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129 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

bunker, thriller, virus, weltuntergang, tod

Under Ground

S.L. Grey , Jan Schönherr
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.11.2016
ISBN 9783453438101
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

S.L. Grey - Under Ground
(Heyne)

- Spannungsarmer Thriller ohne jeglichen Tiefgang -

Ein tödliches Grippevirus breitet sich langsam über die ganze Welt aus. AOBA lässt die gewohnte Weltordnung zusammenbrechen. Als das Virus allmählich auch die USA bedroht, werden alle ankommenden und abgehenden Flüge gestrichen. Keiner kommt mehr weg. So ergeht es auch Cait, die als Au-Pair-Mädchen in New Hampshire arbeitet. Sie will über den JFK Airport zurück nach Johannesburg, der Hauptstadt Südafrikas und ihrer Heimat. Doch die Botschaft an den Anzeigetafeln ist unmissverständlich: Alle Flüge bis auf weiteres gecancelt. Also ist die gezwungen vorerst bei der kleinen Sarita und ihrem Dad Tyson zu bleiben. Als diesem die ausweglose Situation am Flughafen bewusst wird, entschließt er sich kurzerhand dazu Cait einfach mitzunehmen. Mit der Vorgabe zu Saritas Großmutter zu fahren, begeben sich die drei auf den Weg. Jedoch ist nicht die Großmutter das Ziel, sondern ein hermetisch abgeschirmter, in die Erde gebauter Silo Bunker mit mehreren Wohnungen, einer Krankenstation, Fitnessraum, Poolbereich, Kühlhaus und Kontrollraum. Es handelt sich um Survival-Luxuswohnungen im sogenannten Sanctum. Im Internet wurden diese Wohnungen extra für solche Fälle und viele weitere Katastrophen angepriesen. Für sogenannte Prepper (von englisch: to be prepared = bereit sein; also jemand der für alle Eventualitäten einer Katastrophe vorbereitet ist oder sein möchte), die das nötige Kleingeld für solch eine Investition haben. Tyson war einer davon. Mehrere Familien, die unterschiedlicher kaum sein könnten, ziehen aufgrund der nahenden Bedrohung durch das Virus in das Sanctum, dass sich im US-Bundesstaat Maine, mitten im nirgendwo befindet. Das Leben außerhalb des Bunkers gerät allmählich aus den Fugen. Plünderungen, Aufstände, Zerstörung sind an der Tagesordnung. Als es kurz nach dem Einzug ins Sanctum zu mehreren Zwischenfällen kommt, gerät das Leben auch innerhalb des Bunkers nunmehr aus den Fugen. Ein Mörder treibt sein Unwesen und jeder einzelne der Protagonisten könnte es sein...

"Under Ground" ist ein unkonventioneller und moderner Thriller auf 383 Seiten, der den schnellen Verfall von Moral und Werten innerhalb einer Gemeinschaft behandelt, die abgeschnitten von der Außenwelt in eine Extremsituation gerät. Die Geschichte ist über weite Strecken in der Ich-, sowie der Gegenwartsform geschrieben, was ich persönlich für etwas verunglückt, weil irritierend bis nervig empfinde. Mir ist das Ganze auf der einen Seite zu aufgesetzt, auf der anderen Seite viel zu emotionslos und spannungsarm runtergerasselt. Die Charaktere sind recht gleichförmig beschrieben und bleiben daher den gesamten Plot über recht blass. Die Story kommt nur schleppend in Gang und nimmt sich über weite Strecken doch recht belanglos aus. Lokalkolorit ist beinahe gänzlich Fehlanzeige und Spannung will auch nicht so recht aufkommen. Alles wird sehr vage gehalten und nur angedeutet. Der Spannung verleiht dies jedoch kaum Auftrieb.
 
Die Insassen des Schutzbunkers gehen bei der kleinsten Kleinigkeit sofort an die Decke, trauen einander nicht mehr als fünf Meter Feldweg und gehen sich alsbald gegenseitig an die Gurgel. Dann geschieht etwas Unvorhergesehenes und die Schutzsuchenden können ihrem unterirdischen Bunker und sogleich zum potentiellen Massengrab avancierten Sanctum nicht mehr entfliehen. Sie sind von der Außenwelt abgeschnitten. Durch Unachtsamkeit und Dummheit gehen nach und nach immer mehr Sachen kaputt und es kommt im Laufe der Zeit zu Versorgungsengpässen. Allmählich werden die Insassen krank. Nicht nur körperlich sondern auch geistig. Recht schnell fallen die einzelnen Protagonisten in eine Art Neandertaler Verhalten zurück. Als sich die Vorräte allmählich dem Ende neigen, sind Misstrauen, wie auch Missgunst an der Tagesordnung und die Verzweiflung der Eingeschlossenen wird immer greifbarer. 

Nach dem relativ langweiligen ersten Drittel nimmt der Plot nur ganz gemächlich Fahrt auf. Das Storyboard wirkt leider arg konstruiert, die Erzählung ist flach und die zahlreichen Charaktere wurden recht dürftig ausstaffiert. Schade eigentlich, denn die Idee ist eigentlich richtig gut und hat ein megamäßiges Potential. Leider vermögen es die beiden, in Südafrika lebenden Bestsellerautoren Sarah Lotz und Louis Greenberg, die sich hinter dem Pseudonym S. L. Grey verbergen nicht, dieses auch nur annähernd umzusetzen. Der Leser muss sich schon gute 300 Seiten gedulden, bis die Geschichte eine gewisse Erwartungshaltung zu erfüllen im Stande ist. Denn dann wird der Plot geradezu hastig und die Geschehnisse beginnen sich regelrecht zu überschlagen. Spannung ist nun geboten, doch die kommt reichlich spät, denn nach 383 Seiten ist der „Spuk“ auch schon wieder vorbei.

Meine Wertung: 71/100

www.sarahlotz.com
www.louisgreenberg.com
 
Link zur Buchseite des Verlags:
https://www.randomhouse.de/Paperback/Under-Ground/S-L-Grey/Heyne/e462895.rhd
  
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Jan Schönherr
Originaltitel: Under Ground
Originalverlag: Macmillan
Paperback, Klappenbroschur, 384 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-43810-1
€ 12,99 [D] | € 13,40 [A] | CHF 17,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne
Erschienen: 14.11.2016

www.lackoflies.com

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396 Bibliotheken, 14 Leser, 0 Gruppen, 132 Rezensionen

thriller, genmanipulation, gentechnik, marc elsberg, wissenschaft

HELIX - Sie werden uns ersetzen

Marc Elsberg
Fester Einband: 648 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 31.10.2016
ISBN 9783764505646
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

ELSBERG, MARC - Helix. Sie werden uns ersetzen 
(Blanvalet)

- aktueller und spannender, aber nüchtern erzählter Wissenschaftsthriller über Genetik und Genmanipulation -

Der US-amerikanische Außenminister bricht auf der Münchner Sicherheitskonferenz zusammen. Er erleidet einen Herzanfall und stirbt im Krankenhaus. Während der anschließenden Obduktion bildet sich ein grinsender Totenkopf auf seinem entnommen Herzen. In Tansania befällt der Armyworm die Maisfelder und zerstört ganze Ernten. Nur ein kleines Gebiet bleibt verschont. Hier sind die Maiskörner viel größer als andernorts. Summende Luftgeister seien dafür verantwortlich, wie eine Bäuerin zu berichten weiß. In dieser Art Super-Mais werden Gene für unterschiedliche Resistenzen gefunden, die andere Sorten in der Gegend nicht aufweisen. Die Konzerne wollen dessen Ausbreitung verhindern, würde es doch Milliarden an Investitionen zunichtemachen und fest einkalkulierte Gewinne schmälern. Dann verschwindet eine hochbegabte 15-jährige. Zuvor hatte sie auf falschen Namen ein Konto mit Millionenbewegungen angelegt. Weltweit kommt es zu immer weiteren, unerklärlichen Resistenzen bei Flora und Fauna. Dass sie genetische Veränderungen erfuhren, hat der Gentechnikkonzern Santira bereits in Erfahrung bringen können. Doch wer steckt hinter dem geschäftsschädigenden Eingriffen in Mutter Natur? „Helix. Sie werden uns ersetzen“ ist ein Wissenschaftsthriller über die Gefahren der Gentechnik, Genetik und Biotechnologie. Er gibt tiefe und erschreckende Einsichten in die Mikrobiologie deren Technologisierung, sowie deren Vermarktung. 

In einer Spezialklinik wird mehreren Paaren die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung offeriert und damit auch die Gelegenheit dem ungeborenen Leben durch gezielte Genmanipulation ganz besondere Fähigkeiten mitzugeben, es zu modifizieren, komplexer zu gestalten und es zu "verbessern". Die Apotheose der Wissenschaft. In den Anlagen einer Gated Community forschen etliche Akademiker, die Versuche am genetisch optimierten Menschen durchführen. Hier können sich die Paare bereits ein Bild der verschiedenartigen Fähigkeiten der Wunderkinder machen. Als die genetisch modifizieren, hochbegabten Wunderkinder jedoch anfingen, während eines Baseballspiels die physikalischen Gesetzte der Schwerkraft außer Kraft zu setzen und durch die Lüfte zu wirbeln wie in chinesischen Martial Arts Filmen, wurde mir der bis dahin interessante und wissenschaftlich fundierte Roman dann leider doch kurzzeitig eine Spur zu albern. Dann flüchtet eines dieser angepriesen Superkinder. Es hatte irrwitzige Vorbereitungen getroffen und plötzlich befindet sich die Menschheit am Beginn einer neuen Zeitrechnung.

Marc Elsberg (eigentlich Marcus Rafelsberger) ist ein, am 03.01.1967 in Wien geborener und dort mittlerweile auch wieder ansässiger Science-Thriller Autor. Er arbeitete jahrelang in Hamburg und Wien in der Werbebranche und schrieb als Kolumnist für die österreichische Tageszeitung „Der Standard“. Mit Vorgängerromanen wie „Blackout“ und „Zero“ erlangte Marc Elsberg internationale Bekanntheit und Anerkennung. Das 646 Seiten umfassende Werk „Helix-Sie werden uns ersetzen“ ist sein mittlerweile siebter Roman. Es ist ein Buch über Moral und Ethik geworden, das die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellt, aber auch eine erschreckende Zukunftsvision, wie sie uns früher ins Haus stehen könnte, als uns allen lieb sein kann. Elsberg arbeitet gerne mit Effekthascherei und Cliffhangern am Ende der kurzen, prägnanten Kapitel, von denen es insgesamt 134(!!!) hat. Kurze Kapitel mit viel Leerlauf in Form weißer, unbedruckter Passagen oder ganzer Seiten bauschen den Roman künstlich auf 646 Seiten auf. Der Autor schiebt aber auch immer wieder interessante Fakten über Wirtschaft und Technologie in den Plot, überfordert den Leser damit nicht und macht die Geschichte dadurch interessanter. Zum Beispiel das "Land Grabbing" in Afrika, welches eine makabere Begrifflichkeit bezüglich des Massenaufkaufs ganzer Ländereien durch große arabische, indische, chinesische, südkoreanische, US-amerikanische, britische oder deutsche Konzerne oder halbstaatliche Organisationen darstellt, um die eigene Landbevölkerung ernähren zu können, während die einheimische Bevölkerung weiter und immer schlimmer Hunger leiden muss. Der Fortschritt auf dem Gebiet der Gentechnik ist erschreckend. Zitat S. 140: "Vor allem, wenn man bedenkt", mischte sich Gordon ein, der ihrer Unterhaltung gefolgt war, "dass sich inzwischen jeder einigermaßen versierte Hobbygenetiker in seinem Küchen- oder Garagenlabor daran versuchen kann."  

„Helix. Sie werden uns ersetzen“ ist eine recht nüchterne, faktenbasierte und unemotionale Erzählung mit durchaus interessanten Denkansätzen. Marc Elsbergs Schreibstil ist rund, verlangt dem Leser aber durchaus ein klein wenig Hintergrundwissen ab. Trotz des umfangreichen Personals, welches den gesamten Plot über leider ein wenig blass bleibt, kommt man aufgrund der jeweiligen Gegebenheiten und Beschreibungen recht gut mit der Namensvielfalt zurecht. Der Autor rasselt sein interessantes Thema allerdings recht trocken herunter, lässt seinen Mitarbeiterstab zu viel recherchieren und baut irgendwann kaum mehr Spannung auf, was für ein kleines Spannungstief zur Mitte des Plots hin verantwortlich ist. Die subtile Spannung reicht meiner Meinung nach allerdings aus, die vergleichsweise trockene Erzählung nahezu den gesamten Plot über zu tragen. Marc Elsberg wirft aber auch einige wahrlich erschreckende Denkanstöße über Moral, Ethik, Wirtschaft, Wissenschaft und Menschenrechte in den Raum. Es geht ihm um die wichtigen moralischen Fragen an die Gesellschaft und die Verantwortung des ureigenen Ichs. 

Meine Wertung: 82/100

www.marcelsberg.com

Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Buch/HELIX-Sie-werden-uns-ersetzen/Marc-Elsberg/Blanvalet-Hardcover/e487809.rhd

ORIGINALAUSGABE
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 648 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-7645-0564-6
€ 22,99 [D] | € 23,70 [A] | CHF 30,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 31.10.2016

LACK OF LIES - Reviewing The Hard Stuff
www.lackoflies.com

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

flüchtlinge, ermittlungen, texas, freundschaft, hörbuch

Glut und Asche

James Lee Burke , Daniel Müller , Dietmar Wunder
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 14.09.2015
ISBN 9783837131918
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

James Lee Burke – Glut und Asche
(Random House Audio)

- Ein komplexes und brutales Tex-Mex Thriller Hörbuch -

Danny Boy Lorca, Indianer und Trunkenbold wird Zeuge eines grausamen Mordes in der texanischen Wüste im Grenzgebiet zu Mexiko. Von einem Versteck aus muss er mit ansehen, wie ein Mann von einer Gruppe Mexikaner auf grausame Weise verstümmelt, skalpiert und anschließend getötet wird. Die Szenerie und die Schreie, die sich in den schlimmsten 15 Minuten seines irdischen Daseins tief in seine Gedankenwelt einbrennen, werden sein Leben unwiederbringlich verändern. Danny Boy bleibt unentdeckt und kann einen zweiten Mann vor der Gruppe fliehen sehen. Wieder zu Hause angekommen und voller Vorwürfe, dass er weder dem einen, noch dem anderen Man helfen konnte, verfällt er in sein altbekanntes Schema und gibt sich dem Vergessen durch Alkohol hin. Als er am nächsten Tag schwer angetrunken und eingenässt zum Polizeirevier kommt, um dort wie gewohnt seinen Rausch auszuschlafen und zu duschen, erzählt er von den nächtlichen Vorkommnissen weit draußen in den Mesas. Sheriff Hackberry Holland und sein Chief Deputy Pam Tibbs verfrachten den frisch geduschten Danny Boy in ihr Auto und fahren gemeinsam mit ihm zum Tatort, an dem sich ein Bild des Schreckens offenbart. Sheriff Holland ist sofort klar, dass der Geflohene in allerhöchster Lebensgefahr steckt. Es entbrennt eine gewalttätige und blutige Suche nach dem Geflohenen in der flirrenden Hitze des Tex-Mex Grenzgebietes, in dem sich so allerlei zwielichtige Gestalten, psychopathische Individuen und der allgemeine Bodensatz der Gesellschaft herumtreiben. Plötzlich sieht sich Hackberry Holland mit einem ganzen Pulk an Leuten konfrontiert, die er eigentlich gar nicht in seinem County haben will.

Der hierzulande als zweiter Teil der Hackberry Holland Reihe erschienene Roman „Glut und Asche“ kann als Standalone gehört werden, da er nicht zwangsläufig auf dem ersten Teil „Regengötter“ aufbaut. Selbstverständlich tauchen jedoch altbekannte Protagonisten aus dem ersten Teil auf. Die Charaktere in James Lee Burkes Romanen sind zumeist recht intensiv, persönlich und empathisch gezeichnet. Das macht sie allerdings nicht zwangsläufig sympathisch. Klarer Sympathieträger ist jedoch der bärbeißige aber besonnene, in die Jahre gekommene Sheriff und Hauptprotagonist, mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen Hackberry Holland. Ein fast zwei Meter großer, verwitweter Nordkorea Veteran der, wenn er nicht gerade an seinen diversen Traumata leidet, von seinem Rückenleiden gequält wird. Und wie man es vom 1936 in Houston, Texas geborenen Schriftstelle Burke nicht anders gewohnt ist, geht es gleich von Anfang an deftig zur Sache. Das komplexe Storyboard lebt nicht allein von Effekthascherei, sondern vielmehr von der tiefgründigen Zeichnung seiner Protagonisten, der exzellenten Beschreibung des Lokalkolorits, des Einwebens von scheinbaren Nichtigkeiten und des Einbringens der entsprechenden Spannungsbögen immer genau da, wo es richtig weh tut.

Gelesen wird dieser derbe, kranke und zermürbende Thriller von Schauspieler und Synchronsprechwunderkind Dietmar Wunder, der bereits Hollywoodstars wie Daniel Craig, Cuba Gooding Jr. und Adam Sandler seine Stimme geliehen hat. Im Hörbuchbereich kennt man ihn als Sprecher der Thriller Autoren Jean-Christophe Grangé, Stieg Larsson, James Patterson und Jeffrey Deaver. Er wurde bereits mit mehreren deutschen Hörbuchpreisen ausgezeichnet. Dietmar Wunder liest den Plot akzentuiert aber besonnen. Innerhalb der Kommunikation wird er je nach Charakter mal etwas schneller, mal etwas langsamer, spricht je nach Geschlecht dunkler oder heller, ruhiger oder aufgeregter, mal betonter oder mit deutlichem Akzent, so dass sich die einzelnen Protagonisten gut voneinander abgrenzen und die Charaktergebung intensiviert wird. Das Hörbuch kommt im Hochglanz Digi-Pak mit zwei MP3 CDs, einer Gesamtlaufzeit von ca. zehn Stunden und keinem weiteren Zubehör. Das braucht es aber auch nicht, denn die gelungene, wenn auch gekürzte Lesung von Dietmar Wunder, die sogleich ein monströses und grobschlächtiges Kopfkino lostritt, lässt den Hörer an dessen Lippen kleben. Erschienen ist das Hörbuch zu „Glut und Asche“ am 14.09.2015. 

Meine Wertung: 84/100

Link zur Hörbuchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Glut-und-Asche/James-Lee-Burke/Random-House-Audio/e487670.rhd#biblios

Mein Blog: www.lackoflies.com

Aus dem Amerikanischen von Daniel Müller 
Originaltitel: Feast Day of Fools (Simon & Schuster)
Originalverlag: Heyne
Hörbuch MP3-CD (gekürzt), 2 CDs, Laufzeit: ca. 600 Minuten
ISBN: 978-3-8371-3191-8
€ 19,99 [D]* | € 22,50 [A]* | CHF 28,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Random House Audio
Erschienen: 14.09.2015

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50 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

thriller, texas, illegale einwanderer, schuld, killer

Glut und Asche

James Lee Burke ,
Flexibler Einband: 704 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.09.2015
ISBN 9783453676800
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


James Lee Burke – Glut und Asche
(Heyne Hardcore)

- Nepper, Schlepper, Bauernfänger auf Texanisch -

Erneut lässt der, 1936 in Houston, Texas geborene Autor James Lee Burke, seinen fast zwei Meter großen Protagonisten, Witwer und Nordkorea Veteran Sheriff Hackberry Holland durch die texikanische Hölle gehen. „Glut und Asche“, der hierzulande am 14.09.2015, als zweiter Teil der Hackberry Holland Reihe erschienene Thriller Roman des internationalen Bestsellerautors, kann als Standalone betrachtet werden, da er nicht direkt auf dem ersten Teil „Regengötter“ aufbaut. Allerdings tauchen neben dem bärbeißigen aber zumeist besonnenen, indes in die Jahre gekommene Sheriff mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen Hackberry Holland auch weitere altbekannte Protagonisten wieder auf. Da wären zum Beispiel Chief Deputy Pam Tibbs, Disponentin Maydeen Stoltz, Ethan Riser vom FBI, der russische Waffenhändler Sholokoff oder der ständig betrunkene Indianer Danny Boy Lorca. 

Als letzterer des Nachts in die Wüste geht, um auf der Mesa nahe der Tex-Mex Grenze versteinerte Dinosauriereier auszugraben, wird er Augen- und Ohrenzeuge eines grausamen und brutalen Mordes, verübt von der skrupellosen Schlepperbande eines mexikanischen Drogenkartells, augenscheinlich an einem Bundesbeamten der Drogenbehörde. Noie Barnum, ein weiterer Gefangener der Schlepperbande kann aus der Gewalt seiner Entführer fliehen, wobei der ansonsten einzige Zeuge Danny Boy Lorca glücklicherweise gänzlich unentdeckt bleibt. Barnum hingegen befindet sich in allerhöchster Lebensgefahr, jedoch fehlt von ihm jede Spur. Krill, der Anführer der Schlepper ist ein krankes, barbarisches Individuum, das keine Ruhe findet ehe es sein Opfer gefunden hat. Der geflohene Gefangene ist im Besitz brisanter Regierungsgeheimnisse über den Bau einer Drohne, die die Mexikaner gerne an Al-Quaida verkaufen würden. Das wiederum würden die Amerikaner gerne verhindern und so entfacht ein Flächenbrand ungeahnten Ausmaßes, in einem ausgedorrten Landstrich ohne Moral, voller herzlich kranker und gestörter Individuen, bei dem sich keiner mehr so recht sicher sein kann, wer hier gerade Freund oder wer hier gerade Feind ist. Der Flüchtige Barnum wird von allen Seiten gejagt und hat sich mächtige Feinde, nicht zuletzt auf Seiten beider Regierungen gemacht. Und so geraten der Geflohene Noie Barnum, Reverend Cody Daniels, der auf Wetbacks (umgangssprachlich für illegale, mexikanische Einwanderer) schießt, der ehemalige Kojote (Schlepper) Krill und sein Gefolge, Sheriff Hackberry Holland und sein Deputy Pam Tibbs, Rüstungsunternehmer Temple Dowling, Waffenhändler Sholokoff, sowie die Asiatin Anton Ling, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Illegalen kurz hinter der Grenze Obdach zu gewähren und sie mit dem Nötigsten zu versorgen, in eine nicht mehr aufzuhaltende Lawine geradezu herausgeforderter Interaktionen und somit in eine hässliche und blutige Spirale der Gewalt. Mit einem Mal hat es Hackberry Holland mit einem ganzen Pulk an Leuten zu tun, die er eigentlich gar nicht in seinem County haben will.

Sheriff Holland und Deputy Tibbs ermitteln unter anderem in mexikanischen Bordellen. Ständig begleitet von Hitze, Schweiß und dem betäubenden Geruch nach Tod. Sie sprechen dort mit begriffsstutzigen Kleinkriminellen, nicht sonderlich hilfsbereiten Polizisten und ekelerregenden Zuhältern, was Hackberry das eine oder andere Mal seine Kompetenzen gnadenlos überschreiten lässt. Die beiden Ermittler haben es aber auch immer wieder mit völlig kaputten Gestalten zu tun, die ihnen das Leben schwer machen. Wie bei James Lee Burke nun mal üblich, bewegen sich die Ermittlungen abermals in einem Milieu voller Gleichgültigkeit, Gewalt und der Sehnsucht nach Tod. Zu einer, bereits aus dem ersten Teil "Regengötter" bekannten Person, baut Schriftsteller Burke dann noch eine arge Kontroverse ein, mit der er dem Leser etwas zum Hadern und Zähneausbeißen gibt. 

Wie man es vom Autor nicht anders gewohnt ist, geht es gleich von Anfang an deftig zur Sache. Burke baut seine feinen Spannungsbögen immer genau da auf, wo es richtig weh tut und webt ein, für das belletristische Genre doch recht komplexes Storyboard drum herum. Diverse Parallelen zu den Gangstern aus dem ersten Hackberry Holland Fall drängen sich auf, die Sprache ist explizit und hart wo sie es sein soll, aber im Gegenzug auch nachdenklich und sentimental wo es von Nöten ist. Burkes‘ Schreibstil gleicht stets dem eines actionreichen und interessant aufgebauten Kinofilms. Es herrscht generell viel Kommunikation und die Beschreibung des Lokalkolorits macht die Versinnbildlichung der jeweiligen Szenerien zu einer Leichtigkeit. Jedoch werden hier immer wieder Szenen der Gewalt beschrieben, die zwar nicht in allen Einzelheiten, aber doch recht drastisch aufgeführt werden. Hin und wieder lässt sich Burke dann aber dazu hinreißen zu sehr aus dem Nähkästchen zu plaudern, was den Lesefluss ein wenig ins Stocken geraten lässt und am Anfang des letzten Drittels einen etwa 100-seitigen Durchhänger kreiert. Einen solch komplexen, 696 Seiten starken Thriller bekommt man allerdings auch nicht alle Tage zu lesen. Inhaltlich ist "Glut und Asche" auch etwas wirrer und flacher als noch der erste Hackberry Holland Fall. Zu viele Gruppen, zu viele Gangster und jeder hat irgendwelchen Dreck am Stecken. Auch die Sentimentalität der Auftragskiller in Burkes' Hackberry Holland Reihe ist durchaus etwas befremdlich. Man wird zum Teil regelrecht nachsichtig mit diesen bemitleidenswerten Kreaturen...und dann bekommt Holland bei einem fulminanten Showdown auch noch Hilfe von gänzlich unerwarteter Seite.

Meine Wertung: 82/100

Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Paperback/Glut-und-Asche/James-Lee-Burke/Heyne-Hardcore/e457859.rhd

Mein Blog: www.lackoflies.com

Aus dem Amerikanischen von Daniel Müller 
Originaltitel: Feast Day of Fools
Originalverlag: Simon & Schuster
Paperback, Klappenbroschur, 704 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-67680-0
€ 17,99 [D] | € 18,50 [A] | CHF 24,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne Hardcore
Erschienen: 14.09.2015

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das Äquinoktium der Wahnsinnigen

Anatol E. Baconsky , Max Demeter Peyfuss
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Blitz
ISBN 9783898402774
Genre: Fantasy

Rezension:


Das Äquinoktium der Wahnsinnigen - Anatol E. Baconsky
(Blitz Verlag)

- Der Mensch, die Stadt und das Meer, säen Einsamkeit, Zwietracht und Tod -

„Das Äquinoktium der Wahnsinnigen" ist eine Sammlung von insgesamt elf mythischen und nebulösen Kurzgeschichten auf 208 Seiten, die 1967 im Original unter dem Titel „Echinoxul nebunilor si alte povestiri“ erschienen sind. Die Erzählungen des rumänischen Schriftstellers Anatol E. Baconsky (1925-1977), die sich rund um Tod und Verderben ranken, sind durch ihren prosaischen Schreibstil nicht immer ganz leicht zu lesen oder auf Anhieb zu verstehen. Das Äquinoktium bezeichnet dabei die Tag-und-Nacht-Gleiche, also die beiden Tage eines Jahres, in der Tag und Nacht gleich lang sind. Sie bestimmen den kalendarischen Frühlings-, bzw. Herbstanfang. Die kurzen Stories haben über die Jahre leicht Patina angesetzt und dürften gerne ein wenig spannender gestaltet sein. Sie handeln von einsamen Menschen, ihrem tristen Umfeld und ihren ausweglos erscheinenden Situationen. Sie leben zumeist in kleineren Städten voller Verschwiegenheit und Missmut, sinnieren über ihr Leben und hängen ihren kranken Gedanken, sowie ihren merkwürdigen Phantasien nach.

Sämtliche, aus der Ich-Perspektive geschriebene Geschichten drehen sich um das Meer als Bringer und Nehmer, den Wind als Gedankenträger, den Strand als Sehnsuchtsort und die Stadt als einsamste aller Gegenden. Diese wiederkehrenden Metaphern, Gegenstände, Beschreibungen und Örtlichkeiten sind stets veranschaulichte Trugbilder der vergeistigten Leere der ureigenen Nonexistenz. Es geht um das Unbekannte, Geheimnisvolle, Unaufgelöste, in all seiner grau-schwarzen Farbenpracht. Alles bleibt unter einem Schleier im Verborgenen. Wie hypnotisiert lassen die Protagonisten das selten greifbare Unheil über sich hereinbrechen. Fühlen sich gar in dessen Bann gezogen. Es sind einsame Menschen in trostlosen Gegenden. Der Autor erzeugt eine gewisse Grundstimmung voller Hoffnungslosigkeit. Finstere Gestalten wuseln zu nachtschlafenden Zeiten umher, säen die Saat von Hass und Qual. Existenz und Nonexistenz der Protagonisten verschwimmen ineinander. Selbstzerstörerische Gedanken nisten sich in ihre Gehirne. Die Geschichten bleiben stets offen und bieten Möglichkeiten für unterschiedliche Interpretationen. Ein metaphorischer Quell der Inspiration. 

Ich für meinen Teil kann mit den Kurzgeschichten allerdings nicht allzu viel anfangen, sind sie mir letztlich doch etwas zu trocken, zu spannungsentladen und nicht zuletzt daher doch auch schwer verdaulich. Es sind phantastische Geschichten, die kaum echte Spannung aufkommen lassen und Edgar Allan Poe ganz klar den Vortritt einräumen. Hinzu kommt noch der, bereits angesprochene, nicht immer ganz leicht zu lesende oder eher schon als gewöhnungsbedürftig zu bezeichnende, lyrische Erzählstil, der kaum Dynamik besitzt. Auch dürften die kurzen Geschichten gerne tiefgründiger und leidenschaftlicher ausgeschmückt sein. „Das Äquinoktium der Wahnsinnigen" verlangt einiges an Konzentration und eignet sich kaum zum nebenbei lesen.

Anatol Emilian Baconsky starb am 04.03.1977 bei einem Erdbeben in Bukarest, als er gemeinsam mit seiner Frau und ein paar Freunden die Drucklegung seines Buches „Remember“ (o.g. „Wie ein zweites Vaterland“) feiern wollte. Die Feier fand in einem Hochhaus statt, das bei besagtem Erdbeben komplett in sich zusammenstürzte. 

Meine Wertung: 64/100

More hard stuff @ www.lackoflies.com

Link zur Buchseite des Verlags: https://www.blitz-verlag.de/index.php?action=buch&id=1760

Januar 2009
Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Blitz; Auflage: 1. Auflage (1. Januar 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3898402770
ISBN-13: 978-3898402774

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106 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

texas, krimi, wüste, thriller, sheriff

Regengötter

James Lee Burke , Daniel Müller
Flexibler Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Heyne, 20.10.2014
ISBN 9783453676817
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

James Lee Burke - Regengötter

(Heyne Hardcore)

- Eine Hetzjagd durch das geschundene Herz Amerikas -

Dass man James Lee Burke, einen der besten US-amerikanischen Schriftsteller hierzulande neu oder zum Teil erstmalig aufgelegt hat, ist ein wahrer Glücksgriff, sind seine Krimi/Thriller doch stets komplexe, authentische und spannungsgeladene Geschichten mit stark gezeichneten Charakteren, viel Lokalkolorit und einem ganz speziellen, lebendigen Flair. Burke lebt seine intelligent aufgebauten, sowie eingängig geschriebenen Geschichten und tritt beim Leser ein unmittelbar einsetzendes und fesselndes Kopfkino los. Der Autor ergeht sich nicht erst hunderte von Seiten in orgiastischem Geschwafel, legt gleich von Anfang an deftig los und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Das mag auch der Grund dafür sein, dass seine Romane in der Regel bei Heyne Hardcore erschienen sind.

Der, gerade soeben dem Jugendalter entwachsene Trinker und Irakveteran Pete Flores und seine Freundin Vikki Gaddis geraten in Schwierigkeiten als sich Pete auf einen Auftrag mit dem Sadisten Hugo Cistranos und seinen Psychopathen-Freunden einlässt. Cistranos, von dem Nachtclubbetreiber Nick Dolan beauftragt, seinem Konkurrenten Arthur Rooney ein wenig Kopfzerbrechen zu bereiten, übertreibt bei seinem Auftrag, aufgrund eines telefonischen Missverständnisses allerdings komplett. In einem brutalen Gewaltexzess jagen die kranken Bastarde den neun jungen, teilweise noch jugendlichen, asiatischen Prostituierten des Konkurrenten das komplette Magazin einer Thompson Maschinenpistole in den Körper und verscharren selbige anschließend hinter einer Kirche in Chapala Crossing, nahe der Tex-Mex Grenze. Pete, der einen der Wagen fahren sollte, macht sich währenddessen aus dem Staub, tätigt einen anonymen Anruf bei der Polizei und fällt nicht zuletzt dadurch in des Soziopathen Jack Collins‘ Ungnade. Mit dem Profi-Killer und religiösen Spinner Jack "Preacher" Collins, der sich seine Moral hinbiegt wie es ihm gerade in den Kram passt, halst er sich und Vikki ein noch viel größeres Problem auf. Schnell kommt den gesamten Beteiligten das ICE, das FBI und nicht zuletzt Sheriff Hackberry Holland auf die Spur. Eine Hetzjagd durch das geschundene Herz Amerikas ist die Folge und für Vikki und Pete tut sich die Hölle auf.

Der abgeklärte Kriegsveteran und Sheriff mit dem etwas sonderbaren Namen Hackberry Holland wird zum Tatort berufen und entdeckt die neun Leichen notdürftig unter ein bisschen Erde verscharrt und mit einer Planierraupe platt gewalzt. Holland ist ein straighter, hartnäckiger Typ, mit festen Prinzipien, der jedoch ständig mit sich und seiner Vergangenheit im Clinch liegt. Immer wieder holen ihn seine Nordkorea Kriegstraumata, sowie der Rest seiner nicht so rühmlichen Vergangenheit ein und er lebt ein Leben voller Vorwürfe. Der raubeinige Witwer, der bereits weit über den Zenit des Lebens hinaus blickt, ist vielleicht ab und an etwas roh und hart zu sich selbst, hat aber eine durchaus liebenswerte Ader und ist sympathisch gezeichnet. Sheriff Hackberry Holland und seine Kollegin Deputy Pam Tibbs begeben sich bei der Suche nach Vikki und Pete und den psychopathischen Killern immer wieder in höchste Gefahr.

Bei dem, 1936 in Louisiana geborenen James Lee Burke geht es normalerweise um brutale, ungeschönte Gewalt. Man spürt die drohende Gefahr, die brütende Hitze und die zermürbende Verzweiflung. Trotz der 662 Seiten starken Story, die im Jahre 2009 unter dem Titel "Rain Gods" erschien, handelt es sich bei „Regengötter“ um einen komplexen, in sich stimmigen Plot, der gerade aufgrund seiner Beschreibungen des Banalen so echt und lebendig wirkt. Allein die etwas unpassenden Aktionen des Profi-Killers und religiösen Wirrkopfs Jack "Preacher" Collins sind etwas grotesk. Burke neigt in der Beschreibung der Handlungen und Aussagen seiner Protagonisten zu leichten Übertreibungen, die zwar auf-, aber nicht weiter ins Gewicht fallen. Ansonsten auf durchgehend hohem Niveau angesiedelt, ist es ein, für das belletristische Genre vergleichsweise tiefgründiges Buch voller Sadismus, Gewalt und Tod. Mit seinen kaputten Charakteren zeugt das, hierzulande am 20.10.2014 erschienene "Regengötter" vom kranken, kalten Individualismus eines durch und durch verkommenen Landes. Burkes Beschreibungen der örtlichen Gegebenheiten, der Gefühle, Eindrücke und Gedankenwelten seiner Protagonisten, der jeweiligen Situationen in denen sie stecken, schaffen eine eindrückliche Atmosphäre, eine bildhafte Kulisse, sowie diese ganz spezielle, von Hitze und Gefahr geschwängerte Grundstimmung.

Meine Wertung: 84/100

More hard stuff @ www.lackoflies.com


Link zur Buchseite des Verlags: 

https://www.randomhouse.de/Autor/James-Lee-Burke/p3691.rhd


Aus dem Amerikanischen von Daniel Müller

Originaltitel: Rain Gods

Originalverlag: Simon & Schuster

Paperback, Klappenbroschur, 672 Seiten, 13,5 x 20,6 cm, 1 s/w Abbildung

ISBN: 978-3-453-67681-7

€ 16,99 [D] | € 17,50 [A] | CHF 22,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Heyne Hardcore

Erschienen: 20.10.2014

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drogen, drogenfunde, management, gefängnisse, rogenhunde

Narconomics

Tom Wainwright , Henning Dedekind
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Blessing, 19.09.2016
ISBN 9783896675538
Genre: Sachbücher

Rezension:


Tom Wainwright  – Narconomics-Ein Drogenkartell erfolgreich führen 
(Blessing)

Supermarktkette vs. Drogenkartell

Der ehemalige Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften Student Tom Wainwright, der im Jahre 1982 in London geboren wurde, lebte seit 2010 in Mexico City um als Korrespondent für den Economist aus Mittelamerika, der Karibik, Mexiko und dem Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA zu berichten. Wainwright, indes wieder gesund und munter in den Schoß der Heimat zurückgekehrt, lebt mittlerweile wieder in seiner Geburtsstadt und veröffentlicht mit „Narconomics-Ein Drogenkartell erfolgreich führen“ sein Debüt Sachbuch. 

Mittlerweile zum Wirtschaftsjournalist avanciert, recherchierte Wainwright im, offiziell als mörderischsten Stadt der Welt bezeichneten Juaréz. Den Auftrag in der Tasche, über die exotischste und brutalste Branche der Welt zu berichten. Auftragsmorde, Hinrichtungen, Zerstückelungen, das Ganze auf offener Straße sind hier an der Tagesordnung. Der Kreativität sind hier keinerlei Grenzen gesetzt. Wainwright begibt sich mitten hinein, in die anarchische Kloake aus Drogen, Geld, Luxus, Sex, Blut und Tod. Das Leben ist hier keinen Pfifferling wert. Mit dem nötigen Respekt und einer Portion unverzichtbarem Galgenhumor im Gepäck landet er am Flughafen von Ciudad Juaréz. Auf 352 Seiten erörtert der Wirtschaftsjournalist die direkten Parallelen zwischen den Kartellen und der modernen Marktwirtschaft und stellt die Gewinnmargen gegenüber. Nicht zuletzt aufgrund einer Mordrate, die etwa fünfmal so hoch, wie im gesamten Westeuropa (mit knapp 400 Mio. Einwohnern) lag, hatte die Regierung des Landes Mexiko (mit gerade mal knapp 120 Mio. Einwohnern) den Drogen und ihren Kartellen den Kampf angesagt. Doch nun eskalierte die Gewalt erst recht. El narcotráfico war ein straff durchorganisiertes globales Verteiler- und Geschäftsnetz, dass deren Kollaborateure um jeden Preis verteidigen wollten. Die Bestechungsparole „plata o plomo“ (Silber oder Blei) galt auch hier. Korruption und Gewalt durchzog das Land allmählich bis in die letzten Winkel. Ein Ende war und ist bis heute nicht in Sicht. Alle Maßnahmen der Regierung zum Schutz seiner Bürger scheiterten. Solange die Nachfrage in Nordamerika, Europa und Asien immer weiter ansteigt, ist der „War on drugs“ nicht zu gewinnen. 

Zitat:
- Drogen zu verbieten, was zunächst vernünftig erscheint, hat die Exklusivrechte einer Multimilliarden-Dollar-Industrie den rücksichtslosesten Verbrechernetzwerken der Welt übertragen. -

Auch die Verknappung des Rohstoffs stellt keine vernünftige Alternative dar, wie der Autor anhand verschiedener Modelle aufzeigt. Geht etwas schief (Missernte, Vernichtung des Anbaus durch die Regierung etc.) geht dies voll zu Lasten der armen Bauern und nicht der reichen Kartelle. Die straffe Organisation, die verbesserte Produktion der cocineros (der Kokainköche) und das immer ausgeklügeltere Verteilernetz tun dabei ihr Übriges. Der Polizeiapparat wird von den Kartellmitgliedern ausgehebelt oder gegeneinander aufgehetzt, die jeweilige Bezirks- oder Landesregierung komplett unterwandert, Schutzgelder werden erpresst und wer nicht hören will, wird erschossen, verbrannt, zerstückelt oder fällt einem sonstigen Attentat zum Opfer. Es gibt Markt- und Preisabsprachen. Vertragliche Angelegenheiten müssen mit Gewalt durchgesetzt werden. Die Strukturen innerhalb der Banden oder Kartelle gleicht jedoch in vielerlei Hinsicht denen von Aufsichtsräten moderner Wirtschaftsunternehmen. Aber auch die diametral konträren Handlungsweisen, aufgrund der unterschiedlichen Geschäftsmodelle wird in Augenschein genommen. Wainwright macht vernünftig klingende Vorschläge zur Eindämmung der vorherrschenden Gewalt, der Korruption, der Umstrukturierung des Polizeiapparates, dem Umgang mit der Droge an sich und letztendlich auch dem Umgang mit und der Aufklärung der Endverbraucher. 

Zitat:
- Es sind jedoch gerade die Bemühungen der Behörden und Gesetzeshüter, die bewirken, dass ein simples landwirtschaftliches Produkt, das in seinem Herkunftsland nicht mehr kostete als Kaffee, bei seinem Eintreffen in Europa oder den Vereinigten Staaten mehr Wert ist als sein eigenes Gewicht in Gold. -

Die Drogenkartelle diktieren ihre Preise, wie die übrigen Monopolisten in der freien Marktwirtschaft auch. Die Zeitschrift Forbes führte beispielsweise den Boss des Sinaloa Kartells Joaquin "El Chapo" Guzmán auf Platz 60 der einflussreichsten Männer der Welt. Auf dieser Liste war noch nicht einmal der damalige mexikanische Präsident Calderón vertreten. Guzmán ist Multimilliardär (!!!), sitzt allerdings seit Januar 2016 wieder in Haft und wurde genau ein Jahr nach seiner Verhaftung, nämlich am 19. Januar 2017 an die Amerikaner ausgeliefert.

Wainwright spricht unterdessen mit Drogenbossen, bolivianischen Bauern, trifft sich mit Drogenbeauftragten der Vereinten Nationen in Bolivien, dem damaligen mexikanischen Präsidenten Caldéron, dem Bürgermeister von Juaréz Héctor Murguia, des Weiteren mit Carlos Mojica Lechuga, dem Anführer der Barrio 18 (dem Gegenpart der bekannteren Bande Mara Salvatrucha (MS13)), in einem Gefängnis in Cojutepeque/El Salvador, mit Soldaten der Antidrogeneinheit der Dominikanischen Republik und dem honduranischen Minister für Innere Sicherheit Pompeyo Bonilla Reyes. Er spricht mit einer Haushaltshilfe, die ein Mordkomplott inkl. Auftragsmord gegen zwei Unterdrücker plant und mit einem sogenannten Killerkid, das mit acht Jahren seinen ersten Mord beging. 

Der Autor spricht aber auch über Umschlagplätze, sowie Verkehrswege und führt immer wieder interessante Fakten, Beispiele und Anekdoten ins Feld. Er analysiert und differenziert aus Gesichtspunkten betriebswirtschaftlicher Natur und zieht interessante Studien und Vergleiche heran. Häufig bekräftigt er seine Thesen auch mit Quellenangaben. Die Unternehmensführung, die Lieferketten, die Personalführung, das Verteilernetz, die Konkurrenz, die Umgehung staatlicher Auflagen, die Ertragssteigerung und letztendlich die Befriedigung der (Sehn-)Süchte des Endkonsumenten...all das läuft auf den Vergleich mit dem Geschäftsgebaren einer großen Firma oder Handelskette hinaus. Wainwright vollzieht das Geschäft mit dem Drogenhandel anhand ökonomischer Tatsachen nach. Er vergleicht etablierte Firmenstrategien mit den Strategien der Kartelle und erhält überall direkte Parallelen zu den legalen Geschäftsfeldern von Walmart, McDonalds und Co. Der Autor zeigt anhand von Franchiseunternehmensvergaben Aktionsradien der Kartelle und Banden auf, die sich auch gegen sich selbst, beziehungsweise ihre eigene Führungsriege richten können. Der Internethandel floriert auf der einen Seite, wie auf der anderen Seite. Mit legalen, wie illegalen Waren. Ihre Tentakel reichen (beider Maßen) in die letzten Winkel von Politik, Wirtschaft und Privatleben. Von den Zetas, einer kriminellen Vereinigung aus Mexiko, die indes in weiten Teilen Mittel- und Südamerikas Fuß gefasst hat, gibt es ganze Markenproduktreihen, wie Rucksäcke, Bekleidung, Basecaps, Whiskey oder DVD Raubkopien, die mit den Zeta-Logos versehen sind, aber eben auch aufs brutalste zerstückelte Leichen.

Zitat:
- Lange vor dem Offshoring-Zeitalter war der Drogenhandel ein Vorreiter der Globalisierung. Franchise wie bei McDonald's klappt auch bei Kartellen und kriminellen Banden, wie bei den, in gesamten Südamerika verbreiteten Zetas. -

Es geht auch um den Umgang mit den Inhaftierten, der zum Teil einem positiven Wandel unterzogen ist. Zumindest da, wo man gewillt ist für Rehabilitation, Integration und Bildung setzt, zeigen sich die ersten Erfolge. Brutal und schonungslos geht der Autor aber auch auf den Journalismus vor Ort und seine Gefahren ein. Er beschreibt neben seinem Besuch einer Kokaplantage in den bolivianischen Anden auch die Droge Kokain an sich, wie sie gewonnen wird und vor allem wo. Tom Wainwright geht auch auf die Verlagerung des Marktes in Richtung Legal Highs ein und die ständigen Verbote, die immer bizarrere und gefährlichere Substanzen in den Drogenküchen entstehen lassen. Ebenfalls betrachtet er die Auswirkungen der Freigabe des Marihuana in Teilen Amerikas auf den legalen, wie auch den illegalen Markt. Er geht spricht auch die Marihuanalebensmittel, wie Cannabisdrinks, Cannabisschokolade, Space Cakes, Tautropfen (eine hochkonzentrierte THC Flüssigform, die unter der Zunge aufgenommen wird), Lutscher, etc. an und zeigt die Überlegenheit des legalen gegenüber dem illegalen Cannabismarkt auf. Wainwright durchforstet das Darknet (hier als Deep Web bezeichnet), wo es Marketplaces für Drogen, Waffen, Auftragsmorde etc., in ähnlichem Aufbau wie e-bay oder Amazon gibt. Letztlich geht er auch auf die Wachstumsbestrebungen und die weiteren Betätigungsfelder, wie beispielsweise Menschenschmuggel oder Verlagerung auf andere Märkte ein, weg vom Kokain und Marihuana hin zum Chrystal Meth und erneut zum Heroin als reine zweckmäßige Diversifikation des Geschäfts. Wainwright zeigt auch die Fehler auf, die die Regierungen bei ihrem War On Drugs machen und bietet Lösungsvorschläge oder zumindest Ansatzpunkte für Verbesserungen der Lage. Es sind auch oft verschreibungspflichtige Medikamente, die Menschen in die Abhängigkeit und in die Drogensucht führen.

Zitat:
- Von verständnisvollen Ärzten verschrieben und versehen mit dem beruhigenden Markenzeichen eines bekannten Pharma-Unternehmens, bekommen harte Drogen ein achtbares Gesicht...Landesweit haben zwei Drittel aller Heroinsüchtigen in den USA mit dem Missbrauch verschreibungspflichtiger Schmerzmittel angefangen.- 

Es geht dem Autor natürlich nicht darum irgendetwas bezüglich des Drogengeschäfts zu beschönigen oder gar zu verherrlichen, sondern lediglich die Gemeinsamkeiten und Parallelen innerhalb der Strukturen von Wirtschaftsunternehmen und Drogenkartellen zu verdeutlichen. Dies tut Wainwright ziemlich neutral und nüchtern. Die Gliederung ist gut und der Schreibstil flüssig. Der Autor verliert sich allerdings irgendwann ziemlich zum Schluss in Studien und Vergleichen, die etwas langatmig geraten sind. Er bezieht selten Stellung, außer für den Standpunkt, dass sich die bisherigen Maßnahmen als untauglich, teilweise gar kontraproduktiv ausnehmen, womit er sicherlich auch nicht ganz unrecht hat.

Meine Wertung: 83/100

Zur Autorenseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Autor/Tom-Wainwright/p573260.rhd

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joel dicker, familie, niedergang amerika, cousins, dicker

Die Geschichte der Baltimores

Joël Dicker , Andrea Alvermann , Brigitte Große
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2017
ISBN 9783492310796
Genre: Romane

Rezension:


JOËL DICKER - Die Geschichte der Baltimores 
(Piper Verlag) 


Das fragile Glück zerstört der Autor...


Nach dem weltweit gefeierten, in über 30 Sprachen übersetzten, zweiten Roman „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“, des am 16.06.1985 in Genf geborenen Autors Joël Dicker, legte der Piper Verlag im Mai 2016 die gebundene Fassung des Nachfolgewerks „Die Geschichte der Baltimores“ vor. Der, studierte Jurist landete auch mit seinem neuesten Roman wieder einen Weltbestseller. Und wen wundert das auch, bei diesem jungen, talentierten und sympathischen Autor, der mit seinem empathischen Schreibstil bereits Millionen von Menschen in den Bann zog.
 
Joël Dicker zeichnet in seinem nunmehr dritten Roman die Geschichte der mittelständigen Goldmans aus Montclair und ihrer gut betuchten Verwandtschaft, der Goldmans aus Baltimore nach. Eine humorvolle, einfühlsame, teils aber auch traurige Story über Freundschaft, Zuneigung, Geborgenheit, Zusammengehörigkeit, Erfolg, Liebe, Verrat, Lügen, Neid, Eifersucht Schmerz, Verlust, Trauer und Gewalt. Es ist aber auch eine Geschichte über das fragile Glück des Lebens und seine zerstörerische Auswirkung auf sicher geglaubte Existenzen. In gewisser Weise ist dies die Chronik der Familie Goldman. Warum man diese lesen sollte ist ganz einfach erklärt, nämlich weil sie absolut lesenswert ist. Es ist die Vorgeschichte des erfolgreichen Buchautors Marcus Goldman, dem Protagonisten aus "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert". Die Story ist unabhängig von Dickers vorangegangenen Werken zu betrachten und hauptsächlich aus der Sicht von Marcus geschrieben. Dieser erzählt die Geschichte seiner Eltern, seiner wunderbaren, behüteten Kindheit und Jugend, seiner beiden Cousins, dem smarten Hillel und dem Football Ass Woody, seiner zwei Jahre älteren Freundin und späteren Pop Ikone Alexandra Neville, von Onkel Saul und Tante Anita, sowie den gemeinsamen Großeltern. Das Ganze ist ebenso mit einer Portion Humor, wie auch Feingefühl und Einfühlungsvermögen feinstens abgeschmeckt. Joël Dickers genialer Erzählstil ist dabei stets sehr lebensnah und echt. Das Kopfkino kommt somit recht schnell in Gang und lässt den Leser an seinen Seiten kleben.
 
Marcus Goldman verbrachte die Zeit am liebsten mit seinen Cousins. Zusammen waren sie die „Die Goldman-Gang“. Der intelligente und smarte Hillel eckt, durch seine eigentümliche Art, immer öfter an und hält seine Eltern gerne mal auf Trab. Dem sportlichen Woody stehen alle Türen in die NFL (die National Football League) offen und Marcus wäre gerne öfter bei seinen Cousins, sowie bei Tante Anita und Onkel Saul, für die er allesamt große Bewunderung empfindet. Seine Gedankenwelt ist sehr emotional gestaltet und verlangt dem Leser ein gewisses Mitgefühl ab. Es geht zu einem großen Teil über die gemeinsamen Erlebnisse in der Kindheit der drei Freunde, über deren Jugendzeit bis hin zum Erwachsenwerden in ihrer Studienzeit. Es geht aber auch um Anerkennung und Neid unter den Erwachsenen, wie auch den Kindern, um Ruhm und Ehre, sowie dem tiefen Fall, nachdem man so hoch auf der Leiter war.
 
Der Schweizer Autor springt dabei zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her und spricht dabei immer wieder die "große Katastrophe" an, auf die letzten Endes alles hinaus läuft. Mit vagen Andeutungen sät er die alsbald sprießende Saat der Spannung aus. Wer hier allerdings Action pur erwartet, hält mit „Die Geschichte der Baltimores“ definitiv das falsche Buch in den Händen. Alleine die sympathische Erzählweise und der subtile Spannungsbogen machen den Reiz dieser grandiosen Geschichte aus.
 
Der intelligente Hillel, der sportliche und gutaussehende Woody, sowei Marcus, der von all dem ein bisschen was hat, sind die besten Freunde. Sie sehen sich, aufgrund der örtlichen Distanz, allerdings zumeist nur in den Ferien oder an Feiertagen, bei denen die Familien in aller Regelmäßigkeit zusammenkommt. Als die drei Jugendlichen Alexandra Neville kennen lernen, verlieben sie sich heil- und ausnahmslos in das hübsche und kecke Mädchen. Dass diese Freundschaft auf Dauer nicht gut gehen kann, steht außer Frage. Die Jungs schließen also einen Pakt der besagt, dass keiner der drei etwas mit ihr anfangen darf. Als sich Alexandra allerdings dazu entscheidet eine Art On/Off-Beziehung mit Marcus einzugehen, wird dieser halbherzige Entschluss seinerseits schnell wieder verdrängt.
 
Als Marcus seine damalige Ex-Freundin Alexandra ein paar Jahre später wieder trifft, gerät ihr beider Leben völlig aus den Fugen. Ein einziger Vorfall und alles bricht auseinander. Vieles ist ganz anders als es für das jeweilige Gegenüber erscheint. Die Heimlichtuerei einiger Familienmitglieder gräbt tiefe Furchen in die jeweiligen Beziehungen zueinander und lässt Träume platzen. Dazwischen gibt es immer wieder Einblendungen in die Gegenwart. Marcus Goldman hat eigentlich vor in dem recht ruhigen Örtchen Boca Raton sein neues Buch zu schreiben. Dort trifft er allerdings durch einen flauschigen Zufall auf Alexandra Neville und wieder ändert sich alles. Alexandra ist seit längerem mit dem Basketball Star Kevin Legendre zusammen und nicht unbedingt gewillt, ihr Leben ein weiteres Mal für Marcus über den Haufen zu werfen. Doch auch sie hegt noch sehr starke Gefühle für ihn.
 
Man ist stets gespannt darauf, welche Ungerechtigkeiten diesen sympathischen und glücklichen Menschen denn nur wiederfahren konnten. Es ist kein Thriller und auch etwas vollkommen anderes, als "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert". Herzlich und voller Emotionen entlädt sich Glück, Zuneigung, Liebe, aber auch Haas und Gewalt, was die Goldman-Gang zwangsläufig auf die große Katastrophe zusteuern lässt. Man kann die kindliche Freude, die jugendliche Naivität, aber später auch die Beklemmung, die Ratlosigkeit richtiggehend spüren. Es gibt eine Menge tragischer Ereignisse im Laufe des Plots, bei denen man davon ausgeht, dass damit die große Katastrophe gemeint sei, aber es kommt immer dicker, je weiter man in das Leben der Goldmans vordringt, die zum Teil ein arges Geltungsbedürfnis an den Tag legen. Sämtliche Existenzen stürzen in sich zusammen wie Kartenhäuser. Die Charaktere sind innerhalb der 512 Seiten ausführlich gezeichnet und man kann sich recht gut in sie hineinversetzen. Die gesamte Erzählung baut sich langsam auf und endet in einem absoluten, nicht vorherzusehenden Desaster. Man stellt den gesamten Plot über Vermutungen über das Was, Wie und Warum der großen Katastrophe an, wobei im Endeffekt doch alles ganz anders kommt, als man denkt. All das entwickelt sich zu einem absoluten Albtraum und alles was Dicker während des Aufbaus seine Plots auslässt, holt er nun doppelt und dreifach ins Boot. Da wird nicht mehr gekleckert, da wird geklotzt und der Leser bleibt mit offenem Mund sprachlos zurück. Alles, was der Autor über den gesamten Plot so mühsam und filigran aufgebaut hat, die Freundschaften, die Beziehungen, die Sympathien, das ungetrübte Glück, schlägt selbiger auf den letzten Seiten acht- und arglos zu einem kläglichen Scherbenhaufen. Allerdings kommt „Die Geschichte der Baltimores“, die sicherlich ebenfalls mit Inbrunst und Herzblut geschrieben wurde, leider nicht ganz an „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ heran.


Meine Wertung: 86/100


Link zur Buchseite des Verlags: https://www.piper.de/buecher/die-geschichte-der-baltimores-isbn-978-3-492-05764-6


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kristof kryszinski, serienkrimi

TrailerPark

Jörg Juretzka
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei BEBUG, 03.09.2015
ISBN 9783867892025
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


JÖRG JURETZKA - Trailerpark
(Rotbuch Verlag)


„TrailerPark“, der zwölfte Teil von Jörg Juretzkas „Kristof Kryszinski Reihe“, knüpft nahtlos an, wo „TaxiBar“ aufgehört hat. Trotzdem kann der, am 07.07.2015 erschienene, bislang heftigste und brutalste Kryszinski Thriller, wie bereits die vorherigen elf Bände, als Standalone betrachtet und gelesen werden. Es ist allerdings, wie bei jeder anderen Reihe auch, natürlich nicht verkehrt, gewisse Vorkenntnisse mitzubringen. Juretzkas „Kristof Kryszinski Krimi/Thriller“ sind die erste Reihe, die ich komplett gelesen habe und es bleibt zu hoffen, dass sich alsbald ein Regisseur finden möge, der den Mut zur audiovisuellen Umsetzung dieser genialen, schwarzhumorigen Privatdetektiv Serie aufbringt. 


Nachdem sich Kristof mit südfranzösischen Drogenhändlern und korrupten Bullen angelegt hat, steht er nun zwischen beiden Parteien in einer Patt- nein eher Mattsituation, in der er verzweifelt nach einem Ausweg sucht. Juretzka nutzt Kristofs Gedankenwelt wie eh und je für seine scharfzüngigen, auch schon mal politisch unkorrekten, schwarzhumorigen Metaphern. Die, bis ins Detail ausgeklügelten Sätze, spiegeln in ihrer Gesamtheit die Charakterzüge des, ehemals Drogen konsumierenden Privatdetektivs, Hausmeisters, Rockers, Sexgottes, Barkeepers oder was sich ihm auch immer aufdrängt wieder. Indes in einer Werft im fiktiven, portugiesischen Fischerörtchen und Surferparadies Jerusalé, in Tarnung eines lettischen Illegalen, mit dem wunderschönen Namen Nepomuk Blaumanis beschäftigt, ist Kristof untergetaucht, erzählt abwechselnd von seinem jetzigen Leben und auf welch perfide Weise er sich dem Zugriff der Mafia und der korrupten Polizeieinheit entzogen hat. Mit einer nicht unerheblichen, der Verfügungsgewalt der Mafia entzogenen Menge (Drogen-)Geld im Gepäck, hat sich Kristof - alias Nepomuk - in einer deprimierend heruntergekommenen Behausung im ortsansässigen TrailerPark "häuslich" niedergelassen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, um sich nicht unnötig verdächtig zu machen, sich gleichwohl aber auch nicht der Asozialität der Favelas hingeben zu müssen. Aber auch in dieser trügerischen „Idylle“ bahnt sich bald schon wieder Ärger an. Kristof Kryszinski, von Freunden liebevoll Krüschel genannt, hat nämliche diese besondere Gabe Probleme anzuziehen, wie die Scheiße Fliegen. 


Jörg Juretzka hetzt seinen Protagonisten, der nichts, aber auch rein gar nichts auslässt oder je ausgelassen hat, dieses Mal nicht ganz so atemlos durch den Plot. Viel Zeit zum Verschnaufen lässt er Kri..., äh Nepomuk aber nicht. Auf gerade mal 223 Seiten entspinnt der Autor eine kleines, komplexes literarisches Kleinod, baut immer wieder klasse Ideen, sowie interessante und geschickte Wendungen in seine Geschichten ein, reizt in diesem speziellen Falle die Zufallsthematiken aber auch gerne aus. Da es sich aber fast immer um Kleinigkeiten handelt, kann man da getrost drüber hinwegsehen. Sein Erzählstil ist rasant, spannend und schonungslos, seine Schreibe in einem wahrlich kunstvollen, aber auch deftigen Stil. Die Juretzka Plots sind zwar mit, zumeist um die 250 Seiten eher kurz geraten, dafür schwafelt der, in Mühlheim an der Ruhr geborene Schriftsteller nicht lange um den heißen Brei herum, kommt immer direkt auf den Punkt und kreiert regelrecht komplexe Storyboards, nimmt dabei kaum mal ein Blatt vor den Mund und ist mit seinen Handlungssträngen zumeist recht nah am jeweiligen Zeitgeist.


Man trachtet Kri..., äh Nepomuk offensichtlich einmal mehr nach dem Leben, aber der gesellige Lebenskünstler hat Freunde auf dem TraileraPark. Freunde, die teils fragwürdigen Beschäftigungen nachgehen und zwielichtige Vergangenheiten aufzuweisen haben. Auch sein herzallerliebster Lieblingsfreund Scuzzi ist wieder mit von der Partie. Die Kryszinski Reihe ist vielleicht nicht jedermanns Sache, da hier recht offensiv mit Sprache umgegangen wird, dennoch halte ich gerade diese harte Tour de Force für äußerst durchdacht, bildgewaltig und sehr humorvoll arrangiert. Krüschel ist schon eine coole Socke. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Ich habe mich vor langer Zeit für ersteres entschieden!


Meine Wertung: 87/100


Link zur Buchseite des Verlags: https://www.rotbuch.de/buch/sku/36078/trailerpark.html


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billy idol

Dancing With Myself

Billy Idol , Jan Schönherr , Harriet Fricke
Flexibler Einband
Erschienen bei Heyne, 09.05.2016
ISBN 9783453677128
Genre: Biografien

Rezension:

Mit „White Wedding“, sowie „Dancing With Myself“ drang ein (für mich) neuer Künstler Namens BILLY IDOL erstmalig an mein Ohr. Mit seiner einmaligen, mitreißenden Stimme, dem groovenden, gute Laune verbreitenden Punk Rock’n’Roll, sowie diesem ultimativen Swing in seiner Musik, hatte Billy einen Nerv getroffen und den ersten, nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen. Seit dem Anfang der 80er, spätestens als das „Rebel Yell“ Album 1983 erschien, hatte mich das BILLY IDOL Fieber endgültig gepackt. Damals war ich selbst noch nicht einmal in einem zweistelligen Alter, aber der Titeltrack, sowie die Tracks „Eyes Without A Face“, „Blue Highway“, „Flesh For Fantasy“ oder „Catch My Fall“ haben mich schon damals begeistert und tun es noch bis heute. Auch den selbstbetitelten Vorgänger, das großartige Nachfolgealbum „Whiplash Smile“, welches ich persönlich für sein ultimatives Meisterwerk halte, das „Charmed Life Album“, sowie „Cyberpunk“, Devil’s Playground“ und noch so einige Compilations, DVDs, Maxis und Singles aus frühester Zeit, bis hin zum siebten und letzten Werk „Kings & Queens Of The Underground“, welches europaweit am 17. Oktober 2014 veröffentlicht wurde, nenne ich mein Eigen. Zehn Tage zuvor erschien auch seine Autobiographie „Dancing With Myself“ im englischen Original. Hierzulande wurde das Taschenbuch der gebundenen Ausgabe im Juni 2016 vom Heyne Hardcore Verlag nachgeschoben. 


Sex, Drugs, Punk und Rock'n' Roll. Das war und ist sein Leben. BILLY IDOL, am 30. November 1955 unter dem bürgerlichen Namen William Michael Albert Broad in Stanmore, England geboren, setzt bei seiner Autobiographie mittig an. Los geht es in den ersten Zuckungen der 90er. Im Prolog erzählt er über sein wohl einschlägigstes Erlebnis. Billy hatte gerade die Aufnahmen zu "Charmed Life" beendet und das fertige Material abgegeben, als ihn dieser schreckliche Motorradunfall für einige Zeit aushebelte. Der Unfall war aber nicht das einzige, was BILLY IDOL immer wieder ausbremste. Dies war wohl eher seinem exzessiven Drogenmissbrauch, der sich von Alkohol über Haschisch, Kokain, Ecstasy, GBH, LSD, Quaaludes (Methylchinazolinon ist ein euphorisierendes und aphrodisierendes Hypnotikum), Heroin, Opium, Mandrax, Speed, Tuinal und Secobarbital erstreckte. Es wäre wohl schneller gegangen, ich hätte aufgeschrieben, was er nicht einnahm. BILLY IDOLs Leben bestand aus Drogen und Musik. Zu seinem Künstlernamen kam William Broad in Zeiten seiner Punk Rock Band GENERATION X. Aus dem allgemein gültigen Kosenamen für William, nämlich Billy und dem Wort „idle“ (engl. für träge), wie ihm ein unzufriedener Chemielehrer in seinem Zeugnis in Großbuchstaben vermerkte: „WILLIAM IS IDLE“. Auf die Frage in einem Interview hin, buchstabierte er diesen Namen kurzerhand I-D-O-L und der Künstlername BILLY IDOL war geboren. 


Seine Autobiographie, die sich hauptsächlich um die 70er, 80er und den Anfang der 90er dreht, hat William Broad sehr ausführlich, emotional, schonungslos und verteufelt ehrlich geschrieben. An mancher Stelle wird er gar philosophisch, ist aber auch nicht zimperlich, wenn er über seine Drogen- und Sex Erfahrungen und die wilden Parties in den Hotels oder den Musikstudios spricht. Richtiggehende Orgien haben sich dort abgespielt, mit Mädels aus den örtlichen Stripclups, Drogen aller Art und totaler Unordnung, bis hin zu purem Chaos, inklusive vollgekotztem Fußboden im Klo. Mitten in diesem physischen, wie psychischen Durcheinander entstanden seine Songs. Der Erwartungsdruck, den er sich selbst auferlegte, lastete immer schwer auf seinen Schultern. Die Trennung von seiner Freundin Perri, mit der er den gemeinsamen Sohn Willem zeugte, machte ihm ebenfalls lange und schwer zu schaffen, aber die Arbeit an seiner Musik hatte für ihn immer Vorrang. BILLY IDOL hatte sich stets selbst unter Dampf gehalten, um das Beste aus sich herauszuholen. Nach dem das Album „Charmed Life“ fertiggestellt war, fühlte er sich leer und wollte diese Leere mit einer Fahrt auf seiner 1984er Harley Davidson Wide Glide ausfüllen. Doch dann passierte es. Es tat einen Schlag, Billy verlor das Bewusstsein und wachte blutüberströmt wieder auf. Er hatte einen schweren Unfall. Ziemlich direkt und schonungslos spricht er über seinen schweren, teils offenen Trümmerbruch, der ihn beinahe den rechten Unterschenkel gekostet hätte. Bildlich vorgestellt schon ziemlich eklig und erschreckend, wie William das erzählt...dann ein Cut...


Im ersten Kapitel beginnt das Leben des William Broad. Er erzählt von seinen Eltern und seinen sonstigen Verwandten. Im Alter von drei Jahren zog William mit seiner Familie nach Amerika. Er berichtet von einer unbeschwerten Kindheit und über das Amerika der 50er und 60er Jahre. Drei Jahre später (nämlich 1962) ging es allerdings schon wieder zurück nach England. Für Billy begann alles mit Musik. Sie bedeutete ihm Freiheit, Seele, Emotion und Werhaftigkeit. William Broad beschrieb Musik, die ihm viel bedeutete wie folgt: "Tief in der Magengrube fängt es an, breitet sich von dort aus und überflutet den Körper mit warmen, wohltuenden Endorphinen. Das Hirn knistert vor Wohlgefühl.“ Seine Sprache ist zum Teil in bildgewaltige Metaphern gehüllt. Er interessierte sich für Geschichte, Filme, liebte die BEATLES, ging auf Konzerte von HAWKWIND, BLACK SABBATH oder DEPP PURPLE und rauchte „Kräuterzigaretten“, wie jeder damals. 

 

William Broad gibt unglaublich tiefe und ehrliche Einblicke in sein Leben, seine Kindheit, seine Schul- und Teenagerzeit, die ersten Erkundungen des eigenen Körpers, sowie des anderen Geschlechts. Er sinniert über seine Punk Band GENERATION X, mit der er in den 70ern drei Alben rausbrachte, über DAVID BOWIE, LED ZEPPELIN, HAWKWIND, FRANK ZAPPA, ROXY MUSIC, LOU REED, die SPARKS, THE WHO, KING CRIMSON und seine Freunde von den SEX PISTOLS, sowie die damals häufig auftretenden Probleme mit den Skinheads. Billy musste sich, durch die ständigen Umzüge der Familie immer wieder neu ausrichten, sich anpassen und neue Freunde finden. Die Anfänge seiner Musik, die ersten Gehversuche, die ersten Gitarren und Verstärker, seine Liebe zum Punk Rock, für die er sein Studium, sehr zum Leidwesen seiner Eltern schmiss und die musikalische Revolution, die er und seine Freunde im Prinzip im Louise's, einer Lesben Bar lostraten, ebneten den Weg für seine spätere Solokarriere. Es wird die Frage beantwortet, warum sich BILLY IDOL plötzlich die Haare blond färbte und wie aus der Band CHELSEA letztendlich GENERATION X wurde. Wie der Punk Rock als Generationenkonflikt bei den Jugendlichen immer beliebter wurde und wie Billy und seine Freunde das ROXY, ihren eigenen Club aufmachten. Hier war der Punk zu Hause und alles erlaubt. Hier fühlten sich die Ausgestoßenen und Missverstandenen wohl und zugehörig. Als Subgenre geboren, wurde der Punk Rock alsbald zu einer mächtigen Kulturbewegung der entmündigten Jugend und GENERATION X zur Hausband des ROXY. Billy und sein Bandkollege Anthony Eric „Tony“ James hatten Glück, denn sie kannten Bernard Rhodes, den Manager von THE CLASH, Malcolm McLaren, den Mentor der SEX PISTOLS, sowie Neil Aspinall, der das BEATLES-eigene Label Apple Records leitete. Das wiederum versprach ihnen vernünftige Deals und eine Menge Lehrstoff in Sachen Verträge. Der aufkommende Krieg zwischen den Rockfans verschiedener Subgenres und den Zeitgeist der 70er hat er perfekt eingefangen und das großartige Gefühl als Punk Rocker Teil einer großen Gemeinschaft zu sein. Dann folgte der Einstieg beim Label Chrysalis, dem Billy über lange Jahre treu bleiben sollte, sowie die ersten Erfolge und Fernsehauftritte. Wenn man Billy gut genug kennt, bemerkt man immer wieder diesen typischen Swing oder Singsang, der in seinem Erzählstil mitschwingt. 


Munter geht es weiter über seinen Wandel vom Punk zum Rock'n'Roll, die verärgerten Fans, die neu hinzugewonnenen, die Lossagung von GENERATION X und Bandmate Tony, seinen Neustart in Amerika, bei dem ihn sein Label Chrysalis unterstützte, die „Grabesruhe und der Rückzug in den Mutterleib“ verursacht durch das Rauchen von Heroin und seine langjährige Beziehung zu Perri, die ihm später nach Amerika folgen sollte. Es geht immer wieder drunter und drüber, um harte Drogen und BILLY IDOLs, nicht ganz alltäglichen Alltag. Er erzählt unglaublich sympathisch und empathisch. Billy hatte in Bill Aucoin einen guten Manager, der auch die Überband KISS produzierte und ihm die Zusammenarbeit mit Steve Stevens ans Herz legte. Allerdings bleibt die Frage offen, was aus GENERATION X’s Tony geworden ist, der später als Gitarrist die Band SIGUE SIGUE SPUTNIK ins Leben rief. Mit Keith Forsey bastelte Idol an einem völlig neuen Sound aus R&B, Disco, Techno und Rock, wurde von Gene Simmons zum Essen eingeladen, sah sich PRINCE im Ritz an und war fasziniert von dessem groovigen, maschinenhaften Sound. William erzählt vom Start seiner Solokarriere im Jahre 1981, seinem ersten Solo Album und der Entstehung der Songs dazu. Er berichtet von Begegnungen und Verfolgungsjagden mit den Cops, Rauswürfen aus Hotels, seiner Drogensucht und seiner musikalischen Evolution bin zum Powerpop-Rock-Dance. Es ist schon ziemlich teuflisch, welche Energie und welche Lebensfreude, trotz seiner Sucht in seinen genialen Songs steckt. Er spricht über Videodrehs, die Ausstrahlungen auf MTV und wie sich dadurch die Probleme mit Radiosendern in Luft auflösten. Darüber, wie er zum Star wurde, sein Interview für den Rolling Stone verpatzte, weil er high und besoffen war und wie er beinahe dem Heroin erlegen war, die weltweiten Tourneen, Gold- und Platin Alben und die unzähligen weiblichen Fans, die er gerne mal vernaschte. Zwischendrin gibt es auch ein paar ausgewählte Photographien, unter anderem aus dem Idol-Familienarchiv. Er erzählt von seinem Filmprojekt und dem 11 Millionen Dollar Deal mit Universal. Das Filmprojekt fraß neben einer Menge Zeit Billy fast die Nasenscheidewand weg. Völlig auf Kokain und Heroin kehrte er anschließend ohne Manager nach New York zurück. Seine Langzeit-Freundin Perri verließ ihn, weil er so gleichgültig geworden war und sich immer wieder in sexuelle Abenteuer stürzte, anstatt sich um die Frau zu kümmern, die er liebte. Völlig am Boden zerstört und krank vor Sehnsucht machte er sich an das Songwriting für das "Rebell Yell" Nachfolge Album "Whiplash Smile". Seinen wahren Charakter hatte William unter einer Tonne Kokain begraben. Paranoia und Halluzinationen überkamen seinen Geist und er wusste, dass es Zeit war aufzuhören, doch das erwies sich als schwieriger als gedacht. Stattdessen rauchte er immer mehr Koks. Billy erzählt das so eindrucksvoll, dass man wahrlich Mitleid für ihn empfindet und als Fan sogar recht traurig wird, denn ein schönes Leben scheint dieser Abschnitt leider nicht gewesen zu sein. Der enorme Berühmtheitsgrad nahm ihm die Freiheit und die Drogen seine Seele. BILLY IDOL war am Ende und kaputt, mutierte zu einem launigen Arschloch und ergab sich der Leere. Zitat von William Broad: „Ein Junge aus Bromley in Kent, der allein und völlig zugedröhnt in New York saß, langsam verrückt wurde und durch den hirnzersetzenden Drogencocktail die Kontrolle über sich verloren hatte, ohne jemanden an seiner Seite, der ihn zur Vernunft bringen konnte.“


Billy hatte letzten Endes Glück und sprang dem Tod einmal mehr von der Schippe. Unglaublich offensiv berichtet William von seinen Drogeneskapaden und den Streitereien innerhalb der Band. Er zog mit Perri nach L.A. und einen Monat später war sie schwanger. Billy kaufte sich eine Harley Davidson Wide Glide und übte erst einmal auf einer Kawasaki 454, bevor er sich an die 380 kg schwere Maschine herantraute. Als Perri hochschwanger war, hatte er bereits wieder die ein oder andere Affäre am Laufen. Dann kam sein Sohn Willem Wolfe Broad auf die Welt. Durch und durch Gewohnheitstier, fiel Billy allerdings recht schnell in seine alten Verhaltensmuster zurück, was letzten Endes zum endgültigen Bruch mit Perri führte. Dann begannen die Aufnahmen zu "Charmed Life". Wenn man bedenkt, was Billy Idol in all den Jahren – wenn auch selbst aufgebürdet – durchgestanden hat, dann ist seine Geschichte eigentlich eine ziemlich traurige und einsame. William spricht über sein Angebot zum Mitwirken an Oliver Stones Film "The Doors" und das Angebot in „Terminator 2“ den T-1000 zu spielen. Dann erblickte seine Tochter Bonnie Blue das Licht der Welt, deren Mutter allerdings nicht Perri war. Billy verfiel im Laufe der Zeit erneut in eine ausgewachsene Depression, die ihn mit ein paar Freunden aus seinem Motorrad Club „Rude Dude“ nach Bangkok trieb und ihn abermals zu harten Drogen greifen ließ. Man mietete die Präsidenten Suite im Oriental Hotel und vögelte sich durch sämtliche Bordells. Seine Wutausbrüche und seine Unzurechnungsfähigkeit ließen ihn mehrere Hotelzimmer zerstören und zigtausende Dollars verprassen. BILLY IDOL trieb es dermaßen bunt, dass er letzten Endes in Begleitung der thailändischen Armee des Landes verwiesen wurde. 


Wenn man BILLY IDOLs Autobiographie liest, wird einem unweigerlich klar, dass er zwar viel erlebt, aber zu einem gewissen Teil kein wirklich schönes oder erstrebenswertes Leben hatte. William Michael Albert Broad kann im Endeffekt dankbar sein, dass er so gute und geduldige Freunde und eine loyale Familie an seiner Seite hatte und hat. Durch seinen Unfall verspielte er sich letztlich die ein oder andere angesprochene Filmrolle und musste einige OPs über sich ergehen lassen, ehe er wieder einigermaßen hergestellt war. Die anstrengende "Charmed Life" Tour ließ sich nur mit Krücken absolvieren. Als dann der Nachfolger „Cyberpunk“ floppte, nahm er zwölf Jahre lang kein weiteres Album auf. Billy traf in der Zwischenzeit auf Stephen „Evil McG“ McGrath, der auch ein großer Harley Fan war, später als Bassist bei BILLY IDOL einsteigen sollte und er schnupperte wieder am verlockenden Duft auf der Bühne zu stehen. Auf das „Devil’s Playground“ Album geht Billy nicht allzu sehr ein. Danach mussten die Fans erneut eine Ewigkeit, nämlich ganze neun Jahre auf ein neues Album des Rock’n’Roll Punk warten. Lediglich die Weihnachts-CD „Happy Holidays“ (2006), mit lauter Weihnachtsklassikern wurde von ihm eingesungen, aber mit nahezu keiner Silbe in seiner Autobiographie erwähnt. Im Oktober 2014 folgte mit „Kings & Queens Of The Underground“ sein bis dato letztes Album, welches einen kompletten Rundumschlag seiner langjährigen Karriere darstellt und das erfolgreichste Album seit „Charmed Life“ wurde. Zum Schluss spricht er noch mal von seinem Kindern Bonnie und Willem, seinen Eltern und vor allem seinem, an Krebs erkrankten und mittlerweile verstorbenen Vater. Billy fühlt tief in seinem Inneren eine Art gespaltenes Ich, dass es ihm oftmals schwer machte, die richtigen Entscheidungen im Leben zu treffen. Möge er noch lange Leben, viel Zeit und Spaß mit seinen Kindern haben und noch viele, viele großartige Alben aufnehmen!!!


Meine Wertung: 85/100

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terror, terrorismus, recht, gesellschaft, empfehlung

Terror

Ferdinand Schirach
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei btb, 12.09.2016
ISBN 9783442714964
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:


Ferdinand von Schirach - Terror
(btb Verlag)

Wer bereits Bücher des Autors Ferdinand von Schirach gelesen hat, weiß in etwa um den spannenden, unterhaltsamen und stakkatohaften Schreibstil des ehemaligen Strafverteidigers. Seine prägnanten Erzählungen haben generell mit Recht und Unrecht zu tun, die zumeist auf wahren Begebenheiten beruhen. Bei seinem neuesten Werk „Terror“, welches am 12.09.2016 als Taschenbuch im btb Verlag erschien, verhält es sich allerdings etwas anders. Dieses Mal handelt es sich um eine rein fiktive Geschichte, etwas unkonventionell in Form eines Theaterstücks verfasst, in die wir als Leser aktiv eingebunden werden. Unverhofft befinden wir uns, als einer der Schöffen in einem Gerichtsverfahren und sollen am Ende der Hauptverhandlung unsere Einschätzung in Form eines Urteils abgeben. Das macht das Thema durchaus interessant, da der Leser am Ball bleiben, aufpassen und über das Geschriebene nachdenken muss. 

Die Ausgangssituation ist folgende: der Luftwaffenpilot der Bundeswehr Lars Koch schießt einen Airbus A320-100/200 während seines Fluges von Berlin nach München ab. An Bord befinden sich 164 Passagiere. Es ist der 26.05.2013. Die Maschine wurde entführt und soll in die, mit 70.000 Menschen vollbesetzte Münchner Allianz Arena gesteuert werden. An diesem Tag wird dort das Länderspiel Deutschland gegen England ausgetragen. Der Entführer ist Mitglied einer Splittergruppe der Al-Qaida und befindet sich, zusammen mit den beiden Piloten, im Cockpit der Maschine. Seitens des Ministers, dem das alleinige Recht zur Erteilung des Abschussbefehls obliegt, wurde ein solcher Befehl nicht erteilt. Lars Koch muss sich also der Anklage wegen Mordes in 164 Fällen stellen. Hier wird nun die ethisch, wie moralisch kaum zu beantwortende Frage gestellt, ob man „vieles“ unschuldiges Leben gegen „weniges“ unschuldiges Leben aufwiegen kann. Des Weiteren wird die Frage, ob der Angeklagte frei zu sprechen ist, im Prinzip bereits gleich zu Anfang mit „Nein“ beantwortet, denn das Bundesverfassungsgericht hatte im Jahr 2006 entschieden, es widerspreche der Verfassung, unschuldige Menschen zu Rettung anderer unschuldiger Menschen zu töten. Da es sich innerhalb dieser fiktiven Geschichte allerdings um ein rechtsstaatliches Gerichtsverfahren handelt, stellt sich die Frage nach Ethik und Moral eigentlich nicht. Der Angeklagte ist wegen Mordes nach § 211 Absatz 2, Gruppe 2, Variante 3 i.V.m. § 52 Absatz 1 StGB zu verurteilen. Rechtsstaatlich gesehen führt da kein Weg dran vorbei, was jegliche aufkommende Diskussion müssig und eigentlich auch überflüssig macht. Alle anderen Entscheidungen würden den Rechtsstaat in seiner Souveränität aushebeln. So bitter das auch klingt. So lange seitens der Regierung nichts anderes bestimmt wird, ist ein solch gelagerter Abschuss im deutschen Luftraum unrechtmäßig und bedarf der Strafverfolgung. Ob das Handeln moralisch richtig oder falsch gewesen ist, hat das Gericht nicht zu interessieren. Hierbei geht es auch nicht mehr länger um das Gewissen, nicht mehr um Gefühle, nicht mehr zum Moral und nicht mehr um Ethik. Hier geht es um Rechtsprechung und da ist unser Gesetz eindeutig. Will man anders entscheiden, bedarf es zuvor diverser Gesetzesänderungen. 

Nun ist es aber so, dass von Schirach ein gravierendes Versäumnis seitens der Behörden eingebaut hat, welches ein gänzlich anderes Bild auf die ganze Sache wirft und die Schwere der Tat, bzw. das Vorgehen und die Missachtung des Befehls in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt. Ich halte diesen Einwurf des Autors allerdings für wenig glaubhaft, da es für derartige Fälle Verfahrensanweisungen gibt, die strikt einzuhalten und in Standards festgeschrieben sind. Zusätzlich müsste der Angeklagte von diesem Versäumnis zum Zeitpunkt des Abschusses der Maschine bereits Kenntnis gehabt haben, was meiner Meinung nach mit keiner Silbe erwähnt wird und einen riesigen Bock darstellt. Auch weitere, sich häufende Missstände und Fauxpas werden geflissentlich übersehen, was eine vernünftige Einschätzung der Situation bzgl. eines eventuellen Notstandes etc. nahezu unmöglich macht und den gesamten Sinn und die Essenz der Geschichte ad absurdum stellt. Es bleiben zu viele Fragen offen, zu viele Hintergründe unbeleuchtet, zu viele Ungereimtheiten bestehen, als dass man sich hier ein klares Bild der Situation verschaffen könnte. Von Schirach pusht das Ergebnis dadurch zusätzlich in eine gewisse Richtung, was ich nicht für neutral genug halte.

Dafür, dass der Angeklagte Lars Koch ein hochintelligenter Mensch und Elitesoldat ist, antwortet und argumentiert er teilweise arg naiv und unglaubwürdig. Im Hinblick auf die Brisanz dieser fiktiven Geschichte, wenn sie denn tatsächlich so stattgefunden hätte, würde der Angeklagte Luftwaffenpilot der Bundeswehr sicherlich keine eigenen Angaben machen, sondern sich lediglich über seinen Anwalt äußern, um sich nicht unnötig selbst zu belasten. Schon allein hier wird die Geschichte unglaubwürdig, da der Fall seitens der Bundeswehr, auch wenn es sich hierbei um ein zivilrechtliches Verfahren handelt, mit ganz anderen Mitteln angegangen worden wäre. Auch das Argument, dass die Passagiere eventuell ins Cockpit hätten gelangen können, ist weit hergeholt, da sich indes rumgesprochen haben dürfte, dass sich die Cockpit Türen im Prinzip nur von innen öffnen lassen. Da die Cockpit Türen, nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 besonders gesichert wurden, um ein unerlaubtes Eindringen zu verhindern, stellt sich auch diese Frage nicht. Die Türen halten selbst Schüsse ab und können nur von einzelnen, ausgewählten Crewmitgliedern mit einem bestimmten Code geöffnet werden, was durchaus mehrere Minuten in Anspruch nehmen kann. Des Weiteren kann dies mittels eines kleinen Hebelchens vom Cockpit aus ganz einfach unterbunden werden. Jede Airline hat dabei ihre speziellen Regelungen, zu denen sich der Autor ebenfalls gänzlich ausschweigt. Es gibt einfach zu viele Wenn und Aber, um die Frage nach einem angemessenen Handeln sorgfältig beantworten zu können. Hätte der Pilot die Maschine beispielsweise über unbewohntem Gebiet gezielt abstürzen lassen können? Sämtliche Leute an Bord wären ohnehin Gestorben. Man muss von Schirach aber auch insofern in Schutz nehmen, als das Was-wäre-wenn, das Theaterstück auch unnötig und zu sehr aufgebläht hätte. 

Zur anschließenden Rede von Schirachs auf Charlie Hebdo, die am Ende des Buches abgedruckt ist, über das, was Satire darf -nämlich alles-, habe ich mit Einschränkungen in etwa die gleichen Ansichten, bin aber der Meinung, dass Satire nur so lange alles darf, wie der gegenseitige Respekt (in diesem Falle der gegenseitige Respekt der Religionen und Kulturen als allgemein zu achtendes und hohes Gut) gewahrt wird. Wenn man Menschen mit seiner Satire verletzt, darf man sich über Konsequenzen, so hart, ungerecht und überzogen sie auch immer sein mögen, nicht wundern. Nicht erst, als die (meiner Meinung nach) beleidigenden, verletzenden und völlig sinnfreien Karikaturen von Charlie Hebdo veröffentlicht wurden, fragte ich mich, ob dies nun auf Mut oder Dummheit zurückzuführen sei. Musste man denn tatsächlich noch mehr Öl ins Feuer gießen? Ich dachte so bei mir, dass sich die Verfasser, wie auch die Herausgeber nicht wundern bräuchten, wenn sie Anschlägen zum Opfer fallen würden. Das konnte man sich, mit auch nur einem kleinen Funken Menschenverstand, eigentlich denken. Musste man so etwas veröffentlichen? Natürlich rechtfertigt das die anschließenden Taten nicht, aber so erklären sie sich. Ich halte nichts von diesen Karikaturen. Sie sind respektlos, dumm, entbehrlich und ignorant! Das dürfen und sollten Karikaturen vielleicht auch sein, aber wer, außer den Effekthaschern hat diese Karikaturen denn überhaupt gebraucht? Es geht meiner Meinung nach auch nicht so sehr um die Frage, was Satire darf, sondern vielmehr was Satire nötig hat.
 
Es kommt immer darauf an gegen wen sich Satire richtet und wie derjenige, gegen den sie sich richtet damit umzugehen weiß und ob man davon Kenntnis hat oder zumindest hätte haben müssen. Wenn man doch aber definitiv darum weiß, dass diese Satire eine extreme Respektlosigkeit für das Gegenüber bedeutet, sollte man das respektieren und sich eines Besseren besinnen. Ich bin der Meinung, dass uns solche Dummheiten in der muslimischen Welt sicherlich keine Freunde machen und wir nicht zuletzt durch solch überflüssige Handlungen äußerst unbeliebt machen. Wenn Jesus mit kleinem Penis, Kanzlerin Merkel mit Hitlerbärtchen oder Wolfgang Schäuble in Naziuniform dargestellt werden, ist das vielleicht nicht witzig und für die Betroffenen beschämend, aber deswegen bricht in der Regel keine Gewalt aus. Bei Mohammed Karikaturen sieht das nun mal anders aus. Auch wenn das 'Warum' hierzulande kaum jemandem einleuchten mag, ist das nun mal Fakt. Man sollte vielleicht mal darüber nachdenken, dass es Milliarden von Menschen auf dieser Welt gibt, die nicht die gleichen Denkweisen haben wie wir und das unser weltoffenes Denken und unsere freiheitlichen Werte sicherlich nicht für alle auf diesem Planeten das Non plus Ultra darstellen. Es gibt eben auch Andersdenkende und auch oder gerade das sollte man (vor allen Dingen wir als freiheitliche und tolerante Gesellschaft) respektieren. Das waren auch keine Angriffe auf die Meinungsfreiheit, denn die Karikaturen stellten ja keine Meinungen, sondern einfach nur provokante Beleidigungen und Respektlosigkeiten dar. Das soll die Anschläge weder beschönigen noch rechtfertigen, aber man hat sie bewusst in Kauf genommen und meiner Meinung nach sogar provoziert. Da fällt es mir schwer, eine Preisverleihung und eine Lobesrede an Charlie Hebdo gut zu heißen. Aber auch das muss letzten Endes jeder für sich selbst entscheiden.
 
Im Hinblick auf moralische und ethische Grundsätze und als reines Theaterstück halte ich die Handlung für durchaus reizvoll und interessant, für sich als reines Taschenbuch genommen, funktioniert sie in meinen Augen aber eher nicht. Schade eigentlich, denn unter diesen Umständen hätte ich das, gerade mal 176 Seiten umfassende Buch sicherlich nicht gebraucht. Es werden durchaus interessante Beispiele angeführt, bei denen wir uns tatsächlich unsicher werden, wie wir entscheiden würden, auch wenn die entsprechenden Vergleiche doch etwas arg hinken. Klären tut das Theaterstück letzten Endes allerdings nichts. Wer die Verfilmung dieses Theaterstücks bereits gesehen hat, braucht sich das Buch im Prinzip nicht mehr zuzulegen, da hier fast alles 1:1 übernommen wurde. Das Theaterstück „Terror“ wird in verschiedenen deutschen Großstädten aufgeführt und ist sicherlich eine interessante Erfahrung, wenn der Hinweis kommt, dass man auch die moralischen und ethischen Aspekte in seine Überlegung mit einbeziehen soll. Die Uraufführung fand am 3. Oktober 2015 im Deutschen Theater Berlin statt. 

Meine Wertung: 72/100

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musik, biografie, motörhead, lemmy, lemmy kilmister

Lemmy - White Line Fever

Lemmy Kilmister , Klaas Ilse , Janiss Garza , Klaas Ilse
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Heyne, 06.11.2006
ISBN 9783453675254
Genre: Biografien

Rezension:

Ian Fasier Kilmister – Lemmy-White Line Fever
(Heyne Hardcore)
 
Kurz bevor sich der Todestag des MOTÖRHEAD Frontmanns und absoluten Rock Idols Ian Fraser "Lemmy" Kilmister zum ersten Mal jährt, ist es endlich an der Zeit, mir seine hierzulande im Jahre 2006 erschienene Autobiographie vorzunehmen. Bereits im September 2002 hatte er diese fertiggestellt und konnte die Massen von dort an noch ganze 13 Jahre, bis zu seinem Tode am 28.12.2015, auf zahlreichen Bühnen rund um den Globus begeistern. Auf den Tag genau 1945 Jahre nach dem Jesuskind erblickte er, im englischen Ort Stoke-on-Trent, das Licht der Welt. Ein zweiter Heiland war geboren. Der Heiland des Rock'n'Roll. Ian Frasier Kilmister, genannt Lemmy! Er blieb ganze 70 Jahre lang. Meistens war er cool, schiss auf so ziemlich alles und nahm das Leben nicht so ernst, konnte aber schon mal recht aufbrausend werden, wenn ihm was nicht passte. Wenn jemand etwas von ihm wollte, was er nicht wollte, zeigte er ihm kurzerhand den Mittelfinger. Zumindest geistig mit einem Fuck You Grinsen, durchaus auch mal verbal oder wenn es die Situation verlangte, mitten ins Gesicht. Meistens traf man ihn mit einem Glas Jack Daniels, in seiner Stammkneipe, dem „Rainbow Bar And Grill“ in Los Angeles, an einem seiner geliebten Spielautomaten. Lemmy hatte sich über all die Jahre seine ganz eigene, ziemlich lockere Sicht der Dinge und den trockenen, britischen Humor bewahrt. Dementsprechend lustig und unterhaltsam hat er auch seine Autobiographie verfasst. Der MOTÖRHEAD Begründer hatte stets recht damit behalten, das zu tun, was ihm beliebte und nicht den zu spielen, den andere gern in ihm gesehen hätten. Er war schon eine coole Socke, hat sich nicht in sein Leben und seine Musik reinreden lassen und eigentlich immer straight sein eigenes Ding durchgezogen. Lemmy hatte wohl so ziemlich die mächtigsten Eier im Rock Business. Schon allein dafür Zolle ich ihm meinen höchsten Respekt. Zum Glück hatte ich die Möglichkeit, ihn mit MOTÖRHEAD drei Mal live zu erleben.
 
Der Sänger und Bassist Ian Fraser Kilmister sinniert von seiner Geburt über seine Kindheit, seinen leiblichen Vater, den er nur mal kurz traf und bei diesem Treffen wohl ziemlich schockierte, von seinem Heranwachsen, seiner Pubertät, über Mädels, den ersten Sex, ungewollten Schwangerschaften, seiner Leidenschaft für den Rock’n’Roll, der Musikerszene, den ersten Drogen und den Tod, den so manch einer vor ihm ereilte. Er spricht über BUDDY HOLLY, ELVIS, die BIRDS, die BEATLES, die ROLLING STONES, die ROCKIN VICARS, bei denen Lemmy Gitarre spielte und ihren sagenumwobenen, ganz speziellen, teilweise total abgedrehten Auftritten. Seiner Vorliebe für Drogen aller Art, welche eine geraume Zeit lang sein abgefucktes Leben voller Aufputschmittel, LSD, Meskalin und diversen Downers bestimmten. Mit Fotos aus Lemmys privatem Fundus wird die Story zwischenzeitlich auch visuell ein klein wenig untermalt. Lemmy sorgt mit seiner unbekümmerten Art zu erzählen immer wieder für erstauntes Kopfschütteln und verdammt viele Lacher. Er erzählt von seiner langjährigen Band HAWKWIND, seinem ersten Trip nach Amerika, den Tourneen, seiner Festnahme in Kanada und seinem späteren Leben in den USA. Lemmy beleuchtet die Anfangstage von MOTÖRHEAD, spricht über Anfangsschwierigkeiten mit Labels, Auftritten und Schlafplätzen. Ein wirres Leben voller durchgeknallter Begebenheiten und vielen Liebeleien.
 
Natürlich kommen auch Stories und Anekdoten über diverse ehemalige und bis zum Schluss gebliebene Mitglieder wie Fast Eddie Clarke, Philthy Animal Taylor, Phil Campbell und Mikkey Dee zur Sprache. Er beschreibt Begebenheiten aus ihrem Band- und Tourleben oder erörtert Ereignisse mit Motorcycle Irene, Ozzy Osbourne, diversen Mädels, Sex und geht immer mal wieder darauf ein, dass es das Allergrößte für ihn war, sich nach einem Konzert flachlegen zu lassen oder sich einen abkauen zu lassen. Es kommt auch schockierendes, wie der Mord an einem seiner Mitbewohner zu Sprache oder die Bühnenaufbauten, die zum Teil nie funktionierten oder eine permanente Gefahr für Leib und Leben der Musiker darstellten. Mit Zitaten, wie: "Ich wollte auf keinen Fall stricken. Stricken war was für Memmen. Damals gab es noch richtige Memmen. Heute sitzen diese Memmen in den Parlamenten und regieren die Welt.", spricht er wohl letzen Endes nicht nur mir aus der Seele. Lemmy plaudert so richtig schön aus dem Nähkästchen und erzählt so einige lustige Anekdoten aus seinem bewegten Leben. Über Probleme mit Managern, Veranstaltern, sowie den ständigen und jahrelangen Querelen mit den verschiedensten Labels. Lemmy lässt sich des Weiteren über nicht genehmigte Veröffentlichungen ihrer Werke durch ehemalige Manager aus und geht auf ALICE COOPER, JUDAS PRIEST, METAL CHURCH,  Ozzy Osbourne, Slash, Lars Ulrich, ALICE IN CHAINS, ICE T, die RAMONES und die nervenaufreibenden Zerwürfnisse mit Sony Music ein.
 
Am Ende der 293 Seiten umfassenden Memoiren des Rock’n’Roll Giganten Ian Fraser Kilmister ist noch eine Diskographie, mit allen Alben an denen er mitgewirkt hat, angefügt. Diese, einen kleinen Einblick in Lemmys Leben und Wirken verschaffende Autobiographie ist nicht nur was für Lemmy, bzw. MOTÖRHEAD Fans, aber definitiv kein Buch für unerbittliche, spaßbefreite und eingefleischte Emanzen, denn denen könnte bei der Lektüre an so mancher Stelle der Kragen platzen. Klingt nach ner Menge Spaß und das ist es sicherlich auch...wenn man sich selbst und das Leben nicht allzu ernst nimmt. Lemmy, du warst schon ne Marke...wir vermissen dich!!! Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister wurde 70 Jahre alt und verstarb am 28.12.2015, nur zwei Tage nach der Diagnose an einer Krebserkrankung. Seine Autobiographie ist im Heyne Hardcore Verlag erschienen und somit definitiv nix für Piensliesen!

Meine Wertung: 88/100

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richard laymon, horror, das ufer, heyne verlag, richardlaymo

Das Ufer

Richard Laymon , Kristof Hahn
Flexibler Einband
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453676473
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Wo Heyne Hardcore nur immer diese Werke des 2001, im Alter von gerade mal 54 Jahren verstorbenen, amerikanischen Horror Schriftstellers Richard Laymon ausgräbt? Da muss es einen enorm umfangreichen Fundus geben, aus dem man schöpfen kann. Heyne Hardcore scheint zu meiner Freude in den letzten Monaten und Jahren den gesamten Backkatalog des Schriftstellers veröffentlicht zu haben. In Laymons brutalen und hemmungslosen Plots spielen die Themen Sex, Hieb- und Stichwaffen, sowie damit verübte Grausamkeiten stets eine übergeordnete Rolle. So auch dieses Mal. Leider ist der 576 Seiten starke Horror Thriller Schinken „Das Ufer“, welches hierzulande im September 2016 in der Verlagsgruppe Randomhouse erschienen ist, eines der schwächeren Werke des Horror, Thriller und Western Romanautors. Die Story ist zum größten Teil in Tiburon in Marin County/Kalifornien angesiedelt. Ein durchgeknallter, perverser und psychopathischer Killer macht Jagd auf ein junges Pärchen. Allan und Deana wollen ein wenig Zweisamkeit genießen und fahren zu einem nächtlich einsam gelegenen Platz. Deana ist ein wenig hypernervös und sieht überall Verfolger und Gespenster. Als sich ein Auto nähert, ist es mit der zärtlichen Ruhe alsbald vorbei und beide sehen sich ihrem ultimativen Albtraum gegenüber. 


Richard Laymon hat diese ganz spezielle Erzählweise, die das Kopfkino sofort in Gang setzt. Trotz der beschriebenen Grausamkeiten will man weiterlesen und ist wissbegierig auf das, was da noch kommen möge. Der Plot, der überwiegend aus der Sicht der (überlebenden) Opfer geschrieben ist, umfasst mehrere Erzählstränge, die von bestialischen Morden handeln. Deanas Mutter Leigh sinniert über ihre Vergangenheit, über den Urlaub mit Onkel Mike und Tante Jenny in Carson’s Camp am Lake Wahconda, über Charlie, ihre damalige Urlaubsbekanntschaft, zu dem sie sich in außerordentlichem Maße hingezogen fühlte, den schrecklichen Ereignissen und der Frucht ihrer Lenden, die neun Monate später letztendlich in der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Deana gipfelte. Leigh wird im Verlaufe der, doch recht ausgeschmückten Story immer wieder an ihre Romanze mit Charlie und die abscheulichen, traumatischen Erlebnisse, die zu einem abrupten Ende ihres gemeinsamen Abenteuers führte, erinnert. Deana und Leigh befinden sich häufig im Monolog mit sich selbst und lassen den Leser so an ihrer intimsten Gedankenwelt teilhaben. 


Richard Laymon hat die extraordinäre Gabe einer unbeschreiblich bildhaften und flüssigen Erzählweise, was den ein oder anderen bei dem Genre Horror sicherlich ein wenig zu bildhaft vorkommen mag. Deshalb hat man diesen Roman auch über die Heyne Hardcore Schiene veröffentlicht. Die Laymon Plots sind grundsätzlich auf Rückblicke, Konversation und viele Dialoge ausgelegt, was sie zusätzlich empathisch und lebensnah gestaltet, aber auch auf perverse sexuelle Phantasien, gespickt mit blutigen Horrorszenarien. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache, somit sicherlich auch nur bedingt empfehlenswert. In Laymons Geschichten scheint es nahezu nur perverse und geistesgestörte Individuen zu geben und diejenigen, die unter selbiger Klientel zu leiden haben. Generell schreibt Laymon von nackter Haut, nackten Füßen, (meist kleinen) Brüsten, hart werdenden Brustwarzen, Pobacken, Schamhaaren, Schamlippen, Schaft, Penis, Zunge, Streicheln, Küssen, Saugen und Kopulation. Auch wenn seine Plots generell ziemlich krank sind, mag ich seine Schreibe. 


„Das Ufer“, welches im Original unter dem Titel „The Lake“ bereits im Jahre 2004 veröffentlicht wurde, ist jedoch arg konstruiert, unglaubwürdig und einfach viel zu langatmig geraten. Das konnte er definitiv schon einmal besser, der Herr Laymon. Tiefgang sucht man in seinen Geschichten ohnehin vergebens, aber darauf sind sie auch nicht wirklich ausgelegt. Leider gibt es sehr viele kleinere Ungereimtheiten, über die man, in ihrer Gesamtheit betrachtet, nicht so einfach hinwegsehen kann. Trotz der seelischen und körperlichen Verbrechen, die an den einzelnen Protagonisten verübt werden, verhalten sich selbige relativ normal und alltäglich, was ich ebenfalls als störend und befremdlich empfinde. Dazu gesellt sich eine Art Todessehnsucht der Zentralfiguren, denn anders ist das unvernünftige, nein eher äußerst naive Verhalten der einzelnen Protagonisten einfach nicht zu erklären. Auch dass Detective Mace Harrison nicht sofort die Kennzeichen des eindeutig identifizierten Fahrzeugs vor Leighs und Deanas Haus über seine Dienststelle prüfen lässt, ist eine seltsame Vernachlässigung der Polizeiroutine. Sonderlich niveauvoll sind Laymons Plots ohnehin nicht, aber "Das Ufer" ist, mit seinem skurrilen und bizarren, aber auch vorhersehbaren Storyboard, in dieser Hinsicht negativer Spitzenreiter und geradezu unterirdisch. Der Plot nimmt immer groteskere Züge an und verläuft in fragwürdigen, wie auch vorhersehbaren Bahnen. „Das Ufer“ ist somit eines der langweiligsten und zähesten Bücher, die ich von Richard Laymon bislang gelesen habe. Schade!


Meine Wertung: 54/100


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22 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

thriller, alaska, royce scott buckingha, kaltgestellt, kalt gestellt

Kaltgestellt

Royce Scott Buckingham , Wulf Bergner
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.09.2016
ISBN 9783734102318
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

BUCKINGHAM, ROYCE SCOTT - Kaltgestellt

(Blanvalet)

Stuart Stark, seines Zeichens Staatsanwalt in Bristol County (Massachusetts), übernimmt freiwillig einen Mordfall. Trotz Fehlens einer Leiche kommt es zu einer Verurteilung des mutmaßlichen Täters Raymond Butz, da dieser den Mord an seiner eigenen Frau gegenüber einem Gefängnisinsassen einräumt und diesen auch gegenüber dem Gericht gesteht. Staatsanwalt Stu ist daraufhin ein, nicht nur von den Medien, gefeierter Mann. Der Ruhm währt allerdings nicht lange, denn als der Fall neun Monate später vom Berufungsgericht neu verhandelt wird, kommt Raymond Butz auf freien Fuß. Keine Leiche, kein nachzuweisender Mord. Als die erneute Klage somit abgewiesen wird, verliert Stu seinen Job. Daraufhin eröffnet er, gemeinsam mit seinem sadistischen und berechnenden, ehemaligen Kommilitonen Clayton Buchanan von der University Of Oregon, eine eigene Anwaltskanzlei in New Bedford (ebenfalls Bristol County). Die Kanzlei ist in einem renovierungsbedürftigen Gebäude untergebracht und der Erfolg will sich nicht so recht einstellen. Seine Frau Katherine ist materialistisch eingestellt und straft Stu schon mal mit Sexentzug, wenn die Dinge nicht so laufen, wie von ihr gewünscht. Sie will ein Haus am Strand, wie ihre Freundinnen bereits eines besitzen und steht auf Fitness, Eleganz und Geld. Stu ist indes über die Jahre etwas verweichlicht und hat keine Lust seiner Frau zu widersprechen, geschweige denn sich mit ihr anzulegen, aber auch nicht das Geld, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Als sein Partner Clay ihm zu seinem 40. Geburtstag einen gemeinsamen Trip nach Alaska samt Unterkunft im Blockhaus schenkt, willigt Stu widerwillig ein. Stuart Stark hat keinen Arsch in der Hose und ist ein Ja-Sager. Seine Frau ist eklig zu ihm und hält indes keine großen Stücke mehr auf ihren Mann. Stuart nimmt dies aber alles nicht für bare Münze und macht sich dahingehend keine Gedanken. Als Clay im letzten Moment einen Rückzieher macht, weil er einen wichtigen Kunden für die Kanzlei gewinnen will, fliegt Stu kurzerhand alleine in die eisige Wildnis Alaskas. Nachdem ihn Ivan, ein Pilot von „Yukon Air Tours“ an einem einsamen See abgesetzt hat und Stu sich zum Blockhaus aufmacht, dämmert ihm nur allzu bald, dass es hier gar kein Blockhaus gibt. Glücklicherweise findet er eine kleine, windschiefe Schutzhütte als Unterschlupf. Stu soll von Ivan nach einer Woche wieder abgeholt werden, doch niemand kommt, um ihn zurück in die Zivilisation zu fliegen. Nicht zuletzt durch die eisige Kälte und die üblen Rückschläge, die das Schicksal für Stu immer wieder bereithält, befindet sich der Anwalt alsbald in einer lebensbedrohlichen Lage und ist Gefangener seines ganz persönlichen Albtraums. Hungrig, krank und vor allem vollkommen dehydriert, gibt sich Stu langsam auf. Er führt Selbstgespräche und wird allmählich verrückt. Doch dann kommt die Rettung in Form des Jägers Blake, der über den Winter bei sich aufnimmt. Man sucht nach Stuart Stark, aber kann ihn nicht finden. Da der Anwalt an seiner generellen Lebenskrise so ziemlich alleinig Schuld trägt, fällt es allerdings schwer Sympathien für ihn aufzubauen oder Mitleid mit ihm zu empfinden.

Royce Scott Buckingham hat selbst Jura an der U of O studiert und während seines Studiums Kinder und Jugendbücher geschrieben. Der 2014 erschienene, im englischen Original „Impassed“ (Sackgasse/ausweglose Situation) betitelte Thriller, ist sein erstes Buch für Erwachsene. Auf 445 Seiten entwirft Buckingham ein leider doch recht oberflächliches Psychogramm eines Mannes im Überlebenskampf und die Rache bei seiner Rückkehr in die Gesellschaft. Die Themen Geld, Macht, Einfluss und Geltungsbedürfnis werden arg breit getreten und fangen im Laufe der Geschichte unweigerlich zu nerven an. Ständig geht es um persönliche Außenwirkung, wofür die Protagonisten gar über Leichen gehen. Sämtliche Protagonisten haben eine kaputte, indes erkaltete Seele und ein völlig kaputte Psyche. Die Erzählweise ist recht nüchtern und durchaus spannend, aber es gibt eine recht langwierige Einführung in die eigentliche Geschichte, einen größeren Durchhänger in der Mitte und es fehlt ein wenig an Lokalkolorit. Aus der Story und der guten Grundidee hätte man sicherlich weitaus mehr machen können.

Über die vergehenden Monate des Winters, gefangen in Alaskas Wildnis, bemerkt man allmählich eine Veränderung bei Stu. Weg von dem Weichei hin zu einem richtigen Kerl. Derweil verändert sich auch sein zurückgelassenes Leben daheim radikal. Clay ist ein asoziales, berechnendes, gerissenes und vulgäres Arschloch, das allmählich beginnt Stuarts Leben an sich zu reißen. In der ehrenwerten Gesellschaft in der sich Katherine fortan bewegt, scheinen sämtliche Personen ihre Empathien gegen eine hemmungslose Herzenskälte eingetauscht zu haben. Gesellschaftliche Zwänge, charakterlose Züge, Lügen, Intrigen und perverse Machenschaften sind hier an der Tagesordnung. Was Stu nach seiner Wiederkehr ausarbeitet, hat es allerdings in sich und nimmt seinen Lauf wie eine Reihe Dominosteine. Er muss sie nur noch anstoßen. Bis auf den Durchhänger in der Mitte ist die Geschichte zwar relativ spannend, aber "Kaltgestellt" ist sicherlich alles andere, als ein sympathisches Buch. Aber will es das überhaupt sein? Wohl eher nicht. Leider ist die Auflösung von Stus Plan und somit das Ende des Buches recht zügig und für meinen Geschmack zu schnell erzählt.

Meine Wertung: 73/100

Link zur Buchseite des Verlags: 

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Kaltgestellt/Royce-Scott-Buckingham/Blanvalet-Taschenbuch/e475811.rhd

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96 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

lissabon, portugal, krimi, erbe, mord

Portugiesisches Erbe

Luis Sellano
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2016
ISBN 9783453419445
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sellano, Luis - Portugiesisches Erbe

(Heyne)

Der erste Band der Lissabon-Krimi Reihe.

Wie bereits im Buchtitel, des im Juni 2016 erschienenen „Portugiesisches Erbe“ von Luis Sellano angedeutet wird, hat Protagonist Henrik Falkner geerbt. Die Story ist in Portugal der Gegenwart angesiedelt, genauer gesagt in Lissabon, der Stadt am Rio Tejo, dem mit 1008 km längsten Fluss in Spanien und Portugal, der bei Lissabon in den Atlantik mündet. Auf 363 Seiten baut Luis Sellano seinen wendungsreichen Krimi Plot auf, während er immer wieder auf die entsprechenden Örtlichkeiten hinweist, von denen sich der geneigte Leser im Internet jederzeit ein Bild machen kann. Als ein portugiesischer Notar den, jüngst zum Witwer gewordenen Ex-Polizisten in seiner deutschen Heimat bezüglich der Erbangelegenheiten kontaktiert, fliegt Henrik kurzentschlossen nach Lissabon, obwohl er seinen Gönner und gleichzeitigen Onkel nie persönlich kennengelernt hat. Das Erbe, welches aus einem Wohnhaus mit mehreren Parteien und einen dazugehörigen Antiquitätengeschäft in einem der ärmeren Viertel Lissabons besteht, ist zu allem Überfluss auch noch an die Klausel gebunden, dass er nicht verkaufen darf, was weitere Probleme mit sich bringt. Als Henrik das Antiquariat und später auch die Wohnung seines verstorbenen Onkels Martin Falkner betritt, die sich ebenfalls im geerbten Wohnhaus befinden, eröffnet sich für Henrik eine Art Puzzlespiel. Neben der Buchhaltung des Antiquariats, gilt es den Wust an Unterlagen zu sichten, den sein Onkel ihm, dem Polizisten augenscheinlich in weiser Voraussicht hinterließ. Nachdem man Henrik ein Verkaufsangebot gemacht hat, das er nicht zuletzt aufgrund des Passus im Testament seine Onkels, aber auch wegen seinem eigenen Gewissen nicht annehmen kann, trachtet man ihm auch schon nach dem Leben. 

Luis Sellano ist ein Pseudonym, hinter dem sich Oliver Kern verbirgt, der verschiedene Künstlernamen für seine Werke nutzt. In seinem eigenen Namen sind bereits die Krimi Thriller „Die Kälte in dir“, „Geist des Bösen“ oder das ultrageniale „Das Gewicht der Seele“ erschienen. Als Mark Neustädter hat er im März 2015 den Thriller „Die Spur der Tränen“ veröffentlicht. Oliver Kern, der 1968 in Esslingen am Neckar geboren wurde, ist nun also mit dem Pseudonym Luis Sellano an der Reihe, das wohl besser zum Titel seines neuen Werkes „Portugiesisches Erbe“ gepasst hatte. Cozy, lebensnah und spannend erzählen kann er ja der Herr Kern, äh Senhor Sellano - Henrik muss sogar essen, trinken und schlafen, was so manch anderer „Superheld“ gar nicht nötig hat - und Sinn für interessante und spannende Storyboards hat er auch. Der Plot bleibt in weiten Teilen zu oberflächlich und könnte durchaus markanter gestaltet sein.

Henrik Falkner, den man allerdings auch in Kommissar Zufall hätte umtaufen können, ist sehr neugierig und lässt nahezu nichts unversucht, um dem geheimnisvollen Tod seines Onkels und den Hintergründen, die dazu führten auf die Spur zu kommen. Er muss einfach die kryptischen Botschaften entzaubern, die ihm Martin hinterlassen hat, gräbt dabei tief in alten Wunden und deckt ein Netzwerk dunkler Machenschaften auf, die bereits Dekaden zurück liegen. Welche Rolle spielt sein Nachbar Renato und welche Martins Angestellte Catia oder die bezaubernde Adriana und welche Rolle hat Sellano Ärztin Dr. Mola und der Polizistin Helena zugedacht? Der Ermittler in Henrik ist geweckt, handelt allerdings nicht immer ganz realitätsnah. Die Idee von dem ehemaligen Polizisten, der seine Arbeit vermisst, ist in meinen Augen sehr klischeebehaftet, nicht immer ganz glaubhaft und von daher vielleicht etwas unglücklich gewählt. Wobei sich in Arbeit zu stürzen bei einer Trauerbewältigung durchaus ein probates Mittel zur Ablenkung darstellen kann. Auch die Sache mit dem Brand und Falkners anschließendem Fund halte ich für etwas missglückt dargestellt, denn hier wäre nach einem derartigen Ereignis von Ermittlerseite wohl jeder Millimeter haarklein untersucht worden und das jüngst zu Tage getretene längst entdeckt. Teilweise sind die Ideen schon wirklich arg banal und vom Zufall geleitet, aber es handelt sich bei „Portugiesisches Erbe“ schließlich auch um nicht mehr, allerdings auch nicht weniger als Trivialliteratur aus dem Belletristik Bereich. Sellano lässt Henrik nicht zur Ruhe kommen, hetzt seine Hauptfigur durch Lissabon und katapultiert ihn nach der Trauer über den Verlust seiner Frau in eine runderneuernde Selbstfindungsphase und in einen tiefen Sumpf aus Einfluss, Macht und Korruption. Wenn doch nur die vielen Zufälligkeiten und Ungereimtheiten nicht wären, die den Plot leider hin und wieder ausbremsen. Da hat das Lektorat anscheinend etwas gepennt. Die Story ist durchaus interessant und spannend, wenn sie mich auch nicht wirklich vom Hocker haut. Das kann er durchaus besser der Herr Kern, äh Senhor Sellano. Alles in allem ist „Portugiesisches Erbe“ ein gelungener Auftakt zu einer Serie, bei der ich aber definitiv noch Steigerungspotential sehe.

Meine Wertung: 77/100

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41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

island, hochland, steinar bragi, thrille, autounfall

Hochland

Steinar Bragi , Tina Flecken
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei DVA, 12.09.2016
ISBN 9783421046970
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

STEINAR BRAGI - Hochland

(DVA)

Dass sich der isländische Autor Steinar Bragi mit seinem eher unkonventionellen Plot nicht nur Freunde, sondern auch Feinde innerhalb der Lesergemeinde machen würde, war von vornherein abzusehen. Sein neuestes Werk „Hochland“ ist schwer einzukategorisieren, denn es ist nicht leicht zu greifen und irgendwie weder Fisch noch Fleisch. Ist es nun subtiler Horror, ein Psycho Thriller, ein surreales Psychogramm oder etwas aus der Reihe Phantastik? Die Richtung, des 302 Seiten starken Romans ist nicht eindeutig definiert und irgendwie ist er alles und gleichzeitig nichts davon. Die Sprache ist zu Beginn etwas holprig, was durchaus an der Übersetzung liegen mag, der Spannungsbogen ist langatmig gestaltet, es wird wenig Lokalkolorit eingestreut und erst ganz am Schluss nimmt der Plot so richtig Fahrt auf. Dann wirft die Geschichte allerdings mehr Fragen auf, als sie beantwortet, was auch der Grund für die vielen negativen Meinungen sein dürfte, die ich allerdings nicht ganz teilen mag. Die angedeuteten Geschehnisse sind zum Teil Metaphern auf die wirklichen Hintergründe und den verrückt gewordenen Geist, der dieser Geschichte innewohnt.

Am Anfang macht sich ein typischer Horror Thriller Plot nach amerikanischem Vorbild breit, taucht im Laufe der Erzählung aber in eine eigentümliche, fremdartige Symbiose aus den vorgenannten Stilen ab. Zwei junge, urlaubsreife Pärchen fahren gemeinsam mit ihrem Hund Tryggur (was so viel wie "treu" bedeutet) durch Islands menschenleeres Hochland, welches zugleich Europas größte Wüste darstellst. Durch Unachtsamkeit kommen die jungen Leute bei Nacht und Nebel von der Straße ab. Verzweifelt versuchen Hrafn, Vigdís, Anna und Egill die Straße wiederzufinden und verfahren sich immer weiter in den windgepeitschten Sandflächen. Als sie den Wagen schlussendlich gegen eine Hauswand lenken, findet ihre Fahrt ein jähes Ende. Zum Glück nur leicht verletzt, finden Sie Unterschlupf bei den alten, verschrobenen Bewohner des Hauses, welche selbiges nach außen hin wie eine Festung verbarrikadieren, denn merkwürdige Dinge geschehen dort draußen. Was sich zu einem tödlichen Trip durch die Sand- und Felswüste Islands auswächst, ist eine surreale Exkursion in menschliche Abgründe, der ein klein wenig mehr Seele sicherlich gut getan hätte. Man meint recht früh zu ahnen, in welche Richtung der Plot marschiert, aber es bleibt vieles offen und der Fantasie des Leser überlassen, was im Prinzip gar nicht so verkehrt ist, denn ein Buch, auch wenn es wie in diesem Fall nicht das tiefgründigste ist, soll doch in erster Linie unterhalten und in zweiter Linie zum Nachdenken anregen und das tut es ganz offensichtlich. Die Gruppe wird zum Teil richtig philosophisch, agiert aber das ein oder andere Mal etwas „strange“. Die jungen Leute scheinen des Weiteren ein arges Alkoholproblem zu haben. Leider schleichen sich auch immer mal wieder ein paar plumpe Bemerkungen zu den Vorkommnissen ein, die das Lesevergnügen ein wenig schmälern. Zwischendurch wird immer mal wieder die Vergangenheit der vier Protagonisten beleuchtet, welche alles andere als sympathisch gezeichnet sind, was ein gewisses Empathieempfinden des Lesers, mit der misslichen Lage in der sich die jungen Isländer befinden, erschwert. Ihnen allen lastet eine angeschlagene Psyche an und sie fechten permanent Kämpfe mit ihren inneren Dämonen aus. Merkwürdige Geschehnisse, sonderbare Verhaltensweisen, kleine Nicklichkeiten untereinander. Sie sind sich untereinander auch nicht grün und nutzen nahezu jede Gelegenheit die sich bietet, das jeweilige Gegenüber zu denunzieren. Das Hochland scheint Spannungen hervorrufen und die Verhaltensweisen der jungen Leute nachhaltig zu beeinträchtigen. Sie werden im Laufe der Geschichte immer schizophrener und fangen allmählich an durchzudrehen. Nichts ist wirklich, nichts ist fassbar, nichts ist evident. 

Bragi baut eine immer subtilere Spannung auf. Es dauert allerdings eine halbe Ewigkeit, bis etwas nennenswertes passiert. Man hätte das Ganze in seiner surrealistischen Dramaturgie gerne mehr in die Breite ziehen dürfen, den Plot tiefgründiger gestalten, dem Kausalismus ein weitergehendes Augenmerk schenken und der morbiden Diversität einen größeren Handlungsspielraum einräumen sollen. „Hochland“ ist ein surrealer, atypischer Horror Roman geworden, der mich von seiner Grundstimmung her ein wenig an den Film „Lost Highway“ von David Lynch erinnerte.

Meine Wertung: 79/100

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

alex woods, meteorit, gavin extence, freundschaft, leben eben

The Universe Versus Alex Woods

Gavin Extence
Flexibler Einband: 426 Seiten
Erschienen bei Redhook, 14.01.2014
ISBN 9780316246590
Genre: Romane

Rezension:

GAVIN EXTENCE - The Universe Versus Alex Woods 

(Hodder and Stoughton Ltd.

Der, mit 34 Jahren noch recht junge britische Autor Gavin Extence, hat mit seinem 2013 im englischen Original erschienenen Debüt Roman „The Universe Versus Alex Woods“ (zu Deutsch: „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“ / hierzulande 2014 im Limes Verlag erschienen) die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft skizziert und damit einen Bestseller gelandet. Der, aus einem kleinen englischen Dorf, mit dem markanten Namen Swineshead/Lincolnshire stammende Schriftsteller und leidenschaftliche Schachspieler Extence, hatte ein goldenes Händchen für einen atypischen, sensiblen Plot über Toleranz, Moral, Ethik und Würde. Der siebzehn jährige Alex Woods, von Zürich kommend, wird im Auto seines alten Freundes Mr. Peterson, an der Grenze in Dover angehalten. Nicht ganz Herr seiner Sinne, kann Alex den Anweisungen des Zollbeamten - nämlich schleunigst aus dem Fahrzeug auszusteigen - aufgrund des Anflugs eines epileptischen Anfalls nicht gleich Folge leisten und wird nicht zuletzt deswegen von einer Streife in das Dover Police Departement gebracht. Dort konfrontiert man ihn mit diversen, vermeintlichen Beweismitteln und nimmt ihn in die Mangel. 113 g. Marihuana hat man dem Handschuhfach entnommen und eine Urne mit Mr. Petersons menschlichen Überresten auf dem Beifahrersitz gefunden! Nun soll er erst mal der Reihe nach alles erzählen und ganz von vorne anfangen, was er dem Leser gegenüber dann auch tut.

Alex erzählt von seinem außergewöhnlichen Unfall als zehnjähriger, aufgrund dessen er die epileptischen Anfälle hat, von seinem schwierigen Leben, mit all den Ärgernissen mit denen sich ein abseitiger, jugendlicher Einzelgänger herumschlagen muss, von seiner Freundschaft zu Mr. Peterson und der schlimmen Nachricht, die jener eines Tages erhält. "The Universe Versus Alex Woods" dreht sich hierbei unter anderem um die Frage, wie das Umfeld reagiert, wenn ein Mensch selbstbestimmt leben und selbstbestimmt sterben möchtet. Daraus entspinnt sich eine feinfühlige, empathische, sensible, intelligente und lebensnahe Geschichte, die teilweise recht nüchtern erzählt, aber umso lesens- und liebenswerter ist. Trotz aller gebotener Ernsthaftigkeit bei diesem Thema, streut Gavin Extence immer wieder unterschwelligen Humor in seine Geschichte ein und lockert diese dadurch bewusst auf. Gefühlvoll, freundlich, traurig, aber auch schwungvoll und immer voller Hoffnung erzählt der Autor von den Schwierigkeiten und den Proben, auf die diese außergewöhnliche Freundschaft immer wieder gestellt wird. „The Universe Versus Alex Woods“ ist eine charmante Erzählung über ein Leben in Würde und das Recht in Würde zu sterben. Ein Buch, das nachdenklich macht und den Leser daran erinnert und dazu animiert, sich wieder mehr auf die wichtigen Dinge des Leben zu konzentrieren und zu versuchen, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wer hierbei allerdings Action und Spannung erwartet, liegt mit diesem entschleunigenden, imposanten Werk definitiv falsch. Es geht eher darum, was wahre Freundschaft ausmacht, nämlich immer für einander da zu sein. Egal in welcher Situation. Alex und Mr. Peterson werden im Laufe der Geschichte zu Komplizen ihrer gemeinsamen Verschwörung. „The Universe Versus Alex Woods“ ist definitiv kein Buch über den Tod, es ist vielmehr ein Buch über das Leben. Der Autor beweist wahrlich Fingerspitzengefühl und baut eine unterschwellig spürbare Spannung auf, die einen quasi dazu zwingt Seite um Seite weiterzulesen. Eine wirklich schöne, geistreiche, herzliche und von emotionaler Intelligenz getragene Geschichte.

Der zweite Gavin Extence Roman wird voraussichtlich im November 2016 im Limes Verlag erscheinen und trägt den Titel „Libellen im Kopf“. Er begleitet ein junges Mädchen bei ihrem bodenlosen Sturz in die mentale Versehrtheit.

https://www.randomhouse.de/Autor/Gavin-Extence/p505913.rhd

Meine Wertung: 87/100 

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114 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 13 Rezensionen

krimi, schweden, menschenhandel, geiselnahme, entführung

Blasse Engel

Anders Roslund , Börge Hellström , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 365 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 01.05.2007
ISBN 9783596165674
Genre: Krimi und Thriller

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130 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

horror, mord, sex, richard laymon, kalifornien

Die Klinge

Richard Laymon , Marcel Häußler
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.03.2014
ISBN 9783453676503
Genre: Krimi und Thriller

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(2.994)

3.881 Bibliotheken, 29 Leser, 20 Gruppen, 152 Rezensionen

thriller, fbi, jack the ripper, mord, serienmörder

Die Blutlinie

Cody McFadyen , Axel Merz
Flexibler Einband: 476 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 15.04.2008
ISBN 9783404158539
Genre: Krimi und Thriller

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(3.517)

4.692 Bibliotheken, 34 Leser, 16 Gruppen, 195 Rezensionen

thriller, sebastian fitzek, berlin, psychothriller, mord

Der Augensammler

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 439 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2011
ISBN 9783426503751
Genre: Krimi und Thriller

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(2.860)

3.860 Bibliotheken, 26 Leser, 13 Gruppen, 174 Rezensionen

thriller, dänemark, entführung, krimi, sonderdezernat q

Erbarmen

Jussi Adler-Olsen , Hannes Thiess
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.02.2011
ISBN 9783423212625
Genre: Krimi und Thriller

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7.919 Bibliotheken, 36 Leser, 15 Gruppen, 165 Rezensionen

thriller, verschwörung, kirche, paris, louvre

Sakrileg - The Da Vinci Code

Dan Brown ,
Flexibler Einband: 618 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 08.04.2006
ISBN 9783404154852
Genre: Krimi und Thriller

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(3.859)

4.939 Bibliotheken, 25 Leser, 9 Gruppen, 112 Rezensionen

thriller, david hunter, krimi, simon beckett, england

Die Chemie des Todes

Simon Beckett , Andree Hesse , ,
Fester Einband: 656 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.09.2011
ISBN 9783499256462
Genre: Krimi und Thriller

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(2.609)

3.208 Bibliotheken, 32 Leser, 4 Gruppen, 43 Rezensionen

thriller, umwelt, meer, frank schätzing, spannung

Der Schwarm

Frank Schätzing
Flexibler Einband: 992 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 02.09.2009
ISBN 9783596510856
Genre: Krimi und Thriller

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