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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

krimi, sterilität, behandlung

Der Preis für kein Kind

Petra Johann
E-Buch Text: 351 Seiten
Erschienen bei null, 04.01.2016
ISBN B01A6YAGZS
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Während Johanna Bischoff in Ammerbach an der Ampel warten muss, fällt Ihr Blick auf eine Tageszeitung, die in einem Ständer am Kiosk direkt neben der Ampel ausgehängt ist. Auf dem Titelblatt der Zeitung prangt das Foto einer Frau, deren Leiche man aus dem Ammerbacher Weiher geborgen hat.

Bei der Toten handelt es sich um Christine Lenz - die Frau, die Johanna vor ca. 10 Tagen auf einem Münchener Friedhof angesprochen und um Hilfe gebeten hatte.

Johanna geht sofort zur Polizei - aber die Geschichte, die sie dort erzählt, ist so außergewöhnlich, dass die Polizisten denken, sie wolle ihnen einen Bären aufbinden und schenken ihrer Aussage keinen Glauben. Johannas Aussage nach hat Christine Lenz sie angefleht, ein Kind für sie auszutragen. Und nun ist sie tot.

Nach "Schatten der Schuld" (mein Krimi-Highlight 2015) habe ich mit "Der Preis für kein Kind" den 2. Kriminalroman aus der Feder von Petra Johann gelesen. Die Erstveröffentlichung fand im Jahre 2011 statt. Das Buch wurde nun erstmals als eBook aufgelegt.

Der Schreibstil ist auch hier sehr angenehm und man rutscht als Leser gleich ins Geschehen hinein.

Johanna Bischoff hat ihren Job gekündigt und gönnt sich ein paar Tage Auszeit in Ammerbach - bei ihrer Freundin Mona, die gerade mit Zwillingen schwanger ist, und deren Ehemann Holger. Durch den Kontakt zu Christine Lenz, kurz vor ihrem Tod, wird Johanna unfreiwillig in die Ermittlungen hineingezogen.

Die Polizisten Grabmeier und Becker können es drehen und wenden, wie sie möchten, niemand hatte ein wirkliches Motiv Christine Lenz umzubringen. Genau wie die Polizei, tappe auch ich bis zum Schluss des Buches im Dunkeln, denn ohne Motiv tötet (im Normalfall) niemand einen anderen Menschen. Zum Ende werden alle offenen Fragen, die sich dem Leser nach und nach stellen, beantwortet.

Im Laufe der Ermittlungen stoßen die Polizisten auf das Thema Reproduktionsmedizin [Intrauterine Insemination (IUI) / In-Vitro-Fertilisation (IVF) / Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) / MESA/TESE / Einfrieren von Eizellen (Kryokonservierung)] und man merkt schnell, dass die Autorin diesbezüglich keine Floskeln von sich gibt, sondern wirklich hervorragende Recherchearbeit geleistet hat. Das Thema wird mit der notwendigen Sensibilität behandelt und gut verständlich beschrieben.

Die Protagonisten sind allesamt schön ausgearbeitet und auch die Gefühle der betroffenen Personen, für die es ohne Hilfe nicht möglich ist eigene Kinder zu bekommen, werden schön zwischen den Figuren und dem Leser transportiert. An ungewollter Kinderlosigkeit können Ehen oder ganze Familien ohne weiteres zerbrechen - am selbst auferlegten Stress, unbedingt ein Kind bekommen zu müssen, jedoch auch.

Nun muss ich mir in meinem straff durchorganisierten Leserundenkalender einen Termin suchen, an dem ich das Buch "Windflüchter" von Petra Johann lesen kann.

Wer eine guten Krimi sucht, der ist bei einem Buch von Petra Johann an der richtigen Adresse.

Herzlichen Dank, liebe Petra, für die Zurverfügungstellung des Leseexemplares und Deine Zeit, unsere Leserunde zu begleiten. 

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

leistungssport, körperoptimierung

Freestyler

Katja Brandis , Johannes Wiebel
Fester Einband: 438 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 01.02.2016
ISBN 9783407821010
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die 17jährige Jola ist Sportlerin - genauer gesagt ist sie Sprinterin - und ihr größter Traum ist es, an der Olympiade im Jahr 2032 in Argentinien teilzunehmen. Sie trainiert sehr hart für ihren Traum, aber ihr Körper hat eine Schwachstelle: Ihre Achillessehne.

Wir befinden uns im Jahr 2030 und es gäbe die Möglichkeit, dass Jola ihre Beine optimieren ließe. Implantierte Muskeln/Sehen aus Carbonfaser und sie würde schneller laufen als jemals zuvor. In Jolas Augen ein absolutes NoGo. Entweder sie läuft mit ihren eigenen Körperteilen oder gar nicht.

Für die bevorstehende Weltmeisterschaft in Osaka findet Jola einen Sponsor und sie fliegt voller Energie und Hoffnung nach Osaka. Die Ausscheidungsläufe für das Finale absolviert sie mit Bravour - doch den alles entscheidenden Sprint versaut ihr eine dick angeschwollene und extrem schmerzende Achillessehne. Platzt nun ihr Traum von der Olypmiade?

Die Sponsoring-Firma signalisiert Jola, dass sie gerne weiterhin ihr Sponsor sein möchten - wenn sie sich die Beine optimieren lässt.

Jolas Eltern würden einer Optimierung niemals zustimmen, aber in wenigen Tagen feiert sie ihren 18. Geburtstag und kann dann über ihren Körper selbst entscheiden. Wird Jola ihre Ansicht zum Thema "Körperoptimierung" ändern oder nicht?

Katja Brandis führt den Leser in ihrem Buch "Freestyler" ins Jahr 2030. Gar nicht mehr so weit entfernt von heute und ich glaube tatsächlich, dass viele Dinge, die in diesem Buch noch Fiktion sind, dann Wirklichkeit sein könnten.

Die Wettkämpfer werden in verschiedene Sparten eingeteilt. Zum einen gibt es die normalen Sportler, so wie Jola. Zum anderen gibt es die Sportler mit Modifikationen/Optimierungen. In dieser Sparte wird noch einmal unterschieden zwischen Menschen mit Behinderung und Menschen, die sich nur im Sinne des Sportgedanken "schneller, höher, weiter" optimieren lassen.

Die "Sport-Optimierungen" sind z. B. Sehnen aus Carbon, die dem Sportler mehr Leistung, für das tägliche Leben aber nicht unbedingt einen Vorteil bringen. Was passiert eigentlich, wenn diese Modifizierungen irgendwann einem natürlichen Verschleiß unterliegen? Braucht man als Mensch dann ein Ersatzteillager?

Bei den Optimierungen für Behinderte handelt es sich beispielsweise um Beinprothesen, wie bei Ryan. Ryan hat bei einem Autounfall beide Beine verloren und seine Beinprothesen ermöglichen ihm ein (fast) normales Leben, im Gegensatz zu einem Leben im Rollstuhl, bei dem er vor jeder Treppenstufe kapitulieren muss. Da auch er Sprinter ist, hat er ein Paar "Alltags-Beine" und ein Paar "Sport-Beine", die härteren Anforderungen standhalten.

Im Buch wird in diesem Zusammenhang der Sprinter Oscar Pistorius erwähnt, der 2012 bei den Paralympic Games in London im Finale über eine Strecke von 200 Meter die Silbermedaille gewonnen hat. Oscar Pistorius fehlen beide Unterschenkel.

Hier der Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=A9Wlp1sTnoY

Als Ryan und Jola sich kennenlernen, sitzt Ryan im Rollstuhl. Im Laufe der Geschichte freundet er sich mit seinen Prothesen an und wird zu einem richtig guten (Sports-)Freund für Jola. Ryan ist mir sehr sympathisch. Von Anfang an war mir klar, dass die Beiden ein Paar werden müssen. Aber Jola ist nicht unbedingt meiner Meinung. Sie lässt sich lieber auf einen Typen ein, der sie nicht unbedingt liebt aber doch gut zu beeinflussen versteht.

Alle Charaktere, die in "Freestyler" beschrieben sind, konnten mich überzeugen. Sie sind durch die Bank weg lebensecht gezeichnet und die Beschreibungen des Trainings, der Wettkampfvorbereitungen oder -durchführungen lassen auf eine sehr ausführliche Recherche der Autorin schließen. Die Stimmung in einem Olympiastation und auch die Enttäuschung/Freude über Sieg oder Niederlage kann man als Leser wirklich sehr gut mitfühlen. Ebenso der Neid und die Missgunst, die unter verschiedenen Sportlern herrscht.

Erschreckend fand ich, dass Jolas Freundin mit ihrer Datenbrille alles, aber auch wirklich alles ins Internet streamt. Datenbrillen sind zwar heute noch horrend teuer, aber keine Fiktion mehr. Und vermutlich wird in einigen Jahren - wenn diese Brillen für Jedermann erschwinglich sind - das Internet mit jeder Menge Datenmüll gefüttert.

Operationen an den Augen oder am Herzens sind zwar heute schon möglich, aber Gott sei Dank noch nicht so, wie im Buch beschrieben. Man stelle sich vor ein künstliches Herz zu leasen und es nach Gebrauch wieder an den Hersteller zurückzugeben .......

Im Jahr 2030 bin ich 64 Jahre alt - ich werde mich sicherlich an dieses Buch erinnern.

Ich mag die Bücher von Katja Brandis sehr. Genau wie ihr Jugendbuch "Floaters", in dem sie sich mit unserem Plastikmüll in den Weltmeeren auseinandersetzt, beschäftigt sie sich auch in "Freestyler" mit aktuellen Themen und versucht den Leser zu sensibilisieren.

Wie weit ist man bereit zu gehen, um seine Träume zu verwirklichen?

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Tags: körperoptimierung, leistungssport   (2)
 

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354 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 83 Rezensionen

feen, fantasy, steampunk, elizabeth may, schottland

Die Feenjägerin

Elizabeth May , Kathrin Wolf
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.02.2015
ISBN 9783453316096
Genre: Fantasy

Rezension:

1 Jahr ist vergangen, seit dem Tod ihrer Mutter. Nun muss Aileana sich wieder den Wünschen ihres Vaters beugen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Sie muss Bälle besuchen, sich von jungen Männern den Hof machen lassen und sollte möglichst bald standesgemäß heiraten - tagsüber.

Doch Aileana hat sich geschworen, den Tod ihrer Mutter zu rächen und Jagd auf Feen oder, besser gesagt, auf DIE Fee zu machen, die ihre Mutter getötet hat. Niemand weiß, dass Aileana innerhalb der letzten 12 Monate 158 Feen getötet hat - nachts.

Sie trainiert für den einen Kampf - den sie nicht verlieren darf.

Der Leser wird direkt mitten ins Geschehen geworfen, denn gleich der erste Ball, auf den wir Aileana begleiten dürfen, wird von einem Feen"besuch" überschattet. Die Anwesenheit einer Fee macht sich bei Aileana auf merkwürdige Art bemerkbar - sie kann sie schmecken. Sie macht sich also auf den Weg um die Fee zu suchen, die sich definitiv in diesem Haus befinden muss, findet sie und macht sie unschädlich. Das Opfer der Fee ist jedoch leider nicht mehr zu retten. Nach dem Kampf ist Aileana nicht mehr salonfähig, denn blutig und mit zerrissenen Kleidern, kann sie sich nicht mehr auf dem Ball sehen lassen und so flüchtet sie nach Hause. Da dies nicht der 1. Ball ist auf dem sie kommentarlos entschwindet und ihre Tanzpartner einfach so stehen lässt, wird hinter ihrem Rücken über sie geredet.

In ihrem Kampf gegen die Feen, wird Aileana merkwürdigerweise von Kiaran unterstützt. Er selbst gehört zu den "Daoine Sith" - den mächtigsten Feen der Welt - und er fungiert als eine Art Lehrer für Aileana. Mit ihm zusammen zieht sie Nacht für Nacht durch die Straßen von Edinburgh und Umgebung, auf der Suche nach Feen, die sie töten kann und an denen sie ihre Kampfkunst verbessern kann.

Obwohl Aileana Feen hasst, wird sie - neben Kiaran - noch von einer anderen Fee begleitet. Eine kleine Fee namens Derrick wohnt ihn ihrem Ankleidezimmer. Wenn er sich nicht gerade an Honig betrinkt, kümmert er sich um die Garderobe von Aileana und andere kleine Dinge.

Wenn Aileana nicht gerade irgendwelchen gesellschaftlichen Zwängen nachgehen muss oder am Kämpfen ist, baut sich sich selbst Waffen oder einen Ornithopter, eine Art Hubschrauber. Es gibt automatische Tee-Maschinen und "Näher" ... das sind kleine spinnenartige Tierchen, die Verletzungen besser nähen können als jeder Arzt. Hier trifft Fantasy auf Steampunk.

Aileana konnte mich leider überhaupt nicht berühren. Egal was sie tut oder nicht tut, es konnte keine Emotionen in mir wecken. Bei so vielen Kämpfen, die sie in diesem Buch ficht, habe ich nicht ein einziges Mal mit ihr zusammen gehofft oder gebangt.

Sie erfährt, dass sie von Geburt an dazu bestimmt ist, Feen zu töten - sie ist eine Falknerin. Nur leider fehlt ihr das wichtigste Utensil einer Falknerin: Der Falke. Ebenso kann sie die Feen nur durch ein bestimmtes Hilfsmittel sehen. Trägt sie dieses Hilfsmittel nicht, ist sie "feenblind". Sie ist so von ihrem Hass zerfressen, dass sie fast an nichts anderes mehr denken kann als an "Feen töten" und irgendwann ging mir das und die ganzen Kämpfe, etwas auf die Nerven. Ich ging davon aus, dass man auch mehr von ihrem Leben erfährt, dass sie tagsüber führt. Aber das rückt ziemlich in den Hintergrund.

Auch Kiaran konnte ich nicht wirklich einschätzen. Er ist eine Fee und trotzdem hilft er Aileana gegen seine Art zu kämpfen? Manchmal habe ich das Gefühl, dass da etwas zwischen den Beiden ist, etwas sexuelles. Dann aber doch wieder nicht .... Kiaran mag Menschen, dann aber doch wieder nicht.

Aileanas Freundin ist eine wirklich gute Seele und auch ihr Cousin Gavin hat eine schöne Rolle bekommen, aber auch sie vermögen es nicht, mir das Buch schmackhaft zu machen.

Das Cover ist traumhaft und der Klappentext versprach eine spannende Geschichte - leider konnte ich mich nicht dafür begeistern. Es wird auf nirgendwo darauf hingewiesen, dass es sich um einen Mehrteiler handelt - das Buch endet mit einem Knall und der Leser hängt in der Luft. 

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

krimi, zwillinge

Spiegelseele

Rebekka Pax
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei LYX, 04.02.2016
ISBN 9783802599200
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Bochumer Kriminalkommissarin Cornelia Arents und ihr Kollege, Kriminalkommissar Robin Schenz, werden zu einer Leiche im Wald gerufen. Ganze 52 Mal hat der Täter mit einem Klappspaten auf sein Opfer eingeschlagen und den dazugehörigen Jagdhund hat er auch gleich mit erledigt. Die Spur führt sehr schnell zum Zwillingsbruder des Opfers, der den Mord auch gesteht. So wirklich kann er sich selbst nicht vorstellen, wieso er seinen Bruder erschlagen hat, er war doch sein Zwilling, sein Freund, sein Vertrauter, sein Spiegel .......

Für Cornelia Arents und ihren Kollegen Robin Schenz ist der Fall sonnenklar: Josef Feldmann hat seinen Bruder Daniel erschlagen und wandert in Untersuchungshaft. Doch so einfach ist es natürlich nicht, denn nur kurze Zeit später verschwindet ein weibliches Zwillingspaar und es wird eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Frauenleiche gefunden.

Cornelia Arents wird aufmerksam ..... vermisste Zwillinge? Das kann doch kein Zufall sein.

"Der schönste Tag in meinem Leben wahr wohl der,
an dem ich meinen Bruder ermordete"

Mit "Spiegelseele" handelt es sich um den 2. Krimi aus der Feder von Rebekka Pax. Man muss "Lokes Mond" nicht unbedingt gelesen haben, aber wenn man beide Bücher lesen möchte, dann sollte man unbedingt die richtige Reihenfolge einhalten, weil man sonst im 2. Band gespoilert wird, was in Band 1 passiert ist.

Dieser Kriminalroman ist anders als herkömmliche Krimis, denn der Leser kennt den Mörder von Anfang an und ist somit der Polizei immer einen Schritt voraus.

Wobei "Mörder" nicht die richtige Bezeichnung ist, denn er selbst legt keine Hand an seine Opfer. Er manipuliert sie jedoch so, dass sie sich gegenseitig an die Kehle gehen und dann möglichst der Stärkere gewinnt und übrig bleibt.

Seine Intention hinter dieser Vorgehensweise: Genau so, wie es ihm beim Tod seines eigenen Zwillingsbruders ergangen ist, möchte er die auserkorenen Zwillinge von ihrem Schatten befreien. Er möchte ihnen helfen, eine eigenständige Person zu werden.

"Jeder Mensch ist einzigartig, jetzt bist du es auch. Bald wirst du mir dankbar sein. Jetzt wird dich niemand mehr verwechseln, niemand wird jemals wieder Vergleiche ziehen. Niemand wird Dir mehr sagen, was du alles besser machen könntest, weil dein Klon ja auch besser ist".

Bernhard, so heißt unser Täter, hat in allen Fällen einen guten Plan A. Problematisch wird es jedoch, wenn Plan A - aus welchen Gründen auch immer - in die Hosen geht. Dann agiert er, meiner Meinung nach, etwas planlos und manchmal auch naiv. Sein Vorteil ist, dass auch die Polizei nicht so schnell arbeiten kann, wie man sich das wünschen würde.

Die Ermittler Corinna Arents und Robin Schenz spielen in diesem Krimi eher eine nachgeordnete Rolle, im Fokus steht Bernhard Hildebrandt und seine fixe Idee.

In "Lokes Mond" erfährt der Leser von den Problemen zwischen Corinna und Robin und diese ziehen sich auch durch "Spiegelseele". Als Leser wünscht man sich, dass die Beiden endlich eine Lösung für ihr Problem finden - auf diese Art und Weise kann Teamarbeit nicht dauerhaft funktionieren. Aber irgendwie kann auch der Eine nicht ohne den Anderen sein und als Ermittlerteam funktionieren sie ganz gut. Ich hoffe, dass die Beiden ihre Probleme im 3. Band ("Wie sie uns ansehen" - erscheint am 04.05.2016) bereinigen können.

Durch die Konstellation, dass der Leser den Täter von Anfang an kennt, kommt eine andere Art von Spannung auf. Man versucht nicht, gemeinsam mit der Polizei, den Täter zu finden sondern man fiebert mit der Polizei mit, dass diese den Täter schnell aufspüren und dingfest machen kann, damit nicht noch mehr Zwillingspaare leiden müssen.

Leider gab es im Buch 2 oder 3 Stellen, an denen ein falscher Name verwandt wurde. Ich weiß nicht, ob mir diese Verwechselung ohne die anderen aufmerksamen Leserundenteilnehmer aufgefallen wäre, aber nachdem ich beim 1. Mal darauf aufmerksam wurde, fiel es mir im weiteren Verlauf dann natürlich auch auf.

Der Schluss des Buches lässt dann beim Leser auch noch einige Fragen offen. Zum Beispiel hätte ich mir gewünscht, dass etwas näher auf den Täter eingegangen worden wäre. In meinen Augen leidet er ganz klar unter einer Zwangsstörung und es wäre schön gewesen zu erfahren, warum er so geworden ist.

In "Spiegelseele" gefällt mir die Idee hinter der Geschichte, dass Zwillinge keine eigenständigen Personen sind und sie von ihrem Spiegelbild befreit werden müssen, und auch die Tatsache, dass der Leser der Täter von Anfang an kennt. "Lokes Mond" hat mich jedoch etwas mehr begeistern können.

Nun erwarte ich voller Spannung den 3. Teil. "Wie sie uns ansehen" - erscheint am 04.05.2016. Unsere Leserunde ist schon terminiert. :)

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102 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

wales, archäologie, liebe, legende, meer

Sturm über dem Meer

Constanze Wilken
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.12.2015
ISBN 9783442483495
Genre: Romane

Rezension:

Vor der Küste von Wales, in der heutigen Cardigan Bay, liegt das versunkene Königreich Cantre'r Gwaelod.

600 n. Chr.
Das Königreich lag geschützt hinter einem mächtigen Deich. Es gab einen Wärter, der nichts anderes zu tun hatte, als das Schleusentor bei Ebbe zu öffnen und bei Flut zu schließen, um die Menschen von Cantre'r Gwaelod und ihr Hab und Gut vor dem Meer zu schützen. Eines Nachts, eine mächtige Sturmflut bahnte sich an, lag der Schleusenwärter liebestaumelnd und trunken vom Alkohol in den Armen seiner Liebsten. Das Schleusentor stand weit offen ......

Gegenwart
Die Archäologin Dr. Samantha Goodwin wird von ihrem Exfreund und Kollegen in beruflichen Misskredit gebracht, weswegen sich ihre geplante Exkursion nach Baia zerschlägt. Zufällig bekommt Samantha eine Ausschreibung für ein Forschungsprojekt in der Cardigan Bay in Wales in die Hand. Es handelt sich um die Untersuchung eines versteinerten Waldes, der nach dem letzten schweren Sturm freigelegt wurde und immer bei Ebbe sichtbar wird. Dieser Wald soll Teil des untergegangenen Königreiches Cantre'r Gwaelod sein. Zufällig lebt ihre verwitwete Großmutter Gwen in Borth und so packt Samantha ihre Ausrüstung zusammen und macht sich auf den Weg nach Wales.

Max, der Sohn des Werftbesitzers Luke, findet im Watt - ein Stück weit entfernt von der Grabungsstätte an der Samantha und ihr Team sich aufhalten - einen Ring und etwas, das in eine Plane eingeschlagen, im Meeresboden vergraben ist. Stolz berichtet Max Samantha von seinem Fund. Handelt es sich eventuell um den Schatz von Cantre'r Gwaelod?

Leider findet Samantha keinen Schatz sondern eine Leiche, die schätzungsweise 60 Jahre im Meeresboden vergraben war. Der Ring, verbunden mit der Tatsache, dass die Leiche ihres Großvaters nie gefunden wurde, lässt böses ahnen. Handelt es sich bei der Leiche um den Fischer Arthur, der vor 60 Jahren von einer Fahrt auf Meer nicht mehr nach Hause kam? Samantha wird von einem Unbekannten angegriffen und es sieht ganz danach aus, als ob irgend jemand nicht möchte, dass die Identität der Leiche festgestellt wird.

"Sturm über dem Meer" ist das zweite Buch, das ich von der Autorin Constanze Wilken lese. Wie auch schon in "Ein Sommer in Wales" führt sie uns in die Cardigan Bay nach Wales. Dass die Autorin ihr Herz an diesen Flecken Erde verloren hat, kann man beim Lesen spüren.

Ungefähr nach dem 1. Drittel des Buches, habe ich mir den Einband näher angeschaut, ob da nicht irgendwo "Kriminalroman" steht. Die Spannung, die zu Anfang aufgebaut wird, zieht sich durch das ganze Buch.

Die Geschichte wird in 2 Handlungssträngen beschrieben. Aus der Sicht einer Dritten Person erfährt der Leser die Ereignisse der Gegenwart, in denen Samantha im Mittelpunkt steht, und der Rückblick von Großmutter Gwen, der sich auf die Jahre 1949 bis 1955 bezieht. Beide Handlungen laufen am Schluss des Buches logisch ineinander.

Gwen hat sich und ihre Kinder alleine durchgebracht. Man könnte denken, sie wäre aufgrund dieser Tatsache verbittert oder hege einen Groll gegen ihren verschollenen Mann, aber ihre Liebe währt noch immer - auch nach 60 Jahren noch.

Samantha ist eine Frau der Gegenwart. Selbstbewusst und mit beiden Füßen im Leben stehend. Sie hat zu ihrer Großmutter einen besseren Draht als zu ihrer eigenen Mutter, wahrscheinlich, weil sie sich sehr ähnlich sind. Werfbesitzer Luke und sein Sohn Max schleichen sich nach und nach in Samanthas Leben ....

Auch alle anderen Nebencharaktere sind sehr bildhaft beschrieben und runden die Geschichten - damals wie heute - ab.

Genau wie "Ein Sommer in Wales" konnte mich die Autorin mit ihrem Buch überzeugen - wobei mir "Sturm über dem Meer" besser gefallen hat. 

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Tags: ausgrabungen, cantre'r gwaelod, leich, wales   (4)
 

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111 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

krimi, münchen, hexenbanner, moor, scheiterhaufen

Moorfeuer

Nicole Neubauer
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.01.2016
ISBN 9783734102127
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Freisinger Moor wurde in den frühen Morgenstunden ein Feuer abgebrannt. Auf dem Scheiterhaufen liegt eine verbrannte Frau, um ihren Hals trägt sie ein merkwürdiges Amulett. Alle Umstände weisen darauf hin, dass hier eine Hexenverbrennung stattgefunden hat - aber der Zeitpunkt der Tat liegt im 21. Jahrhundert.

Kommissar Waechter und sein Team ermitteln, gemeinsam mit der Münchener Kriminalpolizei, und müssen sich mit okkulten Dingen wie Hexenbanner, Energieheilung und einem lange zurückliegenden Mord beschäftigen.

"Moorfeuer" ist der 2. Krimi aus der Feder von Nicole Neubauer um das Team von Kommissar Waechter. Ich kenne den Vorgänger "Kellerkind" nicht, konnte das Buch aber auch ohne Vorkenntnisse gut lesen. Einzig die private Situation der Kommissare wird im Vorgänger etwas näher erläutert, aber mir fehlte das Wissen nicht, um diesen Krimi zu verstehen.

Wie in jedem anderen Krimi auch, tragen hier die Kommissare auch ihre ganz privaten Probleme mit sich herum. Diese beeinflussen ihre Arbeit auf die eine oder andere Weise.

Michael Waechter lebt ziemlich zurückgezogen, mag keinen Besuch in seiner Wohnung und nach und nach erschließt sich dem Leser, warum das so ist. Als Polizeibeamter ist er eher der korrekte Typ, was aber nicht bedeutet, dass er nicht auch mal "unter dem Radar" Recherchen betreibt, die den aktuellen Fall eventuell vorantreiben könnten. So beschäftigt er sich mit lange zurückliegenden Dingen aus dem Leben des Mordopfers. Irgendwo muss der Schlüssel zum Fall ja zu finden sein.

Hannes Brandl ist ein ziemlich sperriger Typ. Eher ein militanter Einzelgänger als ein Teamplayer, meiner Meinung nach auch gar nicht wirklich teamfähig und so bringt er sich während der Ermittlungen auch gerne mal in Gefahr (was seine Kollegen dann letztendlich ausbaden müssen). Als Ermittler eigentlich ein ganz origineller Typ, aber von Anfang an berechenbar in seinen Handlungen. Ich hoffe jedoch, dass im richtigen Leben solche Menschen gar nicht zum Polizeidienst herangezogen werden. Auch in seinem Privatleben ist er gerne Soloplayer und so ebenso wenig beziehungstauglich wie teamfähig.

Mit Kommissarin Elli bin ich nicht so richtig warm geworden. Sie hat aber auch eher eine nachgeordnete Rolle, neben Hannes und Waechter.

Das Mordopfer Eva Nell hat sich vor ihrem Tod mit Energieheilung beschäftigt, um sich finanziell über Wasser zu halten. Hat sie einem Kunden Schaden zugefügt und möchte sich deswegen jemand an ihr rächen? Oder hat ihr Ex-Mann gar einen Nutzen von ihrem Tod?

Evas Tochter Maret lebt mit ihrem Mann Sebastian und ihrer kleinen Tochter auch auf dem Hof. Profitiert Maret vielleicht vom Tod ihrer Mutter?

Und dann gibt es noch den Untermieter Dennis, der in einer kleinen Wohnung wohnt und Maret ab und zu Gesellschaft leistet, wenn ihr Mann mal wieder nicht zu Hause ist. Könnte er etwas mit der Tat zu tun haben?

Der Schreibstil von Nicole Neubauer ist angenehm locker. Einige Beschreibungen sind sehr bildhaft, wie z. B.

"Der Wein war lauwarm und schmeckte nach Urin mit Gummibärchenaroma"

und oftmals blitzt ein Funke Humor durch, den ich durchaus teilen kann.

Ein klein wenig gestört hat mich, dass die Wechsel zwischen den Perspektiven sehr schnell gingen und ich manchmal im Lesefluss den Übergang nicht bewusst wahrgenommen habe. So hatte ich dann ab und an einen A-ha-Moment wenn ich dachte ich wäre im Waechter-Strang und tatsächlich bei Hannes war, oder anders herum.
Die persönlichen Probleme der Ermittler standen mir manchmal zu sehr im Vordergrund, aber sie waren ausschlaggebend für die eine oder andere Handlung und von daher gerade noch tolerabel. Mehr hätte es aber tatsächlich nicht sein dürfen.
Dadurch, dass alle Protagonisten ein merkwürdiges Verhalten an den Tag legen, könnte jeder von ihnen der Täter sein. Es stellt sich schnell ein Gedanke ein, wer es denn tatsächlich gewesen ist, aber irgendwie fehlt einem zum potentiellen Täter noch das Motiv. Die Auflösung des Ganzen gibt es dann auch tatsächlich erst ganz zum Ende des Krimis.

Zum Schluss des Buches sieht es so aus, als ob sich das Team Waechter auflösen könnte und jeder in Zukunft seine eigenen Wege geht. Dem entgegen steht aber die Aussage von Nicole Neubauer, dass es noch einen 3. Krimi mit Waechter & Co. geben wird. 

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72 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

amerika, new york, historischer roman, frauen, schiff

Das Glück am Ende des Ozeans

Ines Thorn ,
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 18.12.2015
ISBN 9783805250566
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wir schreiben das Jahr 1867 und in Bremen legt ein Schiff ab in Richtung Amerika - Zielhafen New York. An Bord befinden sich 3 Frauen, auf dem Weg in ihr neues Leben.

Annett ist die Tochter eines Bergbauingenieurs und einer Mutter mit Hang zu Höherem. Sie hat eine gute Schulbildung genossen und ihre große Leidenschaft ist die Mathematik. Da sie als Frau in Deutschland niemals würde studieren dürfen, schicken ihre Eltern sie nach New York. Dort soll sie dem Ehepar Roebling als Sekretärin zur Hand gehen, die gerade mit dem Bau der Brooklin Bridge sehr großes Aufsehen erregen.

Aufgrund einer Überbuchung ist Annetts Kabine auf dem teuren Oberdeck schon besetzt und so sucht sie sich notgedrungen auf dem Zwischendeck eine Schlafmöglichkeit. Dort pferchen sich 400 Passagiere auf engstem Raum zusammen, gegenüber ca. 170 Personen auf dem Oberdeck. Entsprechend sind die hygienischen Zustände. Aber es hilft nix - Annett hat keine andere Wahl als sich dort ein Bett zu suchen.

Gottwitha kommt aus einer Amisch-Familie und ist gerade alt genug um verheiratet zu werden. Da sie in ihrer Gemeinde als tugendlos gilt, schickt der Vater sie nach Amerika. In Pennsilvania haben sich vor einigen Jahren einige Onkel von Gottwithas Vater in einer Amisch-Gemeinde angesiedelt und dort herrscht nun Frauenmangel. Die strenggläubige Gottwitha kommt mit den Zuständen auf dem Zwischendeck überhaupt nicht zurecht und sucht bei Annett Halt und Zuflucht.

Susannes Ehemann Michael Kraus möchte sich im Westen Amerikas dem Goldgräbertreck anschließen. Auch Susanne wurde von ihrem Vater zwangsvermählt und ihr Mann Michael ist ein versoffenes und prügelndes Stück Dreck ('tschuldigung, aber anders kann man ihn wirklich nicht beschreiben). Bei jeder sich bietenden Gelegenheit schlägt er Susanne, erniedrigt sie, taucht ihren Kopf ins Wasserfass und in der Nacht vergeht er sich an seiner schwangeren Frau.

Als eines Nachts Susanne auf dem Deck frische Luft schnappen möchte, wird sie - mal wieder - von ihrem Mann angegangen. Zufällig sind auch Annett und Gottwitha auf dem Deck und stellen sich schützend vor Susanne. In dieser Nacht werden die 3 zu Freundinnen ........

Nachdem die "Vineta" in New York angelegt hat, trennen sich die Wege der 3 Frauen. Sie versprechen sich, in Kontakt zu bleiben, aber außer Annett weiß niemand, wohin ihr Weg sie führen wird.

In den Kapiteln wird abwechselnd von einer außenstehenden Person die Geschichte von Annett, Susanne und Gottwitha erzählt.

Annett hat es wirklich am besten getroffen, denn sie ist als einzige der 3 Frauen freiwillig nach New York gekommen. Deswegen stürzt sie sich mit Feuereifer in ihr neues Leben und ihr Aufgabengebiet im Haus der Roeblings.

Gottwitha wird am Hafen in New York von ihrem zukünftigen Ehemann abgeholt. Nach 3 Tagesreisen kommen sie endlich in ihrem Amischdorf an, aber Gottwitha wird hier leider nicht mit offenen Armen empfangen. Ihr Tagesablauf ist bestimmt von den Dingen, die eine amische Frau zu tun hat. Montags Wäsche waschen, dienstags Butter herstellen, mittwochs Brot backen und so hatte jeder Tag seine Arbeit. Ansonsten musste sie gottgefällig und ihrem Manne zu Diensten sein. Der Sonntag hält dann jedoch eine ganz besondere Sache für sie bereit

"Nur einmal in der Woche, an jedem Sonntagabend, rollte er sich auf sie und vollzog den ehelichen Akt, der nicht länger als eine Minute dauerte und sich anfühlte, als führe man in einer schlechtgefederten Kutsche über Katzenkopfpflaster. (S. 207) "

So sehr sie sich auch bemüht, sie kann es niemandem im Dorf recht machen. Am wenigsten ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter.

Susanne, die in New York ohne Mann und nur mit Baby im Bauch an Bord geht, schließt sich einer Gruppe Huren an, um mit dem Planwagen Richtung Westen - Richtung Goldgräberstädte - zu fahren. Unterwegs bekommt sie ihr Kind und freundet sich mit den leichten Mädchen und Miss Joyce an. Als sie nach einer mühsamen Reise in Oak's Hill, einer kleinen Goldgräberstadt, ankommen, beschließt Susanne zu bleiben und sich dort einen Traum zu verwirklichen.

"Das Glück am Ende des Ozeans" fällt genau in mein Beuteschema. Ich liebe solche Auswanderer-Geschichten.

Die Autorin Ines Thorn hat hier sehr schön das Schicksal 3er Frauen aufgeschrieben. Jede der Figuren ist glaubhaft beschrieben und mich hat das Leben von Gottwitha in der Amisch-Gemeinde am meisten angesprochen. Für mich unvorstellbar, dass man - als Frau - so leben kann und mag. Aber damals war das nun mal so, dass man als Frau nix zu melden hatte und dem Manne untertan sein musste. Nach jedem Buch aus dem Bereich "historischer Roman" bin ich zutiefst dankbar, heute leben zu dürfen.

Ein ganz klein wenig mehr Spannung hätte dem Buch nicht geschadet und das, was Susanne zum Schluss passiert, hätte entweder ganz wegfallen dürfen oder ein paar Seiten mehr und größere Beachtung finden können.

Alles in allem aber ein schönes Buch, das mich über einige Stunden wirklich gut unterhalten hat. 

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226 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 82 Rezensionen

allgäu, liebe, landleben, maierhofen, genuss

Kräuter der Provinz

Petra Durst-Benning
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 14.09.2015
ISBN 9783734100116
Genre: Romane

Rezension:

Meierhofen, ein Dorf im schwäbischen Allgäu, leidet - wie viele andere Dörfer - unter der Landflucht. Die jungen Leute ziehen in die Stadt, weil sie auf dem Dorf keine Arbeit finden. Obwohl Meierhofen wunderbar idyllisch an einem See liegt, scheint es auch nach außen hin keinerlei Attraktivität und Anziehungskraft zu besitzen, denn die Gästebetten im Gasthof "Goldene Rose" wurden schon eine ganze Weile nicht mehr benutzt.

Therese, Bürgermeisterin von Meierhofen und Besitzerin der "Goldenen Rose" ist an Krebs erkrankt und bevor sie ins Krankenhaus geht, möchte sie gerne ihr Meierhofen in guten Händen wissen. Als sie abends über die TV-Kanäle zappt, glaubt sie bei einer Preisverleihung eine Frau zu erkennen. Tatsächlich ... ihre Cousine Greta, die sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat, ist eine erfolgreiche Werbemanagerin geworden.

Mit einer nicht so ganz der Wahrheit entsprechenden Aussage, lockt Therese ihre Cousine Greta nach Meierhofen. Diese soll - während Therese selbst im Krankenhaus ist - mit einer großangelegten Werbekampagne frischen Wind ins Dorf bringen.

Gretas Aufenthalt in Meierhofen bringt nicht nur für das Dorf Veränderungen mit sich.

Mit "Kräuter der Provinz" hat Petra Durst-Benning den Sektor der historischen Romane verlassen und etwas zeitgenössisches geschrieben. Ihrem Stil, über starke Frauen zu schreiben, ist sie aber auch hier nicht untreu geworden. In Meierhofen herrscht überwiegend Frauenpower.

Therese ist zwar die Initiatorin für die Umkrempelung Meierhofens, aber durch ihre Krankheit und den Krankenhausaufenthalt, tritt sie schon bald ein wenig in den Hintergrund. Der Focus liegt auf ihrer Cousine Greta.

Greta arbeitet für die Frankfurter Werbeagentur Fischli & Partner und steht gerade am Rande zu einem Burnout. Sie ist ausgebrannt, fertig, ideenlos und wenn sie ehrlich zu sich selbst ist, kommt ihr die Einladung nach Meierhofen gerade recht. Sie genießt die Tage, liebt das morgendliche Frühstück, so ganz ohne Zeitdruck, aber bezüglich der von ihr geforderten Werbekampagne, die frischen Wind nach Maierhofen bringen soll, bleibt ihr Hirn leer.

Die zündende Idee kommt ihr in Verbindung mit den regionalen Produkten, die liebevoll von einigen Frauen hergestellt werden. Nachdem auf der Bürgerversammlung alle Meierhofener in das vorgestellte Projekt eingewilligt haben, entsteht etwas ganz wunderbares, bei dem alle Dorfbewohner Hand in Hand arbeiten. Einige Einwohner besitzen Fähigkeiten, die ihnen niemand zugetraut hätte und viele wachsen in der Gemeinschaft über sich hinaus. Einzig Christines Ehemann wird von der Euphorie nicht mitgerissen und strebt in eine andere Richtung.

In Meierhofen wird gehämmert, gebohrt, geschraubt und neben der neuen Präsenz entsteht auch die eine oder andere Liebschaft.

Im richtigen Leben würde so ein Dorf-Gemeinschaftsprojekt ganz sicher die ein oder andere Streiterei hervorrufen. Nicht so in Meierhofen.

Den Schreibstil von Petra Durst-Benning mag ich sehr, auch ihre Art über starke Frauen zu schreiben. Hier wird dem Leser vermittelt, dass vieles möglich ist, wenn man es nur möchte und - ganz wichtig - auch in Angriff nimmt. Alle Charaktere im Buch machen eine realistische Entwicklung durch und auch die Schauplätze werden so beschrieben, dass man das kleine verschlafene Örtchen Meierhofen vor dem inneren Auge sehen kann.

"Kräuter der Provinz" ist ein schönes, und kurzweiliges Buch, mit dem man wunderbar ein paar Stunden dem Alltag entfliehen kann. Im Anhang des Buches finden sich ein paar Rezepte, mit denen man sich auch noch nach Beendigung der Lektüre genüsslich nach Meierhofen zurückversetzen kann.

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63 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

samoa, alexandra fischer, erster weltkrieg, liebe, historischer roman

Der Traum vom Horizont

Alexandra Fischer
E-Buch Text: 492 Seiten
Erschienen bei null, 15.01.2016
ISBN B01781PZQC
Genre: Historische Romane

Rezension:

Das Buch "Der Traum vom Horizont" beginnt mit einem Prolog der im Jahre 1920 spielt, 5 Jahre nach dem Ende des letzten Kapitels. Die Schwestern Helene und Martha von Bahlow sehen sich nach 11 Jahren wieder. Helene hat große Angst vor diesem Zusammentreffen und der Prolog endet dann auch mit einer in Tränen aufgelösten Helene. Was genau hier passiert und worum es geht, erschließt sich dem Leser erst, nachdem er das letzte Kapitel des Buches gelesen hat.

Schon mit diesen wenigen Prolog-Seiten, hat die Autorin Alexandra Fischer mich neugierig darauf gemacht, zu erfahren, was vor diesem Zusammentreffen mit den von Bahlows passiert ist.

Der adelige Karl von Bahlow ist 1902 mit seiner Frau Rosa und seinen 3 Töchtern Grethe, Helene und Martha von Potsdam in die Kolonie Deutsch-Samoa (West-Samoa) ausgewandert. Er möchte sich dort als Pflanzer einen Namen machen.

Karl von Bahlow ist ein Despot. Er herrscht mit harter Hand über sein Frau und die Kinder, seine Geschäftspartner, seine Bediensteten und wer sich ihm nicht beugt, der spürt das am eigenen Leibe. Seine Plantage "Tamalele" nennt er "Klein Potsdam", das alleine zeigt, wes Geistes Kind er ist.

Frauen haben für Karl von Bahlow nur einen Wert - einen Erben zur Welt zu bringen. Seine eigene Frau hat ihn auf diesem Gebiet maßlos enttäuscht, denn die Töchter Grethe, Helene und Martha sind nun mal keine Erben und auch sie lässt er spüren, dass sie für ihn wertlos sind. Im Hause von Bahlow darf nicht laut gesprochen werden, zu Tisch haben die Frauen mit gesenktem Blick wortlos zu essen und wenn Rosa von Bahlow sich ihren ehelichen Pflichten entziehen möchte, zieren am nächsten Tag blaue Flecke ihren Körper.

Wie es damals auf Samoa üblich war, wurden die Plantagen von günstigen chinesischen Arbeitskräften bearbeitet. Ihr Status war nicht unähnlich dem eines Sklaven. Im Gegensatz zu den Einheimischen durfte bis ins Jahr 1909 bei den chinesischen Arbeitskräften die Prügelstrafe angewandt werden - Karl von Bahlow macht auch hiervon rege Gebrauch. Er scheute sich nicht, jemandem die Peitsche mitten durchs Gesicht zu ziehen, wenn dieser es seiner Meinung nach verdient hatte.

Karl von Bahlow hatte keinen großen Freundeskreis - das ist jetzt aber eher nicht verwunderlich, oder?

Rosa von Bahlow kann dem Leser nur leid tun. Sie leidet unter ihrem herrischen Ehemann, der wirklich keine Gelegenheit auslässt ihr zu zeigen, wie wenig sie ihm als seine Frau bzw. Ehepartner bedeutet. Rosa sitzt an manchen Tagen stundenlang herum und schaut aus dem Fenster und auch zu ihren Kindern hat sie nicht die Beziehung, die man sich zwischen Mutter und Töchtern wünscht. Einzig Martha schafft es, Rosa ein wenig näher zu kommen. Als Rosa dann anfängt sich mit dem Kindermädchen Aveolela anzufreunden und Samoanisch zu lernen, muss sie das hinter dem Rücken ihres Mannes tun, denn sich mit "den braunen Wilden" anzufreunden wäre einem Affront gleich gekommen.

Grethe, die älteste Tochter, ist pflichtbewusst, ehrgeizig und immer bemüht ihrem Vater zu gefallen und alles zu seinem Wohlwollen zu erledigen. Da Rosa sehr oft unter Unpässlichkeiten leidet, hat Grethe es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Schwestern Anstand und Tugendhaftigkeit beizubringen und sie hat die Führung des Haushaltes übernommen.

Helene, die mittlere Tochter, ist nicht ganz so tugendhaft wie Grethe. Aber auch sie hat gelernt, sich dem Willen des Vaters bzw. Männern generell zu beugen und zu tun was von ihr verlangt wird.

Martha, die jüngste im Bunde, ist das Gegenteil ihrer Schwestern. Sie ist nicht gewillt sich den strengen Regel im Hause von Bahlow zu unterwerfen. Sie findet Wege, wie sie - ohne gesehen zu werden - das Haus verlassen und wieder betreten kann, sie belauscht die Gespräche der Erwachsenen aus ihrem Versteckt heraus und trifft sich mit dem Eingeborenenjungen Tanielu.

Alle von Bahlow-Frauen teilen jedoch das gleiche Schicksal - sie werden mit dem falschen Mann verheiratet und keine von ihnen findet wirklich ihr Glück.

Für mich waren Helene und Rosa die interessantesten Personen. Mit beiden Frauen habe ich richtig gelitten.

Das 1. Kapitel in "Der Traum vom Horizont" beginnt im Jahr 1902, knapp 6 Wochen nach der Übersiedelung der von Bahlows nach Apia/Deutsch-Samoa und endet mit dem 14. Kapitel 1915 in Wilhelmstal, der Kolonie Deutsch-Ostafrika, wohin Martha mit ihrem Ehemann übergesiedelt ist. Auch der Ausbruch des 1. Weltkrieges macht vor Samoa und den von Bahlows nicht Halt. Jedes Kapitel umfasst den Zeitraum eines Jahres und ist aus Sicht eines Erzählers geschrieben.

Zu Anfang haben mich die 722 Seiten abgeschreckt, aber meine Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Über die ganze Länge war das Buch für mich interessant und flüssig zu lesen, ohne einen Durchhänger zu haben. Auch die geschichtlichen Hintergründe sind gut recherchiert und in die Geschichte der von Bahlows eingewoben.

Ein wirklich tolles Buch einer mir bisher unbekannten Autorin.

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93 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

liebe, krebs, hoffnung, krankheit, familie

Du, ich und die Farben des Lebens

Noa C. Walker
E-Buch Text: 406 Seiten
Erschienen bei Amazon Publishing, 08.12.2015
ISBN 9781503988545
Genre: Liebesromane

Rezension:

Als Janica nachts mit ihrem Hund Balou die letzte Runde mit dem Rad dreht, fällt ihr ein Mann auf, der auf dem Brückengeländer steht. Warum steht jemand nachts auf einem Brückengeländer? Der wird doch nicht runterspringen wollen? Doch, er will ....

Steffen ist Beamter beim SEK und bei seinem letzten Einsatz ist etwas so fürchterliches passiert, dass er seinem Leben ein Ende setzen und sich von der Brücke stürzen möchte. Da kommt diese junge Frau mit ihrem Hund vorbei......

Janica kann Steffen in ein Gespräch verwickeln, zudem wickelt Balou ihn um seine Pfote und so steigt er wieder vom Brückengeländer herunter. Nach seiner Rettung fühlt sich Janica verantwortlich für Steffen und nachdem sie einige Zeit auf dem Boden gesessen und geredet haben, bringt sie ihn nach Hause. Dort lernt sie seinen Bruder Thomas kennen.

Die beiden verlieben sich ineinander, doch das Schicksal gibt ihnen nicht viel gemeinsame Zeit bis Janica eine niederschmetternde Diagnose erhält.

„Probleme, Schmerz und Leid gehören zum menschlichen Dasein dazu. Nicht nur, damit wir überhaupt Freude und Glück erfahren können, sondern weil es die Menschen formt, sie verändert, sie sehr vieles lehrt.“ (Seite 45)

Noa C. Walker ist das Pseudonym einer Schriftstellerin, die normalerweise im Genre der historischen Romane zu finden ist. Mit "Du, ich und die Farben des Lebens" hat sie ein sehr schönes Debüt auf dem Gebiet der Gegenwartsliteratur vorgelegt.

Als Janica Steffen nach der erfolgreichen Verhinderung seines Selbstmordes nach Hause begleitet, dachte ich (wie vermutlich viele andere Leser an der Stelle auch), dass sich Steffen und Janica ineinander verlieben werden. So ist es nicht, aber Steffen ist wichtig, dass Janica und Thomas sich überhaupt erst kennenlernen können. Im Verlauf der Geschichte wird Steffen jedoch zu einem (wichtigen) Nebencharakter.

Thomas ist Lehrer und im Gegensatz zu Janica eher ein farbloser Typ. Zu einer Frau würde man vermutlich "graue Maus" sagen. Thomas selbst findet sein Leben eigentlich nicht langweilig oder farblos, aber seit dem Tod seiner Eltern hat er sich verändert. Als er Janica kennenlernt, ist er von ihrer Lebensfreude und ihrer Leichtigkeit fasziniert. Er fühlt sich sofort zu ihr hingezogen und auch Janica findet nach und nach Gefallen an Thomas.

Janica genießt scheinbar jeden einzelnen Augenblick ihres Lebens und mit Farben verbindet sie Erinnerungen. So ist gelb für sie nicht einfach gelb sondern "vanillemilchshakegelb" und blau ist "kletschereisblau". Für sie hat jeder Tag etwas positives und schönes und bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit in einem Kinderhospiz kommt ihr diese Eigenschaft zu Gute. Sie hat einen ganz besonderen Draht zu diesen Kindern.

Neben Thomas, Steffen und Janica werden sehr viele Nebencharaktere beschrieben. Janicas Freundeskreis, in dessen Mitte ich mich ganz sicher auch wohlfühlen würde. Janicas Eltern, ihre Schwester, die Kinder und deren Eltern im Kinderhospiz.

Alle Charaktere wurden von der Autorin liebevoll angelegt und authentisch fortgeführt. Bei einigen Szenen hat man das Gefühl mittendrin zu sein, so realistisch werden sie erzählt.

Es gibt keinen negativen Charakter in diesem Buch. Bis der Antagonist die Bühne betritt: Krebs!

Ich habe beim Lesen dieses Buches gelacht, aber auch viel geweint. Die Geschichte ist fiktiv - aber sie kann jedem von uns morgen passieren oder ist sogar schon passiert.

Man sollte sich - wie Janica - an den Schönheiten des Lebens orientieren. Jeden einzelnen Tag genießen und jede Sekunde in sich aufsaugen. Wir sollten unser Augenmerk auf die schönen Dinge des Lebens legen und nicht auf das, was uns runterzieht und deprimiert. Wir wissen nicht, was morgen ist.

Wieder einmal hat mich ein Buch zum Nachdenken angeregt. Darüber, dass ich mir vornehme, mein Leben mehr zu genießen und die wichtigen Dinge im Leben stärker zu betonen. Aber - leider - bin ich ein Mensch und der Mensch ist ein Gewohnheitstier ....

Auch wenn dieses Buch wirklich traurig ist, hat es mir sehr gut gefallen. Genau das wünsche ich mir von einem Buch - ich möchte mitgerissen werden von dem was passiert. Ich möchte mit den Protagonisten lachen, weinen, hoffen, bangen, mich freuen und mich ärgern. Wenn ein Buch mich so berührt, hat der Autor/die Autorin in meinen Augen alles richtig gemacht.

Dankeschön dafür, liebe Noa C. Walker!

Für mich ist übrigens Thomas in diesem Buch der Held - warum? Lest es selbst......

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107 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 55 Rezensionen

erbschaft, liebe, nordsee, lichterhaven, hund

Körbchen mit Meerblick

Petra Schier
Flexibler Einband: 332 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.06.2016
ISBN 9783956495762
Genre: Liebesromane

Rezension:

Das Leben von Melanie Brenner ist nicht sonderlich aufregend. Sie führt ein sehr zurückgezogenes Leben, man könnte schon fast sagen, sie igelt sich ein. Soziale Kontakte sind ihr nicht wichtig, im Gegenteil, Gefühle jagen ihr Angst ein, dafür geht sie in ihrem Job als Haupteinkäuferin einer Möbelfirma jedoch richtig auf.

Eines Tages erhält sie einen Brief von einem Notariat aus Lichterhaven, dort wohnt ihre Großtante Sybilla, die Melanie jedoch schon seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hat. Großtante Sybilla ist kürzlich verstorben und hat Melanie als Alleinerbin eingesetzt. Das Erbe umfasst ein Haus, die kleine Kunsthandlung „Sybillas Schatztruhe“ und Labradorhündin Schoki.

An das Erbe ist jedoch eine Bedingung geknüpft: Melanie muss 1 Jahr in Sybillas Haus leben, das Geschäft führen und sich um die 10 Monate alte Schoki kümmern. Erst im Anschluss kann sie das Erbe annehmen – oder auch ablehnen.

Melanie ist sich zu 100 % sicher, dass sie niemals, auf gar keinen Fall, nach Lichterhaven ziehen wird!!


Petra Schier führt uns mit ihrem Roman „Körbchen mit Meerblick“ an die Nordsee. Der Ort Lichterhaven ist ein fiktiver Ort, der sich in der Nähe von Cuxhaven befindet. Ich würde mich freuen, wenn es jemanden auf der Welt gäbe, der mir ein Haus am Meer, gerne auch mit Hund, vererben würde.

Melanie jedoch ist von ihrem Erbe ganz und gar nicht angetan. Für sie kommt es überhaupt nicht in Frage, ihr (langweiliges) Leben in Köln-Nippes aufzugeben, um an die Nordsee zu ziehen. Aber um die Formalitäten zu klären, muss sie persönlich bei Notar Alexander Messner vorsprechen und so macht sich Mel auf den Weg nach Lichterhaven.

Als Leser weiß man es vom 1. Moment an und der Klappentext verrät es auch schon, Melanie wird natürlich das Erbe annehmen und sich gemeinsam mit Alex und Schoki am Meer niederlassen. Aber von dem Punkt an, als Mel den Brief vom Notariat erhält, bis zu ihrer Erkenntnis, dass sie in Lichterhaven bleiben wird, muss sie ganz schön viel einstecken.

Da Mel sehr pflichtbewusst und arbeitsam ist, hat sie ein beachtliches Überstundenkonto angesammelt und zusammen mit ihrem regulären Jahresurlaub, reist sie für 6 Wochen nach Lichterhaven, um sich in dieser Zeit mit dem Erbe auseinander zu setzen. Das Haus will verkauft werden, der Laden auch und mit Hunden hatte Mel eh noch nie etwas am Hut, von Schoki will sie gar nichts wissen.

Die süße kleine Schoki lässt den Leser mittels Kursivschrift immer wieder an ihren Gedanken teilhaben. Sie ist so süß und möchte einfach nur lieben und geliebt werden und ich muss gestehen, dass mir die anfängliche ablehnende Haltung von Mel gegenüber Schoki schon fast körperlich weh getan hat. Gott sei Dank besitzt Schoki Ausdauer und lässt nicht locker, Mel von sich zu überzeugen.

Melanie ist sehr zurückhaltend, am liebsten möchte sie alleine sein, zwischenmenschliche Gefühle machen ihr Angst. Eine Leserundenteilnehmerin hat Mel ganz treffend mit einer Muschel verglichen. Sobald sie etwas überfordert oder mit Gefühlen zu tun hat, klappt sie ihre Muschel zu und ist für die Außenwelt nicht mehr erreichbar.

Alex ist Gott sei Dank genau so hartnäckig wie Schoki, hat es jedoch etwas schwerer als die süße Hündin, Mel von sich zu überzeugen.
Lichterhaven ist ein Dorf mit vielen netten Einwohnern, die jedoch für einen Städter durchaus eine erschlagende Wirkung haben können. Es scheint, als ob in Lichterhaven jeder von jedem alles weiß und es keine Geheimnisse gibt, noch nicht einmal das Sexualleben bleibt verborgen. Dorfleben kann ein Segen, aber auch ein Fluch sein. Für Mel ist das alles Neuland.

A pro pos Sexualleben: Es gibt natürlich im Buch auch die eine oder andere heiße Szene, die meiner Meinung nach sehr geschmackvoll und lesenswert beschrieben wurden.

Nach 6 Wochen Urlaub in Lichterhaven ist das Leben von Melanie Brenner ein Anderes.

Für die Leckermäuler unter den Lesern finden sich am Ende des Buches die Rezepte für die „Wattwurmkekse“ und die „Zitronenlimonade“ nach dem Rezept von Tante Sybilla. 

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65 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

axtmörder, aachen, krimi, schuld, geliebte schwester

Schatten der Schuld

Petra Johann
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.11.2015
ISBN 9783734102035
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kriminalkommissarin Charlotte Rumor hat Urlaub und wirft sich gerade in Schale, um mit ihrer langjährigen Freundin Jill gemeinsam um die Häuser zu ziehen. Als es an der Haustüre klingelt und ihr neuer Kollege Benjamin Kämpfer sie im Namen ihres Vorgesetzten Frank Quirin zu einem Tatort rufen lässt, weiß sie, dass etwas schreckliches passiert sein muss. Frank würde sie niemals, ohne triftigen Grund, im Urlaub stören.

Als sie zum Tatort kommt, stockt ihr der Atem und ein Dèja-vu-Gefühl trifft sie mit voller Wucht. Die bisher noch unbekannte Frau wurde von hinten mit einer Axt erschlagen und ihre Haare wurden fein säuberlich abgeschnitten und neben der Leiche deponiert. Ist das der 4. Fall des "Axtmörders", der bis heute nicht gefasst wurden konnte?

Charlotte und Frank müssen sich zwangsläufig erneut mit den früheren Taten des Axtmörders auseinander setzen - sie müssen Wahrheiten ans Tageslicht zerren, die sie lieber vergessen würden, denn die letzte Tat des Axtmörders, die nunmehr 3 Jahre zurückliegt, hat ihr Leben verändert.

Auch Charlys ehemaliger Kollege Mick, der seit 3 Jahren nicht mehr im Dienst ist, muss sich wieder mit der Vergangenheit befassen.

Ich gehe in meinen Rezensionen nicht sehr oft auf das Cover eines Buches ein, aber dieses Cover finde ich so toll, dass ich es wirklich erwähnen möchte. Ich bin ein bekennender Blau-Fan und die eingestanzten Buchstaben des Titels fühlen sich richtig gut an. Die Stimmung auf dem Cover passt genau zum Buch. Das tolle Cover war - neben dem Klappentext - Teil meiner Entscheidung dieses Buch lesen zu wollen und ich wurde wirklich nicht enttäuscht.

"Schatten der Schuld" von Petra Johann ist mein Krimi-Highlight des Jahres 2015.

Dieses Buch entwickelt von der 1. Seite an einen Sog, der einen nicht mehr loslassen möchte. Leserunden könnten tatsächlich Spaßbremsen sein, denn ohne Leserunde hätte ich das Buch wohl in einer Nacht gelesen. Aber so musste ich mich zügeln .... aber hatte dann auch längeren Genuss.

"Schatten der Schuld" beginnt mit einem Prolog, der den Leser schon gleich mit einem Fragezeichen über dem Kopf zurücklässt - und neugierig macht auf mehr. Dann folgt gleich der Mord des aktuellen Opfers. Um zu verstehen, wie die Axtmorde das Leben von Frank, Charly und Mick beeinflusst haben, wird in den nachfolgenden Kapiteln abwechselnd aus der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt. So erhält der Leser nach und nach einen Einblick in das, was vor 3 Jahren passiert ist und wie es mit dem aktuellen Mord in Zusammenhang steht.

Was mir an diesem Buch gefällt ist, dass hier nicht nur ein oder zwei Ermittler den Fall lösen, sondern ein ganzes Team wirklich Hand in Hand zusammenarbeitet. Es wird der aktuelle Fall, aber auch die vorhergehenden, immer und immer wieder von allen Seiten beleuchtet - aus der Sicht des jeweiligen Ermittlers. Der Leser wird hier mehr als einmal auf eine falsche Fährte geführt, wer denn der Mörder sein könnte. Ich tappte bis kurz vor Schluss auf einer falschen Fährte. Erst auf den letzten Seiten hab ich den richtigen Abzweig zur Lösung gefunden und war überrascht. Diese Person hatte ich ganz und gar nicht im Visier.

Die Figuren Charly, Mick und Frank sind sehr sympathisch angelegt. Auch außerhalb ihrer Arbeitszeit haben diese Menschen einen Draht zueinander, was natürlich auch ihre gemeinsame Arbeit beeinflusst. Benjamin, als Neuling in der Truppe, wird von den Kollegen wegen seines Namens (Töröööööö) öfter mal aufs Korn genommen, aber er wird ganz sicher ein richtig guter Ermittler. Ich glaube er macht in der Geschichte die größte Entwicklung durch - zu seinen Gunsten.

Der Schreibstil von Petra Johann ist toll - sie versteht es, den Leser neugierig zu machen und bei der Stange zu halten bis das letzte Wort gelesen ist.

Wenn ich jetzt noch mehr schreiben würde, würde ich spoilern - aus meiner Sicht ist es absolut keine Fehlentscheidung sich dieses Buch zu kaufen und selbst zu lesen!

Wie Petra Johann in unserer Leserunde erläutert hat, wird es keinen 2. Band zu diesem Ermittlerteam geben, was ich sehr schade finde. Aber ihre anderen Bücher werde ich mir in diesem Jahr auf jeden Fall genauer anschauen. 

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22 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

liebe, lunau, heide, feuerteufel, erotik

Heidewinter

Susanne Schomann
Flexibler Einband
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.11.2015
ISBN 9783956492518
Genre: Romane

Rezension:

Sina Rosenborn, Tochter des wohlhabenden "Pralinenkönigs" Rosenborn, hat alle Brücken zwischen sich und ihrem Vater abgebrochen. Durch seine überaus antiquiierten Ansichten, seine Tochter müsse einen Mann ihres Standes heiraten, gerieten sie immer öfter in Streit. Auf dem letzten Ball ihres Vaters, an dem die 17jährige Sina gezwungenermaßen anwesend sein musste, lehnte sie sich auf ihre ganz eigene Art gegen ihren Vater auf - sie verführte einen jungen Mann, dessen Namen sie nicht kannte.

Einige Jahre später, Sina arbeitet in ihrem Beruf als examinierte Krankenschwester, bekommt sie von ihrer ehemaligen Arbeitskollegin Ruth Rogalski ein Stellenangebot, das sie nach Lunau führen würde. Nach anfänglichem Zögern willigt Sina ein und nimmt den Job an, der eigentlich aus 2 Arbeitsstellen besteht. Zum einen soll sie die Arztpraxis von Kjell Loewenthal an einigen Tagen in der Woche unterstützen und zum anderen soll sie Baron Hagen von Hoven zur Hand gehen, der nach einem Reitunfall ein wenig Unterstützung bei den täglichen Dingen des Lebens gebrauchen kann.

Kurz nachdem Sina in Lunau angekommen ist, trifft sie auf den Sohn ihres neuen Arbeitgebers um mit ihm die vertraglichen Einzelheiten zu vereinbaren. Es handelt sich um Philip von Hoven - den jungen Mann, den sie damals gekonnt verführt hatte.

"Heidewinter" ist das 3. Buch aus der Lunau-Reihe von Susanne Schomann. Es ist durchaus möglich das Buch solo zu lesen, Vorkenntnis der anderen Bücher ist nicht notwendig - was aber nicht bedeutet, dass man dann nicht etwas verpassen würde.

Wenn man die beiden vorhergehenden Bücher kennt, dann erfährt man als Leser hier so etwas wie "nach Hause kommen" zu all den liebenswerten Menschen im Heidedörfchen Lunau.

Im Buch "Wilder Wacholder" wird das Protagonisten-Paar Kjell Loewenthal und Isabell Valentine näher vorgestellt. Im 2. Band "Der Holundergarten" erfährt der Leser die Liebesgeschichte von Rafael Brix und Luisa Milchert und in "Heidewinter" geht Susanne Schomann nun auf die Geschichte von Philip von Hoven und Sina Rosenborn ein. Mit Kjell, Rafael und Philip schließt sich nun auch der Kreis, dass die "Musketiere" wieder in Lunau vereint sind.

"Heidewinter" ist nicht nur ein Liebesroman, denn wie in allen Büchern die ich bisher von der Autorin gelesen habe, werden geschickt Krimi-Elemente eingeflochten. In Lunau ist ein Brandstifter unterwegs, der es gezielt auf das Eigentum der Familie von Philip von Hoven abgesehen hat.

Die Progatonisten Sina Rosenborn und Philip von Hoven waren mir gleich von der 1. Seite an sympathisch. Sina, die sich gegen ihren Vater auflehnt und gekonnt den jungen von Hoven verführt und Philip, der sich nach dem Reitunfall seines Großvaters um das Gut der von Hovens kümmert.

Beim ersten Zusammentreffen, nach all den Jahren, sind die Beiden erst einmal schockiert. Dem Schock folgt zuerst die Scham, dann die Unsicherheit weil sie nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Nach und nach finden sie zum normalen Umgang zurück und letztendlich merken sie, dass es zwischen ihnen noch immer kribbelt. Bevor es ein Happy-End geben kann, muss sich Philip jedoch erst noch mit Sinas Ex-Mann Falk auseinandersetzen.

Die erotischen Szenen sind ..... sehr heiß !!
Wie auch schon in den Vorbänden sind die erotischen Szenen so beschrieben, dass man als Leser noch ausreichend Platz für eigene Phantasien hat. Es gibt nur 2 oder 3 dieser Szenen im Buch, aber die sind wirklich gut beschrieben.

Ich habe den Aufenthalt im Heidedörfchen Lunau auch dieses Mal sehr genossen. So schön, friedlich und harmonisch ist es im echten Leben meist nicht, weswegen man die Lesestunden die man in Lunau verbringt, für eine kleine Auszeit aus dem Stress des Alltages nutzen kann. 

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 11 Rezensionen

thriller, russland, berlin, moskau, st. petersburg

Messertanz

Katja Bohnet
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.12.2015
ISBN 9783426516744
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In Berlin-Marzahn wird die Leiche von Alla Kusmin aufgefunden. Arterielles Blut an der Decke und ein vielfach grausamer verstümmelter Leichnam, weisen darauf hin, dass die Frau einen schrecklichen Tod gestorben sein muss.

Foma Lassarev findet an 3 Tagen hintereinander die Ankündigung zu einem Auftritt von "Sista Marx" in seinem Briefkasten. Obwohl er sonst nicht auf solche Art von Unterhaltung steht, sieht er in der 3maligen Aufforderung einen Hinweis, der ihn jedoch fast das Leben kostete. Vor dem Club "Fern und Weh" wird er von einem Unbekannten niedergestochen.

Auf einem Kinderspielplatz verschwindet ein Kind.

Zwischen diesen Verbrechen gibt es keinen Zusammenhang. Oder doch?
Ein Glück, dass das Ermittlerteam Viktor Saizew und Rosa Lopez genauer hinschaut.

Für mich war "Messertanz" das 1. Buch von Katja Bohnet - für Katja Bohnet war es der 1. Thriller.

Zu Anfang ist die Geschichte für den Leser etwas verwirrend. Es tauchen recht viele Protagonisten auf und die Autorin erzählt sowohl aus der Vergangenheit als auch der Gegenwart. Es ist nicht immer auf den 1. Blick klar erkennbar, in welcher Zeit man sich gerade befindet, aber mit Fortschreiten der Geschichte fügt sich dann alles logisch zusammen und die Verbrecherjagd führt unser Ermittlerteam von Berlin über St. Petersburg nach Moskau. Dort findet die ganze Geschichte ihre Auflösung.

Die beiden Kriminalkommissare Rosa Lopez und Viktor Saizew, haben ihre eigenen Dämonen im Gepäck, genau wie viele anderen Ermittler vor ihnen.

Rosa Lopez leidet unter Depressionen und schweren Selbstvorwürfen seit vor 8 Jahren ihr Sohn einfach so verschwunden ist.

Viktor Saizew ist eigentlich aufgrund einer Krankheit vom Dienst beurlaubt, aber zu Hause rumsitzen kann er auch nicht, also hilft er seiner langjährigen Kollegin einfach bei den Ermittlungen.

Saizew und Lopez verbindet ein gemeinsames Erlebnis, bei dem Viktor schwer verletzt wurde. Dieses Erlebnis hat ihr Verhältnis zueinander verändert, aber irgendwie kann der Eine nicht ohne den Anderen sein.

Die beiden Kommissare wachsen einem nicht sofort auf der 1. Seite ans Herz. Zumindest bei mir brauchte es ein paar Seiten, bis ich mich voll und ganz auf sie einlassen konnte.

Wer mir von Anfang an gut gefiel, war die Gerichtsmedizinerin Siska Mohn. Sie brachte in einen doch eher düsteren Alltag ein wenig Licht. Aber auch sie kämpft mit den Schatten ihrer Vergangenheit.

Der Schreibstil von Katja Bohnet ist sehr angenehm, das Buch lässt sich flüssig lesen und auch wenn die Handlungen am Anfang eher verwirren, kann man das Buch nicht gut aus der Hand legen bis man dann die ganze Auflösung erfahren hat. Zum Ende häufen sich die Zufälle, aber das Buch büßt trotzdem nichts von seiner Spannung ein.

Für meinen Geschmack - ein gelungenes Debüt !!
Hoffentlich ermitteln Viktor und Rosa bald erneut in einem Mordfall. 

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101 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

hamburg, familiensaga, erster weltkrieg, 1. weltkrieg, revolution

Sterne über der Alster

Micaela Jary
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Piper, 09.11.2015
ISBN 9783492306973
Genre: Romane

Rezension:

Mit der Abdankung Kaiser Wilhelm II findet die Monarchie in Deutschland ein Ende. Die Republik wird ausgerufen und eine parlamentarische Demokratie entsteht. Mitten in dieser Revolution nimmt sich Victor Dornhain das Leben, weil er dem Druck nicht mehr standhalten kann. Er hinterlässt einen Abschiedsbrief, von dem nur seine Tochter Ellinor und seine Mutter Charlotte Kenntnis erhalten und dessen brisanter Inhalt am besten niemand anderem zugänglich wird. Um keinen Skandal aufkommen zu lassen, hat Charlotte Dornhain die Dienstboten und den Haushalt fest im Griff.

Die älteste Tochter Ellinor steht schon lange als Nachfolgerin des Reeders fest, aber ihre Aufgabe ist nicht leicht, denn die Schiffe der Reederei fallen als Reparaturzahlungen an die Siegermächte und Ellinor steht quasi vor dem Nichts. Ihr zur Seite steht ihr Jugendfreund und Verlobter Christian Schulte-Stollberg.

Victor Dornhain war kein schlechter Geschäftsmann, denn er hat vor seinem Tod weit über den Tellerrand geblickt, was wahrscheinlich auf lange Sicht das Unternehmen Dornhain vor dem Untergang retten wird.

Lavinia ist an der Front in Spa/Belgien als Telefonistin des Nachrichtenkorps eingesetzt während ihr Ehemann mit ihrer Schwester Helena (genannt Nele), die ein Kind von Konrad erwartet, in der Schweiz weilt.

Anlässlich des Todes von Victor Dornhain rufen Ellinor und Charlotte die Schwestern nach Hause, in das Haus am Alsterufer, zurück.

Bei der Testamentseröffnung können Ellinor und Charlotte das Geheimnis von Victor Dornhain nicht mehr unter den Tisch kehren.

"Sterne über der Alster" ist das 2. Buch der Autorin Micaela Jary, das sich mit der Familiengeschichte der Reederfamilie Dornhain beschäftigt. Das Buch kann durchaus alleine gelesen werden, es empfiehlt sich jedoch, den 1. Teil "Das Haus am Alsterufer" gelesen zu haben, um die persönlichen Hintergründe der Charaktere wirklich verstehen zu können.

Nach kurzer Eingewöhnung war ich sehr schnell wieder im Haus Dornhain angelangt und treffe dort auf liebe und vertraute Menschen wie die Hausangestellte Klara, die seit 7 Jahren in den Diensten der Dornhains steht und noch immer nicht weiß, wer ihre leibliche Mutter ist. Die Köchin Ida, der Morgenmann Richter ... und all die dienstbaren Geister, die sich um die Familie Dornhain kümmern.

Auf der ältesten Tochter Ellinor liegt die größte Last, denn sie tritt das Erbe ihres Vaters Victor Dornhain an. Sie ist aber von allen 3 Schwestern tatsächlich diejenige, die diesem Job am ehesten gerecht werden wird, denn sie handelt überlegt, denkt vernunftgesteuert und besitzt den notwendigen Ernst und das Wissen, die Reederei zu leiten. Dass sie in Punkto Abschiedsbrief ihres Vaters mit ihrer Großmutter Charlotte gemeinsame Sache macht, hätte ich nicht von ihr erwartet.

Da das Leben sich nicht immer an die Spielregeln hält, vermute ich mal, dass Christian Schulte-Stollberg nicht ihr Ehemann werden wird. Hier ist ausreichend Platz für Spekulationen des Lesers.

Nele ist schwanger vom Mann ihrer Schwester und sie ist zurückhaltend, abwartend und eher introvertiert und zudem eifersüchtig. Ihr Verhalten ist einerseits, aufgrund ihrer persönlichen Situation, verständlich, andererseits dürfte sie ihre Schwester auch gerne mal auf den Pott setzen, denn Lavinia liebt Konrad nicht und hat ihn nie geliebt und eine Scheidung würde allen Beteiligten das Leben erleichtern.

Lavinia ist hier, wie auch im 1. Teil, das egoistische und selbstverliebte Weibchen, das wirklich an nicht viel anderes denken kann als an sich selbst und ihren persönlichen Vorteil. Sie lernt einen Mann kennen der sich für sie interessiert und schon ist es "die große Liebe". Aber auch eine Lavinia Dornhain muss feststellen, dass das Leben ungerecht sein kann.

Auch wenn Lavinia wirklich ein unausstehliches Ding ist, hat mir ihr Handlungsstrang auf vielen Seiten am besten gefallen. Im Gegensatz zu den eher ernsten Strängen von Ellinor und Nele, musste ich bei Lavinia oftmals grinsen (ja, manchmal auch aus Schadenfreude) oder den Kopf schütteln. Da Lavinia zu keinen tieferen Gefühlen fähig ist, kommt man wahrscheinlich nicht in die Verlegenheit mit ihr befreundet zu sein.

Charlotte Dornhain regiert in der Villa am Alsterufer mit harter Hand und es gäbe für sie nichts schlimmeres als einen Skandal um die Familie. Für den Selbstmord ihres Sohnes hat sie nur Verachtung übrig und Trauer sucht man bei ihr vergebens. Das Geheimnis Victor Dornhains hebt sein Ansehen bei seiner Mutter nicht, ganz im Gegenteil.

Konrad kann einem einfach nur leid tun. Lavinia gibt ihn nicht frei und Nele erwartet ein Kind von ihm. Zur damaligen Zeit nicht unbedingt eine glückliche Fügung des Schicksals. Aber Konrad geht seinen Weg. Ein überaus sympathischer Charakter.

Hervorheben möchte ich, wie perfekt die Autorin Micaela Jary die damalige Situation in Deutschland, den politische Umbruch nach dem Waffenstillstand und dem Rücktritt des Kaisers Wilhelm II. in die Handlung ihres Romans hat einfließen lassen.

Alles in allem hat mich "Sterne über der Alster" sehr gut unterhalten und ich würde mich freuen, wenn es irgendwann in naher Zukunft noch einen 3. Teil zur Familiengeschichte der Dornhains gibt. Stoff für eine Fortsetzung ist auf jeden Fall ausreichend vorhanden. 

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cupcake, hamburg, berit bonde, bookshouse, zuckersüß

Cupcake Love

Berit Bonde
Flexibler Einband
Erschienen bei bookshouse, 23.06.2014
ISBN 9789963523252
Genre: Sonstiges

Rezension:

Für die 30jährige Clara Sander hat sich gerade ihr größter Traum erfüllt. Sie hat soeben beim Makler den Vertrag für ihr eigenes Ladengeschäft unterschrieben. Total von der Rolle und in Gedanken schon in ihrem Geschäft, rennt sie vor der Türe in den gutaussehenden Rechtsanwalt Samuel van der Brugge hinein.

Auch wenn dieser Zusammenprall nicht sonderlich freundlich verlief (er fragt sie, ob sie denn keine Augen im Kopf habe, sie murmelt ein "Ignoranter Affe" vor sich hin), und er sich dann auch noch über den Namen ihres Ladens lustig macht den er vom auf dem Boden herumliegenden Vertrag abgelesen hat, scheint Sam einen nachhaltigen Eindruck bei Clara hinterlassen zu haben. Als sich kurz darauf herausstellt, dass der Laden einen massiven Schimmelbefall hat, braucht Clara dringend rechtlichen Beistand und sie engagiert den "ignoranten Affen" um ihre Interessen zu vertreten.

Bei den nun folgenden geschäftlichen Treffen spürt Clara, dass sie sich zu Sam hingezogen fühlt, andererseits empfindet sie ihn als überaus arrogant und er gibt echt alles, sie in ihrer schlechten Meinung über ihn zu bestärken. Zur Eröffnung von "Cupcake Love" betritt Patrick, seines Zeichens Schauspieler und Claras Jugendschwarm, die Bühne.

Bleibt "Cupcake Love" die einzige Liebe in Claras Leben oder verliert sie ihr Herz an Sam? Oder doch an Patrick?

Schon gleich am Anfang wird dem Leser klar, dass Clara vielleicht eine gute Bäckerin sein mag, aber mit dem notwendigen Schreibkram hat sie es nicht so. Zum einen hat sie im Vertrag für ihren ersten eigenen Laden das Kleingedruckte nicht gelesen, wonach sie den Laden gekauft hat wie gesehen, incl. aller Mängel. Zum anderen hat sie mal eben verpennt einen wichtigen Antrag einzureichen, der für ihre Existenzgründung von enormer Wichtigkeit war. Für beide Fälle, die absolute Dringlichkeitsstufe Rot haben, engagiert sie den Rechtsanwalt Samuel van der Brugge.

Mag sein, dass Sam beim Erstkontakt nicht unbedingt die Liebenswürdigkeit in Person war, aber wenn jemand ungebremst in mich hineinrennt und mir deswegen alle Unterlagen aus den Händen fallen würden, wäre ich vermutlich auch nicht sonderlich freundlich. Obwohl Clara ihn irgendwie attraktiv findet, steckt sie ihn in die Schublade ""ignoranter Affe".

Leider hat Sam noch einen Fehler - er hat eine gutaussehende weibliche Kollegin, die ziemlich vertraut mit Sam zu sein scheint. Hier interpretiert Clara gleich ein Verhältnis hinein, eine andere Möglichkeit scheint es für sie nicht zu geben.

Ich muss gestehen - Clara kommt bei mir nicht gut weg. Ich empfinde sie als extrem oberflächlich. Sam gibt sich wirklich Mühe ihr näher zu kommen, weil auch er Gefallen an Clara gefunden hat. Sie hingegen lässt ihn immer nur abblitzen. Entweder sie interpretiert in seine Aussagen etwas hinein, was er gar nicht gesagt hat, oder sie denkt daran, dass er ja ein Verhältnis mit seiner blonden Kollegin haben muss, die Clara in Gedanken "Barbie" nennt. Dass man Missverständnisse mittels Kommunikation aus der Welt räumen kann, hat Clara scheinbar noch nicht gehört, denn irgendwann geht sie dazu über, Sam zu ignorieren. Und trotzdem träumt sie von ihm und seinen verwuschelten Haaren ...... und auch Sam lässt sich so schnell nicht verprellen.



Clara wird in ihrem Cupcake-Vorhaben unterstützt von ihren Freunden Dine und Basti und ihrem Assistenten Hannes. Basti ist schwul und wirklich ein sehr guter Freund. Das zeigt er insbesondere bei der Einweihungsparty. Ich teile Dines Einstellung zu Männern nicht, aber auch sie ist eine gute Freundin für Clara und ohne ihre Unterstützung wäre vieles nicht möglich. Auch Hannes reißt sich sprichwörtlich die Beine aus um Claras Existenz mit aufzubauen - für mich war er der sympathischste Charakter im Buch, der mir stellenweise wirklich leid tat.

Natürlich gibt es ein Happy End - aber wer und mit wem ....? Das müsst Ihr selbst herausfinden.

Das Buch "Cupcake Love" der Autorin Berit Bonde lässt sich locker und flüssig lesen. Auch wenn mich Clara wirklich genervt hat mit ihrem Verhalten gegenüber Sam, hatte ich das Buch in wenigen Stunden gelesen. Für mich hätte es gerne etwas mehr Tiefgang und weniger Oberflächlichkeit haben dürfen. 

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schottland, fantasy, fand ich super, mystisches

Die Feuer von Erenor

Stephan Lössl
E-Buch Text
Erschienen bei GMEINER, 01.08.2015
ISBN 9783734993183
Genre: Fantasy

Rezension:

Susan Rabenstein braucht dringend einen Tapetenwechsel. Der Todestag ihrer Tochter jährt sich bald zum 2. Mal und um den Kopf frei zu bekommen, hat sie spontan für den Familienurlaub ein Cottage in Schottland gebucht.

Alexander Rabenstein ist eigentlich schon zu alt um gemeinsam mit seinen Eltern in Urlaub zu fahren. Er lässt sich von seiner Mutter überreden und ahnt noch nicht, dass dies wahrscheinlich der aufregendste, spannendste und gefährlichste Urlaub seines Lebens werden wird.

Auf dem Weg zur Isle of Skye treffen die Rabensteins auf Anna, die den Bus verpasst hat um zu ihrem Bruder zu reisen. Schon ab dem Moment, in dem Anna in das Auto der Rabensteins einsteigt, findet Alexander den Urlaub nur noch halb so öde. Am Urlaubsort angekommen, verabreden sie sich für den nächsten Tag zu einem gemeinsamen Ausflug - und schon stecken sie mitten in einem Abenteuer. Anna wird von 2 unbekannten Männern angegriffen und nur durch die Hilfe einer unbekannten Frau namens Askaya kann sie entkommen.

Askaya stammt nach ihrer eigenen Aussage aus der Parallelwelt Esmarillion, beherrscht die Kampfkunst mit einem Stock und den in ihren Haaren eingeflochtenen Dolchen und ist auf der Suche nach 2000 Jahre alten Artefakten um damit den Frieden in Erenor wieder herzustellen. Alexander und Anna beschließen, der fremden und mysteriösen Askaya zu helfen die Artefakte zu finden.

Während Anna und Alexander mit Askaya durch ein Portal nach Esmarillion gehen, tritt in unserer Welt der seit dem Jahre 1312 aufgelöste Templerorden wieder in Aktion.

"Die Feuer von Erenor" ist der 1. Teil der Fantasy-Geschichte um die Artefakte von Erenor, die vor 2.000 Jahren von einer (angeblichen) Verräterin durch ein Portal in unsere Welt gebracht wurden. Das Veröffentlichungsdatum des 2. Bandes steht leider noch nicht fest. Ich hoffe, dass dieser Zeitpunkt in nicht allzu ferner Zukunft liegen wird, denn ich würde gerne wissen wie es weitergeht.

Die Eltern Rabenstein sind mir zwar grundsätzlich sympathisch, aber ich mag ihre Art nicht, wie sie den Beruf des jeweils anderen auf die Schippe nehmen. Susan ist Fantasy-Autorin und Robert ist Banker. Während Susan im Laufe der Geschichte nicht sonderlich in Aktion tritt, macht Robert eine Veränderung durch, bei dem auch seine Frau nur ungläubig schauen kann.

Anna und Alexander sind die typischen Teenager. Sie wollen gerne ihr eigenes Ding machen und bringen sich damit in Gefahr. Nachdem sie Askaya kennengelernt haben beschließen sie, mit ihr nach den Stundengläsern zu suchen und durch das Portal zu gehen. In Esmarillion machen die beiden eine sehr große Entwicklung durch, aber sie handeln auch so, wie das junge Menschen manchmal machen - ohne vorher nachzudenken. Ohne Askaya könnten sie in dieser ihnen fremden Welt nicht überleben.

Dass der Autor Stephan Lössl Schottland liebt, kann man in jeder Zeile lesen, in der er die Landschaft und die Schauplätze beschreibt. Eine autorenbegleitete Leserunde hat den Vorteil, dass man vom Autor auch Einblicke hinter die Kulissen bekommen kann und so haben wir einige Fotos sehen dürfen, die Stephan Lössl zur Geschichte inspiriert haben und die dem normalen Leser verschlossen bleiben.

Der Schreibstil von Stephan Lössl gefällt mir sehr gut, ich habe von ihm schon die Bücher "Jäger im Zwielicht" und "Der Kampf der Halblinge" gelesen, welches er in Gemeinschaftsarbeit mit seiner Frau Claudia Lössl (alias Aileen P. Roberts) unter dem Pseudonym C.S. West geschrieben hat.

Durch viele unvorhergesehene Wendungen bleibt das Buch spannend - das Ende lässt den Leser jedoch mit einigen offenen Fragen zurück. So ist das nun einmal bei einem Mehrteiler.

Wie eingangs schon erwähnt hoffe ich, dass der 2. Teil nicht allzu lange auf sich warten lässt. 

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fantasy, liebe, magie, nina blazon, schwestern

Der Winter der schwarzen Rosen

Nina Blazon
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei cbt, 05.10.2015
ISBN 9783570163641
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Liljann und Tajann sind Schwestern. Ohne Mutter aufgewachsen, leben sie mit ihrem Vater in einer einsamen Hütte im Wald. Der Vater steht als Jäger im Dienste der Lady Jamala. Tajann träumt von einem Leben am Hofe der Lady, doch bevor sich ihre Träume verwirklichen können, muss Liljann ihren von Geburt an vorbestimmten Weg gehen.

Laut Gesetz müssen die Erstgeborenen ihre Familie verlassen damit die Zweitgeborenen frei sein können - wohin sie gehen müssen, das wird schon kurz nach der Geburt des Kindes entschieden. Erst nachdem Liljann, die Erstgeborene, das Haus verlassen hat, kann Tajann ihren Traum leben. Der Vater möchte Liljann jedoch nicht freigeben - Tajann wiederum möchte sich nicht länger einsperren lassen.


Nachdem ich Nina Blazon bei einer Lesung im Drachenwinkel Dillingen/Saar gehört hatte, habe ich mich zur Leserunde zu "Der Winter der schwarzen Rosen" angemeldet. Die beiden Bücher, die ich beim Leseabend gekauft habe, schlummern - leider - noch in meinem Regal, aber dieser Zustand wird sich in Kürze ändern.

Das Buch wird aus der Sicht der Schwestern Liljann und Tajann erzählt. Um es dem Leser zu vereinfachen, wechselt jeweils die Schriftart wenn die Erzählerin wechselt. Zudem erzählen die Schwestern aus unterschiedlichen Perspektiven.

Liljann und Tajann sind Zwillinge, so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Sie lieben sich, aber es stehen oft auch negative Gefühle zwischen ihnen.

Liljann, die Ältere der Schwestern, ist ruhig, zurückhaltend und möchte am liebsten immer zu Hause bei Vater und Schwester bleiben. Das Schicksal hat es ihr jedoch vorherbestimmt, dass sie ihr Elternhaus in einem bestimmten Alter verlassen muss.

Tajann möchte so gerne am Hof der Lady Jamala leben, wie auch ihre Mutter das getan hat. Ihr Ehrgeiz, dieses Ziel zu erreichen, treibt sie fortwährend an. Da der Vater die ältere Schwester jedoch noch nicht freigeben möchte um sie ins Grauland zu schicken, ersinnt Tajann einen Plan, wie sie diesen Umstand ändern kann.

Bei "Der Winter der schwarzen Rosen" handelt es sich um einen Jugendfantasyroman, der aber sehr gut auch von erwachsenen Personen gelesen werden kann. In unserer Leserunde wurde deutlich, dass sich sowohl Personen als auch Ortschaften aus früheren Büchern der Autorin hier wiederfinden, aber ich konnte das Buch auch sehr gut ohne Vorkenntnisse lesen.

Die Charaktere sind sehr schön beschrieben, sie entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter und diese Entwicklung ist für den Leser sehr spannend zu beobachten. Sie tun nämlich nicht immer das, was man erwartet.

Auch die Nebenprotagonisten werden sehr gut charakterisiert und in der ein oder anderen Person kann man sich so richtig schön täuschen. Das alles macht die Geschichte vielfältig, interessant und spannend und der schöne Schreibstil von Nina Blazon rundet die Sache ab. 

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

seattle, romantic-thriller, mord, flucht, ladythriller

Crossroads - Ohne Ausweg

Michelle Raven
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 01.10.2015
ISBN 9783802596490
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Crossroads - Ohne Ausweg" beginnt ca. 4 Monate nach der Flucht von Damon Thomas im Olympic National Park.

Damon ist in Seattle, seiner Heimatstadt, untergetaucht und versucht nun auf eigene Faust den Mörder seiner Exfreundin Bella Pellham zu finden. Für diesen Mord, den er nicht begangen hat, wurde Damon verurteilt.

Schon im 1. Teil "Crossroads - Ohne Gnade", kristallisierte sich heraus, dass die FBI-Agentin Valerie Hayes nicht so recht an die Schuld von Damon Thomas glaubt und so ermittelt sie - trotz Verbot von Seiten ihres Vorgesetzten - in ihrer Freizeit weiter.

Durch einen Unfall, in den der Rechtsanwalt von Damon Thomas verstrickt ist, kreuzen sich die Wege von Valerie und Damon und beide versuchen nun gemeinsam Licht ins Dunkel zu bringen - wer hat Bella Pellham ermordet und warum und wer möchte, dass ausgerechnet Damon dafür bezahlt?

Dass bei den Ermittlungen damals nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, offenbart sich sehr schnell, jedoch bringen Valerie und Damon sich bei ihren Recherchen nicht nur einmal in große Gefahr.



"Crossroads - Ohne Ausweg" ist der 2. Teil der Crossroads-Reihe von Michelle Raven. Man kann den 2. Band auch gut ohne Kenntnis von "Crossroads - Ohne Gnade" lesen. Um die Charaktere Valerie Hayes, Damon Thomas sowie Valeries Vorgesetzten Gabriel Lynch ausführlicher kennen zu lernen, empfiehlt es sich jedoch, den Vorgängerband auch zu lesen. Zudem steckt da ein tolles Buch dahinter.

Wer Damon aus dem 1. Band kennt, der weiß, dass er kein Mörder ist. Damon ist ein totaler Familienmensch und die Tatsache, dass er zur Zeit keinen Kontakt zu seiner Familie aufnehmen kann/darf, lastet schwer auf ihm. Als verurteilter und gesuchter Mörder, kann er nicht durch Seattle marschieren und den wahren Mörder suchen, weswegen er auf Hilfe angewiesen ist.

Diese Hilfe bekommt er in Form von Valerie Hayes. Die FBI-Agentin ist überzeugt davon, dass Damon unschuldig verurteilt wurde. Auch aus privaten Gründen möchte sie die Rehabilitation von Damon Thomas erreichen. Ihr Vorgesetzter, Gabriel Lynch, glaubt, dass Valerie sich in etwas verrannt hat.

Neben den Gefahren, in die die beiden sich bringen, knistert es gewaltig zwischen ihnen. In einem Romantic Thriller sollte natürlich die Liebe nicht zu kurz kommen und so entlädt sich das "Gewitter" zwischen Valerie und Damon kurz vor dem großen Finale bei dem Gewehrkugeln fliegen und Fensterscheiben bersten.

Der Schluss hat mir dann noch ein paar Tränchen entlockt - ein schöner und runder Abschluss für dieses Buch. 

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fantasy, elfen, drachen, weltenmagie, magie

Weltenmagie - Das Lied der Elfen

Aileen P. Roberts
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 14.09.2015
ISBN 9783442481071
Genre: Fantasy

Rezension:

Der 3. Band der Weltenmagie-Trilogie "Das Lied der Elfen", schließt nahtlos an den 2. Band an. Die Handlung ist für den Leser jedoch nur dann verständlich, wenn er die Bände 1 + 2 gelesen hat.

Leana, Rob und Kayne sind noch immer in der sterbenden Elfenwelt Sharevyon gefangen. Sie warten voller Hoffnung auf die Rückkehr von Nordhalan, der mit Hilfe aus Albany zurückkehren wollte. Immer wieder geraten die 3 in große Gefahr und auch in die Fänge der Mysharen. Den Wesen, die der Elfenwelt Sharevyon das Leben aussaugen und sie nach und nach zugrunde richten. Es kristallisiert sich heraus, dass es nur eine Lösung für Sharevyon gibt. Die überlebenden Elfen setzen alle ihre Hoffnungen in Leana, Rob und Kayne. Werden sie diese Hoffnungen erfüllen können?

In Albany wird weiter gegen Königin Kaya intrigiert und nach wie vor werden Nebelhexen geschändet und ermordet, was zu der Erkenntnis führt, dass "der Bärtige" noch immer sein Unwesen treibt und Toran für den Mord an Siah einen falschen "Bärtigen" zur Rechenschaft gezogen hatte. Die Zwerge bereiten einen Krieg vor und auch sonst ist in Albany mächtig was los.

Auch wenn es knapp 5 Monate her ist, seit ich den 2. Teil "Das vergessene Reich" gelesen habe, konnte ich mich nach einigen wenigen Seiten sofort wieder in die Handlung einfinden. Die Autorin streut am Anfang einige kleine Rückblicke auf den 2. Band ein, die es dem Leser vereinfachen, wieder Anschluss an die Geschichte zu finden.

Der 3. Band ist für mich das beste Buch aus dieser Reihe, denn hier passiert jede Menge, hier ist richtig Action und die Autorin schont weder ihre Protagonisten noch ihre Leser. An der einen oder anderen Stelle hält man schon mal den Atem an und fragt sich, wie viele Sympathiepunkte man Aileen P. Roberts hier und jetzt abziehen möchte, aber an anderer Stelle reißt sie das Ruder wieder herum und versöhnt den Leser mehr als ausreichend.

Wer so gefährliche Abenteuer bestehen muss, der wächst an seinen Aufgaben. Deswegen ist die Entwicklung aller Protagonisten für mich realistisch und glaubhaft. Die Spannung ist dem Geschehen angemessen. Es gibt super spannende Stellen, die einen das Buch nicht mehr aus den Händen legen lassen und es gibt gemäßigte Stellen, an denen man Luft holen kann für das, was dann wieder folgt.

Für mich ist - neben der wirklich hervorragend inszenierten Geschichte um eine sterbende Elfenwelt - das Thema Freundschaft das herausragende Thema im letzten Buch der Reihe. Das Ende des Buches hat mich dann auch ein wenig nachdenklich zurückgelassen. Vielleicht sollte man seine wirklichen Freunde öfter mal wertschätzen - gute Freunde sind selten und schwer zu finden.

Im Rahmen unserer Blog-Tour zu "Das Lied der Elfen" habe ich zum Thema Freundschaft einen Beitrag verfasst.

https://buechersindfliegendeteppiche.wordpress.com/2015/11/07/blog-tour-das-lied-der-elfen-aileen-p-roberts/

Für die komplette Weltenmagie-Trilogie gibt es von mir eine Buchempfehlung - das ist Fantasy auf hohem Niveau. 

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71 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

stuttgart, zürich, krimi, tiger, mord

Tödliche Jagd

Silvia Stolzenburg
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 01.09.2015
ISBN 9783956690525
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Stuttgarter Schlossgarten liegt eine junge Frau - tot, ermordet. Im Züricher Zoo wird ein bewusstloser Mann im Tigergehege abgelegt, kurz darauf ist auch er tot. Obwohl zwischen beiden Tatorten mehr als 200 km liegen, gibt es zwischen den Opfern eine Verbindung. Diese Verbindung, sowie Motiv und Täter herauszufinden, ist Job von Anna Benz und Markus Hauer, die ermittelnden Kriminalkommissare aus Stuttgart.

Mit "Tödliche Jagd" hat Silvia Stolzenburg ihren 1. Kriminalroman geschrieben. bisher habe ich ihren Namen nur in Verbindung mit historischen Romanen gekannt. Ihr Krimi-Debüt ist ihr sehr gut gelungen.

Als Anna Benz zum Tatort im Stuttgarter Schlossgarten gerufen wird, stellt sich heraus, dass die Tote eine frühere Freundin von Anna war.

Anna ist ziemlich entsetzt über die Dinge, die sie über ihre frühere Freundin erfährt, aber auch in ihrem eigenen Leben wurde sie vor kurzem mit einer Wahrheit konfrontiert, die sie lieber nie erfahren hätte.

Die Figur Anna Benz wird von der Autorin sehr realistisch dargestellt. Sie macht einen super Job bei der Polizei und ihre privaten Probleme werden geschickt mit der Geschichte verwoben. Anna leistet ein extrem hohes Sportpensum ab - wovor radelt sie davon?

Ihr Kollege Markus Hauer ist eher ein etwas blasser und zurückhaltender Typ, der hoffentlich im nachfolgenden Buch "Die Fliege" eine Rolle bekommt, die ihn etwas in den Vordergrund bringt. Er ist sympathisch, aber in diesem Buch eher unscheinbar.

Auffallend ist die hervorragend recherchierte Polizeiarbeit, die den Leser etwas näher an die Ermittlungsarbeit heranführt als das in anderen Krimis der Fall ist. Die Geschichte ist bis zum Schluss spannend und das Motiv des Täters ist sehr überraschend. Auf einen solchen Tathintergrund wäre ich niemals von alleine gekommen.

Ich freue mich schon auf den 2. Teil "Die Fliege" - ein neuer Fall für Anna Benz und Markus Hauer, der am 01. März 2016 erscheint.

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48 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

rache, obdachlos, frauen, intrigen, fraue

Zornröschen

Liv Jansen
Flexibler Einband
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.08.2015
ISBN 9783956492105
Genre: Romane

Rezension:

An einem Abend im Februar 2014, treffen vor der Obdachlosenunterkunft "Agathenhaus" auf dem Hamburger Kiez 3 Frauen aufeinander. Auf den ersten Blick haben sie keine Gemeinsamkeiten - bis auf die Tatsache, dass sie alle 3 im Agathenhaus übernachten wollten weil es "auf Platte" zu kalt ist in dieser Nacht.

Gerti (72), Charlotte (52) und Anne (31) kommen ins Gespräch und finden heraus, dass sie weit mehr verbindet als nur die Obdachlosigkeit: Sie alle 3 wurden Opfer gemeiner Intrigen und sind deswegen unverschuldet in die Obdachlosigkeit gerutscht. Sie haben die letzten Jahre auf der Straße verbracht weil ihnen niemand geglaubt hat.

Nun kommt geballte Frauen-Power ins Spiel - denn sie haben beschlossen sich für das an ihnen verübte Unrecht zu rächen !!

In den ersten Kapiteln lernen wir die 3 Hauptprotagonistinnen und ihre Geschichten kennen:

Gerti ist mit ihren 72 Jahren die Älteste im Bunde. Sie stammt aus ärmlichen Verhältnissen, hat sich in den letzten Jahren mit Putzstellen über Wasser gehalten und saß dann im Gefängnis, weil sie ihren Mann ermordet haben soll.

Charlotte, 52, selbständige Unternehmensberaterin mit einer gut gehenden Firma, sieht leider die Gefahr in ihrem eigenen Umfeld nicht. Dann wird gegen sie wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Firma weg, Mann weg, Geld weg....... alles weg.

Anne, mit 31 Jahren das Nesthäkchen, wurde von ihrem Chef und den Mitarbeitern nach und nach aus der Firma gemobbt. Ohne Geld keine Miete, ohne Miete keine Wohnung ..... es blieb nur der Weg in die Obdachlosigkeit.

Das Leben geht manchmal seltsame Wege und so treffen sie im Agathenhaus auf Lumpi, der seit Jahren mit niemandem mehr gesprochen hat und nun stellt sich heraus, dass er ehemaliger Finanzbeamter ist. Welch glückliche Fügung des Schicksals. Die illustre Runde bekommt dann noch Unterstützung durch Walter, den Bruder von Magdalena, die das Agathenhaus besitzt und führt, Cäsar, einem kleinen Kietz-Schläger und Adalbert, einem Richter von Rang und Namen. Gemeinsam planen sie ihren Rachefeldzug und schreiten zur Tat.

Der Anfang des Buches hat mich ziemlich schockiert. Ist es in Deutschland tatsächlich so einfach, aus einem gut situierten Leben in die Obdachlosigkeit abzurutschen? Dass man heute noch eine Person von Rang und Namen ist und morgen, aufgrund einiger nicht zu widerlegender Anschuldigungen, sich ganz unten wiederfindet? Ich glaube tatsächlich, dass das nicht nur möglich ist sondern täglich irgend jemandem passiert. Erschreckend und beängstigend, zumindest für mich.

Ob es ein Phänomen ist, das wirklich nur bei Frauen auftritt, ich weiß es nicht. Sobald Anne, Charlotte und Gerti etwas längere Zeit miteinander verbringen, fangen sie an zickig zu werden. Zickig und egoistisch und gehen mir stellenweise ganz gehörig auf die Nerven mit ihrem Verhalten. Ich muss ihnen aber zu Gute halten, dass ich nicht weiß, wie ich in einer solchen Situation reagieren würde. Vielleicht wäre ich auch zickig.

Insgesamt hätte das Buch gerne ein paar Seiten mehr haben dürfen um auf die Racheaktionen detaillierter eingehen zu können. Hier lief es mir stellenweise zu glatt, was unlogisch auf mich wirkte. Der eine oder andere, über den hier die Rache hereinbrach, hätte gerne etwas mehr und etwas lauter winseln dürfen.

Alles in allem eine gute Story, bei der die Autorin jedoch nicht das ganze Potential ausgeschöpft hat.

Trotzdem wird dieses Buch wohl noch eine ganze Weile in mir nachhallen. Man sollte für jeden einzelnen Tag dankbar sein, an dem es uns gut geht und wir ein warmes Dach über dem Kopf haben.

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2015, krimi, mord

Nur die Toten schweigen

Nike Andeer
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 14.09.2015
ISBN 9783442480562
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auf dem Frachtweg werden 2 Container vertauscht - ein Container, voll mit erlesenem Kaffee, landet auf dem Firmengelände von Korbinian Breitle, während der andere Container beim Kaffeeröster Stadler abgeladen wird. Grundsätzlich wäre die Fehllieferung am nächsten Arbeitstag mit 2 Telefonaten zu klären gewesen .... aber in einem dieser Container befindet sich Wolle, die mit einer kokainhaltigen Flüssigkeit getränkt wurde. In einer Nacht- und Nebelaktion holt sich der Besitzer seinen Container zurück und schon dabei geht er sprichwörtlich über Leichen.

Statt die Polizei zu informieren, wendet sich Kaffeeröster Stadler an Mena Reglin vom Institut für zeitgeschichtliche Forschung, um die Herkunft des Wollcontainers zu recherchieren.

In "Nur die Toten schweigen", ermittelt die Forscherin Mena Reglin in ihrem 2. Fall. Man muss den Vorgängerband "Schuld vergeht nicht" nicht gelesen haben, um die Handlung in diesem Buch zu verstehen.

Was ich jedoch nicht verstanden habe - und auch nicht weiß, ob ich die Lösung dazu im 1. Band finden würde - ist, wie eine Mitarbeiterin des Augsburger Institutes für zeitgeschichtliche Forschung dazu kommt, auf eigene Faust Kriminalfälle zu lösen.

Die Geschichte um den vertauschten Container birgt viel Potential, der Schreibstil der Autorin ist sehr gut zu lesen und die Menschen sterben in wohldosierten Abständen - wir lesen ja schließlich einen Krimi.

Leider fängt die Geschichte in meinen Augen relativ früh an, unglaubwürdig zu werden. Die Verstrickungen zwischen den einzelnen Personen erscheint sehr konstruiert, die teilweise unbedarften Ermittlungsarbeiten von Mena Reglin und ihrem Praktikanten Frithjof lassen mir die Haare zu Berge stehen und ich bekomme keinen rechten Zugang zu den Protagonisten. So kühl wie die Namen wie z.B. Irmbert und Frithjof, so kühl erscheinen mir auch die Akteure. Das hatte zur Folge, dass ich das Buch eher emotionslos gelesen habe. 

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60 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

märchen, rapunzel, erpressung, leicht zu lesen, www.die-rezensentin.de

Rapunzelgrab

Judith Merchant
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2015
ISBN 9783426514634
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Rheinbacher Hexenturm fand abends eine kleine Lesung des Schriftstellers Niklas Schreck zu seinem Buch "Rapunzelmord" statt. Am nächsten Morgen liegt am Fuße des Turmes eine Leiche: weiblich, sie trägt eine Perücke mit langen, blonden Haaren und in der geschlossenen Hand findet man einen blauen Schmetterling. Schnell offenbart sich dem Ermittler-Team Jan Seidel und Elena Vogt, dass die Tote am sogenannten Rapunzel-Syndrom gelitten hat.

"Rapunzelmord", "Rapunzel-Syndrom" ... gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen dem Tod von Liane Riefers und dem Kriminalroman von Niklas Schreck?

"Rapunzelgrab" ist der 3. Krimi in dem Kommissar Jan Seidel ermittelt. Das Buch ist jedoch auch sehr gut ohne Vorkenntnis der Bücher "Nibelungenmord" und "Loreley singt nicht mehr" zu lesen und zu verstehen.

Liane Riefers war Mitglied eines Literatur-Zirkels, in dem sich mehrere Menschen mit dem gleichen Hobby/Berufswunsch zusammengeschlossen haben. Nach außen hin wahren sie den schönen Schein der Zusammengehörigkeit, hinter den Kulissen ist es auch hier so, dass man sich gegenseitig nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt.

Krimiautor Niklas Schreck ist ein überaus ichbezogener Mensch, dem es nur so lange gut geht, solange sein Buch auf der Bestsellerliste zu finden ist. Sein Verleger Walli ist in meinen Augen schon so etwas wie ein Mutterersatz für ihn. Ohne Walli ist Schreck nicht in der Lage zu existieren. Walli ist einer der Dreh- und Angelpunkte im Roman "Rapunzelgrab" und auf mich machte er eher einen unsympathischen Eindruck.

Die Ermittler Jan Seidel und Elena Vogt sind sympathische Menschen wie Du und ich. Gute Kriminalisten, die jedoch auch unter privaten Problemen zu leiden haben und diese haben natürlich Einfluss auf die Ermittlungen. Wer kann privates und berufliches wirklich zu 100 % trennen? Für mich kamen Jan und Elena absolut authentisch rüber.

Jedes einzelne Mitglied des Literatur-Zirkels könnte der Mörder von Liane sein. Wer es dann tatsächlich war, hat mich persönlich überrascht, denn genau diese Person hatte ich eher nicht in Verdacht.

Mit "Rapunzelgrab" hat Judith Merchant einen spannenden Roman geschrieben, der bis zum Schluss für Überraschungen sorgt und den Leser nicht schon ab der Hälfte ahnen lässt, wer denn für den Rapunzelmord zuständig war. 

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camargue, krimi, provence, stier, van gogh

Tödliche Camargue

Cay Rademacher
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 14.10.2015
ISBN 9783832197858
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist August in der Provence, die Temperaturen sind unerträglich, die Hitze flimmert über dem Asphalt. Capitain Roger Blanc und sein Kollege Marius Tonon werden zu einem Unfall in die Carmargue gerufen. Dort ist ein sehr wertvoller und hoch prämierter Kampfstier mit einem Radfahrer kollidiert und für beide Parteien ging dieser Zusammenstoß nicht gut aus. Für den Radfahrer nicht, weil der Stier ihn ziemlich übel auf die Hörner genommen hatte, und für den Stier nicht, weil er von der örtlichen Polizei erschossen wurde.

Bei dem Toten handelt es sich um Albert Cohen, Reporter eines Politmagazins. Cohen hielt sich in der Provence auf, um für einen Artikel über Vincent van Gogh zu recherchieren. Auf den ersten Blick sieht alles nach einem schrecklichen Unfall aus und Kollege Tonon würde schon gerne am nächsten Tag die Akte Cohen schließen. Bei näherem Hinsehen jedoch, fallen Roger Blanc einige Ungereimtheiten auf, die eher auf einen Mord als auf einen Unfall hinweisen und so fängt er an, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Im Zuge seiner Recherchearbeit, gräbt er die eine oder andere längst vergessen geglaubte Leiche im Keller seiner Verdächtigen aus. Damit macht er sich nicht unbedingt Freunde.

"Tödliche Carmargue" ist der 2. Fall für Capitain Roger Blanc, der aufgrund einer Strafversetzung in der Provence gelandet ist. Um das vorliegende Buch zu verstehen, ist es nicht notwendig "Mörderischer Mistral" gelesen zu haben. Man kann die Handlung des Buches auch ohne Vorkenntnisse verstehen. Für mich war z. B. nicht wichtig zu wissen, warum Blanc strafversetzt wurde. Die Auflösung dazu gibt es jedoch vermutlich in "Mörderischer Mistral".

Capitain Roger Blanc steht zur Zeit nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens. Seit seiner Versetzung in die Provence, wohnt er in einer alten Ölmühle, die neben einem kaputten Dach auch mit Holzwürmern im Dachgebälk aufwarten kann.

Seine Frau hat sich von ihm getrennt und wohnt mit den Kindern in Paris. Blanc geht eine Affaire mit einer Dame ein, deren Ehemann ihm mächtige Scherereien bereiten kann, sollte dieser jemals hinter diese Liaison kommen.

Auf seiner Dienststelle hat Blanc nicht viele Freunde. Um genau zu sein nur seinen Kollegen Tonon, der mit seinen eigenen Schatten der Vergangenheit kämpft, und seine lesbische Kollegin und IT-Spezialistin Fabienne Souillard, die um die Anerkennung ihrer gleichgeschlechtlichen Ehe kämpft. Aber auch wenn jeder der 3 große private Probleme hat, so ergänzen sie sich als Ermittler-Team hervorragend.

Während Blanc in Sachen Polizeiarbeit vor Ort richtig viel Biss zeigt, ist Tonon eher dafür zuständig die Gedanken zum Fall zu sortieren und Fabienne hackt sich in jedes Handy bzw. in jedes Laptop ein, wenn es darum geht Beweise zu finden und Spuren zu sichern.

Blanc und Fabienne habe ich gleich ins Herz geschlossen, Tonon macht es mir etwas schwer. Ab und an hat er einen Totalausfall aufgrund alkoholischer Exzesse und im Buch wird nicht auf die Dämonen eingegangen, die Tonon heimsuchen. Deswegen kommt er hier bei mir nicht so gut weg, weil er nach außen hin einfach nur das Bild eines versoffenen Polizisten abgibt. Vielleicht (hoffentlich) gibt es dazu im 3. Band eine kleine Auflösung.

Cay Rademacher versteht es, in seinem ruhigen und wenig blutigen Krimi, den Leser über 304 Seiten bei der Stange zu halten. So wie Blanc zwischenzeitlich schon mal den Überblick darüber verliert, ob es tatsächlich Mord war oder nicht doch ein Unfall gewesen sein könnte, so geht es auch dem Leser ....... jeder, der von Blanc verhört wird, ist auf eine gewisse Art und Weise verdächtig, aber es gibt nichts greifbares, woran man das festmachen könnte.

Ich hatte schon auf recht früh einen Hinweis gefunden, der auf den Mörder hinweist. Bis zum Schluss war ich trotzdem im Unklaren, ob ich damit richtig lag oder auf einer absolut falschen Fährte war.

Dass in der Carmargue Stierkämpfe stattfinden, bei denen der Stier nicht verletzt/getötet wird, das wusste ich. Aber ich wusste nicht, dass dort auch Reis angebaut wird. Da ich sehr sehr gerne einmal zur Lavendelblütenzeit in die Provence reisen möchte, werde ich mir das dann genauestens vor Ort anschauen. 

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Tags: carmargue, reis, stier, van gogh   (4)
 
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