Jimmy

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225 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 81 Rezensionen

trauer, liebe, tod, rosen, jugendbuch

Dornenherz

Jutta Wilke
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 01.01.2014
ISBN 9783649613701
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Erster Satz:
Heute vor einem Jahr habe ich gelernt, dass man sterben kann, ohne tot zu sein.


Inhalt:
Seit dem Tod ihrer Schwester verschwindet Anna mehr und mehr. Sie möchte durchsichtig sein; nicht bemerkt werden. Doch Leon braucht ihre Hilfe und ihren Trost. Einander halten sie sich, versuchen sich Kraft zu geben .. aber in Wirklichkeit entfernt sich Anna von ihm. Während sie schon glaubt, dass sie nur noch blass durch die Welt wandelt, nimmt jemand sie ganz bewusst war: Phil. Er erzählt ihr, woher die roten Rosen kommen und was es mit dem Rosenengel auf sich hat.
Meine Meinung:
Ein traumhaftes Cover, das meiner Meinung kein anderes hätte sein dürfen. Für mich persönlich passt es perfekt zu dieser Geschichte und so eine harmonische Abstimmung auf den Inhalt habe ich bisher bei noch keinem anderen Roman gesehen. Auffällig ist der durchschimmernde Schutzumschlag, erst durch ihn sehen wir zwei Engel: das wahre Denkmal und ein Abbild, das ihm wohl sehr ähnlich sieht ... Hinter dem rechten Engel - also auf dem Buchdeckel - verbirgt sich eine kleine Katze. Auch sie trägt natürlich eine bedeutende Rolle in der Geschichte und ist mal sichbar und dann wieder nicht, wie auf dem Cover. Die Farbe Blau finde ich im Nachhinein auch tragisch passend, symbolisch für die Wasserfluten und die erträkenden Wellen. Der Untertitel hat mir ebenso gut gefallen, erinnerte er mich doch so sehr an das Buch von Hermann Hesse "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" und schien auch dieser wie bewusst ausgewählt.




Annas Schicksal ist eine traurige Wendung des Lebens. Wenn das schlimmstmöglichste passiert und man sich dafür die Schuld eingestehen muss, dann sieht man irgendwann förmlich, wie alle mit dem Zeigefinger auf einen weisen. Dieses Bild hat die Autorin nie beschrieben und doch drängte es sich mir auf. Denn die Gefühlswelt um die Hauptprotagonistin die so eingeschüchtert wie auch stur ist, hat mich ein ums andere Mal beeindruckt. Nicht etwa, weil ihre Emotionen so außergewöhnlich oder vielfältig gewesen wären. Sondern eher weil sie dermaßen eindrucksvoll zu Papier gebracht wurden, dass es mir unter Haut ging. Ich saß auf meinem Sofa und hatte das Gefühl als würden ihre Gedanken in mich einströmen .. vielleicht liegt es auch an meinem ganz persönlichem Erfahrungsschatz, aber ich habe mich vollkommen verstanden gefühlt und eigentlich sollte ich ja die jenige mit dem Verständnis für die Figur sein.
Nachdem ich also bereits mit Anna so schnell warm geworden war, stieß ich auf Leon. Er ist nun mit Anna zusammen, war es aber vorher mit ihrer Schwester. Eine schwierigere Beziehung kann ich mir gar nicht ausmalen. Sie geben und nehmen einander. Von außen könnte man meinen, sie seien das perfekte Liebespaar. Aber da der Leser regelrecht dazu eingeladen wird hinter die Fassade zu blicken, werden plötzliche Risse sichtbar. Einen besseren und zugleich schlechteren Zeitpunkt gibt es für den ersten Auftritt von Phil gar nicht. Auf einmal ist er da und ich hatte das Gefühl, als hätte er sich mit laut tosendem Paukenschlag angekündigt, obwohl er sich gleichermaßen still und vorsichtig auf die Buchseiten geschlichen hat.

"Ich habe diese Rose bewundert. Für ihren Kampfgeist. Ihren Überlebenswillen. Sie wollte sich nicht unterkriegen lassen. "
 (Phil, S. 56)

Wenn Phil seine Geschichten erzählte, tauchte ich gemeinsam mit Anna in diese phantasievolle Welt ab. Sie ließ sich treiben und war froh, sich doch noch an jemandem festhalten zu können .. damit sie nicht verloren geht. Ich hingegegen, ließ mich nicht nur von den Ideen faszinierend, sondern vorallem von der Vielfältigkeit des Buches. Anstatt einen einfachen Jugendroman zu schreiben, bringt Jutta Wilke auch noch eine historische Novelle mit ein, und als ob das noch nicht reichte, übermittelt sie uns auf eine leise und poetische Art ihr Wissen über die Rosen. Und damit stahl sich Phil in mein Herz, welches bald keinen Platz mehr für Anna zu bieten schien. Je weiter ich las und je stärker ich ihren Dickkopf und auch ihre Naivität zu spüren bekam, desto wütender wurde ich auf sie. Dass sie einfach so weitermachte. Und ihr Leben wegwarf für das der anderen. Man stelle sich die eigene Freundin in ihrer Position vor. Am liebsten hätte ich sie genomen und kräftig durchgeschüttelt, damit sie endlich aus ihrer Traumwelt aufwacht und merkt, dass egal was sie tut oder nicht tut, ihre Schwester nie wieder kommen wird. Niemals. Denn sie ist tot, unwiederbringlich. Wir stehen mitten in einem realitätsnahen Jugendroman, ohne Reinkarnation, ohne Zauberei, ohne Vampirismus.
Fast noch wütender hat mich die Mentalität der Familie gemacht, ständig zu schweigen. Selten kommt ihnen ein Wort über die Lippen, dabei hätte die junge Anna einen Hauch Aufmerksamkeit bitter nötig. Mir ist klar, dass auch das nur ein Spiegel der Realität in unseer Welt ist. Aber diese Ungerechtigkeit und auch Unverschämtheit hat mich verständnislos werden lassen ..

"Irgendjemand hat einmal gesagt, 
dass etwas erst dann Vergangenheit ist, wenn man daran denken kann, ohne dass es wehtut." (S. 92)

Annas Welt habe ich nur ungern verlassen. Die Spirale aus Emotionen und berührenden Worten hat mich mal mehr mal weniger berührt. Auf jeden Fall aber hat sie mich zum Nachdenken gebracht... über die Erwartungen unseres Umfelds, über die Erwartungen von uns selbst,über richtige Entscheidungen, über das Ziehen von Schlussstrichen und über Erinnerungen, die nie verloren gehen. Zu jedem Kapitelanfang lächelt einem ein kurzer Vers oder ein knappes Gedicht entgegen, das sorgsam ausgewählt mit den einzelnen Szenen harmoniert. Im Einklang mit der Geschichte entfaltet sich die Lyrik, die sich um Rosen und Röslein rankt. Jutta Wilke hat es erneut und noch viel intensiver als in ihrem Krimi "Wie ein Flügelschlag" geschafft, mit ihren ganz eigenen Sätzen eine verzauberte Welt aufzubauen, die ganz ohne Fabelwesen oder phantastische Elemente einfach magisch ist. Dafür bedient die Autprin sich eines anderen Genres. Innerhalb einer historischen Novelle entführt sie uns in das Jahr 1883 und stellt uns die Liebesgeschichte zwischen Johanna und Philip vor, deren Namen dem Leser durchaus bekannt vorkommen dürfen. So entsteht eine fein gesponnene Parallelwelt, die mit tollen Recherchen aufwartet und spannende Erklärung für die Hauptstory von "Dornenherz" bereitstellt.

Mein Fazit:
Ein starker Roman, der neben den anderen Veröffentlichungen der Autorin ganz für sich allein stehen kann und eine enorme Austrahlung besitzt. Ich habe mich gerne fesseln lassen. Daher ~ 4 Krümel ~


Jimmy



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187 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

glück, jugendbuch, trauerbewältigung, trauer, freundschaft

Der Junge, der Glück brachte

Nicholas Vega
E-Buch Text: 313 Seiten
Erschienen bei null, 05.11.2013
ISBN B00GHU3HVQ
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Erster Satz:
Lynette war ein Mädchen, das von allem etwas zu viel hatte.


Inhalt:
Die schlimmen Tragödien passieren doch immer nur anderen ... doch eines Tages trifft es Lynette. Ihre Mutter kommt bei einem Autounfall ums Leben.  Aufgelöst reagiert sie auf ihre Umwelt mit Verzweiflung. Bis sie ein sonderbares Buch geliehen bekommt, mit den Worten "Es ist etwas, das glücklich macht." So lernt sie Jeronimus kennen; er ist der Junge, der Glück verschenkt. Doch ihre Wege verlaufen auf getrennten Schienen. Die eine verläuft in der Wirklichkeit, die andere in der Phantasie .. langsam scheinen sich die Grenzen aufzulösen. Und die beiden merken, dass sie einander brauchen, um sich selbst zu helfen.



Meine Buchgeschichte:
Auch ich hatte von dem glücksbringenden Jungen mitbekommen. Die Inhaltsangabe klang außergewöhnlich und versprach philosophisch zu werden. Daraufhin schrieb ich Nicolas Vega an. Er entpuppte sich als ein Mann, dem nicht das Glück in Form von Geld und Erfolg, sondern in Form von Lob, konstruktiver Kritik und Menschlichkeit wichtig ist. Es ist immer toll zu spüren, wenn die Autoren selbst von ihrem Kind so begeistert sind! Dieses Kind ist das erste e-book, das ich bisher gelesen habe..

 


Meine Meinung:
Dies ist eine Geschichte, für die man sich Zeit nehmen muss. Das mag den ein oder anderen abschrecken, doch es wäre einfach zu schade um die zarte Idee, die ihre feinen Arme nach einem ausstrecken möchte. Sie möchte den Leser umarmen und bis zum Ausklang des Buchs fest umschließen. In diese Umarmung ließ ich mich fallen und konnte der leisen Stimme von Lynette lauschen. Es ist verblüffend wie authentisch das 14jährige Mädchen auftritt. In ihrer Traurigkeit lässt der Autor sie keine Sekunde alleine und füllt so die Seiten mit einer zarten Melancholie, ohne dass seine Wort übertrieben oder aufgesetzt wirken würden. Ich habe sie nicht nur bemitleidet, sondern ich habe mit ihr gelitten. Lynette erschien mir nicht wie ein Püppchen aus einem Stoß Papier. Sie schälte sich nicht aus den Zeilen heraus, sondern es kam mir eher so vor, als hätte Nicholas Vega sie aus der Realität in das Buch hinein geschrieben. Ich bin mir sicher, dass sie existiert. Wie sonst könnte ein Mensch so viel unscheinbare Beschreibungen in einen Charakter legen, wenn er ihn "nur" erfunden hat. Die Protagonistin ist dermaßen natürlich, dass sie meine ehemalige Klassenkameradin hätte sein können .. oder meine Nachbarin .. vielleicht eine Kundin bei meinem DvD-Verleih.

Auch die Nebenfiguren sind sehr real gestaltet. Ich konnte mich in die verschiedenen Gefühlswelten gut hineinversetzen. Jeder Mensch geht mit einem schlimmen Schicksal ganz unterschiedlich um. Das wird hierbei deutlich, ohne dass die eine Variante schlechter oder besser dargestellt wird.

 Mit viel Feingefühl und Ehrlichkeit hält Vega uns einen Spiegel vor. Ich hielt mir die virtuellen Seiten vor Augen und erblickte in dem Buch ein weiteres Buch. Als Lynette den Band "Der Junge, der Glück brachte" mit nach Hause nahm, hätte ich am liebsten sofort bis zu Jeronimus Geschichte vorgeblättert. Doch Lynette nahm mich in ihrem Gedankenstrudel gefangen und so fieberte ich einfach mit, bis ich Jeronimus kennen lernen durfte. Ich betrat Immerheim und war sogleich verzaubert von der phantasievollen Welt. Die Details, die Vega mir präsentierte ließen mich träumen. Ich versuchte mich auf wandernde Bänke zu setzen und sah das Glück in Form eines kleinen Schlüssels. So sah für mich persönlich das Glück aus.Überzeugen konnte mich die Sprache, die sich in beiden Welten so bildlich voneinander abhob. Der Autor veränderte seine Wortwahl und ließ Jeronimus Dialoge poetisch und märchenhaft tanzen. Lyn reißt uns wieder hinaus in die bittere Realität, in der wir uns den alltäglichen Probleme stellen, mit unliebsamen Mitmenschen klar kommen müssen und die Augen nicht verschließen dürfen. Hier wird bewusst eine andere Sprache benutzt. Das hat mir sehr gut gefallen.Während zwei unterschiedliche Welt aufeinander prallen und miteinander verschmelzen, entsteht eine Freundschaft. Sie erzählt von Liebe und Leidenschaft, von Lügen und Verrat, von Familie und Vertrauen und vom Glück und dem Leben! Am Ende trauert man um die Figuren, denen man Lebewohl sagen muss, und freut sich darauf, anderen Menschen eine tolle Geschichte empfehlen zu können. Man ist über das eigene Handeln gestolpert, hat sich hoffentlich selbst reflektiert und einen wertvollen Gedanken aus der Geschichte mitgenommen. Mir ist es jedenfalls so ergangen. 


Mein Fazit:
Ich wünsche mir sehr, dass aus diesem Geheimtipp ein gedrucktes Buch wird, damit es noch mehr Menschen in seinen Bann ziehen kann!
~ 5 Sterne  ~

 

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588 Bibliotheken, 17 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

freundschaft, roadtrip, tschick, abenteuer, berlin

Tschick

Wolfgang Herrndorf , ,
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.11.2012
ISBN 9783499259913
Genre: Romane

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

bücher, suche, detektiv, kinderbuch, krimi

Das Geheimnis des Bücherhüters

Corinna Gieseler , Barbara Scholz , Dagmar Henze
Buch: 224 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 01.02.2011
ISBN 9783841500298
Genre: Kinderbuch

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88 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

selbstmord, mobbing, internet, suizid, schule

By the time you read this, I'll be dead

Julie A Peters , Anja Herre
Flexibler Einband: 251 Seiten
Erschienen bei Kosmos, 09.01.2012
ISBN 9783440128176
Genre: Jugendbuch

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182 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 44 Rezensionen

schwangerschaft, baby, gefängnis, amy efaw, gericht

Eine Tat wie diese

Amy Efaw , Anja Malich
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 01.04.2012
ISBN 9783551310811
Genre: Jugendbuch

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534 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 137 Rezensionen

liebe, julia, romeo, shakespeare, fantasy

Julia für immer

Stacey Jay , Antje Görnig
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei INK, 09.02.2012
ISBN 9783863960216
Genre: Jugendbuch

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147 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

träume, janie, carl, albträume, carrie

WAKE - Ich weiß, was du letzte Nacht geträumt hast

Lisa McMann , Tanja Ohlsen
Flexibler Einband: 221 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag, 16.05.2011
ISBN 9783843200370
Genre: Jugendbuch

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71 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 10 Rezensionen

gefängnis, pädophil, briefwechse, kinderschänder, kinder

Das Ende von Alice

A. M. Homes , Ingo Herzke
Fester Einband: 290 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 19.04.2012
ISBN 9783462043815
Genre: Romane

Rezension:

Erster Satz:
Wer ist sie, dass sie von dieser Lust belastet ist, dieser eigenartig erworbenen Neigung zum frischestens Fleisch, dass sie eine Geschichte zu erzählen hat, bei der einige von euch grinsen werden, andere jedoch grimmig wüten, dass dieser Albtraum, dieser Horror aufhören muss.

Inhalt:
Mehr als zwanzig Jahre sind vergangen, seit er für seine Sexualstraftaten ins Gefängnis kam. Nun, gepeinigt von den Insassen und erniedrigt von den Wärtern, sieht er seinen Sinn in dem Briefwechsel zu einem ganz besonderen Mädchen. Kurz vor der Schwelle zum Erwachsensein steht sie und suchte von sich aus den Kontakt zu ihm. Denn sie hat jemanden im Auge. Ihren kleinen Jungen, Matt, knappe 12 Jahre alt und so süß. Sie würde am liebsten über ihn herfallen, aber sie möchte es klug angehen. Also fragt das Mädchen ihn nach Tipps, wie sie ihren Knaben verführen kann.
Endlich ist er wieder in seinem Element, fühlt sich geborgen in den gedanklichen Spielereien und Sehnsüchten des Mädchens. Nur zu gern lässt er seit langer Zeit seine Erinnerung auch mal wieder an Alice zurück schweifen. Seine Alice. Und wie Alice Ende kam.
Sind die Zwei sich vielleicht ähnlicher als er denkt? Und kann er dem Mädchen helfen, ihren Jüngling rum zu kriegen, obwohl sie satte sieben Jahre älter ist?

Meine Meinung:
Die ungesunden Abgründe der Gesellschaft haben mich schon immer fasziniert. Nicht weil ich mich voyeuristisch über die Menschen lustig mache, sondern weil ich solche Abnormalitäten, wie sie allgemein genannt werden, interessant finde. Meiner Meinung nach sind das alles Leute wie du und ich. Es hätte uns genau so treffen können. Macht es uns zu besseren Wesen, dass wir das Glück hatten von einem schlechten Elternhaus, sexuellem Missbrauch, einer depressiven Magersucht oder einem späteren Burnout nicht verfolgt zu sein?! Die Menschen, die für ihre Neigungen oder Zwänge, Ticks und Krankheitsbilder vielleicht gemieden werden, können genauso wenig etwas dazu wie 'wir' dafür, dass wir es besser und gesünder haben. Wer weiß schon genau wer dazu gehört und wer vielleicht aus dem eigenen Umfeld betroffen ist?
Homes hat ihr ein eindrückliches Werk geschaffen, dass zum einen zeigt, mit wieviel Selbstverständlichkeit Betroffene mit ihrer bspw. Neigung umgehen und zum anderen welch gewöhnliche Menschen sie eigentlich sind. Trotz der vor Perversion triefenden Worte empfand ich so etwas entfernt verwandtes wie Sympathie für den seit 23 Jahren inhaftierten Sexualstraftäter. Ein Verständnis ist es nicht, nein. Egal wie sehr so jemand Mensch ist, so kann ich solche Missetaten an Kindern nicht nachvollziehen. Aber nach und nach entblößte seine Geschichte Schlüsselszenen, die dem Leser klar machen, dass er nicht alleinschuldig ist an der Misere. Sowohl an dem, was der kleinen Alice widerfahren ist als auch an seiner pädophilen Leidenschaft.
Doch die Geschichte zwischen unserem Erzähler Chappy und seiner Alice ist nicht der einzige Handlungsstrang des Romans. Im Vordergrund steht der Briefwechsel zwischen ihm und seiner 19jährigen Verehrerin. Abwechselnd berichten sie einander von ihren alltäglichen Geschehnissen. Er lässt einige peinliche Geschichten aus seinem Leben hinter Gittern weg, dafür weiß sie diese Lücken mit ihren abenteuerlichen Fantasien und Erlebnissen ihres Jungen zu füllen. Nur wir als Leser erfahren auch die Gedanken unseres Häftlings, seine Erfahrungen an einem Ort, wo die Männer aus Ermangelung an Frauen, einander genügen.
Brilliant werden Chappys eigene Erzählungen nicht nur schrifttypisch, sondern auch bezüglich der Wortwahl von den Briefen des 19jährigen Mädchens auseinander gehalten. Ihre Briefe bekommen wir in kursiven Buchstaben zu lesen und zudem hat sie eine altersgerechte Sprache verpasst bekommen. Im Gegensatz zu ihr weiß der Gefangene um die Kunst der Sprache und weiß diese auch einzusetzen. Er begnügt sich nicht mit lakonischen Aussagen und datenreichen Fakten. Chappy schmückt seine lüsternen und gierigen Erinnerungen aus, beschreibt sie mit Synonymen und bedarf sich zahlreicher Stilmittel.

Ekelerregend, hässlich und penetrant!

Mit solchen wohlgewählten Worten schickt uns die Autorin auf die Spuren eines Übeltäters, dessen Vergangenheit verschmutzt ist, jedoch umso schneller aufgedeckt werden muss. Je dreckiger die beschriebenen Momente sind, umso wortgewandter gibt sich der Erzähler und weiß seine rethorischen Fähigkeiten gekonnt einzusetzen. Oft habe ich aufgrund der zu obszönen und entfremdenden Schilderungen überlegt, das Buch beiseite zu legen. Doch der Schreibstil fesselte mich, die Auflösung des Rätsels zog mich in seinen Bann und ja, ich gebe es zu, ich wollte wissen, was Chappy mit der kleinen Alice angestellt hat! Keiner, der dieses Buch bis zur Hälfte hin durchhält, kann mir erklären, es hätte ihm nicht unter den Fingernägeln gejuckt, zu erfahren, was nun weiter passiert. Wäre dies eine der zahlreichen Erotikwerke einer inzwischen namhaften Autorin, das sich in jeder Buchhandlung gleich neben den klassischen Frauenromanen stapelt, dann hätte ich die Geschichte sicher gelangweilt, unangetastet zurück gelassen. Aber dies ist etwas ganz anderes.
Hier wird kritisiert - an der Gesellschaft, der Politik, an dem Zeitalter der Anpassung und Massenbewegung. Wenn ein Mensch nicht funktioniert, wird er eben ausgesondert. So lautet der Grundsatz unserer Systems, wenngleich das kaum einer zugeben würde. Kinder werden in Rollen gedrängt, ihnen werden Masken aufgesetzt, die ihrer Persönlichkeit nicht entsprechen. Sie können sich nicht frei entfalten, weil die teilweise hinrverbrannten Erwachsenen ja die Vormunschaft besitzen. Und solange diese Erwachsenen nicht allzu auffällig werden, hat der Staat keinen Grund einzugreifen. Hier rede ich nicht einmal von Deutschland, auch nicht von dem Staat, aus dem diese Story stammt, sondern ich spreche von der Gemeinheit, von unserer Welt. Holmes greift hier keine einzelnen Menschen an. Sie beklagt sich darüber, dass jeder einzelne Mensch (Ausnahmen bestätigen die Regel) in dieses Zahnrad des Bösen und Blöden mit eingreift. Die Kinder, deren eigenes Ich nicht zugelassen wurde, werden irgendwann zu zerstörendem Sand im Getriebe. Jedoch nicht weil sie rebellieren, sondern weil sie zu einem Chappy werden, oder zu so einer 19jährigen, die auf einen kleinen Bubi scharf ist....
Ich möchte bei dieser Rezension gerne auf ein Zitat verzichten. Egal an welcher Stelle ich den Roman wahllos aufgeschlagen hätte, mir wäre eine Passage vor die Augen gesprungen, für die es hier nicht der richtige Platz ist, sie zu veröffentlichen! Wen es reizt, genau so etwas zu lesen, der möge sich dieses wirklich gelungene Stück Literatur kaufen. Denn, ich sage es gerne noch einmal, die schriftstellerische Leistung von Holmes ist hier enorm!

In mir zehrt es nach einem abschließenden Wort der Schriftstellerin. Ein Statement ihrerseits fehlt mir. Ich würde gerne wissen, was sie dazu zu sagen hat, dass ihre Geschichte in den USA so skandalös verbreitet und verpönt wurde. Und außerdem interessiert es mich, wie sie es überhaupt geschafft hat, solche abartigen Fantasien zu entwickeln und aufs Papier zu bannen oder wer ihr im Zweifelsfall dabei geholfen hat.

Schlussendlich bleibt es offen, ob die Geschichte lediglich Chappys in die Jahre gekommenden Fantasie entspringen, oder sich in seiner Vergangenheit wirklich so zugetragen haben sollen. Zwar wird innerhalb eines gerichtlichen Termins der faktische Hergang noch einmal wiederholt, jedoch wird von Seiten der Justiz hier natürlich nicht erwähnt, wem die erste Annäherung zwischen dem damals 31jährigen Mann und dem Mädchen zu verdanken ist und wieviel das Mädchend selbst zu dieser ominösen Beziehung beigesteuert hat. Wenn wir Chappy glauben wollen, ist dies ein Werk für alle Schuldigen wie Unschuldigen, für alle Kritiker sowie Befürworter - egal für welche Seite.

Mein Fazit:
Ein gräuseliges Buch über die Abgründe, die Menschen dorthin treiben, wo sie verenden .. für die tolle Erzählstimme und die wahnsinnig realistischen Details: schaurig schlimme ~ 4 Sterne ~

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1.514 Bibliotheken, 18 Leser, 9 Gruppen, 200 Rezensionen

dystopie, liebe, dark canopy, joy, rebellen

Dark Canopy

Jennifer Benkau
Fester Einband: 524 Seiten
Erschienen bei script5, 01.03.2012
ISBN 9783839001448
Genre: Science-Fiction

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230 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

mathematik, japan, baseball, professor, freundschaft

Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Yoko Ogawa , Sabine Mangold
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 20.06.2013
ISBN 9783746629445
Genre: Romane

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373 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 65 Rezensionen

liebe, fantasy, regen, wetter, märchen

Der Mann, der den Regen träumt

Ali Shaw , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei script5, 16.01.2013
ISBN 9783839001462
Genre: Romane

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1.074 Bibliotheken, 14 Leser, 5 Gruppen, 152 Rezensionen

glas, liebe, fantasy, ida, insel

Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

Ali Shaw , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 397 Seiten
Erschienen bei script5, 09.01.2012
ISBN 9783839001318
Genre: Fantasy

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161 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

new york, film, thriller, cordova, selbstmord

Die amerikanische Nacht

Marisha Pessl , Tobias Schnettler
Fester Einband: 800 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 12.09.2013
ISBN 9783100608048
Genre: Krimi und Thriller

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319 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 16 Rezensionen

götter, liebe, griechische mythologie, halbgötter, fantasie

Göttlich verdammt/Göttlich verloren/Göttlich verliebt

Josephine Angelini , Simone Wiemken
Fester Einband: 1.472 Seiten
Erschienen bei Dressler, 01.01.2013
ISBN 9783791526294
Genre: Jugendbuch

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2.066 Bibliotheken, 41 Leser, 15 Gruppen, 254 Rezensionen

fee, fantasy, liebe, feen, nimmernie

Plötzlich Fee - Sommernacht

Julie Kagawa , Charlotte Lungstrass
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 21.03.2011
ISBN 9783453267213
Genre: Jugendbuch

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274 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

erotik, liebe, vina jackson, geige, summer

80 Days - Die Farbe der Erfüllung

Vina Jackson , , ,
Fester Einband: 412 Seiten
Erschienen bei carl's books, 14.01.2013
ISBN 9783570585238
Genre: Erotische Literatur

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1.385 Bibliotheken, 21 Leser, 4 Gruppen, 90 Rezensionen

liebe, erotik, sex, crossfire, eva

Crossfire - Offenbarung

Sylvia Day , Jens Plassmann , Marie Rahn
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.03.2013
ISBN 9783453545595
Genre: Erotische Literatur

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157 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

liebe, behinderung, blindheit, blind, pinguine

Pinguine lieben nur einmal

Kyra Groh
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.09.2013
ISBN 9783442380442
Genre: Liebesromane

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241 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

amt, liebe, glück, ordnung, roman

Das Glücksbüro

Andreas Izquierdo
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 21.10.2016
ISBN 9783832162252
Genre: Romane

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71 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

anders, john boyne, normal, henry, familie

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket

John Boyne , Adelheid Zöfel , Oliver Jeffers
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 19.08.2013
ISBN 9783596855766
Genre: Kinderbuch

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(106)

242 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

paris, mord, selbstmord, schnitzeljagd, new york

Die drei Leben der Tomomi Ishikawa

Benjamin Constable , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei script5, 16.09.2013
ISBN 9783839001578
Genre: Romane

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394 Bibliotheken, 13 Leser, 4 Gruppen, 87 Rezensionen

schriftsteller, mord, liebe, freundschaft, aurora

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Joël Dicker ,
Fester Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Piper, 13.08.2013
ISBN 9783492056007
Genre: Romane

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(314)

676 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 93 Rezensionen

dystopie, liebe, jennifer benkau, joy, percents

Dark Destiny

Jennifer Benkau
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei script5, 18.03.2013
ISBN 9783839001455
Genre: Science-Fiction

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141 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

krebs, liebe, tod, krankheit, freundschaft

Das Leben drehen

Nicole Walter
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2012
ISBN 9783426510612
Genre: Romane

Rezension:

Erster Satz:
Auf einmal waren sie da, die ersten Schneeglöckchen.

Inhalt:
Marlene steht mitten im Leben. Sie ist verheiratet mit Markus und von Beruf Ärztin. Zwar könnte die Ehe nach einigen Jahren auch ein bisschen aufregender sein, aber ansonsten ist sie zufrieden... Bis sie auf Amelie trifft. Der begegnet sie während der Arbeit im Krankenhaus. Eine schöne, junge Frau mit auffallendem Hut. "Ich bitte Sie um Ihren Mann. Nicht für lange, weil ... ich muss sterben."
Plötzlich ist nichts mehr so wie es war. Und für Marlene steht fest: Sie wird der jungen Frau helfen. Nicht nur Markus soll sie bekommen. Sie soll auch leben. Doch je länger Amelie ihr Leben genießt, umso mehr erfährt diese auch über Marlene.. kann sie manipulieren .. und ihr Leben in eine andere Richtung drehen.


Meine Meinung:
Die Autorin hält sich nicht mit unnötigen Beschreibungen als nette Einleitung auf, sondern kommt sofort zum Augenblick, der in Marlenes gut sortierten Leben alles durcheinander bringt. Im Gegensatz zu Marlene wusste ich ja schon ein wenig, was passieren würde. Aber mit so einem Fortgang der Geschichte hätte auch ich nicht gerechnet. Recht schnell wird man als Leser nicht nur mit der Hauptperson, sondern auch der hübschen Amelie, bekannt gemacht. Beide stehen für sich, haben eine gewisse Ausstrahlung und auch Anziehungskraft. Marlene ist eher der kalte Typ Mensch. Als professionelle Ärztin versucht sie kein Leid an sich heran zu lassen und distanziert sich gerne von allen anderen Menschen. Mit ihrem Drang, möglichst wenig Nähe aufzubauen, muss aber auch ihr sprunghafter Ehemann Markus klar kommen. Ihn kann ich nur schlecht einschätzen. Er ist ein sehr unberrechenbarer Mann, von dem ich im Nachhinein nur wenig halte. Er sucht sich also lieber eine jüngere, spontanere und wärmere Liebhaberin: die flippige Amelie, die alles und jeden zu verzaubern weiß... und so unterschiedlich die Figuren sind, so undurchsichtig geht es auch mit der Handlung weiter. Kaum eine Reaktion lässt sich auch nur im Ansatz erahnen. Gerade wenn man meint, Marlenes Denkmuster durchschaut zu haben, überrascht sie einen mit ungewohnter Offenheit oder zuvor nie dagewesener Einsicht. Immer neue Wendungen können mich von der schier unerschöpflichen Ideenvielfald überzeugen. Und ich bin bewegt...

Seite 30

>> Seltsamerweise waren alle alten Menschen auf ihren Jugendfotos irgendwie schön. Vielleicht, weil man sie nicht mehr mit anderen verglich,
sondern nur noch mit sich selbst. <<

Nicole Walter hat mich regelrecht umgehauen mit ihrem sprachlichen Talent. Sie ist schonungslos ehrlich und trifft den Nagel auf den Kopf. Während ich mich noch mit den nachdenklichen Aussagen befasse und die Schriftstellerin für ihre Wortgewandtheit bewundere, setzt sie schon mit dem nächsten nach. Und das ist die psychologische Tiefe ihres Romans!
Ich habe wirklich ungewöhnlich lange an diesem Buch gelesen. Ich konnte keine zwei Kapitel nacheinander weg lesen, so sehr hat es mich in Beschlag genommen. Von den Themen fühlte ich mich zwar nicht wirklich angesprochen: soziale Isolation, Betrug, Familienprobleme, Krebs und Rache. Doch umsomehr fühlte ich mit. Zwei Extreme kristallisierten sich bei mir heraus. Zum einen war ich immer wieder wüten und sauer, ja richtig erbost über Marlenes kühle Art, ihr ignorantes Verhalten und auch ihre neutrale Reaktionen. Ich konnte und wollte Marlene nicht verstehen. Andererseits war ich Stolz auf ihre Ausdauer, wollte mehr von ihrer Gelassenheit. Ich stellte mir ganz leibhaftig mich in ihrer Situation vor und hätte fast geheult.

Marlenes fiktives Schicksal hat mich so berührt, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte.

Ebenso wie sie war ich hin und her gerissen. Ich wollte lachen über meine gewonnene Freiheit und heulen, weil ich niemanden mehr an meiner Seite hatte. Ich hätte die Kraft gehabt, die ganze Welt entzwei zu reißen, damit ich allen zeigen kann, was in mir steckt. Ich war eins mit Marlene.
Noch kein Buch hat mich bislang so sehr beeinträchtigt und zum mitleiden gebracht wie "Das Leben drehen". Ich möchte dieses Buch ausdrücklich empfehlen. Es ist kein Jugendbuch, sondern erzählt wirklich die Geschichte verschiedener erwachsener Menschen, die alle ihren Weg im Leben finden, und doch miteinander zu tun haben. Ich sage gleich: Nein, es gibt kein Happy End für Marlene und Markus. Und das ist auch gut so. Vermutlich wäre ich sonst um meinen Verstand gekommen und hätte an dem von Frau Walter gezweifelt. Man rechnet wie gesagt mit keiner der Wendungen, doch am aller wenigsten rechnet man eigentlich mit dem Schluss.
Lest es! Denn die Geschichte bewegt euch nicht nur, sie bringt euer Leben neu in Schwung. Trotz der ganzen tragischen und herzzereißenden Gefühle, die man durchlebt, erreicht den Leser noch eine andere, sehr wichtige Botschaft, vielleicht die Kernaussage des ganzen Romans: Das Leben ist lebenswert! Und somit ist "Das Leben drehen" ein lebensbejahendes Drama voller Witz - geht es noch abgebrühter?!
Ich bin begeistert! Ich empfehle es jedem gerne. Und ich schaue mit einem tränenden und einem lachendem Auge auf diese allerschönste Geschichte des Jahres 2012 zurück!


Mein Fazit:
Bewegend, frustrierend und gleichzeitig lebensbejahend !! ~ 5 Krümel ~

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