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My Image of You - Weil ich dich liebe

Melanie Moreland
E-Buch Text
Erschienen bei LYX.digital, 02.08.2018
ISBN 9783736309005
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Für „das beste Foto“ ist Auftragsfotograf Adam Kincaid schon mal bereit, sein Leben zu riskieren. Als er bei einem solch waghalsigen Unternehmen vom Dach stürzt, wacht er im Krankenhaus auf, wo er von Krankenschwester Alexandra Robbins betreut wird. Ihre roten Haare in Kombination mit blauen Augen, aber auch ihre Art, wie sie sanft und doch bestimmt mit ihm umgeht, fasziniert Adam. Sofort fällt ihm der Vergleich zu Florence Nightingale ein. Als er feststellt, dass Alexandra Feierabend gemacht hat, ohne sich von ihm zu verabschieden, entlässt er sich selbst aus dem Krankenhaus und trifft vor dem Krankenhausportal seine „Nachtigall“. Geschickt und auf eine liebenswerte Art und Weise nutzt er ihr „Helfersyndrom“ aus und als Dankeschön lädt er sie am nächsten Abend zum Essen ein. Das ist der Beginn einer großen - aber bei weitem nicht unkomplizierten – Liebe.

Mit Adam und Alexandra (die von Adam liebevoll Ally genannt wird), hat die Autorin 2 liebevolle Charaktere erschaffen, die mir von Anfang an sympathisch waren.

Obwohl Adam im Krankenhaus eher stur und dickköpfig erscheint, besitzt seine Art mit Alexandra umzugehen einen ganz eigenen Humor.

Während sie ihre Arbeit machte, plauderte sie mit mir; zweifellos, um mich abzulenken, obwohl mir ihre Nähe bereits Ablenkung genug war. Meine Hand ruhte währenddessen an ihrer Hüfte. Als sie fragend eine Augenbraue hochzog, erklärte ich ihr, dass ich dies tat, damit sie nicht wackelte. Ihr Augenrollen entlockte mir ein Lächeln.

Ganz schnell stellt sich heraus, dass Adam außerhalb des Krankenhauses ein sehr sensibler Mensch mit einem hohen Maß an Einfühlungsvermögen ist. Gerade im 2. Teil des Buches fand ich es sehr schön, wie Adam auf Ally eingegangen ist. Das war für mich eigentlich der emotionalste Teil des ganzen Buches.

Alexandra führt nach außen hin ein selbstbestimmtes Leben. Ihr Auftreten als Krankenschwester ist selbstsicher und souverän aber im privaten Bereich lässt sie sich seit Jahren von ihrer Mutter und deren Ehemann beeinflussen und steuern, weil sie ihr die Schuld an einem Vorfall geben, der vor vielen Jahren passiert ist.

Die Autorin legt von Anfang an ein hohes Tempo vor. Es erscheint zuerst befremdlich, dass Ally sich Adam gegenüber so schnell öffnet und ihm von ihren privaten Problemen erzählt. Da das Tempo jedoch fast durch das ganze Buch hindurch so hoch gehalten wird, relativiert sich dieser Eindruck bald wieder. Manche Szenen, die einer langsameren Gangart bedurft hätten, werden deswegen aber auch zu schnell abgehandelt, was zu Lasten der Glaubwürdigkeit gehen könnte.

Ungewöhnlicherweise wird das Buch zu 2/3 alleine aus der Sicht des männlichen Protagonisten erzählt, erst im letzten Drittel erfährt man die Dinge auch aus der Sicht von Ally, damit man einige Vorkommnisse in ihrem Leben besser verstehen kann.

Auch die anderen Charaktere wurden von der Autorin realistisch dargestellt.

Elena, die alte Dame, hat eine herzerfrischende Art mit Adam umzugehen. In der Leserunde gingen zu ihr die Meinungen weit auseinander – ich fand sie einfach nur toll.

Emma ist eine gute Freundin von Ally und auch für Adam wird sie sehr wichtig.

Sarah und Ronald, Allys Mutter und Stiefvater … zu ihnen möchte ich gar nicht so viel schreiben. Es ist schrecklich, befremdlich und unmenschlich, was sie Ally aufbürden und wie sie sie behandeln. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man als Mutter so zu seinem Kind sein kann.

Auf das Verhältnis zwischen Bradley und Ally möchte ich hier auch nicht näher eingehen, das käme einem Spoiler gleich. Sein Verhalten war für mich nicht immer nachzuvollziehen, am Ende des Buches habe ich ihm aber vergeben, denn letztendlich wurde auch er manipuliert und benutzt.

Alles in allem hat mir die Geschichte sehr gut gefallen. Auch durch das hohe Tempo oder gerade deswegen hat das Buch mich von Anfang an gefesselt. Ohne Leserunde hätte ich es sehr viel schneller gelesen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und das Buch wurde durch Britta Lüdemann sehr gut und flüssig übersetzt.

Ich habe dieses Buch bei Lesejury.de in einer Vorab-Leserunde gelesen und möchte mich an dieser Stelle bei Lesejury.de und dem LYX-Verlag recht herzlich für das kostenlos zur Verfügung gestellte Leseexemplar bedanken.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Das Lied des Paradiesvogels 5 (Polynesien-Saga)

Rebecca Maly
E-Buch Text
Erschienen bei Edel Elements, 05.07.2018
ISBN 9783955309954
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die 17jährigen Zwillinge Dorothea und Daniel Klawitt wissen eigentlich sehr genau was sie wollen – Daniel möchte Bilder malen, Dorothea hingegen hat ihr Herz an die Fotografie verloren. Leider leben die Beiden in einer Zeit, in der sich niemand dafür interessiert, was junge Leute möchten, weswegen ihr Lebensweg schon klar vorgegeben ist. Selbstverständlich übernimmt Daniel das Fotostudio seines Vaters und Dorothea wird schnell und gut verheiratet und Kinder in die Welt setzen – so der Plan des Vaters.

Der Markt für Andenkendrucke, Postkarten und Portraits wächst rasant aber kaum jemand möchte Portraits von Persönlichkeiten oder den eigenen Verwandten kaufen, es lockt der Reiz des Unbekannten – die Menschen wollen Portraits von Wilden; von kriegerischen Indianern, Eskimos und perlenbehangenen Südseekönigen. Aufgrund von Krankheit kann Vater Klawitt die geplante Foto-Expedition nach Papua-Neuguinea nicht antreten, weswegen er bestimmt, dass Daniel seinen Platz einnimmt. Für die Zwillinge, die noch niemals voneinander getrennt waren, kommt das einer Katastrophe gleich – Thea muss unbedingt mit auf diese Reise, egal unter welchen Umständen sie aufs Schiff gelangt.

Der Hamburger Reeder-Sohn Leopold Saarner hat gerade auf dramatische Art und Weise seine Mutter verloren und nun sucht er nach einer Möglichkeit, um sich abzulenken. Was würde sich da besser anbieten, als auf einem Schiff des Vaters nach Papua-Neuguinea zu reisen um dort mit den Besitzern der Kokosnuss-Plantagen neue Verträge auszuhandeln? Sein Vater lässt ihn nur unter einer Bedingung reisen – Leopold soll das uneheliche Kind seines Vaters suchen und mit zurück nach Hamburg bringen.

Im deutschen Protektorat auf Papua-Neuguinea lebt Adam/Baptiste, der auf der Suche nach seinen Wurzeln ist. Auf der einen Seite lebt er bei einer deutschen Familie und wird christlich erzogen, auf der anderen Seite zieht es ihn immer wieder zu seiner eingeborenen Mutter, seinem Stamm und den dazugehörigen Riten.

Rebecca Maly nimmt ihre Leser dieses Mal mit nach Polynesien, einer Inselregion im Pazifischen Ozean, genauer; ins deutsche Protektorat nach Papua-Neuguinea. Dort wird auf Kokosnuss-Plantagen das teure Kopra – getrocknetes Kokosnussfleisch – gewonnen und nach Deutschland geschifft.

Die Geschichte spielt im Jahr 1860 und so erklärt sich auch, warum Thea sich nicht ihrer Leidenschaft Fotografie und Daniel sich nicht der Malerei widmen darf. Durch ihre enge Verbundenheit schaffen sie es, ihr Geheimnis lange vor dem Vater verborgen zu halten – aber nichts währt ewig.

Die Autorin beschreibt die Zustände der damaligen Zeit sehr gut. Sowohl die Sprache als auch das Verhalten der Protagonisten ist für mich stimmig. Immer wieder entsetzt es mich in historischen Romanen, wie die Weißen mit den eingeborenen „Wilden“ umgegangen sind, wie sie sie als Arbeitskräfte benutzt und ausgebeutet und nicht zuletzt in „christlicher Art und Weise“ missioniert haben, um ihnen den Teufel auszutreiben, der in Wirklichkeit nichts anderes als ihre Tradition ist.

Obwohl die Geschichte aller Charaktere in engem Zusammenhang steht, ist für mich Thea die herausragende Protagonistin. Sie muss viel ertragen, alleine schon, weil sie eine Frau ist, aber sie weiß auch genau, was sie will. Sie hat Schneid und zeigt Stärke, gerade wenn sie auf sich alleine gestellt ist.

Auch wenn Daniel Theas Zwillingsbruder ist, so ist er doch ein total anderer Charakter. Ich empfinde ihn als ein wenig weich, er weiß zwar auch, was er will, aber er setzt sich meiner Meinung nach nicht so vehement dafür ein. Außerdem ist er sehr viel leichtgläubiger und somit manipulierbarer. Thea ist die Kraft, die ihn antreibt. Auch er erlebt schlimme Dinge auf seiner Reise ins Protektorat. Dinge, die ihn wahrscheinlich den Rest seines Lebens begleiten.

Leopold Saarner ist die unscheinbarste Person in dieser Geschichte. Er hat seine Rolle, hebt sich aber - für mich - nicht sonderlich hervor. Auf der einen Seite ist er neugierig auf seinen Halbbruder, auf der anderen Seite überlegt er sich, wie er es umgehen könnte, diesen ausfindig zu machen bzw. ihn mit zurück nach Hamburg zu nehmen. Hat er Angst um sein Erbe? Sein Problem löst sich dann jedoch fast von selbst.

Adam/Baptiste führt ein unfreiwilliges Doppelleben. Er lebt bei den deutschen Oudebooms, geht seinem Ziehvater bei der Verwaltung der Plantage zur Hand, besucht die Messe, geht zur Beichte und trägt westliche Kleidung. Tief in seinem Innersten ist er aber der „Wilde“, der zu seinen Ahnen betet und sich den Stammesritualen stellt um in den Kreis der Männer aufgenommen zu werden. Seine innere Zerrissenheit ist wirklich spürbar. Aber er findet seine Bestimmung und hat am Ende des Buches seinen Weg gefunden. Gemeinsam mit Thea ist er mein Lieblings-Charakter.

Alles in allem hat Rebecca Maly auch hier wieder eine sehr schöne Geschichte in die Kulisse Polynesiens gezaubert. Ich habe schon einige Bücher von Rebecca Maly, aber auch von Rebekka Pax, gelesen und ich glaube man darf auch einer Autorin sagen, dass man das Empfinden hat, dass sich ihr Schreibstil verbessert hat. Ich kann es nicht an einem bestimmten Punkt festmachen, ich finde ihren Schreibstil ja schon immer sehr gut, aber irgendwie las es sich für mich dieses Mal noch flüssiger als sonst schon.

Dass das Buch als eSerial in 5 Bänden erschienen ist stört mich nicht. Man sollte jedoch alle 5 Bände in Reihenfolge lesen, weil alles andere keinen Sinn macht. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen.

Ich freue mich schon auf den nächsten historischen Roman von Rebecca Maly und bin gespannt in welches Land sie den Leser dann führen wird. 

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

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Spätsommerliebe

Petra Durst-Benning
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.07.2018
ISBN 9783734106378
Genre: Liebesromane

Rezension:

Bereits zum 4. Mal nimmt die Autorin Petra Durst-Benning ihre Leser mit ins malerische Städtchen Maierhofen im württembergischen Allgäu. Wie bei allen Maierhofen-Büchern kann man auch dieses Buch problemlos für sich lesen. Aber hey, es macht viel mehr Spaß, wenn man die Charaktere schon kennt, dann fühlt es sich an, als wenn man alte Freunde besucht.

Für ein paar kurzweilige Lesestunden schauen wir Christine, Therese, Greta, Rosi, Magdalena, Madara, Jessy und Michelle sowie Reinhard, Edy, Sam, Vincent und Apostoles über die Schulter.

Wie immer sind die Maierhofener fleißig und die Vorbereitungen für das 3. Kräuter-der-Provinz-Fest laufen schon wieder auf Hochtouren. Es werden neue Rezepte kreiert, Liköre angesetzt, es wird gekocht und gebacken und jeder legt dort Hand an, wo sie gerade gebraucht wird. Leider verlieren sie dabei eines aus den Augen – sich selbst und ihre Partner.

Apostoles hat vor kurzem sein griechisches Restaurant verkauft, um seiner neuen Liebe Magdalena in der Backstube helfen zu können. Nachdem sie einen wunderschönen Urlaub bei seiner Familie in Griechenland verbracht haben, holt sie zu Hause jedoch sehr schnell der Alltag ein. Als Südländer sieht Apostoles viele Dinge nicht so eng wie Magdalena, die sich den ganzen Tag für ihre Bäckerei aufreibt. Hier ein Großauftrag vom Hotel, dort ein weiterer Punkt auf der to-do-Liste und so kommt es, dass ein banaler Streit eskaliert.

Auch bei Christine und ihrem neuen Partner Reinhard läuft nicht alles reibungslos. Reinhard hat als Pensionär alle Zeit der Welt und die würde er verständlicherweise gerne mit Christine verbringen. Christine steht jedoch schon morgens, direkt nach dem Aufwachen, unter Strom. Sie führt eine kleine Bed&Breakfast-Pension und wenn der Andrang groß ist, dann vermietet sie auch schon mal ihr eigenes Schlafzimmer für ein paar Nächte. Das Wohl ihrer Gäste kommt für Christine an 1. Stelle und alles andere muss sich hinten anstellen. Leider muss immer erst etwas passieren, bis man sich auf sich selbst besinnt und so findet Christine sich nach einem Zusammenbruch im Krankenhaus wieder. Gott sei Dank ist gerade Michelle in der Pension zu Gast, die Christine in nächster Zeit ein wenig entlasten wird.

Michelle hat sich für mehrere Wochen in Christines Pension eingemietet. Ihr Freund interessiert sich mehr für Computertechnik und weniger für einen Urlaub und ihr Chef ist ein Chauvinist, so dass Michelle sich spontan eine mehrwöchige Auszeit gönnt und nach Maierhofen fährt, um dort ihren ersten Liebesroman zu schreiben. Sehr schnell stellt sie fest, dass das so einfach nicht ist, wie sie es sich vorgestellt hat.

Auch bei Greta und Vincent gibt es Neuigkeiten, die sollen aber hier nicht verraten werden.

Wie immer lässt sich auch dieser Roman von Petra Durst-Benning gut und flüssig lesen. Durch die Schicksale der von ihr erschaffenen Charaktere übermittelt die Autorin ihren Lesern auch immer wieder kleine Botschaften zu Themen, die ihr wichtig sind - und die eigentlich uns allen wichtig sein sollten. Gesunde (vegane) Ernährung und wie wichtig es ist, dass man Träume hat und diese auch verwirklicht. Die herausragendste Botschaft in diesem Buch ist jedoch, wie wichtig es ist Liebe zu pflegen, wenn sie über den Status des Verliebtseins hinaus geht weil Partnerschaften immer der Aufmerksamkeit von beiden Seiten bedürfen.
Leider ist der Kurzurlaub in Maierhofen nach 280 Seiten schon wieder beendet, denn auf den restlichen 40 Seiten hat die Autorin leckere Rezepte für ein Sommerfest zusammengestellt, die ganz sicher große Aufmerksamkeit verdient haben.

Das Buch ist für sich abgeschlossen – aber es lässt noch immer Raum für eine Fortsetzung, falls sich in Maierhofen in Zukunft ein weiteres großes Ereignis ankündigen würde. 

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50 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Die Farben meines Herzens

Noa C. Walker
E-Buch Text
Erschienen bei Tinte & Feder, 26.06.2018
ISBN 9782919801374
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ein Auftrag führt Mika in die Berge, hoch über Meran, um dort Sturmschäden an den Bäumen rund um eine alte Kapelle des Jakobswegs zu beseitigen. Sein Einsatzort ist nur zu Fuß zu erreichen, sein Werkzeug trägt eine Eselin und der Aufstieg ist mühsam. Seiner Meinung nach kann es sich bei der Auftraggeberin nur um eine ältere, alleinlebende Dame handeln, denn wer sonst lebt so weit abgeschieden, außerhalb jedweder Zivilisation? Vor Ort trifft er jedoch auf eine junge Frau, die ungefähr in seinem Alter ist.

Vor 10 Jahren hat Filomena sich an diesen Ort der Einsamkeit und Stille zurückgezogen. Schon der Gedanke an fremde Menschen bereitet ihr Unwohlsein und ihr Körper reagiert mit extremen Panikattacken. Einzig mit Familie Gassner und dem Priester hat sie Kontakt. Erstaunlicherweise kann sie auch Mika ganz gut in ihrer Nähe ertragen und dieser fühlt sich ebenfalls in Fillys Nähe sehr wohl, was zur Folge hat, dass sie auch nach Abschluss des Arbeitseinsatzes von Mika Zeit miteinander verbringen.

Ist Mika der richtige Mann, um Filomena wieder ins Leben zurück zu führen?
Denn eigentlich möchte sie doch genau das tun – leben!

„Die Farben meines Herzens“ ist mein 3. Buch von Noa C. Walker und, wie schon „Du, ich und die Farben des Lebens“ und „Der Tanz unseres Lebens“, hat es mich wieder einmal sehr berührt und auch nach dem Lesen des letzten Satzes noch lange nicht losgelassen.

„Es gibt Momente im Leben, da steht die Welt für einen Augenblick still und wenn sie sich dann weiterdreht, ist nichts mehr, wie es war.“

Filomena hat etwas erlebt, das jeden von uns – ausnahmslos jeden von uns – verändern würde. Im Anschluss an dieses traumatisierende Erlebnis musste sie dann leider auch noch erfahren, wie wichtige Menschen in ihrem Umfeld sich verhalten, wenn sie auf bestimmte Situationen mit Angst oder gar Panik reagierte, wenn ihr Körper sie immer wieder in die Knie zwang. Das alles zusammen, äußert sich in einer ausgewachsenen Sozial-Phobie.

Noa C. Walker spricht in diesem Buch ein Thema an, welches in unserer Gesellschaft noch immer tabuisiert wird. Obwohl wir so modern und aufgeschlossen sind, sind Angststörungen/Phobien etwas, über das man am besten nur hinter vorgehaltener Hand oder besser gar nicht spricht. Wenn wir, jeder für sich, in uns hineinhören, dann leidet fast jeder an irgend einer Art von Angst: Angst vor Spinnen/Krabbeltieren, Angst vor geschlossenen Räumen (Aufzügen), Höhenangst …… meine Nachbarin z. B. hat eine ausgeprägte Angst zu fallen.

Die Charaktere wurden von Noa C. Walker authentisch, vor allen Dingen aber liebevoll angelegt. Es gibt nicht sehr viele Akteure, aber jeder einzelne ist wichtig für die Geschichte.

Als Leser kann ich die Zerrissenheit fühlen, die Filomena fühlt – sie würde gerne ein ganz normales Leben leben, aber ihr Körper lässt sie nicht. Die Angst, wenn wieder eine Panikattacke im Anrollen ist, ihr Verstecken, damit niemand sie in diesem Zustand sieht, die Unsicherheit im Umgang mit fremden Menschen. Andererseits jedoch die liebevolle Fürsorge, die sie den Gassner-Kindern zukommen lässt. Als sie feststellt, dass sie Mika sehr gerne in ihrer Nähe hat, fängt sie langsam an sich zu öffnen und redet mit Mika über das, was passiert ist und was das mit ihr gemacht hat. Ganz langsam, Stück für Stück, stellt sie sich verschiedenen Situationen.

Mika ist selbst nicht frei von Ängsten, er leidet unter Höhenangst. Vielleicht ist das der Grund, warum er sich so schnell in Filomena einfühlen kann. Er wird liebevoll mit den Attributen „bewegt sich wie eine Schnecke“ und „denkt so langam wie ein Faultier“ beschrieben. Wahrscheinlich sind aber genau das seine Stärken – Mika ist bedächtig, einfühlsam und punktet durch seine unglaubliche Ruhe in bestimmten Situationen. Einen besseren Mann könnte Filly nicht an ihrer Seite haben. Es gibt da eine Szene in einem Schuhgeschäft, die mich wirklich sehr tief berührt hat. Manchmal muss man einfach nur jemanden haben, an den man sich vertrauensvoll anlehnen kann – wortlos.

Dass Großmutter Gassner und Bruder Rubens, die seit Jahren befreundet sind, bei der ganzen Geschichte ein klein wenig die Fäden in der Hand halten, bekommt der Leser durch die Dialoge der Beiden offenbart.

Die Stellen, in denen die Autorin die Südtiroler Landschaft beschreibt, lassen ein grandioses Bild vor meinen Augen entstehen. Filomena muss in einem wahren Paradies leben.

Ein sehr bewegendes Buch, das einen realen Hintergrund mit einer fiktiven Geschichte verschmelzen lässt. Das Ereignis, das Filomena verändert hat, beruht auf einer wahren Begebenheit. Die Autorin versteht es hervorragend mit ihren leisen und unaufdringlichen Geschichten den Leser zu berühren und zum Nachdenken anzuregen. In mir klingen diese Bücher immer noch eine ganze Zeit lang nach. 

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11 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

flüchtling, fortsetzung, für immer sein mond, liebe, muslim

Ein Morgen wie Jasmin

Marie Enters
E-Buch Text
Erschienen bei neobooks, 02.01.2018
ISBN 9783742774828
Genre: Sonstiges

Rezension:

Letztes Jahr im Juni durfte ich das Buch „Für immer sein Mond“ der Autorin Marie Enters lesen. Es handelt von der Beziehung zwischen Marie (53) und Melih (33), einem syrischen Flüchtling, der 2015 nach Deutschland gekommen ist.

Achtung, diese Rezension enthält Spoiler zur Handlung des 1. Buches!!

Die Beziehung zwischen Marie und Melih ist wirklich keine einfache Sache. Beide lieben den jeweils Anderen aber da sind eine Menge Dinge, die die Geschichte kompliziert machen. Da ist zum einen die Religion von Melih aber zum anderen auch die Tatsache, dass Marie mit Jan liiert ist (auch wenn das mehr schlecht als recht läuft zwischen den Beiden), dass es aus dieser Verbindung mit Jan eine Tochter gibt und erschwerend für die Gesamtsituation, dass keiner von ihnen finanziell abgesichert ist. Es fällt jedoch immer schwerer, ihre Beziehung nach außen hin geheim zu halten – Jan scheint irgend etwas zu wittern und Melihs Cousin Bassam hat auch Verdacht geschöpft. So kommen sie zu einen Punkt, an dem Marie die Reißleine zieht.

„Ich versuchte, meine Reaktion zu erklären und schrieb ihm, wir könnten locker bei Facebook in Kontakt bleiben, aber ich wolle nicht mehr so viel chatten und ihn vorerst nicht wiedersehen.“

Auch wenn es Marie innerlich zerreißt, so bleibt sie standhaft und trifft sich eine ganze Weile nicht mit Melih. Dann benötigt sie jedoch eine Unterschrift und ein Treffen ist unumgänglich. Sie verabreden sich auf neutralem Boden, in einem Café – und Marie merkt, dass ihre selbst auferlegte Trennung nichts an ihren Gefühlen für Melih geändert hat. In Melih sieht es wohl ähnlich aus, denn

„In ernstem Ton wiederholte er, was er schon einmal gesagt und geschrieben hatte: „Ich liebe Dich. Und du liebst mich. Wir können heiraten. Das wäre für mich das Beste und für dich auch.“

Was ich als arabisches Palaver gehalten hatte, nett gemeint zwar, aber einfach nur dahergesagt, meinte er aufrichtig – jedenfalls in diesem Augenblick.

Das erste Kapitel in „Ein Morgen wie Jasmin“ beschreibt einen Tag im Hier und Heute und ein Satz darin hat mich stutzen lassen, verstehen konnte ich ihn zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht. Im folgenden Kapitel „Status Quo“ erfährt der Leser dann, dass seit dem Ende von „Für immer sein Mond“ und dem Beginn von „Ein Morgen wie Jasmin“ 3 Monate vergangen sind. 3 Monate, in denen sich Marie und Melih zwar getroffen haben, das Thema Heirat aber von beiden totgeschwiegen wird.

„Auf der Rückfahrt im Zug ruhte mein Kopf an seinem und er hielt meine Hand. Ich atmete seine Nähe ein und wahrscheinlich dachten wir in verschiedenen Sprachen dasselbe: Wie soll es nur mit uns weitergehen?“

Marie erzählt von ihrem Leben und der Beziehung mit Jan, wie dort der aktuelle Stand der Dinge ist und wie es bei Melih zwischenzeitlich beruflich läuft. Sie lässt mich teilhaben an ihrem Alltag und an den Kleinigkeiten des täglichen Lebens. Im Vordergrund steht aber zu jeder Zeit die unbeantwortete Frage, ob aus Melih und ihr ein Ehepaar werden kann/soll/darf. Die Zerrissenheit von Marie wird fast greifbar und die Tatsache, dass sie das Thema immer weiter vor sich herschiebt, macht die Entscheidung nicht einfacher. Irgendwann setzt Melih ihr eine Frist – bis zum Ende des Ramadan sollte sie sich entschieden haben. Doch auch diese 4 Wochen vergehen und Marie hat noch immer keine abschließende Entscheidung getroffen.

Es sind so viele Faktoren, die in die Entscheidung einfließen müssen – Jan und Charlotte, Melihs Familie und Religion, was wäre wenn und wie finanzieren sie ihr Leben .….. und nicht zu vergessen, zwischen den Beiden besteht ein Altersunterschied von 20 Jahren. Maries Gedanken kreisen und kreisen und alles in ihr sagt ihr, dass diese Ehe unter keinen guten Stern stehen würde. Trotzdem kann sie sich nicht endgültig für ein „Nein“ entscheiden, denn schließlich liebt sie Melih von ganzem Herzen.

Und während Marie noch in ihrer Unentschlossenheit verharrt, wird ihr die Entscheidung aus der Hand genommen.................

Wie auch schon im 1. Teil erzählt Marie Enters die Geschichte von Marie und Melih in einem schlichten und erzählerischen Stil, man kann sich als Leser voll und ganz auf das Geschehen konzentrieren. Und genau wie in „Für immer sein Mond“ nimmt mich die Geschichte emotional wieder sehr mit. Viele der Gefühle, die Marie beschreibt, kann ich sehr gut nachvollziehen. In meinem Leben gibt es auch einen Syrer – ich habe jedoch keinen Partner, sondern einen Sohn gefunden. Und manchmal ist es gar nicht so einfach, wenn 2 total unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen – kommen dann noch Gefühle ins Spiel, wird es richtig kompliziert.

Ich wünsche der echten Marie und dem echten Melih für ihren weiteren Lebensweg alles Gute. Bei Melih stand gerade ein Vorstellungsgespräch an – ich hoffe, er hat die Stelle bekommen.

Das Buch, das einen Umfang von 122 Seiten hat, ist neben der Widmung, dem Schlusswort und einer Playlist in 62 kurze Kapitel eingeteilt. Marie Enters wechselt zwischen Text-Kapiteln, die die Geschichte von Marie und Melih weiter erzählen, und Gedichten/Textzeilen - wie auch schon im 1. Buch - z. B. von Nizar Qabbani, einem syrischen Dichter und Diplomaten (1923 – 1998) oder auch zur Inspiration herbeigezogenen Liedtexten.

An dieser Stelle möchte ich auch gerne einmal meinen Dank zum Ausdruck bringen, dass ich durch Dich, liebe Marie Enters, auf Nizar Qabbani aufmerksam geworden bin. Mein Facebook-Profilbild enthält einen Spruch des syrischen Dichters und ich habe einige schöne Zitate aus seiner Feder gefunden. Üblicherweise handeln seine Verse von der Liebe, aber das nachfolgende Zitat zaubert mir immer ein Lächeln ins Gesicht

„Kill him, then hug him. Men are more faithful, when dead“
Töte ihn und dann umarme ihn. Männer sind treuer, wenn sie tot sind
~ Nizar Qabbani ~

Noch einmal - vielen vielen Dank für die Überlassung Deiner Bücher, liebe Marie. Auch Dir wünsche ich für die Zukunft Alles Gute!


مع السلامة

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Für immer sein Mond

Marie Enters
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.07.2018
ISBN 9783492501606
Genre: Liebesromane

Rezension:

Mitte Mai bekam ich eine E-Mail in mein Postfach, in der eine Autorin bei mir anfragte, ob ich Interesse habe Ihr neuestes Buch (Erscheinungstermin 31.05.2017) zu lesen. Schon das Anschreiben gefiel mir sehr, denn es war keine Massenanfrage, wie man sie gerne mal von diversen Autoren in seinem Postfach findet, nein – es war eine Anfrage, die gezielt an mich gerichtet war. Der Grund für diese Zielgerichtetheit war auch nicht unbedingt mein Leseverhalten oder ein bestimmtes Genre, aus dem ich Bücher bevorzuge, sondern mein Alter (40 +) und meine Offenheit gegenüber Menschen anderer Kulturen, hier insbesondere syrischen Flüchtlingen. Wer meinen Blog liest, der weiß, dass ich die „Flüchtlingspaten Syrien“ finanziell unterstütze und seit einigen Monaten gehört ein junger Syrer zu meiner Familie – durch einen Krieg, in dem viele Mütter ihre Söhne verlieren, habe ich einen Sohn bekommen. Für mich ist er nicht يا قمر „ya qamar“ sondern حياتي „hayati“ - mein Leben.

Die Leseprobe musste ich gar nicht bis zum Ende durchblättern um zu wissen, dass ich dieses Buch gerne lesen möchte – vielen vielen Dank, liebe Marie Enters, für die Überlassung des eBooks.

Die Autorin, die für dieses Buch ein geschlossenes Pseudonym gewählt hat, schreibt normalerweise Bücher in einem ganz anderen Genre und dies ist ihr erstes Buch unter dem Namen „Marie Enters“. Wie man der Amazon-Beschreibung entnehmen kann, ist eine Fortsetzung des Buches geplant, worüber ich mich sehr freuen würde.

In ihrem Buch „Für immer sein Mond“ beschreibt die Autorin die Geschichte von Marie, einer deutschen Frau, und Melih, einem syrischen Flüchtling, die beginnt wie viele Geschichten im Jahr 2015 begonnen haben und dann eine Wendung nimmt, die für keinen der Beteiligten gut ist, obwohl es sich vorübergehend gut anfühlt.

Damit sie nicht vergisst, was genau geschehen ist, hat Marie dieses ganze Jahr dokumentiert.

Marie und Melih lernten sich im September 2015 kennen. Melih (33) war einer der vielen syrischen Flüchtlinge, die im September 2015 mit Bussen nach Deutschland kamen und Marie (53) war eine der vielen ehrenamtlichen Helferinnen, die sich bereit erklärten, den geflüchteten Menschen schnellstmöglichst dabei zu helfen, die deutsche Sprache zu erlernen.

Kurz nachdem der Deutschkurs jedoch begonnen hatte, endete er auch schon wieder, da die Asylbewerber zur Registrierung abgeholt und anschließend auf die Kommunen umverteilt wurden – nur Melih und sein Freund Arif durften bleiben. Von der Ausländerbehörde in eine kleine Wohnung einquartiert, deren beengte Verhältnisse unzumutbar waren, bitten Melih und Arif Marie um Hilfe bei der Wohnungssuche. Sie hilft dann aber nicht nur bei der Wohnungssuche, sondern auch bei Behördengängen, beim Einkauf und allen Dingen des täglichen Lebens und verbringt viele Stunden mit Melih. Hinzu kommt, dass ihr Lebensgefährte Jan, mit dem es schon eine ganze Weile nicht mehr so richtig rund läuft, nicht damit einverstanden ist, dass Marie sich mit fremden Leuten trifft – schon gar nicht in der eigenen Wohnung. Getrieben von dieser Ablehnung trifft sich Marie immer öfter heimlich mit Melih, zum Kaffee trinken, zum Einkaufen, aber auch in dessen Wohnung.

Ihr bislang unbefangener Umgang miteinander erfährt dann jäh eine Wendung, als Melih eines Tages die folgende Frage stellt:

„Ich möchte dir einen Kuss geben. Auf die Stirn. Ist das in Ordnung, ja oder nein?“ fragte er und machte mich damit einen Augenblick lang völlig sprachlos. Nach kurzem Zögern sagte ich „Nein“ und ließ das Thema damit auf sich beruhen. Wir beschäftigten uns wieder mit seinem Papierkram, aber ich war innerlich aufgewühlt. Was war das für eine seltsame Frage eines muslimisch arabischen Mannes gewesen?

Maries seelisches und emotionales Gleichgewicht gerät ins Wanken und so ist es nicht schlecht, dass Melih in den nächsten Wochen eher weniger Zeit haben wird, da er an einer Praktikumsmaßnahme teilnehmen wird.

„Die Schockstarre in meinem Hirn wich endlich, ich fühlte mich von ihm eindeutig zu stark bedrängt. Ich brauchte Abstand, wollte nicht etwas tun, was wir beide später bereuten – etwas, das unsere Freundschaft für immer verändern, vielleicht sogar unmöglich machen würde. Ich musste nachdenken, unbedingt …........ „

Wie es weiter geht zwischen Marie und Melih, das verrate ich hier natürlich nicht.

Mit 105 Seiten ist die Geschichte von Marie und Melih nicht sehr umfangreich, aber emotional sehr dicht geschrieben. Die Autorin wählt für diese Geschichte einen schlichten, erzählerischen Stil aber trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, berührt es mich sehr, was sie zu Papier gebracht hat. Das Buch besteht aus 2 Teilen. Teil 1 besteht aus 30 Kapiteln, Teil 2 aus 19. Jedes neue Kapitel wird mit einem Gedicht eingeleitet – einige davon stammen aus der Feder von Nizar Qabbani, einem syrischen Dichter und Diplomaten (1923 – 1998).

Viele von Maries Aussagen erinnern mich an mich selbst und daran, wie es bei mir 2015 angefangen hat. Auf manche Geschehnisse bekommt man keine Antwort … ist es Schicksal oder Zufall?

„Warum wollte ich den Geflüchteten helfen, warum das Interesse? Ich war doch nie besonders couragiert, habe mich niemals zuvor ehrenamtlich betätigt. Im Rückblick kommt es mir so vor, als hätten da eine Menge Puzzleteile auf wundersame Weise zusammengepasst“.

„Es geschah unaufhaltsam, dass Melih zum Mittelpunkt meines Denkens und Tuns wurde, mein bester Freund, mein Vertrauter – als hätte ich nur auf ihn gewartet.“

„Ich war mir sicher, nichts zu vermissen, bis ich merkte, wie gut mir der Austausch mit Melih tat.“

Das Ende des Buches ist zwar in sich abgeschlossen, es lässt aber durchaus Raum für eine Fortsetzung.

Vielen Dank, dass ich die Geschichte von Marie und Melih lesen durfte! 

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Ohne ein einziges Wort

Rosie Walsh , Stefanie Retterbush
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 14.05.2018
ISBN 9783442487387
Genre: Liebesromane

Rezension:

Sarah Mackey (36), die seit vielen Jahren in Kalifornien lebt, ist zu Besuch bei ihren Eltern in Gloucestershire/England. Anlass dazu ist der Todestag eines ihr sehr nahestehenden Menschen, der sich zum 19. Mal jährt. Genau an diesem Tag lernt sie Eddie David kennen. Ist es Liebe auf den 1. Blick, was zwischen den Beiden passiert? Sie verbringen wundervolle 7 Tage miteinander und dann verabschiedet sich Eddie in seinen schon lange vorher geplanten Urlaub – nicht ohne das Versprechen abzugeben, sich vom Flughafen aus bei Sarah zu melden. Er meldet sich jedoch nicht und auch 15 Tage später hat Sarah noch immer kein Lebenszeichen von ihm erhalten. Er war auf Facebook noch nicht online, an sein Handy geht er nicht ran, weswegen Sarah glaubt, dass ihm etwas schreckliches zugestoßen sein muss. Nun versucht sie alles in ihrer Macht stehende um herauszufinden, was mit Eddie passiert ist. Ihre Freunde raten ihr, ihn zu vergessen – aber Gefühle lassen sich nicht einfach so abstellen. Sarah sucht und sie findet …… der Grund, warum Eddie sich nicht mehr bei ihr meldet, liegt in ihrer Person begründet.

„Ohne ein einziges Wort“ ist der Debütroman der britischen Autorin Rosie Walsh und ist mit 528 Seiten (in der Print-Ausgabe) ein ziemlich umfangreiches Werk. Das Buch ist in 3 große Abschnitte eingeteilt.

Als ich mich auf dieses Buch beworben habe (Buch gegen Rezension bei Literaturschock.de) wusste ich noch nicht, dass es mir in Kürze auf allen möglichen Medienkanälen begegnen wird. Meine Erfahrung aus den letzten Jahren zeigt, dass ich mit Büchern, die besonders beworben und gehyped werden, in der Mehrzahl der Fälle nicht glücklich werde. So war es leider auch hier.

1. Abschnitt
Der Leser wird abwechselnd sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit darüber in Kenntnis gesetzt, was passiert ist. Wie sich Sarah und Eddie kennenlernen, die kurze Zeit, die sie miteinander verbringen und letztendlich der Abschied, als Eddie sich schweren Herzens in seinen schon lange geplanten Urlaub verabschiedet. Dann steigt das Buch am 15. Tag nach Eddies Verabschiedung ein und der Leser wird Zeuge, auf welche Art und Weise und in welcher Intensität Sarah versucht, zu Eddie Kontakt aufzunehmen. Sie schreibt ihm an seinen Facebook-Account und per SMS (oder WhatsApp??) auf sein Handy, er reagiert nicht. Kurz darauf checkt sie, ob er seine Nachrichten gelesen/abgerufen hat, keine Reaktion, dann redet sie mit ihren Freunden, mit denen sie unterwegs ist, über Eddies Verschwinden, dann checkt sie wieder ob Eddie reagiert hat und so weiter und so fort. Da sie gerade mit ihren langjährigen (Schul-)Freunden Jo, deren Sohn Rudi und Tommy unterwegs ist, erfährt man auch ein wenig aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit.

Für mich hätte der 1. Abschnitt deutlich kürzer ausfallen dürfen, denn es passiert nicht wirklich etwas, was der Sache Drive gegeben hätte. Sarah wendet ihre komplette Energie dafür auf, nach Eddie zu suchen (das hat schon was von Stalking). Interessant fand ich jedoch die Beschreibungen zu ihrem Beruf. Da ich wissen wollte, warum Eddie sich abgesetzt hat, habe ich weitergelesen.

2. Abschnitt
Sarah hat wirklich alles mögliche versucht, um Eddie zu finden. Von einem öffentlichen Aufruf auf seiner Facebook-Seite, bis zu einem persönlichen Besuch seines Fußball-Vereins hat sie alles unternommen um ihn zu finden und dann passiert es: Eddie kommt aus seiner Versenkung heraus und wir – sowohl Sarah als auch der Leser – erfahren, was ihn dazu getrieben hat, sich von Sarah zu distanzieren. Der Grund dafür ist schon harter Tobak, das muss ich sagen, und ich kann Eddie auf eine gewisse Art und Weise verstehen. Und das was da zwischen ihnen steht, das hat nicht nur Einfluss auf Eddie und Sarah, sondern auch auf ihr direktes Umfeld. Es geht einfach nicht, dass sie sich lieben können. Der Abschnitt endet dann mit einem ziemlich heftigen Cliffhanger ….. und insgesamt hat mir dieser Teil des Buches ganz gut gefallen weil einiges an Bewegung in der Geschichte ist.

3. Abschnitt
Durch den Cliffhanger des letzten Abschnittes in der Luft hängend, wollte ich natürlich wissen, ob das, was das Kopfkino produziert hat, auch zutreffend ist. Das hat mich wieder bei der Stange gehalten, denn der 3. Abschnitt ist - für meine Begriffe - extrem in die Länge gezogen. Die ersten Kapitel hätte man deutlich raffen können, da habe ich teilweise komplett die Lust verloren weiter zu lesen. Zum Ende hin wird es dann doch noch spannend und emotional und ich musste 1 – 2 Tränchen verdrücken, aber der wirklich schöne Schluss konnte das Buch insgesamt für mich nicht retten.

Fazit:
Mit 528 Seiten ist das Buch in meinen Augen deutlich zu lang. Ein paar Seiten gerafft und etwas weniger Füllstoff hätte dem Buch gut getan, meiner Meinung nach. Der Plot ist richtig gut – warum Eddie sich von seiner großen Liebe distanziert, das habe ich so noch in keinem anderen Buch gelesen. Es gibt einige Charaktere um Sarah und Eddie herum, die alle gut ausgearbeitet sind, aber so wirklich einfangen konnte mich niemand - selbst nicht ihre Freundin, die alles versucht um schwanger zu werden. Eddies Mutter hat mich gelegentlich auch schon mal genervt. Alles in allem entwickelt sich die Geschichte vorwärts und findet auch ein gutes Ende, aber teilweise habe ich mich echt schwer getan weiter zu lesen. Für ein „Buch gegen Rezension“ habe ich 4 Wochen Zeit zum Lesen und Rezensieren und die habe ich – leider – auch komplett ausgenutzt. Bei einem Buch ohne „Rezensionszwang“ hätte ich wahrscheinlich irgendwann abgebrochen. 

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69 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

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Vier Pfoten am Strand

Petra Schier
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 03.04.2018
ISBN 9783956497933
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ben Brungsdahl sehnt sich nach Ruhe. Er möchte den ständigen Kölner Partys und Empfängen entfliehen, auf die ihn sein Manager in letzter Zeit permanent schleppt. Durch einen Ortswechsel erhofft Ben sich zudem einen Inspirationsschub für seine künstlerische Tätigkeit als Bildhauer. Aus diesem Grund hat er sich im Touristenort Lichterhaven für die nächsten 3 Monate ein Ferienhaus sowie ein leer stehendes Lagerhaus – welches er als Atelier nutzen möchte – gemietet. Mit im Gepäck hat er seinen Hund.

Es handelt sich um einen 1,5 Jahre alten American Bulldog, der von Ben erst vor kurzer Zeit aus schlechter Haltung übernommen wurde. Er lebte bei einem Animal Horder (Tiersammler) und hat in seinem bisherigen Leben nichts anderes kennengelernt als Misshandlungen durch/mit Strom, Tritte und (Peitschen-)Schläge. Auch wenn er diesem Schicksal jetzt entkommen ist, so heißt das noch lange nicht, dass der junge Rüde seinem neuen Herrchen gegenüber vor Dankbarkeit zerfließt, denn als Leser kann man an seinen Gedanken teilhaben und die sind ziemlich deutlich:

„Wenn überhaupt, dann bin ich der Chef, das erkennt man schon an meinem Namen. Der lautet nämlich Boss, und damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Ich bestimme, wo es langgeht …….“

Schon aus diesen wenigen Gedanken von Boss wird klar, dass es sich nicht um einen leichtführigen Hund handelt und Ben bei der Erziehung ein wenig Unterstützung braucht. Zufällig gibt es in Lichterhaven eine gute Hundeschule.

Nach „Körbchen mit Meerblick“ findet sich der Leser auch in diesem Buch im fiktiven Nordsee-Touristenort Lichterhaven wieder und trifft auf alte Bekannte, nämlich die Familie Messner. Während es im 1. Band um Melanie und Alexander und ihre Labrador-Hündin „Schoki“ ging, stehen hier Christina mit ihrer Hundeschule, der Jungrüde „Boss“ und sein neues Herrchen Ben im Vordergrund.

Wenn man die Familie Messner in ihrer Gesamtheit kennenlernen möchte, dann empfiehlt es sich, beide Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Es ist jedoch problemlos möglich in den 2. Band auch ohne Vorkenntnisse einzusteigen.

Christina geht in ihrer Hundeschule vollkommen auf. Mit Leib und Seele ist sie Trainerin und so wundert es nicht, dass Ben von einer Nachbarin seines Ferienhauses den Tip bekommt, mit Boss die örtliche Hundeschule zu besuchen. Christina hat tatsächlich ein außerordentlich gutes Feingefühl für Hunde, sie zeigt Ben, wie er mit Boss umgehen muss und so öffnet sich dieser und legt seine ablehnende Haltung seinem neuen Herrchen gegenüber in kleinen Schritten ab.

Ben ist Bildhauer und stellt außergewöhnliche Skulpturen her. Wenn er eine Vision für ein neues Werk hat, dann versinkt er vollkommen in seiner Arbeit und man sollte es tunlichst vermeiden, ihn in einer solchen Phase zu stören. Das muss auch Christina feststellen, als sie von sich aus versucht den Erstkontakt zu ihrem neuen Kunden herzustellen. Schnell stellt sich aber heraus, dass er gar nicht so übel ist, das neue Herrchen von Boss.

Über das Training mit dem Hund nähern sich auch Christina und Ben einander an. Beide sind sich jedoch von Anfang an darüber einig, dass sie keine tiefgreifende Beziehung wollen. Ein kleiner unverbindlicher Urlaubsflirt und in 3 Monaten, wenn Ben Lichterhaven wieder verlässt, kehrt jeder wieder zu seinem Alltag zurück. Gefühle fragen aber nicht nach einem vordefinierten Zeitrahmen …...

Die komplette Familie Messner wird als sehr familiär und fürsorglich beschrieben. Sie halten in allen Lebenslagen zusammen und kümmern sich umeinander, so wie es sein sollte. Jedes Familienmitglied kann sich jederzeit an ein anderes Familienmitglied wenden – hier wird geholfen!

Boss – eigentlich nur „der Hund“ in diesem Buch, aber doch irgendwie die Hauptperson. Von der 1. Seite an kann der Leser an seinen Gedanken teilhaben. Nach der Rettung durch Ben sperrt Boss sich zuerst einmal gegen ein neues Leben und ein neues Herrchen. Er ist bockig, will nicht hören und schon gar keine Gefühle zeigen, aber durch die Anleitung von Christina werden Ben und Boss nach und nach ganz langsam doch noch ein Team und es ist einfach schön, dabei von außen zuschauen zu dürfen.

Ich lehne mich hier mal einen Ausschnitt aus meiner Rezension zu „Körbchen mit Meerblick“ an, denn an diesen Gegebenheiten hat sich nichts geändert.

Lichterhaven ist ein Ort mit vielen netten Einwohnern, die jedoch für einen Großstädter durchaus eine erschlagende Wirkung haben können. Es scheint, als ob in Lichterhaven jeder von jedem alles weiß und es keine Geheimnisse gibt, noch nicht einmal das Sexualleben bleibt verborgen.

A pro pos Sexualleben: Es gibt natürlich im Buch auch die eine oder andere heiße Szene, die meiner Meinung nach sehr geschmackvoll und lesenswert beschrieben wurden.

Durch den angenehmen Schreibstil von Petra Schier lässt sich das Buch gut und flüssig lesen. Die Charaktere sind lebensecht beschrieben und auch die Beschreibungen der Örtlichkeiten lassen vor dem inneren Auge des Lesers ein aussagekräftiges Bild entstehen. Die Skulpturen, die Ben Brungsdahl anfertigt, sind der Fantasie der Autorin entsprungen, sie sind aber so anschaulich beschrieben, dass ich mir das tatsächlich richtig gut vorstellen konnte. 

Nach Aussage der Autorin wird es ein Wiedersehen in Lichterhaven geben und ich freue mich schon auf die nächste Reise an die Nordsee. 

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Eingedeutscht

Allaa Faham , Abdul Abbasi
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.03.2018
ISBN 9783442159512
Genre: Sachbücher

Rezension:

Die beiden Syrer Abdul Abbasi und Allaa Faham kamen 2015 – unabhängig voneinander - als Flüchtlinge nach Deutschland.

Die wohl größte Hürde die sie überwinden mussten, war das Erlernen der deutschen Sprache. Aber abgesehen von den Sprachschwierigkeiten klafft zwischen der arabischen und der deutschen Kultur eine riesengroße Lücke, die es zu überwinden galt. Der Papierkrieg in den deutschen Behörden, die Deutschen und ihre Liebe zum Haustier, Gastfreundschaft, was wir essen und trinken und wie unterschiedlich unsere Auffassung von Zeit ist; der Weg zur Integration ist steinig und schwer.

Per Zufall lernten sich Abdul und Allaa im Juni/Juli 2016 via Facebook kennen und sehr schnell stellten sie fest, dass sie die gleiche Art von Humor teilen. Warum also nicht gemeinsam ein Projekt starten? Unter dem Namen „German LifeStyle GLS“ wollten sie anfangs via Facebook und YouTube schlicht und einfach ihren syrischen Landsleuten Hilfestellung zur Integration in Deutschland geben, ihnen die Besonderheiten unseres Alltags näherbringen. Es kristallisiert sich heraus, dass Integration keine Einbahnstraße ist und man beide Seiten in den Prozess einbinden muss – am besten funktioniert das, indem man gemeinsam über etwas lacht.


Als wir, Abdul und Allaa, nach Deutschland kamen, waren wir voller Ängste. Angst vor den Menschen, vor Tieren, dem Wetter, vor neuen Situationen und vor Speisen, die wir nicht kannten. Wir hatten Angst vor allem, was uns fremd war. Und fremd war uns: alles. [….] Wir lernten, dass Fremdes nur so lange Angst macht, solange es im Dunkeln bleibt und wir nur Schemen wahrnehmen. Wir haben dieses Buch geschrieben, damit ihr Deutschen uns Syrer besser kennenlernt und wir Syrer euch Deutsche. [.…] Egal was unser Hintergrund ist: Uns verbindet mehr, als wir denken. Lasst uns alle das Licht anknipsen und genauer hinschauen.

Genau das tun Abdul und Allaa sowohl auf ihrem Facebook- oder YouTube-Profil als auch in ihrem Buch „Eingedeutscht“, das am 19.03.2018 im Goldmann Verlag erschienen ist. Sie knipsen das Licht an und schauen genauer hin – mit viel Humor erzählen sie die Geschichte ihrer Integration und auf welche Hindernisse sie dabei gestoßen sind bzw. welche Missverständnisse teilweise aus den verschiedenen Situationen entstanden sind.

So ist es in Syrien (oder in arabischen Ländern allgemein) üblich, dass man angebotenes Essen zuerst einmal freundlich aber bestimmt ablehnt. Der Gastgeber wird jedoch nicht müde, sein Essen trotzdem an den Mann (oder die Frau) bringen zu wollen. Dieser Verhaltenskodex wird den Syrern quasi in die Wiege gelegt.

Nein sagen, auch wenn wir Ja meinen – das ist höflich. Und gerade wenn wir Jajaja meinen (so wie Allaa, wenn es Schokolade gibt), müssen wir unser Nein besonders oft und vehement wiederholen. Das signalisiert unserem Gegenüber unmissverständlich den Grad der Gier beziehungsweise der Verzweiflung.

Während man in Syrien mitunter eine halbe Stunde darüber palavert bis jemand das angebotene Essen dann doch endlich nimmt, spielt sich in Deutschland in Minutenschnelle folgende Szene ab:

Ich sah, wie ein Mitarbeiter des Migrationszentrums seinen Servierwagen am Tisch einer mir bisher unbekannten syrischen Flüchtlingsfamilie parkte: „Möchten Sie etwas Suppe? Oder ein Brot?“ Der Vater winkte sofort ab: „Oh, nein danke, wir haben gar keinen Hunger, aber das ist nett von Ihnen“. Seine Frau und die Kinder nickten. Der Mitarbeiter fuhr mit dem Servierwagen und dem Essen weg.

Ich konnte beim Lesen die Enttäuschung dieser Familie spüren, wussten sie doch nicht, was sie falsch gemacht haben. In Deutschland ist ein „Nein“ ein „Nein“, basta – und die Familie musste hungern.

Witzig fand ich die Gegenüberstellung der deutschen und syrischen Liebesschwüre. „Ich möchte auf Deinen Wimpern laufen“ … „Deine Schönheit hat meine Seele getötet“.... ich lache jetzt noch. Dem gegenüber steht unser deutsches „Du bist die Frau meiner Träume“ doch ziemlich langweilig da, oder?

Nachdenklich gemacht hat mich der Abschnitt über die Deutschen und ihre Liebe zum Tier.

„Obwohl so viele Tiere ausgesetzt werden, sieht man in Deutschland keinen einzigen Straßenhund. In Syrien gab es vor dem Krieg viele Straßenhunde, aber keine Menschen, die auf der Straße lebten. Es war neu für uns Syrer, hier in Deutschland Obdachlose zu sehen, aber keinen einzigen herren- und wohnungslosen Hund. Kein Wunder, wenn pro Jahr rund 300.000 Deutsche einen neuen Hund aufnehmen! Und wusstet ihr, dass es im Jahr 2016 etwa 335.000 Obdachlose gab? Die Liebe der Deutschen zum Tier ist aus vielen Perspektiven eine besondere. Wie wäre es also, wenn die Hundeliebhaber einen Obdachlosen aufnehmen würden? Sie könnten ihn aus dem Urlaub anrufen, ihm etwas zu Weihnachten schenken und Postkarten schreiben. Und der Ex-Obdachlose könnte solange auf das Haustier aufpassen.“

Vorausgegangen ist diesem Abschnitt eine Aufzählung, dass 64 % der Deutschen ihrem Haustier etwas zu Weihnachten schenken, 14 % telefonieren aus dem Urlaub mit ihrem Hund, 6 % schicken ihm eine Postkarte.

Wenn man sich das Kapitel über „Zeit, Zahlen, Perfektion und Bürokratie“ durchliest, in welchem es um die Organisation einer Veranstaltung geht, dann stellt man mit Erschrecken fest, dass wir Deutschen doch ab und an mal (ich bitte um Entschuldigung für die nachfolgende Formulierung) den Stock aus dem Arsch nehmen sollten. Wogegen es bei uns wiederum in der Regel ziemlich locker zugeht, wenn man den Eltern der Freundin vorgestellt werden soll. Dazu muss man in Deutschland nicht gleich Heiratsabsichten haben.

So stellen sie auf 224 Seiten unsere deutsche der arabischen Kultur gegenüber – mal witzig und auch mal nachdenklich – und sie verfügen über die seltene Gabe, über sich selbst lachen zu können.

Ich bin schon lange Fan der GLS-Facebook-Seite und des YouTube-Kanals und ich werde es sicher noch lange bleiben. ِAktuell, Stand 27.04.2018, haben die Beiden auf ihrer Facebook-Seite 115.180 Follower und ihr Youtube-Kanal wird von 42.307 Leuten abonniert.

Abdul und Allaa, die zwischenzeitlich beide an einer deutschen Universität studieren, wünsche ich für ihre Zukunft alles Gute!

Auch in meinem Leben gibt es Syrer, die 2015 als Flüchtlinge in unser Land kamen. Wer sich integrieren möchte, der braucht auch jemanden, der ihn integriert bzw. ihm dabei hilft, sich zu integrieren.

In diesem Sinne
مع السلامة
maʿa as-salāma 

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Was die Seele essen will

Julia Ross , Julia Höfer , Swantje Künckeler , Monika Reif-Wittlich
Flexibler Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 22.07.2018
ISBN 9783608961829
Genre: Sachbücher

Rezension:

Vor einigen Tagen war ich im Internet auf Recherche-Tour zum Thema „Ein- und Durchschlafstörungen“ und wie man sie behandeln kann und bin dabei auf den Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Nährstoffmangel gestoßen. Da mich das Thema sehr interessiert, habe ich meine Recherche vertieft. So bin ich auf dem Blog http://dukannstes.blogspot.de/2016/04/was-die-seele-essen-will.html gelandet und habe dort einen Hinweis auf das Buch „Was die Seele essen will“ von Julia Ross gefunden.

Nachdem ich die ausführliche Buchvorstellung gelesen habe war ich mir sicher, dass dieses Buch genau das ist, was ich gesucht habe. Kurze Zeit später ist das Buch als eBook auf meinem Reader gelandet und ich habe genau das gefunden, was ich brauchte.

Wenn man den Titel „Was die Seele essen will“ liest, dann stellen sich sicherlich viele Leute – genau wie ich auch – vor, dass man in diesem Buch Rezepte findet oder Hinweise darauf, welche Nahrungsmittel die Seele braucht um gesund und glücklich zu sein/bleiben. Die Vorstellung über den Inhalt ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig.

Julia Ross ist Psychotherapeutin und behandelt in ihrer Klinik seit vielen Jahren Menschen, die unter Depressionen, Schlafstörungen, Zwangsstörungen und/oder Suchterkrankungen leiden. Leider ist es heutzutage gängige Praxis, dass man Depressionen mit Antidepressiva und Schlafstörungen mit Schlafmitteln behandelt. Dass das nur eine Unterdrückung der Symptome, nicht aber die Lösung für das Problem ist, sollte jedem klar sein. Julia Ross geht einen gänzlich anderen Weg – sie behandelt diese Krankheiten, indem sie dem Gehirn des Patienten die Botenstoffe (Neurotransmitter) zuführt, die für Reaktionen und Emotionen zuständig sind und mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in ausreichender Menge vorhanden sind, um das Problem selbst zu lösen bzw. gar nicht erst aufkommen zu lassen.

So ist z. B. ein niedriger Serotoninspiegel ursächlich für Zwangsverhalten, Besorgnis, Reizbarkeit und Schlafprobleme. Ein Mangel an Katecholaminen lässt den Patienten lethargisch und energielos werden. Menschen mit niedrigem GABA-Spiegel sind schnell gestresst, überfordert und aufgeregt und nicht zuletzt ist ein Mangel an Endorphinen Grund dafür, dass man bei jeder Kleinigkeit anfängt zu weinen, schmerzempfindlich und verletzlich ist.

Wir leben in einer hochtechnisierten Zeit und befinden uns in Deutschland medizinisch auf sehr hohen Niveau – trotzdem werden es immer mehr Menschen, die von Burnout, Depressionen und anderen psychischen Problemen betroffen sind. Wir haben immer weniger Zeit selbst zu kochen, unsere Lebensmittel haben mit „Leben“ nur noch herzlich wenig zu tun und wir greifen immer öfter zu Convenience- bzw. Fast-Food-Produkten. Die Hand voll Vitamine und Mineralstoffe, die wir auf diese Art und Weise zu uns nehmen, reicht wahrscheinlich nicht im entferntesten aus, unseren Körper mit dem zu versorgen, was er braucht. Und wenn jemand dann zur Nahrungsergänzung greift, dann doch eher zum Vitamin-Komplex als zum Aminosäuren-Komplex.

Im Buch „Was die Seele essen will“ gibt es 4 Fragebögen, mit denen man sich selbst testen kann. So gibt es zu jedem der fehlenden Botenstoffe (Neurotransmitter) das entsprechende Szenario:

1. Befinden Sie sich unter einer dunklen Wolke? (Serotoninmangel)
2. Fühlen Sie sich „bla“? (Katecholaminmangel)
3. Ist Stress Ihr Problem? (GABA-Mangel)
4. Reagieren Sie zu empfindlich auf die Leiden des Lebens? (Endorphin-Mangel)

Für jeden Fragebogen gibt es eine Punktzahl, ab der man davon ausgehen kann, dass man unter einem Mangel des entsprechenden Neurotransmitters leidet. Es kann auch durchaus sein, dass man sich gleichzeitig in 2 Szenarien wiederfindet.

Zu jedem Gemütszustand gibt es ein Kapitel, welche Faktoren im Leben dem Körper die entsprechenden Nährstoffe über alle Maßen entziehen und wie man dem entgegen wirken kann. Zum Ende des Kapitels gibt es eine Zusammenfassung der Nahrungsergänzungsmittel, die man dagegen einsetzen kann. Und einen Hinweis darauf, woran es liegen kann, wenn das entsprechende Mittel nicht wirkt.

Zusätzlich zu den Kapiteln 1 – 4 gibt es noch Kapitel, die sich mit Schilddrüsen- bzw. Nebennierenfehlfunktionen beschäftigen und bei älter werdenden Männern/Frauen gibt es Hinweise auf ein Ungleichgewicht im Hormonstoffwechsel in den Wechseljahren. Dann gibt es ein Kapitel „Gute-Laune-Nahrung“ bzw. „Weg mit der Schlechte-Laune-Nahrung“, denn auch mit der ausgewogensten Zusammenstellung der Nahrungsergänzungsmittel sollte man Dinge aus seinem Speiseplan streichen, die dem Körper Nährstoffe rauben statt sie zu geben – dazu gehören z. B. Zuckerersatzstoffe und Koffein, Weißmehl und viele andere Stoffe, die hier aufgezählt werden.

Das Buch ist aufgrund seiner Thematik wissenschaftlich gehalten und obwohl ich an wissenschaftlichen/medizinischen Themen sehr interessiert bin, musste ich manches 2 x lesen um zu verstehen, was genau die Autorin damit sagen möchte.

In diesem Buch werden Nahrungsergänzungsmittel empfohlen – das kann man gut oder schlecht finden, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Einige Vitamine/Mineralstoffe sind synthetisch hergestellt, Antidepressiva werden aber sicherlich auch nicht aus natürlichen Stoffen hergestellt. Und in dem Fall würde ich die Nahrungsergänzungsmittel vorziehen, denn die haben weniger bis gar keine Nebenwirkungen.

Die Autorin empfiehlt für alle Menschen mit psychischen Problemen einen Basis-Plan an Nahrungsergänzungsmitteln. Der enthält einen Vitamin-Komplex und alle gängigen Vitamine wie B(-Komplex), C, D, E, Calzium und Magnesium. Zusätzlich zu den Basis-NEMs kommen dann die entsprechenden Mittel aus den Szenarien, in denen man sich gefunden hat. Die Nährstoffe sollen nicht für den Rest des Lebens genommen werden. Sobald der Mangel abgestellt wurde, kann man die NEMs weg lassen und bei Bedarf dann zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht wieder nehmen.

Für mich war das Buch eine echte Bereicherung und ich habe wieder einiges gelernt. Eine mir sehr nahestehende Person wird in den nächsten 4 Wochen Erfahrungen mit 5-HTP und L-Tyrosin als Nahrungsergänzung machen und ich bin gespannt auf das Ergebnis.

(Kleiner Tipp am Rande: Das L-Tyrosin z. B. gibt es im Bodybuilder-Shop um einiges günstiger als in der Apotheke).

Für Menschen mit Depressionen, die bisher jedoch noch keine Antidepressiva nehmen, ist dieses Buch und die darin beschriebenen Vorgehensweise mit Sicherheit eine Alternative zu Medikamenten. Menschen, die schon Medikamente nehmen, sollten keinesfalls etwas ohne Wissen und Zustimmung des Arztes unternehmen. 

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65 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

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Die Kamelien-Insel

Tabea Bach
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 23.02.2018
ISBN 9783404176311
Genre: Liebesromane

Rezension:

Sylvia und Holger von Gaden sind seit 10 Jahren verheiratet, wohnen in einem Luxus-Penthouse am Englischen Garten und jeder für sich ist in seinem Beruf überaus erfolgreich. Sylvia ist Unternehmensberaterin und Holger ist Immobilien-Makler, beide arbeiten auf hohem Niveau was dafür sorgt, dass sie finanziell ausgesorgt haben. Als Sylvia von einem größeren Auftrag nach Hause kommt, eröffnet ihr Mann ihr, dass sie Post von einer Anwaltskanzlei bekommen hat: Ihre Tante Lucie, die sie vor vielen Jahren zum letzten Mal gesehen hat, hat ihr eine kleine Insel in der Bretagne hinterlassen, auf der sie eine Gärtnerei betrieben hat.

Da Holger beruflich passenderweise gerade in Frankreich unterwegs war, hat er sich die Insel angeschaut und ist der Meinung, dass man die heruntergekommene Gärtnerei mitsamt der Insel verkaufen sollte. Voller Vertrauen unterschreibt Sylvia die Vollmachten für den Verkauf und gibt ihr Erbe aus der Hand.

Als ihr unerwartet ein geplatzter Auftrag 4 freie Wochen im Terminkalender spendiert, fährt sie spontan in die Bretagne und stellt fest, dass die Gärtnerei weder heruntergekommen noch bankrott ist, im Gegenteil. Nachdem sie die Menschen kennengelernt hat, die mit ihrer Tante Lucie gelebt und gearbeitet haben, möchte sie vom Verkauf der Insel zurücktreten. Leider ist das gar nicht mehr so einfach, da es schon einen Investor gibt. Kann der Verkauf noch rückgängig gemacht werden?

„Die Kamelien-Insel“ ist der Auftakt zu einer Trilogie, geschrieben von Tabea Bach. Es handelt sich um einen Frauen-Roman, in dem es um Liebe, Vertrauen und Verrat geht. Die Tatsache, dass der Klappentext schon sehr viel verrät, schmälert - zumindest bei mir – den Lesegenuss nicht. Bei manchen Geschichten ist es nicht wichtig, ob man das Ende vorhersagen kann oder nicht.

Sylvia ist mir von Anfang an sympathisch, aber sie wirkt kühl und unnahbar. Mit Holger führt sie zwar eine gute Ehe, sicherlich war es aber keine Liebesheirat – oder die Liebe ist in den letzten 10 Jahren, hinter dem großen Arbeitspensum, deutlich auf der Strecke geblieben. Ihr Umgang miteinander ist respektvoll und freundlich, aber irgendwie kühl. Als ihr Mann ihr mitteilt, dass sie die geerbte Insel verkaufen sollte, hinterfragt sie diese Entscheidung nicht. Sie unterzeichnet blind die Verkaufsunterlagen, warum sollte sie ihrem Mann auch nicht trauen? Schließlich verdient er sein Geld mit dem Verkauf von Immobilien/Grundstücken. Erst als sie sich mit eigenen Augen vom gar nicht so desolaten Zustand der Insel mitsamt der Gärtnerei und der angeschlossenen Kamelien-Zucht überzeugt, stellt sie sich die Frage, warum ihr Mann sie über den Zustand der Insel belogen hat. Vielleicht war das ja auch nicht die einzige Lüge zwischen ihnen?

Holger ist von Anfang an unsympathisch. Er ist irgendwie glatt, nicht greifbar und die Tatsache, dass er sich das Erbe seiner Frau schon mal vorab angeschaut hat – ohne, dass sie zu diesem Zeitpunkt überhaupt etwas von diesem Erbe wusste - empfinde ich als übergriffig. Er drängt Sylvia sehr schnell zum Verkauf der Insel und mein Bauchgefühl sagt mir, dass mit Holger etwas nicht stimmt. Kann ich mich auf meinen Bauch verlassen?

Vero, die beste Freundin von Sylvia, hat verstanden was es heißt, das Leben zu genießen. Jeder sollte so eine „beste Freundin“ haben.

Solenn und die anderen Bewohner der Kamelien-Insel legen das typisch bretonische Verhalten an den Tag – sie sind verschlossen, reserviert und öffnen sich erst nach und nach demjenigen, den sie in ihr Herz geschlossen haben.

Mael arbeitet als Gärtner auf der Kamelien-Insel und Sylvia verliebt sich gleich nach ihrer Ankunft in ihn. Für mich geht das alles irgendwie zu schnell, aber das Leben hält ja oftmals die unmöglichsten Dinge für einen bereit. Mein Herz ist ihm nicht gleich zugeflogen und auch zum Ende des Buches ist es für mich nicht der „wow-Charakter“, aber er ist bodenständig, weiß was er will und kämpft für seine Träume.

Die wunderbare Beschreibung der Landschaft und der verschiedenen Kameliensorten, die auf der Insel gezüchtet werden, wecken sofort die Lust in mir hinzufahren und sich das alles anzuschauen. Leider handelt es sich um eine fiktive Insel, die jedoch genau so in der Bretagne existieren könnte.

Der Schluss des Buches ist in sich abgerundet, lässt aber ausreichend Raum für eine Fortsetzung – die im Herbst 2018 unter dem Namen „Die Frauen der Kamelien-Insel“ erscheinen wird. Ich freue mich schon darauf. 

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102 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

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Mit Hanna nach Havanna

Theresia Graw
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.02.2018
ISBN 9783734104404
Genre: Liebesromane

Rezension:

Als Katrin Fabers Chef sie zu einem privaten Abendessen einlädt, gibt es für sie nur 3 angemessene Anlässe: Er möchte ihr seine Liebe gestehen, er wird sie über ihre Beförderung unterrichten oder es geht um ihre Nominierung für den begehrten und renommierten Journalistenpreis „Goldener Griffel“. Nicht im Traum hätte Katrin sich ausmalen können, dass sie nicht befördert sondern degradiert wird – sie soll in Zukunft das Seniorenmagazin des Senders moderieren. Nachdem ihre 1. Sendung ausgestrahlt wurde, erreichte Katrin ein Leserbrief von Johanna Maria Henriette Wagner von Trottau zu Dannenberg.

Johanna, genannt Hanna, möchte 2 Dinge von Katrin:
1. Sie soll ihre Memoiren schreiben
2. Sie soll sie auf ihre Reise nach Kuba begleiten, um große Liebe Julius zu finden

Nach anfänglichem Zögern willigt Kathrin ein, die alte Dame zu begleiten. Nicht, weil sie so gerne bei der Suche nach Hannas großer Liebe helfen möchte, sondern weil sie in dieser Reise eine Chance sieht, doch noch die Nominierung für den „Goldenen Griffel“ zu bekommen. Und so sitzen Katrin und Hanna kurze Zeit später im Flieger nach Havanna.


Ich lese nicht gerne Bücher, in denen es um sogenannte Road-Trips geht. Üblicherweise treffen diese Geschichten nicht meinen Humor. Bei diesem Buch habe ich eine Ausnahme gemacht, da mir das vorhergehende Buch der Autorin „Wenn das Leben Loopings dreht“ richtig gut gefallen hat. Ich habe „Mit Hanna nach Havanna“ also eher wegen der Autorin als wegen des Inhalts ausgewählt. Leider konnte mich aber auch diese Geschichte nicht überzeugen.

Katrin und Johanna, die beiden wichtigsten Figuren in der Geschichte, regen mich schon direkt am Anfang ihrer gemeinsamen Reise auf und das ändert sich auch nicht sehr viel im weiteren Verlauf der Reise.

Katrin ist total auf ihr Ansinnen fixiert Julius zu finden, ihn zu seiner Auswanderer-Geschichte in Bezug auf die kubanische Revolution zu interviewen, nach Hause zu fliegen und mit ihrem Artikel die Nominierung für den „Goldenen Griffel“ zu erhalten. Sie ist die totale Spaßbremse und für ihre 33 Jahre ist sie ziemlich spießig. Sie möchte weder tanzen noch etwas trinken (außer Mineralwasser) und irgendwie fehlt ihr jedweder Humor. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit treibt sie Hanna an.

Hanna ist 78 Jahre alt und möchte auf dieser Reise ihre erste große Liebe Julius suchen, der sie vor vielen Jahren verlassen hat um nach Kuba zu gehen. Im Gegenteil zu Katrin möchte Hanna all die schönen Dinge erleben, die Kuba zu bieten hat – am meisten spricht sie hier den überaus hochprozentigen Cocktails zu, gerne schon am Morgen. Hanna hinterlässt bei mir den Eindruck einer gealterten Dame, die gerne ein paar verpasste Gelegenheiten nachholen möchte.

Was mir an Hanna jedoch gefällt ist die Tatsache, dass sie sich noch an den kleinen Schönheiten des Lebens erfreuen kann.
Eine Terrasse mit Ausblick aufs Meer – Hanna kann es genießen, Katrin ist genervt.
Die Gastfreundschaft der Kubaner – Hanna kann es genießen, Katrin ist genervt.
Ein Tag auf der Zigarrenplantage – Hanna kann es genießen, Katrin … na, was wohl....

Natürlich werden sie von den Einheimischen auch über's Ohr gehauen, landen in einer privaten Unterkunft statt dem gebuchten Hotel, setzen ihre Reise mit einem Mietwagen fort, der unterwegs ganz gepflegt die Grätsche macht, und sie fahren stundenlang in die falsche Richtung – also alles, was so einen Road-Trip eigentlich interessant macht.

In einer Bar bekommt Katrin per Zufall mit, dass noch jemand auf der Suche nach Julius ist. Ein junger Mann namens Max, der seinen Reisefortschritt auf seinem Blog „Reisemax“ veröffentlicht. Sofern Katrin über einen Internetzugang verfügt (den es nur an einigen wenigen Stellen gibt, zudem kostenpflichtig) kann sie den Fortschritt von Max' Suche nach Julius im Auge behalten. Ein weiterer Grund, schnellstmöglichst die Reise fortzusetzen um Julius vor Max zu finden.

Im Laufe der Reise taut Katrin ein wenig auf und zum Schluss hin wird sie manchmal sogar richtig zugänglich. Natürlich gibt es für Hanna ein Happy End, aber auch für Max, der mir als Figur sogar ganz sympathisch war. Nur der Grund, warum er zeitgleich mit Hanna/Katrin nach Julius suchte, war mir dann doch ein wenig zu viel Zufall.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen und wenn die Charaktere Hanna und Katrin nicht so sperrig gewesen wären, hätte mir die Gesichte auch etwas Spaß gemacht. Aber wahrscheinlich ist genau das der Clou hinter einem Road-Trip – nicht alltägliche Personen, die sich gemeinsam auf eine Reise machen.

Für mich war dieses Buch leider nichts, für eine/n andere/n LeserIn kann es durchaus das witzigste Buch des Jahres werden. Ich habe mal wieder gemerkt, dass ich Road-Trip-Bücher einfach im Regal stehen lassen sollte. Auch, wenn sie von einer/einem mir bekannten AutorIn geschrieben wurden.

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

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God's Kitchen

Margit Ruile
Flexibler Einband
Erschienen bei Loewe, 12.03.2018
ISBN 9783785584477
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die 19jährige Celine studiert Psychologie an der Universität in München. Zur Zeit sind Semesterferien und außer einer langweiligen Hausarbeit steht nix an. Da Celine ihre Familie vor langer Zeit bei einem Zugunglück verloren hat, bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Semesterferien in ihrem 12qm-Studenten-Bungalow im Olympischen Dorf zu verbringen, während ihre Kommilitonen nach Hause zu ihren Familien fahren.

Die Tage plätschern so vor sich hin und sind ausgefüllt mit dem Schreiben der Hausarbeit oder mit „vor Langeweile aus dem Fenster schauen“ und dem Beobachten ihres Nachbarn Robert, der Celine seit einem Zwischenfall vor wenigen Tagen aus dem Weg geht. Da kommt ihr der Anruf ihrer neuen Freundin Pandora gerade recht.

Pandora scheint irgendwie anders zu sein als alle anderen Menschen, die Celine bisher kennengelernt hat. Sie fühlt sich in Pandoras Nähe ausnahmsweise nicht „andersartig“ und so wundert es nicht, dass die Beiden sehr viel Zeit miteinander verbringen. Pandora arbeitet als wissenschaftliche Assistentin am Institut für neuronale Informatik und für die Arbeit mit Chi, einem Roboter mit Künstlicher Intelligenz, wird gerade eine Praktikantin aus dem Bereich der Psychologie gesucht. Celine sagt zu und so darf sie - in einem speziellen Raum im Institut, der God's Kitchen genannt wird – verschiedene Tests durchführen, mit deren Hilfe Chi lernen und sich weiterentwickeln soll.

Die Tests werden immer merkwürdiger und je mehr Chi lernt, desto mehr entwickelt sie ein Eigenleben. Celine gerät mehr und mehr in Gefahr … und irgendwann gibt es nur noch eine Option: Das Selbstzerstörungsprogramm von Chi muss eingeleitet werden. Aber lässt sich eine Künstliche Intelligenz an einem bestimmten Punkt noch abschalten oder hat sie den Menschen die Kontrolle über sich selbst schon lange aus der Hand genommen?

Ich denke ich spoilere nicht zu viel wenn ich erwähne, dass Celine eine außergewöhnliche Gabe hat (das Thema wird gleich auf den ersten 3 Seiten im Buch angesprochen). Sie kann in die Zukunft sehen – nicht Wochen vorher sondern ganz kurze Zeit, bevor etwas passiert. Aufgrund dieser Einzigartigkeit ist Celine ein Einzelgänger.

„Ich hatte noch niemanden getroffen, der so war wie ich, und daher fühlte ich mich auf eine seltsame Art heimatlos …...

Durch den frühen Tod ihrer Eltern hat sie einen großen Teil ihres Lebens in Kinderheimen und/oder Pflegefamilien verbracht, aber niemand hat es geschafft, ihr die Familie zu ersetzen oder ihr ein wirkliches Zuhause zu geben. Celine ist recht einfach gestrickt, zumindest was das Alltägliche betrifft, denn sie hat viele Dinge nach ihrer eigenen Aussage nicht gelernt.

„Ich habe jedenfalls nie gelernt, mich einzurichten und aus einem Platz ein Zuhause zu machen, indem ich Wände strich, Bilder aufhängte, Vorhänge aussuchte, all die Dinge, die meine Nachbarn wunderbarerweise beherrschten und die aus ihren Bungalows kleine heimelige Hütten machten. ….. ich hatte nicht gelernt mich zu beklagen. Beklagen können sich nur die, die von jemandem gehört werden.

Celine erzählt ihre Geschichte in der Ich-Form und das rückwirkend über 1 Jahr. Im Vordergrund steht natürlich das Thema der „Künstlichen Intelligenz (KI)“. Chi ist ein Roboter in Kindergestalt, was auf der einen Seite durch das „Kindchenschema“ sicherlich die Akzeptanz der Menschen gegenüber einem Roboter erhöhen könnte, andererseits könnte ich persönlich mir einen Kinder-Roboter weder als Haushaltshilfe noch als Pflegekraft vorstellen. Generell ist es für mich schwer vorstellbar, dass Roboter in Zukunft mehr und mehr in unser Leben vordringen, aber vor 20 Jahren war der Gedanke an ein Handy/Smartphone auch noch ziemlich utopisch. Heute sind sogar die „sprachgesteuerten internetbasierten persönlichen Assistenten“ aus vielen Haushalten nicht mehr wegzudenken, und auch diese entwickeln manchmal ein unerwünschtes Eigenleben.

Das Thema KI ist ziemlich faszinierend und wird von der Autorin hier auch sehr gut umgesetzt. Chi ist für einen ganz besonderen Einsatz vorgesehen und so analysiert diese auch immer die Körperhaltung sowie Mimik und Gestik der Menschen die mit ihr arbeiten, um diese bei sich selbst aufzunehmen und anzuwenden. Ebenso wird sie mit Emotionen „gefüttert“ und kann sogar echte Tränen weinen – bis sie dann anfängt Dinge zu tun, die nicht ihrer Programmierung entsprechen und jemand die Reißleine ziehen muss. Ein durchaus gruseliger Gedanke ….

Die Charaktere Celine, Kim und Pandora sowie im späteren Verlauf auch Kairos, bleiben für mein Befinden jedoch alle eher blass und unscheinbar. Ich schaffe es nicht, mich mit einem von ihnen wirklich zu identifizieren, was ich sehr schade finde. Auch untereinander ist die Beziehung der Protagonisten eher kühl – weswegen es mich erstaunt hat, dass da bei einer Person scheinbar doch mehr Gefühle im Spiel sind, als nach außen sichtbar wurde.

Die Autorin hat einen ruhigen Schreibstil und die Beschreibungen sind teilweise sehr bildhaft:

„Pandora neben mir schwimmt durch die Gänge wie ein Fisch im Wasser. Ich bin die zappelnde Kaulquappe daneben“.

Das Buch selbst lebt nicht von großartiger Spannung; trotzdem konnte ich nicht aufhören zu lesen, bis ich wusste wie die Geschichte endet. Das Ende war für mich dann aber anders als erwartet, überraschend, trotzdem blieben noch Fragen offen bzw. hatte ich das Gefühl, dass ich zu der ein oder anderen Sache die Vorgeschichte verpasst hatte.

Was die Entwicklung von Chi betrifft, so hätte das alles für mich gerne noch viel mehr Drama haben können. Ein Roboter der sich verselbständigt, das Thema birgt unglaublich viel Potential.

„God's Kitchen“ ist ein Buch, das sich flüssig lesen lässt. Für meine Begriffe hätte es aber sowohl in Punkto Charaktere als auch was die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz betrifft, gerne mehr in die Tiefe gehen können.

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62 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

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Scherbennacht

Nicole Neubauer
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.09.2017
ISBN 9783734104510
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sandra Benkow (Sunny) verbringt jede freie Minute mit Laufen. Früher war sie Leichtathletik-Juniorenmeisterin, heute ist sie Polizeiobermeisterin und die einzige Frau in der Eliteeinheit „Unterstützungskommando Bayern“ (USK). Grund genug, sich fit zu halten. Nach einem Lauf wollte sie sich auf einem ehemaligen Sportplatz – der heute Schuttabladeplatz einer Baufirma ist - mit jemandem treffen. Ihre Verabredung erscheint leider nicht und außer einem abgestellten PKW und ihr selbst, ist weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Ein parkender PKW aus dessen leicht geöffnetem Fenster leise Musik zu hören ist, ist eigentlich keine große Sache – wäre da nicht die Straße aus Ameisen, die sowohl in als auch aus dem dunkelblauen BMW führt. Mit einem Gefühl, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt, öffnet Sunny die Autotüre. Im Inneren des Wagens findet sie eine durch Kopfschuss hingerichtete männliche Person.

Ein Fall für die Kripo München.

Knapp 20 Monate nach ihrem letzten Fall „Moorfeuer“ ermitteln KHK Michael Waechter, sein Kollege Hannes Brandl und Kommissarin Elli Schuster wieder.

Bei dem Toten handelt es sich um Kriminalhauptkommissar Leo Thalhammer, 29 Jahre alt, Drogenfahnder beim Rauschgiftdezernat München. Sein Tod wirft einige Fragen auf. Ist Leo einem Drogenboss zu dicht auf die Füße gestiegen, ist auf der Demo vor wenigen Tagen etwas passiert oder hat es mit einem Vorfall zu tun, der schon Jahre zurückliegt? Waechter und sein Team stoßen auf einige Ungereimtheiten und Mauern des Schweigens bei ihren Ermittlungen innerhalb der Polizei.

Um den Fall zu klären, wird Hannes Brandl aus dem Krankenstand zurück in den Dienst beordert. Sein Alleingang im letzten Fall hatte ihn in Lebensgefahr gebracht, er wäre beinahe verbrannt und hatte sich den Arm gebrochen, weswegen er psychisch noch nicht vollkommen auf der Höhe ist um uneingeschränkt dienstfähig zu sein. Sein Vorgesetzter sieht das jedoch anders. Brandl wurde in meiner Rezension zu „Moorfeuer“ schon als „sperriger Typ“ beschrieben und das setzt sich in diesem Buch durchaus fort. Seine private Situation ist aber auch wirklich alles andere als entspannt. Im Gegensatz zum vorherigen Fall macht er hier keine Alleingänge, aber so ganz ohne Katastrophe kommt er trotzdem nicht aus. In diesem Buch kann er bei mir aber tatsächlich einige Sympathiepunkte mehr abstauben als im Vorgängerband.

Michael Waechter, der Leiter der Einsatzgruppe, hat sich seit dem letzten Fall nicht verändert. Sein privates Umfeld ist gleich geblieben, er mag noch immer keine Besucher in seiner Wohnung, teilt sein Leben mit einer Katze namens Katze. Er führt das Team auf seine ganz eigene Art und Weise und ein Lob von ihm ist selten aber wenn, dann kommt es von ganzem Herzen. So lobt er Hannes Brandl mit den Worten "Bist scho a Sauhund, a verreckter …. „

Kommissarin Elli Schuster agiert auch hier wieder eher hinter Waechter und Brandl, aber ich glaube sie ist es, die das Ermittlerteam zusammenhält. Gegenüber Zeugen besitzt sie großes Einfühlungsvermögen und legt oftmals den Finger in die richtige Wunde, um zu einer Aussage zu kommen.

„Der Hüter des Schweigens“, der seinen Namen vollkommen zurecht trägt und „Die Chefin“ sind ebenfalls wichtige Charaktere in diesem Team, sie kommen aber ohne viele Worte aus.

„Scherbennacht“ ist der 3. Band der Autorin Nicole Neubauer, in dem Waechter & Co. auf Spurensuche gehen. Man muss die beiden vorhergehenden Bücher nicht gelesen haben, es empfiehlt sich jedoch die Bücher in Reihenfolge zu lesen; einfach um die Ermittler besser kennen zu lernen und die Hintergründe zu ihren privaten Situationen zu verstehen.

Der Krimi befasst sich natürlich in erster Linie mit dem Mord an Leo Thalhammer und seiner Aufklärung, die Autorin bringt aber auch Themen zur Sprache, bei denen es sich ganz sicher nicht um fiktive Geschehnisse handelt → ungerechtfertigte/überzogene Gewalt von Polizisten gegenüber Zivilpersonen und Gewalt von Polizisten gegen Polizisten, hier insbesondere gegenüber der einzigen weiblichen Polizistin in der Eliteeinheit USK.

Der Schreibstil von Nicole Neubauer ist auch hier wieder gewohnt locker und humorvoll, die Beschreibungen sind sehr bildhaft und entlocken einem ab und an schon mal ein Grinsen.

„Er holte seine Aufmerksamkeit zurück in den gebärmutterartigen Keller...“ (S. 12)
oder
„Er trank einen Schluck Kaffee und wusste, er würde nie wieder schlafen“ (S. 36)

Der Täter bleibt bis fast zum Ende des Buches im Dunkel verborgen und mit dem „Wer“ und „warum“ hat die Autorin mich tatsächlich überraschen können. Zu keiner Zeit hatte ich diese Person auch nur ansatzweise in Verdacht.

Das ist die Art Krimi, die ich mag – spannend aber nicht allzu blutig. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall von Michael Waechter und seinen Kollegen. 

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histofantasy, orkney, schottland, steinzeit

Winterfeuer

Aileen P. Roberts , Stephan Lössl
Buch: 502 Seiten
Erschienen bei Papierverzierer Verlag, 02.11.2017
ISBN 9783959623452
Genre: Fantasy

Rezension:

Caitir lebt in der Jungsteinzeit (vor ca. 5.000 Jahren) in Skara Brae - an der Westbucht Schottlands - und sie möchte nichts sehnlicher, als in den Kreis der Steinweisen aufgenommen zu werden. Für diese Aufnahme fehlt ihr jedoch noch eines: Eine Vision, die Ihr die Götter geschickt haben. Sollte Caitir nicht bis zum Fruchtbarkeitsfest, welches in 3 Tagen stattfindet, eine Vision haben, so wird ihr Vater sie mit Brork, dem Anführer des Adlerclans, verheiraten. Den Ahnen sei Dank bekommt Caitir ihre Vision und bei der rituellen Aufnahmezeremonie passiert es: Die Ahnensteine beginnen zu vibrieren, das Mondlicht bildet eine Kuppel über dem Kreis der Ahnen und Caitir fühlt sich, als ob die Erde sie verschlingen möchte. Als sie die Augen wieder öffnet, befindet sie sich immer noch im Ring of Brodgar – jedoch in unserer Zeit.

Andrew arbeitet als Reiseleiter in Schottland. Seine aktuelle Reisegruppe besteht aus Teilnehmern, die sich kein Stück für die Schönheit und Kultur des Landes interessieren sondern sie vertreiben sich die Zeit mit ihren Smartphones oder bleiben bei schlechtem Wetter lieber gleich ganz im Hotel. Die unfreiwillig gewonnene freie Zeit nutzt Andrew dazu, sich die Ausgrabungen am Ness of Brodgar anzusehen. Dort lernt er die Archäologin Dianne kennen, die sich über sein Interesse freut und ihm ein wenig über ihre Arbeit und die Fundstücke erzählt. Zu diesem Zeitpunkt kann noch niemand ahnen, dass Andrew in Kürze Bekanntschaft mit der Zeit machen wird, aus der die Fundstücke am Ness of Brodgar stammen.

Als Andrew nachts von irgend etwas geweckt wird, schaut er zum Fenster hinaus und sieht in der Ferne ein Leuchten – genau dort, wo sich die Ausgrabungsstätte und der Ring of Brodgar befinden. Auch wenn er denkt, dass er sich das nur eingebildet hat, macht er sich mitten in der Nacht auf den Weg zum Kreis der Ahnen …..... und trifft dort auf Caitir.

Das Buch „Winterfeuer“ ist ein ganz besonderes Buch. Es wurde von der am 05.12.2015 verstorbenen Autorin Aileen P. Roberts begonnen und von ihrem Mann, Stephan Lössl, nach ihrem Tod fertiggestellt. Da ich Aileen bzw. Claudia Lössl persönlich kannte, hat mich dieses Buch ganz besonders berührt und ich danke sowohl dem Papierverzehrer-Verlag, als auch Stephan Lössl, dass ich an der Leserunde bei Lovelybooks teilnehmen durfte.

Im Gegensatz zu vielen anderen Zeitreise-Geschichten findet das Geschehen hier auf beiden Seiten statt. Sowohl Caitir als auch Andrew wechseln zwischen den Zeiten, was die Geschichte besonders spannend macht. Sie können das nicht willkürlich, es müssen bestimmte Konstellationen zusammentreffen, aber sie können merkwürdigerweise nur gemeinsam zwischen den Zeitebenen wechseln. Auf beiden Zeitebenen ist es für denjenigen gefährlich, der nicht aus dieser Zeit stammt, aber in Caitirs Zeit haben die 2 mehr Probleme als hier und heute.

Wie schon erwähnt, wurde das Buch von Claudia/Aileen und ihrem Mann geschrieben. Es war jedoch für mich zu keinem Zeitpunkt sichtbar/fühlbar, wann die „Handschrift“ von Claudia aufhörte und die von Stephan begann. Der Übergang war fließend.

Niemand weiß, wie sich das Leben vor 5.000 Jahren angefühlt hat, aber die Autoren haben es geschafft ein Bild zu zeichnen, das für mich glaubhaft ist. Genau so könnte sich das damals abgespielt haben. Die Menschen früher waren mehr mit der Natur und den Göttern verbunden, das wurde hier sehr schön dargestellt. Ich kann mir den Kulturschock regelrecht vorstellen, den Caitir erlebt haben muss, als sie mit unserer Art zu Leben und der von uns benutzen Technik konfrontiert wurde. Ebenso erging es wohl Andrew, der in der Zeit 5.000 Jahre zurück gereist ist – nur wurde er auf die primitivste Lebensebene zurückgeworfen, so ganz ohne Technik und ohne den ganzen Komfort, von dem wir heute so verwöhnt sind (das fängt schon bei der Toilette an).

Wie von Aileen P. Roberts gewohnt, sind die Charaktere sehr schön und bildhaft ausgearbeitet. Neben den sympathischen Figuren wie Caitir, Andrew, Maeve und Dianne (und noch ein paar anderen Nebencharakteren) gibt es natürlich auch den Unsympathen, den man nicht aus den Augen verlieren sollte, und den, in dem man sich von Anfang an getäuscht hat.

Da ich selbst in der Jetzt-Zeit lebe, finde ich die Erzählstränge aus der Vergangenheit immer interessanter, weil das Gehirn da viel mehr Freiheiten hat sich Dinge vorzustellen. Grundsätzlich finde ich aber auch die Erzählungen über die Schauplätze in Schottland interessant, da sie nicht fiktiv sind sondern den wahren Gegebenheiten entsprechen. Auch das ist der Verdienst von Aileen/Claudia, dass ich gerne einmal nach Schottland reisen möchte, um all die schönen Plätze zu besuchen, von denen sie in ihren Büchern geschrieben hat.

Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt flüssig und gut zu lesen und wäre die Leserunde nicht in die Vorweihnachszeit gefallen, hätte ich das Buch auch ganz sicher schneller beendet.

Alles in allem ist das ein Buch im typischem Aileen-P.-Roberts-Stil, den es so leider nun nicht mehr geben wird. Umso mehr werde ich ihre Bücher in Ehren halten. 

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Die Einsamkeit des Todes

Petra Johann
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.10.2017
ISBN 9783734102042
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der 30. August 2014 sollte für Andy und Laura Wimmer zum schönsten Tag des Jahres werden - für Max Leitner wurde er zum schwärzesten Tag.

Ausgerechnet auf der Hochzeit seiner Freunde erfährt Max, dass seine Freundin Sarah ein Verhältnis mit seinem Bruder hat. In sekundenschnelle platzt ein Traum wie eine Seifenblase, denn auch Max wollte bei der schwangeren Sarah in Kürze um ihre Hand anhalten. Enttäuscht, verraten und wütend wirft Max Sarah noch in der gleichen Nacht aus der gemeinsamen Wohnung und bricht jeglichen Kontakt zu ihr und seinem Bruder Tobi ab.

Im Oktober 2014 wird in einem Maisfeld eine männliche Leiche gefunden.

2 Jahre später:
Über ihren Tod hinaus versucht Monika Leitner ihre Söhne wieder zueinander zu führen. Die Beiden sind gezwungen, gemeinsam mit ihrem Onkel Wolf, einige Tage im Elternhaus zu verbringen. Gerade zur Weihnachtszeit befinden sich auch einige Freunde der früheren Clique in ihrem Heimatort und so initiiert Laura einen Revival-Abend. Was feucht-fröhlich begann, endet in einem Streit zwischen den Brüdern, bei dem viele Wahrheiten ans Tageslicht gebracht werden. Das Fazit, das aus diesem Streit gezogen werden kann lautet jedoch, dass bei allen von ihnen der Kontakt zu Sarah vor 2 Jahren abgebrochen ist.

Max bekommt anonyme SMS auf sein Handy, in denen ihn jemand beschuldigt, der Mörder von Sarah zu sein. Ein kleiner Junge findet im Wald einen Koffer, der eindeutig Sarah Franziska Mai zugeordnet werden kann und im gleichen Wald, jedoch an einer anderen Stelle, wird eine weibliche Leiche gefunden …..

Was geschah in der Nacht vom 30. auf den 31. August 2014?
Handelt es sich bei der weiblichen Leiche um Sarah?
Gibt es einen Zusammenhang zum Fund der männlichen Leiche im Oktober 2014?

Im ersten Grad verdächtig sind die beiden Leitner-Brüder Max und Tobias und das ist ein Fall für das Team EHK Leopold Mayr, OK Vinzenz Helmer und KHK Jennifer Nowak, die die Ermittlungen leitet.


„Die Einsamkeit des Todes“ ist der 2. Krimi der Autorin Petra Johann, den ich lese. Genau wie „Schatten der Schuld“ ist auch dieses Buch wieder das Highlight auf meiner Krimi-Liste.

Im Prolog wird eine weibliche Leiche von starken Armen auf dem Waldboden abgelegt. Schon auf der 1. Seite befindet man sich in der Position, dass man „Blut geleckt“ hat um zu erfahren, wer denn da auf dem kalten Waldboden abgelegt wurde und warum. Handelt es sich bei der Toten um Sarah oder führt Petra Johann den Leser schon gleich am Anfang auf eine falsche Fährte?

Nach dem Prolog gibt es einen Rückblick ins Jahr 2014 - die Hochzeit von Andy und Laura, die letztendlich zum Zerwürfnis zwischen den Leitner-Brüdern führt und es wird die männliche Leiche im Maisfeld gefunden. Diese Szene nutzt die Autorin Petra Johann gleichzeitig dazu, das Ermittler-Team Jennifer Nowak, Vinzenz Helmer und Leopold Mayr vorzustellen.

Da „Die Einsamkeit des Todes“ ein Einzelband ist, gibt es auch nix, was man aus einem Vorgänger über Jenny und ihre männlichen Kollegen wissen müsste. Erstaunlicherweise haben die Kommissare von Petra Johann keine verkorkste Vergangenheit, die ihnen permanent im Weg steht. Sie sind Menschen wie Du und ich, machen Fehler und wachsen daran.

Da Jenny erst vor wenigen Tagen befördert wurde, macht sie sich vielleicht selbst zu viel Druck. Sie beißt sich an einem Verdächtigen regelrecht fest – das ist zwar menschlich, es nutzt ihr aber bei den Ermittlungen nicht. Leo, ihr Vorgesetzter, steht ihr hilfreich zur Seite und die 2 sind ein gutes Team. Auch wenn Leo in Jenny vielleicht ein wenig mehr sieht, als nur eine Kollegin.

Oberkommissar Vinzenz Helmer ist für mich eindeutig der Unsympath des Teams.

Onkel Wolf sowie die ehemaligen Freunde sind gut charakterisiert und ausgearbeitet und es kommt ein Punkt, an dem man jeder der Personen einen Mord zutrauen würde.

Petra Johann legt geschickt falsche Fährten, streut hier und da kleine Nebensächlichkeiten ein und kaum denkt man, man hätte den Täter identifiziert, macht die Geschichte eine Kehrwende. Das hält die Spannung oben und macht Lust auf mehr.

Der Plot ist spannend, der Schreibstil der Autorin flüssig und angenehm zu lesen und wenn ich nicht zu viel Ablenkung durch mein „Real Life“ gehabt hätte, wäre das ein One-Night-Krimi geworden.

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

arzt, bergsee, emotion, familie, florance, freude, geborgenheit, glaube, humo, humorvoll, leben, liebe, tanz, trauer, trauma

Der Tanz unseres Lebens

Noa C. Walker
E-Buch Text: 397 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 28.11.2017
ISBN 9781542098519
Genre: Romane

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dystopie, familie, gemeinschaft, krieg, liebe, militär, mord, newtopia, roman. belletristik, siedlung, südafrika, südafrikaner, tod, überleben, virus

Fever

Deon Meyer
E-Buch Text: 702 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 09.10.2017
ISBN 9783841213815
Genre: Romane

Rezension:

Am 05. Oktober erreichte mich ein Überraschungspäckchen vom Aufbau Verlag. Darin enthalten war eine Mappe, die eine Video-Präsentation des neuesten Romans „Fever“ von Deon Meyer enthielt, ebenso eine Leseprobe sowie ein Anschreiben mit Hinweis auf ein Gewinnspiel.

Die Leseprobe und auch die Video-Präsentation haben mich neugierig werden lassen, weswegen ich der Einladung des Aufbau-Verlags gefolgt bin und habe mir das Buch als eBook über die Rezensionsplattform „NetGalley“ heruntergeladen. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an den Aufbau-Verlag, aber auch an den Autor Deon Meyer, dass mir dieses Buch zur Verfügung gestellt wurde.

Es gibt Bücher, bei denen es mir sehr schwer fällt eine Rezension zu schreiben und es dann auch noch in eine Sterne-Kategorie einzuordnen. Dieses hier gehört definitiv dazu.

Nach einer Fieber-Pandemie, die nur 5 % der Weltbevölkerung überlebt haben, fahren der 13jährige Nico und sein Vater Willem Storm in einem alten Volvo durch Südafrika – sie sind auf der Suche nach weiteren Überlebenden, aber sie suchen in den leerstehenden Häusern auch nach Ressourcen wie Nahrungsmittel, Benzin, Saatgut und anderen Dingen, mit denen sie ihr eigenes Überleben sichern können.

Willem hat eine Vision; er ist auf der Suche nach einem Ort, an dem er eine neue Gemeinschaft gründen kann. Mit Hilfe von Flugblättern, die er in den Dörfern hinterlässt, hofft er andere Überlebende zu motivieren sich ihnen anzuschließen.

Unterwegs müssen sie sich unter anderem gegen ausgehungerte Wildhunde und schwer bewaffnete Gangs zur Wehr setzen. In einem verfallenen Land ohne Gesetze gilt einzig und alleine das Recht des Stärkeren.

Der Ort Vanderkloof, der geschützt zwischen Felsen und einem Staudamm liegt, eignet sich perfekt, um dort eine neue Siedlung entstehen zu lassen - sie geben ihr den Namen „Amanzi“.

Tatsächlich erreichen nach und nach immer mehr Menschen Amanzi. Aber wo viele Menschen aufeinander treffen, da gibt es auch irgendwann Konflikte.

Eigentlich sollte man denken, dass Überlebende einer solchen Katastrophe ihren Focus wieder auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens richten, aber wenn man liest, dass auch hier Krieg, Zerstörung und Verrat an der Tagesordnung sind und Amanzi durch eine Armee verteidigt und geschützt werden muss, so fragt man sich, was noch alles passieren muss, damit die Menschen daraus etwas lernen und sich wieder mehr in Bescheidenheit üben. Trotz aller Widrigkeiten glaubt Willem jedoch immer noch daran, dass alles gut werden wird – und dann bringt ihm eine Kugel den Tod.

Hier sind sie also.
Meine Memoiren, die Geschichte eines Mordes.
Ich trete nach vorn, damit alle davon erfahren.

Als Nico 47 Jahre alt ist – so alt wie sein Vater war, als er ermordet wurde – schreibt er die Geschehnisse auf. Sein Vater Willem war immer ein Visionär, er hat nie die Hoffnung verloren oder den Glauben an das Gute aufgegeben im Gegensatz zu Nico, der sich zum Soldaten ausbilden ließ um sich und das was er liebt verteidigen zu können. Sie waren Vater und Sohn und doch so unterschiedlich.

Erzählt wird die Story in der Ich-Form aus der Sicht von Nico. Zwischendurch werden immer wieder Interviews eingestreut, die mit den Bewohnern von Amazi geführt wurden. So kann der Leser die Gemeinschaft aus verschiedenen Augen betrachten. Woher kamen die Menschen und was erwarteten sie sich von Amazi.

Für mich ist es das 1. Buch, welches ich von Deon Meyer gelesen habe. „Fever“ umfasst satte 700 Seiten. An manchen Stellen beschlich mich das Gefühl, dass man die Szene auch hätte etwas weniger in die Länge ziehen können. Auch die eingestreuten Interviews waren anfangs eine nette Abwechslung, irgendwann störten sie mich aber deutlich in meinem Lesefluss. Für mich war es ein Quentchen zu viel des Guten.

Die Story ist gut, weil es tatsächlich passieren könnte, dass eine Pandemie einen Großteil der Menschheit dahinrafft – ich möchte mir heute nicht ausmalen, wie sich die überlebenden Menschen in diesem Falle verhalten würden – und der Schauplatz Südafrika ist gut gewählt. Ich habe bisher noch nicht sehr viele Dystopien gelesen aber sie spielten allesamt an einem fiktiven Ort oder in einer fiktiven Welt.

Der Autor selbst lebt in der Nähe von Kapstadt und in der Danksagung am Ende des Buches erfährt der Leser, dass die Recherche und die Schreibarbeit an diesem Buch 4 Jahre in Anspruch genommen haben.

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20 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

forschung, gene, gen-editing, genforschun, genmanipulatio, kind, klone, labo, mädchen, mord, schweiz, spannung, thrille, thriller, unfall

M.I.A. - Das Schneekind

Edgar Rai , Kathrin Andres
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 18.08.2017
ISBN 9783352008948
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sandra hat gerade die Beziehung zu ihrem Lebensgefährten und Chef beendet, als sie in einem Schneegestöber in den Schweizer Bergen in einen Unfall verwickelt wird. Während ihr Wagen glücklicherweise von einem Baum gestoppt wird, durchbricht das Auto des Unfallgegners die Leitplanke und stürzt einen Abhang hinunter. Bevor der Fahrer des Wagens seinen schweren Kopfverletzungen erliegt, kann Sandra noch die Worte „Bringen Sie sie weg von hier“ verstehen. Auf dem Rücksitz des Autos sitzt ein kleines Mädchen – Mia.

Die Beiden verbringen die Nacht in einer nahegelegenen Bergütte. Mia scheint krank zu sein, denn sie muss Medikamente nehmen und nachdem die Adoptivmutter Mia am nächsten Tag wieder in ihre Obhut genommen hat, verschwindet das Kind hinter den Türen eines Forschungsinstituts. Sandras Versuche Mia zu besuchen, werden von der Adoptivmutter geblockt.

Mia bittet ihren netten neuen Nachbarn um Hilfe. Sie möchte herausfinden, was genau sich in diesem Forschungsinstituts abspielt. Dann überschlagen sich die Ereignisse … ein Haus brennt ab, es gibt einen Toten und Sandra wird verfolgt.

In welches Wespennest hat Sandra gestochen?

Bei „M.I.A. Das Schneekind“ handelt es sich um einen Thriller mit medizinisch-wissenschaftlichem Hintergrund, wobei die Autoren nicht sehr tief in die Thematik einsteigen und man deswegen auch ohne tiefer gehendes Hintergrundwissen der Geschichte folgen kann.

Mit einem Umfang von 304 Seiten und einem angenehmen Schreibstil liest sich das Buch schnell weg. Die Charaktere sind gut beschrieben, so dass man sich von jeder handelnden Person ein Bild machen kann. Herausragend als Protagonisten sind Heide - die Mutter von Sandra - und Atmos, der nette Nachbar. Diese beiden Personen sind in meinen Augen die Sympathieträger des Buches. Aber auch wenn ich Heide wirklich als herzerfrischend empfinde, kann ich ihre und die Handlungen von Sandra nicht nachvollziehen. Sie handeln extrem unüberlegt und bringen sich selbst damit in große Gefahr.

Als Leser weiß man eigentlich, dass es in diesem Buch um Mia geht – wie, warum und was genau mit ihr passiert, möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht preisgeben. Schade nur, dass Mia selbst nur im ersten und im letzten Viertel des Buches auf der Bildfläche erscheint. Hier hätte ich mir mehr Präsenz gewünscht und auch mehr Hintergrund-Informationen. Man erfährt leider nicht viel über Mia und warum das alles so passiert. Hier hätten dem Buch ein paar Seiten mehr nicht geschadet, denn das hätte der Geschichte ein wenig mehr Tiefgang verschafft. So bleibt Mia eher blass und wenig greifbar und das ist für die Person in der Hauptrolle sehr schade.

Trotz der fehlenden Präsenz von Mia schaffen die Autoren es, dem Buch die notwendige Spannung zu verleihen, die den Leser bis zum Schluss bei der Stange hält. Schließlich möchte man wissen, was genau in diesem Forschungsinstituts passiert und welche Rolle Mia und ihre Adoptivmutter spielen. Es gibt dann auch einen fulminanten Schluss in dem sich bewahrheitet, was man als Leser schon über viele Seiten geahnt hat – trotzdem bleiben am Ende noch viele Fragen offen.

Ich hatte ein paar schöne Lesestunden - trotzdem hat mir persönlich leider ein ganz elementares Teil an diesem Thriller gefehlt: Der Thrill. 

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Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag!

Lena Greiner , Carola Padtberg
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.10.2017
ISBN 9783548377490
Genre: Humor

Rezension:

Helikopter-Eltern
Unter Helikopter-Eltern, auch Hubschrauber-Eltern oder als Fremdwort Helicopter Parents (engl. helicopter parents oder paranoid parents), versteht man populärsprachlich überfürsorgliche Eltern, die sich (wie ein Beobachtungs-Hubschrauber) ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, um diese zu überwachen und zu behüten. Ihr Erziehungsstil ist geprägt von (zum Teil zwanghafter oder paranoider) Überbehütung und exzessiver Einmischung in die Angelegenheiten des Kindes oder des Heranwachsenden.

Quelle: Wikipedia


Bei dem Buch handelt es sich um eine Sammlung von Episoden, die direkt und schonungslos dem Alltag von Hebammen, ErzieherInnen, LehrerInnen, ProfessorInnen und StudienberaterInnen, aber auch anderen Eltern und Kindern entstammen.

Die Autorinnen Lena Greiner und Carola Padtberg von der Redaktion SPIEGEL ONLINE haben aus den Bereichen

Baby
KiTa
Schulweg/Schule
Klassenfahrt
Arzt/Krankenhaus/Therapeuten
Uni und Ausbildung

Anekdoten gesammelt, die sie in diesem Buch veröffentlichen.

Anhand des Klappentextes, der von einer „amüsanten Realsatire“ spricht, hatte ich mir einen Lesestoff erhofft, der mich grinsen, lächeln, und hoffentlich auch mal laut lachen lässt. Wenn ich nicht wüsste, dass die beschriebenen Ereignisse der Wahrheit entsprechen, hätte ich mich auch tatsächlich köstlich amüsieren können – aber in Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei den Anekdoten um tatsächliche Begebenheiten handelt, blieb mir das Grinsen im Gesicht stecken.

Ich kannte den Begriff „Helikopter-Eltern“ aber ich habe mir in meinen schlimmsten Träumen nicht ausmalen können, dass es Eltern gibt, die SO um ihre Kinder herumschwirren. In meinen Vorstellungen handelte es sich einfach um Eltern, die ihren Kindern ein wenig mehr Fürsorge angedeihen lassen als das normale Eltern tun. Was ich hier jedoch zu lesen bekam, war wirklich schwere Kost.

Beispiele gefällig?

Unser Sohn ist nämlich aus Zucker
„Meine Nachbarn sind absolute Helikopter-Eltern. Im Sommer ist der Zweijährige auf der Wiese hingefallen. Er hat nicht geweint, trotzdem berieten sich die Eltern, ob sie den Krankenwagen rufen sollen oder ob ein Besuch beim Hausarzt ausreicht. Den Rasen in ihrem Garten mähen sie übrigens nur, wenn der Sohn bei den Großeltern ist. Das laute Geräusch schadet aus ihrer Sicht nämlich dem Kind, sogar wenn es in der Wohnung ist“

Wir haben Euch zum fressen gern!
„Unsere Nachbarn in Florida hatten ihren acht und zehn Jahre alten Töchtern das Verlassen des Hauses ohne elterliche Aufsicht komplett verboten, weil sie draußen von Alligatoren gefressen werden könnten. Sie mussten in der Garage spielen. Nur freitags zwischen 16 und 18 Uhr durften sie mit ihren Fahrrädern unter elterlicher Aufsicht im Wendehammer vor dem Haus im Kreis fahren, nachdem die Eltern die Einfahrt in die Sackgasse mit Schildern abgesperrt hatten“.


Gruselig, oder?

Ich kann absolut verstehen, dass man Angst um seine Kinder hat, wer kann das nicht? Aber dass man aus seinen Kindern absolut hilflose und lebensuntüchtige Individuen macht, das leuchtet mir nicht ein. Wie sollen diese Kinder später ihren Alltag bewältigen, wie ihren Job machen, einen Partner kennenlernen und eine Familie gründen?

Kann man als Elternteil wollen, dass das eigene Kind ein von den Eltern abhängiges und unselbständiges Leben führt? Im Normalfall doch wohl eher nicht, oder?

Und die Gegenfrage lautet dann auch: Wollen Kinder ein solches Leben führen, in dem sie vor lauter Überfürsorge erdrückt werden und keine Chance auf Entfaltung der eigenen Persönlichkeit haben? Im Normalfall doch wohl eher nicht, oder?

Es wundert mich nicht, dass die Anzahl der Single-Haushalte in Deutschland permanent steigt – das sind wahrscheinlich die Jugendlichen, die die Flucht vor ihren Eltern antreten * lach *

Und wo bleibt eigentlich bei der ganzen Sache das (Privat-)Leben der Eltern?

Ein gesundes Mittelmaß aus Behüten und „mal machen lassen“ - das ist das Zauberwort.

Schenkt man das Buch nun werdenden Eltern, um ihnen zu zeigen, wie sie nicht werden sollen oder schenkt man das Buch bekannten Helikopter-Eltern, damit sie mal in den Spiegel schauen können? Vielleicht merken sie ja selbst noch nicht einmal, wie sie ihren Kindern damit schaden. 

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Gottes rechte Hand

Rhena Weiss
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.08.2017
ISBN 9783442485789
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In einer Kleingartenanlage wird eine männliche Leiche gefunden. Gesicht und Körper des Toten sind über und über mit Schwellungen bedeckt, ausgelöst durch unzählige Wespenstiche. Auf den ersten Blick sieht alles danach aus, als ob der Mann tragischerweise an einem Anaphylaktischen Schock gestorben ist.

Der 2. Tote ist eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche, die in einer Autowerkstatt gefunden wurde. Vermeintlich handelt es sich nach Ansicht des Forensikers um einen Obdachlosen, der sich an einem Feuerkorb gewärmt haben könnte und dabei Feuer gefangen hat.

Da beide Leichname aufgrund ihrer äußeren Beschaffenheit nicht mehr zu identifizieren sind, werden sie in die Gerichtsmedizin des Wiener LKA überstellt.

Michaela Baltzer und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf.

„Gottes rechte Hand“ ist der 2. Psychothriller der Autorin Rhena Weiss, in dem die LKA-Ermittlerin Michaela Baltzer die Hauptrolle spielt.

Man kann beide Bücher getrennt voneinander lesen, die Handlungen sind in sich abgeschlossen. Die Autorin blickt ab und an auf Geschehnisse zurück, die im 1. Buch passiert sind. Für den Fortgang und das Verständnis dieser Geschichte ist es jedoch nicht wichtig zu wissen, was genau damals passiert ist.

Michaela Baltzer wird als sympathische Ermittlerin dargestellt, die seit Jahren ihr Dasein als Single fristet. Momentan lebt ihre Nichte Valerie bei ihr, deren Eltern sich beruflich im Ausland befinden. Aufgrund eines Vorfalles, der im 1. Buch passiert ist, besteht ein starkes Band zwischen „Tante Mika“ und Valerie und so bekommt Valerie Einblicke in den aktuellen Fall, aber auch in das Privatleben ihrer Tante und in beiden Angelegenheiten bekommt Michaela Unterstützung durch ihre Nichte.

Valerie entspricht so gar nicht der typischen Jugendlichen, denn sie hat eine sehr genaue Vorstellung darüber, was sie will und was sie nicht will – nur beim Berufswunsch ist sie noch unschlüssig, aber in diesem Punkt bekommt sie Klarheit, als sie ein Praktikum in einem Frauenhaus macht.

Der neue Nachbar und Kollege Bernd Dalisch könnte zukünftig in Michaelas Leben eine größere Rolle spielen, denn die Beiden verbringen sehr viel Zeit miteinander. Nachdem die Identität der beiden Toten fest steht, rutscht Bernd jedoch in den Focus der Ermittlungen, da er – in seiner Eigenschaft als Kriminalpsychologe - beide Opfer gekannt hat. Michaela weiß nicht mehr, wem sie noch vertrauen kann.

„Gottes rechte Hand“ - der Täter. Der Leser weiß, lange vor Michaela, dass die beiden Opfer von der gleichen Person getötet wurden. Es handelt sich beim Täter um einen Serientäter aber mitnichten schlachtet er seine Opfer einfach so ab. Hier steckt System und ein ausgeklügelter Plan dahinter, denn die Auserwählten müssen sich einem Gottesurteil stellen.

Es gab schon von Anfang an Hinweise darauf, wer der Täter sein könnte, und ich hatte auch zuerst die richtige Person im Visier. Dann schaffte es die Autorin jedoch, mich mit einem kleinen Requisit zu verwirren und ich schloss in meine Liste der möglichen Täter noch eine 2. Person mit ein. Bis zur Auflösung der Identität des Täters war ich mir nicht zu 100 % sicher, dass es diese eine bestimmte Person auch wirklich ist. Als Amateurdetektivin würde ich wahrscheinlich verhungern, denn ich bin nicht sonderlich gut im Täter-raten.

Dem Leser wird die Geschichte aus der Sicht eines auktorialen Erzählers nahegebracht. Er wechselt zwischen den Perspektiven von „Gottes rechter Hand“, Valerie sowie Michaela und ihren Teamkollegen. Die Gedankengänge von „Gottes rechter Hand“ sind wohl der interessanteste Part in der Geschichte, aber auch erschreckend und schockierend, denn hinter diesem Rachefeldzug steckt eine ganze Menge religiöser Fanatismus.

Alle Charaktere und Handlungen sind realistisch dargestellt und sogar den Fahrstil von Michaelas Kollegin Doris kann man sich bildlich vorstellen. Spannung ist von der ersten bis zur letzten Seite vorhanden und ich freue mich schon auf den 3. Teil, in dem Michaela Baltzer und ihr Team wieder ermitteln.

Die Autorin greift in ihrem Buch das Thema „häusliche Gewalt“ auf und präsentiert im Nachwort dazu auch ein paar Zahlen. Erschreckend, dass zwischen dem 16. und 44. Lebensjahr in der EU-Statistik aus dem Jahr 2014 Tod und Gesundheitsschädigung durch häusliche Gewalt bei Frauen als Todesursache Nr. 1 angegeben ist – noch vor dem Tod durch Krebs. 43 % aller Frauen sind von psychische Gewalt durch ihren Partner oder Expartner betroffen.

Diese Zahlen sind erschreckend – weil real und keine fiktive Vorlage für einen Thriller, der uns für ein paar Stunden unterhalten soll. 

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92 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

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Die sieben Farben des Blutes

Uwe Wilhelm
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 17.07.2017
ISBN 9783734103445
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vor 1 Jahr erschütterte eine Mordserie Berlin. 3 Frauen werden auf bestialische Art und Weise getötet und nach jedem Mord taucht ein Video im Netz auf, das die schreckliche Tat dokumentiert. Der Mörder selbst gibt dazu jeweils ein Statement ab. Nach diesen 3 Morden endete die Serie, der Täter wurde nie gefasst. Staatsanwältin Helena Faber glaubt jedoch nicht daran, dass die Sache wirklich zu Ende ist. Und sie scheint Recht zu haben, denn die Leiche der Wirtschaftssenatorin Ursula Reuben weist die gleichen Merkmale auf, wie die Leichen der Opfer vor knapp einem Jahr. Als kurz nach dem Tod von Ursula Reuben ein Video mit einer Verkündung des Täters auf Facebook auftaucht ist klar – Dionysos ist wieder da und er wird weiter morden. 7 Frauen insgesamt möchte er einer „Heilung“ unterziehen. Seine Inspiration zu den Morden entnimmt er dem Buch des Anthropologieprofessors Rashid Gibran „Das Buch Dyonisos“ Im Laufe der Ermittlungen rückt auch Staatsanwältin Helena Faber ins Visier des Täters.

„Die 7 Farben des Blutes“ ist der 1. Thriller aus der Feder des Autors Uwe Wilhelm. Es handelt sich um den Auftakt einer Trilogie um die Staatsanwältin Helena Faber, in der der Autor weder seine Leser noch seine Protagonisten schont. Dass Uwe Wilhelm auf dem Sektor des Schreibens bewandert ist, erklärt sich aus seiner langjährigen Tätigkeit als Autor von Dreh- und Sachbüchern sowie von Romanen und Theaterstücken. Ebenso war er 4 Jahre lang als Produzent tätig. Daraus resultieren vermutlich die detailreichen und wirklich bildhaften Beschreibungen der einzelnen Taten, die empfindsame Leser sicherlich abschrecken und/oder verstören können. Für zarte Gemüter ist dieses Buch wahrlich nichts.

Der Leser taucht ein in eine Geschichte in der die Staatsanwältin Helena Faber ihren nicht an Arbeitszeiten gebundenen Beruf und ihr Privatleben mit 2 Mädchen im Jugendalter unter einen Hut bringen muss. Herausragend an Helena ist ihr überdurchschnittlich gutes Gedächtnis und eine schnelle Auffassungsgabe. Im Zuge der Ermittlungen um den Fall Dionysos wird sie selbst Ziel des Psychopathen und aufgrund dieses Zusammentreffens erleidet sie eine Dissoziative Amnesie, die die Ermittlungen im Fall stark beeinträchtigen. Nicht nur ihre beiden Kinder sondern auch ihr Ex-Mann Robert Faber, der Leiter der SOKO Dionysos ist, machen sich große Sorgen um Helena.

Die Idee des Autors, die Ermittlerin aufgrund eines Traumas teilweise auszuschalten und somit das Aufdecken der Identität des Mörders herauszuzögern, hat mir sehr gut gefallen. Leider nimmt die Amnesie von Helena zum Schluss des Buches einen sehr großen Raum ein, was mir dann wiederum ein klein wenig zu viel des Guten war. Die ein oder andere Handlung von Helena, in ihren Phasen der Verwirrtheit, war für mich nicht immer zu 100 % nachvollziehbar. Ich kenne jedoch niemanden mit DA, weswegen ich nicht ausschließen kann, dass man – wäre man selbst von dieser Art Amnesie betroffen – genau so handeln würde. In diesem Punkt wäre weniger für den Lesegenuss aber tatsächlich mehr gewesen.

Seine Inspirationen zu den Morden bekommt der Täter aus dem Buch „Das Buch Dionysos“, das für ihn so eine Art Bibel darstellt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht 7 Frauen zu „heilen“ - will heißen, er will die Frauen wieder auf den ihnen vorbestimmten Platz in der Gesellschaft degradieren. Seine Ansichten gehen dahin, dass die Frau ihre Funktion im Haus und bei den Kindern hat und nicht, wie heutzutage üblich, im Berufsleben und in starken Positionen. Dionysos lässt seine Opfer auf perfide Art und Weise ausbluten und kurz bevor der Tod einsetzt, verstümmelt er sie.

Rashid Gibran, der Autor des Buches „Das Buch Dionysos“, ist übrigens der unsympathischste Charakter schlechthin in diesem Buch. Von der 1. Zeile in der ich ihm begegnet bin, fand ich ihn einfach nur ekelerregend. Seine Ansichten sind frauenverachtend und widerlich und er liebt es, die Studenten in seinen Vorlesungen niederzumachen, zu blamieren und ihren Kommilitonen vorzuführen.

Die Identität des Mörders wird recht früh schon aufgedeckt, wobei ich persönlich zuerst einmal auf der vollkommen falschen Fährte war, im Gegensatz zu meinen Leserunden-MitleserInnen.

In einigen Rezensionen, die ich auf diversen Buchportalen gelesen habe, herrscht teilweise Unmut darüber, dass die Identität des Mörders schon in der 1. Hälfte des Buches gelüftet wird. Ist aber nicht das genau der Unterschied zwischen einem Krimi, bei dem man bis zum Schluss nicht wirklich weiß, wer der Mörder ist und einem (Psycho-)Thriller, bei dem man dem psychopathisch veranlagten Täter quasi bei seinen Greueltaten über die Schulter schauen kann?

Von den handelnden Charakteren waren mir Robert und die beiden Mädchen am sympathischsten, weil sie von der Beschreibung und ihren Handlungen her am besten greifbar für mich waren. Mit ihnen konnte ich mich identifizieren und ihre Regungen spüren. Die anderen Rollen waren eher nicht mit für mich einprägsamen Charakteren besetzt, was vielleicht daran lag, dass man sehr wenig über die Personen selbst erfahren hat. Auch beim Täter wurde nicht ganz klar, aus welchen Beweggründen heraus er agiert hat. Die Frage danach wurde ihm wohl gestellt, er hat jedoch die Antwort darauf verweigert.

Das Buch endet mit einem ziemlich bösen Cliffhanger, der Nachfolgeband erscheint nach Aussage von Uwe Wilhelm 2018.

Trotz einiger kleiner Schwächen konnte mich das Buch bis zum Ende fesseln und ich werde auch sicherlich im nächsten Jahr den 2. Teil lesen.

Auf der Homepage des Autors Uwe Wilhelm gibt es übrigens Video-Tagebücher von Helena Faber. Reinschauen lohnt sich! 

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anatolien, dorf, familie, familiengeschichte, fatm, frauen, geborgenheit, generation, glück, gül, hochzeit, kindheit, lieblingstochter, tradition, türkei

Die Tochter des Schmieds

Selim Özdogan
Flexibler Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 28.02.2011
ISBN 9783746627342
Genre: Romane

Rezension:

Timur ist 11 als sein Vater stirbt. Mit 16 Jahren übernimmt er die Schmiede des Vaters, die bis dahin von seiner Mutter vermietet wurde. Mit 25 führt Timur ein behagliches Leben, sein Beruf als Schmied macht ihm Spaß, er sitzt gerne in den Teehäusern und raucht eine Wasserpfeife und wenn er Abwechslung braucht fährt er einfach in die nächste größere Stadt. Er selbst hat nicht das Bedürfnis zu heiraten, es fehlt ihm an nichts. Seine Mutter ist jedoch anderer Meinung und so arrangiert sie die Hochzeit zwischen Fatma und Timur.

Das Buch „Die Tochter des Schmieds“ erzählt die Geschichte der erstgeborenen Tochter Gül, die in den 1940er Jahren in einem kleinen Dorf in Anatolien aufwächst. Nachdem Fatma noch 2 weitere Mädchen zur Welt gebracht hat erkrankt sie an Typhus und stirbt. Nun steht Timur alleine mit 3 kleinen Kindern da, aber da er sich um keinen Preis von den Mädchen trennen möchte, braucht er eine Mutter für seine Kinder und so heiratet er recht schnell nach der Beerdigung von Fatma die 19jährige Arzu. Gemeinsam mit Arzu bekommt Timur noch Tochter Nalan und den lang ersehnten Sohn Emin. Arzu jedoch ist mit ihrer Rolle als Mutter von 5 Kindern überfordert und so überlässt sie gerne Gül die Rolle der Aufpasserin, während sie sich mit ihren Freundinnen trifft oder anderweitig beschäftigt ist. Um ihrer Rolle als „Mutter“ gerecht zu werden bricht Gül die Schule ab und macht eine Ausbildung als Schneiderin, während ihre Schwester Melike Fremdsprachen studiert und Sibel Dorflehrerin wird.

Mit 15 Jahren heiratet Gül den Bruder ihrer Stiefmutter und bekommt bald selbst 2 Kinder. In den 1960er Jahren geht ihr Mann Fuat nach Deutschland um dort Arbeit zu finden und ein besseres Leben zu beginnen. Anfangs wehrt Gül sich noch dagegen ihrem Mann zu folgen, aber nach 1 Jahr beschließt sie, ihre beiden Kinder vorübergehend bei ihrer Schwiegermutter zu lassen und ihrem Mann in das unbekannte Land zu folgen.

Der Autor Selim Özdogan zeichnet in seinem Buch das Bild einer anatolischen Familie, wie es zur damaligen Zeit Usus war, mit allen seinen Traditionen.

Gül ist eher die schüchterne und zurückhaltende Tochter, die niemals aufbegehrt oder sich auflehnt und alle Arbeiten, die ihr ihre Stiefmutter aufbürdet, ohne zu Murren verrichtet. Auch auf die Avancen eines Jungen, der ihr sehr gefällt, geht sie nicht ein. Mehrfach hatte sie die Möglichkeit, aber Gül lässt sie verstreichen. Ist es ihre Kultur, die es ihr verbietet oder ihr Pflichtbewusstsein? Vielleicht ist es eine Mischung aus beidem, dass sie ihren Schwarm ziehen lässt um dafür später einen älteren Mann zu heiraten, der sich nicht sonderlich viel für seine Frau interessiert.

Im Gegensatz zu ihren Geschwistern macht Gül in diesem Buch keine große Entwicklung durch. In Anbetracht der Tatsache, dass es im September 2012 den Nachfolger „Heimstraße 52“ gab, ist das jedoch auch nicht weiter verwunderlich. Und am 18.07.2017, also vor wenigen Tagen, ist der 3. Teil „Wo noch Licht brennt“ erschienen – es geht also weiter mit der Geschichte von Gül.

Leider ist der überaus poetische und malerische Schreibstil, der von vielen LeserInnen/RezensentInnen so hoch gelobt wird, gerade das, was mir nicht so gut gefallen hat an diesem Buch. Der Autor schafft es leider nicht, mich mit dieser Art der Erzählung an seine Protagonisten zu fesseln – ich brauchte recht lange um das Buch zu lesen, obwohl die Geschichte über Güls Leben interessant ist. 

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Ich, Eleanor Oliphant

Gail Honeyman , Alexandra Kranefeld
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 24.04.2017
ISBN 9783431039788
Genre: Romane

Rezension:

Eleanor Oliphant hatte keine schöne Kindheit. Sie verbrachte die meiste Zeit in Heimen und Pflegefamilien, wo zwar ihre körperlichen Grundbedürfnisse wie Wärme, Essen und Schutz, nicht jedoch ihre emotionalen Bedürfnisse nach Liebe, Nähe und Zuneigung gedeckt wurden. Aufgrund dieser mangelhaften Prägung ist Eleanor sozial inkompetent, was bedeutet, dass sie nicht in der Lage ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihnen Empathie entgegenzubringen.

Mit 17 ist sie in eine kleine Sozialwohnung eingezogen in der sie, 13 Jahre später, immer noch wohnt. Den Wohnraum teilt sie sich mit ihrer Papageienschnabelblume namens „Polly“, die sie vor Jahren zum Geburtstag geschenkt bekam und die in der Regel ihr einziger Gesprächspartner ist.

Und wenn eine Frau, die ganz allein ist, gelegentlich mit einer Topfpflanze spricht, gilt das dann als Lebenszeichen oder als Zeichen der Unzurechnungsfähigkeit? Ich glaube, dass es ganz normal ist, hin und wieder mit sich selbst zu reden. Es ist ja nicht so, als würde ich eine Antwort erwarten. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass Polly eine Zimmerpflanze ist. (Position 913)

Um ihrem Leben Struktur zu geben, läuft jeder Tag wie der vorherige ab – von Montag bis Freitag arbeitet sie tagsüber als Debitorenbuchhalterin in einer kleinen Firma, abends hört sie interessante Sendungen im Radio und löst Kreuzworträtsel und von Freitag Abend bis Sonntag betrinkt sie sich mit Wodka und verschläft den Rest vom Wochenende.

In ihrem bisher eher ereignislosen Leben passiert dann aber doch etwas, was ihre Scheuklappensicht nach und nach verändert. Sie lernt ihren Arbeitskollegen Raymond kennen, vor ihren Augen bricht ein Mann auf der Straße zusammen und sie gewinnt eine Eintrittskarte zu einem Konzert. Drei auf den ersten Blick voneinander unabhängige Ereignisse, die jedoch den täglichen Trott von Eleanor durchbrechen und den Weg ebnen, doch noch ein einigermaßen normales Leben führen zu können, in dem sowohl eigene Emotionen als auch die Gefühle anderer Menschen eine Rolle spielen. Doch bis zu diesem Punkt ist es ein langer und harter Weg.

Die Geschichte wird von Eleanor in der Ich-Form erzählt. Generell mag ich es eher weniger, wenn der Protagonist von sich selbst erzählt – hier war es jedoch genau der richtige Stil. Gerade weil Eleanor über sich selbst spricht, erfährt der Leser jedes auch noch so kleine Detail ihrer Denkweise und was gerade in ihr vorgeht. Der Schreibstil der Autorin trägt ein Übriges dazu bei, dass man sich als Leser wirklich sehr genau vorstellen kann, was gerade in Eleanors Kopf vor sich geht

Ich fragte mich, ob ich mich unter Umständen auch für eine Feuerbestattung entscheiden würde. Der Gedanke zu verbrennen behagte mir nicht sonderlich. Am liebsten wäre es mir, man würde meine sterblichen Überreste im Zoo verfüttern. Das wäre eine nachhaltige, umweltschonende Methode und zudem ein schöner Leckerbissen für die fleischfressenden Zootiere. Konnte man in seinem Testament eine entsprechende Verfügung machen? Ich nahm mir vor, bei Gelegenheit den WWF anzuschreiben und nähere Informationen einzuholen. (Position 3590)

Der Charakter Eleanor ist jetzt nicht unbedingt von Anfang an ein Sympathieträger. Im Gegenteil – ich brauchte einige Zeit, bis ich mit ihr warm werden konnte. Die meisten Dinge, die ihr begegnen und die sie nicht kennt, werden ausgiebig unter die Lupe genommen und hinreichend kritisiert. Ich hoffe meine Großmutter dreht sich nicht im Grabe um, wenn ich das jetzt schreibe, aber irgendwie kam Eleanor mir anfangs wie meine Oma vor – an allem und jedem gibt es etwas auszusetzen. Wenn man dann jedoch die allwöchentlichen Gespräche mit „Mummy“ verfolgt, dann erschließt sich einem sehr schnell, warum Eleanor so ist wie sie ist und meine anfängliche Abwehr wandelte sich zuerst einmal in Mitleid um. Je besser ich Eleanor dann kennen lernte, desto mehr fing ich an, sie zu mögen.

Raymond, ihr Arbeitskollege aus der IT-Abteilung, ist der typische Nerd. Vom Äußeren her etwas ungepflegt und am liebsten spricht er über Computer und was man damit alles machen kann. Sein Kleidungsstil wird von Eleanor natürlich auch unter die Lupe genommen:

„Er trug Jeans, die unerfreulich tief auf seinen Hüften hingen; wenn er einem den Rücken zuwandte, konnte man einen Streifen Unterhose erkennen – weinrot, ich wünschte, ich hätte es nicht gesehen – und blasse, mit Sommersprossen gespenkelte Haut. Ich fühlte mich an das Fell von Giraffen erinnert, die ja eine ganz ähnliche Musterung haben, wenngleich in deutlich größerem Maßstab. (Position 1316)

Aber auch er entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einem wirklich liebenswerten Typen. Er ist für die Entwicklung von Eleanor unwahrscheinlich wichtig und hilfreich und schon gleich zu Anfang der Geschichte dachte ich mir, dass die 2 zum Ende des Buches sicherlich ein Paar sein werden. Ob das auch so eingetroffen ist? Das verrate ich natürlich nicht.

Eine andere wichtige Person in der Geschichte ist Sammy. Er ist der Mann, der vor den Augen von Eleanor und Raymond auf der Straße zusammengebrochen ist. Auch er spielt eine wichtige Rolle im Entwicklungsprozess von Eleanor.

Zu „Mummy“ möchte ich gar nicht viel schreiben, sie ist die Person, die an allem Ungemach in Eleanors Leben Schuld ist und zum Ende der Geschichte ist Dr. Maria Temple diejenige, die den Knoten bei Eleanor endgültig zum Platzen bringt.

Mir hat lange Zeit beim Lesen die Spannung gefehlt. Die Geschichte plätschert eigentlich nur so vor sich hin. Es passiert immer etwas, auch Dinge, die einen zum Schmunzeln bringen, aber es passiert nix wirklich mitreißendes. Trotzdem wollte ich das Buch zu Ende lesen um zu wissen, was genau in Eleanors Kindheit passiert ist, was sie so hat werden lassen, wie sie ist.

Auf den letzten Seiten wird es dann wirklich richtig spannend, aber auch traurig und jetzt, nach ein paar Tagen Abstand, muss ich zugeben, dass mir das Buch doch besser gefallen hat als ich zuerst dachte.

Eleanor Oliphant – die Geschichte einer Frau, die 30 Jahre ihres Lebens in einem gefühlsarmen Raum gelebt hat, und dann das Leben mit all seinen Emotionen für sich entdeckt. 

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Sommernachtsfunkeln

Beatrix Gurian
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.04.2017
ISBN 9783401603223
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kati trägt nach einem schlimmen Unfall eine Narbe im Gesicht davon. Diese Narbe ist groß und auffallend und deswegen leidet Kati unter schwindendem Selbstwertgefühl und Depressionen. Sie bricht alle Brücken hinter sich ab und flüchtet nach L.A. um dort 1 Jahr als Au-Pair-Mädchen zu arbeiten. Als sie eines Tages von ihrer Au-Pair-“Mutter“ ins Lived geschickt wird, um ein wenig die Cocktailrezepte auszuspionieren, trifft sie auf Jeff, den Inhaber der Bar. Jeff scheint ihre Narbe gar nicht zu bemerken oder er ignoriert sie geschickt und er umgarnt Kati regelrecht mit seinem Charme, was ihr einen Selbstbewusstseins-Schub gibt. Sie hat überhaupt nichts dagegen, von Jeff eingewickelt zu werden. Dann setzt sie die rosarote Brille auf und packt die Naivität aus.

Jeff und seine Schwester Lucy, die beiden Inhaber des Lived, haben eine florierende Bar mit internationalem Publikum aufgezogen und der Geheimtip ihrer Bar sind Smoothies, die genau passend und mit geheimen Zutaten zum jeweiligen Charakter des Trinkenden hergestellt werden.

Jeff, Lucy und deren Freund Ezra, lassen von Anfang an den Eindruck bei mir entstehen, dass mit ihnen etwas nicht so recht stimmt. Dann wiederum zweifele ich an meiner Phantasie, denn eigentlich sind sie doch ganz normale Menschen.

Und dann ist da noch Luke. Seit Jahren sind Kati und er befreundet, aber erst in letzter Zeit wird Kati bewusst, dass sie mehr für ihn empfindet als nur Freundschaft. Als Luke zum ersten Mal aus seiner Perspektive in der Geschichte erwähnt wird, dachte ich mir „okeeeeey, was ist das denn für einer?“, aber je öfter die Perspektive von Kati zu Luke wechselt, desto mehr mag ich ihn und das bleibt auch bis zum Schluss so. Luke ist der Einzige, der wirklich den Überblick behält.

Die Autorin versteht es geschickt, den Leser immer wieder dazu zu bringen, sich die Frage zu stellen „Ist das jetzt real oder nicht?“. Damit hält sie die Spannung gekonnt von Anfang an aufrecht.

Am Schluss fügt sich alles ineinander. Für mich persönlich ist der Schluss ein klein wenig zu harmonisch, da hätte gerne etwas nicht so rund laufen dürfen – aber letztendlich werden alle Fragen beantwortet.

Bisher kannte ich von der Autorin nur die historischen Romane, die sie unter ihrem Namen Beatrix Mannel veröffentlicht hat. Aus der Sparte ihrer Jugendbücher liegt hier schon seit einer kleinen Ewigkeit „Stigmata“ auf meinem SuB, aber das wird jetzt hoffentlich nicht mehr lange so bleiben, denn ihr neuestes Buch „Sommernachtsfunkeln“ zu lesen, war nicht meine schlechteste Idee.

Das Buch richtet sich an Jugendliche im Alter von 12 – 15 Jahren und - auch wenn ich der Zielgruppe längst entwachsen bin - es hat mir sehr viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen.

Der Schreibstil von Beatrix Gurian ist angenehm, flüssig und gut zu lesen. Die Charaktere sind allesamt realistisch und greifbar beschrieben und re-/agieren weitestgehend dem Alter nach, in dem sie sich befinden.

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