JilAimees Bibliothek

133 Bücher, 117 Rezensionen

Zu JilAimees Profil
Filtern nach
133 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(52)

72 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

bretagne, liebe, berlin, lügen, claudia winter

Die Wolkenfischerin

Claudia Winter
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.12.2017
ISBN 9783442485734
Genre: Liebesromane

Rezension:

‚Die Wolkenfischerin‘ ist bereits der dritte Roman, den ich von der Autorin aus dem Goldmann Verlag lese, und auch er begeistert wieder. In der gewohnten Eleganz und gefühlvollen Note, die jeder einzelne Satz ins Leserherzen treibt. Claudia Winters Schreibstil hat klasse, ist flüssig und eloquent, malt wundervolle Bilder und webt packende Gefühle, entführt einen direkt an den Ort des Geschehens und lässt einen reisen – durch die Geschichte, die Schauplätze, das Leben. Sie hat es somit zum wiederholten Mal geschafft, mich am Ende vollkommen zufrieden zurückzulassen. Bisher waren ja die ‚Glücksterne‘ mein Favorit von ihr, doch ich muss sagen, dass diese durch ‚Die Wolkenfischerin‘ um einen Platz nach hinten verschoben worden sind. Claudia Winter ist mit dieser Erzählung schriftstellerisch gewachsen, hat sich an ein zum Teil sehr persönliches Thema (Gehörlosigkeit ist auch in ihrer Familie bekannt) herangetraut und dieses voller Leben und Kraft in die Geschichte gebaut. Davor ziehe ich meinen Hut, denn es kostete mit Sicherheit eine Menge Mut und Tränen, doch es ist ihr gelungen. In jedem Wort spürt man die unendliche Liebe, die sich nicht an äußerlichen und innerlichen Begebenheiten festmacht, sondern die einfach ist. Rein und klar. Ich bin ein Fan ihrer Art, Geschichten zu erzählen – voller Stil, Wortwitz, Esprit und immer passend zum jeweiligen Thema. Claudia Winters Romane sind voller Genuss, Zuneigung und schmiegen sich wie ein lieb gewonnener Freund um die Leserseele.

So natürlich auch in diesem kleinen Schmuckstück, indem wir zu Beginn der jungen Gwen begegnen, die ihren Vater verloren hat und damit vorerst auch, ihren Träumen nachzujagen. Ihre Schwester ist gehörlos, ihre Mutter seit dem Tod des Mannes seltsam kalt und distanziert, wenn es um Gwen geht, welche sich missverstanden und ein Stück weit auch im Stich gelassen fühlt. Vor dem harten Schicksalsschlag war die Familie geprägt von Liebe, Zuneigung und Lebensfreude, jetzt ist sie erfüllt von Einsamkeit, fehlender Hoffnung und der Bitterkeit des Lebens. Die Trauer droht Gwen zu ersticken, nimmt ihr jede Antriebskraft, die sie gerade in den Jahren einer Teenagerin so dringend benötigte. Doch dann entscheidet sich die von Schmerz und Verlust durchsetzte Familie, die etwas schrullige Tante in Paris zu besuchen und mit Gwen wird mit einem Mal alles anders, sie lernt wieder zu leben und ihren Schmerz hinter der Fassade der grand dame zu begraben. Flüchtet vor ihrer Vergangenheit, um sich eine fehlerlose Zukunft aufzubauen. Plötzlich taucht auch noch eine gewisse Claire in Gwens Leben auf und weist ihr den Weg die Träume- und Karriereleiter hinauf. Das Ganze hat nur einen hohen Preis: die Abkehr von Mutter und Schwester, der sie doch ein baldiges Wiedersehen versprochen hatte … ein ›Bald‹, das eine Ewigkeit dauern sollte …

Wenn das Leben neue Chancen verteilt und ein übermächtiger Beamter zum Überbringer dieser wird. Wenn eine gehörlose Schwester, eine sich über die Jahre abschottende Mutter und eine Tante voller Charme, Esprit und Grande Dame-Allüren zum Wegweiser nach Hause werden. Wenn ein Chef, der so ganz anders ist als die vergangenen Jahre zum Anker wird und in der Heimat Gwens unerwartet auftaucht. Wenn eine Gwen sich selbst zu finden versucht. Wenn Fassaden, die wir alle von Zeit zu Zeit auflegen, bröckeln, weil der Blick dahinter uns erst die Wirklichkeit zeigt. Ja, dann ist es Schicksal, ein Schicksal, das uns offenbart und mit viel Mut erkennen lässt, dass Finistère womöglich doch nicht das Ende der Welt ist. Sondern erst der Beginn, man muss sich einfach nur von den bretonischen Wellen tragen lassen. Sie führen einen schon genau dahin, wo das Herz gesunden kann.

 

·         Ob es Gwen so auch ergehen wird?

·         Wird sie es schaffen, zu ihrer Familie und ihren wahren Träumen zurückzufinden?

·         Frisst der Schmerz um den bitteren Verlust sie innerlich auf und macht eine Rückkehr zu Mutter und Schwester unmöglich?

·         Wird es am Ende überhaupt noch eine Familie geben, die sie willkommen heißt?

·         Und was hat es mit dieser Claire auf sich, die später noch zu Gwens Wegweiser in Richtung Wahrheit werden soll?

·         Nicht zu vergessen, ein gewisser Hellwig, der dieser nicht nur das Herz höherschlagen lässt, sondern sie auch dazu zwingt, eine wichtige Entscheidung zu treffen?

·         Was wird es am Ende sein: Wahrheit oder Lüge?

Lest selbst und lasst Euch abwechselnd entführen nach Berlin, Paris und in die Bretagne. Lasst Euch dabei wie die Wolken treiben und nehmt jedes noch so leise Detail auf. Der Herzschlag der Geschichte sitzt in jeder Zeile. Es ist eine Liebesgeschichte: um die unendliche Liebe einer Familie, um Vergebung, Neubeginn und die Erkenntnis, dass ein Zuhause nicht durch Lügen und Abkehr verschwindet, sondern sich immer im Herzen befindet.

»[…] und es war so still dort, während hier sogar die Nacht einen Herzschlag hatte.«

Ein besonderes Merkmal an Winters Romanen, das ich sehr zu schätzen gelernt habe, ist: Die Autorin gibt nicht durch knappe Randbemerkungen ein nur angedeutetes Flair der Kulisse der Geschichte wieder, sondern zeichnet das Bild mit ausgewogener Fülle, mit Charme, mit Authentizität. Die Schauplätze sind gut recherchiert und um die perfekte Note eigener Inspiration ergänzt. Damit lockt sie einen wirklich in die Bretagne. Ich habe mich durch ihre Worte direkt heimisch gefühlt, den Ort/die Gegend ins Herz geschlossen. Ergänzt wird das in Winters Fall immer durch landes-/regionstypische Rezepte, die sich am Ende des Buches finden und in Bezug zur Geschichte stehen. Man bekommt somit wahrlichen Genuss auf das volle Entdecken. Winters Romane sind mehr als bloße, kurzweilige Geschichten. Sie sind ein Gesamtpaket, das ins Herz geht und einen auf vielen Ebenen voller Gaumenfreude und Zufriedenheit erfüllt. Und das darüber hinaus mit einzigartigen Anekdoten und Verweisen geschmückt ist, die für mich persönlich von Bedeutung sind, als würde die Autorin mein Herz kennen. Das ist ein besonderes Talent, für ein großes Publikum zu schreiben und doch jeden Einzelnen auf seine Weise zu erreichen. In meinem Fall war es Folgendes: »Der kleine Prinz«, wie er in der Geschichte erwähnt wird, ist auch eine meiner Lieblingsgeschichten. Zu lesen, dass er auch Einzug in die Herzen anderer findet, war nur ein weiteres von vielen Schmankerln in der Wolkenfischerin.

Darüber hinaus vermag es Claudia Winter, jeden Charakter voller Stärke und Liebe bis ins Detail zu zeichnen, dass man sich einem jeden davon beim Lesen nahe fühlt. So nahe, als begleite man nicht nur Gwen, sondern auch die anderen durch die Bretagne, die Reise des Lebens. Aber vor allem: Als begleite man sie auf ihrem Weg nach Hause. Ja, alle Charaktere sind auf ihre eigene Weise ausnahmslos stark. Winter schreibst einfach mit Tradition, Esprit und einer würzigen Prise Humor (vor allem in den schrulligen und herzallerliebsten Nebencharakteren), die das Ganze abrunden.

»Nun denn, ich finde, der Name Claire Durant klingt wie eine ganz wundervolle Eintrittskarte.«

·         Doch eine Eintrittskarte wohin? Zurück ins echte Leben?

Der Roman ist für mich eine einzigartige Erzählung mit dem perfekten Gespür für das, was uns als Leser in unseren Herzen berührt: große Träume, Liebe, Erfolg, aber auch die Bewältigung tiefer Trauer, das Erlenen von Vertrauen (vor allem in sich selbst), und Vergebung – allein die Mischung daraus ist der Weg in die Zukunft, in eine ehrliche Zukunft. Auf Lügen lässt sich nichts mit dauerhaftem Bestand aufbauen – die Botschaft dieses Buches. Irgendwann fällt das erschaffene Konstrukt zusammen, wie eine Pusteblume im Wind verweht. Die eigene Vergangenheit vergisst einen nie. Man kann niemals vor sich selbst davonlaufen. Etwas, das die Protagonistin in diesem Werk aufs Schärfste selbst erfahren wird.

Kommen wir nun zur äußeren Aufmachung. Es ist eines dieser wenigen Cover, die einen direkt im Herz berühren und an den Ort des Geschehens entführen. Voller Farbe, voller Hoffnung, voller Urlaubsfreude – wie auch die Geschichte selbst. Die Blau-und Rottöne harmonieren gekonnt und in Verbindung mit dem Hafen im Hintergrund und dem Titel des Romans lassen sie einen sich direkt an den Ort der Geschichte träumen, durch die Cafés und kleinen Läden flanieren, nach den großen Wünschen greifen, ja nach Wolken fischen. Für mich wirklich einfach besonders. Ich nahm das Buch in die Hand und wusste sofort, es ist wie nach Hause kommen, an einen Ort, der mir bisher unbekannt war. Ein Ort, der mir nach der Geschichte aber zu einer Heimat des Herzens geworden ist. Darüber hinaus muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass das auf der Rückseite des Buches abgedruckte Autorenfoto farblich perfekt zum restlichen Cover passt, zudem wirkt die Autorin sehr sympathisch. Im Inneren glänzt es auch. Die Schwalben (?) über den Kapiteln, gekonnt ausgewählt und so passend und schön gestaltet, fischen quasi auch im Himmel nach den Wolken.

Abschließend und zusammenfassend:

So viel Liebe zum Detail vermochte die Autorin in die zu Beginn auf zwei Zeitebenen erzählte Geschichte, ja in die Ausgestaltung der malerischen Kulisse zu legen. Zusammen mit den Rezepten am Ende, die zu bretonischem Hochgenuss einladen, und dem frz. Glossar bildet es einfach ein Gesamtschmuckstück. Etwas Besonderes, das die Wolkenfischerin in unsere Herzen malt wie die kleine Schwester Gwens ihre Träume auf der Leinwand verewigt. Und so seine Spuren hinterlässt und nachhallt wie eine liebevolle Erinnerung.
Also, Ihr habt inzwischen gemerkt, dieser Roman ging direkt in mein Herz. Ich kann ihn Euch daher nur wärmstens empfehlen, auch für das kommende Weihnachtsfest, gerade falls Ihr Euch der Kälte des Winters entträumen wollt. ‚Die Wolkenfischerin‘ hat mich daran erinnert, nach meinen eigenen Wolken zu fischen, zu träumen und wahrhaft und aufrichtig zu leben. Danke dafür, und Euch ein frohes Fest.

 

Eure Jil Aimée

  (1)
Tags: claudia winter, die wolkenfischerin, goldmann-verlag, rezension   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(75)

193 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 51 Rezensionen

liebe, tee, teeladen, oxford, der kleine teeladen zum glück

Der kleine Teeladen zum Glück

Manuela Inusa
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.10.2017
ISBN 9783734105005
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

22 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

glück, psychologie, sachbuch, ratgeber

Das geflügelte Nilpferd

Victoria Bindrum
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 26.10.2017
ISBN 9783431039986
Genre: Sachbücher

Rezension:

Zunächst zu den harten Fakten. Das vorliegende Buch ist ein psychologischer Ratgeber und damit einmal Neuland für mich. Der Titel, ihr konntet es lesen, klingt lustig und regt direkt zum Nachdenken an. So auch das weiß gehaltene Cover mit dem einzigen Eyecatcher in Lila (Für viele die Farbe der Unzufriedenheit. Ein Hinweis?): das geflügelte Nilpferd. Was hat es damit auf sich, fragt Ihr Euch? Wie kann das ein Sachbuch und ein Ratgeber sein? Verspricht es uns wirklich das Glück oder eine Heilung vom „Glücksstress“? Ihr stellt Euch genau diese Fragen? Sehr gut. Hab ich mir auch. Daher war ich so neugierig auf die Lektüre und kann Euch sagen: Es hat mich überrascht, denn ich habe mich in vielem darin wiedergefunden. Vielleicht geht es Euch ja ähnlich.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert, worin sich der erste mit dem Irrweg des Glücks und der zweite mit Ratschlägen zum Entdecken des Lebens befasst. Das ist zumindest meine Interpretation des Gelesenen. Jedes Kapitel hat dabei einen skurrilen und ebenfalls zum Andenken anregenden Titel, wie man ihm bei einem Sachbuch vielleicht nicht erwartet. Angereichert wird dieser jeweils durch ein passendes Zitat, das Bezug zu den im jeweiligen Kapitel erläuterten Ansichten, Erfahrungen der Autorin und teil wissenschaftlichen Belegen nimmt. Ihr seht, das Werk bietet eine ausgewogene Mischung aus wissenschaftlich erwiesen und selbst erfahren. Und genau das macht es so besonders! Es vermittelt am Ende keinen Zwang, den Ansichten der Autorin zu folgen, sondern lädt dazu ein, die Entscheidung zu treffen, es einfach selbst einmal „ohne das Glück“ zu versuchen.

Nun zu dem persönlichen Teil:

Für mich ist es ein Buch, das hilft, das eigene Erleben zu befragen. Eine Distanz zu dem Erlebten aufzubauen, es (relativ) neutral zu beobachten und sich davon und den daraus resultierenden Gedanken und Gefühlen nicht erdrücken zu lassen. Das Gehirn, der eigene Kopf sind laut – ständig. Es schreit uns danach, dieses und jenes zu tun, weil die Gesellschaft und unser Umfeld das von uns verlangen. Er verlangt, dass wir in bestimmten Situationen so und nicht anders fühlen, obwohl wir uns selbst doch ganz anders sehen. Wenn wir erkennen und akzeptieren, dass diese Gedanken und Gefühle unbestreitbar immer da sind, uns aber nicht in Gänze ausmachen, so nehmen wir ihnen die Macht, uns zu lähmen, was uns den Freiraum ermöglicht, so zu leben und einfach mal zu sein, wie wir es wirklich möchten. Mit der Suche nach dem Glück, das in seiner nicht Haptik Wunschdenken und Irrweg bleibt, verhält es sich ähnlich. Wir werden immer danach suchen, sind in gewisser Weise dazu „programmiert“. Doch wenn wir lernen, zu erkennen, dass es das „Glück“ in dieser Form, dieser alles erfüllenden Zielerreichung und Befriedigung, nicht gibt, leitet es uns auch nicht mehr auf Irrwegen, sondern wir bestimmen wirklich selbst, wohin es gehen soll. Diese Erkenntnis braucht Übung. Und davon schenkt uns die Autorin in ihrem Sach- und Lebensbuch der etwas anderen Art eine Menge. Eine Menge an unkonventionellen und zugleich wertvollen Ideen, Beispielen und Möglichkeiten, wie wir uns von dem Drang nach Glück lösen und einfach nur sein können. Ihr Buch offenbart uns eine Akzeptanz dessen, dass wir als Mensch eine „Problemfabrik“ sind. Wir sind evolutionär darauf trainiert, Probleme lösen zu wollen. Und haben wir bestehende Fragestellungen gelöst, können wir nicht ruhen, sondern schaffen uns neue. So verhält es sich auch mit dem „Glück“, ist es einmal vermeintlich erreicht, stellt sich nach einer bestimmten Dauer ein Gefühl der Nichtzufriedenheit ein, wir ändern unseren Weg und suchen erneut. Ob es uns am Ende wirklich dauerhaft „glücklich“ macht? Wohl kaum. Aber darauf kommt es auch gar nicht an. Es geht viel mehr darum, sich nicht erdrücken zu lassen und dafür seinen eigenen Handlungs- und Gestaltungsspielraum des Lebens zurückzugewinnen bzw. zu entdecken. Viel zu oft verlieren wir uns in vermeintlich glücklich machenden, und doch eher sinnlosen und zeitraubenden Aktivitäten /oder negativen Gefühlen, die uns am Ende doch unzufrieden zurücklassen. Weil wir dann aber schon so viel investiert haben, dass eben der gewählte Weg doch „erfolgreich“ wird, ziehen wir nur selten die „Notbremse“, wechseln stattdessen einfach leicht den Kurs und verlieren uns wieder in einem Strudel aus Nichterfüllung und erdrückenden Gefühlen. Das heißt jetzt nicht, dass man sich von seinen Gefühlen und Gedanken komplett lösen und nur noch nach den Sonnenseiten des Lebens leben soll. Blödsinn, es geht vielmehr darum, das Leben als Ganzes zu erkennen, die volle Bandbreite an Gedanken und Gefühlen zu akzeptieren. Negative wie positive (auch ein Label unserer Gesellschaft!). Denn dadurch erfahren wir Erleichterung. Wir müssen nicht nach einem Sinn des Lebens suchen, wir sind selbst der Sinn. Einfach dadurch, dass wir eben sind. Ist das denn nicht genug? Der Fragestellung geht die Autorin in ihrem Werk auf den Grund und die Erkenntnis daraus ist beeindruckend. Lest es, ich bin sicher, am Ende wird es für Euch genau das Richtige sein.

Mir hat das Das geflügelte Nilpferd in einer derzeit hektischen und sehr emotionalen Zeit gezeigt bzw. mich daran erinnert, dass es darum geht, die Lebenszeit (denn manchmal ist sie viel zu kurz) zu genießen. Aber nicht nach den Standards der Gesellschaft, sondern einfach nach meinem Wunsch. Es bringt nichts, Irrungen und Wirrungen und leeren Versprechungen hinterherzujagen, wenn man doch einfach leben kann. Wir leben – jetzt. Jetzt ist aber auch nur ein Punkt in einer endlos weiterlaufenden Zeit. Jedes Jetzt bedingt das Gestern und ermöglicht das Morgen. Es ist eine nicht endende Einheit, ein Fluss, der zusammengehört und von dem man nicht abspringen sollte, um etwas hinterherzujagen, das man für ein für sich selbst wertiges Leben nicht braucht. Das Leben, meine Meinung, ist eine series of Nows. Immer nur nach Luftschlössern zu greifen, lässt uns dabei so vieles verpassen. Dessen sollten wir uns bewusst sein, aber eben gleichermaßen das Gestern und Morgen annehmen, denn auch diese gehören in die series of Nows. Ein weiterer Punkt, an den mich die Autorin zu passender Zeit erinnert hat. Ihr merkt, diese „Rezension“ ist sehr persönlich. Das liegt daran, das mich das Buch in einer Zeit erwischt hat, in der es nicht gut aussah und vieles Erdrückendes auf mich niedergeprasselt ist. Eine Zeit, in der mein Gedankenkarussell sich unaufhörlich drehte, ohne mir auch diesen innerlichen Raum der Ruhe, des Distanzierens und Durchatmens zu gönnen. Dabei war dieser gleichermaßen da wie das Laute in mir. Ich habe ihn nur vor lauter lauter nicht gesehen. Die Autorin hat mich mit ihrem Werk daran erinnert, einfach mal einen Schritt zurückzutreten, die Hände von den Augen zu nehmen, alles zuzulassen und zu beobachten. Und das hat so gutgetan. Ihr fragt Euch sicher, was ich hier so schreibe. Und ja, es entspricht nicht der üblichen Besprechung eines Buches, aber es ist eben genau das, was mich in diesem Buch so bewegt hat. Es kam zur rechten Zeit! Dafür ein großes Danke. Es erinnerte mich daran, dass ich selbst die Wahl habe, zu entscheiden, wie ich lebe, was ich zulasse und wonach ich suche. Selbst wenn es das (nichtexistierende!) Glück ist. Es hat mich gelehrt, dass ich ausbrechen kann aus dem erdrückenden Gedanken: „Ich muss das heute noch erledigen!“ Ja, ich entscheide selbst, ich muss mir diese Wahl nur zu gestehen. Und genau dafür gibt die Autorin eine Vielzahl an (für mich!) wunderbaren, teils abstrakten und doch zugleich einfachen Hilfestellungen, Beispielen und Vergleichen zur Hand, damit ich die für mich passende Richtung (nicht das Ziel!) wiederfinden kann. Ich habe zumindest viel davon mitgenommen, das ich versuche, in meinen Tag zu integrieren. Ich werde auf die einzelnen Punkte nicht eingehen, da das den Rahmen sprengt und jeder von uns ja anders ist. Daher noch mal: Lest selbst und findet genau das darin, was Euch hilft. Dennoch nenne ich knapp, was mir am wertvollsten erschien:

·         Jeden Tag eine (für mich) wertvolle Tat: ich versuche mir selbst zu vergegenwärtigen, dass ich mir einen Gefallen pro Tag tue. Nicht mein Mann, ich selbst. Es sind zunächst einmal diese freien Minuten am Abend, die ich künftig ohne Social Media verbringen will (in kleinen Schritten), um den Stress zu reduzieren und wirklich gut einschlafen zu können.

·         Werte Mantra: Welche Werte machen mein Leben für mich wertvoll? Nicht, wie sollen mich andere gerne sehen, sondern wie bin ich wirklich für mich!

·         „Denken ist gleichsam die Atmung des Gehirns.“ (~ Seite 207)

·         Wenn wir das akzeptieren, kann es existieren und uns eine gewisse Distanz zu unseren Gedanken erlauben, uns also nicht mehr einengen und lähmen.

Das sind für mich die TOP 3, die ich aus diesem Buch mitnehme. Ich bin sicher, Ihr findet noch andere. Es geht für mich in diesem Buch nicht darum, zu lernen loszulassen, zu suchen und zu finden. Sondern um die Akzeptanz dessen, was wirklich ist und dass ich einfach bin. Nur dann kann ich auch ändern, was ich wirklich ändern will. Anderes eben nicht.

„[…] Aber wenn wir das in der Aussicht auf das eigene Glück tun, werden wir uns unser ganzes Leben lang als mangelhaft erfahren.“ (~ Seite 105)

·         Und wer will schon dauerhaft mangelhaft sein, richtig? Es ist so viel bedeutsamer, sich voll und ganz vom Leben erfüllen zu lassen, als sich in einer nicht endenden und daher womöglich deprimierenden Suche zu verlieren. Ganz getreu dem Sprichwort: Life happens while you‘re making plans!

Ihr merkt, Das geflügelte Nilpferd hat mich nachhaltig beeindruckt, obwohl es der Autorin darum gar nicht ging. Sie wollte mich ganz sicher nicht glücklich damit machen, und doch hat sie das für eine gewisse Zeit geschafft. Doch ging es nicht darum, dass es das Glück nicht gibt? Ein Widerspruch? Nein, nur die Erkenntnis, dass wir dennoch immer weitersuchen werden nach dem Glück. Aber wenn wir das mit Bewusstsein und Distanz tun, verliert es die Macht über uns. Gleichzeitig vermittelt die Autorin aber auch Folgendes: Wir sprechen dem Glück zu, ein Allheilmittel zu sein. Wiederum knüpfen wir das Glück ans Tun und Denken unseres Selbst, stehen uns genau damit schließlich doch nur selbst im Weg. Wir drücken den modischen Zuständen wie Achtsamkeit, Loslassen und wie sie alle heißen ein Label auf, das auf Dauer nicht erfüllbar ist und sie zu einem weiteren Stressfaktor degradiert. Sie auf einen Punkt in unserem Plan der Dinge, die wir erreichen müssen, um glücklich zu sein, abstufen. Sie also selbst zu zusätzlichen Stressfaktoren zu machen, anstatt sie zwanglos zu leben.

Wir nehmen uns selbst Freiraum, zu handeln. Dabei sollten wir uns diesen doch gönnen. Doch sich von seinen Gedanken und Gefühlen ein Stück zu lösen, um sie wertfrei bzw. ohne Label betrachten zu können, ist nicht einfach. Auch hier hilft die Autorin mit tollen Übungen. Ich bin sicher, für jeden ist etwas dabei. Für mich war es die Landschaft der Gedanken und Gefühle. Ein tolles Canvas, das jedem Gefühl und Gedanken ein Puzzleteil im Bild meines Lebens zuspricht. Mir hilft es dabei, zu erkennen, was sie wirklich sind und ihnen einen Platz zu geben, statt sie zu verdrängen. Es nimmt vielen Dingen den Schrecken und ermöglicht – Ihr ahnt es schon – Handlungsspielraum. Natürlich bekommt bei mir der noch immer bestehende Wunsch nach „Glück“ so auch ein Bild. Es ist eine Wolke. Ich kann sie nicht greifen, sie zieht immer weiter. Mal löst sie sich auf, dann bildet sie sich wieder und wechselt den Kurs. Ich akzeptiere das, lasse sie ihrem Treiben nachgehen, haste ihr aber nicht mehr hinterher. Zumindest versuche ich das, mit einem zwinkernden Auge. Das hat mir in diesem Buch wirklich am meisten geholfen. Dafür ein großes Danke an die Autorin.

Mir hat der Read auf jeden Fall sehr gefallen und mir wahnsinnig viel Klarheit und Einsicht gegeben und Handlungsspielraum geschenkt. Sehr zu empfehlen. Vielleicht ist er ja auch etwas für Euch? In jedem Fall wünsche ich Euch mit diesem kurzen Einblick in meine Psyche einen schönen zweiten Advent.

Eure Jil Aimée

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(92)

167 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 73 Rezensionen

weihnachten, liebe, waisenkind, familie, angelika schwarzhuber

Der Weihnachtswald

Angelika Schwarzhuber
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 18.09.2017
ISBN 9783734101366
Genre: Romane

Rezension:

In ‚Der Weihnachtswald: Ein Wintermärchen‘ begeben wir uns mit der ledigen, toughen frankfurter Anwältin Eva, die mit Weihnachten nicht wirklich viel anfangen kann und es eher als lästige Pflicht denn als besinnliches Beisammensein mit ihren Lieben empfindet, zum alljährlichen Fest zu ihrer Oma Anna Koffler. Anna ist inzwischen sehr alt, gebrechlich, und Eva rechnet damit, dass ihre Großmutter vielleicht nur dieses eine Weihnachtsfest noch erleben wird. Einer der Gründe, warum sie sie auch in diesem Jahr besucht. Selbst wenn es ihr von Jahr zu Jahr immer schwerer fällt, das ganze Drumherum um Weihnachten zu tolerieren. Es ist ihr einfach lästig, viel lieber würde sie sich in ihrer Wohnung in der Stadt einschließen und über die Feiertage arbeiten. Doch sie fühlt sich ihrer Oma gegenüber verpflichtet, und Evas kaltem Anschein zum Trotz auch sehr verbunden. War es doch ihre Großmutter, die sie nach dem frühen Verlust der Eltern liebevoll aufgenommen und großgezogen hat. Außerdem verbindet sie auch viele schöne Erinnerungen mit dem malerischen Anwesen von Anna. Klar, dass sie ihre Oma nicht alleine lässt. Arbeit und Sekretärin lassen sich zum Glück ja mitnehmen. Wenn da nur nicht ihr Jugendfreund wäre, der zusammen mit seiner Mutter auch immer dem Weihnachtsfest im Hause Koffler beiwohnt. Denn leider ist diese enge Freundschaft schon vor Jahren zerbrochen … und Eva allein trägt daran die Schuld. Ihn jedes Jahr wiedersehen zu müssen, reißt alte Wunden auf, die sie doch so mühevoll über die Jahre hinweg gekittet hat. Mit den alten Wunden kommen Erinnerungen, Gefühle. Und wer wird schon gern in seine eigene Vergangenheit geschickt?

Als dann dieses Jahr auch noch ein Waisenmädchen auftaucht, wo Evas Großmutter doch versprochen hatte, dieses Mal kein fremdes Kind einzuladen – denn Eva kann mit Kindern einfach nicht! –, droht aus einem besinnlichen Fest ein erschreckendes Aufwachen zu werden. Wie es der Zufall so will, scheint auch das kleine Mädchen nicht unbedingt ein Fan von Eva zu sein. Als es Reißaus nimmt, und Eva zusammen mit ihrem Jugendfreund auf die Suche geht, werden die drei von einem heftigen Schneesturm überrascht, der sie alle in die Vergangenheit bringt … im wahrsten Sinne des Wortes.

·         Was ist passiert, dass die drei in einer anderen Zeit zu landen scheinen?

·         Wieso gerade mit dem fremden Mädchen zusammen?

·         Gibt es dort eine Aufgabe, die sie nur gemeinsam lösen können?

·         Was hat das Ganze mit Verzeihen zu tun?

·         Und vor allem: Welche Bedeutung hat dabei der Weihnachtswald aus dem Titel, und finden sie wieder in ihre Zeit zurück?

·         Rechtzeitig zum vermeintlich letzten Weihnachtsfest mit Anna?

Lest und lasst Euch bezaubern von einem Weihnachtswunder der etwas anderen Art.

Die Autorin hat einen sehr angenehmen, nicht allzu komplexen Schreibstil, der einen in die Geschichte zieht. Man schreitet quasi selbst über das Anwesen, durchsucht den Weihnachtswald, fühlt den Zauber von Weihnachten und die Magie der Versöhnung, die einem Weihnachtsfest irgendwie immer innewohnt. Ich habe das Buch innerhalb von zwei Abenden gelesen und durchaus genossen. Selbst wenn es anders war, als ich es zunächst erwartet hatte. Doch dazu später mehr.

Die Geschichte um die Familie Koffler ist ein leichter, schöner weihnachtlicher Read – gut, um schon jetzt in Stimmung für die kalte Jahreszeit zu kommen. Es war auch mein Weihnachtsroman-Auftakt in diesem Jahr. Das Buch war für mich persönlich ein Familienrätsel der besonderen Art, dabei etwas überraschend, da ich keinen Roman mit fantastischen und durch die Zeit reisenden Elementen erwartet hatte. Thematisch fügt es sich jedoch ganz gut zum Gedanken eines Weihnachtswunders, an Weihnachten ist ja bekanntlich alles möglich. Es war eine Geschichte voller unerfüllter Träume, die eine zweite Chance bekommen haben. Die die Herzen bewegen und Sinn für Familie wecken. Ja, sogar Familie zusammenführen. Dabei legte die Autorin als Rahmen ein atemberaubendes winterliches Setting an, sodass es sich lohnt, es durch eigenes Lesen zu erfahren. Es kommt eine gute sprachliche Visualisierung durch die gewählten Worte zustande, die winterliche Atmosphäre schafft und hier und da den Zauber von Weihnachten einstreut. Ab und an hatte ich jedoch leider an manchen Stellen das Gefühl, sprachlich etwas zu stolpern und mich in ein paar erzählerischen Dehnungen zu verlieren, die mich etwas im Lesefluss haben holpern lassen. Da hätte ich mir vereinzelt etwas mehr Tempo gewünscht. Das bezieht sich vor allem auf den Hauptteil der Erzählung und die Vergangenheit der Familie Koffler. Gen Ende wiederum ist es genau umgekehrt, da geht es mir dann doch etwas zu abrupt und ich hätte mir da etwas mehr Distanz bzw. Übergang und Ausschweifung gewünscht. Das wurde aber durch die Liebe zum Detail, was die Ausgestaltung gerade des Waisenmädchens angeht, wieder wettgemacht und hat mich mit der Geschichte versöhnt, sodass es alles in allem ein wahrlich angenehmer Lesegenuss und ein schönes Wintermärchen war. Ich gehe diesmal bewusst nicht auf die Hintergründe des Jugendfreundes, der vergangenen Familie Koffler sowie des Waisenmädchens ein, da es der Geschichte einfach zu viel vorwegnehmen würde. Gerade diese Charaktere lohnt es sich, selbst zu erspüren, sind sie doch wunderbar ausgestaltet. Das trifft für mich auf alle zu. Nur Eva bildet da eine kleine Ausnahme, da ich sie persönlich entgegen ihrer Beschreibung als eigentlich toughe und harte Frau anders wahrgenommen habe. Die kalte Anwältin kam bei mir so nicht rüber, viel eher eine verunsicherte erwachsene Frau, die sehr wohl liebt und sich sorgt, sich aber selbst noch finden und vergeben muss. Warum das so ist, solltet ihr beim Lesen selbst entschlüsseln. Ich denke, das war genau so von der Autorin beabsichtigt.

Kommen wir nun zur äußerlichen Gestaltung. Das Cover ist einfach richtig toll und winterlich. Ich hätte mir persönlich nur gewünscht, dass das abgebildete Haus mehr den Beschreibungen innerhalb des Buches entsprechen würde. Auch die Frau darauf braucht es für mich nicht zwingend. Die Farbgestaltung und der Gesamteindruck hingegen sind einfach wunderbar winterlich-weihnachtlich, sodass es einen direkt danach greifen lässt. Der Klappentext hat mich auf Anhieb gelockt und mich die Entschlüsselung eines Familiengeheimnisses vermuten lassen, auch wenn dieses am Ende weniger ein Geheimnis war als eher die Erkenntnis über den Wert von Vergebung (einander und sich selbst!) und die Liebe einer Familie. Allerdings muss ich zugeben, dass ich aufgrund der Buchbeschreibung eine etwas andere Weihnachtsgeschichte erwartet habe. Mir war einfach der Zeitreisefaktor nicht klar. Daher war ich beim Lesen kurz darüber irritiert, dass es sich nicht um eine Geschichte handelte, wie sie tatsächlich zu Weihnachten passieren könnte. Durch die schöne Erzählung wiederum wurde ich aber schnell damit ausgesöhnt, sodass ich trotz meiner Fehlinterpretation des Klappentextes einen vorweihnachtlichen Lesegenuss hatte. Zudem beinhaltet gerade dieser etwas realitätsfernere Aspekt der Geschichte noch ein besonderes Geschenk für die Protagonisten: Auf diese Art der Vergangenheit und ihrer Bewohner näher zu sein, teil an ihrem Leben haben zu können, aktiv und nicht nur in Erzählungen, hatte etwas Einzigartiges an sich. Da sind der Weihnachtszauber und die Magie der Liebe einer Familie direkt übergesprungen. Allerdings hätte ich mir gerade in Bezug auf Eva etwas mehr gewünscht. Vor allem zu den verstorbenen Eltern und Evas am Ende geändertes Verhalten. Letzteres kam mir reichlich spät und dann doch viel zu schnell behandelt. Ich hatte da durchweg eine andere Vermutung gehabt. Aber vll. war es auch genau so von der Autorin beabsichtigt, mit unserer Leservorstellung zu spielen. Einige fantastische Elemente werden ungeklärt gelassen, was mich allerdings nicht gestört hat, sorgt es doch dafür, dass ich mich nach dem Lesen selbst noch mit der Geschichte auseinandersetzte und meiner Fantasie freien Lauf ließ. Ich habe sogar davon geträumt und es war ein schneereicher, schöner Traum.

Besonders haben mir die vielen kleinen weihnachtlichen Besonderheiten gefallen, die einen vermuten lassen, dass die Autorin selbst genau solche Schätze als Kind an Weihnachten geliebt hat: kleine Schmuckstücke wie ein Weihnachtsengel und ein Märchenbuch. Sie hat das so gekonnt mit eingebaut, dass es dennoch irgendwie echt wirkte.

‚Der Weihnachtswald‘ ist für mich ein gelungenes Wintermärchen für besinnliche Abende vor dem Kamin oder mit der gesamten Familie zusammen. Vielleicht nach einem schönen Tag in einer wundervollen Schneelandschaft. Dabei geht er in besonderem Maße auf den Zauber von Weihnachten ein. Der Roman ist wie ein Haus voller Geheimnisse, Zuneigung, Erinnerung und vielleicht auch ein Stückchen Zukunft. Auf jeden Fall regt er zum Träumen und sehnen nach Weihnachten an.

 Eure Jil Aimée

 

  (1)
Tags: angelika schwarzhuber   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(61)

138 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

this love has no end, tommy wallach, love, lovestory, young adult

This Love has no End

Tommy Wallach , Henriette Zeltner
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 04.09.2017
ISBN 9783570173961
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Junge begegnet Mädchen, aber Junge spricht nicht. Zumindest nicht auf die konventionelle Art, und hat doch irgendwie viel zu sagen. Mädchen wiederum lebt nicht, zumindest nicht so, wie es die Gesellschaft und auch der Junge von ihr erwarten würden, und dann doch wiederum so viel mehr als viele andere. Zwei Leben prallen aufeinander, zwei Welten werden in ihren Grundfesten aufgerüttelt und am Ende neu zusammengewürfelt. Dabei entsteht eine gewaltige Explosion aus Liebe, Leben, Leidenschaft, Vergeben, Vergessen und Verzweiflung. Und doch auch aus Mut und Neubeginn. Beide lernen, dass es okay ist, auch mal nicht okay zu sein. Und das es vielleicht auch genau das braucht, um wirklich okay zu sein. Parker – der stumme Junge – und Zelda – das perfekt traurige Mädchen mit der alten Seele – stehen dabei für zwei Reisende, die sich innerhalb der Geschichte selbst finden müssen. Beziehungsweise zwei Charaktere, die lernen, den eigenen Weg zu gehen. No matter the cost. Diese Geschichte ist anders. Nicht nur vom Inhalt, vor allem aber auch vom Stil.

Der Kern des Buches spielt in drei Tagen, wenn auch mehr als ein Leben darin stattfinden. Ein Aspekt, der mir durch die allgemeine Komprimierung des Geschehens besonders gefallen hat, war die Tatsache, dass einem die Erzählzeit als solche aber viel länger erscheint.

„Es gibt so etwas wie perfekte Traurigkeit.“

Der Schreibstil ist einfach, und doch zugleich hoch philosophischen Inhalts und geht dabei mitten ins Herz. Rein sprachlich ist das Buch durchaus noch ausbaufähig, weist hier und da einige grammatikalische Schwächen auf. Diese verzeiht man aber gerne, vielleicht sind sie sogar beabsichtigt. In jedem Fall ist er anders. Tagebuchartig. Persönlich. Losgelöst von gesellschaftlichen oder rechtschreiblichen Konventionen. Einfach so, wie ein Junge es wahrscheinlich im echten Leben auch für sich aufschreiben würde – eben mit ein bisschen Fiktion, die dem Leser selbst das Abmessen des Wahrheitsgehalts überlässt. Das macht den Inhalt greifbar, authentisch, fast real, mal abgesehen von dem an manchen Stellen etwas zu Fantastischem – doch wie bereits erwähnt, der Junge erzählt. Fiktion und Realität mischen sich. Sollten sie auch. Vor allem stiftet es aber Verbindung zur Geschichte, gibt einem das Gefühl, sich selbst in ihr zu bewegen. Nachzuempfinden. In diesen recht einfachen Sprachstil streut der Autor aber eine ganze Menge sprachlicher Bilder, lebensechter Gleichungen, die vielleicht nicht aufgehen. Vielleicht auch schon. Die vielleicht mehr als eine Lösung erlauben. Vor allem aber eines für mich als Leser, und das mag jetzt ganz subjektiv sein, darstellen: Die Parabel des Lebens. Des Abschiednehmens.

„[…] weil sie eine fundamentale menschliche Schwäche thematisiert: Wir schauen alle zurück.“

Für mich ist ‚This Love has no End‘ eine einzige Parabel bzw. sogar ein Aneinanderketten vieler einzelner davon. Parabel um Parabel – und jede lehrt sie mich als Leser etwas. Das kann ganz individuell sein, am Ende aber vor allem eines: das Leben. Sie lehrt das Leben. Es als solches zu akzeptieren, es aber nicht einfach nur zu leben, sondern zu gestalten. Mehr zu glauben, als man sieht. Mehr zu fühlen, als man denkt. Denn man hat nur eines, und die Liebe zum Leben sollte nie enden. Endet nie. Überdauert. Für manche länger, für andere kürzer. Jeder hat seine eigene Unendlichkeit, seine eigene Geschichte. Ja, genau das ist dieses Buch für mich. Und der Junge, der nicht sprechen will, es vielleicht zunächst auch nicht kann, ist doch zugleich der größte Geschichtenerzähler seiner Zeit. Einer, der selbst ohne es zu wissen die Kraft der Parabeln lebt und liebt. Er ist ein Geschichtenerzähler der besonderen Art. Er erklärt die Wichtigkeit des Abschiednehmens, Loslassens und doch Weitermachens und schenkt somit einem jeden Leser ein Stückchen Mut und Kraft, in diesem Leben zu bestehen. Lehrt einen, das man nicht für das ultimative Schicksal der anderen verantwortlich ist. Wohl aber für sein eigenes. Man trägt nicht die Schuld an den Entscheidungen und Lebensweisen, der einen umgebenen Menschen. Ein Stück kann man sie vielleicht beeinflussen, begleiten, doch letztlich entscheidet der eigene Wille. Oder zumindest sollte er es. Und das ist doch auch ein Teil des Erwachsenwerdens. Und der Junge – Parker – wird in seiner Geschichte ein Stück weit erwachsen. Es ist eben eine Art ‚Coming-of-Age-Story‘, ein Jugendroman, der weiter geht! Und man sollte sich nicht die Schuld der anderen aufbürden. Das ist es, was der Junge der Geschichte für mich im Verlauf der drei Tage gelernt hat. Vor allem aber haben diese drei Tage ihm Richtung und Heilung gegeben. Eine Perspektive, Liebe und Glück. Und das ist es doch, was wir alle wollen. Am Ende des Tages: glücklich sein. Und dieses Glück ist dehnbar. Ebenso das Leben. Es kommt nicht auf die Länge dessen an, sondern seine Erfüllung. Und ein erfülltes Leben ist doch irgendwie lang, kommt einem zumindest so vor, oder? Der Autor vermag dies herausragend darzustellen. Seine Charaktere sind dabei individuell, manchmal vielleicht auch ein bisschen drüber, und doch irgendwie genau richtig. Ja, pfiffig. So auch der junge Parker, der nicht spricht. Nicht aber, weil er es nicht könnte. Rein körperlich betrachtet. Sondern weil er der Welt mit seiner lauten Stimme nichts zu sagen weiß seit dem grausamen Tod seines Vaters, wohl aber mit seinen Worten. Man braucht kein lautes Organ, um gehört zu werden, denn manchmal hört das Leben den Ruhigen viel mehr zu. Denen, die Geschichten aufschreiben. Dem geschriebenen Wort. Es überdauert länger als ein laut gesagter Satz. Oder die hübsche Zelda, deren Erscheinung jung und doch zugleich zeitlos ist. Deren Charakter einer uralten Seele entspricht, die doch gerade erst den Frühling ihres Lebens erfährt. Aber vielleicht gibt es eben mehr als einen Frühling. Und wiederum vielleicht reicht es irgendwann. Die beiden treffen aufeinander und ändern einander die ganze Welt. Einer will ins Leben zurück, der andere sucht seinen Abschied.

·         Werden sie einander geben können, was sie so dringend suchen?

·         Wird Parker seine Geschichten auch selbst vorlesen können?

·         Und Zelda ihren Frieden finden?

·         Heilt eine neue Liebe beide Seelen und führt sie gemeinsam in die Zukunft?

·         Und wie sieht diese aus?

·         Bedeutet gemeinsam auch wirklich zusammen?

Lest und lasst Euch von Tommy Wallach in seiner Geschichte um das Leben und die Liebe ohne Ende mitreißen.

Die Geschichte konnte mich schließlich trotz sprachlicher Mängel überzeugen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie inhaltlich so bedeutend ist. Aber auch der in mir Gänsehaut auslösende Titel und das romantische Cover sind einfach wunderbar gestaltet. Das dunkle Blau des Einbands mit dem Pärchen lässt eine erste Teenieliebe vermuten, der Titel wiederum viel mehr Gewichtigkeit erahnen. Und beides zusammen wird in der Geschichte gelungen verknüpft.

„Wie hast du es geschafft, dich mitten in deinem eigenen Leben zu verstecken?“

Wer Jugendromane der etwas anderen Art mag, wird diesen hier sicher lieben. Ich kann ihn nur empfehlen, selbst wenn er Düsterkeit und Hoffnung vereint und zunächst irrt und wirrt. Beide Seiten aufzeigt. Trauer und Glück. Willkommenheißen und Abschiednehmen. Für mich ein kleines Schätzchen – mit noch ein Paar Fehlern, aber durchaus großem Potenzial. ‚This Love has no End‘ – und auch wenn das Leben endet, die Liebe (dazu!) sollte es nie. Ein passender Titel für eine bewegende Geschichte übers Abschiednehmen, Aufwachen, Loslassen und Weitermachen. Enjoy!

Eure Jil Aimée

  (2)
Tags: cb, rezension, this love has no end   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(134)

199 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 98 Rezensionen

new york, anna pfeffer, liebe, chatroman, cbj verlag

New York zu verschenken

Anna Pfeffer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei cbj, 28.08.2017
ISBN 9783570173978
Genre: Jugendbuch

Rezension:

New York zu verschenken ist das zweite Buch von Anna Pfeffer, ihr neuer Jugendroman. Darin begegnen wir zum einen Anton – dem supersexy Instagramhottie mit dem vermeintlich großen Ego, der das Leben lebt und liebt, wie es kommt. Und dabei jeden einzelnen Moment genießt. Sorgen kennt er zunächst nicht. Das zumindest denkt man am Anfang, wird aber schnell eines Besseren belehrt. Dann gibt es da noch Liv, sie wirkt unsicher, hält auf sich selbst nicht allzu große Stücke und versteckt sich daher hinter einer perfekten Weltanschauung und dem Zurechtweisen von anderen – ab und an zu deren Leidwesen. Diesen Anschein hat es zunächst. Doch auch hier gilt: der Blick hinter die Fassade lohnt.

Anton wurde von seiner Freundin verlassen, Olivia Lindmann, der er noch immer nachtrauert, auch wenn er es sich nicht eingestehen will. Er wollte ihr eine Reise zum Big Apple schenken, hatte die Tickets schon und dann: Schluss. Auf einmal! Und was nun? Anton wäre nicht Anton, wenn er nicht eine pfiffige Idee hätte. Nämlich: Über Instagram einfach nach einer zweiten Olivia Lindmann suchen, die mit ihm in den Urlaub fliegt. Gesagt, getan. So treffen er und unsere Liv aus dieser Geschichte aufeinander. Zumindest virtuell. Zunächst.

Die beiden schreiben sich über Wochen Nachrichten. Chatten, was das Zeug hält. Lernen sich kennen, öffnen sich einander und wagen den Blick hinter die Fassade. Erzählen von ihren Träumen, schmieden gemeinsame. Bauen vielleicht sogar Gefühle füreinander auf, zeigen sich ihre schönen und auch nicht so schönen Seiten. Es scheint wirkliche Nähe zu entstehen, bis … ja, bis der Tag X – die Abreise – anbricht und mit einem Mal alles anders ist.

·         Was hatte Olivia Lindmann an sich, dass Anton ihr nach so kurzer Zeit eine so große Reise schenken wollte?

·         Und warum ist es so abrupt auseinandergegangen?

·         Kann die neue Liv wirklich mit der alten Flamme mithalten?

·         Warum eigentlich will sie nach New York?

·         Was passiert so Schlimmes, dass am Ende alles anders ist?

·         Und was hat das Zeigen eines Gesichts damit zu tun?

·         Sein Gesicht zu zeigen, erfordert Mut – Werden Liv (und auch Anton) diesen haben?

»If you can make it there, you’ll make it everywhere«, ist ein Zitat, das nicht passender sein könnte. Vor allem für Liv, Anton und New York. Doch gilt es auch für die gemeinsame Reise? Lest, und findest es selbst heraus.

Für mich war diese Geschichte ein kleines Highlight, weil sie so erfrischend anders ist. Nicht nur in ihrer Form. Das ist ja offensichtlich. Doch ich muss sagen, die Idee eines ausschließlichen Chat-Romans finde ich auch klasse. Viel mehr als das hat mich aber die Dynamik der Dialoge und das Eigenleben der Charaktere sowie ihre schwankenden Gefühle begeistert, die sich ungeschönt in jeder geschriebenen Nachricht widergespiegelt haben. Das wirkt authentisch und ist vielleicht genau der Grund, warum man sich auch ohne geteilte Fotos näherkommen kann. Die Geschichte verdeutlicht dabei eines ganz besonders: Jeder hat sein Päckchen zu tragen, egal wie perfekt sein öffentliches Profil auch aussieht. Wir lassen uns nur allzu oft von ersten Eindrücken und falschen Oberflächlichkeiten blenden und verstecken uns dabei selbst nur zu gern hinter dem Schubladendenken.

„Es gibt gute Tage, es gibt schlechte Tage und verdammt viele dazwischen.“

Ich habe es schon gesagt: Dieses Buch ist etwas Besonderes. Angefangen beim poppigen Cover, das den Puls der Zeit trifft und perfekt zu Anna Pfeffers ersten Werk passt – eine Linie und doch wieder neu! Über den lockeren, jugendlichen, absolut humorvollen und doch teilweise tiefgründigen Schreibstil – es ist wirklich lustig und echt geschrieben. So stelle ich mir die heutigen Teenagerjahre vor. Bis hin zur Idee als solche, einen Roman einfach mal als Chat-Verlauf zu schreiben und den Lesern alles Drumherum, die Kulisse zu überlassen. Es ist einfach das Gesamtpaket, das überzeugt. Ich habe diese Geschichte in einem Tag durchgesuchtet. Konnte sie nicht aus der Hand legen. Sie war und ist für mich ein echter Pageturner. Die Nachrichtenform lässt einen nur so durch die Seiten fliegen. Die jugendliche Sprache wirkt aus dem Leben gegriffen. Ich habe mich beim Lesen gefühlt, als wäre ich selbst Liv, die Anton schreibt und seinen Messages entgegenfiebert. Habe die beiden direkt im Kopf gehabt. Es war einfach eine unverkrampfte, für mich sehr realitätsnahe Storyline, die ab der zweiten Hälfte an Tiefgründigkeit auch in den Chatgesprächen gewann. Die Protas kennen sich ab da inzwischen etwas besser und lassen ihre Gespräche weit über anfängliche Oberflächlichkeiten hinausgehen. Öffnen sich teilweise einander. Meine Ahnung, die ich von vornhinein hatte, hat sich übrigens gen Ende bestätigt. Was das ist, sei hier aber nicht verraten. Ihr werdet es nach dem Lesen des Buches selbst wissen.

Sidenote: Besonders gefiel mir natürlich Jilly, die kleine Schwester von Liv, woran mag das bloß liegen 😊?

Dass manche Chatepisoden, so nenn ich es mal, etwas langatmig waren, hat mich nur ab und an gestört, da es doch den realen Charakter solcher Gespräche gut wiedergibt. Da wiederholen sich eben Dinge, das finde ich normal. Einziger kleiner Minuspunkt, aber das ist sicher Geschmackssache, ich hätte mir etwas mehr New York gewünscht. Einfach, weil der Titel einen verleitet, zu glauben, dort passiert auch viel. Gut, etwas Wichtiges, das ich aus Spoilergründen unkommentiert lasse, passiert schon. Aber: vielleicht gibt es ja eine Romanze 2.0 und was geschah danach! Nach New York. Das würde ich mir sehr wünschen.

Alles in allem aber wirkt die Story einfach echt. Ist ein Erlebnis, ohne dass viel an sogenannter Action passiert. Die Geschichte und die Bilder entstehen beim Lesen im Kopf. Und das ist das Wunderbare daran. ‚New York zu verschenken‘ ist ein schneller, frischer Read, der Laune macht. Vor allem: sich Fremdem zu öffnen und auch mal wieder nach NY zu reisen. Er ist erfrischend anders, jung, fesch, frech, kurzweilig und trotzdem tiefgründig. Beim Lesen hat es sich wie ein Lied angefühlt, dem ich gerade lausche. Mein Liebling für den Spätsommer 2017. Vielleicht auch Eurer?

Eure Jil Aimée

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(190)

466 Bibliotheken, 19 Leser, 0 Gruppen, 117 Rezensionen

zeitreise, eva völler, jugendbuch, liebe, zeitenzauber

Time School - Auf ewig dein

Eva Völler
Fester Einband
Erschienen bei ONE, 21.07.2017
ISBN 9783846600481
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Lange habe ich dieses Buch ersehnt, war ich doch schon ein großer Liebhaber der Zeitenzauber-Trilogie um Sebastiano und Anna. Ich erinnere mich noch genau, wie ich diese vor Jahren binnen weniger Tage verschlungen habe. Umso schöner, dass es jetzt in neuem Gewand für die beiden weitergeht. In ‚Time School. Band 1‘ begegnen wir alten Gesichtern mit neuer Geschichte. Ein paar Jahre sind inzwischen vergangen, die lieb gewonnenen Protas erwachsen geworden. Wir treffen auf alte Bekannte, erfahren über ihr Schicksal, knüpfen neue Freundschaften und finden in einen frischen Zeitreiseabenteuer-Rahmen. Ich liebe es. Das vorweg. Für eine solche Art an Geschichten bin ich immer zu haben. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Zum Inhalt möchte ich hier gar nicht viel loswerden, die Klappe gibt schon genug Einblick in das neue Zeitreiseabenteuer. Nur so viel sei gesagt:

Anna und Sebastiano lieben sich nach wie vor innig, leidenschaftlich, ja turtelnd. Dennoch sind sie reifer geworden, und mit ihnen ihre Profession: das Zeitreisen. Gemeinsam mit dem Alten José haben sie eine Zeitreiseakademie eröffnet, um ihr Wissen an potenzielle Zeitreisende aus allen Zeiten weiterzugeben und mit ihnen neue Abenteuer und Missionen zu bestreiten. Natürlich immer im Fokus: Der Fortbestand des Hauptzeitstroms. Dabei begegnen sie alten Feinden und neuen Widersachern – in den unterschiedlichsten Formen. Müssen zeitgleich die Herausforderung des Unterrichtens eines so komplexen Vorgangs wie des Zeitreisens – man bedenke nur unterschiedliche Mode, Etikette, Sprachgepflogenheiten usw. – meistern und dabei Charaktere aus verschiedensten Zeitaltern und Hintergründen zusammenbringen. Mit ihnen eine Einheit bilden. Dann wäre da aber auch noch die Beziehung der beiden: sie sind verlobt.

·         Doch lässt so etwas Komplexes und Paradoxes wie das Zeitreisen überhaupt eine Beziehung mit Bestand zu?

·         Welchen Gefahren und Abenteuern müssen sich die Mitglieder der Zeitreiseakademie hier stellen?

·         Führt dies Anna und Sebastiano enger zusammen oder treibt es gar einen Keil zwischen die beiden?

·         Was haben ein Mädchen aus den Irrungen und Wirrungen der Zeit und ein Mysteriöser Doppelgänger damit zu tun?

·         Und warum führt es die Zeitreisenden dieses Mal wieder und wieder an den Hof Heinrichs des Achten, welche Mission/en haben sie dort?

Schreitet durch das Tor der Zeit und lasst Euch berauschen. Aber Achtung: Verliert Euch dabei nicht im Nichts.

»Wir waren woanders, aber wir beide sind von dort weggegangen.«

Der Einstieg in die Geschichte verlief langsam und ruhig. An manchen Stellen etwas zu langatmig und weniger temporeich, als ich es doch aus der Zeitenzauber-Reihe gewohnt war. Da hätte ich mir hier und da etwas mehr Raffung und Pfeffer gewünscht. Ab Seite 100 legte sich das aber, und die Abenteuer, Überraschungen und Wendungen sorgten für den nötigen Kitzel, die gewünschte Spannung, für das Knistern zwischen der Zeit. Die Zeitreiseschule als Grundgedanke und Basis der Geschichte ist ein sehr fesselndes Thema. Auch wenn ich mir die Umsetzung dieser etwas anders vorgestellt habe. Als eine richtige Akademie und weniger als ein Zusammenschluss Annas und Sebastianos mit ein paar Schülern aus und durch die Zeit. Aber ich denke, das entwickelt sich noch im Laufe der Reihe. Von daher bleibt es aufregend.

Sprachlich ist das Buch in vier Teile gegliedert, die mit den jeweiligen Missionen, inneren Kämpfen und Reisen ins Jahr 1540 wechseln. Jedem Teil obliegt seine eigene Aufgabe, Wendung und sein eigenes Gefühlschaos. Das ist sehr gut durchdacht und hält den Leser in der Geschichte. Man möchte wissen, wie sich am Ende alles fügt und wie die einzelnen Stränge zusammenlaufen. Erzählt wird aus Annas Perspektive, was dem Leser einen sehr guten Einblick in ihre Gefühlswelt ermöglicht. Es lehrt uns sie besser verstehen. Durch einen Großteil des Buches wird sie von Träumen geplagt, immer verbunden mit einem mysteriösen Mädchen und der Suche nach einem Schlüssel. Ein Schlüssel, der in der Realität alte Feinde auf den Plan ruft und neue Gefahren einleitet, die es zu überstehen gilt. Als Team. Das verknüpft sich sehr gut mit dem Akademiegedanken und hat mir äußerst gefallen. Die Geschichte zeigt: Manchmal liegt der Schlüssel der Zeit in unseren Herzen. Und in den Herzen derer, die wir lieben und einst lieben werden. Ob wir es sehen oder nicht. Ein Gedanke, der sich durch das ganze Buch zieht und die Geschichte zu einem Pageturner macht, da es herauszufinden gilt, was dieser Schlüssel ist und bedeutet. Für Anna. Für Sebastiano. Für alle. Für die Zeit.

Ich persönlich fand es toll, im Laufe der Geschichte immer wieder an den Hof Heinrichs des Achten zurückzukehren. Es ist ein gern gesehener Schauplatz für eine Vielzahl von Erzählungen. Jeder hat sein Bild dazu, er funktioniert einfach gut. So auch hier. Man hat sich daher direkt gut in der Geschichte und ihrer szenischen Umgebung zurechtfinden können. Zumindest erging es mir so. Ich konnte mich schnell der Schönheit und erzählerischen Reise hingeben, die dieses Buch zu bieten hat. Das wurde auch von Eva Völlers Schreibstil unterstrichen. Die Autorin überzeugt mit einem schwungvollen und leichten Schreibstil, der durch seine Leichtigkeit nicht überdichtet, sondern den Leser gekonnt durch die Seiten und die Geschichte trägt. Sie lässt sich flüssig und an einem Stück lesen. Meiner Meinung nach sollte man aber die Zeitenzauber-Reihe gelesen haben, um wirklich in der Thematik und den Charakter-basierten Verstrickungen dieses Erzähluniversums drin zu sein. Natürlich gibt es hin und wieder auffrischende Rückblendungen und Erklärungen, sie haben das Ganze für mich teilweise aber eher langatmig werden lassen, als dass ich dadurch wieder voll drin gewesen wäre. Generell ist der Auftakt eher ruhig, wenig temporeich, gibt aber Raum für Spekulationen über künftige Geschehen.

Nun zu den Charakteren: Mit Anna hatte ich im Gegensatz zu Zeitenzauber hin und wieder doch meine Probleme, da sie mir an manchen Stellen etwas zu naiv und unbeholfen daherkam, sich leicht – zu leicht – verunsichern oder ablenken ließ. Mehr als einmal habe ich mir die Frage gestellt, ob sie denn nicht in sich, Sebastiano und ihre Liebe vertraute, während sie sich an anderer Stelle zu sehr von ebendieser hat einnehmen lassen – trotz einer ernsten Warnung. Ich weiß, es klingt paradox. Ich denke, beim Lesen der Geschichte werdet ihr meine Meinung vielleicht nachvollziehen können. Da war mir einfach zu wenig gedankliche wie auch paarbasierte Auseinandersetzung dabei. Sebastiano war gewohnt stark, charismatisch und liebevoll – wie ich ihn schon aus der Ursprungstrilogie her liebe. Das Wiedersehen mit ihm hat mich sehr gefreut. Mein Highlight hingegen waren aber die neuen Charaktere: und zwar allesamt. Die Schüler der Time School mit all ihren Hintergründen und Geheimnissen waren interessant ausgestaltet. Ich wurde direkt mit ihnen warm. Es war fast so, als würde man mit ihnen neue Freunde kennenlernen und ihre Eigenheiten Stück für Stück entdecken. Allesamt sind sie auf ihre Art stark, haben doch aber auch ihre eigenen Päckchen zu tragen. Kein Wunder, wurden sie doch aus ihrer Zeit gerissen. Sie haben mir ausnahmslos sehr gut gefallen. Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen. Denn sie kennenzulernen, sollte für jeden selbst ein Lesegenuss sein. Ich bin schon sehr gespannt, wie es mit ihnen weitergeht. Und ja, ich habe ein neues #Ship: die orientalische Schönheit und der Wikinger. Wer weiß, vielleicht behalte ich ja recht. Auf jeden Fall liebe ich deren pfiffige Spitzen. Egal ob gegeneinander oder an Sebastiano und Anna gerichtet. Sie geben der Geschichte Feuer und Spritzigkeit. Lassen es prickeln. Jeder der Charaktere trägt in Summe zu einem sehr gut durchdachten und auf unterschiedlichen Fertigkeiten basierten Team bei, das in Folge auf viel Spannendes und Abenteuer durch die Zeit hoffen lässt. José bzw. die Autorin hat da sehr gut gewählt. Ihre Dialoge sind stets pfiffig und mit Charme und Witz gestaltet. Sowie mit dem der jeweiligen Thematik – Paradoxa, Gefahr für die Liebe, Lesen fremder Tagebücher – angemessenen Gefühl getränkt. Die größte inhaltliche Überraschung für mich: Eine neue Zeitzone oder Dimension, die wirklich Schwung in die Geschichte brachte und uns mit Sicherheit auch in Zukunft noch in Trab halten wird bzw. Anna, Sebastiano und die gesamte Time School. Es war teilweise echt spannend und lustig zugleich, über die Eigenheiten der aus dieser Dimension stammenden Zeitspringer zu lesen. Das macht es nachvollziehbar und führt zu einem echten Lesegenuss.

Was das Lesen bringt, zeigt auch das Cover: Es ist ein Traum, Traum, Traum, ein wahrer Augenschmaus. Lange warte ich schon auf ein Cover, das in meiner Lieblingsfarbe Grün daherkommt und gleichzeitig überzeugt. Das hiesige wirkt edel, fühlt sich toll an – der Umschlag weist eine interessante und vor allem unempfindliche Struktur auf. Und verknüpft einfach alles, was in der Geschichte von Bedeutung sein wird. Besonders gefällt mir, dass es oben und unten fließend wird. Wie der Zeitstrom, durch den sich die Protas bewegen. Wenn ihr versteht, was ich meine.

Immer wieder ein Highlight: Eva Völlers ganz eigene Zeitreiseregeln. Hier sei nur mal der intergalaktische Translator genannt, der einfach gute Stimmung beim Lesen garantiert. Damit bringt sie hin und wieder auch den Schmunzelmoment, der ihre Geschichten zu etwas Besonderem macht, mit rein. Und besonders war auch diese: Ein Wiedersehen, ein Neuanfang, ein echtes Abenteuer durch die Zeit. Voll Liebe, Herz und Geheimnis.

 

Viel Spaß beim Lesen,

 

Eure Jil Aimée

  (2)
Tags: auf ewig dein, bastei lübbe, eva völler, rezension, zeitenzauber   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(45)

53 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

mallorca, liebe, sommer, finca, rentner

Meeresblau & Mandelblüte

Elke Becker
E-Buch Text: 236 Seiten
Erschienen bei beHEARTBEAT by Bastei Entertainment, 01.07.2017
ISBN 9783732539376
Genre: Liebesromane

Rezension:

In Meeresblau & Mandelblüte – darf ich hier einmal anmerken, wie genial toll ich den Titel finde? – begeben wir uns mit der durch und durch Karrierefrau Leonie, die ihren Erfolg der knallharten Sanierung unzähliger Firmen verdankt, bei denen für Emotionen nur selten Platz ist, auf eine Reise nach Mallorca und ein Stück weit auch in ihre eigene Vergangenheit. Dem Tod ihrer ihr bereits seit mehreren Jahren entfremdeten Tante geschuldet, erbt sie dort ein großes Anwesen. Doch damit nicht nur Haus und Hof, sondern irgendwie auch dessen Bewohner – menschlicher wie tierischer Natur. Leonie würde das Erbe gerne so schnell wie möglich abwickeln, um in ihren toughen Businessalltag zurückkehren zu können. Denn nur dort fühlt sie sich wohl. Beim Jonglieren von knallharten Zahlen und Fakten. Nicht aber in Gesellschaft einer rührseligen und schrulligen alten Truppe, die ihr das Leben auf Mallorca zunächst außerordentlich schwermacht. Wie gesagt, Leonie würde am liebsten schnellstmöglich wieder zurück in die kalten Wände der Großkonzerne und somit der warmen Herzlichkeit der spanischen Insel entfliehen. Denn die Insel, die sie als Kind so sehr liebte, legt einen düsteren Schatten über ihr Ich. Doch da hat sie nicht mit einer Erbschaftsklausel ihrer Tante, den skurrilen Bewohnern der mallorquinischen Finka und dem Umwerben eines gewissen Gustafs und noch so manch anderer männlicher Gestalten gerechnet. Und das Chaos nimmt seinen Lauf …

·         Wird Leonie das Erbe überhaupt antreten?

·         Was bedeutet es für sie, nach Mallorca zurückzukehren?

·         Warum hat sie sich einst von ihrer Tante entfremdet und warum ist gerade sie Erbin des Anwesens dieser?

·         Was halten die Bewohner für Leonie in petto?

·         Und schafft es Gustaf – oder vielleicht jemand anderes – Leonies Herz von knallharten Zahlen und Fakten zu befreien und den Sonnenseiten des Lebens und der Liebe zuzuwenden?

Setzt Euch in den Flieger und taucht ein in das absolute Lesevergnügen des Sommers – mit mallorquinischem Charme, spanischen Charmeuren, Wortwitz und Humor sowie einem liebestollen Gustaf. Wer das ist, sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Er ist mein absolutes Highlight und ein Garant für lustige Lesemomente und das ein oder andere Schmunzeln beim Verschlingen der Geschichte. Herzflattern und Nervosität inklusive.

»Zum ersten Mal seit Jahren musste sie nicht gewinnen.«

Die Autorin hat hier eine ganz wunderbar leichte Sommergeschichte geschaffen, obwohl diese im mallorquinischen Winter und Frühling spielt. In ihren Worten liegen Kraft und Aufrichtigkeit, schriftstellerischer Genuss und Seelenbalsam. Elke Becker entführt die Leser mit ihrem bildhaften Schreibstil nahezu auf die malerische Insel und in ihre Ecken und Besonderheiten. In jeder Zeile spürt man die Liebe zu diesem Fleckchen Erde, die Leidenschaft des Schreibens. Die Szenen sind wohlklingend und zum Wohlfühlen und Verweilen ausgestaltet, ebenso auch die Charaktere. Allen voran natürlich die toughe Leonie, die sich nur allzu gerne in die harte Businesswelt flüchtet, um den Schatten ihrer Vergangenheit zu entkommen. Schatten, die sie unterbewusst so gut in sich begraben hat – und für das Unterbewusstsein kann man ja nichts, oder doch? –, dass sie von diesen gar nichts mehr ahnt, bis ein Schlüsselmoment alle hart errichteten Mauern zusammenbrechen und die Wahrheit über ihren letzten Besuch – vor so vielen Jahren – auf der Insel hervordringen lässt. Daran nicht ganz unbeteiligt, sind die Mieter der Finka. Zunächst Leonie ein Dorn im Auge, entpuppen sie sich mit ihrer herrischen und doch liebevollen Art bald zu echten Freunden und einer Seelenstütze. Da diese Truppe aber so besonders ist, werde ich an dieser Stelle nicht viel mehr dazu sagen, außer: lest und genießt. Zusammen mit den Bewohnern macht Leonie die größte charakterliche Entwicklung durch und lernt, dass Schmerz zugelassen werden muss. Ansonsten kann er nicht heilen. Das ist ein weiterer Punkt, warum mir diese Geschichte ausnehmend gut gefallen hat: Trotz der sommerlichen Leichtigkeit, die man der Insel und ihren Bewohnern zuspricht, hat sich die Autorin an ein emotional schwieriges Thema – die Verarbeitung von Schmerz und vermeintlicher Schuld – herangewagt und dieses auf tragende und beeindruckende Weise gelöst.

»Und sie war noch nie jemand gewesen, der gerne Dinge vor sich herschob.«

Sie nimmt den Leser mit, mit jedem Schritt. Lässt ihn Stück für Stück das Geheimnis um Leonie und das Erbe entschlüsseln, überfordert dabei nicht und sendet dennoch eine woge an ergreifenden Emotionen direkt ins Leserherz. Davor ziehe ich meinen bildlichen Hut. Das hat mir sehr gefallen. Das Buch verbindet eben die Leichtigkeit des Lebens mit der Härte dessen. Zeigt, dass eines ohne das andere vielleicht nicht existieren kann, und dass das okay ist. Das Leben ist nicht perfekt, aber es sind die Menschen, die man in sein Herz lässt, die es ein Stückchen perfekter machen. Wer dieser Mensch in der Geschichte für Leonie ist, überlasse ich Euch herauszufinden. Für mich ist er in jedem Fall mit seiner unterstützenden, vertrauenerweckenden und ehrlich liebevollen Art, gemischt mit einer Prise liebestoller Keckheit einfach der perfekte männliche Buchprota, ohne dabei zu aufdringlich zu wirken. Er agiert eher aus dem Hintergrund und ist doch immer für sie da. Ich liebe ihn einfach und hoffe, Euch geht es genauso.

Kommen wir zum Cover: Auch dieses ist sommerlich leicht, in hellen Farben mit der Pracht der im Frühling blühenden Mandelblüten, die auch in der Geschichte Einzug finden. Zusammen mit dem Blau des Himmels und des Meeres und der dargestellten Frau liefert es für mich eine hervorragende Verbindung zwischen Titel und Geschichte. Wirklich sehr gelungen.

Meeresblau & Mandelblüte ist einfach durch und durch ein Genuss. Aus diesem Buch ziehe ich die Lehre, dass die Prota lernen muss, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, Schmerz zur Heilung zuzulassen, um den eisernen Panzer ihrer Brust zerbersten lassen und in Richtung Glück streben zu können. Wenn man Schmerz nicht fühlt, nicht zulässt, dass er existiert, dann wurzelt er mit zerstörerischer Kraft. Doch wenn man ihm seinen Raum gibt, so findet er mit der Hilfe von anderen auch seine Zeit zur Heilung. Genau das macht dieses Buch für mich aus: Heilung, Aussöhnung mit der Vergangenheit und ein guter Anfang für eine Zukunft voller Gefühle.

Danke fürs Mitnehmen und diese lustige Truppe. Gustaf und die Brownies. Oh mein Gott, diese Brownies.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen mit meinem #summermustread.

Eure Jil Aimée

  (2)
Tags: bastei lübbe, elke becker, meeresblau und mandelblüt, rezension   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

gedichte, illustrationen, bt, lebensgefühl, rezension

Quarter Life Poetry

Samantha Jayne , Anna Hickmann , Wiebke Vogt
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei btb, 13.06.2017
ISBN 9783442715374
Genre: Humor

Rezension:

Vorab sei gesagt: QLP trifft sicher nicht jedermanns Geschmack und ist stark auf die Gruppe der Mitzwanziger (wie der Titel schon sagt) ausgerichtet. Nimmt die Probleme dieser Generation mit einer leichten Satire und tollen Karikaturen in gereimter Form aufs Korn, verdeutlich dabei aber auch auf spritzige Art und Weise den wahren Gehalt der Mitzwanziger-Struggles. Das macht es für mich aus. Mich konnte es absolut überzeugen, fand ich es doch stark, einfallsreich und fantastisch.

Selbst der Poesie und Lyrik zugetan, bin ich immer auf der Suche nach neuen »Poetry«-Formen. Genau dafür schlägt einfach mein Herz. Umso mehr habe ich mich gefreut, als btb mir das neue Buch von Samantha Jayne vorgestellt hat. Mitzwanzigerlyrik – genau aus dem Leben gegriffen und den Puls der Zeit und des besagten Alters treffend. Gerade wer sich durch seine Zwanziger und den damit einhergehenden Alltags- und Lebensstress kämpft, wird sich darin wiederfinden. Analog dazu ist das Buch nicht in Kapitel, sondern in sog. Struggles (Kämpfe, Herausforderungen) unterteilt – wie Geld, Liebe, Job, … Das macht es überraschend realistisch und greifbar.

»Ich mache eine Saftdiät, läuft besser als gedacht. Der Saft war gegoren. Okay – ich hab’s mit Wein gemacht.«

Quarter Life Poetry ist witzig, wahr und vor allem wachrüttelnd. Es trifft den Nagel sozusagen auf den Kopf und mitten ins Herz der heutigen Zwanzigergeneration, zu der ich mich mit meinen 28 Jahren ein Stück weit noch zählen kann. Die Worte sind ungeschönt ehrlich und doch wohlklingend und komisch kongenial. Ob nun als »Klo«-Buch, wie der Autorin angeraten, oder als ständiger Begleiter in der Handtasche. Es liefert für jede Situation den passenden Spruch, tröstet und ermuntert zugleich. Rückt den Blick weg vom plastisch Geschönten unserer Gesellschaft und nennt die Dinge und eben auch die Herausforderungen und Zustände des jungen Alters beim Namen. Es ist einfach das Buch für den Moment. Weil es pfiffig und ehrlich ist und vielleicht der älteren Generation beim Verstehen der unsrigen hilft. Egal ob Mann oder Frau – es betrifft alle. So habe ich es bei uns tatsächlich zum Klo gelegt, und sogar meinen Mann schon beim Schmökern und Schmunzeln erwischt. Viel interessanter: Des Abends bei einem guten Glas Wein hat er das Gelesene wieder aufgegriffen und so wurden Stück für Stück mehrere Gespräche und wirklich gedankliche Auseinandersetzungen mit den im Buch angesprochenen Themen daraus. Man – beziehungsweise wir beschäftigen uns mit dem Geschriebenen nun viel eher, war es doch zuvor weit mehr im Unterbewussten verankert.

»Eines Tages erzähle ich meinen Kindern die tollste aller Liebesgeschichten: Alles begann damit, wie Mami und Papi beide nach rechts wischten …«

Ich kann das Buch nur jedem der Mitzwanzigergeneration und auch allen anderen Interessierten empfehlen. Ob nun das englische Original oder die wirklich auf den Punkt getroffene deutsche Übersetzung – an dieser Stelle ein großes Lob, gerade in der Poesie kann durch Übersetzung viel Gehalt verloren gehen, hier jedoch ist es wunderbar gelungen –, selbst wenn ich mir bei meinem nächsten Urlaub in den Staaten auch noch mal das Original zulegen werde. QLP ist einfach kurzweilig, echt und wild und witzig. Bei den Texten angefangen, die unter die Haut gehen, über die passenden Instagram-Bildchen, die Einzug ins Buch gefunden haben und Geschriebenes auf absolut realistische und doch satirisch-komische Weise verdeutlichen, bis hin zum weiß-schwarzen Cover und der lila Schrift. Für mich stimmt hier alles.

QLP hat wirklich alles, vor allem aber Gedichte für die Jungen, Gebrochenen und Suchenden.

Eure Jil Aimée

  (1)
Tags: bt, quarter life poetry, rezension, samantha jayne   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(70)

150 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 40 Rezensionen

sarah morgan, liebe, freundschaft, new york, dachgarten

Ein Sommergarten in Manhattan

Sarah Morgan , Jutta Zniva
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 12.06.2017
ISBN 9783956496707
Genre: Liebesromane

Rezension:

Für gewöhnlich ist Sarah Morgan mein Garant für absolut herzzerreißende, zuckersüß romantische Leseerlebnisse. Vor allem ihre wider Willen-Reihe hat es mir angetan – und einfach all ihre Weihnachtsgeschichten. Dafür hat sie einfach ein unglaubliches Talent, das ich aus vollem Leserherzen bewundere – ob es um die einzigartige Ausgestaltung ihrer Charaktere, die malerische Umschreibung der Kulisse oder aber das Vermitteln der ergreifenden Emotionen geht. Sarah Morgan hat all das und noch viel mehr, was mich ihre Geschichten nahezu verschlingen und über alles lieben lässt. Sie hat den Zauber in ihren Worten. Die Liebe zur Liebesgeschichte. Wenn ich zu einem Sarah Morgan greife, weiß ich einfach, dass es gut wird. Und gerne gab ich dieses Mal mit Ein Sommergarten in Manhattan auch ihrem aktuellen Sommeroman so natürlich einen Versuch gegeben. Und vielleicht liegt genau da das Problem: meine Erwartungen. Womöglich sind sie zu hoch und ich habe Sarah Morgan selbst auf eine Schwelle gehoben, die nur schwer zu erreichen ist. Einfach, weil mich ihr Geschriebenes bisher immer so überzeugt und zutiefst berührt hat. Nur leider war eben genau das diesmal nicht der Fall. Und natürlich ist das hier eine persönliche Meinung, die keinen von Euch vom Lesen abhalten sollte. Im Gegenteil, kauft diese süße, sanfte Liebesgeschichte um die durch die Scheidung ihrer Eltern tough gewordene und allein zurechtkommende Frankie und den liebevollen Bruder ihrer besten Freundin und selbst ihr bester Freund Matt, der sich mit seinem Sexappeal unterbewusst in Frankies Herz schleicht und sie langsam von ihren Verlustängsten heilt – denn genau das ist sie immer noch und sie bereitet auch tolle Lesestunden – lasst Euch ergreifen, mitreißen und fesseln. Und bitte: belehrt mich dann eines Besseren, sodass auch bei mir bei diesem Buch vielleicht nachträglich noch der Zauber des Besonderen überspringt, der sonst bereits auf den ersten Seiten ein Feuer des Vergnügens in mir entstehen lässt. Ich tue mich mit dieser Bewertung wirklich unheimlich schwer, das müsst ihr mir glauben. Einfach, weil die Geschichte – zu deren Inhalt ihr in der Kurzbeschreibung schon genug erfahrt, und weil ich Euch einfach nicht spoilern oder mit meiner Ansicht das Lesen vermiesen möchte! – mich diesmal leider nicht in vollem Umfang überzeugen konnte. Weder die Charaktere, die wir schon aus dem ersten und von mir überaus geliebten Teil der Reihe kennen, noch die Beziehungen haben dieses Mal ein Kribbeln in mir ausgelöst. Ich kann es einfach nicht genau beschreiben. Auch störten mich etwas die vielen Vertipperlis, die der Übersetzung geschuldet sind. An sich habe ich damit kein Problem, aber wenn teilweise Namen in ihrer Schreibweise wechseln oder durch gänzlich andere Namen im Buch ersetzt werden – selbst wenn es sich dabei um Nebencharaktere handelt –, sticht es schon etwas beim Lesen. Vielleicht war es für mich auch die falsche Zeit, das Buch zu lesen. In jedem Fall aber vermisste ich schmerzlich den Sarah Morgan Zauber, mir fehlte der Kick. Die Handlung sowie die Charaktere erschienen mir zu eindimensional, zu platt und an manchen Stellen in ihrer Entwicklung auch zu unglaubwürdig. So war es für mich schlecht nachvollziehbar, wie schnell die Protagonistin schließlich doch ihre Prinzipien über Bord geworfen hat, an denen sie zuvor über Jahre auf strengste Weise festgehalten hat. Mir ging da die Entwicklung der Beziehung und auch das Zwischenmenschliche einfach ein bisschen zu schnell bzw. fehlte es mir hier an szenischer Ausarbeitung. Ein paar mehr Kapitel dazu hätten der Geschichte sicher gutgetan. Auch fand ich es schade, dass dem Besuch auf Puffin Island, viele Leser kennen und lieben es schon, zu wenig Entwicklungsraum gegeben wurde. War er doch ein Schlüsselpunkt für die Geschichte und charakterliche Wende vieler Charaktere. Hier hätte ich mir ebenfalls ein bisschen mehr gewünscht. Im Gegenzug dazu hat mir aber besonders die Aussöhnung der Protagonistin mit ihrer Mutter gefallen und auch die Lehren die sie daraus für ihr eigenes Leben gezogen hat. Man ist niemals für die Schwächen und Fehler seiner Eltern verantwortlich und sollte sich von diesen auch nicht erdrücken lassen oder die Selbstbestimmung über das eigene Leben verlieren. Das kam wirklich grandios und herausragend gut rüber. Auch die Nebencharaktere gefielen mir mit ihren eigenen Geschichten ganz gut, so hat man direkt eine Ahnung, in welche Richtung sich diese Reihe noch weiterentwickeln kann. Die Autorin hat hier viel Potenzial aufgezeigt und es bleibt spannend. So spannend, dass ich mich schon sehr auf den nächsten Teil freue, obgleich mich dieser hier nicht völlig mitgerissen hat. Okay, Matt hat es mir mit seinen neckischen Spitzen und dem Herausfordern Frankies schon angetan, aber das allein reicht nicht.

Kommen wir zum Cover. Leider konnte mich dieses diesmal nicht ganz überzeugen. Es ist mir zu dunkel für den Sommer gestaltet, wirkt zu stilisiert und einfach von den lila Farbtönen etwas zu schwer. Natürlich lässt es in gewisser Weise einen lauen Sommerabend andeuten und vermittelt auch die der Geschichte beiwohnende Romantik – eine romantische Vorabendstimmung eben. Nur leider wird das Cover dem absolut schönen Titel nicht ganz gerecht. Dennoch es fügt sich gut in die Reihe und hat einen gewissen Wiedererkennungswert. Das ist ein Plus. Sprachlich gesehen, ist Sarah Morgan ihrem luftig leichten und unverkennbar romantischen, bildhaften Schreibstil treu geblieben, sodass das Lesen der Geschichte an sich nach wie vor ein Genuss war. Sie weiß einfach ihre Leser im Herzen zu berühren und zeichnet dabei erfrischend neue und unglaublich schöne sprachliche Bilder.

„Du bist wie eine Glühbirne. Die Menschen fühlen sich von dir angezogen, weil du ihr Leben aufhellst.“

Es fehlte mir eben nur das gewisse Etwas, das das Buch für mich aus der Masse toller Liebesgeschichten heraushebt. Dennoch: Ein Sommergarten in Manhattan bietet ein kurzweiliges Lesevergnügen, das ruhiger als sein Vorgänger wirkt, zum Nachdenken anregt und in sanften Wogen zum Happy End führt. Liebe, Romantik und ein männlicher Leckerbissen garantiert. 3,5 Sterne von mir – der nächste Band wird bereits mit großer Freude erwartet.

Eure Jil Aimée

  (3)
Tags: ein sommergarten in manhatta, mira taschenbuch, mtb, rezension, sarah morgan   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(136)

212 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 103 Rezensionen

liebe, liebesroman, buchladen, annie darling, london

Der kleine Laden der einsamen Herzen

Annie Darling , Andrea Brandl
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin, 09.05.2017
ISBN 9783328100980
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(85)

174 Bibliotheken, 15 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

sarah j. maas, fantasy, mae, schöne sprache, familie

A Court of Wings and Ruin

Sarah J. Maas
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury Childrens, 02.05.2017
ISBN 9781408857908
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Zwänge bewältigen

Burkhard Ciupka-Schön
Flexibler Einband
Erschienen bei Patmos Verlag, 13.02.2017
ISBN 9783843609142
Genre: Sachbücher

Rezension:

In ‚Zwänge bewältigen‘ veranschaulicht der Psychotherapeut Burkhard Ciupka-Schön sowohl auf sachlich-anschaulicher als auch auf Erfahrungsberichten basierter Weise, was Zwangserkrankungen für die Einzelnen, aber auch für das direkte soziale Umfeld Betroffener bedeuten. Er erläutert, wie es u. a. zu Zwangserkrankungen kommen kann, thematisiert auf sensible Art deren Wichtigkeitsgrad und setzt den Fokus auf bewehrte Therapieansätze. In seinem Buch wird Betroffenen, ob aktiv – da selbst erkrankt -, oder passiv – da Zwangserkrankter im direkten persönlichen Umfeld – Mut gemacht, wie mit dieser Form von Erkrankung umzugehen ist, dass es Hilfe gibt und man sich nicht scheuen sollte, sie in Anspruch zu nehmen. Dabei wird der Teufelskreis der Zwangserkrankungen, ihre einzelnen Arten und Ausprägungen (Zwangshandlungen / Zwangsgedanken) beleuchtet und auch Hintergründe zur möglichen Entstehung sowie etwaiger Heilungs- bzw. Verbesserungsaussichten offengelegt. Der Autor schürt Sensibilität für das Thema. Gibt ihm Fokus, rückt die Zwangserkrankung in das öffentliche Interesse und regt zum darüber Reden an. Das Buch dient sowohl als Stütze der Zwangskranken und auch als Motivation dieser sowie der persönlichen Umfeld, da es hilft, die Welt der Erkrankten besser zu verstehen. Ihre Macken nicht als Peinlichkeiten abzutun, sondern als die Erkrankung anzuerkennen, die sie ist. Er nimmt ihr so den Schrecken und führt Betroffene zur Eigenentscheidung hinsichtlich einer Behandlung. Denn der eigene Wille ist dabei entscheidend. Wer aus sich selbst heraus motiviert entscheidet und handelt, hat höhere Chancen auf Besserung und Abschwächung der Zwänge als durch äußeren Druck bestimmt. Der Autor vermag es dabei gekonnt, dem Thema die Scham zu nehmen, bietet allen Betroffenen eine Plattform zum Diskurs und liefert Verständnis. Ich habe das Buch gelesen, einerseits, weil mich die Erkrankung und ihre Hintergründe schon immer interessiert hat – zumal sie die vierthäufigste seelische Störung ist. Andererseits bin ich im eigenen Umfeld schon auf Zwangserkrankte gestoßen und suchte nach Verständnis dieser Erkrankung.

Der Autor schafft mit diesem Buch nicht nur einen motivationsbasierten Therapie-Puscher, legt den Fokus auf die Reizkonfrontation. Nein, sein Werk ist für die Erkrankten meiner Meinung nach vor allem ein Wegweiser zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Das Leben mit dem Zwang ist oftmals erdrückend, von Peinlichkeit und Scham behaftet und ein regelrechtes Versteckspiel des eigenen Selbst. Doch wer es schafft, dem Zwang die Macht und die Angst zu nehmen – und das ist ein harter, schwerer Weg -, der kann dem Zwang die Bestimmungsgewalt über das eigene Leben entwenden. Stück für Stück wieder selbst entscheiden. Und er ist nicht allein. Im Buch wird mit anschaulichen Realbeispielen gearbeitet, die dem Leser die unterschiedlichen Ausprägungen der Leidens- und auch wieder glücklicheren Lebenswege der Betroffenen veranschaulichen und auch an die Praktik heranführen. Es wirkt dabei im Wechsel mit der in verständlicher Fachsprache und Alltagssprache verfassten Kapitel identitätsstiftend und greifbar. Einfach eine Motivation für alle Beteiligten. Und die ist enorm wichtig, denn der Zwang an sich ist tückisch. Gaukelt ein nicht vorhandenes ‚Richtigsein‘ und falsche Sicherheit vor. Versteckt sich hinter anderen Symptomen, bleibt oft viel zu lange unerkannt.

Ich empfehle die Lektüre jedem, der selbst von Zwangserkrankungen betroffen ist, oder diesem im privaten Umfeld täglich begegnet und/oder einfach Interesse an der Thematik und dem Verständnis darüber hat.


  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(135)

243 Bibliotheken, 15 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

liebe, fantasy, feyre, magie, feen

A Court of Mist and Fury

Sarah J. Maas
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury USA Childrens, 03.05.2016
ISBN 9781619634466
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(35)

48 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

rezension, liebesroman, neuanfang, rodeo, cowboy

Wenn Liebe Cowboystiefel trägt

Emily Bold
E-Buch Text: 302 Seiten
Erschienen bei Montlake Romance, 28.03.2017
ISBN 9781477820544
Genre: Liebesromane

Rezension:

In ‚Wenn Liebe Cowboystiefel trägt‘ kehren wir mit Avery Davis nach acht langen Jahren, einer misslungenen Beziehung und dem besiegten Krebs in ihre Heimatstadt zurück: Littletree. Dort versucht sie, sich selbst erst mal ins eigene Leben zurück zu kämpfen, im Schoß ihrer Familie. Eine Familie, die sie während dem Kampf gegen den Krebs ausgeschlossen hatte, weil sie sie nicht zu sehr verletzen wollte. Für den Fall, dass sie verliert. Eine Familie, die nun nur allzu gern für die verlorene Tochter da ist. Avery ist am Boden, scheint nichts mehr zu haben. Kein Zuhause, keinen Job, keinen Partner. Doch dann findet sie gerade in der Stadt, der sie einst für immer den Rücken kehren wollte, genau das, was ihr so fehlte: neuen Lebensmut.

Damals wollte, musste Avery aus Littletree fort. Um einer Liebe zu entfliehen, die sie aufzufressen drohte, der sie aber keine Zukunft geben konnte. Die Liebe zum Schul-Beau Mason King – leidenschaftlich, stürmisch, tragisch. Tragisch deshalb, weil es für ihn nur eine Wette gewesen zu sein schien, während sie damals ihr Herz an ihn verloren hatte. Um dieses zu schützen, floh sie in ein neues Leben in die Großstadt. Dort war sie in den letzten Jahren erfolgreich im Finanzsektor tätig – die immer kühle Businessfrau, die es vermochte, mit dem Jonglieren von Zahlen anderen ganze Vermögen zu verschaffen. Beruflicher Erfolg war ihr garantiert, und auch privat schien mit ihrem neuen Partner und Kollegen Phil alles richtig zu laufen. Bis der Krebs kam, und mit ihm der Betrug. Denn anstatt ihr wirklich zur Seite zu stehen, floh Phil sich in die Zuneigung einer anderen Frau. Gerade dann, als Avery ihn am meisten gebraucht hätte. Ihre Welt zerbrach. Und als der Krebs nach einem langen Kampf endlich besiegt war, war mit ihm nicht nur ihre Beziehung, sondern auch ihr Job und ihre Perspektive gegangen. Manche Dinge zerbrechen einfach, können nicht mehr zusammengefügt werden.

So kehrt Avery nun nach Litteltree, das verschlafene Örtchen zurück, in dem jeder jeden kennt und Geheimnisse von allen geteilt werden. Sie erhofft sich zunächst nicht zu viel, nur etwas Abstand, Luft zum Atmen, einen Neuanfang, ein ‚Zu-Kräften-kommen‘, bis sie stark genug wäre, in die Großstadt zurückzukehren und wieder in die Welt der Finanztransaktionen zu tauchen. Vielleicht würde der Krebs nicht mehr zurückkommen und sie irgendwann keine Risikoanlage – wie sie sich selbst nun sah – mehr sein.

Doch da hat sie die Rechnung ohne Littletree und die Vergangenheit gemacht.

Denn nicht nur ihre Familie ist für sie da, hilft ihr dabei, wieder aufzustehen. Gibt ihr ein Dach über dem Kopf, einen Job sowie Freundschaft und Liebe. Auch Mason, ihre Jugendliebe, tritt wie der Zufall es so will wieder in ihr Leben, und versucht mehr denn je, ihr nahe zu sein. Und so sehr sie sich auch wehrt und darum bemüht, dem Charme des waghalsigen Cowboys zu widerstehen, er geht ihr einfach unter die Haut. Doch Mason liebt die Gefahr, den Absprung, das Fallen. Als Cowboy und Rodeo-Held spielt er ständig mit seinem Leben, es scheint ein Spaß für ihn zu sein, den Nervenkitzel bis ins höchste Maß auszukosten, wo Avery doch weiß, wie bitter ernst es werden kann.

·         Wird sie damit klarkommen, dass das Leben voller Fallen und dem Fallen steckt?

·         Sind ihre Gefühle echt oder ist es nur die Sehnsucht nach dem, was sie verloren hat?

·         Was ist mit Mason?

o   Will er die Wette von damals immer noch gewinnen?

o   Oder möchte er ihr aufrichtig nahe sein?

·         Verrennen sich am Ende beide nur in das Gewohnte, das Einfache?

·         Kommt der harte Aufprall in der Realität schneller als gedacht?

·         Und kann man den Krebs wirklich endgültig besiegen?

Lasst Euch von Masons Lasso einfangen und taucht ein in eine Geschichte, die das Leben nicht besser hätte schreiben können. Mit ihrem neuen Roman schafft Emily Bold genau das: eine Geschichte des Lebens, in der man jeder Zeile die Liebe zum geschriebenen Wort entnehmen kann. Sie gibt dabei starken, echten Charakteren ein Leben, das in seinen Bann zieht. Jeder Charakter, ob Haupt- oder Nebendarsteller, wirkt durchdacht, ausgefeilt, einfach rund. Sie alle haben Ecken und Kanten, Sorgen und Lieben. Vor allem stecken sie aber voller Leben. Gerade so auch Avery, die doch selbst auf der Suche nach ihrem Leben scheint. Bei allem, was sie verloren hat, kämpft sie, lässt den Kopf nicht hängen. Verfällt nicht ins Düstere, sondern gibt ihrem Dasein Stück für Stück den so schmerzlich vermissten Sinn zurück. Und manchmal liegt dieser eben nicht in Finanzmarkttranskationen, sondern dem Retten eines kleinen Kitzes. Darin, jemand anderem neues Leben zu geben. Das erkennt auch Avery mit der Zeit in Littletree. Was es aber damit auf sich hat, wird an dieser Stelle nicht verraten. Denn gerade die Geschichte um das Kitz und allem, was dazugehört, macht für mich das Herzstück dieses wundervollen Romans aus. Etwas, das jeder für sich selbst entdecken sollte.

Die Autorin hat einfach eine vielschichtige Wohlfühlgeschichte voll Mut, Herzflattern und Charakteren zum Mitleiden und Liebhaben geschaffen. Es besteht die perfekte Balance zwischen Sorge und Drama sowie Leichtigkeit und Lebensfreude. Dabei liebe ich vor allem Averys Schlagfertigkeit in manchen Situationen, die dem Roman einen gewissen Wert an Humor verleiht, und die sie sich trotz ihrer Krankheit behalten hat. Aber auch ihre Strenge und Klarheit die Krankheit betreffend, berühren und überzeugen einfach.

„Es kostete Mut, sich dem Leben zu stellen.“

Vieles erfährt man im Verlauf Häppchenweise, nicht alles auf einmal, und wird somit durchweg durch die Geschichte gesogen. Alles ist so erzählt, wie es einem guten Bekannten, einem Nachbarn oder sogar einem selbst passieren könnte. Und der Gedanke Sexy Cowboy trifft auf Finanzmarktprinzessin, der der Geschichte unweigerlich beiwohnt, ist doch nicht alles, was zählt. Die Geschichte ist so viel mehr: Fertigwerden mit Verlusten, Erkennen von Lebensmut und -willen, Liebe, Familie, Freundschaft. Lebensnahe Ängste und Sorgen. Dabei ist es ein echter Pageturner. Die Autorin bleibt mit diesem Roman ihrem gewohnt flüssigen, einnehmenden, bildhaften Schreibstil treu. Kreiert eine Erzählweise, die einen in ihrer Locker- und Klarheit die Seiten im Flug nur so umschlagen und die Geschichte in einem Rutsch verschlingen lässt. Man kam beim Lesen gut in die Geschichte und konnte die Entwicklungen dieser und die Entscheidungen der Charaktere im Verlauf sehr gut nachvollziehen, ihre Emotionen nachempfinden. Das Buch schafft auch ein Stück weit Hoffnung, nicht aufzugeben, weil das Leben sich eben einfach lohnt. Trotz und gerade wegen allem. Allen Höhen und Tiefen. Es sind genau diese Momente, die es erst ausmachen. Besonders reizend und die Geschichte anheizend empfand ich die Rückblicke in die gemeinsame Vergangenheit der beiden Protas. Das gibt dem Roman noch mehr Potenzial und verdeutlicht, wie verflochten zwei Leben trotz räumlicher und zeitlicher Distanz über die Jahre hinweg doch sein können. Und man stellt sich unweigerlich die Frage, ob sie sich damals hätten anders entscheiden sollen. Liebe vermag es eben, die Prioritäten neuzuordnen.

„Der Himmel war sternenklar und die Lichter der Stadt ein funkelndes Band in der Ferne.“

Ich kann nur immer wieder sagen: Emily Bolds Geschichten lese ich einfach gerne, weil sie einerseits so ins Herz gehen und die Fantasie beflügeln, andererseits aber auch von realen Sorgen und Beziehungen erzählen, die für den Leser greifbar und identitätsstiftend sind. Zumindest erging es mir wieder so beim Lesen. Lediglich an manchen Stellen, vor allem im Aufeinandertreffen von Mason und Avery hätte ich mir etwas mehr Herzflattern und Länge gewünscht. Auch den finalen Abschied von ihrem Ex hätte ich mir ein wenig schlagfertiger vorgestellt. Doch das wird durch die wirklich liebevolle Erzählung und die bildhafte Sprache sowie die Tiefe der Nebencharaktere wieder wettgemacht und die Geschichte so zum Blickfang, wie auch Mason eine Augenweide ist. Ihr werdet es schon lesen 😊.

Auch das Cover selbst ist ein kleiner Hingucker, lädt direkt auf eine Ranch in die Staaten ein – mit dem Lasso, Heu und Cownboystiefel – natürlich in einem süßen Pink gehalten. Der Titel passt ebenso einfach perfekt und fügt sich wiedererkennungswertstiftend in Emily Bolds Montlake Veröffentlichungen ein.

‚Wenn Liebe Cowboystiefel trägt‘ ist ein kurzweiliges, intensives Lesevergnügen für schöne, gefühlvolle und doch auch dramatische Lesestunden. Die Geschichte ist vielseitig, durchdacht, nicht oberflächlich – hinter jedem Charakter steckt mehr, als man zunächst sieht oder vermutet. Vor allem aber ist sie der Kampf zurück ins Leben, auch wenn dieses sich vielleicht geändert hat. Es ist Heilung und Lebensfreude zugleich.

„Indem sie ihnen half, half sie auch sich selbst.“

Meine ganz klare Leseempfehlung an Euch, und ich bin schon auf das nächste Werk aus Emily Bolds Feder gespannt.

  (2)
Tags: emily bold, montlake romance, rezension, wenn liebe cowboystiefel träg   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(322)

859 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 170 Rezensionen

liebe, reise, ava reed, wünsche, jugendbuch

Wir fliegen, wenn wir fallen

Ava Reed , Alexander Kopainski
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter Verlag , 17.02.2017
ISBN 9783764170721
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Phil - ein alter, blinder Mann, der für manche ein Fremder und doch sicherer Hafen ist, ein Freund und eine Zuflucht zugleich, während er anderen als Familie, Großvater doch irgendwie immer fremd bleibt.

Yara – ein Mädchen, das einen schmerzlichen Verlust ertragen muss. Tag für Tag, und sich selbst die Schuld daran gibt, obwohl sie andere wieder zurück ins Leben holt und Farbe in die Dunkelheit bringt.

Noel – ein Junge, früh von der eigenen Mutter verlassen und zornig auf die Welt, der erst zu spät erkennt, dass er niemals wirklich alleine war und doch dem Leben wieder Freude abgewinnt.

 

·         Doch ist es wirklich jemals zu spät?

·         Was verbindet diese drei?

·         Was unterscheidet sie?

·         Auf welche Reise begeben sie sich und wer kommt am Ende wie zurück?

Drei Begegnungen, drei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, deren Wege sich durch einen traurigen Schicksalsschlag und viel zu frühen Abschied kreuzen, um dann dem Leben wieder Sinn, Farbe und Liebe zu geben. Manchmal muss es erst einen Abschied geben, um den richtigen Weg - einen Neuanfang - zu finden. Manchmal wird aus Abneigung Zuneigung, aus Fremdheit Freundschaft und aus Trauer Liebe. Ava Reed beschreibt genau das in ihrem neuen Roman. Und gibt dabei ihren Protagonisten reale Gesichter, ein reales Leben. Wie es dir und mir passieren könnte. Sie gibt ihnen Ängste, Ecken und Kanten, aber auch Wünsche und Sehnsüchte. Eben einfach Charakter. Und beim Lesen hat man das Gefühl, alle drei auf ihrer eigenen Reise begleiten zu dürfen. Den etwas störrischen und zunächst unsicheren Noel, der zornig ist, sich im Stich gelassen fühlt und nicht weiß, wohin ihn das Leben trägt. Der vielleicht auch ein wenig von sich selbst enttäuscht ist.

Den erfahrenen Phil, der die Farben der Welt über alles liebte, bis er sie nicht mehr sehen konnte. Der sich wünscht, er wäre Noel der Großvater gewesen, den er gebraucht hat. Und der durch Yara wieder das Schmecken der Farben und Abenteuer lernt, in ihr eine Enkelin findet, wie er sie sich gewünscht hätte.

Yara wiederum findet in Phil den Ausbruch aus ihrem trüben Alltag, der sie ablenkt von der Sorge, den Schuldgefühlen. Und trotz dieser lernen wir sie in der Geschichte als ein aufgewecktes, mutiges Mädchen kennen, das sich nicht scheut, Neues zu wagen.

Alle drei sind wundervoll ausgestaltet, wirken echt. Auch das Geschehen und die Geschichte um zehn Wünsche, die es zu erfüllen gilt, wirkt durchdacht, aufregend und treibt dazu an, die eigenen Wirklichkeit werden zu lassen. Nun sind Bücher über die Erfüllung einer Bucket-List nichts Neues. Aber Avas Ansatz ist es. Es geht hier primär nicht um die eigenen Wünsche, sondern darum jemandem bei der Erfüllung seiner Träume zu helfen, und daraus selbst Lebenslust, Freude und Liebe zu ziehen. Dabei schreibt die Autorin locker, bildhaft-malerisch, packend, ich habe mich selbst an den Stationen der Reise durch Ava Reeds Stil wiederfinden können. Außerdem lernen wir viel über Yara und Noel durch sie selbst kennen, da in wechselnden Perspektiven erzählt wird. Und es war einfach wunderbar.

‚Wir fliegen, wenn wir fallen‘ von Ava Reed ist genau das: Zuneigung, Freundschaft, Liebe – und doch noch so viel mehr. Es ist ein Erfüllen von Wünschen, das Finden des eigenen Seins, eine Reise ins Glück. Aber vor allem ist es ein Wegweiser aus der Dunkelheit, zurück ins eigene Leben. Ava Reed hat hier einen bedeutenden, wundervollen Roman geschaffen, der gleich auf einer emotionalen Highnote startet, den Leser schüttelt, packt und mitreißt. Mit jeder Zeile. Es fließen Tränen, es tanzt das Herz, es setzt die Atmung aus, und es strahlt das Gesicht. Es ist eines dieser Bücher, das man wieder und wieder lesen will, in das man sich einkuscheln muss, weil es tröstet, den Blick zurechtrückt, weil es heilt und Hoffnung gibt. Hoffnung darauf, dass ein Abschied nicht das Ende bedeutet, sondern manchmal als erster Schritt, als Schubs in die richtige Richtung dient. Und dass es Gefühle gibt, die über alle Grenzen hinweg bei einem bleiben.

»Wir stehen einfach da, zwei Ruhende inmitten von so viel Bewegung.«

Das Buch liefert die Botschaft, dass es aber nicht nur den Schubs braucht, sondern auch den Willen und den eigenen ersten Schritt, um eine Veränderung herbeizuführen. Und diesen Schritt muss jeder selbst gehen. So auch Yara und Noel nach dem schmerzlichen Abschied von Phil. Yara und Noel, die sich zunächst nicht leiden können und dennoch dafür entscheiden, in Phils Andenken die Welt zu bereisen, seinen letzten Wunsch zu erfüllen, gemeinsam. Doch den ersten Schritt dazu müssen beide selbst gehen. Beide allein. Es ist die Entscheidung. Und am Ende war es nicht nur eine Reise durch die Welt voller Wünsche, unglaublicher Erfahrungen – die ich hier nicht verraten kann, ihr müsst sie schon selbst durchs Lesen erfahren, das macht den Zauber dieses Buches aus -, das Gewähren eines letzten Willens, sondern vielmehr der Weg ins eigene Leben zurück. Das Bewusstsein, dass man dieses nicht alleine leben muss. Die Chance, das aus zwei Einsamkeiten ein Gemeinsames werden kann. Dass man zusammen eigene Ängste und das Alleinsein überwinden kann. Wenn man denn wirklich will …

‚Wir fliegen, wenn wir fallen‘ wird eines dieser Bücher sein, das ich noch in zwanzig Jahren lesen werde. Immer dann, wenn mein Herz Trost braucht, meine Seele Zuversicht oder wenn ich einfach mit einem glücklichen Gefühl angefüllt sein möchte. Es ist genau, wie die Autorin es schreibt. Ich werde mich immer daran erinnern, wie ich es zum ersten Mal gelesen habe. Und es ist wahr:

»Du schlägst dann nicht einfach nur dieses Buch auf, sondern auch Erinnerungen.«

Und genau das werde ich tun. Ein Jugendbuch, das aus der Masse heraussticht und in seiner Gänze begeistert. Sei es die tief bewegende Geschichte oder das traumhaft schöne Cover – gestaltet von Alexander Kopainski, in wunderbaren Pinktönen gehalten und mit die einzelnen Wünsche symbolisierenden Bildchen verziert. Übrigens mein Lieblingscover. ‚Wir fliegen, wenn wir fallen‘ ist einfach ein gelungenes Gesamtpaket, das schöne Lesestunden voll Gefühl, Abenteuer und Herausforderung bietet. Ich habe von diesem Buch so viel mitgenommen, es hat einfach mein Herz berührt.

 

PS: Ich liebe die Darstellung der Seitenzahlen und kleinen Sprüche, die wie handgeschrieben wirken.

 

Eure Jil Aimée

  (2)
Tags: ava reed, rezension, verlag ueberreuter   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(523)

1.070 Bibliotheken, 22 Leser, 4 Gruppen, 259 Rezensionen

götter, götterfunke, liebe, marah woolf, jugendbuch

GötterFunke - Liebe mich nicht

Marah Woolf
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Dressler, 20.02.2017
ISBN 9783791500294
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In Band eins von ‚Götterfunke‘ stehen Jess und ihre besten Freunde – Robyn, Josh, Cameron – kurz vor ihrem Schulabschluss. Noch einmal wollen sie daher gemeinsam in die großen Ferien fahren. Etwas Unvergessliches erleben und zusammen viel Spaß haben. Erinnerungen schaffen, von denen sie lange zehren können. So begeben wir uns am Anfang der Geschichte mit Jess und den anderen für sechs lange Wochen in ein Sommercamp. Es soll ein Camp voller Spaß, aufregender Aktivitäten und auch den ein oder anderen Lehrveranstaltungen sein, um perfekt für das Leben danach und das Studium vorbereitet zu sein. Doch gleich zu Beginn passiert etwas Schreckliches: Jess und ihre beste Freundin Robyn erleiden einen schweren Autounfall, der sie das Leben kosten müsste. Es kommt Jess vor wie ein Traum – ein schlechter und guter zugleich. Sie sieht sich verletzt am Boden liegen, spürt, dass sie nicht mehr atmet und auch Robyn rührt sich nicht. Aber dann tauchen da diese Gestalten auf – wunderschön und beängstigend zugleich. Sie scheinen zu streiten, was mit den Opfern geschehen soll. Doch Jess kann ihnen nicht zuhören, sie hat nur noch Augen für einen von ihnen. Der eine, der sie schließlich beide rettet, sie in seine starken Arme schließt und dessen Duft und Anwesenheit tröstend auf Jess wirken. Es scheint alles so real, aber dann wacht sie auf. Sie sitzt im Auto und Robyn steuert dieses weiter ohne Probleme in Richtung Camp.

Hat es diesen Unfall gar nicht gegeben, selbst wenn er sich so echt angefühlt hat?  War alles wirklich nur ein Traum?

Jess versucht sich genau das einzureden, bis sie bei Ankunft im Camp auf ihn trifft. Ihren Retter. Dieser heißt Cayden, ist wahnsinnig schön, klug und unglaublich stark. Vor allem aber ist er der Frauenmagnet im Camp und zieht dort in den nächsten Wochen nicht nur Jess in seinen Bann. Es scheint, als könnten ihm die Mädchen nicht widerstehen. Als ginge etwas Übernatürliches, fast Göttliches von ihm aus, sodass sie sich alle unweigerlich in ihn verlieben. Auch Jess. Doch für sie scheint er nicht dasselbe zu empfinden. Er spielt mit ihr, ist ihr mal nahe, nur um im nächsten Moment wieder kalt und fern zu sein. Er verwirrt sie. Doch er ist nicht das einzig Merkwürdige, das im Camp vor sich geht. Denn er wird von einem Jungen namens Apoll und einem Mädchen namens Athene begleitet. Und das scheint im Camp nicht die einzige Parallele zu Göttern zu bleiben ...

Schnell merkt Jess, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Mehr und mehr glaubt sie, dass der Unfall und ihre Rettung kein Traum waren, also entschließt sie sich, Cayden mit ihrer Vermutung zu konfrontieren. Doch was dann passiert, hätte sie sich niemals vorstellen können …

Gibt es die Welt der Götter wirklich und wurde Jess von einem solchen gerettet? Oder ist Cayden nur ein ganz normaler Junge, der mit ihren Gefühlen spielt? Empfindet er vielleicht doch mehr für sie, kann es nur nicht zeigen? Und was hat Robyn damit zu tun, was ein Kampf um Leben, Mythen und Tod, der bald einsetzt? Ist Jess vielleicht nur der Spielball in einem viel zu mächtigen Spiel? Und ist Cayden wirklich der, der er vorgibt zu sein?

»Geh zurück in deine Höhle und lass die Menschen in Ruhe und mich auch.«

Taucht ein in das brandneue Abenteuer von Marah Woolf, erstmals erschienen im Dressler Verlag, und lasst Euch mitreißen von einer Welt in der unsrigen. Von Göttern, Mächten und dem ganz normalen Teenageralltag. Und bestreitet mit Jess zusammen nicht nur den Kampf um die erste Liebe, sondern auch um das Leben, um Wünsche, Träume und die eigene Person. Der Autorin ist hier ein meiner Meinung nach grandioser Auftakt zu einem neuen Epos gelungen, das Jung und Alt gleichermaßen packen wird. Wer gerne unschuldige Liebesgeschichten liest und auch den griechischen Mythen zugetan ist, wird mit ‚Götterfunke‘ genau das richtige Buch finden. Es vereint, wie bereits gesagt, Drama, Mythos und den alltäglichen Teenagerwahnsinn, gewürzt mit dem Bild der Götter. Dabei bleibt es in jedem Satz spannend, mit jedem geschriebenen Wort entfaltet sich der Schauplatz vor dem Leserauge und packt einen mit seinen runden, ausgefeilten Protagonisten, die - trotzdem sie teilweise Götter sind – echt und greifbar, real wie Du und ich wirken. Auch die wundervolle Andeutung einer sich anbahnenden Liebesgeschichte ist dabei gelungen und fügt sich nahtlos in das Geschehen ein. Ein Geschehen, bei dem ein Abenteuer das nächste jagt, ein Herzsprung auf den nächsten folgt, und nicht nur eine Freundschaft getestet wird. Alles immer in einem dem Genre angemessenen Tempo. ‚Götterfunke‘ konzentriert sich dabei nicht nur auf die zwei Protagonisten Cayden und Jess, sondern spinnt auch für die anderen Charaktere durchdachte Geschichten samt emotionaler Achterbahnfahrt und etlicher Herausforderungen, die alle zum perfekten Zeitpunkt zusammenlaufen. Dabei fiebert man mit jedem Einzelnen von ihnen mit. Es ist ein rundum gelungener Auftakt, der einen Band zwei herbeisehnen lässt, weil man unbedingt wissen muss, wie es weitergeht. Zumindest ging es mir so, aber ich bin sicher, auch ihr werdet großen Gefallen an dieser Geschichte finden.

Der Schreibstil ist dabei jugendlich, flüssig und dem Genre angemessen leicht zu lesen. Er packt, umschreibt mit malerischem Talent die einzelnen Geschehnisse, liefert Bilder, die ergreifen und sich einen in die Geschichte träumen lassen. Wie viele bereits wissen, bin ich ein großer Fan von Marah Woolfs Büchern, doch dieses hier ist ihr erstes Verlagsbuch. Und so war ich besonders gespannt, ob am Ende noch genug Marah drin sein wird. Die Erwartungen waren groß, und ich wurde nicht enttäuscht. Sie ist ihrem Stil treu geblieben - malerisch, jugendlich, niemals langweilig, und viele identitätsstiftende Charaktere hat sie auch noch reingeschrieben. Ein Aspekt der gerade im Bereich Jugendroman sehr wichtig ist. Mit Jess haben wir das verantwortungsbewusste und stets lernende, für Wahrheit eintretende Mädchen. Robyn hingegen ist die freiheitsliebende, unbändige beste Freundin, die einfach eine gute Zeit haben will und sich und ihr Äußeres dabei auch einzusetzen weiß. Cayden ist der Wolf im Schafspelz, wobei eher umgekehrt. Er wirkt zunächst unnahbar, gefährlich, wie ein Bad Boy. Doch mit der Zeit entpuppt sich sein wahres Ich und seine sensible Seite. Und es bleibt für den Leser herauszufinden, was das genau bedeutet. Zusammen erleben sie auf jeden Fall einen aufregenden Sommer. Übrigens gibt es noch ein kleines Highlight: Auch der Götterbote Hermes hat seinen Auftritt in der Geschichte. Dabei hat er stets einen lockeren Spruch auf den Lippen bzw. in der Feder. Für mich mein Liebling in diesem Buch. Er wirkt frisch, jung und so, als ließe er sich nur ungern etwas sagen. Da es nun mal ein Jugendbuch ist, sind daher Aspekte wie starke Spannung und große Liebe im dafür passenden Rahmen gehalten, sodass es sich gut zusammenfügt.

Kommen wir nun zur Aufmachung des Buches. Es ist ein Hardcover, ohne Schutzumschlag in sanften Rosa- und Lilatönen gehalten, die kleine, verspielte Verzierungen durch den Einband weben. Innen findet sich eine Karte des Camps, sodass der Leser jederzeit nachschlagen kann, wo was genau stattfindet. Am Ende findet sich auch ein Glossar, das die griechischen Mythen gemischt mit Marahs Kreativität und Gestaltungsspielraum perfekt erklärt, sodass man unbedarft in die Geschichte um Cayden und Jess starten kann. Der Schutzumschlag selbst ist vom Glanz, dem einzigartigen Farbenspiel und der angenehmen Haptik her ganz wundervoll gestaltet. Nur an das Mädchen darauf muss ich mich wohl noch etwas gewöhnen. Das wäre bei diesem tollen Gesamtpaket mein einzig wirklicher Minuspunkt. Aber das ist ja immer Geschmackssache und für das Genre ist es so sicher passend gewählt. Ich bin schon sehr gespannt, wie Band zwei aussehen wird.

Alles in allem kann ich sagen: Kauft und lest dieses Buch. Es ist eine wundervolle Mischung aus Liebe, Mythos und dem Erwachsenwerden. Außerdem vermittelt es die Botschaft, niemals aufzugeben und für das zu kämpfen, was das eigene Herz schlagen lässt.

Eure Jil Aimée

  (3)
Tags: dressler verlag, götterfunke, liebemichnicht, marah woolf, rezension   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(71)

120 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

katie agnew, perlen, familie, liebe, roman

Die Perlenfrauen

Katie Agnew , Jens Plassmann
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.02.2017
ISBN 9783453420298
Genre: Romane

Rezension:

In ‚Die Perlenfrauen‘ begeben wir uns mit Sophia auf die Suche nach der wertvollen Perlenkette ihrer schwer kranken Großmutter, die nicht mehr lange zu leben hat. Sophias Großmutter hat diese Perlen einst von ihrem geliebten Vater erhalten – sie bedeuten für sie alles, und ihr Wert geht weit über den finanziellen Aspekt hinaus. Es ist ihr letzter Wille, diese Kette noch einmal zu sehen, bevor die einst weltberühmte Schauspielerin die Welt für immer verlässt und eine leere Bühne zurückbleibt. Nur leider gelten die Perlen als verschollen, doch Sophia will ihrer Großmutter diesen letzten Wunsch unbedingt erfüllen, da sie sie über alles liebt, und begibt sich schließlich mit Hilfe ihres besten Freundes auf die zunächst aussichtlose Suche – die sie nicht nur an ihre eigenen Grenzen bringen, sondern auch dunkle Geheimnisse der Familie offenbaren wird.

Oma Tilly war immer für ihre Enkelin da, hat sie in Schutz genommen, wenn die Eltern sie wieder einmal bezichtigten, nur Unfug im Kopf zu haben, die Familie zu enttäuschen oder nichts als eine Erbschleicherin zu sein. Das Verhältnis zu den Eltern ist mehr als getrübt, kaum noch existent. Sophia fühlt sich verstoßen, von Mutter und Vater im Stich gelassen, nur in Oma Tillys Armen findet sie noch Halt. Doch dieser läuft die Zeit davon …

·         Kann sie die Perlen wirklich rechtzeitig finden?

·         Wo soll sie überhaupt zu suchen anfangen?

·         Was wissen ihre Eltern über den Verbleib der Kette?

·         Und zerstört die Suche nach diesem Erbe das Verhältnis zu diesen endgültig?

·         Warum ist es Oma Tilly so wichtig, die Perlen noch einmal zu halten?

·         Oder verfolgt sie dabei vielleicht einen ganz anderen Plan?

·         Und was haben japanische Perlentaucher und der New Yorker Dominic damit zu tun?

Begebt Euch selbst in das Abenteuer Familiengeheimnisse und erfahrt, dass viele Leben und Schicksale durch eine Kette miteinander verbunden sein können. Zwei fremde Leben, beide zerbrochen, kreuzen sich, werden durch eine Kette zusammengefügt und gewinnen so füreinander an Bedeutung. Erfahrung Heilung.

·         Doch finden sie auch das Glück?

„Manchmal erschien dieses Haus in der Victoria Park Road wie ein Ort, an dem Chancen zu Grabe getragen wurden.“

‚Die Perlenfrauen‘ war mein erster Roman von der Autorin. Er bewegt sich im Bereich Gegenwartsliteratur / Liebesroman. Gereizt an dem Buch haben mich zunächst das schöne Cover sowie der einschlägige und prägnante Klappentext. Das Cover wirkt edel und macht Lust auf Frühling, auch wenn sich die Geschichte selbst eher in Richtung Weihnachten bewegt. Aber der Frühling entsteht im Herzen, durch die Geschichte bekommen Mutter und Tochter eine neue Chance auf Glück. Von daher ist es passend gewählt. Es glänzt wie die vollkommenen Perlen des Colliers, welches in der Geschichte Thema wird, wirkt mit seinen pinken und gelben Blumen auf weißem Hintergrund recht fröhlich, auch wenn der Inhalt zunächst düster und schicksalsergeben daherkommt. Es zeigt eben den Wandel und was alles entstehen kann, wenn man es nur zulässt. Es ist ein bekanntes Thema, das aber innovativ und gut umgesetzt wurde. Die Geschichte ist in mehrere Teile untergliedert, die den Wandel innerhalb des Buches aufzeigen und die Verbindung der einzelnen Leben begründen. Jeder Teil hat dabei einen ganz eigenen Bezug zum Thema Tauchen, was Grundvoraussetzung für das Finden der Perlen gewesen ist. Teil eins stellt die einzelnen, in sich stimmig ausgearbeiteten Charaktere vor. Ihre Besonderheiten, ihr Leben bisher, ihre Vergangenheit und ihre Welt. Er offenbart die Liebe eines Einzelnen und drängt dazu, in das Geschehen einzutauchen, um es mit all seinen Facetten zu verstehen. Leider, wirklich leider ist es mir hier besonders schwer gefallen, in die Geschichte zu finden. Sie ist gut ausgearbeitet und auch der Schreibstil wirkt flüssig und stimmig, nur hat er mich dieses Mal einfach nicht gepackt, die Geschichte mich nicht überzeugt. Das hat mehrere Gründe wie zum Teil die manchmal für mich nicht ganz nachvollziehbaren Handlungen der Protagonisten oder auch die zum Ende hin übereilt wirkende Liebesgeschichte. Mir fehlte auch einfach der Sog, sodass ich mehrfach von Neuem begonnen habe. Daher folgt diese Rezension auch so spät. Aber ich musste warten, bis mich eine weitere Chance in die Geschichte gezogen hat. Das Gefühl ist da, nur hat es mich nicht in voller Breite erreicht. Dennoch ist es eine lesenswerte und schöne Geschichte. Vielleicht war es für mich nur einfach nicht die richtige Zeit dafür. In Teil zwei des Buches geht es tiefer in die Verstrickungen, man erahnt langsam, dass es Geheimnisse in aller Leben gibt, die richtungsweisend sein werden. Teil drei wiederum führt alles zusammen, löst es auf und dient als Neubeginn. Daher auch der Titel der Rezension: Verpasste Gelegenheiten = neue Chancen. Denn genau so ist es im Roman. Es zeigt, dass alles irgendwie miteinander verbunden ist auf dieser Welt – wie die Perlen einer Kette. Auch sie haben ihre Geschichte und sind Bindeglied zwischen unterschiedlichen Leben. Es gibt nicht immer nur die eine Seite einer Geschichte. Das Leben ist generationenübergreifend und es lohnt sich immer der Blick über den eigenen Tellerrand. Am Ende findet die Geschichte eine positive Auflösung, die mich mit dem Roman wieder etwas versöhnt hat. Der Weg dahin hätte besser getaktet sein müssen – zumindest für meinen Geschmack. Dennoch der Einstieg fiel mir diesmal sehr schwer. Für mich bleiben auch einfach zu viele wichtige Fragen offen:

·         Was passiert mit dem Sophias Vater?

·         Was geschieht mit der Perlenkette?

·         Lernt die Familie Tillys Bruder kennen?

·         …

 

Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt für mich, diese durchaus sprachlich und inhaltliche schöne und wertvolle Geschichte zu lesen. Ich bin überzeugt, zu einem späteren Zeitpunkt hätte sie mich mehr überzeugt, und daher werde ich sie mit etwas Abstand noch einmal lesen. Aber macht Euch doch selbst ein Bild, sie zu lesen und sich von den Geheimnissen der Familie Beaumont packen zu lassen, lohnt sich allemal.

 

„Ich wollte das ganze Märchen und würde mich nicht mit weniger abfinden.“

 

Eure Jil Aimée

  (2)
Tags: die perlenfrauen, heyne, katie agnew, rezension   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(207)

370 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 111 Rezensionen

liebe, kochen, taste of love, poppy j. anderson, maine

Taste of Love - Geheimzutat Liebe

Poppy J. Anderson
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.01.2017
ISBN 9783404174683
Genre: Liebesromane

Rezension:

Brooke Day - eine stolze und selbstbestimmte junge Frau - träumte einst davon, eine große Journalistin zu werden. Eine, die etwas in der Welt der Nachrichten bewegt und selbst über bewegende Dinge berichtet. Doch wie immer kommt alles anders, als man denkt. Heute ist die Journalistenkarriere meilenweit von ihr entfernt, während sie in einer Kleinstadt an der malerischen Küste Maines ihr Dasein als Mädchen für alles – Köchin, Buchhalterin, Kellnerin, Putzkraft und Seelsorge – fristet und während der Krankheit ihrer Mutter das der Familie gehörende Restaurant Crab Inn betreibt. Leider steht dieses kurz vor der Schließung, wenn Brooke nicht bald mehr Gäste für das Kleinod an der Küste begeistern kann. Und so schuftet sie und schuftet sie. Sie hat ein gutes Herz, doch wurde ihr ebendieses vor einem knappen Jahr gebrochen, als ihr Verlobter sie verließ und ihre Mutter schwer erkrankte. Brooke änderte mit einem Mal ihr gesamtes Leben, um für ihre Familie da zu sein, ihren Vater bei der Arbeit zu entlasten und ihre Mutter zu umsorgen. Doch Brookes eigenes Leben stellt sie dabei vorerst hintan, bis sie irgendwann merkt, dass sich ihre Wünsche und Träume geändert haben und alles gar nicht so düster und dunkel ist. Ja, bis sie auf den zunächst arroganten Drew aus der Großstadt trifft und sich um sie herum auf einmal alles verändert …

Doch ist Brooke bereit, ihr Leben erneut auf den Kopf zu stellen? Ist der Fremde ihr dabei eine Hilfe oder am Ende nur ein weiterer Stein auf ihrer Schulter, wo sie doch schon genug im Leben zu tragen hat? Und wird sie das Crab Inn wirklich retten können oder gemeinsam mit ihm untergehen?

Andrew (Drew) Knight ist Bostons aufgehender Stern am Kochhimmel. Er betreibt ein eigenes Restaurant der Extraklasse, leistet sich den Luxus, von dem andere nur träumen, und kann alles erreichen, was er sich vornimmt. Na ja, fast alles. Denn trotz seines Erfolgs, seiner unbändigen Kreativität und seines ungebrochenen Ehrgeizes – immerhin arbeitet er Tag und Nacht an seinen meisterhaften Kreationen – hat er eines bislang nicht bekommen: Den Respekt sowie die Unterstützung seiner Eltern. Diese sahen ihn immer als Juristen, der in die ehrwürdigen Fußstapfen der erfolgreichen Familie Knight tritt. Nicht mit Kochschürze vorm Herd und Löffel in der Hand. Sie sind enttäuscht von ihm und lassen es ihn immerzu spüren. Daher ist das Verhältnis der Familie Knight eher wie eine erkaltete Suppe, die noch dazu mit jedem Löffel fader schmeckt. Andrew setzt dies mehr und mehr zu. Und als dann auch noch seine Tante – die einzig familiäre Unterstützung – auf die Idee kommt, aus seinem Restaurant eine Koch-Show zu machen und ihn ins Rampenlicht der Glitzerwelt zu bringen, die ihn mehr als Entertainer denn als wahrer Schöpfer gaumenschmeichelnder Kostbarkeiten sieht, platzt ihm der Kragen. Andrew bricht aus. Aus seinem alten Leben, seiner Küche, aus Boston. Er ist ermattet von all dem Druck, der von allen Seiten auf ihn einbricht. Von all den unerfüllten Erwartungen seiner Familie, den verqueren Träumen seiner Tante und zudem wollen ihm einfach keine Gerichte mehr einfallen, die sein eigenes Herz begeistern und zum Kochen bringen. Er braucht Abstand und entscheidet sich kurzerhand, für ein paar Tage ans Meer zu fahren. Dort kommt es allerdings prompt zu einer unschönen Begegnung, die seine Pläne um Entspannung und Seelenfrieden komplett über Bord wirft und ihn für einige Zeit an die hitzige und störrische Brooke bindet. Sie treibt ihn nicht nur in den Wahnsinn, sondern lässt ihn auch durch eine Achterbahnfahrt der Gefühle rauschen. Denn er will ihr und ihrem Restaurant helfen, startet aber mit einer Lüge in die Bekanntschaft, die über kurz oder lang alles zu zerbrechen droht, was sich so sachte zwischen ihnen zu entwickeln scheint …

Was haben das Crab Inn und Brooke so Besonderes an sich, dass Drew sich ihnen nicht entziehen kann? Wird er seine Erholung finden, neue Kraft schöpfen und gestärkt nach Boston zurückkehren können? Oder zerbricht er am Ende an einer Illusion und seiner eigenen Lüge? Und was hat diese vermaledeite Fernsehshow damit zu tun?

Lest es und lasst Euch überraschen von einem Liebesromanreihen-Auftakt der anderen, leckeren Art. Es ist wie eine Geschmacksexplosion, die einen schlagartig mitreißt und im Anschluss langsam auf der Zunge zergeht, sodass man jede Faser und Facette in ihrer Einzigartigkeit erschmecken kann.

Die Autorin wagt sich erzählerisch in neue Fahrwasser bzw. serviert sie uns eine ganz neue Kreation ihrer Schreibkunst, bleibt dabei aber ihrem bekannten Setting in den USA treu, und erobert somit sicher nicht nur mein Leserherz. Jede einzelne Seite, jedes Kapitel wirkt liebevoll kreiert und fügt sich in ein harmonisches Ganzes, das nichts anderes ist als purer Lesegenuss. Die Sprache hält sie dabei bewusst leicht und locker-flockig, (an manchen Stellen vielleicht etwas langatmig, was der Erzählung aber keinen Abbruch tut), sodass sich die Geschichte um Brooke und Drew – die einander wie Tag und Nacht sind, und doch nicht ohne den jeweils anderen können – in einem Rutsch lesen lässt. Es findet sich jede Zutat darin, die einen Liebesroman ausmacht:

Ein wundervolles und vor allem überzeugendes Setting. Ich spüre noch jetzt die Meereslust auf meiner Haut und die Wärme der Sonne im Herzen. Einfach gut recherchiert, fundiert und malerisch umgesetzt. Einen pfiffigen Erzählstil, der sich leicht lesen lässt und mit der nötigen Prise Humor und einer Messerspitze an Drama für eine ausgewogene Balance im Leben der Charaktere sorgt. Zwei wundervoll ausgestaltete Charaktere, die zunächst wie unüberwindbare Gegensätze scheinen, bis sie erkennen, dass sie aus dem gleichen Holz geschnitzt sind, was sie in ihrem Zusammenspiel wie Feuer brennen lässt. In jedem Satz steckt Liebe und Leidenschaft zum Beruf, zu den Charakteren, ihren Wünschen, ihren Träumen, ihren Herausforderungen. Ihrem Leben. Garniert wird das Ganze mit einem wundervollen Cover, das für mich in einer ‚ magical deliciousness‘ daherkommt, sodass ich es einfach nicht anders in Worte fassen kann. Es stimmt dabei einfach alles. Der Schwung der Schrift, die Komposition der dunklen Farbe mit dem feurigen Rot von Pfeffer. Die Liebe zum Detail ist auch hier in jeder Einzelheit zu spüren. Gewürze, Kräuter und vor allem Liebe. Passend zum Titel, der für diese Geschichte einfach treffend gewählt wurde.

Ja, alles in allem hat mich dieses Buch einfach durchgehend überzeugt. Ihr habt es schon gemerkt. Besonders angetan haben es mir neben meiner amerikanischen Traumstadt Boston und der Nähe zum Meer aber vor allem die feurigen Dialoge, der würzige Charme der real wirkenden Charaktere mit ihren ganz eigenen Ecken und Kanten sowie die süße und zugleich spritzige Entwicklung der Geschichte. Das Ende liefert dabei für mich ein wirklich gelungenes Lese-Dessert. Nun aber genug der kulinarischen Anspielungen :D.

»Hast du dein Gesicht gesehen? Du glühst wie ein betrunkener Weihnachtsmann!« (~Seite 255)

Poppy J. Anderson hat hier einfach etwas Besonderes geschaffen, und ich habe wirklich nichts daran auszusetzen. Es war ein Buch zum Mitreißen und gleichzeitigem Genießen. Ein Buch der Vielfalt und der Liebe – zum Essen, zum Leben, zum eigenen Ich und den Träumen. Ein neuer Poppy J. Anderson, eine neue Erzähl-Ära für die Autorin, die die Leser ebenso wie mich in fantastische Genusswelten mitten in unserem realen Leben entführt und nicht nur mit den Augen und dem Gaumen, sondern vor allem mit dem Herzen erfreuen und schmecken lässt. Ich freue mich einfach auf die Fortsetzung voll weiterem Humor, Prickeln und genießerischer Eloquenz und Leichtigkeit.

PS: Solltet Ihr noch überlegen, ob Ihr Euch E-Book oder Paperback zulegt – natürlich ist beides ein Genuss‑, so empfehle ich Euch das Paperback. Es ist einfach wunderschön gestaltet, hat eine tolle Haptik, und viele kleine Besonderheiten wie Rezepte zum Entdecken und Ausprobieren. Quasi ein Rundumpaket.

 

Eure Jil Aimée

  (2)
Tags: bastei lübbe, geheimzutat liebe, poppy j.anderson, rezension, taste of love   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(97)

183 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 62 Rezensionen

schottland, liebe, claudia winter, hochzeit, glückssterne

Glückssterne

Claudia Winter
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 12.12.2016
ISBN 9783442485437
Genre: Liebesromane

Rezension:

ACHTUNG: Dies ist eine Vorab-Rezension, das Buch ist ab dem 12.12 im Handel erhältlich.

An dieser Stelle einen lieben Dank an das Team von Goldmann für das Vorab-Leseexemplar -, was meine Meinung natürlich nicht beeinflusst hat. 

In ‚Glückssterne‘ treffen wir auf Josefine – eine junge Anwältin, die einen festen Plan für ihr Leben ausgearbeitet hat, an dem sie wiederum akribisch festhalten will. Komme, was da wolle. Erfolg im Beruf, ein geregeltes und mehr als stattliches Einkommen. Die entsprechende Wohnung, in der sie schöne und intellektuell bereichernde Stunden mit ihrem Zukünftigen – Justus, ebenfalls erfolgreicher Anwalt und Schnösel [Hallo: er hat sie per Post-it gefragt, ob sie ihn heiraten will?]– verbringt. Natürlich ist die gemeinsame Zukunft samt Kinder und deren Namen schon genauestens ausgetüftelt und die Hochzeit steht in zwei Wochen an. Es läuft eben alles wie geplant und Josie könnte eigentlich nicht glücklicher sein. Doch genau da ist es. Dieses Wörtchen ‚eigentlich‘. Denn eigentlich stellt sie mit jedem Tag, der vergeht, mehr fest, dass sie und Justus vielleicht doch nicht so gut zusammenpassen -, auch wenn sie sich das zunächst nicht eingestehen will. Er folgt stets den strikten Anweisungen der Kanzlei und ist wenig empathisch. Selbst wenn es nur um die Regel geht, den Rollo immer oben zu lassen. Josie, so sehr sie sich auch um eine unterkühlte und distanzierte Fassade bemüht, ist aber genau das Gegenteil. Sie ist empathisch und schließt den Rollo gern, um ihren Mandaten mehr Schutz zu geben. Eigentlich stört es sie auch, dass Justus immer so geschäftsmäßig und auch in privaten Dingen kurz angebunden ist. Er meldet sich kaum, wenn er unterwegs ist und die magischen drei Worte hat er in fast einem Jahrzehnt gefühlt erst zweimal gesagt. Und seinen Spitznamen für sie findet sie auch nicht wirklich schön. Und eigentlich kann ihre Familie den netten Herrn Anwalt nicht ausstehen. Sie wüsste das, würde sie nur wirklich zuhören oder zumindest ihre Augen öffnen, doch das könnte ja den schönen Plan von der Zukunft zerstören. Und dieser gibt ihr genau die Sicherheit, die sie in ihrem Leben immer brauchte: den Schutz und Erfolg des Vorhersehbaren. Ja, Josie hält genau daran fest und will ihren Justus heiraten. Sie sind über die Jahre einfach ein perfekt eingespieltes Team geworden und inzwischen scheint sich auch ihre Familie damit arrangiert zu haben, so helfen sie ihr doch zumindest bei den Hochzeitsvorbereitungen. Zu Josies Glück fehlt nur noch eines: der legendenumwobene Brautring der Familie. Denn nur wer diesen bei seiner Trauung trägt, wird eine lange und glückliche Ehe führen. All jenen, die sich weigerten, den Ring am entscheidenden Tag zu tragen, ist Schreckliches widerfahren. Natürlich ist Josie nicht abergläubisch, doch ihre strenge Großmutter und auch der Rest der Familie ist es, drum wird sie diesen Ring des Familienfriedens willen tragen. Wäre da nicht nur diese winzige Kleinigkeit: Er ist verschwunden, zusammen mit ihrer Cousine Charlie. Und zwar in die Highlands von Schottland und das so knapp vor der Hochzeit. Es bleibt ihr folglich nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach ebendiesem Ring zu begeben. Doch was sie schließlich in Schottland findet, wird sie mehr als einmal überraschen …

»Mit dem Whisky ist es wie mit diesem Land. Man muss ihn nicht mögen, damit der Funke überspringt. Aber wenn man erst einmal dafür brennt, ist man verloren.«

Denn dort angekommen, macht sie nicht nur die Bekanntschaft des vermeintlichen Frauenhelden Aidan, der sie infolge aus ihrem hart errichten Panzer zu reißen und ihre Zukunft ins Wanken zu bringen droht, sondern trifft auch auf ihre zwei schrulligen Tanten, die ihre ganz eigenen Beweggründe zu haben scheinen, Schottland unsicher zu machen. Es kommt zu einer Verkettung unerwarteter Überraschungen und aberwitziger Zufälle, die das Vierergespann letztlich auf der Suche nach dem verschwundenen Ring zusammenführen und uns auf eine wunderschöne Tour durch Schottland mitnehmen. Eine Tour voller Leckereien, Gastfreundschaft, landschaftlicher Sensationen und Familiendrama – gewürzt mit einem Hauch von Anziehungskraft und Abenteuer. Und am Ende der Reise muss Josie erkennen, dass sie zwar den Ring suchte, aber sich selbst wiederfand …

·         Wird es Josie gelingen, den legendenumwobenen Brautring zurückzuerlangen und gemeinsam mit ihrer Cousine nach Deutschland zurückzukehren?

·         Ist die Legende um den Ring dabei Fluch oder Segen für die junge Verlobte?

·         Welches Geheimnis und welche Überraschung hat die kühle Großmutter noch in petto?

·         Für wen wird sich Josie am Ende entscheiden: Verstand oder Herz?

·         Oder geht sie vielleicht ganz andere Wege und startet alleine durch?

Lest selbst und findet es heraus. Es lohnt sich, diese romantische Komödie mit ihren liebevoll ausgestalteten und wunderbar durchdachten Charakteren in Euer Leserherz zu lassen. Es sind Menschen wie Du und Ich – voller Ecken und Kanten, eigener Sehnsüchte und Ängste und jeder mit einem Koffer voll Gepäck. Doch manchmal trägt sich Gepäck eben leichter, wenn man Hilfe hat. Und genau das verkörpert dieses Buch für mich so sehr: Hilfsbereitschaft bei der wichtigsten Suche, der Suche nach der eigenen Zukunft. Dabei verpackt die Autorin gekonnt in Charme und Witz gekleidete Eigenheiten der Protagonisten und entführt uns in den Zauber Schottlands. Es wirkt echt, greifbar und rund. Man fühlt mit Josie mit, entwickelt sich, ist verzweifelt, traurig und auch verliebt. Alles auf einmal. Und am Ende der Geschichte ist man glücklich, weil dieses Buch einfach bereichernd ist.

Claudia Winter schreibt elegant und packend, gefühlvoll und eine gute Zeit versprechend, die man mit diesem Roman in jedem Fall hat. Mit authentischen und doch malerischen Beschreibungen der Szenerie zieht sie uns fast auf magischem Weg in die Geschichte, lässt uns von den schottischen Highlands träumen und mit Josie zusammen eine Liebe zu diesem Land entwickeln, die man zunächst vielleicht gar nicht auf dem Schirm hatte. Man ist mit dem ersten Satz direkt in der Geschichte und fiebert mit. Mit den schrulligen Tanten, die dem Roman den perfekten Rahmen geben, und ihrem Leben, aber vor allem mit Josie und der Wahl zwischen zwei Männern die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine durchgeplant, nüchtern und pragmatisch. Der andere gefühlvoll, ehrlich und voller Überraschung steckend. Mein Liebling ist hier ganz klar Aidan, denn er lehrt einen, in sich hineinzufühlen, hinzuhören und das Leben in seiner ganzen Bandbreite zu schmecken, das Unbekannte zu suchen, das Abenteuer zu wagen. Er lehrt einen zu brennen, ohne dabei zu verbrennen. Justus hingegen – er hat sicher auch seine guten Seiten – setzt in seiner Spießbürgerlichkeit einfach auf Josies Seele nur Staub an, der ihr die Luft zum Atmen nimmt. Dabei sind es doch gerade die Stolpersteinchen, die kleinen Unvorhersehbarkeiten und manchmal auch die Dornen einer Distel, die das Leben erst Leben werden lassen und einen aus dem technischen Uhrwerk reißen, das bisher zwar immer stumm und kühl nach Plan verlief, aber eben ohne Farben, Wärme und Leben war.

Also: Wer einfach mal vom gewohnten Weg ausbrechen und sich in das Unbekannte und den Genuss wagen möchte, kommt mit dieser romantischen Komödie voll auf seine Kosten und wird noch mit einem Sahnehäubchen an leckeren, authentischen Rezepten zum Ausprobieren belohnt. Rezepte, die einen beim Nachkochen und -backen direkt wieder in die Geschichte ziehen und einem nicht nur den Magen, sondern auch das Herz erwärmen. Sie sind einzigartig und schön, wie es auch das Cover dieses Romans mit seinen Herzwaffeln, dem leichten Zuckerstaub und der süßen Marmelade ist. Es lädt einfach zum Genießen dieser gelungenen Geschichte ein. Dazu gesellt sich ein für den Roman wirklich absolut passender Titel, der für jeden von uns – jeden Leser – sicher etwas anderes bedeutet. Und so soll es auch sein, denn kein Glück ist gleich. Meine erste Assoziation: Schaue in den Himmel und finde Deinen eigenen Glücksstern, denn ein wenig Glück brauchen wir doch alle. Und manchmal kommt es eben im Kilt und mit Schokotorte daher. Manchmal aber auch mit Aktenkoffer und Anzug. Nur schau genau hin, denn der erste Blick kann oft täuschen …

Wie man den Genuss von Aidans Kreationen beim Lesen erahnen kann, so schmeckt man in jedem Wort die Farben und den einzigartigen Charakter Schottlands. Man spürt die Süße einer jungen Liebe und den Zauber alter Legenden – sei es die um eine Familie oder gar um ein Land. All dies macht ‚Glückssterne‘ zu einem wahren Lesejuwel, das weit schöner funkelt, als es ein Brautring je könnte. Claudia Winters neuer Roman ist ein Buch, das man möglichst langsam lesen möchte – bei einem leckeren Tee und ein paar Scones, vielleicht auch bei einem Single Malt -, um die Geschichte um Josefine, Justus und Aidan sowie die zauberhafte schottische Kulisse nicht so schnell wieder loslassen zu müssen. Im Herzen wird man sie ohnehin lange tragen, denn es ist eines dieser seltenen Bücher, das komplett berührt: Verstand, Herz und Seele. Es ist einfach eine wirklich schöne Liebesgeschichte voll emotionalem Reichtum sowie spannungsgeladenem Drama und mit einem hochkarätigen Erzählstil. Meine absolute Leseempfehlung an Euch: Holt Euch ein Stück schottischen Frühling in diese trübe Jahreszeit und lasst Euch mitnehmen auf eine Reise zu Euch selbst. ‚Glückssterne‘ ist ein typischer Claudia Winter: eine Geschichte über die Liebe, das Schicksal und verpasste Chancen. Eine Geschichte über unverhoffte, glückliche Fügungen und ganz viel Mut. Und ich kann hier nur meine eigenen Worte zu einem vorherigen Buch der Autorin zitieren: Eine Geschichte garniert mit dem besten Geschmack der Welt: dem Leben.

 

Eure Jil Aimée

  (4)
Tags: claudia winter, glückssterne, goldmann, lieblingsbuch, rezension, vorablesen   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(98)

184 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

weihnachten, liebe, puffin island, sarah morgan, familie

Für immer und einen Weihnachtsmorgen

Sarah Morgan , Judith Heisig
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.10.2016
ISBN 9783956496028
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(465)

1.416 Bibliotheken, 21 Leser, 2 Gruppen, 197 Rezensionen

mondprinzessin, mond, ava reed, liebe, fantasy

Mondprinzessin

Ava Reed
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 01.10.2016
ISBN 9783959913164
Genre: Fantasy

Rezension:

In Ava Reeds ‚Mondprinzessin‘ begeben wir uns gemeinsam mit Lynn auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Dem Sinn ihres Lebens. Lynn ist eine Waise, die keinerlei Erinnerungen an ihre Eltern hegt, im Heim immer schikaniert und gemobbt wird und ihre Flucht aus dem harten und vor allem kalten sowie zermürbenden Alltag in einem Studio für Kampfsportarten findet. Dort hat sie in ihrem Trainer auch ihren einzigen Freund – zumindest in einer Art. Er gibt ihr Raum zum Kämpfen, zum Wehren, zum Starksein, damit sie sich zurück im Heim nicht unterkriegen lässt.

·         Doch kann er ihr auch wirkliches Leben geben?

·         Freude am Sein?

Lynn ist eine Kämpferin, die sich doch nichts sehnlicher wünscht, als irgendwo dazuzugehören. Doch im Heim hält sie es nicht viel länger aus. Zu sehr schmerzt die Erkenntnis, allein zu sein. Zu sehr lastet der Druck auf ihr, irgendwie anders als die anderen zu sein. Und so sehr sie sich auch zurückzieht und im Stillen, im Durchhalten kämpft, so sehr fühlt sie sich doch auch verloren.

„Wenn uns das Leben noch überraschen kann, das Leben und alles um uns herum, dann sind wir noch nicht verloren.“

Bis sie eines Tages zu leuchten beginnt - im wahrsten Sinne des Wortes - und sich ihr Leben mit einem Schlag ändert. Doch diese Änderung bringt nicht nur Freiheit und sie vom Waisenhaus fort, sondern führt sie auch in eine neue Welt, die viele Gefahren und so manches Mal auch den Schmerz der Wahrheit birgt …

·         Ist es wirklich besser, die Wahrheit zu kennen, auch wenn sie unendlich wehtut?

·         Wohnt jedem Anfang tatsächlich ein Zauber inne oder ist es nur eine Illusion, die schließlich zu Staub zerfällt?

·         Ist das Neue nicht immer fremd, bis man es sich bekannt gemacht hat und es somit an Bedrohlichkeit verliert?

·         Und findet man manchmal nicht Freunde in den überraschendsten Momenten und in den ungeahntesten Formen?

Juri ist ein Mondkrieger, der im Dienste des Königs steht. Genau vor siebzehn Jahren kam es auf schreckliche Art und Weise zum Verlust der Kronprinzessin und der Mond wurde in eine lange Phase tiefster Trauer gestürzt.

„Vor allem, weil mit jedem Tag ihrer Abwesenheit des Königs Trauer wächst.“

Bis eines Tages ein Leuchten – so stark wie die Sterne selbst – erscheint, und Juri sich entschließt, die verlorene Prinzessin zu finden. Dabei trifft er unweigerlich auf die toughe und so gar nicht prinzessinnenhafte Lynn, die sein Leben aus der für ihn gewohnten Umlaufbahn wirft und ihn vieles – auch alte Freundschaften – hinterfragen lässt.

·         Wird Juri nicht nur die Prinzessin finden und dem Mond sein Glück wiederbringen können, sondern auch sein eigenes erkennen?

·         Welche Gefahren erwarten ihn auf seiner Reise und was geschieht mit der Prinzessin und ihrem Schicksal, sollte sie heimkehren?

·         Ist sie dann wirklich frei oder findet sie sich nur in einer anderen Art von Gefängnis wieder?

Lest selbst und lasst Euch überraschen von diesem magischen Ausflug auf unseren leuchtenden Nachbarn. Lasst Euch entführen in ein Leseabenteuer der anderen Art, das Euch nicht nur träumen, sondern auch wahrlich wünschen und leben lässt.

Mit ‚Mondprinzessin‘ ist der lieben Ava Reed ein kleines Juwel – ein Mondstein – unter den Büchern unserer Zeit gelungen. Nicht nur die Geschichte an sich ist atemberaubend fantastisch und dennoch greifbar und nah wirkend, sondern auch das Cover lässt das Buch in einem unvergleichlichen Glanz erstrahlen. Dem Cover-Designer ist da ein kleines Meisterwerk für sich gelungen, das seinesgleichen sucht. Ich gestehe, ich bin ein Covernerd und in dieses verliebt, sodass ich es mir unbedingt auch als TB holen muss. Das Cover mutet in einem dunkelblauen schimmernden Himmel an, der samtig und zugleich glitzernd wie die Sterne wirkt, was dem Gewand des Buches schon etwas Mystisches verleiht. In der Mitte findet sich der Mond, auf dem die Protagonistin und ihr Seelenbegleiter – dazu komme ich gleich noch! – erstrahlen und in die Ferne blicken. Es ist tröstend und neugierig machend in einem. Einfach faszinierend und für mich in seiner Schlichtheit und Eleganz absolute Oberklasse.

Die Charaktere im Buch wirken echt – wie du und ich – und doch so besonders. Einem jeden davon sind seine eigenen Stärken und Schwächen gegeben. Jeder hat sein eigenes Päckchen, sein eigenes Drama zu tragen und zu bewältigen und doch sind sie in ihrer Gesamtheit absolut liebevoll gestaltet und verlieren sich nicht in ihren eigenen Problemen, sondern kämpfen zusammen. So auch die beiden Protas Lynn und Juri – die ihr unbedingt selbst kennenlernen müsst. Während Lynn sagt, was sie fühlt und denkt und sich mutig einer außergewöhnlichen neuen Situation mit all ihren Pflichten und Verantwortungen samt Gefühlschaos stellt, obwohl sie sich im Heim noch in der Einsamkeit und in dem Anderssein versteckt hat, ist Juri ein vielschichtiger, doch stiller Held. Retter und Geretteter zugleich. Ihn verbindet dabei mehr mit Lynn als man zunächst denken mag, doch er öffnet sich nur langsam. Er versucht Lynn zu stärken, für das, was auf sie zukommt. Mal auf spielerische, neckende und mal auf pflichtbewusste, fordernde Art. Dabei sucht er auch selbst nach einem Stück Heilung für etwas, das in ihm kaputtgegangen schien. Lynn selbst wiederum muss sich erst noch finden – nicht nur in der neuen Situation -, sondern ganz allgemein ihre Wurzeln und ihr eigenes Ich. Doch zusammen gehen die beiden das an, unterstützen sich, stützen sich. Dabei geraten sie natürlich auch mal aneinander und es entsteht ein atemberaubendes Feuerwerk aus royalem Sarkasmus, erfrischender Ehrlichkeit und hervorragend pointiertem Humor. Dass wir die beiden Protas dabei so gut kennen- und ihre ganz eigenen Motive und Emotionen verstehen lernen, hat Ava Reed durch einen glaubhaften und gut durchdachten Perspektivenwechsel in der Erzählstimme erzeugt. Man hat sich den beiden beim Lesen einfach so unglaublich nahe gefühlt, also wäre man dabei und würde nicht nur über ihre Geschichte/n lesen.

Besonders gefallen hat mir, dass einigen Charakteren in diesem Buch sogenannte Begleiter zur Seite gestellt wurden, die ein Teil ihres jeweiligen – nennen wir es – Schützlings sind. Dadurch entsteht eine hohe Emotionalität zwischen den einzelnen begleitenden Wesen und Charakteren, aber auch ein schönes neues Detail, dass es für den Leser zu entschlüsseln gilt. So hat auch Lynn eine Begleiterin, die ihr in Form eines Waschbären namens Tia zur Seite steht und eine gute Freundin wird. Als teilten sie sich eine Seele, ein Herz. Eine wunderbare Idee.

Unterstützt wird dies durch einen angemessenen und vor allem angenehmen Schreibstil, der durch seine Leichtigkeit überzeugt und einen die Seiten nur so dahinlesen lässt wie Sternenstaub, der durch den Himmel schwebt. Er ist an genau den richtigen Ecken und Knackpunkten der Geschichte würzig und untermalt die fantastische Geschichte mit atemberaubenden Vergleichen, gekonnten Anspielungen und gibt ihr ein Farbspektrum der besonderen Art, das vor dem Leserauge in einzigartig magischen und zugleich greifbar wirkenden Bildern explodiert. Man kann sich also alles direkt vorstellen, es quasi miterleben und dabei in die Magie des Mondes und die Schönheit der Erde eintauchen. Zur Idee der Geschichte selbst und zum Rest werde ich an dieser Stelle nichts weiter verraten, lasst Euch einfach überraschen und entdeckt die Besonderheiten dieses Märchens selbst. Es lohnt sich.

‚Mondprinzessin‘ ist eine wundervolle Geschichte samt Gänsehautfeeling, die einen nicht nur lehrt, nach den Sternen zu greifen und dabei immer seinem Herzen zu vertrauen, sondern die einem auch zeigt, wie wichtig es ist, man selbst zu sein und zu bleiben. Die Worte der Autorin sind dabei stets stilvoll und zaubern eine magische, atemberaubend atmosphärische Kulisse, die dennoch greifbar und real wirkt. Ich bin schlichtweg begeistert. Die Idee und Ausarbeitung der Geschichte ist absolut gelungen, mehr als das. Sie begeistert mit jedem Wort, mit jedem Satz und vermittelt in jedem Charakter das Besondere, das das Lesen zu einem wahren Genuss macht. Sie ist das Träumen in der heutigen Zeit, das Zurücken zueinander, das Wagen, man selbst zu sein. Einfach eine Geschichte zum Wohlfühlen - durch und durch - einfach magisch, und sie kommt genau zur richtigen Zeit. Das Buch ist ein Juwel. Nein, ein Mondstein, ein Kristall, mein Lesehighlight des Herbstes.

„Der erste Eindruck ist trügerisch. So wahr er sein kann, so sehr kann er dich in die Irre führen. Also vertraue auf den zweiten Eindruck.“

Ein wunderbares Zitat aus der Geschichte, doch für das Buch selbst gilt es nicht. Denn mein erster Eindruck war schon WOW und der zweite ist es auch :D.

Viel Spaß damit,

Eure Jil Aimée

PS: Ich habe mir so viele Lieblingsstellen angestrichen wie selten zuvor. Ein Buch der Zitate, die mich noch lange begleiten und erfreuen werden.

  (19)
Tags: ava reed, drachenmond verlag, highlight, mondprinzessin, rezension   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(36)

57 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

tod, jugendbuch, familie, liebe, hamburg

Für dich soll's tausend Tode regnen

Anna Pfeffer
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 12.09.2016
ISBN 9783641156978
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In dem Verlagsdebüt von Anna Pfeffer – einem zauberhaften Autorinnenduo – erleben wir mit Emi den ganz normalen Schulwahnsinn und noch vieles mehr. Besonders, wie es ist, wenn man die Neue ist. Eine fremde Stadt, eine neue Schule, ein neues Leben. Und das nur, weil der Vater sich wieder verliebt hat und seine Kinder aus ihrem Umfeld reißt, sie wie Gepäck in die neue Heimat mitnimmt. Doch das ist nicht genug, er ist auch noch Therapeut und analysiert sie nur allzu gern. Es ist schwer, irgendwo reinzupassen, wo man gar nicht dazugehören will. Es ist schwer, sich von seinen wenigen Freunden und der Gewohnheit zu verabschieden, um irgendwo, wo man gar nicht sein will, neu anzufangen. Umso schwerer ist es auch, sich genau dort dann zu Hause zu fühlen. Vor allem dann, wenn der nervtötende Bruder mit der veränderten Situation keine Probleme zu haben scheint. Noch schwerer ist es sogar, wenn man wie Emi weniger den gesellschaftlichen Konventionen entspricht und – für die Meinung vieler – zu sehr von der Masse und deren Eigenschaften und Vorlieben abschweift. Emi ist anders. Sie steht nicht so sehr auf das übliche Tamtam eines Teenagers. Sie ist lieber für sich, liest viel, sammelt absonderliche Todesursachen oder zumindest Berichte darüber - in ihrem Schwarzen Buch. (Ich habe übrigens als Teenie die Zitate aus Todesanzeigen gesammelt, macht mich jetzt sicher auch etwas kurios, vielleicht konnte ich mich daher so gut mit Emi identifizieren.)

Kein Wunder, dass sie mit der Wahl ihres Vaters, was Schule und neue Heimat betrifft, so gar nichts anfangen kann. Mit der der neuen Freundin schon zehnmal nicht. Und dann trifft sie in der Schule auch noch auf Erik – den Mädchenschwarm und mysteriösen Stufendraufgänger. Als sie sich das erste Mal begegnen, kracht es zwischen den beiden auf verbalen Wege gewaltig. Kurz darauf bei einer erzwungenen Zusammenarbeit auch tatsächlich. Und dieses Krachen zieht eine Strafe nach sich, die beide für eine Weile aneinanderbindet. Es sei denn, sie schaffen es, den jeweils anderen durch das Verlieren von selbst auserwählten Challenges zum Aufgeben – beziehungsweise zum Übernehmen des Strafdienstes – zu bringen …

·         Wird es Emi gelingen, wirklich in ihrer neuen Heimat anzukommen und nicht immer nur die Außenseiterin – der Freak – zu sein?

·         Will sie das überhaupt?

·         Was passiert zwischen Erik und ihr, dass sie mehr Zeit als gewollt miteinander verbringen müssen?

·         Und führt diese Zeit sie vielleicht näher zusammen oder doch zu Tausend Toden?

·         Wer ist Erik überhaupt?

·         Und warum sammelt Emi Todesursachen und verpasst ihren Mitmenschen dabei selbst unzählige?

Begebt Euch zusammen mit Emi auf eine Entschlüsselungsjagd dieser Fragen und lasst Euch begeistern. Ich kann Euch versprechen – wenn Ihr jugendlich seid oder auf Jugendbücher steht -, dass genau das eintreten wird: Begeisterung. Dieses Buch muss unbedingt gelesen werden. Verpasst es nicht. Es gehört in jedes Teenie-Regal – egal, ob Ihr mit der Welt generell auf Kriegsfuß steht oder es für Euch nicht bunter und glitzernder sein könnte. Und in mein Regal gehört es auch.

Angefangen beim Cover ist dieses Buch schon ein kleines Meisterwerk für sich samt Hinguckerfunktion. Es ist schwarz, düster und mit seinen erfrischenden Symbolen – die Emi während einer Chemiestunde gezeichnet haben könnte – so absolut passend zur Prota. Der Titel ist klasse, da gibt es nicht viel zu sagen. Lasst Euch überraschen, denn er ist Programm. Emi lässt die Tode über ihre Mitmenschen regnen, wie das Itgirl der Stufe sich Glitzer ins Gesicht. Und diese Tode sind ein Wettrennen der Skurrilitäten und geben dem Buch das Besondere. Auf dem Cover selbst ist der Titel geprägt sowie einige wenige ausgewählte Symbole auch. Und es fühlt sich einfach unglaublich toll an. Im Roman selbst sind die Seiten schwarz gerahmt und erinnern so ein Stück weit an Emis Buch des Todes. Es ist hier einfach das Gesamtpaket, das überzeugt – in all seinen wundervollen Einzelheiten. Und die wichtigste ist natürlich der Inhalt.

Anna Pfeffer haben mich überrascht. Überrascht mit einem jugendlichen, frischen Schreibstil, der einen die Seiten nur so im Fluge lesen lässt. Sie lassen einen die Geschichte aus Emis Sicht entdecken, was es greifbar macht und dem Leser eine hohe Identifikationsmöglichkeit bietet. Sie zeichnen eine wahrheitsgetreue Kulisse um das Leben eines unzufriedenen Teenagers, der sich selbst das Lachen versagt. Und doch schleicht sich genau dieses Lachen immer wieder in Emis Leben, hauptsächlich wegen Erik. Aber das müsst ihr selbst entdecken. Emi ist ein bemüht düsterer Mensch, der bloß keine gute Laune zulassen will und sie sich daher fast selbst verbietet. Emi - Emilia steht dabei einerseits für Nachahmerin, aber auch für die Ehrgeizige und Letzteres ist sie durch und durch. In allem, was sie anpackt. Besonders bei den lustigen Challenges mit Erik, die herausfordernder und den Puls der Zeit treffender nicht sein könnten. Sie sind das Juwel des Buches. Und wenn ihr Euch das Cover genau angesehen habt – es gibt hier immer wieder etwas zu entdecken! -, dann könnt ihr dieses dort schon erkennen. Emis Ton innerhalb der Geschichte und auch der der wunderbar runden Nebencharaktere ist spitz, frisch, teilweise stur und von Ironie durchzogen. Eine Ironie die sich steigert und in einem Zynismus gipfelt, der mitreißt.

„Toni war eigentlich intelligent genug, das zu erkennen, aber in manchen Situationen zerstört das Verlangen sämtliche Intelligenz.“

Die Charaktere - allen voran Emi und Erik, die wie echte Klassenkameraden aus der eigenen Schulzeit wirken – stehen mit der Gesellschaft auf Kontroverse und Konfrontation (wie wir das doch alle in dem Alter gerne taten!). Sie müssen ihren Platz und sich selbst erst noch finden, lernen zu vertrauen, loszulassen, festzuhalten und zu wachsen. Vor allem aber lernen, dass es absolut okay ist, anders zu sein. Denn was ist schon anders? Es ist sogar Eure Pflicht. Seid anders, seid neugierig, hinterfragt, seid originell. Seid ihr!

All das findet sich in diesem Buch und so liefert diese Geschichte uns immer wieder etwas Neues, Überraschendes und bringt uns dabei unweigerlich zum Lachen. Sie ist humorvoll morbid, spitz, authentisch und ein Stück weit wie ein Wiedererkennen der eigenen Jugendzeit und des sich missverstanden Fühlens, des Trübsal-Blasens und eine Entdeckung neuer Welten. Und doch ist die Geschichte auch einfach anders, ungewöhnlich, aber genau das hat mich wiederum so sehr an diesem Buch gepackt. Emis Zynismus, die Dinge sowie die Welt und Menschen um sich zu betrachten, hat es mir angetan, das Düstere und gleichzeitig sprudelnd Pfiffige hat es mir angetan. Anna Pfeffer haben es mir einfach angetan.

‚Für dich soll’s Tausend Tode regnen‘ ist spritzig, jung und spitz – der ultimative Lesekick für den Herbst. Ein Buch, das dunkle Herbstabende mit erfrischendem Sarkasmus erhellt und inhaltlich wie auch optisch überzeugt. Ein absolut gelungenes Debut. Ich habe das Lesen sehr genossen.

 

Eure Jil Aimée

  (24)
Tags: anna pfeffer, cb, cbj-verlag, für dich solls tausend tode regnen, rezension, rose snow   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(83)

143 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 67 Rezensionen

liebe, wünsche, freundschaft, marie adams, glück

Das Café der guten Wünsche

Marie Adams
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.09.2016
ISBN 9783734102783
Genre: Liebesromane

Rezension:

‚Das Café der guten Wünsche‘ von Marie Adams führt uns in das Leben dreier bester Freundinnen, die zusammen ein Café der besonderen Art führen. Eine dieser Freundinnen ist Julia, die das Café Juliette einst von ihrer Oma geerbt hat – samt einem Buch voller positiver Lebensweisheiten und Sprüche. Genau diese ‚guten Wünsche‘ bilden den Kern, das Besondere des kleinen Cafés, denn Julia und ihre beiden Freundinnen Laura und Bernadette glauben fest an die Macht der Gedanken und die Kraft der guten Wünsche, um ein Leben zu verändern, es zu verbessern. Daher schicken sie im Stillen jedem Gast, der ihr herzliches Kleinod verlässt, einen positiven Gedanken hinterher. Woher genau sie ihr Wissen darüber nehmen, was ebendieser Gast so dringend braucht – Ruhe, Liebe, Vergebung, einen neuen Job, eine bestandene Klausur -, erspüren sie mit ihrem Herzen und vertrauen dabei auch ganz auf ihre Intuition. Auch notieren sie sich ihre eigenen Sehnsüchte und Träume auf Zetteln, die sie in eine kleine Dose stecken. Immer in dem unerschütterlichen Glauben, dass alles gut werden wird. Denn Gedanken können ein Eigenleben entwickeln, sich verselbständigen und so erfüllen – egal, ob gut oder schlecht.

„Ihre Gedanken waren die Baumeister ihres Glücks, […]“

Daher ist es für die drei Freundinnen immer das Beste, sich etwas Positives zu denken und an das Gute im Menschen zu glauben. Doch leider kommt es oft anders, als man zunächst denkt.

Sie wollten als Freundinnen für immer zusammenbleiben, das Café aus dem Herzen heraus führen und Wünsche wahr werden lassen. Leider hat das Leben andere Pläne und entreißt der Gruppe Bernadette – wenn auch nur für ein paar Monate, denn diese wird in Frankreich studieren. Auch Laura ist in letzter Zeit immer weniger im Café anwesend, eigene Probleme halten sie von ihrer Arbeit dort ab. Um eine Lösung für das Café zu finden und auch Julia nach Bernadettes Wegzug einen Untermieter zu beschaffen, treffen sich die Freundinnen noch einmal und notieren sich ihre dringendsten Wünsche. Für Julia bedeutet ihr sehnlichster Wunsch, dass sie endlich ihre vermeintlich große Liebe Jean – ein Franzose, den sie vor Jahren getroffen und sich direkt in ihn verliebt hat, aller Sprachbarrieren zum Trotz – wiedersehen und mit diesem bis ans Ende ihrer Tage glücklich werden wird. Auch hofft sie, dass sich alles zum Guten wenden wird, mit dem Café und ihrer Wohnung. Für Bernadette bedeutet es, dass sie nach Rückkehr ihres Auslandsaufenthaltes wieder im Café Juliette arbeiten kann, und sich nichts zum Schlechten verändert. Für Laura – die Pragmatische – bedeutet es, endlich ihren Weg zu finden. Sie möchte nicht, dass sich etwas verändert, sondern alles beim Alten bleibt und dennoch besser wird. Den Männern hat sie abgeschworen, zu oft wurde sie enttäuscht. Doch oftmals sind es gerade die unvorhergesehenen und daher beängstigen Veränderungen oder Begegnungen – solche, denen man nicht ausweichen kann -, die das Leben in positivere Bahnen lenken. Manche Veränderungen müssen einfach ertragen, willkommen geheißen, akzeptiert werden, damit sich Wünsche wirklich erfüllen können. Doch so mancher Wunsch verändert sich auch mit dem Lauf der Zeit und was einst so bedeutsam war, gerät vergessen oder wandelt sich.

Mit Bernadettes Auszug beginnen die Veränderungen im Café Juliette und seinen guten Seelen Einzug zu halten. Nicht nur, dass Julia einen neuen Mitbewohner – Robert, eher von der vernunftmäßigen Sorte – bekommt, der ihr mit der Zeit unter die Haut geht und Zweifel in Bezug auf Jean aufblühen lässt.

„Ich glaube, dass wir die Seele eines Menschen in Sekunden erfassen können, wenn dieser Mensch eine Bedeutung für unser Leben hat.“

Nein, auch das Café verändert sich. Es kommt zu neuen Miteigentümern im Haus, die dringende Sanierungen erwünschen, was ihren Cafebetrieb für eine Weile lahmlegt. Dann eröffnet auch noch ihr Bruder unweit ihrer eigenen Location einen Gastronomiebetrieb – aus Eifersucht oder Neid? Man weiß es nicht -, und begeht dabei einen folgenschweren Verrat. Laura und Bernadette werden aus überraschenden Gründen von der weiteren Mitarbeit im Café abgehalten und die Zukunft der drei Freundinnen entwickelt sich in eine Richtung, die sie sich alle so nicht gewünscht hatten. Sie befinden sich an einem Wendepunkt – in ihren Leben, Lieben und in ihrer Freundschaft.

·         Werden die Freundinnen wieder zusammenfinden oder trennen sich ihre Wege auf lange Zeit?

·         Robert oder Jean – zwei unterschiedliche Männer und doch beide Bestandteil von Julias Herz. Für wen wird sie sich entscheiden?

·         Welchen Verrat begeht ihr Bruder und kann sie diesen verzeihen?

·         Was wird aus dem Café Juliette oder, besser gesagt, dem ‚Café der guten Wünsche‘?

·         Braucht es wirklich nur einen guten Gedanken, um alles zum Besten zu führen, oder eben doch harte Arbeit?

·         Und schließt das eine das andere aus?

„Gedanken waren wie Samen, die hässliches Unkraut oder blühende Wiesen hervorbrachten, […]“

Lest selbst und lasst Euch mitnehmen in einen ruhigen Liebesroman mit einer neuen, wundervollen Idee und voll Liebe fürs Detail. Es sind oft die Kleinigkeiten – wie ein Stück Nusstorte -, die das Ganze zu etwas Besonderem machen: Einem Café, das Wünsche erfüllt. Es ist durchspickt von Überraschungen und Wendungen, gemalt mit viel Gefühl und untermauert mit der Kraft der Gedanken. Dabei glänzt die Autorin mit einem reduzierten, ruhigen Schreibstil, der dennoch angenehm zu lesen ist und sämtliche Emotionen in das Herz des Lesers bringt. Gefühle werden nicht nur transportiert, sondern erlebbar gemacht. Man leidet mit Julia mit, sorgt sich um ihr Café, fiebert ihrer Liebe entgegen. So auch bei den anderen Charakteren, von denen man den einen etwas mehr, den anderen etwas weniger kennenlernt. Und das ist gut so, denn dem Leser soll Raum für eigene Gedanken und Sichtweisen bleiben. Lasst Euch von einem Gute-Laune-Buch berieseln, dessen Titel fast magisch anmutet und für die Geschichte nicht treffender hätte gewählt sein können. Er ist ebenso bunt und anziehend, wie auch das wunderschöne Cover und die versteckten, zu entdeckenden Einzelheiten und Eigenheiten der Charaktere an sich. Alles Dinge, die die Autorin wunderbar in Einklang bringt und das Lesen zu einem kleinen Ausflug aus dem trüben Herbstalltag macht.

Als ich von dem Buch erfahren habe, musste ich es direkt haben. Es ist an unserem siebten Hochzeitstag erschienen, ein gutes Zeichen. Und allein schon das Cover und der Titel haben mich direkt angezogen. Ein Café der Wünsche, ich wusste nicht, was ich mir darunter vorstellen sollte. Konnte man darin Wünsche tauschen? Bei einem Stück Kuchen einen Wunsch erfüllt bekommen? Konnte man gar selbst anderen dort Träume erfüllen? Ich wusste es nicht, doch meine Fantasie begann zu schweben und entwickelte die kuriosesten Ideen und Erwartungen. Und darin liegt vielleicht genau das Problem. Die Erwartungen, die geschürt werden. An das Buch, den Inhalt, die Entwicklung, das Erfüllen der Wünsche. Vielleicht hätte ich noch offener an die Geschichte gehen müssen. Leider hat sie mich nicht komplett in ihren Bann ziehen können, was mehrere Gründe hat:

Zunächst habe ich ein bisschen gebraucht, um wirklich in die Geschichte mit all ihren Verstrickungen hineinzukommen. Sie wirkte auf mich zu Beginn doch recht orientierungslos. Ich wusste manchmal einfach nicht, wo ich mich jetzt zeitlich und inhaltlich befand. Das wurde dadurch verstärkt, dass das Buch gänzlich ohne Kapitel geschrieben ist – und ich bin nun mal eher der Kapiteltyp. Es wurde zwar in wechselnden Perspektiven erzählt, die entsprechend auch gekennzeichnet und eingeleitet wurden, aber ich hätte mir da doch etwas mehr Struktur gewünscht. Ein weiterer Punkt für mich ist, dass mir gerade die Bruder-Schwester-Beziehung, da sie doch ein starkes Gewicht innerhalb der Geschichte erhält, zu wenig ausgebaut ist bzw. das Ende zu wenig Lösung verspricht. Es muss die Prota treffen, wenn ihr eigener Bruder sie hintergeht, tief erschüttern und bei all den guten Gedanken, reicht da eben ein solcher nicht unbedingt aus. Das Gleiche gilt für mich auch für das Thema der Sanierung und des neuen Miteigentümers des Hauses, in dem Julia lebt. Es ist ein gravierender Einschnitt für ihr Leben und ihre Arbeit und die Auflösung und Wendung zum Guten kommt mir am Ende zu gehetzt bzw. zu wenig ausgefeilt vor. Da hätte es durchaus Erweiterungspotenzial gegeben. Aber das ist sicherlich Geschmacksache und nur meine subjektive Meinung. Ansonsten kann ich sagen, dass ich das Lesen alles in allem sehr genossen habe. Vor allem Stil und Wortwahl der Autorin und Ausgestaltung der Charaktere haben mich berührt und das Lesen zu einer Ausflucht aus dem Alltag gemacht. Es ist eine wunderschöne Idee, ein interessantes Thema und eine liebevolle Geschichte, die einen den Glauben an die eigenen Wünsche und das eigene Herz lehrt. Daher empfehle ich diesen Roman sehr gerne weiter und wer etwas offener als ich an die Story geht, wird sicher vollends begeistert werden.

 

Das Buch macht mit seiner herzlichen Art Laune und vertreibt dabei so manch trübe Stunde und lässt den ein oder anderen dunklen Herbsttag glänzen. Ich wünsche Euch viel Spaß bei der Lektüre.

 

Eure Jil Aimée

 

  (9)
Tags: blanvalet, das cafe der guten wünsche, marie adams, rezension   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(260)

608 Bibliotheken, 15 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

after, landon, anna todd, hardin, nothing more

Nothing more

Anna Todd , Sabine Schilasky , Anja Mehrmann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453419704
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Anmerkung: Ich habe das Buch als Vorabexemplar zur Besprechung erhalten, was jedoch keinen Einfluss auf meine Meinung hat.

In ‚Nothing More‘ begeben wir uns zusammen mit Landon G. aus der After-Reihe nach NYC – zum Studium, zum Wohnen, aber vor allem zum Leben. Er wollte in der Stadt, die niemals schläft, neu anfangen. Gemeinsam mit Dakota – seiner ersten großen Liebe, die sich dort den großen Traum der Tanzkarriere verwirklichen will. Doch es kommt anders, als er dachte, denn auch Dakota will neu anfangen – jedoch ohne ihn. Landon zieht dennoch noch NYC – gemeinsam mit Tessa, die gerade in der Trennungsphase zu Hardin steckt. Gemeinsam versuchen sie sich Halt zu geben, sich zu heilen, einander gute Freunde zu sein und das Abenteuer Großstadt zusammen zu erkunden.

Um Studium und Wohnung zu finanzieren – unabhängig von der Unterstützung seines Stiefvaters -, jobbt Landon in einem Café. Dort ist er die gute Seele, immer freundlich, hilfsbereit. Sogar zu der neuen Barista, die ab und an ihre kleine Schwester mit dabeihat. Ebenso zu der jungen Kassiererin des Deli an der Ecke, die er immer nur lernend oder arbeitend antrifft. Natürlich vor allem auch zu Tessa, die er hier und da mit Samthandschuhen anfasst, da Hardins Besuch bald ansteht und er sie möglichst schonend darauf vorbereiten will. Leider versäumt er es bei seiner ganzen Rücksichtnahme und Umsorgerei, ihr den genauen Termin mitzuteilen – wir können uns also auf ein Feuerwerk in Band zwei gefasst machen. Landon ist einsam und in seiner Hilfsbereitschaft anderen gegenüber versucht er dieser Einsamkeit zu entfliehen - neue Freundschaften zu schließen, fällt ihm jedoch sehr schwer. Er war es gewohnt, nur an Dakotas Seite zu existieren, für sie da zu sein. Ein Leben ohne sie, das kennt er nicht. Dennoch muss er genau das jetzt leben. Er versucht es, strengt sich an. Wirklich. Er will erst einmal sein Herz wieder heilen, am besten, indem Dakota ihn zurücknimmt. Doch diese geht erst mal auf Abstand. Einige Monate. Landon ist auch nur ein Mann, und so kommt es, dass er sich über kurz oder lang der geheimnisvollen, älteren Nora – eine Freundin Tessas – annähert. Es ist für ihn ein großer Schritt, der eher unverhofft kommt – aus einer peinlichen Situation heraus entstanden – und der einen Stein ins Rollen bringt, der nach und nach sein so mühsam errichtetes Leben umzuschmeißen droht. Nora zieht ihn an und doch hat er noch so tiefe Gefühle für Dakota – die just zu diesem Zeitpunkt wieder bei ihm auftaucht und ihr (ehemaliges) Revier zu verteidigen versucht. Landon ist verwirrt, hin- und hergerissen und weiß einfach nicht, wie er sich entscheiden soll.

·         Wird er seiner alten Liebe zu Dakota noch eine Chance geben?

·         Oder traut er sich, das Unbekannte zu versuchen und Nora zu ergründen?

·         Kann er sich rechtzeitig entscheiden oder steht er am Ende allein da?

·         Wie wird Tessa auf Hardins Besuch reagieren?

·         Und was bedeutet das für ihre Freundschaft zu Landon?

·         Und was hat das Ganze eigentlich mit lila Zuckerguss zu tun?

Gönnt Euch ‚Nothing More‘ und taucht ein in die Geschichte um die gute Seele von nebenan – Landon -, die in Versuchung geführt wird und nicht weiß, ob sie dieser widerstehen kann. Anna Todd ist schriftstellerisch gewachsen und mit ihr ihr Schreibstil, der immer noch leicht und flüssig zu lesen, aber nicht mehr ganz so einfach gehalten ist. Sie vereint in diesem Buch subtil das Verruchte mit dem Harmlosen, gibt Landon – dem glatten Engel aus After – Ecken und Kanten, macht ihn sexier, ohne dass er dabei sein nerdig romantisch verklärtes Weltbild verliert. Seine Geschichte ist langsam, ruhig und unaufgeregt, doch hoch emotional für ihn. Sie spielt sich mehr in seinem Innern ab als in greifbarer Spannung – was es subtiler macht. Es passiert nicht viel an Drama und Action, aber der innere Gefühlskonflikt Landons wird erfrischend angenehm verdeutlicht und bereitet auf einen aufregenden Showdown in ‚Nothing Less‘ vor – zumindest denke ich das J.

Ich habe lange auf Landons Story gewartet, denn schon in der After-Reihe habe ich ihn schätzen und lieben gelernt. Hier bekommt er etwas mehr Raum, sich zu zeigen und seinen Charakter dem Leser näher, sich selbst in der Leser Herzen zu bringen. Er ist der typische gute Freund von nebenan, mit einer Vorliebe, die Welt zu heilen, seine Freunde zu retten und im Nerdheaven von u. a. Harry Potter zu schwelgen. Es lässt ihn nahe wirken. Macht ihn real, greifbar – ein Freund, auf den man immer zählen kann. Doch er möchte mehr sein als das und findet sich schnell im Dilemma zwischen dem Gewohnten, was er gut kann, und dem Neuen wieder. Es ist aufregend – auf eine andere Art und Weise –, ihm dabei zuzusehen, wie er versucht sich selbst – den Landon ohne Dakota! – zu finden. Dabei vergisst er seine beste Freundin nicht eine Sekunde, ist für sie da. Tessa. Wir bekommen Tessas und Hardins Trennungsphase am Rande mit und erhalten Landons Einschätzungen zu ihrer epischen Liebe.

„Ich wünschte, sie würde lachen, damit sie sich wieder daran erinnert, wie das ist.“

‚Nothing More‘ ist ein Buch über Freundschaft, aber auch, was es heißt, sich selbst zu entdecken, sich selbst zu sein. Ein Buch der Heilung. Landon bleibt dabei der immer gute, liebevolle, unterstützende Freund, der lernen muss, was es heißt, erwachsen zu sein und sich auch mal um seine Sehnsüchte und Wünsche zu kümmern.

 

„Ich bin das Wasser, das Flammen löscht, die Salbe, mit der man Brandwunden behandelt.“

Dakota mochte ich in diesem Buch überhaupt nicht – trotz ihrer tragischen Vergangenheit -, aber ich denke, das war hier auch so beabsichtigt. Die Autorin hat sie für mich hervorragend als das intrigante Biest hingestellt, damit es dem Leser leichter fällt, dass Landon sich langsam von ihr löst. Die Verbundenheit und charakterliche Treue zu ihr ist nach wir vor da, und das rechnet man ihm hoch an, doch er hat mehr Frauen in seinem Leben, als man zunächst denkt. Und ich bin gespannt, welche Vergangenheit und Düsterkeiten Nora mit sich rumträgt. Denn bisher blieb sie mir noch etwas fremd, was wohl dem Spannungsaufbau zum Nachfolgeband dienen soll. Diesmal wird die Geschichte nur aus einer Sicht beschrieben, Landon erzählt sie uns, was der Autorin Raum und Möglichkeiten schenkt, uns als Leser in seinen inneren Kampf absolut reinzuziehen und uns seine Gefühlswelt zu verdeutlichen. Das war mal eine Abwechslung, die mir sehr gefallen hat.

Die Charaktere und Beziehungen im Gesamten sind jedoch reifer geworden. Sie wirken nicht mehr so naiv, sind eigenständig, werden erwachsen. Einen kleinen Minuspunkt gibt es für mich in den doch recht häufigen Wiederholungen von Landons Gedanken, gerade in Bezug auf Dakota, aber auch in Hinsicht auf sein Zusammenleben mit Tessa. Hier nur ein Beispiel: es hätte durchaus genügt, bei der Dünne des Buches nur einmal anzusprechen, dass ihn der Straßenlärm der Großstadt nachts über die Maßen irritiert und er sich deshalb ein Gerät mit weißem Meeresrauschen zugelegt hat. Mir ist schon klar, dass viele Wiederholungen durchaus mit seiner inneren emotionalen Zerrissenheit zusammenhängen, aber an manchen Stellen wäre weniger mehr gewesen. Dann gibt es noch ein, zwei inhaltliche Patzer – zumindest erschienen sie mir so: Dakota verlässt fluchtartig eine Bar. Landon sieht noch ihre weiße Jacke um die Ecke huschen. Später bemerkt er, dass sie ja gar keine Jacke trägt und ihr kalt ist. Passt für mich nicht so ganz.

Die broschierte Ausgabe strahlt wie gewohnt mit einem edel wirkenden Cover und auch das Lesezeichen ist wieder einmal gigantisch gut. Das matte, fast samtige Schwarz mit dem silbernen Emblem wirkt toll – lockt an. Ich habe das Buch beim Friseur gelesen und wurde direkt darauf angesprochen, um was für eine schöne Geschichte es sich denn handelt, da das Cover schon so atemberaubend wäre. Schlicht und elegant, unaufgeregt, aber überzeugend. Die eingedruckte Playlist ist cool, und ein schönes Add-on, auch wenn mir ein wenig die Verbindung zum Inhalt des Buches fehlt, da dort nicht viele Lieder – aber dafür zum Teil von der Liste abweichende – angesprochen werden.

Abschließend lässt sich für mich festhalten, dass Band sechs ein unaufgeregter Pageturner ist, der reifer wirkt, besonnener. Anna Todd bleibt dabei ihrem schlichten und doch mitreißendem Erzähl- und Schreibstil treu, entwickelt sich aber auch ein Stück weiter. Man merkt dem Roman – im Positiven – an, dass sie eine Weile gebraucht hat, ihn so zu schreiben, wie er sich richtig anfühlt. Kurze Anmerkung hierzu: Für mehr, schaut doch in ihre Danksagung. Die Dauer hat dem Buch nicht geschadet. Es gefällt mir gerade deswegen, dass inhaltlich zunächst recht wenig passiert – ich denke mal, es soll einfach zu Band 7 hin aufbauen – mit am besten aus der ganzen Reihe. ‚Nothing More‘ ist Abschied und Neubeginn zugleich, es ist die Entwicklung zum eigenen Ich, das nicht mehr nur gibt, sondern auch lernt zu nehmen.

Eure Jil Aimée


  (20)
Tags: after, anna todd, heyne, nothing more, rezension   (5)
 
133 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks