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wirtschat, korruption, zerfall, neoliberalismus, trump

Requiem für den amerikanischen Traum

Noam Chomsky , Gabriele Gockel , Thomas Wollermann
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 30.08.2017
ISBN 9783956142017
Genre: Sachbücher

Rezension:

Requiem für den amerikanischen Traum - Noam Chomsky (Autor), Gabriele Gockel (Übersetzerin), Thomas Wollermann (Übersetzer), 192 Seiten, Verlag: Kunstmann, A; Auflage: 1 (30. August 2017), 20 €, ISBN-13: 978-3956142017

 

Noam Chomsky ist Linguistik-Professor der M.I.T. und seit sechs Jahrzehnten ein führender linker politischer Analytiker, Kritiker und Schriftsteller.

Einkommens- und Vermögensunterschiede in den USA (aber ähnlich auch in Deutschland) sind kein neues Thema. Dennoch scheint das Buch des berühmten Aktivisten frischer als jeder andere Titel zu diesem Thema. Das Buch basiert auf dem gleichnamigen Dokumentarfilm und ist eine Zusammenstellung von Interviews, die die Regisseure des Films mit Chomsky von 2011 bis 2016 durchgeführt haben. Chomsky beobachtet die heutigen Vereinigten Staaten mit einer so zugespitzten Klarheit, dass die Leser meinen könnten, dass sie vertrautes Terrain zum ersten Mal beträten.

Chomsky bietet 10 grundsätzlich Formeln an, nach denen die plutokratischen Interessen funktionieren. Es sind die Grundprinzipien des Neoliberalismus, dieser absurden Idee, dass die Märkte alle Aspekte der menschlichen Gesellschaft diktieren sollten. Er zerlegt die katastrophalen Konsequenzen dieser Ideologie für unsere Gesellschaft, Kultur und Politik. Er erklärt, wie die Konzerne die Öffentlichkeit, die Wissenschaft und die Massenmedien indoktrinierten, um sie für ein Projekt zu gewinnen, das das Leben von Arbeitern und Frauen verwüstet und das Gemeinwohl auslöscht. Jedes Versprechen der Befürworter des Neoliberalismus ist eine Lüge. Es ist ein Werkzeug, um den größten Transfer von Reichtum nach oben in der amerikanischen Geschichte durchzuführen, während es Lohn- und Nutzenreduktionen schafft und Arbeiter verarmen lässt. Es zerstört demokratische Institutionen. Es nutzt Handelsabkommen, um Steuerhinterziehungen zu ermöglichen. Es fördert, ja, es schafft geradezu pro-faschistische Bewegungen im In- und Ausland. Seine Macht, seine eigenen Gesetze und Vorschriften haben schließlich ein Mafia-Wirtschaftssystem und ein Mafia-politisches System geschaffen, das im Aufstieg zur Macht des Demagogen Donald Trump deutlich wird.

Noma Chomsky wirft ein klares, kaltes, geduldiges Auge auf die ökonomischen Tatsachen des Lebens und legt eine scharfsinnige und entlarvende Untersuchung der Kräfte vor, die die Ungleichheit in Amerika vorantreiben. Und nicht nur die in Amerika

Seine kühne und kompromisslose Vision, seine Perspektive auf die ökonomische Realität und ihre Auswirkungen auf unser politisches und moralisches Wohlergehen sind unbedingt lesenswert.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-1-1/requiem_fuer_den_amerikanischen_traum-1286/

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Superkauz

Sean Taylor , Jean Jullien , Nadia Budde
Flexibler Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 20.09.2017
ISBN 9783956142079
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Superkauz: Meister der Verkleidung - Sean Taylor (Autor), Jean Jullien (Autor) 48 Seiten, Verlag: Kunstmann, A (20. September 2017), 15 €, ISBN-13: 978-3956142079

 

Der Kauz ist auf der Jagd. Es ist dunkel und er schießt durch den Himmel wie eine Sternschnuppe.

Er hat seine großen runden Augen auf ein leckeres Abendessen gerichtet ... Mmmm.

Aah, ein Kaninchen. Aber wie kann man das Kaninchen fangen? Zum Glück für den Kauz, ist er ein Meister der Verkleidung, so dass er blitzschnell in ein Karottenkostüm schlüpft. Aber das Kaninchen riecht den Braten.

Weiter geht es. Da ist ein köstliches Lamm. Der Meister der Verkleidung macht einen schnellen Kostümwechsel. Er ist ein ... flauschiges Mutterschaf, natürlich! Aber leider ist das kleine Lamm weg.

Immer wieder versucht er etwas zum Abendessen zu finden, aber leider, seine Kostüme schaffen es einfach nicht. Bis ... Jaaa!!! Aber was sollte ein Kauz tragen, wenn er der Jagd auf eine Pizza macht?

Dieses Buch erzählt die Geschichte von dem tödlichen Jäger Superkauz mit vielen meisterhaften Verkleidungen in seinen Versuchen, sein Abendessen zu fangen. Seine Pläne können nicht immer funktionieren, aber er gibt niemals auf oder verliert das Vertrauen in seine verborgenen Fähigkeiten nie.

Dies ist ein lustig-gutes Buch zum Kringeln, das Kinder lachen lässt. Es gibt eine Menge zu lesen und vorzulesen. Und mit den wunderschönen, kontrastreichen Illustrationen werden sowohl Kinder als auch Design-Liebhaber sehr zufrieden sein. Mir gefällt besonders die Zeichnung des Kauzes: irgendwie schafft er es, unheimlich und zugleich komisch zu schauen, und die Einfachheit seiner Form macht all die verschiedenen Verkleidungen noch lustiger. Der tiefe Sinn für Humor wird jeden lächeln lassen. Eine lustige und leicht schräge Geschichte von einem Kauz, der doch nicht ganz der Meister der Verkleidung ist, der er zu sein glaubt. Wir folgen seinen verschiedenen Versuchen und sie sind alle sehr unterhaltsam! Die Abbildungen sind groß und voller kühner, auffälliger Farben.

Es ist ein schrulliges Buch, das das ganz nach dem Geschmack von Kinder ist. Eine originelle Geschichte und es vor allem geeignet zum gemeinsamen Lesen mit den Kindern.

Mein 4-jährige Nichte verehrt dieses Buch, und ich gebe gerne zu, ich auch.  Ein Bilderbuch, das du wirklich genießen kannst.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/superkauz-1289/

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ich, empathie, roman

Kleine Schwester

Barbara Gowdy , Ulrike Becker
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 30.08.2017
ISBN 9783956141966
Genre: Romane

Rezension:

Kleine Schwester – Barbara Gowdy (Autorin), Ulrike Becker (Übersetzerin), 288 Seiten, Antje Kunstmann Verlag, 30. August 2017, 22 €, ISBN 13: 9783956141966

 

Rose leitet ein Programm-Kino in Toronto, ein Ort, wo Menschen hinkommen, um sich in das Leben von Fremden zu verlieren. Als die Geschichte beginnt, ist es der Sommer 2005 und die Stadt wir über fünf Tag von plötzlichen Gewittern, starken Winden und kräftigen Donnern heimgesucht. Für die flüchtige Dauer dieser Stürme wird Rose in eine Art Zauber gezogen: sie verlässt ihren Körper und betritt den einer Fremden, einer Redakteurin namens Harriet, die in eine faszinierende Liebesbeziehung mit einem verheirateten Mann verwickelt ist. Auch Rose erlebt so etwas wie das Verlieben: Sie fängt an, die Wetterberichte sorgfältig zu verfolgen und ihre Tage neu zu ordnen, um sich für die nächsten zwei oder drei Minuten der Transmigration bereit zu machen und sehnt sich nach der nächsten Gelegenheit, in Harriet zu sein, um ihre Geschichte zu erleben und ihr Leben zu berühren.

Ich möchte das große Thema dieses Buches in einem Satz zusammenfassen:

Du kannst deinen Grenzen entgehen und jemand anderes werden, und damit kannst du auch in der Lage sein, das zu reparieren, was in deinem eigenen Leben gebrochen ist.

Rose ist 34 Jahre alt und ihr Leben ist seit Jahren genau das gleiche, nach einem strengen Zeitplan. Aber sie wird verfolgt vom Tod ihrer einzigen Schwester, ihrer kleinen Schwester, Ava, die in ihrer Kindheit gestorben ist. Sie fühlt sich für den Tod verantwortlich und fragt sich oft, ob sie ihr Leben verdient, nachdem Ava tot ist.

Es ist eine überzeugende Geschichte - mit einem Hauch von Geheimnis und dem emotionalen Gewicht der Memoiren - erforscht Sexualität, Schuldgefühle und die Grenzen des Selbst.

Der Großteil des Buches findet im Laufe einer Woche zwischen dem 29. Juni und 4. Juli 2005 statt. Es gibt auch Rückblenden auf Rose und Avas Kindheit in den frühen 1980er Jahren, die sich mit der Gegenwart abwechseln. Diese Rückblenden enthüllen das Geheimnis, was den Leser endlich entdecken lässt, nahe am Ende des Romans, wie und warum Ava starb.

Dieser Roman über stürmisches Wetter und emotionale Stürme, mit dem Zusammentreffen des Unheimlichen und des Unzüchtigen, des Oberflächlichen und der Tiefe, ist ein überraschend leicht zu lesen. Es ist lustig mit seinen liebevoll beobachteten Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens und kann dich oft erschrecken. Mich erinnert es ein bisschen die Filme von Woody Allen: psychologisch sehr tief und doch nie mehr als ein Satz weg von einem spielerischen Knuffen in den Rippen.

Es ist genau die Art von intelligenten, begeisternden, spielerischen und einfühlsamen Literatur, die ich liebe. Eine spannende, fesselnde Erforschung der Schuld, der weiblichen Psyche und der Bürde der Weiblichkeit. Auch Sie werden diesen phantasievollen, verführerischen Roman lieben.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-1-1/kleine_schwester-1255/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Borne

Jeff VanderMeer , Michael Kellner
Fester Einband: 367 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 20.09.2017
ISBN 9783956141973
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Borne – Jeff VanderMeer (Autor), Michael Kellner (Übersetzer) 367 Seiten, Verlag: Kunstmann, A; Auflage: 1 (20. September 2017), 22 €, ISBN-13: 978-3956141973

 

Eine Welt verwüstet von einem Biotech-Unternehmen, bevölkert von Menschen, Mutanten, Tiere und Hybrid-Kreaturen, die sich als fehlgeschlagene oder abgebrochene Biotech-Experimente ergeben.

Wir lernen drei Menschen kennen, die diese Welt bewohnen. Unser Protagonist, Rachel, ist ein Aasfresser in der gefährlichen Landschaft. Ihr Liebhaber, Wick, ist ein Ex-Mitarbeiter des Unternehmens, der Biotechnik in seinem Schwimmbad-Labor macht. Und "der Magier" ein zwielichtiges Geschöpf, das, wie es gemunkelt wird, Munition und Soldaten sammelt, um die Kontrolle über das Land von ihm zu beherrschen. Und da gibt es diesen Bären namens Mord von der Größe eines Kaufhauses.

Das ist eine postapokalyptische Fiktion, eine Klage über den Verlust der Welt, in der wir jetzt leben. Mit dem Sturz der alten Ordnungsformen sind Rachel, Wick und die anderen Bewohner der Stadt in ein Ur-Reich von Mythos, Fabel und Märchen geworfen worden. Ihre Welt ist eine Version des verlorenen und sehnsüchtigen Territoriums von Phantasie und Romantik. Und dass wir wirklich nur dann wir selbst werden können, wenn wir aus den Zwängen einer komplexen, denaturierten Gesellschaft freigelassen werden, wenn wir leben dürfen, wie wir uns vorstellen können, dass es unsere Vorfahren einmal getan haben und wenn wir frei sind die zu sein, die wir unter unserer überzivilisierten Tünche wirklich sind. Er zeichnet eine Welt, die sowohl von Technologie als auch vom Übernatürlichen geprägt ist

Jeff VanderMeer kann sich gut in nichtmenschliche Lebensformen hineinversetzen. Doch die meisten Sci-Fi-Nichtmenschen neigen dazu, eine menschliche Erscheinung zu sein, die uns in Größe, Anatomie und in grundsätzlichen Ähneln ähneln und von uns nur in ein oder zwei hervorgehobenen Merkmalen abweichen. Und hier liegt der Unterschied bei VanderMeer: Er schafft wirkliche Unterschiede und er nähert sich nicht so weit wie möglich den Nicht-Menschen an sondern macht eine solche Annäherung auch unmöglich. Komplex und schön, mit vielen Ebenen, mit einer Vision des Nichtmenschen nicht als eine feste Sache, ein festes Schicksal, sondern als friedlich oder katastrophal. Trotzdem ist „Borne“ In seinem Kern ein Roman über menschliche Beziehungen.

Für mich ist dieses Buch eine der schönsten und glaubwürdigsten postapokalyptischen Erzählungen: Eine beträchtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass "Borne" nicht nur eine zukünftige, namenlose Stadt ist; ein enormer, fühlender, zerstörerischer biotechnischer Bär und der liebenswerte, intelligente Kopffüßler, der dem Buch seinen Titel gibt.

Ein Buch, das insgesamt nicht ganz an die Kraft und Tiefe der Southern-Reach-Trilogie heranreicht, aber trotzdem ein ausgesprochenes Lesevergnügen bedeutet.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-1-1/borne-1192/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Verrat

Pascale Robert-Diard , Ina Kronenberger
Fester Einband
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 24.07.2017
ISBN 9783552058576
Genre: Romane

Rezension:

Verrat – Pascale Robert-Diard (Autorin), Ina Kronenberger (Übersetzerin), 160 Seiten, 18 €, Verlag Paul Zsolnay (24. Juli 2017), ISBN-13: 978-3312010349

"Solange sie die Leiche nicht finden, habe ich nichts zu befürchten" Es ist dieser eine Satz seines Vaters, der das Leben von Guillaume Agnelet für immer verändert. Der Sohn ist gerade 14 Jahre alt, als er die lässig hingeworfene Bemerkung erstmals hört. Gemeint als beruhigende Floskel - in Wahrheit ein furchtbares Geständnis.

Sex, Millionen und eine vermisste Casino-Erbin: Der Fall Agnès Le Roux beschäftigte die französische Justiz seit 1977. Der Tatverdächtige blieb auf freiem Fuß - bis sein Sohn auspackte.

Pascale Robert-Diard gibt dem Le Roux-Fall eine neue Dimension und konzentriert sich auf den Standpunkt von Guillaume Agnelet, der sich der Journalistin, der Gerichtsreporterin der Tageszeitung „Le Monde“ anvertraut hatte.

Pascale Robert-Diard malt ein Porträt eines gequälten Mannes, der zwischen der Liebe zu und der Schuld seines Vaters und dem Gewicht der Wahrheit hin und hergerissen ist. Dieses Buch spiegelt auch die harten, psychologischen Auswirkungen auf die verschiedenen Akteure wieder: auf die Familie des Opfers, auf den Angeklagten und auf dessen Familie.

Eine komplizierte Familiengeschichte, voller unausgesprochener Fakten. Und ein sowohl berührendes als auch kühles Porträt eines Schuldigen, der seine Familie benutzt, um seine Ziele zu erreichen. Es ist die akribische Analyse eines Familiengeheimnisses und seines unerbittlichen Mechanismus.

Vor allem dieses Porträt von Maurice Agnelet hat mich begeistert: ein eingefleischter Verführer, ein Manipulator, ein Charakter, der sich als amoralisch definiert. Er ist ein Mann, der eine starke Persönlichkeit hat und dem es gelingt, dass alle Menschen, die ihn treffen, und vor allem seine Familie und seine Verwandten, sich ihm zu unterwerfen.

Und zum zweiten hat mich sehr stark beeindruckt, wie Pascale Robert-Diard aus den feinen Beobachtungen der Reaktionen der verschiedenen Protagonisten eine überzeugende Darstellung der Atmosphäre vor Gericht liefert. Ich schwankte ständig zwischen Erschrecken und Voyeurismus.

Für mich der dritte Plus-Punkt dieses Buches ist die Veranschaulichung des langen Prozesses, der Guillaume Agnelet dazu bringt, endlich die zerstörerische Wahrheit der fälschlich schützenden Lüge vorzuziehen.

Pascale Robert-Diards Schreibstil ist klar, schnell, lebendig und zog mich an, als wäre ich direkt als Zuschauer bei dieser dramatischen Erzählung mit dabei: Ein Dokumentarfilm wie ein spannender Thriller, obwohl nur die Fakten präsentiert werden.

Pascale Robert-Diard erzählt diese dreißig Jahre der Untersuchung mit Präzision, wo keine Details und keine Elemente ausgelassen werden. So ist es mehr als ein Buch, mehr als ein Gerichtsroman. Es ist ein spannendes, fesselndes, brillantes Dokument, das dem Leser ein neues Licht auf die Agnelet-Le Roux-Affäre bringt, dank der Aussage von Guillaume Agnelet, der sein Gewissen von der schrecklichen Last eines tyrannischen, manipulativen Vaters entlastet.

Ein Buch, das ich allen Typen von Lesern empfehlen möchte.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Paul Zsolnay Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/verrat/978-3-552-05857-6/

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94 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

england, krimi, geheimnisse, dorf, geheimnisvoll

Eine von uns

Harriet Cummings , Walter Goidinger
Fester Einband
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 24.07.2017
ISBN 9783552063358
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine von uns – Harriet Cummings (Autorin), Walter Goldinger (Übersetzer), 368 Seiten, 20 €, Deuticke Verlag (24. Juli 2017), ISBN-13: 978-3552063358

 

„Eine von uns“ ist der brillante Debutroman von Harriet Cummings, ein Whodunnit-Roman, den Sie wirklich genießen können.

Angeregt wurde Harriet Cummings durch eine wahre Begebenheit. Im Sommer 1984 wurde ein Dorf in der englischen Provinz von Angst und Misstrauen erfasst, als ein geheimnisvoller Eindringling, der als The Fox bekannt wurde, in die Häuser von mehreren Bewohnern eindrang. Trotz einer erhöhten Polizeipräsenz und regelmäßigen Patrouillen gelang es ihm immer wieder, sich der Ergreifung zu entziehen. Eine riesige Jagd der Polizei nach dem Fox folgte, und schließlich führten forensische Beweise zu der Ergreifung des möglichen Täters.

Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt, jedes aus der Sicht von vier sehr unterschiedlichen Bewohnern des Dorfes gesehen. Zuerst haben wir die gelangweilt Hausfrau Deloris, die mit ihrer Fixierung auf die wöchentliche Serie „Dallas“ aus der Mühe ihrer täglichen Existenz zu entkommen versucht. Dann haben wir den sanften Jim, einen Pfarrer. Oberflächlich betrachtet scheint Jim eine Säule der Gemeinde zu sein, aber werden die Geheimnisse aus seiner Vergangenheit zurückkommen und ihn einholen? Brian der sympathische Dorfpolizist, der sich um seinen behinderten Bruder kümmert und nun mitten einer großen Polizei-Untersuchung steckt. Schließlich begegnen wir dem exzentrischen Lokal, Stan, der bei der Untersuchung eindeutig etwas Wichtiges von der Polizei versteckt. Das verschlafene Dorf wird im Kern erschüttert, als eine beliebte und harmlose Frau verschwindet und The Fox der Hauptverdächtige ist. Eine freundliche Nachbarschaft verändert sich plötzlich aus Angst und Paranoia in eine feindselige. Und jeder sieht seinen Nachbar als potenziellen Verdächtigen. Der Wechsel des Erzählers hilft, ein wirkliches Gefühl für das Leben in diesem kleinen Städtchen zu bekommen.

Der Roman lässt uns selber fragen, wie gut wir unsere Freunde und Nachbarn wirklich kennen und ob der Gemeinschaftsgeist wirklich so ist, wie er oberflächlich betrachtet scheint.

Obwohl es sich um ein Verbrechen handelt, ist es nicht ganz ein Kriminalroman, und obwohl es eine psychologische Studie darüber ist, was hinter den Vorhängen einer kleinen englischen Stadt vor sich geht, ist es definitiv kein psychologischer Thriller. Cummings verwendet das Whodunnit-Format, um die Beziehungen und Geheimnisse einer kleinen Gemeinschaft zu erforschen.

Cummings legt ein für meinen Begriff perfektes Buch vor. Sie schafft es, die 80er Jahre wunderbar mit ihren schrulligen, kleinen Details zu erfassen. Ihre Fähigkeit wie sie die Spannung ankurbelt, als die Dorfbewohner anfingen, sich gegenseitig zu verdächtigen hat, mich beeindruckt. Ebenso wie sie mich das wachsende Gefühl der Paranoia hat miterleben lassen. Vor allem zeigt die Autorin ein wahres Verständnis der Gefühle und Gedanken ihrer Charaktere, ihrer Stärken oder Mängel und bringt sie mit Sorgfalt und Sympathie zum Leben - alle fühlen sich so an, als ob sie unsere Nachbarn sein könnten.

„Eine von uns“ ist ein faszinierendes Buch, das alle in seinen Bann ziehen wird, vor allem jene, die nicht ein wildes, temporeiches Buch suchen, sondern ihre Freude an durchdachten Geschichte haben über Einsamkeit, Vertrauen, Geheimnisse und die Eigenheiten der Menschen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Deuticke Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/eine-von-uns/978-3-552-06335-8/

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Berühre mich nicht

Andrea Camilleri , Annette Kopetzki
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 24.07.2017
ISBN 9783312010349
Genre: Romane

Rezension:

Berühre mich nicht – Andrea Camilleri (Autor) Annette Kopetzki (Übersetzerin), 160 Seiten, 18 €, Verlag Nagel & Kimche AG (24. Juli 2017), ISBN-13: 978-3312010349

 

Der Titel stammt von der Interpretation einer Szene, die die Kunst des Mittelalters und der Renaissance, vor allem durch das berühmte Fresko von Beato Angelico im Kloster von San Marco in Florenz beeinflusst und angeregt hatte.

Der Roman spielt sich in einem bürgerlichen Rahmen ab. Die Handlung dreht sich um Laura Garaudo, ein rätselhafter und vielschichtiger weiblicher Charakter. Eine Frau, die extrem frei von sozialen Konventionen ist, aber innerlich leidet unter ihrem Leben. Er folgt Lauras Leben, das anscheinend dem Untergang gewidmet ist, verbraucht und verfallen.

Der Roman erzählt in Form eines Tagebuches vom 5. Juni 2010 bis zum 5. Juli 2010, mit einigen Rückblenden und einigen Seiten ohne Datum das geheimnisvolle Verschwinden von Laura

Laura ist eine jener schönen weiblichen Figuren; schön, aber von vulgärer Schönheit, animalisch und primitiv und auch faszinierend, raffiniert, sehr charmant. Jung und gebildete, ist sie mit einem renommierten älteren Schriftsteller Mattia Todini verheiratet, der sie mit völliger Hingabe liebt, obwohl Laura weiterhin Beziehungen zu anderen Männern beibehält. Eines Tages verschwindet Laura plötzlich und hier nimmt die Geschichte die Form eines Kriminalromans an und Kommissar Luca Maurizi verfolgt Momente von Lauras Leben zurück. Die Untersuchung ihres Verschwindens wird so zu einer wirklichen Erforschung der Persönlichkeit Lauras, ihres Geschmacks, ihrer Träume, ihrer geheimsten Schmerzen.

Camilleri schreibt präzise, auf das Wesentliche konzentriert. Vor allem in den von ihm bevorzugten Dialogen. Hier schafft er zwischenmenschliche Beziehungen, die den wahren Charakter der Personen bloßlegen.

„Berühre mich nicht“ ist ein ungewöhnlicher Roman, in dem Camilleri das Porträt einer Frau zeichnet, das zunächst rein fiktiv scheint, aber sich nicht viel aus dem wirklichen Leben unterscheidet.

Ein schöner Roman, elegant, unaufdringlich und ungewöhnlich in Stil. Für mich war das Buch zu schnell vorbei. Laura beschäftigt mich weiter als unklares Wesen, von dem ich gerne mehr wissen wollte. Aber wer weiß, vielleicht ist das genau das, was Camilleri erreichen wollte.

Mit dieser Mischung aus Psyche, Kunst, Spurensuche und Literatur hat Camilleri eines seiner besten Werke geschrieben.

Für jeden, vor allem natürlich für Camilleri-Liebhaber ein außergewöhnlicher Leckerbissen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Nagel & Kimche Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/beruehre-mich-nicht/978-3-312-01034-9/

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 3 Rezensionen

geschichte, helen macdonald, falke, pestizide, kalter krieg

Falke

Helen Macdonald , Frank Sievers
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 31.03.2017
ISBN 9783406705748
Genre: Sachbücher

Rezension:

Falke: Biographie eines Räubers - Helen Macdonald (Autorin), Frank Sievers (Übersetzer), 240 Seiten, C.H.Beck; Auflage: 2 (31. März 2017), 19,95 €, ISBN-13: 978-3406705748

 

Er ist das schnellste Tier auf Erden. Mit einer atemberaubenden Kombination von Geschwindigkeit, Kraft, Schönheit und Grausamkeit strahlt der Falke seit Jahrtausenden eine Faszination auf Menschen aus, der sich keiner zu entziehen vermag. „Schrecken und Schönheit, kaltes Silber und heißes Blut sind in ihnen vereint.“ (Seite 17)

Dieses Buch, das die Wissenschaft und die Kulturgeschichte überbrückt, untersucht die praktischen und symbolischen Verwendungen von Falken in der menschlichen Kultur auf neue und aufregende Weise.

Helen Macdonald verbindet tiefgehende praktische, persönliche und wissenschaftliche Kenntnisse über Falken und beschreibt so die ganze Geschichte des Vogels, die über die ganze Welt und über viele Jahrtausende reicht. Mir gefällt vor allem die starke analytische Perspektive auf die Bedeutung dieser Vögel in der Geschichte der Menschheit. Alle Aspekte werden angesprochen:  Naturgeschichte, Mythen und Legenden, Falknerei, Falken beim Militär, in städtischer Umgebungen und in der Firmenwelt, in der Spionage, im Dritten Reich, beim Weltraumprogramm, Falken in erotischen Geschichten und in der Werbung. Falken als romantische Ikonen einer bedrohten Wildnis.

Helen Macdonald hat „Falken“ vor ihrem preisgekrönten Buch „H wie Habicht“ geschrieben, anstatt ihre Dissertation abzuschließen, einfach weil das populärere Format es ihr erlaubte, Anekdoten und Geschichten einzuschließen, die sie für unsere Beziehung zu Falken und zur Natur für wichtig hielt. Und vor allem, weil sie fasziniert war von dem Gedanken „… dass wir Menschen die Natur als Spiegel benutzen, Dass jede Begegnung mit einem Tier immer auch eine Begegnung mit uns selbst ist und mit der Art, wie wir uns wahrnehmen.“ (Seite 7)

Was macht dieses Buch so bemerkenswert? Zum einen ist es hervorragend geschrieben, mit unprätentiöser Gelehrsamkeit, mit Leichtigkeit und Witz. Zum anderen verliert es niemals das große Bild aus den Augen: die Art und Weise, wie diese exquisiten Vögel eine ständig wechselnde Bedeutung für den Menschen waren und sind.

Helen Macdonald widersteht der Versuchung, der Eitelkeit des Schreibens zu verfallen und eine aufgeblähte und übermäßige Prosa zu verwenden. Trotz der Materialfülle hat sie es geschafft, das Buch auf respektablen 240 Seiten zu halten. Sie geht tief in das Thema, und schafft trotzdem eine einfache, schnelle und angenehme Lektüre. Eine Meisterklasse, wie man Kulturgeschichte und Naturgeschichte schreibt.

Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube für jeden. Spezialisten und Laien werden es gleichermaßen genießen.  Liebhaber der Landschaft, Vogelbeobachter und alle, die sich jemals gefragt haben, warum Falken so überzeugend sind. 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des C.H.Beck Verlages

http://www.chbeck.de/Macdonald-Falke/productview.aspx?product=17634371

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Im Rausch des Schreibens - Von Musil bis Bachmann

Katharina Manojlovic , Kerstin Putz
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Paul Zsolnay Verlag, 28.04.2017
ISBN 9783552058262
Genre: Sachbücher

Rezension:

Im Rausch des Schreibens: Von Musil bis Bachmann - Katharina Manojlovic (Herausgeber), Kerstin Putz (Herausgeber), 256 Seiten, Paul Zsolnay Verlag (28. April 2017), 27 €, ISBN-13: 978-3552058262

 

"Dem Alkohol müsste man Tantiemen zahlen", behauptet Wilfried Schoeller in seinem Artikel "Das letzte Glas", "er ist der mächtigste Erzeuger von Literatur, der sich denken lässt", und er untermauert seine Behauptung sogleich mit einer Aufzählung einer ganzen Reihe von Flaschengeistern: Unter den ersten sechs Amerikanern, die den Literaturnobelpreis erhielten, waren nicht weniger als fünf - Sinclair Lewis, William Faulkner, Ernest Hemingway, John Steinbeck und Eugene O`Neill - gestandene Alkoholiker. Der Alkohol führte sie in Tiefen, die sie als Nüchterne wohl nie erreicht hätten. Der Lohn war Weltenruhm, der Preis nicht selten Siechtum.

Alkohol und andere Drogen steigern aber nicht nur Kreativität und Erfindergeist, verleihen nicht nur Charisma, sondern sorgen vor allem für jene permanente Ruhelosigkeit, die Fortschritt, Expansion und Wachstum erst die Wege ebnen - seien diese nun auf Dauer nutzbringend oder destruktiv.

Rausch des Schreibens? Schreiben im Rausch? All diesen Fragen über Treibstoffe des Schreibens, der Literatur und der Rauschkultur geht das Begleitbuch zur Ausstellung im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek aus der Reihe Profile sehr akribisch nach. Das tut es an ausgewählten Beispielen aus dem Schaffen von:

Ingeborg Bachmann, Georg Trakl, Friedrich Mayröcker, Peter Handke, Gert Jonkes, Ernst Jandl, Ernst Herbeck, Edmund Munch, Peter Hammerschlag, Géza Csàth, Leo Perutz, Wolfgang Bauer, Oswald Wiener, Falco, Rober Musil, Robert Müller, Mela Hartwig, Robert Menasse, Werner Schwab, Werner Kofler, Heimito von Doderer, Franz Kafka, Adalbert Stifter, Hermes Phettberg, Karl Kraus, Günther Anders und Andreas Okopenko.

Der Band ist ein sehr breit angelegtes Werk. 29 Autoren thematisieren in fünf großen Kapiteln die verschiedenen Substanzen und Stimulanzien von Alkohol bis zu harten Drogen, die Ekstase, die Exzesse der Süchte jeder Art, die Trance und die Entrückung, aber auch die Askese und die Schreib- und Selbstdisziplin. Das Buch moralisiert nicht, betreibt auch keinen Voyeurismus auf die ach so verkommenen Künstler, es berichtet einfach. Und dieses Beschreiben findet an Texten, Schriften, Bildern, Zeichnungen, Abbildungen korrigierter Seiten, Fotos von Originalmanuskripten, Tagebüchern, Skizzen und ähnlichem statt. Wie zum Beispiel das Gedicht der jungen Ingeborg Bachmann:

In meiner Trunkenheit kann ich nur Immerwährendes denken / Und über die Tage lächeln und über die Menschen, die sterben … / In meiner Trunkenheit kann ich nur maßlos sein / Und trinken und nehmen und dauern / Drum geh ich so schwindelnd und hoch, / und füll die Krüge der anderen. (Seite 13)

Und nur so können wir uns diesem Thema nähern. Denn wissenschaftliche Untersuchungen über Rauschmittel und Kreativität sind ziemlich selten. Es bleiben nur die Beispiele aus dem realen Leben. Diese Aufgabe erfüllt der vorliegende Band mit viel episodischem Wissen. Was soll dieses Buch? Was kann es leisten? Was nicht? Was können wir mit ihm anfangen?

Zunächst eine Warnung: es geht um eine bestimmte Literatur und nicht um die, über die der französische Dichter Julien Green sagte: „Die Unterhaltungsliteratur wird vom Teufel geschrieben. Und wir werden wohl nie erfahren, was diese Literaturgattung in der Menschheitsgeschichte angerichtet hat.“ (Seite 95)

Für die Behandelte Literatur und ihre Freunde ist es eine wahre Fundgrube von Geschichten und Details aus dem Leben und den Arbeiten der besprochenen Künstler. Wir bekommen einen Einblick in die verschiedenartigen Schreibprozesse und Schreibstile. Wie erfahren, wie die produktive Dynamik des Schreibrausches funktioniert.

Aber es kann auf keinen Fall aus einem Schreiber einen Literaten machen. Literatur kann man nicht erklären, man muss sie erleben, da sie tief im Innersten eines jeden Menschen verborgen ist.

Für alle, die an große Literatur interessiert sind; für alle, die die Illusion hinter unserer bildorientierten Zeit erkennen und ahnen, wieviel mehr das Wort zu leisten im Stande ist; für alle, die wissen, dass die eigene Überzeugung fehlerhaft und höchst unzuverlässig ist; für all diesen Lesern wird es die literarischen Sinne schärfen und erweitern. Passend zum Gedicht von Karl Kraus (Seite 336)

Reflex der Eitelkeit / Die Welt, die im Gewande lebt, / nach Genuß und Gewinn und nach Würden strebt, an der Macht und am Schein, an der Meinung klebt, / ihr Nichts erhebt und vor nichts erbebt / und sich dünkt der Schöpfung Scheitel - / sie sagt, weil ich sah, wie sie, diese Welt, / sich täglich mit sich zufrieden stellt / und sich weitaus besser als mir gefällt, / der sie nicht für die beste der Welten hält: / ich sei eitel.

Das Buch lädt alle Literaturbegeisterten und – besessenen zu einer Entdeckungsreise ein. Der Leser wird dabei am meisten gewinnen, dem deutlich wird, wo die Grenzen seines eigenen Horizonts verlaufen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Paul Zsolnay Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/im-rausch-des-schreibens/978-3-552-05826-2/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

england, mathematiker, zyankali, enigma, selbstmord

Der Sündenfall von Wilmslow

David Lagercrantz , Wolfgang Butt
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.05.2017
ISBN 9783492310604
Genre: Romane

Rezension:

Der Sündenfall von Wilmslow - David Lagercrantz (Autor), Wolfgang Butt (Übersetzer), 464 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (2. Mai 2017), 11 €, ISBN-13: 978-3492310604

England 1954: Inspiriert von McCarthy in den USA werden Spione, Kommunisten und Homosexuelle gejagt. Niemand ist daher überrascht, als man einen verurteilten Homosexuellen, einen Mathematiker namens Alan Turing in Wilmslow, in seinem Haus in der Adlington Straße tot auffand. Es wird allgemein angenommen, dass er die Demütigung als verurteilter Homosexueller nicht ertragen konnte. Aber der junge Detektiv Constable Leonard Corell, mit einem Hang zum wissenschaftlichen Leben, vor allem zu der höheren Mathematik, stellt eine Reihe von Fragen: Warum der Mann sich mit einem mit Zyankali vergifteten Apfel umgebracht hat? Wofür er einen Orden erhalten hat, den er anscheinend verborgen halten wollte? Und was sind es für seltsame Paradoxien an und mit denen Turing arbeitete und was können diese Widersprüche für sein Leben und seinen Tod bedeuten? Immer mehr beschleichen dem jungen Kriminalisten Zweifel an der Selbstmordtheorie, zumal seine Ermittlungen merkwürdigerweise von höheren Stellen blockiert werden.

„Der Sündenfall von Wilmslow“ beginnt wie ein Krimi. Und obwohl Corell ein Detektiv ist und obwohl sein Bemühen um Erkenntnisse in diesem Fall nicht ohne Erfolg sind, ist es kein Detektivroman. Und obwohl der Verdacht auf Spionage immer mitspielt, ist es kein Spionage-Thriller. Vielmehr handelt es sich um einen historischen und gesellschaftspsychologischen Roman.  Es ist eine gelungene Mischung aus Krimi, Biographie, Psychologie und Wissenschaft. Es ist eine spannende literarische Spurensuche über das Leben des britischen Wissenschaftlers Alan Turing. Brisanz gewinnt das Buch vor allem auch dadurch, dass Turing während des Krieges und danach Mitarbeiter des Geheimdienstes war und der zukunftsweisende Visionen von selbstdenkenden Maschinen entwickelte.

Erzählperspektive des Kriminalisten Corell historische Fakten und literarische Fiktion auf eindrucksvolle Weise zu verweben, um facettenreich das Leben des genialen Britten lebendig werden zu lassen.

Zwei Charaktere bestimmen das Buch: Corell ist ein überzeugender Charakter, der durch ein Gefühl sozialer Unzulänglichkeit gepaart mit vereitelten akademischen Ambitionen behindert wird. Doch der wahre Star des Buches ist Turing, und dieses Buch enthält eine Fülle von Details über sein Leben und seine Theorien. Lagercrantz zeigt uns, wie schlecht Turing von britischem Beamten behandelt wurde, trotz seines entscheidenden Beitrags zum Sieg der Alliierten.

Ein fesselnder und großer Roman über Alan Turing, der Mann, der den Computer mit entwickelt hatte und mithalf den Zweiten Weltkrieg zu verkürzen. Und der in den Tod getrieben wurde, weil er zu unterschiedlich war.

David Lagercrantz, geboren 1962, ist ein anerkannter schwedischer Autor und Journalist, der dokumentargeschichtliche Romane und Biografien über schwedische Erfinder und andere gesellschaftliche Größen verfasste, bevor er sich der Belletristik zugewandte. Deutschen Lesern ist Lagercrantz durch seine Biografie über den Fußballer Zlatan Ibrahimovićs und als Autor des vierten Teils von Stieg Larssons „Millennium“-Serie bekannt.

Hier gelingt ihm eine gekonnte Verschmelzung zweier Erzählformen: die sympathische Biographie einer echten geschichtlichen Figur, die schrecklich von der Einrichtung behandelt wurde, und ein Polizeiprozess, in dem ein hartnäckiger Kriminaler versucht, unnachgiebig ein Geheimnis zu knacken So gelingt ihm eine ungewöhnlich vielschichtige, ausgezeichnete Innenansicht auf einen der einflussreichsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts.

Beeindruckender Schreibstil und eine komplexe Handlung: absolut lesenswert.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages

https://www.piper.de/buecher/der-suendenfall-von-wilmslow-isbn-978-3-492-31060-4

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Wir müssen über Kevin reden

Lionel Shriver , Christine Frick-Gerke , Gesine Strempel
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.05.2017
ISBN 9783492310512
Genre: Romane

Rezension:

Wir müssen über Kevin reden - Lionel Shriver (Autorin), Christine Frick-Gerke (Übersetzerin), Gesine Strempel (Übersetzerin), 560 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (2. Mai 2017), 11 €, ISBN-13: 978-3492310512

Eva wollte nie wirklich eine Mutter sein, und sicherlich nicht die Mutter dieses Jungen, der sieben seiner Mitschülern, einen Cafeteria-Arbeiter und einen vielverehrten Lehrer ermordet hatte

Das Buch erzählt die Geschichte eines High-School-Massakers. Dieses Szenario, nicht nur in den USA sondern auch in Deutschland bekannt und gefürchtet, fordert die Frage nach dem „Warum?“ geradezu heraus. Die einen sehen die Ursachen in zu laschen Waffengesetzen, während die andere seite die explizite Gewalt im Fernsehen, Videospiele, Filme und Musik anprangern, die die Grenze zwischen Täuschung und Realität aufhebt.

Doch Kevin benutzte keine Pistole und hatte auch keinen Zugang zu gewalttätigen Medien. Er war auch nicht der gemobbte Ausgestoßene, der nach Rache dürstete  und er war auch nicht irgendein unüberwachtes Schlüsselkind.

Jetzt, zwei Jahre später, ist es Zeit für Eva Khatchadourian, sich mit Ehe, Karriere, Familie, Elternschaft und Kevins schrecklichem Amoklauf in einer Reihe von überraschend direkten Briefen mit ihrem getrennt lebenden Ehemann Franklin auseinander zu setzen. Eva befürchtet, dass ihre Abneigung gegen den eigenen Sohn dafür verantwortlich sein könnte, ihn so aus der Bahn zu werfen.

Lionel Shriver schreibt eine tiefe und kühne Untersuchung des Elternseins, indem uns zeigt, wie viel (oder wie wenig) Eltern dafür verantwortlich gemacht werden können, was aus ihren Kinder wird.

Das Buch erforscht die Anforderungen durch eine Mutterschaft und die traumatischen Auswirkungen, die es auf eine Ehe haben kann. Evas Gefühl der Niederlage bei der Geburt ihres Sohnes Kevin, ihr Versagen zu stillen und die vielfältigen Schwierigkeiten, die sie mit dem schlaflosen, schreienden Kind erlebt, sind vielen vertraut. Doch Shriver schreibt nicht über gewöhnliche Mutterschaft oder einen gewöhnlichen Jungen. Kevin ist ein Monster.

Eva findet keine Antworten, nur Schuld, viel davon auf sich selbst gerichtet. Nur ein schwarzes Loch, das sie langsam in einen unerklärlichen Wirbel zieht.

Ein nachdenklicher und zutiefst beunruhigender Roman über eine Mutter. Ein durchaus schreckliches Buch. Sie können es nicht genießen, aber Sie werden die Dinge anders sehen, und das ist genau das, was ein gutes Buch tun sollte. Deshalb müssen Sie es unbedingt lesen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages

https://www.piper.de/buecher/wir-muessen-ueber-kevin-reden-isbn-978-3-492-31051-2

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148 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 92 Rezensionen

mord, erotik, thriller, kunst, maestra

Maestra

L.S. Hilton , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.05.2016
ISBN 9783492060516
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Maestra - L.S. Hilton (Autorin), Wibke Kuhn (Übersetzerin), 384 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (2. Mai 2017), 9,99 €, ISBN-13: 978-3492311090

 

Judith Rashleigh hatte eine schwierige Kindheit, die ihre tiefe Wut beeinflußt hatte. Ihre Mutter trank, sie wurde in der Schule gemobbt und aus ihrem Haus vertrieben. Aber sie entdeckte auch Museen und eine Liebe zur Kunst und arbeitete sich durch das Studium. In ihren 20er Jahren erhält sie ihren Traumjob in einem großen Londoner Auktionshaus. Dort merkt sie schnell,  dass ihr Lohn niedrig ist und ihre Chefs sich mehr um Geld als um Kunst kümmern. Nebenbei arbeitet Judith in einem Club, in dem attraktive junge Frauen reiche ältere Männer dazu überreden, überteuerten Champagner zu bestellen.

Kreuzfahrten, reiche Männer, heftigen Sex, teure Kunst, rücksichtslosen Ehrgeiz, Morde und unersättlicher sexueller Appetit, so bewegt sich Judith durch Europa auf der Spur eines großen Kunstbetrugs. Eine gekonnte Mischung aus Krimi, Thriller und „Fifty-shades-of Grey.“ Aber es ist mehr.

Mir scheint es eher ein Porträt einer soziopathischen Frau mit einem unersättlichen Appetit auf sexuelle Abenteuer zu sein. Das Portät einer Frau, die einfallsreich, ehrgeizig, intelligent, sogar amoralisch und sadistisch ist, ja manchmal auch bösartig.

L.S. Hilton schreibt nicht nur gut über Sex, sie schreibt gut über alles andere. Sie könnten die Sex-Szenen schneiden und "Maestra" wäre noch immer ein faszinierender Roman über eine junge Frau. Sie schreibt über Judiths Liebe zur Kunst und teure Kleidung mit der gleichen Leidenschaft, die sie auf ihren Orgien verwendet. Die Kunstwelt ist gut dargestellt, ebenso wie die verschiedenen Orte der Handlung.

Mich hat das Buch etwas schockiert, weil die Welt, die es porträtiert, sich so deprimierend rückständig anfühlt. Männer haben Geld, Macht, Yachten und Hedgefonds. Frauen sind Einwegzubehör. Sie können zwar die Männer überlisten oder sie zu ihrem eigenen Vorteil manipulieren, aber das wesentliche Gleichgewicht der Macht bleibt unverändert. Frauen in diesem Roman haben keine Macht und keinen Status, der nicht durch Sex verliehen wird.

Trotzdem allem, ein außergewöhnliches und unterhaltsames Buch, eine gute Mischung aus Sex, Verbrechen und Kunst.

Hervorragend geeignet für Leser, die eine gut geschriebene Geschichte wollen, die eine Heldin mit Profil wollen, die aussagekräftige Sexszenen wollen, die nichts der Phantasie überlassen.

Insgesamt eine gute Urlaunslektüre.

 

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https://www.piper.de/buecher/maestra-isbn-978-3-492-31109-0

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Sońka

Ignacy Karpowicz
E-Buch Text: 208 Seiten
Erschienen bei eBook Berlin Verlag, 02.05.2017
ISBN 9783827079367
Genre: Sonstiges

Rezension:

Sońka - Ignacy Karpowicz (Autor), Katharina Kowarczyk (Übersetzerin), 208 Seiten, Berlin Verlag (2. Mai 2017), 20 €, ISBN-13: 978-3827013439

 

Zwei Personen begegnen sich in Królowe Stojlo, vier Häuser am Ende des Nichts im Grenzgebiet zwischen Polen und Weißrussland. Ein Ort, wo fast niemand wohnt und wo, allem Anschein nach, im Augenblick nichts passiert.  Der junge polnische Theaterregisseur Igor Grycowski bleibt wegen einer Autopanne liegen. Er trifft Sonia, die alte Frau mit ihrer Kuh. Sie hat eine Geschichte zu erzählen, ihre Geschichte aus dem Jahre 1941. Und er will sie hören.

Sie lädt ihn auf eine Tasse Milch ein und beginnt zu sprechen. Es ist zunächst eine ungleiche Beziehung - sie legt ein Geständnis ab, ein Sterbebettgeständnis. Er sieht das Ganze als ein großes Material für eine Theateraufführung. Ganz langsam wandelt sich diese Beziehung immer mehr zu einer Partnerschaft.

Der Anfang von Fall von Sonia ist die Liebe, eine verbotene, unerfüllbare und sündige Liebe. Zusammen mit der Liebe erlebt Sonia das Leben jenseits des Lebens - außerhalb der Geschichte, der Moral und der Gesellschaft als Gegensatz zu dem, was möglich ist. Aber die Liebe hat keine Chance im Kampf gegen den Hass, gegen das Böse, gegen das Schicksal, das niemanden glücklich sein lässt.

Die Geschichte des belarussischen Mädchen Sonia ist einfach und kompliziert zugleich. Einfach im Konzept einer verrückten, jugendlichen Liebe, die nichts beachtet. Kompliziert, weil die Liebe in schwierigen Zeiten des Krieges zu erhaben und schön ist. Sonia wählte die Liebe als Leidenschaft, die nicht darüber nachdenkt, was ist, was war und was sein wird. Liebe, konzentrierte sich nur auf sich selbst. Idealisierte Liebe als eine Flucht aus der Realität.

Ignacy Karpowicz entwickelt aus den Erzählungen und Erinnerungen der Alten zusammen mit den Gedanken und Überlegungen von Igor ein fantastisches, ein trauriges Buch. Eine Geschichte vom Glück und seinem Preis. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise an die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen möglicher Wahrheit und dem künstlerischen Schaffen.

Dem Autor gelingt es über diese unausgesprochenen Momente der Geschichte und das tragische Schicksal zu schreiben, ohne in falschen Pathos oder in Kitsch zu verfallen. Er zwingt den Leser in Angst, in Gefühle und in Misstrauen. Ein ergreifendes fiktives Schauspiel.

Es ist ein gutes Buch, magisch und schmerzhaft, klug und wahr, ergreifend, zweideutig. Und vor allem ist er wunderschön geschrieben.

Lesenswert, weil es zeigt, was wirklich wichtig ist.

 

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https://www.piper.de/buecher/sonka-isbn-978-3-8270-7936-7-ebook

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

usa, familie, geschwister, stiefgeschwister, scheidung

Die Taufe

Ann Patchett , Ulrike Thiesmeyer
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 02.05.2017
ISBN 9783827013446
Genre: Romane

Rezension:

Die Taufe - Ann Patchett (Autorin), Ulrike Thiesmeyer (Übersetzerin), 400 Seiten, Berlin Verlag (2. Mai 2017), 22 €, ISBN-13: 978-3827013446

Die Geschichte beginnt in den frühen 1960er Jahren. Fix Keating, ein Polizist, verheiratet mit der wunderschönen und verführerischen Beverly. Ihre Tochter Franny wird getauft und sie haben zu einer Party eingeladen. Dort erscheint uneingeladen auch Albert Cousins, stellvertretender Bezirksstaatsanwalt. Er wollte bloß der Langeweile mit heulenden Kleinkindern und seiner müden schwangeren Frau Teresa an einem Sonntagnachmittag entkommen. Er bringt eine große Flasche Gin mit. Der Inhalt wird eine ganze Familie auflösen.

Die Geschichte entfaltet sich zwischen dem Leben der Familien Keating und Cousins in den nächsten fünf Jahrzehnten.

Als sie 30 Jahre alt ist beginnt Franny Keating eine Beziehung mit dem renommierten Schriftsteller Leon Posen, ein viel älterer Mann, der dringenden Inspirationen für ein neues Buch braucht. Die Geschichten, die Franny ihm von ihrer Kindheit erzählt, bilden die Basis für sein Bestseller-Comeback. Die Auswirkungen dieses Romans, und die Geheimnisse, die er enthüllt, verwendet Ann Patchett, um uns die Geschichten von 10 Personen zu erzählen: die sechs Keating-Cousins Kinder und ihre vier Eltern.

Das klingt zunächst wie eine große Familiensaga mit all ihren Verwicklungen, Tragödien und Momenten des Glücks. Ist sie auch. Aber sie ist noch mehr: Wie die Familien sich erinnern und sich selbst beurteilen, wird zu einem der wichtigsten Themen des Romans. Welche Familiengeschichten gehören uns allein? Wer bringt falsche Teile in unsere Geschichte? Wie entwickeln sich Schuld und Vergebung über die Generationen? Und vor allem gibt uns die Autorin tiefe Einblicke in die realen und emotionalen Auswirkungen der Entwurzelung von Familien.

Patchett wählt eine episodische Struktur, indem sie zwischen den Charakteren und Jahrzehnten wechselt und Details herauszieht. So gelingt es ihr, wie in einem überreichen Teppich eine faszinierende Geschichte zu weben.

Um eine Geschichte mit 10 Protagonisten zu schaffen, die sich über 50 Jahre erstreckt - und viele Orte verteilt ist, das ist schon ein Balanceakt, der große Erzählkunst erfordert. Und Ann Patchett ist eine meisterliche Geschichtenerzählerin. Vor allem versteht sie es perfekt etwas zu zeigen, anstatt nur zu beschreiben. Sie schreibt voller Witz und Wärme, nuanciert, sehr komplex und vor allem authentisch.

Ein kluger, aufregender Roman, ernst und anspruchsvoll, dabei von einer erfrischenden Ehrlichkeit, durch die er besonders vergnüglich zu lesen ist. Ein Genuss, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages

https://www.piper.de/buecher/die-taufe-isbn-978-3-8270-1344-6

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Ein Mann ? eine Frau

Véronique Olmi , Claudia Steinitz
Flexibler Einband
Erschienen bei Wagenbach, K, 28.04.2017
ISBN 9783803127785
Genre: Romane

Rezension:

Ein Mann - eine Frau - Véronique Olmi (Autorin), Claudia Steinitz (Übersetzerin),128 Seiten, Klaus Wagenbach Verlag (28. April 2017), 10 €, ISBN-13: 978-3803127785

 

Ein 18. August in Paris, leer und verlassen. Ein Sturm in der Nähe. Wind, Regen. Ein Mann und eine Frau treffen sich, sie scheinen verabredet. Diese Frau ist sehr blass und zu dünn. Er hat blaue Augen, die Haarsträhne über die Stirn. Sie machen einen Spaziergang durch den jardin de luxembourg. Er lädt sie in ein Hotel ein. Sehr schnell öffnet sie sich durch die Sprache des Körpers, jenseits aller Worte, die das Schweigen und das Leid nicht zu erklären brauchen. So wird beiden gegeben, es ist ein Freihandel, sind sie nicht zwei, sind sie zusammen. Die Frau bietet und gibt frei, erhält aber ebenso viel Freude wie Schmerz. Sie lernen das Sanfte und das Schroffe. Diese Linie zwischen Lust und Schmerz ist sehr fein gezeichnet.

Doch diese Frau ist gebrochen, geschwächt und hat eine eindringliche geheime Vergangenheit, eine offene Wunde. Sie scheint ihm zu vertrauen, indem sie ihm ihren Körper anbietet.  Wer oder was hat sie betrogen? Wohin sind ihre weiblichen Formen verschwunden? Wird sie sich ihm anvertrauen können?

Ein starker Mann, eine fragile Frau. Wir erfahren nicht viel über diese beiden Charaktere, genau das, was sie zulassen, Genau das, was wir brauchen. Sie treffen sich, Lust und Liebe. Das ist, was zählt

Véronique Olmi legt einen sehr intimen, sinnlichen Roman vor, voller Emotionen, Liebe und Verletzungen. Und über den Regen, der in der ganzen Geschichte vorhanden ist.

Der Schreibstil ist, wie immer bei Véronique Olmi umwerfend schön, manchmal roh, manchmal sehr grob, aber ohne Vulgarität. Wenn sie sich über eineinhalb Seiten der Farbe Blau seiner Augen zu nähern versucht. (Seite 25/26) Oder, wenn Sie Sätze schreibt wie diesen: „… und sein Blick war neu. Im Blau seiner Augen, direkt über der schwarzen Iris war ein gelber Glanz, wie ein Goldkörnchen. […] Kam dieser Glanz vom Sonnenlicht oder aus seiner eigenen Wahrheit, das Stückchen Sonne im uralten Blau seiner Augen, dieses offenbarte Anderswo, dieser kleine gelbe Punkt, für alle Ewigkeit, eine Überraschung, eine Verrücktheit dieser beiden Lichtspäne, das Unerwartete in seinem Blick.“ (Seite 63/64) Sehr lange Sätze, oft ohne Interpunktion, haben einen tiefen Rhythmus, ändern das Tempo und lassen sich gut lesen und vor allem bringen sie einen näher an die Geschichte und sogar in die Gedanken der Charaktere hinein.

Dieses intime Buch erzählt die Begegnung von zwei verwundeten Wesen, die für einen Nachmittag den Geschmack der Unschuld, der Nachsicht und der Vergebung finden.

Es ist ein Text, der sich ganz vorzüglich zum Vorlesen eignet. Wäre doch mal eine Idee: Lesen Sie diese Geschichte einmal ihrem Partner, ihrer Partnerin vor. Es wird beide nicht unberührt lassen.

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https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1098-ein-mann-eine-frau.html

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Ein gewisses Lächeln

Françoise Sagan , Helga Treichl
Flexibler Einband
Erschienen bei Wagenbach, K, 28.04.2017
ISBN 9783803127754
Genre: Romane

Rezension:

Ein gewisses Lächeln - Françoise Sagan (Autorin), Helga Treichl (Übersetzerin) 144 Seiten,  Klaus Wagenbach Verlag (28. April 2017), 10 €, ISBN-13: 978-3803127754

 

Françoise Sagan schreibt einen kurzen Roman in drei Teilen.

Im ersten Teil: Dominique, eine Jurastudentin, die mit ihrem Kommilitonen Bertrand zusammen ist, verliebt sich in Luc, dessen Onkel, der mit Francoise verheiratet ist.

Im zweiten Teil: Dominique und Luc verbringen zwei Wochen lang zusammen in der Nähe von Cannes.

Im dritten Teil: zurück in Paris, Dominique wartet auf Luc, der sie verlässt.

Es ist die banale Geschichte eines Ehebruchs, einer Beziehung zwischen einem „alten Mann“ und einem „jungen Mädchen“; Midlife-Krise für diesen, Krise des Übergangs zum Erwachsenenalter für diese. Ordentlich erzählt in einer sanften, reichen Sprache, mit einem Hauch von Zynismus. Im Stil von „Bonjour Tristesse“, dem Stil der Sagan.

Alles wird aus der Perspektive von Dominique gesehen und ihre Gefühle mit einer entwaffnenden Genauigkeit beschreiben. Sagan beschreibt perfekt die Sprache des Körpers, die Liebe, die Hoffnung, die psychologische Wandlung, die dieses Gefühl von Eifersucht, Egoismus, Bosheit aber auch Glück, Gelassenheit, Unachtsamkeit oder Zweifel einleiten und auslösen. Ein Roman mit unglaublicher Genauigkeit.

Normalerweise sagt man, dass es den Autoren oft schwerfällt, nach einem sehr erfolgreichen ersten Roman, einen gleichwertigen zweiten zu schreiben. Sagan hat diese Falle brillant umgangen. Für mich ist „Ein gewisses Lächeln“ fast noch besser als Bonjour Tristesse. Françoise Sagan war 20 Jahre alt, als sie dieses Buch geschrieben hat, zwei Jahre nach „Bonjour Tristesse“. Und sie spricht über die Liebe, Leidenschaft, Langeweile, Glück und viele anderen Gefühle, mit der Reife von jemandem, der bereits mehrere Leben gelebt hat, mit dem Abstand von einem neutralen Beobachter, der das Leben anderer einfach registriert.

„Ich war eine Frau, die einen Mann geliebt hatte. Eine simple Geschichte und kein Grund sich aufzuspielen.“ (Seite 139) So der letzte Satz: Ein Roman, wie geschaffen gegen Liebeskummer und ähnliche Zustände.

Ein kurzer bittersüßer Roman, weich und prägnant, voller Melancholie. Das Buch ist einfach ein Genuss.

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https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1103-ein-gewisses-laecheln.html

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Gilles? Frau

Madeleine Bourdouxhe , Monika Schlitzer
Flexibler Einband
Erschienen bei Wagenbach, K, 28.04.2017
ISBN 9783803127792
Genre: Romane

Rezension:

Gilles’ Frau - Madeleine Bourdouxhe (Autorin), Monika Schlitzer (Übersetzerin), 160 Seiten, Klaus Wagenbach Verlag (28. April 2017), 12 €, ISBN-13: 978-3803127792

 

„Durch die Nässe verfaulen die letzten Herbstblumen, noch bevor sie Zeit hatten zu welken.“ (Seite 130) Ein Satz, der für vieles gilt, auch und insbesondere für Elisa.

Elisa ist die Frau von Gilles, einem Stahlarbeiter, irgendwo am Rande einer Industriestadt in Belgien, vielleicht Lüttich. Sie führen eine sogenannte ganz normale Ehe, zwischen Kindern, Küche, Garten, Arbeit und dem Warten auf den von der Arbeit kommenden Mann, den sie abgöttisch liebt.

Damit beginnt auch dieser Roman. „Fünf Uhr … Er wird bald heimkommen“ denkt Elisa. Und kaum hat sie das gedacht, ist sie zu nichts mehr fähig […] Eine Welle der Zärtlichkeit ergreift sie wie ein Schwindel.“ (Seite 5) So erwartet sie die Ankunft von Gilles von der Arbeit in der örtlichen Fabrik in der belgischen Landschaft. Sie ist verliebt in ihren Mann und erwartet ihr drittes Kind, Elisa will wenig mehr, als sich um ihre Familie zu kümmern. Dabei bemüht sie sich, ein möglichst komfortables Zuhause zu schaffen. Die Eröffnungsszenen malen idyllisches Bilder, voll von den einfachen Freuden des Lebens: „Gilles lehnt sich wieder aus dem Fenster. Er denkt an nichts und an eine Menge winziger Kleinigkeiten. Morgen ist Sonntag … Der Duft der Suppe steigt ihm noch immer in die Nase … Die Blumen im Garten sind schön. Wie angenehm das Leben doch ist. Er sieht Elisa zu, wie sie im Licht der untergehenden Sonne seine beiden nackten kleinen Töchter badet, und Frieden erfüllt ihn.“ (Seite 9)

Doch es dauert nicht lange, bis diese harmonische Existenz auseinanderfällt. Kurz vor der Geburt ihres Babys beginnt sie, ein vages Gefühl von Unbehagen zu erleben. Gilles erscheint in irgendeiner Weise unbeständig. Zuerst setzt Elisa es auf ihren eigenen Zustand - schließlich ist alles ein wenig seltsam, wenn man hoch schwanger ist. Aber eines Abends, als Gilles im Begriff ist, mit Victorine (Elisas attraktiver jüngerer Schwester) auszugehen, ist Elisa von einem akuten Gefühl der Angst gepackt.

Madeleine Bourdouxhe beschreibt die Katastrophe sehr gut: die Art und Weise, in der der Verrat in einem Blick oder einer Geste des Augenblicks sichtbar wird; oder auch wie ein neugieriges, fast euphorisches Schockgefühl das Herz in den ersten Phasen der Gefahr schützt. Dann kommt das hartnäckige Geschäft des emotionalen Überlebens: Es ist nicht so viel der Verlust von Gilles Liebe, die Elisa fürchten muss, sondern der Verlust ihrer eigenen Liebe.

„Gilles’ Frau“ ist eine klassische Tragödie. Die Orte sind einfach, die mitspielenden Personen ebenfalls. Und es sind nicht viele. Keiner verliert den Überblick. Bourdouxhe Stärke ist es, aus wenig viel zu machen. Dabei nutzt sie einen Sprachstil, der sowohl blumig elegant als auch ruppig und grausam ausfallen kann, der minimalistisch, aber zugleich sehr emotional ist. Hinzu kommt eine überaus genaue und treffende Analyse der Unterschiede von männlicher und weiblicher Sexualität. Und sie zeigt die schmalen Grenzen auf, die zwischen Liebe und Anbetung verlaufen.

Madeleine Bourdouxhe lässt den Leser ganz nah an Elisas Sicht und gibt ihm einen nahezu vollständigen Zugang zu ihren inneren Gedanken und Gefühlen. Es ist ein verheerendes Porträt einer Frau, die in ihrem Schmerz und Leiden in ihrer selbstaufopferten Liebe zu ihrem Mann isoliert ist.

Das Buch war der Debütroman von Madeleine Bourdouxhe, der erstmals 1937 erschien, als die Autorin Anfang dreißiger Jahre war. Und ihr gelang mit dieser Konzentration auf eine ménage à trois eine zeitlose Geschichte selbstloser Liebe und ihrer Schmerzen.

Sie können das Buch in zwei oder drei Stunden leicht lesen, aber diese Geschichte hat das Potenzial, länger in Ihrem Gehirn und Ihrem Herzen zu verweilen.

 

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https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1099-gilles-frau.html

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Der Optiker von Lampedusa

Emma Jane Kirby , Paulina Abzieher , Hans-Christian Oeser
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 03.04.2017
ISBN 9783827013460
Genre: Biografien

Rezension:

Der Optiker von Lampedusa: Die Geschichte einer Rettung - Emma Jane Kirby (Autorin), Paulina Abzieher (Übersetzerin), Hans-Christian Oeser (Übersetzer), 160 Seiten, Berlin Verlag (3. April 2017), 16 €, ISBN-13: 978-3827013460

 

Oktober bei Lampedusa an einem sonnigen Morgen. Auf See wacht der Optiker in der Morgendämmerung auf. Das Meer ist schön, die Sonne scheint, er ist glücklich. Für einen Moment hat er all seine Sorgen vergessen. Er genießt die Ruhe, die nur von Möwenschreien unterbrochen wird. Ungewöhnlich schrill, fast übernatürlich. Nein, das sind keine Vögel. Das sind Schreie der Angst, der Verzweiflung, des Schmerzens.

Der Optiker von Lampedusa ist ein ganz normaler Mensch, fleißig, ruhig, gewissenhaft. Mit seiner Frau Teresa lebt er auf dieser einzigartige Insel. Sie mögen gegrillte Sardinen, Aperitifs auf der Terrasse und Bootsfahrten auf den ruhigen Gewässern um ihr kleines Inselparadies. Er sieht aus wie wir. Er ist gewissenhaft, sorgt sich um die Zukunft seiner beiden Söhne und kümmert sich um das Überleben seines kleinen Unternehmens.

Er ist kein Held. Und seine Geschichte ist kein Märchen, sondern eine Tragödie: die Entdeckung von Männern, Frauen und Kinder, die im Wasser um ihr Überleben kämpfen. Gesichter, die von den Wellen gefangen sind. „Noch nie hatte ich soviele Menschen im Wasser gesehen. Strampelnde Gliedmaßen, ausgestreckte Hände, schlagende Fäuste, schwarze Gesichter, die erst über, dann unter den Wellen aufblitzten. Schnaufen, Geschrei, Prusten, Gebrüll. Mein Gott, dieses Gebrüll.“ (Seite 7) und nur weil sie aus ihren Länder gefohen sind vor Verfolgung und Tyrannei.

Der Optiker von Lampedusa erzählt die Geschichte von einem, der nicht sehen will.  „Ich wollte Ihnen diese Geschichte nie erzählen. Ich hatte mir geschworen, diese Geschichte nie wieder zu erzählen, weil sie kein Märchen ist.“ (Seite 9) Und nun befindet sich dieser Anti-Held plötzlich in einer Situation, die alles andere als normal ist. Was als gemütliche, ruhige Bootsfahrt mit Freunden begonnen hat, endet damit, dass sie in ihrem kleinen Boot 47 Flüchtlinge gerettet haben.

Eine wahre Geschichte, die die Journalistin Emma-Jane Kirby meisterlich erzählt, ganz nahe an der Realität, hell und prägnant.

Der Optiker von Lampedusa? Das bin ich, das bist du. Ein kleines, ruhiges Leben, mit wenigen Sorgen. Die menschlichen Dramen der Flüchtlinge kennen wir nur aus Fernsehen, aus der Morgenzeitung. Bilder, die uns wenig beeindrucken. Dieses Buch hilft, unsere Augen und Herzen zu öffnen, weil hinter den Zahlen es Menschen aus Fleisch und Blut gibt, die vor der Armut, der Diktatur und dem Krieg geflohen sind.

Das kurze Buch werden Sie in einem Rutsch lesen. Danach werden Sie nicht mehr gleichgültig sein.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages

https://www.piper.de/buecher/der-optiker-von-lampedusa-isbn-978-3-8270-1346-0

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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dystopie, dystopisch, roman, flop

Das Herz kommt zuletzt

Margaret Atwood , Monika Baark
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 03.04.2017
ISBN 9783827013354
Genre: Romane

Rezension:

 Das Herz kommt zuletzt - Margaret Atwood (Autorin), Monika Baark (Übersetzerin), 400 Seiten, Berlin Verlag (3. April 2017), 22 €, ISBN-13: 978-3827013354

 

Das Leben von Charmaine und Stan verlief recht angenehm oder besser gesagt, normal. Beide hatten eine recht zufriedenstellende Arbeit. Jetzt leben sie in ihrem Auto, irgendwo im rust belt Amerikas, verarmt und verzweifelt. Genauso wie die Bande von Vergewaltigern und Dieben, die draußen um ihr Auto marodierend herumziehen. Sie haben eine Reihe von Arbeitsplätzen verloren, und sie sehen keine lebensfähige Zukunft. Aber Sie haben einander. Sie scheinen ein wenig naiv in der Art, wie sie ihre Liebe als Bollwerk gegen die Welt beibehalten. Und genau diese Naivität macht sie anfällig für ein verlockendes Angebot: ein Monat im Gefängnis, und einen Monat draußen, wo es Vollbeschäftigung gibt und sie ohne Kosten leben können.

Diese doppelte Gemeinschaft von Positron, dem Gefängnis und Consilience, dem normalen Lebensraum, ist ein sozioökonomisches Experiment, das auf einem privat finanzierten postmodernen Gefängnis beruht, aber eigentlich eine Strafkolonie ist.

Der Roman zeigt sich zunächst als eine alarmierende Geschichte aus der nahen Zukunft an, ein vertrautes Szenario bei Margaret Atwood: Die Welt zerfällt in Stücke, und eine finstere Institution mit eigener Kältelogik steigt ein, um das Vakuum zu füllen.

Das Ganze ist eine Metapher, eine Allegorie: Sie zeigt eine bürgerliche Existenz, die nur durch wirtschaftliche Unterdrückung aufrechterhalten werden kann. Statt eines wohlhabenden Lebensstils, der durch Sklavenlöhne in fernen Ländern möglich gemacht wird, ist das Neue am Positron-Projektes, dass jetzt die Ausgebeuteten und diejenigen, die von der Ausbeutung profitieren, dieselben Menschen sind.

Und es geht um den Kampf zwischen der Monogamie und der Wirklichkeit des menschlichen Verlangens, der Verflechtung von Sex und Dominanz, der Liebe und des freien Willens. Was bedeutet es wirklich, jemanden zu lieben? Wie viel freier Wille haben wir wirklich in Sachen des Herzens? Was würden wir für Sicherheit tun? Das sind wiederkehrende Themen von Margaret Atwood, Kanadas berühmteste Schriftstellerin. Hier hat sie diesen Stoff in eine strenge Satire auf räuberischen Großunternehmen gepackt und mit einer Sex-Komödie gekreuzt.

Margaret Atwood zeichnet Stan und Charmaine eindrucksvoll und einfühlsam, ohne deren egoistischen Wünsche, heuchlerischen Rechtfertigungen und Schwächen im Angesicht von Versuchung oder Zwang zu unterschlagen. Beide sind ausgesprochen normal und doch oft abscheulich.

Die Autorin schreibt in einer lyrischen, leichten und virtuosen Sprache. Irgendwie unaufdringlich und trotzdem vom Inhalt sehr eindringlich.

Eine packende, psychologisch exakte Darstellung unserer eigenen Zukunft, die den Leser sehr nachdenklich zurücklässt.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages

https://www.piper.de/buecher/das-herz-kommt-zuletzt-isbn-978-3-8270-1335-4

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australien, thriller, jagd, entführung, busch

Die Hatz

J.M. Peace , Sina Hoffmann
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.04.2017
ISBN 9783492310475
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Hatz: Thriller - J.M. Peace (Autorin), Sina Hoffmann (Übersetzerin), 320 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (3. April 2017), 9,99 €, ISBN-13: 978-3492310475

 

Sammi (Samantha Willis) ist Polizistin in der Kleinstadt Angel's Crossing. Nach einem Streit mit ihrem Freund Gavin, nimmt sie sich eine kurze Auszeit von einer Nacht in Brisbane um mit ihrer Freundin Candy um die Häuser zu ziehen. In der letzten Bar will Candy noch bleiben. Sammi macht sich zufuss auf den Weg zu Candy Wohnung. Da verliert sich ihre Spur. Ihr Freund Gavin meldet sie als vermisst.

Wie sich herausstellt, ist etwas Unheimliches passiert. Sammi wurde von einem Verrückten entführt, der sie in den unversöhnlichen australischen Busch bringt, um sie quasi als Sport zu jagen. Er will ein schreckliches Spiel spielen, in dem sie die Beute ist und er der Jäger. Er weiß nicht, dass sie Polizistin ist

Detective Senior Constable Janine Postlewaite und ihre Kollegen können bald Sammis Verschwinden mit ähnlichen Fälle verknüpfen.

Der Roman bietet uns im Wesentlichen zwei Blickwinkeln: wir haben die Gelegenheit, der Polizei-Untersuchung zu folgen und auch Sammis Kampf ums Überleben in den Händen eines Serienmörders zu erleben. Sammi kämpft, um im Busch zu überleben, und spiegelt sich genau in der Entschlossenheit der Detektivin Janine Postlewaite wieder, sie lebendig zu finden.

Beide Charaktere sind sehr realistisch, stark und sympathisch. Die Kontraste der verschiedenen Persönlichkeiten und verschiedene polizeiliche Erfahrungen, halten die Geschichte frisch am Laufen.Und wir bekommen auch einen Einblick in unseren Wahnsinnigen, einen kühlen Charakter, für den die Jagd ein Sport ist.

Der Debütroman „Die Hatz“ ist geschrieben von einer noch aktiven australischen Polizeibeamtin. Sie weiss wovon sie redet. Und das merkt man diesem sehr autenthischen Roman an, der überaus überzeugend gelungen ist. Im Unterschied zu manch anderem, auch von Polizisten geschriebene Kriminalromane, die mich eher an einen Polizeibericht erinnern

Es ist ein rauer und glaubwürdiger Roman, hart und aufregend, mit perfektem Tempo. Empfehlenswert für alle, die einen straffen, zügigen Thriller lieben, der ohne großes psychologisches Brimborium um das Seelenleben des Serienmörders auskommt. Ein atemberaubender Thriller.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages

https://www.piper.de/buecher/die-hatz-isbn-978-3-492-31047-5

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australien, winzer, köchin, neuanfang, weingut

Ein Weinberg zum Verlieben

Kayte Nunn , Ursula C. Sturm
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.04.2017
ISBN 9783492309691
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ein Weinberg zum Verlieben - Kayte Nunn (Autorin), Ursula C. Sturm (Übersetzerin), 384 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (3. April 2017), 9,99 €, ISBN-13: 978-3492309691

 

Das ist ein Roman über Wein, Essen, Romanzen und Freundschaften. Angesiedelt im Weingebiet Shingle Valley.

Das Buch kommt mir vor wie ein leichter prickelnder Sommerwein. Nicht zu sehr komplex, aber sehr angenehm zu trinken.

Worum geht’s? Rose Bennett, eine Engländerin nimmt einen Job als Haushälterin auf dem Weingut von Mark Cameron in Australien an. Ihr Bruder hat das vermittelt und er verfolgt dabei auch eigene Interessen. Er, selbst in Weingeschäften tätig, will mehr über dieses Weingut herausfinden.

Was folgt ist eine warmherzige und sehr gut lesbare zeitgenössische Romanze in einem australischen Weinberg. Rose in der Mitte einer Reihe von liebenswerten, exzentrischen Charaktere, darunter zwei goldige Kinder und ihre etwas schwieriger Vater.

Die Hauptperson Rose ist perfekt dargestellt, ein runder Charakter, abergläubisch, impulsiv und gelegentlich mürrisch, aber auch großzügig, loyal, freundlich und geduldig. Und alle kleineren Charaktere haben ihre eigene Geschichte zu erzählen, die schön mit Roses Geschichte verbunden ist.

Genießen Sie die Reise von Rose, die ihre Liebe zum Kochen wiederentdeckte und ihren Weg durch eine Vielzahl von Schwierigkeiten geht, um endlich die wahre Liebe zu finden. Entdecken Sie heidnische Feuerstellen, bizarre Weinproben und ein Tal voller exzentrischer Einheimischer, Rose wünscht nur, dass sie irgendwo hingegangen wäre, wo es ein bisschen wärmer wäre. Aber als sich das Wetter bessert, zeigt das Tal seine Schönheit, und Rose beginnt sich zu verlieben: in das Tal, in die Weine, in die beiden Kindern, um die sie zu kümmert, und in einen der Männer dort. Wird Rose eine Zukunft in Shingle Valley finden, oder wird sie gezwungen sein, zu gehen?

Eine schöne Geschichte mit vielen Wendungen und darin eingeflochten eine perfekte Beschreibung der australischen Landschaft und viele Informationen über die Weinherstellung.

Es ist der erste Roman von Kayte Nunn. Sie war Herausgeberin des Gourmet Traveller WINE und ist heute freie Redakteurin für die Gebiete Kayte Reise, Gesundheit, Balance, Elternschaft und Lifestyle. Man merkt deutlich, dass sie weiß, worüber sie schreibt.

Perfekte Lektüre für einen faulen, bequemen Sommer-Sonntag-Nachmittag. Ein unterhaltsames Lesevergnügen für Romantikfans, mit einer charmant normalen Heldin und eine köstliche Weinkellerei.

 

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https://www.piper.de/buecher/ein-weinberg-zum-verlieben-isbn-978-3-492-30969-1

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201, gift

Das stille Gift

Nicola Förg
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.04.2017
ISBN 9783492311052
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das stille Gift: Ein Alpen-Krimi - Nicola Förg (Autorin), 320 Seiten, Verlag: Piper Taschenbuch (3. April 2017), 9,99 €, ISBN-13: 978-3492311052

 

Ein Metallteil fliegt zwei Touristen aus einem Güllefass wie ein Katapult um die Ohren Das ist der Auslöser für die Suche nach einem seit vier Jahren verschwundenen Mann. Irmi Mangold und Kathi Reindl finden heraus, zu wem das Metallstück, Teil einer künstlichen Hüfte gehörte. Die Geschichte des Bauern ist ein Albtraum. All seine Kühe verenden an einer rätselhaften, schleichenden Krankheit, und schließlich gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm selbst.

Und so geht es hier nicht nur um Mord, sondern um Botulismus, das Herbizid Glyphosat, Biogas-Anlagen, Monokulturen, Subventionen und vieles mehr. Nicola Förg hat offensichtlich gut recherchiert, und man spürt bei der Lektüre, wie sehr der Autorin das Thema am Herzen liegt.

Das Buch „Das stille Gift“ ist nicht nur eine packende Kriminal-Geschichte, sondern eher noch ein fesselnder und informativer Wirtschafts- oder Politthriller, politische Streitschrift.  

Das Buch steckt voller Fakten, ist äußerst gut recherchiert. Ein aktuelles, realitätsnahes und brisantes Thema aus der Politik.

Mir gefallen die beiden Ermittlercharaktere besonders gut. Irmi Mangold hat eine angenehme trocken-spröde Ausstrahlung, unverheiratet, bei ihrem Bruder auf dem Bauernhof lebend entspricht sie nicht den allgemeinen Klischees. Und die grundverschiedene Kathi Reindl setzt einen Gegenpol. Trotzdem funktioniert ihre Zusammenarbeit hervorragend. Und natürlich gibt es viele weiter treffende Charaktere wie zum Beispiel den Rupert Urban, unsympathisch, großspurig oder den Severin Jörg, Bilderbuchbürgermeister. Und was wäre ein bayrischer Krimi ohne einen echten „Preiß“.

Nicola Förg schreibt unkompliziert, kurzweilig und trotzdem anspruchsvoll. Sie trifft dieses gemischte Genre, Krimi, Wirtschaft- und Politik, Lokalkolorit und ein kleines Stück Heimatroman ganz hervorragend.

Das Buch hat Suchtfaktor nach mehr von Nicola Förg. Ideale Bett- und Urlaubslektüre. Auf jeden Fall ist es wie ein bilderreicher Urlaub in Oberbayern.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages

https://www.piper.de/buecher/das-stille-gift-isbn-978-3-86612-345-8

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dorf, kunstmann, walnusstal, yavuz ekinci, 2017

Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam

Yavuz Ekinci , Oliver Kontny
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 08.03.2017
ISBN 9783956141669
Genre: Romane

Rezension:

Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam - Yavuz Ekinci (Autor), 192 Seiten, Verlag: Kunstmann, A (8. März 2017), 18 €, ISBN-13: 978-3956141669

 

Was bietet uns Yavuz Ekinci? Ein Märchen, eine Dystopie, ein Drama, eine Erzählung, eine Schöpfungsgeschichte, einen Roman? Es ist etwas von allem und noch viel mehr. Auf jeden Fall betreten wir eine magische Welt.

Der erste Abschnitt „Einer von jenen Tagen“ beginnt mit einer Idylle im Walnusstal am Berg Amar: Wunderbare Tier- und Landschaftsschilderungen. Aber hier gilt das Gesetz des Stärkeren, denn es geht um die archaische Natur, um den Adler, der über allen droht.

Im zweiten Abschnitt „Vor langer Zeit“ erleben wir all die Legenden und Mythen eines Volkes, die Sage von der schönen Sara, Amar und dem schwarzen Hengst Ba. Sie können als einzige und erste vom Walnusstal aufgenommen werden, während vorher Feldherren, Propheten, Herrscher und Könige bei ihrem Bemühen den Berg Amar zu bezwingen scheiterten.

Im Hauptabschnitt „Es war zu einer Zeit“ erleben wir im Walnusstal Menschen, die auf Katastrophe warten, die sich vor dem Augenblick fürchten, an dem es jemandem gelingt, dass Walnusstal einzunehmen und über dessen Bewohner Zerstörung zu bringen. Im Mittelpunkt stehen Opa Eyüp und seine drei Söhne, sowie seine Schiegertochter Peyruze. Im Schlusskapitel „Es war einmal, es war keinmal“ erleben wir die gleichen handelnden Personen. Und hier wird für den Leser auch die Verbindung zum ersten Teil ganz schlüssig. „Niemand hat einen anderen Freund als seinen eigenen Schatten.“ (Seite 142)

Natürlich steckt im Roman des kurdischen Autors Yavuz Ekinci ein Thema, mehr noch, eine Botschaft: Das ständige Warten auf die unausbleibliche Zerstörung der Heimat. „Sie kommen! Alle Dörfer weit und breit sind schon verbrannt. In manchen mussten die Männer splitterfasernackt durchs Dorf paradieren. In manchen haben sie alle Leute ohne Unterschied erschossen.“ (Seite 144)

Wie verhalten sich Menschen in dieser Ausnahmesituation? Stoisch? Schicksalsergeben? Hitzig erregt? Jammern? Klagen? Wildes Geplärre und Geplapper? Ziellos geschäftig? Gottesfürchtiges Beten? Das Dasein im Warten auf die Sichere Vernichtung beschreibt Yavuz Ekinci in kürzeren und längeren Szenen. Er spricht nicht explizit über den Krieg im Kurdengebiet, es ist aber klar, worum es geht. Das macht das Buch so stark. Der Autor erzählt nüchtern aber akkurat absteckt, was passiert, wenn der seinerzeit schon von Heraklit beschworene Vater aller Dinge von allen Seiten als der Weisheit letzter Schluss gesehen wird.

Es gelingt ihm eine ganz und gar zauberhafte, fesselnde und aufrüttelnde Erzählung.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/der_tag_an_dem_ein_mann_vom_berg_amar_kam-1253/

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Die vielen Namen der Liebe

Kim Thúy , Andrea Alvermann , Brigitte Große
Fester Einband: 150 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 08.03.2017
ISBN 9783956141683
Genre: Romane

Rezension:

Die vielen Namen der Liebe - Kim Thúy (Autor), 150 Seiten, Verlag: Kunstmann, A; Auflage: 1 (8. März 2017), 18 €, ISBN-13: 978-3956141683

 

Vi ist der Name eines kleinen Mädchens, das mit seiner Mutter und sein drei Brüdern während des Krieges aus Vietnam geflohen ist. in einem Flüchtlingslager in Malaysia, zog die Familie weiter, um in der Nähe von Quebec in Kanada zu leben, wo sie eine unauffällige Jugend verbrachte. Sie beginnt dann in Montreal ein Studium des Rechts und der Sprachen und wird als Mitarbeiterin eines Hilfsprojekts nach Vietnam zurückkehren, findet Freunde, verliebt sich in einen französischen Mitarbeiter, arbeitet, reist viel ... und lernt, wer sie wirklich ist. Nicht einfach, vor allem, wenn unser Name bedeutet „Winzige Kostbarkeit.“

Erzählt wird aus der Perspektive von Vi, der Jüngsten; und ihre Erzählung umspannt die Familiengeschichte von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. In ihre Gegenwart, Vi ist eine Einwanderin der zweiten Generation, eine moderne und zunehmend selbstbewusste Frau, die ihren Weg geht und doch permanent zerrissen wird zwischen den Traditionen, des Herkunftslandes und der Familie und den Freiheiten des „westlichen“ Lebens, die sie sich herauszunehmen wagt, um die sein zu können, die sie sein möchte.

Ein schönes und subtiles Buch über Heimat, Flucht und Ankommen, Liebe, Leid und natürlich das zentrale Thema der Arbeit von Kim Thúy: Exil

Die Themen sind sehr weitgespannt, aber Kim Thúy verliert sich nicht in einem großen Roman, sondern hält sich kurz. Der Romanist in kurze Kapitel unterteilt, und schön mit Sorgfalt entworfen bis auf die Detailebene. Sehr fein abgestimmt und ausgewogen poetisch. Ein unglaublich schönes Buch, mit diesem nostalgischen und melancholischen Anflug, den wir aus den anderen Büchern der Autorin kennen.

Mir scheint es ein autobiographischer Roman zu sein. Er zeigt in seinen kurzen Kapiteln alle geographischen und soziologischen Besonderheiten der Reisen, die den Leser auf die ganze Welt führen. Und es ist auch die Geschichte von Vietnam und seine Menschen, ihren Pflichten, und alle seine Traditionen und alle Überzeugungen. Es ist die Geschichte einer Entwurzelung und eine ständige Herausforderung, endlich Teil der neuen Gemeinschaft zu werden. Obwohl im Roman nichts besonders Dramatisches passiert, ist er zugleich doch sehr tragisch. Und einige Momente sind absolut erschütternd.

Kim Thúy schreibt sehr subtil, sensibel und auch sinnlich und empfindsam. Ja weich und geschmeidig, wie mit dem leichten und eleganten Pinsel eines Kalligraphen hingemalt. Ein schönes und zum Nachdenken anregendes Buch. Das vor allem durch Kim Thúys eigener Sprache überzeugt, die sehr schön und atmosphärisch ist und die die Konflikte beschreibt, ohne einen Stand für richtig oder falsch ein zu nehmen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/die_vielen_namen_der_liebe-1249/

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Madrid, Mexiko

Antonio Ortuño , Hans-Joachim Hartstein
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 08.03.2017
ISBN 9783956141652
Genre: Romane

Rezension:

Madrid, Mexiko - Antonio Ortuño (Autor), 200 Seiten, Verlag: Kunstmann, A; Auflage: 1 (8. März 2017), 20 €, ISBN-13: 978-3956141652

  „Beim zweiten Schuss wusste er, dass er tot war.“ (Seite 11) Der Roman beginnt mit der Gewissheit des Todes. Alles was folgt ist der verzweifelte Kampf, um die Vollendung dieses Schicksal hinauszuzögern.

Antonio Ortuño erzählt zwei parallele, miteinander verwobene Geschichten, die einen Zeitraum von über 90 Jahren umfassen, von 1923 bis 2014. Die Verbindung zwischen den beiden sind die Familienbande seiner Figuren. Eine sehr komplexe Familiengeschichte. Kapitel und Charaktere wechseln zwischen dem Spanien der 20er Jahr, dem Spanien des Bürgerkrieges (1936-1939), dem Mexiko der spanischen Einwanderer zum Zeitpunkt des Bürgerkrieges und des aktuellen Mexikos der Nachkommen.

Und auch diese spanischen Emigranten der dritten Generation bleiben Ausländer, deren einzige Sicherheit die Unsicherheit ihrer Identität bleibt.

Der Autor erinnert an die extreme Situation von den Anhängern der Zweiten Spanischen Republik und dem Debakel und der Querelen der Linken auf der Iberischen Halbinsel; die andere Geschichte bezieht sich auf zeitgenössische Probleme, unter denen die Nachkommen der spanischen Exilanten in Mexiko leiden, die sich mit der täglichen Gewalt und der Rache auseinandersetzen müssen.

Der Roman befasst sich mit der Frage der nationalen Identität. Themen wie Migration und Grenzen, die mit Humor, Ironie, stilistische Präzision und viel Fantasie erzählt wird. Antonio Ortuño liefert ein klares und buntes Porträt von verschiedenen Epochen und Umgebungen; einprägsame Charaktere sowie einzelne Stimmen und Chöre in wenigen Pinselstrichen.

Aber Madrid, Mexiko“ ist auch für Antonio Ortuño eine Annäherung an seine Wurzeln. So sagte er in einem Interview: „Ich bin der Sohn von Einwanderern und ich fühlte mich immer ein wenig fehl am Platz“.

Ortuños Schreibstil ist wie ein Sirenengesang mit vielen Akkorden, wo es für den Leser darum geht, die Feinheiten in dieser sprachlichen Musik zu entdecken und sich dem fesselnden Tempo des Romans hinzugeben.

Antonio Ortuño, öffnet mit diesem unbequemen Roman die Tür eines Abgrunds. Ein Roman über den ungelösten Mexiko-Spanien Konflikt und über das heutige Mexiko als eine Mischung aus vielen Identitäten. Sehr lesenswert, aus literarischer und historischer Sicht.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/madrid_mexiko-1248/

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