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Wir kommen

Ronja von Rönne
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 04.12.2017
ISBN 9783746633596
Genre: Romane

Rezension:

Vorab: Das Buch hat mir sehr gefallen. Die Sprache ist einfach und eingängig und doch, so scheint es, sehr bewusst gewählt. Der Roman berührt, indem er dem Leser das Gefühl gibt, sich in der zwischen Zynismus, Selbstreflektion und tiefer Traurigkeit verhedderten Gedankenwelt eines anderen Menschen zu befinden. Die Protagonistin beschreibt ihr Leben wie das eines anderen und kreist dabei doch um Ergebnisse und Erkenntnisse herum. Sie drückt sich davor, das Erahnte auszusprechen, aus greifbarer Angst, es könnte sonst reale Wahrheit werden und nach Konsequenzen verlangen.


Bedenkt man das Alter der Autorin, freut man sich darauf, was man potentiell noch zu lesen bekommen wird.

Trotzdem: es stört etwas an dem Buch. Es ist ein Gefühl, das mich bei Christian Krachts „Faserland“ ebenso umgetrieben hat wie bei Martin Walsers „Ohne einander“. Ein Gefühl des „was hat das mit mir zu tun?“. Die Personen in „Wir kommen“ sind so egozentrisch und selbstfixiert, dass sie spontanes Kopfschütteln hervorrufen. Es geht den Protagonisten nur und ausschließlich um die eigene Selbstverwirklichung. Das Kind, das der Roman als stumme Randfigur führt, ist nichts als eine Projektionsfläche der eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Neurosen der Erwachsenen.
Was ist die Botschaft dieser Überzeichnung von Egoismen. Das ist Die „Generation Y“?


Auffällig ist, dass alle Charaktere in der Welt der Kunst und Kreativität ihr offenbar auskömmliches Einkommen finden. Auf der Party, auf die das Buch hinläuft, bestätigt und ironisiert die Autorin diesen Ansatz, indem sie gar „ehemalige Zukunftsforscher“ auftreten lässt. Die Gäste der Party sind dabei ebenso egomanisch wie die Protagonisten selbst.


Damit lässt das Buch den im konventionellen Bürgertum sein Dasein fristenden Leser mit dem Gefühl zurück, die Welt der Kreativen, Künstler und Kulturschaffenden, also all jener, die nicht morgens um 08:00 in einem Büro sein müssen, sei durchsetzt von selbstfixierten Neurotikern und ganz viel Traurigkeit, die mühsam mit intellektuellem Glanz übermalt wird.


Dies alles ist mitnichten Kritik an der Qualität des Buches, welches sich in jedem Fall zu lesen lohnt. Der Blick in die Erlebnis-Blase der kreativ-schaffenden ist kein schlechter. Gleichwohl darf man gespannt sein, in welchem Mikrokosmos das nächste Buch der Autorin spielt.

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