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49 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

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Vier Tage in Kabul

Anna Tell , Ulla Ackermann
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.08.2018
ISBN 9783499273841
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zwei schwedische Diplomaten werden in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, vermisst. Die Aufklärung dieses Falls soll möglichst diskret und ohne öffentliche Aufmerksamkeit erfolgen, vor allem auch, um die politischen Verbindungen dieser beiden Länder nicht weiter zu verschlechtern.
Darum wird die schwedische Unterhändlerin, Kriminalkommissarin Amanda Lund, eine in Afghanistan stationierte Verhandlungsspezialistin, mit den Ermittlungen betraut. Unterstützung bekommt sie vom Kollegen Bill Eckmann, der in Stockholm ihren Einsatz koordiniert.
Alle Spuren des Vermisstenfalls, der sich später als Entführung herauskristallisiert, führen zum schwedischen Botschafter in Kabul und weiter bis in die allerhöchsten politischen Kreise beider Länder. Wer sind die Drahtzieher hinter dem Ganzen? Sind die beiden Diplomaten überhaupt noch am Leben? Die Zeit drängt, die Regierung will Ergebnisse, die Medien lauern und Amandas Adrenalinspiegel ist vier Tage in Kabul an seiner absoluten Obergrenze.

Anna Tell verschaffte mir durch diesen Roman meinen allerhöchsten Respekt vor den Menschen, die freiwillig oder durch einen beruflichen Einsatz bedingt in einem Land wie Afghanistan leben, wo der Tod hinter jeder Hausfassade lauert. Die Zustände, die Gefahren…, ich denke genauso spielt sich das Leben in dieser Hölle auf Erden ab. Ein sehr guter Einblick in ein Kriegsland ohne Regeln und ohne Respekt vor menschlichem Leben.
Auch der hochspannende Entführungsfall ist authentisch und er könnte sich genauso abgespielt haben. Daran habe ich keinen Zweifel. 


Allerdings verschachtelte Anna Tell alle beteiligten Personen miteinander. Übertrieben bedeutet dies: Der Freund, vom Freund, vom Freund des Freundes war ebenfalls beteiligt. Dazu kommen noch die vielen nicht geläufigen arabischen und schwedischen Namen, die unzähligen hochrangigen Regierungspersönlichkeiten und das umfangreiche Geschehen über zwei Kontinente hinweg. Mir war`s manchmal zu konfus und vollgepackt. 


Neben 4 von 5 Sternen gebe ich eine Leseempfehlung. Ein Thriller mit einigen Überraschungen und Wendungen, der die Zustände in einem Land zeigt, dass zu den gefährlichsten der Welt gehört - ein gelungenes Debüt an dessen Fortsetzung ich sehr interessiert bin. 

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Ins Dunkel

Jane Harper , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.07.2018
ISBN 9783499274732
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Firma BaileyTennants gerät ins Visier der Steuerfandung. Alice Russel, eine langjährige Mitarbeiterin im Unternehmen, soll den Behörden als geheime Informantin wertvolle Dokumente liefern, die den Verdacht der Geldwäsche bestätigen.
Während die Ermittlungen laufen, nimmt Alice an einer Teambuilding-Aktion ihres Arbeitgebers teil. Sie ist eine von 5 Frauen, die eine 3 tägige Wanderung durch den australischen Busch wagen und dabei nur auf die Hilfe von Landkarte und Kompass zurückgreifen.
Doch lediglich 4 Damen kommen am vereinbarten Endziel der Tour an. Von Alice fehlt jede Spur. Eine fieberhafte Suche nach der Verschwundenen beginnt. Die Zeit drängt, denn die unberührte Natur ist gnadenlos und macht das Überleben schwer. Was ist wirklich in der Wildnis geschehen? Hüten ihre vier Kolleginnen ein schreckliches Geheimnis? Wurde Alice als Spitzel enttarnt und der Ausflug sollte sie aus dem Weg schaffen? Und welche Rolle spielt ein Serienmörder, der Jahre zuvor in derselben Gegend sein Unwesen trieb?


Ich beginne mit meiner persönlichen Kritik, welche die Logik betrifft. Mich störte, dass ein Ermittlungsteam der Wirtschaftskriminalität den Hauptpart der Polizeiarbeit übernahm. Was haben die mit einem Vermisstenfall zu tun? Zumal die verschollene Alice wohl kaum die angeforderten Beweismittel zum Wandern in ihren Rucksack packte. Die Autorin Jane Harper brachte Aaron Falk zum zweiten Mal ins Spiel. Er spielte bereits in ihrem Debütroman eine Hauptrolle. Und er arbeitet nun mal bei der Steuerfahndung. Das kann ich alles verstehen und nachvollziehen. Es hinterlässt trotzdem einen komischen und konstruierten Eindruck.

ABER: Diesen Punkt bitte unbedingt ignorieren und ein Auge zudrücken. Denn dieser Thriller ist klasse. Ich wurde in ein Drama mitgenommen, dessen Spannung ich kaum aushalten konnte. Der Erzählstil ist sehr interessant. Die gut geschriebene Story wechselt nach jedem Kapitel zwischen der Aufklärung des Falls und dem Rückblick auf die besagte Wanderung und den Erlebnissen in der Natur. Langeweile = Fehlanzeige. Dafür gibt es viele Cliffhänger, die die Spannung hochhalten. Wir Leser erfahren erst auf den letzten Seiten die Wahrheit über Alices Verschwinden. Bis dahin kann nach Herzenslust mitgerätselt und verdächtigt werden. Jegliche Option bleibt bis zum stimmigen Schluss offen und garantiert Gänsehautmomente. Ein Thriller, der diesen Namen mehr als verdient hat und für den ich eine absolute Leseempfehlung ausspreche. Nervenkitzelgarantie! 

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Feenprinz - Band 2: Flügel und Magie - Gay Fantasy (Feenprinz-Reihe)

Ray van Black
E-Buch Text: 129 Seiten
Erschienen bei null, 15.06.2018
ISBN B07DSG6KQJ
Genre: Sonstiges

Rezension:

Vorab:
Band 2 der Feenprinzreihe schließt nahtlos an das Vorgängerbuch an. Ich rate dazu, mit „Zwei Welten“ zu beginnen. Dort schildert Ray van Black ausführlich die Vorgeschichte von Lou, dem Hauptcharakter dieses homoerotischen Fantasy-Abenteuers. Und dort wird auch ausführlich auf Lous Macken und Verhaltensweisen eingegangen, die hier im Feenreich eine wichtige Rolle spielen und viele Handlungen erklären.

Zum Inhalt:
Es ist geschehen. Der schwule 17-jährige Berliner Punk Louis, genannt Lou, ist mitten im schillernden irländischen Feenreich gelandet und die Rückkehr in sein normales Leben scheint in weite Ferne gerückt. Seine Laune ist dementsprechend schlecht und sein Verhalten beschert ihm allerhand Schwierigkeiten, was einigen Wesen gewaltig auf die Nerven geht. Vor allem Ferenian, sexy, männlich und geheimnisvoll, zeigt seine Abneigung deutlich. Blöd nur, dass er auf Lou eine gewaltige erotische Anziehungskraft ausübt. Die beiden lassen sich auf ein gewagtes Katz und Maus Spiel ein, dessen Ausgang bestimmt noch eine Menge Überraschungen zu bieten hat…

Mein Fazit:
Der im Band 1 angekündigte „Feenstaub“ ist eingetroffenen und zieht uns Leser in eine glitzernde, schillernde und klischeebehaftete Welt voller Blütenblätter, Morgentaubadebecken und modeaffinen Käfern. Und mittendrin Lou, der seinen Hund Kotze taufte und dessen einzige Farbe der rote Iro auf dem Kopf ist. Diese Gegensätze wurden richtig genial umgesetzt und haben mir einige Stunden beste und amüsante Unterhaltung geschenkt. Eine gelungene Fortsetzung. Es bleibt spannend, die Geschichte ist schlüssig und ich freue mich, dass sie weitergeht.
Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen.  

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126 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

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Der Frauenchor von Chilbury

Jennifer Ryan , Andrea O´Brien
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2017
ISBN 9783462048841
Genre: Romane

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126 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 51 Rezensionen

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Idaho

Emily Ruskovich , Stefanie Jacobs
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 19.02.2018
ISBN 9783446258532
Genre: Romane

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202 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 124 Rezensionen

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Zu nah

Olivia Kiernan , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel , Carla Felgentreff
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 03.04.2018
ISBN 9783959671835
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zu nah - Im Debüt-Thriller von Olivia Kiernan ermittelt Frankie Sheehan, die erst wenige Wochen zuvor selbst Opfer eines traumatischen Verbrechens wurde und nur knapp mit dem Leben davonkam. Während sie mit den seelischen Auswirkungen kämpft und als Zeugin im Prozess ihres mutmaßlichen Mörders immer wieder mit der Tat konfrontiert wird, bringen zwei Leichenfunde die Ermittlerin an ihre Belastungsgrenze.
Die beiden Toten könnten unterschiedlicher kaum sein. Eleonor eine angesehene Universitätsprofessorin mit Lehrauftrag und die junge Amy Keegan, die bisher kaum aus dem dörflichen Leben der elterlichen Autowerkstatt hinausgekommen ist. Ist der spurlos verschwundene Ehemann von Eleonor das fehlende Bindeglied zwischen den beiden toten Frauen? Und während Frankie im Sumpf von häuslicher Gewalt, Suizidplattformen im Darknet und dem Maler Chagall wühlt, katapultiert eine weitere Leiche die Ermittlungs-Fortschritte zurück auf den Nullpunkt….

Mein vorletzter Thriller (übrigens der schlechteste, den ich bisher in meinem Leben las) hatte so starke Ähnlichkeit mit „Zu nah“, dass dieses Debüt kaum eine Chance bei mir hatte. Eine arbeitsunfähige, traumatisierte Kommissarin trifft auf einen skrupellosen Psychopaten. In beiden Büchern übten die Serienmörder sogar denselben Beruf aus. Ach nö – nicht schon wieder und wirklich purer Zufall, dass ich kurz hintereinander zu diesen Lektüren griff. Der Mörder ist immer der Gärtner (oder der …), der erhoffte Spannungsbogen darum auf ein Minimum gesunken.

Aber für mich eine gute Möglichkeit beide Bücher miteinander zu vergleichen. „Zu nah“ schneidet in vielen Punkten deutlich besser ab, als die Ermittlungen von Smocky Barrett in „Die Stille vor dem Tod“.
Die Geschichte baut sich langsam und schlüssig auf. Während immer mehr Details ans Licht kommen, steigt die Zahl der Verdächtigen und das Rätsel um den gesuchten Mörder. Während Frankie etlichen Hinweisen nachgeht, arbeitet sie nebenher ihr eigenes, erlittenes Schicksal auf. Diese Sequenzen, die rückblickend ein zweites Verbrechen schildern, störten mich persönlich kaum. Sie wurden wohldosiert eingebaut, dies hat die Autorin sehr gut hinbekommen. Frankie`s Trauma veränderte zwar ihre Persönlichkeit, aber sie wurde nicht zum seelischen Wrack degradiert. Ihre Ermittlungen litten kaum darunter – dafür bin ich Kiernan sehr dankbar.

Ich gebe eine Leseempfehlung – ein guter Durchschnittsthriller, dessen Showdown vielleicht einen Tacken zu konstruiert und gehetzt abgehandelt wurde. Der aber definitiv 3 von 5 Sternen verdient hat. Solide Leistung für ein Debüt. 

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Feenprinz - Band 1: Zwei Welten - Gay Fantasy (Feenprinz-Reihe)

Ray van Black
E-Buch Text: 156 Seiten
Erschienen bei null, 30.04.2018
ISBN B07CS4CHH7
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Feenprinz“ ist die Geschichte von Louis aus Berlin, 17 Jahre alt, schwul und aufmüpfiger Punk. Er lebt im ständigen Streit mit seiner alleinerziehenden Mutter und hängt am liebsten mit seinen Kumpels ab, denen er seine Homosexualität bisher verheimlichte.
Gerade als seine Freundschaft zu Schnorri eine entscheidende Phase erreicht, wird er von seiner Mutter Sabine zu einem zweiwöchigen Irlandurlaub gezwungen. Widerwillig fügt er sich seinem Schicksal und seine Laune ist tief im Keller, als die beiden kurz vor Beltane, dem Fest zum Sommeranfang, die grüne Insel erreichen.
Während sich Sabine sofort ins feuchtfröhliche Dorfgeschehen stürzt, nimmt Louis Wut auf seine Mutter zu und frustriert läuft er in die nächtliche Natur hinaus. Die gutgemeinten Warnungen der Einheimischen: „Hütte dich an Beltane vor den Feen“ sind doch reiner Schwachsinn. Doch hinter jeder Legende steckt ein Körnchen Wahrheit und als er plötzlich in die Augen des geflügelten Silyan blickt, erkennt er, dass er sich mitten in einem wahrgewordenen Alptraum befindet.

„Feenprinz – Zwei Welten „ ist der Auftaktroman zu einem 4-6 bändigem Werk. Ray van Black nutzte 2/3 des Buches für die Vorgeschichte von Louis, dessen aktueller Gefühlslage und um den Alltag mit Freunden und Mutter zu beschreiben. Fantasyliebhaber müssen sich beim Lesen gedulden, denn das Buch streift dieses Genre nur am Schluss sehr kurz. Auch die homoerotischen Szenen sind momentan noch rar. Ich persönlich hatte mit der ausführlichen Louis-Schilderung überhaupt keine Probleme. Im Gegenteil, zeigt sie doch deutlich, wie er fühlt und denkt und warum er manchmal doch sehr rüpelhaft reagiert. Ich möchte sie nicht missen.

Fazit: Ich hatte einige amüsante und durchaus auch witzige Lesestunden. Die Story ist schlüssig und die Charaktere stimmig. Ich freue mich definitiv auf die Fortsetzung und hoffe, dass der angekündigte Feenstaub den nächsten Band nicht zu sehr ins Kitschige zieht.
Definitiv: Band 1 hat mir gefallen, ich mag solche Storys. Punkt. Darum gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung. 

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374 Bibliotheken, 34 Leser, 2 Gruppen, 141 Rezensionen

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Children of Blood and Bone – Goldener Zorn

Tomi Adeyemi , Andrea Fischer
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 27.06.2018
ISBN 9783841440297
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Einst erschuf die Himmelsgöttin Kinder aus Blut und Bein und schenkte ihnen einen Teil ihrer Seele. Sie wurden mit magischen Kräften ausgestattet. Doch nicht alle Bewohner der Erde bekamen diesen Segen. Die Göttergabe empfingen nur die schwarzhäutigen Maji`s, das Volk mit den weißen Haaren.

Ein grausamer König bestieg den Thron, der nur ein Ziel kannte: Den Untergang der Maji`s und die Zerstörung der Magie. In einer grauenvollen Blutnacht wurden alle Weißhaarigen abgeschlachtet. Nur deren Kinder, die noch keine magischen Kräfte entwickelten, durften am Leben bleiben. So verschwand die Magie von der Erde und die einst mächtigen Maji`s wurden zu Sklaven, Leibeigenen und Zwangsarbeiter, ein Volk der sozialen Unterschicht, gebrandmarkt mit dem Schimpfwort „Made“.

Doch noch gibt es Hoffnung. Am richtigen Ort, zur richtigen Zeit kann die Magie auf die Erde zurückkehren. Und so machen sich drei tapfere Verbündete auf eine lange und gefährliche Reise. Ihre Parole: „Sie raubten uns die Magie, jetzt erheben wir uns“.

Die Magie muss erlöschen, die Verbündeten sollen sterben. Inan, Sohn des Königs wird zum Jäger. Einer, der damit um die Gunst seines Vaters buhlt. Doch plötzlich hat ihn die Göttergabe selbst fest im Griff und diese Erkenntnis lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren. Am richtigen Ort, zur richtigen Zeit wird er eine schwerwiegende Entscheidung treffen müssen.

Ich bin gerne in phantastischen Welten unterwegs, mag den schier aussichtslosen Kampf gegen das Böse, den Zusammenschluss von Gefährten, das Ringen um Macht, den Kampf um Königreiche, fremde Völker, Wesen, Liebesbeziehungen und die Aussicht, dass irgendwann, in ungewisser Zukunft, das Gute durch den „einen“ Helden siegt.

Der erste Band von „Children of Blood and Bone“ liefert ab und die aufgezählten Punkte sind da. In dieser afrikanischen Phantasiewelt mit ausschließlich schwarzhäutigen Protagonisten und diversen wilden Tiergeschöpfen, die alle von diesem Kontinent stammen.

Bei einem Punkt jedoch versagt „Goldener Zorn“ immens: Dem Helden. Verkörpert in diesem Roman durch die unerschrockene Maji Zelie. Zum ersten Mal fehlt mir jegliche Sympathie für den „Star“ der Geschichte. Das betrifft nicht nur ihre Person, sondern auch ihre Magie und ihr Handeln. Nein, eigentlich betrifft es alle Beteiligten. Das Buch berührte mich nur an ganz, ganz wenigen Stellen. Ansonsten erschlug mich die brutale, nicht enden wollende, blutige Gewalt aller Parteien. Am Schluss angelangt, bin ich froh, die unzählbaren Toten endlich hinter mir lassen zu können.

Ich hadere auch mit Teilen der Handlung. Vielversprechende Charaktere sterben wie Fliegen, Ortsentfernungen und Zeiten werden missachtet, die Handlung ist nicht an allen Stellen schlüssig, zum Teil oberflächlich und Gegenstände wie Spritzen, Motorboote und Zigaretten wirken in einer Fantasiegeschichte fehl am Platz.

Meine Reise mit Zelie und Co endet hier. Ich bin nicht an einer Fortsetzung interessiert und werde auch die angekündigte Verfilmung nicht schauen. Den Hype, den das Buch in den USA entfesselte, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

Gefühlt würde ich dem Buch nur zwei Sterne geben. Aber das wäre einen Tacken zu hart, denn der Schreibstil ist gut und in einem anderen Punkt glänzte die Autorin. Trotz der unbekannten Namen von Personen, Göttern und Völkern konnte ich problemlos alles auseinanderhalten und hatte keinerlei Schwierigkeiten der Story zu folgen. Ich musste zu keinem Zeitpunkt Passagen etc. zweimal lesen. Trotzdem gibt es von mir keine Leseempfehlung und nur mit Vorbehalt bewerte ich den Roman mit 3 Sternen.

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62 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Alligatoren

Deb Spera , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 376 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 03.09.2018
ISBN 9783959672207
Genre: Historische Romane

Rezension:

Alligatoren spielt in den Südstatten der USA, rund 60 Jahre nach Abschaffung der Sklaverei. Vieles hat sich dort nicht verändert und alte Denk- und Handlungsweisen sind immer noch fest in den Köpfen der Bevölkerung verankert.
Doch Alligatoren zeigt deutlich, dass das Schicksal blind ist. Es macht keinen Unterschied zwischen der Hautfarbe, dem bürgerlichen Stand oder der sozialen Situation. Freud und Leid trifft jeden, zu jeder Zeit, an jedem Ort…

Alligatoren porträtiert einfühlsam und bewegend drei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und bei denen dieses blinde Schicksal erbarmungslos zuschlägt. Alle drei müssen sich den Herausforderungen des Lebens stellen und niemand kann sie davor bewahren. Der Kampf ist hart und schmerzvoll.

Gertrude und ihre vier Töchter leben fernab jeglicher Zivilisation in einer kargen Hütte bei den Sümpfen von South Carolina. Ihr gewalttätiger Ehemann prügelt und misshandelt die Familie und verschleudert alles Geld für seine Alkoholexzesse. Zum Überleben bleibt nichts übrig. Als Gertrude sich endlich von Alvin befreien kann, sind die 5 Frauen dem Tode näher als dem Leben. Nun muss sie sich als alleinerziehende Mutter der Situation stellen.
Sie findet Arbeit in der Näherei von Annie Coles, deren Familie eine riesige Baumwollplantage besitzt. Die Coles zählen zu den Reichsten der Gegend und ihr Anwesen ist mit der modernsten Technik ausgestattet. Aber auch sie müssen kämpfen. Eine Käferplage zerstörte den florierenden Baumwollanbau und Edwin Coles versucht seither Fuß im Tabakhandel zu fassen. Schonungslos beutet er die Familie für seine Zwecke aus. Wenn das männliche Oberhaupt ruft, hat sich keiner zu wehren. Als er sich zu einer Handelsreise aufmacht, entdeckt Annie ein grausames Familiengeheimnis, dessen Folgen das Leben jedes Coles verändern wird.
Oretta ist die Seele dieses Buches. Die tiefgläubige Schwarze führt den Haushalt der Coles und für ihr Umfeld ist sie Krankenschwester, Seelsorger, Tröster und Freundin. Mehrere Male rettet sie Gertrude das Leben. Nicht jeder mag ihre Empathie für hellhäutige Menschen, was ihr oft Abneigung beschert. Sie verlor früh ihre einzige Tochter und ihr geliebter Ehemann ist körperbehindert. Sie leidet still, doch nach außen hin verkörpert sie Kraft, Mut und Zuversicht. Von Oretta bin ich zutiefst beeindruckt.

Alligatoren ist ein Buch, welches mich stark bewegte. Schonungslos berichtet es vom harten Leben der Menschen in den 20-Jahren des letzten Jahrhunderts. Es war eine entbehrungsreiche Zeit mit Gewalt, Verlusten, Naturkatastrohen und Leid. Es machte die Menschen hart und lieblos und doch blitzt Hoffnung auf. Hoffnung nach einem besseren Leben, Hoffnung nach Selbstständigkeit, Vergebung und Zukunft.
Deb Sepra hat wunderbare Charaktere erschaffen, die tief in ihr Innerstes blicken ließen und dadurch manch schreckliche Handlung erklärbar und nachvollziehbar machten. Ich kann und will keiner mit dem bösen Zeigefinger drohen, keine der drei hätte es verdient.

Darum gibt es für mich als Fazit nur ein Wort: Toll – eine wunderbare Lektüre. Absolute Leseempfehlung für dieses Drama, das mich gedanklich noch lange beschäftigen wird. 

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273 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 163 Rezensionen

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Die Frauen vom Löwenhof - Agnetas Erbe

Corina Bomann
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.05.2018
ISBN 9783548289960
Genre: Historische Romane

Rezension:

Agneta ist das zweite Kind einer renommierten Adelsfamilie, deren Einfluss bis ins schwedische Königshaus reicht. Da ihr älterer Bruder Hendrik einmal Hoferbe des europaweit angesehenen Pferdegestüts wird, wagt die junge Frau einen Schritt, der 1913 noch einen handfesten Skandal auslöste. Sie beginnt ein Kunststudium in Stockholm und sympathisiert mit Menschen, die sich für Frauenrechte in Politik, Bildung und für soziale Unabhängigkeit einsetzen.

Ein schwerer Schicksalsschlag zwingt Agneta zurück auf den elterlichen Hof und kurze Zeit später ist sie für die Zukunft von vielen Menschen verantwortlich. Agneta muss sich entscheiden: Für ein Leben in gesellschaftlichen Zwängen zum Wohl der Familie, oder für die Freiheit, die sie sich so mühsam erkämpfte.

Mit „Agnetas Erbe“ beginnt Corina Bomanns Schwedensaga über die Lejongards und ihrem Zuhause, dem Gut Löwenhof. Mit über 700 Seiten bereits jetzt ein gewaltiges Werk, dass sich jedoch gut lesen lässt, das schlüssig ist und recht gut das strenge Regime der Adelshäuser Anfang des 20. Jahrhunderts beschreibt. Ein Roman für nette Lesestunden, mit einem kleinen Spannungsbogen und mit den erwarteten Szenen, die dieses Genre „Historischer Adel-Frauen-Liebe“ ausmachen. Ein Buch, dessen Fortsetzungen ich zwar nicht sehnlichst erwarte, die ich aber dennoch lesen möchte.

Ich hadere etwas mit der blassen Hauptprotagonistin Agneta, die so taff und kämpferisch wirken sollte. Ihre Rolle als moderne, aufgeschlossene, frauenrechtlerische Dame nahm ich ihr nicht ab, auch wenn sie nur am Rande in dieser „Szene“ mitmischte. Die unendlichen Auseinandersetzungen mit ihrer strengen, etikettenliebenden Mutter Stella nervten irgendwann, genauso wie ihre Entscheidungen „stets zum Wohle“ des Adelsgeschlechts und der gesellschaftlichen Norm. Ihre modernen Ansichten, Gedanken und Handlungen glommen auf sehr, sehr kleiner Flamme.

Wegen dieser Kritik bewerte ich „Agnetas Erbe“ mit drei von fünf Sternen. Ich möchte dennoch eine Leseempfehlung aussprechen. Mit diesem Buch macht man praktisch nichts falsch. Ich würde es jederzeit an alle meine weiblichen Familienmitglieder und Freundinnen weitergeben. 

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31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

fischerei, gesellschaftskritik, gewinn, hörbuch, hörrunde, krimi, meer, mp3, ökothriller, öko-thriller, politthriller, raubfischerei, sea shepherd, thriller, überfischung

Das Meer

Wolfram Fleischhauer , Johannes Steck
Audio CD
Erschienen bei Argon, 01.03.2018
ISBN 9783839816226
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Verpackt in einen hochspannenden Thriller ist es Wolfram Fleischhauer eindrücklich gelungen seine Leser, bzw. Hörer auf ein ernstes Problem hinzuweisen: Der skrupellosen und profitgierigen Ausplünderung unserer Weltmeere, mit fatalen Folgen für Mensch-, Tier- und Umwelt.

Während die international agierende Fischmafia (im Buch hauptsächlich vertreten durch den spanischen Fischerei-Flottenbesitzer Ignacio Buzual und dem Thailänder Suphatra) äußerst brutal ihre Gelder vermehren, versucht eine radikale Gruppe von Umweltschützern, den Fischfang zu normalisieren. Die Zeiten, in denen versklavte Arbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen wahllos die Meere leerfischen, in denen Scheinfirmen EU-Gelder abkassieren und in denen sich kein Verbraucher, um den noch vorhandenen Artenbestand schert, sollen endgültig der Vergangenheit angehören. Mehrere Aktivisten bringen Fische auf den Lebensmittelmarkt, bei dessen Verzehr ein im Tier angereichertes Nerventoxin schlimmste Vergiftungserscheinungen hervorruft. Die Betroffenen können später nie wieder Fisch essen, sie entwickeln eine Allergie dagegen.
Das Vorhaben gelingt, leider mit einem schweren Verlust. Die junge Teresa wird erwischt und verschwindet spurlos. Eine gnadenlose Jagd auf Ragna die Melo, Anführerin der Umweltaktivisten, beginnt. Wird sie, wie Teresa, der Fischmafia in die Hände fallen oder kann ihr Vater sie rechtzeitig warnen? Schließlich kennt er das Treiben seiner früheren Kollegen ganz genau. Nur, wo soll er mit der Suche beginnen? Denn seine Tochter hat alle Spuren zu ihrem Aufenthaltsort verwischt und die Zeit drängt…

Ich bewerte „Das Meer“ als Hörbuch. Der Sprecher Johannes Steck hat eine hervorragende Arbeit geleistet und mir einige Stunden voll höchster Spannung geschenkt. Die Geschichte ist schlüssig, glaubhaft und bringt das Umweltthema deutlich und schonungslos auf den Punkt. Fakten, an deren Wahrheit ich keine Zweifel habe und die an die Öffentlichkeit müssen. Darum gibt es eine absolute Leseempfehlung von mir. Ein Thriller, der unseren eigenen unbedachten Fischverzehr zu Recht in ein anderes Licht rückt und der uns zum Nachdenken anregen sollte.

Obwohl das Hörbuch, der Sprecher und die Story mich vollkommen überzeugten, würde ich Neulesern eher zum Taschenbuch oder Ebook raten. Ich tat mir mit den Personen sehr schwer und musste einige Passagen mehrmals anhören, um am Ball zu bleiben. Warum? Zum einen hörten sich manche gesprochenen Namen sehr ähnlich an, z.B. Ragna/Herr Render. Zum anderen sind alle Protagonisten mehrfach miteinander vernetzt, was zwar einen genialen schriftstellerischer Schachzug bedeutet, aber beim Hören verwirrt.

Trotzdem gestaltete sich „Das Meer“ als ein Highlight meiner bisherigen Hörbuchsammlung und ich bewerte diesen Umwelt-Thriller mit vollen 5 von 5 Sternen. 

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80 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

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Ein Reif von Bronze

Stephan M. Rother
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 27.03.2018
ISBN 9783499403576
Genre: Fantasy

Rezension:

„Die alten Götter zürnen, sie müssen besänftigt werden.“ Mit diesem Auftrag macht sich der junge Pol auf einen beschwerlichen Weg, denn er ist der einzige, der dies vermag. Doch er verliert seine Göttergaben. Wie soll er sie gnädig stimmen, wenn er mit leeren Händen vor sie treten wird?

„Die alten Götter zürnen, der Krieg hat begonnen.“ Doch die Völker im hohen Norden kämpfen ihre eigene, ganz persönliche Schlacht. Bruder gegen Bruder. Auf welches Haupt wird der Reif von Bronze gesetzt, wenn die längste und dunkelste Nacht des Jahres mit allem, was in der Tiefe lauert, einem neuen Tag weicht?

„Die alten Götter zürnen, die Blätter der Heiligen Esche welken.“ Leyken aus dem Süden, gefangen im Zentrum der Rabenstadt, sieht die Fäulnis und den Moder mit ihren eigenen Augen. Und sie erkennt, dass die Kindheitsgeschichten über die alten Götter nichts, überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Der Fantasyroman „Ein Reif von Bronze“ schließt sich nahtlos seinem Vorgängerband an und die Geschichte rund um die Heilige Esche fasziniert aufs Neue durch Stephan M. Rothers ganz besonderen Schreibstil. Ein Buch, welches Zeit braucht, keine Literatur zum Überfliegen, High-Fantasy mit dem gewissen „Rother-Pfiff“, der auch in diesem Buch bravourös zur Geltung kommt.

Wiederum begleiten die Leser abwechselnd den Dieb Pol, König Morwas Familiengeschlecht im hohen Norden, und Leyken aus dem Stamm Banu Qisai, die sich auf der Suche nach ihrer entführten Schwester in der Rabenstadt aufhält. Während „Ein Reif von Eisen“ die Grundlagen der Geschichte liefert, konzentriert sich „Ein Reif auf Bronze“ auf viele magische Szenen. Der Leser kommt dem Geheimnis des alten, mächtigen Baumes auf die Spur und erkennt wichtige Zusammenhänge. Zwei-, dreimal musste ich mit einigen langwierigen Passagen kämpfen, mein einziger und minimalster Kritikpunkt, der trotzdem nicht an der verdienten 5-Sterne Bewertung rüttelt.

Ich persönlich würde nicht mit diesem Band in die Geschichte einsteigen. Alles ist mit Allem verbunden. Und was für die Heilige Esche gilt, gilt auch für diese Trilogie. Vieles ist miteinander vernetzt, die Personen, die Handlungsstränge… Den vollen Genuss bekommt man nur im Ganzen!

Fazit: Ich gebe eine klare Leseempfehlung, denn das Buch ist ein Genuss. Die Story ist rund, macht Lust auf mehr und der gelungene Cliffhanger der letzten Seite, lässt mich bereits jetzt mit den sprichwörtlichen Hufen scharren. Ich möchte weiterlesen, deshalb wird Teil 3 der Reihe auf jeden Fall einen Platz in meinem Buchregal bekommen. 

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129 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

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Hexenmacht

Kai Meyer , Jens Maria Weber
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 22.02.2018
ISBN 9783596701742
Genre: Fantasy

Rezension:

Hexenmacht ist das zweite Buch des Weltraumabenteuers „Die Krone der Sterne“. Neuleser können problemlos mit diesem Band einsteigen. Alles Relevante wird in einer gelungenen Zusammenfassung zu Beginn der Geschichte erklärt und zusätzlich durch wohldosierte Rückblicke der Hauptprotagonisten unterstützt. Das hat der Autor Kai Meyer sehr gut hinbekommen.

Iniza und Glanis leben mittlerweile ein Jahr im Asyl auf dem Piratenplaneten Noa, der von Inizas Onkel Fael beherrscht wird. Ihre gemeinsame Tochter Tanys ist inzwischen 6 Monate alt. Auch die treuen Weggefährten des Paares, Shara und Kranit haben dort eine neue Heimat gefunden. Aber der Frieden trügt. Den versteckten Planeten möchten viele unterschiedliche Gegner durch kriegerische Handlungen zerstören.

Der Alptraum beginnt, als dem gefangenen Hadrath, ein glühender Anhänger des STILLE Kults, die Flucht von Noa gelingt. Er kennt die gut gehüteten Koordinaten des Planeten und ist bereit, diese auch zu verraten. Damit ihn niemand bei seinem Vorhaben hindert, entführt er die kleine Tanys und setzt sie als Geisel ein. Während Glanis die Verfolgung aufnehmen kann, bleibt Iniza alleine auf Noa zurück und trägt plötzlich die Verantwortung für tausende Menschen.
Kann Hadraths Plan vereitelt werden? Was hat dieser Irre mit dem kleinen Baby vor? Ist Noa in Gefahr? Welche Rolle spielt die hübsche Muse dabei? Und was geschieht mit Shara und Kranit, die auf einem anderen Planeten, in einer anderen Schlacht einem weiteren, gefährlichen Gegner ins Auge blicken.

Zum zweiten Mal faszinierte mich das Weltraumabenteuer mit seinen vielen unterschiedlichen Facetten. Ein Muss für Liebhaber des Genres SciFi, denen ich eine Leseempfehlung ausspreche. Das gut geschriebene und stimmige Buch ist eine Reise in die fremden Welten wert.

Eine weitere große Stärke sind die Beschreibungen der Charaktere, denen ich ihr Verhalten zu 100% abgenommen habe. Die Fiesen sind so abgrundtief böse, dass man sie beim Lesen mit jeder Faser zu hassen beginnt, während die Guten zu persönlichen Helden werden, ganz gleich ob sie gerade Tausende in ihr Unglück stürzten. Toll, wie gut und glaubhaft das dem Leser vermittelt wurde.

Während ich Band 1 mit 5 Sternen bewertete, ziehe ich für Hexenmacht jedoch einen Punkt ab. Ich möchte die Gewalt nicht, die fast auf jeder Seite zu finden war. Zu viele sind gestorben, zu vieles wurde schonungslos dem Erdboden gleichgemacht, auch wenn Cyberschlachten und Laserangriffe zum Genre dazugehören.
Außerdem ging Kai Meyer kaum mehr auf den Handlungsstrang von Inizas Schicksal ein. Warum sie und ihre Familie überhaupt auf Noa feststeckten, spielte im Folgeband nur noch eine untergeordnete Rolle. Sehr, sehr schade. Ich hätte mir bezüglich Inizas/Tanys Wichtigkeit für den Hexenorden eine Fortsetzung gewünscht. Aber vielleicht verurteile ich diesen Punkt etwas vorschnell und ein dritter Band greift diese Storyline wieder auf.

Tatsache: Für mich ist die Geschichte definitiv noch nicht zu Ende und ich bin wieder an Bord, wenn Iniza, Glanis, Shara, Kranit und die Muse ihre Blaster für neue Abenteuer bereithalten.     

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199 Bibliotheken, 5 Leser, 3 Gruppen, 121 Rezensionen

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Die Herzen der Männer

Nickolas Butler , Dorothee Merkel
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.02.2018
ISBN 9783608983135
Genre: Romane

Rezension:

Zentraler Mittelpunkt des Romans ist das Pfadfinderlager Chippewa, irgendwo in Wisconsin/USA. Die Zeitspanne dieser Geschichte umfasst rund 60 Jahre und die Leser bekommen einen guten Einblick, wie sich das Campleben im Laufe der Zeit veränderte. Der moderne Fortschritt macht eben vor nichts halt – nicht jeder kommt mit dieser Tatsache klar. Aber darum geht es nicht.

Nein, „Die Herzen der Männer“ thematisiert nur am Rande, ob man Fährtenlesen im Jahr 2019 zum „Mann werden“ braucht.
Es geht in erster Linie um Generationenkonflikte, um Verletzungen, Enttäuschungen, sowie Verluste und welche Auswirkungen dies auf die eigene, persönliche Entwicklung hat.

Die Geschichte beginnt im Sommer 1962. Zusammen mit seinem Vater ist der 13-jährige Nelson Doughty Teilnehmer im oben erwähnten Zeltlager. Nelson ist der Parade-Pfadfinder schlechthin und er blüht bei jeder Aufgabe, jedem neuen Verdienst-Abzeichen so richtig auf. Mit seinem tadellosen Engagement zieht er den Neid und Spot der anderen Jugendlichen auf sich und er muss einige schlimme Attacken über sich ergehen lassen. Selbst der eigene Vater schämt sich wegen ihm. Lediglich Jonathan verhält sich Nelson gegenüber einigermaßen respektvoll, wobei das Wort Freundschaft hier immer noch fehl am Platz ist. Als Nelson einen handfesten Skandal aufdeckt, in den auch einige Betreuer des Zeltlagers involviert sind, verändern die daraus resultierenden Konsequenzen das Leben von Nelsons Familie für immer.

Etliche Jahre später leitet der ledige Nelson das Lager Chippewa. Er bringt jungen Menschen Werte, Würde und Achtung bei. Ihm gefällt diese Aufgabe. Der Kontakt zu seinem früheren Kumpel ist nie ganz abgerissen. Jährlich besucht Jonathan zusammen mit seinem Sohn Trevor das obligatorische Pfadfinderlager in der wilden Natur. So auch im Jahr 1996. Trevor, mittlerweile fast zu alt für diese Sommeraktion, schwebt auf rosaroten Wolken. Er hat seine große Liebe gefunden, Rachel. Jonathan findet diese Beziehung albern und er nutzt den gemeinsamen Urlaub, um Trevor diesbezüglich die Leviten zu lesen. Und er hat noch mehr Überraschungen für seinen Sohn parat. Wieder beginnt mit dem Ende des Urlaubs ein neuer Lebensabschnitt für alle Beteiligten.

2019 ist Rachel die Erwachsene, die ihren Sohn Thomas ins Camp begleitet. Sie freut sich auf das sieben tägige Leben in der wilden Natur. Und auf Nelson, in dem sie einen väterlichen Freund gefunden hat. Es ist die letzte Pfadfindersaison für den inzwischen 70-jährigen. Er plant seinen verdienten Ruhestand außerhalb der Wälder Wisconsins. Während das Lagerleben seinen gewohnten Gang nimmt, schlägt das Schicksal noch einmal gnadenlos zu. Und als im Camp der letzte Zapfenstreich auf der Trompete gespielt wird, weine ich, die Leserin, bittere Tränen.

Mein Fazit:
Gewaltige Zeitsprünge prägen diesen Roman und jeder der drei Abschnitte, hat seine eigene, gefühlvolle Geschichte. Was zwischenzeitlich im Leben von Nelson und Jonathan geschah, wird in wohldosierten Rückblicken und Reflektionen geschildert. So entstand eine glaubwürdige und stimmige Story, die mir einige wunderbare Lesestunden geschenkt hat. Das Buch ist ein Wechselbad der Gefühle und schildert eindrücklich, wie Elternbeziehungen, Kriegseinsätze oder Liebeskonstellationen prägen und für spätere Handlungen verantwortlich sind.

Ich zitiere das Magazin People – „Ein zärtliches, einfühlsames Buch – eine wunderbare Geschichte“. Besser kann man „Die Herzen der Männer“ nicht beschreiben.
Eine absolute Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen. 

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Die Kathedrale des Lichts

Ruben Laurin
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.01.2018
ISBN 9783404176366
Genre: Historische Romane

Rezension:

Schauplatz dieses Romans ist der Magdeburger Dom, dessen Baubeginn auf das Jahr 1207 datiert wurde. Ruben Laurin recherchierte umfangreich und wir Leser begleiten zahlreiche, historisch belegte Zeitzeugen beim Bau dieses beeindruckenden Gotteshauses.

Moritz erlebte hautnah die Ermordung seiner Eltern und die Plünderung seines Heimatdorfes mit. Noch Jahre später leidet er unter den Folgen dieses Traumas, dass seine Kindheit vorzeitig beendete. Nur die Arbeit an seiner geliebten Mutter, deren Antlitz er für immer in Stein meißeln möchte, bewahrt ihn vor der wiederkehrenden, sinnraubenden Raserei, die ihm mehr als einmal zum Verhängnis wurde.

Glückliche Umstände bescherten ihm eine Anstellung in der Bauhütte des Meister Bohnsack, der für den Bau der neuen Magdeburger Kathedrale die Verantwortung trägt. Fortan darf der talentierte Moritz das tun, was er liebt: die Erschaffung von Heiligenbildern aus Stein. Alle Kunstwerke, die in diesem Roman zur Sprache kommen, können noch heute, rund 800 Jahre später, im Dom zu Magdeburg bewundert werden.

Moritz verliebt sich in die schöne Helena Bohnsack, die einzige Tochter seines Arbeitgebers. Leider ist der kraftstrotzende junge Mann nicht der einzige Bewerber, der die taffe Frau für sich gewinnen möchte. Der adlige Ritter Ansgar von Lund verzaubert Helena mit blumigen Worten, schon viele Damen erlagen dem Charme dieses Kämpfers. Auch der Franzose Gotthart, ein unsympathischer Bildhauer von guter Herkunft, reiht sich mit in den Kampf der Verehrer ein. Bald werden Moritz und Gotthart zu erbitternden Rivalen,…

Wem wird die junge Helena ihr Herz schenken? Welche Rolle spielt Mechthild von Magdeburg, für die der Dombau etwas Einzigartiges bedeutet? Wird Gottharts dunkles Geheimnis ans Licht kommen? Und was geschieht, als der Mörder von Moritz Eltern den Weg des jungen Wenden erneut kreuzt?

Wie schon erwähnt, dieser Roman hält sich an viele historische Fakten. In wohlproportionierten Dosen erfahren wir allerhand über die Dombaukunst, das Leben der damaligen Zeit, bis hin zum Martyrium des Heiligen Mauritius, dessen Bildnis in Form eines dunkelhäutigen Ritters bis heute im Dom eine große Besonderheit darstellt. 

Das Werk aus der Feder von Ruben Laurin ist recht ausführlich. Ich bin gut in die Geschichte hinein gekommen und hatte keine Schwierigkeiten, Personen, Orte und Begebenheiten zuzuordnen. Der Spannungsbogen ist in Ordnung, die Story ist schlüssig und nachvollziehbar. 

Leider waren mir einige Charaktere nicht sonderlich sympathisch, weshalb ich einen Punkt in meiner Bewertung abziehe. Während Ansgar von Lund mit schmalzigen Worten die Damenwelt betört, haderte ich vor allem mit Moritz, dem Hauptprotagonisten. Er agiert recht brutal und kann durchaus mit Fiesling Gotthart mithalten, auch wenn seine mörderischen Beweggründe einen anderen Hintergrund haben. Diese Gewalt, mir war sie einfach zu viel.

Ansonsten kann ich das Buch allen empfehlen, die ausführliche historische Romane lieben und die hautnah miterleben möchten, wie deutsches Kulturgut in Form einer gewaltigen Kathedrale entsteht. 

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36 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 21 Rezensionen

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Die Schulter des Riesen

Raffael Rauhenberg
E-Buch Text: 438 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 08.11.2017
ISBN B076B7FC9H
Genre: Romane

Rezension:

„Gutbürgerlich“, genau das symbolisiert Gregor Bach. Verheiratet, Vater von zwei quirligen Buben, mittelmäßiges Jahresgehalt und eine solide Wohnsituation im unspektakulären Viertel von Querra, der fiktiven Kleinstadt dieses Romans.
Die Dampfwalze, die das normale Leben von Gregor an jenem heißen Septembernachmittag für immer plattmachte, stand in Form einer drogensüchtigen, verwahrlosten Frau im Esszimmer. Ihre Dreistigkeit triggerte Gregors Jähzorn. In einem gewalttätigen Wutanfall zerrte er das junge Mädchen brutal zurück auf die Straße. Ihre anschließende Rache und die daraus resultierenden Folgen sind ein Paradebeispiel, dass jedes vermeintliche Glück wie eine Seifenblase zerplatzen kann.

Wir Leser erleben schonungslos den sozialen Abstieg Gregors, bis hin zum menschenunwürdigen Dasein als obdachloser Bettler. Seine persönliche Geschichte ist nachvollziehbar und erschreckend. Im behördengeprägten, abgesicherten Deutschland kann man sich eben nicht blind auf Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder juristische Hilfe verlassen. Das führt uns der Autor deutlich vor Augen.

Meine einzige Kritik: Es geht in Raffaels Rauhenbergs Story um den Fall ins Existenzlose. Ich musste die Reaktionen und Handlungen von Gregors Familie und seinen wenigen Freunden ausblenden. Das Wegschauen und Ausgrenzen empfand ich plump und egoistisch. Die familiäre Entwicklung der Geschichte, der natürlich für den sozialen Abstieg des Familienvaters eine bedeutende Rolle spielte, wurde vielleicht etwas unglaubwürdig gelöst.

Raffael Rauhenberg beeindruckte mit seinen Porträts der Obdachlosen, Menschen, die man oft meidet. Hinter jedem, der auf der Straße zuhause ist, hinter jedem Junkie und hinter jedem, der seinen Körper für Geld verkauft, steckt ein Schicksal. Der Autor schert nicht alle über einen Kamm. Ich lernte im Buch viele Facetten dieser sozialen Schicht kennen. Es gibt sie alle: Die Selbstverschuldeten, die mit dem bösen Herzen, die Faulenzer, Alkoholiker, diejenigen, die so viel Gutes verdient hätten, und, und, und…

Ich möchte den Roman, trotz kleiner Kritik, mit 5 Sternen bewerten. Er hat mich aufgewühlt und zum Nachdenken gebracht. Die Geschichte ist rund. Sie wurde sehr ausführlich erzählt, kein Buch, welches man schnell mal liest. Ich empfehle den Gegenwartsroman allen, die gerne mal einen Blick außerhalb ihrer sozialen Wohlfühlzone werfen möchten. Jeden von uns kann Gregors Schicksal treffen. 

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442 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 218 Rezensionen

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Woman in Cabin 10

Ruth Ware , Stefanie Ochel
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 27.12.2017
ISBN 9783423261784
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Reisereporterin Lo Blackwood landete zum ersten Mal in ihrer Karriere beim Magazin Velocity einen großen Auftragscoup. Sie darf die Jungfernfahrt eines Luxuskreuzfahrtschiffes journalistisch begleiten, eine verantwortungsvolle Aufgabe mit Aussicht auf einen Karriereschub bei ihrem Arbeitgeber.
Kurz bevor die „Aurora“ in See sticht wird Lo Opfer eines Wohnungseinbruchs, der die junge Frau schwer traumatisiert. Sie ist in schlechter körperlicher und psychischer Verfassung, als sie an Bord der Luxusjacht steigt. Dennoch versucht sie tapfer durchzuhalten und sich ganz auf ihre Arbeit zu konzentrieren.
Doch kurze Zeit später beginnt ein neuer Alptraum. Sie hört einen menschlichen Körper ins Meer fallen und die Dame, die Kabine Nr. 10 bewohnte, verschwindet spurlos. Wer war das Mädchen und warum musste sie sterben? Befindet sich ein eiskalter Mörder auf dem Schiff? Wer kommt als Täter infrage? Lo beginnt zu recherchieren, nichtsahnend, dass sie bereits kurze Zeit später selbst um ihr Leben bangen muss.

Woman in Cabin 10 begann spannend und endete fulminant. Auf den letzten 80-100 Seiten steigerte sich der Nervenkitzel noch einmal und ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen. Die Story war zu jeder Zeit verständlich und schlüssig. Lediglich die Namen von Lo`s Mitreisenden kann ich immer noch nicht fehlerfrei zuordnen, aber das spielt in der Geschichte kaum eine Rolle.

Lo`s psychische Verfassung, ihre Ängste, ihre Mutlosigkeit kombiniert mit Schlafstörungen und Albträumen, die Beschreibung ihres Seelenlebens, dieses Szenario hat die Autorin Ruth Ware brillant umgesetzt. Ich litt und bangte stundenlang mit der Hauptprotagonistin.

Darum kritisiere ich, dass die Entwicklung und Aufklärung des Falls zu schnell abgehandelt wurde. Die Story des Täters und der Beteiligten hätte meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdient.

Aber trotz dieses kleinen Kritikpunktes gebe ich eine absolute Leseempfehlung. Wer Hochspannung auf über 300 Seiten erträgt, sollte bei diesem Buch zugreifen und sich ein paar Lesestunden voller Nervenkitzel gönnen. Ich gebe 4 von 5 Sternen, wobei das Buch bei mir knapp an der Höchstbewertung vorbeigeschrammt ist. 

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126 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 59 Rezensionen

afrika, angola, angst, eine allgemeine theorie des vergessens, einsamkeit, geschichte, haiku, isolation, jose eduardo agualusa, josé eduardo agualusa, politik, portugal, revolution, roman, unabhängigkeit

Eine allgemeine Theorie des Vergessens

José Eduardo Agualusa , Michael Kegler
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 21.07.2017
ISBN 9783406713408
Genre: Romane

Rezension:

„Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ erzählt uns die Geschichte Angolas. Nationalistische Widerstandskämpfe, Portugals Militärputsch, Unabhängigkeitsversuche, das Einmischen Kubas und spätere Bürgerkriege, ein Kampf der Jahrzehnte dauerte.

Eingebettet in die Historie des afrikanischen Landes begleiten wir die menschenscheue Ludovica Fernandes Mano, die am Vorabend der angolanischen Revolution in Notwehr einen Mann erschoss und sich daraufhin in ihrer Wohnung einmauerte. Für 30 lange Jahre, unsichtbar für die restliche Welt.
Unvorstellbar, aber doch wahr. Zehn Tagebuchhefte und zahlreiche Fotografien bezeugen, dass sie dieses isolierte Leben führte.

Ich fasse den Roman mit wenigen Worten zusammen: Wild, konfus, viel zu kurz, genial.

Angolas Geschichte interessierte mich bis dato wenig. Ich erfuhr erst durch die Theorie des Vergessens einige bruchstückhafte Geschichtshappen der vergangenen 50 Jahre. Diese politisch bildenden Anekdoten erzeugten einen verwirrenden Knoten in meinem Kopf. Zu viele Namen, zu viele Fakten, wild und konfus. Ich konnte mir erst durch Informationen aus dem Internet ein Bild über Angola machen. Agualusas Geschichtsunterricht ist nicht so ganz geglückt.

Ludovica verbarrikadierte sich 30 Jahre lang vor der Öffentlichkeit. Ich wollte alles darüber wissen: Die Wohnsituation, das Essen, das Management…, einfach alles. Mein Hauptgrund für den Kauf des Romans. Ich bin enttäuscht, wie wenig Lektüren-Platz Agualusa dieser ungewöhnlichen Frau schenkte. Ihre Storyline, gemeinsam mit Angolas Geschichte hätte definitiv die doppelte Seitenanzahl im Buch verdient.

Genial ist der fiktive Part dieser Geschichte. Über ihn habe ich mich königlich amüsiert. Wirklich, diese kleinen Anekdoten der Nebenschauplätze, der Menschen rund um Ludovica, machten meine oben genannten Kritikpunkte fast wieder wett. Im Buch geschieht nichts aus Zufall, alles wird am Ende bis ins kleinste Detail aufgeklärt. Über manche Verwicklungen musste ich lauthals lachen, manche betrübten, einige waren sentimental, andere blutig, aber im Endeffekt waren alle genial. Hier hat der Autor großes Talent bewiesen.

Dieser Roman ist eine besondere Rarität und bestimmt nicht jedermanns Geschmack. Trotzdem, ich bereue nicht, dass er in meinem Bücherregal steht. Er ist bei mir ganz knapp an der 5 Sterne - Bewertung vorbei geschrammt. Ich gebe auf alle Fälle eine Leseempfehlung.   

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201 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 74 Rezensionen

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Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie

Rachel Joyce , Maria Andreas
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 29.12.2017
ISBN 9783810510822
Genre: Romane

Rezension:

Die Einzelhändler in Londons Unity-Street halten zusammen. Obwohl die Fassaden bröckeln, das Geld knapp wird und ein Immobilienhai mit rosigen Angeboten lockt. Hier ist man noch füreinander da, eine einzige große Familie.
Der robuste und liebenswerte Mister Frank ist ein Teil dieser Gemeinschaft. Er verkauft Schallplatten und verschenkt Glück – seine individuellen Musikempfehlungen haben schon vielen Kunden aus der Krise geholfen. Die Liebe zu Vinyl bekam er in die Wiege gelegt. Musik in Vollendung, das Einzige, was ihm seine durchgeknallte Mutter Peg so richtig vermitteln konnte.
1988 betritt die geheimnisvolle Ilse zum ersten Mal den Plattenladen von Frank und fast alle schließen die Frau mit dem grünen Mantel sofort in ihr Herz. Auch Frank. Die beiden nähern sich behutsam an. Aber mit jedem Musikstück, welches sie infolge eines Arrangements gemeinsam besprechen, öffnen sie auch ihre Seelen. Vieles kommt zutage, vieles dass nicht losgelassen werden kann und neuen Schmerz verursacht. Die Gemeinschaft spaltet sich, um sich Jahrzehnte später zum finalen Showdown wiederzufinden.

Mein Fazit:
Lassen Sie es mich mit Worten von Franks Mutter beschrieben: Dieses Buch ist eine Sinfonie, die beim ersten Ton das Herz erreicht und sich darin einnistet. Jeder einzelne Hauptdarsteller ist wie eine Note, die unentbehrlich ist, ganz gleich, ob die Tonfolge lieblich in Dur oder schwermütig in Moll erklingt. Man wird von den Worten mitgerissen, erlebt den Klang, spürt den Rhythmus…

Ein Buch mit viel Musikgeschichte, mit vielen liebenswerten Charakteren, wenig Spannung, vielleicht etwas realitätsfern. Aber ein Stück, welches auf keinem Plattenteller / sprich Bücherschrank fehlen sollte.

Musikgeschichte: Ein großer und wichtiger Aspekt im Roman. Rachel Joyce führt uns durch viele Genres, erklärt die Entstehungsgeschichte großer Klassiker. Zeigt uns Musikhören als Therapie. Erklärt Nuancen in Liedern, die man kaum wahrnimmt und später unbedingt selbst entdecken möchte. Aretha Franklin vs Chopin. Einfach großartig.

Spannung: Ich habe sie zu keinem Zeitpunkt vermisst. Dieses Buch hat andere Charakterstärken.

Liebenswerte Charakter: Frank, Ilse, Kit, Maut… Die Autorin griff bei jedem einzelnen tief in die Klischee-Kiste. Wissen sie was? Das macht gar nichts aus. Das ist der Charme von „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie„

Resümee: Rachel Joyce hat ein fabelhaftes Talent für eine gute Geschichte! Absolute Leseempfehlung. 

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

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Sterne über Lissabon

Manuela Martini
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 09.10.2017
ISBN 9783746633398
Genre: Romane

Rezension:

John Plough, ein Mann, der einst sentimentale Liedtexte verfasste? Als Tess den Fado ihres verstorbenen Großvaters in den Händen hält, kann sie nicht glauben, dass diese Worte aus seiner Feder stammten. Er war strebsam, gradlinig und erfolgreich, aber doch niemals zu solch emotionalen Worten fähig. Das Geheimnis der Vergangenheit liegt in Lissabon, einer Stadt die bereits mehrmals das Schicksal der Familie Plough beeinflusste. Und so macht sich Tess auf den langen Weg nach Portugal, um Antworten zu suchen und auch, um sich selbst zu finden.

Ich lege das Buch zwiegespalten zurück ins Regal.
Auf der einen Seite berührte Hans Scheugenpflug alias John Plough mein Innerstes. Ich verlor mich in seiner Lebensgeschichte, die ihn von Deutschland über Frankreich, bis nach Lissabon führte. Die Schrecken des zweiten Weltkrieges, die emotionale Folter wenn Vernunft über Gefühle siegte und das kleine Glück, welches doch immer wieder aufflammte, lassen den Roman zu einer großartigen Lektüre werden.

Leider verpasste Manuela Martini diesen Charme nicht allen Hauptprotagonisten. Weder Eleonore (die Frau von Hans) noch Tess konnten Scheugenpflug ans Wasser reichen. Ich fand es fast schade, wenn die Story zurück in die Gegenwart führte. Die Zufälle, die Tess auf die Spur des Fados brachten, wirken unglaubwürdig. Die Leidensbereitschaft in ihrer Beziehung zu Adrian, ihrem Freund, übertrieben. Schlussendlich hat ihre Tante so viel amerikanisches Klischee abbekommen, dass ich mehrmals mit den Augen rollte.

Ich gebe eine Leseempfehlung. Die Geschichte von Hans und seinem Fado ist es wert, dass man diesen Roman liest, zumal er gut und flüssig geschrieben wurde. Der Rest der Familiengeschichte verblasst, aber das macht nichts…  

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94 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 72 Rezensionen

abenteuer, autor, bogart, b. traven, geheimnis, hollywood, humphrey bogart, journalist, mexiko, roman, schriftsteller, spurensuche, suche, traven, wien

Wer ist B. Traven?

Torsten Seifert
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Tropen, 14.10.2017
ISBN 9783608503470
Genre: Romane

Rezension:

Als ich die erste Seite dieses Buches aufschlug, hatte ich bis dato noch nie etwas von B. Traven gehört. Ganz unbedacht fing ich mit der Geschichte an, eigentlich nur, weil mich die kleine Zusammenfassung auf dem Cover interessierte. Als dann konkret vom Schauspieler Humphrey Bogart und dem Film „Der Schatz der Sierra Madre“ die Rede war, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, dass Torsten Seifert sich eine wahre Legende als Hauptdarsteller seines Buches ausgesucht hatte…

B. Traven, ein verstorbener Romanautor, dessen wahre Identität bis zum heutigen Tag noch immer nicht 100%-ig geklärt werden konnte. Zahlreiche Mythen und wahre Verschwörungstheorien ranken sich um den mexikanischen Einwanderer, der aufgrund seiner geheimnisvollen Identität einen großen Bekanntheitsgrad erreichte.

Torsten Seifert gibt in seinem Buch nun dem aufstrebenden Journalisten Leon eine Chance. Sein Auftrag: Finde B. Traven und zeige der Welt sein Gesicht. Leon reist nach Mexiko, wo gerade ein Buch vom Gesuchten verfilmt wird. Alle Spuren enden in einer Sackgasse. Doch Leons Ehrgeiz erwacht. Die Suche nach Traven wird zu seinem Lebensinhalt, die ihn um die halbe Welt führt. Und letztendlich führen alle Wege zurück nach Mexiko….

Seiferts Theorie ist die wahrscheinlichste von allen und er hat seine Version in einen spannenden und gut geschriebenen Thriller verpackt, der mir einige schöne Lesestunden schenkte.
Zusätzlich zur Traven-Story bekommt der Leser interessante Einblicke in das nordamerikanische Land, den Traditionen und Gepflogenheiten. Korruption und Gewalt trifft auf Wrestling und Stierkämpfe, die Straßen sind schlecht und die Kneipen haben Namen wie „Wollust vor dem Tode“. Ich jedenfalls fühlte mich gut unterhalten und ich habe neue Facetten des Landes kennengelernt.

Gegen Ende des Buches, als Leon immer tiefer im Traven-Sumpf landet, wurde Seiferts Fantasie jedoch zu doll angeregt. Leon muss in Mexiko wahre Albträume durchlaufen, nur damit seine Detektivarbeit schlüssig rüber kommt. Etwas weniger Action alla Hollywood hätte dem Buch gutgetan und das ist mein Grund, warum ich bei der Bewertung einen Stern abziehe.

Fazit: Sehr lesenswert, spannend und gut recherchiert. Aber wie sagte Traven so schön: „Die letzten Geheimnisse werdet ihr niemals erfahren.“ 

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Ein Reif von Eisen

Stephan M. Rother
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.10.2017
ISBN 9783499273568
Genre: Fantasy

Rezension:

„ Die alten Götter zürnen“. Untrügliche Zeichen sprechen dafür. Die Blätter der heiligen Esche welken, die Natur gerät aus den Fugen. Nur noch wenige können diese Zeichen deuten. Sie wissen: „Die alten Götter müssen besänftigt werden“. Legenden berichten von dem Einen, dessen Geburt so ungewöhnlich war, dass nur er Gehör bei den Göttern findet. Und so wird der junge Pol auf eine gefährliche und fast aussichtslose Reise geschickt…

„Die alten Götter zürnen, die Dunkelheit naht“. Das begreift auch Morwa, Sohn des Morda, furchtloser und tapferer Herrscher des Nordens. Er möchte die nördlichen Völker vereinen, um gemeinsam der Gefahr zu trotzen. Aber der Tod lauert bereits auf den schwerkranken Hetmann und noch hat er keine Ahnung, welcher seiner vier Söhne würdig genug ist, den Reif aus Eisen an seiner Statt zu tragen. Die Entscheidung eilt, denn die längste, dunkelste und kälteste Nacht des Jahres nähert sich unausweichlich…

„Die alten Götter zürnen“, doch Leyken aus der Oasenfamilie Banu Qisai, beheimatet weit unten im Süden, hat andere Sorgen. Ihr Auftrag lautet: „Du musst deine Schwester töten“. Keinem Angreifer ist es bisher gelungen, in das Herz des Kaiserreichs der heiligen Esche vorzudringen, dem Ort, an dem das Mädchen die Klinge gegen Ildris erheben soll. Schweren Herzens kämpft Leyken sich durch das Wurzelgeflecht der Esche, dem Zentrum der Rabenstadt, so alt wie die Welt…

Die Königschroniken, mit dem Auftakt „Ein Reif von Eisen“ bietet alles, was von einem Fantasy-Epos erwartet wird. Stephan M. Rother erfand das Rad nicht neu. Und so erwarten den Leser blutige Schlachten, Intrigen, Legenden, die zur Wirklichkeit wurden, mythische und magische Momente und geheimnisvolle Wesen. Alles vereint im Königreich Ord, der Rabenstadt mit seiner heiligen Esche bis hin zu den südlichen Oasenvölkern.
Ich verweilte gern in diesen mittelalterlich angehauchten Welten und die Königschroniken haben mir ein paar vergnügte und recht spannende Lesestunden geschenkt. Die Lektüre ist anspruchsvoll und war zu keiner Zeit langweilig. Die Charaktere sind stimmig und ich konnte der Story gut folgen. Die Cliffhanger genau an den richtigen Stellen platziert. Allerdings ist es meiner Meinung nach kein Buch, welches man schnell mal durchliest. Ich brauchte recht lang dafür, aber ich genoss jede Seite. Lediglich die Namen der Protagonisten bereiteten mir einige Schwierigkeiten. Ohne das Geschlechtsregister, das zum Glück als separate Karte zur Verfügung steht, wäre ich besonders bei Morwas Familie hoffnungslos verloren gegangen.

Fazit: Die Königschroniken brauchen sich in meinem Buchregal nicht vor Reihen wie Shadowmarch, Das Geheimnis der großen Schwerter, oder gar Game of Thrones verstecken. Ich gebe eine absolute Leseempfehlung. Ein Muss für Fantasy-Fans. Ich jedenfalls freue mich über den zweiten Teil, angekündigt für das Frühjahr 2018 und hoffe, dass mich die Geschichte noch eine Weile in meiner Lesewelt begleiten wird.  

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Winterengel

Corina Bomann
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 13.10.2017
ISBN 9783471351611
Genre: Romane

Rezension:

Die junge Anna erlernte das kunstfertige Glashandwerk von ihrem Vater. Nach dessen Tod sorgt sie für den Lebensunterhalt in ihrer Familie durch den Verkauf von hochwertigem selbsthergestelltem Weihnachtsschmuck aus Glas. Die wenigen Groschen, die sie einnimmt, reichen kaum aus für Anna, ihre Schwester und die schwer rheumakranke Mutter.
Als sie überraschend eine Einladung der englischen Queen bekommt, muss Anna einige wichtige Entscheidungen in ihrem jungen Leben treffen. Die Königin möchte sich Annas Glasengel anschauen und bei Gefallen abkaufen. An diesem Geschäft hängt das Schicksal ihrer gesamten Familie. Lehnt Victoria ab, verliert Anna. Dann hat sie nicht einmal mehr ihre Hilfskraftstelle bei Glasmacher Philipp im heimischen Spiegelberg.
Und so wagt das junge Mädchen die Reise ins vorweihnachtliche London, im Gepäck 50 wunderschöne Glasengel für den königlichen Baum. Doch als Anna britischen Boden betritt, sind die wertvollen Engel gestohlen. Wer ist für den Raub verantwortlich? Scheitert Annas Schritt in eine bessere Zukunft? Und warum werden plötzlich zwei silberfarbene Augen für die junge Künstlerin zum Hoffnungsschimmer in dieser so ausweglosen Situation?

Der Roman Winterengel ist wie geschaffen für die kalte Jahreszeit. Das Märchen spielt im winterlichen 1895 und vermittelt erste vorweihnachtliche Freuden auf das Fest, auf Tannenduft und das Schmücken der Häuser und Bäume.
Die Geschichte der Hauptprotagonistin ist eine Liebesgeschichte, umspielt mit der eher wenig spannenden Suche nach den Engeln, der Reise in ein fremdes Land und der Ungewissheit der Zukunft. Die Rahmenhandlung ist solide erzählt, die Story wird zu keiner Zeit kitschig. Annas Romanze entwickelt sich langsam, ihre Gefühle sind nicht schlagartig da und alle Beteiligten wählen ihre Handlungen und Zukunftsschritte mit Bedacht. Das hat mir gut gefallen. Vielleicht wird Annas Armut ein paar Mal zu oft erwähnt, aber das ist mein einziger kleiner Kritikpunkt, der nicht wirklich ins Gewicht fällt.

Somit vergebe ich für Winterengel 5 Sterne. Das Buch ist ideal für ein warmes Plätzchen am Kachelofen, mit Gebäck und einem heißem Getränk in der Nähe. Mit diesen Rahmenbedingungen sind ein paar schöne Lesestunden gewiss.
Ich gebe eine absolute Leseempfehlung für alle, die historische, romantische Liebesgeschichten und Märchen ohne Fantasygestalten lieben und sich in der Vorweihnachtszeit ein wenig vom Alltag wegträumen möchten.  

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Außer sich

Sasha Marianna Salzmann
Fester Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.09.2017
ISBN 9783518427620
Genre: Romane

Rezension:

Die Zwillinge Anton und Alissa (Ali) immigrieren zusammen mit ihren Eltern und Großeltern nach Deutschland. Die jüdische Familie kämpfte im sozialistischen Russland der Nachkriegszeit bis zur Auswanderung mit allerlei Nachteilen. Doch auch in der westdeutschen Provinz fassen sie nie wirklich Fuß. Zu sehr wurzeln alte Traditionen, falsche Erwartungen und andere Moralvorstellungen in ihnen. Sie bleiben Außenseiter, leben in der sozialen Unterschicht, die Familie zerbricht daran.
Anton hat genug, er verlässt seine Verwandten ohne ein Wort des Abschieds, ohne Adresse. Als Ali ihren Bruder in Istanbul vermutet, reist sie in die türkische Metropole um ihn zu suchen und zurückzubringen.

Wie viele andere Leser fand ich den roten Faden in dieser Geschichte nur schwer. Die Szenen zusammenhanglos aneinandergereiht, mit Zeitsprüngen durchgezogen, kaum ein Spannungsbogen vorhanden, die Ich-Erzählung durchkreuzt mit Passagen der „dritten Person“. Was versuchte Salzmann zu vermitteln? Die Sinnfindung des Lebens? Die Aufarbeitung der Vergangenheit? Die wahre Identität? Politische Denkanstöße? Hmmm, ich weiß es nicht. Von allem Etwas?

Aber ich liebte dieses Buch. Kaum vorstellbar, trotzdem wahr. Es hat mir ein paar besondere Lesemomente geschenkt. „Außer sich“ ist ein ungewöhnlicher Leckerbissen, rar, selten und nicht umsonst auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017. Ein Buch das polarisiert, welches Tabuthemen aufgreift und für das ich eine Leseempfehlung gebe, wohlwissend, dass es sicherlich ein paar Leser gibt, für die dieses Buch ein absoluter Fehlkauf bedeutet.

Was mir besonders gut gefallen hat:
Alis und Antons Familiengeschichte, die bis zu den Urgroßeltern zurückreicht. Ein großartiger Einblick in das Leben dieser jüdisch-russischen Familie. Jedes Mitglied musste sich irgendwann die Sinn- und Identitätsfrage stellen, der Zeitepoche und politischen Situation angepasst. Manche meisterten dies erfolgreich, andere scheiterten kläglich. „Russen neigen in ihren Geschichten zur Übertreibung und zur blumigen Ausschmückung.“ So konnte ich nie sicher sein, wieviel Wahrheit in den Geschichten steckte und genau diese Unwissenheit machte Alis/Antons Familiengeschichte so hochinteressant.

Warum ich dennoch einen Stern in meiner Bewertung abziehe:
Ali und Antons Charaktereigenschaften. Ich konnte nie wirklich einen Bezug zu den beiden aufbauen. Sie scheren sich kaum um die Gefühle ihrer Mitmenschen. Sie gehen ihren eigenen Weg ohne Hemmungen. Sie verletzen andere, körperlich und seelisch, nutzen sie zu ihrem Vorteil aus. Vor allem die stets gezeigte Lustlosigkeit ging mir irgendwann auf die Nerven. Klar, sie hatten keine leichte Kindheit, aber hat nicht jeder von uns sein Päckchen der Vergangenheit zu tragen?
Egal…

Resümee: Gelungenes Debüt, außergewöhnlich, lesenswert. 

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Ein fauler Gott

Stephan Lohse
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.03.2017
ISBN 9783518425879
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch behandelt ein Thema, welches keinen Leser kalt lässt: Den Tod des 8-jährigen Jonas und die Zeit nach diesem tragischen Ereignis. Abwechselnd geschildert aus Sicht der Mutter und des 3 Jahre älteren Bruders von Jonas, Benjamin.

Sommer 1972: Ein Badeunfall bringt den kleinen Buben ins Krankenhaus, wo er kurze Zeit später verstirbt. Er hinterlässt seine alleinerziehende Mutter Ruth und Ben, der an der Schwelle der Pubertät steht. Die beiden müssen sich mit dieser neuen, unmenschlichen Situation arrangieren und wir Leser begleiten sie auf diesem steinigen Weg.

Ben ist so ein richtig liebenswerter Charakter. Charmante Flausen, kindgerechte Phantasiewelten, lustige Streiche, unzerstörbare Jungenfreundschaften und erste zaghafte Ausflüge in die Erwachsenenwelt zeichnen den Jungen aus.

Ruth hingegen driftet immer tiefer in die grauschwarze Depression ab.

Mein Fazit:
Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen und ich genoss die Reise in die 70-Jahre, wo Ilja Richter noch die Mädchen zum Kreischen brachte und man Poster von Winnetou in die Kinderzimmer hängte. Diese Nostalgie, einfach perfekt.

Nein, ich nörgle an den Hauptprotagonisten herum und wie sie mit Jonas Tod zurechtkamen.

Ben z.B., ein ganz toller Junge. Aber ist man mit fast 13 Jahren nicht zu alt für Engel auf weißen Wolken? Erkennt man in diesem Alter nicht manchmal auch den Schmerz des Lebens? Nimmt man alles wirklich immer freundlich und geduldig hin? Ohne Rebellion, ohne Kritik, ohne Hintergedanken? Bens Welt ist so sehr in Ordnung, dass alles andere ein Stück weit verblasst.

Ruth: Stephan Lose brummt ihr den Schmerz des Todes ganz alleine auf, während ihr Exmann sich ein neues Leben aufbaut und keinerlei Anzeichen von Trauer zeigt. Gibt man seine Kinder nach einer Scheidung einfach so ab, wie einen Mantel an einer Garderobe? Gibt es wirklich niemanden, der Ruths Seelenqualen erkennt und sie auf den Weg zurückbegleiten kann? Das kann ich mir fast nicht vorstellen.

Nun gut, so ist es nun mal. Ich vergebe daher nur 3 von 5 Sternen in meiner Bewertung. Die Trauer gibt es nach meinem persönlichen Empfinden nicht nur in Schwarz oder Weiß, sie berührte mich in „Ein fauler Gott“ nicht glaubhaft. Ich möchte trotzdem eine Empfehlung für den Roman aussprechen. Das Buch ist gut, Punkt! 

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