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Stricken – Masche für Masche

Marisa Nöldeke
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Edition Michael Fischer, 17.08.2017
ISBN 9783863557607
Genre: Sachbücher

Rezension:

Stricken - Masche für Masche von Marisa Nöldeke, auch bekannt als Maschenfein, ist ein sehr gutes Grundlagen Buch. Sowohl für die geübte Strickerin, die einfach ein hübsches Nachschlagewerk haben möchte, als auch für die Anfängerin, die sich ein Buch mit ausführlichen Erklärungen und guten Bildern zum Einstieg kaufen möchte, ist das Buch sehr gut geeignet.

Ich würde es tatsächlich jedem empfehlen, der mit dem Stricken anfangen will und sich erstmal einlesen möchte oder dem Youtubevideos für den Einstieg einfach nicht reichen.

Aktuell boomt der Strickmarkt und es sprießen Bücher aus der Erde, wie Pilze an einem feuchten Herbsttag. Den Überblick zu behalten, was wirklich gut ist und was nur schnell produziert, um auf einer Welle mit zu schwimmen ist schwierig.

Ich schätze Marisas Anleitungen schon lange, folge ihr auf Facebook, Instagram und habe zum Beispiel das Hinata Tuch im Sommer von ihr gestrickt.

Stricken - Masche für Masche sieht erstmal sehr hübsch aus. Der Umschlag gefällt mir, ist robust und stabil und bleibt vorallem auch aufgeschlagen liegen, damit man in das Buch blicken und Stricken kann. Für mich ein ganz wichtiger Punkt bei einem Strickbuch.

Das Buch ist grob in 3 Teile geteilt. Basics und Techniken machen den Anfang, dann folgen Strickmuster und schließlich Projekte. Das ist für mich stimmig aufgebaut und ergibt Sinn.

Unter Basics finden sich Hinweise zur Materialkunde, sehr ausführlich, sehr gut strukturiert und aufgebaut. Hier werden Fasern beschrieben, Garnstärken erläutert. Hier dann mein erster Kritikpunkt, die Garnbezeichnungen beziehen sich hier auf das "Standard Yarn Weight System", das realistisch aber eigentlich kaum eine Strickerin nutzt. (Ich kenne zumindest keine) Hier hätte ich die Klassifizierung, die uns allen aus Ravelry bekannt ist und von tausenden von Strickerinen benutzt wird, sehr viel besser gefunden. Das wäre dann Cobweb, Lace, Light Fingering, Fingering, Sport, DK, Worsted, Aran, Bulky, Super Bulky und Jumbo, und nicht nur superfine, fine, light DK, medium, bulky, super bulky. Aber das ist vermutlich einfach eine Frage der Gewöhnung. Trotzdem lassen gerade die größeren deutschen Designerinnen die große Community Ravelry sehr außer Acht, ein Fehler aus meiner Sicht.

Aber zurück zum Buch, unter Materialkunde bekommt man auch erklärt, wie man die Banderole eines Garns liest, welche Informationen man dort findet und wie man Strickstücke pflegt. Die Waschsymbole werden erklärt und es werden Worte zum Garnwickeln verloren. ( Hier fehlte mir unter dem Bild eindeutig der Hinweis zu Ylle, deren Wickler hier prominent abgebildet und für mich das Nonplusultra im Wicklerbereich ist.)

Dann erfährt man etwas zur Werkzeugkunde. Rundnadeln, Nadelspiele, Jackennadeln. Alles wird erklärt. Weitere kleine Helfer, wie Maschenraffer, Markierer, Fixierer, Strickring, Reihenzähler und co werden beschrieben und gezeigt. Auch hier hätte ich mir eine Angabe von Bezugsquellen in der Nähe des Bildes gewünscht.

Natürlich schreibt Marisa auch etwas zur Maschenprobe. Für Anfänger sicherlich hilfreich. Ich umgehe die Maschenprobe immer. Ich hasse sie. Maschenproben sind für Uschis. Lediglich bei Teststricks fertige ich dieses Mistding wirklich gewissenhaft, ansonsten schludere ich da. Aber damit man Schludern kann, muß man natürlich Erfahrung haben, seine Art zu stricken und die Garne kennen und dafür muß man viele Maschenproben gestrickt haben.

Der Maschenanschlag wird ebenfalls erklärt, hier haben mir die sehr einfachen Grafiken sehr gut gefallen. Ich fand das besser zu erkennen, als auf zu bunten Bildern. Es werden verschiedene Anschlagsformen gezeigt und ihre Vorteile und Nachteile erläutert. Hier werde auch ich sicherlich noch häufig hinschauen und neue Dinge ausprobieren.

Dann kommen die Erklärungen zu rechten Maschen und linken Maschen, ebenfalls mit Bildern und gut zu erkennen, sowie ausreichenden Erklärungen, die auch für den absoluten Anfänger geeignet sind.

Weiter geht es mit dem Stricken in Reihen, hier werden verschiedene Formen der Randmaschen vorgestellt und auch an kleinen Pröbchen gezeigt, das hat mir gut gefallen und auch hier freut sich jede geübte Strickerin sicherlich noch mal nachlesen zu können und zu schauen, was zum aktuellen Strickstück passen könnte.

Natürlich wird auch das Stricken in Runden (Socken, Mützen, Pullis) erklärt sowohl mit dem Nadelspiel, als auch mit der Rundnadeln.

Soweit so gut, damit kann man dann erstmal Stricken, aber was, wenn der Faden zu ende ist? Auch dafür gibt es ein Kapitel, wie man Garnenden verwebt, Farbwechsel macht, Garn neu ansetzt und so weiter. Auch das war gut verständlich. Bei den Bildern zum Garnende einstricken fand ich leider den gelben Faden sehr hell und auf dem weißen Hintergrund schlecht zu sehen. Da wäre etwas mehr Kontrast schön gewesen.

Wer also dann die Grundmaschen beherrscht und Fäden verweben kann, der will irgendwann auch Muster stricken und dazu werden dann die besonderen Maschen erklärt. Sehr ausführlich und hier wieder mit sehr guten Grafiken. Auch Zunahmen und Abnahmen werden erklärt und zwar auch hier unterschiedliche, damit man sich die passende Art aussuchen kann.

Dann hat man sein Strickstück fertig und will natürlich abketten, wie das geht,. wird ebenfalls ausführlich erklärt, mit vielen Bildern und Varianten und auch was weiter mit dem Strickstück passieren sollte, damit es schön in Form kommt, wird erwähnt.

Dann verliert sie auch einige Worte dazu, wie man eine Anleitung richtig liest, für einen Anfänger ist das ganz bestimmt sehr hilfreich, denn das Strickchinesisch ist ja nicht immer leicht zu verstehen. Es gibt praktische allgemeine Tipps, Erklärungen zu verkürzten Reihen und verschiedenen Arten diese zu Stricken. (Dazu kann ich ja den Kurs von Mairlynd sehr empfehlen. Den ich im Atelyeah besucht habe. Das ist wirklich erhellend.) Aber es geht auch mit den Bildern im Buch sehr gut und verständlich. Es wird erklärt, wie man Knopflöcher einstrickt und welche Verzierungen (Stickereien, Kordeln, Pompoms, Perlen etc. ) man wie anbringen kann.

Auch kompliziertere Techniken, die definitiv nichts für Anfänger sind, werden erläutert. Brioche oder Patent, Fairisle, Steeken und Doubleface wird gezeigt, auch hier fand ich leider wieder den hellen Faden auf hellem Grund schlecht sichtbar auf manchen Bildern, trotzdem kann man erkennen, was wo zu tun ist.

Sehr gut fand ich die Tipps, wenn etwas schief geht, was tun, wenn eine Masche gefallen ist, etwas zu kurz oder zu lang wurde. Das fehlt in den meisten anderen Strickbüchern und der Anfänger sitzt dann da und ribbelt, obwohl er das gar nicht müßte. Sehr schön, dass hier auch daran gedacht wurde.

Der Abschnitt Strickmuster ist kurz gehalten, aber ausreichend, ein Beispielbild und Hinweise, wie man dieses Ergebnis erhält. Absolut ausreichend, wenn man geübt ist bzw. den ersten Teil des Buches gelesen hat. Patentmuster, Zopfmuster und vieles mehr wird hier gezeigt. Da waren sogar Sachen bei, die ich noch nicht kannte.

Im Abschnitt Projekte gibt es Pulswärmer, einen Cardigan mit Raglan Lochmuster, eine Babydecke, ein zarter Kaschmirschal, ein Schal mit Zopfmuster, ein Pulli mit V-Neck (das ist der Grund, warum ich das Buch gekauft habe, der Pulli ist super schön!), Socken mit Zopfmuster, Täschchen im Fischgrätmuster, Kuscheldecke, Stirnband, die Mütze mit Zöpfen, die ich auch schon gestrickt habe und ein hauchzarter Loop. So kann man direkt die erlernten Dinge in Projekte umsetzen. Anschließend folgt ein gutes und umfangreiches Register, so dass man rasch findet, was man sucht.

Bei den Projekten haben sich leider einige Fehler versteckt, soweit ich weiß, sollten die aber in der zweiten Auflage verschwunden sein. Es ist nichts Dramatisches und Fehlerchen macht jeder, aber gerade in einem Anfängerbuch ist es natürlich wichtig, dass die Anleitungen und Garnangaben korrekt sind. (Bei der Mütze steht zum Beispiel man benötige 150 g in zwei verschiedenen Farben. dabei ist die ganze Mütze einfarbig und mit weniger als 50 g gestrickt.) Ein Errata zum Buch, für diejenigen, die die erste Ausgabe haben, findet sich in der Maschenfein Gruppe bei Facebook.

Die Zopfmustersocken gehen nur von Größe 36 bis 41 und der Pulli und der Cardigan sind nur in S/M/L verfügbar. Das ist natürlich dem Platz im Buch geschuldet, trotzdem sollte man das wissen. Ich werde in Größe XS stricken, also selbstständig verkleinern müssen, das traue ich einem Anfänger erstmal nur bedingt zu.

Etwas schade fand ich bei den Projekten, dass die Bilder offensichtlich nicht von Strickerinnen ausgewählt wurden. Beim V-Neck-Pulli ist kein einziges Bild des V-Neck im Buch abgebildet, die Strickjacke mit Raglan-Lochmuster sieht unfassbar zerknautscht aus und wurde nicht richtig in Form gezupft, bzw. das Lochmuster so stark gedehnt, dass es fehlerhaft aussieht, obwohl es das nicht ist. Beim Bild der Kuscheldecke gibt es keine Schemazeichnung und keine ganze Abbildung, so dass man gar nicht erkennen kann, was das überhaupt für ein Muster ist. Das ist leider bei vielen Büchern des EMF Verlags offenbar ein Problem, hier würde ich mir wünschen, dass etwas mehr darauf geachtet würde, was die Zielgruppe hier wirklich sehen will und was an Information aus dem Bild hervorgehen sollte.

Ich weiß, dass ich auf hohem Niveau nörgele, denn grundsätzlich ist das Buch wirklich sehr gut und hilfreich. Ich würde es wirklich Anfängerinnen, wie geübten Strickerinnen empfehlen, eben weil es sehr umfangreich ist und somit auch zum Nachschlagen dienen kann. Die Bilder sind gut verständlich und mit dem Buch ist man für wirklich jedes Strickprojekt gerüstet.

Viel Spaß beim Stricken!

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Zwei rechts, zwei links

Ebba D. Drolshagen , Martina Behm
Fester Einband: 251 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 23.10.2017
ISBN 9783518468142
Genre: Sachbücher

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magersucht, klinikaufenthalt, anorexia nerovsa, pari, mädchen

Tage ohne Hunger

Delphine de Vigan , Doris Heinemann
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 22.08.2017
ISBN 9783832198374
Genre: Romane

Rezension:

Am Wochenende hab ich Delphine de Vigans "Tage ohne Hunger" beendet.

Ich habe von ihr schon "No & ich" als Hörbuch gehört und war damals nicht 100prozentig zufrieden, vermutlich weil sich ihre Texte aus meiner heutigen Sicht eher nicht als Hörbuch eigenen. Sie erzählen zwar grundsätzlich eine abgeschlossene Geschichte, bestehen aber häufig aus Fragmenten, Gedankengängen und lassem dem Leser sehr viel Raum für eigene Ideen. Das funktioniert für mich bei einem Hörbuch schlechter, als bei einem gelesenen Text.

"Tage ohne Hunger" habe ich also gelesen und war von der ersten bis zur letzten Seite hingerissen. Wie der Titel vermuten läßt, geht es um eine Essstörung, den Leidensweg, den Weg zur Heilung und die Probleme, die man mit sich ausfechten muß. Es ist ein sehr bedrückendes und intensives Buch und durch die Schilderung der Gedanken der Protagonistin ist man sehr nah am Geschehen dran. Es wird nicht auf den Ekel gesetzt und die widerlichen Dinge, die man als essgestörter Mensch teilweise tut, werden eher angedeutet, als wirklich im Detail beschrieben, das fand ich gut und hat mir absolut gereicht.

Ich persönlich habe ja diverse sehr persönliche Erfahrungen in meinem Leben mit Personen gemacht, deren Verhältnis zum Essen ein etwas anderes war und auch ich konnte meine Mahlzeiten nicht immer in der Form genießen, wie ich es heute zum Glück kann. Für mich war das Buch trotzdem sehr gut lesbar und ich fühlte mich verstanden, bzw. habe sehr vieles wieder erkannt. Für eine Person, die akut in einer Behandlung ist würde ich das Buch allerdings wirklich nur bedingt empfehlen, es ist drastisch, es triggert, es zieht einen herunter, ob das in jeder Lebensphase immer das Richtige ist, sollte jeder selbst entscheiden.

Laure, die Protagonistin des Buches, ist ein etwas schwieriger Mensch, der sich aber eben kurz vor dem zu Spät sein, doch dafür entscheidet, die Hilfe einer Therapie anzunehmen. Sie thematisiert ihren Therapieverlauf, ihre Kontakte in der Klinik, sie selbst ist mit knapp 35 Kilo eingeliefert worden, andere Patienten sind aus anderen Gründen dort, und Laure beobachtet, anlysiert, schließt Freund und Feindschaften und ficht dabei ihren ganz eigenen Kampf mit sich selbst aus.

Sie beschreibt die Qual einer Magensonde, den Drang sich zu bewegen, um Kalorien zu verbrennen und die Probleme etwas zu essen. Sie tut das sehr eindrücklich und aus meiner Sicht auch für einen nicht Betroffenen sehr nachvollziehbar. Ohne große Erklärungen versteht man, was ihr Problem ist, warum sie so oder so handelt. Natürlich lassen sich Laures Probleme nicht auf jede Person mit Eßstörung übertragen, trotzdem hat mir hier die Schilderung von Laures Gedanken sehr positiv aufgezeigt, was einen Menschen bewegt und was andere Menschen in einem bewirken können.

Natürlich hat auch Laure ein problematisches Elternhaus, Schuldgefühle, Ängste, alles was zu so einer Eßstörung in der Regel dazu gehört, alles, was die Heilung noch schwieriger macht. Sie findet sehr oft Trost im Stricken (bzw. später auch in anderen Dingen), was mich sehr gefreut hat, schließlich hat auch für mich das Stricken hin und wieder eine (wenn auch andere) Art therapeutische Wirkung. Das hat mir sehr gefallen, dass hier mein liebstes Hobby in der Form erwähnt wurde.

Laures Schilderungen sind für mich nachvollziehbar, glaubwürdig und eher auf ihr Innenleben gerichtet, es geht hier nicht darum den Klinikalltag zu beschreiben oder ein Sachbuch für den Weg aus der Essstörung zu lesen, hier geht es wirklich um die sehr poetische Schilderung, was eine solche Störung mit einem macht, wie man sie besiegen oder es zumindest versuchen kann und dass sie einen im Grund niemals verläßt.

Ich fühlte mich von Delphine de Vigan nicht nur gut unterhalten, sondern wirklich begeistert. Das war für mich für 2017 eines der Jahres-Highlights auf dem Nachttischlesestapel und hat mich tatsächlich endlich längere Zeit am Stück wieder konzentriert lesen lassen.

Tage ohne Hunger ist als Hardcover im Dumont Buchverlag erschienen.

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Der Hilfsprediger

Hilary Mantel , Werner Löcher-Lawrence
Fester Einband: 220 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.07.2017
ISBN 9783832198725
Genre: Romane

Rezension:

Nahezu 30 Jahre nach seinem Erscheinen auf Englisch wurde Hilary Mantels Geschichte über den Glauben in Fetherhoughton nun auch ins Deutsche übertragen und zwar gekonnt, wie ich direkt anmerken möchte. Der Hilfsprediger erschien im Dumont Buchverlag.

Ich störe mich ja häufig an Übersetzungen bei älteren Büchern oder sprachlich anspruchsvolleren, hier ist alles stimmig, alles paßt. Werner Löcher-Lawrence hat als Übersetzer wirklich sehr gute Arbeit gemacht. Mantel und er finden die richtigen Worte, die Dorfatmosphäre der 50er einzufangen und den Leser direkt ins Geschehen in diesem kleinen Nest in den Mooren zu versetzen. Der Hilfsprediger schafft es, mich zu begeistern.

Der Gemeindepfarrer Angwin hat seinen Glauben ein wenig verloren oder auch verlagert, der Aberglaube hielt Einzug in seine Gemeinde und das findet der modern ausgerichtete Bischof eher weniger witzig. Daher taucht als Hilfe für Angwin Fludd auf, ob diese Figur "Spion" oder "Engel" ist, das sieht jede der Figuren ein wenig anders. Jedes Gemeindemitglied, auch die eher heidnisch erzogenen der umliegenden Dörfer, hat Charakter und wird trotz der Kürze des Buches sehr eindrücklich eingeführt und vorgestellt. Mantel hat hier einfach ihre ganz eigene Art zu beschreiben und zwischen den Zeilen erahnen zu lassen. Bereits nach wenigen Worten hat man ein sehr genaues Bild der jungen Nonne Philomena, der Klostervorsteherin und auch der Kinder der "Heiden".

Mich hat vorallem die singende und Tee und Kakao kochende Haushälterin begeistert. Die an Türen lauscht und ihre ganz eigene Meinung zu den verbuddelten Kirchenheiligen hat, die der gebeutelte Pfarrer Angwin einfach mal ruckzuck auf dem Friedhof hat bestatten lassen, um der Modernität, die der Bischof fordert, gerecht zu werden.

Fludd schafft es die Dorfgemeinschaft zu bezaubern, zu faszinieren oder zumindest aufzuwühlen. Besonders hat mir hier die Szene gefallen, in der er gemeinsam mit einer jungen Nonne einer der Statuen eine Nase aus Knetgummi anheften möchte oder in der er mit der Klostervorsteherin in den Kleidern der Nonnen, die diese bei ihrem Eintritt ins Kloster mitbrachten, wühlt. Fludd ist schlecht zu durchschauen, seine Absichten unklar und dennoch begeistert diese Figur alle anderen. Mit viel bissigem Witz und religiöser Kritik schreibt Mantel sich hier eine Welt zusammen, die skuriler und charmanter nicht sein könnte, die aber trotzdem bei genauem Hinsehen der Realität dieser Zeit auf einem solchen Dorf recht nahe kommen dürfte. Ein wenig bigott, ein wenig frömmelnd, absurd und widersprüchlich, kämpfen und hadern die Figuren mit ihrem eigenen und dem Glauben der anderen.

Mich hat das Buch wirklich sehr begeistert und das ganz klar vorallem, weil mir Dank der Erziehung auf einem klösterlichen Gymnasium so manche Handlungsweise der Nonnen und des Pfarrers nicht unbekannt sind. Mantel setzt sich in ihrem Buch mit Gut und Böse auseinander und zeigt auf, wie nah bei einander und wie leicht zu vermischen hier die Grenzen sind. Das Dorf sehnt sich nach Regeln, darf man an Fastentagen getoastetes Brot essen und wird das Brot beim Toasten leichter, so dass man sogar zwei Scheiben nehmen dürfte? Ist Marmelade an Fastentagen in Ordnung? Straffe Regeln sind gewünscht und Pfarrer Angwin und Mutter Perpetua stellen sie mit eher unsicherer Hand auf. Ob Fludd der Gemeinde nun wieder auf den rechten Weg zurück hilft oder sie in noch größeres Chaos stürzt, würde zu weit führen, aber ich möchte sagen, ich hatte großen Spaß beim Lesen und sein Alter merkt man dem Buch zu keinem Zeitpunkt an.

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Messer

Tim Hayward , Susanne Lück
Fester Einband
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 12.10.2017
ISBN 9783832199289
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ganz schlicht „Messer“ heißt das Buch von Tim Hayward,erschienen im Dumont Buchverlag, in dem es auch um genau das geht. Schlicht und schön aufgemacht, mit einem hochwertigen Einband versehen, macht das Buch wirklich was her auf dem Kaffeetisch und das Buch ist aus einem bestimmten Grund auf Papier gedruckt, das sich zum Messerschärfen nicht eignet. (Hier mußte ich sehr schmunzeln bei der Lektüre.)

Ich mag ja Sachbücher, die sich mit den Gegenständen des täglichen Gebrauchs beschäftigen und dazu nicht nur schöne Bilder zeigen, sondern auch noch lesenswerte Geschichten erzählen und eine Fülle von Informationen bieten.

Tim Hayward © Mike Sim

Tim Hayward ist Foodjournalist und ich mag seine Beiträge im Guardian sehr gerne und finde seine Food DIY Videos bei Youtube sehr unterhaltsam. (Leider nur auf englisch…)

Daher hab ich mich gefreut, dass Dumont offenbar entschieden hat, sein Buch „Knife“ nach Deutschland zu bringen.

Das Buch ist eingeteilt in die folgenden Kapitel:

Einführung

Hier liest man aus jedem Wort Haywards Liebe zum Essen und Kochen und eben zum richtigen Werkzeug dafür heraus. Er erklärt, dass er kein Nachschlagewerk schaffen wollte, sondern seine persönliche Auswahl an Messern seinen Lesern näher bringen wollten. Was ihm aus meiner Sicht fantastisch gelungen ist.

Anatomie des Messers

Hier werden die Begrifflichkeiten geklärt, mit einer schönen Illustration zeigt er, dass ein Messer aus so viel mehr, als aus Klinge und Griff besteht.

Haltetechniken

Hier werden die verschiedenen Möglichkeiten erläutert, wie man ein Messer halten, nutzen und einsetzen kann. Das war spannend, ich hätte gedacht, dass ich ein Messer eigentlich immer gleich nutze, als ich mir aber die 5 Haltetechniken durchgelesen habe, wurde mir klar, dass ich intuitiv tatsächlich jedes Messer bei jeder Einsatzmöglichkeit anders nutze und zwar glücklicherweise nicht gänzlich absurd.

Schneidetechniken

7 verschiedene Schneidetechniken stellt er vor und beschreibt hier sehr bildhaft und gut verständlich, wie er welche Schneidetechnik anwendet und wie sie sinnvoll ist.

Material

Hier schreibt er sehr ausführlich und mit historischem Hintergrund, aus welchen Materialien Messer gemacht werden, wie sie bearbeitet wurden und welchen Nutzen das Material haben kann.

Ein Messer entsteht

Ein Messer zu schmieden ist eine Kunst und das wird hier mit jedem von Haywards Worten deutlich. Er beschreibt, wie aus einem Stück Metall eine Klinge wird und tut das auf sehr unterhaltsame Art und Weise und mit viel Herz. Dabei packt er unfassbar viele Informationen in diesen unterhaltenden Text, die so sehr gut hängen bleiben.

Die Messerschmiede

Hier interviewt Hayward die drei Messerschmiede, die eine britische Messerschmiede betreiben und sich auf Koch- und Küchenmesser spezialisiert haben. Das war sehr spannend und das Interview hatte durchaus Witz und Unterhaltungswert. Hier weden nicht rein sachlich Fakten vermittelt, sondern anhand von Erfahrungen Geschichten erzählt.

Die Messer

Hier bezieht er sich zunächst auf das Kochmesserset, wie man es aufbewahrt, was es beinhaltet und welchen Wert das Messerset für einen Koch hat und warum es sehr persönlich ist und von Argusaugen bewacht wird.

europäische Messer

An dieser Stelle werden die unterschiedlichen europäischen Messer vorgestellt. Jeweils mit einem Beispielmesser. Seine Klingenlänge, seine Verwendung, sein Gewicht, alles wird erwähnt. Begonnen wird mit einem deutschen Messer der Marke Wüsthof. Ich besitze tatsächlich auch zwei Wüsthof Messer und hab mich enorm gefreut, diese hier in an so prominenter Stelle wieder zu finden. Es folgen Ausbein- und Filetiermesser. Er berichtet von maßgefertigten Messern und natürlich darf auch Zwilling als großer Messerhersteller nicht fehlen. Natürlich habe ich auch davon einige in meiner Küche, am Liebsten habe ich mein kleines Fleischerbeil von Zwilling.

Seite 52 © Chris Terry

chinesische Messer

Dann folgen die chinesischen Messer, da kenne ich mich weniger gut aus und meine Küche ist auch nicht wirklich gut ausgestattet. Leider.

Hier findet sich dann auch ein kurzes Interview mit Henry Harris, den ich von der Seite Great britisch Chefs kannte, wo ich mir beim Kochen häufig Inspiration hole.

japanische Messer

Hier kannte ich tatsächlich neben dem durchaus bekannten Santoku aus Damaszener Stahl nur das Takohiki, aus einem Sushikochkurs ist dann offenbar doch etwas hängen geblieben, und habe mich bei den anderen Messern gefreut etwas dazu zu lernen. Den Comic dazu fand ich total klasse, das war eine kleine Überraschung in diesem Buch. Hat mir sehr gefallen. Toll fand ich hier auch die Erklärung der japanischen Fachbegriffe für die verschiedenen Teile des Messers, Fleischsorten, Fisch und vieles mehr.

Fleischermesser

Hier geht es ans Grobe. Ich habe bereits als Kind mitbekommen, wie auf dem Bauernhof geschlachtet wurde und bin da nicht zart besaitet. Wer Fleisch essen will, sollte aus meiner Sicht auch ein Tier töten können, ansonsten sollte man es lassen. Ich habe das für mich vor vielen Jahren ausprobiert und es war nicht angenehm, aber ich habe beim Schlachten geholfen und mir mein Fleisch somit aus meiner Sicht mitverdient. Fleischermesser müssen aus meiner Sicht Gewicht haben, scharf sein und gut in der Hand liegen. Man hat rasch blutige oder schmierige Hände und dann darf das Messer nicht wegrutschen.

Das Scimitar kenne ich trotzdem eher aus Rollenspielen am PC, denn aus der Schlachterei. Allerdings bin ich hier dann endlich auf meinen Lieblingsmesserhersteller Victorinox gestoßen, die machen einfach gute Messer für Menschen mit kleinen Händen zum sehr erschwinglichen Preis. Schön, dass Hayward das hier honoriert. Bei den Schlachterbeilen darf natürlich auch ein kleiner Exkurs zu den verschiedenen Hackebeilen nicht fehlen. Die sind hier gut illustriert aufgeführt. Auch der Hohlbeitel wird erwähnt, mit dem man große Knochen vom Fleisch trennt, was wirklich eine schweißtreibende Arbeit ist. Auch ein Messerset für die Jagd wird hier vorgestellt und der Kettenhandschuhe für das Knacken von Austern darf nicht fehlen. Für Dusselige kann man den auch beim Zerteilen einer Avocado anziehen, dann schneidet man sich dabei nicht in den Daumen.

Spezialmesser

Hier beginnt er mit dem Austernmesser und das ist wirklich wichtig, dass er hochwertig und gut ist. Sonst ratscht man da nur sinnlos herum und verletzt sich, die Auster und überhaupt gibt das ein Massaker. Ich habe zwei sehr gute Austernmesser mit rundem Fingerschutz von Felix Solingen und mußte leider lesen, dass ich damit zu den wenig trampeligen Austernöffnern gehöre, denn eigentlich nutzt man als fingerfertiger Austernkenner andere Messer…. Naja, bevor ich mir die Finger absäbel, bleib ich bei meinen. Wunderbar war sein Text zu Käsemessern und Pilzmessern, letztere kannte ich nicht, mir war aber tatsächlich beim Blick aufs Bild direkt klar, wozu sie gut sind. Sehr praktische kleine Helferchen. Auch den Trüffelhobel stellt er vor und ich muß zugeben, dass ich den oft Zweckentfremde und damit andere Dinge hobel, weil es Trüffel bei uns nun mal eher selten gibt.

Bei den Tranchiermesser stellt er gleich auch 10 praktische Regeln des Tranchierens auf, bzw. gibt sie wieder. Das war äußerst hilfreich. Danke dafür!

Wiegemesser, Mandoline, Gemüsemesser und viele mehr werden von ihm vorgestellt und ihre Vorzüge beleuchtet.

Seite 7 © Chris Terry

Schärfe

Hier hat mich sein Einstieg mit Schnittwunden schmunzeln lassen und tatsächlich habe ich, wie er es vorausgesehen hat, die Narbe an meinem Daumen (Austernmesser), die Narbe an meiner rechten Hand (breiten wir den Mantel des Schweigens über diese Avocado) und die Narbe an meiner Wade (ok, kein Messer, aber die Glasscherbe ist bis zum Wadenknochen vorgedrungen und ich habe erst 10 Minuten später gemerkt, dass ich offenbar gerade dabei bin, auszubluten, so glatt war dieser Schnitt und so wenig habe ich ihn gespürt), betrachtet und mich an ihre Herkunft erinnert.

Erst dann bezieht er sich auf das Schärfen von Messern, eine Kunst, die ich wohl nie beherrschen werde. Er spricht über Schleifmöglichkeiten, Schleifsteine, Finish und das alles wider mit so viel Leidenschaft und einer solchen Intensität, wie man sie bei einem Buch über Messer wirklich nicht vermuten würde.

Messerzubehör

Rolltasche, Magnetleiste, Schneidbrett sind die Dinge die man hier findet und die er bespricht, da hatte ich irgendwie noch ein wenig Mehr erwartet.

Dank

Sein Dank ist übrigens extrem lesens und sehenswert, die Comicfiguren sind super gezeichnet und Hayward findet die richtigen Worte, selbst sein Dankeswort interessant zu gestalten.

Register

Dank Register ist es übersichtlich und man findet alles, was man braucht auf einen Blick.

Haywards Buch hat mir wirklich gefallen, es ist sehr wohl ein Nachschlagewerk, aber eben auch unterhaltende Literatur, ein kleiner Schatz im Buchregal, für jeden kochenden Buchliebhaber, der Wert auf gute Materialien und wunderbare Worte legt.

Ich hoffe wirklich, dass auch weitere Bücher von Hayward ihre Übersetzung ins Deutsche finden werden. Das war fantastisch.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

weihnachten, krimi, plätzchen, mor, pistor

Makrönchen, Mord & Mandelduft

Elke Pistor
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 12.10.2017
ISBN 9783740802035
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Langsam naht die Weihnachtszeit und ich mag es, wenn sich meine Lektüre an die Jahreszeit anpaßt. Häufig lese ich in der Adventszeit Bücher mit Adventskalendergeschichten oder eben im Sommer Bücher mit Bezug zu warmem Wetter, Sonne, Meer und Strand. Daher war ich sehr erfreut, als Elke Pistor mich auf ihren neuen (Weihnachts-)Krimi aufmerksam machte.

Normalerweise bin ich ja nicht so die Krimileserin, weil ich dann immer an der Polizeiarbeit herumnörgele, die in der Regel gänzlich fern der Realität geschildert wird und dann bin ich maulig, weil die Geschichte für mich dann nicht mehr funktioniert.

Elke bekommt das in ihren Krimis aber immer sehr gut hin und hält die Waage zwischen Anpassungen aus Spannungsgründen und guter Recherche.

Das hat mir bereits bei ihren Eifelkrimis, wie zum Beispiel beim „Gemünder Blut“ gut gefallen.

Gerne habe ich also ihre „Makrönchen, Mord und Mandelduft“ gelesen und obwohl ich ja in letzter Zeit für Bücher immer ewig brauche, weil ich einfach zu wenig Zeit habe und dann doch häufig abschweife, war ich ruckizucki durch mit den Makrönchen, dem Mandelduft und dem Mord, was natürlich auch daran gelegen haben kann, dass ich unbedingt bei den Rezepten ankommen und backen wollte…

Der Weihnachtskrimi ist eine wirklich warmherzige Geschichte, rund um Annemie Engel, ihren offenbar mißratenen und kriminellen Bruder, den Weihnachtsmarkt und dortige Intrigen und natürlich Plätzchen. Leckerste Plätzchen in wunderbaren Varianten. Plätzchenrezepte sind auch im Buch eingefügt, so dass man passend zur Lektüre backen kann. Während Annemie Engel auf Möderjagd geht und sich nebenbei noch um die Weihnachtsbäckerei kümmert, obwohl sie eigentlich seit Jahren gar nicht mehr vor die Tür möchte, kann man dann leckere Makrönchen genießen. Sich an den herrlich in die Geschichte eingebauten Katzen erfreuen und die leichte Gesellschaftskritik, die dann doch ein wenig mitschwingt ignorieren oder zur Kenntnis nehmen, jenachdem wie viel Realität man bei der Weihnachtsstimmung gerade haben möchte

.
Elkes Schreibstil ist in diesem Buch wirklich weihnachtlich und fast kann man Apfel, Zimt und Mandelkern riechen, wenn Annemie mit ihrem charmanten Gehilfen und der etwas schrägen Ärztin (die hat mich vielleicht auf die Palme gebracht…) auf dem Weihnachtsmarkt ist und versucht herauszufinden, um was es bei der Gasexplosion, die ihren Bruder verletzt hat, wirklich ging. Was das alles mit der Vergangenheit zu tun hat und wer da sonst noch so seine Finger im Spiel hat.

Schneller als man gucken kann, wird aus der etwas schrulligen alten Frau eine hartgesottene Ermittlerin, die natürlich der Wahrheit auf der Spur ist.

Ein wirklich schöner herzerwärmender nicht zu brutaler und blutiger Krimi, der beim Lesen viel Freude und Wärme verbreitet und wirklich liebenswerte Figuren beinhaltet. Ja, das ist ganz sicher nichts für den ganz taffen Thrillerleser, der es brutal und hart braucht, aber auf jeden Fall etwas für jeden, der sich schon mal ein wenig auf den Winter einstimmen möchte und der bei einer Geschichte, die hier und da durchaus das Herzchen anrührt, und leckeren Keksen entspannen möchte.

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Sengender Wind

Selva Almada , Christian Hansen
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Berenberg, Heinrich von, 01.03.2016
ISBN 9783946334040
Genre: Romane

Rezension:

Schon vor einiger Zeit (ich glaube, letztes Jahr zum Indiebookday) habe ich mir Selva Almadas „Sengender Wind“ gekauft.

Beim Indiebookday wähle ich ja immer bewußt ein Buch, das mich von meinen üblichen Lesegewohnheiten wegführt und verlasse mich da häufig auf den Rat meiner Buchdealer in der Parkbuchhandlung. So auch diesmal, das Buch lag relativ lange dann im Regal und erst vor einigen Wochen hab ich es herausgezogen und mich auf das literarische Experiment in der Wüste eingelassen. Erschienen ist das Buch im Berenberg Verlag , der viel Wert auf hohen Anspruch und gute Literatur legt. So auch hier. „Sengender Wind“ ist ganz sicher keine Lektüre für Zwischendurch oder um am Strand die Seele baumeln zu lassen, trotz der Kürze werden hier verschiedenste Problematiken angerissen und der Leser zum Sinieren gebracht. 4 ganz unterschiedliche Charaktere teilen ihre Gedanken und Überlegungen mit dem Leser, nähern sich an und entfernen sich wieder voneinander. Mir hat das sehr gefallen, wenn ich auch von den Diskussionen und Überlegungen der Figuren untereinander mehr erhofft hätte. Da fehlte es mir stellenweise an Substanz.

Dennoch hat mich Sevda Almada durchaus gut unterhalten und angesprochen und ich finde es schade, dass bislang nicht mehr der Werke übersetzt wurden. Die Beschreibungen der Örtlichkeit und der Kraft des Gewitters hatte etwas fast Poetisches und die sehr eigene und schnörkellose Sprache hat mir sehr gefallen. Das Thema der Religiösität kam für mich nicht immer ganz überzeugend rüber, war aber durchaus glaubwürdig im Hinblick auf die handelnden Figuren.

Der Text ist trotz seiner Kürze sehr intensiv und ich hätte mir fast noch ein wenig mehr Fortsetzung gewünscht, wollte wissen, wie es weiter geht und ob die Wünsche und Gedanken der Personen sich erfüllen.

Keine Empfehlung für die Liebhaber leichter und stimmiger Texte, eher was für Menschen, denen es beim Lesern weniger um die Geschichte und mehr um die erzählerische Intensität geht.

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Katzen in der Kunst

Angus Hyland , Caroline Roberts , Birgit Lamerz-Beckschäfer
Flexibler Einband
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 22.08.2017
ISBN 9783832199166
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich gehöre zu den Menschen, die Coffeetable-Books einfach lieben. So gerne habe ich ein schönes Buch auf dem Wohnzimmertisch liegen, so gerne blättere ich versonnen und gucke einfach schöne Bilder.

Letzte Woche war ich dann ja extrem unfit und konnte nur rumliegen und an die Decke starren. Lesen wäre utopisch gewesen. Da die Decke aber irgendwann langweilig wurde, war ich sehr froh, das kleine Katzenbüchlein der anderen Art aus dem Dumont Buchverlag zu haben. Hier konnte ich ein wenig hin und her blättern, Bilder gucken, die ganz kurzen Texte überfliegen und das alles lenkte mich ein wenig ab.

Das Büchlein von Angus Hyland und Caroline Roberts ist schön klein und handlich, hat aber trotzdem noch ausreichend Größe, um die Bilder gut erkennen zu können. Dazu hat es eine angenehm griffige Haptik und matte Seiten, das mag ich.

Auf jeder Seite finden sich ein bis zwei Katzenbilder aus der Kunst. Manchmal auch eines über eine Doppelseite, dazu passende Sinnsprüche oder auch herrlich unnützes Wissen, sowas mag ich sehr. Zum Beispiel, dass der Maler Xu Gu aufgrund der Grausamkeiten, die er im Krieg erlebte, nur idyllische nostalgische Szenen malte. Oder dasss weiße blauäugige Katzen oft taub sind.

Ich mag das Buch und seinen Klappentext „Dieses Buch hat einen eigensinnigen Charakter“.

Es eignet sich als Mitbringsel und Geschenk für Katzenmenschen oder auch als kleine Belohnung für einen selbst.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Handbuch für Pflücker und Sammler

Erica Bakker , Ellen van den Broek , Ellen Broek , Linda Marie Schulhof
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 21.03.2017
ISBN 9783832199197
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Handbuch für Pflücker und Sammler, erschienen im Dumont Buchverlag, hat hier bei uns schon für viel Freude gesorgt. Seit einiger Zeit ist es in reger Benutzung, sehr gut, dass es etwas robuster gebunden und mit einem stabilen Gummiband ausgestattet ist. Das ist wirklich hübsch gestaltet und sehr praktisch.

Die niederländischen Autorinnen Erica Bakker und Ellen van den Broek, sowie die Illustratorin Rachelle Klaassen haben hier einen wirklich tollen Job gemacht. Natürlich ist das Buch eher auf Kinder ausgelegt, hat aber auch mir als Erwachsener durchaus Freude bereitet.

Das Ganze ist geglidert in eine Einleitung, in der das Pflücken und Sammeln erläutert wird, dann folgt ein Pflückkalender, eine Landschaftskarte und ein Pflück-ABC. Danach ist das Buch in Jahreszeiten gegliedert und passend zum Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter werden die passenden Themen erläutert und mit Ideen gewürzt.

Am Ende gibt es noch ein Kapitel, dass sich mit Dingen beschäftigt, die man das ganze Jahr über tun kann.

De Pflückkalender fand ich sehr gut, allerdings etwas sparsam und unübersichtlich, das hätte farbig gestaltet vielleicht ein wenig übersichtlicher gewirkt. Aber auch so kann man ihn gut nutzen. Auch die Pflückkarte fand ich etwas spärlich und hätte mir hier etwas mehr Detailtreue gewünscht.

Das Pflück-ABC sind 11 „Regeln“, zum Beispiel dass es zu zweit mehr Spaß macht, dass man mit dem Smartphone etwas nachschlagen kann, so etwas.

Dann folgen die Jahreszeiten und viele Ideen, was man zu welcher Zeit basteln, sammeln und tun kann. Man lernt eine Blumenkette zu flechten und einen Blumenkranz zu fertigen.

Auch vergessene Dinge werden wieder erwähnt, eine Kerbelflöte habe ich zum Beispiel schon mit meiner Oma gebaut und hab da gar nicht mehr dran gedacht. Vom Lavendelsäckchen über die Hexensuppe, bis zum Krabbenfangen ist wirklich sehr viel dabei, was man mit oder ohne Kinder draußen tun kann. Ich habe mir hier tolle Anregungen geholt und mit unseren Besuchskindern viel Zeit verbracht. Das hat wirklich Spaß gemacht, dabei ist alles gut erklärt, einiges nur als Anregung selbst Ideen zu haben zu verstehen und manches wirklich lustig beschrieben.

Wir hatten viel Spaß beim Lesen und auch bei der Umsetzung der vielen Ideen und Bastelarbeiten.

Das war wirklich sehr schön und wird bestimmt noch häufig genutzt werden.

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urlaub, upcyling, reise, tipps, lifehack

Auf alles vorbereitet - Lifehacks für unterwegs

Marie Geißler
Flexibler Einband
Erschienen bei DuMont Reiseverlag, 24.03.2017
ISBN 9783770184804
Genre: Sonstiges

Rezension:

Bereits seit einiger Zeit habe ich "Auf alles vorbereitet" als Badezimmerlektüre zum kurzen Lesen in der Wanne breit liegen.

Das Buch ist praktisch, robust und abwaschbar und mit einer Gummibandschließe versehen. Das Gummiband kann man auch herausnehmen und für andere Dinge nutzen. Mir gefällt die lockere Aufmachung des Buches sehr.

Im Buch befinden sich 299 unentbehrliche Tipps & Kniffe für die Reise. Einige davon kannte ich bereits, einige habe ich belächelt. andere fand ich wirklich interessant und gelungen. Grundsätzlich ist die Lektüre kurzweilig und aus meiner Sicht eignet sich das Buch auch prima als Mitbringsel für jemanden, der eine größere Reise antritt.

Auf 160 Seiten gibt es viele Ideen, wie man Dinge besser einpackt, was man einpackt, wie man es einpackt, was man braucht und was man nicht braucht. Was man gut gebrauchen kann, was man wie zweckentfremdet, was wirklich hilfreich ist.

Tipps wie, Zwiebel auf Mückenstiche zu drücken, hat man zwar schon mal gehört, aber zum Beispiel ein Wattepad in die Puderdose zu legen, um diese so vor Bruch zu schützen oder dass man die Kotztüten aus dem Flugzeug super auch als Autoabfallbehälter benutzen kann, haben mir wirklich Erhellung gebracht. Dazu ist alles nett und witzig formuliert, fein illustriert und wirklich hübsch gestaltet.

Mir hat das Büchlein wirklich Spaß gemacht.

Auf zur nächsten Reise!

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

krimi, amsterdam, london, niederlande, kyra slagter

Taschenbücher / Schwarzes Wasser

Isa Maron , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 19.06.2017
ISBN 9783832164188
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich lese immer seltener Krimis und wenn, dann meist keine Deutschen, da die wenigsten Krimiautoren sich die Mühe machen sinnvoll zu recherchieren oder dann eben zu Gunsten der Spannung auf die Ermittlungsrealität keine Rücksicht mehr nehmen. Ich bin da (leider) mehr oder weniger vom Fach und rege mich regelmäßig über diese Dinge auf, sei es eine Ermittlerin die gänzlich alleine einen Fall löst oder technische Dinge, die im Rahmen der Spurensicherung entweder nicht möglich sind oder möglich wären und außer Acht gelassen wurden, das nur vorab und es soll eigentlich nur ausdrücken, dass ich ein sehr kritischer Leser von Kriminalromanen bin und eben selten zufrieden gestellt werde.

Isa Marons Buch wurde mir allerdings wärmstens empfohlen und ans Herz gelegt und da die Ermittlungen in den Niederlanden spielen und ich mich da bezüglich der rechtlichen Möglichkeiten und der Organisation der Polizei nicht so gut auskenne, bin ich da dann auch weniger kritisch und lasse mich eher auf ein Buch ein.
Dieses hier ist der 3. Teil der Reihe um Maude Mertens und Kyra Slagter. Ich habe nur diesen Band bisher gelesen und bei mir kamen keine Verständnisprobleme auf und ich hatte auch nicht das Gefühl an einem Wissensdefizit zu leiden, weil mir die ersten Geschichten fehlten. Man kann das Buch also durchaus auch für sich alleine stehend lesen. Der erste Band heißt "Dunkle Flut" und der zweite Band "Kalte Brandung".


Die Handlung ist interessant, hier und da vielleicht ein wenig drüber, aber wirklich nur ein wenig, so dass ich noch damit leben konnte und mir nicht die Haare raufen musste. Man taucht mit den beiden Frauen in ihre eigenen Welten ein und die aufgebaute Stimmung paßt gut zur Erzählung, überhaupt werden Stimmungen und Emotionen sehr gut transportiert und die beiden Ermittlerinnen haben zwar beide natürlich ihren eigenen Charakter und ihre Probleme, aber dies nimmt nicht zu viel Raum ein und ist auch nicht so furchtbar depressiv und negativ, wie es in letzter Zeit bei Kriminalromanen Mode zu sein scheint.


Gut hat mir hier vor allem gefallen, dass es zwar um Gewalt geht und Pädophilie eine große Rolle spielt, dies aber nicht plakativ, sondern sehr einfühlsam und auf einem angenehmen Niveau erzählt wird. Es geht nicht darum noch blutrünstiger, noch grausamer zu sein, sondern wirklich darum eine gesellschaftskritische Geschichte zu erzählen.
Die unterschiedlichen Erzählstränge werden stimmig zusammen geführt und auch wenn mir nicht alle handelnden Charaktere immer sympathisch in ihren Handlungsweisen waren, so habe ich die Zeit mit Ihnen doch gerne verbracht.

Etwas schade finde ich den Cliffhanger am Ende des Buches, den hätte es meiner Meinung nach jetzt nicht zwingend gebraucht und mein Interesse zum Weiterlesen wäre auch so geweckt gewesen.


Fazit: Intelligente Kriminalgeschichte mit zwei sehr interessanten Frauenfiguren, die nicht gewollt taff und super sind, sondern einfach weiblich und angenehm.

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Power-Suppen, Brühen & Toppings

Dagmar von Cramm
Flexibler Einband
Erschienen bei Stiftung Warentest, 21.02.2017
ISBN 9783868514483
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich habe mal wieder Kochbücher gewälzt und Dagmar von Cramms Suppenbuch wurde ausgiebig getestet.

Gerade jetzt bei dem warmem Wetter gibt es bei uns öfter mal eine kalte Suppe. Gestern zum Beispiel eine Gurkensuppe mit Crostinis und Forrelle, die allerdings aus dem Hellofresh Boxenabo.
Zurück zum Buch, das hat mir wirklich sehr gut gefallen.
Es ist aufgeteilt in die folgenden Themengebiete:

Wundertrank aus dem Topf

Hier werden ein paar allgemeine Dinge zur Suppe erläutert, außerdem werden Vorurteile und Ammenmärchen unter die Lupe genommen. z.B. Ist Suppe ein Detox-Wunder oder kann Suppe Entzündungen hemmen. Das fand ich sehr spannend und gut erläutert und immer mit guten Suppen als Beispiel und der Seitenzahl, damit man das Rezept direkt findet.

Wie püriert man Suppe

Das Kapitel hätte ich überspringen können, denn in den Mann kriegt man ja nichts Püriertes rein, trotzdem hab ich mal reingelinst und fand die Hinweise zu Mixer, Pürierstab, Thermomix und Flotter Lotte ganz hilfreich.

Die Vorratssuppenküche

Hier geht es vorallem um Aufbewahrung, also Einfrieren, Einwecken, und co. Fand ich alles nicht so neu, für den Kochneuling mag das aber sehr hilfreich sein. Die Erklärungen waren einfach gehalten und gut strukturiert.

Grundrezepte Brühen

Hier gibt es zunächt allgemeine Tipps zur Zubereitung von Brühen, dann jeweils Rezepte für die unterschiedlichsten Varianten. Ich habe die kalt angesetzte Gemüsebrühe und die Krabbenbrühe nachgekocht und war recht angetan. Der Geschmack war gut, das ging Schnell und das Rezept war stimmig.

Klar und energiespendend

Das war für uns ein sehr interessantes Kapitel, da der Missjöh ja nichts Püriertes ist, schätzt er klare Suppen sehr. Hier gab es wirklich einige Suppen, die wir gut fanden. Vorallem die Zwiebelsuppe konnte überzeugen. Sonst mache ich sie ja immer, wie im Blogbeitrag hier beschrieben: Klick! Diesmal hab ich halt etwas anders zubereitet mit Sesamöl, was wirklich sehr lecker war.

Spannend fand ich auch die Zubereitung der selbstgemachten Instantsuppen. Das ist eine gute Lösung für die Mittagspause auf der Arbeit und hat mir sehr gefallen, war unaufwändig und praktisch.

Roh gemixt und kalt serviert

Kalte Suppen schätze hier im Haushalt eher ich. Hier konnte mich die Radieschensuppe überzeugen und begeistern. Auch die Avocadosuppe war eine schöne Variante, meiner Avocadosuppe, die ich ja schon sehr schätze. Klick! In dem Teil gab es aus süße Suppen, was mich sehr angesprochen hat.

Cremig und voller Vitamine

Hier gibt es viele Ideen für Cremesüppchen, von normal bis ausgefallen ist da alles dabei. Ich koche ja dann häufig ein Cremesüppchen und lasse den Schritt des Pürierens weg, dann ist der Mann glücklich und ich auch. Schmeckt trotzdem gut.

Herzhaft und wärmend für die Seele

Kräftige Eintöpfe und Suppen finden sich hier. Da fand ich eigentlich alles spannend und werde mich nach und nach durch kochen. Auch One Pot Pasta findet sich hier oder etwa eine Maissuppe mit Muscheln. Sehr simple, sehr lecker.

Toppings und Einlagen

Das war spannend, hier geht es um Klöße, Flädle, Eierstich, Polenta und weitere Einlagen. Das waren wirklich tolle Ideen zum Aufpepen einer einfachen Suppe dabei. Auch die Toppings haben mir gut gefallen, von einfach bis schwer, war da alles abgedeckt.

Rezeptübersicht und Zutatenregister

Ein übersichtliches Register, damit man auch jede Suppe wieder findet.

Mir haben die Rezepte wirklich gut gefallen. Klar erklärt und eine gute Übersicht der Zutaten. Die Mengenangaben der Gerichte stimmte bei mir mit dem Bedarf genau überein. Weder blieben große Reste, noch wurde es mal knapp.

Das Design des Buches ist klar und strukturiert, die Bilder sind ansprechend und schön. Man sieht, was man kochen will und wie es auszusehen hat.

Mir hat das Buch wirklich gut gefallen und ich würde es uneingeschränkt jedem empfehlen, der eine gute Suppe zu schätzen weiß.

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Leon. Fast & Free

Jane Baxter , John Vincent , Alexandra Titze-Grabec , Kerstin Somalo
Fester Einband: 308 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.05.2017
ISBN 9783832199241
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wie die meisten von euch ja mittlerweile wissen leide ich an verschiedensten Nahrungsmittelunverträglichkeiten, davon ist keine wirklich schlimm oder gravierend, weshalb ich sie in der Regel einfach ignoriere und esse, worauf ich Lust habe. Wenn ich es übertreibe oder gar irgendwo dann doch Paprika drin war, obwohl ich vorher gefragt habe, dann geht es mir ein paar Stunden nicht gut und dann ist es auch schon wieder vorbei. Phasenweise ist meine Lactoseintoleranz wirklich sehr nervig und dann nehme ich schon Rücksicht, aber meist eben nicht.

Viele Menschen sind da aber deutlich stärker betroffen, müssen intensiv darauf achten, was sie essen und für die freue ich mich, dass es immer mehr Angebote von laktosefreien, glutenfreien oder auch fructosefreien Lebensmitteln gibt. Auch die Welt der Kochbücher nimmt darauf zunehmend Rücksicht.

Vor kurzem ist daher ein neuer Band der Leon Kochbuchreihe aus dem Dumont Buchverlag erschienden. "Fast & Free" bietet zuckerfreie, gluten- und milchfreie Rezepte an.

Ich war sehr interessiert, weil ein bißchen Rücksicht auf meinen Körper nehmen schadet ja nicht und vor einiger Zeit flatterte das Buch ins Haus. Mittlerweile habe ich zwei Gerichte aus dem Buch nachgekocht und bin ganz angetan. Denn es stimmt tatsächlich die Rezepte sind alle mit nur geringem Aufwand verbunden und rasch nachzukochen.

Die Aufmachung ist wirklich gelungen, mir gefallen die Kochbücher der Leon-Reihe allerdings immer sehr gut. Der Stil gefällt mir einfach. Das ist ansprechend und die Fotos sind sehr lecker.

Diesmal hab ich das Kochbuch einfach dem Mr. in die Hand gedrückt und ihm aufgetragen, dass er sich was für's Wochenende raussucht. Nachdem er zielsicher erstmal lauter Gerichte mit Paprika erwischt hat, was für mich ja tatsächlich der Erzfeind ist, Paprika schmeckt super, esse ich gerne, bringt mich aber fast um. Nach dem Genuß von Paprika fühlt sich mein Bauch an, wie eine Atombombe kurz vor der Detonation. Paprika ist böse, sehr böse!

Letztlich konnten wir uns dann auf das Frühlingshähnchen einigen.

Zutaten: für 4 Personen

4 Hühnerbrüstchen, Olivenöl, 500 ml Hühnerbrühe (hab ich immer welche in Einmachgläsern selbst zubereitet vorrätig), 8 kleine Karotten, 8 Baby-Speiserüben, 8 Frühlingszwiebeln, 100g dicke Bohnen, 100g Erbsen, Salz und Pfeffer, Petersilie, Estragon, 2 Zitronen, 2 Knoblauchzehen, 100 g Spargel

Dazu kann man Klöße machen, darauf habe ich verzichtet, zum einen weil ich kein Pfeilwurzelmehl da hatte und zum anderen, weil ich Lust auf Bratkartoffeln dazu hatte.

Das Gemüse wird klein geschnibbelt.

Die Hühnerbrust wird gepfeffert und gesalzen, dann beidseitig kurz angebraten, mit der Brühe abgelöscht, die Karotten und Rübchen werden hinzugegeben (ich fand 8 von beidem verdammt viel und habe für uns zwei das Rezept nicht nur halbiert, sondern geviertelt, also 2 Karotten, zwei Rübchen, 2 Frühlingszwiebeln. Das war absolut ausreichend.)

Dann das restliche Gemüse dazu geben und kochen lassen. Bis alles wie gewünscht gar ist.

Im Kochbuch wird dann aus den Kräutern eine Gremolata gemacht, ich habe einfach die Brühe mit Petersilie, Estragon, Zitronensaft und -schale, sowie Knoblauch gewürzt, schließlich sollte es flott gehen.

Zusammen mit den Bratkartöffelchen war das für zwei ein wirklich sehr großzügige Portion, auch wenn ich weniger Gemüse genommen hab, entweder sind die Rübchen und Karotten im Land der Leon-Kochbuch-Schreiber deutlich kleiner als hier, oder ich weiß es nicht.

Das Hühnchen war wirklich sehr lecker, schön zitronig und sehr lecker.

Bei der Durchsicht des Buches habe ich allerdings festgestellt, dass mein Pfeilwurzelmehl-Problem mit irgendeiner Zutat bei jedem Rezept auftritt, fast alles ist gut zu bekommen, es gibt aber eigentlich immer eine Zutat für die man wirklich in den Bioladen oder das Reformhaus muß. Meist braucht man von dieser Zutat dann aber nur sehr wenig, so dass man jedes Mal was kaufen muß was dann nachher rumsteht. Sowas mag ich nicht sonderlich, ich probiere gerne neue Dinge aus, aber dann bitte sinnvoll und so, dass ich nicht tausend kleine angebrochene Reste habe. Das fand ich wirklich etwas enttäuschend.

Im Buch finden sich die folgenden Rubriken, die farblich abesetzt sind und so dafür sorgen, dass man wirklich gut alles wieder findet.

Fast & Free

Ein herrlich amüsantes Vorwort von Köchin Jane und John zum Thema Essen und Frei-von. Außerdem eine Erklärung der Symbole bei den Rezepten (niedriger glykamischer Index, wenig gesättigte Fettsäuren, Paleon, Frei von Nüssen, vegetarisch, vegan, mit Rohzucker, zuckerfrei.

Außerdem ein paar Worte zum Thema Paleon, fand ich interessant, kannte ich nicht wirklich, bzw. war wohl ein wenig vorurteilsbehaftet. Sehr gut lesbar und wirklich gut verständlich.

Im Vorratsschrank

Das hier ist sehr cool gemacht, eine Doppelseite zum Aufklappen, sowas gefällt mir immer sehr und das hier ist optisch wirklich sehr ansprechend.

Warum Frei-von?

Ganz viel Wissenswertes zum Thema glutenfrei, zuckerfrei, etc...

Frühstück & Brunch

Tolle Frühstücksgericht von Kokos-Mango-Pfannkuchen über Omlette mit Devon-Krabben bis hin zu Nussbrot.

Vorspeisen

Wirklich interessante und spannende Kombinationen, die ich allerdings vermutlich nicht in den Mann rein bekomme, ohne dass er mit Suizid droht, wenn ich das nicht weg nehme. Von Reispuffern mit Schwein-Krabben-Dip über Wurströllchen bis hin zu Blumenkohl-Sardellen-Püree

Einfaches für jeden Tag

Schnelle simple Gerichte von Nasi Goreng über Buchweizensalat mit Roter Bete hin zu sehr vielen Soba-Nudelgerichten.

Schnelle Abendessen

Rasche aber etwas aufwendigere Küche für ein gemeinsames Abendessen. Von Zitronenhühnchen aus der Tajine über Lammköfte bis hin zu Pizza. Da ist wirklich für jeden was dabei, leider häufig auch Zutaten, die es nicht so einfach im Supermarkt gibt. Also genau gucken, was man braucht.

Gerichte für Viele

Schöne Gerichte für größere Gruppen Feiern oder auch ein Buffet. Hier geht es mit Rinderbrust los, über Kartoffel Gnocchi, hin zu Tofu-Adobo und jamaikanischem Curry.

Köstliche Kleinigkeiten

Bei den köstlichen Kleinigkeiten handelt es sich um Snacks oder Beilagen. Maisbrot, Pita-Brot, verschiedene Gratins und eingelegtes Gemüse. Auch hier sehr ausgefallen, sehr besonders und sehr lecker. Das Maisbrot habe ich gemacht und war von Konsistenz und Schnelligkeite beeindruckt, das war wirklich flott fertig und sehr lecker.

Süsse Verführungen

Nachspeisen oder Naschereien für zwischendurch. Biskuittorte, Scones, Kastanienkuchen und co, hier finden sich wirklich viele Weizenmehlalternativen.

Register

Gut aufgelistet, alles rasch zu finden.

Danksagung

Jedes Rezept ist mit Fotos und kleineren Zusatzinfos versehen, das gefällt mir gut, allerdings handelt es sich hier wirklich um ein Kochbuch, keine begleitende Geschichte oder Anekdote, hier geht es wirklich ums Kochen.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

toskana, csaba dalla zorza, rezepte, italien, kochen

Toskana

Csaba dalla Zorza , Stefano Scatà
Fester Einband: 460 Seiten
Erschienen bei Callwey, 23.09.2016
ISBN 9783766722348
Genre: Sachbücher

Rezension:

Spätestens seit einem fantastischen Urlaub mit meinen Freundinnen vor einiger Zeit im wunderschönen Greve bin ich der Toskana und ihren Speisen verfallen, nichts schmeckt so lecker, nichts duftet so gut und egal wie viel Mühe man sich gibt, nie schmeckt es so fantastisch, wie auf einem Weinberg an diesem schönen Flecken Erde.
Trotzdem kann man es ja immer wieder versuchen, das Urlaubsfeeling nach Hause zu holen, die Geschmäcker auch hier zu erreichen und einfach nur geschmackvoll zu kochen.
Das Kochbuch kommt sehr hochwertig ausgestattet mit einer Leinenhaptik auf dem Einband daher und liegt schwer in der Hand. Die Verarbeitung ist sehr gut, leider ist der Einband natürlich sehr empfindlich, so dass ich es nicht direkt auf der Anrichte liegen habe, sondern auf den Esstisch stelle, zur Sicherheit.
Jetzt habe ich oben Kochbuch geschrieben, das wird dem Band aber nicht komplett gerecht, denn "Toskana" geht über ein eigentliches Kochbuch weit hinaus. Neben den wirklich guten Rezepten finden sich Anekdoten kurze Bemerkungen und Bezüge auf das Leben der Autorin, Zitate und wunderschöne Bilder sowohl des Essens, als auch der Landschaft.

Das Buch ist in folgende Abschnitte gegliedert:
- Mein Leben in der Toskana
- Die Speisekammer sinnvoll ausstatten
- Antipasti
- Gnocchi und Pasta
- Heise Suppen
- Fleisch und Wein
- Gemüse
- Snacks
- Süßes, Obst und Kaffee
Am Ende findet sich ein übersichtliches Register, das beim Wiederfinden und Orientieren behilflich ist.

Im gesamten Buch gefällt mir der persönliche Touch, den die Autorin den Rezepten und dem Buch verleiht sehr gut, sie schreibt über Familie, Landleben und Liebe und zeigt sehr offen Bilder von sich und ihrer Familie.
Das gefällt mir, sowas mag ich sehr. Natürlich kann man sich bei einem Kochbuch auf die reinen Rezepte beschränken, ich mag es aber so viel lieber, es ist einladend und gefällt mir sehr.

Das Kapitel über die Ausstattung der Speisekammer fand ich interessant und praktisch, nicht alle Tipps würde ich umsetzen, aber ein paar Ideen kann man sich dort zur Haushaltsorganisation auch als souveräne Hausfrau noch abschauen.
In der Regel gibt es zu jedem Gericht mindestens ein Bild, auch das entspricht meinen Wünschen, ich möchte mir nämlich vorstellen können, wie das Gericht im fertigen Zustand aussehen soll. Ich bin da eins ehr optischer Mensch, ich brauche das einfach.

Nachgekocht habe ich bisher die Sardellen in Zitrone, den Salat aus weißen Bohnen und die Birnen mit Honig und Zitrone.
Jeder der Gerichte ist einfach und rasch zu kochen, man benötigt überraschend wenige Zutaten und diese bekommt man sehr gut im Supermarkt Mir ist im ganzen Buch keine Zutat über den Weg gelaufen die ich nicht auf dem Markt, Biomarkt oder Supermarkt erhalten würde.
Das gefällt mir, dazu sind die Mengenangaben sehr passend, so dass auch mein immer sehr hungriger Mann entsprechend satt wird.
Ich mag das Buch wirklich gerne, man kann schön darin stöbern, Kochen damit lernen, aber auch als erfahrener Koch noch Ideen und Anregungen finden. Ob man für Bruschetta jetzt wirklich das 100ste Rezept braucht, kann ich nicht beurteilen, aber mich hat das Buch inspiriert und angeregt.

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kurzgeschichte, abendbrot bringen, murakami, kellnerin, haruki murakami

Birthday Girl

Haruki Murakami , Ursula Gräfe , Kat Menschik
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 13.04.2017
ISBN 9783832198589
Genre: Romane

Rezension:

Murakami ist ja mein uneingeschränkter Liebling, der Gute kann sich schriftstellerisch so einiges leisten und ich bin immer glücklich mit seinen Texten. Bei Birthday Girl handelt es sich zum einen um eine Kurzgeschichte und zum anderen um einen kleinen Essay von Murakami, der sich Gedanken über Geburtstage macht.

Beides war auf die jeweils eigene Art spannend und interessant.

Birthday Girl regt die Fantasie an, läßt den Leser im Dunkeln tappen und sorgt dafür, dass man sich Gedanken über seine eigenen Wünsche und Ziele macht und was deren Erfüllung für einen bedeuten würde und ob diese wirklich so positiv sein wird.

Dabei wird man, wie üblich bei Murakami ziemlich gequält als Leser und letztlich am Ende mit seinen Überlegungen allein gelassen, wer so etwas nicht schätzt, sollte hier besser die Finger vom Büchlein lassen, wer aber solche kleinen Spielereien eines Autors zu schätzen weiß, der wird hier sehr viel zwischen den Zeilen finden.

Die Illustrationen von Kat Menschik tun ihr übriges dazu, dass man von diesem Buch wirklich anregend unterhalten wird und sich gerne auf Murakamis Überlegungen einläßt.

Natürlich ist man als schneller Leser sehr flott durch diesen kleinen Leseband durch, ich schätze aber auch die schöne und schnelle Unterhaltung hin und wieder und habe dieses kleine Büchlein wirklich sehr genossen.


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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Chicken & Rice

Shu Han Lee , Sofia Blind
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 13.04.2017
ISBN 9783832199180
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich liebe ja die Kochbücher aus dem Dumont Verlag. Vorallem die von Nigel Slater haben es mir ja angetan, wie ihr hier , hier, hier und hier nachlesen könnt.

Diesmal gab es was Asiatisches und das obwohl ich sonst wirklich nicht so für asiatisches Essen zu haben bin. Mich haben die sonntäglichen Besuche mit Mama und Papa beim Dorf-Chinesen wirklich nachhaltig geschädigt und für mich schmeckte Asiatisch lange Zeit einfach immer nur scharf und nach Sojasoße. Erst langsam schleichen sich asiatische Einflüsse auch wieder in meine Küche und ich schaue mich vorsichtig nach asiatischen Kochbüchern um.

Dieses hier von Shu Han Lee fand ich zum einen sehr hübsch aufgemacht, zum anderen entspricht es wirklich genau meinem Geschmack. Ihren Blog „Mummy I can cook“ verfolge ich schon lange und schätze ihre lockere und freundliche Art und die wunderschönen Illustrationen, die sie selbst anfertigt, sehr. Die Gerichte sind zwar würzig, aber nicht so scharf, dass mir der Mund verbrennt, sie sind asiatisch und exotisch, aber dennoch auch für den europäischen Gaumen nicht zu abgefahren.

Auch ihr Instagramprofil ist wirklich sehenswert: Klick!

Dazu muß Essen machen bei mir ja immer flott flott gehen und dafür sind die Gerichte wirklich gut geeignet.

Die Zutaten bekommt man ausgesprochen gut, ich habe alles im Supermarkt (EDEKA) bekommen und mußte weder zum Asialaden noch ins Feinkostgeschäft. Das mag ich sehr.

Außerdem schätze ich es, wenn ein Kochbuch nicht nur Rezepte präsentiert, sondern dazu eine Geschichte erzählt. Hier geht es neben den Gerichten, um Heimweh und den Versuch die Gerichte der Kindheit nachzukochen, was gar nicht so leicht ist, wie ich aus eigener Erfahrung weiß und außerdem gibt es hier zu vielen Gerichten eine kleine persönliche Anekdote dazu oder eine Variation, wie es die Nachbarin abgeändert hat, oder dass ein Gericht erst aufgewärmt seinen vollen Reiz entfaltet. Das macht das ganze Buch so schön persönlich und man hat das Gefühl bei Shu Han Lee in der Küche zu sitzen und mit ihr gemeinsam zu kochen.

Wunderschön und sehr interessant fand ich auch die „Landkart der südostasiatischen Küche“. Von indien, Burma, Thailand, über China, Vietnam, Laos, Kambodscha, Malaysia, Singapur, Indonesien bis zu den Philippinen. Das war sehr lehrreich und spannend.

Ich habe mittlerweile drei Gerichte aus dem Buch nachgekocht, war bei zwei Gerichten ( Das waren die geschmorten Fischsteaks mit Zwiebeln und süßer Sojasoße. (Sehr sehr sehr lecker!) und das Honigmelonen-Sago mit Kokosmilch und Minze (erfrischend, süß und fein!!)) aber so mit Kochen und nachher Essen beschäftigt, dass es davon keine Bilder gibt und für das Rezept müßt ihr euch auch das Buch kaufen, was sich aber wirklich absolut lohnt. Ich bin so begeistert.



Das Buch ist in 3 Teile unterteilt, im ersten findet sich eine kurze Einleitung und ein paar generelle Worte zum Essen in Südostasien. Im zweiten Teil findet ihr Rezepte aufgeteilt in die Kapitel Reis, Nudeln, Suppen, Fisch & Meeresfrüchte, Fleisch, Eier & Tofu, Gemüse, Snacks, Süsses. Im dritten und für mich sehr lehrreichen und hilfreichen Teil geht es um den Vorratsschrank, Menüvorschläge, ein Glossar zu den Zutaten und Utensilien, außerdem ein kurzer Texte dazu, wo Shu Han Lee einkauft (sie wohnt in London) und worauf sie dabei achtet. Ein Register und ein paar sehr liebenswerte Dankesworte.

Eines der Gerichte habe ich aber ausführlich fotografisch dokumentiert und ich darf euch auch das Rezept präsentieren, das war der gefüllte Tintenfisch vom Grill.

Zutatenliste:

4 mittelgroße Kalmare (geputzt) – Ich habe gefrorene Tintenfischtuben genommen, die habe ich immer vorrätig und man spart sich die Arbeit die Beinchen zu entfernen.

Kokosmilch zum Bestreichen

1 Prise Meersalz

Für die Füllung:

1 EL Erdnussöl, 2 Schalotten, 2-3 Vogelaugenchilis (die habe ich weggelassen, da ich ja Chilis nicht so gut vertrage), 4 Knoblauchzehen, 6 Kaffirlimettenblätter (gibt es getrocknet bei den Gewürzen im Supermarkt), 250 g Hackfleisch vom Schwein, 1 EL Sojasoße, 2 EL Fischsoße, 1 TL Sesamöl, 2 TL Rohrzucker, 1 Handvoll frischer Koriander, 2 TL Limettensaft, abgeriebene Schale von einer Limette.

Erdnussöl erhitzen und Schalotten, Chilis und Koblauch stark anbraten. In Streifen geschnittene Limettenblätter, Hackfleisch, Sojasoße, Fischsoße, Sesamöl und Zucker dazu geben und anbraten, bis alles gar ist.
Koriander mit den Stielen fein hacken und mit Limettensaft und -schale dazu geben.
Wenn man ganze Kalmare genommen hat, die Fangarme vom Körper trennen (nicht wegwerfen, daraus kann man auch leckere Sachen machen.) Die Fleischmischung in die Tintenfischtuben füllen und bei Bedarf mit Zahnstochern zustecken. Bei mir war das nicht nötig, ich hab kleine Tintenfischtuben genommen, die ziehen sich beim Braten vorne ohnehin leicht zu, da fiel die Füllung also nicht raus. Außerdem hatte ich etwas zu viel Füllung, die habe ich dann einfach nachher über die Tuben gestreut, so dass man diese ebenfalls noch futtern konnte.
Vor dem Garen die Tintenfische mit Kokosmilch bestreichen und leicht salzen. (vorsicht durch die Soja- und Fischsoße ist das Ganze schon sehr salzig, unbedingt vorher probieren!!)
Dann in einer Grillpfanne die gefüllten Tintenfische garen. Gelegentlich wenden und erneut mit Kokosmilch bestreichen. Die Tintenfische sollten leicht gegart werden und leicht angebräunt sein. Die gefüllten Tintenfische benötigen dafür nur etwa 4-5 Minuten.

Da der Mann an meiner Seite ja so ein Kartoffelfan ist, habe ich die Tintenfischtuben dann aus der Pfanne genommen und in der Pfanne kurz ein paar Kartoffeln angeröstet, zusammen mit dem Rest der Füllung.

Wir sind von der Menge gut satt geworden und es hat wirklich lecker und außergewöhnlich geschmeckt. Danke dafür.

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

kochbuch, rezepte, muskeln, ausdauersport, muskeltraining

Strongfood – Das Kochbuch

Ingo Froböse
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 21.04.2017
ISBN 9783954531271
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich bin ja Kochbuchfan und immer auch auf der Suche dabei meinen Mann bei seinen sportlichen Ambitionen und seinem zugegeben häufig sehr strangen Ernährungsstil zu unterstützen. (Wenn ich ihn ließ, würde er sich von Frosta ernähren....)

Daher hatte mich bei Vorablesen vor einiger Zeit dieses Kochbuch hier, Strongfood, das Kochbuch, wer Muskeln will, muß richtig essen, trotz der furchtbaren Aufmachung und Farbe (Ehrlich sowas würde weder ich noch mein Mann kaufen, das Buch in Gelb ist einfach total häßlich und wenig reizvoll.) ziemlich angesprochen, so sehr, dass ich über die furchtbare Einbandgestaltung hinweg gesehen und die Leseprobe gelesen und eine Bewertung geschrieben hab. Dann hab ich freundlicherweise das Buch gewonnen und vor einigen Tagen trudelte es hier ein.

Die Aufmachung finde ich weiterhin ziemlich unschön und sowohl Bilder als auch Grafiken sind eindeutig auf den männlichen Leser ausgelegt. Klar schnörkellos und schreiend bunt. Wirklich nicht mein Ding, aber das ist Geschmackssache.

Interessant fand ich den mit dem Buch mitgelieferten Mengenrechner. Dort kann man sich anmelden und anhand der Kochbücher, die man besitzt die Rezepte und Mengen an mehrere Personen anpassen, bzw. Die Nährwerte errechnen. Das ist eine nette Spielerei und hat bei uns problemlos funktioniert.

Dr. Froböse ist mir als Rheinländerin bereits bekannt, er ist mit seinen nicht immer unumstrittenen Ansichten häufig hier in der Presse. Ich finde ihn ganz unterhaltsam und seine Ideen zu Sport und Ernährung meist gar nicht mal schlecht.

Das Buch an sich gliedert sich in zwei Teile.

Einmal der Theorie und Praxis teil und dann der Rezeptteil.

Theorie und Praxis bedeutet mehrere kurze Texte zu den Themen "Wofür wir Energie brauchen", "Und wenn man Gewicht zulegen möchte?", "Regeneration für Ausdauersportler", "Nach dem Muskeltraining" und vieles mehr, immer mit Bezug zu Ernährung und Sport. Mein Mann ist bei uns der Sportler, er hat sich das auch alles sehr aufmerksam durchgelesen, ich habe es eher überflogen. Ich bin Genußesser, ich möchte essen, was mir schmeckt und worauf ich Lust habe, dann wenn ich darauf Lust habe, dabei möchte ich mich nach keinem Plan richten. Mein Mann war vom Text aber sehr angetan, fand die Überlegungen und Ideen, spannend und fundiert, gut begründet und nachvollziehbar erklärt. Er sagt, er hat sich zwar schon vorher intensiv mit Ernährung auseinandergesetzt, konnte hier aber dennoch einiges mitnehmen.

Der Rezeptteil ist in 6 Kapitel unterteilt.

Vor dem Training
Nach dem Training
Rekonaleszenzphase
Schnelle Snacks für Zwischendurch
Ernährung an trainingsfreien Tagen
Essen im Restaurant.

Ich muß gestehen, vom Rezeptteil ein wenig enttäuscht zu sein. Zwar finden sich hier weit über 70 Rezepte, viele davon sind aber Brotaufstriche, Shakes oder Müsli / Salatvarianten. Einige sind ganz interessant und spannend, manche sind einfach die 100ste Version von altbekanntem. Die 4 Dinge, die wir bisher nachgekocht haben, waren allerdings immer lecker und schmackhaft.

Zum einen war das der Rote-Bete-Salat mit Apfel und Mais, eine wirklich leckere Kombination, die ich so nicht ausprobiert hätte.

Zum anderen das Bananenbrot mit Beerenquark und Kokos, ebenfalls lecker, wenn ich hier auch die 250 g Eiweisspulver ersetzt habe, ich möchte keine Nahrungsergänzung in meinem Essen haben.

Der fruchtige Garnelencocktail mit Thunfisch und die Spiegeleier im Mangold Frischkäse Nest waren ebenfalls lecker, auffällig ist allerdings, dass Froböse sehr oft auf Dosenartikel zurückgreift, so befanden sich im Garnelencocktail, Thunfsich aus der der Dose, Mandarinen aus der Dose und Ananas aus der Dose. Ganz ehrlich, das entspricht nicht meinen Ernährungsstandards. Ja, auch hier gibt es ab und an Dinge aus der Konservendose, aber wenn ich etwas frisch auftischen kann, dann tu ich das auch. Bei Ananas und Mandarinen ist das nicht so schwer und auch Thunfisch bekomme ich frisch an der Fischtheke. Auch im Rote Bete Salat waren vorgegarte Rote-Bete und Mais aus der Dose.

Wen das nicht stört, für den ist das Buch super und natürlich spart man so Zeit, ich fand es aber eben etwas irritierend.

Gänzlich irritiert war ich dann beim Cola-Shake. Kein Scheiß, hier wird Cocacola mit Frischkäse gemixt, ganz ehrlich, da war ich raus. Sowas kommt bei mir nicht in die Küche und das hat auch nichts, wirklich gar nichts mit gesunder und ausgewogener Ernährung zu tun.

Das Buch hinterläßt bei mir also einen etwas faden Beigeschmack und ist somit wohl tatsächlich eher für Single-Männer oder Menschen, denen Muskel und Masseaufbau gänzlich über alles geht, für mich sind frische Zutaten und schmackhaftes Essen wichtig, das kam hier deutlich zu kurz.

Schade, vermutlich bin ich aber wohl einfach nicht die richtige Zielgruppe. Mein Mann fand das weniger tragisch und ist vom Buch ganz angetan.


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55 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

vegetarisch, kochbuch, rezepte, lecker, kochen

Last Minute Vegetarisch – Richtig lecker kochen in nur 10 bis 20 Minuten

Anne-Katrin Weber , Wolfgang Schardt
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783954531295
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich hab vor ein paar Tagen nochmal bei vorablesen.de mitgemacht, weil mich das Kochbuch "Last Minute vegetarisch" so interessiert hat und hab gleich gewonnen.

Das Buch kam ruckzuck bei mir an und ich habe es erstmal auf dem Sofatisch liegen lassen, damit der Mann mir Gerichte markieren kann, die er essen würde. Der Herr jetztkochtsie ist ja ein sehr heikler Esser, Käse darf nicht drin sein, matschig darf es nicht sein, Zucchinis sind gefährlich und am Besten ist es eigentlich ein Schnitzel und Pommes. Wir wollten allerdings zum einen unseren Fleischkonsum ohnehin nocheinmal deutlich herunterschrauben, wir essen so schon höchstens 2-3 Mal die Woche Fleisch, aber der Mann will weiter reduzieren und dem stell ich mich natürlich nicht in den Weg.

Dem entgegen steht das Problem, dass ich meist abends keine große Lust mehr habe zu kochen und mir auch ein Joghurt oder Brot reicht und er dann für sich schnell eine Frostapfanne oder ähnliches zusammenzimmert.

Das Buch kam uns also entgegen, denn es verspricht schnelle vegetarische Gerichte.

Der Mann hat dann tatsächlich einiges gefunden, was ihm schmecken würde und vieles davon ist nicht nur vegetarisch, sondern sogar vegan. Ich habe gestaunt, die Klappe gehalten und war heute dann nach der Arbeit flott einkaufen und habe zwei der Gerichte aus dem Buch ausprobiert.

Zum einen gab es den veganen Couscous-Fenchel-Salat mit Granatapfelkernen und zum anderen die Gnocchi-Pilz-Pfanne mit Trüffelbutter.

Beides hat uns sehr gut geschmeckt und war zusammen tatsächlich in weniger als 20 Minuten zubereitet.

Die Mengenangabe war passend für zwei Personen. Da ich beide Gerichte kombiniert habe, also Salat als Vorspeise und Pilzpfanne als Hauptgericht, ist vom Salat noch so viel übrig, dass ich davon morgen im Büro mittags sicher satt werde. Einzeln hätte das durchaus auch gereicht, aber ich wollte eben zwei Gerichte ausprobieren.

Geschmeckt hat es sehr gut und ich war enorm skeptisch, ob mein heikler Esser den ausgesuchten orientalischen Salat mit Minze und Granatapfel wirklich essen würde, aber er hat ihn nicht nur gegessen, sondern er hat sogar geschmeckt. Ich bin beeindruckt, vielleicht wird aus ihm doch noch ein Gourmet.

Das Kochbuch gefällt mir vom Aufbau her sehr gut, es sind Gerichte für alle Gelegenheiten und Geschmäcker drin, nichts, was mir überhaupt nicht schmecken würde und vieles, was wirklich außergewöhnlich ist, sei es durch Komposition oder Zubereitungsart.

Die Anleitungen sind kurz gehalten, gut verständlich und der Aufwand für alle Gerichte hält sich im Rahmen. Die Zutaten sind ebenfalls gut zu bekommen und nur sehr selten wirklich außergewöhnlich oder selten.

Die Fotos im Buch gefallen mir gut, sie sind hübsch, aber nicht überkandidelt, sondern so, wie es auch bei mir beim Kochen aussehen würde. Das hat mir gut gefallen. Hier werde ich sicher noch mehr nachkochen. Das war genau unser Fall. Dankeschön!

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148 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 85 Rezensionen

irland, geister, mord, tote, roman

Der Freund der Toten

Jess Kidd , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 04.09.2017
ISBN 9783832198367
Genre: Romane

Rezension:

Noch nie, habe ich für ein Buch so lange Stillschweigen bewahren müssen und noch nie, ist es mir so schwer gefallen.

Bereits vor einigen Monaten kam "Der Freund der Toten" von Jess Kidd hier als Rezensionsexemplar vom Dumont Verlag an und ich habe mich wirklich sehr gefreut, da mich vorallem das wunderschöne Cover bereits in der Vorschau so unheimlich angesprochen hatte. Auf der Seite des Dumont Verlags findet sich eine Leseprobe und ich rate wirklich jedem, da mal kurz reinzulesen bereits dieses kurze Stück ist schon so schön. Das Buch erscheint am 19.05.2016 und ist bei allen Onlinebuchhändlern bereits lieferbar.

Das Buch ist wirklich zauberhaft gemacht und ich finde den Einband so schön. Außerdem ist es PapeGo fähig. Was PapeGo ist, wird euch hier erklärt: Klick! Für mich ist das endlich ein Schritt in die richtige Richtung, was Ebooks angeht. Ich liebe das haptische Gefühl eines Buches in der Hand, aber unterwegs hätte ich trotzdem gerne ein Ebook, zum einen, um das Buch zu schützen, zum anderen, damit ich nicht so schwer schleppe. PapeGo ermöglicht mir das und ich war von der Umsetzung der App wirklich begeistert, das hat reibungslos funktioniert. PapeGo ist kostenlos und mittlerweile wird es von vielen großen Verlagen für ihre Bücher angeboten.

Aber zurück zum Buch.

Die Geschichte, spielt in Mulderrig einem kleinen Städtchen in Irland, wo die Uhren noch ein wenig anders ticken und die Dorfgemeinschaft so einiges zu verbergen hat.

In diesem Städtchen taucht nun also Mahoney auf, ein wilder schöner Kerl, der im Handumdrehen überall Unordnung gestiftet hat und noch dazu die Dörfler an seine Mutter erinnert, die vor vielen Jahren in diesem Dorf spurlos verschwand.

Mahoney macht sich also daran dieses Geheimnis um seine Mutter aufzuklären und hat dabei nicht nur Hilfe von der sehr exzentrischen Mrs. Cauley, die ihn mit beißendem Humor und einigen Gemeinheiten dabei unterstützt, die Dorfbewohner ordentlich herumzuwirbeln, sondern auch von dem ein oder anderen Geist. Mahoney hat nämlich die für ihn recht nervige Angewohnheit die Toten anzuziehen. Sie kommen und schauen ihm zu, wie er der ein oder anderen Lady den Kopf verdreht, sie helfen ihm, sie führen ihn in die Irre und machen sich über ihn lustig. Der eine Tote ist etwas lüstern, der andere sitzt im Beichtstuhl, eines haben sie aber alle gemeinsam, sie werden auf zauberhafte Art beschrieben.

Jess Kidd hat eine ganz eigene Art Situationen und Menschen zu beschreiben, sie tut es liebevoll und intensiv und eigentlich hat mich jede Szene des Buches irgendwie angesprochen und berührt, sei es die vom Wind herumgewirbelte Bibliothek von Mrs. Cauley oder die amourösen Abenteuer von Mahoney, hier paßt jedes Wort, hier trifft jeder Satz ins Schwarze, selten war ich von einer Ausdrucksweise so begeistert und hat mich ein Buch so intensiv in sich hineingezogen.

Ich habe Mahoney wirklich gerne begleitet, habe mich gerne auf seine Ideen und Spielchen eingelassen und war vorallem vom Ende, dass dem Leser sehr viel Raum für eigene Ideen und Fantasien gibt sehr bezaubert.

Das ist wirklich ein wunderschönes, wenn auch nicht immer friedliches Buch, aber mir hat es wirklich sehr gut gefallen.

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

i love it !!

Das Kleiderschrank-Projekt

Anuschka Rees , Rasha Khayat , Rasha Kayat
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 23.10.2017
ISBN 9783832199265
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Kleiderschrank-Projekt von Anuschka Rees.

Ich kannte Frau Rees bereits als Bloggerin für Modethemen und als Autorin bei Bento. Schreibstil und ihre Themen haben mich da immer ganz gut unterhalten und weiterbringen können, darum habe ich mich sehr gefreut, als es hieß, sie bringt ein Buch zu ihrem Hauptthema der Mode heraus.

Da ich ja auch gerade dabei min meinen Kleiderschrank umzustrukturieren und dabei vorallem auf die Hilfe der Zalon Box zurück greife, weil ich selbst einfach unfaßbar unstrukturiert beim Einkauf von Kleidung bin.

Ich weiß zwar immer recht genau was ich will, neige aber zu Spontankäufen und Dingen, die wirklich überhaupt nicht zu meiner sonstigen Garderobe passen und dann ein trauriges Dasein im Schrank fristen.

Das Kleiderschrank-Projekt hörte sich daher für mich total gut an. Ein Plan, wie ich meinen Kleiderschrank entmiste und gleichzeitig aufwerte. PERFEKT!

Das Buch ist wirklich schön gestaltet mit hübschen Grafiken und Fotos versehen und lädt einen zum Lesen und Verweilen ein.

Dabei ist der Aufbau wirklich simple, erstmal wird erklärt, was das Buch überhaupt will, was Minimalismus im Kleiderschrank bedeutet und wie man seinen eigenen Stil findet, ohne dabei Trends hinterher zu rennen. Ich gehöre zu den Menschen, die recht wandelbar sind, den einen Tag fühle ich mich in Boots und abgetragener Lederjacke sehr wohl, den nächsten schwebe ich mädchenhaft im Blümchen-Hippie-Rock und wallender rosa Bluse durch die Büroflure, in der nächsten Woche hab ich lieber meine selbstgestrickten Pullis an, was meine Kollegen dabei von mir denken ist mir in der Regel recht egal, die besten Voraussetzungen also, mich auf das Experiment einzulassen. Ich würde zwar nicht sagen, dass ich meinen Stil schon gefunden habe, aber irgendwie ist es ja auch Stil, wenn man immer wieder Stilrichtungen mixt und kombiniert, je nach Stimmungslage.

Das Buch gibt sich hier aber nicht mit Platitüden und einer einfachen Analyse zufrieden, es stellt dem Leser auf der Suche nach dem eigenen Stil Aufgaben. Natürlich kann man für sich selbst entscheiden, welche davon man umsetzt und welche man überblättert, ich habe als Experiment aber tatsächlich die meisten umgesetzt und war teilweise von den Dingen, die mich inspiriert haben oder die ich dadurch herausgefunden habe überrascht.

Ein Großteil des Buches geht dafür drauf herauszufinden, was einem überhaupt gefällt, was man mag was zu einem paßt und was man wirklich schätzt. Damit hab ich in der Regel kein Problem, da ich ich sehr genau weiß, was ich möchte und was ich an mir mag, trotzdem boten sich mir auch hier Überraschungen, wer sich hier auf die Gedankenspiele einläßt, der wird sicherlich sein „Mag-ich“-Spektrum erweitern können.

Gut gefallen haben mir hier ihre Listen und Tabellen, die Alternativen und Vergleiche vorschlagen, so dass man, wenn man nicht gleich so mutig ist, seinen kompletten Stil umzukrempeln erstmal probieren kann.

Ebenfalls gut fand ich, das Frau Rees keine Regeln vorgibt, sondern den Leser / die Leserin selbst festlegen läßt, was man als Regel beherzigen möchte und was nicht. Sie gibt Anregungen und Tipps, tritt aber nicht belehrend auf und benennt auch keine Does / Don’ts, denn erlaubt ist, was gefällt.

Weiterhin setzt sie sich auch mit dem Selbstbewußtsein der Leser auseinander, denn ein Stilwechsel benötigt erstmal Mut, fühlt man sich in der Kleidung unwohl, weil sie einem nicht liegt? Oder weil es am Selbstbewußtsein mangelt, das gilt es herauszufinden. Nun mangelndes Selbstbewußtsein kann man mir nicht unterstellen… befürchte ich, mit dem Kapitel war ich also flott durch. 🙂

Am Ende von Teil 2 des Buches hat man seinen eigenen Stil kreiert, mich persönlich hält nichts davon ab auch für mich mehrere Stilrichtungen festzulegen, die mir alle gefallen und mit denen ich spielen und variieren kann.

In Teil 3 gibt es dann eine Detox-Kur für den Kleiderschrank. Obwohl mein Kleiderschrank relativ gut gepflegt ist, habe ich nach diesem Teil 2 volle Wäschekörbe aussortiert. Kleidung, die ich nicht trage, Kleidung die ich nur trage, weil sie anderen gefällt, Kleidung, die mir nicht mehr paßt, Kleidung, die in der ich mich nicht wohlfühle, Kleidung, die schön, aber unbequem ist. Am Ende ist mein Kleiderschrank ordentlich entrümpelt und entschlackt, dafür enthält er nur noch Dinge, die ich mag.

Hierzu nutzt sie ein übersichtliches Flußdiagramm, um Entscheidungshilfe zu leisten, bei den Dingen, bei denen man unentschlossen ist.

Im nächsten Teil geht es darum zu analysieren, welche Kleidung man für SEIN Leben wirklich braucht, welche tragbar ist und welche man zwar gerne hätte, welche man aber nie anziehen wird, weil es an Gelegenheiten fehlt. Auch ich habe 4 Abendkleider im Schrank hänge, jeweils für Hochzeiten oder andere Anläße gekauft und dann nie wieder getragen und auch von diesen konnte ich mich auch diesmal nicht trennen, obwohl klar ist, dass ich sie nie wieder tragen werde… Ein bißchen Nostalgie gibt es auch nach dem Kleiderschrankprojekt noch in meinem Schrank.

Dann geht es darum aufzurüsten, die Garderobe um Key-Pieces zu erweitern, mit denen man viel kombinieren kann, aber auch die Finanzen dabei zu berücksichtigen und zu kalkulieren, was man haben will und was man sich leisten kann. Ich persönlich gebe sehr viel Geld für Kleidung aus und würde das hier und da gerne etwas regulieren, lieber weniger kaufen und dafür glücklicher mit dem Gekauften sein.

Auch das Farbkonzept macht sie zum Thema und hier tue ich mich tatsächlich schwer, ich mag so viele Farben, die teilweise wirklich nicht kompatibel sind, aus diesem Kapitel habe ich für mich daher sehr viel mitgenommen. Danke dafür.

Bei meinem Kleiderschrank-Projekt geht es für mich auch darum meinen Business-Look ein wenig seriöser und vorallem erwachsener zu machen. In meinem Job ist ein sehr legerer Dresscode gefordert, trotzdem merke ich, dass anders auf mich reagiert wird und ich anders wahrgenommen werde, wenn ich mich eben doch in Hosenanzug und Bluse werfe, meist habe ich dazu trotzdem keine Lust, weil ich es anstrengend finde, das würde ich gerne ändern und auch hier hilft mir Frau Rees mit anderen schicken Business-Alternativen, die über den Hosenanzug hinaus gehen. Das Thema der Capsules Warderobe nimmt sie hier ebenfalls auf, erklärt es verständlich und umsetzbar, es ist aber nur eine Alternative und keineswegs das komplette Konzept des Buches.

Dann folgt ein Shopping-Guide, den ich sehr hilfreich fand. Ich hasse es einzukaufen, ich hab es schon immer gehaßt. Menschen überall, noch schlimmer, wenn ich Menschen dabei habe, meinen Mann oder meine Freundin, das kann ich einfach nicht. Ich brauche zum Einkaufen Ruhe, daher tue ich das tatsächlich am Liebsten von zuhause aus und die Zalon-box kommt mir da wirklich sehr entgegen.

Außerdem gibt sie hier Tipps, wie mein das Beste aus seinem Budget herausholen kann und vorallem woran man gute Qualität und Verarbeitung erkennt. Das fand ich sehr interessant und hilfreich.

Am Ende des Buches gibt es dann ein paar Tipps, wie man seine Garderobe genauso funktional und gut erhält, wie man sie regelmäßig pflegt und aufstockt, auch das fand ich gut und praktisch.

Ich hatte viel Spaß dabei meinen eigenen Stil zu ermitteln, meinen Horizont zu erweitern und mir Gedanken dazu zu machen, was ich eigentlich will. Das Ausmisten war nötig und das Buch hat mir viele hilfreiche Denkanstöße gegeben. Wer schon immer mit seiner Garderobe im Reinen war, wird das Buch nicht brauchen, wer aber genauso unstet ist, wie ich in den Dingen, die ihm gefallen, der sollte hier wirklich einen Blick wagen. Mir hat es viel Spaß gemacht.

Dankeschön.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

lonely planet, architektur, ungewöhnliche, toilette, toiletten

Toiletten

Lonely Planet , Susanne Völler , Anne Winterling
Flexibler Einband
Erschienen bei MAIRDUMONT, 18.09.2017
ISBN 9783829726627
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich mag ja die Lonely Planet Reiseführer sehr gerne und habe mich daher sehr gefreut, als ich als kleine Überraschung ein etwas anderes Rezensionsexemplar von Lonely Planet zugeschickt bekommen habe.

Das "Toiletten"-Buch.

Auf einer Seite oder teilweise auch Doppelseite wird eine außergewöhnliche Toillette vorgestellt und in einem kurzen Text finden sich erläuternde Worte zur Örtlichkeit und dem Bild und darüber finden sich die Geo-Koordinaten.

Die Toiletten unterscheiden sich und sind teilweise außergewöhnlich, teilweise sehr stylisch, teilweise irritierend und teilweise einfach nur lustig.

Ich fand das Buch ziemlich interessant und es regt trotz des außergewöhnlichen Themas die Reiselust.

Mein persönliches Highlight war die Tardis-Toilette, aber auch die Toiletten, die einfach eine tolle Aussicht bieten, haben mir gut gefallen.

Das Buch selbst hat ein quadratisches Format und ist schön handlich, macht sich aber auch im Regal gut.

Ich persönlich empfinde es als witziges Mitbringsel oder Toilettenbuch zum kurzen Durchblättern sehr geeignet. Der Preis ist angemessen. Hier und da hätte ich mir noch ein paar mehr Bilder aus anderen Perspektiven gewünscht, oder auch noch weitere Bildere, eben weil es mich gut unterhalten und amüsiert hat.


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98 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

paris, terroranschlag, bataclan, frankreich, tod

Meinen Hass bekommt ihr nicht

Antoine Leiris , Doris Heinemann
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 09.05.2016
ISBN 9783764506025
Genre: Biografien

Rezension:

Ich bin nicht ganz sicher, was ich bei diesem Buch eigentlich erwartet habe, vermutlich etwas Betroffenheitsliteratur, was fürs Herz, eben das, was man so erwartet, wenn die junge Frau eines jungen Journalisten gewaltsam zu Tode kommt und dieser dann damit an die Öffentlichkeit geht.

Sein Herz ausschüttet. Rührseligen Kram. Ein paar Platitüden habe ich erwartet, Nähe, ohne wirklich nah zu sein, viel Selbstdarstellung und vorallem viel Verklärung.
Erhalten habe ich letztlich etwas ganz anderes, sehr viele sehr persönliche Überlegungen, Reaktionen, Gefühle und Ideen, die nicht immer in meine Vorstellung paßten, aber genau das fand ich ausgesprochen gut. Dieser Antoine Leiris läßt den Leser teilhaben an seiner Unsicherheit, seiner Angst, seiner Stärke, seiner Trauer und seiner Hilflosigkeit. Dabei zeigt er sich selbst klar nicht immer im bestmöglichen Licht, sondern eben auch mal unsympathisch, ruppig oder rauh. Warum auch nicht, er hat seine Frau verloren, er darf all das sein und wenn es ihm gut tut, noch viel mehr.
An anderer Stelle habe ich Vorwürfe gelesen, dass Herr Leiris mit dem Leid seines Sohnes Geld verdient, dass er sympathische Interviews führt und dann sein Buch in die Kamera hält, tja, meine Meinung ist da sehr deutlich. Warum sollte er das nicht tun? Er wurde in die Situation gestoßen plötzlich gänzlich ungeplant für seinen Sohn sorgen zu müssen, Geld verdienen und das Kind versorgen wird schwierig, Mama ist nicht mehr da, warum also soll er nicht diese plötzliche Publicity nutzen, aus all dem etwas Positives erschaffen nicht nur seinen Sohn versorgt zu wissen, sondern eben auch gegen den überall sprießenden Hass anzuschreiben.

Klar zu machen, "Ihr habt mir meine Frau gestohlen, aber ich verzeihe euch, ich bin stärker als ihr!"
Das gelingt ihm gut.
Das Buch berührt, verstört, beruhigt und macht traurig, all das zugleich und mit geballter Emotion.
Es fällt mir schwer die richtigen Worte zu finden, aber das Buch sollte aus meiner Sicht jeder lesen, der Hetze verbreitet, jeder der selbst religiös fanatisch ist, jeder der jemanden verloren hat, den er liebte.
Leiris macht nicht alles richtig in seiner Trauer, aber wer würde das schon, er setzt sich jedoch sehr detailliert mit seiner Situation auseinander, er ist bedächtig und klug und mir hat das Lesen des Buches unheimlich viel gegeben.

Ich selbst habe keine Stunde für das Büchlein gebraucht, eine Stunde, die mir wichtig war.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

wednesday martin

Die Primaten von der Park Avenue

Wednesday Martin , Hans-Christian Oeser , Nina Frey
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 17.03.2016
ISBN 9783827013101
Genre: Biografien

Rezension:

Ich hatte vor einiger Zeit den „Lila Podcast“ gehört und dort war die Rede von Wednesday Martin und ihrem Buch „Die Primaten von der Parkavenue“ und da ich selbst ja gerade vor wenigen Wochen noch in New York war, hab ich das zum Anlass genommen, mir eben jenes Buch als nächsten Lesestoff vorzunehmen. So recht konnte ich zu Beginn nicht einordnen, was mich erwarten würde. Sachbuch? Erzählungen? Witzige Anekdoten? Mit geringer Erwartungshaltung bin ich also an dieses Buch herangegangen, hatte aber vorher Frau Martin gegoogelt und als sehr sympathisch empfunden, zumindest nach den Dingen zu urteilen, die man über sie im Netz finden konnte. Ihren Blog finde ich intelligent und witzig, ihre Website gefällt mir von Design und Inhalten her und die Wikipediaseite von ihr barg ebenfalls Informationen, die mich ansprachen. Sogar ihr Instagramprofil fand ich einfach nett und persönlich. (Besonders nett ihre Reaktion auf mein Foto von ihrem Buch: Klick!)

Ich stürzte mich also ins Leseabenteuer und bereits auf den ersten Seiten hatte sie mich. Martin schreibt witzig, bissig ohne dabei gemein oder gehässig zu sein. Sie beleuchtet das Leben der Superreichen und zwar nicht aus der Ferne, sondern als eine, die dazugehört, oder zumindest später dazu gehört. Sie schildert begebenheiten, Wichtigkeiten und Nichtigkeiten, erzählt, wie mit ihr umgegangen wurde, wie sie sich selbst langsam auf der Wichtigkeitsskala hocharbeitete und was es dabei zu beachten galt, was den Normalmenchen gar nicht zu bewußt ist. Sie erwähnt, die richtige Sportbekleidung (Lululemon), die richtige Sportart (Physique 57 oder Soulcycling), die richtigen Schulen, Wohnungen und natürlich auch die richtige Handtasche (Birkin-Bag). Über die Handtasche schreibt sie sage und schreibe 12 Seiten lang, natürlich kann das kaum ein Mann verstehen und sicher auch keine Frau, die wenig Wert auf Äußerlichkeiten legt und all dies eher oberflächlich findet. Ich hingegen war hingerissen. Die Birkin-Bag ist ein langgehgter Traum, natürlich ist es utopisch und gänzlich unvernünftig mehrere tausend Euro für eine Handtasche hinzulegen (mein gewünschtes Model läge neu bei 24.000 Euro…seufz), aber Martin beschreibt vorallem dieses „Haben-wollen“ und „Haben-müssen“ sehr detailliert und beleuchtet auch die Birkin-Bag als Statussymbol durchaus kritisch und findet auch hier bissige Worte. Trotzdem waren dies die für mich fantastischsten 12 Seiten eines Buches. Aber ich gerate ins Schwärmen und schweife ab. Martin zeigt in ihrem Buch sehr deutlich, wie sehr sich die Welt der Superreichen von unserem Alltag abhebt, wie man dort miteinander umgeht und hat dies alles zu Beginn einen sehr negativen Beigeschmack, kommt Martin letztlich doch dahin, auch in diesen Gefilden Zusammenhalt, Vertrauen und Geborgenheit zu finden.

Mir hat Martins Beschreibung dieser fernen und unnerreichbaren Welt wirklich Spaß gemacht, hier und da konnte ich lüstern und ein wenig entsetzt als kleiner Spanner die Augen aufreißen und denken: „Das tun sie nicht!“, hier und da war ich fasziniert, an anderer Stelle abgestoßen. Der Schreibstil ist locker leicht, aber eben mit kleinen witzigen und intelligenten Pointen versehen, immer wieder blitzt auch Wednesday Martins Vorbildung als Sozio-Anthropologin durch die munteren Zeilen durch und hier und da wird es sehr bewegend, sehr persönlich und sehr mitreißend.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen, es gewährt einen Einblick in eine Welt, in der ich nicht lebe, in eine Welt, in der ich eigentlich auch nicht leben möchte, die mich aber durchaus fasziniert und interessiert. Dabei wird die Rolle als Frau und Mutter in diesem Bereich sehr exakt analysiert und dabei vorallem viel Wert auf die emanzipatorischen Aspekte gelegt und aufgezeigt, wie sehr wir Frauen uns oft selbst einschränken und abhängig machen.

Ich fühlte mich wirklich gut unterhalten und würde das Buch gerne jedem empfehlen, der 12 Seiten über die beste Handtasche der Welt als nicht vergeudetes Papier ansieht.😉

(Es handelt sich nicht um einen Ratgeber!! Wirklich nicht!!)

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

emanzipation, juden, orhtodox, vater, lehrerin

Unorthodox

Deborah Feldman , Anita Hopt
Audio CD: 8 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 12.09.2016
ISBN 9783958620070
Genre: Biografien

Rezension:

Ich muß zugeben, mich vor dem Hören des Buches nur grob informiert zu haben, worum es geht. Ich habe in meinem Leben wenige Berührungspunkte mit dem Judentum. In meiner Gymnasialklasse war ein Mädchen Jüdin und ich erinnere mich, immer sehr neugierig gewesen zu sein, was bei ihr und in ihrer Familie anders ist, vorallem weil ich auf einem sehr strengen katholischen Gymnasium war. Geburtstagsfeiern bei ihr, hatten für mich immer etwas irgendwie Geheimnisvolles und Spannendes, weil die Familie zwar offenbar nicht streng ihren Glauben praktizierte, aber dennoch vieles für mich anders war. Generell übt der jüdische Glauben auf mich einen gewissen spirituellen Reiz aus, er hat etwas Mystischeres als mein eigener katholischer Glaube, der mich in meiner Jugend ängstigte, einschränkte und trotz einer recht "ungläubigen" Familie auch behinderte.
Ich lese unheimlich gerne Bücher jüdischer Autoren, ich mag den jiddischen Humor und schätze den leichten Sarkasmus, der dieser Religion aus meiner Sicht immer ein wenig zu eigen ist.
Vor einigen Wochen war ich zum ersten Mal in New York und mir wurde dort auch zum ersten Mal bewusst, wie wenig ich über diese Religion weiß, natürlich konnte ich die gläubigen Männer mit ihren Schläfenlocken als jüdisch identifizieren, aber sie gehören hier in Deutschland halt nicht zum Bild der Bevölkerung und daher habe ich mich, die ich mich doch für so schrecklich liberal, offen und tolerant halte, tatsächlich beim Starren erwischt, sicher nicht unangenehm, eher neugierig und interessiert, zumindest hoffe ich das.
Hier in Köln gibt es die Möglichkeit an einem jüdischen Abend in der Synagoge mit koscherem Essen und interessanten Gesprächen teilzunehmen, das habe ich getan und bin auf sehr gebildete, weltoffene, interessierte und emanzipierte Menschen gestoßen, umso mehr hat mir Feldmans Buch die Augen geöffnet, dass die von mir so neugierig und interessiert betrachtete Religion auch ihre Fanatiker birgt und mein Eindruck, dass der Stand der Frau im Judentum eigentlich ein sehr eigenständiger ist, sich nicht auf jeden Zweig dieses Glaubens bezieht.
Ich muß ehrlich zugeben, einen Moment gebraucht zu haben, um festzustellen, dass der Text tatsächlich in der "Gegenwart" bzw. nicht allzu fernen Vergangenheit spielt, wirklich bewußt wurde mir das erst, als ein Handy oder ein Computer erwähnt wird, vorher war ich der Meinung, wir befinden uns irgendwo in den 50er Jahren.
Mein Bild eines freien, nach Bildung strebenden und offenen Judentums erhielt während der Schilderungen einen argen Knick und ich weiß nicht, welche Naivität mich dazu verleitet hat zu glauben, gerade diese Religion sei frei von dem Fanatismus und Extremen, den es in allen anderen Religionen gibt und der mir gerade da auch durchaus bekannt ist, bin ich selbst doch auf eine Schule gegangen, die von katholischen Patern geführt wurde und in der ein zu tiefer Ausschnitt oder ein zu kurzer Rock durchaus dazu führten, dass meine Mutter nach dem Unterricht einen Anruf erhielt, bzw. in der noch wenige Jahre vor mir ausschließlich Jungen unterrichtet wurden.
Natürlich ist mir bewußt, dass Feldman in ihrer chassidischen Gemeinde Extremen ausgesetzt war, dass hier keineswegs der alltäglich jüdische Glaube gelebt wurde. Ich muß zugeben, die Begriffe Satmar, Chassiden und ultraorthodox natürlich zuvor gekannt zu haben und auch mir eingebildet zu haben, zu wissen, was sie bedeuten. Nach der Lektüre des Buches, weiß ich, dass ich nichts wußte... gar nichts.

Feldman berichtet, sachlich und doch emotional über ihr Frauwerden, ihre Sexualität und ihre Probleme, die sie vorallem wegen ihrer Erziehung und ihres Glaubens mit sich herumschleppt, sind schockierend und öffneten mir, die ich mich in meiner Filterbubble, in der Frauen alles werden können, was sie wollen, schließlich bin ich selbst relativ erfolgreich in einem Beruf, der an vielen anderen Orten (auch in Deutschland) noch in den meisten Fällen von Männern dominiert wird, in der Frauen sagen dürfen was sie wollen, lernen dürfen, was sie interessiert und in denen Sex und Verhütung ein Thema ist, das man durchaus offen thematisieren kann und in der man nicht in der Hochzeitsnacht plötzlich mit Problemen zu kämpfen hat, die weder einem selbst noch dem Partner bekannt sind, vorallem aber lebe ich in einer Welt, in der ich mir aussuchen darf, wer mein Partner ist, ob ich heirate und Kinder möchte und in der ich nicht darüber definiert werde, wie ich die Maßstäbe anderer erfülle, sondern ob ich ein netter Mensch bin oder nicht.
All diese meine eigentlich gar nicht so modernen aber für mich selbstverständlichen Denkweisen demontiert Feldman allein durch die Schilderung ihrer Jugend, ihrer lieblosen Verwandten, des Unverständnisses und der vielen Regeln, die ich bisher eher als Kann-Vorschriften aufgefaßt hatte, denn als wirklich strikte Verbote.
Feldman schreibt dabei eindringlich, intensiv und absolut unterhaltsam. Diese Geschichte ist keineswegs lediglich ein Leidensweg, es ist ein Weg der Befreiung und ein äußerst unterhaltsames und dramatisches Stück Zeitgeschichte, das sich als Hörbuch sehr gut hören ließ. Trotz der Länge kommt hier keine Langeweile auf, im Gegenteil Feldman schockiert, beschwichtigt, erklärt und rüttelt wach und Anita Hopt liest das ganze mit einer wunderbar angenehmen Stimme und einer sehr guten und ansprechenden Betonung und Umsetzung.

Mir hat dieses Buch vor allem für meine eigene Ignoranz und Naivität die Augen geöffnet, in der ich annahm, dass nur weil ich lediglich emanzipierte und fortschrittliche jüdische Gläubige kennengelernt habe, die ganze Religion eine sehr fortschrittliche sein müsste.
Ich habe Feldman mittlerweile in einigen Interviews gesehen und nachdem ich ihre Geschichte nun vermeintlich kenne, beeindruckt sie mich noch mehr. Eine sehr angenehme und starke Frau, die ihren Weg gegangen ist, obwohl eigentlich alles versucht hat, sie daran zu hindern und die zum Vorteil von uns allen auch noch in der Lage ist, diesen Weg mit einem gewissen wehmütigen Humor und einer spannenden Erzählweise zu schildern.

Unorthodox war für mich ganz klar das Buch des Jahres 2016. Bewegend, intensiv und erschreckend habe ich den Worten gelauscht und während ich unterhalten wurde, auch einiges über mich gelernt... Frau Feldman gehört für mich zu den wenigen sehr interessanten jungen Frauen, nicht nur durch das, was sie erlebt hat, sondern auch durch ihr Auftreten, ihre Erzählkunst und ihre klugen Anmerkungen, oder aber die Fähigkeit auch sich selbst einzugestehen Fehler zu machen, Wut zu zulassen oder Unbeherrschtheit Raum zu geben, denen ich gerne mal die Hand schütteln und mit denen ich ein paar Worte sprechen würde.

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DuMont BILDATLAS Provence

Rita Henss , Roland Gerth
Flexibler Einband
Erschienen bei DuMont Reiseverlag, 11.03.2016
ISBN 9783770194339
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mir gefällt die Reihe der DuMont Bildatlanten wirklich ausgesprochen gut. Die Hefte haben fast schon die Qualität von Büchern, sind stabil und wirklich schön aufgemacht.
Nachdem sie mir nun einige Wochen den Wohnzimmertisch verschönert haben, hatte ich heute endlich Zeit mich intensiv mit den Heften zu befassen. Ich habe es mir also mit einer schönen Lavendellimonade auf dem Sofa bequem gemacht und in den Atlanten geblättert.

Der Band, der sich mit der Provence befaßt, hat mir besonders gut gefallen, was zu einem großen Teil auch daran liegen könnte, dass mir die Provence halt einfach gut gefällt. Mein Traum ist ein Alterssitz dort ein kleines Cottage mitten in Lavendelfeldern, kann es etwas Schöneres geben? Nein. Kann es nicht. Da ich von meinem Alterssitz aber noch ungefähr 30 Jahre entfernt bin, muß ich mich erstmal mit Bildatlanten trösten.
Dieser hier ist zunächst mit einem sehr übersichtigen Inhaltsverzeichnis ausgestattet und dann mit einer großen Übersichtskarte, auf der vermerkt wurde, wo im Heft welcher Bereich besprochen wird.

Dann geht es mit den Topzielen los.
Mont Ventoux, die Ockerbrüche, Avignon, Marseille und Aix en Provence, sowie noch einige mehr.

Die Dazu gehörigen Bilder sind wunder wunderschön, die kurzen Texte dazu passen sehr gut und wecken die Reiselust. Besonders schön, fand ich hier die Vorstellung verschiedener Aussichtspunkte, die einen guten Blick auf das Land geben. Sowas würde ich mir in jedem Reiseführer wünschen.
Sehr informativ fand ich auch den Bericht über die Trüffelsuche, dieser ist wirklich gut recherchiert und unterhaltsam geschrieben.
Essen und Genuß nehmen bei den Infos & Empfehlungen einen großen Raum ein und die hier genannten Empfehlunen haben mir als Freundin der Provence sehr gut gefallen. Hier hab ich Altbekanntes, aber auch neue Dinge gefunden.
Gefreut habe ich mich auch Herrn Loubet im Heft zu entdecken, einer der wenigen 2-Sterne-Köche, die nicht ständig ihr Gesicht in jede Kamera halten und dabei doch viel zu erzählen haben.

Generell haben die Texte eher keinen Reiseführercharakter, sondern sind sehr unterhaltsam und gefallen mir wirklich gut. Ein wenig Reiseführercharakter hat dann die Empfehlung der 10 schönsten Unterkünfte, die teilweise überraschend erschwinglich sind. Gut gefallen hat mir auch das Kästchen mit „DuMont aktiv“, in dem immer wieder sportliche Aktivitäten empfohlen werden.

Natürlich findet man auch einen Text über meinen geliebten Pastis, der mich sofort dazu veranlaßt hat, die Lavendellimonade gegen ein Gläschen Pastis zu tauschen.

Wer gerne auf Märkte geht, findet hier ebenfalls Empfehlungen.
Am Ende des Atlanten findet man außerdem die typischen Service-informationen, die man für eine Reise benötigt.

Der Bildatlas ersetzt keinen Reiseführer, versetzt einen aber in Reisestimmung und macht beim Lesen einfach nur sehr viel Freude.

(Die Atlanten wurden mir als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.)

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