Momente, zum Beispiel beim Teilen des vermeintlich letzten Stück Schokolade. Es hat mir auch sehr gut gefallen, wie Jelly stets versucht hat, ihren Vater von Schwierigkeiten fernzuhalten. Sie wirkte trotz ihres jungen Alters teilweise schon richtig erwachsen.

Jelly’s Familie hat mich wirklich sehr an die von Charlie erinnert. Ihr Vater hat erst kürzlich den Job verloren, weshalb ihre Mutter nur umso härter arbeiten muss, um genug Geld zu verdienen, damit sie ihre Familie auch über die Runden bringen kann. Doch immer dann, wenn das Monatsende naht, haben sie kaum noch etwas zu essen und sie ernähren sich meist, sowohl zum Frühstück als auch zum Abendessen, von Ravioli auf Toast. Was ich dabei so großartig finde ist, dass die Familie ihr Glücklichsein und ihre Zufriedenheit nicht von der Menge an Geld, dass sie zur Verfügung haben, abhängig macht. Ganz gleich ob sie nun viel oder wenig zu essen haben, sie sind dennoch eine Familie die zusammenhält, die das Beste aus allem macht und glücklich und zufrieden mit dem was sie haben, was in meinen Augen eine wundervolle und wichtige Message ist, denn gerade heutzutage ist es ja nicht unüblich, dass Menschen glauben sie könnten nur glücklich sein mit genug Geld auf dem Konto und den teuersten und angesagtesten Klamotten im Kleiderschrank.

Allerdings bin ich ein bisschen enttäuscht, dass die hübschen Illustrationen aus dem Original nicht mit übernommen wurden. Man kann sich einige im Internet anschauen und sie sind einfach so wunderschön und perfekt zur Geschichte passend, dass es das Leseerlebnis noch um einiges wertvoller gemacht hätte, wären die hübschen Bildchen auch in die Deutsche Ausgabe mit übernommen worden.

Schokopokalyspe ist ein lustiges und magisches Abenteuer mit einer interessanten, amüsanten und großartigen Storyline und unglaublich gut ausgearbeiteten Charakteren. Aber passt auf, wenn ihr das Buch lest, solltet ihr sicherstellen, dass ihr genug Schokolade zu Hause vorrätig habt, denn ich verspreche euch, eure Lust auf Schokolade wird während des Lesens bis ins Unermessliche steigen. Ich hatte leider keine Schokolade zu Hause, haben mir dafür aber eine heiße Schokolade gegönnt.

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Tags: abenteuer, carlsen, carlsen verlag, chris callaghan, schokopokalyps   (5)
 

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fantasy, fae, das reich der sieben höfe, liebe, sarah j. maas

Das Reich der sieben Höfe – Dornen und Rosen

Sarah J. Maas , Alexandra Ernst
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 10.02.2017
ISBN 9783423761635
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich kann einfach nicht glauben, dass Dornen und Rosen: Das Reich der Sieben Höfe mein aller erstes Sarah J. Maas Buch ist. So viele Leute haben dieses Buch ja förmlich in den Himmel gelobt, dass ich es auch irgendwann kaufen und lesen musste, nur um zu sehen, was an diesem Hype dran ist. Mal ganz abgesehen davon, dass ich anfangs schon ein paar Probleme mit Sarah J. Maas Schreibstil hatte – was auch der Hauptgrund war, weshalb ich nicht gleich von Anfang an richtig in der Geschichte abtauchen konnte – mochte ich das Buch unglaublich gerne. Ich habe vor ein paar Wochen damit angefangen, es aber dann erst mal zur Seite gelegt, 1. weil ich mit dem Schreibstil nicht viel anfangen konnte und ihn auch nicht sonderlich mochte und 2. weil ich einfach das Gefühl hatte, nicht in der Stimmung zu sein für ein solch fantasygeladenes Epos. Wie sich dann herausstellte, war ich sehr wohl in der Stimmung für ein Fantasy Buch; es war der Schreibstil der Autorin, der mich etwas gebremst und mir das Lesen ein wenig erschwert hatte. Zumindest zu Beginn. Jetzt wo ich das Buch allerdings beendet habe, kann ich sagen, dass ich absolut begeistert bin. Ich bin absolut verliebt in diese Geschichte. Den ganzen Tag habe ich damit verbracht, über diese wundervolle Geschichte, das großartige Setting und die wunderbaren Charaktere nachzudenken. Wenn ihr Fantasy mögt und insbesondere Fans seid von Feen, Mystery und natürlich auch von die Schöne und das Biest, dann ist dieses Buch das absolut Richtige für euch.

Ich persönlich finde ja, dass das Buch etwas langsam und träge angefangen hat. Es war nicht schlecht; die ganze Hintergrundgeschichte zu Feyre, wie sie gelebt hat mit ihrer Familie, bevor sie in eine Welt voller Magie entführt wurde, war sehr interessant. Und auch wenn mir der Anfang etwas langweilig vorkam, war es vielleicht gut so, dass Sarah J. Maas uns ein wenig Zeit gegeben hat, Feyre und die ganze Geschichte kennenzulernen. Anderenfalls wäre die Geschichte vielleicht eine ganz andere geworden.

Die Charaktere waren auch einfach alle so wundervoll dargestellt und beschrieben. Sie waren nicht perfekt; nicht die perfekte Familie und Feyre ist auch definitiv nicht unsere perfekte Heldin, aber sie war auch nicht eine dieser Jammerlappen, wie wir sie aus so vielen anderen Jugendbüchern kennen.

Feyre hat es definitiv ziemlich weit nach oben auf der Liste meiner absoluten Lieblingsbuchcharaktere geschafft. Sie ist so stark und wild und ehrlich und lustig und liebenswürdig und fürsorglich und … ich könnte ewig so weiter machen, aber ich möchte euch ja nicht langweilen. Ich fand ihre Einstellung einfach klasse, fand es toll, wie dickköpfig sie ist. Sie war diejenige, die fast ihr ganzes Leben damit verbracht hat dafür zu sorgen, dass ihre Familie etwas zu essen hatte; diejenige, die sich um sie gekümmert hatte und sie quasi am Leben gehalten hat, und das obwohl sie die jüngste von drei Schwestern ist.

Und natürlich habe auch ich mich Hals über Kopf in Tamlin verliebt. Gut, zugegeben, vielleicht war ich anfangs doch etwas unsicher, was ich von ihm halten sollte. Ich wusste nicht, ob ich ihn mögen oder nicht mögen sollte und definitiv wusste ich nicht, ob er zu den Guten gehört, oder doch eher zu den Bösen. Doch als ich ihn dann endlich besser kennen gelernt habe, wollte ich immer mehr von ihm … immer und immer mehr. Irgendwie habe ich mir während des Lesens immer Chris Hemsworth (Thor) als Tamlin vorgestellt. Keine Ahnung wieso, es ist einfach passiert. Die Tatsache, dass ich persönlich finde, dass Tamlin so ein toller und großartiger Charakter ist, lässt mich doch ein wenig wundern, weshalb keiner wirklich über ihn spricht. Ich weiß, dass irgendetwas passieren wird, was Tamlin anscheinend offensichtlich unbeliebt macht – bisher allerdings zähle ich mich noch als Tamlin Fan, auch wenn ich ein wenig Angst habe, herauszufinden, was genau passieren wird.

Außerdem scheine ich auch eine Schwäche für Lucien zu haben. Lucien ist definitiv auch einer meiner liebsten Charaktere. Und natürlich auch – wie könnte es denn anders sein – Rhysand. Es ist jetzt schon einige Monate her, seit das Buch erschienen ist und natürlich habe ich schon einiges auf Instagram, Twitter oder sonst wo gehört und gelesen und gesehen und natürlich war ich neugierig darauf, diesen ach so tollen Rhysand endlich kennenzulernen und was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht. Ich finde ihn großartig, er ist amüsant, forsch, ehrlich, geheimnisvoll und frech – ich liebe es.

Das Ende hat mir auch richtig gut gefallen. Es war aufregend und spannend und ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen. Es war einfach so unglaublich gut. Ich bin froh, dass es nicht mit einem fiesen Cliffhanger geendet hat. Ganz ehrlich? Das Buch wäre auch ein toller Einzelband gewesen, aber im Endeffekt bin ich mehr als froh darüber, dass es eben kein Einzelband ist, denn so habe ich noch viel viel mehr von Feyre, Tamlin, Rhysand und Lucien.

Dieses Buch ist voll von Action; es ist amüsant, romantisch, traurig, herzzerreißend und all das, was ich mir von dem Buch gewünscht habe, als ich mich endlich dazu entschlossen habe, es zu lesen. Ich kann es kaum erwarten den zweiten Teil zu lesen.

Ein großes Dankeschön geht an den dtv Verlag für die Bereitstellung dieses wunderbaren Rezensionsexemplares!

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Tags: fantasy, retelling   (2)
 

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reise, rezension, blogger, gesellschaft, fernweh

Gehen, um zu bleiben

Anika Landsteiner
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.05.2017
ISBN 9783442176724
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es gibt Bücher die liest man, weil man sich gut unterhalten fühlt, weil sie Spaß machen und dann gibt es Bücher, die machen nicht nur Spaß, die bedeuten auch was; die bedeuten so viel, dass man bereits während des Lesens weiß, dass sie alles verändern. Dich selbst. Das ganze Leben.

Gehen, um zu bleiben von Anika Landsteiner, besser bekannt als Ani durch ihren Reiseblog anidenkt gehört zu eben diesen Büchern, die nicht nur das Herz berühren, das Gemüt emotional aufmischen und einem Gänsehaut bescheren, nein, es ist auch eines der Bücher, die dich nicht mehr los lassen, egal ob du gerade auf dem Weg zur Arbeit bist, im Fitnesstudio beim Sport und dir der Schweiß in die Augen läuft oder zu Hause auf dem Balkon mit einem Glas Wein in der Hand. Du schaust in das wunderschöne weite Blau des Himmels und das Fernweh trifft dich so hart, dass dein Herz plötzlich zu schmerzen anfingt, deine Wangen feucht werden, weil du unbemerkt angefangen hast zu weinen und dein Blut wie heiße Lava durch deine Adern schießt. Wenn dich ein Buch so mit nimmt, wenn du mit zitternden Händen da sitzt, voller Adrenalin, voller Aufregung und Neugierde und vor allen Dingen Vorfreude auf das, was noch kommt, dann weißt du, dass es ein gutes Buch ist; ein hervorragendes Buch; ein Buch, dass wahrscheinlich sogar gerade zu deinem absoluten Herzensbuch wurde.

In Gehen, um zu bleiben erzählt Anika Landsteiner in 15 Geschichten aus 15 Ländern, was sie auf ihren Reisen besonders geprägt hat. Sie nimmt uns mit auf 15 abenteuerliche Reisen in die verschiedensten Länder; weit entfernte Länder wie China und Kolumbien aber auch Länder, die gleich um die Ecke liegen, wie zum Beispiel das wunderschöne Italien.

Bevor ich nun mit meiner Lobeshymne loslege, möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Anika Landsteiner und dem Goldmann Verlag bedanken für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. Ich muss zugegeben, ich kannte die liebe Ani vorher nicht und das obwohl ich selbst für mein Leben gerne reise und auch einige Reiseblogs verfolge – shame on me -, als ich allerdings die Anfrage erhielt, ob ich nicht Lust und Interesse daran hätte, ihr Buch zu lesen und zu rezensieren, war ich Feuer und Flamme. Ein Buch über das Reisen? I’M IN!

Selten kommt es vor, dass ich mir während des Lesens eines Buches so viele Notizen mache, wie bei diesem. Meine Reiseliste ist bis ins Unermessliche gewachsen. Ich habe jeden Ort, den ich nicht kannte bzw. zu dem ich keine Bilder vor Augen hatte, gegoogelt und erst einmal Stunden damit verbracht, mir die Landschaften, Städte, Sehenswürdigkeiten etc. anzuschauen, was mit unter Grund dafür ist, weshalb ich das Buch nicht in einem Stück durchgelesen habe, was ich auf jeden Fall hätte tun können. Es sind nicht nur die Reisen, die einen fesseln und nicht mehr los lassen, es ist auch dieser wunderbar poetische Schreibstil, der einen vollkommen mit reißt und natürlich die unglaublich symphytische Protagonistin, mit der ich so viel mehr gemeinsam habe, als ich anfangs geglaubt hätte und das nicht nur, was ein paar der Erlebnisse angeht, sondern auch Einstellungen die wir gegenüber dem Leben, der Welt, der Natur, den Tieren und vor allen Dingen auch gegenüber der Menschheit haben.

Ich brauchte nur die ersten paar Seiten zu lesen um zu wissen, dass dies MEIN Buch werden würde; mein Lieblingsbuch; mein Begleiter im Leben sowie auf Reisen. Bereits auf den ersten Seiten berichtet Ani begeistert von ihrer Liebe zu New York, auch wenn es mittlerweile Orte gibt, die ihr Herz ein bisschen mehr liebt, habe ich mich ihr gleich verbunden gefühlt – wie wahrscheinlich so ziemlich jeder andere Mensch, der schon einmal in seinem Leben in New York war. Diese Stadt ist atemberaubend schön und so aufregend, dass es mir jedes Mal aufs Neue die Sprache verschlägt. Nicht nur, weil ich fast über ein Jahr in dieser Stadt gelebt habe, sondern auch, weil ich dieses Gefühl kenne – dieses wunderbare Gefühl, das New York in einem auslöst, sobald man aus dem Flieger steigt und den amerikanischen Boden unter den Füßen spürt und (je nach dem auf welchem Flughafen man landet) die New York Skyline bereits sieht – kann ich ihre Liebe zu dieser Stadt nachvollziehen. Im Gegensatz zu ihr habe ich bisher noch keinen anderen Ort gefunden, der meine Liebe zu dieser Stadt übertroffen hat; aber wer weiß, ich habe noch einiges vor und vielleicht wird es irgendwann auch in meinem Leben eine neue Nummer Eins geben.

Als ich dann weiter las und in die Erzählungen über ihren Roadtrip im Sommer 2010 eintauchte, mit einem gebrochenen Herzen von Los Angeles nach San Francisco, blieb mir für einen Augenblick lang der Atem weg. Sommer 2010? Roadtrip? Von Los Angeles nach San Francisco? Kennen wir uns? Im Sommer 2010 bin ich ebenfalls mit einer Freundin von New York nach Los Angeles gereist. Bevor es für uns zurück nach Deutschlang ging, wollten wir noch einen Roadtrip durch den Westen der USA machen. Ebenfalls mit gebrochenem Herzen machten wir uns also von Los Angeles auf die zehnstündige Fahrt nach San Francisco, vorbei am Atlantik – wäre es nicht unfassbar toll gewesen, wären wir uns dort begegnet? Auch wenn dieses Kapitel nicht das Aufregendste war, hat mich dieses emotional teilweise fast am meisten berührt. Ich hatte das ganze Kapitel über Tränen in den Augen, weil ich so stark erinnert wurde an die Zeit damals, den Liebeskummer, das Heimweh aber auch die Angst, wieder zurück nach Deutschland zurückzumüssen nach einer 14-monatigen Abwesenheit, nachdem alle meine Freunde bereits ihren neuen Lebensabschnitt begonnen und neue Jobs gefunden hatten. Ich fühlte mich fast schon wie ein Außenseiter und wäre am liebsten dort geblieben, an der kalifornischen Küste, irgendwo im Nirgendwo. Dieses Kapitel hat meine Gefühlswelt ziemlich durcheinander gewirbelt und mehr als einmal habe ich mich dabei erwischt mir zu wünschen, wieder dort zu sein; zurück im Jahre 2010 mit nichts als meiner Freundin im Gepäck, einem weißen Toyota und der fast leeren Straße vor uns, neben uns das Meer, über uns die heiße kalifornische Sonne mit nur diesem einen Gefühl: Freiheit. Was mir das Kapitel auch klar gemacht hat? Dass es Zeit wird, noch mal nach Kalifornien zu fliegen.

Sämtliche ihrer Geschichten, Erlebnisse und Abenteuer beschreibt sie mit so viel Spannung und Spaß, dass Ani mir während des Lesens immer symphytischer wurde und ich irgendwann das Gefühl hatte, sie ein Stück weg zu kennen oder zumindest, dass wir uns auf jeden Fall gut verstehen würden. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, schreibt ihre Gedanken gerade heraus aufs Papier und ist so ehrlich und dabei so wunderbar erfrischend, dass sich mein Herz nie richtig entscheiden konnte, ob es mich nun zum Lachen oder Weinen bringen sollte. Bei jedem Wort, jedem Satz spürt man regelrecht, wie viel Liebe nicht nur in diesem Buch, sondern auch in den Reisen steckt, die sie erlebt hat und in Zukunft noch erleben wird. Sie strotz vor Leidenschaft und Abenteuerlust und das hat mich nicht nur beeindruckt; mich teilweise auch sehr an mich selbst erinnert und mir wieder ins Gedächtnis gerufen, wie wichtig es ist, seine Träume zu leben und nicht nur davon zu reden.

Sie erzählt in ihren Geschichten auch über Missstände, die in den verschiedenen Ländern herrschen, Dinge, die ihr komisch aufgestoßen sind; erzählt von Leuten, die sie nicht mochte und die ihr Probleme bereiteten, berichtet von Situationen, die mir absolute Gänsehaut bescherten und dem Leser zeigen, dass wir als Menschen noch immer nicht dort angelangt sind, wo wir eigentlich im Jahre 2017 schon sein sollten. Vorurteile, Rassismus etc. pp. all das existiert noch immer und zwar überall auf der Welt; überall, auch hier in Deutschland und Ani schafft es in ihrem Roman so deutlich auf diese Themen aufmerksam zu machen, dass ich bereits aus diesem Grund jedem Menschen dieses Buch nur empfehlen kann und werde.

Vor einiger Zeit hat mich mal jemand gefragt, wenn ich für den Rest meines Lebens nur noch ein einziges Buch empfehlen könnte, welches das wäre. Damals wusste ich keine richtige Antwort darauf, konnte mich nicht entscheiden, da ich so viele wichtige und inspirierende Bücher zu diesem Zeitpunkt gelesen hatte. Jetzt wüsste ich eine Antwort auf diese Frage: Gehen, um zu bleiben von Anika Landsteiner.

Nachdem ich das Buch nun beendet habe, kann ich eines mit Sicherheit sagen: Anika Landsteiner ist eine der am meisten inspirierenden Personen, mit denen ich jemals zu tun hatte, ganz gleich, ob ich sie nun persönlich kenne oder nicht, denn ein Stück weg lernt man sie durch ihren Roman kennen und das reicht völlig um sich bewusst zu werden, dass Anika Landsteiner eine bewundernswerte, bemerkenswerte und eindrucksvolle Persönlichkeit ist, mit dem Herz auf dem rechten Fleck.

Auch die Thematik des Alleinreisens, mit oder ohne Partner, in einer Gruppe oder auch das Heimkommen behandelt sie in ihrem Buch; Themen, die mich selbst immer wieder sehr beschäftigen.

Dieses Buch wird, da bin ich mir ziemlich sicher, für eine ganze Weile nun mein Wegbegleiter sein. Es fühlt sich einfach gut an, das Buch dabei zu haben, sei es nun im Auto oder in der Tasche oder einfach zu Hause auf dem Nachttisch. Es erinnert mich daran, wie wichtig es ist, seine Träume zu leben; sie wahrwerden zu lassen, denn dafür sind Träume da – um sie zu leben!

Im Geiste bin ich bereits einige neue Reiseziele durchgegangen. Nächste woche gehts nach München, in drei Wochen dann erst einmal auf einen Roadtrip durch Italien, Verona, Venedig, Florenz, Rom und Mailand stehen auf dem Programm und alles das, was dazwischen liegt. Für den Hebst habe ich mal Paris angesetzt, im Februar nächsten Jahres geht es endlich mal wieder nach London und auch für die Zeit um Weihnachten rum habe ich mir schon einige Gedanken gemacht, wo es hingehen könnte. Ich wollte schon immer mal nach Wien oder Prag, zwei Städte, die ich unbedingt bald mal besuchen möchte und dann steht da natürlich auch New York immer ganz weit oben auf meiner Liste aber auch Afrika (wo genau, das weiß ich noch nicht) und Island, Irland, Schottland – es gibt einfach so viele Länder, die ich noch bereisten möchte. Danke Ani, dass du deine Liebe zum Reisen mit uns allen in Form dieses Buches und deines Blogs teilst. Es ermutigt nicht nur, sondern schafft auch Vorfreude und absolutes Fernweh.

Würde ich dieses Buch empfehlen? JA! Tausend Mal JA und zwar jedem. Gehen, um zu bleiben ist eines der wenigen Bücher, die mein Herz berührt haben und einen bleibenden Eindruck genau dort hinterlassen haben.

„Im Endeffekt ist Reisen wie Leben im Schnelldurchlauf. Alles, was man erlebt, ist konzentrierter und intensiver. Ein Schatz an Erfahrungen, der bleibt.“

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Tags: fernweh, herzensbuch, lieblingsbuch, reisebericht   (4)
 

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spiegel des bösen, geister, björn springorum, hass, hotel

Spiegel des Bösen

Björn Springorum , Maximilian Meinzold
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Thienemann ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 16.02.2017
ISBN 9783522202305
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Gleich zu Beginn des Buches werden wir, ebenso wie Sophie, regelrecht in das Geschehen hineingeworfen. Wir wissen weder was geschehen ist, noch wie es geschehen ist, was es uns ermöglicht, das Abenteuer auf dieselbe Art und Weise wie Sophie zu erleben. Wir wissen nicht mehr und nicht weniger als sie selbst, was das Leseerlebnis sehr interessant und auch aufregend gestaltet hat. Ich mag solche schnellen Einstiege sehr, muss ich gestehen, auch wenn dies natürlich hier und da zu ein paar Verwirrungen führen kann, doch ich finde es großartig, wenn der Leser mit dem Protagonisten gleichgestellt wird und man sich hier mit den Figuren aus dem Buch auf einer Ebene befindet.

DER GRUSELFAKTOR BLIEB LEIDER AUS

Im Nachhinein muss ich sagen, dass sich die Geschichte stellenweise etwas langgezogen fand und der Autor die gesamte Geschichte hätte etwas kürzer fassen können. Leider blieb auch der Gruselfaktor bei mir aus und eine unheimliche Stimmung wollte einfach nicht aufkommen, was teilweise vielleicht auch damit zu tun hat, dass es sich hierbei um ein Buch, eher für das jüngere Publikum geeignet, handelt, sprich es natürlich gruselige Stellen gibt, allerdings nicht so gruselig, als dass es mir Angst eingejagt hätte. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich in diesem Genre einfach schon so „abgehärtet“ bin und schlicht mehr erwartet habe von einem Spukhotel, was allerdings in keiner Weise die Qualität des Buches in Frage stellt. Ob man etwas für unheimlich empfindet oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Manche fürchten sich schon vor einem dunklen Schatten, bei anderen braucht es ein bisschen mehr, bis sich Gänsehaut einstellt. Für Leser, die eine gruselige Stimmung ebenso gerne mögen wie ich, würde ich empfehlen, das Buch dann vielleicht doch eher abends bzw. nachts zu lesen, was ich ebenfalls getan habe. Es hatte zwar nicht vollends den gewünschten Effekt, doch hat die Geschichte dadurch nichtsdestotrotz ein bisschen gruseliger gewirkt.

Was mir unglaublich gut gefallen hat, waren die Kapitelanfänge und hier nicht nur das wundervolle Design, das auch noch perfekt zur Geschichte passt, sondern auch die Namen der einzelnen Kapitel, die immer schon einen Hinweis und einen Vorgeschmack darauf gaben, wo genau sich die nächste Szene abspielen würde.

Die ersten Seiten zogen sich etwas in die Länge. Zum einen ist dies notwendig, um aufgrund des rasanten Einstiegs in die Geschichte einfinden zu können und die Charaktere kennenzulernen, auf der anderen Seite hat es mich teilweise auch wirklich gelangweilt. Abgesehen davon, dass ich mich kaum bis gar nicht gegruselt habe, war der erste Teil des Buches etwas langwierig, teilweise auch ereignislos. Hauptsächlich spielt sich die Handlung in den Kellern des Hotels ab, wo, gelinde ausgedrückt, kaum bis rein gar nichts passiert. Die Charaktere sitzen hier und warten; warten darauf, dass etwas passiert, bis schließlich Sophie in ihr Leben tritt, die ganze Situation zwar etwas aufwirbelt, aber im Endeffekt auch nicht viel ausrichtet, denn kluge Einfälle bleiben weiterhin rar und auch gestritten wird sich viel zu häufig. Obwohl ich Sophie als interessanten Charakter bezeichnen würde, zumindest teilweise, ging sie mir stellenweise mit ihrer Naivität und ihren Nörgeleien etwas auf die Nerven. Hierbei sollte man natürlich nicht aus den Augen verlieren, dass sie erst fünfzehn Jahre alt ist und ihr teilweise einige Dinge fremd sind und sie wahrscheinlich nicht die Einzige ist, die sich als 15-jährige Jugendliche so verhält bzw. verhalten hat. Ich denke bis zu einem gewissen Grad kann man sich, wenn man sich selbst in seine Jugend zurückversetzt, identifizieren, was allerdings nicht bedeutet, dass ich sie vollends ins Herz geschlossen habe.

Auch bei den anderen Charakteren bin ich mir nach wie vor nicht sicher, ob ich sie mag, oder doch nur nervtötend finde. Bei Margarete bin ich mir da sicher, sie ist eine traurige, fast schon armselige Gestalt, die wahrscheinlich unzufriedener mit sich selbst und trauriger über ihr Leben nicht sein könnte. Diese Emotionen kompensiert sie dadurch, dass sie nicht nur unhöflich, sondern auch unfreundlich, biestig und herablassend ist und sich als Boss der kleinen Truppe aufführt. Ludwig ist das genaue Gegenteil von ihr, lässt sich freiwillig unterbuttern und liegt ihr quasi zu Füßen. Mit Ludwig konnte ich mich weder identifizieren, noch fühlte ich mich ihm während des Lesens in irgendeiner Weise nahe. Er gehört zu der Sorte Mensch, die einfach mit dem Strom schwimmen, die sich keine eigene Meinung bilden, sondern lieber das nachplappern, was andere ihnen vorsagen, nur weil sie dazugehören möchten. Eine traurige Eigenschaft. Nichtsdestotrotz macht er eine kleine Entwicklung durch, die mir gut gefallen hat. Max mochte ich sehr gerne. Er war erfrischend, amüsant, freundlich, höflich, keiner dieser Badboys, wie es in Jugendromanen oft der Fall ist. Einen bleibenden Eindruck hat er allerdings dann doch nicht hinterlassen, da er nichts wirklich Besonderes an sich hat. Den Concierge hingegen mochte ich sehr, war er der Einzige, der dem Buch eine etwas unheimliche Atmosphäre verlieh. Ich mag solche Charaktere, bizarr, merkwürdig, unheimlich, gespenstig. Mein Liebling jedoch war der General. Ich wünschte er wäre Hauptfigur, statt Nebenfigur gewesen.

Ganz allgemein hätte ich mir bezüglich der Figuren etwas mehr Hintergrundwissen gewünscht, insbesondere bei Charakteren wie eben dem General oder Esmeralda oder auch dem Concierge. Ich bin mir sicher, dass hinter ihnen viele lange Jahre voller Abenteuer und Erfahrungen liegen; Ereignisse, die sie zu denen gemacht haben, die sie heute sind und nur zu gerne hätte ich einen Einblick erhalten in ihre Vergangenheit und natürlich hätte ich auch am liebsten noch mehr darüber erfahren, was passiert ist und wie es zu alledem hier erst gekommen ist und vor allen Dingen wie ihre Leben mit der ganze Geschichte zusammenhängen.

GUTE ANSÄTZE, VIEL POTENTIAL, LEIDER ABER FEHLTE AN TIEFE

Bei der Geschichte hat mir definitiv an Tiefe gefehlt. Natürlich werden jetzt viele sagen, es ist doch „nur“ ein Kinderbuch; es ist doch „nur“ ein Jugendroman, aber ich zum Beispiel bin ein sehr großer Fan von speziellen, sehr gut ausgearbeiteten Charakteren und mithin auch Charakter Development, was in diesem Buch leider kaum vorhanden war, was ich als sehr schade empfinde, denn sämtliche Charaktere hatten definitiv das Potential, zu großartigen Figuren zu werden, hätte man ihnen nur ein paar Sekunden mehr im Rampenlicht gegönnt.

Das was mich am meisten an der Geschichte gestört hat, war die Liebesgeschichte, die in meinen Augen nicht nur viel zu überstürzt, sondern auch irgendwie Fehl am Platz, inszeniert und erzwungen wirkte. Meiner Meinung nach wäre das Buch um Längen besser, hätte man einfach auf die Romanze verzichtet und die vier Hauptfiguren einfach Freunde in Not sein lassen, die gemeinsam versuchen einen Weg zu finden, das übernatürliche Böse zu besiegen und das Hotel zu verlassen.

In der zweiten Hälfte des Buches, insbesondere zum Ende hin, wurde die Geschichte dann sehr spannend. Dinge passierten Schlag auf Schlag, man hatte kaum mehr Zeit, Luft zu holen und man fühlte sich, als säße man in einem schnellen Auto oder auf einer rasanten Achterbahn, die gar nicht mehr zum Stehen kam. Plötzlich tauchten so viele Hinweise auf, Geheimnisse wurden gelüftet und es passierten auch tatsächlich ein paar Dinge, womit ich in der Form nicht gerechnet hatte. Andere Dinge wiederum konnte ich mir bereits zu Anfang der Geschichte denken.

Alles in allem war es ein angenehmes Lesevergnügen; meine Erwartungen konnte das Buch allerdings nicht erfüllen, was sehr schade ist. Als schlecht würde ich das Buch dennoch nicht bezeichnen, es entsprach nur nicht meinen Vorstellungen bzw. meinen Vorlieben. Ich bin mir sicher, dass das Buch, gerade von dem jüngeren Publikum oder auch von Lesern, die, was Horrorgeschichten angeht, ohnehin etwas empfindlicher sind, als gruselig empfunden wird. Ich möchte auch gar nicht abstreiten, dass die Geschichte gut ist, das ist sie, teilweise nur etwas langgezogen mit – meiner Meinung nach – zu wenigen Hintergrundinformationen. Der Schreibstil hat mir auch sehr gefallen; dieser war nüchtern und der Stimmung des Buches und auch dem Alter der Charaktere angepasst. Es ließ sich flüssig lesen und man hatte definitiv das Gefühl, inmitten der Geschichte zu sein. Dennoch konnte mich das Buch nicht zu hundert Prozent überzeugen. Es war eine nette Geschichte für zwischendurch mit guten Ansätzen und viel Potential, mehr allerdings nicht.

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cavaliersreise, homosexualität, jugendbuch, mackenzi lee, 18. jahrhundert

Cavaliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans

Mackenzi Lee
E-Buch Text: 496 Seiten
Erschienen bei Königskinder, 24.03.2017
ISBN 9783646929591
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein Grund, weshalb dieses Buch wirklich alle Sterne der Welt verdient, ist die Tatsache, dass Mackenzie Lee hiermit beweist, dass es eben nicht schwierig oder fast schon unmöglich ist, einen kunterbunt gemischten und vielfältigen Cast in ein historisches Jugendbuch mit einzubringen. In diesem Buch haben wir einen gemischtrassigen, homosexuellen (ich glaube er ist homosexuell, er könnte allerdings auch bisexuell oder pansexuell etc. pp. sein) klugen jungen Mann, einen bisexuellen, weißen jungen Mann und ein eigenständiges, selbstbewusstes, leidenschaftliches, schlagfertiges und unglaublich kluges jugendliches Mädchen, die mit Ihrem Mut und ihrer Klugheit jeden einzelnen Mann in diesem Buch in den Schatten stellt. Felicity, die kleine Schwester unseres Protagonisten Monty, ist nicht bloß ein junges, hübsches Mädchen und genau das ist es, was sie nicht nur den Figuren im Buch, sondern auch uns Lesern beweist: dass Frauen nicht bloß ein hübsch anzusehendes Accessoire sind, die Männer vorführen um ihren Status anzuheben. Schnell wurde Felicity zu einem meiner liebsten Charaktere dieser Geschichte und ich könnte nicht glücklicher darüber sein, dass Mackenzie Lee es nicht nur geschafft hat, homosexuelle, bisexuelle und gemischtrassige Charaktere in diesem Buch miteinander zu vereinen, sondern auch starke, selbstbewusste Frauen, die wissen, wo der Hase läuft.

Dieses Buch ist so viel mehr als bloß eine süße historische Liebesgeschichte, wie man vielleicht glauben könnte. Es stellt auf so viele wichtige Themen ab, wie zum Beispiel Homophobie, Rassismus, Politik, soziale Schichten, Angstzustände, Herkunft, Nervenkrankheiten, etc. pp.

EIN BUCH, DAS EINFACH GLÜCKLICH MACHT

Obwohl es schon ein paar Tage her ist, seit ich das Buch gelesen und auch beendet habe, kann ich einfach nicht aufhören, daran zu denken. Es ist so unglaublich amüsant, klug, süß, witzig, nachdenklich und so unfassbar gut geschrieben. Ich kann gar nicht richtig in Worte fassen, wie sehr mir dieses Buch gefallen hat. Seit Tagen schwärme ich davon. Ich habe jede einzelne Seite, jeden Satz, jedes Wort so sehr genossen, dass ich das Buch sogar bereits zwei Mal gelesen habe. Ich habe nicht nur die deutsche Ausgabe, sondern auch bereits die englische Version zu Hause und da ich meist lieber zuerst das Original lese, habe ich es so gehandhabt, dass ich immer ein oder mehrere Kapitel erst im Original und anschließend dann auf Deutsch gelesen habe. Dies mag für einige verrückt klingen, doch es hat riesig viel Spaß gemacht, die Kapitel doppelt zu lesen und außerdem war ich auch wirklich sehr neugierig darauf zu sehen, wie das Buch ins Deutsche übersetzt wurde.

Wir kennen sie alle, diese Bücher, die einen für ein paar Stunden unterhalten und dann gibt es auch noch diese Art von Büchern, die einen nicht nur unterhalten, sondern einem dieses Gefühl von Nähe und Wärme geben; Bücher, die einfach glücklich machen und einen zum Strahlen bringen.

Aufgrund des ganzen Hypes, der diesem Buch zuteil wird (und das schon bevor es überhaupt erschienen war), der so langsam auch zu uns nach Deutschland rüber schwappt, hatte ich wirklich sehr hohe Erwartungen an das Buch, was bekanntlich ja nicht immer von Vorteil ist, doch dieses Buch hat mich definitiv nicht enttäuscht und meine ohnehin schon sehr hohen Erwartungen tatsächlich noch übertroffen.

Für gewöhnlich bin ich kein großer Fan historischer Romane, doch dieses Buch war einfach alles, was ich mir hätte wünschen oder darunter vorstellen können. Ich muss zugeben, ich hatte zuvor noch nicht wirklich was von Cavaliersreisen gehört. Natürlich war mir das Wort ein Begriff, doch worum es dabei früher wirklich ging, wusste ich nicht. Ich musste direkt an junge, meist wohlhabende, Schüler denken, die sich, bevor sie studieren gehen, eine Auszeit nehmen um auf Reisen zu gehen, ein Auslandsjahr einlegen oder Ähnliches, denn irgendwie ist es genau das, was auch Monty und Percy, unsere beiden Hauptfiguren, machen. Für gewöhnlich sollen die Beteiligten sich während ihrer Reise nicht nur kulturell, sondern auch pädagogisch weiterbilden. Was die beiden allerdings im Kopf haben, als sie sich auf den Weg nach Europa machen, sieht etwas anders aus. In der Realität geht es bei diesen Reisen natürlich hauptsächlich ums Trinken, ums Feiern, darum Leute kennenzulernen – einfach darum, bevor der Ernst des Lebens beginnt, noch mal richtig auf die Pauke zu hauen und Spaß zu haben. Während Monty und Percy, zusammen mit Montys kleiner Schwester Felicity, also durch Europa reisen, schafft es Monty immer wieder, sie in irgendwelche Probleme hineinzumanövrieren, unwissend, und eine Serie gefährlicher aber auch aufregender Abenteuer steht ihnen bevor. Während sie also versucht sind, am Leben zu bleiben, lernen sie sich alle drei besser kennen, führen ehrliche Gespräche über wichtige Themen wie Sexualität und Nervenkrankheiten und finden raus, was Freundschaft und Familie tatsächlich bedeutet.

Was ebenfalls sehr wichtig ist und etwas, was man in Jugendromanen eigentlich nicht so häufig sieht ist die Tatsache, wie reif die drei miteinander umgehen. Monty kann manchmal ein richtiger verwöhnter, unhöflicher, gemeiner kleiner Bengel sein und wenn er mal wieder Mist baut, etwas Verletzendes oder Unmögliches sagt bzw. tut, sind es seine Freunde Percy und Felicity, die ihn darauf hinweisen und ihn zur Rede stellen. Sie sprechen ihn darauf an, weisen ihn zurecht, jedoch ohne ihn gleich zu attackieren. Monty hingegen nimmt die Ratschläge seiner Freunde an, überdenkt sie, stellt Dinge in Frage und genau das ist es, was diese besondere Freundschaft, wenn sie auch nicht immer perfekt ist, zwischen den Dreien so einzigartig macht. Genau so sollte eine richtig gute Freundschaft aussehen. Sie respektieren einander, helfen einander, sind füreinander da – natürlich streiten sie sich auch, aber auch das gehört zu einer guten Freundschaft dazu.

Außerdem möchte ich noch erwähnen, wie beeindruckt ich davon bin, wie viel die Autorin recherchiert hat, um auch ja alles richtig zu machen. Wie und über was sie sich alles informiert hat, lernen wir in der abschließenden Anmerkung des Autors, wo Mackenzie Lee auch Bücher und Essays zu bestimmten Themen empfiehlt, was ich persönlich unfassbar interessant fand. So erhält man auch einen kleinen Einblick, wie viel Arbeit in diesem Buch steckt; wie viel Herzblut und dass es eine Geschichte ist, die nicht eben einfach mal so innerhalb weniger Wochen geschrieben wurde.

Trotz der 500+ Seiten lässt sich dieses Buch unfassbar schnell lesen. Ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen und konnte einfach nicht genug bekommen. Das Buch zur Seite legen? So gut wie unmöglich!

Gerade erst habe ich bemerkt, wie schlecht ich eigentlich darin bin, Rezensionen zu Büchern zu schreiben, die ich so sehr geliebt habe, wie dieses hier. Die Worte erscheinen mir nicht für die Großartigkeit eines solchen Buches angemessen, klingen eher stumpf und unpassend. Ich könnte Seiten vollschreiben mit meinen mädchenhaften Schwärmereien, hoffe aber mit dieser Rezension zumindest teilweise rüber gebracht zu haben, wie gut mir dieses Buch gefallen hat.

Ein weiterer Punkt, der mir richtig gut gefallen hat ist der, dass die Charaktere hier auf Reisen sind und eine aufregende Tour durch Europa mit Stopps in Paris, Barcelona, Venedig und Santorin machen. Obwohl ich gerade erst selbst von einer Reise durch Italien zurück gekommen bin, hat diese Geschichte mein Fernweh regelrecht angeheizt und ich habe mich selbst dabei erwischt, wie ich wieder einige Flugseiten an meinem Laptop geöffnet hatte auf der Suche, nach ein paar interessanten Reisezielen, unter anderem auch Santorin, ein Ort, der schon ziemlich lange auf meiner Bucket List steht.

EIN VIELSEITIGES, INTERESSANTES UND LIEBEVOLLES LESEVERGNÜGEN, DAS RICHTIG VIEL SPASS MACHT

Letztendlich sind es all die vielseitigen, verschiedenen und interessanten Charaktere, die dieses Buch zu etwas ganz Besondere machen. Es kommen auch Piraten darin vor, Straßenräuber und auch Alchemie ist ein großes Thema und natürlich eine der herzzerreißendsten Liebesgeschichten überhaupt, die zwar langsam voranschreitet (was ich wirklich sehr gut finde; ich bin kein Fan dieser überstürzten Romanzen, bei denen man sich schon nach zwei Tagen des Kennens die große Liebe schwört), was sich hinterher aber wirklich bezahlt macht. Manchmal, muss ich gestehen, hat es mich allerdings in den Wahnsinn getrieben, positiv gemeint natürlich. Am liebsten hätte ich ihre Gesichter einfach aneinander gedrückt und sie gezwungen, sich endlich zu küssen. Ich liebe diese beiden, einzeln und als Paar, so sehr, es ist fast schon verrückt.

Ich bin absolut begeistert von Mackenzie Lee’s Schreibstil. Ich wünschte ich könnte einfach mit ihr einen Kaffee trinken gehen, um mich mit ihr über das Leben und die Welt und natürlich ihre Bücher zu unterhalten. Sie scheint einfach wie eine so großartige und liebenswerte Person, ich würde sie so gerne einmal treffen. Und ich hoffe wirklich sehr, dass sie noch jede Menge Bücher wie dieses hier schreiben wird.

Für mich ist dieses Buch definitiv eines meiner Jahreshighlights und ich kann es wirklich nur jedem empfehlen, es zu lesen. Wie man sieht finden sogar Leser, die normal mit historischen Romanen nichts anfangen können, Freude an diesem Meisterstück.

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jugendbuch, alina bronsky, berlin, dtv, buch

Und du kommst auch drin vor

Alina Bronsky
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423761819
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kim  ist ein ganz normaler Teenager, ein bisschen naiv vielleicht, sehr von sich selbst eingenommen und – auf gut Deutsch gesagt – nicht gerade die Klügste. Sie interessiert sich kaum für die Schule; generell interessiert sie sich kaum für etwas anderes als für sich selbst und im Grunde ist ohnehin alles irgendwie doof, was in ihrem Umfeld passiert und nichts mit ihr zu tun hat. Doch eines Tages passiert das Unfassbare: das Buch, aus der die Autorin auf der Lesung liest, handelt von niemand geringerem als ihr. Die Namen sind anders, die Leute sehen auch anders aus und die Details stimmen nicht zu 100 %, doch im Grunde wird in eben diesem Buch Kim’s Leben beschrieben, was das junge Mädchen unglaublich fasziniert und ihr gleichzeitig auch ziemliche Angst einjagt. Ihr Leben lang träumte sie davon, berühmt zu sein, im Mittelpunkt zu stehen, jetzt wo sie der Mittelpunkt dieses Buches zu sein scheint jedoch, ist sie gar nicht mehr so begeistert davon. Obwohl sie sich über diese Tatsache ärgert, kauft sie sich das Buch. Schnell findet sie hieraus, dass viele Dinge, die im Buch passieren auch in Wirklichkeit eintreten und um eine ganz bestimmte schreckliche Sache zu verhindern, bleibt ihr nur eine Möglichkeit: Sie muss ihr ganzes Leben umkrempeln.

Die Idee hat mir gleich von Anfang an gefallen, auch die Leseprobe gefiel mir, auch wenn ich mit dem Schreibstil der Autorin nicht ganz warm wurde. Doch wer von uns wollte nicht schon immer einmal die Hauptfigur in einem Buch sein? Die Geschichte klang spannend, originell und vor allen Dingen sehr amüsant, leider jedoch konnte das Buch in vielerlei Hinsicht meine Erwartungen nicht erfüllen. Ganz im Gegenteil, hin und wieder spielte ich sogar mit dem Gedanken, das Buch einfach abzubrechen.

Unsere 15 jährige Protagonistin verhält sich die ganze Zeit über wie eine kleine, verwöhnte Göre. Sie hat keine eigene Meinung, sondern schließt sich immer der ihrer angeblich besten Freundin Petrowna an, eine Freundschaft, die zwar hier und da irgendwie echt und ehrlich wirkt, hauptsächlich aber doch ziemlich oberflächlich scheint. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, die beiden können sich gar nicht leiden. Auch wenn Petrowna teilweise ebenfalls arrogant wirkt, mochte ich sie lieber als Kim, denn im Gegensatz zu Kim wirkt sie nicht ganz so oberflächlich und unrealistisch. Sie hat nicht diesen Tunnelblick; sie wagt auch mal einen Blick über die Mauern. Vielleicht liegt es daran, dass Petrowna und Kim nicht unterschiedlicher sein könnten. Während Kim’s Eltern sehr wohlhabend sind und sie als Einzelkind aufwuchs, wohnt Petrowna als Tochter eines türkischen und kirgisischen Elternteils in einer kleinen Wohnung zusammen mit lauter Geschwistern, Cousinen, Tanten und Onkeln. Kim hingegen hat nichts Besseres zu tun als sich darüber zu beschweren, dass ihr Vater nun eine „schwarze Frau“ als Freundin hat.

Auf der einen Seite finde ich es toll, dass die Autorin so viele verschiedene Charaktere in die Geschichte mit einbaut, auf der anderen Seite stört es mich ganz gewaltig, wie in dem Buch mit der Thematik umgegangen wird. Es zeigt natürlich das wahre Leben, so traurig es auch ist, aber gestört hat es mich dennoch, und zwar ganz gewaltig. Auch die Tatsache, dass Petrowna ständig als „das Mädchen mit dem Migrationshintergrund“ bezeichnet wird, hat mir negativ aufgestoßen. Wieso kann sie denn nicht einfach Petrowna sein? Wieso muss sie „das Mädchen mit dem Migrationshintergrund“ sein?

Auch störten mich Aussagen wie folgende:

„Du kannst deine Freundin, die asoziale Dicke, einladen.“

[Seite 149]

Muss das denn wirklich sein? Sprechen die Menschen heutzutage so miteinander? Oder sehe ich das Ganze einfach zu streng; bin ich zu empfindlich? Ich weiß allerdings mit hundertprozentiger Sicherheit, dass meine Mutter noch nicht einmal im Traum daran denken würde, solch eine Aussage zu treffen, über Niemanden und gegenüber Niemandem.

Kim hingegen sorgt jedenfalls dafür, dass Petrowna viel sympatischer wirkt, dadurch, dass sie selbst so ein schrecklicher Mensch ist. Allgemein empfand ich die Charaktere als zu oberflächlich. Das Einzige was sie gut können ist es, über andere herzuziehen und sich über das Leben und alles andere zu beschweren. Im Nörgeln sind die beiden, insbesondere Kim, Weltmeister.

Auch der Schreibstil gefiel mir nicht. Zu plump, zu – um die Worte der Autorin zu benutzen – asozial. Zumindest wirkte es so auf mich. Ich konnte dem Stil wirklich nichts abgewinnen, von den Dialogen ganz zu schweißen, mit Ausnahme der Tatsache, dass es wie die Fast aufs Auge zu den Charakteren passte. Das muss man der Autorin wirklich lassen; sie hat den Schreibstil ihren Figuren und deren Alter/Lebenssituation angepasst.

Die Story an sich ließ allerdings leider ebenfalls zu wünschen übrig. Der Plot war wenig ausgearbeitet und ließ sehr viele Fragen offen. Hauptsächlich konzentrierte sich das Buch auf Kim und ihr Leben, allerdings hatte ich mir das Ganze etwas aufregender und spannender vorgestellt, immerhin wurde sie quasi zur Titelfigur eines Buches. Unrealistisch war es ebenfalls. Ohne irgendetwas verraten zu wollen passieren Dinge, die meiner Meinung nach viel zu weit hergeholt waren. Wieso wusste die Autorin so genau über Kims Leben Bescheid? Wie kam es dazu? Spannung wurde kaum bis gar nicht aufgebaut und im Grunde quälte ich mich durch die Seiten in der Hoffnung, dass doch noch etwas passieren würde, was meinen Erwartungen und Vorstellungen entsprach.

Die Message, die das Buch vermittelt, wurde dennoch deutlich: Nur man selbst kann Dinge verändern und sich glücklich machen. Man muss das eigene Leben selbst in die Hand nehmen, um etwas zu verändern und nicht nur mit dem Strom schwimmen, weil es eben so viel bequemer ist. Eine sehr schöne Message wie ich finde, leider war sie doch sehr versteckt hinter all den schlecht ausgearbeiteten und oberflächlichen Charakteren und der langweiligen Story. Dennoch konnte man zum Ende hin tatsächlich eine Entwicklung erkennen, keine sehr große, doch es machte den Anschein, als wäre Kim nicht mehr nur diese kleine verwöhnte Göre von vorher.

Das Ende hat mich sehr enttäuscht. Wie oben beschrieben bleiben sehr viele Fragen offen und auch das Buch spielt zum Ende hin keine sehr große Rolle mehr. Schade um das Buch; schade um das verschenkte Potential. Vorgestellt hatte ich mir etwas völlig anderes und meine Erwartungen offenbar viel zu hoch geschraubt.


Auf dem Buchrücken steht „Der neue Roman von Alina Bronsky: schräg, witzig, hintergründig.“ Leider kann ich nichts davon unterschreiben. Ich würde das Buch auch nicht weiterempfehlen, nicht weil es ungemein schlecht ist, sondern eher, weil es nicht mal ein Buch nur zum wegträumen ist. Ich habe das Buch erst vor wenigen Stunden beendet und schon habe ich die Hälfte vergessen; definitiv nichts, was hängen bleibt; einen berührt oder zum Nachdenken anregt. Allen die sich unsicher sind würde ich empfehlen, die Leseprobe zu lesen und vielleicht in ein paar andere Rezensionen reinzulesen, denn offenbar gehen die Leseeindrücke in ihren Meinungen hier ziemlich auseinander.
       

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stefanie hasse, schicksal, schicksalsbringer, fantasy, jugendbuch

Schicksalsbringer - Ich bin deine Bestimmung

Stefanie Hasse
Fester Einband
Erschienen bei Loewe, 24.07.2017
ISBN 9783785585696
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Aufmerksam, sowohl auf das Buch, als auf die Autorin, wurde ich erst, als ich eine merkwürdige goldene Münze in der Post vor fand, die mir zu Werbezwecken ebenfalls vom Loewe Verlag zugesandt wurde; bei lag eine Postkarte die neugierig machte auf mehr. Wenig später befand sich dann auch schon das zugehörige Buch in meinem Briefkasten. Wie viele andere Blogger hatte auch ich die Ehre, das Buch vorab lesen zu dürfen, nur mit dem Unterschied, dass ich es tatsächlich erst jetzt geschafft habe es zu lesen, was weniger damit zusammen hängt, dass ich viel im Stress war, sondern mehr mit der Tatsache, dass das Buch und ich eine schwierige Zeit hatten und einfach keine Freunde wurden. Wieso ich mich all den Lobeshymnen und positiven Kritiken nicht vollends anschließen kann, könnt ihr nun in meiner nachfolgenden Rezension lesen.

Während mich der Schreibstil von Anfang an beeindruckte und mir auch die Idee von Zufall und Schicksal in Form von handelnden Personen unfassbar gut gefiel, bediente sich die Autorin an fast allen gängigen Jugendbuchklischees, was mir das Lesen nicht nur erschwerte, sondern mir auch den Spaß an der Geschichte nahm und dafür sorgte, dass das Buch eine ganze Weile lang unbeachtet einfach nur auf dem Wohnzimmertisch herum lag. Immer dann wenn ich Bücher lese wie Schicksalsbringer, kommt es mir vor, als müsse man bestimmte Regeln, Gesetze und tatsächlich Klischees befolgen und einhalten, wenn man als (Jugendbuch)-Autor/in erfolgreich und bekannt werden möchte. Ist das wirklich so? Wieso wird hier nichts Neues versucht, frage ich mich? Ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass man als Autor/in nur dann einen passenden Verlag findet, wenn man eben solche „Regeln“ befolgt? Dann allerdings fallen mir Autoren wie Becky Albertalli, Angie Thomas, Adam Silvera etc. pp. ein, womit sich meine Frage wie von selbst beantwortet. Es geht definitiv auch anders. Ich sage nicht, dass Klischees alle automatisch schlecht sind, mich persönlich nerven sie allerdings. Wenn ich das Gefühl habe, eine Geschichte schon tausend Mal gelesen zu haben, nur ein bisschen anders verpackt, verliere ich ganz einfach die Lust an dem Buch. Es ist vorhersehbar, oberflächlich und langweilig. Ich möchte was Neues, etwas Aufregendes, etwas, das mich umhaut und gleichzeitig unterhält – was bei Schicksalsbringer leider nicht der Fall war.

BITTE MEHR ORIGINALITÄT UND WENIGER KLISCHEES – DIE GIBT ES BEREITS ZU GENÜGE

Ein „Klischee“ was mich jedoch am meisten stört; ein solches, das ich weder nachvollziehen kann, noch will, ist die Tatsache, dass es offenbar noch immer „in“ ist, dass der Typ, der anfangs ein geheimnisvolles – auf gut Deutsch gesagt – Arschloch ist, das Mädchen wie Dreck behandelt, sich im Laufe der Geschichte dann allerdings in ein treues Schoßhündchen verwandelt. Ich persönlich finde es weder heiß, noch attraktiv, wenn ein Kerl, trotz sehr stark ausgeprägten Bauchmuskeln, das Mädchen, für das er sich angeblich interessiert, behandelt, als wäre es nichts Wert. Was ist daran sexy? Es zeugt lediglich davon, dass der Kerl keinen Charakter hat; dass er das weibliche Geschlecht weder wertschätzt, noch respektiert. Nur weil ein Typ angeblich aussieht wie ein Gott, Bauchmuskeln hat, von denen Brad Pitt sogar nur träumen kann, bedeutet das nicht, dass jedes Mädchen ihm plötzlich sabbernd hinterher läuft und einfach alles mit sich machen lässt. Dies ist mit unter ein Grund, weshalb ich Kiera nicht mochte. Man muss ihr zugestehen, dass sie Phoenix das ein oder andere Mal auch schon mal widersprach; dass sie sich wehrte und es gibt auch definitiv schlimmere Protagonisten als Phoenix, trotz allem ging mir dieses Hin und Her „Eigentlich ist er ja das totale Arschloch, aber seine Bauchmuskeln … hach, er sieht so toll aus in dem viel zu engen T-Shirt … und vielleicht ist er ja gar nicht so gemein wie er tut … aber vorhin, das was er gesagt hat, das war echt nicht nett …“ sowas von auf die Nerven, dass ich Kiera die meiste Zeit weder Ernst nehmen, noch mich mit ihr identifizieren konnte.

Liebe Autorinnen, wieso stellt ihr euer eigenes Geschlecht ständig hin, als wären wir nichts weiter als weinerliche kleine Püppchen, die nichts können, außer schön aussehen und von einem starken muskelbepackten Mann gerettet zu werden? Erschafft Idole; erschafft großartige, starke, selbstbewusste Frauen, die sich junge Mädchen, wenn sie eure Bücher lesen, zum Vorbild nehmen können.

Kiera ist ein Charakter wie es ihn in 90 % aller Jugendbücher gibt. Sie ist weder speziell, noch sonderlich interessant und ähnlich ausgearbeitet wie zig andere Mädchen, die wir aus so vielen anderen Jugendromanen bereits kennen.

Dann wäre da auch noch Cody. Cody ist Kieras bester Freund, den sie schon von klein auf kennt und der wie ein Bruder für sie ist. Natürlich gehen Codys Gefühle etwas weiter, was bereits die ganze Schule weiß, nur Kiera hat es noch nicht bemerkt – natürlich hat sie das nicht. Neben Phoenix, der nicht nur blendend gut aussieht, sondern auch Muskeln aus Stahl hat, ist Hayden als Charakter ebenso klischeebehaftet wie alle anderen Figuren in dieser Geschichte. Sie sind nicht nur unverschämt und unverschämt gutaussehend, sondern auch leider absolut austauschbar, was letztendlich dazu geführt hat, dass ich die beiden weder wirklich mochte, noch in Bezug auf ihre Geschichte, Gefühle, Entwicklung, etc. pp. mitfiebern konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Aufgrund des großen Potentials, das diese Geschichte aufweist, hätte ich mir viel originellere Charaktere mit interessanteren Charakterzügen gewünscht.

Trotz der Unmengen an Klischees an denen sich die Autorin bedient, würde ich das Buch nicht als schlecht bezeichnen. Und hier kommt jetzt das, was mich während des Lesens die ganze Zeit in den Wahnsinn getrieben hat. Ich mochte die Story; mir gefiel die Idee dahinter. Ich fand die Erklärungen und Gedankengänge, die Geschehnisse und all das einfach großartig. Das Schicksal und der Zufall als handelnde Personen? Rivalen, die um die Gesetze der Erde gegeneinander kämpfen, um das Leben der Menschheit entweder in die eine oder andere Richtung zu lenken? Absolut großartig. Der Plot war meiner Meinung nach sehr gut ausgearbeitet, wenngleich teilweise nicht gut umgesetzt. Vorhersehbar war die Geschichte dennoch. Bereits ab Mitte des Buches wusste ich, wie es ausgehen würde, was allerdings nicht weiter schlimm war. Ich habe dennoch auf das Ende hin gefiebert, da ich unbedingt herausfinden wollte, ob ich mit meiner Vermutung richtig lag. Während sich die erste Hälfte des Buches wirklich ein bisschen zog und ich immer mal wieder kurz davor war, das Buch abzubrechen (dabei mag ich es gar nicht, Rezensionsexemplare abzubrechen, selbst wenn sie mir – wie dieses – unangefragt zugesandt wurden), konnte mich die Geschichte zum Ende teilweise wirklich fesseln.

Es ist lange her, seit ich das letzte Mal so hin und her gerissen und mir unsicher war hinsichtlich der Bewertung eines Buches. Allerdings ist für mich nicht nur die Idee wichtig, sondern auch die Charaktere tragen einen sehr großen Teil dazu bei, ob ich eine Geschichte mag oder nicht. Mir waren sie zu wenig ausgearbeitet, zu oberflächlich; einfach zu uninteressant. Obwohl ich das Buch erst vor zwei Tagen beendet habe, musste ich die Namen der beiden Jungs nachschlagen, weil ich sie schlicht bereits vergessen hatte und das obwohl Phoenix nicht gerade ein gängiger Name ist. Auch wenn ich mir zum jetzigen Zeitpunkt noch unsicher bin, ob ich den zweiten Teil lesen möchte hoffe ich sehr auf ein bisschen „Charakter Development“ in der Fortsetzung. Interessieren würde es mich allerdings schon, wie es weiter geht mit dem Schicksal und dem Zufall …

VERSCHENKTES POTENTIAL

Beeindruckt hat mich der Schreibstil. Das Buch ließ sich unglaublich flüssig und leicht lesen; man flog praktisch durch die Seiten und konnte sich dank des angenehmen Stils schnell in der Geschichte einfinden. Die Be- und Umschreibungen passten, die Dialoge waren toll und angemessen; alles ergab irgendwie Sinn, auch was den Plot und die Story angeht. Auch mochte ich – wie oben bereits erwähnt – die Idee unglaublich. Was mich richtig störte jedoch und mich auch einige Male auf die Palme brachte, wodurch ich die Geschichte nicht so genießen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte, waren die Klischees sowie die Ausarbeitung der Charaktere. Nachdem ich mir alles jedoch noch mal durch den Kopf habe gehen lassen, überwog für mich dennoch das Negative. Es war einfach nicht stimmig, zu viele Sachen beeinflussten mein Leseerlebnis negativ und das trotz des wahnsinnigen Potentials, das teilweise bedauerlicherweise einfach nur verschenkt wurde. Man hätte so viel aus dieser Idee rausholen können, so viel … schade um die Geschichte.

Obwohl mich das Buch nicht vollends überzeugen konnte, würde ich das Buch dennoch denjenigen empfehlen, die sich weder an Klischees stören, noch an Charakteren, von denen man schon zu Genüge in anderen Jugendbüchern gelesen hat und die einmal Lust haben auf eine andere Art von Geschichte, denn die Idee war tatsächlich originell, nur der Rest irgendwie nicht.

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Tags: enttäuschung, fehlgriff, loewe verla, schicksalsbringer, stefanie hasse   (5)
 
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