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16 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

endzeitthriller, roman. belletristik

Fever: Roman

Deon Meyer
E-Buch Text: 702 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 09.10.2017
ISBN 9783841213815
Genre: Sonstiges

Rezension:

Am 05. Oktober erreichte mich ein Überraschungspäckchen vom Aufbau Verlag. Darin enthalten war eine Mappe, die eine Video-Präsentation des neuesten Romans „Fever“ von Deon Meyer enthielt, ebenso eine Leseprobe sowie ein Anschreiben mit Hinweis auf ein Gewinnspiel.

Die Leseprobe und auch die Video-Präsentation haben mich neugierig werden lassen, weswegen ich der Einladung des Aufbau-Verlags gefolgt bin und habe mir das Buch als eBook über die Rezensionsplattform „NetGalley“ heruntergeladen. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an den Aufbau-Verlag, aber auch an den Autor Deon Meyer, dass mir dieses Buch zur Verfügung gestellt wurde.

Es gibt Bücher, bei denen es mir sehr schwer fällt eine Rezension zu schreiben und es dann auch noch in eine Sterne-Kategorie einzuordnen. Dieses hier gehört definitiv dazu.

Nach einer Fieber-Pandemie, die nur 5 % der Weltbevölkerung überlebt haben, fahren der 13jährige Nico und sein Vater Willem Storm in einem alten Volvo durch Südafrika – sie sind auf der Suche nach weiteren Überlebenden, aber sie suchen in den leerstehenden Häusern auch nach Ressourcen wie Nahrungsmittel, Benzin, Saatgut und anderen Dingen, mit denen sie ihr eigenes Überleben sichern können.

Willem hat eine Vision; er ist auf der Suche nach einem Ort, an dem er eine neue Gemeinschaft gründen kann. Mit Hilfe von Flugblättern, die er in den Dörfern hinterlässt, hofft er andere Überlebende zu motivieren sich ihnen anzuschließen.

Unterwegs müssen sie sich unter anderem gegen ausgehungerte Wildhunde und schwer bewaffnete Gangs zur Wehr setzen. In einem verfallenen Land ohne Gesetze gilt einzig und alleine das Recht des Stärkeren.

Der Ort Vanderkloof, der geschützt zwischen Felsen und einem Staudamm liegt, eignet sich perfekt, um dort eine neue Siedlung entstehen zu lassen - sie geben ihr den Namen „Amanzi“.

Tatsächlich erreichen nach und nach immer mehr Menschen Amanzi. Aber wo viele Menschen aufeinander treffen, da gibt es auch irgendwann Konflikte.

Eigentlich sollte man denken, dass Überlebende einer solchen Katastrophe ihren Focus wieder auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens richten, aber wenn man liest, dass auch hier Krieg, Zerstörung und Verrat an der Tagesordnung sind und Amanzi durch eine Armee verteidigt und geschützt werden muss, so fragt man sich, was noch alles passieren muss, damit die Menschen daraus etwas lernen und sich wieder mehr in Bescheidenheit üben. Trotz aller Widrigkeiten glaubt Willem jedoch immer noch daran, dass alles gut werden wird – und dann bringt ihm eine Kugel den Tod.

Hier sind sie also.
Meine Memoiren, die Geschichte eines Mordes.
Ich trete nach vorn, damit alle davon erfahren.

Als Nico 47 Jahre alt ist – so alt wie sein Vater war, als er ermordet wurde – schreibt er die Geschehnisse auf. Sein Vater Willem war immer ein Visionär, er hat nie die Hoffnung verloren oder den Glauben an das Gute aufgegeben im Gegensatz zu Nico, der sich zum Soldaten ausbilden ließ um sich und das was er liebt verteidigen zu können. Sie waren Vater und Sohn und doch so unterschiedlich.

Erzählt wird die Story in der Ich-Form aus der Sicht von Nico. Zwischendurch werden immer wieder Interviews eingestreut, die mit den Bewohnern von Amazi geführt wurden. So kann der Leser die Gemeinschaft aus verschiedenen Augen betrachten. Woher kamen die Menschen und was erwarteten sie sich von Amazi.

Für mich ist es das 1. Buch, welches ich von Deon Meyer gelesen habe. „Fever“ umfasst satte 700 Seiten. An manchen Stellen beschlich mich das Gefühl, dass man die Szene auch hätte etwas weniger in die Länge ziehen können. Auch die eingestreuten Interviews waren anfangs eine nette Abwechslung, irgendwann störten sie mich aber deutlich in meinem Lesefluss. Für mich war es ein Quentchen zu viel des Guten.

Die Story ist gut, weil es tatsächlich passieren könnte, dass eine Pandemie einen Großteil der Menschheit dahinrafft – ich möchte mir heute nicht ausmalen, wie sich die überlebenden Menschen in diesem Falle verhalten würden – und der Schauplatz Südafrika ist gut gewählt. Ich habe bisher noch nicht sehr viele Dystopien gelesen aber sie spielten allesamt an einem fiktiven Ort oder in einer fiktiven Welt.

Der Autor selbst lebt in der Nähe von Kapstadt und in der Danksagung am Ende des Buches erfährt der Leser, dass die Recherche und die Schreibarbeit an diesem Buch 4 Jahre in Anspruch genommen haben.

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steinzeit, schottland, histofantasy, orkney

Winterfeuer

Aileen P. Roberts , Stephan Lössl
Buch: 502 Seiten
Erschienen bei Papierverzierer Verlag, 02.11.2017
ISBN 9783959623452
Genre: Fantasy

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spannung, das schneekind, thrille, verrat, zukunft

M.I.A. - Das Schneekind

Edgar Rai , Kathrin Andres
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 18.08.2017
ISBN 9783352008948
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sandra hat gerade die Beziehung zu ihrem Lebensgefährten und Chef beendet, als sie in einem Schneegestöber in den Schweizer Bergen in einen Unfall verwickelt wird. Während ihr Wagen glücklicherweise von einem Baum gestoppt wird, durchbricht das Auto des Unfallgegners die Leitplanke und stürzt einen Abhang hinunter. Bevor der Fahrer des Wagens seinen schweren Kopfverletzungen erliegt, kann Sandra noch die Worte „Bringen Sie sie weg von hier“ verstehen. Auf dem Rücksitz des Autos sitzt ein kleines Mädchen – Mia.

Die Beiden verbringen die Nacht in einer nahegelegenen Bergütte. Mia scheint krank zu sein, denn sie muss Medikamente nehmen und nachdem die Adoptivmutter Mia am nächsten Tag wieder in ihre Obhut genommen hat, verschwindet das Kind hinter den Türen eines Forschungsinstituts. Sandras Versuche Mia zu besuchen, werden von der Adoptivmutter geblockt.

Mia bittet ihren netten neuen Nachbarn um Hilfe. Sie möchte herausfinden, was genau sich in diesem Forschungsinstituts abspielt. Dann überschlagen sich die Ereignisse … ein Haus brennt ab, es gibt einen Toten und Sandra wird verfolgt.

In welches Wespennest hat Sandra gestochen?

Bei „M.I.A. Das Schneekind“ handelt es sich um einen Thriller mit medizinisch-wissenschaftlichem Hintergrund, wobei die Autoren nicht sehr tief in die Thematik einsteigen und man deswegen auch ohne tiefer gehendes Hintergrundwissen der Geschichte folgen kann.

Mit einem Umfang von 304 Seiten und einem angenehmen Schreibstil liest sich das Buch schnell weg. Die Charaktere sind gut beschrieben, so dass man sich von jeder handelnden Person ein Bild machen kann. Herausragend als Protagonisten sind Heide - die Mutter von Sandra - und Atmos, der nette Nachbar. Diese beiden Personen sind in meinen Augen die Sympathieträger des Buches. Aber auch wenn ich Heide wirklich als herzerfrischend empfinde, kann ich ihre und die Handlungen von Sandra nicht nachvollziehen. Sie handeln extrem unüberlegt und bringen sich selbst damit in große Gefahr.

Als Leser weiß man eigentlich, dass es in diesem Buch um Mia geht – wie, warum und was genau mit ihr passiert, möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht preisgeben. Schade nur, dass Mia selbst nur im ersten und im letzten Viertel des Buches auf der Bildfläche erscheint. Hier hätte ich mir mehr Präsenz gewünscht und auch mehr Hintergrund-Informationen. Man erfährt leider nicht viel über Mia und warum das alles so passiert. Hier hätten dem Buch ein paar Seiten mehr nicht geschadet, denn das hätte der Geschichte ein wenig mehr Tiefgang verschafft. So bleibt Mia eher blass und wenig greifbar und das ist für die Person in der Hauptrolle sehr schade.

Trotz der fehlenden Präsenz von Mia schaffen die Autoren es, dem Buch die notwendige Spannung zu verleihen, die den Leser bis zum Schluss bei der Stange hält. Schließlich möchte man wissen, was genau in diesem Forschungsinstituts passiert und welche Rolle Mia und ihre Adoptivmutter spielen. Es gibt dann auch einen fulminanten Schluss in dem sich bewahrheitet, was man als Leser schon über viele Seiten geahnt hat – trotzdem bleiben am Ende noch viele Fragen offen.

Ich hatte ein paar schöne Lesestunden - trotzdem hat mir persönlich leider ein ganz elementares Teil an diesem Thriller gefehlt: Der Thrill. 

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helikoptereltern, anekdotensammlung, ullstein verlag, spiegel online, gesellschaftskritik

Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag!

Lena Greiner , Carola Padtberg-Kruse
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.10.2017
ISBN 9783548377490
Genre: Humor

Rezension:

Helikopter-Eltern
Unter Helikopter-Eltern, auch Hubschrauber-Eltern oder als Fremdwort Helicopter Parents (engl. helicopter parents oder paranoid parents), versteht man populärsprachlich überfürsorgliche Eltern, die sich (wie ein Beobachtungs-Hubschrauber) ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, um diese zu überwachen und zu behüten. Ihr Erziehungsstil ist geprägt von (zum Teil zwanghafter oder paranoider) Überbehütung und exzessiver Einmischung in die Angelegenheiten des Kindes oder des Heranwachsenden.

Quelle: Wikipedia


Bei dem Buch handelt es sich um eine Sammlung von Episoden, die direkt und schonungslos dem Alltag von Hebammen, ErzieherInnen, LehrerInnen, ProfessorInnen und StudienberaterInnen, aber auch anderen Eltern und Kindern entstammen.

Die Autorinnen Lena Greiner und Carola Padtberg von der Redaktion SPIEGEL ONLINE haben aus den Bereichen

Baby
KiTa
Schulweg/Schule
Klassenfahrt
Arzt/Krankenhaus/Therapeuten
Uni und Ausbildung

Anekdoten gesammelt, die sie in diesem Buch veröffentlichen.

Anhand des Klappentextes, der von einer „amüsanten Realsatire“ spricht, hatte ich mir einen Lesestoff erhofft, der mich grinsen, lächeln, und hoffentlich auch mal laut lachen lässt. Wenn ich nicht wüsste, dass die beschriebenen Ereignisse der Wahrheit entsprechen, hätte ich mich auch tatsächlich köstlich amüsieren können – aber in Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei den Anekdoten um tatsächliche Begebenheiten handelt, blieb mir das Grinsen im Gesicht stecken.

Ich kannte den Begriff „Helikopter-Eltern“ aber ich habe mir in meinen schlimmsten Träumen nicht ausmalen können, dass es Eltern gibt, die SO um ihre Kinder herumschwirren. In meinen Vorstellungen handelte es sich einfach um Eltern, die ihren Kindern ein wenig mehr Fürsorge angedeihen lassen als das normale Eltern tun. Was ich hier jedoch zu lesen bekam, war wirklich schwere Kost.

Beispiele gefällig?

Unser Sohn ist nämlich aus Zucker
„Meine Nachbarn sind absolute Helikopter-Eltern. Im Sommer ist der Zweijährige auf der Wiese hingefallen. Er hat nicht geweint, trotzdem berieten sich die Eltern, ob sie den Krankenwagen rufen sollen oder ob ein Besuch beim Hausarzt ausreicht. Den Rasen in ihrem Garten mähen sie übrigens nur, wenn der Sohn bei den Großeltern ist. Das laute Geräusch schadet aus ihrer Sicht nämlich dem Kind, sogar wenn es in der Wohnung ist“

Wir haben Euch zum fressen gern!
„Unsere Nachbarn in Florida hatten ihren acht und zehn Jahre alten Töchtern das Verlassen des Hauses ohne elterliche Aufsicht komplett verboten, weil sie draußen von Alligatoren gefressen werden könnten. Sie mussten in der Garage spielen. Nur freitags zwischen 16 und 18 Uhr durften sie mit ihren Fahrrädern unter elterlicher Aufsicht im Wendehammer vor dem Haus im Kreis fahren, nachdem die Eltern die Einfahrt in die Sackgasse mit Schildern abgesperrt hatten“.


Gruselig, oder?

Ich kann absolut verstehen, dass man Angst um seine Kinder hat, wer kann das nicht? Aber dass man aus seinen Kindern absolut hilflose und lebensuntüchtige Individuen macht, das leuchtet mir nicht ein. Wie sollen diese Kinder später ihren Alltag bewältigen, wie ihren Job machen, einen Partner kennenlernen und eine Familie gründen?

Kann man als Elternteil wollen, dass das eigene Kind ein von den Eltern abhängiges und unselbständiges Leben führt? Im Normalfall doch wohl eher nicht, oder?

Und die Gegenfrage lautet dann auch: Wollen Kinder ein solches Leben führen, in dem sie vor lauter Überfürsorge erdrückt werden und keine Chance auf Entfaltung der eigenen Persönlichkeit haben? Im Normalfall doch wohl eher nicht, oder?

Es wundert mich nicht, dass die Anzahl der Single-Haushalte in Deutschland permanent steigt – das sind wahrscheinlich die Jugendlichen, die die Flucht vor ihren Eltern antreten * lach *

Und wo bleibt eigentlich bei der ganzen Sache das (Privat-)Leben der Eltern?

Ein gesundes Mittelmaß aus Behüten und „mal machen lassen“ - das ist das Zauberwort.

Schenkt man das Buch nun werdenden Eltern, um ihnen zu zeigen, wie sie nicht werden sollen oder schenkt man das Buch bekannten Helikopter-Eltern, damit sie mal in den Spiegel schauen können? Vielleicht merken sie ja selbst noch nicht einmal, wie sie ihren Kindern damit schaden. 

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

psychothrille, psychothriller, rhena weiss, gottesurtei, frauenhaus

Gottes rechte Hand

Rhena Weiss
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.08.2017
ISBN 9783442485789
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In einer Kleingartenanlage wird eine männliche Leiche gefunden. Gesicht und Körper des Toten sind über und über mit Schwellungen bedeckt, ausgelöst durch unzählige Wespenstiche. Auf den ersten Blick sieht alles danach aus, als ob der Mann tragischerweise an einem Anaphylaktischen Schock gestorben ist.

Der 2. Tote ist eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche, die in einer Autowerkstatt gefunden wurde. Vermeintlich handelt es sich nach Ansicht des Forensikers um einen Obdachlosen, der sich an einem Feuerkorb gewärmt haben könnte und dabei Feuer gefangen hat.

Da beide Leichname aufgrund ihrer äußeren Beschaffenheit nicht mehr zu identifizieren sind, werden sie in die Gerichtsmedizin des Wiener LKA überstellt.

Michaela Baltzer und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf.

„Gottes rechte Hand“ ist der 2. Psychothriller der Autorin Rhena Weiss, in dem die LKA-Ermittlerin Michaela Baltzer die Hauptrolle spielt.

Man kann beide Bücher getrennt voneinander lesen, die Handlungen sind in sich abgeschlossen. Die Autorin blickt ab und an auf Geschehnisse zurück, die im 1. Buch passiert sind. Für den Fortgang und das Verständnis dieser Geschichte ist es jedoch nicht wichtig zu wissen, was genau damals passiert ist.

Michaela Baltzer wird als sympathische Ermittlerin dargestellt, die seit Jahren ihr Dasein als Single fristet. Momentan lebt ihre Nichte Valerie bei ihr, deren Eltern sich beruflich im Ausland befinden. Aufgrund eines Vorfalles, der im 1. Buch passiert ist, besteht ein starkes Band zwischen „Tante Mika“ und Valerie und so bekommt Valerie Einblicke in den aktuellen Fall, aber auch in das Privatleben ihrer Tante und in beiden Angelegenheiten bekommt Michaela Unterstützung durch ihre Nichte.

Valerie entspricht so gar nicht der typischen Jugendlichen, denn sie hat eine sehr genaue Vorstellung darüber, was sie will und was sie nicht will – nur beim Berufswunsch ist sie noch unschlüssig, aber in diesem Punkt bekommt sie Klarheit, als sie ein Praktikum in einem Frauenhaus macht.

Der neue Nachbar und Kollege Bernd Dalisch könnte zukünftig in Michaelas Leben eine größere Rolle spielen, denn die Beiden verbringen sehr viel Zeit miteinander. Nachdem die Identität der beiden Toten fest steht, rutscht Bernd jedoch in den Focus der Ermittlungen, da er – in seiner Eigenschaft als Kriminalpsychologe - beide Opfer gekannt hat. Michaela weiß nicht mehr, wem sie noch vertrauen kann.

„Gottes rechte Hand“ - der Täter. Der Leser weiß, lange vor Michaela, dass die beiden Opfer von der gleichen Person getötet wurden. Es handelt sich beim Täter um einen Serientäter aber mitnichten schlachtet er seine Opfer einfach so ab. Hier steckt System und ein ausgeklügelter Plan dahinter, denn die Auserwählten müssen sich einem Gottesurteil stellen.

Es gab schon von Anfang an Hinweise darauf, wer der Täter sein könnte, und ich hatte auch zuerst die richtige Person im Visier. Dann schaffte es die Autorin jedoch, mich mit einem kleinen Requisit zu verwirren und ich schloss in meine Liste der möglichen Täter noch eine 2. Person mit ein. Bis zur Auflösung der Identität des Täters war ich mir nicht zu 100 % sicher, dass es diese eine bestimmte Person auch wirklich ist. Als Amateurdetektivin würde ich wahrscheinlich verhungern, denn ich bin nicht sonderlich gut im Täter-raten.

Dem Leser wird die Geschichte aus der Sicht eines auktorialen Erzählers nahegebracht. Er wechselt zwischen den Perspektiven von „Gottes rechter Hand“, Valerie sowie Michaela und ihren Teamkollegen. Die Gedankengänge von „Gottes rechter Hand“ sind wohl der interessanteste Part in der Geschichte, aber auch erschreckend und schockierend, denn hinter diesem Rachefeldzug steckt eine ganze Menge religiöser Fanatismus.

Alle Charaktere und Handlungen sind realistisch dargestellt und sogar den Fahrstil von Michaelas Kollegin Doris kann man sich bildlich vorstellen. Spannung ist von der ersten bis zur letzten Seite vorhanden und ich freue mich schon auf den 3. Teil, in dem Michaela Baltzer und ihr Team wieder ermitteln.

Die Autorin greift in ihrem Buch das Thema „häusliche Gewalt“ auf und präsentiert im Nachwort dazu auch ein paar Zahlen. Erschreckend, dass zwischen dem 16. und 44. Lebensjahr in der EU-Statistik aus dem Jahr 2014 Tod und Gesundheitsschädigung durch häusliche Gewalt bei Frauen als Todesursache Nr. 1 angegeben ist – noch vor dem Tod durch Krebs. 43 % aller Frauen sind von psychische Gewalt durch ihren Partner oder Expartner betroffen.

Diese Zahlen sind erschreckend – weil real und keine fiktive Vorlage für einen Thriller, der uns für ein paar Stunden unterhalten soll. 

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73 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

berlin, thriller, uwe wilhelm, brutal, thrille

Die sieben Farben des Blutes

Uwe Wilhelm
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 17.07.2017
ISBN 9783734103445
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vor 1 Jahr erschütterte eine Mordserie Berlin. 3 Frauen werden auf bestialische Art und Weise getötet und nach jedem Mord taucht ein Video im Netz auf, das die schreckliche Tat dokumentiert. Der Mörder selbst gibt dazu jeweils ein Statement ab. Nach diesen 3 Morden endete die Serie, der Täter wurde nie gefasst. Staatsanwältin Helena Faber glaubt jedoch nicht daran, dass die Sache wirklich zu Ende ist. Und sie scheint Recht zu haben, denn die Leiche der Wirtschaftssenatorin Ursula Reuben weist die gleichen Merkmale auf, wie die Leichen der Opfer vor knapp einem Jahr. Als kurz nach dem Tod von Ursula Reuben ein Video mit einer Verkündung des Täters auf Facebook auftaucht ist klar – Dionysos ist wieder da und er wird weiter morden. 7 Frauen insgesamt möchte er einer „Heilung“ unterziehen. Seine Inspiration zu den Morden entnimmt er dem Buch des Anthropologieprofessors Rashid Gibran „Das Buch Dyonisos“ Im Laufe der Ermittlungen rückt auch Staatsanwältin Helena Faber ins Visier des Täters.

„Die 7 Farben des Blutes“ ist der 1. Thriller aus der Feder des Autors Uwe Wilhelm. Es handelt sich um den Auftakt einer Trilogie um die Staatsanwältin Helena Faber, in der der Autor weder seine Leser noch seine Protagonisten schont. Dass Uwe Wilhelm auf dem Sektor des Schreibens bewandert ist, erklärt sich aus seiner langjährigen Tätigkeit als Autor von Dreh- und Sachbüchern sowie von Romanen und Theaterstücken. Ebenso war er 4 Jahre lang als Produzent tätig. Daraus resultieren vermutlich die detailreichen und wirklich bildhaften Beschreibungen der einzelnen Taten, die empfindsame Leser sicherlich abschrecken und/oder verstören können. Für zarte Gemüter ist dieses Buch wahrlich nichts.

Der Leser taucht ein in eine Geschichte in der die Staatsanwältin Helena Faber ihren nicht an Arbeitszeiten gebundenen Beruf und ihr Privatleben mit 2 Mädchen im Jugendalter unter einen Hut bringen muss. Herausragend an Helena ist ihr überdurchschnittlich gutes Gedächtnis und eine schnelle Auffassungsgabe. Im Zuge der Ermittlungen um den Fall Dionysos wird sie selbst Ziel des Psychopathen und aufgrund dieses Zusammentreffens erleidet sie eine Dissoziative Amnesie, die die Ermittlungen im Fall stark beeinträchtigen. Nicht nur ihre beiden Kinder sondern auch ihr Ex-Mann Robert Faber, der Leiter der SOKO Dionysos ist, machen sich große Sorgen um Helena.

Die Idee des Autors, die Ermittlerin aufgrund eines Traumas teilweise auszuschalten und somit das Aufdecken der Identität des Mörders herauszuzögern, hat mir sehr gut gefallen. Leider nimmt die Amnesie von Helena zum Schluss des Buches einen sehr großen Raum ein, was mir dann wiederum ein klein wenig zu viel des Guten war. Die ein oder andere Handlung von Helena, in ihren Phasen der Verwirrtheit, war für mich nicht immer zu 100 % nachvollziehbar. Ich kenne jedoch niemanden mit DA, weswegen ich nicht ausschließen kann, dass man – wäre man selbst von dieser Art Amnesie betroffen – genau so handeln würde. In diesem Punkt wäre weniger für den Lesegenuss aber tatsächlich mehr gewesen.

Seine Inspirationen zu den Morden bekommt der Täter aus dem Buch „Das Buch Dionysos“, das für ihn so eine Art Bibel darstellt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht 7 Frauen zu „heilen“ - will heißen, er will die Frauen wieder auf den ihnen vorbestimmten Platz in der Gesellschaft degradieren. Seine Ansichten gehen dahin, dass die Frau ihre Funktion im Haus und bei den Kindern hat und nicht, wie heutzutage üblich, im Berufsleben und in starken Positionen. Dionysos lässt seine Opfer auf perfide Art und Weise ausbluten und kurz bevor der Tod einsetzt, verstümmelt er sie.

Rashid Gibran, der Autor des Buches „Das Buch Dionysos“, ist übrigens der unsympathischste Charakter schlechthin in diesem Buch. Von der 1. Zeile in der ich ihm begegnet bin, fand ich ihn einfach nur ekelerregend. Seine Ansichten sind frauenverachtend und widerlich und er liebt es, die Studenten in seinen Vorlesungen niederzumachen, zu blamieren und ihren Kommilitonen vorzuführen.

Die Identität des Mörders wird recht früh schon aufgedeckt, wobei ich persönlich zuerst einmal auf der vollkommen falschen Fährte war, im Gegensatz zu meinen Leserunden-MitleserInnen.

In einigen Rezensionen, die ich auf diversen Buchportalen gelesen habe, herrscht teilweise Unmut darüber, dass die Identität des Mörders schon in der 1. Hälfte des Buches gelüftet wird. Ist aber nicht das genau der Unterschied zwischen einem Krimi, bei dem man bis zum Schluss nicht wirklich weiß, wer der Mörder ist und einem (Psycho-)Thriller, bei dem man dem psychopathisch veranlagten Täter quasi bei seinen Greueltaten über die Schulter schauen kann?

Von den handelnden Charakteren waren mir Robert und die beiden Mädchen am sympathischsten, weil sie von der Beschreibung und ihren Handlungen her am besten greifbar für mich waren. Mit ihnen konnte ich mich identifizieren und ihre Regungen spüren. Die anderen Rollen waren eher nicht mit für mich einprägsamen Charakteren besetzt, was vielleicht daran lag, dass man sehr wenig über die Personen selbst erfahren hat. Auch beim Täter wurde nicht ganz klar, aus welchen Beweggründen heraus er agiert hat. Die Frage danach wurde ihm wohl gestellt, er hat jedoch die Antwort darauf verweigert.

Das Buch endet mit einem ziemlich bösen Cliffhanger, der Nachfolgeband erscheint nach Aussage von Uwe Wilhelm 2018.

Trotz einiger kleiner Schwächen konnte mich das Buch bis zum Ende fesseln und ich werde auch sicherlich im nächsten Jahr den 2. Teil lesen.

Auf der Homepage des Autors Uwe Wilhelm gibt es übrigens Video-Tagebücher von Helena Faber. Reinschauen lohnt sich! 

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32 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

türkei, dorf, familie, tradition, gül

Die Tochter des Schmieds

Selim Özdogan
Flexibler Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 28.02.2011
ISBN 9783746627342
Genre: Romane

Rezension:

Timur ist 11 als sein Vater stirbt. Mit 16 Jahren übernimmt er die Schmiede des Vaters, die bis dahin von seiner Mutter vermietet wurde. Mit 25 führt Timur ein behagliches Leben, sein Beruf als Schmied macht ihm Spaß, er sitzt gerne in den Teehäusern und raucht eine Wasserpfeife und wenn er Abwechslung braucht fährt er einfach in die nächste größere Stadt. Er selbst hat nicht das Bedürfnis zu heiraten, es fehlt ihm an nichts. Seine Mutter ist jedoch anderer Meinung und so arrangiert sie die Hochzeit zwischen Fatma und Timur.

Das Buch „Die Tochter des Schmieds“ erzählt die Geschichte der erstgeborenen Tochter Gül, die in den 1940er Jahren in einem kleinen Dorf in Anatolien aufwächst. Nachdem Fatma noch 2 weitere Mädchen zur Welt gebracht hat erkrankt sie an Typhus und stirbt. Nun steht Timur alleine mit 3 kleinen Kindern da, aber da er sich um keinen Preis von den Mädchen trennen möchte, braucht er eine Mutter für seine Kinder und so heiratet er recht schnell nach der Beerdigung von Fatma die 19jährige Arzu. Gemeinsam mit Arzu bekommt Timur noch Tochter Nalan und den lang ersehnten Sohn Emin. Arzu jedoch ist mit ihrer Rolle als Mutter von 5 Kindern überfordert und so überlässt sie gerne Gül die Rolle der Aufpasserin, während sie sich mit ihren Freundinnen trifft oder anderweitig beschäftigt ist. Um ihrer Rolle als „Mutter“ gerecht zu werden bricht Gül die Schule ab und macht eine Ausbildung als Schneiderin, während ihre Schwester Melike Fremdsprachen studiert und Sibel Dorflehrerin wird.

Mit 15 Jahren heiratet Gül den Bruder ihrer Stiefmutter und bekommt bald selbst 2 Kinder. In den 1960er Jahren geht ihr Mann Fuat nach Deutschland um dort Arbeit zu finden und ein besseres Leben zu beginnen. Anfangs wehrt Gül sich noch dagegen ihrem Mann zu folgen, aber nach 1 Jahr beschließt sie, ihre beiden Kinder vorübergehend bei ihrer Schwiegermutter zu lassen und ihrem Mann in das unbekannte Land zu folgen.

Der Autor Selim Özdogan zeichnet in seinem Buch das Bild einer anatolischen Familie, wie es zur damaligen Zeit Usus war, mit allen seinen Traditionen.

Gül ist eher die schüchterne und zurückhaltende Tochter, die niemals aufbegehrt oder sich auflehnt und alle Arbeiten, die ihr ihre Stiefmutter aufbürdet, ohne zu Murren verrichtet. Auch auf die Avancen eines Jungen, der ihr sehr gefällt, geht sie nicht ein. Mehrfach hatte sie die Möglichkeit, aber Gül lässt sie verstreichen. Ist es ihre Kultur, die es ihr verbietet oder ihr Pflichtbewusstsein? Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem, dass sie ihren Schwarm ziehen lässt um dafür später einen älteren Mann zu heiraten, der sich nicht sonderlich viel für seine Frau interessiert.

Im Gegensatz zu ihren Geschwistern macht Gül in diesem Buch keine große Entwicklung durch. In Anbetracht der Tatsache, dass es im September 2012 den Nachfolger „Heimstraße 52“ gab, ist das jedoch auch nicht weiter verwunderlich. Und am 18.07.2017, also vor wenigen Tagen, ist der 3. Teil „Wo noch Licht brennt“ erschienen – es geht also weiter mit der Geschichte von Gül.

Leider ist der überaus poetische und malerische Schreibstil, der von vielen LeserInnen/RezensentInnen so hoch gelobt wird, gerade das, was mir nicht so gut gefallen hat an diesem Buch. Der Autor schafft es leider nicht, mich mit dieser Art der Erzählung an seine Protagonisten zu fesseln – ich brauchte recht lange um das Buch zu lesen, obwohl die Geschichte über Güls Leben interessant ist. 

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365 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 93 Rezensionen

freundschaft, roman, gail honeyman, ich eleanor oliphant, liebe

Ich, Eleanor Oliphant

Gail Honeyman , Alexandra Kranefeld
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 24.04.2017
ISBN 9783431039788
Genre: Romane

Rezension:

Eleanor Oliphant hatte keine schöne Kindheit. Sie verbrachte die meiste Zeit in Heimen und Pflegefamilien, wo zwar ihre körperlichen Grundbedürfnisse wie Wärme, Essen und Schutz, nicht jedoch ihre emotionalen Bedürfnisse nach Liebe, Nähe und Zuneigung gedeckt wurden. Aufgrund dieser mangelhaften Prägung ist Eleanor sozial inkompetent, was bedeutet, dass sie nicht in der Lage ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihnen Empathie entgegenzubringen.

Mit 17 ist sie in eine kleine Sozialwohnung eingezogen in der sie, 13 Jahre später, immer noch wohnt. Den Wohnraum teilt sie sich mit ihrer Papageienschnabelblume namens „Polly“, die sie vor Jahren zum Geburtstag geschenkt bekam und die in der Regel ihr einziger Gesprächspartner ist.

Und wenn eine Frau, die ganz allein ist, gelegentlich mit einer Topfpflanze spricht, gilt das dann als Lebenszeichen oder als Zeichen der Unzurechnungsfähigkeit? Ich glaube, dass es ganz normal ist, hin und wieder mit sich selbst zu reden. Es ist ja nicht so, als würde ich eine Antwort erwarten. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass Polly eine Zimmerpflanze ist. (Position 913)

Um ihrem Leben Struktur zu geben, läuft jeder Tag wie der vorherige ab – von Montag bis Freitag arbeitet sie tagsüber als Debitorenbuchhalterin in einer kleinen Firma, abends hört sie interessante Sendungen im Radio und löst Kreuzworträtsel und von Freitag Abend bis Sonntag betrinkt sie sich mit Wodka und verschläft den Rest vom Wochenende.

In ihrem bisher eher ereignislosen Leben passiert dann aber doch etwas, was ihre Scheuklappensicht nach und nach verändert. Sie lernt ihren Arbeitskollegen Raymond kennen, vor ihren Augen bricht ein Mann auf der Straße zusammen und sie gewinnt eine Eintrittskarte zu einem Konzert. Drei auf den ersten Blick voneinander unabhängige Ereignisse, die jedoch den täglichen Trott von Eleanor durchbrechen und den Weg ebnen, doch noch ein einigermaßen normales Leben führen zu können, in dem sowohl eigene Emotionen als auch die Gefühle anderer Menschen eine Rolle spielen. Doch bis zu diesem Punkt ist es ein langer und harter Weg.

Die Geschichte wird von Eleanor in der Ich-Form erzählt. Generell mag ich es eher weniger, wenn der Protagonist von sich selbst erzählt – hier war es jedoch genau der richtige Stil. Gerade weil Eleanor über sich selbst spricht, erfährt der Leser jedes auch noch so kleine Detail ihrer Denkweise und was gerade in ihr vorgeht. Der Schreibstil der Autorin trägt ein Übriges dazu bei, dass man sich als Leser wirklich sehr genau vorstellen kann, was gerade in Eleanors Kopf vor sich geht

Ich fragte mich, ob ich mich unter Umständen auch für eine Feuerbestattung entscheiden würde. Der Gedanke zu verbrennen behagte mir nicht sonderlich. Am liebsten wäre es mir, man würde meine sterblichen Überreste im Zoo verfüttern. Das wäre eine nachhaltige, umweltschonende Methode und zudem ein schöner Leckerbissen für die fleischfressenden Zootiere. Konnte man in seinem Testament eine entsprechende Verfügung machen? Ich nahm mir vor, bei Gelegenheit den WWF anzuschreiben und nähere Informationen einzuholen. (Position 3590)

Der Charakter Eleanor ist jetzt nicht unbedingt von Anfang an ein Sympathieträger. Im Gegenteil – ich brauchte einige Zeit, bis ich mit ihr warm werden konnte. Die meisten Dinge, die ihr begegnen und die sie nicht kennt, werden ausgiebig unter die Lupe genommen und hinreichend kritisiert. Ich hoffe meine Großmutter dreht sich nicht im Grabe um, wenn ich das jetzt schreibe, aber irgendwie kam Eleanor mir anfangs wie meine Oma vor – an allem und jedem gibt es etwas auszusetzen. Wenn man dann jedoch die allwöchentlichen Gespräche mit „Mummy“ verfolgt, dann erschließt sich einem sehr schnell, warum Eleanor so ist wie sie ist und meine anfängliche Abwehr wandelte sich zuerst einmal in Mitleid um. Je besser ich Eleanor dann kennen lernte, desto mehr fing ich an, sie zu mögen.

Raymond, ihr Arbeitskollege aus der IT-Abteilung, ist der typische Nerd. Vom Äußeren her etwas ungepflegt und am liebsten spricht er über Computer und was man damit alles machen kann. Sein Kleidungsstil wird von Eleanor natürlich auch unter die Lupe genommen:

„Er trug Jeans, die unerfreulich tief auf seinen Hüften hingen; wenn er einem den Rücken zuwandte, konnte man einen Streifen Unterhose erkennen – weinrot, ich wünschte, ich hätte es nicht gesehen – und blasse, mit Sommersprossen gespenkelte Haut. Ich fühlte mich an das Fell von Giraffen erinnert, die ja eine ganz ähnliche Musterung haben, wenngleich in deutlich größerem Maßstab. (Position 1316)

Aber auch er entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einem wirklich liebenswerten Typen. Er ist für die Entwicklung von Eleanor unwahrscheinlich wichtig und hilfreich und schon gleich zu Anfang der Geschichte dachte ich mir, dass die 2 zum Ende des Buches sicherlich ein Paar sein werden. Ob das auch so eingetroffen ist? Das verrate ich natürlich nicht.

Eine andere wichtige Person in der Geschichte ist Sammy. Er ist der Mann, der vor den Augen von Eleanor und Raymond auf der Straße zusammengebrochen ist. Auch er spielt eine wichtige Rolle im Entwicklungsprozess von Eleanor.

Zu „Mummy“ möchte ich gar nicht viel schreiben, sie ist die Person, die an allem Ungemach in Eleanors Leben Schuld ist und zum Ende der Geschichte ist Dr. Maria Temple diejenige, die den Knoten bei Eleanor endgültig zum Platzen bringt.

Mir hat lange Zeit beim Lesen die Spannung gefehlt. Die Geschichte plätschert eigentlich nur so vor sich hin. Es passiert immer etwas, auch Dinge, die einen zum Schmunzeln bringen, aber es passiert nix wirklich mitreißendes. Trotzdem wollte ich das Buch zu Ende lesen um zu wissen, was genau in Eleanors Kindheit passiert ist, was sie so hat werden lassen, wie sie ist.

Auf den letzten Seiten wird es dann wirklich richtig spannend, aber auch traurig und jetzt, nach ein paar Tagen Abstand, muss ich zugeben, dass mir das Buch doch besser gefallen hat als ich zuerst dachte.

Eleanor Oliphant – die Geschichte einer Frau, die 30 Jahre ihres Lebens in einem gefühlsarmen Raum gelebt hat, und dann das Leben mit all seinen Emotionen für sich entdeckt. 

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153 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

los angeles, liebe, hollywood, sommernachtsfunkeln, beatrix gurian

Sommernachtsfunkeln

Beatrix Gurian
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.04.2017
ISBN 9783401603223
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kati trägt nach einem schlimmen Unfall eine Narbe im Gesicht davon. Diese Narbe ist groß und auffallend und deswegen leidet Kati unter schwindendem Selbstwertgefühl und Depressionen. Sie bricht alle Brücken hinter sich ab und flüchtet nach L.A. um dort 1 Jahr als Au-Pair-Mädchen zu arbeiten. Als sie eines Tages von ihrer Au-Pair-“Mutter“ ins Lived geschickt wird, um ein wenig die Cocktailrezepte auszuspionieren, trifft sie auf Jeff, den Inhaber der Bar. Jeff scheint ihre Narbe gar nicht zu bemerken oder er ignoriert sie geschickt und er umgarnt Kati regelrecht mit seinem Charme, was ihr einen Selbstbewusstseins-Schub gibt. Sie hat überhaupt nichts dagegen, von Jeff eingewickelt zu werden. Dann setzt sie die rosarote Brille auf und packt die Naivität aus.

Jeff und seine Schwester Lucy, die beiden Inhaber des Lived, haben eine florierende Bar mit internationalem Publikum aufgezogen und der Geheimtip ihrer Bar sind Smoothies, die genau passend und mit geheimen Zutaten zum jeweiligen Charakter des Trinkenden hergestellt werden.

Jeff, Lucy und deren Freund Ezra, lassen von Anfang an den Eindruck bei mir entstehen, dass mit ihnen etwas nicht so recht stimmt. Dann wiederum zweifele ich an meiner Phantasie, denn eigentlich sind sie doch ganz normale Menschen.

Und dann ist da noch Luke. Seit Jahren sind Kati und er befreundet, aber erst in letzter Zeit wird Kati bewusst, dass sie mehr für ihn empfindet als nur Freundschaft. Als Luke zum ersten Mal aus seiner Perspektive in der Geschichte erwähnt wird, dachte ich mir „okeeeeey, was ist das denn für einer?“, aber je öfter die Perspektive von Kati zu Luke wechselt, desto mehr mag ich ihn und das bleibt auch bis zum Schluss so. Luke ist der Einzige, der wirklich den Überblick behält.

Die Autorin versteht es geschickt, den Leser immer wieder dazu zu bringen, sich die Frage zu stellen „Ist das jetzt real oder nicht?“. Damit hält sie die Spannung gekonnt von Anfang an aufrecht.

Am Schluss fügt sich alles ineinander. Für mich persönlich ist der Schluss ein klein wenig zu harmonisch, da hätte gerne etwas nicht so rund laufen dürfen – aber letztendlich werden alle Fragen beantwortet.

Bisher kannte ich von der Autorin nur die historischen Romane, die sie unter ihrem Namen Beatrix Mannel veröffentlicht hat. Aus der Sparte ihrer Jugendbücher liegt hier schon seit einer kleinen Ewigkeit „Stigmata“ auf meinem SuB, aber das wird jetzt hoffentlich nicht mehr lange so bleiben, denn ihr neuestes Buch „Sommernachtsfunkeln“ zu lesen, war nicht meine schlechteste Idee.

Das Buch richtet sich an Jugendliche im Alter von 12 – 15 Jahren und - auch wenn ich der Zielgruppe längst entwachsen bin - es hat mir sehr viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen.

Der Schreibstil von Beatrix Gurian ist angenehm, flüssig und gut zu lesen. Die Charaktere sind allesamt realistisch und greifbar beschrieben und re-/agieren weitestgehend dem Alter nach, in dem sie sich befinden.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Prince Charming ... und andere Katastrophen

Daniela Felbermayr
E-Buch Text
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 26.04.2017
ISBN B0722KG31F
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die erfolgreiche Anwältin Hailey Stayton ist zur Hochzeit ihrer Cousine nach Point Pleasant zurückgekehrt. Die Freude über das Wiedersehen mit ihrer Familie wird jedoch schon nach wenigen Minuten gedämpft, als ihre Mutter ihr eröffnet, dass es für sie keinen entsprechenden Tischherrn gibt. Da es in Point Pleasant üblich ist, dass man dort als „Paar“ auf einer Hochzeit erscheint, braucht Hailey also dringend einen Partner. Während sich alle darüber den Kopf zerbrechen, welcher noch zur Verfügung stehende Mann aus Point Pleasant in Frage kommen könnte, platzt Großmutter Sofie mit der Nachricht heraus, dass sie schon einen Mann für diesen Job verpflichtet hat: Brian Jefferson ….. ausgerechnet Haileys erste große Liebe, der sie vor 13 Jahren eiskalt abserviert hat.

Mit Brian zur Hochzeit ihrer Cousine zu gehen ist nicht gerade das, was Hailey möchte – aber ihre Cousine besteht auf eine männliche Begleitung und so fügt sie sich in das Unausweichliche.

„Prince Charming und andere Katastrophen“ ist das 1. Buch, das ich von der Autorin Daniela Felbermayr gelesen habe.

Mit viel Humor erzählt die Autorin die Geschichte von Hailey und Brian, die sich nach 13 Jahren wiedersehen. Anhand des leider ziemlich ausführlichen Klappentextes weiß der Leser schon von der 1. Seite an, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird. Der Ausgang ist also überaus vorhersehbar – trotzdem hat die Autorin Daniela Felbermayr es mit ihrem wirklich sehr schönen Schreibstil geschafft, mich in diese Geschichte hinein zu ziehen.

Wie in Liebesromanen üblich, fauchen sich die beiden Protagonisten am Anfang zu jeder sich bietenden Gelegenheit an, dann finden sie heraus, dass sie sich doch noch lieben, dann kommt eine Dritte Person, die wieder alles zerstört und zum Schluss finden die 2 dann doch noch zusammen. Die Autorin hat mit ihrem Buch keineswegs das Rad neu erfunden, aber durch den überaus angenehmen Schreibstil fliegen die Seiten nur so dahin.

Die Charaktere sind gut angelegt, ich mag sowohl Hailey als auch Brian sehr gerne – nur leider werden ihre Handlungen zum Schluss hin ein wenig unglaubwürdig, was den Lesespaß dann doch etwas dämpft.

Alles in allem hatte ich ein paar schöne Lesestunden und wenn der Showdown nicht ganz so überzogen gewesen wäre, dann hätte das Buch wirklich volle 5 Sterne verdient.

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

kochbuch, rezepte, muskeln, ausdauersport, muskeltraining

Strongfood – Das Kochbuch

Ingo Froböse
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 21.04.2017
ISBN 9783954531271
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich habe einen 20jährigen Sohn, der sehr großen Wert auf körperliche Fitness legt und immer wieder stellt er mich vor die Herausforderung, das richtige und optimale Essen für sein Training (davor und danach) auf den Tisch zu stellen.

Das Buch von Prof. Dr. Ingo Froböse zeigt mir auf den 1. Blick in der Leseprobe, dass man diesem Umstand hier gerecht wird – es gibt Rezepte für vor und nach dem Training, Rezepte die für Ausdauer- und Kraftsportler getrennt aufgelistet werden, Rezepte für trainingsfreie Tage und ein ausführlicher Theorie- und Praxisteil rundet das Buch ab. Es scheint auf den 1. Blick all das zu enthalten, was man sich als Sportler wünscht, wenn man nicht nur „ab und zu mal ne Runde Joggen geht“.

Positiv empfinde ich, dass die Rezepte für 1 Person angegeben sind und für alle 3 Mahlzeiten am Tag etwas dabei ist – die in der Leseprobe enthaltenen Rezeptvorschauen sind sehr ansprechend, die Fotos der nicht in der Leseprobe enthaltenen Rezepte machen aufgrund ihrer Optik schon Lust auf gutes und gesundes Essen.

Am 26.04. hat uns dieses Buch per Post erreicht und ich muss sagen, dass unsere Erwartungen wirklich vollkommen erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen wurden.

Das Buch „Wer Muskeln will, muss richtig essen“ enthält einen Theorie- und Praxisteil und einen Rezept-Teil, wobei dieser Part mit 150 Seiten (jeweils 1 Seite Rezept, 1 Seite Bild) deutlich den größten Teil des Buches einnimmt.

Im Theorie- und Praxisteil erklärt Univ.-Prof. Dr. Ingo Froböse die Zusammenhänge, warum man z. B. als Ausdauersportler Fett und/oder Kohlenhydrate braucht und welche Auswirkungen Fructose in der Ernährung hat. Welchen Bedarf an welchen Nährstoffen haben Ausdauer- und Kraftsportler und was tun, wenn man sich verletzungsbedingt in einer Rekonvaleszensphase befindet. Welche Energie sollte man vor, während und nach dem Training zu sich nehmen und welchen Nutzen haben Nahrungsergänzungsmittel?

Wer sich ein klein wenig mit Sport beschäftigt, der kennt den Namen von Univ.-Prof. Dr. Ingo Froböse und in dem von ihm niedergeschriebenen Praxisteil kann man spüren, dass die hier gegebenen Informationen auf fundiertem Fachwissen beruhen. Es werden – auch für den Laien verständlich – die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Muskelaufbau bzw. vorhandener Energie erklärt und warum manche Dinge Sinn machen oder eben nicht.

Im vorderen Teil des Buches gibt es eine Übersicht über den Energieverbrauch von Frauen/Männern, unterteilt in Alltagsaktivitäten und sportliche Aktivitäten. So verbrennt beispielsweise eine Frau mit 80 kg Gewicht beim Kochen/Essen zubereiten 168 kcal/Stunde und ein Mann mit gleichem Gewicht 225 kcal/Stunde.

Diesem Praxisteil konnten sehr viele wertvolle Informationen entnommen werden, die nun auch fürs Training umgesetzt werden.

Der anschließende Rezept-Teil hat ja eher mich interessiert und auch hier ist die Begeisterung groß. Die im Buch enthaltenen Rezepte wurden von Heike Lemberger entwickelt, die seit 20 Jahren als Diplom-Ernährungswissenschaftlerin an der Universität Hamburg im Fachbereich Bewegungswissenschaft arbeitet.

Bei einem Blick auf die Zutatenliste der einzelnen Rezepte dachte ich zuerst, dass das mengenmäßig gar nicht so sehr viel sein kann, die Zubereitung belehrte mich dann aber eines besseren. Die Angaben für 1 Portion sind mehr als ausreichend bemessen, manches haben wir mit 2 Personen gegessen.

Ausprobiert haben wir bisher:

Frühstück: Laugenbrezel mit Thunfisch-Frischkäscreme (Seite 67)
Frühstück: Frischkäserührei auf Baguette (Seite 83)
Frühstück: Bananenbrot mit Zimtquark (Seite 160)
Abendessen: Gnocchi-Hähnchen-Pfanne in Kräutersauce (Seite 80)
Kalte Mahlzeit: Brötchen mit Fruchtiger Creme und Kasseler (Seite 106)
Kalte Mahlzeit: Curry-Ananas-Reissalat mit Kasseler (Seite 126)

Für das Bananenbrot mit Zimtquark habe ich das Bananenbrot selbst gebacken und bei diesem „Brot“ waren wir hier einstimmig der Meinung, dass man das essen kann, aber nicht essen muss. Die Konsistenz des „Brotes“ gleicht eher der eines Radiergummis und auch der Zimtquark konnte da nix retten. Mit 250 g Proteinpulver und 50 g Kokosblütensirup ist es zudem ein sehr teures „Brot“,

Alles andere haben wir als schmackhaft und mengenmäßig ausreichend empfunden.

Die Angaben zur Zubereitung selbst sind einfach und übersichtlich beschrieben, so dass man das Rezept problemlos umsetzen kann. Ob die angegebene Zubereitungszeit stimmt, habe ich nicht überprüft, auf so etwas achte ich eher selten. Die Zutaten sollte man in jedem Supermarkt bekommen und diese auch zu einem moderaten Preis.

Für mich ist dieses Buch eine echte Bereicherung, so dass ich zukünftig nicht mehr mühsam das Internet nach sporttauglichen Rezepten durchforsten muss.

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38 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

thriller, flucht, cia, amoklauf, korruption

Sie werden dich finden

James Rayburn
E-Buch Text: 400 Seiten
Erschienen bei Tropen, 11.03.2017
ISBN 9783608100808
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie jeden Morgen fährt Holly Brenner ihre 6jährige Tochter Suzie auch heute zur Grundschule. In dem Moment, als sie die 2 jungen Männer auf dem Gelände der Grundschule sieht, wird ihr klar, dass ihre seit Jahren sorgfältig aufrecht erhaltene Tarnung sich in wenigen Minuten in Luft auflösen wird. Sie tötet die beiden Männer, verhindert damit ein Attentat auf die Schule, aber durch die DNA-Spuren, die sie am Tatort hinterlässt, wird sie wieder zu Kate Swift, jene Frau, die von der CIA und ihrem ehemaligen Vorgesetzten gejagt wird.

Einst war die CIA ihr Arbeitgeber – bis zu dem Zeitpunkt, als ihr palästinensischer Ehemann Yusuf durch die Hand von Lucien Benway, Kates damaligem Vorgesetzten, ermordet wurde. Kate ging mit diesen Informationen an die Öffentlichkeit, Benway verlor seinen Posten und das Vertrauen der Regierung und Kate ist mit ihrer Tochter untergetaucht.

Da sie geahnt hatte, dass ihre Tarnung irgendwann auffliegen wird, lässt sie einen lange ausgereiften Notfallplan ablaufen, ändert erneut ihre Identität und die ihrer Tochter und macht sich auf den Weg nach Thailand, um dort ihren ehemaligen Mentor Harry Hook aufzusuchen und um Hilfe zu bitten.

Dann stürzt AirStar Flug 2605 über Thailand ab …..

„Sie werden Dich finden“ ist ein Thriller aus der Feder des Autors James Rayburn. Es handelt sich dabei um das offene Pseudonym des Drehbuchautors, Regisseurs und Produzenten Roger Smith, der in Johannesburg/Afrika geboren wurde, in Kapstadt lebt und arbeitet und auch unter seinem Klarnamen Krimis und Thriller veröffentlicht.

Das Buch hat 400 Seiten, die in 90 kurze Kapitel eingeteilt sind und wechselweise aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten erzählt werden. Es gibt Kapitel aus der Sicht von Kate und ihrer Tochter, von Lucien/Nadja Benway, von Harry Hook und Philip Danvers. Alle haben mit der CIA-Vergangenheit von Kate Swift zu tun und sind ihr mal mehr oder mal weniger wohlgesonnen.

James Rayburn schafft es gleich auf den ersten Seiten, den Spannungsbogen steil in die Höhe schnellen zu lassen und den Leser neugierig auf die nächsten Kapitel zu machen. Leider kann er die Spannung nicht über die komplette Buchlänge aufrecht halten, denn irgendwann verliert er sich mehr und mehr in ausschweifenden Beschreibungen der einzelnen Personen, was Kate und ihre Tochter etwas aus dem Fokus rutschen lässt.

Das Buch ist gespickt mit Leichen, was bei einem Thriller ja nichts ungewöhnliches ist, es wird aber nicht bei jedem Toten klar, warum er/sie sterben musste. Zudem bedient der Autor sich einer ziemlich derben und obszönen Sprache. Am Anfang habe ich mich daran noch nicht gestört, aber mit fortschreitender Seitenzahl war es mir persönlich dann doch etwas zu derb.

Die Charaktere von Kate und Suzie sind gut angelegt, wobei Suzie mit ihren 6 Jahren schon viel zu verständnisvoll darauf reagiert, dass sie mehrfach ihren Namen und ihr Aussehen ändern muss. Noch nicht einmal gegen einen neuen Radikal-Haarschnitt wehrt sie sich, aber solche Kinder gibt es ja tatsächlich. Die anderen Charaktere sind gut beschrieben, erlangen aber aufgrund ihrer Charaktereigenschaften und/oder verkorksten Lebensumstände nicht unbedingt meine Sympathie.

Der Thriller war durch die kurzen Kapitel gut zu lesen, hatte ausreichend Action und wer es gerne blutig und derb mag, ist hier gut bedient. Das Ende war überraschend anders als erwartet.

Bei mir wird die Geschichte sicherlich nicht lange im Gedächtnis verweilen – dazu gibt es zu viele Thriller, die mir deutlich besser gefallen haben. 

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149 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 64 Rezensionen

krebs, liebe, roadtrip, tumor, leben

Mein schlimmster schönster Sommer

Stefanie Gregg
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 17.02.2017
ISBN 9783746633213
Genre: Romane

Rezension:

Nach 1 Woche Aufenthalt und einer niederschmetternden Diagnose, verlässt Isabel Drievers das Krankenhaus. In ihrem Bauch wächst ein männerfaustgroßes Etwas und innerhalb der nächsten 14 Tage entscheidet sich, ob eine OP durchgeführt werden kann oder nicht. Damit sie zu Hause nicht vor lauter Warterei den Verstand verliert, rät der Arzt ihr zu einem Urlaub. Die Gelegenheit ergibt sich schneller als erwartet, denn auf dem Weg zwischen dem Krankenhaus und ihrem Zuhause steht ein grellgelber Bus mit einem „Zu Verkaufen“-Schild am Straßenrand. Kurzentschlossen kauft Isabel den Bus, um sich ihren Traum von einer Reise in die Provence zu erfüllen. Der ehemalige Besitzer, Rasso Liebermann, bittet Isabel jedoch, sie ein kurzes Stück mitzunehmen, da er für seine Tante einen Auftrag zu erfüllen hat. So machen sich die 2 auf zu einer Reise mit ungewissem Ausgang.

Bei „Mein schlimmster schönster Sommer“ handelt es sich um einen Roadtrip. Eigentlich ist das nicht ganz mein bevorzugtes Genre, denn diese Bücher erfreuen sich oft einer Art von Humor, der sich nicht mit meinem Humor deckt.

Stefanie Gregg jedoch schafft es, durch ihren lockeren und wirklich erfrischenden Schreibstil, dass ich das Buch in kürzester Zeit gelesen habe. Der Inhalt des Buches ist schräg und unrealistisch, aber es liest sich einfach schön weg.

Isabel macht sich also mit Rasso auf den Weg. Er will nach Freilassing um beim Bestatter die Urne seiner Mutter abzuholen und anschließend will er eine Kommode zu seiner Tante nach Füssen bringen, Isabel will weiter in die Provence um dort die paar Tage „Freizeit“ bis zur OP-Entscheidung zu verbringen. Da sie ihr Handy - neben einer kurzen Nachricht für ihren Lebensgefährten Georg - zu Hause auf dem Küchentisch hat liegen lassen, ist sie fortan für niemanden erreichbar.

Was den Beiden passiert, bewegt sich fernab jeder Realität. Wobei … es gibt Dinge, die glaubt einem niemand. So reiht sich Zufall an Zufall und die Geschichte ist so hahnebüchen, dass sie schon wieder schön zu lesen ist.

Während Isabel Tag für Tag versucht, ihren Tumor im Bauch zu verdrängen, versucht ihr Arzt händeringend sie zu erreichen. Mangels Handy und das Wissen darum, wo Isabel sich aufhält, kann jedoch auch ihr Lebensgefährte Georg sie nicht erreichen. Der versteht Isabel sowieso nicht. Wie kann sie als vollkommen durchorganisierte Businessfrau einfach kommentarlos und ohne Handy verschwinden? Wenn Georg wüsste, dass Isabel ihre Businesskleidung auf einem Autobahnparkplatz gegen einen Hippierock mit Mondmuster getauscht hat, würde er wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Für Isabel waren die Tage mit Rasso – nach ihrer eigenen Aussage - die „ungradlinigsten Tage ihres Lebens“. Als sie in Füssen, bei Rassos Tante, die Kommode ausladen, lernt Isabel dann Rassos Freund Piet kennen …............

Wie schon erwähnt, ist der Schreibstil der Autorin jugendlich locker und erfrischend und die Charaktere werden sympathisch und authentisch dargestellt. Die größte Entwicklung macht hier Isabel durch, die auf dem gemeinsamen Weg mit Rasso feststellt, dass sie bisher zu viel gearbeitet und zu wenig gelebt hat.

Das Buch hat mich ganz gut unterhalten, ich bevorzuge es jedoch ein klein wenig näher an der Realität.

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31 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

antarktis, resozialisierung, jugendliche straftäter, straffällige jugendlich, jugendbuch

White Zone - Letzte Chance

Katja Brandis
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 06.03.2017
ISBN 9783407821942
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die 6 Jugendlichen Benny, Dattel, Seven, Kaya, Fee und Crash werden die nächsten 3 Monate auf der ausgemusterten Forschungsstation Neumeyer III in der Antarktis verbringen. Sie machen jedoch keineswegs Urlaub dort, sondern sie sind mit 2 Betreuern der Agentur „Social Adventures Network“ an den Südpol geflogen worden, um dort die letzte Chance auf Resozialisierung zu erhalten, denn sie alle haben eine mehr oder weniger dicke Strafakte.

Die Kids und ihre Betreuer scheinen auf der riesigen Forschungsstation jedoch nicht alleine zu sein, denn es passieren merkwürdige Dinge und es scheint als ob jemand ganz und gar nicht einverstanden damit ist, sein „Zuhause“ teilen zu müssen. Nicht zu wissen ob es diesen „Einsiedler“ tatsächlich gibt, oder ob sich vielleicht jemand aus der Gruppe üble Scherze mit den Anderen erlaubt, zerrt an den Nerven aller.

Bei einem ihrer Ausflüge in die unwirtliche Umgebung der Forschungsstation, die sie über das Schelfeis führt, werden die Jugendlichen Zeuge einer Walfang-Aktion und sie alle sind schockiert über das Gesehene, so dass sie gemeinsam ein Zeichen gegen den Walfang setzen wollen.

Erreichen sie mit dieser Aktion ihre endgültige Resozialisierung oder sind sie weiter davon entfernt als jemals zuvor?

Katja Brandis führt den Leser in ihrem Buch „White Zone – letzte Chance“ ins Jahr 2030. Die Menschen sind durch Datenbrillen, Communicatoren und Hirnschnittstellen (BrainConnect) mehr denn je mit dem Internet verbunden, sie leben quasi online. So wundert es nicht, dass Betreuer Martin die Kids in der Antarktis in erster Linie mit Internet-Abstinenz straft - jeder hat am Tag nur eine Stunde freien Internetzugang. So wirklich unvorstellbar finde ich diesen Gedanken gar nicht, wenn man sieht, wie viel Zeit wir heute schon online verbringen und wie wichtig Soziale Netzwerke geworden sind. Nur die Hirn-Schnittstelle mag ich mir noch nicht so recht vorstellen ….

Die Geschichte wird überwiegend aus der Sicht von Crash erzählt, die mir von Anfang an sehr sympathisch ist. Der Leser lernt die Jugendlichen erst nach und nach kennen und manche Dinge bleiben bis kurz vor Schluss verborgen. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam – sie haben (meist mehrfach) richtig großen Mist gebaut und man gibt ihnen nur noch eine einzige Chance um sich anzupassen und ins richtige Leben zurück zu finden. Kinder, die wahrscheinlich zu Hause keinerlei Nestwärme erfahren haben und die mit ihren haarsträubenden und gefährlichen Aktionen nichts anderes tun als einen Hilfeschrei abzusetzen, der von den Eltern mit Kinderheim und Pflegefamilien beantwortet wird.

Diese straffällig gewordenen Jugendlichen sind mit 2 Betreuern in die Antarktis verfrachtet worden, wobei man Sara nicht wirklich als Betreuerin bezeichnen kann. Sie ist für die Verpflegung der Kids zuständig und ansonsten hält sie sich eher von der Gruppe fern. Die ganze Last liegt auf Martin, der jedoch durch einen Unfall außer Gefecht gesetzt wird und so müssen sich die 6 mehr oder weniger zusammenraufen, um in der unwirtlichen Umgebung zu überleben. Es macht Spaß zu sehen, wie sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt, wo anfangs nur ein Gegeneinander zu finden war.

Auch auf Neumeyer III sind die Kids nicht die Vorzeige-Jugendlichen und die eine oder andere durchgeführte Aktion ließ mich heftig mit dem Kopf schütteln. Was mir aber total imponiert hat ist die Vehemenz, mit der sie ihr gestecktes Ziel verfolgen und nicht mehr aus den Augen lassen – egal, welche Konsequenzen das für sie selbst letztendlich haben wird.

„Die Tragödie des Lebens liegt nicht im Nichterreichen seines Ziels...
Die Tragödie des Lebens liegt darin, keine Ziele zu haben, die man erreichen kann“
(Benjamin Mays)

An den Büchern von Katja Brandis gefällt mir jedes Mal aufs Neue:

*ihre hervorragende Recherchearbeit, denn alles, was über über die Forschung und die Zustände in der Antarktis von ihr in diesem Buch beschrieben wird, basiert auf Tatsachen

*die Verknüpfung einer fiktiven Geschichte mit aktuellen Aspekten unserer Umwelt, wie hier die Walfang-Aktion, die die Kids zum Handeln verleitet.

Wieder einmal konnte ich feststellen, dass es Jugendbücher gibt, die mich fesseln und begeistern können. „White Zone“ ist nunmehr das 4. Buch von Katja Brandis und ich hoffe, dass es zukünftig noch mehr jugendlichen Lesestoff von ihr geben wird. 

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(51)

64 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

thriller, berlin, david gross, brandstiftung, martin krist

Brandstifter

Martin Krist
Flexibler Einband: 473 Seiten
Erschienen bei Independently published, 19.02.2017
ISBN 9781520648682
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Früh am Morgen verlässt Georg das Bett, weil er nicht mehr schlafen kann. Wie schon so oft am frühen Morgen, zieht er sich in sein Büro zurück, wo ihn seine Frau Valentina einige Stunden später findet – tot, auf grausamste Art und Weise ermordet. Nachdem die erste Schockstarre von Valentina abgefallen ist, möchte sie nur noch das Haus verlassen und so zieht sie mit ihren beiden Kindern zu ihrer besten Freundin Amy.

Nane, die Nanny, kümmert sich – wie auch an jedem anderen Tag - liebevoll um die beiden Kinder und versucht die schrecklichen Geschehnisse von ihnen fern zu halten, während Valentina versucht, wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Sie hat jedoch nicht lange Zeit in ihrer Trauer zu verharren, denn auch sie und ihre Kinder sind in Gefahr.

David Groß, ehemaliger Polizist, heutiger Privatermittler, wird von einer Familie auf die Suche nach ihrem Sohn bzw. Ehemann angesetzt. Der Wissenschaftler kam von einem Kongress nicht nach Hause. David übernimmt den Fall, obwohl er gerade selbst privat sehr viele Päckchen zu tragen hat – seine Frau Caro ist nach wie vor verschwunden und sein behinderter Sohn mischt derweil das Pflegepersonal in seiner Unterbringung auf.

Luka Gurski, Ehemann und Vater von 2 Kindern, wohnt mit seiner Familie in einer verschimmelten Wohnung und sucht dringend eine Möglichkeit, die Lebensumstände für sich und seine Familie zu verbessern. So rutscht er von einer kriminellen Geschichte in die nächste.

Mit diesen 3 Handlungssträngen beginnt Martin Krist sein Buch „Brandstifter“. Auf den ersten Seiten fragt man sich als Leser, wie diese Personen und das, was mit ihnen passiert ist, zusammen passen. Auf den ersten Blick bestehen zwischen ihnen keinerlei Gemeinsamkeiten, sie kommen scheinbar aus unterschiedlichen Umfeldern. Diese Frage und die Tatsache, dass das Buch über sehr kurze Kapitel verfügt, die sich in den Handlungssträngen permanent abwechseln, zieht den Leser unweigerlich in den Sog des Buches und natürlich werden die einzelnen Schicksale zum Schluss miteinander verwoben.

Die Geschichte von David Groß zieht sich aus den Vorgängerbänden „Engelsgleich“ und „Dreckspiel“ bis in dieses Buch hinüber und es wäre womöglich von Vorteil gewesen, wenn ich diese Vorgeschichte gekannt hätte. Man kann das Buch auch als Solitärband lesen, aber es vereinfacht es, Verständnis für Groß zu haben, wenn man eben die Vorgänger gelesen hat. Groß ist ein Ermittler mit ziemlich unkonventionellen Methoden und so wirklich richtig sympathisch ist er mir nicht. Aber – er kommt zum Ziel und kann den Fall, auf den er angesetzt wurde, auch abschließen.

Valentina tut einem einfach nur leid. Sie findet ihren Mann morgens in seinem Büro, der Anblick seiner Leiche ist grauenhaft. Auch wenn sie sich jetzt gerne vergraben würde um zu trauern, muss sie für ihre beiden Kinder da sein. Sie versteht nicht, wieso ihr Mann so brutal aus dem Leben scheiden musste und als die Polizei etwas von „krummen Geschäften“ verlauten ließ, versucht Valentina selbst, Licht ins Dunkel zu bringen. Nach und nach lichten sich die Nebel vor Valentinas Augen und sie kommt irgendwann an einen Punkt, an dem sie sogar die Treue ihres Mannes in Frage stellen muss. Bei ihren Recherchen bekommt sie zu einem späteren Zeitpunkt unerwartet Hilfe von einer Person, die auch schon in den Vorgängerbänden zu Hause war.

Luka Gurski ist so eine Person, an der ich echt fast verzweifelt bin. Aufgrund seiner persönlichen Situation manövriert er sich permanent von einer Scheiße in die nächste. Statt auch nur ein einziges Mal seiner Frau die Wahrheit zu sagen, spinnt er sich ein Lügennetz zusammen, aus dem er nicht mehr herauskommt. Seine Geschichte ist echt heftig, aber ich konnte tatsächlich nicht viel Mitleid für ihn aufbringen, in Anbetracht seiner unüberlegten Aktionen. Dass er dann an die falschen „Freunde“ gerät, war absehbar.

„Brandstifter“ ist das zweite Buch, welches ich von Martin Krist lese. Sein Schreibstil ist unkompliziert und von der ersten Seite an spannend. Durch die unterschiedlichen Handlungsstränge möchte man einfach immer nur weiterlesen, um zu erfahren, was als nächstes passiert. Die einzelnen Kapitel sind kurz und wechseln immer zwischen den 3 Handlungen ab.

Für mich waren es die Geschehnisse um Valentina, die mich am meisten interessiert haben und bei denen ich auch richtig mitleiden konnte.

Am Ende des Buches werden alle Handlungsstränge zusammengeführt und die wichtigsten Fragen sind für den Leser beantwortet. So ganz befriedigend fand ich das Ende jedoch trotzdem nicht, da die Geschichte um das Verschwinden der Frau von David Groß noch nicht abschließend geklärt ist. Ebenso ist das Schicksal der Person, die Valentina zu Hilfe kommt, nicht gänzlich beschrieben worden – es ist also noch Luft für einen Nachfolger.

Dass das Ende nicht so ganz befriedigend ist, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich das Buch spannend und unterhaltsam fand. Ich ziehe 1 „Berner-Sennenhund“ an der Bewertung ab und hoffe, dass das nachfolgende Buch mit den Antworten auf meine offenen Fragen nicht erst in ein paar Jahren auf den Markt kommen wird.  

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103 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 70 Rezensionen

tod, roman, krankheit, liebe, verlust

In jedem Augenblick unseres Lebens

Tom Malmquist , Gisela Kosubek
Fester Einband: 301 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608983128
Genre: Romane

Rezension:

Tom Malmquist passiert eines der schrecklichsten Dinge im Leben. Seine hochschwangere Freundin Karin erkrankt an akuter Leukämie und ihr Zustand verschlechtert sich so rapide, dass die Ärzte sich entschließen das Baby per Kaiserschnitt zu holen. Karins Zustand verschlechtert sich weiter und Livia, so der Name des Babys, muss auf die Frühchenstation – so pendelt Tom zwischen den beiden Stationen hin und her, bis Karin, ohne ihre Tochter gesehen zu haben, ihrer Krankheit erliegt.

Bei „In jedem Augenblick unseres Lebens“ handelt es sich um die autobiografische Geschichte des Autors Tom Malmquist, der nach dem Tod seiner Lebensgefährtin zum alleinerziehenden Vater wird. Aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit, kann er sich 24 Stunden am Tag um Livia kümmern, das bedeutet aber nicht, dass ihm nicht auch Steine in den Weg gelegt werden. Da Tom und Karin nicht verheiratet waren, „gehört“ ihm Livia gar nicht und er muss sich – neben seiner Trauer – auch noch mit diversen Ämtern herumschlagen.

Das ist wieder mal ein Buch, bei dem ich mich ärgere, nicht vorher die Leseprobe gelesen zu haben. Es hätte mir echt viel Leid erspart. Da ich das Buch in einer Leserunde gelesen habe, habe ich tapfer bis zum letzten Punkt durchgehalten. Ohne Leserunde hätte ich es wahrscheinlich nach den ersten Seiten aus der Hand gelegt.

Anhand des Klappentextes hatte ich ein Buch erwartet, aus dem die Emotionen nur so herausfließen und ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass ich von der ersten bis zur letzten Seite heule und dabei X Taschentuchboxen verbrauche. Doch schon die ersten Seiten haben mich regelrecht ernüchtert auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Tom hat an irgend einer Stelle im Buch erwähnt, dass er die Abläufe und die Gespräche mit den Ärzten stichpunktartig aufgeschrieben hat, um sich bzw. seine Tochter später einmal daran erinnern zu können. Der Schreibstil in diesem Buch ist dann auch genau so, als ob Tom alle Informationen aus den Stichpunkten einfach hintereinander weg aufgeschrieben hat. Es gibt keine Absätze, es gibt keine Einrückungen, es gibt keine wörtliche Rede, es gibt keinen Hinweis ob man sich gerade in der Gegenwart oder der Vergangenheit aufhält und als Leser muss man sich extrem konzentrieren, wer denn da jetzt mit wem spricht oder von wem oder was gerade die Rede ist. Wer Familienmitglied oder Freund ist, ergibt sich nur aus dem Text und das auch nicht in allen Fällen eindeutig. Ich musste teilweise über ganze Sätze zurückgehen, damit ich verstanden habe, was ich da gerade lese.

Der extrem schwierige Schreibstil und die Kälte, mit der Tom die Geschehnisse erzählt, haben es unmöglich gemacht, dass ich auch nur ansatzweise Sympathie für Tom und seine Geschichte empfinden kann, ganz im Gegenteil.

Selbst wenn ich Tom zu Gute halte, dass er in einem gefühlsmäßigen Ausnahmezustand war, kann ich diesem Buch nichts abgewinnen. Ich hatte mich so auf eine Achterbahn der Emotionen gefreut ….. leider war meine einzig Emotion die Freude, die ich empfand, als ich das Buch zur Seite legen konnte.

Da wäre so viel mehr drin gewesen. 

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(36)

58 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

konzerte, ben, freundschaft, das mädchen aus der 1.reihe, musik

Das Mädchen aus der 1. Reihe

Jana Crämer
Flexibler Einband: 319 Seiten
Erschienen bei Juneberry, 14.08.2015
ISBN 9783898417648
Genre: Romane

Rezension:

Jule und Lea sind seit Jahren dicke Freundinnen – wobei nur eine von beiden wirklich dick ist. Während Jule hochgewachsen, schlank und hübsch ist, kommt Lea mit ihrer Figur und ihrem Gewicht so gar nicht klar. Sie leidet unter immer wiederkehrenden Fressanfällen mit Kontrollverlust, der sogenannten Binge-Eating-Störung. Weil Lea mit sich und ihrem Aussehen absolut unzufrieden ist, gehört sie auch eher nicht zur Kategorie der „Partymäuse“ und es ist purer Zufall, dass sie und Jule sich genau an diesem Abend in einem Club aufhalten, in dem die Band „Joyning“ spielt. Eigentlich wollten die 2 Mädels den Club auch gerade schon wieder verlassen, als die Stimme von Frontman Ben erklingt und diese Lea schlichtweg verzaubert. Für einen ganzen Abend kann sie ihre eigenen Probleme vergessen und fortan haben die beiden Mädels ihre Freizeitbeschäftigung gefunden – sie reisen der Band „Joyning“ von Auftritt zu Auftritt hinterher und zwischen Jule und Ben entsteht ganz langsam eine Freundschaft.

Ich habe das Buch „Das Mädchen aus der 1. Reihe“ im Rahmen einer Wanderbuch-Aktion aus der Facebook-Gruppe „Rezensionsexemplare auf Wanderschaft“ gelesen. Durch die vielen positiven Rezensionen wurde ich auf das Buch aufmerksam und da ich einen der 4 offiziellen Fanclubs für eine sehr erfolgreiche deutschsprachige Band leite, hat mich das Buch alleine aufgrund seines Titels bzw. des Slogans "Ich stehe auf Konzerten vorne, weil hinten alles voll ist"!!! interessiert.

Der Schreibstil der Autorin ist einfach gehalten und das Buch lässt sich gut und flüssig lesen. Als Leser bekommt man einen Einblick in die Zerrissenheit von Lea, die permanent zwischen „ab morgen mache ich eine Diät“ und einer Fress-Attacke pendelt. Wenn man nicht unter Ess-Störungen leidet, sind einem diese Gefühle fremd und auch nicht wirklich nachvollziehbar. Oftmals wird diesen Menschen jedoch mangelnde Disziplin oder gar fehlender Wille vorgeworfen, etwas an ihrem Zustand ändern zu wollen. Durch Leas Gedanken kann der Leser jedoch nachvollziehen, dass die kleinste Kleinigkeit einen total aus der Bahn werfen kann und Disziplin und Wille sich dann als erstes aus dem Staub machen und die Seele erst dann Ruhe findet, wenn kiloweise Essen durch den Schlund in den Magen gewandert ist.

Halt findet Lea bei ihrer Freundin Jule, die man mit Fug und Recht als „beste Freundin“ bezeichnen kann und nach und nach auch bei Ben.

Was die beiden miteinander verbindet, kann man gar nicht so recht in Worte fassen. Es ist keine sexuelle Anziehungskraft, sondern die Tatsache, dass Ben Lea so nimmt wie sie ist. Er stört sich nicht an ihrer Leibesfülle, sondern sieht ihren Charakter und betraut sie immer mehr mit Aufgaben rund um die Band – sie verwaltet die Homepage, vereinbart die Rahmenbedingungen für neue Auftritte mit den Veranstaltern und so wird sie immer mehr zu einem wichtigen Teil von „Joyning“.

Freundin Jule geht dabei natürlich nicht leer aus, sie findet ihre große Liebe natürlich auch innerhalb der Bandmitglieder.

Leider ist die Geschichte ab einem gewissen Punkt sehr vorhersehbar. Ben offenbart Jule, dass auch er ein Geheimnis hat und … aaarrrggghhhhhhh ….ich hätte mir hier etwas schockierendes gewünscht, etwas außergewöhnliches, aber dass Ben …................................. nee, echt jetzt?

Nachdem Ben sein unspektakuläres Geheimnis gelüftet hat, dreht sich dann die Geschichte auch nur noch im Kreis. Jule nimmt sich eine Diät vor, Jule hat eine Fress-Attacke, Jule schmachtet Ben an, Jule nimmt sich eine Diät vor ..…......

Stellenweise könnte man dann noch denken, die Autorin habe einen Sponsorenvertrag mit Apple, denn die iPhone's sind allgegenwärtig. Den einen oder anderen Schreibfehler fand sich so ganz nebenbei auch noch.

Aus den Danksagungen am Ende des Buches lese ich heraus, dass die Autorin selbst von dieser Ess-Störung betroffen ist bzw. betroffen war und sie viel von sich selbst in die Story hat einfließen lassen.

Das Buch war für einige Zeit ganz unterhaltsam, aber eine Fortsetzung davon brauche ich für meinen Teil nicht. 

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454 Bibliotheken, 30 Leser, 1 Gruppe, 73 Rezensionen

pferde, liebe, familie, frankreich, jojo moyes

Im Schatten das Licht

Jojo Moyes , Silke Jellinghaus
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 27.01.2017
ISBN 9783499267352
Genre: Romane

Rezension:

Nach dem Tod von Mutter und Großmutter bleibt die 14jährige Sarah mit ihrem Großvater Henri alleine zurück. Da beide die Liebe zu Pferden verbindet und Henri auf eine – wenn auch kurze – Karriere im französischen Elitereitchorps „Cadre Noir“ zurückblicken kann, ist es nicht verwunderlich, dass Sarah und ihr Pferd Boo von Großvater Henri angeleitet und trainiert werden. Streng und unnachgiebig unterrichtet Henri seine Enkelin und ihr Pferd, in jeder freien Minute. Durch Sarah erhofft er sich die Erfüllung des Traumes, die ihm selbst verwehrt blieb – Sarah soll Elite-Reiterin im „Cadre Noir“ werden (La fille écuyer du Cadre Noir') . Doch dann erleidet Henri einen Schlaganfall.

Rechtsanwältin Natascha und ihr Noch-Ehemann Mac stehen kurz vor der Scheidung. Bis zum Verkauf des gemeinsamen Hauses hat Mac sich kurzfristig wieder bei Natascha einquartiert und das Zusammenleben gestaltet sich mehr als schwierig. Dann spült der Zufall den Beiden Sarah als Pflegekind ins Haus und schnell merken sie, dass sie gemeinsam am gleichen Strang ziehen müssen, wenn sie Sarah helfen wollen.

Eines morgens sind Sarah und Boo verschwunden …..


„Im Schatten das Licht“ ist das erste Buch, welches ich von JoJo Moyes gelesen habe. Ich kenne zwar „Ein ganzes halbes Jahr“, jedoch nur als Verfilmung und nicht als Buch, weswegen ich den Schreibstil der Autorin nicht mit einem ihrer anderen Bücher vergleichen kann.

Es handelt sich hier nicht um ein neues Werk der Autorin, sondern um die deutschsprachige Veröffentlichung von „The Horse Dancer“, welches schon 2009 in Originalsprache erschienen ist.

Für mein empfinden ließ sich das Buch wirklich äußerst flüssig lesen und ich hatte seit langem einmal nicht das Gefühl, dass sich ein ins Deutsche übersetztes Buch irgendwie holperig anfühlt.

Auch ist die Geschichte um Sarah und ihr Pferd mal etwas anderes. Es steht ausnahmsweise nicht die Romanze im Vordergrund (was ja nicht heißt, dass es keine gibt) und das Buch lässt einen an manchen Stellen auch ziemlich nachdenklich zurück. Nachdenklich in Bezug auf Ziele, Wünsche, Hoffnungen und Familie.

Man muss nicht unbedingt Reiter oder verrückt nach Pferden sein, wenn man dieses Buch liest, denn die Autorin beschreibt die relevanten Dinge sehr gut, so dass man sie auch als Laie nachvollziehen kann was es bedeutet, wenn Boo eine „Levade“ ausführt.

Obwohl ich schon ein paar Jährchen älter bin als Sarah, konnte ich mich gut in sie hineinversetzen. Sie handelt nicht immer logisch, manchmal sogar äußerst dumm, aber eben meistens so, wie ein 14jähriges Mädchen wahrscheinlich handeln würde. Vielleicht ist sie aufgrund ihrer Vorgeschichte ein wenig reifer als andere 14jährige, aber grundsätzlich passt ihr Verhalten zu ihrem Alter. Ich musste ihr zwischendurch Respekt zollen, dass sie den einmal eingeschlagenen Weg nicht verlassen hat – auch wenn sie zwischendurch mächtig mit Gegenwind zu kämpfen hatte.

Hier fiel mir ein Spruch ein „Wenn Du das tust, wofür Du brennst, dann wirst Du auch Erfolg haben“.

Mit der Figur von Großvater Henri habe ich mich ein wenig schwer getan. Auch mit der Tatsache, dass Sarah „Papa“ zu ihm sagt. Bei jedem „Papa“ musste ich mir zuerst einmal wieder ins Gedächtnis rufen, dass Henri ihr Großvater ist und logischerweise wesentlich älter, als Sarahs Vater es wäre. Bei der Ausbildung von Sarah und Boo ist Henri sehr streng und sehr genau und auch sonst erscheint er mir immer „militärisch korrekt“, etwas steif und distanziert. Er liebt Sarah, ganz ohne Frage, aber er kann es ihr nicht zeigen und es nicht in Worte fassen. Sein Herzinfarkt verändert alles in Sarahs Leben.

Auch Mac und Natascha sind sympathische Protagonisten, wobei mir Mac auf Anhieb der sympathischere war. Er handelt aus dem Bauch heraus, ohne vorher stundenlang das Wenn und Aber durchzukauen. Ich kann verstehen, dass Sarah anfangs eher zu ihm als zu Natascha Vertrauen aufbaut.

Natascha ist Anwältin, sie geht eher rational vor und absolut nicht emotional. Wie man an der bevorstehenden Scheidung sehen kann, ist sie auch in ihrem Privatleben eher distanziert und neigt dazu, Probleme zu schlucken, statt über sie zu reden. Nun haben sich die Beiden entschieden, für Sarah als Pflegefamilie zu fungieren, weswegen sie gemeinsame Sache machen müssen, ob es ihnen gefällt oder nicht. Die 2 tun sich dann aber auch das ganze Buch über sehr schwer in ihrem Miteinander. Der Leser weiß eigentlich von Anfang an, wie die Geschichte zwischen den Beiden sich entwickelt – trotzdem wartet am Ende des Buches diesbezüglich noch eine Überraschung.

Bei den Nebencharakteren sticht Cowboy John heraus – er ist so etwas wie ein väterlicher Freund für Sarah und betreut den Stall, in dem Boo steht. John ist eine Figur, die mir beim Lesen richtig Spaß gemacht hat.

Leider verrät der rückseitige Klappentext schon sehr viel vom Buch, was die Geschichte dann nur allzu vorhersehbar macht. Trotzdem hat mich die Autorin mit der Geschichte um Sarah und ihr Pferd Boo begeistern können und ganz sicher war es nicht das letzte Buch, das ich von JoJo Moyes gelesen habe. 

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tuchvilla, modeatelier, augsburg, familiengeschichte, band 3

Das Erbe der Tuchvilla

Anne Jacobs
Flexibler Einband: 704 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.12.2016
ISBN 9783734103261
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wir befinden uns im Jahr 1920 in Augsburg. Der Aufbau nach dem Ende des 1. Weltkrieges schreitet stetig voran und bei Familie Melzer ist wieder der Alltag eingezogen. Das Lazarett ist aus der Empfangshalle verschwunden und die Villa erstrahlt wieder in altem Glanz.

Marie Melzer, die während des Krieges die Tuchfabrik am Laufen hielt, hat die Führung der Firma an ihren Mann Paul und dessen Freund Ernst von Klippstein abgegeben. Mutter Alicia hält in der Villa noch immer alle Fäden straff in der Hand und hat vor allen Dingen das Personal gut im Griff (Ausnahmen bestätigen die Regel). Tochter Elisabeth von Hagemann wohnt mit ihrem vom Krieg gezeichneten Ehemann Klaus auf einem Gut in Pommern und Kitty Bräuer lebt seit dem Tod ihres Mannes Alfons wieder mit ihrer Tochter Henny in der Tuchvilla. Aber das Leben der Mälzers ist von Veränderungen durchsetzt und nichts ist für die Ewigkeit.

Zum 3. und letzten Mal nimmt die Autorin Anne Jacobs den Leser mit in die Villa der Familie Melzer und genau wie die beiden umfangreichen Vorgänger „Die Tuchvilla“ und „Die Töchter der Tuchvilla“, wartet auch dieses Buch mit satten 672 Seiten auf. Wenn man Band 1 und 2 gelesen hat, fühlt sich Band 3 tatsächlich wie „nach Hause kommen“ an.

Ich denke es ist möglich, dieses Buch auch als Einzelband zu lesen. Im Hinblick auf die ganze (schöne) Vorgeschichte empfiehlt es sich jedoch, beide Vorgänger gelesen zu haben.

Den 2. Band habe ich vor fast genau 1 Jahr gelesen, weswegen ich zuerst einmal die Charaktere wieder sortieren musste. Zur Gedächtnisauffrischung streut die Autorin zwischendurch immer mal wieder Informationen ein, anhand derer ich mich dann auch wieder an Dinge erinnern konnte, die in meinem Gedächtnis leider nicht mehr ganz so präsent waren. Der Einstieg gelang mir deswegen recht schnell.

In erster Linie geht es in diesem Band um die Probleme zwischen Paul und Marie Melzer. Zwar haben sie vor dem Krieg aus Liebe geheiratet, aber Pauls Einberufung in den Krieg hat ihnen dann leider keine Zeit gelassen sich näher kennenzulernen und nun müssen sie gemeinsam den Alltag meistern.

Nachdem Marie die Leitung der Tuchfabrik wieder in die Hände ihres Mannes und dessen Freund von Klippstein zurückgegeben hat, widmet sie sich der Erziehung ihrer Kinder Dodo und Leo. So wirklich füllt sie dieser „Job“ aber nicht aus, weswegen Paul ihr einen Traum erfüllt, indem er Räumlichkeiten für ein Atelier anmietet, in dem Marie fortan ihre Kreativität ausleben kann. Erstaunlicherweise geht der Laden sehr gut – und das zu einer Zeit, in der der Kauf einer Toilette 300 Millionen Reichsmark kostet.

Man kann nicht alle Dinge gleichzeitig tun/haben und mit steigender Bekanntheit ihres Ateliers schwindet die Zeit, die Marie für ihre Kinder aufwenden kann, weswegen ihre Schwiegermutter Alicia, über alle Köpfe hinweg, Serafina von Dobern als Kinderfrau einstellt.

Frau von Dobern bringt ziemlich Unruhe in die Tuchvilla, denn ihre Erziehungsmethoden stoßen - außer bei Alicia - nirgendwo auf Wohlwollen. Ihr Einzug in die Villa hat Auswirkungen auf die ganze Familie und es scheint, als ob Alicia dieser Frau hörig wäre.

Positiv überrascht hat mich in diesem Buch Kitty, die in Band 1 und 2 fast immer rücksichtslos und egoistisch nur ihre eigenen Bedürfnisse durchgesetzt hat. In diesem Teil zeigt sie, dass sie durchaus auch anders kann, denn für ihre Familie wird sie zur Löwenmutter, die für das kämpft was sie liebt – ungeachtet aller Konsequenzen. Kitty entwickelt sich zu meiner Lieblingsfigur.
Elisabeth von Hagemann, normalerweise das genaue Gegenteil von Kitty, erscheint mir dieses Mal sehr wankelmütig und sprunghaft und erst eine Veränderung ihres persönlichen Umfeldes gibt ihr wieder ihre Selbstsicherheit und Stabilität zurück. Bei ihr braucht es tatsächlich bis fast zum Ende der Geschichte, bis sie wieder in Einklang mit sich selbst und ihrem Umfeld ist.

Auch Paul hat nicht immer meine uneingeschränkte Sympathie. Gerade was die Angelegenheit Serafina von Dobern betrifft, hätte ich mir von ihm ein konsequenteres Auftreten gewünscht – indem er auch seiner Mutter einmal die Stirn bietet, um diese von Dobern zu stoppen. Paul jedoch schweigt. Den Umgang mit seinen Kindern muss er ebenfalls erst lernen, hier braucht er ein wenig Zeit um dann doch noch auf den richtigen Pfad zu gelangen.

Neben den Herrschaften trifft der Leser natürlich auch wieder auf die Bediensteten der Tuchvilla und es ist schön zu sehen, dass auch ehemalige Angestellte immer willkommen sind um ihr Herz auszuschütten. Aber natürlich gibt es auch unter den Bediensteten eine Hackordnung, gegen die tunlichst nicht aufbegehrt werden sollte.

Auch im 3. Teil der Tuchvilla-Saga ist der Schreibstil von Anne Jacobs sehr angenehm zu lesen und die wechselnden Erzählungen jeweils aus Sicht der Melzers oder der Bediensteten, machen die Geschichte auch dieses Mal wieder abwechslungsreich. Die Sprache und das Auftreten der Personen passt für mich in die damalige Zeit und die Charaktere erscheinen mir realistisch und authentisch.

Die Autorin schafft es tatsächlich, dass es über die Gesamtlänge von 2.113 Seiten in 3 Bänden nicht langweilig wird. Lediglich am Schluss des 3. Bandes erscheinen Personen auf der Bildfläche, an die ich mich so gar nicht mehr erinnern konnte und die, meiner Meinung nach, nicht mehr hätten auftauchen müssen um der Geschichte einen Abschluss zu geben.

Alles in allem ist „Das Erbe der Tuchvilla“ ein wirklich gelungener Abschluss der Familien-Saga, die in und um die Zeit des 1. Weltkrieges angesiedelt ist. 

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Das große Kochbuch für den Thermomix®

Daniela Gronau-Ratzeck , Tobias Gronau
Fester Einband
Erschienen bei Südwest, 12.12.2016
ISBN 9783517095356
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich liebäugele schon sehr sehr lange mit einem Thermomix, konnte mich bisher jedoch mit dem Preis für dieses „Wundergerät“ nicht wirklich anfreunden. Aus diesem Grund habe ich mir ab und zu den TM31 meiner Nachbarin ausgeliehen. Im September letzten Jahres wurde ich dann von Freundinnen zu ihrem „Thermomix-Erlebniskochen“ eingeladen und so hatte ich an 2 Abenden Gelegenheit, den neuen Thermomix genauer unter die Lupe zu nehmen. Dann folgte eine Präsentation bei mir zu Hause und das Resultat aus dieser eingehenden Betrachtung steht nun in meiner Küche auf der Arbeitsplatte und heißt „TM5“.

Ich hatte auf meiner Präsentation zu meinem Mann gesagt, dass er sich dann zukünftig auch mal etwas umfangreicheres kochen kann, wenn ich mal wieder auf einem Seminar oder anderweitig nicht zu Hause bin. Meine bessere Hälfte hat das weit von sich gewiesen mit der Antwort „Wenn Du nicht da bist, gehe ich zu unserer Stamm-Pizzeria“ (die sich 150 m von uns entfernt, auf der anderen Straßenseite befindet). Ah ja ….. als ich das erste Mal nach Lieferung des TM5 einen etwas größeren Spaziergang mit unserer Hündin gemacht habe, hat der Herr des Hauses sich das Gerät dann doch mal näher angeschaut und anschließend Milchreis gekocht – mit der Guided-Cooking-Funktion und ganz ohne Anbrennen. :-)

Es ist zwar möglich, die eigenen Rezepte im TM5 zu kochen, am Anfang ist es jedoch einfacher Rezepte zu kochen, die schon jemand für den Thermomix „erfunden“ hat – und diese Rezepte zogen in Form des Kochbuches „Das große Kochbuch für den Thermomix“ hier ein.

Daniela & Tobias Gronau (von www.will-mixen.de) haben in diesem Buch über 100 Rezepte zusammengestellt, die man sowohl im TM31 als auch im TM5 kochen kann. Der Mixtopf des TM31 hat ein deutlich kleineres Fassungsvermögen, was bei Rezepten, die ausschließlich für den TM5 entwickelt wurden, zu einem Überkochen des Kochgutes führen kann. Diesem Umstand wurde hier Rechnung getragen.

Auf den ersten Seiten des Buches beschreiben die Autoren den Thermomix sehr ausführlich. Was ist das überhaupt für ein Gerät, was kann man mit dem TM machen, welche Funktionen umfasst er und wie wird er gereinigt? Es gibt Tipps zu den im Buch enthaltenen Rezepten und zum Umgang mit Lebensmitteln. Am Ende des Buches gibt es ein Rezeptregister, ein Impressum und eine Kurzinfo über die Autoren.

Die Rezepte selbst sind in mehrere Rubriken unterteilt wie Fingerfood..., Salate..., Suppen..., Fleisch..., Fisch..., Vegetarisches..., Veganes..., Herzhaftes Gebäck..., Aufstriche..., Partyrezepte..., Nachtisch..., Süßes Gebäck..., Getränke... und Mitbringsel … aus dem Thermomix.

Bei den Rezepten selbst handelt es sich nicht um die hundertundfünfte Variation von „Spaghetti Bolognese“ oder „Rouladen mit Rotkraut“ sondern um „Walnuss-Flammkuchen“ oder „Linsenbällchen mit Koriander-Joghurt-Dip“, um nur 2 Rezeptbezeichnungen zu nennen.

Um ein Kochbuch bewerten zu können, muss man die Rezepte selbst zubereiten und so habe ich meine Männer im Hause gebeten, doch ein paar Rezepte auszusuchen. Diese wurden dann von uns nachgekocht. Aus den vielen mit Post-it markierten Rezepten, haben wir 3 Hauptgerichte ausgewählt.

Hähnchencurry mit Reis (S. 48)


Alle im Rezept enthaltenen Zutaten konnten in unserem Supermarkt eingekauft werden.

Bei Punkt 7 fehlt, meiner Meinung nach, die Angabe der Gartemperatur. Ich habe – genau wie bei Punkt 6 – weiterhin 100°C genommen.

Den im Rezept enthaltenen Reis habe ich gesondert auf dem Herd zubereitet, da ich mir nicht vorstellen kann, dass ein schon vor dem Hauptgericht zubereiteter Reis nach ca. 25 Minuten (die die Zubereitung des Currys dann noch benötigt), noch ausreichend warm ist.

Ansonsten war die Zubereitung anhand der 10 Punkte einfach und gut nachzuvollziehen und das „Hähnchencurry mit Reis“ hat uns allen sehr gut geschmeckt.

Die Menge ist für 4 Portionen angegeben – wir wurden mit 3 Personen an 2 Tagen davon satt.

Rotbarsch in Kräuterkuste (S. 74)

Der Fisch wurde an einem Sonntag gekocht, an dem ich nicht zu Hause war. Es handelte sich also um ein „Männeressen“, da mein Mann das Rezept zubereitet hat.

Rotbarsch und Fenchel sind in unserem Supermarkt frisch im Sortiment enthalten, also stand dem Vorhaben nix entgegen.

Die Zubereitung anhand der 8 Schritte war einfach und gut nachvollziehbar, selbst für meinen Mann, der nicht so oft in der Küche steht und kocht.

Die Garzeit ist mit 20 – 25 Minuten angegeben. Nach dieser Zeit war der Fisch jedoch noch kalt, weswegen die Zeit auf 50 Minuten verlängert wurde. Das variiert wahrscheinlich von Backofen zu Backofen, weswegen man hier auf jeden Fall eine Garprobe/Stäbchenprobe nehmen sollte.

Auch dieses Gericht kam bei beiden Männern gut an.

Enchiladas de Queso (S. 83) – Vegetarisches aus dem Thermomix

Beim Nachkochen von Rezepten halte ich mich beim 1. Mal strikt an die vorgegebenen Zutaten und Zeiten, damit ich später auch nachvollziehen kann, ob es am Rezept oder an mir lag, wenn etwas in die Hosen ging oder das Essen nicht schmeckt.

Für 400 g Cheddar-Käse habe ich 10,20 € bezahlt. Den Preis des Käses sollte man im Auge behalten, falls man das finanziell nicht leisten kann. Cheddar ist jedoch sehr eigen im Geschmack und ich weiß nicht, ob man ihn einfach durch Gouda oder Emmentaler ersetzen könnte. Das werde ich jedoch bei nächster Gelegenheit ausprobieren. Parmesan geht auf jeden Fall nicht, der hat andere Schmelzeigenschaften und auch einen anderen Geschmack.

Auch hier habe ich alle Zutaten problemlos im Supermarkt bekommen. Bei weniger großen Supermärkten, könnte es evtl. bei der Beschaffung der Jalapenos und den Tortillas zu Problemen kommen. Ein Rezept um die Tortillas selbst zu machen, gibt es im Buch auf Seite 103.

Da ich nicht wusste, wie scharf dieses Gericht letztendlich werden wird und mein Mann nicht gerne allzu scharf isst, habe ich bei den grünen Chilischoten die Kerne entfernt.

Auch bei diesem Rezept konnte ich problemlos den ersten 9 Punkten der Anleitung folgen. Bei Punkt 10 – dem Füllen der Tortillas – musste ich ein wenig kreativ sein, denn die Gemüsemischung war ziemlich flüssig und nach dem Aufrollen der Tortillas lief diese rechts und links wieder aus dem Fladenbrot heraus. Es war also nicht so einfach, diese in die Auflaufform zu legen. Vermutlich bedarf das aber nur einiger Übung.

Letzten Endes habe ich es geschafft die gefüllten Tortillas in eine Auflaufform zu bekommen. Den Rest der Käse-Schmand- und der Gemüsemischung drüberschütten, zerkleinerte Tortillachips und die Jalapenos obendrauf und ab damit in den Backofen.

Die angegebene Garzeit von 25 – 30 Minuten habe ich um 10 Minuten erhöht (nach der Erfahrung mit dem Rotbarsch) und nach 40 Minuten konnten wir das Essen genießen.

Die Jalapenos sind schon in der einfachen Ausführung sehr scharf (es gibt sie noch in „scharf“ und „extra scharf“) und wer es nicht ganz so gerne sehr scharf möchte, der kann diese auch ganz einfach weglassen.

Alles in allem hat uns auch dieses Gericht geschmacklich überzeugt – und obwohl wir 3 Fleisch(fr)esser sind, hat uns das Hackfleisch hier überhaupt nicht gefehlt. Die Schärfe wurde als angenehm empfunden.

Die Fotos zu den Gerichten sind hochwertig und ansprechend. Es gibt jedoch nicht zu jedem Rezept ein Foto, was mich persönlich ein wenig traurig zurück lässt, denn ich bin ein absoluter Augenmensch – für mich wird ein Rezept erst dann interessant, wenn mich das dazugehörige Produktfoto anspricht. Aber natürlich ist ein Foto auch immer ein nicht zu verachtender Kostenfaktor, der den Preis für das Buch in die Höhe getrieben hätte.

In meiner Ausgabe sind noch etliche Post-it-Zettel eingeklebt und ich werde mich nach und nach durch das Buch kochen. Für das kommende Wochenende steht der Pizzakranz von Seite 132 auf dem Plan, die Karamellcreme auf Seite 150 lässt meinen süßen Zahn tropfen und auch die Zimtschnecken werden demnächst auf dem Sonntags-Frühstückstisch stehen.

Für meine Begriffe hat der interessierte TM-Benutzer hier ein solides Kochbuch in der Hand, mit dem es recht einfach ist, gute und schmackhafte Gerichte zu kochen. Die Rezepte weichen vom Standard ab, sind aber nicht extravagant, die Zutaten sollten überall erhältlich sein.

Ich werde dieses Buch ganz sicher in der Zukunft noch öfter zur Hand nehmen. 

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45 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

australien, waisenhaus, amerika, debüt, hass

Das Land der roten Sonne

Harmony Verna , Marie Rahn
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 17.10.2016
ISBN 9783352008887
Genre: Historische Romane

Rezension:

>>Sie wanderten der Sonne entgegen. Ihre mageren Beine bewegten sich wie von selbst; ihre Finger rieben die schlafverklebten Augen. Anziehen war unnötig, was sie am Leib hatte, trug sie Tag und Nacht. Hunger war so selbstverständlich wie Atmen.<<

So beginnt die Geschichte eines Mädchens, das von ihrem Vater unter einem Eukalyptusbaum in der Wüste zurückgelassen wurde. Er lässt eine Wasserflasche bei ihr, deren Verschluss sie mit ihren kleinen Fingern nicht zu öffnen vermag und als sie dem Tod näher ist als dem Leben, wird sie von einem Wanderarbeiter gefunden und in die nächstgelegene Stadt gebracht. Dieser Stadt verdankt sie ihren Namen: Leonora. Für kurze Zeit kümmert sich die Frau des ortsansässigen Arztes um die Kleine, bevor sie in einem Waisenhaus landet.

Traumatisiert durch ihre Vergangenheit, spricht Leonora kein einziges Wort. Erst durch James, den sie im Waisenhaus kennenlernt, findet sie ins Leben zurück. Zwischen den Beiden entsteht eine Verbindung, für die es keine Bezeichnung gibt. Es ist mehr als Freundschaft, es ist Seelenverwandtschaft.

Das Schicksal will es, dass Leonora von einem Ehepaar adoptiert und nach Amerika gebracht wird. Auch James verlässt das Waisenhaus. Auf ihn wartet die harte Arbeit auf einer kleinen Farm seines Onkels und seiner Tante, die der Leiter des Waisenhauses ausfindig gemacht hat. Die nächsten Jahre sind für beide nicht einfach. Es sind Jahre voller Entbehrungen und harter Arbeit. Nach Leonoras Hochzeit wird ihr Mann als Verwalter einer Mine eingesetzt – in Australien. So kehrt Leonora nach Jahren in ihr Heimatland zurück und trifft dort auch auf James, der als Verwalter auf einer großen Farm arbeitet.

Ich liebe historische Romane und ich liebe Bücher, die in Australien spielen. „Das Land der roten Sonne“ vereint beides und so griff ich sehr gerne zu diesem Buch. Auf den ersten Seiten hatte ich mal wieder das Gefühl, dass ein übersetztes Buch sich nicht ganz so rund liest, wie ein Buch, das in seiner Originalsprache geschrieben ist. Dieses Gefühl verschwand jedoch sehr schnell und so konnte ich mich voll und ganz auf das Buch einlassen.

Die Geschichte wird aus 3 Perspektiven erzählt: Leonora, James und Ghan, der Wanderarbeiter, der Leonora vor dem sicheren Tod gerettet hat. So ist der Leser immer nah an den Protagonisten und erfährt die Geschichte aus Sicht des jeweiligen Erzählers. Alle 3 haben kein einfaches Leben.

Leonora wird durch die Adoption in eine Rolle gesteckt, die von ihrer eigenen Lebensgeschichte weit abweicht und ihre Adoptiv“mutter“ nimmt dabei auf nichts und niemanden Rücksicht. Gnadenlos verlangt sie von Leonora, sich ihren Wünschen (Anordnungen!!??) zu beugen – inklusive einer Heirat, die Leonora nicht möchte.

James kommt zwar im weitesten Sinne wieder in seine Familie, da er bei Onkel und Tante aufwachsen wird, aber nur einer der beiden Erwachsenen bringt James echte Gefühle entgegen. Das Leben besteht nur aus arbeiten, essen und schlafen. Seine Freundschaft zu Tom und dessen Familie ist ein Lichtblick im Leben von James.

Ghan ist vom Leben gezeichnet, ihm fehlt ein Bein und sein Gesicht ist verstümmelt, aber entgegen seines wüsten Aussehens hat er ein Herz aus Gold. Ohne seine Hilfe, wäre Leonora gestorben. Ghan ist nur am Anfang und am Ende der Geschichte wirklich wichtig, aber der Leser erfährt zwischendurch immer mal wieder, was er gerade treibt und wie es ihm geht.

Mit Ausnahme von Alexander, Leonoras Ehemann, sind mir die Hauptprotagonisten allesamt sympathisch, jeder auf seine Art. Bei Alexander habe ich ab und an gedacht, dass er mal eine saftige Abreibung bräuchte, um wieder eingenordet zu werden. Aber wir befinden uns im Jahr 1898 und da hatten die Männer nun mal in allen Belangen des Lebens die Hosen an. Sehr zum Nachteil der Frauen.

Es handelt sich bei diesem Buch nicht nur um eine Liebesgeschichte, denn Leonora und Jamens finden tatsächlich erst in Richtung Ende des Buches zueinander. Vielmehr verwebt die Autorin geschickt mehrere Themen in ihrem Buch. Die Rolle der Frau, die Stellung und den Einfluss der Kirche, der Umgang der Weißen mit den Ureinwohnern Australiens, die Ausbeutung von Arbeitern durch ihre Arbeitgeber, der Umgang mit Krankheiten bzw. Epidemien und die Kluft zwischen der armen und reichen Bevölkerung.

Der Schreibstil ist – nach kurzer Eingewöhnungszeit für mich – sehr gut zu lesen. Die Charaktere sind meiner Meinung nach alle hervorragend ausgearbeitet und jeder für sich macht eine Entwicklung durch – ob positiv oder negativ ….. da gibt es tatsächlich für jede Richtung einen oder mehrere Anwärter.

„Das Land der roten Sonne“ hat mir sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne an meine Mutter und meine Schwester weiter, die auch beide mit Vorliebe historische Australienromane lesen. 

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73 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

liebe, theresia graw, briefe, familie, wenn das leben loopings dreht

Wenn das Leben Loopings dreht

Theresia Graw
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 21.11.2016
ISBN 9783734102462
Genre: Liebesromane

Rezension:

Stell Dir vor, Du findest in Deinem Briefkasten einen Brief – die Adresse ist korrekt, denn das ist die Deine, aber der Adressat bist nicht Du, sondern eine Laura Caspari. Der Brief enthält keinen Absender, man kann ihn also nicht zurückschicken und der Poststempel ist aus dem Ausland. Eine Laura Caspari ist im näheren Wohn-Umfeld nicht ausfindig zu machen. Was würdest Du tun? Ignorieren? Wegwerfen? Oder ihn öffnen und lesen?

Letzteres hat Franziska getan. Sie hat den Brief geöffnet und findet einen von Hand geschriebenen, mehrseitigen Liebesbrief von einem Alex an diese Laura Caspari. Alex hat, wie er selbst im Brief schreibt, seine Postadresse extra nicht angegeben, da er nicht mit einer Antwort rechnet. Scheinbar ist er sich aber nicht so ganz sicher, was er wirklich möchte, denn es folgen noch weitere Briefe an Laura, die Franziska ebenfalls liest. Mehr und mehr wächst in ihr der Wunsch, den Absender dieser überaus liebevollen Briefe kennenzulernen und als Alex in seinem letzten Brief seine aktuelle Adresse offenbart, beschließt Franziska spontan, ihn zu besuchen. Ihr Mann ist auf Geschäftsreise und die beiden Kinder sind anderweitig beschäftigt und so parkt sie den Hund bei den Nachbarn und macht sich auf, einen Mann zu (be)suchen, von dem sie nichts kennt als seinen Namen und seine Handschrift.

„Wenn das Leben Loopings dreht“ von Theresia Graw ist mitten aus dem Leben gegriffen. Franziska ist 50 Jahre alt, verheiratet, hat Haus, Hund und 2 Kinder und lebt in gesicherten Verhältnissen. Ihr Mann ist ein angesehener Wissenschaftler und in ihrer Ehe hat sich der Alltag breit gemacht. Daniel verbringt sehr viel Zeit auf der Arbeit, die Kinder verlangen auch nicht mehr rund um die Uhr nach der Mutter und außer dem Hund interessiert sich niemand so wirklich für sie und so rutscht Franziska, in eine Art Midlife-Crisis. In den Briefen von Alex findet sie etwas, was ihr in ihrem Leben gerade sehr fehlt und so wundert es nicht, dass sie sich mehr und mehr zum Briefeschreiber hingezogen fühlt und diesen dann auch sucht und findet. Dass sie an manchen Stellen impulsiv und ohne nachzudenken handelt, macht sie menschlich – auch wenn ich nicht jede/n ihrer Gedanken/Taten nachvollziehen kann.

Bei Franziskas Mann Daniel muss ich Abbitte leisten. Ich bin wohl, wie viele andere LeserInnen vermutlich auch, einer falschen Fährte aufgesessen. Aber eigentlich hat Franziska den Weg geebnet, den ich dann gegangen bin. Sie steigert sich hier in etwas hinein und gelangt irgendwann an einen Punkt, wo sie keinen anderen Gedanken mehr zulässt als den, den sie selbst für real empfindet. Ein gewisses Maß an Eifersucht ist wahrscheinlich gut für jede Beziehung, aber bevor man sich so in etwas hineinsteigert wie Franziska das tut, sollte man den Weg gehen, der am vernünftigsten ist: Einfach mal miteinander reden.

Neben den Kindern Basti und Isa, die beide noch ihren Weg im Leben finden müssen, lernen wir auch die homosexuellen Nachbarn „Tim und Struppi“ und Franziskas beide Freundinnen Helen und Mona kennen. Hier greift wohl der Spruch, dass Gegensätze sich anziehen, denn die Freundinnen könnten unterschiedlicher nicht sein – aber sie tun sich gut und können sich aufeinander verlassen. Und das ist es, was im Leben zählt.

Der Schreibstil von Theresia Graw ist angenehm zu lesen und die Geschichte ist mit sehr viel Humor gespickt.

„Und wir hatten erst neulich wieder Sex gehabt. Also relativ neulich. An Fasching, genauer gesagt.........
Und davor? Weihnachten, glaubte ich. Aber welches Weihnachten? Im vorigen oder vorvorigen Jahr? Ich wusste es wirklich nicht mehr.“

Alles in allem hat mich dieses Buch wirklich gut unterhalten und mir ein paar schöne Lesestunden beschert. Das Ende war überraschend anders als gedacht ….… aber vollkommen passend. Mit Sicherheit findet die ein oder andere Leserin sich in Franziska wieder. 

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35 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

cornwall, trauer, spannung, verlust, kinder

Der Duft von Nelken

Noa C. Walker
Flexibler Einband: 442 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 25.10.2016
ISBN 9781503942141
Genre: Romane

Rezension:

Vor 7 Jahren blieb Sandras Welt einfach stehen. An dem Tag, an dem ihr Mann und ihre beiden Kinder bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen.

Bevor Depressionen und Selbstmitleid sie vollkommen lähmen, begibt Sandra sich in Therapie, erlernt den Beruf der Kinderkrankenschwester und unterstützt mit Spendengeldern eine Kinder-Onkologie. In der Firma, die sie von ihrem Vater geerbt und die Oliver bis zu seinem Tod geleitet hat, lässt sie sich nur selten blicken – sie weiß die Geschäfte in fähigen Händen – und nimmt dort nur hin und wieder repräsentative Aufgaben wahr. Als sie von ihrem Onkel erfährt, dass aktuell jemand versucht die Aktienmehrheit der Firma zu erlangen, beginnt sie das frühere Handeln ihres Mannes zu hinterfragen und findet in den Unterlagen von Oliver einen Schlüssel für ein Schließfach bei einer Schweizer Bank. Der Inhalt des Schließfaches wirft unendlich viele Fragen auf und die Antworten auf diese Fragen scheint es nur in Cornwall zu geben, der Grafschaft in England, aus der Oliver ursprünglich stammt. Also begibt sich Sandra nach Heathercliff Manor …..

Nachdem ich von der Autorin Noa C. Walker im letzten Jahr das Buch „Du, ich und die Farben des Lebens“ gelesen hatte, freute ich mich schon sehr auf ihr neues Buch und stellte die Taschentuch-Box bereit. Die hier erzählte Geschichte entwickelte sich jedoch in eine vollkommen andere Richtung – was nicht schlecht, sondern anfangs nur verwirrend war. Ich erwartete eine Herz-Schmerz-Geschichte und bekommen habe ich eine Art Mistery-Thriller.

Auf Heathercliff Manor angekommen, passieren merkwürdige Dinge. Sandra sieht nachts vor ihrem Zimmerfenster ein Gesicht, vor ihrem Fenster liegen Nelken auf dem Boden, ihre Lieblingsblumen, am Grab ihrer Familie gehen merkwürdige Dinge vor sich, über ihrem Bett hängt auf einmal mitten in der Nacht ein anderes Bild und sie hört Stimmen/Geräusche die ihr das Gefühl geben, wahnsinnig zu werden.

Die Autorin legt hier geschickt Spuren in alle Richtungen aus. Mir ging es so wie Sandra – ich hatte das Vertrauen zu jeder einzelnen Person in diesem Buch verloren. Wer ist auf ihrer Seite und wer nicht? Selbst Timo, den Sandra auf einer Zugfahrt kennengelernt hat, ist nicht uneingeschränkt vertrauenswürdig.

Nach und nach und mit Timos Hilfe schafft Sandra es, die Fakten zusammenzutragen und mit jedem weiteren Puzzleteilchen, das sich ineinander fügt, wird ihr immer deutlicher bewusst, dass Oliver sie betrogen hat – in jeder Beziehung. Ihrem Mann hinterher zu schnüffeln verlangt Sandra extrem viel ab, auch 7 Jahre nach seinem Tod, aber nun möchte sie die ganze Wahrheit wissen – und sie bekommt sie, die ganze, ungeschönte Wahrheit. Aber Sandra weiß, dass es nur diesen Weg gibt, mit der Vergangenheit abzuschließen und ein neues Leben anzufangen, ohne all die quälenden bösen Geister.

Der Schreibstil von Noa C. Walker ist, wie auch im Vorgängerbuch, angenehm zu lesen. Die Charaktere sind allesamt gut ausgearbeitet und wirken und handeln realistisch. Sandra macht in diesem Buch die wohl krasseste Entwicklung durch, denn am Ende des Buches erlebt der Leser eine total andere Frau. Es gibt einige Nebencharaktere und es ist nicht von Anfang an ersichtlich, welche der Personen für die Story wichtig ist – einige Personen sind zwar wichtig für die Entwicklung, nicht aber für die Auflösung der Geschichte.

Natürlich gibt es auch eine kleine Romance, die aber eher im Hintergrund bleibt und sich nur langsam entwickelt.

Auch wenn ich zuerst etwas anderes erwartet hatte, hat mich dieses Buch sehr gut unterhalten. 

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thriller, detox, piper verlag, dunkles geheimnis, entspannung

Detox

C.L. Taylor , Frauke Brodd
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.12.2016
ISBN 9783492303811
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als Jane Hughes von ihrer Chefin einen Brief ausgehändigt bekommt, bleibt für einen kurzen Moment ihr Herz stehen. Auf dem Blatt, das sie aus dem Umschlag zieht, steht nur ein einziger Satz, mittig auf dem Papier und mit blauem Kugelschreiber von Hand geschrieben: „Ich weiß, dass Du nicht Jane Hughes heißt“. Der Absender hat Recht; Jane Hughes heißt in Wirklichkeit Emma Woolfe, aber das kann eigentlich niemand wissen. Vor 5 Jahren hat Emma ihre Identität gewechselt, arbeitet seit dem in einem Tierheim, wohnt in einem kleinen eigenen Haus und trifft sich seit ein paar Wochen mit Will. Ein ganz normales Leben, dessen Beschaulichkeit von jetzt auf gleich auf der Kippe steht.

Denn … was möchte der Briefeschreiber von Jane?
Und woher weiß er (sie?) von ihrer wahren Identität?

Was genau vor 5 Jahren geschehen ist, erfährt der Leser aus der Sicht von Emma Woolfe. Die Ereignisse im Hier und Jetzt beschreibt Jane Hughes.

Vor 5 Jahren haben sich 4 junge Frauen auf den Weg gemacht, um gemeinsam einen Urlaub in Nepal zu verbringen. Alexandra (Al) Gideon, Daisy Hamilton, Leanne Cooper und Emma Woolfe. Die Mädchen sind 25 bzw. 26 Jahre alt. Um Abstand von ihrem Alltag zu bekommen, aber auch um Al ein wenig von ihrem Liebeskummer abzulenken, möchten sie ein paar Tage im Wellness-Ressort Ekanta Yatra verbringen. Nachdem die 4 dort angekommen sind, zeigt das Paradies jedoch sein wahres Gesicht. Als Emma und Al das Ressort verlassen wollen, wird ihnen klar, dass sie den Ressortbetreibern hoffnungslos ausgeliefert sind – der Rückweg wird ihnen verwehrt. Was dann folgt, wird zum Albtraum aller Beteiligten.

Ich lese seit fast 3 Jahren überwiegend Bücher von deutschen oder deutschsprachigen Autoren, die keiner Übersetzung bedürfen. Immer wieder stelle ich in letzter Zeit fest, dass ich mit Büchern, die aus dem Englischen übersetzt wurden, nicht mehr so gut klar komme. Sie fühlen sich für mich nicht rund an, irgendwie holprig, aber es handelt sich dabei nicht um Übersetzungsfehler sondern einfach um ein Gefühl, das mich beschleicht, wenn ich ein solches Buch lese.

Was die 4 Frauen miteinander verbindet, konnte sich mir nicht so ganz erschließen. Schon direkt ab dem 1. Tag kam es zu Streitigkeiten untereinander und jede redete über die jeweils Andere schlecht. Für mich als Leser sah das nicht unbedingt nach Freundschaft aus. Vermutlich hätte ich schon gleich wieder umgedreht und wäre nach Hause gefahren.

„Al und Leanne grunzen vor Vergnügen, und es ist genau wie an unserem ersten Abend in Nepal, in der Bar in Bathmandu, nur dass dieses Mal kein spielerischer Unterton in Daisys Neckereien mitschwingt und in ihren Augen kein freundliches Funkeln liegt. Sie würdigt mich keines Blickes, etwa um zu sehen, ob ich mitlache. Es ist so, als würde ich nicht mehr existieren.“

Bei den Streitigkeiten geht es oft um Dinge, die lange in der Vergangenheit liegen – und die immer und immer wieder „aufgewärmt“ werden. Unter Freunden sollten solche Dinge eigentlich nicht so viele Jahre vor sich hin gären können. Zudem wird ständig thematisiert, wer wem wann den Sexualpartner abspenstig gemacht hat, was auf Dauer etwas nervend wird.

Streckenweise zieht sich das Buch sehr in die Länge und letztendlich hat mir der Thrill gefehlt, der einen Thriller ausmachen sollte. Emmas Handlungen in der Vergangenheit waren nicht immer nachvollziehbar und manchmal musste ich sogar zurückblättern und einzelne Passagen nochmals lesen um zu verstehen, um was es hier eigentlich gerade ging.

Alles in allem konnte mich dieses Buch leider ganz und gar nicht überzeugen. 

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island, maly, armut, rebecca maly, landschaft

Die Schwestern vom Eisfluss

Rebecca Maly
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.10.2016
ISBN 9783499272547
Genre: Romane

Rezension:

Obwohl Jorun vor vielen Jahren den Entschluss gefasst hatte, niemals mehr wieder auf den elterlichen Hof zurückzukehren, bleibt ihr momentan keine andere Möglichkeit. Zum Ende des Winters verliert sie ihre Anstellung als Magd und es ist gewiss, dass sie auf keinem anderen Hof eine Anstellung finden wird. Die Bauern haben selbst nicht genug für sich und ihr Vieh und so macht sich Jorun auf den Weg zum Steinurshof, der seit der Hochzeit von ihrer Schwester Salbjörg und deren gewalttätigem Ehemann Torger geführt wird. Während Torger über das unerwartete Auftauchen seiner Schwägerin nicht ganz unglücklich ist, wird Jorun von ihrer Schwester eher kühl und distanziert in Empfang genommen. Das Verhältnis zwischen den beiden Schwestern wird kurz darauf dann richtig auf die Probe gestellt, als Jorun herausfindet, dass Salbjörg den verletzten Erlendur in einer abgelegenen Hütte versteckt hält um ihn gesund zu pflegen. Dieser steht im dringenden Verdacht, 2 Menschen getötet zu haben.

Hat Erlendur die Atlisson- Brüder tatsächlich getötet?

Der Roman „Die Schwestern vom Eisfluss“ ist nicht der erste historische Roman, den ich von Rebecca Maly gelesen habe. Bisher haben sich die Schauplätze jedoch immer in wärmeren Gefilden befunden, so dass ich zum 1. Mal mit der Autorin im kalten Island unterwegs war. Zu Beginn des Buches empfand ich auch den Schreibstil der Autorin etwas kühler als gewohnt, was mir den Einstieg nicht ganz so leicht gemacht hat, wie bei ihren vorherigen Büchern. Aber nach wenigen Seiten hat sich dieses Gefühl dann auch schon wieder gelegt.

Die Geschichte, die im Island des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist, wird aus der Sicht von 3 Personen erzählt: Jorun, Salbjörg und Erlendur. Auf diese Art und Weise ist der Leser immer nah an den einzelnen Protagonisten dran und man kann die Gefühle, Gedanken und Vorgehensweisen der Personen schön mitverfolgen.

Von den beiden Schwestern kann ich am ehesten mit Jorun mitgehen, denn sie ist nicht ganz so verbittert wie Salbjörg, die unter der Herrschsucht und Schlagfreudigkeit ihres Mannes Torger leidet. Jorun hat zwar kein einfaches aber ein deutlich besseres Leben als ihre Schwester, letztendlich haben jedoch beide ihr Päckchen zu tragen.

Erlendur ist ein stattlicher junger Mann, der die Hilfe und das Versteck von Salbjörg nicht ausschlagen kann, da es ihm so dreckig geht, dass er keine andere Wahl hat. Sein größtes Problem ist, dass er sich überhaupt nicht an ein Zusammentreffen mit den Atlisson-Brüder erinnern kann – aber ihm wird der Tod der Beiden angelastet und er wird gesucht.

Der Schreibstil von Rebecca Maly ist, wie gewohnt, gut zu lesen. Abgerundet wird die Geschichte durch Landschaftsbeschreibungen, die dem Leser ein Bild des Settings vor Augen entstehen lassen und durch die wechselnden Erzähler, wird die Spannung sehr schön von Abschnitt zu Abschnitt transportiert. Alle Charaktere wurden realistisch angelegt und entwickeln sich im Laufe des Romans weiter – und wieder einmal bin ich froh, im Hier und Heute leben zu dürfen. Die Verbundenheit der Autorin mit dem Land Island ist deutlich spürbar.

„Die Schwestern vom Eisfluss“ ist ein gut recherchierter historischer Roman, den es sich zu lesen lohnt. 

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