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wien, steampunk

Professor Koslows Äthermaschine

J. Pollaschek
Flexibler Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 31.07.2017
ISBN 9783743103818
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Ich muss vorausschicken: Steampunk ist prinzipiell kein Genre, das es mir besonders angetan hätte und das mich bisher besonders begeistern konnte.
Die Idee aber, eine Steampunk-Geschichte nicht im viktorianischen England, sondern im Wien des Jahres 1865 spielen zu lassen, ist einfach genial und hat mich dann ziemlich begeistert. Sicher liegt es auch daran, dass man als Wienerin natürlich viele der Schauplätze der Geschichte selbst kennt und sich noch viel besser in die Geschichte hineinversetzen kann: Der Spittelberg, das Café Griensteidl, die Palais der Wiener Innenstadt entstehen da dank der atmosphärischen Schilderungen des Autors ebenso plastisch vor dem inneren Auge wie die einfachen Wirtshäuser oder die Landschaft des Weinviertels.
Der Autor beweist in dem Buch, dass er sich ein profundes Wissen über die Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angeeignet hat, und die charakteristischen Elemente des Steampunk fügen sich so in den historischen Kontext ein, dass man sie schon nach wenigen Seiten als selbstverständlich annimmt und sich fast wundert, dass es im Technischen Museum heute kein Vapormobil der Lohnerwerke als Ausstellungsstück gibt.
Die Charaktere sind sehr sympathisch, menschlich und plastisch geschildert; man würde sich noch weitere Abenteuer mit der unkonventionellen Komtesse Ada von Rony und dem Erfinder Jakob Ros wünschen. Auch die Nebenfiguren sind stimmig und gut beschrieben. Die sich langsam entwickelnde Romanze zwischen den Protagonisten ist sehr gefühlvoll und nicht ohne eine gehörige Portion Witz beschrieben. 
Zu Beginn der Geschichte nimmt sich der Autor viel Zeit, den Leser in die Atmosphäre seiner Welt eintauchen zu lassen. Die Spannung baut sich langsam auf, steigert sich gegen Schluss deutlich, die Handlung nimmt einige unerwartete Wendungen, und erst auf den letzten Seiten klärt sich dann alles auf. Kein Thriller, aber eine gut konstruierte Kriminalgeschichte mit viel Humor und Augenzwinkern, auch wenn so mancher der Gags für Nicht-Wiener vermutlich nur halb so lustig ist.
Fazit: Steampunk trifft Wiener Schmäh - eine unwiderstehliche Mischung und eine unbedingte Leseempfehlung.

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Tags: steampunk, wien   (2)
 
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