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Gilles? Frau

Madeleine Bourdouxhe , Monika Schlitzer
Flexibler Einband
Erschienen bei Wagenbach, K, 28.04.2017
ISBN 9783803127792
Genre: Romane

Rezension:

Gilles’ Frau - Madeleine Bourdouxhe (Autorin), Monika Schlitzer (Übersetzerin), 160 Seiten, Klaus Wagenbach Verlag (28. April 2017), 12 €, ISBN-13: 978-3803127792

 

„Durch die Nässe verfaulen die letzten Herbstblumen, noch bevor sie Zeit hatten zu welken.“ (Seite 130) Ein Satz, der für vieles gilt, auch und insbesondere für Elisa.

Elisa ist die Frau von Gilles, einem Stahlarbeiter, irgendwo am Rande einer Industriestadt in Belgien, vielleicht Lüttich. Sie führen eine sogenannte ganz normale Ehe, zwischen Kindern, Küche, Garten, Arbeit und dem Warten auf den von der Arbeit kommenden Mann, den sie abgöttisch liebt.

Damit beginnt auch dieser Roman. „Fünf Uhr … Er wird bald heimkommen“ denkt Elisa. Und kaum hat sie das gedacht, ist sie zu nichts mehr fähig […] Eine Welle der Zärtlichkeit ergreift sie wie ein Schwindel.“ (Seite 5) So erwartet sie die Ankunft von Gilles von der Arbeit in der örtlichen Fabrik in der belgischen Landschaft. Sie ist verliebt in ihren Mann und erwartet ihr drittes Kind, Elisa will wenig mehr, als sich um ihre Familie zu kümmern. Dabei bemüht sie sich, ein möglichst komfortables Zuhause zu schaffen. Die Eröffnungsszenen malen idyllisches Bilder, voll von den einfachen Freuden des Lebens: „Gilles lehnt sich wieder aus dem Fenster. Er denkt an nichts und an eine Menge winziger Kleinigkeiten. Morgen ist Sonntag … Der Duft der Suppe steigt ihm noch immer in die Nase … Die Blumen im Garten sind schön. Wie angenehm das Leben doch ist. Er sieht Elisa zu, wie sie im Licht der untergehenden Sonne seine beiden nackten kleinen Töchter badet, und Frieden erfüllt ihn.“ (Seite 9)

Doch es dauert nicht lange, bis diese harmonische Existenz auseinanderfällt. Kurz vor der Geburt ihres Babys beginnt sie, ein vages Gefühl von Unbehagen zu erleben. Gilles erscheint in irgendeiner Weise unbeständig. Zuerst setzt Elisa es auf ihren eigenen Zustand - schließlich ist alles ein wenig seltsam, wenn man hoch schwanger ist. Aber eines Abends, als Gilles im Begriff ist, mit Victorine (Elisas attraktiver jüngerer Schwester) auszugehen, ist Elisa von einem akuten Gefühl der Angst gepackt.

Madeleine Bourdouxhe beschreibt die Katastrophe sehr gut: die Art und Weise, in der der Verrat in einem Blick oder einer Geste des Augenblicks sichtbar wird; oder auch wie ein neugieriges, fast euphorisches Schockgefühl das Herz in den ersten Phasen der Gefahr schützt. Dann kommt das hartnäckige Geschäft des emotionalen Überlebens: Es ist nicht so viel der Verlust von Gilles Liebe, die Elisa fürchten muss, sondern der Verlust ihrer eigenen Liebe.

„Gilles’ Frau“ ist eine klassische Tragödie. Die Orte sind einfach, die mitspielenden Personen ebenfalls. Und es sind nicht viele. Keiner verliert den Überblick. Bourdouxhe Stärke ist es, aus wenig viel zu machen. Dabei nutzt sie einen Sprachstil, der sowohl blumig elegant als auch ruppig und grausam ausfallen kann, der minimalistisch, aber zugleich sehr emotional ist. Hinzu kommt eine überaus genaue und treffende Analyse der Unterschiede von männlicher und weiblicher Sexualität. Und sie zeigt die schmalen Grenzen auf, die zwischen Liebe und Anbetung verlaufen.

Madeleine Bourdouxhe lässt den Leser ganz nah an Elisas Sicht und gibt ihm einen nahezu vollständigen Zugang zu ihren inneren Gedanken und Gefühlen. Es ist ein verheerendes Porträt einer Frau, die in ihrem Schmerz und Leiden in ihrer selbstaufopferten Liebe zu ihrem Mann isoliert ist.

Das Buch war der Debütroman von Madeleine Bourdouxhe, der erstmals 1937 erschien, als die Autorin Anfang dreißiger Jahre war. Und ihr gelang mit dieser Konzentration auf eine ménage à trois eine zeitlose Geschichte selbstloser Liebe und ihrer Schmerzen.

Sie können das Buch in zwei oder drei Stunden leicht lesen, aber diese Geschichte hat das Potenzial, länger in Ihrem Gehirn und Ihrem Herzen zu verweilen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1099-gilles-frau.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

Guter Junge

Paul McVeigh , Hans-Christian Oeser , Nina Frey
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 26.08.2016
ISBN 9783803132796
Genre: Romane

Rezension:

Guter Junge - Paul McVeigh (Autor), Nina Frey und Hans-Christian Oeser (Übersetzer) Gebundene, 256 Seiten, Wagenbach, K (26. August 2016), 22 €, ISBN-13: 978-3803132796

 

Es ist Ende der 1970er Jahre. Mickey Donnelly ist 10 Jahre alt. Er lebt in Ardoyne in West-Belfast. Mickey hat seine Prüfung mit 11+ bestanden und ihm wurde ein Platz an der St. Malachy's Grammar School angeboten. Aber ihm wird gesagt, dass seine Familie es sich nicht leisten kann, ihn dorthin zu schicken.

Paul McVeigh, ebenfalls in Belfast geboren, erzählt die Geschichte von den neun Wochen von Mickys Sommerferien, bevor er zur Höhere Schule geht. Er erzählt es durch Mickeys Augen, die alle Gedanken, Ideen und wilden Träume eines vorpubertierenden Jungen vermitteln. Ardoyne ist ein römisch-katholisches Gebiet, das mehr oder weniger von protestantischen Gebieten umgeben ist. Es ist nicht überall in Ardoyne sicher, denn dies ist die Zeit der nordirischen Unruhen, wenn auf den Straßen zu jeder Zeit Gewalt ausbrechen kann.

Ein besorgter Zehnjähriger durchstreift harte Straßen und Ödland in Belfast während der Unruhen der frühen schwierigen 1980er Jahre. Er will hart sein, ist es aber nicht. Er beobachtet andere Jungs und versucht sie zu imitieren. Und er erzählt uns seine Abenteuer in dieser zerrissenen Stadt. Mickey ist ein Junge am Rande der Dinge, der versucht, die Grenzen und das Niemandsland zwischen Straßen und Freundschaften zu überwinden. Unruhig, zwischen Spiel und Verantwortung wird er langsam zu einem fast erwachsenes Kind und stolpert dabei durch Gewalt und Enttäuschungen.

Paul McVeigh hat einen glaubwürdigen, individuellen 10-jährige Jungen mit unabhängigen Ansichten und einzigartiger Stimme geschaffen. Er ist ein unruhiger Charakter. Er ist charmant, gelehrig und warm, ansteckend lustig.  Ja, er ist oft verwirrt, aber sind wir nicht alle verwirrt als Kinder? Ja, er leidet Herzschmerz, aber ist das nicht Teil des Erwachsenwerdens? Mickey ist ein intelligenter Junge, und er hat eine Strategie fürs Überleben - er handelt. Er entscheidet, dass es Dinge gibt, die er haben muss und Dinge, die er tun muss.

„Guter Junge“ ist eine kontinuierliche Erzählung mit einer bestimmten tickenden Uhr, ein Countdown, bis die Schulferien enden, und Mickey an der Sekundarschule von St. Gabriel anfangen muss, in der er von den anderen Kindern zerrissen wird. Es gibt Gefahr durch die lokale IRA und durch die Polizei. Vor allem gibt es Vorahnungen, aus denen heraus Mickey beschließt, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen und alles zu einem heftigen Abschluss zu bringen. Es ist die äußerst lebendige, herzergreifende Beschreibung einer (der) irischen Kindheit, die uns vor allem Armut, Paranoia und Gewalttätigkeit vermittelt.

Paul McVeigh ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, mit lebendigen Dialogen und einer visuellen Sprache, die grob und doch subtil, zwingend und mitfühlend zugleich ist.

Es lohnt sich, „Guter Junge“ zu lesen. Es ist interessant, liebenswert, charmant und herzzerreißend. Paul McVeigh navigiert uns mit viel Geschick über das stürmische Meer von Mickeys wechselnden Erfahrungen und seinen sich schnell verändernden Gefühlen mit Geschick. Und schafft damit nicht nur einen unvergesslichen Charakter. Und der Blick auf den Nordirland-Konflikt aus der Sicht eines Kindes macht nicht nur Gewalt und Hass so absurd und anachronistisch, wie sie sicher sind. und er erinnert uns daran, dass das Leiden der Kinder immer im Mittelpunkt der Kriegsführung steht.

Und es ist ein Roman, der uns sehr viel über die Art und Weise beibringen kann, wie wir als Erwachsene die Welt um uns herum betrachten bzw. betrachten sollten.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1042-guter-junge.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Gedankenjäger

Iain Levison , Walter Goidinger
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 22.08.2016
ISBN 9783552063280
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

 Gedankenjäger - Iain Levison (Autor), Walter Goidinger (Übersetzer), 304 Seiten, Deuticke Verlag (22. August 2016), 19 €, ISBN-13: 978-3552063280

 „Er war anders. Er war besonders. Er war Elite.“ (Seite 40) Dieser Gedanke ist für jeden direkt nach vollziehbar Denn Jared Snowe, ein Polizist aus Massachusetts hört die Gedanken anderer Menschen. Da tun sich doch fantastische Möglichkeiten auf. Denny Brooks, ein zum Tode verurteilter Polizistenmörder, hat ebenfalls diese Gabe. Aber zwischen beiden liegen Welten. Bis sie zusammentreffen. Denn die Agentin Agent Terry Dyers und ihr Chef Emmanuel wollen diese Gaben nutzen. So haben wir zwei Gedankenleser und eine dubiose kleine Regierungs-Instanz, die diese wieder unter ihre Kontrolle bringen muss. Welche Rolle spielt Sergeant Coffey? Wer wird die Jagd gewinnen?

Mehr verrate ich nicht zu dieser hochspannenden Mischung aus Thriller, Science-Fiction und Roadmovie mit Verschwörungstendenzen. Ein kluger Roman wartet auf Sie, eine verschlungene Handlung, intelligent, überraschend, mit komischen Situationen und unerwarteten Wendungen. Und Charaktere, die Sie immer überraschen werden.

Iain Levison zeigt in diesem Thriller eine erschreckende Vision von Amerika, ätzend, traurig und doch lustig. Vor allem prangert er Manipulationen und Überwachungen durch die höchsten Ebenen des Staates an.

Vor allem finde ich neben den Thrillerqualitäten in diesem schon fast prophetischen Roman besonders interessant, wie Levison mit Sympathie von diesem Gedankenleser erzählt und wie sich sein Alltag durch diese geheimnisvolle Gabe des Gedankenlesens verändert. Gedanken lesen hilft ungemein. Kann aber gefährlich werden.

Ist es nicht eine faszinierende Vorstellung, die Gedanken anderer Menschen lesen zu können? Zwischen Wahrheit und Lüge sofort zu unterscheiden? Alle Geheimnisse offen zu „sehen“?. Doch was wäre, wenn wir ständig unter dieser Gabe leben müssten? Keine Ruhepause für unseren Geist, vor allem weil wir die Gedanken anderer ungefiltert empfangen, von Banalitäten bis zu unter Umständen für uns wichtigen Informationen? Eigentlich eine grausige Vorstellung. Und das vermittelt dieses Buch.

Wer Spannungsliteratur der intelligenteren Art liebt, der liegt mit diesem Buch genau richtig. Ein starkes Thema zwischen wirklichkeitsnaher Utopie und fast unglaublicher Realität mit Bravour von Iain Levison, dem Meister der Irreführung, umgesetzt. Großes Kompliment für Thema und Stil. Unbedingt lesen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/gedankenjaeger/978-3-552-06328-0/

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86 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

thriller, berlin, kathrin lange, faris iskander, hass

Gotteslüge

Kathrin Lange
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.03.2015
ISBN 9783442383467
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gotteslüge – Kathrin Lange - 416 Seiten, Blanvalet Taschenbuch Verlag (16. März 2015), 9,99 €, ISBN-13: 978-3442383467

 Faris Iskander ist muslimischer Ermittler in der Berliner SERV (Sondereinheit für religiös motivierte Verbrechen). Er trägt eine Sprengstoffweste umgeschnallt. Die er jeden Augenblick zünden wird? Wird er wirklich?

Lassen Sie sich überraschen. Zunächst springt die Geschichte dorthin, wo alles begann. Geiseln werden genommen, Sprengsätze gehen hoch, Morde geschehen, und pausenlos steht Faris mittendrin. Oder vielmehr: rennt mittendrin. Die Geschichte lässt nicht viel Raum zum Atmen, weder der Hauptfigur noch dem Leser. Mit Stehaufmännchen Faris hetzt man von einem Brennpunkt zum anderen. Gut so! Das Spannungsniveau ist hoch und bleibt es durch das ganze Buch hindurch.

Vor allen wird dieses ansteigende Spannungsniveau durch die sehr kurze Zeitspanne der Geschichte erzeugt, denn auch dieser Fall spielt sich fast in Echtzeit ab. Und zur Spannung tragen die beiden Perspektiven bei aus denen Kathrin Lange ihre Geschichte entwickelt: Sie erzählt nicht nur aus der Perspektive von Faris, sie stellt dem Leser auch ziemlich schnell den Gegenspieler vor. Allerdings verdeckt sie ihn, nennt ihn den Mann, der Vergeltung wollte und übertitelt die ihm gewidmeten Abschnitte mit „Der Andere“. Dadurch wird die Geschichte zunächst sehr geheimnisvoll und das große Rätselraten beginnt. Wer ist der Andere? Warum will er Faris leiden sehen?

Die Charaktere sind sehr lebensecht, vor allem Faris: Seine Zerrissenheit, seine Verzweiflung und seine Schuldgefühle machen ihn zu einer sehr authentischen Figur.

Emotional ist schon alles drin von Schock, Schuld, Wut bis Angst und Trauer. Sprachlich hat das alles nichts mit dem Nobelpreis zu tun.

Kathrin Lange schreibt locker und flüssig, ohne Schnörkel

Rasante Spannung, enorm hohes Erzähltempo, bestens recherchiert und fesselnd erzählt. Bei dieser Lektüre werden Sie alles um sich herum vergessen und nicht mehr mit dem Lesen aufhören können. Am besten lesen sie den Thriller an einem ganzen freien Tag.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Blanvalet Verlages

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Gottesluege-Thriller/Kathrin-Lange/e445498.rhd

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Godfather of Soul

James Brown , Lore Boas
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.10.2014
ISBN 9783453640603
Genre: Sachbücher

Rezension:

Godfather of Soul: Die Autobiografie –  James Brown (Autor), Lore Boas (Übersetzer) - 496 Seiten, Heyne Verlag (13. Oktober 2014), 9,99 €, ISBN-13: 978-3453640603

Meine erste Begegnung mit dem „Godfather of Soul“ war „I feel good!“ Nicht gespielt von ihm selber, sondern von einer Soulband aus amerikanischen Musikern aus der Air-Base Ramstein Mitte der 60er Jahre. Diesen Ohrwurm bin ich nie wieder losgeworden. Und so hat Soul und damit James Brown mein musikalisches Leben als Schlagzeuger begleitet.

Und jetzt seine Autobiographie: Was für ein Leben. Was für eine Persönlichkeit. Ich habe dieses Buch enorm genossen: Es ist als ob James Brown seine außergewöhnliche Geschichte in einem langen und interessanten Gespräch erzählt. Er spricht über seine Musik, sein Privatleben und Probleme, seine Philosophie, und sehr spannend über Show-Business und Bühnen.

Die einführenden Worte der Autobiografie schreiben Autoren, die das Phänomen James Brown wirkungsgeschichtlich ergründen wollen. Vielleicht sollten Sie einfach alle Vorworte weglassen und sie zum Schluss lesen. Fangen Sie dort an wo »Mr. Dynamite« selbst zur Feder greift, und auf erfrischend offene und ehrliche Art über die Disziplin in seiner Band, Gefängnis, Schusswaffen, Black Power und Politik spricht. Und am Ende werden Sie feststellen, dass Sie eine Lektion gelernt haben über das Vertrauen in Menschen, Toleranz, Glaube und Spiritualität.

James Brown galt als härtester Arbeiter im Showbusiness: Von 1956 bis 2002 erschien im Schnitt alle zwei Monate ein neuer Hit. Er prägte Musiker wie Carlos Santana und Miles Davies ebenso wie die moderne Rap- und Hip-Hop-Musik. Little Richard, der ihn zunächst als Vorgruppe zuließ, dann aber als jemanden ablehnte, der ihm die Show stahl, verbeugte sich am Ende tief vor dem Erneuerer und Wegweiser James Brown. Michael Jackson wäre nicht der großartige Tänzer geworden, wenn er zuvor nicht von den Bewegungen des »Godfather of Soul« hypnotisiert gewesen wäre.

Seit seinem ersten Nummer-eins-Hit »Please, Please, Please« im Jahr 1956 hat James Brown fünfzig Jahre lang die Musik immer wieder verändert. Mit seiner Hymne »Say it Loud, I'm Black and I'm Proud« wurde er zur Symbolfigur der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und stellt bis heute für viele Schwarze die Verkörperung des amerikanischen Traums dar.

Es tut gut, dass James Brown seine Biografie nicht seinen Vorwortschreibern überlassen hat. In »James Brown« spricht »Mr. Dynamite« vor allem selbst zu uns. Als er 2006 in Atlanta, Georgia, starb, war er bereits 20 Jahre lang in der »Rock and Roll Hall of Fame«. Und dort gehört er hin.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Heyne Verlages

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Godfather-of-Soul-Die-Autobiografie/James-Brown/e464466.rhd

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Glaube, Führer, Hoffnung

Jan Peter Wiborg , Susanne Wiborg
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 04.03.2015
ISBN 9783956140280
Genre: Biografien

Rezension:

Glaube, Führer, Hoffnung - Susanne Wiborg / Jan Peter Wiborg, 320 Seiten, Antje Kunstmann Verlag, März 2015, 19,95 €, ISBN 978-3-95614-028-0

 „Der Frühling so schön. Der Krieg so nah. Alles Leben gesteigert.“ (Seite 192) Wie erklärt sich, dass das Regime seine Herrschaft  noch in der Phase seiner Agonie ausüben konnte? Warum wurden Hitlers Befehle bis zuletzt befolgt? Weshalb kämpfte die Wehrmacht weiter, obwohl der Krieg längst verloren war? Totalitäre Diktaturen behaupten sich nicht nur durch Zwang und Gewalt, sondern auch und vor allem durch spezifische Visionen. Und genau diesen Fragen wenden sich die Geschwister Susanne und Jan Peter Wiborg zu.

Beispiel und Angelpunkt für ihre Überlegungen liegen in der Familie: die verschollene Tante Clara. Sie war im Frühjahr 1945 als eine von wenigen Frauen in der pommerschen Hauptstadt zurückgeblieben. Die junge BDM-Führerin schreibt in ihrer Götterdämmerungseuphorie einige Briefe. Diese Briefe überdauern. „Letzte Lebenszeichen aus einer unvorstellbaren Welt.“ (Seite 11) Herta Clara Marie verschwindet Anfang Mai 1945 auf Rügen.

Diese Briefe sind ein außergewöhnliches Zeitzeugnis. Sie sind nicht vergleichbar mit all den später aus der Erinnerung heraus verfassten Zeitzeugenberichten, die immer auch eine Interpretation der Ereignisse und der eigene Rolle sein mussten. Diese Briefe sind originär und geben einen guten Einblick auf die Frage: Was hat ein intelligentes Mädchen zur ebenso naiven wie bis in den Tod gläubigen Hitler-Anhängerin gemacht?

Die beiden Wiborgs beschränken sich nicht nur auf eine Familiengeschichte, sondern stellen ihre Tante als Prototyp für viele andere in deutschen Familien dar. Sie belegen nicht, dass die „Konsensdiktatur“, also die weitgehende Übereinstimmung zwischen Führung und Volk, bis zum Schluss Bestand gehabt hat. Nein: Nur noch eine kleine Minderheit fanatischer Nationalsozialisten hielt an ihrem Glauben an den „Führer“ fest und setzte ihre Hoffnungen auf die von ihm versprochenen „Wunderwaffen“. Der Hitlerbiograph Ian Kershaw hat es einmal auf die paradoxe Formel „charismatische Herrschaft ohne Charisma“ gebracht. Clara findet ihren charismatischen Führer in Karl Quast, dem Kreisleiter ohne Kreis.

Durch das Tagebuch und vor allem durch ihre Spurensuche auf Rügen zeigen Susanne und Jan Peter Wiborg auch das typische Verhalten der irgendwie doch beteiligten Nachkriegsdeutschen.

Nach diesem Buch verstehen wir besser warum das Regime funktionieren konnte, bis die Rote Armee buchstäblich vor den Trümmern der Reichskanzlei stand. bis „das Durchschnittsmädchen endlich sein Durchschnittsschicksal verlassen hat.“ (Seite 192) Und: Fanatismus bis zur letzten Stunde war nicht nur Männerwahn.

Ein gut zu lesender und wichtiger Beitrag zur deutschen Geschichte über „die Banalität des Bösen, das für Millionen das Gute war.“ (Seite 15).

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Kunstmann Verlages:

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/glaube_fuehrer_hoffnung-1081/

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92 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

mexiko, drogen, drogenkartell, entführung, angst

Gebete für die Vermissten

Jennifer Clement , Nicolai von Schweder-Schreiner , Nicolai Schweder-Schreiner
Fester Einband: 228 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 15.09.2014
ISBN 9783518424520
Genre: Romane

Rezension:

Die Hauptfiguren in diesem Buch sind ein Quartett von Mädchen: Paula, eine bemerkenswerte Schönheit; Estefani, deren Mutter an AIDS stirbt; Maria, die uneheliche Halbschwester der Erzählerin; und die Erzählerin selbst, LadyDi (wie in England Lady Di). Sie wachsen in Guerero, einem fast menschenleeren Bergdorf, unter den strengen Augen ihrer Mütter auf, die ihre Töchter als Söhne ausgeben. Und wenn das nicht mehr möglich ist, versuchen sie ihre Töchter hässlich zu machen, in der Hoffnung, dass dies sie vor Entführung schützt: das Haar ist kurz und unordentlich geschnitten, die Zähne mit Filzstift angefärbt. „Vielleicht muss ich dir die Zähne einschlagen, sagte meine Mutter.“ (Seite 9)

LadyDi lässt uns teilhaben an ihrer Kindheit und an ihrer Teenagerzeit, bis sie das Dorf verlässt und in Schwierigkeiten gerät. Sie zieht uns in eine ebenso bunte wie trostlose Welt. Eine außergewöhnliche Geschichte voller Widrigkeiten, aber auch der gegenseitigen Hilfsbereitschaft der Frauen                                

Das Thema ist die Not der ländlichen Mexikaner, vor allem der Frauen. Das Buch, eher eine Novelle als ein Roman, enthält nicht nur die Geschichte von LadyDi und ihren Freundinnen, sondern auch die von vielen komplexen Nebenfiguren, von Entführungen durch Drogenhändlern, von AIDS-Kranken, von Verzweifelten, die versuchen, die Grenze nach den USA zu überqueren. Es gibt keine unwichtigen Charaktere: Jeder hat seine eigene Geschichte, bis ins kleinste Detail real und oft ergreifend.

Keine der Figuren ist tief oder mehrdimensional angelegt. Sie scheinen mehr wie normierte Vertreter einer ewigen Tragödie zu sein.

Die Lektüre ist keine leichte Kost, aber sehr brillant geschrieben, rustikal, rau und ungeschminkt. gut recherchiert. Vor allem aber wegen seiner klaren Prosa, die sich nicht endlos bei unnötigen Details aufhält, sondern ehrlich von diesem grausamen und verzweifelten Leben berichtet. Jennifer Clement findet eine feine Balance zwischen Sachlichkeit und Emotion, sowie einen ganz ausgezeichneten neutralen Ton, fast unterkühlt um diese unerträglichen Ereignisse zu beschreiben, die nichts Außergewöhnliches sind, sondern der ganz normale Alltag. „Eine vermisste Frau ist nur ein Blatt, das der Regen in die Gosse treibt.“ (Seite 68)

Dieses Buch hat kein Happy End. Dennoch ist es auf seltsame Art hoffnungsvoll. Jeden Tag, den man überlebt, ist ein Triumph, auch wenn diese Triumphe unspektakulär bleiben und auch zu keiner Veränderung der Lebensverhältnisse und -umstände führen.

Jennifer Clements „Gebete für die Vermissten“ ist ein intimer Blick auf Armut und Menschenhandel in Mexiko von innen heraus. Aber es macht auch den globalen Kontext deutlich, und erlaubt uns nicht unserer Verantwortung zu entkommen. Für alle, die Mexiko nicht kennen, wirft das Buch einen tiefen Blick in die dunkle Seele dieses Landes. Das Buch wird niemanden unverändert lassen.

Dieses Buch gibt den Schwächsten eine Stimme. Man sollte es immer wieder lesen. Ein wichtiges Buch über ein Thema, das viel mehr Öffentlichkeit verdient. Für alle, die bereit sind auch unangenehme Wahrheiten zu ertragen.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

weihnachten, kinder, weihnachtsbuch, familie, kerstin kipker

Glorious Book for Christmas

Kerstin Kipker
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei cbj, 23.09.2013
ISBN 9783570156650
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Allein das Äußere des Buches, golden geprägte Umrandungen, tief geprägt Schrift geben dem Buch einen weihnachtlichen Flair. Durchgängig farbige, liebevolle Illustrationen und dezente, zum jeweiligen Thema passende Zeichnungen auf fast allen Seiten tun ein Übriges, um dieses Buch zu einem Vergnügen werden zu lassen.

Das Werk ist eine wahre Fundgrube rund um Weihnachten. 100 Beiträge zum Thema Weihnachten lassen keine Wünsche offen: 22 Weihnachtsgedichte, 16 typische Weihnachtsrezepte, 13 Weihnachtslieder mit Noten, 13 Weihnachtsgedichte, 14 Beiträge zu Wissenswertem über Weihnachten und 11 Geschichten zu und um Weihnachten.

Sieben Themenbereiche werden in lockerer Reihenfolge behandelt: Brauchtum (Weihnachten bei uns und in anderen Ländern); Rezepte (von Bratäpfeln bis Spekulatius); Bastelanleitungen (Strohsterne basteln, Adventskranz binden, ...); Lieder (von "Alle Jahre wieder" bis "Stille Nacht"; Gedichte (von Rilke bis Heine); Wissenswertes (z.B. Handwerkskunst, Weihnachtsklassiker - Filme, Weihnachtsbaumkunde, ...); Geschichten (von der klassischen Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium bis zur "Kinderweihnacht")

Das ist ein Buch, das während der gesamten Adventszeit auf dem Wohnzimmertisch griffbereit sein sollte: Zum Lesen und vorlesen, zum Backen, um Singen, zum Basteln und das alles gemeinsam in der ganzen Familie. Hier findet jeder etwas für sich. Und diese bunte Mischung macht dieses Weihnachtsbuch zu einem ganz besonderen.

Nein, es ist nichts Neues und es ist auch nichts Modernes, was man in dieser Sammlung findet, aber es ist genau das, was man sich unter Weihnachten vorstellt. Kein Weihnachtskrimi, kein Familiendrama unterm Tannenbaum, sondern einfach nur die heile Welt, die wir alle für Weihnachten herbeisehnen.

Das Buch zaubert eine wunderbare Weihnachtsatmosphäre, so richtig zum Träumen, so richtig um die Zeit zu vergessen. Wer das Weihnachtsfest in der Familie zu etwas Besonderem machen möchte, wer mehr über Brauchtümer und Riten wissen möchte, der kann bei "Glorious Book für Christmas" beruhigt zugreifen. Die bunte Mischung der Beiträge deckt eine Vielzahl an Themen ab, beinhaltet dabei aber auch alles, was man von einem solchen Weihnachtsbuch erwartet.

Unverzichtbar für alle die Kinder haben oder mit Kindern arbeiten: Eltern, Omas und Opas, Leih-Omas und Leih-Opas, Lesepaten, Vorleser (auch für Seniorenheime und in der Demenzbetreuung). Mit diesem Buch haben Sie einen echten Schatz daheim, den Sie nicht nur in der Weihnachtszeit zur Hand nehmen.

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Tags: christma, kinder, weihnachte   (3)
 
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