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Meeresblau & Mandelblüte

Elke Becker
E-Buch Text: 236 Seiten
Erschienen bei beHEARTBEAT by Bastei Entertainment, 01.07.2017
ISBN 9783732539376
Genre: Sonstiges

Rezension:

In Meeresblau & Mandelblüte – darf ich hier einmal anmerken, wie genial toll ich den Titel finde? – begeben wir uns mit der durch und durch Karrierefrau Leonie, die ihren Erfolg der knallharten Sanierung unzähliger Firmen verdankt, bei denen für Emotionen nur selten Platz ist, auf eine Reise nach Mallorca und ein Stück weit auch in ihre eigene Vergangenheit. Dem Tod ihrer ihr bereits seit mehreren Jahren entfremdeten Tante geschuldet, erbt sie dort ein großes Anwesen. Doch damit nicht nur Haus und Hof, sondern irgendwie auch dessen Bewohner – menschlicher wie tierischer Natur. Leonie würde das Erbe gerne so schnell wie möglich abwickeln, um in ihren toughen Businessalltag zurückkehren zu können. Denn nur dort fühlt sie sich wohl. Beim Jonglieren von knallharten Zahlen und Fakten. Nicht aber in Gesellschaft einer rührseligen und schrulligen alten Truppe, die ihr das Leben auf Mallorca zunächst außerordentlich schwermacht. Wie gesagt, Leonie würde am liebsten schnellstmöglich wieder zurück in die kalten Wände der Großkonzerne und somit der warmen Herzlichkeit der spanischen Insel entfliehen. Denn die Insel, die sie als Kind so sehr liebte, legt einen düsteren Schatten über ihr Ich. Doch da hat sie nicht mit einer Erbschaftsklausel ihrer Tante, den skurrilen Bewohnern der mallorquinischen Finka und dem Umwerben eines gewissen Gustafs und noch so manch anderer männlicher Gestalten gerechnet. Und das Chaos nimmt seinen Lauf …

·         Wird Leonie das Erbe überhaupt antreten?

·         Was bedeutet es für sie, nach Mallorca zurückzukehren?

·         Warum hat sie sich einst von ihrer Tante entfremdet und warum ist gerade sie Erbin des Anwesens dieser?

·         Was halten die Bewohner für Leonie in petto?

·         Und schafft es Gustaf – oder vielleicht jemand anderes – Leonies Herz von knallharten Zahlen und Fakten zu befreien und den Sonnenseiten des Lebens und der Liebe zuzuwenden?

Setzt Euch in den Flieger und taucht ein in das absolute Lesevergnügen des Sommers – mit mallorquinischem Charme, spanischen Charmeuren, Wortwitz und Humor sowie einem liebestollen Gustaf. Wer das ist, sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Er ist mein absolutes Highlight und ein Garant für lustige Lesemomente und das ein oder andere Schmunzeln beim Verschlingen der Geschichte. Herzflattern und Nervosität inklusive.

»Zum ersten Mal seit Jahren musste sie nicht gewinnen.«

Die Autorin hat hier eine ganz wunderbar leichte Sommergeschichte geschaffen, obwohl diese im mallorquinischen Winter und Frühling spielt. In ihren Worten liegen Kraft und Aufrichtigkeit, schriftstellerischer Genuss und Seelenbalsam. Elke Becker entführt die Leser mit ihrem bildhaften Schreibstil nahezu auf die malerische Insel und in ihre Ecken und Besonderheiten. In jeder Zeile spürt man die Liebe zu diesem Fleckchen Erde, die Leidenschaft des Schreibens. Die Szenen sind wohlklingend und zum Wohlfühlen und Verweilen ausgestaltet, ebenso auch die Charaktere. Allen voran natürlich die toughe Leonie, die sich nur allzu gerne in die harte Businesswelt flüchtet, um den Schatten ihrer Vergangenheit zu entkommen. Schatten, die sie unterbewusst so gut in sich begraben hat – und für das Unterbewusstsein kann man ja nichts, oder doch? –, dass sie von diesen gar nichts mehr ahnt, bis ein Schlüsselmoment alle hart errichteten Mauern zusammenbrechen und die Wahrheit über ihren letzten Besuch – vor so vielen Jahren – auf der Insel hervordringen lässt. Daran nicht ganz unbeteiligt, sind die Mieter der Finka. Zunächst Leonie ein Dorn im Auge, entpuppen sie sich mit ihrer herrischen und doch liebevollen Art bald zu echten Freunden und einer Seelenstütze. Da diese Truppe aber so besonders ist, werde ich an dieser Stelle nicht viel mehr dazu sagen, außer: lest und genießt. Zusammen mit den Bewohnern macht Leonie die größte charakterliche Entwicklung durch und lernt, dass Schmerz zugelassen werden muss. Ansonsten kann er nicht heilen. Das ist ein weiterer Punkt, warum mir diese Geschichte ausnehmend gut gefallen hat: Trotz der sommerlichen Leichtigkeit, die man der Insel und ihren Bewohnern zuspricht, hat sich die Autorin an ein emotional schwieriges Thema – die Verarbeitung von Schmerz und vermeintlicher Schuld – herangewagt und dieses auf tragende und beeindruckende Weise gelöst.

»Und sie war noch nie jemand gewesen, der gerne Dinge vor sich herschob.«

Sie nimmt den Leser mit, mit jedem Schritt. Lässt ihn Stück für Stück das Geheimnis um Leonie und das Erbe entschlüsseln, überfordert dabei nicht und sendet dennoch eine woge an ergreifenden Emotionen direkt ins Leserherz. Davor ziehe ich meinen bildlichen Hut. Das hat mir sehr gefallen. Das Buch verbindet eben die Leichtigkeit des Lebens mit der Härte dessen. Zeigt, dass eines ohne das andere vielleicht nicht existieren kann, und dass das okay ist. Das Leben ist nicht perfekt, aber es sind die Menschen, die man in sein Herz lässt, die es ein Stückchen perfekter machen. Wer dieser Mensch in der Geschichte für Leonie ist, überlasse ich Euch herauszufinden. Für mich ist er in jedem Fall mit seiner unterstützenden, vertrauenerweckenden und ehrlich liebevollen Art, gemischt mit einer Prise liebestoller Keckheit einfach der perfekte männliche Buchprota, ohne dabei zu aufdringlich zu wirken. Er agiert eher aus dem Hintergrund und ist doch immer für sie da. Ich liebe ihn einfach und hoffe, Euch geht es genauso.

Kommen wir zum Cover: Auch dieses ist sommerlich leicht, in hellen Farben mit der Pracht der im Frühling blühenden Mandelblüten, die auch in der Geschichte Einzug finden. Zusammen mit dem Blau des Himmels und des Meeres und der dargestellten Frau liefert es für mich eine hervorragende Verbindung zwischen Titel und Geschichte. Wirklich sehr gelungen.

Meeresblau & Mandelblüte ist einfach durch und durch ein Genuss. Aus diesem Buch ziehe ich die Lehre, dass die Prota lernen muss, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, Schmerz zur Heilung zuzulassen, um den eisernen Panzer ihrer Brust zerbersten lassen und in Richtung Glück streben zu können. Wenn man Schmerz nicht fühlt, nicht zulässt, dass er existiert, dann wurzelt er mit zerstörerischer Kraft. Doch wenn man ihm seinen Raum gibt, so findet er mit der Hilfe von anderen auch seine Zeit zur Heilung. Genau das macht dieses Buch für mich aus: Heilung, Aussöhnung mit der Vergangenheit und ein guter Anfang für eine Zukunft voller Gefühle.

Danke fürs Mitnehmen und diese lustige Truppe. Gustaf und die Brownies. Oh mein Gott, diese Brownies.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen mit meinem #summermustread.

Eure Jil Aimée

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quarter life poetry, bt, rezension, gedichte, samantha jayne

Quarter Life Poetry

Samantha Jayne , Anna Hickmann , Wiebke Vogt
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei btb, 13.06.2017
ISBN 9783442715374
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Vorab sei gesagt: QLP trifft sicher nicht jedermanns Geschmack und ist stark auf die Gruppe der Mitzwanziger (wie der Titel schon sagt) ausgerichtet. Nimmt die Probleme dieser Generation mit einer leichten Satire und tollen Karikaturen in gereimter Form aufs Korn, verdeutlich dabei aber auch auf spritzige Art und Weise den wahren Gehalt der Mitzwanziger-Struggles. Das macht es für mich aus. Mich konnte es absolut überzeugen, fand ich es doch stark, einfallsreich und fantastisch.

Selbst der Poesie und Lyrik zugetan, bin ich immer auf der Suche nach neuen »Poetry«-Formen. Genau dafür schlägt einfach mein Herz. Umso mehr habe ich mich gefreut, als btb mir das neue Buch von Samantha Jayne vorgestellt hat. Mitzwanzigerlyrik – genau aus dem Leben gegriffen und den Puls der Zeit und des besagten Alters treffend. Gerade wer sich durch seine Zwanziger und den damit einhergehenden Alltags- und Lebensstress kämpft, wird sich darin wiederfinden. Analog dazu ist das Buch nicht in Kapitel, sondern in sog. Struggles (Kämpfe, Herausforderungen) unterteilt – wie Geld, Liebe, Job, … Das macht es überraschend realistisch und greifbar.

»Ich mache eine Saftdiät, läuft besser als gedacht. Der Saft war gegoren. Okay – ich hab’s mit Wein gemacht.«

Quarter Life Poetry ist witzig, wahr und vor allem wachrüttelnd. Es trifft den Nagel sozusagen auf den Kopf und mitten ins Herz der heutigen Zwanzigergeneration, zu der ich mich mit meinen 28 Jahren ein Stück weit noch zählen kann. Die Worte sind ungeschönt ehrlich und doch wohlklingend und komisch kongenial. Ob nun als »Klo«-Buch, wie der Autorin angeraten, oder als ständiger Begleiter in der Handtasche. Es liefert für jede Situation den passenden Spruch, tröstet und ermuntert zugleich. Rückt den Blick weg vom plastisch Geschönten unserer Gesellschaft und nennt die Dinge und eben auch die Herausforderungen und Zustände des jungen Alters beim Namen. Es ist einfach das Buch für den Moment. Weil es pfiffig und ehrlich ist und vielleicht der älteren Generation beim Verstehen der unsrigen hilft. Egal ob Mann oder Frau – es betrifft alle. So habe ich es bei uns tatsächlich zum Klo gelegt, und sogar meinen Mann schon beim Schmökern und Schmunzeln erwischt. Viel interessanter: Des Abends bei einem guten Glas Wein hat er das Gelesene wieder aufgegriffen und so wurden Stück für Stück mehrere Gespräche und wirklich gedankliche Auseinandersetzungen mit den im Buch angesprochenen Themen daraus. Man – beziehungsweise wir beschäftigen uns mit dem Geschriebenen nun viel eher, war es doch zuvor weit mehr im Unterbewussten verankert.

»Eines Tages erzähle ich meinen Kindern die tollste aller Liebesgeschichten: Alles begann damit, wie Mami und Papi beide nach rechts wischten …«

Ich kann das Buch nur jedem der Mitzwanzigergeneration und auch allen anderen Interessierten empfehlen. Ob nun das englische Original oder die wirklich auf den Punkt getroffene deutsche Übersetzung – an dieser Stelle ein großes Lob, gerade in der Poesie kann durch Übersetzung viel Gehalt verloren gehen, hier jedoch ist es wunderbar gelungen –, selbst wenn ich mir bei meinem nächsten Urlaub in den Staaten auch noch mal das Original zulegen werde. QLP ist einfach kurzweilig, echt und wild und witzig. Bei den Texten angefangen, die unter die Haut gehen, über die passenden Instagram-Bildchen, die Einzug ins Buch gefunden haben und Geschriebenes auf absolut realistische und doch satirisch-komische Weise verdeutlichen, bis hin zum weiß-schwarzen Cover und der lila Schrift. Für mich stimmt hier alles.

QLP hat wirklich alles, vor allem aber Gedichte für die Jungen, Gebrochenen und Suchenden.

Eure Jil Aimée

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liebe, freundschaft, new york, sarah morgan, vergangenheit

Ein Sommergarten in Manhattan

Sarah Morgan , Jutta Zniva
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 12.06.2017
ISBN 9783956496707
Genre: Liebesromane

Rezension:

Für gewöhnlich ist Sarah Morgan mein Garant für absolut herzzerreißende, zuckersüß romantische Leseerlebnisse. Vor allem ihre wider Willen-Reihe hat es mir angetan – und einfach all ihre Weihnachtsgeschichten. Dafür hat sie einfach ein unglaubliches Talent, das ich aus vollem Leserherzen bewundere – ob es um die einzigartige Ausgestaltung ihrer Charaktere, die malerische Umschreibung der Kulisse oder aber das Vermitteln der ergreifenden Emotionen geht. Sarah Morgan hat all das und noch viel mehr, was mich ihre Geschichten nahezu verschlingen und über alles lieben lässt. Sie hat den Zauber in ihren Worten. Die Liebe zur Liebesgeschichte. Wenn ich zu einem Sarah Morgan greife, weiß ich einfach, dass es gut wird. Und gerne gab ich dieses Mal mit Ein Sommergarten in Manhattan auch ihrem aktuellen Sommeroman so natürlich einen Versuch gegeben. Und vielleicht liegt genau da das Problem: meine Erwartungen. Womöglich sind sie zu hoch und ich habe Sarah Morgan selbst auf eine Schwelle gehoben, die nur schwer zu erreichen ist. Einfach, weil mich ihr Geschriebenes bisher immer so überzeugt und zutiefst berührt hat. Nur leider war eben genau das diesmal nicht der Fall. Und natürlich ist das hier eine persönliche Meinung, die keinen von Euch vom Lesen abhalten sollte. Im Gegenteil, kauft diese süße, sanfte Liebesgeschichte um die durch die Scheidung ihrer Eltern tough gewordene und allein zurechtkommende Frankie und den liebevollen Bruder ihrer besten Freundin und selbst ihr bester Freund Matt, der sich mit seinem Sexappeal unterbewusst in Frankies Herz schleicht und sie langsam von ihren Verlustängsten heilt – denn genau das ist sie immer noch und sie bereitet auch tolle Lesestunden – lasst Euch ergreifen, mitreißen und fesseln. Und bitte: belehrt mich dann eines Besseren, sodass auch bei mir bei diesem Buch vielleicht nachträglich noch der Zauber des Besonderen überspringt, der sonst bereits auf den ersten Seiten ein Feuer des Vergnügens in mir entstehen lässt. Ich tue mich mit dieser Bewertung wirklich unheimlich schwer, das müsst ihr mir glauben. Einfach, weil die Geschichte – zu deren Inhalt ihr in der Kurzbeschreibung schon genug erfahrt, und weil ich Euch einfach nicht spoilern oder mit meiner Ansicht das Lesen vermiesen möchte! – mich diesmal leider nicht in vollem Umfang überzeugen konnte. Weder die Charaktere, die wir schon aus dem ersten und von mir überaus geliebten Teil der Reihe kennen, noch die Beziehungen haben dieses Mal ein Kribbeln in mir ausgelöst. Ich kann es einfach nicht genau beschreiben. Auch störten mich etwas die vielen Vertipperlis, die der Übersetzung geschuldet sind. An sich habe ich damit kein Problem, aber wenn teilweise Namen in ihrer Schreibweise wechseln oder durch gänzlich andere Namen im Buch ersetzt werden – selbst wenn es sich dabei um Nebencharaktere handelt –, sticht es schon etwas beim Lesen. Vielleicht war es für mich auch die falsche Zeit, das Buch zu lesen. In jedem Fall aber vermisste ich schmerzlich den Sarah Morgan Zauber, mir fehlte der Kick. Die Handlung sowie die Charaktere erschienen mir zu eindimensional, zu platt und an manchen Stellen in ihrer Entwicklung auch zu unglaubwürdig. So war es für mich schlecht nachvollziehbar, wie schnell die Protagonistin schließlich doch ihre Prinzipien über Bord geworfen hat, an denen sie zuvor über Jahre auf strengste Weise festgehalten hat. Mir ging da die Entwicklung der Beziehung und auch das Zwischenmenschliche einfach ein bisschen zu schnell bzw. fehlte es mir hier an szenischer Ausarbeitung. Ein paar mehr Kapitel dazu hätten der Geschichte sicher gutgetan. Auch fand ich es schade, dass dem Besuch auf Puffin Island, viele Leser kennen und lieben es schon, zu wenig Entwicklungsraum gegeben wurde. War er doch ein Schlüsselpunkt für die Geschichte und charakterliche Wende vieler Charaktere. Hier hätte ich mir ebenfalls ein bisschen mehr gewünscht. Im Gegenzug dazu hat mir aber besonders die Aussöhnung der Protagonistin mit ihrer Mutter gefallen und auch die Lehren die sie daraus für ihr eigenes Leben gezogen hat. Man ist niemals für die Schwächen und Fehler seiner Eltern verantwortlich und sollte sich von diesen auch nicht erdrücken lassen oder die Selbstbestimmung über das eigene Leben verlieren. Das kam wirklich grandios und herausragend gut rüber. Auch die Nebencharaktere gefielen mir mit ihren eigenen Geschichten ganz gut, so hat man direkt eine Ahnung, in welche Richtung sich diese Reihe noch weiterentwickeln kann. Die Autorin hat hier viel Potenzial aufgezeigt und es bleibt spannend. So spannend, dass ich mich schon sehr auf den nächsten Teil freue, obgleich mich dieser hier nicht völlig mitgerissen hat. Okay, Matt hat es mir mit seinen neckischen Spitzen und dem Herausfordern Frankies schon angetan, aber das allein reicht nicht.

Kommen wir zum Cover. Leider konnte mich dieses diesmal nicht ganz überzeugen. Es ist mir zu dunkel für den Sommer gestaltet, wirkt zu stilisiert und einfach von den lila Farbtönen etwas zu schwer. Natürlich lässt es in gewisser Weise einen lauen Sommerabend andeuten und vermittelt auch die der Geschichte beiwohnende Romantik – eine romantische Vorabendstimmung eben. Nur leider wird das Cover dem absolut schönen Titel nicht ganz gerecht. Dennoch es fügt sich gut in die Reihe und hat einen gewissen Wiedererkennungswert. Das ist ein Plus. Sprachlich gesehen, ist Sarah Morgan ihrem luftig leichten und unverkennbar romantischen, bildhaften Schreibstil treu geblieben, sodass das Lesen der Geschichte an sich nach wie vor ein Genuss war. Sie weiß einfach ihre Leser im Herzen zu berühren und zeichnet dabei erfrischend neue und unglaublich schöne sprachliche Bilder.

„Du bist wie eine Glühbirne. Die Menschen fühlen sich von dir angezogen, weil du ihr Leben aufhellst.“

Es fehlte mir eben nur das gewisse Etwas, das das Buch für mich aus der Masse toller Liebesgeschichten heraushebt. Dennoch: Ein Sommergarten in Manhattan bietet ein kurzweiliges Lesevergnügen, das ruhiger als sein Vorgänger wirkt, zum Nachdenken anregt und in sanften Wogen zum Happy End führt. Liebe, Romantik und ein männlicher Leckerbissen garantiert. 3,5 Sterne von mir – der nächste Band wird bereits mit großer Freude erwartet.

Eure Jil Aimée

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liebesroman, liebe, annie darling, london, buchhandlung

Der kleine Laden der einsamen Herzen

Annie Darling , Andrea Brandl
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin, 09.05.2017
ISBN 9783328100980
Genre: Romane

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sarah j. maas, fantasy, frauenpower, acowar, schöne sprache

A Court of Wings and Ruin

Sarah J. Maas
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury Childrens, 02.05.2017
ISBN 9781408857908
Genre: Fantasy

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Zwänge bewältigen

Burkhard Ciupka-Schön
Flexibler Einband
Erschienen bei Patmos Verlag, 13.02.2017
ISBN 9783843609142
Genre: Sachbücher

Rezension:

In ‚Zwänge bewältigen‘ veranschaulicht der Psychotherapeut Burkhard Ciupka-Schön sowohl auf sachlich-anschaulicher als auch auf Erfahrungsberichten basierter Weise, was Zwangserkrankungen für die Einzelnen, aber auch für das direkte soziale Umfeld Betroffener bedeuten. Er erläutert, wie es u. a. zu Zwangserkrankungen kommen kann, thematisiert auf sensible Art deren Wichtigkeitsgrad und setzt den Fokus auf bewehrte Therapieansätze. In seinem Buch wird Betroffenen, ob aktiv – da selbst erkrankt -, oder passiv – da Zwangserkrankter im direkten persönlichen Umfeld – Mut gemacht, wie mit dieser Form von Erkrankung umzugehen ist, dass es Hilfe gibt und man sich nicht scheuen sollte, sie in Anspruch zu nehmen. Dabei wird der Teufelskreis der Zwangserkrankungen, ihre einzelnen Arten und Ausprägungen (Zwangshandlungen / Zwangsgedanken) beleuchtet und auch Hintergründe zur möglichen Entstehung sowie etwaiger Heilungs- bzw. Verbesserungsaussichten offengelegt. Der Autor schürt Sensibilität für das Thema. Gibt ihm Fokus, rückt die Zwangserkrankung in das öffentliche Interesse und regt zum darüber Reden an. Das Buch dient sowohl als Stütze der Zwangskranken und auch als Motivation dieser sowie der persönlichen Umfeld, da es hilft, die Welt der Erkrankten besser zu verstehen. Ihre Macken nicht als Peinlichkeiten abzutun, sondern als die Erkrankung anzuerkennen, die sie ist. Er nimmt ihr so den Schrecken und führt Betroffene zur Eigenentscheidung hinsichtlich einer Behandlung. Denn der eigene Wille ist dabei entscheidend. Wer aus sich selbst heraus motiviert entscheidet und handelt, hat höhere Chancen auf Besserung und Abschwächung der Zwänge als durch äußeren Druck bestimmt. Der Autor vermag es dabei gekonnt, dem Thema die Scham zu nehmen, bietet allen Betroffenen eine Plattform zum Diskurs und liefert Verständnis. Ich habe das Buch gelesen, einerseits, weil mich die Erkrankung und ihre Hintergründe schon immer interessiert hat – zumal sie die vierthäufigste seelische Störung ist. Andererseits bin ich im eigenen Umfeld schon auf Zwangserkrankte gestoßen und suchte nach Verständnis dieser Erkrankung.

Der Autor schafft mit diesem Buch nicht nur einen motivationsbasierten Therapie-Puscher, legt den Fokus auf die Reizkonfrontation. Nein, sein Werk ist für die Erkrankten meiner Meinung nach vor allem ein Wegweiser zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Das Leben mit dem Zwang ist oftmals erdrückend, von Peinlichkeit und Scham behaftet und ein regelrechtes Versteckspiel des eigenen Selbst. Doch wer es schafft, dem Zwang die Macht und die Angst zu nehmen – und das ist ein harter, schwerer Weg -, der kann dem Zwang die Bestimmungsgewalt über das eigene Leben entwenden. Stück für Stück wieder selbst entscheiden. Und er ist nicht allein. Im Buch wird mit anschaulichen Realbeispielen gearbeitet, die dem Leser die unterschiedlichen Ausprägungen der Leidens- und auch wieder glücklicheren Lebenswege der Betroffenen veranschaulichen und auch an die Praktik heranführen. Es wirkt dabei im Wechsel mit der in verständlicher Fachsprache und Alltagssprache verfassten Kapitel identitätsstiftend und greifbar. Einfach eine Motivation für alle Beteiligten. Und die ist enorm wichtig, denn der Zwang an sich ist tückisch. Gaukelt ein nicht vorhandenes ‚Richtigsein‘ und falsche Sicherheit vor. Versteckt sich hinter anderen Symptomen, bleibt oft viel zu lange unerkannt.

Ich empfehle die Lektüre jedem, der selbst von Zwangserkrankungen betroffen ist, oder diesem im privaten Umfeld täglich begegnet und/oder einfach Interesse an der Thematik und dem Verständnis darüber hat.


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liebe, fantasy, feyre, magie, feen

A Court of Mist and Fury

Sarah J. Maas
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury USA Childrens, 03.05.2016
ISBN 9781619634466
Genre: Sonstiges

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krebs, liebesroman, neuanfang, verlag: montlake, cowboy

Wenn Liebe Cowboystiefel trägt

Emily Bold
E-Buch Text: 302 Seiten
Erschienen bei Montlake Romance, 28.03.2017
ISBN 9781477820544
Genre: Sonstiges

Rezension:

In ‚Wenn Liebe Cowboystiefel trägt‘ kehren wir mit Avery Davis nach acht langen Jahren, einer misslungenen Beziehung und dem besiegten Krebs in ihre Heimatstadt zurück: Littletree. Dort versucht sie, sich selbst erst mal ins eigene Leben zurück zu kämpfen, im Schoß ihrer Familie. Eine Familie, die sie während dem Kampf gegen den Krebs ausgeschlossen hatte, weil sie sie nicht zu sehr verletzen wollte. Für den Fall, dass sie verliert. Eine Familie, die nun nur allzu gern für die verlorene Tochter da ist. Avery ist am Boden, scheint nichts mehr zu haben. Kein Zuhause, keinen Job, keinen Partner. Doch dann findet sie gerade in der Stadt, der sie einst für immer den Rücken kehren wollte, genau das, was ihr so fehlte: neuen Lebensmut.

Damals wollte, musste Avery aus Littletree fort. Um einer Liebe zu entfliehen, die sie aufzufressen drohte, der sie aber keine Zukunft geben konnte. Die Liebe zum Schul-Beau Mason King – leidenschaftlich, stürmisch, tragisch. Tragisch deshalb, weil es für ihn nur eine Wette gewesen zu sein schien, während sie damals ihr Herz an ihn verloren hatte. Um dieses zu schützen, floh sie in ein neues Leben in die Großstadt. Dort war sie in den letzten Jahren erfolgreich im Finanzsektor tätig – die immer kühle Businessfrau, die es vermochte, mit dem Jonglieren von Zahlen anderen ganze Vermögen zu verschaffen. Beruflicher Erfolg war ihr garantiert, und auch privat schien mit ihrem neuen Partner und Kollegen Phil alles richtig zu laufen. Bis der Krebs kam, und mit ihm der Betrug. Denn anstatt ihr wirklich zur Seite zu stehen, floh Phil sich in die Zuneigung einer anderen Frau. Gerade dann, als Avery ihn am meisten gebraucht hätte. Ihre Welt zerbrach. Und als der Krebs nach einem langen Kampf endlich besiegt war, war mit ihm nicht nur ihre Beziehung, sondern auch ihr Job und ihre Perspektive gegangen. Manche Dinge zerbrechen einfach, können nicht mehr zusammengefügt werden.

So kehrt Avery nun nach Litteltree, das verschlafene Örtchen zurück, in dem jeder jeden kennt und Geheimnisse von allen geteilt werden. Sie erhofft sich zunächst nicht zu viel, nur etwas Abstand, Luft zum Atmen, einen Neuanfang, ein ‚Zu-Kräften-kommen‘, bis sie stark genug wäre, in die Großstadt zurückzukehren und wieder in die Welt der Finanztransaktionen zu tauchen. Vielleicht würde der Krebs nicht mehr zurückkommen und sie irgendwann keine Risikoanlage – wie sie sich selbst nun sah – mehr sein.

Doch da hat sie die Rechnung ohne Littletree und die Vergangenheit gemacht.

Denn nicht nur ihre Familie ist für sie da, hilft ihr dabei, wieder aufzustehen. Gibt ihr ein Dach über dem Kopf, einen Job sowie Freundschaft und Liebe. Auch Mason, ihre Jugendliebe, tritt wie der Zufall es so will wieder in ihr Leben, und versucht mehr denn je, ihr nahe zu sein. Und so sehr sie sich auch wehrt und darum bemüht, dem Charme des waghalsigen Cowboys zu widerstehen, er geht ihr einfach unter die Haut. Doch Mason liebt die Gefahr, den Absprung, das Fallen. Als Cowboy und Rodeo-Held spielt er ständig mit seinem Leben, es scheint ein Spaß für ihn zu sein, den Nervenkitzel bis ins höchste Maß auszukosten, wo Avery doch weiß, wie bitter ernst es werden kann.

·         Wird sie damit klarkommen, dass das Leben voller Fallen und dem Fallen steckt?

·         Sind ihre Gefühle echt oder ist es nur die Sehnsucht nach dem, was sie verloren hat?

·         Was ist mit Mason?

o   Will er die Wette von damals immer noch gewinnen?

o   Oder möchte er ihr aufrichtig nahe sein?

·         Verrennen sich am Ende beide nur in das Gewohnte, das Einfache?

·         Kommt der harte Aufprall in der Realität schneller als gedacht?

·         Und kann man den Krebs wirklich endgültig besiegen?

Lasst Euch von Masons Lasso einfangen und taucht ein in eine Geschichte, die das Leben nicht besser hätte schreiben können. Mit ihrem neuen Roman schafft Emily Bold genau das: eine Geschichte des Lebens, in der man jeder Zeile die Liebe zum geschriebenen Wort entnehmen kann. Sie gibt dabei starken, echten Charakteren ein Leben, das in seinen Bann zieht. Jeder Charakter, ob Haupt- oder Nebendarsteller, wirkt durchdacht, ausgefeilt, einfach rund. Sie alle haben Ecken und Kanten, Sorgen und Lieben. Vor allem stecken sie aber voller Leben. Gerade so auch Avery, die doch selbst auf der Suche nach ihrem Leben scheint. Bei allem, was sie verloren hat, kämpft sie, lässt den Kopf nicht hängen. Verfällt nicht ins Düstere, sondern gibt ihrem Dasein Stück für Stück den so schmerzlich vermissten Sinn zurück. Und manchmal liegt dieser eben nicht in Finanzmarkttranskationen, sondern dem Retten eines kleinen Kitzes. Darin, jemand anderem neues Leben zu geben. Das erkennt auch Avery mit der Zeit in Littletree. Was es aber damit auf sich hat, wird an dieser Stelle nicht verraten. Denn gerade die Geschichte um das Kitz und allem, was dazugehört, macht für mich das Herzstück dieses wundervollen Romans aus. Etwas, das jeder für sich selbst entdecken sollte.

Die Autorin hat einfach eine vielschichtige Wohlfühlgeschichte voll Mut, Herzflattern und Charakteren zum Mitleiden und Liebhaben geschaffen. Es besteht die perfekte Balance zwischen Sorge und Drama sowie Leichtigkeit und Lebensfreude. Dabei liebe ich vor allem Averys Schlagfertigkeit in manchen Situationen, die dem Roman einen gewissen Wert an Humor verleiht, und die sie sich trotz ihrer Krankheit behalten hat. Aber auch ihre Strenge und Klarheit die Krankheit betreffend, berühren und überzeugen einfach.

„Es kostete Mut, sich dem Leben zu stellen.“

Vieles erfährt man im Verlauf Häppchenweise, nicht alles auf einmal, und wird somit durchweg durch die Geschichte gesogen. Alles ist so erzählt, wie es einem guten Bekannten, einem Nachbarn oder sogar einem selbst passieren könnte. Und der Gedanke Sexy Cowboy trifft auf Finanzmarktprinzessin, der der Geschichte unweigerlich beiwohnt, ist doch nicht alles, was zählt. Die Geschichte ist so viel mehr: Fertigwerden mit Verlusten, Erkennen von Lebensmut und -willen, Liebe, Familie, Freundschaft. Lebensnahe Ängste und Sorgen. Dabei ist es ein echter Pageturner. Die Autorin bleibt mit diesem Roman ihrem gewohnt flüssigen, einnehmenden, bildhaften Schreibstil treu. Kreiert eine Erzählweise, die einen in ihrer Locker- und Klarheit die Seiten im Flug nur so umschlagen und die Geschichte in einem Rutsch verschlingen lässt. Man kam beim Lesen gut in die Geschichte und konnte die Entwicklungen dieser und die Entscheidungen der Charaktere im Verlauf sehr gut nachvollziehen, ihre Emotionen nachempfinden. Das Buch schafft auch ein Stück weit Hoffnung, nicht aufzugeben, weil das Leben sich eben einfach lohnt. Trotz und gerade wegen allem. Allen Höhen und Tiefen. Es sind genau diese Momente, die es erst ausmachen. Besonders reizend und die Geschichte anheizend empfand ich die Rückblicke in die gemeinsame Vergangenheit der beiden Protas. Das gibt dem Roman noch mehr Potenzial und verdeutlicht, wie verflochten zwei Leben trotz räumlicher und zeitlicher Distanz über die Jahre hinweg doch sein können. Und man stellt sich unweigerlich die Frage, ob sie sich damals hätten anders entscheiden sollen. Liebe vermag es eben, die Prioritäten neuzuordnen.

„Der Himmel war sternenklar und die Lichter der Stadt ein funkelndes Band in der Ferne.“

Ich kann nur immer wieder sagen: Emily Bolds Geschichten lese ich einfach gerne, weil sie einerseits so ins Herz gehen und die Fantasie beflügeln, andererseits aber auch von realen Sorgen und Beziehungen erzählen, die für den Leser greifbar und identitätsstiftend sind. Zumindest erging es mir wieder so beim Lesen. Lediglich an manchen Stellen, vor allem im Aufeinandertreffen von Mason und Avery hätte ich mir etwas mehr Herzflattern und Länge gewünscht. Auch den finalen Abschied von ihrem Ex hätte ich mir ein wenig schlagfertiger vorgestellt. Doch das wird durch die wirklich liebevolle Erzählung und die bildhafte Sprache sowie die Tiefe der Nebencharaktere wieder wettgemacht und die Geschichte so zum Blickfang, wie auch Mason eine Augenweide ist. Ihr werdet es schon lesen 😊.

Auch das Cover selbst ist ein kleiner Hingucker, lädt direkt auf eine Ranch in die Staaten ein – mit dem Lasso, Heu und Cownboystiefel – natürlich in einem süßen Pink gehalten. Der Titel passt ebenso einfach perfekt und fügt sich wiedererkennungswertstiftend in Emily Bolds Montlake Veröffentlichungen ein.

‚Wenn Liebe Cowboystiefel trägt‘ ist ein kurzweiliges, intensives Lesevergnügen für schöne, gefühlvolle und doch auch dramatische Lesestunden. Die Geschichte ist vielseitig, durchdacht, nicht oberflächlich – hinter jedem Charakter steckt mehr, als man zunächst sieht oder vermutet. Vor allem aber ist sie der Kampf zurück ins Leben, auch wenn dieses sich vielleicht geändert hat. Es ist Heilung und Lebensfreude zugleich.

„Indem sie ihnen half, half sie auch sich selbst.“

Meine ganz klare Leseempfehlung an Euch, und ich bin schon auf das nächste Werk aus Emily Bolds Feder gespannt.

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576 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 132 Rezensionen

liebe, reise, wünsche, ava reed, jugendbuch

Wir fliegen, wenn wir fallen

Ava Reed , Alexander Kopainski
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter Verlag , 17.02.2017
ISBN 9783764170721
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Phil - ein alter, blinder Mann, der für manche ein Fremder und doch sicherer Hafen ist, ein Freund und eine Zuflucht zugleich, während er anderen als Familie, Großvater doch irgendwie immer fremd bleibt.

Yara – ein Mädchen, das einen schmerzlichen Verlust ertragen muss. Tag für Tag, und sich selbst die Schuld daran gibt, obwohl sie andere wieder zurück ins Leben holt und Farbe in die Dunkelheit bringt.

Noel – ein Junge, früh von der eigenen Mutter verlassen und zornig auf die Welt, der erst zu spät erkennt, dass er niemals wirklich alleine war und doch dem Leben wieder Freude abgewinnt.

 

·         Doch ist es wirklich jemals zu spät?

·         Was verbindet diese drei?

·         Was unterscheidet sie?

·         Auf welche Reise begeben sie sich und wer kommt am Ende wie zurück?

Drei Begegnungen, drei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, deren Wege sich durch einen traurigen Schicksalsschlag und viel zu frühen Abschied kreuzen, um dann dem Leben wieder Sinn, Farbe und Liebe zu geben. Manchmal muss es erst einen Abschied geben, um den richtigen Weg - einen Neuanfang - zu finden. Manchmal wird aus Abneigung Zuneigung, aus Fremdheit Freundschaft und aus Trauer Liebe. Ava Reed beschreibt genau das in ihrem neuen Roman. Und gibt dabei ihren Protagonisten reale Gesichter, ein reales Leben. Wie es dir und mir passieren könnte. Sie gibt ihnen Ängste, Ecken und Kanten, aber auch Wünsche und Sehnsüchte. Eben einfach Charakter. Und beim Lesen hat man das Gefühl, alle drei auf ihrer eigenen Reise begleiten zu dürfen. Den etwas störrischen und zunächst unsicheren Noel, der zornig ist, sich im Stich gelassen fühlt und nicht weiß, wohin ihn das Leben trägt. Der vielleicht auch ein wenig von sich selbst enttäuscht ist.

Den erfahrenen Phil, der die Farben der Welt über alles liebte, bis er sie nicht mehr sehen konnte. Der sich wünscht, er wäre Noel der Großvater gewesen, den er gebraucht hat. Und der durch Yara wieder das Schmecken der Farben und Abenteuer lernt, in ihr eine Enkelin findet, wie er sie sich gewünscht hätte.

Yara wiederum findet in Phil den Ausbruch aus ihrem trüben Alltag, der sie ablenkt von der Sorge, den Schuldgefühlen. Und trotz dieser lernen wir sie in der Geschichte als ein aufgewecktes, mutiges Mädchen kennen, das sich nicht scheut, Neues zu wagen.

Alle drei sind wundervoll ausgestaltet, wirken echt. Auch das Geschehen und die Geschichte um zehn Wünsche, die es zu erfüllen gilt, wirkt durchdacht, aufregend und treibt dazu an, die eigenen Wirklichkeit werden zu lassen. Nun sind Bücher über die Erfüllung einer Bucket-List nichts Neues. Aber Avas Ansatz ist es. Es geht hier primär nicht um die eigenen Wünsche, sondern darum jemandem bei der Erfüllung seiner Träume zu helfen, und daraus selbst Lebenslust, Freude und Liebe zu ziehen. Dabei schreibt die Autorin locker, bildhaft-malerisch, packend, ich habe mich selbst an den Stationen der Reise durch Ava Reeds Stil wiederfinden können. Außerdem lernen wir viel über Yara und Noel durch sie selbst kennen, da in wechselnden Perspektiven erzählt wird. Und es war einfach wunderbar.

‚Wir fliegen, wenn wir fallen‘ von Ava Reed ist genau das: Zuneigung, Freundschaft, Liebe – und doch noch so viel mehr. Es ist ein Erfüllen von Wünschen, das Finden des eigenen Seins, eine Reise ins Glück. Aber vor allem ist es ein Wegweiser aus der Dunkelheit, zurück ins eigene Leben. Ava Reed hat hier einen bedeutenden, wundervollen Roman geschaffen, der gleich auf einer emotionalen Highnote startet, den Leser schüttelt, packt und mitreißt. Mit jeder Zeile. Es fließen Tränen, es tanzt das Herz, es setzt die Atmung aus, und es strahlt das Gesicht. Es ist eines dieser Bücher, das man wieder und wieder lesen will, in das man sich einkuscheln muss, weil es tröstet, den Blick zurechtrückt, weil es heilt und Hoffnung gibt. Hoffnung darauf, dass ein Abschied nicht das Ende bedeutet, sondern manchmal als erster Schritt, als Schubs in die richtige Richtung dient. Und dass es Gefühle gibt, die über alle Grenzen hinweg bei einem bleiben.

»Wir stehen einfach da, zwei Ruhende inmitten von so viel Bewegung.«

Das Buch liefert die Botschaft, dass es aber nicht nur den Schubs braucht, sondern auch den Willen und den eigenen ersten Schritt, um eine Veränderung herbeizuführen. Und diesen Schritt muss jeder selbst gehen. So auch Yara und Noel nach dem schmerzlichen Abschied von Phil. Yara und Noel, die sich zunächst nicht leiden können und dennoch dafür entscheiden, in Phils Andenken die Welt zu bereisen, seinen letzten Wunsch zu erfüllen, gemeinsam. Doch den ersten Schritt dazu müssen beide selbst gehen. Beide allein. Es ist die Entscheidung. Und am Ende war es nicht nur eine Reise durch die Welt voller Wünsche, unglaublicher Erfahrungen – die ich hier nicht verraten kann, ihr müsst sie schon selbst durchs Lesen erfahren, das macht den Zauber dieses Buches aus -, das Gewähren eines letzten Willens, sondern vielmehr der Weg ins eigene Leben zurück. Das Bewusstsein, dass man dieses nicht alleine leben muss. Die Chance, das aus zwei Einsamkeiten ein Gemeinsames werden kann. Dass man zusammen eigene Ängste und das Alleinsein überwinden kann. Wenn man denn wirklich will …

‚Wir fliegen, wenn wir fallen‘ wird eines dieser Bücher sein, das ich noch in zwanzig Jahren lesen werde. Immer dann, wenn mein Herz Trost braucht, meine Seele Zuversicht oder wenn ich einfach mit einem glücklichen Gefühl angefüllt sein möchte. Es ist genau, wie die Autorin es schreibt. Ich werde mich immer daran erinnern, wie ich es zum ersten Mal gelesen habe. Und es ist wahr:

»Du schlägst dann nicht einfach nur dieses Buch auf, sondern auch Erinnerungen.«

Und genau das werde ich tun. Ein Jugendbuch, das aus der Masse heraussticht und in seiner Gänze begeistert. Sei es die tief bewegende Geschichte oder das traumhaft schöne Cover – gestaltet von Alexander Kopainski, in wunderbaren Pinktönen gehalten und mit die einzelnen Wünsche symbolisierenden Bildchen verziert. Übrigens mein Lieblingscover. ‚Wir fliegen, wenn wir fallen‘ ist einfach ein gelungenes Gesamtpaket, das schöne Lesestunden voll Gefühl, Abenteuer und Herausforderung bietet. Ich habe von diesem Buch so viel mitgenommen, es hat einfach mein Herz berührt.

 

PS: Ich liebe die Darstellung der Seitenzahlen und kleinen Sprüche, die wie handgeschrieben wirken.

 

Eure Jil Aimée

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Tags: ava reed, rezension, verlag ueberreuter   (3)
 

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götter, götterfunke, marah woolf, griechische mythologie, jugendbuch

GötterFunke. Liebe mich nicht

Marah Woolf
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Dressler, 20.02.2017
ISBN 9783791500294
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In Band eins von ‚Götterfunke‘ stehen Jess und ihre besten Freunde – Robyn, Josh, Cameron – kurz vor ihrem Schulabschluss. Noch einmal wollen sie daher gemeinsam in die großen Ferien fahren. Etwas Unvergessliches erleben und zusammen viel Spaß haben. Erinnerungen schaffen, von denen sie lange zehren können. So begeben wir uns am Anfang der Geschichte mit Jess und den anderen für sechs lange Wochen in ein Sommercamp. Es soll ein Camp voller Spaß, aufregender Aktivitäten und auch den ein oder anderen Lehrveranstaltungen sein, um perfekt für das Leben danach und das Studium vorbereitet zu sein. Doch gleich zu Beginn passiert etwas Schreckliches: Jess und ihre beste Freundin Robyn erleiden einen schweren Autounfall, der sie das Leben kosten müsste. Es kommt Jess vor wie ein Traum – ein schlechter und guter zugleich. Sie sieht sich verletzt am Boden liegen, spürt, dass sie nicht mehr atmet und auch Robyn rührt sich nicht. Aber dann tauchen da diese Gestalten auf – wunderschön und beängstigend zugleich. Sie scheinen zu streiten, was mit den Opfern geschehen soll. Doch Jess kann ihnen nicht zuhören, sie hat nur noch Augen für einen von ihnen. Der eine, der sie schließlich beide rettet, sie in seine starken Arme schließt und dessen Duft und Anwesenheit tröstend auf Jess wirken. Es scheint alles so real, aber dann wacht sie auf. Sie sitzt im Auto und Robyn steuert dieses weiter ohne Probleme in Richtung Camp.

Hat es diesen Unfall gar nicht gegeben, selbst wenn er sich so echt angefühlt hat?  War alles wirklich nur ein Traum?

Jess versucht sich genau das einzureden, bis sie bei Ankunft im Camp auf ihn trifft. Ihren Retter. Dieser heißt Cayden, ist wahnsinnig schön, klug und unglaublich stark. Vor allem aber ist er der Frauenmagnet im Camp und zieht dort in den nächsten Wochen nicht nur Jess in seinen Bann. Es scheint, als könnten ihm die Mädchen nicht widerstehen. Als ginge etwas Übernatürliches, fast Göttliches von ihm aus, sodass sie sich alle unweigerlich in ihn verlieben. Auch Jess. Doch für sie scheint er nicht dasselbe zu empfinden. Er spielt mit ihr, ist ihr mal nahe, nur um im nächsten Moment wieder kalt und fern zu sein. Er verwirrt sie. Doch er ist nicht das einzig Merkwürdige, das im Camp vor sich geht. Denn er wird von einem Jungen namens Apoll und einem Mädchen namens Athene begleitet. Und das scheint im Camp nicht die einzige Parallele zu Göttern zu bleiben ...

Schnell merkt Jess, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Mehr und mehr glaubt sie, dass der Unfall und ihre Rettung kein Traum waren, also entschließt sie sich, Cayden mit ihrer Vermutung zu konfrontieren. Doch was dann passiert, hätte sie sich niemals vorstellen können …

Gibt es die Welt der Götter wirklich und wurde Jess von einem solchen gerettet? Oder ist Cayden nur ein ganz normaler Junge, der mit ihren Gefühlen spielt? Empfindet er vielleicht doch mehr für sie, kann es nur nicht zeigen? Und was hat Robyn damit zu tun, was ein Kampf um Leben, Mythen und Tod, der bald einsetzt? Ist Jess vielleicht nur der Spielball in einem viel zu mächtigen Spiel? Und ist Cayden wirklich der, der er vorgibt zu sein?

»Geh zurück in deine Höhle und lass die Menschen in Ruhe und mich auch.«

Taucht ein in das brandneue Abenteuer von Marah Woolf, erstmals erschienen im Dressler Verlag, und lasst Euch mitreißen von einer Welt in der unsrigen. Von Göttern, Mächten und dem ganz normalen Teenageralltag. Und bestreitet mit Jess zusammen nicht nur den Kampf um die erste Liebe, sondern auch um das Leben, um Wünsche, Träume und die eigene Person. Der Autorin ist hier ein meiner Meinung nach grandioser Auftakt zu einem neuen Epos gelungen, das Jung und Alt gleichermaßen packen wird. Wer gerne unschuldige Liebesgeschichten liest und auch den griechischen Mythen zugetan ist, wird mit ‚Götterfunke‘ genau das richtige Buch finden. Es vereint, wie bereits gesagt, Drama, Mythos und den alltäglichen Teenagerwahnsinn, gewürzt mit dem Bild der Götter. Dabei bleibt es in jedem Satz spannend, mit jedem geschriebenen Wort entfaltet sich der Schauplatz vor dem Leserauge und packt einen mit seinen runden, ausgefeilten Protagonisten, die - trotzdem sie teilweise Götter sind – echt und greifbar, real wie Du und ich wirken. Auch die wundervolle Andeutung einer sich anbahnenden Liebesgeschichte ist dabei gelungen und fügt sich nahtlos in das Geschehen ein. Ein Geschehen, bei dem ein Abenteuer das nächste jagt, ein Herzsprung auf den nächsten folgt, und nicht nur eine Freundschaft getestet wird. Alles immer in einem dem Genre angemessenen Tempo. ‚Götterfunke‘ konzentriert sich dabei nicht nur auf die zwei Protagonisten Cayden und Jess, sondern spinnt auch für die anderen Charaktere durchdachte Geschichten samt emotionaler Achterbahnfahrt und etlicher Herausforderungen, die alle zum perfekten Zeitpunkt zusammenlaufen. Dabei fiebert man mit jedem Einzelnen von ihnen mit. Es ist ein rundum gelungener Auftakt, der einen Band zwei herbeisehnen lässt, weil man unbedingt wissen muss, wie es weitergeht. Zumindest ging es mir so, aber ich bin sicher, auch ihr werdet großen Gefallen an dieser Geschichte finden.

Der Schreibstil ist dabei jugendlich, flüssig und dem Genre angemessen leicht zu lesen. Er packt, umschreibt mit malerischem Talent die einzelnen Geschehnisse, liefert Bilder, die ergreifen und sich einen in die Geschichte träumen lassen. Wie viele bereits wissen, bin ich ein großer Fan von Marah Woolfs Büchern, doch dieses hier ist ihr erstes Verlagsbuch. Und so war ich besonders gespannt, ob am Ende noch genug Marah drin sein wird. Die Erwartungen waren groß, und ich wurde nicht enttäuscht. Sie ist ihrem Stil treu geblieben - malerisch, jugendlich, niemals langweilig, und viele identitätsstiftende Charaktere hat sie auch noch reingeschrieben. Ein Aspekt der gerade im Bereich Jugendroman sehr wichtig ist. Mit Jess haben wir das verantwortungsbewusste und stets lernende, für Wahrheit eintretende Mädchen. Robyn hingegen ist die freiheitsliebende, unbändige beste Freundin, die einfach eine gute Zeit haben will und sich und ihr Äußeres dabei auch einzusetzen weiß. Cayden ist der Wolf im Schafspelz, wobei eher umgekehrt. Er wirkt zunächst unnahbar, gefährlich, wie ein Bad Boy. Doch mit der Zeit entpuppt sich sein wahres Ich und seine sensible Seite. Und es bleibt für den Leser herauszufinden, was das genau bedeutet. Zusammen erleben sie auf jeden Fall einen aufregenden Sommer. Übrigens gibt es noch ein kleines Highlight: Auch der Götterbote Hermes hat seinen Auftritt in der Geschichte. Dabei hat er stets einen lockeren Spruch auf den Lippen bzw. in der Feder. Für mich mein Liebling in diesem Buch. Er wirkt frisch, jung und so, als ließe er sich nur ungern etwas sagen. Da es nun mal ein Jugendbuch ist, sind daher Aspekte wie starke Spannung und große Liebe im dafür passenden Rahmen gehalten, sodass es sich gut zusammenfügt.

Kommen wir nun zur Aufmachung des Buches. Es ist ein Hardcover, ohne Schutzumschlag in sanften Rosa- und Lilatönen gehalten, die kleine, verspielte Verzierungen durch den Einband weben. Innen findet sich eine Karte des Camps, sodass der Leser jederzeit nachschlagen kann, wo was genau stattfindet. Am Ende findet sich auch ein Glossar, das die griechischen Mythen gemischt mit Marahs Kreativität und Gestaltungsspielraum perfekt erklärt, sodass man unbedarft in die Geschichte um Cayden und Jess starten kann. Der Schutzumschlag selbst ist vom Glanz, dem einzigartigen Farbenspiel und der angenehmen Haptik her ganz wundervoll gestaltet. Nur an das Mädchen darauf muss ich mich wohl noch etwas gewöhnen. Das wäre bei diesem tollen Gesamtpaket mein einzig wirklicher Minuspunkt. Aber das ist ja immer Geschmackssache und für das Genre ist es so sicher passend gewählt. Ich bin schon sehr gespannt, wie Band zwei aussehen wird.

Alles in allem kann ich sagen: Kauft und lest dieses Buch. Es ist eine wundervolle Mischung aus Liebe, Mythos und dem Erwachsenwerden. Außerdem vermittelt es die Botschaft, niemals aufzugeben und für das zu kämpfen, was das eigene Herz schlagen lässt.

Eure Jil Aimée

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katie agnew, perlen, familie, liebe, roman

Die Perlenfrauen

Katie Agnew , Jens Plassmann
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.02.2017
ISBN 9783453420298
Genre: Romane

Rezension:

In ‚Die Perlenfrauen‘ begeben wir uns mit Sophia auf die Suche nach der wertvollen Perlenkette ihrer schwer kranken Großmutter, die nicht mehr lange zu leben hat. Sophias Großmutter hat diese Perlen einst von ihrem geliebten Vater erhalten – sie bedeuten für sie alles, und ihr Wert geht weit über den finanziellen Aspekt hinaus. Es ist ihr letzter Wille, diese Kette noch einmal zu sehen, bevor die einst weltberühmte Schauspielerin die Welt für immer verlässt und eine leere Bühne zurückbleibt. Nur leider gelten die Perlen als verschollen, doch Sophia will ihrer Großmutter diesen letzten Wunsch unbedingt erfüllen, da sie sie über alles liebt, und begibt sich schließlich mit Hilfe ihres besten Freundes auf die zunächst aussichtlose Suche – die sie nicht nur an ihre eigenen Grenzen bringen, sondern auch dunkle Geheimnisse der Familie offenbaren wird.

Oma Tilly war immer für ihre Enkelin da, hat sie in Schutz genommen, wenn die Eltern sie wieder einmal bezichtigten, nur Unfug im Kopf zu haben, die Familie zu enttäuschen oder nichts als eine Erbschleicherin zu sein. Das Verhältnis zu den Eltern ist mehr als getrübt, kaum noch existent. Sophia fühlt sich verstoßen, von Mutter und Vater im Stich gelassen, nur in Oma Tillys Armen findet sie noch Halt. Doch dieser läuft die Zeit davon …

·         Kann sie die Perlen wirklich rechtzeitig finden?

·         Wo soll sie überhaupt zu suchen anfangen?

·         Was wissen ihre Eltern über den Verbleib der Kette?

·         Und zerstört die Suche nach diesem Erbe das Verhältnis zu diesen endgültig?

·         Warum ist es Oma Tilly so wichtig, die Perlen noch einmal zu halten?

·         Oder verfolgt sie dabei vielleicht einen ganz anderen Plan?

·         Und was haben japanische Perlentaucher und der New Yorker Dominic damit zu tun?

Begebt Euch selbst in das Abenteuer Familiengeheimnisse und erfahrt, dass viele Leben und Schicksale durch eine Kette miteinander verbunden sein können. Zwei fremde Leben, beide zerbrochen, kreuzen sich, werden durch eine Kette zusammengefügt und gewinnen so füreinander an Bedeutung. Erfahrung Heilung.

·         Doch finden sie auch das Glück?

„Manchmal erschien dieses Haus in der Victoria Park Road wie ein Ort, an dem Chancen zu Grabe getragen wurden.“

‚Die Perlenfrauen‘ war mein erster Roman von der Autorin. Er bewegt sich im Bereich Gegenwartsliteratur / Liebesroman. Gereizt an dem Buch haben mich zunächst das schöne Cover sowie der einschlägige und prägnante Klappentext. Das Cover wirkt edel und macht Lust auf Frühling, auch wenn sich die Geschichte selbst eher in Richtung Weihnachten bewegt. Aber der Frühling entsteht im Herzen, durch die Geschichte bekommen Mutter und Tochter eine neue Chance auf Glück. Von daher ist es passend gewählt. Es glänzt wie die vollkommenen Perlen des Colliers, welches in der Geschichte Thema wird, wirkt mit seinen pinken und gelben Blumen auf weißem Hintergrund recht fröhlich, auch wenn der Inhalt zunächst düster und schicksalsergeben daherkommt. Es zeigt eben den Wandel und was alles entstehen kann, wenn man es nur zulässt. Es ist ein bekanntes Thema, das aber innovativ und gut umgesetzt wurde. Die Geschichte ist in mehrere Teile untergliedert, die den Wandel innerhalb des Buches aufzeigen und die Verbindung der einzelnen Leben begründen. Jeder Teil hat dabei einen ganz eigenen Bezug zum Thema Tauchen, was Grundvoraussetzung für das Finden der Perlen gewesen ist. Teil eins stellt die einzelnen, in sich stimmig ausgearbeiteten Charaktere vor. Ihre Besonderheiten, ihr Leben bisher, ihre Vergangenheit und ihre Welt. Er offenbart die Liebe eines Einzelnen und drängt dazu, in das Geschehen einzutauchen, um es mit all seinen Facetten zu verstehen. Leider, wirklich leider ist es mir hier besonders schwer gefallen, in die Geschichte zu finden. Sie ist gut ausgearbeitet und auch der Schreibstil wirkt flüssig und stimmig, nur hat er mich dieses Mal einfach nicht gepackt, die Geschichte mich nicht überzeugt. Das hat mehrere Gründe wie zum Teil die manchmal für mich nicht ganz nachvollziehbaren Handlungen der Protagonisten oder auch die zum Ende hin übereilt wirkende Liebesgeschichte. Mir fehlte auch einfach der Sog, sodass ich mehrfach von Neuem begonnen habe. Daher folgt diese Rezension auch so spät. Aber ich musste warten, bis mich eine weitere Chance in die Geschichte gezogen hat. Das Gefühl ist da, nur hat es mich nicht in voller Breite erreicht. Dennoch ist es eine lesenswerte und schöne Geschichte. Vielleicht war es für mich nur einfach nicht die richtige Zeit dafür. In Teil zwei des Buches geht es tiefer in die Verstrickungen, man erahnt langsam, dass es Geheimnisse in aller Leben gibt, die richtungsweisend sein werden. Teil drei wiederum führt alles zusammen, löst es auf und dient als Neubeginn. Daher auch der Titel der Rezension: Verpasste Gelegenheiten = neue Chancen. Denn genau so ist es im Roman. Es zeigt, dass alles irgendwie miteinander verbunden ist auf dieser Welt – wie die Perlen einer Kette. Auch sie haben ihre Geschichte und sind Bindeglied zwischen unterschiedlichen Leben. Es gibt nicht immer nur die eine Seite einer Geschichte. Das Leben ist generationenübergreifend und es lohnt sich immer der Blick über den eigenen Tellerrand. Am Ende findet die Geschichte eine positive Auflösung, die mich mit dem Roman wieder etwas versöhnt hat. Der Weg dahin hätte besser getaktet sein müssen – zumindest für meinen Geschmack. Dennoch der Einstieg fiel mir diesmal sehr schwer. Für mich bleiben auch einfach zu viele wichtige Fragen offen:

·         Was passiert mit dem Sophias Vater?

·         Was geschieht mit der Perlenkette?

·         Lernt die Familie Tillys Bruder kennen?

·         …

 

Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt für mich, diese durchaus sprachlich und inhaltliche schöne und wertvolle Geschichte zu lesen. Ich bin überzeugt, zu einem späteren Zeitpunkt hätte sie mich mehr überzeugt, und daher werde ich sie mit etwas Abstand noch einmal lesen. Aber macht Euch doch selbst ein Bild, sie zu lesen und sich von den Geheimnissen der Familie Beaumont packen zu lassen, lohnt sich allemal.

 

„Ich wollte das ganze Märchen und würde mich nicht mit weniger abfinden.“

 

Eure Jil Aimée

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Tags: die perlenfrauen, heyne, katie agnew, rezension   (4)
 

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kochen, liebe, taste of love, poppy j. anderson, roman

Taste of Love - Geheimzutat Liebe

Poppy J. Anderson
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.01.2017
ISBN 9783404174683
Genre: Liebesromane

Rezension:

Brooke Day - eine stolze und selbstbestimmte junge Frau - träumte einst davon, eine große Journalistin zu werden. Eine, die etwas in der Welt der Nachrichten bewegt und selbst über bewegende Dinge berichtet. Doch wie immer kommt alles anders, als man denkt. Heute ist die Journalistenkarriere meilenweit von ihr entfernt, während sie in einer Kleinstadt an der malerischen Küste Maines ihr Dasein als Mädchen für alles – Köchin, Buchhalterin, Kellnerin, Putzkraft und Seelsorge – fristet und während der Krankheit ihrer Mutter das der Familie gehörende Restaurant Crab Inn betreibt. Leider steht dieses kurz vor der Schließung, wenn Brooke nicht bald mehr Gäste für das Kleinod an der Küste begeistern kann. Und so schuftet sie und schuftet sie. Sie hat ein gutes Herz, doch wurde ihr ebendieses vor einem knappen Jahr gebrochen, als ihr Verlobter sie verließ und ihre Mutter schwer erkrankte. Brooke änderte mit einem Mal ihr gesamtes Leben, um für ihre Familie da zu sein, ihren Vater bei der Arbeit zu entlasten und ihre Mutter zu umsorgen. Doch Brookes eigenes Leben stellt sie dabei vorerst hintan, bis sie irgendwann merkt, dass sich ihre Wünsche und Träume geändert haben und alles gar nicht so düster und dunkel ist. Ja, bis sie auf den zunächst arroganten Drew aus der Großstadt trifft und sich um sie herum auf einmal alles verändert …

Doch ist Brooke bereit, ihr Leben erneut auf den Kopf zu stellen? Ist der Fremde ihr dabei eine Hilfe oder am Ende nur ein weiterer Stein auf ihrer Schulter, wo sie doch schon genug im Leben zu tragen hat? Und wird sie das Crab Inn wirklich retten können oder gemeinsam mit ihm untergehen?

Andrew (Drew) Knight ist Bostons aufgehender Stern am Kochhimmel. Er betreibt ein eigenes Restaurant der Extraklasse, leistet sich den Luxus, von dem andere nur träumen, und kann alles erreichen, was er sich vornimmt. Na ja, fast alles. Denn trotz seines Erfolgs, seiner unbändigen Kreativität und seines ungebrochenen Ehrgeizes – immerhin arbeitet er Tag und Nacht an seinen meisterhaften Kreationen – hat er eines bislang nicht bekommen: Den Respekt sowie die Unterstützung seiner Eltern. Diese sahen ihn immer als Juristen, der in die ehrwürdigen Fußstapfen der erfolgreichen Familie Knight tritt. Nicht mit Kochschürze vorm Herd und Löffel in der Hand. Sie sind enttäuscht von ihm und lassen es ihn immerzu spüren. Daher ist das Verhältnis der Familie Knight eher wie eine erkaltete Suppe, die noch dazu mit jedem Löffel fader schmeckt. Andrew setzt dies mehr und mehr zu. Und als dann auch noch seine Tante – die einzig familiäre Unterstützung – auf die Idee kommt, aus seinem Restaurant eine Koch-Show zu machen und ihn ins Rampenlicht der Glitzerwelt zu bringen, die ihn mehr als Entertainer denn als wahrer Schöpfer gaumenschmeichelnder Kostbarkeiten sieht, platzt ihm der Kragen. Andrew bricht aus. Aus seinem alten Leben, seiner Küche, aus Boston. Er ist ermattet von all dem Druck, der von allen Seiten auf ihn einbricht. Von all den unerfüllten Erwartungen seiner Familie, den verqueren Träumen seiner Tante und zudem wollen ihm einfach keine Gerichte mehr einfallen, die sein eigenes Herz begeistern und zum Kochen bringen. Er braucht Abstand und entscheidet sich kurzerhand, für ein paar Tage ans Meer zu fahren. Dort kommt es allerdings prompt zu einer unschönen Begegnung, die seine Pläne um Entspannung und Seelenfrieden komplett über Bord wirft und ihn für einige Zeit an die hitzige und störrische Brooke bindet. Sie treibt ihn nicht nur in den Wahnsinn, sondern lässt ihn auch durch eine Achterbahnfahrt der Gefühle rauschen. Denn er will ihr und ihrem Restaurant helfen, startet aber mit einer Lüge in die Bekanntschaft, die über kurz oder lang alles zu zerbrechen droht, was sich so sachte zwischen ihnen zu entwickeln scheint …

Was haben das Crab Inn und Brooke so Besonderes an sich, dass Drew sich ihnen nicht entziehen kann? Wird er seine Erholung finden, neue Kraft schöpfen und gestärkt nach Boston zurückkehren können? Oder zerbricht er am Ende an einer Illusion und seiner eigenen Lüge? Und was hat diese vermaledeite Fernsehshow damit zu tun?

Lest es und lasst Euch überraschen von einem Liebesromanreihen-Auftakt der anderen, leckeren Art. Es ist wie eine Geschmacksexplosion, die einen schlagartig mitreißt und im Anschluss langsam auf der Zunge zergeht, sodass man jede Faser und Facette in ihrer Einzigartigkeit erschmecken kann.

Die Autorin wagt sich erzählerisch in neue Fahrwasser bzw. serviert sie uns eine ganz neue Kreation ihrer Schreibkunst, bleibt dabei aber ihrem bekannten Setting in den USA treu, und erobert somit sicher nicht nur mein Leserherz. Jede einzelne Seite, jedes Kapitel wirkt liebevoll kreiert und fügt sich in ein harmonisches Ganzes, das nichts anderes ist als purer Lesegenuss. Die Sprache hält sie dabei bewusst leicht und locker-flockig, (an manchen Stellen vielleicht etwas langatmig, was der Erzählung aber keinen Abbruch tut), sodass sich die Geschichte um Brooke und Drew – die einander wie Tag und Nacht sind, und doch nicht ohne den jeweils anderen können – in einem Rutsch lesen lässt. Es findet sich jede Zutat darin, die einen Liebesroman ausmacht:

Ein wundervolles und vor allem überzeugendes Setting. Ich spüre noch jetzt die Meereslust auf meiner Haut und die Wärme der Sonne im Herzen. Einfach gut recherchiert, fundiert und malerisch umgesetzt. Einen pfiffigen Erzählstil, der sich leicht lesen lässt und mit der nötigen Prise Humor und einer Messerspitze an Drama für eine ausgewogene Balance im Leben der Charaktere sorgt. Zwei wundervoll ausgestaltete Charaktere, die zunächst wie unüberwindbare Gegensätze scheinen, bis sie erkennen, dass sie aus dem gleichen Holz geschnitzt sind, was sie in ihrem Zusammenspiel wie Feuer brennen lässt. In jedem Satz steckt Liebe und Leidenschaft zum Beruf, zu den Charakteren, ihren Wünschen, ihren Träumen, ihren Herausforderungen. Ihrem Leben. Garniert wird das Ganze mit einem wundervollen Cover, das für mich in einer ‚ magical deliciousness‘ daherkommt, sodass ich es einfach nicht anders in Worte fassen kann. Es stimmt dabei einfach alles. Der Schwung der Schrift, die Komposition der dunklen Farbe mit dem feurigen Rot von Pfeffer. Die Liebe zum Detail ist auch hier in jeder Einzelheit zu spüren. Gewürze, Kräuter und vor allem Liebe. Passend zum Titel, der für diese Geschichte einfach treffend gewählt wurde.

Ja, alles in allem hat mich dieses Buch einfach durchgehend überzeugt. Ihr habt es schon gemerkt. Besonders angetan haben es mir neben meiner amerikanischen Traumstadt Boston und der Nähe zum Meer aber vor allem die feurigen Dialoge, der würzige Charme der real wirkenden Charaktere mit ihren ganz eigenen Ecken und Kanten sowie die süße und zugleich spritzige Entwicklung der Geschichte. Das Ende liefert dabei für mich ein wirklich gelungenes Lese-Dessert. Nun aber genug der kulinarischen Anspielungen :D.

»Hast du dein Gesicht gesehen? Du glühst wie ein betrunkener Weihnachtsmann!« (~Seite 255)

Poppy J. Anderson hat hier einfach etwas Besonderes geschaffen, und ich habe wirklich nichts daran auszusetzen. Es war ein Buch zum Mitreißen und gleichzeitigem Genießen. Ein Buch der Vielfalt und der Liebe – zum Essen, zum Leben, zum eigenen Ich und den Träumen. Ein neuer Poppy J. Anderson, eine neue Erzähl-Ära für die Autorin, die die Leser ebenso wie mich in fantastische Genusswelten mitten in unserem realen Leben entführt und nicht nur mit den Augen und dem Gaumen, sondern vor allem mit dem Herzen erfreuen und schmecken lässt. Ich freue mich einfach auf die Fortsetzung voll weiterem Humor, Prickeln und genießerischer Eloquenz und Leichtigkeit.

PS: Solltet Ihr noch überlegen, ob Ihr Euch E-Book oder Paperback zulegt – natürlich ist beides ein Genuss‑, so empfehle ich Euch das Paperback. Es ist einfach wunderschön gestaltet, hat eine tolle Haptik, und viele kleine Besonderheiten wie Rezepte zum Entdecken und Ausprobieren. Quasi ein Rundumpaket.

 

Eure Jil Aimée

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schottland, claudia winter, liebe, hochzeit, glückssterne

Glückssterne

Claudia Winter
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 12.12.2016
ISBN 9783442485437
Genre: Liebesromane

Rezension:

ACHTUNG: Dies ist eine Vorab-Rezension, das Buch ist ab dem 12.12 im Handel erhältlich.

An dieser Stelle einen lieben Dank an das Team von Goldmann für das Vorab-Leseexemplar -, was meine Meinung natürlich nicht beeinflusst hat. 

In ‚Glückssterne‘ treffen wir auf Josefine – eine junge Anwältin, die einen festen Plan für ihr Leben ausgearbeitet hat, an dem sie wiederum akribisch festhalten will. Komme, was da wolle. Erfolg im Beruf, ein geregeltes und mehr als stattliches Einkommen. Die entsprechende Wohnung, in der sie schöne und intellektuell bereichernde Stunden mit ihrem Zukünftigen – Justus, ebenfalls erfolgreicher Anwalt und Schnösel [Hallo: er hat sie per Post-it gefragt, ob sie ihn heiraten will?]– verbringt. Natürlich ist die gemeinsame Zukunft samt Kinder und deren Namen schon genauestens ausgetüftelt und die Hochzeit steht in zwei Wochen an. Es läuft eben alles wie geplant und Josie könnte eigentlich nicht glücklicher sein. Doch genau da ist es. Dieses Wörtchen ‚eigentlich‘. Denn eigentlich stellt sie mit jedem Tag, der vergeht, mehr fest, dass sie und Justus vielleicht doch nicht so gut zusammenpassen -, auch wenn sie sich das zunächst nicht eingestehen will. Er folgt stets den strikten Anweisungen der Kanzlei und ist wenig empathisch. Selbst wenn es nur um die Regel geht, den Rollo immer oben zu lassen. Josie, so sehr sie sich auch um eine unterkühlte und distanzierte Fassade bemüht, ist aber genau das Gegenteil. Sie ist empathisch und schließt den Rollo gern, um ihren Mandaten mehr Schutz zu geben. Eigentlich stört es sie auch, dass Justus immer so geschäftsmäßig und auch in privaten Dingen kurz angebunden ist. Er meldet sich kaum, wenn er unterwegs ist und die magischen drei Worte hat er in fast einem Jahrzehnt gefühlt erst zweimal gesagt. Und seinen Spitznamen für sie findet sie auch nicht wirklich schön. Und eigentlich kann ihre Familie den netten Herrn Anwalt nicht ausstehen. Sie wüsste das, würde sie nur wirklich zuhören oder zumindest ihre Augen öffnen, doch das könnte ja den schönen Plan von der Zukunft zerstören. Und dieser gibt ihr genau die Sicherheit, die sie in ihrem Leben immer brauchte: den Schutz und Erfolg des Vorhersehbaren. Ja, Josie hält genau daran fest und will ihren Justus heiraten. Sie sind über die Jahre einfach ein perfekt eingespieltes Team geworden und inzwischen scheint sich auch ihre Familie damit arrangiert zu haben, so helfen sie ihr doch zumindest bei den Hochzeitsvorbereitungen. Zu Josies Glück fehlt nur noch eines: der legendenumwobene Brautring der Familie. Denn nur wer diesen bei seiner Trauung trägt, wird eine lange und glückliche Ehe führen. All jenen, die sich weigerten, den Ring am entscheidenden Tag zu tragen, ist Schreckliches widerfahren. Natürlich ist Josie nicht abergläubisch, doch ihre strenge Großmutter und auch der Rest der Familie ist es, drum wird sie diesen Ring des Familienfriedens willen tragen. Wäre da nicht nur diese winzige Kleinigkeit: Er ist verschwunden, zusammen mit ihrer Cousine Charlie. Und zwar in die Highlands von Schottland und das so knapp vor der Hochzeit. Es bleibt ihr folglich nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach ebendiesem Ring zu begeben. Doch was sie schließlich in Schottland findet, wird sie mehr als einmal überraschen …

»Mit dem Whisky ist es wie mit diesem Land. Man muss ihn nicht mögen, damit der Funke überspringt. Aber wenn man erst einmal dafür brennt, ist man verloren.«

Denn dort angekommen, macht sie nicht nur die Bekanntschaft des vermeintlichen Frauenhelden Aidan, der sie infolge aus ihrem hart errichten Panzer zu reißen und ihre Zukunft ins Wanken zu bringen droht, sondern trifft auch auf ihre zwei schrulligen Tanten, die ihre ganz eigenen Beweggründe zu haben scheinen, Schottland unsicher zu machen. Es kommt zu einer Verkettung unerwarteter Überraschungen und aberwitziger Zufälle, die das Vierergespann letztlich auf der Suche nach dem verschwundenen Ring zusammenführen und uns auf eine wunderschöne Tour durch Schottland mitnehmen. Eine Tour voller Leckereien, Gastfreundschaft, landschaftlicher Sensationen und Familiendrama – gewürzt mit einem Hauch von Anziehungskraft und Abenteuer. Und am Ende der Reise muss Josie erkennen, dass sie zwar den Ring suchte, aber sich selbst wiederfand …

·         Wird es Josie gelingen, den legendenumwobenen Brautring zurückzuerlangen und gemeinsam mit ihrer Cousine nach Deutschland zurückzukehren?

·         Ist die Legende um den Ring dabei Fluch oder Segen für die junge Verlobte?

·         Welches Geheimnis und welche Überraschung hat die kühle Großmutter noch in petto?

·         Für wen wird sich Josie am Ende entscheiden: Verstand oder Herz?

·         Oder geht sie vielleicht ganz andere Wege und startet alleine durch?

Lest selbst und findet es heraus. Es lohnt sich, diese romantische Komödie mit ihren liebevoll ausgestalteten und wunderbar durchdachten Charakteren in Euer Leserherz zu lassen. Es sind Menschen wie Du und Ich – voller Ecken und Kanten, eigener Sehnsüchte und Ängste und jeder mit einem Koffer voll Gepäck. Doch manchmal trägt sich Gepäck eben leichter, wenn man Hilfe hat. Und genau das verkörpert dieses Buch für mich so sehr: Hilfsbereitschaft bei der wichtigsten Suche, der Suche nach der eigenen Zukunft. Dabei verpackt die Autorin gekonnt in Charme und Witz gekleidete Eigenheiten der Protagonisten und entführt uns in den Zauber Schottlands. Es wirkt echt, greifbar und rund. Man fühlt mit Josie mit, entwickelt sich, ist verzweifelt, traurig und auch verliebt. Alles auf einmal. Und am Ende der Geschichte ist man glücklich, weil dieses Buch einfach bereichernd ist.

Claudia Winter schreibt elegant und packend, gefühlvoll und eine gute Zeit versprechend, die man mit diesem Roman in jedem Fall hat. Mit authentischen und doch malerischen Beschreibungen der Szenerie zieht sie uns fast auf magischem Weg in die Geschichte, lässt uns von den schottischen Highlands träumen und mit Josie zusammen eine Liebe zu diesem Land entwickeln, die man zunächst vielleicht gar nicht auf dem Schirm hatte. Man ist mit dem ersten Satz direkt in der Geschichte und fiebert mit. Mit den schrulligen Tanten, die dem Roman den perfekten Rahmen geben, und ihrem Leben, aber vor allem mit Josie und der Wahl zwischen zwei Männern die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine durchgeplant, nüchtern und pragmatisch. Der andere gefühlvoll, ehrlich und voller Überraschung steckend. Mein Liebling ist hier ganz klar Aidan, denn er lehrt einen, in sich hineinzufühlen, hinzuhören und das Leben in seiner ganzen Bandbreite zu schmecken, das Unbekannte zu suchen, das Abenteuer zu wagen. Er lehrt einen zu brennen, ohne dabei zu verbrennen. Justus hingegen – er hat sicher auch seine guten Seiten – setzt in seiner Spießbürgerlichkeit einfach auf Josies Seele nur Staub an, der ihr die Luft zum Atmen nimmt. Dabei sind es doch gerade die Stolpersteinchen, die kleinen Unvorhersehbarkeiten und manchmal auch die Dornen einer Distel, die das Leben erst Leben werden lassen und einen aus dem technischen Uhrwerk reißen, das bisher zwar immer stumm und kühl nach Plan verlief, aber eben ohne Farben, Wärme und Leben war.

Also: Wer einfach mal vom gewohnten Weg ausbrechen und sich in das Unbekannte und den Genuss wagen möchte, kommt mit dieser romantischen Komödie voll auf seine Kosten und wird noch mit einem Sahnehäubchen an leckeren, authentischen Rezepten zum Ausprobieren belohnt. Rezepte, die einen beim Nachkochen und -backen direkt wieder in die Geschichte ziehen und einem nicht nur den Magen, sondern auch das Herz erwärmen. Sie sind einzigartig und schön, wie es auch das Cover dieses Romans mit seinen Herzwaffeln, dem leichten Zuckerstaub und der süßen Marmelade ist. Es lädt einfach zum Genießen dieser gelungenen Geschichte ein. Dazu gesellt sich ein für den Roman wirklich absolut passender Titel, der für jeden von uns – jeden Leser – sicher etwas anderes bedeutet. Und so soll es auch sein, denn kein Glück ist gleich. Meine erste Assoziation: Schaue in den Himmel und finde Deinen eigenen Glücksstern, denn ein wenig Glück brauchen wir doch alle. Und manchmal kommt es eben im Kilt und mit Schokotorte daher. Manchmal aber auch mit Aktenkoffer und Anzug. Nur schau genau hin, denn der erste Blick kann oft täuschen …

Wie man den Genuss von Aidans Kreationen beim Lesen erahnen kann, so schmeckt man in jedem Wort die Farben und den einzigartigen Charakter Schottlands. Man spürt die Süße einer jungen Liebe und den Zauber alter Legenden – sei es die um eine Familie oder gar um ein Land. All dies macht ‚Glückssterne‘ zu einem wahren Lesejuwel, das weit schöner funkelt, als es ein Brautring je könnte. Claudia Winters neuer Roman ist ein Buch, das man möglichst langsam lesen möchte – bei einem leckeren Tee und ein paar Scones, vielleicht auch bei einem Single Malt -, um die Geschichte um Josefine, Justus und Aidan sowie die zauberhafte schottische Kulisse nicht so schnell wieder loslassen zu müssen. Im Herzen wird man sie ohnehin lange tragen, denn es ist eines dieser seltenen Bücher, das komplett berührt: Verstand, Herz und Seele. Es ist einfach eine wirklich schöne Liebesgeschichte voll emotionalem Reichtum sowie spannungsgeladenem Drama und mit einem hochkarätigen Erzählstil. Meine absolute Leseempfehlung an Euch: Holt Euch ein Stück schottischen Frühling in diese trübe Jahreszeit und lasst Euch mitnehmen auf eine Reise zu Euch selbst. ‚Glückssterne‘ ist ein typischer Claudia Winter: eine Geschichte über die Liebe, das Schicksal und verpasste Chancen. Eine Geschichte über unverhoffte, glückliche Fügungen und ganz viel Mut. Und ich kann hier nur meine eigenen Worte zu einem vorherigen Buch der Autorin zitieren: Eine Geschichte garniert mit dem besten Geschmack der Welt: dem Leben.

 

Eure Jil Aimée

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Tags: claudia winter, glückssterne, goldmann, lieblingsbuch, rezension, vorablesen   (6)
 

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weihnachten, liebe, puffin island, sarah morgan, romantik

Für immer und einen Weihnachtsmorgen

Sarah Morgan , Judith Heisig
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.10.2016
ISBN 9783956496028
Genre: Liebesromane

Rezension:  
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mondprinzessin, mond, liebe, ava reed, fantasy

Mondprinzessin

Ava Reed
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 01.10.2016
ISBN 9783959913164
Genre: Fantasy

Rezension:

In Ava Reeds ‚Mondprinzessin‘ begeben wir uns gemeinsam mit Lynn auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Dem Sinn ihres Lebens. Lynn ist eine Waise, die keinerlei Erinnerungen an ihre Eltern hegt, im Heim immer schikaniert und gemobbt wird und ihre Flucht aus dem harten und vor allem kalten sowie zermürbenden Alltag in einem Studio für Kampfsportarten findet. Dort hat sie in ihrem Trainer auch ihren einzigen Freund – zumindest in einer Art. Er gibt ihr Raum zum Kämpfen, zum Wehren, zum Starksein, damit sie sich zurück im Heim nicht unterkriegen lässt.

·         Doch kann er ihr auch wirkliches Leben geben?

·         Freude am Sein?

Lynn ist eine Kämpferin, die sich doch nichts sehnlicher wünscht, als irgendwo dazuzugehören. Doch im Heim hält sie es nicht viel länger aus. Zu sehr schmerzt die Erkenntnis, allein zu sein. Zu sehr lastet der Druck auf ihr, irgendwie anders als die anderen zu sein. Und so sehr sie sich auch zurückzieht und im Stillen, im Durchhalten kämpft, so sehr fühlt sie sich doch auch verloren.

„Wenn uns das Leben noch überraschen kann, das Leben und alles um uns herum, dann sind wir noch nicht verloren.“

Bis sie eines Tages zu leuchten beginnt - im wahrsten Sinne des Wortes - und sich ihr Leben mit einem Schlag ändert. Doch diese Änderung bringt nicht nur Freiheit und sie vom Waisenhaus fort, sondern führt sie auch in eine neue Welt, die viele Gefahren und so manches Mal auch den Schmerz der Wahrheit birgt …

·         Ist es wirklich besser, die Wahrheit zu kennen, auch wenn sie unendlich wehtut?

·         Wohnt jedem Anfang tatsächlich ein Zauber inne oder ist es nur eine Illusion, die schließlich zu Staub zerfällt?

·         Ist das Neue nicht immer fremd, bis man es sich bekannt gemacht hat und es somit an Bedrohlichkeit verliert?

·         Und findet man manchmal nicht Freunde in den überraschendsten Momenten und in den ungeahntesten Formen?

Juri ist ein Mondkrieger, der im Dienste des Königs steht. Genau vor siebzehn Jahren kam es auf schreckliche Art und Weise zum Verlust der Kronprinzessin und der Mond wurde in eine lange Phase tiefster Trauer gestürzt.

„Vor allem, weil mit jedem Tag ihrer Abwesenheit des Königs Trauer wächst.“

Bis eines Tages ein Leuchten – so stark wie die Sterne selbst – erscheint, und Juri sich entschließt, die verlorene Prinzessin zu finden. Dabei trifft er unweigerlich auf die toughe und so gar nicht prinzessinnenhafte Lynn, die sein Leben aus der für ihn gewohnten Umlaufbahn wirft und ihn vieles – auch alte Freundschaften – hinterfragen lässt.

·         Wird Juri nicht nur die Prinzessin finden und dem Mond sein Glück wiederbringen können, sondern auch sein eigenes erkennen?

·         Welche Gefahren erwarten ihn auf seiner Reise und was geschieht mit der Prinzessin und ihrem Schicksal, sollte sie heimkehren?

·         Ist sie dann wirklich frei oder findet sie sich nur in einer anderen Art von Gefängnis wieder?

Lest selbst und lasst Euch überraschen von diesem magischen Ausflug auf unseren leuchtenden Nachbarn. Lasst Euch entführen in ein Leseabenteuer der anderen Art, das Euch nicht nur träumen, sondern auch wahrlich wünschen und leben lässt.

Mit ‚Mondprinzessin‘ ist der lieben Ava Reed ein kleines Juwel – ein Mondstein – unter den Büchern unserer Zeit gelungen. Nicht nur die Geschichte an sich ist atemberaubend fantastisch und dennoch greifbar und nah wirkend, sondern auch das Cover lässt das Buch in einem unvergleichlichen Glanz erstrahlen. Dem Cover-Designer ist da ein kleines Meisterwerk für sich gelungen, das seinesgleichen sucht. Ich gestehe, ich bin ein Covernerd und in dieses verliebt, sodass ich es mir unbedingt auch als TB holen muss. Das Cover mutet in einem dunkelblauen schimmernden Himmel an, der samtig und zugleich glitzernd wie die Sterne wirkt, was dem Gewand des Buches schon etwas Mystisches verleiht. In der Mitte findet sich der Mond, auf dem die Protagonistin und ihr Seelenbegleiter – dazu komme ich gleich noch! – erstrahlen und in die Ferne blicken. Es ist tröstend und neugierig machend in einem. Einfach faszinierend und für mich in seiner Schlichtheit und Eleganz absolute Oberklasse.

Die Charaktere im Buch wirken echt – wie du und ich – und doch so besonders. Einem jeden davon sind seine eigenen Stärken und Schwächen gegeben. Jeder hat sein eigenes Päckchen, sein eigenes Drama zu tragen und zu bewältigen und doch sind sie in ihrer Gesamtheit absolut liebevoll gestaltet und verlieren sich nicht in ihren eigenen Problemen, sondern kämpfen zusammen. So auch die beiden Protas Lynn und Juri – die ihr unbedingt selbst kennenlernen müsst. Während Lynn sagt, was sie fühlt und denkt und sich mutig einer außergewöhnlichen neuen Situation mit all ihren Pflichten und Verantwortungen samt Gefühlschaos stellt, obwohl sie sich im Heim noch in der Einsamkeit und in dem Anderssein versteckt hat, ist Juri ein vielschichtiger, doch stiller Held. Retter und Geretteter zugleich. Ihn verbindet dabei mehr mit Lynn als man zunächst denken mag, doch er öffnet sich nur langsam. Er versucht Lynn zu stärken, für das, was auf sie zukommt. Mal auf spielerische, neckende und mal auf pflichtbewusste, fordernde Art. Dabei sucht er auch selbst nach einem Stück Heilung für etwas, das in ihm kaputtgegangen schien. Lynn selbst wiederum muss sich erst noch finden – nicht nur in der neuen Situation -, sondern ganz allgemein ihre Wurzeln und ihr eigenes Ich. Doch zusammen gehen die beiden das an, unterstützen sich, stützen sich. Dabei geraten sie natürlich auch mal aneinander und es entsteht ein atemberaubendes Feuerwerk aus royalem Sarkasmus, erfrischender Ehrlichkeit und hervorragend pointiertem Humor. Dass wir die beiden Protas dabei so gut kennen- und ihre ganz eigenen Motive und Emotionen verstehen lernen, hat Ava Reed durch einen glaubhaften und gut durchdachten Perspektivenwechsel in der Erzählstimme erzeugt. Man hat sich den beiden beim Lesen einfach so unglaublich nahe gefühlt, also wäre man dabei und würde nicht nur über ihre Geschichte/n lesen.

Besonders gefallen hat mir, dass einigen Charakteren in diesem Buch sogenannte Begleiter zur Seite gestellt wurden, die ein Teil ihres jeweiligen – nennen wir es – Schützlings sind. Dadurch entsteht eine hohe Emotionalität zwischen den einzelnen begleitenden Wesen und Charakteren, aber auch ein schönes neues Detail, dass es für den Leser zu entschlüsseln gilt. So hat auch Lynn eine Begleiterin, die ihr in Form eines Waschbären namens Tia zur Seite steht und eine gute Freundin wird. Als teilten sie sich eine Seele, ein Herz. Eine wunderbare Idee.

Unterstützt wird dies durch einen angemessenen und vor allem angenehmen Schreibstil, der durch seine Leichtigkeit überzeugt und einen die Seiten nur so dahinlesen lässt wie Sternenstaub, der durch den Himmel schwebt. Er ist an genau den richtigen Ecken und Knackpunkten der Geschichte würzig und untermalt die fantastische Geschichte mit atemberaubenden Vergleichen, gekonnten Anspielungen und gibt ihr ein Farbspektrum der besonderen Art, das vor dem Leserauge in einzigartig magischen und zugleich greifbar wirkenden Bildern explodiert. Man kann sich also alles direkt vorstellen, es quasi miterleben und dabei in die Magie des Mondes und die Schönheit der Erde eintauchen. Zur Idee der Geschichte selbst und zum Rest werde ich an dieser Stelle nichts weiter verraten, lasst Euch einfach überraschen und entdeckt die Besonderheiten dieses Märchens selbst. Es lohnt sich.

‚Mondprinzessin‘ ist eine wundervolle Geschichte samt Gänsehautfeeling, die einen nicht nur lehrt, nach den Sternen zu greifen und dabei immer seinem Herzen zu vertrauen, sondern die einem auch zeigt, wie wichtig es ist, man selbst zu sein und zu bleiben. Die Worte der Autorin sind dabei stets stilvoll und zaubern eine magische, atemberaubend atmosphärische Kulisse, die dennoch greifbar und real wirkt. Ich bin schlichtweg begeistert. Die Idee und Ausarbeitung der Geschichte ist absolut gelungen, mehr als das. Sie begeistert mit jedem Wort, mit jedem Satz und vermittelt in jedem Charakter das Besondere, das das Lesen zu einem wahren Genuss macht. Sie ist das Träumen in der heutigen Zeit, das Zurücken zueinander, das Wagen, man selbst zu sein. Einfach eine Geschichte zum Wohlfühlen - durch und durch - einfach magisch, und sie kommt genau zur richtigen Zeit. Das Buch ist ein Juwel. Nein, ein Mondstein, ein Kristall, mein Lesehighlight des Herbstes.

„Der erste Eindruck ist trügerisch. So wahr er sein kann, so sehr kann er dich in die Irre führen. Also vertraue auf den zweiten Eindruck.“

Ein wunderbares Zitat aus der Geschichte, doch für das Buch selbst gilt es nicht. Denn mein erster Eindruck war schon WOW und der zweite ist es auch :D.

Viel Spaß damit,

Eure Jil Aimée

PS: Ich habe mir so viele Lieblingsstellen angestrichen wie selten zuvor. Ein Buch der Zitate, die mich noch lange begleiten und erfreuen werden.

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Tags: ava reed, drachenmond verlag, highlight, mondprinzessin, rezension   (5)
 

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tod, jugendbuch, familie, liebe, hamburg

Für dich soll's tausend Tode regnen

Anna Pfeffer
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 12.09.2016
ISBN 9783641156978
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In dem Verlagsdebüt von Anna Pfeffer – einem zauberhaften Autorinnenduo – erleben wir mit Emi den ganz normalen Schulwahnsinn und noch vieles mehr. Besonders, wie es ist, wenn man die Neue ist. Eine fremde Stadt, eine neue Schule, ein neues Leben. Und das nur, weil der Vater sich wieder verliebt hat und seine Kinder aus ihrem Umfeld reißt, sie wie Gepäck in die neue Heimat mitnimmt. Doch das ist nicht genug, er ist auch noch Therapeut und analysiert sie nur allzu gern. Es ist schwer, irgendwo reinzupassen, wo man gar nicht dazugehören will. Es ist schwer, sich von seinen wenigen Freunden und der Gewohnheit zu verabschieden, um irgendwo, wo man gar nicht sein will, neu anzufangen. Umso schwerer ist es auch, sich genau dort dann zu Hause zu fühlen. Vor allem dann, wenn der nervtötende Bruder mit der veränderten Situation keine Probleme zu haben scheint. Noch schwerer ist es sogar, wenn man wie Emi weniger den gesellschaftlichen Konventionen entspricht und – für die Meinung vieler – zu sehr von der Masse und deren Eigenschaften und Vorlieben abschweift. Emi ist anders. Sie steht nicht so sehr auf das übliche Tamtam eines Teenagers. Sie ist lieber für sich, liest viel, sammelt absonderliche Todesursachen oder zumindest Berichte darüber - in ihrem Schwarzen Buch. (Ich habe übrigens als Teenie die Zitate aus Todesanzeigen gesammelt, macht mich jetzt sicher auch etwas kurios, vielleicht konnte ich mich daher so gut mit Emi identifizieren.)

Kein Wunder, dass sie mit der Wahl ihres Vaters, was Schule und neue Heimat betrifft, so gar nichts anfangen kann. Mit der der neuen Freundin schon zehnmal nicht. Und dann trifft sie in der Schule auch noch auf Erik – den Mädchenschwarm und mysteriösen Stufendraufgänger. Als sie sich das erste Mal begegnen, kracht es zwischen den beiden auf verbalen Wege gewaltig. Kurz darauf bei einer erzwungenen Zusammenarbeit auch tatsächlich. Und dieses Krachen zieht eine Strafe nach sich, die beide für eine Weile aneinanderbindet. Es sei denn, sie schaffen es, den jeweils anderen durch das Verlieren von selbst auserwählten Challenges zum Aufgeben – beziehungsweise zum Übernehmen des Strafdienstes – zu bringen …

·         Wird es Emi gelingen, wirklich in ihrer neuen Heimat anzukommen und nicht immer nur die Außenseiterin – der Freak – zu sein?

·         Will sie das überhaupt?

·         Was passiert zwischen Erik und ihr, dass sie mehr Zeit als gewollt miteinander verbringen müssen?

·         Und führt diese Zeit sie vielleicht näher zusammen oder doch zu Tausend Toden?

·         Wer ist Erik überhaupt?

·         Und warum sammelt Emi Todesursachen und verpasst ihren Mitmenschen dabei selbst unzählige?

Begebt Euch zusammen mit Emi auf eine Entschlüsselungsjagd dieser Fragen und lasst Euch begeistern. Ich kann Euch versprechen – wenn Ihr jugendlich seid oder auf Jugendbücher steht -, dass genau das eintreten wird: Begeisterung. Dieses Buch muss unbedingt gelesen werden. Verpasst es nicht. Es gehört in jedes Teenie-Regal – egal, ob Ihr mit der Welt generell auf Kriegsfuß steht oder es für Euch nicht bunter und glitzernder sein könnte. Und in mein Regal gehört es auch.

Angefangen beim Cover ist dieses Buch schon ein kleines Meisterwerk für sich samt Hinguckerfunktion. Es ist schwarz, düster und mit seinen erfrischenden Symbolen – die Emi während einer Chemiestunde gezeichnet haben könnte – so absolut passend zur Prota. Der Titel ist klasse, da gibt es nicht viel zu sagen. Lasst Euch überraschen, denn er ist Programm. Emi lässt die Tode über ihre Mitmenschen regnen, wie das Itgirl der Stufe sich Glitzer ins Gesicht. Und diese Tode sind ein Wettrennen der Skurrilitäten und geben dem Buch das Besondere. Auf dem Cover selbst ist der Titel geprägt sowie einige wenige ausgewählte Symbole auch. Und es fühlt sich einfach unglaublich toll an. Im Roman selbst sind die Seiten schwarz gerahmt und erinnern so ein Stück weit an Emis Buch des Todes. Es ist hier einfach das Gesamtpaket, das überzeugt – in all seinen wundervollen Einzelheiten. Und die wichtigste ist natürlich der Inhalt.

Anna Pfeffer haben mich überrascht. Überrascht mit einem jugendlichen, frischen Schreibstil, der einen die Seiten nur so im Fluge lesen lässt. Sie lassen einen die Geschichte aus Emis Sicht entdecken, was es greifbar macht und dem Leser eine hohe Identifikationsmöglichkeit bietet. Sie zeichnen eine wahrheitsgetreue Kulisse um das Leben eines unzufriedenen Teenagers, der sich selbst das Lachen versagt. Und doch schleicht sich genau dieses Lachen immer wieder in Emis Leben, hauptsächlich wegen Erik. Aber das müsst ihr selbst entdecken. Emi ist ein bemüht düsterer Mensch, der bloß keine gute Laune zulassen will und sie sich daher fast selbst verbietet. Emi - Emilia steht dabei einerseits für Nachahmerin, aber auch für die Ehrgeizige und Letzteres ist sie durch und durch. In allem, was sie anpackt. Besonders bei den lustigen Challenges mit Erik, die herausfordernder und den Puls der Zeit treffender nicht sein könnten. Sie sind das Juwel des Buches. Und wenn ihr Euch das Cover genau angesehen habt – es gibt hier immer wieder etwas zu entdecken! -, dann könnt ihr dieses dort schon erkennen. Emis Ton innerhalb der Geschichte und auch der der wunderbar runden Nebencharaktere ist spitz, frisch, teilweise stur und von Ironie durchzogen. Eine Ironie die sich steigert und in einem Zynismus gipfelt, der mitreißt.

„Toni war eigentlich intelligent genug, das zu erkennen, aber in manchen Situationen zerstört das Verlangen sämtliche Intelligenz.“

Die Charaktere - allen voran Emi und Erik, die wie echte Klassenkameraden aus der eigenen Schulzeit wirken – stehen mit der Gesellschaft auf Kontroverse und Konfrontation (wie wir das doch alle in dem Alter gerne taten!). Sie müssen ihren Platz und sich selbst erst noch finden, lernen zu vertrauen, loszulassen, festzuhalten und zu wachsen. Vor allem aber lernen, dass es absolut okay ist, anders zu sein. Denn was ist schon anders? Es ist sogar Eure Pflicht. Seid anders, seid neugierig, hinterfragt, seid originell. Seid ihr!

All das findet sich in diesem Buch und so liefert diese Geschichte uns immer wieder etwas Neues, Überraschendes und bringt uns dabei unweigerlich zum Lachen. Sie ist humorvoll morbid, spitz, authentisch und ein Stück weit wie ein Wiedererkennen der eigenen Jugendzeit und des sich missverstanden Fühlens, des Trübsal-Blasens und eine Entdeckung neuer Welten. Und doch ist die Geschichte auch einfach anders, ungewöhnlich, aber genau das hat mich wiederum so sehr an diesem Buch gepackt. Emis Zynismus, die Dinge sowie die Welt und Menschen um sich zu betrachten, hat es mir angetan, das Düstere und gleichzeitig sprudelnd Pfiffige hat es mir angetan. Anna Pfeffer haben es mir einfach angetan.

‚Für dich soll’s Tausend Tode regnen‘ ist spritzig, jung und spitz – der ultimative Lesekick für den Herbst. Ein Buch, das dunkle Herbstabende mit erfrischendem Sarkasmus erhellt und inhaltlich wie auch optisch überzeugt. Ein absolut gelungenes Debut. Ich habe das Lesen sehr genossen.

 

Eure Jil Aimée

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Tags: anna pfeffer, cb, cbj-verlag, für dich solls tausend tode regnen, rezension, rose snow   (6)
 

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wünsche, liebe, marie adams, freundschaft, glück

Das Café der guten Wünsche

Marie Adams
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.09.2016
ISBN 9783734102783
Genre: Liebesromane

Rezension:

‚Das Café der guten Wünsche‘ von Marie Adams führt uns in das Leben dreier bester Freundinnen, die zusammen ein Café der besonderen Art führen. Eine dieser Freundinnen ist Julia, die das Café Juliette einst von ihrer Oma geerbt hat – samt einem Buch voller positiver Lebensweisheiten und Sprüche. Genau diese ‚guten Wünsche‘ bilden den Kern, das Besondere des kleinen Cafés, denn Julia und ihre beiden Freundinnen Laura und Bernadette glauben fest an die Macht der Gedanken und die Kraft der guten Wünsche, um ein Leben zu verändern, es zu verbessern. Daher schicken sie im Stillen jedem Gast, der ihr herzliches Kleinod verlässt, einen positiven Gedanken hinterher. Woher genau sie ihr Wissen darüber nehmen, was ebendieser Gast so dringend braucht – Ruhe, Liebe, Vergebung, einen neuen Job, eine bestandene Klausur -, erspüren sie mit ihrem Herzen und vertrauen dabei auch ganz auf ihre Intuition. Auch notieren sie sich ihre eigenen Sehnsüchte und Träume auf Zetteln, die sie in eine kleine Dose stecken. Immer in dem unerschütterlichen Glauben, dass alles gut werden wird. Denn Gedanken können ein Eigenleben entwickeln, sich verselbständigen und so erfüllen – egal, ob gut oder schlecht.

„Ihre Gedanken waren die Baumeister ihres Glücks, […]“

Daher ist es für die drei Freundinnen immer das Beste, sich etwas Positives zu denken und an das Gute im Menschen zu glauben. Doch leider kommt es oft anders, als man zunächst denkt.

Sie wollten als Freundinnen für immer zusammenbleiben, das Café aus dem Herzen heraus führen und Wünsche wahr werden lassen. Leider hat das Leben andere Pläne und entreißt der Gruppe Bernadette – wenn auch nur für ein paar Monate, denn diese wird in Frankreich studieren. Auch Laura ist in letzter Zeit immer weniger im Café anwesend, eigene Probleme halten sie von ihrer Arbeit dort ab. Um eine Lösung für das Café zu finden und auch Julia nach Bernadettes Wegzug einen Untermieter zu beschaffen, treffen sich die Freundinnen noch einmal und notieren sich ihre dringendsten Wünsche. Für Julia bedeutet ihr sehnlichster Wunsch, dass sie endlich ihre vermeintlich große Liebe Jean – ein Franzose, den sie vor Jahren getroffen und sich direkt in ihn verliebt hat, aller Sprachbarrieren zum Trotz – wiedersehen und mit diesem bis ans Ende ihrer Tage glücklich werden wird. Auch hofft sie, dass sich alles zum Guten wenden wird, mit dem Café und ihrer Wohnung. Für Bernadette bedeutet es, dass sie nach Rückkehr ihres Auslandsaufenthaltes wieder im Café Juliette arbeiten kann, und sich nichts zum Schlechten verändert. Für Laura – die Pragmatische – bedeutet es, endlich ihren Weg zu finden. Sie möchte nicht, dass sich etwas verändert, sondern alles beim Alten bleibt und dennoch besser wird. Den Männern hat sie abgeschworen, zu oft wurde sie enttäuscht. Doch oftmals sind es gerade die unvorhergesehenen und daher beängstigen Veränderungen oder Begegnungen – solche, denen man nicht ausweichen kann -, die das Leben in positivere Bahnen lenken. Manche Veränderungen müssen einfach ertragen, willkommen geheißen, akzeptiert werden, damit sich Wünsche wirklich erfüllen können. Doch so mancher Wunsch verändert sich auch mit dem Lauf der Zeit und was einst so bedeutsam war, gerät vergessen oder wandelt sich.

Mit Bernadettes Auszug beginnen die Veränderungen im Café Juliette und seinen guten Seelen Einzug zu halten. Nicht nur, dass Julia einen neuen Mitbewohner – Robert, eher von der vernunftmäßigen Sorte – bekommt, der ihr mit der Zeit unter die Haut geht und Zweifel in Bezug auf Jean aufblühen lässt.

„Ich glaube, dass wir die Seele eines Menschen in Sekunden erfassen können, wenn dieser Mensch eine Bedeutung für unser Leben hat.“

Nein, auch das Café verändert sich. Es kommt zu neuen Miteigentümern im Haus, die dringende Sanierungen erwünschen, was ihren Cafebetrieb für eine Weile lahmlegt. Dann eröffnet auch noch ihr Bruder unweit ihrer eigenen Location einen Gastronomiebetrieb – aus Eifersucht oder Neid? Man weiß es nicht -, und begeht dabei einen folgenschweren Verrat. Laura und Bernadette werden aus überraschenden Gründen von der weiteren Mitarbeit im Café abgehalten und die Zukunft der drei Freundinnen entwickelt sich in eine Richtung, die sie sich alle so nicht gewünscht hatten. Sie befinden sich an einem Wendepunkt – in ihren Leben, Lieben und in ihrer Freundschaft.

·         Werden die Freundinnen wieder zusammenfinden oder trennen sich ihre Wege auf lange Zeit?

·         Robert oder Jean – zwei unterschiedliche Männer und doch beide Bestandteil von Julias Herz. Für wen wird sie sich entscheiden?

·         Welchen Verrat begeht ihr Bruder und kann sie diesen verzeihen?

·         Was wird aus dem Café Juliette oder, besser gesagt, dem ‚Café der guten Wünsche‘?

·         Braucht es wirklich nur einen guten Gedanken, um alles zum Besten zu führen, oder eben doch harte Arbeit?

·         Und schließt das eine das andere aus?

„Gedanken waren wie Samen, die hässliches Unkraut oder blühende Wiesen hervorbrachten, […]“

Lest selbst und lasst Euch mitnehmen in einen ruhigen Liebesroman mit einer neuen, wundervollen Idee und voll Liebe fürs Detail. Es sind oft die Kleinigkeiten – wie ein Stück Nusstorte -, die das Ganze zu etwas Besonderem machen: Einem Café, das Wünsche erfüllt. Es ist durchspickt von Überraschungen und Wendungen, gemalt mit viel Gefühl und untermauert mit der Kraft der Gedanken. Dabei glänzt die Autorin mit einem reduzierten, ruhigen Schreibstil, der dennoch angenehm zu lesen ist und sämtliche Emotionen in das Herz des Lesers bringt. Gefühle werden nicht nur transportiert, sondern erlebbar gemacht. Man leidet mit Julia mit, sorgt sich um ihr Café, fiebert ihrer Liebe entgegen. So auch bei den anderen Charakteren, von denen man den einen etwas mehr, den anderen etwas weniger kennenlernt. Und das ist gut so, denn dem Leser soll Raum für eigene Gedanken und Sichtweisen bleiben. Lasst Euch von einem Gute-Laune-Buch berieseln, dessen Titel fast magisch anmutet und für die Geschichte nicht treffender hätte gewählt sein können. Er ist ebenso bunt und anziehend, wie auch das wunderschöne Cover und die versteckten, zu entdeckenden Einzelheiten und Eigenheiten der Charaktere an sich. Alles Dinge, die die Autorin wunderbar in Einklang bringt und das Lesen zu einem kleinen Ausflug aus dem trüben Herbstalltag macht.

Als ich von dem Buch erfahren habe, musste ich es direkt haben. Es ist an unserem siebten Hochzeitstag erschienen, ein gutes Zeichen. Und allein schon das Cover und der Titel haben mich direkt angezogen. Ein Café der Wünsche, ich wusste nicht, was ich mir darunter vorstellen sollte. Konnte man darin Wünsche tauschen? Bei einem Stück Kuchen einen Wunsch erfüllt bekommen? Konnte man gar selbst anderen dort Träume erfüllen? Ich wusste es nicht, doch meine Fantasie begann zu schweben und entwickelte die kuriosesten Ideen und Erwartungen. Und darin liegt vielleicht genau das Problem. Die Erwartungen, die geschürt werden. An das Buch, den Inhalt, die Entwicklung, das Erfüllen der Wünsche. Vielleicht hätte ich noch offener an die Geschichte gehen müssen. Leider hat sie mich nicht komplett in ihren Bann ziehen können, was mehrere Gründe hat:

Zunächst habe ich ein bisschen gebraucht, um wirklich in die Geschichte mit all ihren Verstrickungen hineinzukommen. Sie wirkte auf mich zu Beginn doch recht orientierungslos. Ich wusste manchmal einfach nicht, wo ich mich jetzt zeitlich und inhaltlich befand. Das wurde dadurch verstärkt, dass das Buch gänzlich ohne Kapitel geschrieben ist – und ich bin nun mal eher der Kapiteltyp. Es wurde zwar in wechselnden Perspektiven erzählt, die entsprechend auch gekennzeichnet und eingeleitet wurden, aber ich hätte mir da doch etwas mehr Struktur gewünscht. Ein weiterer Punkt für mich ist, dass mir gerade die Bruder-Schwester-Beziehung, da sie doch ein starkes Gewicht innerhalb der Geschichte erhält, zu wenig ausgebaut ist bzw. das Ende zu wenig Lösung verspricht. Es muss die Prota treffen, wenn ihr eigener Bruder sie hintergeht, tief erschüttern und bei all den guten Gedanken, reicht da eben ein solcher nicht unbedingt aus. Das Gleiche gilt für mich auch für das Thema der Sanierung und des neuen Miteigentümers des Hauses, in dem Julia lebt. Es ist ein gravierender Einschnitt für ihr Leben und ihre Arbeit und die Auflösung und Wendung zum Guten kommt mir am Ende zu gehetzt bzw. zu wenig ausgefeilt vor. Da hätte es durchaus Erweiterungspotenzial gegeben. Aber das ist sicherlich Geschmacksache und nur meine subjektive Meinung. Ansonsten kann ich sagen, dass ich das Lesen alles in allem sehr genossen habe. Vor allem Stil und Wortwahl der Autorin und Ausgestaltung der Charaktere haben mich berührt und das Lesen zu einer Ausflucht aus dem Alltag gemacht. Es ist eine wunderschöne Idee, ein interessantes Thema und eine liebevolle Geschichte, die einen den Glauben an die eigenen Wünsche und das eigene Herz lehrt. Daher empfehle ich diesen Roman sehr gerne weiter und wer etwas offener als ich an die Story geht, wird sicher vollends begeistert werden.

 

Das Buch macht mit seiner herzlichen Art Laune und vertreibt dabei so manch trübe Stunde und lässt den ein oder anderen dunklen Herbsttag glänzen. Ich wünsche Euch viel Spaß bei der Lektüre.

 

Eure Jil Aimée

 

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after, landon, anna todd, hardin, nothing more

Nothing more

Anna Todd , Sabine Schilasky , Anja Mehrmann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453419704
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Anmerkung: Ich habe das Buch als Vorabexemplar zur Besprechung erhalten, was jedoch keinen Einfluss auf meine Meinung hat.

In ‚Nothing More‘ begeben wir uns zusammen mit Landon G. aus der After-Reihe nach NYC – zum Studium, zum Wohnen, aber vor allem zum Leben. Er wollte in der Stadt, die niemals schläft, neu anfangen. Gemeinsam mit Dakota – seiner ersten großen Liebe, die sich dort den großen Traum der Tanzkarriere verwirklichen will. Doch es kommt anders, als er dachte, denn auch Dakota will neu anfangen – jedoch ohne ihn. Landon zieht dennoch noch NYC – gemeinsam mit Tessa, die gerade in der Trennungsphase zu Hardin steckt. Gemeinsam versuchen sie sich Halt zu geben, sich zu heilen, einander gute Freunde zu sein und das Abenteuer Großstadt zusammen zu erkunden.

Um Studium und Wohnung zu finanzieren – unabhängig von der Unterstützung seines Stiefvaters -, jobbt Landon in einem Café. Dort ist er die gute Seele, immer freundlich, hilfsbereit. Sogar zu der neuen Barista, die ab und an ihre kleine Schwester mit dabeihat. Ebenso zu der jungen Kassiererin des Deli an der Ecke, die er immer nur lernend oder arbeitend antrifft. Natürlich vor allem auch zu Tessa, die er hier und da mit Samthandschuhen anfasst, da Hardins Besuch bald ansteht und er sie möglichst schonend darauf vorbereiten will. Leider versäumt er es bei seiner ganzen Rücksichtnahme und Umsorgerei, ihr den genauen Termin mitzuteilen – wir können uns also auf ein Feuerwerk in Band zwei gefasst machen. Landon ist einsam und in seiner Hilfsbereitschaft anderen gegenüber versucht er dieser Einsamkeit zu entfliehen - neue Freundschaften zu schließen, fällt ihm jedoch sehr schwer. Er war es gewohnt, nur an Dakotas Seite zu existieren, für sie da zu sein. Ein Leben ohne sie, das kennt er nicht. Dennoch muss er genau das jetzt leben. Er versucht es, strengt sich an. Wirklich. Er will erst einmal sein Herz wieder heilen, am besten, indem Dakota ihn zurücknimmt. Doch diese geht erst mal auf Abstand. Einige Monate. Landon ist auch nur ein Mann, und so kommt es, dass er sich über kurz oder lang der geheimnisvollen, älteren Nora – eine Freundin Tessas – annähert. Es ist für ihn ein großer Schritt, der eher unverhofft kommt – aus einer peinlichen Situation heraus entstanden – und der einen Stein ins Rollen bringt, der nach und nach sein so mühsam errichtetes Leben umzuschmeißen droht. Nora zieht ihn an und doch hat er noch so tiefe Gefühle für Dakota – die just zu diesem Zeitpunkt wieder bei ihm auftaucht und ihr (ehemaliges) Revier zu verteidigen versucht. Landon ist verwirrt, hin- und hergerissen und weiß einfach nicht, wie er sich entscheiden soll.

·         Wird er seiner alten Liebe zu Dakota noch eine Chance geben?

·         Oder traut er sich, das Unbekannte zu versuchen und Nora zu ergründen?

·         Kann er sich rechtzeitig entscheiden oder steht er am Ende allein da?

·         Wie wird Tessa auf Hardins Besuch reagieren?

·         Und was bedeutet das für ihre Freundschaft zu Landon?

·         Und was hat das Ganze eigentlich mit lila Zuckerguss zu tun?

Gönnt Euch ‚Nothing More‘ und taucht ein in die Geschichte um die gute Seele von nebenan – Landon -, die in Versuchung geführt wird und nicht weiß, ob sie dieser widerstehen kann. Anna Todd ist schriftstellerisch gewachsen und mit ihr ihr Schreibstil, der immer noch leicht und flüssig zu lesen, aber nicht mehr ganz so einfach gehalten ist. Sie vereint in diesem Buch subtil das Verruchte mit dem Harmlosen, gibt Landon – dem glatten Engel aus After – Ecken und Kanten, macht ihn sexier, ohne dass er dabei sein nerdig romantisch verklärtes Weltbild verliert. Seine Geschichte ist langsam, ruhig und unaufgeregt, doch hoch emotional für ihn. Sie spielt sich mehr in seinem Innern ab als in greifbarer Spannung – was es subtiler macht. Es passiert nicht viel an Drama und Action, aber der innere Gefühlskonflikt Landons wird erfrischend angenehm verdeutlicht und bereitet auf einen aufregenden Showdown in ‚Nothing Less‘ vor – zumindest denke ich das J.

Ich habe lange auf Landons Story gewartet, denn schon in der After-Reihe habe ich ihn schätzen und lieben gelernt. Hier bekommt er etwas mehr Raum, sich zu zeigen und seinen Charakter dem Leser näher, sich selbst in der Leser Herzen zu bringen. Er ist der typische gute Freund von nebenan, mit einer Vorliebe, die Welt zu heilen, seine Freunde zu retten und im Nerdheaven von u. a. Harry Potter zu schwelgen. Es lässt ihn nahe wirken. Macht ihn real, greifbar – ein Freund, auf den man immer zählen kann. Doch er möchte mehr sein als das und findet sich schnell im Dilemma zwischen dem Gewohnten, was er gut kann, und dem Neuen wieder. Es ist aufregend – auf eine andere Art und Weise –, ihm dabei zuzusehen, wie er versucht sich selbst – den Landon ohne Dakota! – zu finden. Dabei vergisst er seine beste Freundin nicht eine Sekunde, ist für sie da. Tessa. Wir bekommen Tessas und Hardins Trennungsphase am Rande mit und erhalten Landons Einschätzungen zu ihrer epischen Liebe.

„Ich wünschte, sie würde lachen, damit sie sich wieder daran erinnert, wie das ist.“

‚Nothing More‘ ist ein Buch über Freundschaft, aber auch, was es heißt, sich selbst zu entdecken, sich selbst zu sein. Ein Buch der Heilung. Landon bleibt dabei der immer gute, liebevolle, unterstützende Freund, der lernen muss, was es heißt, erwachsen zu sein und sich auch mal um seine Sehnsüchte und Wünsche zu kümmern.

 

„Ich bin das Wasser, das Flammen löscht, die Salbe, mit der man Brandwunden behandelt.“

Dakota mochte ich in diesem Buch überhaupt nicht – trotz ihrer tragischen Vergangenheit -, aber ich denke, das war hier auch so beabsichtigt. Die Autorin hat sie für mich hervorragend als das intrigante Biest hingestellt, damit es dem Leser leichter fällt, dass Landon sich langsam von ihr löst. Die Verbundenheit und charakterliche Treue zu ihr ist nach wir vor da, und das rechnet man ihm hoch an, doch er hat mehr Frauen in seinem Leben, als man zunächst denkt. Und ich bin gespannt, welche Vergangenheit und Düsterkeiten Nora mit sich rumträgt. Denn bisher blieb sie mir noch etwas fremd, was wohl dem Spannungsaufbau zum Nachfolgeband dienen soll. Diesmal wird die Geschichte nur aus einer Sicht beschrieben, Landon erzählt sie uns, was der Autorin Raum und Möglichkeiten schenkt, uns als Leser in seinen inneren Kampf absolut reinzuziehen und uns seine Gefühlswelt zu verdeutlichen. Das war mal eine Abwechslung, die mir sehr gefallen hat.

Die Charaktere und Beziehungen im Gesamten sind jedoch reifer geworden. Sie wirken nicht mehr so naiv, sind eigenständig, werden erwachsen. Einen kleinen Minuspunkt gibt es für mich in den doch recht häufigen Wiederholungen von Landons Gedanken, gerade in Bezug auf Dakota, aber auch in Hinsicht auf sein Zusammenleben mit Tessa. Hier nur ein Beispiel: es hätte durchaus genügt, bei der Dünne des Buches nur einmal anzusprechen, dass ihn der Straßenlärm der Großstadt nachts über die Maßen irritiert und er sich deshalb ein Gerät mit weißem Meeresrauschen zugelegt hat. Mir ist schon klar, dass viele Wiederholungen durchaus mit seiner inneren emotionalen Zerrissenheit zusammenhängen, aber an manchen Stellen wäre weniger mehr gewesen. Dann gibt es noch ein, zwei inhaltliche Patzer – zumindest erschienen sie mir so: Dakota verlässt fluchtartig eine Bar. Landon sieht noch ihre weiße Jacke um die Ecke huschen. Später bemerkt er, dass sie ja gar keine Jacke trägt und ihr kalt ist. Passt für mich nicht so ganz.

Die broschierte Ausgabe strahlt wie gewohnt mit einem edel wirkenden Cover und auch das Lesezeichen ist wieder einmal gigantisch gut. Das matte, fast samtige Schwarz mit dem silbernen Emblem wirkt toll – lockt an. Ich habe das Buch beim Friseur gelesen und wurde direkt darauf angesprochen, um was für eine schöne Geschichte es sich denn handelt, da das Cover schon so atemberaubend wäre. Schlicht und elegant, unaufgeregt, aber überzeugend. Die eingedruckte Playlist ist cool, und ein schönes Add-on, auch wenn mir ein wenig die Verbindung zum Inhalt des Buches fehlt, da dort nicht viele Lieder – aber dafür zum Teil von der Liste abweichende – angesprochen werden.

Abschließend lässt sich für mich festhalten, dass Band sechs ein unaufgeregter Pageturner ist, der reifer wirkt, besonnener. Anna Todd bleibt dabei ihrem schlichten und doch mitreißendem Erzähl- und Schreibstil treu, entwickelt sich aber auch ein Stück weiter. Man merkt dem Roman – im Positiven – an, dass sie eine Weile gebraucht hat, ihn so zu schreiben, wie er sich richtig anfühlt. Kurze Anmerkung hierzu: Für mehr, schaut doch in ihre Danksagung. Die Dauer hat dem Buch nicht geschadet. Es gefällt mir gerade deswegen, dass inhaltlich zunächst recht wenig passiert – ich denke mal, es soll einfach zu Band 7 hin aufbauen – mit am besten aus der ganzen Reihe. ‚Nothing More‘ ist Abschied und Neubeginn zugleich, es ist die Entwicklung zum eigenen Ich, das nicht mehr nur gibt, sondern auch lernt zu nehmen.

Eure Jil Aimée


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doing germany, rezension, agnieszka paletta, revie

Doing Germany: Volume 1

Agnieszka Paletta
Flexibler Einband: 196 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 16.11.2013
ISBN 9781493545148
Genre: Sonstiges

Rezension:

Once upon a time there was a young Polish-Canadian girl who fell in love with a fellow from Germany. Or at least one living there. Despite all of her adventurous travels she’s done so far on her own, falling in love for a – sort of – German unravels itself to be her biggest task yet. But let me go back a little further. Agnieszka is a courageous woman who left everything behind – family, friends, work – for the unknown.

“Finding romance, adventure, yourself.”

For the adventure. She wanted to start anew. Not just live, but be alive and vibrant. Go to Italy and find herself drinking wine, enjoying the romantic assets of the Southern European lifestyle. Go to Poland to get back to her roots. Being out there, meeting lots of new friends, having fun. So she took off for Eastern Europe and eventually met the One. At that time, she was least expecting it. But falling in love moves mountains, changes lives. We all know that. So it comes as no surprise that the protagonist is giving love a try to bloom in moving to Germany with M. M. is the One – the constant in her everyday struggle to fit in where she never dreamt of going. He’s her anchor, her oasis of tranquility. Germany was never on her list. But then again: Most adventures come as an unexpected surprise. So comes living here.

I got this book as a review copy, which in no ways influences my subjective opinion on it. I – as a German who lived in the US for a few months due to work – found ‘Doing Germany’ enlightening and a fun read. I know about the struggles to blend in in a country that is so very different from your homeland. I know about the stereotypes that go with it – some of them you find to be true, others to be altered. I also have a family member who got married to a North American, so I’m sort of familiar with the tasks Agnieszka found herself faced with – just vice versa. Seeing her way of coming to Germany, getting to know our country was interesting. At some points it made me shrug and shake my head. For instance: She did not learn German. She gave it a short try, but that was it. German is a very tough language – I know. But that makes it even more important to learn it – to get along, to understand everything and to better connect with the people her. She also didn’t go out that much in her first two years here. She had some issues with her ligament though – but eventually you have to get out and explore your surroundings if you want to feel at home someplace else. If you want to feel you could belong. That’s not just her fault. M. was working much because she didn’t have a job here in the beginning. But with working much and coming home very late, it makes it hard helping a loved one to settle in. Only going out every once in a while, in the evening, is not enough to come to terms with a new place.

But other than these two points, it was a very nice and light-hearted read. You feel vibrancy and life in every word. She was trying the best she could. It just was very hard for her in the beginning. Reading her story on how she finally comes to fall in love with Germany – and she will! – was like a first impressions on our country and step by step solving the puzzle on the ever present struggle to settle in a foreign land. Of course in doing so, she was faced with many challenges (different language, unique food choices, huge expectations that turn into chastening findings, but also great surprises). And she took the reader with her while meeting those challenges. Reading the novel – or modern memoire, if you wish – was like talking to her. Letting her tell you her story, just the way she feels it. That was refreshing, different, entertaining and despite some minor spelling and grammar issues a very welcoming change. She has had good days – on which she found love in the very details of Germany, she has had bad days when she was missing her travel time and Canada. On those days she compared good old G to Italy – which she glorified in her memories. That’s understandable, but it was very hard for Germany to compete. But the more she gets to know our country, the less she compares it to another. Throughout the book you can watch her grow, widen her horizons and wage more.

Over all I can say that I enjoyed reading ‘Doing Germany’. It was fun learning about a woman who wants to pursue adventure, travel and live her restless spirit. It makes me want to travel more too. It creates wanderlust – you just have to be open-minded to read it, to forget about all the stereotypes you might have about a stranger coming to Germany and becoming a bit of a German herself. The author’s style of writing is easy, a little sharp, sarcastic every once in a while, but funny to the core. Her way of communicating with her loved one is mirrored in a snappy but also lovely tone – depending on the struggles she’s currently facing.

“At that, I did what any real lady would do. I showed him my tongue.”

It’s a page turning modern memoire – something like reading a very personal, but enlightening blog – about an immigrant that finds herself – because that is what the book is about: finding herself, finding a home – in a very unexpected place. It’s bitter and slightly frustrating, but also welcoming and joyful – the whole roller coaster ride of emotions, what you would expect to happen when you leave a life behind to make a new one. Exciting, thrilling and adventurous. I was curious to see how she came to know Germany, what her individual experiences were. There’s just one small criticism I need to put here: The book is mainly centered on Germany – that’s what you expect from its title at least – so it was a little too much of Italy in it for me. But maybe that changes with volume two.

To get you hooked:

·         Will she learn German?

·         What struggles will she find herself faced with in the novel and how will these impact on her relationship with M.?

·         Will she find what she’s been looking for with M.? (a.k.a. a home?)

They say: Home is where the heart is. And the book holds one giant surprise to make your heart belong to Germany – at least a bit and forever.

Go read and find it out yourself. ‘Doing Germany’ is a very entertaining and fun read – if you view it with an open-minded heart.

Recommend reading it – esp. when you find yourself settling for the unknown too.

 

Yours, Jil Aimée

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das böse, inkarnation, fantasie, wüste, feuer

Shai'lanhal

Susanne Gavénis
E-Buch Text: 603 Seiten
Erschienen bei Susanne Gavénis, 07.04.2016
ISBN B01DZSC5RY
Genre: Sonstiges

Rezension:

In ‚Shai'lanhal‘ begeben wir uns in den uralten Kampf zwischen Gut und Böse. Die Geschichte eines Jungen, der dazu auserkoren ist, die Inkarnation des Guten – in Form eines unwissenden, unschuldigen Mädchens namens Deleja – vor der Wiedergeburt des Bösen und dessen Beschützerin zu bewahren. Mit seinem Leben und allem, was er hat. Es passiert alle zwanzig Generationen, dass die Mächte wiedergeboren werden und sich einem erneuten Kampf um das Geschick der Welt stellen müssen. Dabei haben die Beteiligten keine Wahl. Es ist eine ihnen auferlegte Bürde, aus der es kein Entkommen gibt.

 

„[…] das Schicksal der Welt erneut entscheiden, ohne dass der Rest der Menschheit davon auch nur das Geringste ahnte.“

Schlägt eine Seite fehl, bekommt die andere für die nächsten unzähligen Generationen die Macht über die Welt. In einer Welt des Guten darf niemals das Böse Oberhand gewinnen und so kommt es auch, dass Shaan – selbst wenn er wollte – seinem Schicksal nicht entkommen kann. Denn das Schicksal erfüllt sich, es gibt kein Entweichen. Der Start ins Leben für Shaan war bereits düster und von schmerzlichem Verlust geprägt, der auch seinen Vater eisern umklammert hält. Dieser wiederum hat die Aufhabe, seinen Sohn auf den alles entscheidenden Kampf vorzubereiten und erzieht ihn mit bitterer Kraft abgeschieden von der Welt. Vielleicht hätte es anders sein können, in einem anderen Leben, in einer anderen Welt. Doch in dieser gibt es für Shaan nur den Weg des Beschützers des Guten – koste es, was es wolle. Denn sollte er versagen oder sein Schützling sterben, noch bevor der große Kampf begonnen hat, dann fällt die Welt für lange Zeit in Dunkelheit – mit all ihrer grausamen Macht. Das Leben eines Einzelnen darf nicht zur Last der ganzen Welt führen und so muss Shaan seine eigenen Bedürfnisse hintanstellen. Bis zu seinem sechzehnten Geburtstag, bis zu Tag X, an dem sich alles entscheiden wird. An dem sich zeigen wird, ob all der Schmerz, die Entbehrungen und Belehrungen Früchte tragen werden. Früchte des Guten. Doch Shaan ist zutiefst verunsichert, hält selbst nicht viel auf sich, will seine Aufgabe nicht, würde ihr am liebsten entfliehen, wenn er denn könnte. Er weiß aber, dass dies nicht geschehen wird. Er muss dem enormen Druck – die Last und Zukunft der Welt auf seinen Schultern zu tragen – gerecht werden und weiß doch nicht, wie. Ständig droht ihn das Gefühl zu erdrücken, dass er nicht gut genug sei. Nicht gut genug für seinen Vater. Nicht gut genug für Deleja. Nicht gut genug für die Welt. Aber vor allem: nicht gut genug für sich selbst. Zweifel plagen ihn, lassen ihn nicht los. Hindern ihn an seiner Aufgabe. Nur zu gerne würde er sich dieser entziehen und der Inkarnation des Guten den Rücken kehren, wenn er nur nicht mit der Zeit so etwas wie tiefergehende Gefühle für sie entwickeln, und das in seiner Dramatik nur noch mehr zur Erfüllung seiner Bestimmung führen würde. Doch vielleicht war es ja so vom Schicksal gewollt.

·         Wenn man sich selbst nicht gut genug ist, selbst nicht an sich glaubt, wie sollen es dann andere können?

·         Wenn man selbst davon überzeugt ist, zu versagen, wird dann nicht genau das geschehen?

·         Kann ein unschuldiges Kind wirklich allein die Bürde der Welt auf sich tragen?

·         Kann es darauf vorbereitet werden, dass das Schicksal alles Guten in seiner Hand, in seinem Herzen liegt?

·         Kann ein Mensch diesem Wahnsinnsdruck überhaupt standhalten, unter ihm bestehen?

·         Oder wird die Welt, wie Shaan sie kennt, untergehen?

·         Oder muss es vielmehr ein Gleichgewicht, einen immerwährenden Wechsel beider ‚Parteien‘ geben?

·         Welche Macht wird letztlich siegen?

„Atemlose Stille lastete über der Stadt.“

Macht Euch bereit für ein emotionales Abenteuer, das seinesgleichen sucht.

‚Shai'lanhal‘ ist das dritte Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Nach den Gwailor-Chroniken konnte mich auch dieses eindrucksstarke Epos überzeugen. Der Start fiel mir diesmal zwar etwas schwerer als sonst, im Verlauf der Geschichte kam ich aber gut rein und konnte mich vom Geschehen packen und begeistern lassen. Die Autorin greift hier ein immerwährendes Thema – Gut gegen Böse – neu auf, beleuchtet es von unterschiedlichen, ja bisher unbekannten Seiten, verleiht dem Epos einen unglaublich fantastischen Facettenreichtum und schafft ein umfassendes Werk, das vor allem durch die einzigartig bewegende Ausgestaltung der Charaktere zu überzeugen vermag. Es ist wie ein uraltes Märchen – nur brutaler, realer und voller Abenteuer -, das einen unweigerlich in seinen Bann zieht, sodass sich dieser Wälzer im Nu verschlingen lässt und man sich nach mehr sehnt. Der Schreibstil ist wie schon bei den Gwailor-Chroniken gehoben, der Erzählzeit und dem Geschehen in seiner Sprache angemessen und authentisch wirkend. Unterstützt wird dies durch den Perspektivenwechsel der Protagonisten, was dem Leser ein runderes Bild schenkt und die Ereignisse, aber vor allem auch ihre emotionale Wirkung ungeschönt begreifen und verinnerlichen lässt. Shaan wird von Selbstzweifeln geplagt, ficht seinen eigenen heldenhaften innerlichen Kampf mit sich aus, bevor er seine Welt beschützen kann. Dies führt zu vielerlei überraschende, unerwartete Wendungen. Denn trotz oder gerade seiner Zweifel wegen, ist er bereit dazu, große Opfer zu bringen und vermag auf seine ganz eigene Art und Weise - die zunächst sehr zurückhaltend erscheinen mag, während das Böse Aktionen nach Aktionen bringt – das Geschick der Welt, seiner Welt zu lenken. Man entwickelt in jedem Fall über Sympathie hinausgehende Gefühle für ihn, fiebert mit ihm mit, hofft und bangt.

„Der Blick seiner Augen war trüb wie ein nebelverhangener Herbsttag.“

Die Magie beziehungsweise Macht der Protagonisten ist kein visueller Teil, der sich explosionsartig und farbenfroh entlädt, sondern eher Bestandteil ihrer eigenen Person – der unauffällig arbeitet und dabei doch so existenziell und stark ist – wie das Atmen. Es wirkt vielmehr elementar für ihre ‚Besitzer‘. Das hat mir sehr gefallen. Innerlich sind sich Shaan und Deleja nah, teilen ähnliche Erlebnisse, ähnliche Verluste, ähnliche Ängste – eine Verbundenheit, die nicht erst entsteht, sondern schon da war, lange bevor sie voneinander wussten. Die Natur untermalt übrigens die schicksalhaften Hoch- und Tiefpunkte der Charaktere innerhalb der Geschichte. So beginnt es bereits mit einem bildgewaltigen Gewitter und stößt einen direkt und ohne Vorbereitung in den Kernpunkt der Geschichte. Und das im Prolog. Wer meine Rezensionen verfolgt, weiß, dass ich nicht unbedingt ein Fan von Prologen bin, schon gar nicht von langen. Doch hier passt er für mich, gibt dem Roman so viel mehr an Gewicht und überzeugt. Dennoch hätte er für mich etwas knapper sein können, aber das ist natürlich rein subjektiv.

Einen kleiner Negativpunkt gibt es für mich dennoch: das Ende, das Nachwort. Es fügt sich nicht ganz so flüssig ins sonstige Erzählgeschehen ein, auch wenn ich den Knackpunkt des Epilogs (ich möchte hier jetzt nicht zu viel verraten) durchaus von seiner Logik her nachvollziehen kann. Man will der Welt ja nicht mehr Bürde auferlegen, als sie unbedingt tragen muss oder sie vielleicht tragen kann. Dennoch hätte ich mir an dieser Stelle etwas emotionalere, vielleicht auch tiefgreifendere Erläuterungen und Auseinandersetzungen gewünscht. Dem Buch und der Geschichte an sich tut dies allerdings nicht wirklich einen Abbruch. Es ist und bleibt ein fantastisches Abenteuer, das mit Sprachgewalt und Ideenreichtum sowie einer absolut visuell imponierenden Ausgestaltung überzeugt und gelesen gehört.

Das Cover ist dem Genre – High-Fantasy – angemessen. Es wirkt düster, gar Angst einfließend und macht zugleich neugierig auf den Inhalt und die Abenteuer und Kämpfe, die es als Leser begleitend zu bestreiten gilt. Ein wenig erinnert mich die Kämpferin auf dem Cover an den Winter Soldier aus Captain America – was in meinem Fall sehr gut ist, da es mich nur noch neugieriger auf die Geschichte gestimmt hat, sodass ich sie unbedingt lesen wollte. Lasst Euch aber selbst überzeugen und genießt dieses hoch emotionale Leseabenteuer.

Eure, Jil Aimée

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wette, draufgänger, rezensio, mila summers, chicago

Zum Küssen verführt

Mila Summers
E-Buch Text
Erschienen bei BookRix, 18.08.2016
ISBN 9783739669519
Genre: Liebesromane

Rezension:

In ‚Zum Küssen verführt‘ treten unsere vier Lieblinge aus den ‚Tales of Chicago‘ ihre so lang gewünschte Europareise an – ihren Mädels-Trip. Fernab ihrer Familien und Männer. Im mondänen Cannes – dem Ort der Stars und Sternchen. Endlich einmal ausspannen und genießen – nur unter Frauen. Okay, so ganz stimmt das nicht, denn ihnen wird Niklas als Begleitung mitgeschickt. Zum Schutz, natürlich. Die etwas schrullige, aber unglaublich lustige und herzliche Tante Heather kann doch ihre Mädels nicht alleine fahren lassen. Da kommt Niklas als Begleitung gerade recht und auch die Prince Charming an der Seite unserer Damen haben so ihre ganz eigenen Gründe, warum sie besagten und selbst ernannten Dauer-Junggesellen nur zu gern bei ihren Frauen wissen. Es klingt zunächst alles ganz harmlos, denkt auch Niklas. Doch als die fünf die Reise antreten, kommt alles anders als, man denkt. Nicht nur, dass die vier Mädels alles andere als begeistert davon sind, Niklas als Aufpasser zu haben und so beschließen, ihm den Urlaub schwer zu machen – durch Nörgeleien, Zänkereien sowie den ein oder anderen intriganten und doch auch irgendwie lustigen Plan. Nein, auch das Schicksal selbst hegt andere Pläne für ihn, der er doch nur ungezwungenen Spaß haben will. Und zwar viel davon. Doch das scheint alles nur Fassade, und manchmal lohnt eben der Blick hinter die Kulissen. Denn Niklas ist nicht so, wie die Mädels denken. Er ist unsicher, verängstigt und vor allem verletzt und vergräbt sich daher hinter seiner hart antrainierten Macho-Maske. Vielleicht wagen Stacy und Co. einen Blick dahinter und vielleicht lernen sie dann jemanden kennen, den sie so nicht erwartet haben. Doch vielleicht auch nicht. Niklas jedenfalls hält an seinem Vorhaben fest – komme, was und wer da wolle -, seinen Urlaub in vollen Zügen zu genießen. Aber wie sagt man so schön: Unverhofft kommt oft, nicht wahr? Und in diesem Fall in Form einer echten Snow White, die die Herzen der Welt durch ihre seidenweiche Stimme und ihr unvergleichliches Talent im Sturm erobert. Eine Snow White, die auch ihm den Atem verschlägt und seine Eroberungspläne à la Casanova in Wanken bringt.

·         Was hat Snow – Phoebe - nur an sich, dass er sich ihrer nicht erwehren kann?

·         Doch wird sie nicht nur seinen Körper erobern, sondern auch Niklas so hart erbaute Mauern einreißen und sein kaltes Herz erweichen können?

·         Will sie das überhaupt? Will er?

·         Welche dunkle Vergangenheit verbirgt sich hinter ihrer schneeweißen Seele, ihren blutroten Lippen, die so verheißungsvoll auf ihn wirken?

·         Welch Geheimnis liegt wiederum unter den Trümmern von Niklas‘ Seele begraben?

·         Können die beiden gemeinsam alte Lasten abwerfen oder sind sie einander nur eine kurze Verschnaufpause vom harten Leben?

Es wird die ein oder andere Hürde geben, die die beiden überspringen müssen, wenn sie am Ende ein happily ever after leben wollen. Und die Stolpersteine und Wendungen, die ihnen dabei in den Weg gelegt werden, könnten nicht größer sein. Der Fall über sie nicht schmerzhafter. Die Landung auf dem bitteren Boden der Tatsachen nicht unsanfter. Am Ende bleibt die Frage:

·         Gibt es Liebe auf den ersten Blick wirklich?

Oder verpufft sie nur in kurzzeitigem Begehren, einer Fehlleitung des Schicksals? Doch vielleicht zählen Niklas und Snow White ja auch zu den wenigen unter uns, die allen Widrigkeiten zum Trotz bestehen können – als eins. Denn ‚love conquers all‘ – manchmal das auch noch verletzteste Herz. Und ein Sturz kann auch in butterweiche Wolke führen. Schneeweiße Wolken :).

„Mein Herz sang schon seit unserem ersten Zusammentreffen diese Melodie, die es glücklich stimmte.“

In Band fünf der ‚Tales of Chicago‘ sind nicht nur unsere Mädels erwachsener geworden, sondern auch die Geschichte an sich. Und es steht der Autorin hervorragend. Mila Summer schreibt in ihrer gekonnt humorvollen, liebevollen und leichten Art, die die Wörter vor den Augen wie Magie erscheinen und sie ins Leserherz schweben lassen. Nur eben reifer, ein Stück weit männlicher, düsterer und a little bit edgier. Und doch typisch märchenhaft, magisch und Mila zugleich. I LOVE IT.

Es ist wie das Zurückbringen des Sommers. Eine erneute Chance auf Urlaub, zu der Mila Summers uns hier einlädt. Voll Drama, Spannung, Prickeln und Sommer, Sonne, satt. Ein Buch zum Wohlfühlen, zum Zurechtrücken der eigenen Wünsche, des eigenen Lebens. Ein Märchen des Heute, wie man es sich tatsächlich vorstellen kann. Manchmal passiert das Glück einfach – unverhofft – und es prasselt wie ein Regenschauer auf dich nieder. Von einer Sekunde auf die andere. Danach ist nichts mehr so wie zuvor und doch ist alles besser. So ist auch ‚Zum Küssen verführt‘. Ein bereinigender Schauer, ein Feuerwerk der Glückgefühle, ein Urlaub ins Glück. Und ganz persönlich: Endlich bekommen wir Snow White :). Viel Spaß beim Lesen.

Eure Jil Aimée

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harry potter, hogwarts, magie, theaterstück, fantasy

Harry Potter and the Cursed Child

Joanne K. Rowling , Jack Thorne , John Tiffany
Fester Einband: 330 Seiten
Erschienen bei Little, Brown, 31.07.2016
ISBN 9780751565355
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

thriller, mystery, geheimbund, mystery-thriller, untot

Schattentäter

Jannes C. Cramer
E-Buch Text: 296 Seiten
Erschienen bei Romanfieber Verlag, 29.07.2016
ISBN B01J296JDG
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Buch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, was jedoch keinen Einfluss auf meine ehrliche Meinung hatte.

In ‚Schattentäter‘ begeben wir uns gemeinsam mit den beiden Protagonisten auf die Flucht vor dem eigenen Schatten und auf den Weg zurück ins Leben. Der Tod seiner Frau – verbunden mit einem weiteren tragischen Unglück – stürzt den Protagonisten Felix in ein tiefes Loch. Das Leben besteht für ihn fast nur noch aus Dunkelheit und Einsamkeit. Trost sucht er mehr und mehr im Alkohol und versucht somit seinen tiefen Schmerz über den schweren Verlust zu ertränken – entfernt sich aber mehr und mehr auch von seinem eigenen Leben und von Melanie, seiner besten Freundin, die ihm stets wie eine Schwester war. Melanie war sein einzig verbliebener Halt in einer Welt, die ihm sonst alles genommen hatte. Schon früh musste Felix lernen, was es bedeutet, dass Herz zerrissen zu bekommen und Verlust zu ertragen. Als er noch ein Kind war, verstarben seine Eltern auf tragische Weise. Ein Unfall (?), der ihn auch Jahre später nicht loszulassen scheint und eines Tages wieder einholt. Ein Unfall, der alles verändert (hat). Denn wie durch ein Wunder hat der kleine Felix diesen damals unbeschadet überstanden.

·         Doch gibt es Wunder wirklich?

·         Oder steckt mehr hinter dem scheinbar Offensichtlichen?

·         Versteckt sich etwas im Schatten der Vergangenheit?

Schatten – da ist es, dieses große, schwere Wort. Es wird Felix begleiten, durch den Rest seines Lebens, denn sein Schatten ist anders. Anders, als der deine oder der meine. Anders als der ‚normaler Menschen‘ – sein Schatten ist gefährlich, und kann in den falschen Händen zum Instrument des Grauens werden. Und genau in diese falschen Hände gerät Felix. Genauer gesagt, an einen dunklen Orden, der nicht nur sein Leben bedroht und das Melanies, sondern auch das vieler (teils) unschuldiger Menschen.

 

„Mit aller Kraft wehrte sich Felix dagegen, auf dem Metalltisch fixiert zu werden. Ohne Erfolg.“

 

Felix gerät in einen Strudel der Vergänglichkeit und Wiederkehr, verliert sich fast selbst in einer schier endlosen Reihe an Pein und Schmerz. Wäre da nicht Melanie, die mutig ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt und ihn zu retten / ins Leben zurückzuholen versucht. Und wäre da nicht auch eine Begegnung mit der Vergangenheit, die ihm neuen Ansporn gibt, noch nicht aufzugeben…

·         Was hat es genau mit Felix‘ Schatten auf sich, das den ominösen dunklen Orden auf ihn aufmerksam macht?

·         Was will dieser Orden von Felix und warum kann er dabei vielen Menschen schaden?

·         Und welche Begegnung mit der Vergangenheit zerrüttet sein Weltbild und lotst es doch wieder in die richtige Richtung?

·         Aber vor allem: Gibt es ein Entkommen aus dem eigenen, tödlichen, Schatten?

Findet es selbst heraus und lasst Euch von Jannes C. Cramer in einen Sog aus Angst, Nervenkitzel und wahrer Loyalität ziehen. Denn dieser Mystery-Thriller hat alles, was es braucht, um die eigene Fantasie anzuregen, eine Gänsehaut über den Körper wandern zu lassen und einen in den Bann der Ereignisse zu ziehen. Die Seiten fliegen nur so dahin, wie der Schatten eines Menschen den anderen jagt.

Ich hatte die Möglichkeit, dieses Schmuckstück unter den Thrillern bereits vorab lesen zu dürfen. Und ein kleines Schmuckstück ist es wirklich. Warum?

Normalerweise bin ich nicht so der Thriller-Typ. Nur selten packen diese mich. Nur selten fiebere ich bis zur letzten Seite im Geschehen mit. Nur selten werde ich am Ende des Buches noch überrascht. Doch dem Autor ist hier genau dies alles gelungen. Bereits der Klappentext hat mich begeistert. Er verrät nicht zu viel und baut doch direkt Spannung auf. Eine Spannung, die man unbedingt durch das Lesen der Geschichte lösen möchte. Für mich mit der beste Klappentext, der mir bei all den Büchern je begegnet ist. Er wühlt auf, kreiert ein Verlangen nach mehr – nach Wissen. Und auch das Cover ist mehr als gelungen. In blauen, dunkleren und recht kalten Tönen bereitet es einen bereits gut auf den Inhalt des Thrillers vor. Der Titel selbst ist weiß, hell und steht somit im starken Kontrast zu seiner tatsächlichen Bedeutung. Über diesen ziehen sich kreisförmig angeordnet Kreuze, auch karge Äste und etwas wie Scherben anmutende Details sowie eine Art Schneeflocke (jedenfalls für mich) sind angedeutet und finden später beim Lesen ihre perfekte Bedeutung und Verbindung zu den Schlagpunkten der Geschichte. Lassen bereits symbolisch Mystery und Crime verlauten, machen Lust auf das, was kommt.

Auch die Haptik des verstärkten Buchrückens und -umschlags sowie die Griffigkeit der Seiten überzeugen. Das Buch liegt gut in der Hand und behält nach dem Lesen keine Knicke zurück. Somit ist das äußere Erscheinungsbild und Kleid des Buches für mich rundum gelungen, nun zum Inhalt:

Die Story ist komplex, überzeugt dabei mit subtiler Action. Erzählt wird sie in wechselnden Perspektiven und Zeiten, sodass man ein gutes Gesamtbild sowie viele Hintergrundinformationen bekommt – natürlich stückchenweise -, und so das Rätsel um die Schatten step by step lösen kann. Ich war von Anfang an mit dabei – gefangen in einer unglaublichen und nervenaufreibenden Geschichte, die vollends rund, zu jeder Zeit im Rahmen ihres Erzähluniversums logisch und durchdacht wirkt. Deren Schreibstil und Charakterenausarbeitung überzeugen und die mich rundum zufrieden zurückgelassen hat. Ab der ersten Seite wurde eine gewisse Spannung (und in meinem Fall eine kleine Ahnung, die sich aber nicht vor Ende des Buches aufgelöst hat) erzeugt. Ich wurde von Felix und seiner Geschichte förmlich angezogen, in einen Strudel der widersprüchlichsten Gefühle und des Nervenkitzels gesogen. Seite und Seite, Wendung um Wendung – meine Spannung stiegt. Beim Lesen bereitete sich eine Gänsehaut aus, die sich durchweg durch den ganzen Thriller prickelnd meinen Nacken hinaufgeschlichen und mich mich nach allen Seiten umblicken lassen hat.

Wenn Ihr also auf Thriller steht, die auch einen Hauch des Unbekannten in sich vereinen, dann ist Jannes C. Cramers neuestes Werk perfekt für Euch. Seid Ihr nicht so der Thriller-Typ – wie ich – lasst Euch hiermit überzeugen. Meine absolute Leseempfehlung hat es. Also: Spannung, Mystery und ganz viel Nervenkitzel warten auf Euch, schlagt zu.

 

Eure, Jil Aimée

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Tags: jannes c. cramer, mystery, rezension, thriller   (4)
 

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irresponsible desire, mila summers, rezension, manhattan love stories, spannung

Irresponsible Desire

Mila Summers
E-Buch Text
Erschienen bei BookRix, 04.07.2016
ISBN 9783739663296
Genre: Liebesromane

Rezension:

In ‚Irresponsible Desire‘ begeben wir uns mit der bisher klein gehaltenen und unsicheren Hope - die endlich auf eigenen Füßen stehen und aus den Fängen ihres despotischen Vaters und tyrannischen Verlobten ausbrechen will – auf einen schweren und langen Weg in die vermeintliche Freiheit.

Hopes Leben war bisher bestimmt – von ihrem Vater, der sie mit Druck, Verboten sozialer Kontakte und nicht zuletzt häuslicher Gewalt am freien Entfalten gehindert und sie emotional gebrochen hat. Er ist ein hohes politisches Tier in der Stadt und die Wahlen stehen kurz bevor, daher duldet er kein noch so kleines Abweichen von seinem vorgeplanten Weg. Und dieser gilt für die gesamte Familie. So auch für Hope, die sich auf dem Weg in ein bisschen mehr Selbstbestimmung einen eigenen Job erkämpft hat. Zunächst kann sie sich aber auch dort nicht entfalten, da ihr Vater direkt zum Gegenschlag ausgeholt und für sie eine Beziehung zu dem einflussreichen Geschäftsmann Lucian samt Verlobung und baldiger Hochzeit eingefädelt hat. Nach einer kurzen Zeit der Blendungsphase erwacht Hope erneut auf dem bitteren und schmerzlichen Boden der Tatsachen, denn Lucian ist nicht der, für den sie ihn anfangs gehalten hat. Mehr und mehr entpuppt er sich zum Tyrannen, benutzt sie als Spielball für seine ganz eigenen perfiden Spiele. Auf ihre Familie kann Hope in dieser Zeit nicht zählen, denn auch ihr Vater benutzt sie und ihre Verbindung zu Lucian nur, um wiederum seine politischen Machtspielchen zu Erfolg zu treiben. Dabei sind den beiden Herren jede Mittel recht und so bedienen sie sich an Unterdrückung, dem Versagen sozialer Kontakte und zunehmend auch der physischen und psychischen Gewalt an Hope. Dabei sollte eine Verlobung und Hochzeit doch der Weg in ein neues und glückliches Leben sein und nicht der Pfad in die emotionale Hölle und in die Arme eines arroganten Machos, der Frauen mehr benutzt als liebt.

Ja, Hopes Leben ist wahrlich ein Leben in Schmerz, Angst und Not im eigenen Zuhause, bis – ja, bis einer ihrer Chefs dringend ihre Hilfe benötigt und ihr ein Angebot macht, das sie nicht abschlagen kann, da es ihr finanzielle Freiheit schenkt und somit auch den Weg in ein eigenes Leben ebnet, das aber auch einen Haken hat und sie für einige Zeit an ihn bindet. Ein kleiner Preis für die damit einhergehende Unabhängigkeit, wäre ihr Chef Jayden nur nicht so kalt, distanziert und feindselig. Dennoch lässt sie sich auf dieses vermeintlich unmoralische Angebot ein.

Wandelt sich mit den Tagen der distanzierte, unterkühlte, gar unfreundliche Boss in einen liebevollen, aufrichtigen, unterstützenden Freund? Und wird aus dem Haken vielleicht sogar ein wunderschöner Bonus?

Das wird sich beim Lesen zeigen, denn auch ihr Boss hat mit seinen ganz eigenen Dämonen (der Vergangenheit) zu kämpfen und bemerkt dabei zunächst Hopes Zwangslage nicht. Die Anzeichen sind da: verängstigtes, verschüchtertes Verhalten, sich in jeder Sekunde umblickend, und in sich gekehrt. Doch die Tragweite und Tiefe ihres bisher dunklen Lebens bleibt ihm lange unerkannt, bis… unvorhergesehene Ereignisse sie entschwinden lassen und dazu zwingen, die Verlobung mit dem Tyrannen Lucian schon früher mit der Hochzeit und der Aufgabe ihres letzten Stückchens eigenen Lebens zu krönen.

„Er ist mein Fels in der Brandung, mein Amarenakirschenlieferant in dunkler Nacht“

Erkennt Jayden, dass er Hope nicht ziehen lassen kann und endlich aktiv werden muss? Immerhin beginnt er sie mit der Hilfe einer mütterlich wirkenden Kollegin zu suchen und gemeinsam decken sie nach und nach immer mehr morbide Grausamkeiten um Lucian und zwielichtige Machenschaften um Hopes Vater auf. Hope befindet sich in den Zwängen zweier Tyrannen, doch kann Jayden sie wirklich aus diesen befreien? Schafft er es, über seine eigenen Schatten und Ängste zu springen, um dem Menschen zu helfen, der alles für ihn symbolisiert, was er in seinem Leben so nicht mehr wollte? Für einen Menschen, der doch aber auch alles für ihn ist, was er braucht? Oder kommt er bereits zu spät?

Mit Band eins der ‚Manhatten Love Stories‘ entführt uns die Autorin wieder in ein typisch modernes Märchen à la Mila Summers, wagt sich aber zugleich in neuere dunklere und erotischere Gefilde vor. Ein Wandel, der ihr gut steht und ihr sehr gelungen ist. Eine schriftstellerische Weiterentwicklung, verbunden mit einer packenden Leichtigkeit des Erzählens, ohne dabei die Tiefe der Geschichte zu verklären. Die Seiten schweben und lesen sich so leicht wie eine Feder, die im Sommerwind zu Dir getrieben, sanft Deine Nase küsst. Man fühlt sich mit und in diesem Buch einfach wohl. Die Dramatik und Dunkelheit der Geschichte Hopes und auch Jaydens werden von Mila mit den positiven, den glücklichen Momenten absolut in Balance gehalten und authentisch wirkend erzählt. Natürlich wird dabei aber nicht zu sehr in die Tiefe gegangen, denn das wäre dem Genre gegenüber nicht angemessen. Auch die gesamte Szenerie rund um NYC wirkt greifbar, echt und wunderbar ausgearbeitet, sodass man sich beim Lesen mit durch die Stadt bewegt und diese erkundet. Durch einen Perspektivenwechsel in der Erzählweise erhält man als Leser einen guten Einblick in die Beweggründe und Gefühlswelten der einzelnen Protas und kann so ihre Entscheidungen ein Stück weit schneller nachvollziehen, als es den beiden untereinander gelingt. Nur langsam gestehen sie sich ihre Gefühle füreinander ein, denn sie beide müssen dafür aus ihren jeweils so schwer errichteten Schutzmauern ausbrechen. Jayden aus seinen diversen, belanglosen Frauengeschichten – doch durch Hope lernt er mit der Zeit, dass auch er lieben darf und geliebt werden kann, und dass er an seinen Träumen festhalten sollte. Hope aus ihrem Kokon, dass sie sich mit dem Schicksal bereits abgefunden zu haben scheint – denn mit ihrem fordernden Job und Jayden lernt sie, dass sie ihres eigenen Glückes Schmied ist und niemanden braucht, um zu leben und glücklich zu sein. Sie lernt, dass sie der Hauptdarsteller im Stück ihres Lebens ist und dessen Fäden bestimmt, nicht ihr Vater, nicht Lucian, nicht Jayden. Trotzdessen, dass sie sich ihre Gefühle erst spät eingestehen, geht die Handlung zwischenzeitlich und auch der Wandel im inneren der Protas hier und da ein bisschen schnell vonstatten. Das war zunächst etwas ungewöhnlich, erschließt sich einem mit Fortlauf der Geschichte aber doch recht schnell, sodass es sich gut in das Gesamtgefüge dieser integriert. Es liegt eben daran, dass Hope – in ihrer brenzligen Lage – keine Zeit zu verlieren hat, und auch in Jaydens Leben Unterkante Oberlippe herrscht. Es sind Ausnahmesituationen, die die beiden dazu führen, sich enger miteinander zu beschäftigen und in eben solchen Begebenheiten ist ein gewisses Tempo durchaus nachvollziehbar. Aber ob Nähe wirklich alles ist, was es braucht, um die Geschickte in beider Leben zum Guten zu wenden, sei dahingestellt. Nicht alle Märchen gehen gut aus und das Leben ist schon gar kein Märchen. Die Geschichte büßt dabei keinesfalls an Emotion, Spannung und Begeisterung ein, sondern vereint diese gekonnt in einem Netz aus Gefahr, einer Achterbahnfahrt der Gefühle und dem echten Leben. Rundum gelungen.

Wie der Titel und das Cover schon verlauten lassen, geht es in ‚Irresponsible Desire‘ aber auch ein Stück weit für die Autorin in eine neue Richtung und in ein ‚unvernünftiges Verlangen‘. So gibt es natürlich den ein oder anderen heißen Moment zwischen den Charakteren. Dabei achtet Mila Summers durchweg auf ein authentisches, packendes und prickelndes, aber nicht over-the-top wirkendes Gesamtkonzept. Die entsprechend heißen Szenen sind stets geschmackvoll und unterstützen den Fortlauf und den Titel des Liebesromans. So gibt es diese magnetische Anziehungskraft zwischen Hope und Jayden, die sie allen Widrigkeiten und Gefahren zum Trotz nicht die Finger von einander lassen lässt. Und man fühlt dabei in jedem Moment mit. Ein gelungenes Leseabenteuer für kurzweilge Stunden - Leichtigkeit und Schwere, Gefahr und Glück, Liebe und Hass, es ist alles dabei.

Eure Jil Aimée

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Tags: irresponsible desire, mila summers, rezension   (3)
 

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Eine Schildkröte macht noch keine Liebe

Emma Wagner
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 26.07.2016
ISBN 9783741223518
Genre: Liebesromane

Rezension:

In ‚Eine Schildkröte macht noch keine Liebe‘ – Emmas neuestem Coup – begeben wir uns mit der Virtuosin Lilly auf die Flucht vor ihrem Vater. Eine Flucht aus einem durchgeplanten Leben, das keinen Freiraum für Zwischenmenschliches oder gar den ganz normalen Alltag eines jungen Mädchens lässt. Und schon gar keinen Platz für die Liebe. Es ist ein Aufbegehren gegen patriarchalische Strukturen der Disziplin, des Erfolgsdrucks und der eisernen Härte. Denn genau so war Lillys Welt bisher: überbehütet, erfolgsgedrillt und voller Leistungsdruck. Aber vor allem fremdbestimmt. Kein Wunder also, dass sie eines Tages ausbricht. Völlig übereilt und völlig planlos. Und nur für drei Tage, wie es zunächst scheint. Einfach, um ihrem Vater mal zu zeigen, dass sie auch alleine in der weiten Welt zurechtkommt, und dass sie ein selbstbestimmtes Leben mit ihrer Bühnenpersönlichkeit vereinen kann. Doch das ist nicht so leicht, wie sie es sich zunächst gedacht hat. Während ihrer Reise in die fremde, freie Welt kommt es zu einem Missverständnis nach dem anderen. So findet eine Schildkröte ihren Weg in ihr Gepäck und Lilly über kurz oder lang Einzug in die Wohnung des ihr bis dahin völlig fremden Vincent. Vincent – ein krasser Widerspruch zu Lilly selbst.

Zunächst rabiat, etwas abweisend entwickelt er sich doch schnell zum Charmeur, der nicht aus seiner Haut kann und dem weltfremden, verloren wirkenden Mädchen einfach helfen muss. Er trifft die Entscheidung, sie vorerst bei sich aufzunehmen und das Chaos nimmt seinen Lauf, verirrt sich auf unzähligen Bahnen von Missverständnissen, Geheimnissen und Überraschungen und wohin? Findet es selbst heraus…

·         Wird Lillys Ausbruch aus der übersteigerten väterlichen ‚Fürsorge‘ wirklich ihr Weg in die Freiheit und in ein eigenes Leben sein?

·         Oder schlägt sie schneller auf dem harten Boden der Tatsachen auf, als ihr lieb ist?

·         Sucht ihr Vater nach ihr und was hat es eigentlich mit der Schildkröte und ihrer Virtuosenvergangenheit auf sich?

·         Aber vor allem: Wie passt der gut aussehende Vincent in die ganze Geschichte hinein und was hat er so zu erzählen?

·         Und was hat es mit einem Brüderpaar auf sich, das für den Fortlauf der Geschichte maßgebend ist, welches ich hier aber nicht weiter thematisieren werde?

Taucht ein und lasst Euch verzaubern, während ihr das Rätsel um Lilly und die Schildkröte Mondgesicht selbst löst.

Mit ihrem neuesten Roman bleibt Emma Wagner ihrem gewohnt humorvoll romantischen Schreibstil treu, der einen die Seiten wie im Fluge verschlingen lässt. Wechselnde Perspektiven geben dem Leser einen tieferen Einblick in die Beweggründe und Gefühlswelten der beiden gut ausgefeilten Protagonisten. Natürlich gibt es dem Genre getreu wieder ein Happy End, aber der Weg dorthin ist von unzähligen Steinen und Hindernissen durchzogen, sodass man bis zur letzten Seite nicht aus dem Mitfiebern kommt.

Die beiden Protagonisten starten dabei als Gegensätze zueinander, ziehen sich aber mehr und mehr wie Gegenpole an und können sich irgendwann dieser magnetischen Anziehungskraft nur noch schwerlich widersetzen. Bleibt die Frage, ob sie trotz aller Widrigkeiten und Gegensätzlichkeit zusammenfinden werden, oder am Ende alles in zwei zu fremden Welten verhallt und das Happy End in anderen Bahnen liegt. Denn aus fremden Welten kommen die beiden: Lilly ist etwas naiv und unbedarft, was aber der zu langen Vorherrschaft und des Verfügungsdranges ihres Vaters geschuldet ist. Sie versucht auszubrechen, ohne die Konsequenzen zu beachten. Wie die Welt funktioniert, ist ihr nicht bekannt. Noch nicht. Das fängt schon bei den Kleinigkeiten wie ‚Einkaufen‘ an. Sie weiß es einfach noch nicht besser. Aber es kostet Mut, aus gewohnten Strukturen auszubrechen und den hat sie allemal. Alles Weitere lernt sie in der Zeit allein und mit und durch Vincent. Darüber hinaus ist sie sehr liebenswert, niedlich und eine Virtuosin auf ihrem Gebiet: dem Musizieren. V ist sympathisch, gefühlvoll, vielleicht hier und da missverstanden, aber im Grunde ein sehr zuvorkommender und hilfsbereiter Mensch, dem das Wohl anderer und auch das der Tiere mehr am Herzen liegt als sein eigenes.

„»Jetzt komm schon«, murmelt Vincent mir genervt zu, bückt sich zu dem schmalen Grasstreifen des Vorgartens nieder, rupft einige Handvoll Gras, Klee und Löwenzahn ab und hält sie mir hin.“

Er weiß nur noch nicht so recht, was er vom Leben erwartet, was er sich erhofft, oder will. Beziehungsweise ist ihm die Richtung schon klar, aber er verliert sich ein Stück weit in den Verstrickungen und Irrungen des Lebens, bis er seinen Weg und die Mittel dazu auch findet. Zusammen erleben die beiden eine turbulente Zeit, müssen von Gewohnheiten abweichen, diverse Kompromisse eingehen, sich erst einmal aneinander in dieser ungewöhnlichen Lage gewöhnen und erleben mehr als nur eine alles verändernde Überraschung. Manchmal muss man aber in die Dinge Vertrauen haben, in die Veränderung selbst. Etwas, das beide im Verlauf der Geschichte lernen, während sie viele Missverständnisse zu überwinden versuchen. Doch in Emma Wagners neuem Buch werden sehr viel mehr Geschichten erzählt als nur die der beiden Protagonisten. Welche verrate ich an dieser Stelle allerdings nicht. Nur so viel: die beiden zuvor erwähnten Brüder sind mein absolutes Highlight.

„Mit einem leisen Lächeln beobachte ich ihr Gesicht, das in wechselnden Farben aufleuchtet – ein Spiegel des Spektakels auf der Brücke und dem Schloss und gleichzeitig so viel schöner als alles, was dort vor sich geht.“

Zum Inhalt selbst und dem Werdegang der Story kann ich sagen, dass es sich gefühlvoll, Emma-like und wunderbar entwickelt hat. Es ist anders als sonst. Aber anders bedeutet neu und neu bedeutet Abenteuer und Abenteuer bedeutet Leben. Von daher, ein Roman, wie ihn das Leben nicht hätte besser schreiben können. Eine Herausforderung für die Liebe, das Leben, für Lilly und Vincent. Eine gemeisterte Herausforderung, die auch die Autorin hat wachsen lassen. Ich finde es schön und habe mich nach leichten Startschwierigkeiten schnell eingefunden und mitreißen lassen. Zunächst fiel es mir etwas schwerer, ins Geschehen zu finden. Aber das legte sich binnen weniger Seiten schnell und die Autorin klärt hier gewisse Dinge bewusst erst später auf. Man spürt, wie sich das zarte Prickeln zwischen Vince und Li langsam aufbaut, wie ein kleines Pflänzchen wächst und sehr viel Hege und Pflege bedarf, um nicht im Keim zu verkümmern. Manchmal muss man mal kurz aus gewohnten Mustern ausbrechen, um seinen Horizont zu erweitern, damit man beim nächsten Mal im gewohnten Umfeld wieder besser und frischer brillieren kann. Und dieses Ausbrechen hat Emma gutgetan. Sie hat eine Geschichte mit viel Gefühl und Liebe zum Detail und zur Recherche geschaffen und alles flüssig miteinander verbunden.

Der Titel selbst ist zunächst ungewöhnlich. Aber ungewöhnlich zieht an und er passt sehr gut zur Geschichte. Warum sei an dieser Stelle aber nicht verraten, doch es klärt sich alles auf. Er ist wie ein kleiner, zunächst unscheinbarer Begleiter durch den Verlauf der Geschichte, der doch alle Fäden zusammenführt und zudem noch Amor spielt. Passend zu dem damit einhergehenden Feeling ist für mich auch das Cover gestaltet. Es gefällt mir mit am besten bisher von Emma Wagner. Die Farben versprechen eine laue Sommernacht, das Riesenrad im Hintergrund gibt einen kurzen Ausblick auf schöne Momente, die einen innerhalb der Geschichte erwarten und es wirkt romantisch, fast schon ein bisschen magisch. Wie ein Sommerhimmel voller Sternschnuppen mit einem Hauch Coachella. Wie ein Feuerwerk der Gefühle, das sich auch im Inhalt des Romans entlädt.

Alles in allem schleicht sich die Geschichte in das Leserherz, wie der Klang von Violinen die Seele berührt: dramatisch, hoch emotional und stimmungsvoll lässt dieser Heidelbergroman seine ganz eigenen Töne tanzen. Vincents und Lillys Geschichte lässt ihre ganz eigenen Töne tanzen. Und in jedem davon erklingt Heidelberg, atmet die Liebe und pulsiert das Leben. In Emma Wagners Worten fließt die pure Liebe zu Heidelberg, zum Schreiben. Dabei bleibt Sie gewohnt humorvoll und herzlich und bricht doch neue Bahnen. Lässt einen Heidelberg in jeder Pore spüren, in jeder Note erklingen. Eine Geschichte voller Klang und Liebe, eine Welt voller Emotionen, die einen alles andere vergessen lässt. Wie ein Musikstück, das einen so vereinnahmt, dass nichts anderes mehr existiert. Einfach wie das Leben und vollkommen wie die Liebe.

Viel Spaß beim Schmökern.

Eure, Jil Aimée

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