JilAimee

JilAimees Bibliothek

114 Bücher, 102 Rezensionen

Zu JilAimees Profil
Filtern nach
114 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

15 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

rezension, glückssterne, claudia winter, lieblingsbuch, goldmann

Glückssterne

Claudia Winter
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 12.12.2016
ISBN 9783442485437
Genre: Liebesromane

Rezension:

ACHTUNG: Dies ist eine Vorab-Rezension, das Buch ist ab dem 12.12 im Handel erhältlich.

An dieser Stelle einen lieben Dank an das Team von Goldmann für das Vorab-Leseexemplar -, was meine Meinung natürlich nicht beeinflusst hat. 

In ‚Glückssterne‘ treffen wir auf Josefine – eine junge Anwältin, die einen festen Plan für ihr Leben ausgearbeitet hat, an dem sie wiederum akribisch festhalten will. Komme, was da wolle. Erfolg im Beruf, ein geregeltes und mehr als stattliches Einkommen. Die entsprechende Wohnung, in der sie schöne und intellektuell bereichernde Stunden mit ihrem Zukünftigen – Justus, ebenfalls erfolgreicher Anwalt und Schnösel [Hallo: er hat sie per Post-it gefragt, ob sie ihn heiraten will?]– verbringt. Natürlich ist die gemeinsame Zukunft samt Kinder und deren Namen schon genauestens ausgetüftelt und die Hochzeit steht in zwei Wochen an. Es läuft eben alles wie geplant und Josie könnte eigentlich nicht glücklicher sein. Doch genau da ist es. Dieses Wörtchen ‚eigentlich‘. Denn eigentlich stellt sie mit jedem Tag, der vergeht, mehr fest, dass sie und Justus vielleicht doch nicht so gut zusammenpassen -, auch wenn sie sich das zunächst nicht eingestehen will. Er folgt stets den strikten Anweisungen der Kanzlei und ist wenig empathisch. Selbst wenn es nur um die Regel geht, den Rollo immer oben zu lassen. Josie, so sehr sie sich auch um eine unterkühlte und distanzierte Fassade bemüht, ist aber genau das Gegenteil. Sie ist empathisch und schließt den Rollo gern, um ihren Mandaten mehr Schutz zu geben. Eigentlich stört es sie auch, dass Justus immer so geschäftsmäßig und auch in privaten Dingen kurz angebunden ist. Er meldet sich kaum, wenn er unterwegs ist und die magischen drei Worte hat er in fast einem Jahrzehnt gefühlt erst zweimal gesagt. Und seinen Spitznamen für sie findet sie auch nicht wirklich schön. Und eigentlich kann ihre Familie den netten Herrn Anwalt nicht ausstehen. Sie wüsste das, würde sie nur wirklich zuhören oder zumindest ihre Augen öffnen, doch das könnte ja den schönen Plan von der Zukunft zerstören. Und dieser gibt ihr genau die Sicherheit, die sie in ihrem Leben immer brauchte: den Schutz und Erfolg des Vorhersehbaren. Ja, Josie hält genau daran fest und will ihren Justus heiraten. Sie sind über die Jahre einfach ein perfekt eingespieltes Team geworden und inzwischen scheint sich auch ihre Familie damit arrangiert zu haben, so helfen sie ihr doch zumindest bei den Hochzeitsvorbereitungen. Zu Josies Glück fehlt nur noch eines: der legendenumwobene Brautring der Familie. Denn nur wer diesen bei seiner Trauung trägt, wird eine lange und glückliche Ehe führen. All jenen, die sich weigerten, den Ring am entscheidenden Tag zu tragen, ist Schreckliches widerfahren. Natürlich ist Josie nicht abergläubisch, doch ihre strenge Großmutter und auch der Rest der Familie ist es, drum wird sie diesen Ring des Familienfriedens willen tragen. Wäre da nicht nur diese winzige Kleinigkeit: Er ist verschwunden, zusammen mit ihrer Cousine Charlie. Und zwar in die Highlands von Schottland und das so knapp vor der Hochzeit. Es bleibt ihr folglich nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach ebendiesem Ring zu begeben. Doch was sie schließlich in Schottland findet, wird sie mehr als einmal überraschen …

»Mit dem Whisky ist es wie mit diesem Land. Man muss ihn nicht mögen, damit der Funke überspringt. Aber wenn man erst einmal dafür brennt, ist man verloren.«

Denn dort angekommen, macht sie nicht nur die Bekanntschaft des vermeintlichen Frauenhelden Aidan, der sie infolge aus ihrem hart errichten Panzer zu reißen und ihre Zukunft ins Wanken zu bringen droht, sondern trifft auch auf ihre zwei schrulligen Tanten, die ihre ganz eigenen Beweggründe zu haben scheinen, Schottland unsicher zu machen. Es kommt zu einer Verkettung unerwarteter Überraschungen und aberwitziger Zufälle, die das Vierergespann letztlich auf der Suche nach dem verschwundenen Ring zusammenführen und uns auf eine wunderschöne Tour durch Schottland mitnehmen. Eine Tour voller Leckereien, Gastfreundschaft, landschaftlicher Sensationen und Familiendrama – gewürzt mit einem Hauch von Anziehungskraft und Abenteuer. Und am Ende der Reise muss Josie erkennen, dass sie zwar den Ring suchte, aber sich selbst wiederfand …

·         Wird es Josie gelingen, den legendenumwobenen Brautring zurückzuerlangen und gemeinsam mit ihrer Cousine nach Deutschland zurückzukehren?

·         Ist die Legende um den Ring dabei Fluch oder Segen für die junge Verlobte?

·         Welches Geheimnis und welche Überraschung hat die kühle Großmutter noch in petto?

·         Für wen wird sich Josie am Ende entscheiden: Verstand oder Herz?

·         Oder geht sie vielleicht ganz andere Wege und startet alleine durch?

Lest selbst und findet es heraus. Es lohnt sich, diese romantische Komödie mit ihren liebevoll ausgestalteten und wunderbar durchdachten Charakteren in Euer Leserherz zu lassen. Es sind Menschen wie Du und Ich – voller Ecken und Kanten, eigener Sehnsüchte und Ängste und jeder mit einem Koffer voll Gepäck. Doch manchmal trägt sich Gepäck eben leichter, wenn man Hilfe hat. Und genau das verkörpert dieses Buch für mich so sehr: Hilfsbereitschaft bei der wichtigsten Suche, der Suche nach der eigenen Zukunft. Dabei verpackt die Autorin gekonnt in Charme und Witz gekleidete Eigenheiten der Protagonisten und entführt uns in den Zauber Schottlands. Es wirkt echt, greifbar und rund. Man fühlt mit Josie mit, entwickelt sich, ist verzweifelt, traurig und auch verliebt. Alles auf einmal. Und am Ende der Geschichte ist man glücklich, weil dieses Buch einfach bereichernd ist.

Claudia Winter schreibt elegant und packend, gefühlvoll und eine gute Zeit versprechend, die man mit diesem Roman in jedem Fall hat. Mit authentischen und doch malerischen Beschreibungen der Szenerie zieht sie uns fast auf magischem Weg in die Geschichte, lässt uns von den schottischen Highlands träumen und mit Josie zusammen eine Liebe zu diesem Land entwickeln, die man zunächst vielleicht gar nicht auf dem Schirm hatte. Man ist mit dem ersten Satz direkt in der Geschichte und fiebert mit. Mit den schrulligen Tanten, die dem Roman den perfekten Rahmen geben, und ihrem Leben, aber vor allem mit Josie und der Wahl zwischen zwei Männern die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine durchgeplant, nüchtern und pragmatisch. Der andere gefühlvoll, ehrlich und voller Überraschung steckend. Mein Liebling ist hier ganz klar Aidan, denn er lehrt einen, in sich hineinzufühlen, hinzuhören und das Leben in seiner ganzen Bandbreite zu schmecken, das Unbekannte zu suchen, das Abenteuer zu wagen. Er lehrt einen zu brennen, ohne dabei zu verbrennen. Justus hingegen – er hat sicher auch seine guten Seiten – setzt in seiner Spießbürgerlichkeit einfach auf Josies Seele nur Staub an, der ihr die Luft zum Atmen nimmt. Dabei sind es doch gerade die Stolpersteinchen, die kleinen Unvorhersehbarkeiten und manchmal auch die Dornen einer Distel, die das Leben erst Leben werden lassen und einen aus dem technischen Uhrwerk reißen, das bisher zwar immer stumm und kühl nach Plan verlief, aber eben ohne Farben, Wärme und Leben war.

Also: Wer einfach mal vom gewohnten Weg ausbrechen und sich in das Unbekannte und den Genuss wagen möchte, kommt mit dieser romantischen Komödie voll auf seine Kosten und wird noch mit einem Sahnehäubchen an leckeren, authentischen Rezepten zum Ausprobieren belohnt. Rezepte, die einen beim Nachkochen und -backen direkt wieder in die Geschichte ziehen und einem nicht nur den Magen, sondern auch das Herz erwärmen. Sie sind einzigartig und schön, wie es auch das Cover dieses Romans mit seinen Herzwaffeln, dem leichten Zuckerstaub und der süßen Marmelade ist. Es lädt einfach zum Genießen dieser gelungenen Geschichte ein. Dazu gesellt sich ein für den Roman wirklich absolut passender Titel, der für jeden von uns – jeden Leser – sicher etwas anderes bedeutet. Und so soll es auch sein, denn kein Glück ist gleich. Meine erste Assoziation: Schaue in den Himmel und finde Deinen eigenen Glücksstern, denn ein wenig Glück brauchen wir doch alle. Und manchmal kommt es eben im Kilt und mit Schokotorte daher. Manchmal aber auch mit Aktenkoffer und Anzug. Nur schau genau hin, denn der erste Blick kann oft täuschen …

Wie man den Genuss von Aidans Kreationen beim Lesen erahnen kann, so schmeckt man in jedem Wort die Farben und den einzigartigen Charakter Schottlands. Man spürt die Süße einer jungen Liebe und den Zauber alter Legenden – sei es die um eine Familie oder gar um ein Land. All dies macht ‚Glückssterne‘ zu einem wahren Lesejuwel, das weit schöner funkelt, als es ein Brautring je könnte. Claudia Winters neuer Roman ist ein Buch, das man möglichst langsam lesen möchte – bei einem leckeren Tee und ein paar Scones, vielleicht auch bei einem Single Malt -, um die Geschichte um Josefine, Justus und Aidan sowie die zauberhafte schottische Kulisse nicht so schnell wieder loslassen zu müssen. Im Herzen wird man sie ohnehin lange tragen, denn es ist eines dieser seltenen Bücher, das komplett berührt: Verstand, Herz und Seele. Es ist einfach eine wirklich schöne Liebesgeschichte voll emotionalem Reichtum sowie spannungsgeladenem Drama und mit einem hochkarätigen Erzählstil. Meine absolute Leseempfehlung an Euch: Holt Euch ein Stück schottischen Frühling in diese trübe Jahreszeit und lasst Euch mitnehmen auf eine Reise zu Euch selbst. ‚Glückssterne‘ ist ein typischer Claudia Winter: eine Geschichte über die Liebe, das Schicksal und verpasste Chancen. Eine Geschichte über unverhoffte, glückliche Fügungen und ganz viel Mut. Und ich kann hier nur meine eigenen Worte zu einem vorherigen Buch der Autorin zitieren: Eine Geschichte garniert mit dem besten Geschmack der Welt: dem Leben.

 

Eure Jil Aimée

  (0)
Tags: claudia winter, glückssterne, goldmann, lieblingsbuch, rezension, vorablesen   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(45)

106 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

weihnachten, liebe, sarah morgan, puffin island, morgan

Für immer und einen Weihnachtsmorgen

Sarah Morgan , Judith Heisig
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.10.2016
ISBN 9783956496028
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(121)

546 Bibliotheken, 15 Leser, 1 Gruppe, 60 Rezensionen

mondprinzessin, mond, fantasy, ava reed, liebe

Mondprinzessin

Ava Reed
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 01.10.2016
ISBN 9783959913164
Genre: Fantasy

Rezension:

In Ava Reeds ‚Mondprinzessin‘ begeben wir uns gemeinsam mit Lynn auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Dem Sinn ihres Lebens. Lynn ist eine Waise, die keinerlei Erinnerungen an ihre Eltern hegt, im Heim immer schikaniert und gemobbt wird und ihre Flucht aus dem harten und vor allem kalten sowie zermürbenden Alltag in einem Studio für Kampfsportarten findet. Dort hat sie in ihrem Trainer auch ihren einzigen Freund – zumindest in einer Art. Er gibt ihr Raum zum Kämpfen, zum Wehren, zum Starksein, damit sie sich zurück im Heim nicht unterkriegen lässt.

·         Doch kann er ihr auch wirkliches Leben geben?

·         Freude am Sein?

Lynn ist eine Kämpferin, die sich doch nichts sehnlicher wünscht, als irgendwo dazuzugehören. Doch im Heim hält sie es nicht viel länger aus. Zu sehr schmerzt die Erkenntnis, allein zu sein. Zu sehr lastet der Druck auf ihr, irgendwie anders als die anderen zu sein. Und so sehr sie sich auch zurückzieht und im Stillen, im Durchhalten kämpft, so sehr fühlt sie sich doch auch verloren.

„Wenn uns das Leben noch überraschen kann, das Leben und alles um uns herum, dann sind wir noch nicht verloren.“

Bis sie eines Tages zu leuchten beginnt - im wahrsten Sinne des Wortes - und sich ihr Leben mit einem Schlag ändert. Doch diese Änderung bringt nicht nur Freiheit und sie vom Waisenhaus fort, sondern führt sie auch in eine neue Welt, die viele Gefahren und so manches Mal auch den Schmerz der Wahrheit birgt …

·         Ist es wirklich besser, die Wahrheit zu kennen, auch wenn sie unendlich wehtut?

·         Wohnt jedem Anfang tatsächlich ein Zauber inne oder ist es nur eine Illusion, die schließlich zu Staub zerfällt?

·         Ist das Neue nicht immer fremd, bis man es sich bekannt gemacht hat und es somit an Bedrohlichkeit verliert?

·         Und findet man manchmal nicht Freunde in den überraschendsten Momenten und in den ungeahntesten Formen?

Juri ist ein Mondkrieger, der im Dienste des Königs steht. Genau vor siebzehn Jahren kam es auf schreckliche Art und Weise zum Verlust der Kronprinzessin und der Mond wurde in eine lange Phase tiefster Trauer gestürzt.

„Vor allem, weil mit jedem Tag ihrer Abwesenheit des Königs Trauer wächst.“

Bis eines Tages ein Leuchten – so stark wie die Sterne selbst – erscheint, und Juri sich entschließt, die verlorene Prinzessin zu finden. Dabei trifft er unweigerlich auf die toughe und so gar nicht prinzessinnenhafte Lynn, die sein Leben aus der für ihn gewohnten Umlaufbahn wirft und ihn vieles – auch alte Freundschaften – hinterfragen lässt.

·         Wird Juri nicht nur die Prinzessin finden und dem Mond sein Glück wiederbringen können, sondern auch sein eigenes erkennen?

·         Welche Gefahren erwarten ihn auf seiner Reise und was geschieht mit der Prinzessin und ihrem Schicksal, sollte sie heimkehren?

·         Ist sie dann wirklich frei oder findet sie sich nur in einer anderen Art von Gefängnis wieder?

Lest selbst und lasst Euch überraschen von diesem magischen Ausflug auf unseren leuchtenden Nachbarn. Lasst Euch entführen in ein Leseabenteuer der anderen Art, das Euch nicht nur träumen, sondern auch wahrlich wünschen und leben lässt.

Mit ‚Mondprinzessin‘ ist der lieben Ava Reed ein kleines Juwel – ein Mondstein – unter den Büchern unserer Zeit gelungen. Nicht nur die Geschichte an sich ist atemberaubend fantastisch und dennoch greifbar und nah wirkend, sondern auch das Cover lässt das Buch in einem unvergleichlichen Glanz erstrahlen. Dem Cover-Designer ist da ein kleines Meisterwerk für sich gelungen, das seinesgleichen sucht. Ich gestehe, ich bin ein Covernerd und in dieses verliebt, sodass ich es mir unbedingt auch als TB holen muss. Das Cover mutet in einem dunkelblauen schimmernden Himmel an, der samtig und zugleich glitzernd wie die Sterne wirkt, was dem Gewand des Buches schon etwas Mystisches verleiht. In der Mitte findet sich der Mond, auf dem die Protagonistin und ihr Seelenbegleiter – dazu komme ich gleich noch! – erstrahlen und in die Ferne blicken. Es ist tröstend und neugierig machend in einem. Einfach faszinierend und für mich in seiner Schlichtheit und Eleganz absolute Oberklasse.

Die Charaktere im Buch wirken echt – wie du und ich – und doch so besonders. Einem jeden davon sind seine eigenen Stärken und Schwächen gegeben. Jeder hat sein eigenes Päckchen, sein eigenes Drama zu tragen und zu bewältigen und doch sind sie in ihrer Gesamtheit absolut liebevoll gestaltet und verlieren sich nicht in ihren eigenen Problemen, sondern kämpfen zusammen. So auch die beiden Protas Lynn und Juri – die ihr unbedingt selbst kennenlernen müsst. Während Lynn sagt, was sie fühlt und denkt und sich mutig einer außergewöhnlichen neuen Situation mit all ihren Pflichten und Verantwortungen samt Gefühlschaos stellt, obwohl sie sich im Heim noch in der Einsamkeit und in dem Anderssein versteckt hat, ist Juri ein vielschichtiger, doch stiller Held. Retter und Geretteter zugleich. Ihn verbindet dabei mehr mit Lynn als man zunächst denken mag, doch er öffnet sich nur langsam. Er versucht Lynn zu stärken, für das, was auf sie zukommt. Mal auf spielerische, neckende und mal auf pflichtbewusste, fordernde Art. Dabei sucht er auch selbst nach einem Stück Heilung für etwas, das in ihm kaputtgegangen schien. Lynn selbst wiederum muss sich erst noch finden – nicht nur in der neuen Situation -, sondern ganz allgemein ihre Wurzeln und ihr eigenes Ich. Doch zusammen gehen die beiden das an, unterstützen sich, stützen sich. Dabei geraten sie natürlich auch mal aneinander und es entsteht ein atemberaubendes Feuerwerk aus royalem Sarkasmus, erfrischender Ehrlichkeit und hervorragend pointiertem Humor. Dass wir die beiden Protas dabei so gut kennen- und ihre ganz eigenen Motive und Emotionen verstehen lernen, hat Ava Reed durch einen glaubhaften und gut durchdachten Perspektivenwechsel in der Erzählstimme erzeugt. Man hat sich den beiden beim Lesen einfach so unglaublich nahe gefühlt, also wäre man dabei und würde nicht nur über ihre Geschichte/n lesen.

Besonders gefallen hat mir, dass einigen Charakteren in diesem Buch sogenannte Begleiter zur Seite gestellt wurden, die ein Teil ihres jeweiligen – nennen wir es – Schützlings sind. Dadurch entsteht eine hohe Emotionalität zwischen den einzelnen begleitenden Wesen und Charakteren, aber auch ein schönes neues Detail, dass es für den Leser zu entschlüsseln gilt. So hat auch Lynn eine Begleiterin, die ihr in Form eines Waschbären namens Tia zur Seite steht und eine gute Freundin wird. Als teilten sie sich eine Seele, ein Herz. Eine wunderbare Idee.

Unterstützt wird dies durch einen angemessenen und vor allem angenehmen Schreibstil, der durch seine Leichtigkeit überzeugt und einen die Seiten nur so dahinlesen lässt wie Sternenstaub, der durch den Himmel schwebt. Er ist an genau den richtigen Ecken und Knackpunkten der Geschichte würzig und untermalt die fantastische Geschichte mit atemberaubenden Vergleichen, gekonnten Anspielungen und gibt ihr ein Farbspektrum der besonderen Art, das vor dem Leserauge in einzigartig magischen und zugleich greifbar wirkenden Bildern explodiert. Man kann sich also alles direkt vorstellen, es quasi miterleben und dabei in die Magie des Mondes und die Schönheit der Erde eintauchen. Zur Idee der Geschichte selbst und zum Rest werde ich an dieser Stelle nichts weiter verraten, lasst Euch einfach überraschen und entdeckt die Besonderheiten dieses Märchens selbst. Es lohnt sich.

‚Mondprinzessin‘ ist eine wundervolle Geschichte samt Gänsehautfeeling, die einen nicht nur lehrt, nach den Sternen zu greifen und dabei immer seinem Herzen zu vertrauen, sondern die einem auch zeigt, wie wichtig es ist, man selbst zu sein und zu bleiben. Die Worte der Autorin sind dabei stets stilvoll und zaubern eine magische, atemberaubend atmosphärische Kulisse, die dennoch greifbar und real wirkt. Ich bin schlichtweg begeistert. Die Idee und Ausarbeitung der Geschichte ist absolut gelungen, mehr als das. Sie begeistert mit jedem Wort, mit jedem Satz und vermittelt in jedem Charakter das Besondere, das das Lesen zu einem wahren Genuss macht. Sie ist das Träumen in der heutigen Zeit, das Zurücken zueinander, das Wagen, man selbst zu sein. Einfach eine Geschichte zum Wohlfühlen - durch und durch - einfach magisch, und sie kommt genau zur richtigen Zeit. Das Buch ist ein Juwel. Nein, ein Mondstein, ein Kristall, mein Lesehighlight des Herbstes.

„Der erste Eindruck ist trügerisch. So wahr er sein kann, so sehr kann er dich in die Irre führen. Also vertraue auf den zweiten Eindruck.“

Ein wunderbares Zitat aus der Geschichte, doch für das Buch selbst gilt es nicht. Denn mein erster Eindruck war schon WOW und der zweite ist es auch :D.

Viel Spaß damit,

Eure Jil Aimée

PS: Ich habe mir so viele Lieblingsstellen angestrichen wie selten zuvor. Ein Buch der Zitate, die mich noch lange begleiten und erfreuen werden.

  (16)
Tags: ava reed, drachenmond verlag, highlight, mondprinzessin, rezension   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(31)

60 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

tod, jugendbuch, familie, liebe, hamburg

Für dich soll's tausend Tode regnen

Anna Pfeffer
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 12.09.2016
ISBN 9783641156978
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In dem Verlagsdebüt von Anna Pfeffer – einem zauberhaften Autorinnenduo – erleben wir mit Emi den ganz normalen Schulwahnsinn und noch vieles mehr. Besonders, wie es ist, wenn man die Neue ist. Eine fremde Stadt, eine neue Schule, ein neues Leben. Und das nur, weil der Vater sich wieder verliebt hat und seine Kinder aus ihrem Umfeld reißt, sie wie Gepäck in die neue Heimat mitnimmt. Doch das ist nicht genug, er ist auch noch Therapeut und analysiert sie nur allzu gern. Es ist schwer, irgendwo reinzupassen, wo man gar nicht dazugehören will. Es ist schwer, sich von seinen wenigen Freunden und der Gewohnheit zu verabschieden, um irgendwo, wo man gar nicht sein will, neu anzufangen. Umso schwerer ist es auch, sich genau dort dann zu Hause zu fühlen. Vor allem dann, wenn der nervtötende Bruder mit der veränderten Situation keine Probleme zu haben scheint. Noch schwerer ist es sogar, wenn man wie Emi weniger den gesellschaftlichen Konventionen entspricht und – für die Meinung vieler – zu sehr von der Masse und deren Eigenschaften und Vorlieben abschweift. Emi ist anders. Sie steht nicht so sehr auf das übliche Tamtam eines Teenagers. Sie ist lieber für sich, liest viel, sammelt absonderliche Todesursachen oder zumindest Berichte darüber - in ihrem Schwarzen Buch. (Ich habe übrigens als Teenie die Zitate aus Todesanzeigen gesammelt, macht mich jetzt sicher auch etwas kurios, vielleicht konnte ich mich daher so gut mit Emi identifizieren.)

Kein Wunder, dass sie mit der Wahl ihres Vaters, was Schule und neue Heimat betrifft, so gar nichts anfangen kann. Mit der der neuen Freundin schon zehnmal nicht. Und dann trifft sie in der Schule auch noch auf Erik – den Mädchenschwarm und mysteriösen Stufendraufgänger. Als sie sich das erste Mal begegnen, kracht es zwischen den beiden auf verbalen Wege gewaltig. Kurz darauf bei einer erzwungenen Zusammenarbeit auch tatsächlich. Und dieses Krachen zieht eine Strafe nach sich, die beide für eine Weile aneinanderbindet. Es sei denn, sie schaffen es, den jeweils anderen durch das Verlieren von selbst auserwählten Challenges zum Aufgeben – beziehungsweise zum Übernehmen des Strafdienstes – zu bringen …

·         Wird es Emi gelingen, wirklich in ihrer neuen Heimat anzukommen und nicht immer nur die Außenseiterin – der Freak – zu sein?

·         Will sie das überhaupt?

·         Was passiert zwischen Erik und ihr, dass sie mehr Zeit als gewollt miteinander verbringen müssen?

·         Und führt diese Zeit sie vielleicht näher zusammen oder doch zu Tausend Toden?

·         Wer ist Erik überhaupt?

·         Und warum sammelt Emi Todesursachen und verpasst ihren Mitmenschen dabei selbst unzählige?

Begebt Euch zusammen mit Emi auf eine Entschlüsselungsjagd dieser Fragen und lasst Euch begeistern. Ich kann Euch versprechen – wenn Ihr jugendlich seid oder auf Jugendbücher steht -, dass genau das eintreten wird: Begeisterung. Dieses Buch muss unbedingt gelesen werden. Verpasst es nicht. Es gehört in jedes Teenie-Regal – egal, ob Ihr mit der Welt generell auf Kriegsfuß steht oder es für Euch nicht bunter und glitzernder sein könnte. Und in mein Regal gehört es auch.

Angefangen beim Cover ist dieses Buch schon ein kleines Meisterwerk für sich samt Hinguckerfunktion. Es ist schwarz, düster und mit seinen erfrischenden Symbolen – die Emi während einer Chemiestunde gezeichnet haben könnte – so absolut passend zur Prota. Der Titel ist klasse, da gibt es nicht viel zu sagen. Lasst Euch überraschen, denn er ist Programm. Emi lässt die Tode über ihre Mitmenschen regnen, wie das Itgirl der Stufe sich Glitzer ins Gesicht. Und diese Tode sind ein Wettrennen der Skurrilitäten und geben dem Buch das Besondere. Auf dem Cover selbst ist der Titel geprägt sowie einige wenige ausgewählte Symbole auch. Und es fühlt sich einfach unglaublich toll an. Im Roman selbst sind die Seiten schwarz gerahmt und erinnern so ein Stück weit an Emis Buch des Todes. Es ist hier einfach das Gesamtpaket, das überzeugt – in all seinen wundervollen Einzelheiten. Und die wichtigste ist natürlich der Inhalt.

Anna Pfeffer haben mich überrascht. Überrascht mit einem jugendlichen, frischen Schreibstil, der einen die Seiten nur so im Fluge lesen lässt. Sie lassen einen die Geschichte aus Emis Sicht entdecken, was es greifbar macht und dem Leser eine hohe Identifikationsmöglichkeit bietet. Sie zeichnen eine wahrheitsgetreue Kulisse um das Leben eines unzufriedenen Teenagers, der sich selbst das Lachen versagt. Und doch schleicht sich genau dieses Lachen immer wieder in Emis Leben, hauptsächlich wegen Erik. Aber das müsst ihr selbst entdecken. Emi ist ein bemüht düsterer Mensch, der bloß keine gute Laune zulassen will und sie sich daher fast selbst verbietet. Emi - Emilia steht dabei einerseits für Nachahmerin, aber auch für die Ehrgeizige und Letzteres ist sie durch und durch. In allem, was sie anpackt. Besonders bei den lustigen Challenges mit Erik, die herausfordernder und den Puls der Zeit treffender nicht sein könnten. Sie sind das Juwel des Buches. Und wenn ihr Euch das Cover genau angesehen habt – es gibt hier immer wieder etwas zu entdecken! -, dann könnt ihr dieses dort schon erkennen. Emis Ton innerhalb der Geschichte und auch der der wunderbar runden Nebencharaktere ist spitz, frisch, teilweise stur und von Ironie durchzogen. Eine Ironie die sich steigert und in einem Zynismus gipfelt, der mitreißt.

„Toni war eigentlich intelligent genug, das zu erkennen, aber in manchen Situationen zerstört das Verlangen sämtliche Intelligenz.“

Die Charaktere - allen voran Emi und Erik, die wie echte Klassenkameraden aus der eigenen Schulzeit wirken – stehen mit der Gesellschaft auf Kontroverse und Konfrontation (wie wir das doch alle in dem Alter gerne taten!). Sie müssen ihren Platz und sich selbst erst noch finden, lernen zu vertrauen, loszulassen, festzuhalten und zu wachsen. Vor allem aber lernen, dass es absolut okay ist, anders zu sein. Denn was ist schon anders? Es ist sogar Eure Pflicht. Seid anders, seid neugierig, hinterfragt, seid originell. Seid ihr!

All das findet sich in diesem Buch und so liefert diese Geschichte uns immer wieder etwas Neues, Überraschendes und bringt uns dabei unweigerlich zum Lachen. Sie ist humorvoll morbid, spitz, authentisch und ein Stück weit wie ein Wiedererkennen der eigenen Jugendzeit und des sich missverstanden Fühlens, des Trübsal-Blasens und eine Entdeckung neuer Welten. Und doch ist die Geschichte auch einfach anders, ungewöhnlich, aber genau das hat mich wiederum so sehr an diesem Buch gepackt. Emis Zynismus, die Dinge sowie die Welt und Menschen um sich zu betrachten, hat es mir angetan, das Düstere und gleichzeitig sprudelnd Pfiffige hat es mir angetan. Anna Pfeffer haben es mir einfach angetan.

‚Für dich soll’s Tausend Tode regnen‘ ist spritzig, jung und spitz – der ultimative Lesekick für den Herbst. Ein Buch, das dunkle Herbstabende mit erfrischendem Sarkasmus erhellt und inhaltlich wie auch optisch überzeugt. Ein absolut gelungenes Debut. Ich habe das Lesen sehr genossen.

 

Eure Jil Aimée

  (24)
Tags: anna pfeffer, cb, cbj-verlag, für dich solls tausend tode regnen, rezension, rose snow   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(58)

96 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 50 Rezensionen

wünsche, liebe, freundschaft, marie adams, café

Das Café der guten Wünsche

Marie Adams
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.09.2016
ISBN 9783734102783
Genre: Liebesromane

Rezension:

‚Das Café der guten Wünsche‘ von Marie Adams führt uns in das Leben dreier bester Freundinnen, die zusammen ein Café der besonderen Art führen. Eine dieser Freundinnen ist Julia, die das Café Juliette einst von ihrer Oma geerbt hat – samt einem Buch voller positiver Lebensweisheiten und Sprüche. Genau diese ‚guten Wünsche‘ bilden den Kern, das Besondere des kleinen Cafés, denn Julia und ihre beiden Freundinnen Laura und Bernadette glauben fest an die Macht der Gedanken und die Kraft der guten Wünsche, um ein Leben zu verändern, es zu verbessern. Daher schicken sie im Stillen jedem Gast, der ihr herzliches Kleinod verlässt, einen positiven Gedanken hinterher. Woher genau sie ihr Wissen darüber nehmen, was ebendieser Gast so dringend braucht – Ruhe, Liebe, Vergebung, einen neuen Job, eine bestandene Klausur -, erspüren sie mit ihrem Herzen und vertrauen dabei auch ganz auf ihre Intuition. Auch notieren sie sich ihre eigenen Sehnsüchte und Träume auf Zetteln, die sie in eine kleine Dose stecken. Immer in dem unerschütterlichen Glauben, dass alles gut werden wird. Denn Gedanken können ein Eigenleben entwickeln, sich verselbständigen und so erfüllen – egal, ob gut oder schlecht.

„Ihre Gedanken waren die Baumeister ihres Glücks, […]“

Daher ist es für die drei Freundinnen immer das Beste, sich etwas Positives zu denken und an das Gute im Menschen zu glauben. Doch leider kommt es oft anders, als man zunächst denkt.

Sie wollten als Freundinnen für immer zusammenbleiben, das Café aus dem Herzen heraus führen und Wünsche wahr werden lassen. Leider hat das Leben andere Pläne und entreißt der Gruppe Bernadette – wenn auch nur für ein paar Monate, denn diese wird in Frankreich studieren. Auch Laura ist in letzter Zeit immer weniger im Café anwesend, eigene Probleme halten sie von ihrer Arbeit dort ab. Um eine Lösung für das Café zu finden und auch Julia nach Bernadettes Wegzug einen Untermieter zu beschaffen, treffen sich die Freundinnen noch einmal und notieren sich ihre dringendsten Wünsche. Für Julia bedeutet ihr sehnlichster Wunsch, dass sie endlich ihre vermeintlich große Liebe Jean – ein Franzose, den sie vor Jahren getroffen und sich direkt in ihn verliebt hat, aller Sprachbarrieren zum Trotz – wiedersehen und mit diesem bis ans Ende ihrer Tage glücklich werden wird. Auch hofft sie, dass sich alles zum Guten wenden wird, mit dem Café und ihrer Wohnung. Für Bernadette bedeutet es, dass sie nach Rückkehr ihres Auslandsaufenthaltes wieder im Café Juliette arbeiten kann, und sich nichts zum Schlechten verändert. Für Laura – die Pragmatische – bedeutet es, endlich ihren Weg zu finden. Sie möchte nicht, dass sich etwas verändert, sondern alles beim Alten bleibt und dennoch besser wird. Den Männern hat sie abgeschworen, zu oft wurde sie enttäuscht. Doch oftmals sind es gerade die unvorhergesehenen und daher beängstigen Veränderungen oder Begegnungen – solche, denen man nicht ausweichen kann -, die das Leben in positivere Bahnen lenken. Manche Veränderungen müssen einfach ertragen, willkommen geheißen, akzeptiert werden, damit sich Wünsche wirklich erfüllen können. Doch so mancher Wunsch verändert sich auch mit dem Lauf der Zeit und was einst so bedeutsam war, gerät vergessen oder wandelt sich.

Mit Bernadettes Auszug beginnen die Veränderungen im Café Juliette und seinen guten Seelen Einzug zu halten. Nicht nur, dass Julia einen neuen Mitbewohner – Robert, eher von der vernunftmäßigen Sorte – bekommt, der ihr mit der Zeit unter die Haut geht und Zweifel in Bezug auf Jean aufblühen lässt.

„Ich glaube, dass wir die Seele eines Menschen in Sekunden erfassen können, wenn dieser Mensch eine Bedeutung für unser Leben hat.“

Nein, auch das Café verändert sich. Es kommt zu neuen Miteigentümern im Haus, die dringende Sanierungen erwünschen, was ihren Cafebetrieb für eine Weile lahmlegt. Dann eröffnet auch noch ihr Bruder unweit ihrer eigenen Location einen Gastronomiebetrieb – aus Eifersucht oder Neid? Man weiß es nicht -, und begeht dabei einen folgenschweren Verrat. Laura und Bernadette werden aus überraschenden Gründen von der weiteren Mitarbeit im Café abgehalten und die Zukunft der drei Freundinnen entwickelt sich in eine Richtung, die sie sich alle so nicht gewünscht hatten. Sie befinden sich an einem Wendepunkt – in ihren Leben, Lieben und in ihrer Freundschaft.

·         Werden die Freundinnen wieder zusammenfinden oder trennen sich ihre Wege auf lange Zeit?

·         Robert oder Jean – zwei unterschiedliche Männer und doch beide Bestandteil von Julias Herz. Für wen wird sie sich entscheiden?

·         Welchen Verrat begeht ihr Bruder und kann sie diesen verzeihen?

·         Was wird aus dem Café Juliette oder, besser gesagt, dem ‚Café der guten Wünsche‘?

·         Braucht es wirklich nur einen guten Gedanken, um alles zum Besten zu führen, oder eben doch harte Arbeit?

·         Und schließt das eine das andere aus?

„Gedanken waren wie Samen, die hässliches Unkraut oder blühende Wiesen hervorbrachten, […]“

Lest selbst und lasst Euch mitnehmen in einen ruhigen Liebesroman mit einer neuen, wundervollen Idee und voll Liebe fürs Detail. Es sind oft die Kleinigkeiten – wie ein Stück Nusstorte -, die das Ganze zu etwas Besonderem machen: Einem Café, das Wünsche erfüllt. Es ist durchspickt von Überraschungen und Wendungen, gemalt mit viel Gefühl und untermauert mit der Kraft der Gedanken. Dabei glänzt die Autorin mit einem reduzierten, ruhigen Schreibstil, der dennoch angenehm zu lesen ist und sämtliche Emotionen in das Herz des Lesers bringt. Gefühle werden nicht nur transportiert, sondern erlebbar gemacht. Man leidet mit Julia mit, sorgt sich um ihr Café, fiebert ihrer Liebe entgegen. So auch bei den anderen Charakteren, von denen man den einen etwas mehr, den anderen etwas weniger kennenlernt. Und das ist gut so, denn dem Leser soll Raum für eigene Gedanken und Sichtweisen bleiben. Lasst Euch von einem Gute-Laune-Buch berieseln, dessen Titel fast magisch anmutet und für die Geschichte nicht treffender hätte gewählt sein können. Er ist ebenso bunt und anziehend, wie auch das wunderschöne Cover und die versteckten, zu entdeckenden Einzelheiten und Eigenheiten der Charaktere an sich. Alles Dinge, die die Autorin wunderbar in Einklang bringt und das Lesen zu einem kleinen Ausflug aus dem trüben Herbstalltag macht.

Als ich von dem Buch erfahren habe, musste ich es direkt haben. Es ist an unserem siebten Hochzeitstag erschienen, ein gutes Zeichen. Und allein schon das Cover und der Titel haben mich direkt angezogen. Ein Café der Wünsche, ich wusste nicht, was ich mir darunter vorstellen sollte. Konnte man darin Wünsche tauschen? Bei einem Stück Kuchen einen Wunsch erfüllt bekommen? Konnte man gar selbst anderen dort Träume erfüllen? Ich wusste es nicht, doch meine Fantasie begann zu schweben und entwickelte die kuriosesten Ideen und Erwartungen. Und darin liegt vielleicht genau das Problem. Die Erwartungen, die geschürt werden. An das Buch, den Inhalt, die Entwicklung, das Erfüllen der Wünsche. Vielleicht hätte ich noch offener an die Geschichte gehen müssen. Leider hat sie mich nicht komplett in ihren Bann ziehen können, was mehrere Gründe hat:

Zunächst habe ich ein bisschen gebraucht, um wirklich in die Geschichte mit all ihren Verstrickungen hineinzukommen. Sie wirkte auf mich zu Beginn doch recht orientierungslos. Ich wusste manchmal einfach nicht, wo ich mich jetzt zeitlich und inhaltlich befand. Das wurde dadurch verstärkt, dass das Buch gänzlich ohne Kapitel geschrieben ist – und ich bin nun mal eher der Kapiteltyp. Es wurde zwar in wechselnden Perspektiven erzählt, die entsprechend auch gekennzeichnet und eingeleitet wurden, aber ich hätte mir da doch etwas mehr Struktur gewünscht. Ein weiterer Punkt für mich ist, dass mir gerade die Bruder-Schwester-Beziehung, da sie doch ein starkes Gewicht innerhalb der Geschichte erhält, zu wenig ausgebaut ist bzw. das Ende zu wenig Lösung verspricht. Es muss die Prota treffen, wenn ihr eigener Bruder sie hintergeht, tief erschüttern und bei all den guten Gedanken, reicht da eben ein solcher nicht unbedingt aus. Das Gleiche gilt für mich auch für das Thema der Sanierung und des neuen Miteigentümers des Hauses, in dem Julia lebt. Es ist ein gravierender Einschnitt für ihr Leben und ihre Arbeit und die Auflösung und Wendung zum Guten kommt mir am Ende zu gehetzt bzw. zu wenig ausgefeilt vor. Da hätte es durchaus Erweiterungspotenzial gegeben. Aber das ist sicherlich Geschmacksache und nur meine subjektive Meinung. Ansonsten kann ich sagen, dass ich das Lesen alles in allem sehr genossen habe. Vor allem Stil und Wortwahl der Autorin und Ausgestaltung der Charaktere haben mich berührt und das Lesen zu einer Ausflucht aus dem Alltag gemacht. Es ist eine wunderschöne Idee, ein interessantes Thema und eine liebevolle Geschichte, die einen den Glauben an die eigenen Wünsche und das eigene Herz lehrt. Daher empfehle ich diesen Roman sehr gerne weiter und wer etwas offener als ich an die Story geht, wird sicher vollends begeistert werden.

 

Das Buch macht mit seiner herzlichen Art Laune und vertreibt dabei so manch trübe Stunde und lässt den ein oder anderen dunklen Herbsttag glänzen. Ich wünsche Euch viel Spaß bei der Lektüre.

 

Eure Jil Aimée

 

  (5)
Tags: blanvalet, das cafe der guten wünsche, marie adams, rezension   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(108)

330 Bibliotheken, 16 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

landon, after, anna todd, hardin, nothing more

Nothing more

Anna Todd , Sabine Schilasky , Anja Mehrmann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453419704
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Anmerkung: Ich habe das Buch als Vorabexemplar zur Besprechung erhalten, was jedoch keinen Einfluss auf meine Meinung hat.

In ‚Nothing More‘ begeben wir uns zusammen mit Landon G. aus der After-Reihe nach NYC – zum Studium, zum Wohnen, aber vor allem zum Leben. Er wollte in der Stadt, die niemals schläft, neu anfangen. Gemeinsam mit Dakota – seiner ersten großen Liebe, die sich dort den großen Traum der Tanzkarriere verwirklichen will. Doch es kommt anders, als er dachte, denn auch Dakota will neu anfangen – jedoch ohne ihn. Landon zieht dennoch noch NYC – gemeinsam mit Tessa, die gerade in der Trennungsphase zu Hardin steckt. Gemeinsam versuchen sie sich Halt zu geben, sich zu heilen, einander gute Freunde zu sein und das Abenteuer Großstadt zusammen zu erkunden.

Um Studium und Wohnung zu finanzieren – unabhängig von der Unterstützung seines Stiefvaters -, jobbt Landon in einem Café. Dort ist er die gute Seele, immer freundlich, hilfsbereit. Sogar zu der neuen Barista, die ab und an ihre kleine Schwester mit dabeihat. Ebenso zu der jungen Kassiererin des Deli an der Ecke, die er immer nur lernend oder arbeitend antrifft. Natürlich vor allem auch zu Tessa, die er hier und da mit Samthandschuhen anfasst, da Hardins Besuch bald ansteht und er sie möglichst schonend darauf vorbereiten will. Leider versäumt er es bei seiner ganzen Rücksichtnahme und Umsorgerei, ihr den genauen Termin mitzuteilen – wir können uns also auf ein Feuerwerk in Band zwei gefasst machen. Landon ist einsam und in seiner Hilfsbereitschaft anderen gegenüber versucht er dieser Einsamkeit zu entfliehen - neue Freundschaften zu schließen, fällt ihm jedoch sehr schwer. Er war es gewohnt, nur an Dakotas Seite zu existieren, für sie da zu sein. Ein Leben ohne sie, das kennt er nicht. Dennoch muss er genau das jetzt leben. Er versucht es, strengt sich an. Wirklich. Er will erst einmal sein Herz wieder heilen, am besten, indem Dakota ihn zurücknimmt. Doch diese geht erst mal auf Abstand. Einige Monate. Landon ist auch nur ein Mann, und so kommt es, dass er sich über kurz oder lang der geheimnisvollen, älteren Nora – eine Freundin Tessas – annähert. Es ist für ihn ein großer Schritt, der eher unverhofft kommt – aus einer peinlichen Situation heraus entstanden – und der einen Stein ins Rollen bringt, der nach und nach sein so mühsam errichtetes Leben umzuschmeißen droht. Nora zieht ihn an und doch hat er noch so tiefe Gefühle für Dakota – die just zu diesem Zeitpunkt wieder bei ihm auftaucht und ihr (ehemaliges) Revier zu verteidigen versucht. Landon ist verwirrt, hin- und hergerissen und weiß einfach nicht, wie er sich entscheiden soll.

·         Wird er seiner alten Liebe zu Dakota noch eine Chance geben?

·         Oder traut er sich, das Unbekannte zu versuchen und Nora zu ergründen?

·         Kann er sich rechtzeitig entscheiden oder steht er am Ende allein da?

·         Wie wird Tessa auf Hardins Besuch reagieren?

·         Und was bedeutet das für ihre Freundschaft zu Landon?

·         Und was hat das Ganze eigentlich mit lila Zuckerguss zu tun?

Gönnt Euch ‚Nothing More‘ und taucht ein in die Geschichte um die gute Seele von nebenan – Landon -, die in Versuchung geführt wird und nicht weiß, ob sie dieser widerstehen kann. Anna Todd ist schriftstellerisch gewachsen und mit ihr ihr Schreibstil, der immer noch leicht und flüssig zu lesen, aber nicht mehr ganz so einfach gehalten ist. Sie vereint in diesem Buch subtil das Verruchte mit dem Harmlosen, gibt Landon – dem glatten Engel aus After – Ecken und Kanten, macht ihn sexier, ohne dass er dabei sein nerdig romantisch verklärtes Weltbild verliert. Seine Geschichte ist langsam, ruhig und unaufgeregt, doch hoch emotional für ihn. Sie spielt sich mehr in seinem Innern ab als in greifbarer Spannung – was es subtiler macht. Es passiert nicht viel an Drama und Action, aber der innere Gefühlskonflikt Landons wird erfrischend angenehm verdeutlicht und bereitet auf einen aufregenden Showdown in ‚Nothing Less‘ vor – zumindest denke ich das J.

Ich habe lange auf Landons Story gewartet, denn schon in der After-Reihe habe ich ihn schätzen und lieben gelernt. Hier bekommt er etwas mehr Raum, sich zu zeigen und seinen Charakter dem Leser näher, sich selbst in der Leser Herzen zu bringen. Er ist der typische gute Freund von nebenan, mit einer Vorliebe, die Welt zu heilen, seine Freunde zu retten und im Nerdheaven von u. a. Harry Potter zu schwelgen. Es lässt ihn nahe wirken. Macht ihn real, greifbar – ein Freund, auf den man immer zählen kann. Doch er möchte mehr sein als das und findet sich schnell im Dilemma zwischen dem Gewohnten, was er gut kann, und dem Neuen wieder. Es ist aufregend – auf eine andere Art und Weise –, ihm dabei zuzusehen, wie er versucht sich selbst – den Landon ohne Dakota! – zu finden. Dabei vergisst er seine beste Freundin nicht eine Sekunde, ist für sie da. Tessa. Wir bekommen Tessas und Hardins Trennungsphase am Rande mit und erhalten Landons Einschätzungen zu ihrer epischen Liebe.

„Ich wünschte, sie würde lachen, damit sie sich wieder daran erinnert, wie das ist.“

‚Nothing More‘ ist ein Buch über Freundschaft, aber auch, was es heißt, sich selbst zu entdecken, sich selbst zu sein. Ein Buch der Heilung. Landon bleibt dabei der immer gute, liebevolle, unterstützende Freund, der lernen muss, was es heißt, erwachsen zu sein und sich auch mal um seine Sehnsüchte und Wünsche zu kümmern.

 

„Ich bin das Wasser, das Flammen löscht, die Salbe, mit der man Brandwunden behandelt.“

Dakota mochte ich in diesem Buch überhaupt nicht – trotz ihrer tragischen Vergangenheit -, aber ich denke, das war hier auch so beabsichtigt. Die Autorin hat sie für mich hervorragend als das intrigante Biest hingestellt, damit es dem Leser leichter fällt, dass Landon sich langsam von ihr löst. Die Verbundenheit und charakterliche Treue zu ihr ist nach wir vor da, und das rechnet man ihm hoch an, doch er hat mehr Frauen in seinem Leben, als man zunächst denkt. Und ich bin gespannt, welche Vergangenheit und Düsterkeiten Nora mit sich rumträgt. Denn bisher blieb sie mir noch etwas fremd, was wohl dem Spannungsaufbau zum Nachfolgeband dienen soll. Diesmal wird die Geschichte nur aus einer Sicht beschrieben, Landon erzählt sie uns, was der Autorin Raum und Möglichkeiten schenkt, uns als Leser in seinen inneren Kampf absolut reinzuziehen und uns seine Gefühlswelt zu verdeutlichen. Das war mal eine Abwechslung, die mir sehr gefallen hat.

Die Charaktere und Beziehungen im Gesamten sind jedoch reifer geworden. Sie wirken nicht mehr so naiv, sind eigenständig, werden erwachsen. Einen kleinen Minuspunkt gibt es für mich in den doch recht häufigen Wiederholungen von Landons Gedanken, gerade in Bezug auf Dakota, aber auch in Hinsicht auf sein Zusammenleben mit Tessa. Hier nur ein Beispiel: es hätte durchaus genügt, bei der Dünne des Buches nur einmal anzusprechen, dass ihn der Straßenlärm der Großstadt nachts über die Maßen irritiert und er sich deshalb ein Gerät mit weißem Meeresrauschen zugelegt hat. Mir ist schon klar, dass viele Wiederholungen durchaus mit seiner inneren emotionalen Zerrissenheit zusammenhängen, aber an manchen Stellen wäre weniger mehr gewesen. Dann gibt es noch ein, zwei inhaltliche Patzer – zumindest erschienen sie mir so: Dakota verlässt fluchtartig eine Bar. Landon sieht noch ihre weiße Jacke um die Ecke huschen. Später bemerkt er, dass sie ja gar keine Jacke trägt und ihr kalt ist. Passt für mich nicht so ganz.

Die broschierte Ausgabe strahlt wie gewohnt mit einem edel wirkenden Cover und auch das Lesezeichen ist wieder einmal gigantisch gut. Das matte, fast samtige Schwarz mit dem silbernen Emblem wirkt toll – lockt an. Ich habe das Buch beim Friseur gelesen und wurde direkt darauf angesprochen, um was für eine schöne Geschichte es sich denn handelt, da das Cover schon so atemberaubend wäre. Schlicht und elegant, unaufgeregt, aber überzeugend. Die eingedruckte Playlist ist cool, und ein schönes Add-on, auch wenn mir ein wenig die Verbindung zum Inhalt des Buches fehlt, da dort nicht viele Lieder – aber dafür zum Teil von der Liste abweichende – angesprochen werden.

Abschließend lässt sich für mich festhalten, dass Band sechs ein unaufgeregter Pageturner ist, der reifer wirkt, besonnener. Anna Todd bleibt dabei ihrem schlichten und doch mitreißendem Erzähl- und Schreibstil treu, entwickelt sich aber auch ein Stück weiter. Man merkt dem Roman – im Positiven – an, dass sie eine Weile gebraucht hat, ihn so zu schreiben, wie er sich richtig anfühlt. Kurze Anmerkung hierzu: Für mehr, schaut doch in ihre Danksagung. Die Dauer hat dem Buch nicht geschadet. Es gefällt mir gerade deswegen, dass inhaltlich zunächst recht wenig passiert – ich denke mal, es soll einfach zu Band 7 hin aufbauen – mit am besten aus der ganzen Reihe. ‚Nothing More‘ ist Abschied und Neubeginn zugleich, es ist die Entwicklung zum eigenen Ich, das nicht mehr nur gibt, sondern auch lernt zu nehmen.

Eure Jil Aimée


  (20)
Tags: after, anna todd, heyne, nothing more, rezension   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

doing germany, rezension, agnieszka paletta, revie

Doing Germany: Volume 1

Agnieszka Paletta
Flexibler Einband: 196 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 16.11.2013
ISBN 9781493545148
Genre: Sonstiges

Rezension:

Once upon a time there was a young Polish-Canadian girl who fell in love with a fellow from Germany. Or at least one living there. Despite all of her adventurous travels she’s done so far on her own, falling in love for a – sort of – German unravels itself to be her biggest task yet. But let me go back a little further. Agnieszka is a courageous woman who left everything behind – family, friends, work – for the unknown.

“Finding romance, adventure, yourself.”

For the adventure. She wanted to start anew. Not just live, but be alive and vibrant. Go to Italy and find herself drinking wine, enjoying the romantic assets of the Southern European lifestyle. Go to Poland to get back to her roots. Being out there, meeting lots of new friends, having fun. So she took off for Eastern Europe and eventually met the One. At that time, she was least expecting it. But falling in love moves mountains, changes lives. We all know that. So it comes as no surprise that the protagonist is giving love a try to bloom in moving to Germany with M. M. is the One – the constant in her everyday struggle to fit in where she never dreamt of going. He’s her anchor, her oasis of tranquility. Germany was never on her list. But then again: Most adventures come as an unexpected surprise. So comes living here.

I got this book as a review copy, which in no ways influences my subjective opinion on it. I – as a German who lived in the US for a few months due to work – found ‘Doing Germany’ enlightening and a fun read. I know about the struggles to blend in in a country that is so very different from your homeland. I know about the stereotypes that go with it – some of them you find to be true, others to be altered. I also have a family member who got married to a North American, so I’m sort of familiar with the tasks Agnieszka found herself faced with – just vice versa. Seeing her way of coming to Germany, getting to know our country was interesting. At some points it made me shrug and shake my head. For instance: She did not learn German. She gave it a short try, but that was it. German is a very tough language – I know. But that makes it even more important to learn it – to get along, to understand everything and to better connect with the people her. She also didn’t go out that much in her first two years here. She had some issues with her ligament though – but eventually you have to get out and explore your surroundings if you want to feel at home someplace else. If you want to feel you could belong. That’s not just her fault. M. was working much because she didn’t have a job here in the beginning. But with working much and coming home very late, it makes it hard helping a loved one to settle in. Only going out every once in a while, in the evening, is not enough to come to terms with a new place.

But other than these two points, it was a very nice and light-hearted read. You feel vibrancy and life in every word. She was trying the best she could. It just was very hard for her in the beginning. Reading her story on how she finally comes to fall in love with Germany – and she will! – was like a first impressions on our country and step by step solving the puzzle on the ever present struggle to settle in a foreign land. Of course in doing so, she was faced with many challenges (different language, unique food choices, huge expectations that turn into chastening findings, but also great surprises). And she took the reader with her while meeting those challenges. Reading the novel – or modern memoire, if you wish – was like talking to her. Letting her tell you her story, just the way she feels it. That was refreshing, different, entertaining and despite some minor spelling and grammar issues a very welcoming change. She has had good days – on which she found love in the very details of Germany, she has had bad days when she was missing her travel time and Canada. On those days she compared good old G to Italy – which she glorified in her memories. That’s understandable, but it was very hard for Germany to compete. But the more she gets to know our country, the less she compares it to another. Throughout the book you can watch her grow, widen her horizons and wage more.

Over all I can say that I enjoyed reading ‘Doing Germany’. It was fun learning about a woman who wants to pursue adventure, travel and live her restless spirit. It makes me want to travel more too. It creates wanderlust – you just have to be open-minded to read it, to forget about all the stereotypes you might have about a stranger coming to Germany and becoming a bit of a German herself. The author’s style of writing is easy, a little sharp, sarcastic every once in a while, but funny to the core. Her way of communicating with her loved one is mirrored in a snappy but also lovely tone – depending on the struggles she’s currently facing.

“At that, I did what any real lady would do. I showed him my tongue.”

It’s a page turning modern memoire – something like reading a very personal, but enlightening blog – about an immigrant that finds herself – because that is what the book is about: finding herself, finding a home – in a very unexpected place. It’s bitter and slightly frustrating, but also welcoming and joyful – the whole roller coaster ride of emotions, what you would expect to happen when you leave a life behind to make a new one. Exciting, thrilling and adventurous. I was curious to see how she came to know Germany, what her individual experiences were. There’s just one small criticism I need to put here: The book is mainly centered on Germany – that’s what you expect from its title at least – so it was a little too much of Italy in it for me. But maybe that changes with volume two.

To get you hooked:

·         Will she learn German?

·         What struggles will she find herself faced with in the novel and how will these impact on her relationship with M.?

·         Will she find what she’s been looking for with M.? (a.k.a. a home?)

They say: Home is where the heart is. And the book holds one giant surprise to make your heart belong to Germany – at least a bit and forever.

Go read and find it out yourself. ‘Doing Germany’ is a very entertaining and fun read – if you view it with an open-minded heart.

Recommend reading it – esp. when you find yourself settling for the unknown too.

 

Yours, Jil Aimée

  (14)
Tags: doing germany, revie, rezension   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

das böse, inkarnation, fantasie, wüste, feuer

Shai'lanhal

Susanne Gavénis
E-Buch Text: 603 Seiten
Erschienen bei Susanne Gavénis, 07.04.2016
ISBN B01DZSC5RY
Genre: Sonstiges

Rezension:

In ‚Shai'lanhal‘ begeben wir uns in den uralten Kampf zwischen Gut und Böse. Die Geschichte eines Jungen, der dazu auserkoren ist, die Inkarnation des Guten – in Form eines unwissenden, unschuldigen Mädchens namens Deleja – vor der Wiedergeburt des Bösen und dessen Beschützerin zu bewahren. Mit seinem Leben und allem, was er hat. Es passiert alle zwanzig Generationen, dass die Mächte wiedergeboren werden und sich einem erneuten Kampf um das Geschick der Welt stellen müssen. Dabei haben die Beteiligten keine Wahl. Es ist eine ihnen auferlegte Bürde, aus der es kein Entkommen gibt.

 

„[…] das Schicksal der Welt erneut entscheiden, ohne dass der Rest der Menschheit davon auch nur das Geringste ahnte.“

Schlägt eine Seite fehl, bekommt die andere für die nächsten unzähligen Generationen die Macht über die Welt. In einer Welt des Guten darf niemals das Böse Oberhand gewinnen und so kommt es auch, dass Shaan – selbst wenn er wollte – seinem Schicksal nicht entkommen kann. Denn das Schicksal erfüllt sich, es gibt kein Entweichen. Der Start ins Leben für Shaan war bereits düster und von schmerzlichem Verlust geprägt, der auch seinen Vater eisern umklammert hält. Dieser wiederum hat die Aufhabe, seinen Sohn auf den alles entscheidenden Kampf vorzubereiten und erzieht ihn mit bitterer Kraft abgeschieden von der Welt. Vielleicht hätte es anders sein können, in einem anderen Leben, in einer anderen Welt. Doch in dieser gibt es für Shaan nur den Weg des Beschützers des Guten – koste es, was es wolle. Denn sollte er versagen oder sein Schützling sterben, noch bevor der große Kampf begonnen hat, dann fällt die Welt für lange Zeit in Dunkelheit – mit all ihrer grausamen Macht. Das Leben eines Einzelnen darf nicht zur Last der ganzen Welt führen und so muss Shaan seine eigenen Bedürfnisse hintanstellen. Bis zu seinem sechzehnten Geburtstag, bis zu Tag X, an dem sich alles entscheiden wird. An dem sich zeigen wird, ob all der Schmerz, die Entbehrungen und Belehrungen Früchte tragen werden. Früchte des Guten. Doch Shaan ist zutiefst verunsichert, hält selbst nicht viel auf sich, will seine Aufgabe nicht, würde ihr am liebsten entfliehen, wenn er denn könnte. Er weiß aber, dass dies nicht geschehen wird. Er muss dem enormen Druck – die Last und Zukunft der Welt auf seinen Schultern zu tragen – gerecht werden und weiß doch nicht, wie. Ständig droht ihn das Gefühl zu erdrücken, dass er nicht gut genug sei. Nicht gut genug für seinen Vater. Nicht gut genug für Deleja. Nicht gut genug für die Welt. Aber vor allem: nicht gut genug für sich selbst. Zweifel plagen ihn, lassen ihn nicht los. Hindern ihn an seiner Aufgabe. Nur zu gerne würde er sich dieser entziehen und der Inkarnation des Guten den Rücken kehren, wenn er nur nicht mit der Zeit so etwas wie tiefergehende Gefühle für sie entwickeln, und das in seiner Dramatik nur noch mehr zur Erfüllung seiner Bestimmung führen würde. Doch vielleicht war es ja so vom Schicksal gewollt.

·         Wenn man sich selbst nicht gut genug ist, selbst nicht an sich glaubt, wie sollen es dann andere können?

·         Wenn man selbst davon überzeugt ist, zu versagen, wird dann nicht genau das geschehen?

·         Kann ein unschuldiges Kind wirklich allein die Bürde der Welt auf sich tragen?

·         Kann es darauf vorbereitet werden, dass das Schicksal alles Guten in seiner Hand, in seinem Herzen liegt?

·         Kann ein Mensch diesem Wahnsinnsdruck überhaupt standhalten, unter ihm bestehen?

·         Oder wird die Welt, wie Shaan sie kennt, untergehen?

·         Oder muss es vielmehr ein Gleichgewicht, einen immerwährenden Wechsel beider ‚Parteien‘ geben?

·         Welche Macht wird letztlich siegen?

„Atemlose Stille lastete über der Stadt.“

Macht Euch bereit für ein emotionales Abenteuer, das seinesgleichen sucht.

‚Shai'lanhal‘ ist das dritte Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Nach den Gwailor-Chroniken konnte mich auch dieses eindrucksstarke Epos überzeugen. Der Start fiel mir diesmal zwar etwas schwerer als sonst, im Verlauf der Geschichte kam ich aber gut rein und konnte mich vom Geschehen packen und begeistern lassen. Die Autorin greift hier ein immerwährendes Thema – Gut gegen Böse – neu auf, beleuchtet es von unterschiedlichen, ja bisher unbekannten Seiten, verleiht dem Epos einen unglaublich fantastischen Facettenreichtum und schafft ein umfassendes Werk, das vor allem durch die einzigartig bewegende Ausgestaltung der Charaktere zu überzeugen vermag. Es ist wie ein uraltes Märchen – nur brutaler, realer und voller Abenteuer -, das einen unweigerlich in seinen Bann zieht, sodass sich dieser Wälzer im Nu verschlingen lässt und man sich nach mehr sehnt. Der Schreibstil ist wie schon bei den Gwailor-Chroniken gehoben, der Erzählzeit und dem Geschehen in seiner Sprache angemessen und authentisch wirkend. Unterstützt wird dies durch den Perspektivenwechsel der Protagonisten, was dem Leser ein runderes Bild schenkt und die Ereignisse, aber vor allem auch ihre emotionale Wirkung ungeschönt begreifen und verinnerlichen lässt. Shaan wird von Selbstzweifeln geplagt, ficht seinen eigenen heldenhaften innerlichen Kampf mit sich aus, bevor er seine Welt beschützen kann. Dies führt zu vielerlei überraschende, unerwartete Wendungen. Denn trotz oder gerade seiner Zweifel wegen, ist er bereit dazu, große Opfer zu bringen und vermag auf seine ganz eigene Art und Weise - die zunächst sehr zurückhaltend erscheinen mag, während das Böse Aktionen nach Aktionen bringt – das Geschick der Welt, seiner Welt zu lenken. Man entwickelt in jedem Fall über Sympathie hinausgehende Gefühle für ihn, fiebert mit ihm mit, hofft und bangt.

„Der Blick seiner Augen war trüb wie ein nebelverhangener Herbsttag.“

Die Magie beziehungsweise Macht der Protagonisten ist kein visueller Teil, der sich explosionsartig und farbenfroh entlädt, sondern eher Bestandteil ihrer eigenen Person – der unauffällig arbeitet und dabei doch so existenziell und stark ist – wie das Atmen. Es wirkt vielmehr elementar für ihre ‚Besitzer‘. Das hat mir sehr gefallen. Innerlich sind sich Shaan und Deleja nah, teilen ähnliche Erlebnisse, ähnliche Verluste, ähnliche Ängste – eine Verbundenheit, die nicht erst entsteht, sondern schon da war, lange bevor sie voneinander wussten. Die Natur untermalt übrigens die schicksalhaften Hoch- und Tiefpunkte der Charaktere innerhalb der Geschichte. So beginnt es bereits mit einem bildgewaltigen Gewitter und stößt einen direkt und ohne Vorbereitung in den Kernpunkt der Geschichte. Und das im Prolog. Wer meine Rezensionen verfolgt, weiß, dass ich nicht unbedingt ein Fan von Prologen bin, schon gar nicht von langen. Doch hier passt er für mich, gibt dem Roman so viel mehr an Gewicht und überzeugt. Dennoch hätte er für mich etwas knapper sein können, aber das ist natürlich rein subjektiv.

Einen kleiner Negativpunkt gibt es für mich dennoch: das Ende, das Nachwort. Es fügt sich nicht ganz so flüssig ins sonstige Erzählgeschehen ein, auch wenn ich den Knackpunkt des Epilogs (ich möchte hier jetzt nicht zu viel verraten) durchaus von seiner Logik her nachvollziehen kann. Man will der Welt ja nicht mehr Bürde auferlegen, als sie unbedingt tragen muss oder sie vielleicht tragen kann. Dennoch hätte ich mir an dieser Stelle etwas emotionalere, vielleicht auch tiefgreifendere Erläuterungen und Auseinandersetzungen gewünscht. Dem Buch und der Geschichte an sich tut dies allerdings nicht wirklich einen Abbruch. Es ist und bleibt ein fantastisches Abenteuer, das mit Sprachgewalt und Ideenreichtum sowie einer absolut visuell imponierenden Ausgestaltung überzeugt und gelesen gehört.

Das Cover ist dem Genre – High-Fantasy – angemessen. Es wirkt düster, gar Angst einfließend und macht zugleich neugierig auf den Inhalt und die Abenteuer und Kämpfe, die es als Leser begleitend zu bestreiten gilt. Ein wenig erinnert mich die Kämpferin auf dem Cover an den Winter Soldier aus Captain America – was in meinem Fall sehr gut ist, da es mich nur noch neugieriger auf die Geschichte gestimmt hat, sodass ich sie unbedingt lesen wollte. Lasst Euch aber selbst überzeugen und genießt dieses hoch emotionale Leseabenteuer.

Eure, Jil Aimée

  (8)
Tags: rezension, susanne gavénis   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

wette, draufgänger, rezensio, mila summers, chicago

Zum Küssen verführt

Mila Summers
E-Buch Text
Erschienen bei BookRix, 18.08.2016
ISBN 9783739669519
Genre: Sonstiges

Rezension:

In ‚Zum Küssen verführt‘ treten unsere vier Lieblinge aus den ‚Tales of Chicago‘ ihre so lang gewünschte Europareise an – ihren Mädels-Trip. Fernab ihrer Familien und Männer. Im mondänen Cannes – dem Ort der Stars und Sternchen. Endlich einmal ausspannen und genießen – nur unter Frauen. Okay, so ganz stimmt das nicht, denn ihnen wird Niklas als Begleitung mitgeschickt. Zum Schutz, natürlich. Die etwas schrullige, aber unglaublich lustige und herzliche Tante Heather kann doch ihre Mädels nicht alleine fahren lassen. Da kommt Niklas als Begleitung gerade recht und auch die Prince Charming an der Seite unserer Damen haben so ihre ganz eigenen Gründe, warum sie besagten und selbst ernannten Dauer-Junggesellen nur zu gern bei ihren Frauen wissen. Es klingt zunächst alles ganz harmlos, denkt auch Niklas. Doch als die fünf die Reise antreten, kommt alles anders als, man denkt. Nicht nur, dass die vier Mädels alles andere als begeistert davon sind, Niklas als Aufpasser zu haben und so beschließen, ihm den Urlaub schwer zu machen – durch Nörgeleien, Zänkereien sowie den ein oder anderen intriganten und doch auch irgendwie lustigen Plan. Nein, auch das Schicksal selbst hegt andere Pläne für ihn, der er doch nur ungezwungenen Spaß haben will. Und zwar viel davon. Doch das scheint alles nur Fassade, und manchmal lohnt eben der Blick hinter die Kulissen. Denn Niklas ist nicht so, wie die Mädels denken. Er ist unsicher, verängstigt und vor allem verletzt und vergräbt sich daher hinter seiner hart antrainierten Macho-Maske. Vielleicht wagen Stacy und Co. einen Blick dahinter und vielleicht lernen sie dann jemanden kennen, den sie so nicht erwartet haben. Doch vielleicht auch nicht. Niklas jedenfalls hält an seinem Vorhaben fest – komme, was und wer da wolle -, seinen Urlaub in vollen Zügen zu genießen. Aber wie sagt man so schön: Unverhofft kommt oft, nicht wahr? Und in diesem Fall in Form einer echten Snow White, die die Herzen der Welt durch ihre seidenweiche Stimme und ihr unvergleichliches Talent im Sturm erobert. Eine Snow White, die auch ihm den Atem verschlägt und seine Eroberungspläne à la Casanova in Wanken bringt.

·         Was hat Snow – Phoebe - nur an sich, dass er sich ihrer nicht erwehren kann?

·         Doch wird sie nicht nur seinen Körper erobern, sondern auch Niklas so hart erbaute Mauern einreißen und sein kaltes Herz erweichen können?

·         Will sie das überhaupt? Will er?

·         Welche dunkle Vergangenheit verbirgt sich hinter ihrer schneeweißen Seele, ihren blutroten Lippen, die so verheißungsvoll auf ihn wirken?

·         Welch Geheimnis liegt wiederum unter den Trümmern von Niklas‘ Seele begraben?

·         Können die beiden gemeinsam alte Lasten abwerfen oder sind sie einander nur eine kurze Verschnaufpause vom harten Leben?

Es wird die ein oder andere Hürde geben, die die beiden überspringen müssen, wenn sie am Ende ein happily ever after leben wollen. Und die Stolpersteine und Wendungen, die ihnen dabei in den Weg gelegt werden, könnten nicht größer sein. Der Fall über sie nicht schmerzhafter. Die Landung auf dem bitteren Boden der Tatsachen nicht unsanfter. Am Ende bleibt die Frage:

·         Gibt es Liebe auf den ersten Blick wirklich?

Oder verpufft sie nur in kurzzeitigem Begehren, einer Fehlleitung des Schicksals? Doch vielleicht zählen Niklas und Snow White ja auch zu den wenigen unter uns, die allen Widrigkeiten zum Trotz bestehen können – als eins. Denn ‚love conquers all‘ – manchmal das auch noch verletzteste Herz. Und ein Sturz kann auch in butterweiche Wolke führen. Schneeweiße Wolken :).

„Mein Herz sang schon seit unserem ersten Zusammentreffen diese Melodie, die es glücklich stimmte.“

In Band fünf der ‚Tales of Chicago‘ sind nicht nur unsere Mädels erwachsener geworden, sondern auch die Geschichte an sich. Und es steht der Autorin hervorragend. Mila Summer schreibt in ihrer gekonnt humorvollen, liebevollen und leichten Art, die die Wörter vor den Augen wie Magie erscheinen und sie ins Leserherz schweben lassen. Nur eben reifer, ein Stück weit männlicher, düsterer und a little bit edgier. Und doch typisch märchenhaft, magisch und Mila zugleich. I LOVE IT.

Es ist wie das Zurückbringen des Sommers. Eine erneute Chance auf Urlaub, zu der Mila Summers uns hier einlädt. Voll Drama, Spannung, Prickeln und Sommer, Sonne, satt. Ein Buch zum Wohlfühlen, zum Zurechtrücken der eigenen Wünsche, des eigenen Lebens. Ein Märchen des Heute, wie man es sich tatsächlich vorstellen kann. Manchmal passiert das Glück einfach – unverhofft – und es prasselt wie ein Regenschauer auf dich nieder. Von einer Sekunde auf die andere. Danach ist nichts mehr so wie zuvor und doch ist alles besser. So ist auch ‚Zum Küssen verführt‘. Ein bereinigender Schauer, ein Feuerwerk der Glückgefühle, ein Urlaub ins Glück. Und ganz persönlich: Endlich bekommen wir Snow White :). Viel Spaß beim Lesen.

Eure Jil Aimée

  (7)
Tags: bookrix, mila summers, rezensio, zum küssen verführt   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(448)

615 Bibliotheken, 40 Leser, 1 Gruppe, 96 Rezensionen

harry potter, magie, hogwarts, theaterstück, zauberei

Harry Potter and the Cursed Child

Joanne K. Rowling , Jack Thorne , John Tiffany
Fester Einband: 330 Seiten
Erschienen bei Little, Brown, 31.07.2016
ISBN 9780751565355
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

thriller, mystery, geheimbund, mystery-thriller, untot

Schattentäter

Jannes C. Cramer
E-Buch Text: 296 Seiten
Erschienen bei Romanfieber Verlag, 29.07.2016
ISBN B01J296JDG
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Buch wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, was jedoch keinen Einfluss auf meine ehrliche Meinung hatte.

In ‚Schattentäter‘ begeben wir uns gemeinsam mit den beiden Protagonisten auf die Flucht vor dem eigenen Schatten und auf den Weg zurück ins Leben. Der Tod seiner Frau – verbunden mit einem weiteren tragischen Unglück – stürzt den Protagonisten Felix in ein tiefes Loch. Das Leben besteht für ihn fast nur noch aus Dunkelheit und Einsamkeit. Trost sucht er mehr und mehr im Alkohol und versucht somit seinen tiefen Schmerz über den schweren Verlust zu ertränken – entfernt sich aber mehr und mehr auch von seinem eigenen Leben und von Melanie, seiner besten Freundin, die ihm stets wie eine Schwester war. Melanie war sein einzig verbliebener Halt in einer Welt, die ihm sonst alles genommen hatte. Schon früh musste Felix lernen, was es bedeutet, dass Herz zerrissen zu bekommen und Verlust zu ertragen. Als er noch ein Kind war, verstarben seine Eltern auf tragische Weise. Ein Unfall (?), der ihn auch Jahre später nicht loszulassen scheint und eines Tages wieder einholt. Ein Unfall, der alles verändert (hat). Denn wie durch ein Wunder hat der kleine Felix diesen damals unbeschadet überstanden.

·         Doch gibt es Wunder wirklich?

·         Oder steckt mehr hinter dem scheinbar Offensichtlichen?

·         Versteckt sich etwas im Schatten der Vergangenheit?

Schatten – da ist es, dieses große, schwere Wort. Es wird Felix begleiten, durch den Rest seines Lebens, denn sein Schatten ist anders. Anders, als der deine oder der meine. Anders als der ‚normaler Menschen‘ – sein Schatten ist gefährlich, und kann in den falschen Händen zum Instrument des Grauens werden. Und genau in diese falschen Hände gerät Felix. Genauer gesagt, an einen dunklen Orden, der nicht nur sein Leben bedroht und das Melanies, sondern auch das vieler (teils) unschuldiger Menschen.

 

„Mit aller Kraft wehrte sich Felix dagegen, auf dem Metalltisch fixiert zu werden. Ohne Erfolg.“

 

Felix gerät in einen Strudel der Vergänglichkeit und Wiederkehr, verliert sich fast selbst in einer schier endlosen Reihe an Pein und Schmerz. Wäre da nicht Melanie, die mutig ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt und ihn zu retten / ins Leben zurückzuholen versucht. Und wäre da nicht auch eine Begegnung mit der Vergangenheit, die ihm neuen Ansporn gibt, noch nicht aufzugeben…

·         Was hat es genau mit Felix‘ Schatten auf sich, das den ominösen dunklen Orden auf ihn aufmerksam macht?

·         Was will dieser Orden von Felix und warum kann er dabei vielen Menschen schaden?

·         Und welche Begegnung mit der Vergangenheit zerrüttet sein Weltbild und lotst es doch wieder in die richtige Richtung?

·         Aber vor allem: Gibt es ein Entkommen aus dem eigenen, tödlichen, Schatten?

Findet es selbst heraus und lasst Euch von Jannes C. Cramer in einen Sog aus Angst, Nervenkitzel und wahrer Loyalität ziehen. Denn dieser Mystery-Thriller hat alles, was es braucht, um die eigene Fantasie anzuregen, eine Gänsehaut über den Körper wandern zu lassen und einen in den Bann der Ereignisse zu ziehen. Die Seiten fliegen nur so dahin, wie der Schatten eines Menschen den anderen jagt.

Ich hatte die Möglichkeit, dieses Schmuckstück unter den Thrillern bereits vorab lesen zu dürfen. Und ein kleines Schmuckstück ist es wirklich. Warum?

Normalerweise bin ich nicht so der Thriller-Typ. Nur selten packen diese mich. Nur selten fiebere ich bis zur letzten Seite im Geschehen mit. Nur selten werde ich am Ende des Buches noch überrascht. Doch dem Autor ist hier genau dies alles gelungen. Bereits der Klappentext hat mich begeistert. Er verrät nicht zu viel und baut doch direkt Spannung auf. Eine Spannung, die man unbedingt durch das Lesen der Geschichte lösen möchte. Für mich mit der beste Klappentext, der mir bei all den Büchern je begegnet ist. Er wühlt auf, kreiert ein Verlangen nach mehr – nach Wissen. Und auch das Cover ist mehr als gelungen. In blauen, dunkleren und recht kalten Tönen bereitet es einen bereits gut auf den Inhalt des Thrillers vor. Der Titel selbst ist weiß, hell und steht somit im starken Kontrast zu seiner tatsächlichen Bedeutung. Über diesen ziehen sich kreisförmig angeordnet Kreuze, auch karge Äste und etwas wie Scherben anmutende Details sowie eine Art Schneeflocke (jedenfalls für mich) sind angedeutet und finden später beim Lesen ihre perfekte Bedeutung und Verbindung zu den Schlagpunkten der Geschichte. Lassen bereits symbolisch Mystery und Crime verlauten, machen Lust auf das, was kommt.

Auch die Haptik des verstärkten Buchrückens und -umschlags sowie die Griffigkeit der Seiten überzeugen. Das Buch liegt gut in der Hand und behält nach dem Lesen keine Knicke zurück. Somit ist das äußere Erscheinungsbild und Kleid des Buches für mich rundum gelungen, nun zum Inhalt:

Die Story ist komplex, überzeugt dabei mit subtiler Action. Erzählt wird sie in wechselnden Perspektiven und Zeiten, sodass man ein gutes Gesamtbild sowie viele Hintergrundinformationen bekommt – natürlich stückchenweise -, und so das Rätsel um die Schatten step by step lösen kann. Ich war von Anfang an mit dabei – gefangen in einer unglaublichen und nervenaufreibenden Geschichte, die vollends rund, zu jeder Zeit im Rahmen ihres Erzähluniversums logisch und durchdacht wirkt. Deren Schreibstil und Charakterenausarbeitung überzeugen und die mich rundum zufrieden zurückgelassen hat. Ab der ersten Seite wurde eine gewisse Spannung (und in meinem Fall eine kleine Ahnung, die sich aber nicht vor Ende des Buches aufgelöst hat) erzeugt. Ich wurde von Felix und seiner Geschichte förmlich angezogen, in einen Strudel der widersprüchlichsten Gefühle und des Nervenkitzels gesogen. Seite und Seite, Wendung um Wendung – meine Spannung stiegt. Beim Lesen bereitete sich eine Gänsehaut aus, die sich durchweg durch den ganzen Thriller prickelnd meinen Nacken hinaufgeschlichen und mich mich nach allen Seiten umblicken lassen hat.

Wenn Ihr also auf Thriller steht, die auch einen Hauch des Unbekannten in sich vereinen, dann ist Jannes C. Cramers neuestes Werk perfekt für Euch. Seid Ihr nicht so der Thriller-Typ – wie ich – lasst Euch hiermit überzeugen. Meine absolute Leseempfehlung hat es. Also: Spannung, Mystery und ganz viel Nervenkitzel warten auf Euch, schlagt zu.

 

Eure, Jil Aimée

  (8)
Tags: jannes c. cramer, mystery, rezension, thriller   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

irresponsible desire, mila summers, rezension, manhattan love stories, spannung

Irresponsible Desire

Mila Summers
E-Buch Text
Erschienen bei BookRix, 04.07.2016
ISBN 9783739663296
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

In ‚Irresponsible Desire‘ begeben wir uns mit der bisher klein gehaltenen und unsicheren Hope - die endlich auf eigenen Füßen stehen und aus den Fängen ihres despotischen Vaters und tyrannischen Verlobten ausbrechen will – auf einen schweren und langen Weg in die vermeintliche Freiheit.

Hopes Leben war bisher bestimmt – von ihrem Vater, der sie mit Druck, Verboten sozialer Kontakte und nicht zuletzt häuslicher Gewalt am freien Entfalten gehindert und sie emotional gebrochen hat. Er ist ein hohes politisches Tier in der Stadt und die Wahlen stehen kurz bevor, daher duldet er kein noch so kleines Abweichen von seinem vorgeplanten Weg. Und dieser gilt für die gesamte Familie. So auch für Hope, die sich auf dem Weg in ein bisschen mehr Selbstbestimmung einen eigenen Job erkämpft hat. Zunächst kann sie sich aber auch dort nicht entfalten, da ihr Vater direkt zum Gegenschlag ausgeholt und für sie eine Beziehung zu dem einflussreichen Geschäftsmann Lucian samt Verlobung und baldiger Hochzeit eingefädelt hat. Nach einer kurzen Zeit der Blendungsphase erwacht Hope erneut auf dem bitteren und schmerzlichen Boden der Tatsachen, denn Lucian ist nicht der, für den sie ihn anfangs gehalten hat. Mehr und mehr entpuppt er sich zum Tyrannen, benutzt sie als Spielball für seine ganz eigenen perfiden Spiele. Auf ihre Familie kann Hope in dieser Zeit nicht zählen, denn auch ihr Vater benutzt sie und ihre Verbindung zu Lucian nur, um wiederum seine politischen Machtspielchen zu Erfolg zu treiben. Dabei sind den beiden Herren jede Mittel recht und so bedienen sie sich an Unterdrückung, dem Versagen sozialer Kontakte und zunehmend auch der physischen und psychischen Gewalt an Hope. Dabei sollte eine Verlobung und Hochzeit doch der Weg in ein neues und glückliches Leben sein und nicht der Pfad in die emotionale Hölle und in die Arme eines arroganten Machos, der Frauen mehr benutzt als liebt.

Ja, Hopes Leben ist wahrlich ein Leben in Schmerz, Angst und Not im eigenen Zuhause, bis – ja, bis einer ihrer Chefs dringend ihre Hilfe benötigt und ihr ein Angebot macht, das sie nicht abschlagen kann, da es ihr finanzielle Freiheit schenkt und somit auch den Weg in ein eigenes Leben ebnet, das aber auch einen Haken hat und sie für einige Zeit an ihn bindet. Ein kleiner Preis für die damit einhergehende Unabhängigkeit, wäre ihr Chef Jayden nur nicht so kalt, distanziert und feindselig. Dennoch lässt sie sich auf dieses vermeintlich unmoralische Angebot ein.

Wandelt sich mit den Tagen der distanzierte, unterkühlte, gar unfreundliche Boss in einen liebevollen, aufrichtigen, unterstützenden Freund? Und wird aus dem Haken vielleicht sogar ein wunderschöner Bonus?

Das wird sich beim Lesen zeigen, denn auch ihr Boss hat mit seinen ganz eigenen Dämonen (der Vergangenheit) zu kämpfen und bemerkt dabei zunächst Hopes Zwangslage nicht. Die Anzeichen sind da: verängstigtes, verschüchtertes Verhalten, sich in jeder Sekunde umblickend, und in sich gekehrt. Doch die Tragweite und Tiefe ihres bisher dunklen Lebens bleibt ihm lange unerkannt, bis… unvorhergesehene Ereignisse sie entschwinden lassen und dazu zwingen, die Verlobung mit dem Tyrannen Lucian schon früher mit der Hochzeit und der Aufgabe ihres letzten Stückchens eigenen Lebens zu krönen.

„Er ist mein Fels in der Brandung, mein Amarenakirschenlieferant in dunkler Nacht“

Erkennt Jayden, dass er Hope nicht ziehen lassen kann und endlich aktiv werden muss? Immerhin beginnt er sie mit der Hilfe einer mütterlich wirkenden Kollegin zu suchen und gemeinsam decken sie nach und nach immer mehr morbide Grausamkeiten um Lucian und zwielichtige Machenschaften um Hopes Vater auf. Hope befindet sich in den Zwängen zweier Tyrannen, doch kann Jayden sie wirklich aus diesen befreien? Schafft er es, über seine eigenen Schatten und Ängste zu springen, um dem Menschen zu helfen, der alles für ihn symbolisiert, was er in seinem Leben so nicht mehr wollte? Für einen Menschen, der doch aber auch alles für ihn ist, was er braucht? Oder kommt er bereits zu spät?

Mit Band eins der ‚Manhatten Love Stories‘ entführt uns die Autorin wieder in ein typisch modernes Märchen à la Mila Summers, wagt sich aber zugleich in neuere dunklere und erotischere Gefilde vor. Ein Wandel, der ihr gut steht und ihr sehr gelungen ist. Eine schriftstellerische Weiterentwicklung, verbunden mit einer packenden Leichtigkeit des Erzählens, ohne dabei die Tiefe der Geschichte zu verklären. Die Seiten schweben und lesen sich so leicht wie eine Feder, die im Sommerwind zu Dir getrieben, sanft Deine Nase küsst. Man fühlt sich mit und in diesem Buch einfach wohl. Die Dramatik und Dunkelheit der Geschichte Hopes und auch Jaydens werden von Mila mit den positiven, den glücklichen Momenten absolut in Balance gehalten und authentisch wirkend erzählt. Natürlich wird dabei aber nicht zu sehr in die Tiefe gegangen, denn das wäre dem Genre gegenüber nicht angemessen. Auch die gesamte Szenerie rund um NYC wirkt greifbar, echt und wunderbar ausgearbeitet, sodass man sich beim Lesen mit durch die Stadt bewegt und diese erkundet. Durch einen Perspektivenwechsel in der Erzählweise erhält man als Leser einen guten Einblick in die Beweggründe und Gefühlswelten der einzelnen Protas und kann so ihre Entscheidungen ein Stück weit schneller nachvollziehen, als es den beiden untereinander gelingt. Nur langsam gestehen sie sich ihre Gefühle füreinander ein, denn sie beide müssen dafür aus ihren jeweils so schwer errichteten Schutzmauern ausbrechen. Jayden aus seinen diversen, belanglosen Frauengeschichten – doch durch Hope lernt er mit der Zeit, dass auch er lieben darf und geliebt werden kann, und dass er an seinen Träumen festhalten sollte. Hope aus ihrem Kokon, dass sie sich mit dem Schicksal bereits abgefunden zu haben scheint – denn mit ihrem fordernden Job und Jayden lernt sie, dass sie ihres eigenen Glückes Schmied ist und niemanden braucht, um zu leben und glücklich zu sein. Sie lernt, dass sie der Hauptdarsteller im Stück ihres Lebens ist und dessen Fäden bestimmt, nicht ihr Vater, nicht Lucian, nicht Jayden. Trotzdessen, dass sie sich ihre Gefühle erst spät eingestehen, geht die Handlung zwischenzeitlich und auch der Wandel im inneren der Protas hier und da ein bisschen schnell vonstatten. Das war zunächst etwas ungewöhnlich, erschließt sich einem mit Fortlauf der Geschichte aber doch recht schnell, sodass es sich gut in das Gesamtgefüge dieser integriert. Es liegt eben daran, dass Hope – in ihrer brenzligen Lage – keine Zeit zu verlieren hat, und auch in Jaydens Leben Unterkante Oberlippe herrscht. Es sind Ausnahmesituationen, die die beiden dazu führen, sich enger miteinander zu beschäftigen und in eben solchen Begebenheiten ist ein gewisses Tempo durchaus nachvollziehbar. Aber ob Nähe wirklich alles ist, was es braucht, um die Geschickte in beider Leben zum Guten zu wenden, sei dahingestellt. Nicht alle Märchen gehen gut aus und das Leben ist schon gar kein Märchen. Die Geschichte büßt dabei keinesfalls an Emotion, Spannung und Begeisterung ein, sondern vereint diese gekonnt in einem Netz aus Gefahr, einer Achterbahnfahrt der Gefühle und dem echten Leben. Rundum gelungen.

Wie der Titel und das Cover schon verlauten lassen, geht es in ‚Irresponsible Desire‘ aber auch ein Stück weit für die Autorin in eine neue Richtung und in ein ‚unvernünftiges Verlangen‘. So gibt es natürlich den ein oder anderen heißen Moment zwischen den Charakteren. Dabei achtet Mila Summers durchweg auf ein authentisches, packendes und prickelndes, aber nicht over-the-top wirkendes Gesamtkonzept. Die entsprechend heißen Szenen sind stets geschmackvoll und unterstützen den Fortlauf und den Titel des Liebesromans. So gibt es diese magnetische Anziehungskraft zwischen Hope und Jayden, die sie allen Widrigkeiten und Gefahren zum Trotz nicht die Finger von einander lassen lässt. Und man fühlt dabei in jedem Moment mit. Ein gelungenes Leseabenteuer für kurzweilge Stunden - Leichtigkeit und Schwere, Gefahr und Glück, Liebe und Hass, es ist alles dabei.

Eure Jil Aimée

  (8)
Tags: irresponsible desire, mila summers, rezension   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(75)

106 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 69 Rezensionen

schildkröte, liebe, eine schildkröte macht noch keine liebe, emma wagner, humor

Eine Schildkröte macht noch keine Liebe

Emma Wagner
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 26.07.2016
ISBN 9783741223518
Genre: Liebesromane

Rezension:

In ‚Eine Schildkröte macht noch keine Liebe‘ – Emmas neuestem Coup – begeben wir uns mit der Virtuosin Lilly auf die Flucht vor ihrem Vater. Eine Flucht aus einem durchgeplanten Leben, das keinen Freiraum für Zwischenmenschliches oder gar den ganz normalen Alltag eines jungen Mädchens lässt. Und schon gar keinen Platz für die Liebe. Es ist ein Aufbegehren gegen patriarchalische Strukturen der Disziplin, des Erfolgsdrucks und der eisernen Härte. Denn genau so war Lillys Welt bisher: überbehütet, erfolgsgedrillt und voller Leistungsdruck. Aber vor allem fremdbestimmt. Kein Wunder also, dass sie eines Tages ausbricht. Völlig übereilt und völlig planlos. Und nur für drei Tage, wie es zunächst scheint. Einfach, um ihrem Vater mal zu zeigen, dass sie auch alleine in der weiten Welt zurechtkommt, und dass sie ein selbstbestimmtes Leben mit ihrer Bühnenpersönlichkeit vereinen kann. Doch das ist nicht so leicht, wie sie es sich zunächst gedacht hat. Während ihrer Reise in die fremde, freie Welt kommt es zu einem Missverständnis nach dem anderen. So findet eine Schildkröte ihren Weg in ihr Gepäck und Lilly über kurz oder lang Einzug in die Wohnung des ihr bis dahin völlig fremden Vincent. Vincent – ein krasser Widerspruch zu Lilly selbst.

Zunächst rabiat, etwas abweisend entwickelt er sich doch schnell zum Charmeur, der nicht aus seiner Haut kann und dem weltfremden, verloren wirkenden Mädchen einfach helfen muss. Er trifft die Entscheidung, sie vorerst bei sich aufzunehmen und das Chaos nimmt seinen Lauf, verirrt sich auf unzähligen Bahnen von Missverständnissen, Geheimnissen und Überraschungen und wohin? Findet es selbst heraus…

·         Wird Lillys Ausbruch aus der übersteigerten väterlichen ‚Fürsorge‘ wirklich ihr Weg in die Freiheit und in ein eigenes Leben sein?

·         Oder schlägt sie schneller auf dem harten Boden der Tatsachen auf, als ihr lieb ist?

·         Sucht ihr Vater nach ihr und was hat es eigentlich mit der Schildkröte und ihrer Virtuosenvergangenheit auf sich?

·         Aber vor allem: Wie passt der gut aussehende Vincent in die ganze Geschichte hinein und was hat er so zu erzählen?

·         Und was hat es mit einem Brüderpaar auf sich, das für den Fortlauf der Geschichte maßgebend ist, welches ich hier aber nicht weiter thematisieren werde?

Taucht ein und lasst Euch verzaubern, während ihr das Rätsel um Lilly und die Schildkröte Mondgesicht selbst löst.

Mit ihrem neuesten Roman bleibt Emma Wagner ihrem gewohnt humorvoll romantischen Schreibstil treu, der einen die Seiten wie im Fluge verschlingen lässt. Wechselnde Perspektiven geben dem Leser einen tieferen Einblick in die Beweggründe und Gefühlswelten der beiden gut ausgefeilten Protagonisten. Natürlich gibt es dem Genre getreu wieder ein Happy End, aber der Weg dorthin ist von unzähligen Steinen und Hindernissen durchzogen, sodass man bis zur letzten Seite nicht aus dem Mitfiebern kommt.

Die beiden Protagonisten starten dabei als Gegensätze zueinander, ziehen sich aber mehr und mehr wie Gegenpole an und können sich irgendwann dieser magnetischen Anziehungskraft nur noch schwerlich widersetzen. Bleibt die Frage, ob sie trotz aller Widrigkeiten und Gegensätzlichkeit zusammenfinden werden, oder am Ende alles in zwei zu fremden Welten verhallt und das Happy End in anderen Bahnen liegt. Denn aus fremden Welten kommen die beiden: Lilly ist etwas naiv und unbedarft, was aber der zu langen Vorherrschaft und des Verfügungsdranges ihres Vaters geschuldet ist. Sie versucht auszubrechen, ohne die Konsequenzen zu beachten. Wie die Welt funktioniert, ist ihr nicht bekannt. Noch nicht. Das fängt schon bei den Kleinigkeiten wie ‚Einkaufen‘ an. Sie weiß es einfach noch nicht besser. Aber es kostet Mut, aus gewohnten Strukturen auszubrechen und den hat sie allemal. Alles Weitere lernt sie in der Zeit allein und mit und durch Vincent. Darüber hinaus ist sie sehr liebenswert, niedlich und eine Virtuosin auf ihrem Gebiet: dem Musizieren. V ist sympathisch, gefühlvoll, vielleicht hier und da missverstanden, aber im Grunde ein sehr zuvorkommender und hilfsbereiter Mensch, dem das Wohl anderer und auch das der Tiere mehr am Herzen liegt als sein eigenes.

„»Jetzt komm schon«, murmelt Vincent mir genervt zu, bückt sich zu dem schmalen Grasstreifen des Vorgartens nieder, rupft einige Handvoll Gras, Klee und Löwenzahn ab und hält sie mir hin.“

Er weiß nur noch nicht so recht, was er vom Leben erwartet, was er sich erhofft, oder will. Beziehungsweise ist ihm die Richtung schon klar, aber er verliert sich ein Stück weit in den Verstrickungen und Irrungen des Lebens, bis er seinen Weg und die Mittel dazu auch findet. Zusammen erleben die beiden eine turbulente Zeit, müssen von Gewohnheiten abweichen, diverse Kompromisse eingehen, sich erst einmal aneinander in dieser ungewöhnlichen Lage gewöhnen und erleben mehr als nur eine alles verändernde Überraschung. Manchmal muss man aber in die Dinge Vertrauen haben, in die Veränderung selbst. Etwas, das beide im Verlauf der Geschichte lernen, während sie viele Missverständnisse zu überwinden versuchen. Doch in Emma Wagners neuem Buch werden sehr viel mehr Geschichten erzählt als nur die der beiden Protagonisten. Welche verrate ich an dieser Stelle allerdings nicht. Nur so viel: die beiden zuvor erwähnten Brüder sind mein absolutes Highlight.

„Mit einem leisen Lächeln beobachte ich ihr Gesicht, das in wechselnden Farben aufleuchtet – ein Spiegel des Spektakels auf der Brücke und dem Schloss und gleichzeitig so viel schöner als alles, was dort vor sich geht.“

Zum Inhalt selbst und dem Werdegang der Story kann ich sagen, dass es sich gefühlvoll, Emma-like und wunderbar entwickelt hat. Es ist anders als sonst. Aber anders bedeutet neu und neu bedeutet Abenteuer und Abenteuer bedeutet Leben. Von daher, ein Roman, wie ihn das Leben nicht hätte besser schreiben können. Eine Herausforderung für die Liebe, das Leben, für Lilly und Vincent. Eine gemeisterte Herausforderung, die auch die Autorin hat wachsen lassen. Ich finde es schön und habe mich nach leichten Startschwierigkeiten schnell eingefunden und mitreißen lassen. Zunächst fiel es mir etwas schwerer, ins Geschehen zu finden. Aber das legte sich binnen weniger Seiten schnell und die Autorin klärt hier gewisse Dinge bewusst erst später auf. Man spürt, wie sich das zarte Prickeln zwischen Vince und Li langsam aufbaut, wie ein kleines Pflänzchen wächst und sehr viel Hege und Pflege bedarf, um nicht im Keim zu verkümmern. Manchmal muss man mal kurz aus gewohnten Mustern ausbrechen, um seinen Horizont zu erweitern, damit man beim nächsten Mal im gewohnten Umfeld wieder besser und frischer brillieren kann. Und dieses Ausbrechen hat Emma gutgetan. Sie hat eine Geschichte mit viel Gefühl und Liebe zum Detail und zur Recherche geschaffen und alles flüssig miteinander verbunden.

Der Titel selbst ist zunächst ungewöhnlich. Aber ungewöhnlich zieht an und er passt sehr gut zur Geschichte. Warum sei an dieser Stelle aber nicht verraten, doch es klärt sich alles auf. Er ist wie ein kleiner, zunächst unscheinbarer Begleiter durch den Verlauf der Geschichte, der doch alle Fäden zusammenführt und zudem noch Amor spielt. Passend zu dem damit einhergehenden Feeling ist für mich auch das Cover gestaltet. Es gefällt mir mit am besten bisher von Emma Wagner. Die Farben versprechen eine laue Sommernacht, das Riesenrad im Hintergrund gibt einen kurzen Ausblick auf schöne Momente, die einen innerhalb der Geschichte erwarten und es wirkt romantisch, fast schon ein bisschen magisch. Wie ein Sommerhimmel voller Sternschnuppen mit einem Hauch Coachella. Wie ein Feuerwerk der Gefühle, das sich auch im Inhalt des Romans entlädt.

Alles in allem schleicht sich die Geschichte in das Leserherz, wie der Klang von Violinen die Seele berührt: dramatisch, hoch emotional und stimmungsvoll lässt dieser Heidelbergroman seine ganz eigenen Töne tanzen. Vincents und Lillys Geschichte lässt ihre ganz eigenen Töne tanzen. Und in jedem davon erklingt Heidelberg, atmet die Liebe und pulsiert das Leben. In Emma Wagners Worten fließt die pure Liebe zu Heidelberg, zum Schreiben. Dabei bleibt Sie gewohnt humorvoll und herzlich und bricht doch neue Bahnen. Lässt einen Heidelberg in jeder Pore spüren, in jeder Note erklingen. Eine Geschichte voller Klang und Liebe, eine Welt voller Emotionen, die einen alles andere vergessen lässt. Wie ein Musikstück, das einen so vereinnahmt, dass nichts anderes mehr existiert. Einfach wie das Leben und vollkommen wie die Liebe.

Viel Spaß beim Schmökern.

Eure, Jil Aimée

  (7)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(64)

110 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

liebe, cornwall, sommer, england, familie

Sommer in St. Ives

Anne Sanders
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 24.05.2016
ISBN 9783764505462
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten, das beeinflusst jedoch in keiner Weise meine Meinung.

In ‚Sommer in St. Ives‘ begeben wir uns auf eine Reise der besonderen Art – fast sechs Wochen lang. Es ist ein Sommer an der kornischen Küste. Ein Sommer voller Überraschungen. Voller Wendungen und voller Geheimnisse, die sich ans Licht zurückspülen lassen (wollen). Vor allem aber ist es auch ein Sommer der Chancen – für Lola Lessing und ihre Familie.

Lola reist mit ihrer Familie den Sommer über in das idyllische südenglische Fischerdorf St. Ives. Warum? Ihre Großmutter hat darum gebeten. Letztes Jahr ist der geliebte Großvater verstorben und nun will die Familie Oma Elvira einen letzten Wunsch erfüllen – an dem Ort, der für sie das größte Glück bedeutete. Dass dieses Glück aber so ganz anders aussieht als vermutet, erfahren Lola, ihre Geschwister und Eltern jedoch schnell. Es sollte ein schöner Sommer werden, entspannt, ruhig, er sollte die Familie wieder etwas näher zusammenführen. Doch dann kommt alles anders. Oma Elvira hat ein Geheimnis, das bald schon keines mehr sein wird: Sie wird heiraten. Einen Rockstar, den sie schon seit mehr als fünfzig Jahren kennt. Er trägt den Namen Sam Watson und zieht eine weitere große Kette an Familienmysterien mit sich. Kleine und größere Heimlichkeiten, die sich immer mehr aufstapeln und über kurz oder lang in einem großen Sturm gipfeln und sich unter tosendem Donner entladen müssen. Eines dieser Geheimnisse ist Lola selbst, denn weit in ihrer Vergangenheit liegend, war sie schon einmal in St. Ives und wurde unfreiwilliger Zeuge der Geschichte um ihre Oma. Lange, bevor es die anderen wussten. Aber gerade das bedeutet auch für sie im Verlauf der Geschichte einen Wendepunkt. Denn das Leben besteht aus Begegnungen, manchmal solche, die du zunächst gar nicht wirklich miterlebst, die dich aber auf den zweiten Blick aus deinen Angeln reißen und alles ins Wanken bringen. Dieser Wendepunkt trägt für Lola den Namen Chase. Mehr sei an dieser Stelle jedoch nicht verraten.

„Es ist, als würde der Wind mir neue Energie ins Gehirn pusten und dafür alten Schrott hinausfegen.“

Ein weiteres Geheimnis ist Lolas Mutter, die – hat es eine Bedeutung oder nicht? – Samantha heißt und so enttäuscht von den Lügen ihrer eigenen Mutter ist, dass sie eine Weile braucht, um ihr eigenes Geheimnis in die Arme der Familie zu tragen. Dann gibt es da noch Lolas Schwester und den Vater, deren härteste Aufgabe es wird, der Familie zu gestehen, dass sie ihren Weg so nicht weitergehen wollen. Das Job und Privatleben sich verändern müssen. Ich könnte das hier so fortführen, aber ich denke, ihr versteht, dass es sich wirklich um einen Sommer der Rätsel und Geheimisse handelt. Und was diese über Jahre mit einer Familie anstellen können. Denn diese Familie ist normal und anders zugleich. Sie reden nicht so unbeschwert miteinander, jedenfalls nicht alle. Sie unterwerfen sich dem selbst auferlegten Druck des Erfolgs – sei es im Studium, bei der Arbeit oder zu Hause. Und dieser Weg lässt nicht so einfach Abweichungen zu. Alles ist geplant, hat seinen Sinn. Ohne Platz für Allüren.

„Eine Dramaqueen ohne Königreich.“

Lola fühlt sich in diesen Strukturen schon lange nicht mehr wohl, will ausbrechen und sich neu erfinden. Aber gerade deswegen fühlt sie sich auch als große Enttäuschung der Familie. Lynda – Lolas Schwester – lebt in ihrem eigenen Konstrukt von Strenge, Ordnung, Erfolg und einer Bilderbuchbeziehung, die leider erfährt, dass die schillernden Farben um ihr so hart bemühtes Leben mit der Zeit verblassen und Gefühle auf der Strecke bleiben können. Luca – der kleine Bruder und Künstler in der Familie – entfernt sich immer mehr von dieser, lebt seine Leidenschaften aus, vielleicht ein letztes Mal in diesem Sommer, weil er weiß, dass er in Vaters Fußstapfen treten soll. Ob er will oder nicht. Jedenfalls ahnt er es. Und dann wären da ja noch all die anderen Charaktere – wundervoll und einzigartig zugleich und allesamt unglaublich facettenreich. Ihr müsst sie unbedingt selbst entdecken, am Ende des Buches werdet ihr das Gefühl haben, sie schon euer ganzes Leben lang zu kennen und einen besonderen Platz in euren Herzen für sie reserviert zu haben.

Denn dieses Buch, diese Familie ist unglaublich irre. Irre humorvoll, irre gefühlvoll auf ihre eigene Weise. Irre verrückt und irre ehrlich – zumindest über kurz oder lang. In jedem Fall aber ist es eine irre tolle Familie. Eine Familie, die gezwungen wird sich sechs Wochen lang den größten Geheimnissen zu stellen, ohne dabei wirklich Platz zum Ausweichen zu haben. Dass das nicht jedem gefällt, ist schnell klar, und so kommt es nicht nur zu einer hitzigen Debatte. Diese sechs Wochen sind action- und ereignisreich, vor allem aber sind sie eines: Heilend! Und manchmal erfährt man Heilung erst, wenn man alte Strukturen bitter zusammenbrechen lässt.

·         Was für Geheimnisse sind so schlimm, dass eine Familie innerhalb von sechs Wochen auseinanderbrechen kann, wenn sie es zulässt?

·         Was für Wendungen erwartet jedes einzelne Mitglied der Familie Lessing?

·         Hat die Liebe einer Familie eine Chance, wenn sie über die Jahre auf Lüge und Verrat errichtet wurde?

·         Oder ist das nur der erste Schmerz, ein Hindernis, das es zu überwinden gilt, um am Ende doch das zu finden, was immer da war?

·         Liebe?

·         Und welche Rolle spielen dabei berauschende Kekse J ?

Begebt Euch in dieses Leseabenteuer und lasst Euch von sechs Wochen Familiendrama, neuen Freund- und alten Bekanntschaften mitreißen. Lasst Euch ergreifen, von einer Liebesgeschichte, wie die Welt sie braucht. Geschichte wiederholt sich, sagt man, nur die Charaktere, die sich lieben, ändern sich. Und doch lebt jeder seine eigene.

·         Kann sich Liebe wirklich ähneln oder ist sie stets einzigartig?

·         Ist es nur der Sommer in St. Ives oder doch viel mehr?

Findet es heraus. Es wird Euch mitreißen und begeistern. Zumindest war das bei mir der Fall. Die Autorin schreibt unglaublich leicht, erfrischend, spritzig. Die Gedanken sind manchmal laut, unkonventionell und doch steckt in jedem Wort die Liebe zum Detail. Ich habe mir bei diesem Buch bewusst die Zeit gelassen, die die Geschichte auch überdauert – sorry daher für die späte Rezi -, denn ich wollte dieses Leseabenteuer so erleben, wie es die wunderbar frische Protagonistin Lola tut. In einem Sommer. Und dieser Sommer hat Spaß gemacht. Das Buch hat es geschafft, mir nach anstrengenden Arbeitstagen eine kleine Zuflucht in St. Ives zu schenken. Ich habe das Meer geschmeckt, das Fischerdörfchen erkundet und hatte so meinen kleinen Urlaub daheim und doch in der Ferne. Der Geschichte wohnen so viele Highlights bei, dass es unmöglich ist, sie alle aufzuzählen. Meines jedoch waren die Erinnerungen an den Opa, seine Lebensweisheiten, die denen meines Großvaters so ähnlich waren, dass mich die Geschichte auch in eigenen Erinnerungen fortgetragen hat. Das Buch lebt ein Stück weit davon. Dem Gefühl, der Nostalgie, die es beim Lesen auslöst. Besonders ist der Autorin der Wechsel zwischen Lolas Momenten der Gegenwart und den Erinnerungen von Oma Elvira gelungen – man konnte die Parallelen beider Geschichten quasi hautnah miterleben und Stück für Stück aufdecken. Auch die unvergleichliche Dynamik der Geschwisterbeziehung, die zwischendrin den Weg zueinander verloren zu haben scheint, aber doch immer wieder zu sich findet, hat mich beeindruckt. Generell einfach das Buch als solches, mit seinen wunderbaren Nebengeschichten, die alle in einem großen Ganzen münden, das mit Musik, tosendem Wind und ganz viel Pink zum Explodieren gebracht wird. Um zu wissen, was ich hier meine, müsst ihr selbst darin eintauchen. Es lohnt sich. Das Buch gibt einem so viel.

„Wege entstehen, indem man sich traut, sie zu gehen.“

Zum Abschluss noch kurz: Der Buchumschlag ist wunderschön gestaltet und entführt einen bereits von seiner Optik her in den Sommer, ans Meer. Man hört es rauschen, spürt die leichte Brise, atmet die unvergleichlich bereinigende Luft. Die Prägung des Titels in der pinken Farbe, die auch im Buch ihre Bedeutung findet, ist anziehend und lockend gebildet. Der Umschlag an sich von der Haptik her äußerst angenehm. Ich hätte mir allerdings einen verstärkten Buchrücken gewünscht, um die kleinen Risse beim Lesen zu vermeiden. Aber ansonsten wirklich wunderschön.

Es ist ein Buch über den Sommer, das Leben und die Macht der Liebe, die Zeiten und alle Hindernisse überdauert. Dabei ist es wachrüttelnd, leicht, schwer und prickelnd zugleich. Der Autorin ist hier die perfekte Mischung gelungen, und abgesehen von ein paar sprachlichen Holpern, die man sehr gerne verzeiht, ist es ein Buch, das jeden begleiten sollte. Denn es ist alles dabei: Drama, Gefühlschaos, Verrat, Turbulenzen, idyllische „Strände“ und ganz viel Liebe zum Detail. Mein Must-Read für Euch für den (Spät-) Sommer.

Eure Jil Aimée

  (7)
Tags: anne sanders, blanvalet, rezension, sommer in st ive   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

»Eines jeden Glück«

Virginia Woolf , Jutta Rosenkranz
Flexibler Einband: 181 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 07.03.2016
ISBN 9783458361350
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(61)

83 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

liebe, katie jay adams, sommer ins glück, geld, familie

Sommer ins Glück

Katie Jay Adams
E-Buch Text: 224 Seiten
Erschienen bei null, 07.06.2016
ISBN B01GSHV10G
Genre: Liebesromane

Rezension:

In ‘Sommer ins Glück‘ treffen wir gemeinsam mit der vom Glück weniger gezeichneten Annie im Park unverhofft auf den smarten, überaus attraktiven und noch reicher scheinenden Jona. Dieser scheint ihr gegenüber nicht ganz abgeneigt zu sein und lädt sie prompt dazu ein, sich ihm und seinen Freunden anzuschließen und am Abend eine gute Zeit zu verbringen. Klingt an sich vielverheißend, wäre nicht ebendieser Kerl kurz zuvor in seiner schicken Karre an ihr vorbeigebraust und hätte sie dabei beinahe über den Haufen gefahren. Nein, auf so einen Draufgänger und ‚möchte-gern-Casanova‘ kann Annie gut und gerne verzichten. Andererseits ist heute sowieso nicht ihr Tag: Ihren Job hat sie verloren, das Beziehungsglück ihrer besten Freundin, das sie ihr natürlich gönnt, schlägt ihrem eigenen eingeschlafenen Liebesleben etwas auf den Magen, ihre Bruder – an Autismus erkrankt – fordert sie jeden Tag mehr und jetzt muss sie auch noch knapp 50.000 $ auftreiben, um ihr Elternhaus zu retten. Da kann so ein bisschen Ablenkung ja nicht schaden und vielleicht entpuppt sich Mr. ‚Ich-habe-hypnotisierende-lichtblaue-Augen‘ ja als gar nicht so schlecht. Das jedenfalls hofft Annie und schließt sich ihm kurzerhand an.

·         Ob das nicht ein Fehler war?

Denn am nächsten Morgen erwacht sie in einer fremden Villa und findet nichts weiter vor als eine kurze Notiz und etwas Geld – okay mehrere Hundert Dollar!

Erzürnt darüber, sie für ein billiges Mädchen zu halten, verlässt sie das Anwesen und das Schicksal beginnt seinen Lauf zu nehmen und Chaos über sie hereinbrechen zu lassen.

In den nächsten Tagen und Wochen lässt Jona nicht locker, und versucht sie unbedingt zu erreichen. Er bietet ihr sogar einen Job in der Firma seines Vaters an. Auch ein indiskretes Angebot wird ihr unterbreitet – genauer gesagt ein Vertrag, der sie für die nächsten 21 Tage an ihn bindet. Annie lässt sich nicht kaufen, wehrt sich mit aller Kraft gegen Jona und seine verwirrende Anziehung. Aber mit ihm wäre es so einfach, ihrer Mutter Lilo aus der Patsche zu helfen und das Haus zu retten, in dem sich ihr kranker Bruder so geborgen fühlt. Annie jedenfalls rennt die Zeit davon – übrigens wurde auch dieses Detail liebevoll ins Cover eingearbeitet und wird dort durch die schicke Taschenuhr symbolisiert, doch dazu später mehr -, daher wird ihr nichts anderes übrig bleiben, als sich mit Jona zu arrangieren…

·         Doch soll sie sich wirklich darauf einlassen, sein Angebot annehmen, um ihre Familie zu retten?

·         Was bedeutet das für sie persönlich und kann sie diesem anziehenden Mann widerstehen und alles ganz sachlich betrachten?

·         Oder geht damit das Chaos erst wirklich los?

·         Ob sich das Leben bei ihm allerdings als Goldener Käfig oder doch als Chance auf mehr eröffnet, bleibt abzuwarten. Kann aus diesem Vertrag Freiheit entstehen, wenn sie den passenden Schlüssel dazu findet? (erneute Anspielung auf das Cover).

·         Was aber vor allem drängt Jona dazu, Annie ein solches Angebot zu unterbreiten?

·         Und welche Geheimnisse liegen in der Familie ihres neuen Arbeitgebers begraben?

Lest selbst und lasst Euch entführen in einen Roman voller Knistern, Drama, Intrigen, Gefühlen und mehr als nur einer überraschenden Wendung. Denn genau das erwartet Euch in Katies J. Adams‘ Debut. In elf Kapiteln plus Prolog und Epilog erzählt die Autorin die aufregende Geschichte um Annie und Jona und ein unmoralisches Angebot, das die beiden aneinander kettet, ob sie es nun wollen oder nicht. Natürlich kommt es infolge zu mehreren Holpern, Streitereien, aber eben auch Annäherungen zwischen den beiden. Doch wie es am Ende für die zwei ausgeht, bleibt Euch selbst zu entdecken.

Katies Debut glänzt mit einem einzigartigen, gefühlvollen und unverkennbar harmonischen Schreibstil, der einen den Sommer und die Liebe in jeder Pore spüren lässt. ‚Sommer ins Glück‘ ist dramatisch, emotional hoch spannend und locker-luftig zugleich - mein Buch des Sommers und ein must read für jeden von Euch. Die Geschichte ist wunderschön und bedient alles, was man in diesem Genre erwartet und was man sich auch wünscht und doch so viel mehr: Neben dem attraktiven Jona und mehr als einem Familiendrama tritt das Buch auf mit einem heimtückischen Bruder, der mit fesselndem Aussehen überzeugen kann, aber bei genauerem Hinsehen charakterlich hinter seiner charmanten Fassade und seinen zwielichtigen Geschäften zurückbleibt. Katie J. Adams hat auch viel Detailtreue in die Ausgestaltung ihrer Nebencharaktere gelegt, sodass das Buch als Gesamtes rund wird. Bei besagtem Bruder musste ich übrigens automatisch an Chris Hemsworth denken, und wie die Autorin inzwischen verraten hat, diente ebendieser ihr als Inspiration. Ich würde mal sagen: Perfekt vermittelt und gekonnt beschrieben. Die Charaktere selbst sind mit solch liebevollem Augenmerk gekennzeichnet, dass einem direkt ein überzeugendes Bild vorm Leserauge entsteht, ohne diese dabei zu überladen. Einfach und einprägsam, aber so, dass man noch genügend Vorstellungsspielraum hat. Darüber hinaus hat der Roman für mich genau die richtige Länge mit seinen knapp 300 Seiten. Oft passiert es ja, dass Dinge und vor allem Ereignisse zu übereilt beschrieben werden und dadurch in der Kürze Tiefgang verloren geht. Oder aber das Gegenteil: Es wird gedehnt und gestreckt, um Seiten zu schaffen, mit der Gefahr, dass die Geschichte dann verwässert. Die Autorin hat hier für mich das perfekte Mittelmaß gefunden und der Geschichte somit den Rahmen, die Struktur und die Länge gegeben, die sie braucht, um absolut wirken zu können. Und das tut sie. Die Geschichte um Annie und Jona fährt mit sehr viel mehr auf als den typischen Sommerliebesromanklischees, die man so erwartet. Autismus, Aufbegehren gegen eingefahrene Familienstrukturen sind nur ein Beispiel dafür, dass es um mehr als nur den alltäglichen (Familien-) Wahnsinn geht. Annies und Jonas Probleme wiegen dabei schwer und die Autorin vermag diese emotional fair darzustellen und mit Feingefühl zu behandeln, jedem seinen Raum zu geben, ohne dem Buch dabei zu viel zuzumuten. Es ist eben nicht immer alles luftig-leicht, auch wenn der Sommer das verspricht. Die Autorin mischt gerade diese außergewöhnlichen Zutaten des Lebens in ihrem Debut gekonnt. Ihr könnt Euch auf etwas freuen.

„Willst Du eine Nachricht an deine Freunde schicken, für den Fall, dass du dieses Date nicht überlebst?“ (à Date oder nicht Date, das ist hier die Frage J)

Kommen wir nun zum Cover: Es hüllt den Roman in ein wundervolles sommerlich verspieltes Kleid, wieder einmal hat hier die absolut wunderbare Claudia von Traumstoff gezeigt, was sie so hervorragend kann: die tollsten, passendsten Cover für die schönsten Geschichten zu gestalten. Ich bin verliebt. Einfach auch rein optisch schon Sommer, Liebe und Freude pur. Die kleinen Details und die fröhlichen Farben vermitteln Leichtigkeit und Lust auf Sommer und bergen etwas Geheimnisvolles, das man unbedingt ergründen möchte. Kombiniert mit dem schönen Titel, der Sommer verspricht und hält, und dem traumhaften Setting im einzigartigen San Diego, wirkt es für mich rund und überzeugend. Okay, mit dem schönen Kalifornien bekommt man mich immer. Wer meinen Blog und mich kennt, weiß: Ich habe sowieso mein Herz an diesen Staat verlorenJ.

Jetzt möchte ich aber noch schnell erwähnen, wer mein absoluter Liebling war: die wunderbare Lilo, zu der ich nicht viel mehr verrate werde, außer:

Ich freue mich schon darauf, an einem heißen Sommerabend Lilos todsichere Lasagne zu kochen und bei einem frischen Glas Wein zu genießen. Danke an die Autorin, dass sie ihren Lesern das Rezept aus dem Buch als kleinen Bonus am Ende zur Verfügung stellt. Übrigens, wenn ihr noch weitere tolle Gerichte-Ideen kennt, Katie J. Adams freut sich über Eure Zusendungen. Liebe geht ja bekanntlich manchmal durch den Magen, in diesem Fall oder besser gesagt in dieser Geschichte vielleicht nicht. Jona ist da eher der Béchameltyp und Annie Miss Crème fraîche. Und zusammen sind sie eine aufwühlende und erfrischende Story zwischen zwei unterschiedlichen Menschen, die das Schicksal hautnah aufeinander geworfen hat und die nun erst einmal damit klarkommen müssen, so viel Zeit und Nähe miteinander zu verbringen. Klar, dass es da knistert und nur allzu oft die Fetzen fliegen. Es ist wie ein Gewitter, erst lädt sich alles auf durch Missverständnisse, unterdrückte Emotionen usw., dann gipfelt es in dunklen Wolken, nur um sich anschließend elektrisierend und wolkenbruchartig über der Welt – in diesem Fall Annies und Jonas – zu entladen. Am Ende brechen vereinzelte Sonnenstrahlen hindurch und ein Regenbogen lässt das Leben in mehr Farben als dem düsteren Grau erstrahlen, lädt dazu ein, mehr als nur das Offensichtliche zu entdecken. Und wenn man sich erst einmal durch die Schichten (der Lasagne) gewühlt hat und beginnt, den jeweils anderen zu verstehen, dann merkt man auch, wie eben dieser jemand vielleicht längst ein Teil des eigenen Herzens geworden ist.

Kurzmeinung

‚Sommer ins Glück‘ hat alles was ein Roman braucht, um mein Buch des Sommers zu werden: Er liest sich spritzig, unglaublich humorvoll. Ist hier und da gewürzt mit einer Prise Sarkasmus und Drama. Verfeinert wird er durch ganz viel Missverständnis und zwielichtige Geschäfte. Dann kommt noch eine Portion Familiendrama mit obendrauf, ein Hauch von Liebe und Vertrauen und einen Schuss ‚Unbekanntes‘. Gut durchgeschüttelt und mit Katies einnehmbaren und harmonischen Schreibstil in Einklang gebracht, und in ein wundervolles Kleid gehüllt, überzeugt die Geschichte um Annie und Jona auf ganzer Linie. Ja, wahrlich: Mein Buch des Sommers. Durch und durch!

Doch ob es bei Annie und Jona genauso ausgeht, oder doch alles in einer Katastrophe enden wird, bleibt abzuwarten. Ich wünsche Euch viel Spaß dabei.

Eure, Jil Aimée

  (3)
Tags: rezension, sommer ins glück   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(135)

237 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 70 Rezensionen

meer, emma sternberg, fünf am meer, hamptons, liebe

Fünf am Meer

Emma Sternberg
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.05.2016
ISBN 9783453421639
Genre: Liebesromane

Rezension:

In ‚Fünf am Meer‘ begeben wir uns mit der Deutschen Linn auf ein kleines Abenteuer in die Entschlüsselung ihrer Vergangenheit, das sie in die USA – genauer gesagt in die Hamptons, führt. Geleitet durch ein unverhofftes Erbe, das sie in vielerlei Hinsicht so viel reicher machen wird, bekommt Linn die einmalige Chance, aus gewohnten, teilweise destruktiven Beziehungsmustern auszubrechen und endlich anzukommen. Anzukommen in ihrem Selbst. Destruktiv war ihre Beziehung bisher deshalb, da sie mehr der Gewohnheit, denn der Liebe, mehr der willkommenen Geborgenheit einer so schmerzlich vermissten Familie, denn der aufrichtigen Heimat geschuldet war und letzten Endes mit einem harten, aber doch die Augen öffnenden Schicksalsschlag für sie enden musste. Ein Zustand, aus dem es auszubrechen gilt, um zu neuen Ufern aufzubrechen. Neue Ufer, die auch ein neues Leben für Linn bedeuten können…

·         Doch ist ein Ende wirklich zugleich ein Neubeginn?

·         Schafft es Linn, das enorme Erbe, das zu keinem besseren Zeitpunkt hätte in ihr Leben treten können, anzunehmen?

·         Und diesem und den damit verbundenen neuen Begegnungen und Menschen gerecht zu werden?

·         Ist es wirklich der erhoffte Neustart, der sie reicher werden lässt?

·         Reicher im Herzen. Reicher an Erfahrung. Reicher im Finanziellen, aber vor allem reicher an Leben?

·         Und was wird aus den Menschen, die mit dem Erbe einhergehen, wenn Linn nicht den perfekten Ausweg finden wird?

·         Welche Menschen sind das überhaupt, welche Geschichten haben sie zu erzählen und was hat es mit dem auf dem Klappentext angedeuteten ominösen Journalisten auf sich?

Um all diese Fragen zu klären, lege ich Euch das Lesen dieses schönen Buches ans Herz. Es lohnt sich. Denn ich werde diesmal nicht allzu viel zum Inhalt der Geschichte verraten. Ich würde zu viel vorwegnehmen, das unbedingt selbst entdeckt und in sich aufgesogen werden sollte. J.

Emma Sternberg hat hier eine bewegende Geschichte geschaffen, die uns raus aus der Heimat und rein in ein wundervolles Setting in den Hamptons entführt. Sommerlicher und atmosphärischer kann es nicht werden. Ihr Schreibstil ist locker, modern und zieht uns doch mit jedem Satz in die malerische Idylle eines Traumurlaubsortes, der für die Protagonistin zu einer neuen Heimat werden kann. Wenn sie es zulässt. In jedem Wort begegnet einem das Herzstück der Hamptons, die Leichtigkeit, das Noble, die Erinnerung und die Sehnsucht nach dem Meer. Beim Lesen spürt man den Sand unter den Füßen, riecht die erfrischende Meeresluft und erträumt sich die geheimnisvollen Ecken des Erbes Linns. Malerisch, packend und schön. Ein Sommer, ein Buch, das Leben. In jeder Zeile. Und es gibt noch so viel mehr zu entdecken für Euch. Nicht nur einzigartige und absolut herzliche Charaktere, über die man an manchen Stellen den Kopf schüttelt, während man sie in anderen Passagen wiederum direkt ins Leserherz einziehen lässt. Charaktere, die unterschiedlicher und runder nicht sein könnten und doch zusammen ein großes Ganzes ergeben. Nicht nur einmal habe ich mir beim Lesen gewünscht, Gast in dieser illustren Runde sein zu dürfen und bei einem Pomegranate Martini den Geschichten und Vergangenheiten dieser lauschen zu können. Lediglich manche Nebencharaktere wie Ted hätten in ihren Hintergründen etwas mehr Raum erfahren können, ansonsten passen sie für mich alle.

Auch das Cover des Buches ist besonders. Es strahlt eine gewisse Sehnsucht nach Sommer und Meer aus und wirkt dabei dennoch glücklich und bunt. Auch die Haptik des sich ‚samtig-leicht‘ anfühlenden Buchumschlags unterstützt das Gefühl der Wärme und Zuversicht, das man beim Anblick des Covers als auch beim Lesen des Romans an sich erfährt. Die Töne des Covers sind blau und grün und vor allem hoffnungsvoll, aber auch bunt – so bunt wie das Leben, ohne dabei allzu aufdringlich zu wirken. Für mich ein rundum gelungenes Kleid für ein schönes Sommerbuch. Besonders hervorzuheben sei hier noch der gestärkte Buchrücken in der Taschenbuchausgabe, der es einem ermöglicht, das Buch nach dem Lesen ohne leidigen Knick ins Regal zu stellen. Ich wünschte, dies wäre bei allen Büchern so. Und der Titel – ach der Titel ist einfach wunderbar. Ich denke, er weckt bei jedem so seine ganz eigenen Assoziationen – unabhängig der Menschen, die er umfasst. ‚Fünf am Meer‘ bedeutet für mich auch Abschied, Neubeginn, Verarbeitung, eine neue Chance und Selbstfindung. Und passt daher so perfekt zur Geschichte, denn all dies ist irgendwie Thema des Buches und doch erzählt es mit der Geschichte um die fünf Senioren, um Linn, Ted und den Journalisten noch einfach so viel mehr. Entdeckt es einfach selbst. Lehnt Euch in der Sonne zurück, und genießt es. Mein Herz hat es erwärmt mit seiner erfrischenden Lebendigkeit, seinem Facettenreichtum und den vielen kleinen – auch künstlerischen – Überraschungen, die einem beim Lesen begegnen und einen sich wohlfühlen lassen. Es ist eins dieser Bücher, die man am Ende mit einen guten Gefühl zur Seite legt, deren Story aber noch lange in einem nachhallt.

Einen kleinen Minuspunkt erhält von mir der Klappentext, denn aufgrund diesen hätte ich einfach teilweise andere Schwerpunkte in der Geschichte erwartet – vor allem in Bezug auf eine scheinbare Verlobung und auch auf den dort angesprochenen attraktiven Journalisten, dessen Präsenz doch nicht ganz so viel Platz einnimmt, wie zunächst angenommen. Aber mehr möchte ich hier nicht vorwegnehmen. Ein weiterer Hopser entsteht für mich ca. ab Seite 320, denn dort kommt – nur für mich persönlich – die Geschichte etwas ins Stocken beziehungsweise zieht sie sich dann ein wenig. Aber schon zwei Kapitel später kehrt sie zu ihrer Leichtigkeit im Schreiben und Erzählen zurück und packt wieder in Gänze.

Dieser kleine Hopser fällt allerdings nicht schwer ins Gewicht, da die Geschichte ansonsten überzeugt. Überzeugt vor allem mit der Botschaft, die sie mir vermittelt hat: Unterschätze niemals die Macht und Kraft der Veränderung und auch, wenn dein Leben gerade grau erscheint, ist es doch bunt – so kunterbunt -, du musst nur lernen hinzuschauen. Verlass deine Deckung, dein Schneckenhaus, auch wenn es sich noch so schützend anfühlt. Verlass es und Du wirst die Sterne sehen können, das Meer rauschen hören und das Leben einfach leben und schmecken in all seinen Facetten.

Wenn ihr noch auf der Suche nach einem weiteren wunderschönen Sommerroman seid, der Euch gerade heute an diesem sonnigen Tag erfreuen wird, hier ist er. Dieser Roman gehört unbedingt gelesen. Er gibt einem so viel mehr als reine Worte. Er gibt einem wahrhaftes Leben und dessen Wert und das Schätzen der unvorhergesehenen und kleinen Dinge, die in ihrer Summe das Gewicht der eigenen Geschichte ausmachen. Ich habe es wahrlich genossen, diesen Roman zu lesen und in ihm auch schon Parallelen erkannt und Menschen aus meinem Umkreis entdeckt, die ihn genauso gern haben werden.

Eure, Jil Aimée

  (5)
Tags: emma sternberg, fünf am meer, heyne, rezension, roman   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(289)

841 Bibliotheken, 33 Leser, 1 Gruppe, 110 Rezensionen

cassandra clare, schattenjäger, liebe, lady midnight, fantasy

Lady Midnight

Cassandra Clare , Franca Fritz , Heinrich Koop
Fester Einband: 880 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.05.2016
ISBN 9783442314225
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

hörbuch, rezension, bastei lübbe, bastian pastewka, chris geletneky

Midlife-Cowboy

Chris Geletneky , Bastian Pastewka , Hagen Kluth
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.03.2016
ISBN 9783785752166
Genre: Romane

Rezension:

In ‚Midlife-Cowboy‘ sehen wir die Welt durch Tillmanns Augen. Und das ist per se keine schlechte Welt, nur eine, die momentan in der Spießigkeit und dem Perfektionismus des Familiendaseins gefangen ist. Es ist eine Welt aus Fertighäusern und akkurat gepflegten Rasenflächen – die natürlich nur mit einem eigens dafür teuer angeschafften Rasentraktor in Schuss gehalten werden dürfen. Es ist eine Welt mit der fantastischsten Ehefrau und den besten Kindern und einem Gartenteich. Mit guten Freunden aus guten Familien mit anständigen Berufen. Die perfekte Idylle für ein perfektes Leben also. Doch Tillmann – seines Zeichens in einer solchen Musterhaussiedlung nicht nur beruflich tätig, sondern auch Paradebeispiel für den Familienvater schlechthin - kann - und vor allem will – in dieser Welt nicht mehr leben. Zunehmend stellt er fest, dass sich seine einst so strebsamen Jugendträume mit der Zeit in Staub verwandelt haben, der sich auf der Fassade seines jetzigen Lebens niederlässt und ihr den Glanz beraubt. Die Liebe zu seiner Frau ist noch da, füllt ihn aber nicht mehr aus. Weder emotional noch körperlich. Es ist einfach immer gleich, alles Routine. Sex. Familie. Job. Gartenfeste mit den Freunden. Aber nichts Neues mehr. Nichts Unbekanntes, das es zu entdecken gilt. Kein Abenteuer, das es zu erleben gilt. Und kein Nervenkitzel, den es auszuhalten gilt. Nein, nichts mehr außer stupides, fast mechanisches ‚vor-sich-hin-Leben‘. Besonders bewusst wird ihm dies, als eine studentische Hilfskraft ihm seine tägliche Post bringt und ihn unweigerlich auf sein eingestaubtes und langweiliges Leben hinweist. In seinem Inneren beginnt es zu rumoren, zu brodeln und der über die Jahre angestaute Frust über zerplatzte Träume entlädt sich in einer gnadenlosen Explosion und dem Versenken des Rasentraktors im Gartenteich.

·         Doch reicht dieser eine Ausbrauch aus dem Alltag schon aus, um das Leben wieder lebenswert zu gestalten?

·         Reicht es aus, um Träume und Familie wieder in Einklang zu bringen?

·         Oder ist es erst der Startschuss – sog. Kick-off – für ein neues Leben, das sämtliche Grenzen sprengt?

·         Ein Leben, in dem Versuchungen und das Spiel mit dem Feuer alles sind, was zählt?

·         Wird Tillmann einen Weg finden, seine Liebe nicht durch die alltägliche Eintönigkeit vollends einrosten zu lassen?

·         Oder wird er den Versuchungen erliegen, die sich ihm infolge bieten?

·         Wird es ihm zudem gelingen, die von allen Seiten drohende ‚Midlife-Crisis‘ zu be- und zu überstehen?

·         Aber vor allem, ohne am Ende ohne alles dazustehen?

Die Tage werden wieder wärmer. Also trommelt Eure besten Freunde zusammen, schmeißt den Grill an. Gönnt Euch etwas Leckeres zu trinken und lehnt Euch zurück und lauscht statt des üblichen Grillenzirpens den Hilferufen unseres ‚Midlife-Cowboys‘. Ich garantiere Euch, Ihr werdet es nicht bereuen. Ihr werdet Spaß haben. Alle zusammen. Vielleicht werdet Ihr sogar das ein oder andere lernen. Ich jedenfalls habe dies: einfach mal leben und leben lassen. Und dann, wenn der letzte Ton verklingt, geht raus, feiert und liebt. Vor allem aber lebt, und seht zu, dass Eure Träume nicht zu Staub zerfallen und ihr Euch am Ende selbst im Hinterfragen Eures Daseins wiederfindet.

Ich hatte selten so viel Spaß beim Zuhören. Bastian Pastewka liest fantastisch, gibt dem Ganzen Leben, macht es echt und greifbar. Er gibt mit seinem Sprach- und Stimmtalent den wunderbaren, flüssigen Worten des Autors Charakter und unterstreicht dessen schriftstellerischen Tiefgang mit einem hörbaren. Untermalt wird das Ganze durch eine passende Komposition an Klang- und Stimmfarben. Man spürt, was gelesen und lebt, was erzählt wird. Man ist kein stiller Beobachter, sondern irgendwie als einer von Tillmanns Freunden dabei, wenn er auf Abwege gerät. Beruflich wie auch privat. Man empfindet seine Verwirrungen, seine Emotionen, seine Angst und seine Leidenschaften mit. Man hofft und bangt und bangt und hofft.

„Und dann nahm ich noch etwas wahr: Das wollüstige Stöhnen einer Frau in sexueller Ekstase. Und zwar aus meiner Hose.“

Zunächst lernt man ihn als fürsorglichen Vater, trotz allem liebenden Ehemann und loyalen Freund kennen. Durch seine Augen erfährt man, dass es okay ist, nicht perfekt zu sein und das Perfekte auch eigentlich nicht zu wollen. Dass hinter jedem mehr steckt, als uns die kleinbürgerliche Fassade vermuten lässt. Dass die Liebe und die Leidenschaft nicht der Routine und der Rastlosigkeit erliegen dürfen. Und auch wenn Tillmann – wie viele seiner Freunde – hier fremdgeht, so lernen wir doch zu verstehen, warum dies passiert ist. Und das er eben nicht der Einzige dabei ist. Wir lernen, dass ein jeder von uns mit seinen eigenen Problemen belastet ist, doch dass sich viele dieser Sorgen und Ängste gleichen und hätten aus der Welt geschafft werden können, wenn man doch nur wirklich miteinander geredet hätte. Sein Leben nicht nur miteinander gelebt, sondern es auch wirklich geteilt hätte. Ich denke, dann wären viele Wogen, die innerhalb des Lebens Tillmanns aufbegehrt sind, gar nicht erst entstanden. Beziehungsweise hätte er sein belangloses Dahinplätschern zusammen mit seiner Familie mit echtem Leben füllen können. Doch in ‚Midlife-Cowboy‘ passiert das eben nicht. Es wird lange verdrängt und geschluckt und nebeneinander gelebt. Vielleicht sogar aneinander vorbei. Bis die Torschlusspanik vor der großen 40 einsetzt und sich alles in einem gigantischen Feuerwerk aus Abenteuer und Lust, Geheimnis und Verrat, Freude und Frust, Party und Paar entlädt. Erst spät merkt er, dass das, was er droht zu verlieren, doch viel mehr Leben ist als all das, was er aus falscher Panik heraus forciert hat.

„Vorbei an unzähligen Alkoholleichen, knutschenden Pärchen und zur dröhnenden Musik tanzenden Menschen torkelte ich zurück zum Empfangsgebäude. Ich war plötzlich unfassbar niedergeschlagen und wollte nur noch hier weg.“

Tillmann ist guter Hauptcharakter, der hier und da etwas mehr Tiefe und Substanz vertragen könnte. Dennoch aber echt und trotz seiner Fehler, seines Hinterfragens, seines Riskierens sehr sympathisch wirkt. Er verirrt sich im Leben. Er fällt auf die Nase. Doch er kann auch wieder aufstehen. Das Highlight in diesem Hörbuch sind aber ganz klar die Nebencharaktere, bei denen jeder Einzelne mit einer enormen Portion an Pfeffer und Pfiff ausgestattet ist. Es sind eben diese Nebendarsteller, die die Geschichte im Ganzen rund werden lassen. Die Geschichte selbst ist schräg und urkomisch, wirkt zugleich aber auch vorstellbar real. Ein Familienvater auf Abwegen sumpft in der Midlife-Crisis und sucht den modernen Cowboy in sich selbst. Ein neuer Masterplan, der ihn aus der Eintönigkeit und Graustaffelung des Familienalltags befreien soll, muss her. Kleinbürgertum und Spießigkeit ade. Ein emotionaler Ritt durch die Musterhaussiedlung. Das ist ‚Midlife-Cowboy‘.

Wir hinterfragen alle irgendwann, wir wollen das Besondere, nicht das Alltägliche.

·         Was, wenn das Besondere aber genau im Alltäglichen liegt?

·         In der Stabilität und Liebe einer Familie?

Hört zu und findet es mit Tillmann heraus.

Zum Schluss wird etwas über das Ziel hinausgeschossen, was aber für ein Hörbuch sehr gut funktioniert, da es neben dem Gehörten einen enormen visuellen Effekt erzeugt. Zumindest vorm ‚Hörer‘-Auge.

Ich kann das Hörbuch nur rundum empfehlen. Es hat mich überzeugt: mit Witz und Humor, aber auch weil es berührend und wachrüttelnd ist. In vielerlei Hinsicht.

Vor allem aber eines: Es wirkt durch und durch echt.

Eure Jil Aimée

  (3)
Tags: bastei lübbe, bastian pastewka, chris geletneky, hörbuch, lübbe audio, rezension   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(29)

41 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

liebe, bookshouse, lia haycraft, mond, magie

Mondschwinge - Die Nacht der Elemente 2

Lia Haycraft
Buch: 240 Seiten
Erschienen bei Bookshouse, 11.09.2015
ISBN 9789963530540
Genre: Fantasy

Rezension:

‚Mondschwinge‘ ist der zweite Teil der Paranormal Romance Reihe ‚Die Nacht der Elemente‘ von Lia Haycraft. Wir begegnen in Band zwei – anders als erwartet - neuen Hauptcharakteren, da die Handlung circa neunzehn Jahre nach der ‚Mondtochter‘ einsetzt und in der Zwischenzeit viel passiert ist, während es auch Dinge oder vor allem Personen gibt, die sich scheinbar nie ändern. Natürlich gibt es auch ein kurzes Wiedersehen mit beispielsweise Sander oder auch der gewohnt bösartigen Umbra, doch den ersten Hauptcharakter liefert uns Kasumi. Ihre Geschichte beginnt traurig, denn ihr Opa liegt schwer erkrankt im Krankenhaus und sein sehnlichster Wunsch ist es, noch einmal seine Frau – seine Analyn zu sehen. Leider ist dies nicht so einfach, denn schon seit unzähligen Jahren ist diese spurlos verschwunden. Noch als Kasumis Mutter ein Baby war, war Analyn von einem auf den anderen Tag fort. Opa Georg glaubt daran, dass ihr Verschwinden unfreiwillig geschehen ist, und ist seitdem auf der Suche nach seiner großen Liebe. Über die Jahre hat er schon einiges an vermeintlichen Spuren angesammelt, doch zu seinem Ziel haben diese ihn bisher nicht geführt. Nun ist es an Kasumi, alles daran zu setzen, ihrem Opa den letzten Wunsch zu erfüllen. Sie übernimmt während seiner Krankheit die Suche nach der Großmutter, die sie niemals hatte kennenlernen können. Die ihr nur uns unzähligen Geschichten ihres lieben Opas nahe ist. So kommt es eines Tages auch, dass Kasumi eine mysteriöse Botschaft zugespielt wird, in der ihre Oma um ihre Hilfe bittet. Ihr würde ein Bote geschickt, der ihr alles erklären und sie zueinander führen würde. Infolge macht Kasumi die merkwürdigsten Begegnungen mit den unterschiedlichsten Wesen, die unserer Welt völlig fremd sind und magisch - gar fantastisch - erscheinen. Sie sammelt immer mehr Hinweise und wird Stück für Stück in ein außergewöhnliches Abenteuer gezogen, das sie in eine andere Welt führen und von einem rätselhaften Fluch angetrieben wird.

·         Aber kann sie diesen merkwürdigen Wesen vertrauen?

·         Ist der Brief, den sie von ihrer Oma erhielt, wirklich echt?

·         Was wird sie in dieser fremden Welt erleben?

·         Wer wird ihr zur Seite stehen, wenn Gefahren ihren Weg kreuzen werden – und das werden sie!?

·         Wird Kasumi am Ende Analyn finden und ihr helfen können?

·         Noch ehe es für eine letzte Begegnung mit ihrem Opa zu spät ist?

Um dies alles zu erfahren, müsst Ihr die Geschichte um die ‚Mondschwinge: Die Nacht der Elemente 2‘ schon selbst lesen und ich kann Euch eines versprechen: Kasumis Geschichte führt Euch unweigerlich wieder nach Axikon und in die Arme Ivans. Wenn Ihr Teil eins gelesen habt, ist Ivan Euch bereits bekannt. In der ‚Mondschwinge‘ wird er zum zweiten Hauptcharakter, der Kasumi im Laufe ihres Wege und ihrer Suche begegnen und ihr verfallen wird. Dabei hat er noch seine ganz eigene, geheime Geschichte und Last zu tragen, die mit einer gewissen jungen Dame namens Raja zusammenhängt.

·         Wird er Kasumi helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren?

·         Was wird Raja dazu sagen, dass in Ivans Leben nun eine andere Frau die wichtigste Rolle spielt?

·         Oder ist nichts so, wie es den Anschein hat, und hinter jedem verbirgt sich ein zweites, ein wahres Ich, das es erst zu entdecken gilt?

·         Was bedeutet dies für Ivans und Kasumis Zukunft, wenn ihre Aufgabe und Reise nach Axikon beendet ist?

Denn wir erinnern uns ja, dass Menschen wie Kasumi nicht in die fremde Welt reisen dürfen. Jedenfalls nicht ohne schwerwiegende Konsequenzen. Lasst Euch von meinen Fragen nicht in die Irre führen, sondern begebt Euch zusammen mit Kasumi und Ivan selbst auf die Reise nach Axikon. An jeder Ecke werden Euch Überraschungen und unvorhergesehene Wendungen erwarten und Euch nur noch mehr in dieses fantastische Epos hineinsaugen.

Lia Haycraft hat mit der ‚Mondschwinge‘ eine grandiose Fortsetzung zu ihrer Paranormal Romance Reihe ‚Die Nacht der Elemente‘ geschaffen. Passend zu Band eins spielen auch hier die einzelnen Elemente und Elementarwesen die entscheidende Rolle. Sprachlich steht die ‚Mondschwinge‘ der ‚Mondtochter‘ in nichts nach. Band zwei wirkt ebenso durchdacht und wunderbar ausgearbeitet wie schon sein Vorgänger. Die Geschichte lässt sich leicht und flüssig lesen und zieht einen durch die fantastische Welt der ‚Elementarwesen‘ regelrecht in ihren Bann. Angereichert durch wunderbare Beschreibungen Axikons, sodass man es bildlich beim Lesen mitentdecken kann.

„Eine Welt voller Neunzehnjähriger, zumindest dem körperlichen Aussehen nach. Kasumi musste grinsen. Eine Teeniewelt voller Mondschein und Fantasiewesen.“ -  so ist Axikon für Kasumi.

Dabei lernen wir die Welt der Axikoner genauer kennen und erfahren so auch einiges an Hintergrundinformationen zu der ‚Nacht der Elemente‘ – wie sie alle neunzehn Jahre geschieht. Lia vermag uns in eine atemberaubend gezeichnete Erzählung zu entführen, ohne uns dabei mit überzogenen Erklärungen zu ermüden. Den Spannungsbogen der Geschichte um Kasumi und ihre Familie sowie ihrer Verbindung zu Axikon hält sie bis zum Ende aufrecht und überzeugt nicht nur durch die unterschiedlichen Handlungsstränge, die am Ende gekonnt ineinander übergehen, sondern auch mit der Auflösung und dem Ausgang des Romans. Das Tempo steigert sich entsprechend den Geschehnissen innerhalb des Buches enorm, sodass es gegen Ende sehr kurzweilig wird und durchweg angenehm zu lesen ist.

Auch die beiden Protagonisten wirken ausgefeilt und rund. Ein jeder von ihnen hat seine eigenen Eigenschaften, die ihn sympathisch werden lassen und es dem Leser ermöglichen, sich in diese hineinzuversetzen. Untermauert wird dies auch durch die wechselnde Perspektive zwischen Ivan und Kasumi. Kasumi ist ein herzlicher Freigeist, fährt gerne Skateboard. Sie ist um die zwanzig Jahre alt und möchte unbedingt ihrem Opa helfen. Dabei wirkt sie zu Beginn ‚ihrer Reise‘ noch etwas unbeholfen und ein wenig naiv. Sie hinterfragt zu wenig. Was aber daran liegen mag, dass sie erst einmal selbst glauben lernen muss und zunächst völlig irritiert und überwältigt von den vielen Begegnungen ist. Im Laufe der Geschichte wandelt sich dies enorm. Sie wird stärker und besonnener und macht innerhalb des Romans die größte Entwicklung durch – auch physisch gesehen.

„Ihre Wimpern waren lang und geschwungen und die bunten Lichter der Stadt tanzten in ihren Augen, wenn sie ihn ansah.“ - so war Kasumi für Ivan.

Ivan hingegen, den wir schon im ersten Band lieben lernen konnten, wirkt in Band zwei hilfsbereit und besonnen, aber auch risikofreudig. Ihm zur Seite steht zu Beginn die loyale Raja, die übrigens mein Liebling im gesamten Roman gewesen ist. Warum? Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Doch manchmal lohnt der Blick hinter die Kulissen, oder besser gesagt in einen Spiegel einfach.

Auch das Cover ist wieder einzigartig gestaltet und deutet bereits an, was einem am Ende des Bandes erwarten könnte. In dunklen Rottönen und in Schwarz gehalten, mit einem Federkleid versehen, regt es die eigene Fantasie an und lässt die unterschiedlichsten Ideen um die Geschichte sprudeln.

Ich habe nur zwei Kritikpunkte. Gerne hätte ich ein wenig mehr über die Protas aus Band eins erfahren ebenso über die wahre Bedeutung und vor allem Berufung der Mondschwinge und ihrem Kampf. Zudem entwickelte sich die Liebesgeschichte dieses Buches sehr rasant und oftmals leicht überstürzt. Aber ich denke, das ist dem Überschlagen der Ereignisse für Kasumi geschuldet und daher durchaus nachvollziehbar. In ungewöhnlichen Situationen sucht das Herz sich einen Anker und hält sich nicht an Zeit. Abschließend kann ich sagen, dass Band zwei eine facettenreiche, fesselnde und fantastische Fortsetzung voll überraschender Wendungen ist, die sich perfekt in die Reihe einfügt und begeistert. Zumindest mich und ich hoffe, Euch wird es ebenso gehen. Band eins müsst Ihr für Band zwei nicht zwingend gelesen haben, da die Autorin alle wichtigen Dinge erklärt, ich empfehle es aber dennoch.

Ich danke der lieben Lia für diese magische Erzählung und wünsch Euch allen viel Spaß beim Lesen.

Eure Jil Aimée

  (4)
Tags: bookshouse verlag, die nacht der elemente, lia haycraft, mondschwinge, rezension   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(421)

861 Bibliotheken, 18 Leser, 2 Gruppen, 200 Rezensionen

liebe, tod, italien, anne freytag, jugendbuch

Mein bester letzter Sommer

Anne Freytag
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.03.2016
ISBN 9783453270121
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In ‚mein bester letzter Sommer‘ begeben wir uns mit der schwer kranken Tessa auf die Reise ins Leben. Sie hat ein Loch im Herzen und auch ihrer Lunge fällt es mit jedem Atemzug schwerer, ihr die nötige Luft zu geben. Tessa war immer eines: ein Musterkind. Gute Noten, die besten beruflichen Chancen, hat sich (für andere) immer richtig entschieden, die richtigen Prioritäten gesetzt und gelernt, während andere feiern waren. Gelernt, während andere verliebt waren. Gelernt, während andere einfach gelebt haben. Ja, sie hat ihr Leben in die Zukunft geschoben, in das ‚Später‘ geschrieben.

·         Doch was, wenn es dieses ‚Später‘ für sie nicht mehr geben wird?

·         Was, wenn alles, was man wirklich hat, dieser Moment ist?

·         Dieser eine Moment nur, wo es doch noch so viel zu erleben gilt?

Jetzt rennt ihr ihre Zeit davon und sie muss erkennen, dass sie von ihrem Leben doch noch so viel mehr wollte, als nur auf den Tod zu warten und die falschen Entscheidungen für sich zu treffen. Sie wird zunehmend zorniger, trauriger und schwermütiger. Die Erkenntnis trifft sie hart. Und dann trifft sie auf Oskar, zunächst ein kurzer – scheinbar unbedeutender – Moment in der Weltgeschichte.

„Es ist, als würden sich unsere Blicke unterhalten, sich erkennen, wie aus einem anderen Leben.“

Aber in ihrer wird er den Hauptakt spielen. Denn Oskar ist dieser Junge, auf den sich das Warten über all die Jahre doch so sehr gelohnt hat. Dieser eine Junge, der sie auf wundervoll tragische und liebevolle Weise zurück in ‚ihr‘ Leben führt. Der ihr so wunderbar viele ‚erste Male‘ schenken wird. Auch wenn es eben nur für diesen Moment ist. Er schenkt ihr eine letzte Reise, einen letzten Sommer, der ihr vielleicht nicht all das geben kann, was sie sich jemals vom Leben erträumt hat. Der ihr aber doch all das gibt, was sie tatsächlich braucht: Lieben und geliebt zu werden, ist genug.

„Ich weiß genau, was er denkt. Wir teilen den Gedanken.“

·         Doch wie kann Tessa auf Reisen gehen, wenn sie nicht weiß, ob sie je wiederkommen wird?

·         Wie verabschiedet sich ein Teenager von seiner Familie, von seiner großen Liebe?

·         Wie verabschiedet sich ein Teenager von sich selbst?

·         Wird diese Reise wirklich zu dem Leben, das Tessa braucht, oder holt sie ihre Krankheit ein?

·         Verrinnt ihre Zeit schneller, als erhofft?

 

Schaltet Eure Lieblingsmusik ein. Oder Teskars Playlist - Ich habe sie beim Lesen gehört und wurde direkt ins Geschehen eingesogen. War mit auf dem Weg nach Italien. Habe alles gesehen. Holt Euch mehrere Packungen Taschentücher. Eine Decke würde auch helfen. Und dann lehnt Euch zurück und lasst Euch erfassen von der Welle des Lebens. Denn auch wenn dieses Buch ein Abschied ist, so ist es doch voller Leben in jedem Moment. In jeder Seite. In jedem Wort. Und ich danke der Autorin dafür, dass sie mich mit ihren Zeilen daran erinnert hat. Ihr werdet es lieben, ich tue es noch immer.

Dieses Buch hat neben der eigentlichen Geschichte so viele Highlights. Da gäbe es den Hasen und die Krabbe, die beide eine besondere Bedeutung haben. Sie stehen für Wünsche und Sehnsüchte, aber auch für Ängste. Doch vor allem auch für Festhalten und Loslassen, für Leben und Erinnerung. Es lohnt sich, sie kennenzulernen. Krabbe und Hase werden Euch zu Beginn der Kapitel begegnen und Euch diese Geschichte nicht nur aus einer Sicht sehen lassen. Dann gibt es da dieses wunderbare Cover, das die Welt in eine Reise packt. Eine Karte, die dem Jetzt mehr an Bedeutung schenkt. Eine kurze Reise voller Musik, denn Musik ist Leben. Eine kurze Reise, die durch das Erlebte doch viel länger wirkt.

 

Ich musste erst einmal verdauen, als ich dieses einzigartige Buch beendet habe. Ich musste es mich erst einmal in seiner ganzen Größe ausfüllen lassen, bevor ich diese Besprechung schreiben konnte. Und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Aber diese Rezension ist anders. Sie ist Leben und leben lassen. Wir alle kennen diesen einen Menschen, von dem wir uns zu früh verabschieden mussten. Aber auch dieser Mensch musste sich von uns verabschieden, von seinem Leben. Genau dies ist es, was die Autorin so ergreifend leicht und doch ehrlich schwer mit diesem Roman verdeutlicht hat. Ich musste es erst einmal sacken lassen. Sehen, wie lange es mich begleitet. Nach all diesen Tagen ist es noch immer in meinem Herzen und ich weiß, es wird dort bleiben. Es ist diese eine Geschichte, die mich im positiven Sinne immer begleiten wird. Mich daran erinnern wird, den Moment zu leben und zu schätzen und dankbar zu sein. Auch mal zornig sein zu dürfen. Denn das Leben ist nicht immer nur Freude. Auch mal Lachen zu dürfen, denn das Leben ist nicht immer nur Trauer. Die beiden liegen stets eng beieinander, können zugleich empfunden werden. Und doch, am Ende gilt: das Leben ist schön. Daher musste ich warten, um diesem wunderschönen Werk die richtigen Worte schenken zu können. Ich weiß nicht, ob mir dies schließlich gelungen ist. Aber das ist auch nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass ich es nicht verpasst habe. Nicht das Buch, nicht die Geschichte, nicht das Leben darin. ‚mein bester letzter Sommer‘ ist mein Lieblingsbuch. Das Eine, an das ich mich auch in Jahrzehnten erinnern werde, wenn die Frage danach kommt. Eben weil es mich so tief berührt hat, wie es nur einmal passieren kann.

Anne Freytag hat hier einen wundervollen Roman für alle Altersklassen geschrieben. Eine Geschichte über die Bedeutung, wirklich Abschied zu nehmen und das Leben in all seinen Zügen im Jetzt voll auszukosten. Ein Roman über all die Gefühle, die das Leben erst zu dem machen, was es ist: Leben. Einfach ungeschönt und ehrlich beschreibt die Autorin die empfundene Wut über das Verrennen und Verwirken von (Lebens-) Zeit sowie den erdrückenden Schmerz, der sich um das Herz klammert und einem die Luft abschnürt. Aber eben auch über das wunderbarste aller Gefühle: eine befreiende Liebe, die sogar über den Tod hinaus Hoffnung gibt. Ein Roman auch über die Vergebung. Für andere und sich selbst. Über das Loslassen und ankommen. Letzten Endes aber vor allem über die Liebe. Es ist einfach wirklich eines dieser (selten gewordenen) Bücher, die die ganze Palette der Gefühlswelt bedienen, ohne dabei ‚over-the-top‘ zu wirken. Ich habe es schon mal angemerkt, aber in jeder Zeile springt einem die Ehrlichkeit der unterschiedlichen Emotionen ins Gesicht und macht einem erst begreifbar, was wir alle gemein haben, aber was nur allzu oft in den Hintergrund gerät: unser Leben. Und in diesem sollten wir nicht zu einem Statisten werden, der nur irgendwie funktioniert und Aufgaben erfüllt, damit das Drumherum zufrieden scheint. Nein, im eigenen Leben sollte man die Hauptrolle spielen, wünschen, träumen, Fehler machen, sich ausprobieren und vor allem nach den Sternen greifen. Es leben, so lange man noch kann. Denn wir wissen nicht genau, wie viele Schläge unsere Uhr noch für uns übrig hat. Natürlich hoffen wir auf das Beste, auf die Ewigkeit in unserer kleinen Welt. Aber es ist am Ende das Jetzt und der Moment, die wirklich zählen. Und die gilt es mit all seinen Fasern zu leben. Anne Freytags Roman verdeutlich dies auf ergreifende, tiefgründige, traurige und zugleich bittersüße, romantische, liebevolle, zornige, verzweifelte, und aber vor allem auch unverkrampfte Weise. Und ich könnte noch viel mehr passende Adjektive finden, die nicht nur die Geschichte, sondern auch ihren herausragenden Schreibstil betonen, der die Seiten trotz der Schwere und Leichtigkeit zugleich einfach nur so fliegen lässt. Aber ich denke, ihr versteht meinen Punkt. Und letzten Endes solltet ihr dieses Buch wirklich nicht verpassen.

Begebt Euch auf eine Reise. Eine erste Liebe, eine tragische und doch wunderschöne, weil sie die Welt bedeutet, weil sie Tessa und Oskar etwas im jeweils anderen finden lässt, dass ihre Herzen brauchen. Entdeckt durch Tessas Augen und durch Oskars Liebe und jugendliche Freiheit neue Welten. Oh, und welche Farben diese Welten tragen. Sie schillern in den bunten, fröhlichen Tönen des italienischen Flairs. Sie machen das Leben lebenswert und den Abschied davon nicht einfacher, aber leichter. Spürt wie die Liebe das Leben ausmacht Und am Ende bemerkt ihr: Oskar hat Tessas Herz den Schlag zurückgegeben. Oskar und Italien waren ein Moment des Friedens. Ein Moment - oder eine Ansammlung vieler davon - der die Zeit stehen ließ, damit sie danach umso lauter schlagen konnte. Es war eine Begegnung, die alles verändert hat. Nicht nur für Tessa. Und doch: Kurz vor dem Ende fing das Leben dann an.

„Wenn man die Angst erst einmal hinter sich gelassen hat, warten neue Welten.“

Entdeckt sie! Erlebt sie. Mit Lachen und Tränen und Herz. Wahrheiten sind eben nicht an Weichzeichnungen gebunden, sondern an Gefühl!

Eure Jil Aimée

  (4)
Tags: anne freytag, heyne, mein bester letzter sommer, rezension   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

carolin wunsch, häppchenweis, ausgerechnet soufflè, rezension, claudia winter

Häppchenweise

Claudia Winter , Carolin Wunsch
E-Buch Text: 311 Seiten
Erschienen bei null, 01.02.2016
ISBN B01A5ZBIJ6
Genre: Liebesromane

Rezension:

In ‚Häppchenweise‘ begegnen wir erneut Katta, die das ‚Cook & Chill‘ leitet – ein Ort zum Kochen lernen, Rumstöbern in Kochbüchern und zum Genießen. Sozialer Treffpunkt und Seelentröster für die unterschiedlichsten Menschen. Der zweite Teil spielt einige Zeit nach Band eins. Dank Louise von Stettens großzügiger Finanzspritze und der Hilfe des tollen Teams rund um den exzentrischen (Sterne-) Koch Julius und die einzelnen Kochschüler läuft der Laden. Auch die Liebe zu Felix wirkt inzwischen sehr gefestigt. Man könnte meinen, Katta habe auf voller Linie Erfolg. Dem ist auch so, bis … ja bis sich ein international angesehener und hochgelobter Sternekoch in ihrer Nachbarschaft niederlässt und ihr Konzept mit mehr Erfolg zu kopieren scheint. Resultat: Immer mehr Absagen und ausbleibende Gäste für Katta. Und allein die Stammkundschaft kann ein Geschäft nicht retten. Egal, was sie tut, der Sternekoch scheint er jeweils einen Schritt voraus. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Und schnell wird klar, dass dieser Dreck am Stecken hat und seine Gerichte nicht unbedingt nur mit Wasser zu kochen scheint. Doch das ist nicht Kattas einziges Problem, denn auch ihr eigener Sternekoch fällt kurz darauf aus. Ein Tod. Ein Küchenunfall, mangelnde Gesundheit und eine dunkle Vergangenheit scheinen seine neu aufgebaute Welt aus den Angeln zu reißen. Etwas, das Julius nicht gut verkraftet und in Folge auch Katta zum Verhängnis werden kann. Zusätzlich dazu verliert sie langsam den buchhalterischen Überblick, gerät in Verzug mit noch ausstehenden Verbindlichkeiten und häuft schnell einen enormen Berg an Schulden an, zu deren Begleichung sie im Alltagsstress einfach nicht kommt. Allein ein Blick auf ihre nicht vorhandene Ablage sagt da schon alles. Doch sie versucht die Probleme so gut es geht zu vertuschen und am Tagesgeschäft festzuhalten. Bis auch ihre Welt aus den Fugen zu geraten scheint, als es mit Felix aufgrund einer vermeintlichen Affäre zu Ende geht. Katta weiß nicht mehr, wo ihr der Kopf steht, was ihrem Konkurrenten in die Hände spielt und das ‚Cook & Chill‘ auf Messers Schneide setzt…

·         Kann Katta der Katastrophe des finanziellen Ruins entfliehen und ihren Kochbuchladen retten?

·         Wird sie eine Möglichkeit finden, ihrem Konkurrenten die Stirn zu bieten und ihre Kundschaft zu halten?

·         Oder ist dies nur der Anfang vom Ende?

·         Wer ist dieser internationale Sternekoch und was verbirgt er hinter seiner blank polierten Fassade, dass Katta in große Gefahr bringt?

·         Welch‘ dunkle Vergangenheit droht Julius einzuholen und zu zerstören?

·         Und warum taucht in Felix Leben plötzlich eine andere Frau auf, die seine ganze Aufmerksamkeit und sein Herz an sich zieht?

 

Lest selbst und findet es heraus. Es lohnt sich, in diesen heiteren und humorvollen – teils überspitzten, da Chickl-Lit - Frauenroman einzutauchen. Er kommt voller Charme und Witz daher, ist erfrischend anders und trumpft auf mit Charakteren, die sich inzwischen weiterentwickelt haben. Sie alle haben ihre Höhen und Tiefen, Stärken und Schwächen, die wir gemeinsam mit ihnen durchleben dürfen. Das macht die Geschichte und ihre Personen rund. Man trifft alte Bekannte wieder, die einem ans Herz gewachsen sind und schließt auch neue mit ein. Die von der Autorin gewählte Ich-Perspektive aus Kattas Sicht liefert einem eine große Identifikationsmöglichkeit mit der Protagonistin. Man fühlt sämtliche Emotionen, Hoffnung und Zweifel einfach beim Lesen mit. Man schmeckt die Atmosphäre der besonderen Kochkulisse und wird eingesogen in ein kulinarisches Leseerlebnis. Für mich eine runde Geschichte, die nur einen Kritikpunkt meinerseits hat: Nicht immer konnte ich Kattas Naivität und Nachlässigkeit nachvollziehen, auch in Teil zwei wieder Post und Rechnungen zu ‚vergessen‘. Damit hat sie sich einfach ihre eigenen Stolpersteine geschaffen, was in der Unternehmerwelt nichts zu suchen hat. Für den Verlauf der Geschichte aber natürlich unabdingbar war. Dennoch für mich ein kleiner Minuspunkt, da ich mir gewünscht hätte, dass Katta etwas früher aus diesem Fehler lernt. Besonders gefallen wiederum hat mir der Twist mit dem Konkurrenten, dem Katta erst einmal die Stirn bieten muss. Wir wissen alle: Konkurrenz beflügelt das Geschäft, wenn man sie richtig zu nutzen weiß. Es war schön zu lesen, wie Katta an dieser Herausforderung wächst, eigene Sichtweisen überdenkt und ein Stück weit reifer wird. Ich habe bereits angedeutet, dass das Buchcafé kurz vor dem Ende steht. An dieser Stelle sei nur so viel verraten: Unverhoffte Hilfe kommt in Form einer mysteriösen Henry und einer griechischen Familie mit Hang zu süßen Oliven. Hilfe, die in einem Fernsehduell endet und auf Freundschaft und Mitgefühl baut. Für wen allerdings positiv, wird sich noch zeigen müssen.

Carolin Wunsch beeindruckt uns auch in Teil 2 wieder mit einem äußerst angenehmen und vor allem einnehmenden Schreibstil, der mit der nötigen Prise Humor und Sarkasmus gewürzt ist, die man den Besuchern und Seelen des ‚Cook & Chill‘ in jeder Faser ihrer Auftritte und Begegnungen nachempfindet. Das Buch entwickelt sich auch hier wie ein Gericht und man bekommt Häppchenweise einen tieferen Einblick in das Geschehen, beginnt Zusammenhänge zu verstehen, die Katta zunächst selbst nicht klar scheinen und erlebt ein fulminantes Finale – aufregend und zuckersüß, wie das beste Dessert nicht besser hätte munden können. Teil zwei gefällt mir noch ein eindeutiges Stücklein besser. Das Zusammenspiel der einzelnen Charaktere – die man einfach lieb gewinnen muss – wirkt noch ein wenig flüssiger und packender und wird somit zu einem kurzweiligen Genuss der Sinne, des Lesens und der geschmacklichen Vorstellungskraft. Auch der lokale Bezug der Geschichte ist wieder hervorragend ins Gesamtgeschehen eingewoben und liefert zusammen mit den leckeren Rezepten am Ende des Buches einen wunderschönen Bonus. Rezepte, die ich sicher einmal nachkochen werde. Allen voran das ‚Colahühnchen‘ J. ‚Häppchenweise‘ hat mich auf ganzer Linie überzeugt und ist damit nur jedem zu empfehlen, der in einem Buch mehr sucht als nur die typische Liebesgeschichte. Denn hier findet sich mit den kulinarischen Genüssen, ausgewogener Hintergrundinformation und viel Liebe zum Detail so viel mehr, dass es zu einem wahren Leseerlebnis der leckeren Art werden lässt. Man atmet das besondere Flair in seiner Gänze ein und schmeckt die einzelnen individuellen und facettenreichen Bestandteile bis ins kleinste – liebevoll ausgearbeitete – Detail. Einfach köstlich.

An dieser Stelle kann ich zum Abschluss nur meine Worte zu Teil eins wiederholen, da sie auch hier einfach zutreffend sind: Eine Geschichte über die Liebe, das Schicksal und verpasste Chancen. Eine Geschichte über unverhoffte, glückliche Fügungen und ganz viel Mut. Garniert mit dem besten Geschmack der Welt: dem Leben. Ein Buch zum Genießen und Verschlingen zugleich.

Eure Jil Aimée

  (5)
Tags: carolin wunsch, claudia winter, häppchenweise, rezension   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(342)

673 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 123 Rezensionen

märchen, fee, hexenjäger, fantasy, hexe

Die Dreizehnte Fee - Erwachen

Julia Adrian , Svenja Jarisch
Flexibler Einband: 212 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 05.10.2015
ISBN 9783959911313
Genre: Fantasy

Rezension:

In ‚Die Dreizehnte Fee‘ erwacht eben diese nach einem 1000 Jahre andauernden Dornröschenschlaf in einer ihr fremd gewordenen Welt durch den Kuss eines Prinzen. Ihrer wahren Liebe sollte man meinen. Aber weit gefehlt, denn der Prinz entpuppt sich – als er von ihrer Vergangenheit bzw. Bürde der Fee erfährt – als hohle Enttäuschung, die ebenso schnell in der Bedeutungslosigkeit der Weltgeschichte verschwindet wie ein Atemzug, der längst verklungen ist. Doch der Prinz kam nicht alleine. Begleitet wurde er von einem Hexenjäger, der in der Fee eine Gefahr und zeitgleich Waffe sieht, die anderen zwölf – nach tausend Jahren inzwischen Hexen genannt – zu vernichten. Der lange Schlaf unseres ‚Dornröschens‘ hier war die Strafe ihrer Schwestern, und der Verrat dieser an ihrer einstigen Königin. Eine Königin, die jetzt auf bitterliche Rache zielt, und sich auf einen beschwerlichen Weg begibt, sich in einer nun so fremden Welt, ihrer einst so immensen Magie beraubt, wieder vollkommen zu fühlen. Ein Gefühl fehlt dafür allerdings: Die Liebe.

·         Ob sie diese im Laufe ihrer Reise finden wird?

·         Ob der Hexenjäger am Ende nicht auch sie strecken wird?

·         Welche Gefahren ihr und dem charmanten doch kalten Jäger in den Weg gelegt werden?

·         Und wie Geheimnisse und vergangene Erinnerungen die Gefühle eines jeden Wesens ändern können?

Lasst Euch überraschen und taucht ein in das Abenteuer um ‚Die Dreizehnte Fee‘. Es wird spannend, mitreißend und wunderschön zugleich. Doch seid gewarnt: Nicht alle Märchen gehen gut aus. Und dieser Band liefert noch nicht das Ende. Weitere Teile erwarten Euch.

 

„Die Liebe geht seltsame Wege. Niemand kann sie lenken, niemand wird sie je verstehen.“

 

Der Auftakt der neuen Märchenreihe Julia Adrians ist das erste Buch der Autorin, das ich las und es hat mich sogleich gefesselt. Wer mich kennt, weiß, ich liebe Märchen einfach. In jeder Form und Beugung. Dass in diesem Buch die Schicksale uns so bekannter Erzählungen einmal verkehrt sind, hat mich daher direkt angezogen. Auch habe ich bereits zuvor viele positive Stimmen zu dem Buch gehört und wurde ebenso von dem absolut ansprechenden, leicht mystischen und dunklen Cover berührt. Ich musste es also unbedingt lesen. Im Rahmen einer Wanderbuchrunde bekam ich dann die Chance und meine Erwartungen wurden alle erfüllt. Es ist ein besonderes Buch, dass mit einem bekannten Thema – jenes in eine neue Richtung gelotst wurde – und einem einfach gehaltenen Sprach- und Schreibstil überzeugt. Überzeugt daher, da die Geschichte nicht überladen wird an ausufernden Beschreibungen und Wendungen. Man kann sich einfach darauf konzentrieren, was wirklich Inhalt der ‚Dreizehnten Fee‘ ist, und das macht es für mich zu etwas Genreuntypischem und doch einfach Grandiosem. Für mich war es ein Leseerlebnis, das ich schon bald mit Band zwei fortführen werde. Um Euch nicht zu viel vorwegzunehmen, werde ich an dieser Stelle daher nichts weiter über den Inhalt verraten, sondern Euch nur kurz meine persönlichen Eindrücke niederschreiben. Aber macht Euch am besten selbst ein Bild. Diese Geschichte verdient es – wenn man Märchen mag, und dabei gerne auch mal vom Weg abkommt -, gelesen zu werden.

Mein Highlight dieser Geschichte ist, wie bereits erwähnt, der Grundgedanke der umgekehrten Märchen. Es ist anders, als man es kennt und das macht es zu etwas Neuem. Zu etwas Aufregendem.

Besonders hervorzuheben sind für mich die wunderbar passenden und Erwartung schürenden Kapiteltitel und die teils damit einhergehenden Märchenanalogien zu Beginn dieser. Auch die an vereinzelten Stellen im Buch verteilten Skizzen und Schattierungen, Zeichnungen und die Fantasie anreichernden Illustrationen sind wunderbar gelungen und unterstützen in aufregender und zugleich cooler Weise den Gehalt der Geschichte gekonnt. Dies wird parallel durch die Namensgebung der einzelnen Charaktere untermauert. So trägt die Dreizehnte Fee selbst den bedeutungsvollen Namen ‚Lilith‘ – die ‚Nächtliche‘ – und passt somit ausgezeichnet zu dem langen Schlafzauber, dem sie zu Beginn der Geschichte unterliegt. Auch eine Eva begegnet uns und wie soll es anders sein als mit einem Apfel in der Hand. Dabei entstehen Parallelen sowohl zu Schneewittchen als auch zur Geschichte des Paradieses, die die Autorin gekonnt neu miteinander verbindet und ein atemberaubendes Erzählmuster darum strickt. Um nur einmal zwei Beispiele zu nennen. Es ist bekannt, dass ich ein Faible für Namen habe und daher verwundert es kaum, dass ich in dieser Geschichte absolut davon überzeugt und eingenommen wurde. Auch die Tatsache, dass zunächst nicht alle Namen preisgegeben werden, verstärkt für mich deren Bedeutung. Denn wenn man einmal einen Namen kennt, oder einer Sache ein Label aufgedrückt hat – hier sei nur mal zu erwähnen, wie aus den Feen die Hexen wurden -, nimmt man den Dingen den Schrecken oder verleiht ihnen diesen erst. Und davon kann sowohl eine gewisse Gefahr als auch Macht ausgehen. Und genau dies ist einer der Punkte, die sich in dieser Geschichte an mehreren Stellen entwickeln und uns sicher auch in den Folgebänden eingehend beschäftigen werden. Hut ab!

„Macht ist eine Bürde. Sie verändert uns. […] Furcht ist so eine leichte Nahrung. […]“

 

Neben den vielen positiven Aspekten der Geschichte hätte ich mir aber gesamt ein bisschen mehr Länge und Tiefgang in den Charakteren gewünscht. Im Vergleich zur Story an sich bleiben gerade die Nebencharaktere etwas flacher zurück. Ich bin überzeugt davon, dass sich das aber bereits in Teil 2 stärker entwickelt und hier im Auftakt der Geschichte einfach der Fokus ein wenig anders gesetzt wurde. Die Liebesszenen bleiben sehr subtil und lassen der Geschichte somit den nötigen Raum zum Atmen und zum Entfalten, auch wenn sie sehr unerwartet kommen. Sie sind für mich somit passend und der Geschichte gegenüber angemessen gewählt. Nur dieser eine Moment, in dem eine gewisse Elle anwesend war, hat mich dann doch kurz überraschtJ. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Auch haben sich ab und an kleinere sprachliche Hopser eingeschlichen. Diese tun der wunderschönen Geschichte allerdings keinen Abbruch, sondern liefern nur ein Weiteres an Ausbaupotenzial, dass die Autorin im Verlauf der Reihe bedienen wird. Auch davon bin ich bereits überzeugt. Somit nur eine kleine Kritik an dieser Stelle.

Dieses Buch ist wie ein kleiner magischer Moment, der Dein Leben verändert – es bereichert. Zumindest ging es mir so. Ein Moment. Ein Funke. Aus einem Funken Leidenschaft erwächst ein ganzes Feuer an Fantasie und Liebe für das geschriebene Wort. Eine Liebe, wie ich sie in jedem Satz der Geschichte erblühen sehe. Unheimlich traurig, gefühlvoll, ehrlich, und bewegend wunderbar zugleich. Danke der Autorin. Einfach: Danke.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen: ‚Die Dreizehnte Fee‘ ist eine wundervolle Geschichte über all die Gefühle, die uns so wunderbar menschlich machen und die sich einen eigenen Platz in meinem Herzen erschaffen hat. Eine Geschichte, die mich genau im richtigen Moment erreicht hat. An dieser Stelle ein liebes Dankeschön an Ava von Avas Bookwonderland für die Initiierung unserer Wanderbuchgruppe und Euch allen viel Spaße beim Lesen.

 

Eure Jil Aimée

  (6)
Tags: die dreizehnte fe, drachenmond-verla, erwachen, julia adrian, rezension   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(217)

490 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 76 Rezensionen

märchen, fee, hexenjäger, julia adrian, magie

Die Dreizehnte Fee - Entzaubert

Julia Adrian
Buch: 220 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 28.10.2015
ISBN 9783959911320
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(101)

184 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

entführung, liebe, kanada, brüder, mila olsen

Entführt - Bis du mich liebst

Mila Olsen
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 05.12.2015
ISBN 9781519704108
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags:  
 
114 Ergebnisse