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Keine Ahnung, ob das Liebe ist

Julia Engelmann
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.09.2018
ISBN 9783442488544
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

In »Keine Ahnung, ob das Liebe ist« offenbart uns Julia Engelmann viel Persönliches. Zeigt uns eine sehr tiefgründige und verletzliche Seite. Gerade das macht ihre Stärke aus. Ihre Worte haben nicht nur Klang, sondern vor allem auch Kraft und Gehalt. Spenden Trost, wo er notwendig ist. Zaubern ein Lächeln ins Gesicht, wo Trauer oder zu starke Ernsthaftigkeit herrschen. Immer garniert mit einer klaren Botschaft. Sie bestärkt das Vertrauen in sich selbst. Dass es okay ist, einmal nicht zu wissen, wie es weitergeht. Zweifel gehören zum Leben dazu – ebenso wie Abschiede, Talfahrten und Hürden. Im gleichen Maß beleuchtet sie aber auch die schönen Dinge im Leben, macht Mut, schenkt Liebe und Hoffnung. Ihre Worte sind wie ein Song, der sich in unser Herz schleicht und mit seiner Lyrik und Poesie tief bewegt. Der uns an die Hand nimmt und lehrt, einfach mal dem Moment und uns selbst zu vertrauen. Man muss nicht immer alles gleich wissen, nicht allem seinen Namen geben. Oft reicht es auch einfach aus, es zu fühlen und zu wissen, dass es da ist.

Julia Engelmann zeichnet mit ihrer Poesie sprachlich wundervolle, neue Bilder. Schafft eine Komposition ungewohnter Vergleiche, die ihre Sprache umso lebendiger erscheinen lassen.

Teilweise simpel und doch so tiefgründig, teilweise sehr komplex und doch direkt ins Herz gehend. Mit alten Strukturen brechend, dabei dennoch Traditionen vertrauend und zugleich sprachlich Neues wagend. Sie bleibt ihrem Stil mit Buch vier treu und lässt diesen gleichzeitig wachsen. Es ist einfach ein Gesamtkunstwerk. Außen optisch schlicht und edel zugleich, innen ergreifend geschrieben. Und zudem passend illustriert, denn es gibt auch noch wirkliche Zeichnungen, von der Autorin selbst gestaltet, die das Geschriebene perfekt untermalen und vermitteln. Auch hier wieder ein wundervolles Zusammenspiel von Bild, Text und Botschaft, eine Komposition des verschriftlichen Poetry-Slams, der die Seele der Leser berührt. Sie streichelt und zum Tanzen durch Julias Worte verführt. Worte, die lehren, anecken, wach rütteln, zurechtrücken, fordern, trösten, fördern, lieben, verstehen, überzeugen, Fragen aufwerfen, Antworten geben, an die Hand nehmen – und die sagen: Du bist okay so, wie du bist. Mehr als das, du bist wunderbar.

»Aber immer, wenn du bei mir bist, hör ich auf, dich zu vermissen.«

(©Julia Engelmann)

Ich wollte nur mal kurz reinlesen, als das schmucke Büchlein bei mir ankam. Zwei Stunden später hatte ich es durch und damit auch eine Achterbahn an Gefühlen. Ich habe geweint, vor allem bei dem Gedicht an ihre Mutter, weil es mich meiner, die ich so sehr vermisse, wieder ein ganzes Stück nähergebracht hat. Ich habe gelacht, aber vor allem geliebt. Und am Ende fühlte es sich wie ein Wiedersehen und Nachhausekommen an. Ich bin sicher, dieses Buch wird mir noch oft das ein oder andere Stündchen versüßen.

Julia Engelmann dichtet so bildgewaltig, so emotionsgeladen – wie ein Sommersturm, der dich aufrüttelt und am Ende mit einem warmen Sommerregen samt vereinzelten Sonnenstrahlen und dem Regenbogen des Lebens versöhnt. Ihre Werke – ich liebe sie bisher alle – sind nicht nur Werke, sie sind der Inbegriff des Seins, des Lebens, des Lesens. Ein Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt, und doch ist genau ihr das gelungen.

»Und auch wenn ich mal nicht da bin, und auch wenn nicht alles einfach ist, sollst du einfach wissen, dass du immer meine Heimat bist.«

(©Julia Engelmann)

Sie sprühen vor Tiefe, Gehalt und bedingungsloser Liebe, spielen in diesem Fall mit dem Titel des Buches selbst und zeigen doch genau das: Das Werk ist die große Liebe ans Leben, ans eigene Ich – mit all seinen Hochs und Tiefs, Hürden und Talfahrten. Ihr merkt, ich wiederhole mich, aber es ist einfach so wahr!

Übrigens, der Humor bleibt dabei nicht auf der Strecke, ernste Themen werden mit Leichtigkeit gefüllt. Vermeintlich Leichtes bekommt durchdringende Tiefe und Ernsthaftigkeit verliehen.

»Keine Ahnung, ob das Liebe ist« ist für mich eine Reise durchs Leben samt 'Sich-verlieren' und einer Prise Selbstfindung. Ist wie ein Spiegel, der mir alle Seiten dessen zeigt, was ich so oft nicht sehen kann. Ich denke, der Text holt jeden irgendwo und auf seine ganz eigene Weise ab.

Julia Engelmann lässt einem das Herz gesunden und die Welt mit offeneren Augen sehen. Sie regt zum Nachdenken an, wühlt auf und glättet Wogen. Ich habe mich wiederverliebt in die Tiefe und Bewegkraft ihrer Worte.

Von mir eine klare Leseempfehlung. Das perfekte Geschenk, der perfekte Reminder, sich selbst zu lieben. Einfach das Buch für die kleinen Momente dazwischen und das Hier und Jetzt.

Eure Jil Aimée

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13 - Das erste Buch der Zeit - Die Zukunft ist jetzt

Rose Snow
E-Buch Text: 285 Seiten
Erschienen bei null, 15.06.2018
ISBN B07DS6H6BT
Genre: Sonstiges

Rezension:

Bevor ich diese Besprechung starte, muss ich einfach gestehen: Ich bin ein großer Rose Snow-Leser und liebe ihre Geschichten immer. Bisher hat mich das Autorenduo noch nie enttäuscht. Vor allem ihre Zahlen-Reihen haben es mir angetan und da die 13 persönlich eine meiner beiden Lieblingszahlen (neben der 11) ist, war ich schon ganz gespannt, was sich hinter dieser tollen Reihe verbirgt. Als mir dann auch noch klar wurde, dass es sich dabei um Geschichten handelt, die die Zeit dehnen und mit ihr spielen, war meine Lust bis ins Grenzenlose geweckt, die Erwartungen somit sehr hoch. Haben es die Mädels um Rose Snow geschafft, mich auch dieses Mal wieder zu begeistern?

Die kurze und simple Antwort: Ja, und wie!

Die etwas längere Version folgt nun:

Im ‚ersten Buch der Zeit‘ starten wir eher traurig. Die Geschwister Alexa und Lizzy müssen den Tod eines engen Familienmitglieds verwinden, übrigens nicht das erste Mal für die beiden, und werden aus ihrer Heimat gerissen, um bei ihrem mürrischen Patenonkel zu leben. Dieser wirkt durchweg durch Band eins unnahbar, eigenbrötlerisch und auch ein bisschen spooky und macht es den beiden Mädchen somit nicht leicht, in ihrer neuen ‚Heimat‘ Fuß zu fassen. Auch wenn ich eine Lanze für ihn brechen muss: Ich glaube ja, er hat ein gutes Herz und sich nur eine starke Schutzmauer errichtet, die vielleicht durch die Zeitgabe bröckeln wird. Aber Stopp: wir wollen ja nicht spekulieren. Zurück zu den Mädels, die ins verschlafene Kirchbruch mit seinen skurrilen Bewohnern verfrachtet wurden. Als wäre ein Umzug zu einem quasi Fremden nicht schon schlimm genug, wird zumindest eine der beiden Schwestern mit einem merkwürdigen und seltenen Geschehen (oder einer Gabe?) konfrontiert, was sich mit der Dauer des Aufenthaltes im Ort des Patenonkels zunehmend wiederholt und sie an ihrem Verstand zweifeln lässt. Immer wieder tauchen bläuliche Lichtpunkte, Lichtblitze vor ihr auf, die nur sie zu sehen scheint. Sie entladen sich aus ihrem Körper und scheinen die Zeit für einen Moment einzufrieren. Niemand bemerkt es, nur Lizzy, die sogar einer Astralprojektion gleich in diesen Augenblicken ihr eigenes physisches Sein verlässt und multiple Möglichkeiten der nahen Zukunft sehen kann. Dann begegnet sie auch noch gleich zwei jungen attraktiven Herren, die ihre Welt auf den Kopf stellen. Einer fordert sie und treibt sie nicht nur einmal mit seinem Gehabe zur Weißglut, während der andere oftmals wie der Retter in der Not erscheint und genau im richtigen Moment auftaucht.

·         Doch für wen soll sie sie entscheiden? Den Mysteriösen oder den offensichtlich Netten?

·         Was bedeutet ihr Gabe, die Zeit anzuhalten und die Zukunft zu sehen oder zumindest einige Versionen davon?

·         Wird sie aktiv eingreifen und das Leben vieler verändern oder nur stumm zusehen können?

·         Und warum tauchen ständig immer diese blauen Lichtblitze auf?

·         Was bedeuten sie, und warum verfärben sie sich bei einer ganz bestimmten Person ins Violette?

·         Was hat bei dem Ganzen die Zahl 13 zu bedeuten und was ist mit den Geheimen Zwölf, die im Buch Erwähnung finden?

·         Hat all das etwas mit dem Ort zu tun, an den die beiden Schwestern geschickt wurden? Ein Ort, der langweiliger nicht sein könnte und dennoch seine eigenen Geheimnisse birgt? Warum sonst sollten ihn so viele Menschen schlagartig verlassen wollen?

Lasst euch fesseln vom neuen Romantasy-Auftakt aus Rose Snows Feder und geht gemeinsam mit Lizzy (und ihrer Schwester) auf Ergründungstour. Löst das Rätsel um die Bücher der Zeit und findet heraus, ob ihr Euch am Ende richtig entscheiden würdet.

Mir hat die Geschichte um Lizzy und das Rätsel der Zeit, wie ich es nenne, sehr gefallen. Es war spannend, energiegeladen und voller Charme und Wortwitz. Seien es die etwas anderen Bewohner des kleinen Städtchens selbst, die Lizzy mit ihrer unaufdringlich aufdringlichen Art stets fordern und jedes noch so politische Mächtespiel der heutigen Zeit bedienen. Oder Lizzy selbst, die sich nichts gefallen lässt und auf Erkundungstour geht.

Ich bin neugierig, wie es weitergeht und was es wirklich mit den beiden männlichen Charakteren Rouven und Tristan auf sich hat, denen Lizzy mehr und mehr begegnet. Vor allem aber mochte ich es, dass man sich so gut in die Charaktere einfühlen und die Geschichte quasi durch ihre Augen erleben konnte. Lizzy ist aufgeweckt, wissbegierig und klug, was sie für mich zu einem starken Charakter macht. Sie lässt sich nicht unterkriegen und widersetzt sich den Dingen, die ihr nicht passen. Sie macht den Mund auf und ist doch auch höflich, aber auf eine direkte Art. Sie ist für mich der Charakter schlechthin, um mich auf ein solches Leseabenteuer einzulassen. Aber auch die anderen Charaktere wirken für mich greifbar, sympathisch und jeder mit seinem eigenen Geheimnis versehen, was die Geschichte für mich zu einem Pageturner macht, da man unbedingt alles um das kleine Örtchen Kirchbruch und seine Bewohner ergründen will.

Der Schreibstil selbst trägt die Geschichte neben den gut ausgestalteten Charakteren durch seine Leichtigkeit und bildhafte, aber nicht zu überladene Sprache. Die Seiten fliegen nur so dahin und man vergisst die Zeit, will gar nicht, dass es endet. Es entsteht eine gewisse Sogwirkung, dem Fluss der Zeit gleich, die einen den nächsten Teil herbeisehnen lässt. Zumindest erging es mir so. Kommen wir zur Idee der Geschichte, die ich sehr originell finde. Wer hat sich nicht schon mal Gedanken darüber gemacht, welche Möglichkeiten die Zukunft bietet und wie diese aufgrund der kleinsten Kleinigkeiten variieren und alles verändern können. In Band eins wird das ganze Mystische um die Zeit noch eher langsam thematisiert, sodass man beim Lesen nicht überfordert wird, sondern es Stück für Stück mit der Protagonistin entdeckt. Samt aller damit zusammenhängenden Sorgen und Zweifel, was es für mich trotz des Genres irgendwie sehr realistisch gemacht hat. Das ist super, weil es die Geschichte auf eine andere Ebene hebt und sie zugleich dennoch in unsere Welt bettet. Weiter so.

Was das blaue Cover angeht, bin ich ein großer Fan. Webt es mit der Ziffer 13 und der Uhr im Hintergrund doch schon ein perfektes Kleid für die Geschichte. Zudem schafft es einen enormen Wiedererkennungsfaktor und Rahmen zu den anderen Zahlenreihen der Autorinnen und fügt sich somit gut in ihr Romantasy-Schema ein. Ich bin gespannt auf die Cover der weiteren Titel. Was mir bei diesem besonders gefällt, sind die kleinen Lichtpunkte, die sich um die Zahl 13 tummeln, denn sie haben in der Geschichte selbst auch eine wichtige Bedeutung beziehungsweise Funktion.

Abschließend kann ich nur sagen: Ein geheimnisvolle Lesevergnügen, das sexy und lustig zugleich daherkommt. Unterhaltsam, romantisch und ansteckend. Wenn Ihr Geheimnisse liebt, solltet ihr es lesen. Und auch sonst. Die Zeichen der Zeit stehen auf Veränderung, verpasst es nicht.

 

Eure Jil Aimée

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Scherben der Dunkelheit

Gesa Schwartz
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei cbj, 25.09.2017
ISBN 9783570164853
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zum Inhalt des Buches werde ich nicht viel verlieren. Der Klappentext gibt wirklich hierzu schon einen auf den Punkt gebrachten Input, den man nicht steigern kann. Es ist einfach zu wichtig – wirklich unglaublich komplex, vielschichtig und abenteuerlich –, den Kosmos des Buches in seiner Gänze für sich selbst zu entdecken. Vielmehr möchte ich mich hier auf das Gefühl konzentrieren, welches dieses Buch in mir ausgelöst hat. Denn letzten Endes ist es doch genau das, was wir uns von wirklich guten Geschichten erhoffen: dass sie etwas in uns anrühren und uns am Ende anders zurücklassen, als wir zu Beginn der Geschichte waren. Dieses Gefühl: Es ist für mich bedingungslose Liebe und das Spüren von Magie. Einer Magie, die alles umgibt, uns bis in die kleinste Zelle durchdringt. Eine Magie, die die Autorin mit ihren Worten zum Leben erweckt. Eine Magie, die sogar ein halbes Jahr nach dem Lesen noch derart stark in mir nachwirkt, dass die Bilder des Buches in mir so präsent sind, als würde ich sie gerade erst entdecken. It’s a first for me too. Ich hatte es noch nie, dass eine Geschichte so lange in mir nachgeklungen und mich bewegt hat. Die Autorin wählt dabei einen Stil und Ton, der mitten ins Herz geht und das Sein durchdringt. Sie verwendet neue, andere, frische Bilder und zeichnet sie so für mich als absolutes schriftstellerisches Ausnahmetalent aus.

„Jetzt trug es seinen Part zur Symphonie der Stille bei.“

Es ist ein Talent, das man mit Ruhe und Zeit lesen und genießen sollte, damit einem nichts entgeht, denn alles – wirklich alles! – ist von Bedeutung. Die detailreiche, aus der Sicht der 16-jährigen Prota erzählte Geschichte ist ein Einteiler. Ein Einteiler, der sich um die absolut zauberhaft gezeichneten Protagonisten Anouk und Rhasgar webt und eine leicht düstere Stimmung hat. Diese wird auch perfekt durch das dunkle Cover vermittelt, das mit der geheimnisvollen Frau darauf schon eine Andeutung in Richtung Circus, dunkle Macht und Mystik liefert. Diese Stimmung wird von Beginn an aufgegriffen und sie zieht sich mit einer sehnsuchtsvollen Schwere durch das gesamte Buch. Aber es wirkt nie erdrückend. Selbst in den aussichtslosesten Lagen, in denen sich unsere beiden mit sehr viel Substanz versehenen Protas hin und wieder befinden, in den Wendungen, die sie durchleben müssen, erschlägt einen diese Schwere nicht. Vielmehr rahmt sie das Geschehen in ein perfektes Kleid und gibt uns, so widersprüchlich das auch klingen mag, stets ein positives Grundgefühl, das von Mut, Stärke und Zuversicht geprägt ist. Ein Gefühl, das uns in Bezug auf den Gänsehaut vermittelnden Titel – Scherben der Dunkelheit – zeigt, dass eine zersplitterte Seele doch wieder gesunden kann. Aber auch, dass es nicht leicht ist.

„[…] ein Traum, der nie vollkommener gewesen war als kurz vor dem Zerbrechen.“

Und genau mit dieser Seelenzersplitterung sehen sich fast sämtliche Charaktere der Geschichte konfrontiert. Ob ihre Wunden verheilen, bleibt abzuwarten. Sie arbeiten – gewollt oder ungewollt – im Dark Circus, der sich an ihrer Lebensenergie, an ihren Farben bereichert. Bis zum vollkommenen Einnehmen des Seins. Es ist ein Buch, das uns die dunklen Seiten menschlicher Existenz abstrahiert offenbart und gerade deshalb beleuchtet, das Gute ist da, die Hoffnung lebt, so klein sie auch ist, sie keimt und wächst zu etwas Mächtigem heran. Ich habe schon die Schwere der Stimmung erwähnt. Und trotz ihrer allseitigen Gegenwart, webt die Autorin gekonnt noch weitere Stimmungsgeflechte mit ein. Von knisternd magisch, melancholisch-berührend bis zu schaurig-spannend und hinreißend-liebevoll. Dabei spricht sie zum Leser in einem poetischen und klangvollen Schreibstil, der mit dem Zauber der Worte und Wünsche und der Gewichtigkeit menschlicher Fantasie arbeitet.

‚Scherben der Dunkelheit‘ ist für mich sprach-, bild- und emotionsgewaltig. Ich habe mit Anouk mitgefiebert, gelitten, ihren Schmerz und Verlust wie eine kalte Klaue um mein Herz gefühlt. Habe ihre Liebe in mich aufgesogen, ihre Farben haben mich zum Strahlen gebracht, ihr Mut hat auch mir Mut gegeben. Ich habe gezittert, mich gefürchtet, geweint, mich mit der Vergangenheit versöhnt und die wärmste Liebe, die ich je zwischen Protagonisten gelesen habe, verspürt. Für mich ist dieser Roman ein Epos voll geheimer Rätsel und Hintergründe, die es mit den Protagonisten zu entschlüsseln gilt. Wie ein Puzzle der eigenen tiefsten Abgründe und ein Spiegel, der unser Innerstes – ganz gleich wie hässlich oder schön – nach außen kehrt und uns vorhält, wer wir sind, was wir waren und wer wir sein wollen und können. Es ist ein Buch über die Mannigfaltigkeit an Möglichkeiten und doch auch über die Grenzen der eigenen Wahrnehmung, über lähmende Angst und einen alles sprengenden Mut. Dieses Buch tut einfach gut.

„[…] lange genug jedenfalls, um die Scherben auf dem Boden auszubreiten wie eine Decke aus Schnee über tiefe Wunden.“

Die Scherben (unseres Selbst?) ergeben ein Ganzes, das wiederum verzerrt bleibt, bis es wahrlich geheilt werden kann.

·         Doch kann es das je?

·         Wandelt uns das Spiel mit der Macht, der Kampf gegen diese nicht selbst in den Antagonisten, dem wir zu entkommen versuchen?

·         Kann Liebe am Ende tief in der Seele Zerstörtes wieder heilen?

·         Können verlorene Farben in einer ungewissen Zukunft leuchten?
à Findet es zusammen mit Anouk heraus.

Ich hoffe sehr, dieses Buch gefällt euch genauso stark wie mir. Für mich ist es eine absolute Buchliebe. Allein folgendes Zitat drückt für mich schon den Kern und das Wunderschöne des Buches aus: die Macht der Liebe und der Liebe zur Freiheit:

„Es gibt keine Angst, die dieser Sehnsucht standhält.“

Jedes Mal, wenn ich es lese, bekomme ich Gänsehautfeeling und die absolute Leselust auf einen Re-read. Dieses Buch ist einfach unglaublich. Unglaublich magisch, gefühlvoll, perfekt!

Eure Jil Aimée

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Tags: cbt verlag, gesa schwartz, rezensionsexemplare, scherben der dunkelheit   (4)
 

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Save Me

Mona Kasten , Milena Karas , Michael-Che Koch
Audio CD
Erschienen bei Lübbe Audio , 23.02.2018
ISBN 9783785755952
Genre: Romane

Rezension:

‚Save me‘ ist mein erster Mona Kasten und ich war schon sehr neugierig auf die Geschichte sowie Monas Art, diese zu erzählen. Aufgrund einer schwierigeren privaten Zeit, kam ich kaum zum Lesen. Daher bot sich mir mit dem Hörbuch die perfekte Chance, dennoch Ablenkung vom Alltag zu finden und mich von einer schönen und doch erwachseneren Liebesgeschichte (als erwartet) packen zu lassen.

Zum Inhalt nur ganz kurz, da ich nicht spoilern möchte:

„Ein College, ein hübscher heimlicher Collegeanführer, der den Glam und Partys zu lieben scheint, ein Mädchen, dessen Name glänzt, aber das selbst einfach nur nicht auffallen will. Gegensätze, zwei fremde Welten prallen aufeinander und rütteln an den Grundfesten ... Bis sie etwas verbindet, das über einen Flirt hinaus geht. Ein Geheimnis? Die Liebe? Macht?“

In ‚Save Me‘ begegnen wir Ruby und James, die immer wieder aufeinandertreffen, obwohl sie aus unterschiedlichen Welten (Gesellschaftsebenen) stammen. Hier trifft das Klischee ‚wohlhabend trifft auf etwas weniger wohlhabend oder gar arm‘ zunächst voll zu, was aber gar nicht schlimm ist. Bietet es doch viel Ausgestaltungspotenzial, was die Autorin für mich auch ganz gut ausgeschöpft hat. Zurück zu den Protas: Sie besuchen zwar dasselbe College, sind aber grundverschiedenen. Ruby ist fleißig, wahnsinnig klug und eher still, bleibt gerne unter dem Radar, wohingegen James als vermeintlicher Bad Boy ein regelrechter schillernder Aufmerksamkeitsmagnet ist, der nichts anbrennen lässt. Sie rasseln unverhofft immer wieder aneinander, als Ruby unfreiwillig Zeuge einer prekären Szene wird, die lieber unter dem Schirm der Öffentlichkeit bleibt. Das Beobachten nicht für sie bestimmter Augenblicke scheint irgendwie ihr Ding zu sein, denn eine solche Situation bietet sich im Roman nicht nur einmal. Mit der Zeit entwickelt sich gezwungenermaßen zwischen den beiden eine Nähe, die sie verletzlich macht. Sie reiben sich aneinander, fordern sich, verletzen sich auch und doch können sie nicht ohne einander. Sie entdecken einander – das überraschend detailreich für einen New Adult –, verlieren sich aber auch immer wieder. Zumindest erscheint es für mich so. Es herrscht viel Konfliktpotenzial zwischen den beiden, aber vor allem lernen sie zusammen, was Liebe, Loyalität, Vertrauen und Mut wirklich bedeuten. Aber auch Schmerz, Abschied und Verrat. Das hat mir sehr gut gefallen. Natürlich gibt es zwischendrin die ein oder andere Hürde und ob sie sich am Ende wirklich dauerhaft bekommen, sei mal dahingestellt. Es gibt einen zweiten Band und dementsprechend einen guten Aufhänger, der emotional aufrüttelnd wirkt. Leider, leider bleibt die Geschichte an vielen Stellen aber für mich zu vorhersehbar, zu wenig tief greifend, was gewisse angedeutete Themenfelder angeht, und hat somit noch viel Luft nach oben. Aber das kann ja in Teil zwei kommen, nicht wahr? Dafür kommt sie stellenweise mit Wortwitz, Charme und etwas Glamour daher, was dem Genre sehr zuträglich ist.

Kommen wir zu den Charakteren – hier blende ich aus Spoilergründen gewisse Aspekte aus und konzentriere mich nur auf das Gefühl, das sie bei mir beim Hören hinterlassen haben:

An manchen Stellen ist mir Ruby nicht stark genug, dafür aber viel zu dramatisch, was einfach anstrengend ist. Klar darf und soll sie ihre Schwächen haben. Aber ein wirklich packendes Buch wird für mich von einem starken Protagonisten getragen, der eben nicht in die typischen Klischees verfällt, was seine Reaktionen angeht. Sie schluckt mir hier an einigen Stellen einfach zu viel, wehrt sich zu wenig, poltert dafür an anderen für mich nicht ganz passenden unverhofft los. Das war etwas schade. Aber wir befinden uns ja beim ersten Teil der Reihe, da gibt es sicher noch Steigerungspotenzial. Vielleicht ist das Heranwachsen in die eigene starke Person extra so langsam von der Autorin gewählt? Ich lasse mich gerne überraschen. James hingegen überzeugt mich durch und durch, weil er ungeahnt anders ist, sich mit der Zeit traut, gegen seine Clique zu schwimmen, charakterlich wächst und dabei ein starker Mann voller Gefühle bleibt, den man zunächst nicht vermutet, da er in zu vielen Schubladen steckt. Es lohnt sich hier wirklich, zu graben und ihn zu entschlüsseln. Er ist mehr, als man am Anfang denkt. Das hat mir sehr gefallen. Er entwickelt sich in diesem Teil enorm, zumindest hat es für mich den Anschein. Ebenfalls für mich war er aber tief in seinem Inneren schon immer der an sich gute Kerl, der er eigentlich sein kann. Hat sich also nicht wirklich für das Mädchen geändert, zeigt es nur eben erst mit der vielleicht richtigen Person. Das natürlich aber nur auszugsweise, um die Spannung nicht zu nehmen. Wir durchlaufen hier einen Prozess, ein gewisses Heranwachsen und Herantrauen an das eigene Ich, mit allen Höhen und Tiefen.

Was mir an der Geschichte gefehlt hat, wird für mich durch die Gestaltung des Hörbuchs wieder rausgerissen: Die Sprecher sind passend gewählt. Stimmlich konnte ich mich sowohl hervorragend in Ruby als auch in den männlichen Part von Jay (James) einfühlen. Sie klingen jugendlich, authentisch und untermalen das Bild der Protagonisten, das ich mir im Kopf gezeichnet habe, auf klang- und stimmungsvolle Art und Weise. Sie geben den Charakteren fonisch Ecken und Kanten, tragen die von der Autorin kreierten Emotionen direkt in mein Hörerherz. Seien es die hoch gefühlvollen traurigen, schmerzhaften Szenen oder die prickelnde Erotik und aufkeimende Liebe. Sei es Verrat oder Vergebung, Freundschaft oder Intrige. Für mich ist alles dabei, und es wird von den Sprechern auf hervorragende Art und Weise auch übertragen. Der Geschichte zu lauschen, war an keiner Stelle nervig. Sie wirkte auf mich kurzweilig, fesselnd und energiegeladen, selbst wenn der Inhalt an einigen Stellen für mich noch nicht ganz überzeugend war. Das Gesprochene klingt einfach zu jeder Zeit flüssig, packend und mitreißend. Es kommt keine Langeweile auf und auch keine bruchhaften Stellen.

Was Cover und Titel angeht, bin ich leider, leider kein Fan. Aber das ist ja immer Geschmacksache. Der Titel selbst lässt einen mit seiner Botschaft an viel bekannte Reihen denken, die direkt vermitteln: (Braves) Mädchen rettet (mit ihrer Art und Liebe bösen) Jungen. Für mich retten sie sich aber beide immer wieder und ebenso oft verlieren sie sich auch zwischendrin. Das ist es, was das Buch für mich so vielschichtig und doch reizvoll macht. Da ist mir der Titel in seiner Kürze einfach zu einfach, zu gewollt. Aber genau das funktioniert eben gut, denke ich. Nur mich trifft es nicht.

Das Cover selbst fügt sich gut in die nachfolgende Reihe ein, ist schlicht und doch auffallend gestaltet, trifft eben nur nicht meinen persönlichen Geschmack.

Alles in allem bleibe ich gespannt auf Band zwei zurück und hoffe auf eine vielschichtige Erzählweise mit gereiften Charakteren, die mitten ins Herz gehen. Es wird nicht mein letzter Mona Kasten gewesen sein. Die vorliegende Besprechung mag sich an einigen Stellen negativ anhören, dennoch möchte ich betonen: Ich habe das Hören und die Geschichte sehr genossen und war gerade vom leichteren, jüngeren Stil sehr angetan. ‚Save me‘ ist für mich das Lösen der eigenen Vergangenheit und ein Blick in die Zukunft, wie süß oder bitter diese auch sein mag.

Ich bin sehr gespannt, was noch kommt.

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Tags: mona kasten, save me   (2)
 

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Die ferne Hoffnung

Ellin Carsta
Flexibler Einband: 362 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 20.02.2018
ISBN 9781542047883
Genre: Historische Romane

Rezension:

‚Die ferne Hoffnung‘ ist eine Geschichte über einen plötzlichen Abschied in einer Hamburger Kaufmannsfamilie um 1888, der mit ein wenig Retrospektive vielleicht gar nicht so unerwartet ist. Dennoch ist er nicht weniger heftig. Denn er erfordert von der betroffenen Familie viel Geschick, Taktgefühl und das rasche Entwickeln neuer Geschäftsstrategien, um den wirtschaftlichen Fortbestand der Familiendynastie zu sichern. Sie vor dem Ruin zu bewahren, ob finanziell oder was die Beziehungen untereinander angeht. Es ist aber auch und vor allem eine Geschichte über die Zukunft einer Familie und deren Schicksale, über das Bewahren und gleichzeitig Aufbrechen von Traditionen, um auch einen Weg in die Moderne und ihre Herausforderungen zu finden. Manchmal über ganz ungeahnte Wege. Es ist eine Geschichte darüber, wie sich die gesellschaftliche Stellung wandeln kann, und dass ein vermeintlicher Abstieg vielleicht in Wahrheit ein Aufstieg ist. Ein Finden von wahrem Glück, innerer Zufriedenheit, auch wenn diese vielleicht zuvor ein Brechen aus alten Strukturen und Beziehungen erfordert. ‚Die ferne Hoffnung‘ erzählt aber auch von dem Kampf des Weges dorthin, und dem Verständnis, das es braucht, um eine Familie Familie sein zu lassen. Sie ist somit vielschichtig, so unterschiedlich wie die Mitglieder der Familie Hansen selbst. Es gibt nie nur eine Seite eines Lebens. Wenn dann gleich so viele Leben betroffen sind, sind die Ausformungen mehr als nur mannigfaltig. Ellin Carsta schafft es hier, komplexe Verhältnisse und vielgestaltige Charaktere mit ihren Höhen und Tiefen, ihren Eigenheiten und Stärken, ihren Sehnsüchten und Fehlern miteinander in Einklang zu bringen und ein schönes Leseerlebnis zu gestalten.

Die Geschichte kommt mit einer langsamen, ruhigen Spannung daher, die nicht weniger packend oder tiefschürfend ist als eine laute Story mit viel Tamtam. Die Erzählweise der Autorin wirkt vornehm, nahezu edel und doch einnehmend, gefühlvoll und so bildhaft, so magnetisch, dass man das Buch in einem Rutsch verschlingen muss. Es bietet ein beeindruckendes Lesegefühl, das sowohl vom gestalterischen und flüssigen Stil der Autorin als auch vom gehaltvollen und emotional ereignisreichen Inhalt getragen wird. ‚Die ferne Hoffnung‘ ist dabei ein Titel, der eine ungekannte Sehnsucht weckt – nach Freiheit und Zusammenhalt, dem Finden der eigenen Person und dem Aufgehen in Träumen, dem Loslassen, Wiederfinden und Verbinden. Ein Titel, der so besonders ist, dass er nicht nur unter die Haut geht, sondern tief im Herzen seinen Platz findet und ein kraftvolles Bild der Geschichte zeichnet, welches man nicht mehr vergessen kann noch will. Dazu passt meiner Meinung nach hervorragend das Cover des Romans. Mit dem Blick auf das Schiff zeugt es schon von Abschied und Neubeginn, Loslassen und Finden. In mir selbst rührt es dabei zugleich Heim- und Fernweh an und lässt in meinem Leserherzen einen wunderbaren Tenor erklingen, den die Geschichte selbst später wieder auffängt und weitertreibt.

Ich habe in diesem (historischen) Roman erlebt und auch irgendwie ein Stück der Geschichte aktiv mit gelebt, was stark der packenden Erzählweise der Autorin geschuldet ist. Sie macht dabei neugierig – auf so viele Dinge. Die historischen Aspekte, die sie in die Story einwebt, wie auch in das Fortleben der Charaktere. An wenigen Stellen hätte ich mir vielleicht etwas mehr gewünscht. Gerade was die Betrachtung der unterschiedlichen Sexualität angeht. Dafür hat es mir sehr gefallen, dass trotz der für mich bildhaften Sprache keine Langeweile aufkam, es wurde sich nicht in einer überzogenen Darstellung und Beschreibung der Kulisse verloren – wie es gerade bei Romanen mit einem historischen Setting gerne passiert –, sondern kurz und treffend geschildert.

Erzählt wird in unterschiedlichen Ebenen und Strängen, was die Handlung angeht. Diese wiederum lebt von großen Dialogen. Das hat es sehr vielschichtig und anziehend gemacht. Zudem war es unterhaltsam, die unterschiedlichsten Einblicke zu erhalten. Sei es in direktem Bezug auf die Charaktere und ihr Innenleben sowie das Zwischenmenschliche oder was historische und wirtschaftliche Aspekte wie die deutsche Kolonialzeit und den Kakaohandel angeht. Natürlich weicht an manchen Stellen die Realität dem gestalterischen Freiraum. Aber so soll es ja auch sein, um eine rundum ausgewogene und den Leser mitreißende Geschichte zu erschaffen. Die Protagonisten weisen für mich die perfekte Mischung auf, sie bleiben nicht zu flach, lassen aber auch Entwicklungspotenzial. Sie haben Ecken und Kanten und sind manchmal extrem. Aber gerade das macht so neugierig auf Band zwei. Unterstützt wird diese Neugier durch den grandiosen Cliffhanger zum Schluss des Buches. Man muss unbedingt wissen, wie es weitergeht.

  Vergisst man wirklich nie, was man einst liebte?  Gibt es überhaupt eine gute Zukunft für eine Familie in einer ungewissen Welt?  Zerbrechen die Charaktere an ihren Herausforderungen oder werden sie von dem getragen, was sie im Herzen eint? Halten sie der Herausforderung stand?

Liebe Autorin, ich bin schon sehr gespannt.

Meine absolute Leseempfehlung.

Eure Jil Aimée

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Tags: die ferne hoffnung, ellin carsta, tinte und feder verlag   (3)
 

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Der kleine Prinz wird erwachsen

Andreas Wassner
Fester Einband: 104 Seiten
Erschienen bei Bucher Verlag GmbH, 19.10.2017
ISBN 9783990184318
Genre: Romane

Rezension:

In dieser etwas anderen Fortsetzung zu einem Weltwerk, das seinesgleichen sucht, trifft der kleine Prinz, der inzwischen im Alter eines Heranwachsenden ist, auf einen (seinen) alten Freund. Gemeinsam beobachten sie die Welt, beleuchten vergangenes Erlebtes und wagen einen Blick in die Zukunft und erörtern die Probleme, vor denen diese samt Menschheit steht. Wer der Freund ist, ist schnell klar für alle, die mit dem Herzen sehen. Es ist eine sehr schöne Geste und Hommage, die mich berührt hat. Einem großen Werk gerecht zu werden, es gar fortzuschreiben obliegen immer viele Herausforderungen und kritische Stimmen. Man sollte mit dem Herzen und einem offenen Geist an diese Sache gehen – sowohl als Autor als auch als Leser, dann erkennt man es für das, was es ist: die Liebe zur einstigen Geschichte, verbunden mit dem Weitertragen der ursprünglichen Botschaft in die heutige Zeit. Und dies ist dem Autor in herausragendem Maße gelungen. Zumindest für mich.

Junge Menschen werden an das eigene Nachdenken herangeführt, weg vom Zorn gegenüber allem, was sie nicht verstehen und was sie wiederum nicht versteht. Ihnen wird aufgezeigt, dass es nie einer alleine ist, der richten kann, sondern es ein Zusammenspiel vieler ist, eine Gemeinschaft. Wenn die seltsamen großen Leute eben genau das bleiben: seltsam, dann gibt es stets auch die Möglichkeit für den jungen Geist, den ersten Schritt zu wagen. Das erfordert Mut, keine Frage. Doch niemand ist perfekt geboren, niemand wird je perfekt. Und wir alle haben immer nur das Jetzt. Wenn wir es aus Zorn verpassen, verpassen wir das Leben.

 

»Ich wollte wissen, wie aus euren tollen Kindern so oft seltsame große Leute werden, die dann gar nichts mehr verstehen.« (S. 12)

 

Den Menschen mit seinen Fehlern und Facetten zu akzeptieren und mit dem Herzen zu sehen, das führt jedoch dazu, Missverständnisse zu vermeiden, Reibungspotenzial zu verringern und sich einander besser vertraut zu machen, um vermeintlich brenzlige Situationen in Wohlgefallen zu lösen. Dies ist für mich mit Abstand die stärkste Botschaft des vorliegenden Buches und sie liefert so viel mehr als das. Sie liefert Mut, Kraft und zeigt, dass es auch okay ist, mal nicht okay zu sein. Dass es okay, nicht wie die anderen, sondern einzigartig zu sein.

 

»Andere gibt es doch schon genug!« (S. 33)

 

Dass wir alle das Herz teilen und doch einzigartig bleiben sollten. Das Verständnis und Nachfrage weit mehr bringen als Vorverurteilung und Abwendung. Dabei greift der Autor auf viele brandaktuelle Themen zurück und bringt sie parabelartig in Einklang mit dem Ursprungswerk. Hier sei nur die gesellschaftliche Schere, der Wandel zu nennen als eines von vielen Beispielen. Was früher in Gemeinschaft geschafft wurde, bleibt heutzutage oft einem einzelnen allein überlassen. Daraus folgen natürlich gewisse Mängel, die der Autor durch ein erneutes gemeinschaftliches Agieren wieder schrumpfen sieht, wenn man es denn nur tut: gemeinsam, statt einsam. Auch zeigt er auf, indem er uns sprachlich alte Bekannte wiedertreffen lässt und deren Werdegang in die heutige Zeit zieht, dass es wichtig ist, immer eigenverantwortlich zu handeln, ohne dabei Respekt, Achtung und Freundlichkeit anderen gegenüber zu verlieren. Untermalt werden diese Botschaften mit bildlich wechselnden Szenen und passenden Zeichnungen, die in typischer Kleiner-Prinz-Manier im Herzen bewegen. Der Autor tadelt nicht, belehrt nicht, sondern nimmt an die Hand und bittet darum, folgende Botschaft zu verinnerlichen: Sieh hin, lebe, sei dankbar. Du hast das Jetzt, es zählt! Höre auf deine Träume, sie sind Motor, Motivation, Antriebskraft und entspringen deinem Herzen. Sei respektvoll, sehe mit dem Herzen. Es ist dein Auge für das, was sich hinter dem Offensichtlichen verbirgt und dort geschieht. Wie es uns Antoine einst gelehrt hat, erinnert uns Andreas daran, das Wesentliche tief in uns zu spüren. Und das sind nicht Geld und Besitztümer, sondern Liebe und Freundschaft. Nur dann werden wir auch verstehen, was die Welt wirklich ausmacht.

 

»Doch am liebsten sind mir immer noch die Sonnenuntergänge. Durch sie erreiche ich die Menschen direkt im Herzen.« (S. 29)

 

Die Geschichte ist wirklich schön und bietet noch viel Potenzial, bleibt immer aktuell und regt zum Träumen, Nachdenken und Leben an. Auch das gewählte Kleid mutet dem Kleinen Prinzen (dkP) entsprechend toll an, ist haptisch von guter Qualität und entspricht mit Cover, Bildern und Ton dem, wie ich mir den kleinen Herzensfreund heute vorstellen könnte. Besonders gefallen hat mir die Widmung zu Beginn, da sie selbst schon eine tolle Botschaft bietet. Außerdem war es sicher schwer für den Autor, die damaligen Etappen dkP mit heutigem Bezug zu versehen und mit Weitsicht zu füttern, doch es ist ihm wirklich sehr gut gelungen.

 

»Träume sind die eleganteste Art und Weise, sich auf seine Ziele hinzubewegen.« (S. 74)

 

Alles in allem: Ein kurzweiliges Lesevergnügen voller Botschaften zwischen den Zeilen, die aktueller nicht sein könnten und deren Brisanz immerwährend scheint. Die Sprache ist dabei einfach und verständlich gewählt, sehr an den Ton des ursprünglichen und allseits geliebten Werkes (mein Lieblingswerk!) angelehnt und damit zu einer würdigen Ausweitung dieses geworden. Teilweise bleibt sie ausbaufähig, doch wie der kleine Prinz wächst, so wächst ja auch das geschriebene Wort. Unser erwachsen gewordener Prinz ist für mich ein generationsübergreifender An-die-Hand-Nehmer, der wie ein guter Freund wirkt.

Viel Spaß beim Lesen.

 

Eure Jil Aimée

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das Wörterbuch der bösen Mädchen

Nina Merian
Fester Einband
Erschienen bei Sanssouci, 01.03.2018
ISBN 9783990560648
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mit vorliegendem Werk schafft es die Autorin auf skurrile und beeindruckend ehrliche sowie erbauliche Weise, eine Ansammlung von Sprüchen, Zitaten und Aphorismen zu kreieren – von der Frau für die Frau. Damals wie heute aktuell und immer treffend, pointiert und zum Nachdenken und Stärken anregend.

Es ist ein lesenswertes kleines Büchlein, perfektes Handtaschenformat, sodass man es bei Gefallen immer bei sich führen kann, um mal nachzuschlagen, wenn ein pfiffiger Spruch benötigt wird, oder auch um im Geschriebenen zu verweilen und sich wiederzuerkennen. Es sind Sprüche großer Damen, aus dem Leben gegriffen und charmant in Szene gesetzt. Diesem Buch ist keine Scheu vor der eigenen Meinung und der Macht der Worte zu entnehmen, vielmehr ist es ein Instrument, die eigene Schlagfertigkeit wiederzuentdecken und sich zu wagen, seine Meinung offen kundzutun. Der Titelzusatz böse Mädchen spielt dabei mit gesellschaftlichen Bildern, die uns Frauen nur allzu gerne aufgedrückt werden, sollten wir den Mund aufmachen. Das Buch ist für mich ein Appell an den eigenen Esprit und unser Recht, das zu sagen, was wir fühlen, uns zur Wehr zu setzen.

 

»Die Phantasie des Mannes ist die beste Waffe der Frau.« (~ Sophia Loren)

Dabei steckt es voller Lebensweisheiten, aus Situationen heraus entstanden, die eine jede von uns sicher mal durchlebt hat oder noch durchlebt. Es ist wie ein kleines Päckchen voller Kraft und Spaß zusammen. Nach dem Alphabet geordnet und Lebensabschnitten sowie bewegenden Themen abgebildet. Dabei liefert es eine gnadenlose Sicht auf unsere Wirklichkeit, kleidet sich nicht in eine der Gesellschaft gewünschte Fassade, sondern bleibt scharfzüngig, ironisch, pointiert, teils gar selbstironisch, angriffslustig und treibt zum unbekümmerten Ausspruch des eigenen Ichs an.

Abschließend kann ich sagen, dass ich das Büchlein gerne bei mir führe. Immer wieder mal auf Situationen treffen, in denen ich mich frage: Wie würde Coco Chanel jetzt reagieren, wie könnte ich reagieren? Dann schlage ich nach und lasse mich inspirieren, bilde mir aber meine eigene beredte Antwort.

Das Wörterbuch der bösen Mädchen ist für mich:

Lesenswerte Lebensweisheiten, die bilden, stärken und Freude bereiten –

Das ist dieses Buch für mich, der Titel hält, was er verspricht.

Ob Wortwitz, Angriff oder Gegenwehr, das Büchlein geb’ ich nicht mehr her.

Es schenkt mir Kraft und gibt mir Mut, es zeigt der Welt, ja ich – die Frau – bin gut.

 

Natürlich sind nicht alle Sprüche vollen Ernstes. Es wechseln sich Wortwitz, pfiffige Frauenpower und das ein oder andere Schmankerl zum Schmunzeln ab. Doch genau die Mischung macht es zu einem kurzweiligen Lesevergnügen und anspruchsvollen Rückenstärker – auf elegante, eloquente Weise. Dabei fällt besonders die Gestaltung als perfekter Rahmen ins Auge. Nicht nur ist es, wie schon gesagt, von der Größe her perfekt für unterwegs, sondern auch das Cover spielt in seiner Aufmachung mit Frauenbildern und dem, wer wir wirklich sind: Genau die Person, die wir sein wollen. Im Buch selbst finden sich immer wieder liebevoll gestaltete, die jeweiligen Zitate untermalende Zeichnungen. Rundum gelungen, und ich werde es dem Cover nachtun und beim nächsten Treffen meiner Mädelsrunde werden wir uns an den Worten großer Frauen erfreuen.

Auch Euch viel Spaß beim Schmökern mit dem etwas anderen Wörterbuch, das Euch immer einen schlagfertigen Spruch an die Hand reicht. Warum sollten wir uns als Frau mit weniger als dem Besten unserer selbst zufriedengeben? Eben!

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100 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 59 Rezensionen

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Die Wolkenfischerin

Claudia Winter
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.12.2017
ISBN 9783442485734
Genre: Liebesromane

Rezension:

‚Die Wolkenfischerin‘ ist bereits der dritte Roman, den ich von der Autorin aus dem Goldmann Verlag lese, und auch er begeistert wieder. In der gewohnten Eleganz und gefühlvollen Note, die jeder einzelne Satz ins Leserherzen treibt. Claudia Winters Schreibstil hat klasse, ist flüssig und eloquent, malt wundervolle Bilder und webt packende Gefühle, entführt einen direkt an den Ort des Geschehens und lässt einen reisen – durch die Geschichte, die Schauplätze, das Leben. Sie hat es somit zum wiederholten Mal geschafft, mich am Ende vollkommen zufrieden zurückzulassen. Bisher waren ja die ‚Glücksterne‘ mein Favorit von ihr, doch ich muss sagen, dass diese durch ‚Die Wolkenfischerin‘ um einen Platz nach hinten verschoben worden sind. Claudia Winter ist mit dieser Erzählung schriftstellerisch gewachsen, hat sich an ein zum Teil sehr persönliches Thema (Gehörlosigkeit ist auch in ihrer Familie bekannt) herangetraut und dieses voller Leben und Kraft in die Geschichte gebaut. Davor ziehe ich meinen Hut, denn es kostete mit Sicherheit eine Menge Mut und Tränen, doch es ist ihr gelungen. In jedem Wort spürt man die unendliche Liebe, die sich nicht an äußerlichen und innerlichen Begebenheiten festmacht, sondern die einfach ist. Rein und klar. Ich bin ein Fan ihrer Art, Geschichten zu erzählen – voller Stil, Wortwitz, Esprit und immer passend zum jeweiligen Thema. Claudia Winters Romane sind voller Genuss, Zuneigung und schmiegen sich wie ein lieb gewonnener Freund um die Leserseele.

So natürlich auch in diesem kleinen Schmuckstück, indem wir zu Beginn der jungen Gwen begegnen, die ihren Vater verloren hat und damit vorerst auch, ihren Träumen nachzujagen. Ihre Schwester ist gehörlos, ihre Mutter seit dem Tod des Mannes seltsam kalt und distanziert, wenn es um Gwen geht, welche sich missverstanden und ein Stück weit auch im Stich gelassen fühlt. Vor dem harten Schicksalsschlag war die Familie geprägt von Liebe, Zuneigung und Lebensfreude, jetzt ist sie erfüllt von Einsamkeit, fehlender Hoffnung und der Bitterkeit des Lebens. Die Trauer droht Gwen zu ersticken, nimmt ihr jede Antriebskraft, die sie gerade in den Jahren einer Teenagerin so dringend benötigte. Doch dann entscheidet sich die von Schmerz und Verlust durchsetzte Familie, die etwas schrullige Tante in Paris zu besuchen und mit Gwen wird mit einem Mal alles anders, sie lernt wieder zu leben und ihren Schmerz hinter der Fassade der grand dame zu begraben. Flüchtet vor ihrer Vergangenheit, um sich eine fehlerlose Zukunft aufzubauen. Plötzlich taucht auch noch eine gewisse Claire in Gwens Leben auf und weist ihr den Weg die Träume- und Karriereleiter hinauf. Das Ganze hat nur einen hohen Preis: die Abkehr von Mutter und Schwester, der sie doch ein baldiges Wiedersehen versprochen hatte … ein ›Bald‹, das eine Ewigkeit dauern sollte …

Wenn das Leben neue Chancen verteilt und ein übermächtiger Beamter zum Überbringer dieser wird. Wenn eine gehörlose Schwester, eine sich über die Jahre abschottende Mutter und eine Tante voller Charme, Esprit und Grande Dame-Allüren zum Wegweiser nach Hause werden. Wenn ein Chef, der so ganz anders ist als die vergangenen Jahre zum Anker wird und in der Heimat Gwens unerwartet auftaucht. Wenn eine Gwen sich selbst zu finden versucht. Wenn Fassaden, die wir alle von Zeit zu Zeit auflegen, bröckeln, weil der Blick dahinter uns erst die Wirklichkeit zeigt. Ja, dann ist es Schicksal, ein Schicksal, das uns offenbart und mit viel Mut erkennen lässt, dass Finistère womöglich doch nicht das Ende der Welt ist. Sondern erst der Beginn, man muss sich einfach nur von den bretonischen Wellen tragen lassen. Sie führen einen schon genau dahin, wo das Herz gesunden kann.

 

·         Ob es Gwen so auch ergehen wird?

·         Wird sie es schaffen, zu ihrer Familie und ihren wahren Träumen zurückzufinden?

·         Frisst der Schmerz um den bitteren Verlust sie innerlich auf und macht eine Rückkehr zu Mutter und Schwester unmöglich?

·         Wird es am Ende überhaupt noch eine Familie geben, die sie willkommen heißt?

·         Und was hat es mit dieser Claire auf sich, die später noch zu Gwens Wegweiser in Richtung Wahrheit werden soll?

·         Nicht zu vergessen, ein gewisser Hellwig, der dieser nicht nur das Herz höherschlagen lässt, sondern sie auch dazu zwingt, eine wichtige Entscheidung zu treffen?

·         Was wird es am Ende sein: Wahrheit oder Lüge?

Lest selbst und lasst Euch abwechselnd entführen nach Berlin, Paris und in die Bretagne. Lasst Euch dabei wie die Wolken treiben und nehmt jedes noch so leise Detail auf. Der Herzschlag der Geschichte sitzt in jeder Zeile. Es ist eine Liebesgeschichte: um die unendliche Liebe einer Familie, um Vergebung, Neubeginn und die Erkenntnis, dass ein Zuhause nicht durch Lügen und Abkehr verschwindet, sondern sich immer im Herzen befindet.

»[…] und es war so still dort, während hier sogar die Nacht einen Herzschlag hatte.«

Ein besonderes Merkmal an Winters Romanen, das ich sehr zu schätzen gelernt habe, ist: Die Autorin gibt nicht durch knappe Randbemerkungen ein nur angedeutetes Flair der Kulisse der Geschichte wieder, sondern zeichnet das Bild mit ausgewogener Fülle, mit Charme, mit Authentizität. Die Schauplätze sind gut recherchiert und um die perfekte Note eigener Inspiration ergänzt. Damit lockt sie einen wirklich in die Bretagne. Ich habe mich durch ihre Worte direkt heimisch gefühlt, den Ort/die Gegend ins Herz geschlossen. Ergänzt wird das in Winters Fall immer durch landes-/regionstypische Rezepte, die sich am Ende des Buches finden und in Bezug zur Geschichte stehen. Man bekommt somit wahrlichen Genuss auf das volle Entdecken. Winters Romane sind mehr als bloße, kurzweilige Geschichten. Sie sind ein Gesamtpaket, das ins Herz geht und einen auf vielen Ebenen voller Gaumenfreude und Zufriedenheit erfüllt. Und das darüber hinaus mit einzigartigen Anekdoten und Verweisen geschmückt ist, die für mich persönlich von Bedeutung sind, als würde die Autorin mein Herz kennen. Das ist ein besonderes Talent, für ein großes Publikum zu schreiben und doch jeden Einzelnen auf seine Weise zu erreichen. In meinem Fall war es Folgendes: »Der kleine Prinz«, wie er in der Geschichte erwähnt wird, ist auch eine meiner Lieblingsgeschichten. Zu lesen, dass er auch Einzug in die Herzen anderer findet, war nur ein weiteres von vielen Schmankerln in der Wolkenfischerin.

Darüber hinaus vermag es Claudia Winter, jeden Charakter voller Stärke und Liebe bis ins Detail zu zeichnen, dass man sich einem jeden davon beim Lesen nahe fühlt. So nahe, als begleite man nicht nur Gwen, sondern auch die anderen durch die Bretagne, die Reise des Lebens. Aber vor allem: Als begleite man sie auf ihrem Weg nach Hause. Ja, alle Charaktere sind auf ihre eigene Weise ausnahmslos stark. Winter schreibst einfach mit Tradition, Esprit und einer würzigen Prise Humor (vor allem in den schrulligen und herzallerliebsten Nebencharakteren), die das Ganze abrunden.

»Nun denn, ich finde, der Name Claire Durant klingt wie eine ganz wundervolle Eintrittskarte.«

·         Doch eine Eintrittskarte wohin? Zurück ins echte Leben?

Der Roman ist für mich eine einzigartige Erzählung mit dem perfekten Gespür für das, was uns als Leser in unseren Herzen berührt: große Träume, Liebe, Erfolg, aber auch die Bewältigung tiefer Trauer, das Erlenen von Vertrauen (vor allem in sich selbst), und Vergebung – allein die Mischung daraus ist der Weg in die Zukunft, in eine ehrliche Zukunft. Auf Lügen lässt sich nichts mit dauerhaftem Bestand aufbauen – die Botschaft dieses Buches. Irgendwann fällt das erschaffene Konstrukt zusammen, wie eine Pusteblume im Wind verweht. Die eigene Vergangenheit vergisst einen nie. Man kann niemals vor sich selbst davonlaufen. Etwas, das die Protagonistin in diesem Werk aufs Schärfste selbst erfahren wird.

Kommen wir nun zur äußeren Aufmachung. Es ist eines dieser wenigen Cover, die einen direkt im Herz berühren und an den Ort des Geschehens entführen. Voller Farbe, voller Hoffnung, voller Urlaubsfreude – wie auch die Geschichte selbst. Die Blau-und Rottöne harmonieren gekonnt und in Verbindung mit dem Hafen im Hintergrund und dem Titel des Romans lassen sie einen sich direkt an den Ort der Geschichte träumen, durch die Cafés und kleinen Läden flanieren, nach den großen Wünschen greifen, ja nach Wolken fischen. Für mich wirklich einfach besonders. Ich nahm das Buch in die Hand und wusste sofort, es ist wie nach Hause kommen, an einen Ort, der mir bisher unbekannt war. Ein Ort, der mir nach der Geschichte aber zu einer Heimat des Herzens geworden ist. Darüber hinaus muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass das auf der Rückseite des Buches abgedruckte Autorenfoto farblich perfekt zum restlichen Cover passt, zudem wirkt die Autorin sehr sympathisch. Im Inneren glänzt es auch. Die Schwalben (?) über den Kapiteln, gekonnt ausgewählt und so passend und schön gestaltet, fischen quasi auch im Himmel nach den Wolken.

Abschließend und zusammenfassend:

So viel Liebe zum Detail vermochte die Autorin in die zu Beginn auf zwei Zeitebenen erzählte Geschichte, ja in die Ausgestaltung der malerischen Kulisse zu legen. Zusammen mit den Rezepten am Ende, die zu bretonischem Hochgenuss einladen, und dem frz. Glossar bildet es einfach ein Gesamtschmuckstück. Etwas Besonderes, das die Wolkenfischerin in unsere Herzen malt wie die kleine Schwester Gwens ihre Träume auf der Leinwand verewigt. Und so seine Spuren hinterlässt und nachhallt wie eine liebevolle Erinnerung.
Also, Ihr habt inzwischen gemerkt, dieser Roman ging direkt in mein Herz. Ich kann ihn Euch daher nur wärmstens empfehlen, auch für das kommende Weihnachtsfest, gerade falls Ihr Euch der Kälte des Winters entträumen wollt. ‚Die Wolkenfischerin‘ hat mich daran erinnert, nach meinen eigenen Wolken zu fischen, zu träumen und wahrhaft und aufrichtig zu leben. Danke dafür, und Euch ein frohes Fest.

 

Eure Jil Aimée

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Tags: claudia winter, die wolkenfischerin, goldmann-verlag, rezension   (4)
 

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Der kleine Teeladen zum Glück

Manuela Inusa
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.10.2017
ISBN 9783734105005
Genre: Romane

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Das geflügelte Nilpferd

Victoria Bindrum
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 26.10.2017
ISBN 9783431039986
Genre: Sachbücher

Rezension:

Zunächst zu den harten Fakten. Das vorliegende Buch ist ein psychologischer Ratgeber und damit einmal Neuland für mich. Der Titel, ihr konntet es lesen, klingt lustig und regt direkt zum Nachdenken an. So auch das weiß gehaltene Cover mit dem einzigen Eyecatcher in Lila (Für viele die Farbe der Unzufriedenheit. Ein Hinweis?): das geflügelte Nilpferd. Was hat es damit auf sich, fragt Ihr Euch? Wie kann das ein Sachbuch und ein Ratgeber sein? Verspricht es uns wirklich das Glück oder eine Heilung vom „Glücksstress“? Ihr stellt Euch genau diese Fragen? Sehr gut. Hab ich mir auch. Daher war ich so neugierig auf die Lektüre und kann Euch sagen: Es hat mich überrascht, denn ich habe mich in vielem darin wiedergefunden. Vielleicht geht es Euch ja ähnlich.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert, worin sich der erste mit dem Irrweg des Glücks und der zweite mit Ratschlägen zum Entdecken des Lebens befasst. Das ist zumindest meine Interpretation des Gelesenen. Jedes Kapitel hat dabei einen skurrilen und ebenfalls zum Andenken anregenden Titel, wie man ihm bei einem Sachbuch vielleicht nicht erwartet. Angereichert wird dieser jeweils durch ein passendes Zitat, das Bezug zu den im jeweiligen Kapitel erläuterten Ansichten, Erfahrungen der Autorin und teil wissenschaftlichen Belegen nimmt. Ihr seht, das Werk bietet eine ausgewogene Mischung aus wissenschaftlich erwiesen und selbst erfahren. Und genau das macht es so besonders! Es vermittelt am Ende keinen Zwang, den Ansichten der Autorin zu folgen, sondern lädt dazu ein, die Entscheidung zu treffen, es einfach selbst einmal „ohne das Glück“ zu versuchen.

Nun zu dem persönlichen Teil:

Für mich ist es ein Buch, das hilft, das eigene Erleben zu befragen. Eine Distanz zu dem Erlebten aufzubauen, es (relativ) neutral zu beobachten und sich davon und den daraus resultierenden Gedanken und Gefühlen nicht erdrücken zu lassen. Das Gehirn, der eigene Kopf sind laut – ständig. Es schreit uns danach, dieses und jenes zu tun, weil die Gesellschaft und unser Umfeld das von uns verlangen. Er verlangt, dass wir in bestimmten Situationen so und nicht anders fühlen, obwohl wir uns selbst doch ganz anders sehen. Wenn wir erkennen und akzeptieren, dass diese Gedanken und Gefühle unbestreitbar immer da sind, uns aber nicht in Gänze ausmachen, so nehmen wir ihnen die Macht, uns zu lähmen, was uns den Freiraum ermöglicht, so zu leben und einfach mal zu sein, wie wir es wirklich möchten. Mit der Suche nach dem Glück, das in seiner nicht Haptik Wunschdenken und Irrweg bleibt, verhält es sich ähnlich. Wir werden immer danach suchen, sind in gewisser Weise dazu „programmiert“. Doch wenn wir lernen, zu erkennen, dass es das „Glück“ in dieser Form, dieser alles erfüllenden Zielerreichung und Befriedigung, nicht gibt, leitet es uns auch nicht mehr auf Irrwegen, sondern wir bestimmen wirklich selbst, wohin es gehen soll. Diese Erkenntnis braucht Übung. Und davon schenkt uns die Autorin in ihrem Sach- und Lebensbuch der etwas anderen Art eine Menge. Eine Menge an unkonventionellen und zugleich wertvollen Ideen, Beispielen und Möglichkeiten, wie wir uns von dem Drang nach Glück lösen und einfach nur sein können. Ihr Buch offenbart uns eine Akzeptanz dessen, dass wir als Mensch eine „Problemfabrik“ sind. Wir sind evolutionär darauf trainiert, Probleme lösen zu wollen. Und haben wir bestehende Fragestellungen gelöst, können wir nicht ruhen, sondern schaffen uns neue. So verhält es sich auch mit dem „Glück“, ist es einmal vermeintlich erreicht, stellt sich nach einer bestimmten Dauer ein Gefühl der Nichtzufriedenheit ein, wir ändern unseren Weg und suchen erneut. Ob es uns am Ende wirklich dauerhaft „glücklich“ macht? Wohl kaum. Aber darauf kommt es auch gar nicht an. Es geht viel mehr darum, sich nicht erdrücken zu lassen und dafür seinen eigenen Handlungs- und Gestaltungsspielraum des Lebens zurückzugewinnen bzw. zu entdecken. Viel zu oft verlieren wir uns in vermeintlich glücklich machenden, und doch eher sinnlosen und zeitraubenden Aktivitäten /oder negativen Gefühlen, die uns am Ende doch unzufrieden zurücklassen. Weil wir dann aber schon so viel investiert haben, dass eben der gewählte Weg doch „erfolgreich“ wird, ziehen wir nur selten die „Notbremse“, wechseln stattdessen einfach leicht den Kurs und verlieren uns wieder in einem Strudel aus Nichterfüllung und erdrückenden Gefühlen. Das heißt jetzt nicht, dass man sich von seinen Gefühlen und Gedanken komplett lösen und nur noch nach den Sonnenseiten des Lebens leben soll. Blödsinn, es geht vielmehr darum, das Leben als Ganzes zu erkennen, die volle Bandbreite an Gedanken und Gefühlen zu akzeptieren. Negative wie positive (auch ein Label unserer Gesellschaft!). Denn dadurch erfahren wir Erleichterung. Wir müssen nicht nach einem Sinn des Lebens suchen, wir sind selbst der Sinn. Einfach dadurch, dass wir eben sind. Ist das denn nicht genug? Der Fragestellung geht die Autorin in ihrem Werk auf den Grund und die Erkenntnis daraus ist beeindruckend. Lest es, ich bin sicher, am Ende wird es für Euch genau das Richtige sein.

Mir hat das Das geflügelte Nilpferd in einer derzeit hektischen und sehr emotionalen Zeit gezeigt bzw. mich daran erinnert, dass es darum geht, die Lebenszeit (denn manchmal ist sie viel zu kurz) zu genießen. Aber nicht nach den Standards der Gesellschaft, sondern einfach nach meinem Wunsch. Es bringt nichts, Irrungen und Wirrungen und leeren Versprechungen hinterherzujagen, wenn man doch einfach leben kann. Wir leben – jetzt. Jetzt ist aber auch nur ein Punkt in einer endlos weiterlaufenden Zeit. Jedes Jetzt bedingt das Gestern und ermöglicht das Morgen. Es ist eine nicht endende Einheit, ein Fluss, der zusammengehört und von dem man nicht abspringen sollte, um etwas hinterherzujagen, das man für ein für sich selbst wertiges Leben nicht braucht. Das Leben, meine Meinung, ist eine series of Nows. Immer nur nach Luftschlössern zu greifen, lässt uns dabei so vieles verpassen. Dessen sollten wir uns bewusst sein, aber eben gleichermaßen das Gestern und Morgen annehmen, denn auch diese gehören in die series of Nows. Ein weiterer Punkt, an den mich die Autorin zu passender Zeit erinnert hat. Ihr merkt, diese „Rezension“ ist sehr persönlich. Das liegt daran, das mich das Buch in einer Zeit erwischt hat, in der es nicht gut aussah und vieles Erdrückendes auf mich niedergeprasselt ist. Eine Zeit, in der mein Gedankenkarussell sich unaufhörlich drehte, ohne mir auch diesen innerlichen Raum der Ruhe, des Distanzierens und Durchatmens zu gönnen. Dabei war dieser gleichermaßen da wie das Laute in mir. Ich habe ihn nur vor lauter lauter nicht gesehen. Die Autorin hat mich mit ihrem Werk daran erinnert, einfach mal einen Schritt zurückzutreten, die Hände von den Augen zu nehmen, alles zuzulassen und zu beobachten. Und das hat so gutgetan. Ihr fragt Euch sicher, was ich hier so schreibe. Und ja, es entspricht nicht der üblichen Besprechung eines Buches, aber es ist eben genau das, was mich in diesem Buch so bewegt hat. Es kam zur rechten Zeit! Dafür ein großes Danke. Es erinnerte mich daran, dass ich selbst die Wahl habe, zu entscheiden, wie ich lebe, was ich zulasse und wonach ich suche. Selbst wenn es das (nichtexistierende!) Glück ist. Es hat mich gelehrt, dass ich ausbrechen kann aus dem erdrückenden Gedanken: „Ich muss das heute noch erledigen!“ Ja, ich entscheide selbst, ich muss mir diese Wahl nur zu gestehen. Und genau dafür gibt die Autorin eine Vielzahl an (für mich!) wunderbaren, teils abstrakten und doch zugleich einfachen Hilfestellungen, Beispielen und Vergleichen zur Hand, damit ich die für mich passende Richtung (nicht das Ziel!) wiederfinden kann. Ich habe zumindest viel davon mitgenommen, das ich versuche, in meinen Tag zu integrieren. Ich werde auf die einzelnen Punkte nicht eingehen, da das den Rahmen sprengt und jeder von uns ja anders ist. Daher noch mal: Lest selbst und findet genau das darin, was Euch hilft. Dennoch nenne ich knapp, was mir am wertvollsten erschien:

·         Jeden Tag eine (für mich) wertvolle Tat: ich versuche mir selbst zu vergegenwärtigen, dass ich mir einen Gefallen pro Tag tue. Nicht mein Mann, ich selbst. Es sind zunächst einmal diese freien Minuten am Abend, die ich künftig ohne Social Media verbringen will (in kleinen Schritten), um den Stress zu reduzieren und wirklich gut einschlafen zu können.

·         Werte Mantra: Welche Werte machen mein Leben für mich wertvoll? Nicht, wie sollen mich andere gerne sehen, sondern wie bin ich wirklich für mich!

·         „Denken ist gleichsam die Atmung des Gehirns.“ (~ Seite 207)

·         Wenn wir das akzeptieren, kann es existieren und uns eine gewisse Distanz zu unseren Gedanken erlauben, uns also nicht mehr einengen und lähmen.

Das sind für mich die TOP 3, die ich aus diesem Buch mitnehme. Ich bin sicher, Ihr findet noch andere. Es geht für mich in diesem Buch nicht darum, zu lernen loszulassen, zu suchen und zu finden. Sondern um die Akzeptanz dessen, was wirklich ist und dass ich einfach bin. Nur dann kann ich auch ändern, was ich wirklich ändern will. Anderes eben nicht.

„[…] Aber wenn wir das in der Aussicht auf das eigene Glück tun, werden wir uns unser ganzes Leben lang als mangelhaft erfahren.“ (~ Seite 105)

·         Und wer will schon dauerhaft mangelhaft sein, richtig? Es ist so viel bedeutsamer, sich voll und ganz vom Leben erfüllen zu lassen, als sich in einer nicht endenden und daher womöglich deprimierenden Suche zu verlieren. Ganz getreu dem Sprichwort: Life happens while you‘re making plans!

Ihr merkt, Das geflügelte Nilpferd hat mich nachhaltig beeindruckt, obwohl es der Autorin darum gar nicht ging. Sie wollte mich ganz sicher nicht glücklich damit machen, und doch hat sie das für eine gewisse Zeit geschafft. Doch ging es nicht darum, dass es das Glück nicht gibt? Ein Widerspruch? Nein, nur die Erkenntnis, dass wir dennoch immer weitersuchen werden nach dem Glück. Aber wenn wir das mit Bewusstsein und Distanz tun, verliert es die Macht über uns. Gleichzeitig vermittelt die Autorin aber auch Folgendes: Wir sprechen dem Glück zu, ein Allheilmittel zu sein. Wiederum knüpfen wir das Glück ans Tun und Denken unseres Selbst, stehen uns genau damit schließlich doch nur selbst im Weg. Wir drücken den modischen Zuständen wie Achtsamkeit, Loslassen und wie sie alle heißen ein Label auf, das auf Dauer nicht erfüllbar ist und sie zu einem weiteren Stressfaktor degradiert. Sie auf einen Punkt in unserem Plan der Dinge, die wir erreichen müssen, um glücklich zu sein, abstufen. Sie also selbst zu zusätzlichen Stressfaktoren zu machen, anstatt sie zwanglos zu leben.

Wir nehmen uns selbst Freiraum, zu handeln. Dabei sollten wir uns diesen doch gönnen. Doch sich von seinen Gedanken und Gefühlen ein Stück zu lösen, um sie wertfrei bzw. ohne Label betrachten zu können, ist nicht einfach. Auch hier hilft die Autorin mit tollen Übungen. Ich bin sicher, für jeden ist etwas dabei. Für mich war es die Landschaft der Gedanken und Gefühle. Ein tolles Canvas, das jedem Gefühl und Gedanken ein Puzzleteil im Bild meines Lebens zuspricht. Mir hilft es dabei, zu erkennen, was sie wirklich sind und ihnen einen Platz zu geben, statt sie zu verdrängen. Es nimmt vielen Dingen den Schrecken und ermöglicht – Ihr ahnt es schon – Handlungsspielraum. Natürlich bekommt bei mir der noch immer bestehende Wunsch nach „Glück“ so auch ein Bild. Es ist eine Wolke. Ich kann sie nicht greifen, sie zieht immer weiter. Mal löst sie sich auf, dann bildet sie sich wieder und wechselt den Kurs. Ich akzeptiere das, lasse sie ihrem Treiben nachgehen, haste ihr aber nicht mehr hinterher. Zumindest versuche ich das, mit einem zwinkernden Auge. Das hat mir in diesem Buch wirklich am meisten geholfen. Dafür ein großes Danke an die Autorin.

Mir hat der Read auf jeden Fall sehr gefallen und mir wahnsinnig viel Klarheit und Einsicht gegeben und Handlungsspielraum geschenkt. Sehr zu empfehlen. Vielleicht ist er ja auch etwas für Euch? In jedem Fall wünsche ich Euch mit diesem kurzen Einblick in meine Psyche einen schönen zweiten Advent.

Eure Jil Aimée

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174 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 78 Rezensionen

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Der Weihnachtswald

Angelika Schwarzhuber
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 18.09.2017
ISBN 9783734101366
Genre: Romane

Rezension:

In ‚Der Weihnachtswald: Ein Wintermärchen‘ begeben wir uns mit der ledigen, toughen frankfurter Anwältin Eva, die mit Weihnachten nicht wirklich viel anfangen kann und es eher als lästige Pflicht denn als besinnliches Beisammensein mit ihren Lieben empfindet, zum alljährlichen Fest zu ihrer Oma Anna Koffler. Anna ist inzwischen sehr alt, gebrechlich, und Eva rechnet damit, dass ihre Großmutter vielleicht nur dieses eine Weihnachtsfest noch erleben wird. Einer der Gründe, warum sie sie auch in diesem Jahr besucht. Selbst wenn es ihr von Jahr zu Jahr immer schwerer fällt, das ganze Drumherum um Weihnachten zu tolerieren. Es ist ihr einfach lästig, viel lieber würde sie sich in ihrer Wohnung in der Stadt einschließen und über die Feiertage arbeiten. Doch sie fühlt sich ihrer Oma gegenüber verpflichtet, und Evas kaltem Anschein zum Trotz auch sehr verbunden. War es doch ihre Großmutter, die sie nach dem frühen Verlust der Eltern liebevoll aufgenommen und großgezogen hat. Außerdem verbindet sie auch viele schöne Erinnerungen mit dem malerischen Anwesen von Anna. Klar, dass sie ihre Oma nicht alleine lässt. Arbeit und Sekretärin lassen sich zum Glück ja mitnehmen. Wenn da nur nicht ihr Jugendfreund wäre, der zusammen mit seiner Mutter auch immer dem Weihnachtsfest im Hause Koffler beiwohnt. Denn leider ist diese enge Freundschaft schon vor Jahren zerbrochen … und Eva allein trägt daran die Schuld. Ihn jedes Jahr wiedersehen zu müssen, reißt alte Wunden auf, die sie doch so mühevoll über die Jahre hinweg gekittet hat. Mit den alten Wunden kommen Erinnerungen, Gefühle. Und wer wird schon gern in seine eigene Vergangenheit geschickt?

Als dann dieses Jahr auch noch ein Waisenmädchen auftaucht, wo Evas Großmutter doch versprochen hatte, dieses Mal kein fremdes Kind einzuladen – denn Eva kann mit Kindern einfach nicht! –, droht aus einem besinnlichen Fest ein erschreckendes Aufwachen zu werden. Wie es der Zufall so will, scheint auch das kleine Mädchen nicht unbedingt ein Fan von Eva zu sein. Als es Reißaus nimmt, und Eva zusammen mit ihrem Jugendfreund auf die Suche geht, werden die drei von einem heftigen Schneesturm überrascht, der sie alle in die Vergangenheit bringt … im wahrsten Sinne des Wortes.

·         Was ist passiert, dass die drei in einer anderen Zeit zu landen scheinen?

·         Wieso gerade mit dem fremden Mädchen zusammen?

·         Gibt es dort eine Aufgabe, die sie nur gemeinsam lösen können?

·         Was hat das Ganze mit Verzeihen zu tun?

·         Und vor allem: Welche Bedeutung hat dabei der Weihnachtswald aus dem Titel, und finden sie wieder in ihre Zeit zurück?

·         Rechtzeitig zum vermeintlich letzten Weihnachtsfest mit Anna?

Lest und lasst Euch bezaubern von einem Weihnachtswunder der etwas anderen Art.

Die Autorin hat einen sehr angenehmen, nicht allzu komplexen Schreibstil, der einen in die Geschichte zieht. Man schreitet quasi selbst über das Anwesen, durchsucht den Weihnachtswald, fühlt den Zauber von Weihnachten und die Magie der Versöhnung, die einem Weihnachtsfest irgendwie immer innewohnt. Ich habe das Buch innerhalb von zwei Abenden gelesen und durchaus genossen. Selbst wenn es anders war, als ich es zunächst erwartet hatte. Doch dazu später mehr.

Die Geschichte um die Familie Koffler ist ein leichter, schöner weihnachtlicher Read – gut, um schon jetzt in Stimmung für die kalte Jahreszeit zu kommen. Es war auch mein Weihnachtsroman-Auftakt in diesem Jahr. Das Buch war für mich persönlich ein Familienrätsel der besonderen Art, dabei etwas überraschend, da ich keinen Roman mit fantastischen und durch die Zeit reisenden Elementen erwartet hatte. Thematisch fügt es sich jedoch ganz gut zum Gedanken eines Weihnachtswunders, an Weihnachten ist ja bekanntlich alles möglich. Es war eine Geschichte voller unerfüllter Träume, die eine zweite Chance bekommen haben. Die die Herzen bewegen und Sinn für Familie wecken. Ja, sogar Familie zusammenführen. Dabei legte die Autorin als Rahmen ein atemberaubendes winterliches Setting an, sodass es sich lohnt, es durch eigenes Lesen zu erfahren. Es kommt eine gute sprachliche Visualisierung durch die gewählten Worte zustande, die winterliche Atmosphäre schafft und hier und da den Zauber von Weihnachten einstreut. Ab und an hatte ich jedoch leider an manchen Stellen das Gefühl, sprachlich etwas zu stolpern und mich in ein paar erzählerischen Dehnungen zu verlieren, die mich etwas im Lesefluss haben holpern lassen. Da hätte ich mir vereinzelt etwas mehr Tempo gewünscht. Das bezieht sich vor allem auf den Hauptteil der Erzählung und die Vergangenheit der Familie Koffler. Gen Ende wiederum ist es genau umgekehrt, da geht es mir dann doch etwas zu abrupt und ich hätte mir da etwas mehr Distanz bzw. Übergang und Ausschweifung gewünscht. Das wurde aber durch die Liebe zum Detail, was die Ausgestaltung gerade des Waisenmädchens angeht, wieder wettgemacht und hat mich mit der Geschichte versöhnt, sodass es alles in allem ein wahrlich angenehmer Lesegenuss und ein schönes Wintermärchen war. Ich gehe diesmal bewusst nicht auf die Hintergründe des Jugendfreundes, der vergangenen Familie Koffler sowie des Waisenmädchens ein, da es der Geschichte einfach zu viel vorwegnehmen würde. Gerade diese Charaktere lohnt es sich, selbst zu erspüren, sind sie doch wunderbar ausgestaltet. Das trifft für mich auf alle zu. Nur Eva bildet da eine kleine Ausnahme, da ich sie persönlich entgegen ihrer Beschreibung als eigentlich toughe und harte Frau anders wahrgenommen habe. Die kalte Anwältin kam bei mir so nicht rüber, viel eher eine verunsicherte erwachsene Frau, die sehr wohl liebt und sich sorgt, sich aber selbst noch finden und vergeben muss. Warum das so ist, solltet ihr beim Lesen selbst entschlüsseln. Ich denke, das war genau so von der Autorin beabsichtigt.

Kommen wir nun zur äußerlichen Gestaltung. Das Cover ist einfach richtig toll und winterlich. Ich hätte mir persönlich nur gewünscht, dass das abgebildete Haus mehr den Beschreibungen innerhalb des Buches entsprechen würde. Auch die Frau darauf braucht es für mich nicht zwingend. Die Farbgestaltung und der Gesamteindruck hingegen sind einfach wunderbar winterlich-weihnachtlich, sodass es einen direkt danach greifen lässt. Der Klappentext hat mich auf Anhieb gelockt und mich die Entschlüsselung eines Familiengeheimnisses vermuten lassen, auch wenn dieses am Ende weniger ein Geheimnis war als eher die Erkenntnis über den Wert von Vergebung (einander und sich selbst!) und die Liebe einer Familie. Allerdings muss ich zugeben, dass ich aufgrund der Buchbeschreibung eine etwas andere Weihnachtsgeschichte erwartet habe. Mir war einfach der Zeitreisefaktor nicht klar. Daher war ich beim Lesen kurz darüber irritiert, dass es sich nicht um eine Geschichte handelte, wie sie tatsächlich zu Weihnachten passieren könnte. Durch die schöne Erzählung wiederum wurde ich aber schnell damit ausgesöhnt, sodass ich trotz meiner Fehlinterpretation des Klappentextes einen vorweihnachtlichen Lesegenuss hatte. Zudem beinhaltet gerade dieser etwas realitätsfernere Aspekt der Geschichte noch ein besonderes Geschenk für die Protagonisten: Auf diese Art der Vergangenheit und ihrer Bewohner näher zu sein, teil an ihrem Leben haben zu können, aktiv und nicht nur in Erzählungen, hatte etwas Einzigartiges an sich. Da sind der Weihnachtszauber und die Magie der Liebe einer Familie direkt übergesprungen. Allerdings hätte ich mir gerade in Bezug auf Eva etwas mehr gewünscht. Vor allem zu den verstorbenen Eltern und Evas am Ende geändertes Verhalten. Letzteres kam mir reichlich spät und dann doch viel zu schnell behandelt. Ich hatte da durchweg eine andere Vermutung gehabt. Aber vll. war es auch genau so von der Autorin beabsichtigt, mit unserer Leservorstellung zu spielen. Einige fantastische Elemente werden ungeklärt gelassen, was mich allerdings nicht gestört hat, sorgt es doch dafür, dass ich mich nach dem Lesen selbst noch mit der Geschichte auseinandersetzte und meiner Fantasie freien Lauf ließ. Ich habe sogar davon geträumt und es war ein schneereicher, schöner Traum.

Besonders haben mir die vielen kleinen weihnachtlichen Besonderheiten gefallen, die einen vermuten lassen, dass die Autorin selbst genau solche Schätze als Kind an Weihnachten geliebt hat: kleine Schmuckstücke wie ein Weihnachtsengel und ein Märchenbuch. Sie hat das so gekonnt mit eingebaut, dass es dennoch irgendwie echt wirkte.

‚Der Weihnachtswald‘ ist für mich ein gelungenes Wintermärchen für besinnliche Abende vor dem Kamin oder mit der gesamten Familie zusammen. Vielleicht nach einem schönen Tag in einer wundervollen Schneelandschaft. Dabei geht er in besonderem Maße auf den Zauber von Weihnachten ein. Der Roman ist wie ein Haus voller Geheimnisse, Zuneigung, Erinnerung und vielleicht auch ein Stückchen Zukunft. Auf jeden Fall regt er zum Träumen und sehnen nach Weihnachten an.

 Eure Jil Aimée

 

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This Love has no End

Tommy Wallach , Henriette Zeltner
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 04.09.2017
ISBN 9783570173961
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Junge begegnet Mädchen, aber Junge spricht nicht. Zumindest nicht auf die konventionelle Art, und hat doch irgendwie viel zu sagen. Mädchen wiederum lebt nicht, zumindest nicht so, wie es die Gesellschaft und auch der Junge von ihr erwarten würden, und dann doch wiederum so viel mehr als viele andere. Zwei Leben prallen aufeinander, zwei Welten werden in ihren Grundfesten aufgerüttelt und am Ende neu zusammengewürfelt. Dabei entsteht eine gewaltige Explosion aus Liebe, Leben, Leidenschaft, Vergeben, Vergessen und Verzweiflung. Und doch auch aus Mut und Neubeginn. Beide lernen, dass es okay ist, auch mal nicht okay zu sein. Und das es vielleicht auch genau das braucht, um wirklich okay zu sein. Parker – der stumme Junge – und Zelda – das perfekt traurige Mädchen mit der alten Seele – stehen dabei für zwei Reisende, die sich innerhalb der Geschichte selbst finden müssen. Beziehungsweise zwei Charaktere, die lernen, den eigenen Weg zu gehen. No matter the cost. Diese Geschichte ist anders. Nicht nur vom Inhalt, vor allem aber auch vom Stil.

Der Kern des Buches spielt in drei Tagen, wenn auch mehr als ein Leben darin stattfinden. Ein Aspekt, der mir durch die allgemeine Komprimierung des Geschehens besonders gefallen hat, war die Tatsache, dass einem die Erzählzeit als solche aber viel länger erscheint.

„Es gibt so etwas wie perfekte Traurigkeit.“

Der Schreibstil ist einfach, und doch zugleich hoch philosophischen Inhalts und geht dabei mitten ins Herz. Rein sprachlich ist das Buch durchaus noch ausbaufähig, weist hier und da einige grammatikalische Schwächen auf. Diese verzeiht man aber gerne, vielleicht sind sie sogar beabsichtigt. In jedem Fall ist er anders. Tagebuchartig. Persönlich. Losgelöst von gesellschaftlichen oder rechtschreiblichen Konventionen. Einfach so, wie ein Junge es wahrscheinlich im echten Leben auch für sich aufschreiben würde – eben mit ein bisschen Fiktion, die dem Leser selbst das Abmessen des Wahrheitsgehalts überlässt. Das macht den Inhalt greifbar, authentisch, fast real, mal abgesehen von dem an manchen Stellen etwas zu Fantastischem – doch wie bereits erwähnt, der Junge erzählt. Fiktion und Realität mischen sich. Sollten sie auch. Vor allem stiftet es aber Verbindung zur Geschichte, gibt einem das Gefühl, sich selbst in ihr zu bewegen. Nachzuempfinden. In diesen recht einfachen Sprachstil streut der Autor aber eine ganze Menge sprachlicher Bilder, lebensechter Gleichungen, die vielleicht nicht aufgehen. Vielleicht auch schon. Die vielleicht mehr als eine Lösung erlauben. Vor allem aber eines für mich als Leser, und das mag jetzt ganz subjektiv sein, darstellen: Die Parabel des Lebens. Des Abschiednehmens.

„[…] weil sie eine fundamentale menschliche Schwäche thematisiert: Wir schauen alle zurück.“

Für mich ist ‚This Love has no End‘ eine einzige Parabel bzw. sogar ein Aneinanderketten vieler einzelner davon. Parabel um Parabel – und jede lehrt sie mich als Leser etwas. Das kann ganz individuell sein, am Ende aber vor allem eines: das Leben. Sie lehrt das Leben. Es als solches zu akzeptieren, es aber nicht einfach nur zu leben, sondern zu gestalten. Mehr zu glauben, als man sieht. Mehr zu fühlen, als man denkt. Denn man hat nur eines, und die Liebe zum Leben sollte nie enden. Endet nie. Überdauert. Für manche länger, für andere kürzer. Jeder hat seine eigene Unendlichkeit, seine eigene Geschichte. Ja, genau das ist dieses Buch für mich. Und der Junge, der nicht sprechen will, es vielleicht zunächst auch nicht kann, ist doch zugleich der größte Geschichtenerzähler seiner Zeit. Einer, der selbst ohne es zu wissen die Kraft der Parabeln lebt und liebt. Er ist ein Geschichtenerzähler der besonderen Art. Er erklärt die Wichtigkeit des Abschiednehmens, Loslassens und doch Weitermachens und schenkt somit einem jeden Leser ein Stückchen Mut und Kraft, in diesem Leben zu bestehen. Lehrt einen, das man nicht für das ultimative Schicksal der anderen verantwortlich ist. Wohl aber für sein eigenes. Man trägt nicht die Schuld an den Entscheidungen und Lebensweisen, der einen umgebenen Menschen. Ein Stück kann man sie vielleicht beeinflussen, begleiten, doch letztlich entscheidet der eigene Wille. Oder zumindest sollte er es. Und das ist doch auch ein Teil des Erwachsenwerdens. Und der Junge – Parker – wird in seiner Geschichte ein Stück weit erwachsen. Es ist eben eine Art ‚Coming-of-Age-Story‘, ein Jugendroman, der weiter geht! Und man sollte sich nicht die Schuld der anderen aufbürden. Das ist es, was der Junge der Geschichte für mich im Verlauf der drei Tage gelernt hat. Vor allem aber haben diese drei Tage ihm Richtung und Heilung gegeben. Eine Perspektive, Liebe und Glück. Und das ist es doch, was wir alle wollen. Am Ende des Tages: glücklich sein. Und dieses Glück ist dehnbar. Ebenso das Leben. Es kommt nicht auf die Länge dessen an, sondern seine Erfüllung. Und ein erfülltes Leben ist doch irgendwie lang, kommt einem zumindest so vor, oder? Der Autor vermag dies herausragend darzustellen. Seine Charaktere sind dabei individuell, manchmal vielleicht auch ein bisschen drüber, und doch irgendwie genau richtig. Ja, pfiffig. So auch der junge Parker, der nicht spricht. Nicht aber, weil er es nicht könnte. Rein körperlich betrachtet. Sondern weil er der Welt mit seiner lauten Stimme nichts zu sagen weiß seit dem grausamen Tod seines Vaters, wohl aber mit seinen Worten. Man braucht kein lautes Organ, um gehört zu werden, denn manchmal hört das Leben den Ruhigen viel mehr zu. Denen, die Geschichten aufschreiben. Dem geschriebenen Wort. Es überdauert länger als ein laut gesagter Satz. Oder die hübsche Zelda, deren Erscheinung jung und doch zugleich zeitlos ist. Deren Charakter einer uralten Seele entspricht, die doch gerade erst den Frühling ihres Lebens erfährt. Aber vielleicht gibt es eben mehr als einen Frühling. Und wiederum vielleicht reicht es irgendwann. Die beiden treffen aufeinander und ändern einander die ganze Welt. Einer will ins Leben zurück, der andere sucht seinen Abschied.

·         Werden sie einander geben können, was sie so dringend suchen?

·         Wird Parker seine Geschichten auch selbst vorlesen können?

·         Und Zelda ihren Frieden finden?

·         Heilt eine neue Liebe beide Seelen und führt sie gemeinsam in die Zukunft?

·         Und wie sieht diese aus?

·         Bedeutet gemeinsam auch wirklich zusammen?

Lest und lasst Euch von Tommy Wallach in seiner Geschichte um das Leben und die Liebe ohne Ende mitreißen.

Die Geschichte konnte mich schließlich trotz sprachlicher Mängel überzeugen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie inhaltlich so bedeutend ist. Aber auch der in mir Gänsehaut auslösende Titel und das romantische Cover sind einfach wunderbar gestaltet. Das dunkle Blau des Einbands mit dem Pärchen lässt eine erste Teenieliebe vermuten, der Titel wiederum viel mehr Gewichtigkeit erahnen. Und beides zusammen wird in der Geschichte gelungen verknüpft.

„Wie hast du es geschafft, dich mitten in deinem eigenen Leben zu verstecken?“

Wer Jugendromane der etwas anderen Art mag, wird diesen hier sicher lieben. Ich kann ihn nur empfehlen, selbst wenn er Düsterkeit und Hoffnung vereint und zunächst irrt und wirrt. Beide Seiten aufzeigt. Trauer und Glück. Willkommenheißen und Abschiednehmen. Für mich ein kleines Schätzchen – mit noch ein Paar Fehlern, aber durchaus großem Potenzial. ‚This Love has no End‘ – und auch wenn das Leben endet, die Liebe (dazu!) sollte es nie. Ein passender Titel für eine bewegende Geschichte übers Abschiednehmen, Aufwachen, Loslassen und Weitermachen. Enjoy!

Eure Jil Aimée

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Tags: cb, rezension, this love has no end   (3)
 

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New York zu verschenken

Anna Pfeffer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei cbj, 28.08.2017
ISBN 9783570173978
Genre: Jugendbuch

Rezension:

New York zu verschenken ist das zweite Buch von Anna Pfeffer, ihr neuer Jugendroman. Darin begegnen wir zum einen Anton – dem supersexy Instagramhottie mit dem vermeintlich großen Ego, der das Leben lebt und liebt, wie es kommt. Und dabei jeden einzelnen Moment genießt. Sorgen kennt er zunächst nicht. Das zumindest denkt man am Anfang, wird aber schnell eines Besseren belehrt. Dann gibt es da noch Liv, sie wirkt unsicher, hält auf sich selbst nicht allzu große Stücke und versteckt sich daher hinter einer perfekten Weltanschauung und dem Zurechtweisen von anderen – ab und an zu deren Leidwesen. Diesen Anschein hat es zunächst. Doch auch hier gilt: der Blick hinter die Fassade lohnt.

Anton wurde von seiner Freundin verlassen, Olivia Lindmann, der er noch immer nachtrauert, auch wenn er es sich nicht eingestehen will. Er wollte ihr eine Reise zum Big Apple schenken, hatte die Tickets schon und dann: Schluss. Auf einmal! Und was nun? Anton wäre nicht Anton, wenn er nicht eine pfiffige Idee hätte. Nämlich: Über Instagram einfach nach einer zweiten Olivia Lindmann suchen, die mit ihm in den Urlaub fliegt. Gesagt, getan. So treffen er und unsere Liv aus dieser Geschichte aufeinander. Zumindest virtuell. Zunächst.

Die beiden schreiben sich über Wochen Nachrichten. Chatten, was das Zeug hält. Lernen sich kennen, öffnen sich einander und wagen den Blick hinter die Fassade. Erzählen von ihren Träumen, schmieden gemeinsame. Bauen vielleicht sogar Gefühle füreinander auf, zeigen sich ihre schönen und auch nicht so schönen Seiten. Es scheint wirkliche Nähe zu entstehen, bis … ja, bis der Tag X – die Abreise – anbricht und mit einem Mal alles anders ist.

·         Was hatte Olivia Lindmann an sich, dass Anton ihr nach so kurzer Zeit eine so große Reise schenken wollte?

·         Und warum ist es so abrupt auseinandergegangen?

·         Kann die neue Liv wirklich mit der alten Flamme mithalten?

·         Warum eigentlich will sie nach New York?

·         Was passiert so Schlimmes, dass am Ende alles anders ist?

·         Und was hat das Zeigen eines Gesichts damit zu tun?

·         Sein Gesicht zu zeigen, erfordert Mut – Werden Liv (und auch Anton) diesen haben?

»If you can make it there, you’ll make it everywhere«, ist ein Zitat, das nicht passender sein könnte. Vor allem für Liv, Anton und New York. Doch gilt es auch für die gemeinsame Reise? Lest, und findest es selbst heraus.

Für mich war diese Geschichte ein kleines Highlight, weil sie so erfrischend anders ist. Nicht nur in ihrer Form. Das ist ja offensichtlich. Doch ich muss sagen, die Idee eines ausschließlichen Chat-Romans finde ich auch klasse. Viel mehr als das hat mich aber die Dynamik der Dialoge und das Eigenleben der Charaktere sowie ihre schwankenden Gefühle begeistert, die sich ungeschönt in jeder geschriebenen Nachricht widergespiegelt haben. Das wirkt authentisch und ist vielleicht genau der Grund, warum man sich auch ohne geteilte Fotos näherkommen kann. Die Geschichte verdeutlicht dabei eines ganz besonders: Jeder hat sein Päckchen zu tragen, egal wie perfekt sein öffentliches Profil auch aussieht. Wir lassen uns nur allzu oft von ersten Eindrücken und falschen Oberflächlichkeiten blenden und verstecken uns dabei selbst nur zu gern hinter dem Schubladendenken.

„Es gibt gute Tage, es gibt schlechte Tage und verdammt viele dazwischen.“

Ich habe es schon gesagt: Dieses Buch ist etwas Besonderes. Angefangen beim poppigen Cover, das den Puls der Zeit trifft und perfekt zu Anna Pfeffers ersten Werk passt – eine Linie und doch wieder neu! Über den lockeren, jugendlichen, absolut humorvollen und doch teilweise tiefgründigen Schreibstil – es ist wirklich lustig und echt geschrieben. So stelle ich mir die heutigen Teenagerjahre vor. Bis hin zur Idee als solche, einen Roman einfach mal als Chat-Verlauf zu schreiben und den Lesern alles Drumherum, die Kulisse zu überlassen. Es ist einfach das Gesamtpaket, das überzeugt. Ich habe diese Geschichte in einem Tag durchgesuchtet. Konnte sie nicht aus der Hand legen. Sie war und ist für mich ein echter Pageturner. Die Nachrichtenform lässt einen nur so durch die Seiten fliegen. Die jugendliche Sprache wirkt aus dem Leben gegriffen. Ich habe mich beim Lesen gefühlt, als wäre ich selbst Liv, die Anton schreibt und seinen Messages entgegenfiebert. Habe die beiden direkt im Kopf gehabt. Es war einfach eine unverkrampfte, für mich sehr realitätsnahe Storyline, die ab der zweiten Hälfte an Tiefgründigkeit auch in den Chatgesprächen gewann. Die Protas kennen sich ab da inzwischen etwas besser und lassen ihre Gespräche weit über anfängliche Oberflächlichkeiten hinausgehen. Öffnen sich teilweise einander. Meine Ahnung, die ich von vornhinein hatte, hat sich übrigens gen Ende bestätigt. Was das ist, sei hier aber nicht verraten. Ihr werdet es nach dem Lesen des Buches selbst wissen.

Sidenote: Besonders gefiel mir natürlich Jilly, die kleine Schwester von Liv, woran mag das bloß liegen 😊?

Dass manche Chatepisoden, so nenn ich es mal, etwas langatmig waren, hat mich nur ab und an gestört, da es doch den realen Charakter solcher Gespräche gut wiedergibt. Da wiederholen sich eben Dinge, das finde ich normal. Einziger kleiner Minuspunkt, aber das ist sicher Geschmackssache, ich hätte mir etwas mehr New York gewünscht. Einfach, weil der Titel einen verleitet, zu glauben, dort passiert auch viel. Gut, etwas Wichtiges, das ich aus Spoilergründen unkommentiert lasse, passiert schon. Aber: vielleicht gibt es ja eine Romanze 2.0 und was geschah danach! Nach New York. Das würde ich mir sehr wünschen.

Alles in allem aber wirkt die Story einfach echt. Ist ein Erlebnis, ohne dass viel an sogenannter Action passiert. Die Geschichte und die Bilder entstehen beim Lesen im Kopf. Und das ist das Wunderbare daran. ‚New York zu verschenken‘ ist ein schneller, frischer Read, der Laune macht. Vor allem: sich Fremdem zu öffnen und auch mal wieder nach NY zu reisen. Er ist erfrischend anders, jung, fesch, frech, kurzweilig und trotzdem tiefgründig. Beim Lesen hat es sich wie ein Lied angefühlt, dem ich gerade lausche. Mein Liebling für den Spätsommer 2017. Vielleicht auch Eurer?

Eure Jil Aimée

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Time School - Auf ewig dein

Eva Völler
Fester Einband
Erschienen bei ONE, 21.07.2017
ISBN 9783846600481
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Lange habe ich dieses Buch ersehnt, war ich doch schon ein großer Liebhaber der Zeitenzauber-Trilogie um Sebastiano und Anna. Ich erinnere mich noch genau, wie ich diese vor Jahren binnen weniger Tage verschlungen habe. Umso schöner, dass es jetzt in neuem Gewand für die beiden weitergeht. In ‚Time School. Band 1‘ begegnen wir alten Gesichtern mit neuer Geschichte. Ein paar Jahre sind inzwischen vergangen, die lieb gewonnenen Protas erwachsen geworden. Wir treffen auf alte Bekannte, erfahren über ihr Schicksal, knüpfen neue Freundschaften und finden in einen frischen Zeitreiseabenteuer-Rahmen. Ich liebe es. Das vorweg. Für eine solche Art an Geschichten bin ich immer zu haben. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Zum Inhalt möchte ich hier gar nicht viel loswerden, die Klappe gibt schon genug Einblick in das neue Zeitreiseabenteuer. Nur so viel sei gesagt:

Anna und Sebastiano lieben sich nach wie vor innig, leidenschaftlich, ja turtelnd. Dennoch sind sie reifer geworden, und mit ihnen ihre Profession: das Zeitreisen. Gemeinsam mit dem Alten José haben sie eine Zeitreiseakademie eröffnet, um ihr Wissen an potenzielle Zeitreisende aus allen Zeiten weiterzugeben und mit ihnen neue Abenteuer und Missionen zu bestreiten. Natürlich immer im Fokus: Der Fortbestand des Hauptzeitstroms. Dabei begegnen sie alten Feinden und neuen Widersachern – in den unterschiedlichsten Formen. Müssen zeitgleich die Herausforderung des Unterrichtens eines so komplexen Vorgangs wie des Zeitreisens – man bedenke nur unterschiedliche Mode, Etikette, Sprachgepflogenheiten usw. – meistern und dabei Charaktere aus verschiedensten Zeitaltern und Hintergründen zusammenbringen. Mit ihnen eine Einheit bilden. Dann wäre da aber auch noch die Beziehung der beiden: sie sind verlobt.

·         Doch lässt so etwas Komplexes und Paradoxes wie das Zeitreisen überhaupt eine Beziehung mit Bestand zu?

·         Welchen Gefahren und Abenteuern müssen sich die Mitglieder der Zeitreiseakademie hier stellen?

·         Führt dies Anna und Sebastiano enger zusammen oder treibt es gar einen Keil zwischen die beiden?

·         Was haben ein Mädchen aus den Irrungen und Wirrungen der Zeit und ein Mysteriöser Doppelgänger damit zu tun?

·         Und warum führt es die Zeitreisenden dieses Mal wieder und wieder an den Hof Heinrichs des Achten, welche Mission/en haben sie dort?

Schreitet durch das Tor der Zeit und lasst Euch berauschen. Aber Achtung: Verliert Euch dabei nicht im Nichts.

»Wir waren woanders, aber wir beide sind von dort weggegangen.«

Der Einstieg in die Geschichte verlief langsam und ruhig. An manchen Stellen etwas zu langatmig und weniger temporeich, als ich es doch aus der Zeitenzauber-Reihe gewohnt war. Da hätte ich mir hier und da etwas mehr Raffung und Pfeffer gewünscht. Ab Seite 100 legte sich das aber, und die Abenteuer, Überraschungen und Wendungen sorgten für den nötigen Kitzel, die gewünschte Spannung, für das Knistern zwischen der Zeit. Die Zeitreiseschule als Grundgedanke und Basis der Geschichte ist ein sehr fesselndes Thema. Auch wenn ich mir die Umsetzung dieser etwas anders vorgestellt habe. Als eine richtige Akademie und weniger als ein Zusammenschluss Annas und Sebastianos mit ein paar Schülern aus und durch die Zeit. Aber ich denke, das entwickelt sich noch im Laufe der Reihe. Von daher bleibt es aufregend.

Sprachlich ist das Buch in vier Teile gegliedert, die mit den jeweiligen Missionen, inneren Kämpfen und Reisen ins Jahr 1540 wechseln. Jedem Teil obliegt seine eigene Aufgabe, Wendung und sein eigenes Gefühlschaos. Das ist sehr gut durchdacht und hält den Leser in der Geschichte. Man möchte wissen, wie sich am Ende alles fügt und wie die einzelnen Stränge zusammenlaufen. Erzählt wird aus Annas Perspektive, was dem Leser einen sehr guten Einblick in ihre Gefühlswelt ermöglicht. Es lehrt uns sie besser verstehen. Durch einen Großteil des Buches wird sie von Träumen geplagt, immer verbunden mit einem mysteriösen Mädchen und der Suche nach einem Schlüssel. Ein Schlüssel, der in der Realität alte Feinde auf den Plan ruft und neue Gefahren einleitet, die es zu überstehen gilt. Als Team. Das verknüpft sich sehr gut mit dem Akademiegedanken und hat mir äußerst gefallen. Die Geschichte zeigt: Manchmal liegt der Schlüssel der Zeit in unseren Herzen. Und in den Herzen derer, die wir lieben und einst lieben werden. Ob wir es sehen oder nicht. Ein Gedanke, der sich durch das ganze Buch zieht und die Geschichte zu einem Pageturner macht, da es herauszufinden gilt, was dieser Schlüssel ist und bedeutet. Für Anna. Für Sebastiano. Für alle. Für die Zeit.

Ich persönlich fand es toll, im Laufe der Geschichte immer wieder an den Hof Heinrichs des Achten zurückzukehren. Es ist ein gern gesehener Schauplatz für eine Vielzahl von Erzählungen. Jeder hat sein Bild dazu, er funktioniert einfach gut. So auch hier. Man hat sich daher direkt gut in der Geschichte und ihrer szenischen Umgebung zurechtfinden können. Zumindest erging es mir so. Ich konnte mich schnell der Schönheit und erzählerischen Reise hingeben, die dieses Buch zu bieten hat. Das wurde auch von Eva Völlers Schreibstil unterstrichen. Die Autorin überzeugt mit einem schwungvollen und leichten Schreibstil, der durch seine Leichtigkeit nicht überdichtet, sondern den Leser gekonnt durch die Seiten und die Geschichte trägt. Sie lässt sich flüssig und an einem Stück lesen. Meiner Meinung nach sollte man aber die Zeitenzauber-Reihe gelesen haben, um wirklich in der Thematik und den Charakter-basierten Verstrickungen dieses Erzähluniversums drin zu sein. Natürlich gibt es hin und wieder auffrischende Rückblendungen und Erklärungen, sie haben das Ganze für mich teilweise aber eher langatmig werden lassen, als dass ich dadurch wieder voll drin gewesen wäre. Generell ist der Auftakt eher ruhig, wenig temporeich, gibt aber Raum für Spekulationen über künftige Geschehen.

Nun zu den Charakteren: Mit Anna hatte ich im Gegensatz zu Zeitenzauber hin und wieder doch meine Probleme, da sie mir an manchen Stellen etwas zu naiv und unbeholfen daherkam, sich leicht – zu leicht – verunsichern oder ablenken ließ. Mehr als einmal habe ich mir die Frage gestellt, ob sie denn nicht in sich, Sebastiano und ihre Liebe vertraute, während sie sich an anderer Stelle zu sehr von ebendieser hat einnehmen lassen – trotz einer ernsten Warnung. Ich weiß, es klingt paradox. Ich denke, beim Lesen der Geschichte werdet ihr meine Meinung vielleicht nachvollziehen können. Da war mir einfach zu wenig gedankliche wie auch paarbasierte Auseinandersetzung dabei. Sebastiano war gewohnt stark, charismatisch und liebevoll – wie ich ihn schon aus der Ursprungstrilogie her liebe. Das Wiedersehen mit ihm hat mich sehr gefreut. Mein Highlight hingegen waren aber die neuen Charaktere: und zwar allesamt. Die Schüler der Time School mit all ihren Hintergründen und Geheimnissen waren interessant ausgestaltet. Ich wurde direkt mit ihnen warm. Es war fast so, als würde man mit ihnen neue Freunde kennenlernen und ihre Eigenheiten Stück für Stück entdecken. Allesamt sind sie auf ihre Art stark, haben doch aber auch ihre eigenen Päckchen zu tragen. Kein Wunder, wurden sie doch aus ihrer Zeit gerissen. Sie haben mir ausnahmslos sehr gut gefallen. Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen. Denn sie kennenzulernen, sollte für jeden selbst ein Lesegenuss sein. Ich bin schon sehr gespannt, wie es mit ihnen weitergeht. Und ja, ich habe ein neues #Ship: die orientalische Schönheit und der Wikinger. Wer weiß, vielleicht behalte ich ja recht. Auf jeden Fall liebe ich deren pfiffige Spitzen. Egal ob gegeneinander oder an Sebastiano und Anna gerichtet. Sie geben der Geschichte Feuer und Spritzigkeit. Lassen es prickeln. Jeder der Charaktere trägt in Summe zu einem sehr gut durchdachten und auf unterschiedlichen Fertigkeiten basierten Team bei, das in Folge auf viel Spannendes und Abenteuer durch die Zeit hoffen lässt. José bzw. die Autorin hat da sehr gut gewählt. Ihre Dialoge sind stets pfiffig und mit Charme und Witz gestaltet. Sowie mit dem der jeweiligen Thematik – Paradoxa, Gefahr für die Liebe, Lesen fremder Tagebücher – angemessenen Gefühl getränkt. Die größte inhaltliche Überraschung für mich: Eine neue Zeitzone oder Dimension, die wirklich Schwung in die Geschichte brachte und uns mit Sicherheit auch in Zukunft noch in Trab halten wird bzw. Anna, Sebastiano und die gesamte Time School. Es war teilweise echt spannend und lustig zugleich, über die Eigenheiten der aus dieser Dimension stammenden Zeitspringer zu lesen. Das macht es nachvollziehbar und führt zu einem echten Lesegenuss.

Was das Lesen bringt, zeigt auch das Cover: Es ist ein Traum, Traum, Traum, ein wahrer Augenschmaus. Lange warte ich schon auf ein Cover, das in meiner Lieblingsfarbe Grün daherkommt und gleichzeitig überzeugt. Das hiesige wirkt edel, fühlt sich toll an – der Umschlag weist eine interessante und vor allem unempfindliche Struktur auf. Und verknüpft einfach alles, was in der Geschichte von Bedeutung sein wird. Besonders gefällt mir, dass es oben und unten fließend wird. Wie der Zeitstrom, durch den sich die Protas bewegen. Wenn ihr versteht, was ich meine.

Immer wieder ein Highlight: Eva Völlers ganz eigene Zeitreiseregeln. Hier sei nur mal der intergalaktische Translator genannt, der einfach gute Stimmung beim Lesen garantiert. Damit bringt sie hin und wieder auch den Schmunzelmoment, der ihre Geschichten zu etwas Besonderem macht, mit rein. Und besonders war auch diese: Ein Wiedersehen, ein Neuanfang, ein echtes Abenteuer durch die Zeit. Voll Liebe, Herz und Geheimnis.

 

Viel Spaß beim Lesen,

 

Eure Jil Aimée

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Meeresblau & Mandelblüte

Elke Becker
E-Buch Text: 236 Seiten
Erschienen bei beHEARTBEAT by Bastei Entertainment, 01.07.2017
ISBN 9783732539376
Genre: Liebesromane

Rezension:

In Meeresblau & Mandelblüte – darf ich hier einmal anmerken, wie genial toll ich den Titel finde? – begeben wir uns mit der durch und durch Karrierefrau Leonie, die ihren Erfolg der knallharten Sanierung unzähliger Firmen verdankt, bei denen für Emotionen nur selten Platz ist, auf eine Reise nach Mallorca und ein Stück weit auch in ihre eigene Vergangenheit. Dem Tod ihrer ihr bereits seit mehreren Jahren entfremdeten Tante geschuldet, erbt sie dort ein großes Anwesen. Doch damit nicht nur Haus und Hof, sondern irgendwie auch dessen Bewohner – menschlicher wie tierischer Natur. Leonie würde das Erbe gerne so schnell wie möglich abwickeln, um in ihren toughen Businessalltag zurückkehren zu können. Denn nur dort fühlt sie sich wohl. Beim Jonglieren von knallharten Zahlen und Fakten. Nicht aber in Gesellschaft einer rührseligen und schrulligen alten Truppe, die ihr das Leben auf Mallorca zunächst außerordentlich schwermacht. Wie gesagt, Leonie würde am liebsten schnellstmöglich wieder zurück in die kalten Wände der Großkonzerne und somit der warmen Herzlichkeit der spanischen Insel entfliehen. Denn die Insel, die sie als Kind so sehr liebte, legt einen düsteren Schatten über ihr Ich. Doch da hat sie nicht mit einer Erbschaftsklausel ihrer Tante, den skurrilen Bewohnern der mallorquinischen Finka und dem Umwerben eines gewissen Gustafs und noch so manch anderer männlicher Gestalten gerechnet. Und das Chaos nimmt seinen Lauf …

·         Wird Leonie das Erbe überhaupt antreten?

·         Was bedeutet es für sie, nach Mallorca zurückzukehren?

·         Warum hat sie sich einst von ihrer Tante entfremdet und warum ist gerade sie Erbin des Anwesens dieser?

·         Was halten die Bewohner für Leonie in petto?

·         Und schafft es Gustaf – oder vielleicht jemand anderes – Leonies Herz von knallharten Zahlen und Fakten zu befreien und den Sonnenseiten des Lebens und der Liebe zuzuwenden?

Setzt Euch in den Flieger und taucht ein in das absolute Lesevergnügen des Sommers – mit mallorquinischem Charme, spanischen Charmeuren, Wortwitz und Humor sowie einem liebestollen Gustaf. Wer das ist, sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Er ist mein absolutes Highlight und ein Garant für lustige Lesemomente und das ein oder andere Schmunzeln beim Verschlingen der Geschichte. Herzflattern und Nervosität inklusive.

»Zum ersten Mal seit Jahren musste sie nicht gewinnen.«

Die Autorin hat hier eine ganz wunderbar leichte Sommergeschichte geschaffen, obwohl diese im mallorquinischen Winter und Frühling spielt. In ihren Worten liegen Kraft und Aufrichtigkeit, schriftstellerischer Genuss und Seelenbalsam. Elke Becker entführt die Leser mit ihrem bildhaften Schreibstil nahezu auf die malerische Insel und in ihre Ecken und Besonderheiten. In jeder Zeile spürt man die Liebe zu diesem Fleckchen Erde, die Leidenschaft des Schreibens. Die Szenen sind wohlklingend und zum Wohlfühlen und Verweilen ausgestaltet, ebenso auch die Charaktere. Allen voran natürlich die toughe Leonie, die sich nur allzu gerne in die harte Businesswelt flüchtet, um den Schatten ihrer Vergangenheit zu entkommen. Schatten, die sie unterbewusst so gut in sich begraben hat – und für das Unterbewusstsein kann man ja nichts, oder doch? –, dass sie von diesen gar nichts mehr ahnt, bis ein Schlüsselmoment alle hart errichteten Mauern zusammenbrechen und die Wahrheit über ihren letzten Besuch – vor so vielen Jahren – auf der Insel hervordringen lässt. Daran nicht ganz unbeteiligt, sind die Mieter der Finka. Zunächst Leonie ein Dorn im Auge, entpuppen sie sich mit ihrer herrischen und doch liebevollen Art bald zu echten Freunden und einer Seelenstütze. Da diese Truppe aber so besonders ist, werde ich an dieser Stelle nicht viel mehr dazu sagen, außer: lest und genießt. Zusammen mit den Bewohnern macht Leonie die größte charakterliche Entwicklung durch und lernt, dass Schmerz zugelassen werden muss. Ansonsten kann er nicht heilen. Das ist ein weiterer Punkt, warum mir diese Geschichte ausnehmend gut gefallen hat: Trotz der sommerlichen Leichtigkeit, die man der Insel und ihren Bewohnern zuspricht, hat sich die Autorin an ein emotional schwieriges Thema – die Verarbeitung von Schmerz und vermeintlicher Schuld – herangewagt und dieses auf tragende und beeindruckende Weise gelöst.

»Und sie war noch nie jemand gewesen, der gerne Dinge vor sich herschob.«

Sie nimmt den Leser mit, mit jedem Schritt. Lässt ihn Stück für Stück das Geheimnis um Leonie und das Erbe entschlüsseln, überfordert dabei nicht und sendet dennoch eine woge an ergreifenden Emotionen direkt ins Leserherz. Davor ziehe ich meinen bildlichen Hut. Das hat mir sehr gefallen. Das Buch verbindet eben die Leichtigkeit des Lebens mit der Härte dessen. Zeigt, dass eines ohne das andere vielleicht nicht existieren kann, und dass das okay ist. Das Leben ist nicht perfekt, aber es sind die Menschen, die man in sein Herz lässt, die es ein Stückchen perfekter machen. Wer dieser Mensch in der Geschichte für Leonie ist, überlasse ich Euch herauszufinden. Für mich ist er in jedem Fall mit seiner unterstützenden, vertrauenerweckenden und ehrlich liebevollen Art, gemischt mit einer Prise liebestoller Keckheit einfach der perfekte männliche Buchprota, ohne dabei zu aufdringlich zu wirken. Er agiert eher aus dem Hintergrund und ist doch immer für sie da. Ich liebe ihn einfach und hoffe, Euch geht es genauso.

Kommen wir zum Cover: Auch dieses ist sommerlich leicht, in hellen Farben mit der Pracht der im Frühling blühenden Mandelblüten, die auch in der Geschichte Einzug finden. Zusammen mit dem Blau des Himmels und des Meeres und der dargestellten Frau liefert es für mich eine hervorragende Verbindung zwischen Titel und Geschichte. Wirklich sehr gelungen.

Meeresblau & Mandelblüte ist einfach durch und durch ein Genuss. Aus diesem Buch ziehe ich die Lehre, dass die Prota lernen muss, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, Schmerz zur Heilung zuzulassen, um den eisernen Panzer ihrer Brust zerbersten lassen und in Richtung Glück streben zu können. Wenn man Schmerz nicht fühlt, nicht zulässt, dass er existiert, dann wurzelt er mit zerstörerischer Kraft. Doch wenn man ihm seinen Raum gibt, so findet er mit der Hilfe von anderen auch seine Zeit zur Heilung. Genau das macht dieses Buch für mich aus: Heilung, Aussöhnung mit der Vergangenheit und ein guter Anfang für eine Zukunft voller Gefühle.

Danke fürs Mitnehmen und diese lustige Truppe. Gustaf und die Brownies. Oh mein Gott, diese Brownies.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen mit meinem #summermustread.

Eure Jil Aimée

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25 jährige, bt, gedichte, illustrationen, lebensgefühl, lebensplanung, quarter life poetry, rezension, sachbuch

Quarter Life Poetry

Samantha Jayne , Anna Hickmann , Wiebke Vogt
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei btb, 13.06.2017
ISBN 9783442715374
Genre: Humor

Rezension:

Vorab sei gesagt: QLP trifft sicher nicht jedermanns Geschmack und ist stark auf die Gruppe der Mitzwanziger (wie der Titel schon sagt) ausgerichtet. Nimmt die Probleme dieser Generation mit einer leichten Satire und tollen Karikaturen in gereimter Form aufs Korn, verdeutlich dabei aber auch auf spritzige Art und Weise den wahren Gehalt der Mitzwanziger-Struggles. Das macht es für mich aus. Mich konnte es absolut überzeugen, fand ich es doch stark, einfallsreich und fantastisch.

Selbst der Poesie und Lyrik zugetan, bin ich immer auf der Suche nach neuen »Poetry«-Formen. Genau dafür schlägt einfach mein Herz. Umso mehr habe ich mich gefreut, als btb mir das neue Buch von Samantha Jayne vorgestellt hat. Mitzwanzigerlyrik – genau aus dem Leben gegriffen und den Puls der Zeit und des besagten Alters treffend. Gerade wer sich durch seine Zwanziger und den damit einhergehenden Alltags- und Lebensstress kämpft, wird sich darin wiederfinden. Analog dazu ist das Buch nicht in Kapitel, sondern in sog. Struggles (Kämpfe, Herausforderungen) unterteilt – wie Geld, Liebe, Job, … Das macht es überraschend realistisch und greifbar.

»Ich mache eine Saftdiät, läuft besser als gedacht. Der Saft war gegoren. Okay – ich hab’s mit Wein gemacht.«

Quarter Life Poetry ist witzig, wahr und vor allem wachrüttelnd. Es trifft den Nagel sozusagen auf den Kopf und mitten ins Herz der heutigen Zwanzigergeneration, zu der ich mich mit meinen 28 Jahren ein Stück weit noch zählen kann. Die Worte sind ungeschönt ehrlich und doch wohlklingend und komisch kongenial. Ob nun als »Klo«-Buch, wie der Autorin angeraten, oder als ständiger Begleiter in der Handtasche. Es liefert für jede Situation den passenden Spruch, tröstet und ermuntert zugleich. Rückt den Blick weg vom plastisch Geschönten unserer Gesellschaft und nennt die Dinge und eben auch die Herausforderungen und Zustände des jungen Alters beim Namen. Es ist einfach das Buch für den Moment. Weil es pfiffig und ehrlich ist und vielleicht der älteren Generation beim Verstehen der unsrigen hilft. Egal ob Mann oder Frau – es betrifft alle. So habe ich es bei uns tatsächlich zum Klo gelegt, und sogar meinen Mann schon beim Schmökern und Schmunzeln erwischt. Viel interessanter: Des Abends bei einem guten Glas Wein hat er das Gelesene wieder aufgegriffen und so wurden Stück für Stück mehrere Gespräche und wirklich gedankliche Auseinandersetzungen mit den im Buch angesprochenen Themen daraus. Man – beziehungsweise wir beschäftigen uns mit dem Geschriebenen nun viel eher, war es doch zuvor weit mehr im Unterbewussten verankert.

»Eines Tages erzähle ich meinen Kindern die tollste aller Liebesgeschichten: Alles begann damit, wie Mami und Papi beide nach rechts wischten …«

Ich kann das Buch nur jedem der Mitzwanzigergeneration und auch allen anderen Interessierten empfehlen. Ob nun das englische Original oder die wirklich auf den Punkt getroffene deutsche Übersetzung – an dieser Stelle ein großes Lob, gerade in der Poesie kann durch Übersetzung viel Gehalt verloren gehen, hier jedoch ist es wunderbar gelungen –, selbst wenn ich mir bei meinem nächsten Urlaub in den Staaten auch noch mal das Original zulegen werde. QLP ist einfach kurzweilig, echt und wild und witzig. Bei den Texten angefangen, die unter die Haut gehen, über die passenden Instagram-Bildchen, die Einzug ins Buch gefunden haben und Geschriebenes auf absolut realistische und doch satirisch-komische Weise verdeutlichen, bis hin zum weiß-schwarzen Cover und der lila Schrift. Für mich stimmt hier alles.

QLP hat wirklich alles, vor allem aber Gedichte für die Jungen, Gebrochenen und Suchenden.

Eure Jil Aimée

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163 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 47 Rezensionen

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Ein Sommergarten in Manhattan

Sarah Morgan , Jutta Zniva
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 12.06.2017
ISBN 9783956496707
Genre: Liebesromane

Rezension:

Für gewöhnlich ist Sarah Morgan mein Garant für absolut herzzerreißende, zuckersüß romantische Leseerlebnisse. Vor allem ihre wider Willen-Reihe hat es mir angetan – und einfach all ihre Weihnachtsgeschichten. Dafür hat sie einfach ein unglaubliches Talent, das ich aus vollem Leserherzen bewundere – ob es um die einzigartige Ausgestaltung ihrer Charaktere, die malerische Umschreibung der Kulisse oder aber das Vermitteln der ergreifenden Emotionen geht. Sarah Morgan hat all das und noch viel mehr, was mich ihre Geschichten nahezu verschlingen und über alles lieben lässt. Sie hat den Zauber in ihren Worten. Die Liebe zur Liebesgeschichte. Wenn ich zu einem Sarah Morgan greife, weiß ich einfach, dass es gut wird. Und gerne gab ich dieses Mal mit Ein Sommergarten in Manhattan auch ihrem aktuellen Sommeroman so natürlich einen Versuch gegeben. Und vielleicht liegt genau da das Problem: meine Erwartungen. Womöglich sind sie zu hoch und ich habe Sarah Morgan selbst auf eine Schwelle gehoben, die nur schwer zu erreichen ist. Einfach, weil mich ihr Geschriebenes bisher immer so überzeugt und zutiefst berührt hat. Nur leider war eben genau das diesmal nicht der Fall. Und natürlich ist das hier eine persönliche Meinung, die keinen von Euch vom Lesen abhalten sollte. Im Gegenteil, kauft diese süße, sanfte Liebesgeschichte um die durch die Scheidung ihrer Eltern tough gewordene und allein zurechtkommende Frankie und den liebevollen Bruder ihrer besten Freundin und selbst ihr bester Freund Matt, der sich mit seinem Sexappeal unterbewusst in Frankies Herz schleicht und sie langsam von ihren Verlustängsten heilt – denn genau das ist sie immer noch und sie bereitet auch tolle Lesestunden – lasst Euch ergreifen, mitreißen und fesseln. Und bitte: belehrt mich dann eines Besseren, sodass auch bei mir bei diesem Buch vielleicht nachträglich noch der Zauber des Besonderen überspringt, der sonst bereits auf den ersten Seiten ein Feuer des Vergnügens in mir entstehen lässt. Ich tue mich mit dieser Bewertung wirklich unheimlich schwer, das müsst ihr mir glauben. Einfach, weil die Geschichte – zu deren Inhalt ihr in der Kurzbeschreibung schon genug erfahrt, und weil ich Euch einfach nicht spoilern oder mit meiner Ansicht das Lesen vermiesen möchte! – mich diesmal leider nicht in vollem Umfang überzeugen konnte. Weder die Charaktere, die wir schon aus dem ersten und von mir überaus geliebten Teil der Reihe kennen, noch die Beziehungen haben dieses Mal ein Kribbeln in mir ausgelöst. Ich kann es einfach nicht genau beschreiben. Auch störten mich etwas die vielen Vertipperlis, die der Übersetzung geschuldet sind. An sich habe ich damit kein Problem, aber wenn teilweise Namen in ihrer Schreibweise wechseln oder durch gänzlich andere Namen im Buch ersetzt werden – selbst wenn es sich dabei um Nebencharaktere handelt –, sticht es schon etwas beim Lesen. Vielleicht war es für mich auch die falsche Zeit, das Buch zu lesen. In jedem Fall aber vermisste ich schmerzlich den Sarah Morgan Zauber, mir fehlte der Kick. Die Handlung sowie die Charaktere erschienen mir zu eindimensional, zu platt und an manchen Stellen in ihrer Entwicklung auch zu unglaubwürdig. So war es für mich schlecht nachvollziehbar, wie schnell die Protagonistin schließlich doch ihre Prinzipien über Bord geworfen hat, an denen sie zuvor über Jahre auf strengste Weise festgehalten hat. Mir ging da die Entwicklung der Beziehung und auch das Zwischenmenschliche einfach ein bisschen zu schnell bzw. fehlte es mir hier an szenischer Ausarbeitung. Ein paar mehr Kapitel dazu hätten der Geschichte sicher gutgetan. Auch fand ich es schade, dass dem Besuch auf Puffin Island, viele Leser kennen und lieben es schon, zu wenig Entwicklungsraum gegeben wurde. War er doch ein Schlüsselpunkt für die Geschichte und charakterliche Wende vieler Charaktere. Hier hätte ich mir ebenfalls ein bisschen mehr gewünscht. Im Gegenzug dazu hat mir aber besonders die Aussöhnung der Protagonistin mit ihrer Mutter gefallen und auch die Lehren die sie daraus für ihr eigenes Leben gezogen hat. Man ist niemals für die Schwächen und Fehler seiner Eltern verantwortlich und sollte sich von diesen auch nicht erdrücken lassen oder die Selbstbestimmung über das eigene Leben verlieren. Das kam wirklich grandios und herausragend gut rüber. Auch die Nebencharaktere gefielen mir mit ihren eigenen Geschichten ganz gut, so hat man direkt eine Ahnung, in welche Richtung sich diese Reihe noch weiterentwickeln kann. Die Autorin hat hier viel Potenzial aufgezeigt und es bleibt spannend. So spannend, dass ich mich schon sehr auf den nächsten Teil freue, obgleich mich dieser hier nicht völlig mitgerissen hat. Okay, Matt hat es mir mit seinen neckischen Spitzen und dem Herausfordern Frankies schon angetan, aber das allein reicht nicht.

Kommen wir zum Cover. Leider konnte mich dieses diesmal nicht ganz überzeugen. Es ist mir zu dunkel für den Sommer gestaltet, wirkt zu stilisiert und einfach von den lila Farbtönen etwas zu schwer. Natürlich lässt es in gewisser Weise einen lauen Sommerabend andeuten und vermittelt auch die der Geschichte beiwohnende Romantik – eine romantische Vorabendstimmung eben. Nur leider wird das Cover dem absolut schönen Titel nicht ganz gerecht. Dennoch es fügt sich gut in die Reihe und hat einen gewissen Wiedererkennungswert. Das ist ein Plus. Sprachlich gesehen, ist Sarah Morgan ihrem luftig leichten und unverkennbar romantischen, bildhaften Schreibstil treu geblieben, sodass das Lesen der Geschichte an sich nach wie vor ein Genuss war. Sie weiß einfach ihre Leser im Herzen zu berühren und zeichnet dabei erfrischend neue und unglaublich schöne sprachliche Bilder.

„Du bist wie eine Glühbirne. Die Menschen fühlen sich von dir angezogen, weil du ihr Leben aufhellst.“

Es fehlte mir eben nur das gewisse Etwas, das das Buch für mich aus der Masse toller Liebesgeschichten heraushebt. Dennoch: Ein Sommergarten in Manhattan bietet ein kurzweiliges Lesevergnügen, das ruhiger als sein Vorgänger wirkt, zum Nachdenken anregt und in sanften Wogen zum Happy End führt. Liebe, Romantik und ein männlicher Leckerbissen garantiert. 3,5 Sterne von mir – der nächste Band wird bereits mit großer Freude erwartet.

Eure Jil Aimée

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Tags: ein sommergarten in manhatta, mira taschenbuch, mtb, rezension, sarah morgan   (5)
 

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Der kleine Laden der einsamen Herzen

Annie Darling , Andrea Brandl
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin, 09.05.2017
ISBN 9783328100980
Genre: Liebesromane

Rezension:  
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A Court of Wings and Ruin

Sarah J. Maas
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury Childrens, 02.05.2017
ISBN 9781408857908
Genre: Fantasy

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Zwänge bewältigen

Burkhard Ciupka-Schön
Flexibler Einband
Erschienen bei Patmos Verlag, 13.02.2017
ISBN 9783843609142
Genre: Sachbücher

Rezension:

In ‚Zwänge bewältigen‘ veranschaulicht der Psychotherapeut Burkhard Ciupka-Schön sowohl auf sachlich-anschaulicher als auch auf Erfahrungsberichten basierter Weise, was Zwangserkrankungen für die Einzelnen, aber auch für das direkte soziale Umfeld Betroffener bedeuten. Er erläutert, wie es u. a. zu Zwangserkrankungen kommen kann, thematisiert auf sensible Art deren Wichtigkeitsgrad und setzt den Fokus auf bewehrte Therapieansätze. In seinem Buch wird Betroffenen, ob aktiv – da selbst erkrankt -, oder passiv – da Zwangserkrankter im direkten persönlichen Umfeld – Mut gemacht, wie mit dieser Form von Erkrankung umzugehen ist, dass es Hilfe gibt und man sich nicht scheuen sollte, sie in Anspruch zu nehmen. Dabei wird der Teufelskreis der Zwangserkrankungen, ihre einzelnen Arten und Ausprägungen (Zwangshandlungen / Zwangsgedanken) beleuchtet und auch Hintergründe zur möglichen Entstehung sowie etwaiger Heilungs- bzw. Verbesserungsaussichten offengelegt. Der Autor schürt Sensibilität für das Thema. Gibt ihm Fokus, rückt die Zwangserkrankung in das öffentliche Interesse und regt zum darüber Reden an. Das Buch dient sowohl als Stütze der Zwangskranken und auch als Motivation dieser sowie der persönlichen Umfeld, da es hilft, die Welt der Erkrankten besser zu verstehen. Ihre Macken nicht als Peinlichkeiten abzutun, sondern als die Erkrankung anzuerkennen, die sie ist. Er nimmt ihr so den Schrecken und führt Betroffene zur Eigenentscheidung hinsichtlich einer Behandlung. Denn der eigene Wille ist dabei entscheidend. Wer aus sich selbst heraus motiviert entscheidet und handelt, hat höhere Chancen auf Besserung und Abschwächung der Zwänge als durch äußeren Druck bestimmt. Der Autor vermag es dabei gekonnt, dem Thema die Scham zu nehmen, bietet allen Betroffenen eine Plattform zum Diskurs und liefert Verständnis. Ich habe das Buch gelesen, einerseits, weil mich die Erkrankung und ihre Hintergründe schon immer interessiert hat – zumal sie die vierthäufigste seelische Störung ist. Andererseits bin ich im eigenen Umfeld schon auf Zwangserkrankte gestoßen und suchte nach Verständnis dieser Erkrankung.

Der Autor schafft mit diesem Buch nicht nur einen motivationsbasierten Therapie-Puscher, legt den Fokus auf die Reizkonfrontation. Nein, sein Werk ist für die Erkrankten meiner Meinung nach vor allem ein Wegweiser zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Das Leben mit dem Zwang ist oftmals erdrückend, von Peinlichkeit und Scham behaftet und ein regelrechtes Versteckspiel des eigenen Selbst. Doch wer es schafft, dem Zwang die Macht und die Angst zu nehmen – und das ist ein harter, schwerer Weg -, der kann dem Zwang die Bestimmungsgewalt über das eigene Leben entwenden. Stück für Stück wieder selbst entscheiden. Und er ist nicht allein. Im Buch wird mit anschaulichen Realbeispielen gearbeitet, die dem Leser die unterschiedlichen Ausprägungen der Leidens- und auch wieder glücklicheren Lebenswege der Betroffenen veranschaulichen und auch an die Praktik heranführen. Es wirkt dabei im Wechsel mit der in verständlicher Fachsprache und Alltagssprache verfassten Kapitel identitätsstiftend und greifbar. Einfach eine Motivation für alle Beteiligten. Und die ist enorm wichtig, denn der Zwang an sich ist tückisch. Gaukelt ein nicht vorhandenes ‚Richtigsein‘ und falsche Sicherheit vor. Versteckt sich hinter anderen Symptomen, bleibt oft viel zu lange unerkannt.

Ich empfehle die Lektüre jedem, der selbst von Zwangserkrankungen betroffen ist, oder diesem im privaten Umfeld täglich begegnet und/oder einfach Interesse an der Thematik und dem Verständnis darüber hat.


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A Court of Mist and Fury

Sarah J. Maas
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury USA Childrens, 03.05.2016
ISBN 9781619634466
Genre: Fantasy

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cowboy, emily bold, kampf, krankheit, krankheit krebs, krebs, leicht, liebe, liebesroman, littletree, montlake romance, neuanfang, neubeginn, rezension, rodeo

Wenn Liebe Cowboystiefel trägt

Emily Bold
E-Buch Text: 302 Seiten
Erschienen bei Montlake Romance, 28.03.2017
ISBN 9781477820544
Genre: Liebesromane

Rezension:

In ‚Wenn Liebe Cowboystiefel trägt‘ kehren wir mit Avery Davis nach acht langen Jahren, einer misslungenen Beziehung und dem besiegten Krebs in ihre Heimatstadt zurück: Littletree. Dort versucht sie, sich selbst erst mal ins eigene Leben zurück zu kämpfen, im Schoß ihrer Familie. Eine Familie, die sie während dem Kampf gegen den Krebs ausgeschlossen hatte, weil sie sie nicht zu sehr verletzen wollte. Für den Fall, dass sie verliert. Eine Familie, die nun nur allzu gern für die verlorene Tochter da ist. Avery ist am Boden, scheint nichts mehr zu haben. Kein Zuhause, keinen Job, keinen Partner. Doch dann findet sie gerade in der Stadt, der sie einst für immer den Rücken kehren wollte, genau das, was ihr so fehlte: neuen Lebensmut.

Damals wollte, musste Avery aus Littletree fort. Um einer Liebe zu entfliehen, die sie aufzufressen drohte, der sie aber keine Zukunft geben konnte. Die Liebe zum Schul-Beau Mason King – leidenschaftlich, stürmisch, tragisch. Tragisch deshalb, weil es für ihn nur eine Wette gewesen zu sein schien, während sie damals ihr Herz an ihn verloren hatte. Um dieses zu schützen, floh sie in ein neues Leben in die Großstadt. Dort war sie in den letzten Jahren erfolgreich im Finanzsektor tätig – die immer kühle Businessfrau, die es vermochte, mit dem Jonglieren von Zahlen anderen ganze Vermögen zu verschaffen. Beruflicher Erfolg war ihr garantiert, und auch privat schien mit ihrem neuen Partner und Kollegen Phil alles richtig zu laufen. Bis der Krebs kam, und mit ihm der Betrug. Denn anstatt ihr wirklich zur Seite zu stehen, floh Phil sich in die Zuneigung einer anderen Frau. Gerade dann, als Avery ihn am meisten gebraucht hätte. Ihre Welt zerbrach. Und als der Krebs nach einem langen Kampf endlich besiegt war, war mit ihm nicht nur ihre Beziehung, sondern auch ihr Job und ihre Perspektive gegangen. Manche Dinge zerbrechen einfach, können nicht mehr zusammengefügt werden.

So kehrt Avery nun nach Litteltree, das verschlafene Örtchen zurück, in dem jeder jeden kennt und Geheimnisse von allen geteilt werden. Sie erhofft sich zunächst nicht zu viel, nur etwas Abstand, Luft zum Atmen, einen Neuanfang, ein ‚Zu-Kräften-kommen‘, bis sie stark genug wäre, in die Großstadt zurückzukehren und wieder in die Welt der Finanztransaktionen zu tauchen. Vielleicht würde der Krebs nicht mehr zurückkommen und sie irgendwann keine Risikoanlage – wie sie sich selbst nun sah – mehr sein.

Doch da hat sie die Rechnung ohne Littletree und die Vergangenheit gemacht.

Denn nicht nur ihre Familie ist für sie da, hilft ihr dabei, wieder aufzustehen. Gibt ihr ein Dach über dem Kopf, einen Job sowie Freundschaft und Liebe. Auch Mason, ihre Jugendliebe, tritt wie der Zufall es so will wieder in ihr Leben, und versucht mehr denn je, ihr nahe zu sein. Und so sehr sie sich auch wehrt und darum bemüht, dem Charme des waghalsigen Cowboys zu widerstehen, er geht ihr einfach unter die Haut. Doch Mason liebt die Gefahr, den Absprung, das Fallen. Als Cowboy und Rodeo-Held spielt er ständig mit seinem Leben, es scheint ein Spaß für ihn zu sein, den Nervenkitzel bis ins höchste Maß auszukosten, wo Avery doch weiß, wie bitter ernst es werden kann.

·         Wird sie damit klarkommen, dass das Leben voller Fallen und dem Fallen steckt?

·         Sind ihre Gefühle echt oder ist es nur die Sehnsucht nach dem, was sie verloren hat?

·         Was ist mit Mason?

o   Will er die Wette von damals immer noch gewinnen?

o   Oder möchte er ihr aufrichtig nahe sein?

·         Verrennen sich am Ende beide nur in das Gewohnte, das Einfache?

·         Kommt der harte Aufprall in der Realität schneller als gedacht?

·         Und kann man den Krebs wirklich endgültig besiegen?

Lasst Euch von Masons Lasso einfangen und taucht ein in eine Geschichte, die das Leben nicht besser hätte schreiben können. Mit ihrem neuen Roman schafft Emily Bold genau das: eine Geschichte des Lebens, in der man jeder Zeile die Liebe zum geschriebenen Wort entnehmen kann. Sie gibt dabei starken, echten Charakteren ein Leben, das in seinen Bann zieht. Jeder Charakter, ob Haupt- oder Nebendarsteller, wirkt durchdacht, ausgefeilt, einfach rund. Sie alle haben Ecken und Kanten, Sorgen und Lieben. Vor allem stecken sie aber voller Leben. Gerade so auch Avery, die doch selbst auf der Suche nach ihrem Leben scheint. Bei allem, was sie verloren hat, kämpft sie, lässt den Kopf nicht hängen. Verfällt nicht ins Düstere, sondern gibt ihrem Dasein Stück für Stück den so schmerzlich vermissten Sinn zurück. Und manchmal liegt dieser eben nicht in Finanzmarkttranskationen, sondern dem Retten eines kleinen Kitzes. Darin, jemand anderem neues Leben zu geben. Das erkennt auch Avery mit der Zeit in Littletree. Was es aber damit auf sich hat, wird an dieser Stelle nicht verraten. Denn gerade die Geschichte um das Kitz und allem, was dazugehört, macht für mich das Herzstück dieses wundervollen Romans aus. Etwas, das jeder für sich selbst entdecken sollte.

Die Autorin hat einfach eine vielschichtige Wohlfühlgeschichte voll Mut, Herzflattern und Charakteren zum Mitleiden und Liebhaben geschaffen. Es besteht die perfekte Balance zwischen Sorge und Drama sowie Leichtigkeit und Lebensfreude. Dabei liebe ich vor allem Averys Schlagfertigkeit in manchen Situationen, die dem Roman einen gewissen Wert an Humor verleiht, und die sie sich trotz ihrer Krankheit behalten hat. Aber auch ihre Strenge und Klarheit die Krankheit betreffend, berühren und überzeugen einfach.

„Es kostete Mut, sich dem Leben zu stellen.“

Vieles erfährt man im Verlauf Häppchenweise, nicht alles auf einmal, und wird somit durchweg durch die Geschichte gesogen. Alles ist so erzählt, wie es einem guten Bekannten, einem Nachbarn oder sogar einem selbst passieren könnte. Und der Gedanke Sexy Cowboy trifft auf Finanzmarktprinzessin, der der Geschichte unweigerlich beiwohnt, ist doch nicht alles, was zählt. Die Geschichte ist so viel mehr: Fertigwerden mit Verlusten, Erkennen von Lebensmut und -willen, Liebe, Familie, Freundschaft. Lebensnahe Ängste und Sorgen. Dabei ist es ein echter Pageturner. Die Autorin bleibt mit diesem Roman ihrem gewohnt flüssigen, einnehmenden, bildhaften Schreibstil treu. Kreiert eine Erzählweise, die einen in ihrer Locker- und Klarheit die Seiten im Flug nur so umschlagen und die Geschichte in einem Rutsch verschlingen lässt. Man kam beim Lesen gut in die Geschichte und konnte die Entwicklungen dieser und die Entscheidungen der Charaktere im Verlauf sehr gut nachvollziehen, ihre Emotionen nachempfinden. Das Buch schafft auch ein Stück weit Hoffnung, nicht aufzugeben, weil das Leben sich eben einfach lohnt. Trotz und gerade wegen allem. Allen Höhen und Tiefen. Es sind genau diese Momente, die es erst ausmachen. Besonders reizend und die Geschichte anheizend empfand ich die Rückblicke in die gemeinsame Vergangenheit der beiden Protas. Das gibt dem Roman noch mehr Potenzial und verdeutlicht, wie verflochten zwei Leben trotz räumlicher und zeitlicher Distanz über die Jahre hinweg doch sein können. Und man stellt sich unweigerlich die Frage, ob sie sich damals hätten anders entscheiden sollen. Liebe vermag es eben, die Prioritäten neuzuordnen.

„Der Himmel war sternenklar und die Lichter der Stadt ein funkelndes Band in der Ferne.“

Ich kann nur immer wieder sagen: Emily Bolds Geschichten lese ich einfach gerne, weil sie einerseits so ins Herz gehen und die Fantasie beflügeln, andererseits aber auch von realen Sorgen und Beziehungen erzählen, die für den Leser greifbar und identitätsstiftend sind. Zumindest erging es mir wieder so beim Lesen. Lediglich an manchen Stellen, vor allem im Aufeinandertreffen von Mason und Avery hätte ich mir etwas mehr Herzflattern und Länge gewünscht. Auch den finalen Abschied von ihrem Ex hätte ich mir ein wenig schlagfertiger vorgestellt. Doch das wird durch die wirklich liebevolle Erzählung und die bildhafte Sprache sowie die Tiefe der Nebencharaktere wieder wettgemacht und die Geschichte so zum Blickfang, wie auch Mason eine Augenweide ist. Ihr werdet es schon lesen 😊.

Auch das Cover selbst ist ein kleiner Hingucker, lädt direkt auf eine Ranch in die Staaten ein – mit dem Lasso, Heu und Cownboystiefel – natürlich in einem süßen Pink gehalten. Der Titel passt ebenso einfach perfekt und fügt sich wiedererkennungswertstiftend in Emily Bolds Montlake Veröffentlichungen ein.

‚Wenn Liebe Cowboystiefel trägt‘ ist ein kurzweiliges, intensives Lesevergnügen für schöne, gefühlvolle und doch auch dramatische Lesestunden. Die Geschichte ist vielseitig, durchdacht, nicht oberflächlich – hinter jedem Charakter steckt mehr, als man zunächst sieht oder vermutet. Vor allem aber ist sie der Kampf zurück ins Leben, auch wenn dieses sich vielleicht geändert hat. Es ist Heilung und Lebensfreude zugleich.

„Indem sie ihnen half, half sie auch sich selbst.“

Meine ganz klare Leseempfehlung an Euch, und ich bin schon auf das nächste Werk aus Emily Bolds Feder gespannt.

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Wir fliegen, wenn wir fallen

Ava Reed , Alexander Kopainski
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter Verlag , 17.02.2017
ISBN 9783764170721
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Phil - ein alter, blinder Mann, der für manche ein Fremder und doch sicherer Hafen ist, ein Freund und eine Zuflucht zugleich, während er anderen als Familie, Großvater doch irgendwie immer fremd bleibt.

Yara – ein Mädchen, das einen schmerzlichen Verlust ertragen muss. Tag für Tag, und sich selbst die Schuld daran gibt, obwohl sie andere wieder zurück ins Leben holt und Farbe in die Dunkelheit bringt.

Noel – ein Junge, früh von der eigenen Mutter verlassen und zornig auf die Welt, der erst zu spät erkennt, dass er niemals wirklich alleine war und doch dem Leben wieder Freude abgewinnt.

 

·         Doch ist es wirklich jemals zu spät?

·         Was verbindet diese drei?

·         Was unterscheidet sie?

·         Auf welche Reise begeben sie sich und wer kommt am Ende wie zurück?

Drei Begegnungen, drei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, deren Wege sich durch einen traurigen Schicksalsschlag und viel zu frühen Abschied kreuzen, um dann dem Leben wieder Sinn, Farbe und Liebe zu geben. Manchmal muss es erst einen Abschied geben, um den richtigen Weg - einen Neuanfang - zu finden. Manchmal wird aus Abneigung Zuneigung, aus Fremdheit Freundschaft und aus Trauer Liebe. Ava Reed beschreibt genau das in ihrem neuen Roman. Und gibt dabei ihren Protagonisten reale Gesichter, ein reales Leben. Wie es dir und mir passieren könnte. Sie gibt ihnen Ängste, Ecken und Kanten, aber auch Wünsche und Sehnsüchte. Eben einfach Charakter. Und beim Lesen hat man das Gefühl, alle drei auf ihrer eigenen Reise begleiten zu dürfen. Den etwas störrischen und zunächst unsicheren Noel, der zornig ist, sich im Stich gelassen fühlt und nicht weiß, wohin ihn das Leben trägt. Der vielleicht auch ein wenig von sich selbst enttäuscht ist.

Den erfahrenen Phil, der die Farben der Welt über alles liebte, bis er sie nicht mehr sehen konnte. Der sich wünscht, er wäre Noel der Großvater gewesen, den er gebraucht hat. Und der durch Yara wieder das Schmecken der Farben und Abenteuer lernt, in ihr eine Enkelin findet, wie er sie sich gewünscht hätte.

Yara wiederum findet in Phil den Ausbruch aus ihrem trüben Alltag, der sie ablenkt von der Sorge, den Schuldgefühlen. Und trotz dieser lernen wir sie in der Geschichte als ein aufgewecktes, mutiges Mädchen kennen, das sich nicht scheut, Neues zu wagen.

Alle drei sind wundervoll ausgestaltet, wirken echt. Auch das Geschehen und die Geschichte um zehn Wünsche, die es zu erfüllen gilt, wirkt durchdacht, aufregend und treibt dazu an, die eigenen Wirklichkeit werden zu lassen. Nun sind Bücher über die Erfüllung einer Bucket-List nichts Neues. Aber Avas Ansatz ist es. Es geht hier primär nicht um die eigenen Wünsche, sondern darum jemandem bei der Erfüllung seiner Träume zu helfen, und daraus selbst Lebenslust, Freude und Liebe zu ziehen. Dabei schreibt die Autorin locker, bildhaft-malerisch, packend, ich habe mich selbst an den Stationen der Reise durch Ava Reeds Stil wiederfinden können. Außerdem lernen wir viel über Yara und Noel durch sie selbst kennen, da in wechselnden Perspektiven erzählt wird. Und es war einfach wunderbar.

‚Wir fliegen, wenn wir fallen‘ von Ava Reed ist genau das: Zuneigung, Freundschaft, Liebe – und doch noch so viel mehr. Es ist ein Erfüllen von Wünschen, das Finden des eigenen Seins, eine Reise ins Glück. Aber vor allem ist es ein Wegweiser aus der Dunkelheit, zurück ins eigene Leben. Ava Reed hat hier einen bedeutenden, wundervollen Roman geschaffen, der gleich auf einer emotionalen Highnote startet, den Leser schüttelt, packt und mitreißt. Mit jeder Zeile. Es fließen Tränen, es tanzt das Herz, es setzt die Atmung aus, und es strahlt das Gesicht. Es ist eines dieser Bücher, das man wieder und wieder lesen will, in das man sich einkuscheln muss, weil es tröstet, den Blick zurechtrückt, weil es heilt und Hoffnung gibt. Hoffnung darauf, dass ein Abschied nicht das Ende bedeutet, sondern manchmal als erster Schritt, als Schubs in die richtige Richtung dient. Und dass es Gefühle gibt, die über alle Grenzen hinweg bei einem bleiben.

»Wir stehen einfach da, zwei Ruhende inmitten von so viel Bewegung.«

Das Buch liefert die Botschaft, dass es aber nicht nur den Schubs braucht, sondern auch den Willen und den eigenen ersten Schritt, um eine Veränderung herbeizuführen. Und diesen Schritt muss jeder selbst gehen. So auch Yara und Noel nach dem schmerzlichen Abschied von Phil. Yara und Noel, die sich zunächst nicht leiden können und dennoch dafür entscheiden, in Phils Andenken die Welt zu bereisen, seinen letzten Wunsch zu erfüllen, gemeinsam. Doch den ersten Schritt dazu müssen beide selbst gehen. Beide allein. Es ist die Entscheidung. Und am Ende war es nicht nur eine Reise durch die Welt voller Wünsche, unglaublicher Erfahrungen – die ich hier nicht verraten kann, ihr müsst sie schon selbst durchs Lesen erfahren, das macht den Zauber dieses Buches aus -, das Gewähren eines letzten Willens, sondern vielmehr der Weg ins eigene Leben zurück. Das Bewusstsein, dass man dieses nicht alleine leben muss. Die Chance, das aus zwei Einsamkeiten ein Gemeinsames werden kann. Dass man zusammen eigene Ängste und das Alleinsein überwinden kann. Wenn man denn wirklich will …

‚Wir fliegen, wenn wir fallen‘ wird eines dieser Bücher sein, das ich noch in zwanzig Jahren lesen werde. Immer dann, wenn mein Herz Trost braucht, meine Seele Zuversicht oder wenn ich einfach mit einem glücklichen Gefühl angefüllt sein möchte. Es ist genau, wie die Autorin es schreibt. Ich werde mich immer daran erinnern, wie ich es zum ersten Mal gelesen habe. Und es ist wahr:

»Du schlägst dann nicht einfach nur dieses Buch auf, sondern auch Erinnerungen.«

Und genau das werde ich tun. Ein Jugendbuch, das aus der Masse heraussticht und in seiner Gänze begeistert. Sei es die tief bewegende Geschichte oder das traumhaft schöne Cover – gestaltet von Alexander Kopainski, in wunderbaren Pinktönen gehalten und mit die einzelnen Wünsche symbolisierenden Bildchen verziert. Übrigens mein Lieblingscover. ‚Wir fliegen, wenn wir fallen‘ ist einfach ein gelungenes Gesamtpaket, das schöne Lesestunden voll Gefühl, Abenteuer und Herausforderung bietet. Ich habe von diesem Buch so viel mitgenommen, es hat einfach mein Herz berührt.

 

PS: Ich liebe die Darstellung der Seitenzahlen und kleinen Sprüche, die wie handgeschrieben wirken.

 

Eure Jil Aimée

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GötterFunke - Liebe mich nicht!

Marah Woolf
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Dressler, 20.02.2017
ISBN 9783791500294
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In Band eins von ‚Götterfunke‘ stehen Jess und ihre besten Freunde – Robyn, Josh, Cameron – kurz vor ihrem Schulabschluss. Noch einmal wollen sie daher gemeinsam in die großen Ferien fahren. Etwas Unvergessliches erleben und zusammen viel Spaß haben. Erinnerungen schaffen, von denen sie lange zehren können. So begeben wir uns am Anfang der Geschichte mit Jess und den anderen für sechs lange Wochen in ein Sommercamp. Es soll ein Camp voller Spaß, aufregender Aktivitäten und auch den ein oder anderen Lehrveranstaltungen sein, um perfekt für das Leben danach und das Studium vorbereitet zu sein. Doch gleich zu Beginn passiert etwas Schreckliches: Jess und ihre beste Freundin Robyn erleiden einen schweren Autounfall, der sie das Leben kosten müsste. Es kommt Jess vor wie ein Traum – ein schlechter und guter zugleich. Sie sieht sich verletzt am Boden liegen, spürt, dass sie nicht mehr atmet und auch Robyn rührt sich nicht. Aber dann tauchen da diese Gestalten auf – wunderschön und beängstigend zugleich. Sie scheinen zu streiten, was mit den Opfern geschehen soll. Doch Jess kann ihnen nicht zuhören, sie hat nur noch Augen für einen von ihnen. Der eine, der sie schließlich beide rettet, sie in seine starken Arme schließt und dessen Duft und Anwesenheit tröstend auf Jess wirken. Es scheint alles so real, aber dann wacht sie auf. Sie sitzt im Auto und Robyn steuert dieses weiter ohne Probleme in Richtung Camp.

Hat es diesen Unfall gar nicht gegeben, selbst wenn er sich so echt angefühlt hat?  War alles wirklich nur ein Traum?

Jess versucht sich genau das einzureden, bis sie bei Ankunft im Camp auf ihn trifft. Ihren Retter. Dieser heißt Cayden, ist wahnsinnig schön, klug und unglaublich stark. Vor allem aber ist er der Frauenmagnet im Camp und zieht dort in den nächsten Wochen nicht nur Jess in seinen Bann. Es scheint, als könnten ihm die Mädchen nicht widerstehen. Als ginge etwas Übernatürliches, fast Göttliches von ihm aus, sodass sie sich alle unweigerlich in ihn verlieben. Auch Jess. Doch für sie scheint er nicht dasselbe zu empfinden. Er spielt mit ihr, ist ihr mal nahe, nur um im nächsten Moment wieder kalt und fern zu sein. Er verwirrt sie. Doch er ist nicht das einzig Merkwürdige, das im Camp vor sich geht. Denn er wird von einem Jungen namens Apoll und einem Mädchen namens Athene begleitet. Und das scheint im Camp nicht die einzige Parallele zu Göttern zu bleiben ...

Schnell merkt Jess, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Mehr und mehr glaubt sie, dass der Unfall und ihre Rettung kein Traum waren, also entschließt sie sich, Cayden mit ihrer Vermutung zu konfrontieren. Doch was dann passiert, hätte sie sich niemals vorstellen können …

Gibt es die Welt der Götter wirklich und wurde Jess von einem solchen gerettet? Oder ist Cayden nur ein ganz normaler Junge, der mit ihren Gefühlen spielt? Empfindet er vielleicht doch mehr für sie, kann es nur nicht zeigen? Und was hat Robyn damit zu tun, was ein Kampf um Leben, Mythen und Tod, der bald einsetzt? Ist Jess vielleicht nur der Spielball in einem viel zu mächtigen Spiel? Und ist Cayden wirklich der, der er vorgibt zu sein?

»Geh zurück in deine Höhle und lass die Menschen in Ruhe und mich auch.«

Taucht ein in das brandneue Abenteuer von Marah Woolf, erstmals erschienen im Dressler Verlag, und lasst Euch mitreißen von einer Welt in der unsrigen. Von Göttern, Mächten und dem ganz normalen Teenageralltag. Und bestreitet mit Jess zusammen nicht nur den Kampf um die erste Liebe, sondern auch um das Leben, um Wünsche, Träume und die eigene Person. Der Autorin ist hier ein meiner Meinung nach grandioser Auftakt zu einem neuen Epos gelungen, das Jung und Alt gleichermaßen packen wird. Wer gerne unschuldige Liebesgeschichten liest und auch den griechischen Mythen zugetan ist, wird mit ‚Götterfunke‘ genau das richtige Buch finden. Es vereint, wie bereits gesagt, Drama, Mythos und den alltäglichen Teenagerwahnsinn, gewürzt mit dem Bild der Götter. Dabei bleibt es in jedem Satz spannend, mit jedem geschriebenen Wort entfaltet sich der Schauplatz vor dem Leserauge und packt einen mit seinen runden, ausgefeilten Protagonisten, die - trotzdem sie teilweise Götter sind – echt und greifbar, real wie Du und ich wirken. Auch die wundervolle Andeutung einer sich anbahnenden Liebesgeschichte ist dabei gelungen und fügt sich nahtlos in das Geschehen ein. Ein Geschehen, bei dem ein Abenteuer das nächste jagt, ein Herzsprung auf den nächsten folgt, und nicht nur eine Freundschaft getestet wird. Alles immer in einem dem Genre angemessenen Tempo. ‚Götterfunke‘ konzentriert sich dabei nicht nur auf die zwei Protagonisten Cayden und Jess, sondern spinnt auch für die anderen Charaktere durchdachte Geschichten samt emotionaler Achterbahnfahrt und etlicher Herausforderungen, die alle zum perfekten Zeitpunkt zusammenlaufen. Dabei fiebert man mit jedem Einzelnen von ihnen mit. Es ist ein rundum gelungener Auftakt, der einen Band zwei herbeisehnen lässt, weil man unbedingt wissen muss, wie es weitergeht. Zumindest ging es mir so, aber ich bin sicher, auch ihr werdet großen Gefallen an dieser Geschichte finden.

Der Schreibstil ist dabei jugendlich, flüssig und dem Genre angemessen leicht zu lesen. Er packt, umschreibt mit malerischem Talent die einzelnen Geschehnisse, liefert Bilder, die ergreifen und sich einen in die Geschichte träumen lassen. Wie viele bereits wissen, bin ich ein großer Fan von Marah Woolfs Büchern, doch dieses hier ist ihr erstes Verlagsbuch. Und so war ich besonders gespannt, ob am Ende noch genug Marah drin sein wird. Die Erwartungen waren groß, und ich wurde nicht enttäuscht. Sie ist ihrem Stil treu geblieben - malerisch, jugendlich, niemals langweilig, und viele identitätsstiftende Charaktere hat sie auch noch reingeschrieben. Ein Aspekt der gerade im Bereich Jugendroman sehr wichtig ist. Mit Jess haben wir das verantwortungsbewusste und stets lernende, für Wahrheit eintretende Mädchen. Robyn hingegen ist die freiheitsliebende, unbändige beste Freundin, die einfach eine gute Zeit haben will und sich und ihr Äußeres dabei auch einzusetzen weiß. Cayden ist der Wolf im Schafspelz, wobei eher umgekehrt. Er wirkt zunächst unnahbar, gefährlich, wie ein Bad Boy. Doch mit der Zeit entpuppt sich sein wahres Ich und seine sensible Seite. Und es bleibt für den Leser herauszufinden, was das genau bedeutet. Zusammen erleben sie auf jeden Fall einen aufregenden Sommer. Übrigens gibt es noch ein kleines Highlight: Auch der Götterbote Hermes hat seinen Auftritt in der Geschichte. Dabei hat er stets einen lockeren Spruch auf den Lippen bzw. in der Feder. Für mich mein Liebling in diesem Buch. Er wirkt frisch, jung und so, als ließe er sich nur ungern etwas sagen. Da es nun mal ein Jugendbuch ist, sind daher Aspekte wie starke Spannung und große Liebe im dafür passenden Rahmen gehalten, sodass es sich gut zusammenfügt.

Kommen wir nun zur Aufmachung des Buches. Es ist ein Hardcover, ohne Schutzumschlag in sanften Rosa- und Lilatönen gehalten, die kleine, verspielte Verzierungen durch den Einband weben. Innen findet sich eine Karte des Camps, sodass der Leser jederzeit nachschlagen kann, wo was genau stattfindet. Am Ende findet sich auch ein Glossar, das die griechischen Mythen gemischt mit Marahs Kreativität und Gestaltungsspielraum perfekt erklärt, sodass man unbedarft in die Geschichte um Cayden und Jess starten kann. Der Schutzumschlag selbst ist vom Glanz, dem einzigartigen Farbenspiel und der angenehmen Haptik her ganz wundervoll gestaltet. Nur an das Mädchen darauf muss ich mich wohl noch etwas gewöhnen. Das wäre bei diesem tollen Gesamtpaket mein einzig wirklicher Minuspunkt. Aber das ist ja immer Geschmackssache und für das Genre ist es so sicher passend gewählt. Ich bin schon sehr gespannt, wie Band zwei aussehen wird.

Alles in allem kann ich sagen: Kauft und lest dieses Buch. Es ist eine wundervolle Mischung aus Liebe, Mythos und dem Erwachsenwerden. Außerdem vermittelt es die Botschaft, niemals aufzugeben und für das zu kämpfen, was das eigene Herz schlagen lässt.

Eure Jil Aimée

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Tags: dressler verlag, götterfunke, liebemichnicht, marah woolf, rezension   (5)
 

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Die Perlenfrauen

Katie Agnew , Jens Plassmann
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.02.2017
ISBN 9783453420298
Genre: Romane

Rezension:

In ‚Die Perlenfrauen‘ begeben wir uns mit Sophia auf die Suche nach der wertvollen Perlenkette ihrer schwer kranken Großmutter, die nicht mehr lange zu leben hat. Sophias Großmutter hat diese Perlen einst von ihrem geliebten Vater erhalten – sie bedeuten für sie alles, und ihr Wert geht weit über den finanziellen Aspekt hinaus. Es ist ihr letzter Wille, diese Kette noch einmal zu sehen, bevor die einst weltberühmte Schauspielerin die Welt für immer verlässt und eine leere Bühne zurückbleibt. Nur leider gelten die Perlen als verschollen, doch Sophia will ihrer Großmutter diesen letzten Wunsch unbedingt erfüllen, da sie sie über alles liebt, und begibt sich schließlich mit Hilfe ihres besten Freundes auf die zunächst aussichtlose Suche – die sie nicht nur an ihre eigenen Grenzen bringen, sondern auch dunkle Geheimnisse der Familie offenbaren wird.

Oma Tilly war immer für ihre Enkelin da, hat sie in Schutz genommen, wenn die Eltern sie wieder einmal bezichtigten, nur Unfug im Kopf zu haben, die Familie zu enttäuschen oder nichts als eine Erbschleicherin zu sein. Das Verhältnis zu den Eltern ist mehr als getrübt, kaum noch existent. Sophia fühlt sich verstoßen, von Mutter und Vater im Stich gelassen, nur in Oma Tillys Armen findet sie noch Halt. Doch dieser läuft die Zeit davon …

·         Kann sie die Perlen wirklich rechtzeitig finden?

·         Wo soll sie überhaupt zu suchen anfangen?

·         Was wissen ihre Eltern über den Verbleib der Kette?

·         Und zerstört die Suche nach diesem Erbe das Verhältnis zu diesen endgültig?

·         Warum ist es Oma Tilly so wichtig, die Perlen noch einmal zu halten?

·         Oder verfolgt sie dabei vielleicht einen ganz anderen Plan?

·         Und was haben japanische Perlentaucher und der New Yorker Dominic damit zu tun?

Begebt Euch selbst in das Abenteuer Familiengeheimnisse und erfahrt, dass viele Leben und Schicksale durch eine Kette miteinander verbunden sein können. Zwei fremde Leben, beide zerbrochen, kreuzen sich, werden durch eine Kette zusammengefügt und gewinnen so füreinander an Bedeutung. Erfahrung Heilung.

·         Doch finden sie auch das Glück?

„Manchmal erschien dieses Haus in der Victoria Park Road wie ein Ort, an dem Chancen zu Grabe getragen wurden.“

‚Die Perlenfrauen‘ war mein erster Roman von der Autorin. Er bewegt sich im Bereich Gegenwartsliteratur / Liebesroman. Gereizt an dem Buch haben mich zunächst das schöne Cover sowie der einschlägige und prägnante Klappentext. Das Cover wirkt edel und macht Lust auf Frühling, auch wenn sich die Geschichte selbst eher in Richtung Weihnachten bewegt. Aber der Frühling entsteht im Herzen, durch die Geschichte bekommen Mutter und Tochter eine neue Chance auf Glück. Von daher ist es passend gewählt. Es glänzt wie die vollkommenen Perlen des Colliers, welches in der Geschichte Thema wird, wirkt mit seinen pinken und gelben Blumen auf weißem Hintergrund recht fröhlich, auch wenn der Inhalt zunächst düster und schicksalsergeben daherkommt. Es zeigt eben den Wandel und was alles entstehen kann, wenn man es nur zulässt. Es ist ein bekanntes Thema, das aber innovativ und gut umgesetzt wurde. Die Geschichte ist in mehrere Teile untergliedert, die den Wandel innerhalb des Buches aufzeigen und die Verbindung der einzelnen Leben begründen. Jeder Teil hat dabei einen ganz eigenen Bezug zum Thema Tauchen, was Grundvoraussetzung für das Finden der Perlen gewesen ist. Teil eins stellt die einzelnen, in sich stimmig ausgearbeiteten Charaktere vor. Ihre Besonderheiten, ihr Leben bisher, ihre Vergangenheit und ihre Welt. Er offenbart die Liebe eines Einzelnen und drängt dazu, in das Geschehen einzutauchen, um es mit all seinen Facetten zu verstehen. Leider, wirklich leider ist es mir hier besonders schwer gefallen, in die Geschichte zu finden. Sie ist gut ausgearbeitet und auch der Schreibstil wirkt flüssig und stimmig, nur hat er mich dieses Mal einfach nicht gepackt, die Geschichte mich nicht überzeugt. Das hat mehrere Gründe wie zum Teil die manchmal für mich nicht ganz nachvollziehbaren Handlungen der Protagonisten oder auch die zum Ende hin übereilt wirkende Liebesgeschichte. Mir fehlte auch einfach der Sog, sodass ich mehrfach von Neuem begonnen habe. Daher folgt diese Rezension auch so spät. Aber ich musste warten, bis mich eine weitere Chance in die Geschichte gezogen hat. Das Gefühl ist da, nur hat es mich nicht in voller Breite erreicht. Dennoch ist es eine lesenswerte und schöne Geschichte. Vielleicht war es für mich nur einfach nicht die richtige Zeit dafür. In Teil zwei des Buches geht es tiefer in die Verstrickungen, man erahnt langsam, dass es Geheimnisse in aller Leben gibt, die richtungsweisend sein werden. Teil drei wiederum führt alles zusammen, löst es auf und dient als Neubeginn. Daher auch der Titel der Rezension: Verpasste Gelegenheiten = neue Chancen. Denn genau so ist es im Roman. Es zeigt, dass alles irgendwie miteinander verbunden ist auf dieser Welt – wie die Perlen einer Kette. Auch sie haben ihre Geschichte und sind Bindeglied zwischen unterschiedlichen Leben. Es gibt nicht immer nur die eine Seite einer Geschichte. Das Leben ist generationenübergreifend und es lohnt sich immer der Blick über den eigenen Tellerrand. Am Ende findet die Geschichte eine positive Auflösung, die mich mit dem Roman wieder etwas versöhnt hat. Der Weg dahin hätte besser getaktet sein müssen – zumindest für meinen Geschmack. Dennoch der Einstieg fiel mir diesmal sehr schwer. Für mich bleiben auch einfach zu viele wichtige Fragen offen:

·         Was passiert mit dem Sophias Vater?

·         Was geschieht mit der Perlenkette?

·         Lernt die Familie Tillys Bruder kennen?

·         …

 

Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt für mich, diese durchaus sprachlich und inhaltliche schöne und wertvolle Geschichte zu lesen. Ich bin überzeugt, zu einem späteren Zeitpunkt hätte sie mich mehr überzeugt, und daher werde ich sie mit etwas Abstand noch einmal lesen. Aber macht Euch doch selbst ein Bild, sie zu lesen und sich von den Geheimnissen der Familie Beaumont packen zu lassen, lohnt sich allemal.

 

„Ich wollte das ganze Märchen und würde mich nicht mit weniger abfinden.“

 

Eure Jil Aimée

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