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Im Rausch des Schreibens - Von Musil bis Bachmann

Katharina Manojlovic , Kerstin Putz
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Paul Zsolnay Verlag, 28.04.2017
ISBN 9783552058262
Genre: Sachbücher

Rezension:

Im Rausch des Schreibens: Von Musil bis Bachmann - Katharina Manojlovic (Herausgeber), Kerstin Putz (Herausgeber), 256 Seiten, Paul Zsolnay Verlag (28. April 2017), 27 €, ISBN-13: 978-3552058262

 

"Dem Alkohol müsste man Tantiemen zahlen", behauptet Wilfried Schoeller in seinem Artikel "Das letzte Glas", "er ist der mächtigste Erzeuger von Literatur, der sich denken lässt", und er untermauert seine Behauptung sogleich mit einer Aufzählung einer ganzen Reihe von Flaschengeistern: Unter den ersten sechs Amerikanern, die den Literaturnobelpreis erhielten, waren nicht weniger als fünf - Sinclair Lewis, William Faulkner, Ernest Hemingway, John Steinbeck und Eugene O`Neill - gestandene Alkoholiker. Der Alkohol führte sie in Tiefen, die sie als Nüchterne wohl nie erreicht hätten. Der Lohn war Weltenruhm, der Preis nicht selten Siechtum.

Alkohol und andere Drogen steigern aber nicht nur Kreativität und Erfindergeist, verleihen nicht nur Charisma, sondern sorgen vor allem für jene permanente Ruhelosigkeit, die Fortschritt, Expansion und Wachstum erst die Wege ebnen - seien diese nun auf Dauer nutzbringend oder destruktiv.

Rausch des Schreibens? Schreiben im Rausch? All diesen Fragen über Treibstoffe des Schreibens, der Literatur und der Rauschkultur geht das Begleitbuch zur Ausstellung im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek aus der Reihe Profile sehr akribisch nach. Das tut es an ausgewählten Beispielen aus dem Schaffen von:

Ingeborg Bachmann, Georg Trakl, Friedrich Mayröcker, Peter Handke, Gert Jonkes, Ernst Jandl, Ernst Herbeck, Edmund Munch, Peter Hammerschlag, Géza Csàth, Leo Perutz, Wolfgang Bauer, Oswald Wiener, Falco, Rober Musil, Robert Müller, Mela Hartwig, Robert Menasse, Werner Schwab, Werner Kofler, Heimito von Doderer, Franz Kafka, Adalbert Stifter, Hermes Phettberg, Karl Kraus, Günther Anders und Andreas Okopenko.

Der Band ist ein sehr breit angelegtes Werk. 29 Autoren thematisieren in fünf großen Kapiteln die verschiedenen Substanzen und Stimulanzien von Alkohol bis zu harten Drogen, die Ekstase, die Exzesse der Süchte jeder Art, die Trance und die Entrückung, aber auch die Askese und die Schreib- und Selbstdisziplin. Das Buch moralisiert nicht, betreibt auch keinen Voyeurismus auf die ach so verkommenen Künstler, es berichtet einfach. Und dieses Beschreiben findet an Texten, Schriften, Bildern, Zeichnungen, Abbildungen korrigierter Seiten, Fotos von Originalmanuskripten, Tagebüchern, Skizzen und ähnlichem statt. Wie zum Beispiel das Gedicht der jungen Ingeborg Bachmann:

In meiner Trunkenheit kann ich nur Immerwährendes denken / Und über die Tage lächeln und über die Menschen, die sterben … / In meiner Trunkenheit kann ich nur maßlos sein / Und trinken und nehmen und dauern / Drum geh ich so schwindelnd und hoch, / und füll die Krüge der anderen. (Seite 13)

Und nur so können wir uns diesem Thema nähern. Denn wissenschaftliche Untersuchungen über Rauschmittel und Kreativität sind ziemlich selten. Es bleiben nur die Beispiele aus dem realen Leben. Diese Aufgabe erfüllt der vorliegende Band mit viel episodischem Wissen. Was soll dieses Buch? Was kann es leisten? Was nicht? Was können wir mit ihm anfangen?

Zunächst eine Warnung: es geht um eine bestimmte Literatur und nicht um die, über die der französische Dichter Julien Green sagte: „Die Unterhaltungsliteratur wird vom Teufel geschrieben. Und wir werden wohl nie erfahren, was diese Literaturgattung in der Menschheitsgeschichte angerichtet hat.“ (Seite 95)

Für die Behandelte Literatur und ihre Freunde ist es eine wahre Fundgrube von Geschichten und Details aus dem Leben und den Arbeiten der besprochenen Künstler. Wir bekommen einen Einblick in die verschiedenartigen Schreibprozesse und Schreibstile. Wie erfahren, wie die produktive Dynamik des Schreibrausches funktioniert.

Aber es kann auf keinen Fall aus einem Schreiber einen Literaten machen. Literatur kann man nicht erklären, man muss sie erleben, da sie tief im Innersten eines jeden Menschen verborgen ist.

Für alle, die an große Literatur interessiert sind; für alle, die die Illusion hinter unserer bildorientierten Zeit erkennen und ahnen, wieviel mehr das Wort zu leisten im Stande ist; für alle, die wissen, dass die eigene Überzeugung fehlerhaft und höchst unzuverlässig ist; für all diesen Lesern wird es die literarischen Sinne schärfen und erweitern. Passend zum Gedicht von Karl Kraus (Seite 336)

Reflex der Eitelkeit / Die Welt, die im Gewande lebt, / nach Genuß und Gewinn und nach Würden strebt, an der Macht und am Schein, an der Meinung klebt, / ihr Nichts erhebt und vor nichts erbebt / und sich dünkt der Schöpfung Scheitel - / sie sagt, weil ich sah, wie sie, diese Welt, / sich täglich mit sich zufrieden stellt / und sich weitaus besser als mir gefällt, / der sie nicht für die beste der Welten hält: / ich sei eitel.

Das Buch lädt alle Literaturbegeisterten und – besessenen zu einer Entdeckungsreise ein. Der Leser wird dabei am meisten gewinnen, dem deutlich wird, wo die Grenzen seines eigenen Horizonts verlaufen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Paul Zsolnay Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/im-rausch-des-schreibens/978-3-552-05826-2/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

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Italienische Weihnachten

Klaus Wagenbach
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 23.09.2016
ISBN 9783803113221
Genre: Sachbücher

Rezension:

Italienische Weihnachten - Klaus Wagenbach (Herausgeber), 144 Seiten, Wagenbach, K (23. September 2016), 17 €, ISBN-13: 978-3803113221

 

Italiener feiern Weihnacht auf fröhliche Art und jede Region feiert mit ganz unterschiedlichen, originellen Traditionen. Natürlich gibt es auch klassische Elemente, die typisch für italienische Weihnachten sind, wie San Nicola (Nikolaus) oder Santa Lucia an deren Tag die Armen beschenkt werden. Il Bambinello Gesu am 25. Dezember bekommt immer mehr Konkurrenz vom Babo natale. Aber auf jeden Fall, unverrückbar kommt am 6. Januar die gute Hexe La Befana zur Bescherung zu den Kindern. Sie saust nachts durch die Schornsteine und lässt für die artigen Kinder Geschenke in Schuhen oder Strümpfen zurück. Die bösen Kinder finden allerdings Kohlestückchen in ihren Schuhen.

Aber um Weihnachtsbräuche geht es nicht in diesem Buch. Wie anders Weihnachten in Italien ist, zeigen die Geschichten von 17 italienischen Autoren: Stefano Benni, Vitaliano Brancati, Dino Buzzati, Italo Calvino, Andrea Camilleri, Ermanno Cavazzoni, Gianni Celati, Luciano de Crescenzo, Natalia Ginzburg, Luigi Malerba, Laura Mancinelli, Giorgio Manganelli, Alberto Moravia, Leonardo Sciascia, Mario Soldati, Franco Stelzer und Sebastiano Vassalli.

Eine kleine, aber feine Auswahl von Geschichten ist dem Verleger Klaus Wagenbach gelungen, Geschichten mit typisch italienischem Erfindungs- und Phantasiereichtum zu einem bunten Weihnachtskaleidoskop zusammen zu setzen:

Ob Truthähne, die ihrem Rollenbild so gar nicht entsprechen oder die heiligen drei Könige, die aus dem All gekommen sind, um das Jesuskind auf Erden zu lassen; ob drei andere Jesus als Mädchen vorfinden oder ob jemand im festen Glauben lebt, ein waschechter Weihnachtsmann zu sein und dann von seinem eifersüchtigen Rentier auf die Hörner genommen wird – es darf geschmunzelt werden. Aber nicht nur: „Ob das Unvorhergesehene in dieser Welt haust.“ (Seite 63) oder „Aktiengesellschaften, bis gestern mit der nüchternen Berechnung von Umsatz und Dividenden beschäftigt, entdecken auf einmal ihr Herz für die Sympathie und das Lächeln.“ (Seite 92) oder wenn der Bettler Tugnin weint „und alle wussten, dass er weinte, weil er sich einsam fühlte [ …] aber vor allem, weil er seine Verabredung mit den Engeln versäumt hatte.“ (Seite 135) dann erteilt uns manche Geschichte eine moralische Lektion

Die meisten der Geschichten erscheinen zum ersten Mal auf Deutsch. Sie eignen sich überwiegend eher für Erwachsene. Für mich sind sie eine echte Alternative zu den jetzt wieder überall angebotenen Weihnachtsbüchern. Unbedingt zu empfehlen. Ganz vergnüglich vor dem Einschlafen zu lesen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1049-italienische-weihnachten.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

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thriller, mord, internet, new york, entführung

Ich vermisse dich

Harlan Coben , Gunnar Kwisinski
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.05.2016
ISBN 9783442484355
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich vermisse dich - Harlan Coben (Autor), Gunnar Kwisinski (Übersetzer), 512 Seiten, Goldmann Verlag (16. Mai 2016), 9,99 €, ISBN-13: 978-3442484355


Kat Donovan, Detective bei der New Yorker Kriminalpolizei, blättert auf einem Dating-Portal lustlos durch die Fotos von in Frage kommender Männer. Da entdeckt sie das Gesicht von Jeff Raynes. Er war ihre große Liebe und hatte sich vor 18 Jahren einfach aus dem Staub gemacht. Kann sie widerstehen ihn zu kontaktieren? Was wird sich daraus entwickeln? Mehrere Rätsel entstehen. Was ist mit Jeff passiert? Was ist die wahre Geschichte hinter dem Jahre zurückliegenden Mord an Kats Vater, dem Polizisten Henry Donovan Wer ist Titus Monroe, der Mann, der die Fäden auf der Dating-Site zu ziehen scheint?

Coben komponiert eine perfekte Geschichte auf dem Boden des aktuellen Trends des Internet-Dating. Jemand online zu treffen ist heute keine ungewöhnliche Sache. Es ist normal. Aber mit dieser Form des Kontaktierens kommen eine Menge Probleme, die der Nutzer zu bedenken hat. "Ist das Bild wirklich das, wie er/sie aussieht?" "Hat diese Person wirklich diesen Job und lebt in dieser Stadt?" "Ist er oder sie verheiratet?" Harlan Coben handelt dieses Online-Dating-Thema meisterhaft ab. Er zieht den Leser in die Welt der Verschwörung und Mord. Ein Krimi, den Sie nicht mehr aus Hand legen möchten.

Der Aufbau der Geschichte ist unwiderstehlich, gradlinig und klar, intelligent und hochaktuell.. Wir erleben die Geschichte aus mehreren Blickwinkeln, so bleibt sie abwechslungsreich, spannend und wird nie langweilig. Sie ist vollgepackt mit Spannung, Action und einer sehr sympathischen und taffen Ermittlerin.

Harlan Coben hat die Gabe all die unausgesprochenen Fragen zu beantworten, die Ihnen als Leser automatisch durch den Kopf gehen. Es lässt sich einfach lesen und ist gut zu verstehen, trotz vieler Drehungen, Wendungen und unerwarteter Entwicklungen.

Wenn Sie die Art von Bücher mögen, die Ihr Herz höher schlagen lassen und ihre Handflächen schwitzen lassen, dann liegen Sie mit diesem Buch genau richtig. Komplex, detailreich, subtil aufgebaut und rasant. Eine echte Achterbahnfahrt. Eine anregende Unterhaltung, bestens geeignet als Strandlektüre.



Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Goldmann Verlages

http://www.randomhouse.de/Paperback/Ich-vermisse-dich/Harlan-Coben/Page-&-Turner/e445645.rhd

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indien, familienmord, familiengeschichte

In anderen Herzen

Neel Mukherjee , Ditte Bandini , Giovanni Bandini
Buch: 600 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 16.03.2016
ISBN 9783956140891
Genre: Romane

Rezension:

In anderen Herzen von Neel Mukherjee (Autor), 600 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH; Auflage: 1 (16. März 2016), 26 €, ISBN-13: 978-3956140891


Die Geschichte beginnt im Jahr 1966 mit einer zutiefst schockierend Sequenz, ein Sinnbild für den Zweck des Romans, in dem ein verhungernder Bengali-Bauer seine Frau und Kinder abschlachtet, bevor er sich selbst durch das Trinken Insektiziden tötet. Wir werden dann in eine scheinbar nicht miteinander verbundenen Doppelerzählung entführt.

Die Geschichte spielt in Westbengalen, in Kalkutta und in den Palmenhainen des Dschungels. Sie umfasst die zweite Hälfte der 60er Jahre und konzentriert sich auf die große und relativ reiche Familie Gosh. Es ist klar, „dass die Goshs auf keiner besonders hohen Sprosse der Kastenleiter hocken, umso dankbarer waren sie den paar Leuten, auf die sie herabschauen konnten.“ (Seite 31) Ihr Kopf, Prafullanath, besitzt mehrere Papierfabriken. Der älteste Enkel Supratnik ist schon aus dem Haus und hat sich der CPI, der kommunistischen Partei Indiens angeschlossen. Heimlich arbeitet er daran, die Bauern gegen die Gutsbesitzer zu mobilisieren.

Supratnik schreibt Berichte (Briefe?) an einen mysteriösen Adressaten möglicherweise einen Liebhaber oder ein Familienmitglied (es ist nicht sofort klar) und er erzählt und beschreibt die überwältigende Schönheit und die abgrundtiefe Armut auf dem Land, in dem betrügerische Vermieter und korrupte Polizisten Land der Bauern gestohlen haben. Das bietet einen ersten roten Faden durch die Erzählung.

Der andere rote Faden ist eine Darstellung der Ereignisse und Beziehungen zwischen den verschiedenen Etagen des Hauses der Mittelklassenfamilie Gosh, die ihr Vermögen in der Papierherstellung gemacht hat. Obwohl ihre Unternehmen auf dem gesamten Kontinent verbreitet sind, leben sie alle in einem alten Haus in Kalkutta zusammen, der Patriarch und seine Frau in der obersten Etage. Es gibt eine ungeheure Menge an Personen und der Leser braucht eine Weile um all die Männer, Frauen und Kinder auseinander zu halten. (Sehr hilfreich die Ahnentafel am Anfang und das Glossar für bengalische Begriffe am Ende des Buches). Aber die Geschichte ist immer packend, vor allem weil plötzliche Ereignisse unsere ganze Art, wie wir die Welt dieses Buches sehen, sich dann ändert.

Neel Mukherjee hat die Fähigkeit, das Leben anderer zu denken. Er nimmt uns mit in die Köpfe der anderen, bei ihren Gesprächen und Konflikten. Obwohl ein wirklich allwissender Erzähler fehlt, reicht die Phantasie mehr als aus, um den vollen Durchblick zu haben und zu behalten. Eine typische Szene (Seite 468 - 476) ist, als Prafullanath in seinem großen Auto der Marke Ambassador mit einer Menge wütender Arbeiter konfrontiert wird. „ Prafullanath schien auf einer Welle von Wut zu reiten.“ (Seite 471) Mukherjee sieht diesen gefährlich Moment aus jedem Blickwinkel – aus dem der Arbeiter, die für ein Jahr keinen Lohn bekamen, aus der der Fabrikbesitzer, deren Welt aus den Fugen gerät und aus der Sicht von Prafullanaths ängstlichen Söhnen.

Mit diesen und vielen anderen Geschichten und Szenen macht uns der Autor noch und noch Geschenke. Doch er übertreibt nie. Es gibt keine Längen und auch kein Verweilen bei der eigenen Klugheit. Mukherjee hat diese außergewöhnlich Begabung genau zu wissen, was wir wissen müssen, um zu verstehen, was wir lesen.

Natürlich hat sich in den letzten 50 Jahren in Indien manches verändert. Technologische Innovation und wirtschaftliche Entwicklung haben großen Reichtum in einige Teile des Landes gebracht, aber sie haben weiter die Teile der Gesellschaft, die Ureinwohner, die Gemeinden Waldbewohner und Bauern, die außerhalb der Mainstream-Gesellschaft leben, an den Rand gedrängt. „Ganz normale Leute aus der Mittelschicht, wie du und ich, raufen wie Hunde um Essbares.“ (Seite 49)

Neel Mukherjee versucht, mehr Komplexität in diesen Fragen hinein zu bringen und das in einer eindringlichen Geschichte.

Neel Mukherjee schreibt in einer fast altmodisch anmutenden Syntax, die aber überraschend frisch und eindrücklich daherkommt. Er erinnert an Tolstoi und dessen Fähigkeit, eine vielfältige und vielschichtige Reihe von Figuren zum Leben zu zu erwecken, mit einem erstaunlich scharfem Blick auf deren Innenwelten.

Am Ende des Buches, passt keiner von Mukherjee Figuren in eindeutige Kategorien von Heiligen oder Sünder. Reichen oder Armen. Sie haben alle ihre eigene Art von Angst erlebt und sie haben alle mit zum unaufhörlichen Kreislauf der Gewalt beigetragen: die Vermieter, die rigoros mittellose Dorfbewohner unterdrücken, die Bauern,, die brutal ihre Unterdrücker ermorden, Supratnik, der viele Menschen verraten hat; und die Polizisten, die ihn schließlich foltern.

"In anderen Herzen" ist eine anspruchsvolle Meditation über das Leiden von Menschen, über die Macht gewaltsamer Ideologien als Folge von Ungerechtigkeit. Ebenso zeigt es, wie bedrückend sozioökonomischen Strukturen Menschen brutalisieren können und dass diese Brutalitäten oft zufällig sein können, und ihre Ursachen letztlich schwer zu fassen sind.

Es ist keine bequeme Lektüre, dieser indische Roman.Und nicht wenige indischen Romanciers, hätten sich mit der Fokussierung auf den Haushalt der Familie Gosh zufrieden gegeben, denn er bietet einen treffenden Mikrokosmos der Hindu-Gesellschaft, starr und hierarchisch, durch billige Arbeitskräfte getragen. Neel Mukherjee wählt einen anderen Weg und schafft eine wahre Herausforderung für den Geschmack von Durchschnittslesern, vor allem tritt er dem Charme indischer Romane entgegen, die die bürgerliche indische Kultur in einer verklärten postkolonialen Sichtweise so leicht idealisieren.


Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-1-1/in_anderen_herzen-1136/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Ich bin eine freie Frau

Francoise Giroud , Patricia Klobusiczky , Alix de Saint-André
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 01.02.2016
ISBN 9783552057661
Genre: Biografien

Rezension:

Ich bin eine freie Frau von Francoise Giroud (Autor), Alix de Saint-André (Vorwort), Patricia Klobusiczky (Übersetzerin) , 240 Seiten, Paul Zsolnay Verlag (1. Februar 2016), 19,90 €, ISBN-13: 978-3552057661

Ich gebe es zu, eine gewisse frankophile Neigung ist mir nicht ab zu sprechen. Francoise Giroud, Jean-Jacques Servan-Schreiber und andere dieser Zeit wie Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Albert Camus, André Malraux, François Mauriac, Jean Genet, André Gide waren durchaus Idole meiner frühen Jugend. Und der L`Express wurde uns von unserem Deutschlehrer, der in Paris studiert hatte, nahegebracht. Deshalb Vorsicht, die Meinung des Autors beeinflusst natürlich auch diese Rezension.

Wer es noch nicht weiß:

Francoise Giroud gründete 1953 zusammen mit dem Linksintellektuellen Jean-Jacques Servant-Schreiber das Nachrichtenmagazin L`Express. Sie gehört neben Simone de Beauvoir zu den prägenden Frauen der Nachkriegszeit. Sie war Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Medieninhaberin, Staatssekretärin für Frauen Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing und Kulturministerin unter der Regierung von Premierminister Jacques Chirac. Es ist eine Erfolgsgeschichte: Geboren als Lea France Gourdji 1916, Tochter von orientalischen Juden, also Migranteneltern, gelingt ihr der soziale Aufstieg, der aus ihr die berühmte Francoise Giroud macht, eine französische feministische Journalistin, Schriftstellerin und Politikerin.

Dann kommt ihr schwärzestes Jahr, ihr absoluter Fehlschlag: Ihre große Liebe Jean-Jacques Servant-Schreiber verlässt sie und aus der Redaktion des L`Express wird sie ausgeschlossen. Am 11. Mai 1960 versucht Francoise Giroud sich mit Gift zu töten. Sie wird gerettet und versucht sich im Krankenhaus wieder zu töten. Sie scheitert erneut. Sie lebt, ist aber zerstört.

Nach dieser Niederlage schreibt François Giroud einen wilden, an Raserei grenzenden Text, den Sie nie veröffentlichen will. „Mir wurde bewusst, dass das nicht erscheinen darf, dass man nicht alles veröffentlichen muss, was man schreibt.“ (Seite 5) Der Text bleibt verschollenen. Erst 10 Jahre nach ihrem Tod im Jahre 2003 taucht er wieder auf und liegt jetzt mit diesem Buch vor. Geschichte einer freien Frau. Auch einer glücklichen Frau? Sie beginnen mit "Ich bin eine freie Frau. Eine glückliche Frau war ich auch, vermag es also zu sein – was gibt es Selteneres auf der Welt?“ . [...] Für die Freiheit eignete ich mich ganz gut, für das Glück war ich weniger begabt. (Seite 17)

Dieser Text zeichnet die Kindheit, Jugend und ihr Leben als junge Frau, zwischen 1916 und 1960. Sie spricht über die flüchtige Gestalt ihres Vaters, über ihre verehrte Mutter, Ihr Debüt in der Filmbranche. Wie ihre Karriere im Journalismus begann mit Pierre und Hélène Lazareff, die jeweiligen Gründer von France-Soir und Elle. Und natürlich auch auf ihren geliebten Jean-Jacques Servant-Schreiber und der Gründung des L`Express, das Wochenmagazin, das zu dieser Zeit Sinnbild für die moderne Linke und Entkolonialisierung, vor allem gegen Indochina und die OAS war. Francoise Giroud blickt auf ihr Leben und die Männer, die ihren Weg bis zu diesem Zeitpunkt gekreuzt haben. Gleichzeitig ist es auch ein Zeugnis für das Kino der Nachkriegszeit und vor allem auch ein Blick auf den Journalismus dieser Zeit.

Sie schreibt über ihre Verletzungen, Demütigungen, ihre Rolle als Störfaktor, ihre Kämpfe gegen Ungerechtigkeiten, ihre Schuldgefühle. „Schuldig, ein Mädchen zu sein, schuldig arm zu sein, schuldig überhaupt zu sein.“ (Seite 45). Und sie schreibt von ihrem Streben nach Freiheit. „Ich war immer bereit, den Preis für meine Freiheit zu bezahlen.“ (Seite 209)

Diese Geschichte ist überwältigend, als ob sie einen Schleier, von einer bekannten Frau, die man zu gut zu kennen meint, wegzieht und die man jetzt endlich versteht. Sie spricht über ihre Überzeugungen mit Entschlossenheit. Über ihr Credo: "Nie, nie, niemals darf man denjenigen trauen, die über das Geld und die damit verbundene Macht verfügen.“ (Seite 56) Über ihr berufliches Ideal: "Jeden Tag wachte ich kampfbereit auf, um die Welt zu verstehen und das Verstandene zu vermitteln.“ (Seite 166); und natürlich über die Liebe. „Mit fünfzehn weiß man alles über die Liebe, sobald sie einen befällt, nur eines weiß man nicht, dass sie immer ein Gefängnis ist und niemals lebenslänglich.“ (Seite 89)

Und natürlich erzählt sie von ihrem gescheiterten Selbstmord und ihren Beweggründen: „... wem kann man schon glaubhaft machen, dass ein Übermaß an Glück leichter zum Tode führt als ein Übermaß an Unglück?“ (Seite 223)

Aber die mit Abstand bewegendsten Momente, ist der Schrei nach Liebe zu Françoise Jean-Jacques, die ungewöhnliche Zärtlichkeit, die absolute Selbstlosigkeit und die grausame Klarheit und der Schmerz, der nur rühren kann. Hier gibt es unglaubliche Seiten, voller Eifersucht oder ihre Phantasien, wenn sie sich ein kleinbürgerliches Leben von Jean-Jacques vorstellt.

Dieses so leidenschaftliche Zeugnis einer Frau, mit dem sie ihr Leiden heftig zum Ausdruck bringt, erweicht das Bild der kompromisslosen Journalistin.

Doch bei allem bleibt ihre Schlüsselfrage: Wie man als freie Frau leben kann? Und welchen Preis müssen diese für ihre Freiheit zahlen? Und die letzte Disposition für Frauen, auch nachdem sie in der Lage waren, mit einem familiären und sozialen Umfeld zu brechen, bleibt immer noch lieben. "Das Leben wäre unerträglich ohne Liebe.“

Das Buch selber ist kein Roman. Francoise Giroud sagt dazu: „Wer mich bis hierher gelesenen hat, weiß, dass dieser Bericht keine Belletristik ist, sondern schlicht und ergreifend eine Reportage aus dem Leben einer freien Frau.“ (Seite 237)

Natürlich ist es mehr als nur eine Reportage. Dieses Buch ist ein Schatz. Eine sehr moderne Autobiographie. Ein tief bewegender Text.

Diese Geschichte einer freien Frau hat einen doppelten Charme, sowohl schwer als auch leicht. Sie hat Eleganz und Grausamkeit. Der fantastische Schreibstil und die flüssige Erzählweise machen es angenehm zu lesen.

Ich liebe dieses Buch, weil einmal mehr die Illusion, Frauen verstehen zu können, erschüttert. Was ist eine Frau? Schön, intelligent, sensibel, dezente Bescheidenheit und gleichzeitig so verliebt in Freiheit, Freude, Leben und Liebe. Ihre Worte sind wie Blitze. Und in wenigen Worten vermittelt sie Klarheit über Liebe Humanismus, Gesellschaft. Diese Autobiographie hat den Charme eines Romans über ein Stück Leben. Es ermöglicht Menschen sich besser zu verstehen.


Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/ich-bin-eine-freie-frau/978-3-552-05766-1/

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hochsicherheitsgefängnis, himmelfahrtskommando, hacker, deckname karla, manipulation von informationen

Identity

Helen Giltrow ,
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.11.2015
ISBN 9783442483655
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Identity: Thriller – Helen Giltrow (Autorin), Gunnar Kwisinski (Übersetzer), 576 Seiten, Goldmann Verlag (16. November 2015), 9,99 €, ISBN-13: 978-3442483655

Das ist mal ein gebildeter, obwohl düsterer Thriller von Helen Giltrow.

Wer bewacht die Wächter, während sie uns bewachen? So fragte der römische Dichter Juvenal.

Wenn die Wachen, Platzhirsche in einer "selbstregulierenden“ Gesellschaft aus anderen Kriminellen" selbst beginnen, Verbrechen zu begehen, wer sind dann die Verbrecher, und warum sollte man sie bewachen? Helen Giltrow zeichnet gekonnt in einer nahen Zukunft eine Schurkenrepublik, die neben unserer eigenen existiert.

Das Programm, eine experimentelle Gefängniskolonie ist angeblich uneinnehmbar. Bevölkert vom Bodensatz der Gesellschaft ist dort kein Eingang oder Ausgang möglich.

Doch da gibt es die reiche, anspruchsvolle Society-Lady Charlotte Alton gleichzeitig in ihrem Alterego die harte Soziopathin Karla, eine schattenhafte Gestalt. Karlas Geschäft sind Informationen, die vor allem helfen, Menschen verschwinden zu lassen. Sie schleust den harten Scharfschützen Simon Johanssen ein. Ohne ihre Hilfe wird Johanssens Aufgabe eine Selbstmord-Mission sein. Und sie ist nicht bereit, das geschehen zu lassen. Ziel ist Catherine Gallagher. Es beginnt ein Katz und Mausspiel. Wer ist die Beute, und wer ist der Jäger? Aber genug vom Inhalt …

Es besteht kein Zweifel „Identity“ ist ein Thriller der Extraklasse, intensiv, spannend und rasant. Eine fantastische Geschichte von Intrigen, Geheimnissen, schlechten Menschen, falschen Fährten, Fehlleitungen und vielem mehr. Der Leser wird in Karlas und Simons Welten ohne Vorwarnung hineingezogen und muss seinen Weg durch die Gefahren sowie ihre Geheimnisse mitmachen. Dadurch entsteht eine Intimität zwischen dem Leser und Karla und Simon, die man nicht erwarten würde. Aber genau das macht die Geschichte so spannend. Keine der Aktionen ist explizit im Detail beschrieben. Stattdessen nutzt Helen Giltrow das Phänomen, dass ein Leser in der Regel sich mehr schrecklichere Szenen vorstellen kann, als alles, was ein Autor zu Papier bringen kann. So hält sie ganz bewusst bestimmte Szenen mehrdeutig. In einer so gefährlichen Welt wie die, in der Karla Geschäfte macht, ist das Endergebnis, dass diese Szenen trotz eines Mangels an Informationen wirklich erschreckend sind.

Das Thema ist ein ethisches: Wer ist der schlimmere Verbrecher? Das müssen Leser für sich selbst entscheiden, aber daraus entstehen interessante ethische Gedankengänge.

Geschrieben in einer anspruchsvollen, scharfen, kalten Prosa. Dunkel, kantig und manchmal brutal aber immer stilvoll und originell. Jeder Charakter ist gut gezeichnet. In ihrem deutlichen Gefühl der Distanz, der Entfremdung und der Angst. Alle tragen zwei Gesichter, sind von zweideutigen Beweggründen angetrieben und jeder spielt ein doppeltes Spiel. Jede Szene, jedes scheinbar zufällige Detail zählt. Nichts geht verloren. Und das Ende? Sie werden es so nie kommen sehen. Ein genussvoller, komplexer Lesestoff. Ein ungewöhnliches Buch, mit seiner Kombination von Spionage und Thriller.

Für alle Leser, die von einem intelligenten Thriller mehr als pure Spannung und action erwarten.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Goldmann Verlages

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Identity-Thriller/Helen-Giltrow/e439295.rhd

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

schriftsstellerin, autorin, bachman, tod

Ingeborg Bachmann

Andrea Stoll
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Bertelsmann, C, 09.09.2013
ISBN 9783570101230
Genre: Biografien

Rezension:

Ich war und bin es noch immer, ein bekennender Bachmann-Fan. Deshalb Vorsicht. Ich bin alles andere als distanzlos.

Ingeborg Bachmann gehörte zu den größten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Vielleicht ist sie sogar die Größte.

Andrea Stoll, die über Ingeborg Bachmann promoviert hatte, legt jetzt die erste ausführlichere Biografie über sie vor. Die Autorin hat für diese reichhaltige Biographie sehr akribisch recherchiert. Sie hat mit der Familie, vor allem den Geschwistern Heinz Bachmann und Isolde Moser und Weggefährte Bachmanns wie Henry Kissinger, Inge Feltrinelli und Luigi Bonino gesprochen und viele unbekannte Dokumente gesichtet. Vor allem erhielt sie Zugang zum Privatarchiv der Familie, für mich entscheidend für die Qualität dieser Biographie. Was herauskommt, ist mehr als eine Faktenbiographie und liegt jenseits dem „Mythos Bachmann“ und des auch von Bachmann selbst inszenierten Bildes in der Öffentlichkeit.

Andrea Stoll zeigt das Bild eines widersprüchlichen Menschen, dessen Tod eine logische Konsequenz ihres Lebens war. Und sie zeigt das Bild einer durch und durch feministischen, antifaschistischen, unbeirrbaren Persönlichkeit. Es ist das differenzierte Bild einer Erfolgsautorin und ihrer Fassade. Ingeborg Bachmann erfindet sich immer wieder neu. Aufschwung und Erschöpfung sowie neuer Aufschwung wechseln sich ab. Eine Getriebene, eine scharf und überlegen Denkende, eine, die kritisch auf die Verhältnisse schaut, sucht die „wahre“ Sprache, die unverdorbenen Wörter, und von Anfang an hat ihr Schreiben eine unverkennbar politische Dimension.

Andrea Stoll zeigt sich in diesem Buch zum einen als seriöse Wissenschaftlerin und als Dramaturgin spannend erzählter Geschichten. Sie erzählt mit Tempo, Szenenwechsel und literarischem Geschick fast romanhaft.

Ein ausgesprochen aufschlussreiches Buch, ein hochkomplexes Werk, ist für alle Bachmann-Interessierte unerlässlich.

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23 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Ich bin kein anderer

Clay Carmichael , Birgitt Kollmann
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 16.03.2015
ISBN 9783446247437
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich bin kein anderer - Clay Carmichael, Birgitt Kollmann (Übersetzerin), 320 Seiten, Hanser Verlag, 16.03.2015, 15,90 €, ISBN 978-3-446-24743-7

Über die Suche nach der eigenen Identität – Billys Roadtrip auf den Spuren der Vergangenheit

Als Billys Großmutter an Brustkrebs stirbt, findet er eine Zeitung mit einem eingekreisten Foto, das genauso aussieht wie er. Es ist der Sohn vom North Carolina Senator Grayson-Gideon. Ist es sein Zwillingsbruder, von dem er nichts weiß?

Billy macht sich auf die Suche. Diese Suche wird schwierig. Wie werden ihn die Geheimnisse und die Macht der Familie seines möglichen Zwillingsbruders beeinflussen? Kann er seine eigene Wahrheit finden?

Was passiert, wenn Ihre ganze Welt auf den Kopf gestellt wird? Eine atemberaubende Geschichte der Selbstfindung. Intelligent und mitfühlend Roman. Ein Roadmovie auf den Spuren seiner eigenen Vergangenheit.  

Zum Teil eine Geschichte über das Erwachsenwerden, zum Teil eine Liebesgeschichte, das ist ein Buch über die Suche nach dem, wer du bist und woher du kommst? Es gibt nicht viel Handlung in diesem Buch, aber es gibt viele dramatische Geheimnisse zu enthüllen. Der typische Weg der Selbstfindung und des Erwachsenwerdens ist angereichert mit Themen über Privilegien, Macht, Korruption, über die menschliche Natur und die Bedeutung von Freunden und Familienbeziehungen. Die familiäre Dynamik in diesem Roman ist besonders komplex

Ein schönes, ruhiges, langsames Buch. Gerade darin liegt das Lesevergnügen. Es geht nicht um Action und Abenteuer, sondern über die Charaktere, die die Seiten bewohnen. Billy, seine Freunde und die Fremden die er während seiner Reise trifft - eine Reihe von Charakteren, die einzigartig und einnehmend dargestellt sind.

Kluge Dialoge, lebendige Gefühle, gut realisierte Charaktere zeigen die  Dynamik von Familie und Freundschaft. Ein ehrliches Buch. Realistisch und liebenswert.

Sie werden versuchen, schneller zu lesen, nur um auf die nächste Seite zu bekommen, um herauszufinden, wie alles ausgehen wird. Es lohnt sich zu lesen, weil es gut geschrieben ist, weil es das Herz berührt. Es kann von allen Altersgruppen genossen werden.

Ich empfehle dieses Buch besonders allen Jungen oder Mädchen. Lesen Sie es mit Ihren Geschwistern. Und lernen Sie Ihre Familie zu schätzen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Carl Hanser Verlages:

http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/ich-bin-kein-anderer/978-3-446-24743-7/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

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italien, thriller, entführung, kindesentführung, mord

In der Finsternis

Sandrone Dazieri , Claudia Franz
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Piper, 09.03.2015
ISBN 9783492056885
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In der Finsternis - Sandrone Dazieri, Claudia Franz (Übersetzerin) 560 Seiten, Piper Verlag, 9.03.2015, 19,99 €, ISBN 978-3-492-05688-5

 Die Hauptperson Dante Torre wurde als sechsjähriger Junge entführt und für elf Jahre von einem scheinbar gemeingefährlichen Irren, der sich Il Padre nennen lässt, in einem Getreide-Silo gefangen gehalten. Dante gelang wie durch ein Wunder die Flucht und er macht Karriere als Psychologe, obwohl er selbst einen mächtigen Knacks in der Schüssel hat. Als in Rom erneut Kinder verschwinden, bittet die hübsche und taffe Polizistin Colomba Caselli Dante Torre um seine Mithilfe bei der Klärung des Falles.

 Sandrone Dazieri mixt in "In der Finsternis" einen wirklichen tödlichen Cocktail krimineller Bösartigkeit: was als Entführungsfall beginnt, zieht bald seine Kreise: Kinderschänder im Internet, korrupte Beamte, südamerikanische Gangs, geheime Militärpläne aus der Zeit des kalten Krieges und, und, und...Zunächst scheint den Leser die Fülle an Fährten und verwinkelten Pfaden, auf die sich Dante und Colomba begeben müssen, zu verwirren, aber insgesamt ist es ein sehr anspruchsvoller und spannender Krimi.

In diesem Buch hat Dazieri ganz besonders die Protagonisten gut herausgearbeitet: Dantes Spleens und Ängste werden bis ins kleinste Detail beschrieben, Colomba erscheint als Gegenteil zu diesem, obwohl sie selber ein Geheimnis hütet.

Sandrone Dazieris erzählerisches Talent ist wirklich beneidenswert. Ein lässiger Stil verbunden mit einem hohen Maß an Ironie, vor allem in den cleveren Dialogen. Im Tempo sehr gut ausbalanciert, von scharfen Beschleunigungen und ruhigen Momente, bis zu einem Ende, das alle Verknüpfungen und Verwirrungen löst.

Es ist keine einfaches Geschichte erzählen. Es ist voller vollständiger psychologischer Profile und Archetypen. Die Drehungen und Wendungen zwingen uns, das Lesen nicht zu unterbrechen und wir bleiben fest an der Geschichte und ganz verzaubert. Das Ende ist eine Überraschung, lässt aber ein Fenster offen, das den Leser zum Nachdenken zwingt.

Überzeugendes Buch, in einem rasanten Tempo. Und trotzdem bleibt immer wieder Raum und Zeit, um tief in den dunklen Winkel der menschlichen Seele zu graben und Liebe, Schmerzen, Schwächen und großen Tugenden zu finden.

Ein atemberaubendes Buch. Unglaublich spannend. Für jeden Krimi-Fan ein absolutes Muss.

Viel Spaß beim Lesen, es ist es wert.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages:

http://www.piper.de/buecher/in-der-finsternis-isbn-978-3-492-05688-5

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Indirekt

Péter Esterházy , Zsuzsanna Gahse
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 19.01.2015
ISBN 9783833309809
Genre: Romane

Rezension:

Esterházy zitiert direkt am Anfang Musil, um seine Rolle als Erzähler in diesem Text deutlich zu machen. „Ich erzählte, dieses Ich ist aber keine fingierte Person, sondern der Romancier, ein …, bitterer, enttäuschter Mensch, ich, ich erzähle die Geschichte meiner Freunde und Freundinnen.“ (Seite 5, zitiert nach Musil, Mann ohne Eigenschaften.)

Wer jetzt glaubt, auf eine in sich stringente Geschichte zu treffen, wird sich wundern. Es gibt keine Handlung, kein durchgehend roter Faden, es gibt keine Hauptfigur, mit der sich der Leser identifizieren könnte, lediglich ein Mensch namens K. taucht immer wieder auf.

Hier ist einfach das Ungezügelte am Werk, freie Gedankenströme, Assoziationsketten verweben sich in literarischen Verweisspielen, Zitaten zu einem grandiosen Textkonvolut, durchzogen von Zitaten, Gasttexten, Randbemerkungen und Kursiv- wie Fettgedrucktes, Graphiken und Bildern springen durch das ganze Buch.

Erotische Zitate (Rabelais kommt mit zwei unterschiedlichen längeren Texten zweimal vor (Seite 24(25 und Seite 151/156), Kalauer, Parodien, kleinen Derbheiten, Märchen, Marginalien und Polemiken verschmelzen zu einem verwirrenden Mosaik. Das ganze geschrieben ohne einen einzigen Punkt: Hauptsätze werden zu Nebensätzen, verästeln sich in weitere Untersätze, verlieren sich in Nebensächlichkeiten, wenden sich neuen Gedanken zu, wechseln die Stimmung, nehmen Tempo auf und bremsen wieder ab.

Peter Esterhazy lässt viele, alle und jeden in Zitaten, Einschüben, Verweisen und Randnotizen zu Wort kommen, von Kafka, Joyce oder Musil über österreichische Literaten wie Altmann, Bernhard oder Handke bis zu ungarischen Autoren von Kosztolányi bis Krúdy, selbst Ratzinger findet sich wieder.

Die Wörter, Wortverbindungen, Wortverdrehungen und ihre Winkelzüge, dieses Labyrinth treten an die Stelle des roten Fadens und ersetzen die Handlung. All dies zu lesen, zu bedenken, zu prüfen, vor- und zurückzublättern ist ein Genuss. Und irgendwie entdeckt man in diesem Text die Selbstverständlichkeit des Aufbegehrens. Wenn man einmal die Orientierung verliert, dann gehört das zu Esterházy.

Esterházys Haltung als Schreibender ist erklärtermaßen die des Ironikers. Der Akzent liegt ihm dabei auf Witz, ausgeprägten Sinn für das Burleske, schier unglaubwürdig Wunderbare. Und besonders wichtig: Seine Ironie macht ihn unangreifbar. Und trotz allem bleibt sein teilweise experimenteller Schreibstil gut lesbar und unendlich anregend..

So hat er ein anarchisches, aufregendes Buch geschrieben. Salopp ausgedrückt: "Dies ist das verrückteste Buch wo gibt!"

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin-Verlages:

http://www.berlinverlag.de/buecher/indirekt-isbn-978-3-8333-0980-9

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