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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

ich, empathie, roman

Kleine Schwester

Barbara Gowdy , Ulrike Becker
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 30.08.2017
ISBN 9783956141966
Genre: Romane

Rezension:

Kleine Schwester – Barbara Gowdy (Autorin), Ulrike Becker (Übersetzerin), 288 Seiten, Antje Kunstmann Verlag, 30. August 2017, 22 €, ISBN 13: 9783956141966

 

Rose leitet ein Programm-Kino in Toronto, ein Ort, wo Menschen hinkommen, um sich in das Leben von Fremden zu verlieren. Als die Geschichte beginnt, ist es der Sommer 2005 und die Stadt wir über fünf Tag von plötzlichen Gewittern, starken Winden und kräftigen Donnern heimgesucht. Für die flüchtige Dauer dieser Stürme wird Rose in eine Art Zauber gezogen: sie verlässt ihren Körper und betritt den einer Fremden, einer Redakteurin namens Harriet, die in eine faszinierende Liebesbeziehung mit einem verheirateten Mann verwickelt ist. Auch Rose erlebt so etwas wie das Verlieben: Sie fängt an, die Wetterberichte sorgfältig zu verfolgen und ihre Tage neu zu ordnen, um sich für die nächsten zwei oder drei Minuten der Transmigration bereit zu machen und sehnt sich nach der nächsten Gelegenheit, in Harriet zu sein, um ihre Geschichte zu erleben und ihr Leben zu berühren.

Ich möchte das große Thema dieses Buches in einem Satz zusammenfassen:

Du kannst deinen Grenzen entgehen und jemand anderes werden, und damit kannst du auch in der Lage sein, das zu reparieren, was in deinem eigenen Leben gebrochen ist.

Rose ist 34 Jahre alt und ihr Leben ist seit Jahren genau das gleiche, nach einem strengen Zeitplan. Aber sie wird verfolgt vom Tod ihrer einzigen Schwester, ihrer kleinen Schwester, Ava, die in ihrer Kindheit gestorben ist. Sie fühlt sich für den Tod verantwortlich und fragt sich oft, ob sie ihr Leben verdient, nachdem Ava tot ist.

Es ist eine überzeugende Geschichte - mit einem Hauch von Geheimnis und dem emotionalen Gewicht der Memoiren - erforscht Sexualität, Schuldgefühle und die Grenzen des Selbst.

Der Großteil des Buches findet im Laufe einer Woche zwischen dem 29. Juni und 4. Juli 2005 statt. Es gibt auch Rückblenden auf Rose und Avas Kindheit in den frühen 1980er Jahren, die sich mit der Gegenwart abwechseln. Diese Rückblenden enthüllen das Geheimnis, was den Leser endlich entdecken lässt, nahe am Ende des Romans, wie und warum Ava starb.

Dieser Roman über stürmisches Wetter und emotionale Stürme, mit dem Zusammentreffen des Unheimlichen und des Unzüchtigen, des Oberflächlichen und der Tiefe, ist ein überraschend leicht zu lesen. Es ist lustig mit seinen liebevoll beobachteten Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens und kann dich oft erschrecken. Mich erinnert es ein bisschen die Filme von Woody Allen: psychologisch sehr tief und doch nie mehr als ein Satz weg von einem spielerischen Knuffen in den Rippen.

Es ist genau die Art von intelligenten, begeisternden, spielerischen und einfühlsamen Literatur, die ich liebe. Eine spannende, fesselnde Erforschung der Schuld, der weiblichen Psyche und der Bürde der Weiblichkeit. Auch Sie werden diesen phantasievollen, verführerischen Roman lieben.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-1-1/kleine_schwester-1255/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

thriller, alaska, royce scott buckingha, kaltgestellt, kalt gestellt

Kaltgestellt

Royce Scott Buckingham , Wulf Bergner
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.09.2016
ISBN 9783734102318
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kaltgestellt - Royce Scott Buckingham (Autor), Wulf Bergner (Übersetzer), 448 Seiten, Blanvalet Taschenbuch Verlag (19. September 2016), 9,99 €, ISBN-13: 978-3734102318

 

Stuart Stark, genannt Stu ist ein hervorragender Jurist. Seine hoffnungsvolle Karriere als Staatsanwalt von Massachusetts ist zu Ende, als der Mörder Raymond Butz wegen eines von Stu verursachten Verfahrensfehler nicht verurteilt werden konnte. Jetzt betriebt er mit seinem Partner Clayton Buchanan, genannt Clay eine Anwaltskanzlei. Ihr Büro ist nicht besonders attraktiv, liegt auch nicht so nahe beim Gericht, wie sie es gerne möchten, aber die Miete ist niedrig. Clay ist der Gesellige, Stu der Vorsichtige. Stu ist das Arbeitspferd, während Clay Kunden umwirbt. Clay hat den Killerinstinkt. Stu hat ihn nicht. Ihr Anwaltsbüro kommt geradeso über die Runden. Dabei möchte Stus Frau Katherine so gerne mit ihren Freundinnen mithalten.

Zu Stus 40tem Geburtstag schenkt ihm Clay einen einwöchigen Abenteuerurlaub in der Wildnis von Alaska. Eigentlich will Clay mitkommen, springt aber in letzter Sekunde am Flughafen ab. Stu tritt die Reise alleine an.

Ein kleines Flugzeug setz ihn an einem See ab. Es soll ihn in einer Woche wieder abholen. Aber alles kommt anders als erwartet. Das Abenteuer entwickelt sich bald zu einem Alptraum.

In der Wildnis entwickelt er sich zu einem Mann, der er nie war, körperlich und mental. Zuhause gerät auch manches durcheinander, privat wie geschäftlich. Welche Rolle spielt Clay? Wie wird sich seine Frau Katherine verhalten? Was hat das Ganze mit Raymond Butz zu tun? Der arbeite für die Baufirma Bolt. Diese wiederum arbeitet für Reggie Dugan, einem Baulöwen, der Kunde der Anwaltskanzlei von Stu werden soll. Reggie Dugan persönlich macht mit Katherine Stark die Besichtigung eines seiner Luxusobjekte, eines von dem Katherine schon immer geträumt hat. Wie hängt das ganze zusammen?

Kaltgestellt ist ein pulsierender, moderner Justizthriller mit einer perfekten Mischung aus viel Action, Spannung mit Humor, Abenteuer, Verrat, Verbrechen, Wildnis, Überleben und köstlich süßer Rache. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Sichtweisen von Stuart, Clay und Katherine erzählt.

Es ist eine schnelle, angenehme und moderne Version des Grafen von Monte Christo. Vor allem, weil in der nachnapoleonischen Zeit, in der „Der Graf von Monte Christo“ spielt, das Gleiche Motto herrscht wie heute: „Bereichert euch.“

Royce Scott Buckingham schreibt einen Stil, der sich flott lesen lässt, oft in der Art eines witzigen, sarkastischen Geplänkels, insgesamt nüchtern und durchaus spannend. Der Autor ist ja eher als Fantasy-Schriftsteller bekannt. Sein Ausflug in die Welt des Abenteuers und des Thrillers ist ihm gelungen. Das Buch bitte einige Stunden sehr gute Unterhaltung.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Blanvalet Verlages

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Kaltgestellt/Royce-Scott-Buckingham/Blanvalet-Taschenbuch/e475811.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Kryptozän

Pola Oloixarac , Timo Berger
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 26.08.2016
ISBN 9783803132802
Genre: Romane

Rezension:

Krytozän - Pola Oloixarac (Autor), Timo Berger (Übersetzer) 192 Seiten, Wagenbach, K (26. August 2016), 20 €, ISBN-13: 978-3803132802

 

 „Krytozän“ ist um Cassio gebaut. Er ist ein argentinisch-brasilianischen Junge, der schon in frühen Jahren seine außergewöhnlichen Fähigkeiten und sein großes Interesse am Computer zeigt. Mit leicht asozialem Charakter konzentriert er sich auf Maschinen und endet als ein Hacker, als Teil eines illegalen Projekts, das einen radikalen Schritt bei der Kontrolle des Verhaltens von Individuen unternimmt.

Und das scheint mir die Stärke dieses Romans zu sein, dass, wenn wir Verbrauchsdaten sammeln, wir bald genügend Informationen über Verhaltensmuster haben könnten, um Einzelpersonen direkt steuern zu können. Wenn soziale Netzwerke heute Zugang zu Informationen über unsere Interessen, unsere Recherchen, unsere Familie und Freunde haben, was wird im Jahr 2024 geschehen?

Die Arbeit gliedert sich in drei Kapitel zu verschiedenen historischen Perioden (1882, 1983 und 2024) und drei verschiedene Protagonisten (Niklas Bruun, Cassio und Piera). Was haben diese drei Teile gemeinsam? Alle konzentrieren sich auf die Fortschritte der Wissenschaft im Laufe einiger Jahrhunderte. Wie wir wissen, war im neunzehnten Jahrhundert die wissenschaftliche Forschung, vor allem eine Arbeit der Biologen, die die Welt bereisten, um die Arten zu studieren. Dies ist der Fall bei Niklas, der an der Expedition teilnimmt eine Pflanze namens Crissia pallida zu studieren. Cassio lebt seinerseits in der Ära der Entwicklung von Computern und speziell als Hacker. Piera ist Biologin wie Niklas, aber im Jahr 2024. Die Biologie hat sich komplett verändert und Cassio, beteiligt sich an einer Forschungsgruppe, die Proben menschlicher DNA sammelt.

Die drei Charaktere werden als einsame Menschen porträtiert, isoliert und vom Rest der Welt falsch verstanden. Oloixarac verwendet eine wissenschaftliche Sprache, wo Computer und Botanik ein großes Repertoire an Metaphern bieten.

Pola Oloixarac schafft eine dystopische Welt, in der die Bevölkerung durch ihr genetisches Material überwacht wird, eine Art neuer Hacker. Pola Oloixarac zeigt uns eine Zukunft, wo die Geheimnisse der DNA sowie die Geheimnisse des Lebens von Pflanzen und Tieren, die Erstellung eines perfekten Mischungen verschiedener Spezies ermöglichen könnte.

Es ist die Art und Weise wie die Autorin ihr Buch und das Thema aufbaut, weniger die Schönheit des Textes. Es ist für mich neu und spannend.

Wer auf der Suche nach einer kunstvollen Erzählung voller technologischer Referenzen und mit einem Hauch von Science-Fiction ist, der liegt mit diesem Buch genau richtig.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

http://www.wagenbach.de/buecher/titel/1043-kryptozaen.html

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Köstlicher Orient

Peter Heine
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 23.09.2016
ISBN 9783803136619
Genre: Sachbücher

Rezension:

Köstlicher Orient: Eine Geschichte der Esskultur – Peter Heine (Autor), 240 Seiten, Verlag: Wagenbach, K (23. September 2016), 29,90 €, ISBN-13: 978-3803136619

Ziegenkäse, Couscous, Safran, Datteln, Zimt, Kardamom, Aprikosen, Ingwer, Kampfer, Moschus, Rosenwasser und Marzipan. Die orientalische Küche mit ihren duftenden Gewürzen ist ungeheurer vielfältig und lecker.

Das weiß auch der Islamwissenschaftler Peter Heine. Und zu seinen kulinarischen Geschichten und Essgewohnheiten aus 1.500 Jahren liefert er auch die passenden Rezepte.

In acht großen Kapiteln erläutert der Autor alle wesentlichen Fragen zur orientalischen Küche: Alkohol und Schweinefleisch, Gastfreundschaften, die wechselseitigen Einflüsse vom Orient auf die westliche Küche und umgekehrt, Fastenregeln und Fastenbrechen, sowie das muslimische Paradies, Regeln der orientalischen Küche, unterschiedliche Einflüsse aus Arabien, Persien, dem osmanischen Reich, dem Moghul und auch die Bedeutung von Speisen und Esstraditionen auf Politik und Wirtschaft.

Die orientalische Küche ist neben der chinesischen und italienisch-französischen, eine der drei großen Küchen der Welt. Vor rund eintausend Jahren zogen die türkischen Nomaden von Zentralasien nach Anatolien und trafen dort auf eine reiche Küche verschiedenster Kulturen. Hethiter, Römer, Byzantiner, Araber, Mongolen und Kreuzritter hinterließen in Anatolien ihre Rezepte und Speisen, mit denen sie die orientalische Küche mitprägten. Und der Autor spannt den Bogen sehr weit, von der Gastfreundschaft des Orients über das Entstehen der Nudeln und des Sorbets bis in die Fast Food Restaurants unserer Zeit reichen die Einblicke dieses spannenden Buches.

Natürlich ist es einmal eine ungeheure Fleißarbeit, die Peter Heine vorlegt. Aber das würde diesem Buch nicht gerecht. Er versteht es wirklich, die Verlockungen der orientalischen Küche, mit ihren edlen Gewürzen und raffinierten Speisen, zu Papier zu bringen und erzeugt schon so im Vorfeld die Vorfreude auf unwiderstehliche Geschmackserlebnisse.

Darüber hinaus zeigt er überzeugend die gesellschaftliche und politische Bedeutung des Essens. Neben der nationalen Identität gibt es auch eine kulinarische Identität, die die nationale sehr stark mit beeinflusst. Und vielleicht helfen auch die kulinarischen Genüsse anderer Länder, hier des Orients, zu einer besseren Integration und zu einem besseren Selbstverständnis. „Jeder, der so handelt wie wir, der gastfreundlich ist, der Anteil gibt und Anteil nimmt gehört zu uns. […] ist Teil unserer Identität, unabhängig von nationaler, ethnischer, religiöser oder persönlicher Zugehörigkeit. Orientalische Gesellschaften waren über Jahrhunderte multinational, multiethnisch, multireligiös und sozial hochdifferenziert. […] Grenzen wurden vor allem durch den kulinarischen Austausch besonders leicht und regelmäßig überwunden.“ (Seite 211)

Peter Heine zeichnet sich durch große Sachkompetenz und detaillierte Recherchen aus. Ein vielschichtiges Buch, dass ich nicht nur den Kochfreunden (wegen der Rezepte) empfehle.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1050-koestlicher-orient.html

 

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109 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

entführung, thriller, berlin, kindesentführung, catherine shepherd

Krähenmutter

Catherine Shepherd
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492309653
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Krähenmutter - Catherine Shepherd (Autorin), 288 Seiten, Piper Taschenbuch (4. Oktober 2016), 9,99 €, ISBN-13: 978-3492309653

 

Ein Baby verschwindet, samt Kinderwagen. Laura Kern, Ermittlerin auf dem Gebiet der Geiselnahme und Entführungen und ihr Kollege Max Hartung, sind ziemlich ratlos. Denn „diese Entführung verlief völlig anders als ihre bisherigen Fälle.“

Soweit, so vielversprechend. Ein hochinteressantes Thema, denn es scheinen noch andere Babys zu verschwinden. Daraus ließe sich viel machen, wenn man es denn kann.

Die Autorin schein es nicht zu können:

Sie baut keine bleibende Spannung auf, von einer Steigerung gar nicht zu reden. - Laura Kern stolpert durch den Fall, übersieht wichtige Hinweise und scheint sich mehr mit ihrem „Liebesleben“ zu beschäftigen. Kaum hat sie ein paar Worte mit einem neuen Kollegen, Taylor Field, gewechselt, scheint sie schon in die Rolle eines verliebten Teenagers zu verfallen. - Die Charaktere bleiben eher im Oberflächlichen, im Klischeehaften hängen, erreichen keine Tiefe. - Handlungsfortschritte entstehen mehr durch Zufall als durch Ermittlungsarbeit. Und ganz am Ende des Buches wird uns der Täter und mit kurzen Worten seine Motivation präsentiert, so ähnlich wie in einem schlechten auf die Schnelle zusammengestricktem Krimi aus irgendeiner Vorabendserie.

Darüber hinaus scheint mir der Stoff und auch der Ort Berlin und seine Polizeiarbeit, schlecht bzw. gar nicht recherchiert zu sein.

Und mein zweite Kritikpunkt. Die Sprache. Catherine Shepherd beschreibt, aber sie erzählt nicht. Der Stil ist phasenweise sehr hölzern: „Herr Völder wird sie sofort in Empfang nehmen.“ (Seite 164) oder „Sophie sprach die Wahrheit.“ (Seite 109) Mit ähnlichen Beispielen könnte ich Seiten füllen. Sie schreibt sehr langatmig und auch verworren, voller Stereotypen und Allerweltsklischees und mit kitschigen Anklängen.

Ich hatte mich durch Titel, Buchbeschreibung und Klappentext zu diesem Buch verleiten lassen. Leider ein Fehlgriff.

Also, wer wirklich anspruchslose Krimis bevorzugt, mit einfach gestrickten Handlungen und ungelenkem Schreibstil und wer über die vielen Ungereimtheiten hinwegsehen kann und wer flache Unterhaltung liebt, der mag hier richtig sein. Aber zu empfehlen ist das Buch nicht, weil es unglaubwürdig ist, und auch und vor allem, weil die Kategorie Thriller, absolut irreführend ist.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages

https://www.piper.de/buecher/kraehenmutter-isbn-978-3-492-30965-3

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Knabenzeit

Andreas Burnier , Waltraud Hüsmert
Flexibler Einband
Erschienen bei Wagenbach, K, 22.04.2016
ISBN 9783803127594
Genre: Romane

Rezension:

Knabenzeit – Andreas Burnier (Autor), Waltraud Hüsmert (Übersetzerin), 112 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach (22. April 2016), 9,90 €, ISBN-13: 978-3803127594


Der Titel Knabenzeit bezieht sich auf die Zeit, als es getrennte Schwimmzeiten für Jungen und Mädchen gab. Die Hauptfigur Simone hat einmal während der Knabenzeit geschwommen und bekam alle nur möglichen Probleme. Das ist eines der Erlebnisse, die Catharina Irma Dessaur unter dem Pseudonym Andreas Burnier in diesem Buch mit autobiographischen Bezügen beschreibt.

Das Buch handelt von dem jüdischen Mädchen, Simone Baling. Sie ist 9 Jahre. Es ist im Zweiten Weltkrieg, deshalb muss sie sich, von ihren Eltern getrennt, verstecken. Sie beschreibt fünf Verstecke. Es sind alle unterschiedliche Geschichten, weil der Übergang von einem Versteck zum anderen nicht gezeigt wird. Jedes Kapitel beschreibt, wo sie sich aufhält und was sie erlebt. Das Buch wird nicht chronologisch erzählt. Und es hat einen offenen Ausgang. Sie ist nicht wirklich zu Ende. Diese Geschichte endet mit ihrem Beginn.

Es sind die Geschichten eines Mädchen, dass oft isoliert und alleine ist und viel zu sich selber spricht. Was sie von anderen Menschen unterscheidet? Sie fühlt sich in ihrem Körper als Mädchens nicht wohl. Der Kampf mit ihrer sexuellen Orientierung ist für die meisten Jugendlichen schon in einer Zeit des Friedens schwierig, aber wie kann man die in der Zeit des Krieges bestimmen?

Das Buch ist ein psychologischer Roman. Die Themen Krieg, Verfolgung, Individualität, Repressionen durch die Gemeinschaft, Erfahrungen in der Kindheit, Transsexualismus werden in den einzelnen Kapiteln in ihren Widersprüchen reflektiert, vor allem die Unterschiede zwischen Jungen zu Mädchen, Juden gegen Nichtjuden und Reformierte gegenüber Katholiken.

Andreas Burnier schreibt in einer klaren Sprache: keine vagen, schwierige Wörter und keine Menge von Bildern oder Adjektive, ähnlich wie ein junges Mädchen, das ein Tagebuch schreiben würde. Es besteht aus kurzen, realistisch Sätze. Es gibt eine gewisse Art von Humor, Sarkasmus.

Mir scheint, er hat das Buch für junge Menschen gedacht, auf der Suche nach Identität, beim langsamen Erwachsenwerden im Verborgenen, auf ihrem mühsamen Weg durch die dunklen Verliese.

Entdecken Sie dieses Buch neu. Denn gerade heute, wo Transgender auch im Mainstream vertreten ist, gewinnt dieses Buch aktuelle Aspekte und kann grundsätzlich anderes gelesen werden. Andreas Burnier war schon immer ihrer Zeit voraus.


Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1036-knabenzeit.html

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Krötenliebe

Julya Rabinowich
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 14.03.2016
ISBN 9783552063112
Genre: Romane

Rezension:

Krötenliebe - Julya Rabinowich 112 Seiten, Verlag: Hanser Berlin (14. März 2016), 16,90 €, ISBN-13: 978-3446250734

Alma Mahler, Oskar Kokoschka und Paul Kammerer sind die Protagonisten im neuen Roman "Krötenliebe" von Julya Rabinowich. Sie schreibt keine Biographie. Kenner der drei Personen erfahren kaum etwas biographisches, was sie nicht schon wussten.

Alma Mahler-Werfel ist ein Mythos der Wiener Moderne, schön und biestig zugleich, oder wie Julya Rabinowich sagt: „die Schöne, die ein größeres Biest als das Biest ist“. Berühmt wurde sie als Geliebte und Gattin berühmter Männer, vom Komponisten Gustav Mahler über den Maler Oskar Kokoschka bis zum Schriftsteller Franz Werfel. In der Nähe der berühmten Witwe wurden Männer zu Hysterikern und romantische Liebhaber entwickelten sich zu Stalkern.

Die Autorin konzentriert sich in dieser biografischen Erzählung auf die heißesten Jahre dieses bewegten Lebens und verknüpft die gut dokumentierte Kokoschka-Affäre, die 1912, wenige Jahre nach Mahlers Tod, begann, mit einem zeitgleichen Techtelmechtel.

Almas Stiefvater Carl Moll gehörte zu den Förderern des expressionistischen Malers Oskar Kokoschka. Er beauftragte ihn unter anderem, ein Porträt seiner Stieftochter anzufertigen. Noch während des Abendessens am 12. April 1912, bei dem Carl Moll ihm Alma Mahler vorstellte, verliebte sich Kokoschka in die Witwe. Nach dem Ende der Beziehung wird Kokoschka Alma als Puppe nachbilden lassen, ein spätes Symbol der verrückten Liebe.

Im Biologielabor von Paul Kammerer arbeitete Alma als Assistentin. Der Wissenschaftler hatte auf Grundlage von Experimenten mit Geburtshelferkröten eine Theorie der Umwelteinflüsse entwickelt, die Darwins Vererbungslehre diametral entgegengesetzt war. Er verehrte Alma Mahler in exzessiver Weise und drohte mehrfach, sich am Grabe Gustav Mahlers zu erschießen, sollte sie seine Liebe nicht erwidern. Der Biologe beschnüffelte und streichelte im Kaffeehaus den Sessel, als Alma von dort aufgestanden war. Unter dem Verdacht, seine experimentellen Ergebnisse gefälscht zu haben, nahm sich Kammerer 1926 das Leben.

Alle drei gehörten zur besten Wiener Gesellschaft. Sie waren Teil des Wiener Kosmos. Ein berühmter Maler, ein unglücklicher Biologe und die Femme fatale der Wiener Kunstszene – das ist das illustre Personal des Biographie-Romans, der die Verstrickungen und Sehnsüchte dreier Grenzgänger zeigt. Julya Rabinowich verkehrt die üblichen gesellschaftlichen Rollen. Statt nachgiebige Frau und männliches Genie zeigt sie die Muse (Alma) als die eigentliche Schöpferin dar.

Wie gesagt, biographisch nichts Neues. Aber neu ist dies Kombination: Kokoschka, Kammerer und Alma. Überzeugend, die Fülle skurriler Details, aber auch die besondere Atmosphäre der damaligen Zeit. Realität und fiktive Szenen vereinigen sich zu einem charmanten Roman voller Leidenschaft und Erotik. Ungemein elegant geschrieben. Julya Rabinowich als allwissende Erzählerin springt kapitelweise zwischen Figuren und Zeiten hin und her und lässt immer Vorgeschichte und späteres historisches Geschehen einfließe. Sie erzählt dramatisch, lyrisch und mit Empathie.

Für mich ist das Buch vor allem ein Beitrag, Wiens Vergangenheit – die künstlerische und politische – besser zu begreifen. Gönnen Sie sich das Vergnügen dieses aufregenden und einmaligen Treffens.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/kroetenliebe/978-3-552-06311-2/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de


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ch: niveau 2016

Kyra Kyralina

Panait Istrati , Oskar Pastior , Mircea C?rt?rescu
Flexibler Einband
Erschienen bei Wagenbach, K, 04.03.2016
ISBN 9783803132789
Genre: Klassiker

Rezension:

Kyra Kyralina - Panait Istrati (Autor), Oskar Pastior (Übersetzer), 160 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach (4. März 2016), 17,90 €, ISBN-13: 978-3803132789

Die Geschichte beginnt an den Ufern der Donau in Braila, in unsicheren Zeiten, wohl Ende des 19. Jahrhunderts, als das Osmanische Reich sich vom Donaudelta bis zum Libanon erstreckte, wo sich Sprachen, ob Rumänisch, Griechisch, Türkisch, Armenisch oder Arabisch, mischen

Ein Junge, Adrian, wird durch eine rätselhafte Figur, ein Limonadenverkäufer mit zwei Gesichtern fasziniert: eine dunkle und hinterhältige Seele, die manchmal ein Gesicht der Güte und Ehrlichkeit präsentiert. Während sie gemeinsam von Braila zum Jahrmarkt von Slobozia reisen erinnert sich Stavru (oder Dragomir) an seine Kindheit in Rumänien, die ihn auch nach Kairo, Damaskus, Beirut geführt hat. Er erinnert sich an seine Mutter und seine Schwester Kyra, von einem eifersüchtigen Vater geschlagen und dann verschwunden.

Stavro entdeckte die Schlechtigkeit des Menschen, das Grauen hinter den Freuden, das Laster hinter der Freundlichkeit, die Gier hinter der falschen Kameradschaft. Er entdeckt auch Freundschaft, die ein Rettungsanker im Elend zu sein scheint. Es erzählt eine verschwundene Welt, eine Welt der Vielfalt, miserabel und schmackhafte zugleich, von der Melancholie eines goldenen Zeitalters, das nie zurückkehren wird. Das bunte Porträt von diesen Seiten der verschiedenen Provinzen des Osmanischen Reiches, ein Schmelztiegel der Kulturen und Sprachen, hat eine außerordentliche Anziehungskraft.

Panait Istrati entwickelt die Haupthandlung nicht chronologisch, sondern lässt sie von Stavru in der Ich-Form in drei Teilen erzählen. Er beginnt mit seiner Rückkehr nach Rumänien im Jahr 1867. Im zweiten Abschnitt erfahren die Zuhörer Adrian und Mihail ebenso wie die Leser, unter welchen Umständen der elfjährige Stavru, der damals noch Dragomir hieß, von seiner Mutter und seiner Schwester Kyra getrennt wurde. Was Stavru dann bis zu seiner Rückkehr nach Rumänien erlebte, erzählt er zuletzt.

Istratis Charaktere sind lebendige normale Menschen, die weniger als ihre volle menschliche Würde nicht akzeptieren wollen. Ihr Mut und ihre Ausdauer und ihre Vitalität verleiht ihnen die Überzeugung - auch unter den elendsten Bedingungen – dass auch nach tausend Rückschlägen ihre Unterdrückung nicht ewig dauern kann. Der Mensch wird sein Leben nicht verstehen. Seine Intelligenz nutzt ihm nicht viel. Die Tatsache, dass er sprechen kann, zeigt, dass er nicht dumm ist. Und hier überschreitet er die Grenze zum Tier, wenn es darum geht, die Not seiner Mitmenschen zu erfühlen.

Istrati zeigt uns mit orientalischer Fabulierlaune eine leuchtende, lebendige, weite Welt der Abenteuer, der Gewalt, der Zärtlichkeit, der guten Laune und der großen Freundschaften. Vor allem aber eine deutlich menschliche Welt in der Gott nur in einem abstrakten Sinn Bedeutung hat, aber sich ansonsten als ziemlich nutzlos erweist.

Kyra Kyralina ist ein Meisterwerke, ursprünglich geschrieben in Französisch von einem Mann, der sich selbst nicht als Schriftsteller betrachtet. Er schreibt mit einem immensen Talent, als ob er selber tausend Leben gelebt hätte und unsere Sprache durch die Lektüre der Klassiker gelernt hätte. Er schreibt mit Härte, mit Humor und nimmt uns mit auf eine lyrische, abenteuerliche Irrfahrt.

Wer kleine Geschichtchen in Geschichten verschachtelt in anderen Geschichten liebt, der ist bei diesem Büchlein genau richtig.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1019-kyra-kyralina.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Kein Morgen ohne Sorgen

Gemma Correll
Buch: 112 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 17.02.2016
ISBN 9783956141010
Genre: Humor

Rezension:

Kein Morgen ohne Sorgen. Handbuch für Verzweifelte von Gemma Correll (Autorin), 112 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH; Auflage: 1 (17. Februar 2016), 12,95 €, ISBN-13: 978-3956141010

Von Zweifeln gelähmt? Angstgefühle? Ein bisschen in Panik? Es ist nicht schwer, sich vom Leben überfordert zu fühlen. Gemma Correll hilft Ihnen, darüber zu lachen … zu mindestens etwas.

Gut, es kann ziemlich anstrengend sein, ein Erwachsener zu sei: Firefox stürzt immer ab. Kreditzahlungen kommen zu spät. Ihr Erstgeborener teilt unwissentlich seinen Namen mit Brangelinas nächstem Kind? Besorgt über seltene Erkrankungen? Peinliche soziale Situationen? Ärger mit dem Haustier? Unzufrieden mit dem eigenen Körperbild? Es ist schon eine Besorgnis erregende Welt da draußen.

Aber keine Angst, zum Glück gibt es Gemma Correll. Ihr Schlüssel ist, ein wenig Spaß auch und vor allem in diesen stressigen Momenten zu zeigen. Sie befreit uns von all diesen Ängsten mit scharfem und unbeschwertem Witz.

Das Buch enthält eine Reihe von Zeichnungen, Cartoons, Comics, die die verschiedene Arten von Dingen, die uns Sorgen machen. Gemma Correll zeichnet witzige, manchmal bissige, Karikaturen über die Dinge, die in unseren Köpfen vor sich gehen. Sie macht sich lustig über die emotionalen - und manchmal einfach nur albernen Dingen, die wir tun. Einige von ihnen sind nett, einige von ihnen lassen Sie schmunzeln, und bei andere werden Sie laut lachen. Und jeder findet Dinge, die er selbst tut.

Jede Seite hat ein anderes Thema: Hypochondrie, Mode, Essen, Liebe, Wellness, Feiertage, das Erwachsenen-Leben und andere Malaisen.

Die Illustrationen sind wunderbar und mehr als treffend. Gemma Correll ist urkomisch. Meine absoluten Lieblingsseiten: Entspannen beim Yoga (Seite 20) und Geologische Analyse einer Handtasche. (Seite 31) Ebenso überzeugend die Texte mit so wunderbaren Wortschöpfungen wie Augenbrauensäcke oder Bauchnabelödem.

Das Buch ist sehr schnell zu lesen. Sie können beispielsweise eine Seite pro Tag lesen oder, wie ich alles auf einmal lesen ... aber es wird ein wahrer Spaß sein. Vor allem ist es die Art von Buch, das Sie ständig auf Ihrem Couchtisch liegen haben sollten um immer wieder darin zu schmökern.

Ich denke, das ist ein wunderbares Geschenk für alle Besorgten und Verzweifelten, die sich trotz allem einem gewissen Sinn für Humor bewahrt haben. Sie wird hier eine Seelenverwandte finden.

Bei diesem Büchlein werden Sie Ihre Sorgen vergessen. . . Ein bisschen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages:

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/kein_morgen_ohne_sorgen-1188/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Klagenfurter Texte. Die Besten 2015

Hubert Winkels
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper, 05.10.2015
ISBN 9783492057158
Genre: Sonstiges

Rezension:

Klagenfurter Texte. Die Besten 2015: Die 39. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt - Hubert Winkels (Herausgeber) – 208 Seiten, Verlag: Piper (5. Oktober 2015), 14,99 €,

Was soll Literatur? Valerie Frisch meinte in einem Interview „die Welt übersetzen, mit Buchstaben codieren und bewohnbarer machen.“ Literatur scheint mit die Gesamtheit aller Sprachkunstwerke zu sein, die besonderen ästhetischen Kriterien genügen. Und davon gibt es eine Menge in den »Klagenfurter Texten. Die Besten 2015«. Lesen Sie die spannendsten Stimmen unserer Zeit in diesem ganz besonderen Lesebuch.

Die Texte

Nora Gomringer – Recherche (Ingeborg-Bachmann-Preis)

"Recherche" handelt vom Tod eines 13-jährigen Jungen. Als Protagonistin wählt sie "Nora Bossong, die Lyrikerin und Romanautorin. An ihr arbeitet sie ihre Idee ab, eine Schriftstellerin, auf der Suche nach einem neuen Text zu zeigen, den sie ausarbeiten möchte." Der tragische Fall eines Jugendlichen, der aus dem 5. Stock stürzte, ist der Protagonisten aufgefallen. Sie beginnt zu recherchieren. Was sie dort erfährt, bildet sich in Stimmen und Stimmungen in ihr ab und das nimmt sie dann in eine Textproduktion hinein, die sich letztendlich auch gegen sie wendet. Im Text klingt die Frage mit an, ob sich eine Autorin überhaupt derart an der Realität bedienen darf. Nora Gomringer verfasst einen raffiniert abgründigen Text

Valerie Fritsch – Das Bein (Kelag- und Publikums-Preis)

Sprach- und bildmächtig - Ihr Text über den Phantomschmerz einer Beinamputation ist in einem sehr poetischen Stil gehalten. Sehr überzeugend dieses Kammerspiel mit heimkehrendem Sohn und beinamputiertem Vater, das immer tiefer in die Innen- und Gefühlswelt der beiden Figuren führte. Der Text nimmt die Jahreszeiten als Vehikel, um diese Geschichte zu erzählen. Der Sohn verbringt den Sommer und den Herbst bei seinem Vater. Im Winter stirbt der Vater. Ein Text des Memento mori. Sprachlich ambitioniert, hautnah und mit einer gleichwohl unaufdringlich diskreten Beschreibungsgenauigkeit, insgesamt ein emphatischen und gleichwohl ganz in sich gekehrter Text. Eine hochkonzentrierte, gut gebaute Erzählung

Dana Grigorcea – Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit (3sat-Preis)

Auszug aus einem kommenden Roman. Hier kommt alles zusammen, was gute Literatur ausmacht: Witz, Komik, Tragödie, Poesie, Melancholie, Trauer, Elend, Liebe. Ein hinreißendes Rumänien-Porträt, episch mit melancholischem Humor. Hier überzeugte mich vor allem die lustvoll überschäumende Erzählkunst, Wunderbar bewegende, ebenso komische wie traurige, bisweilen absurde Episoden.

Anna Baar – Die Farbe des Granatapfels

Ein Text über die Beziehung, eines sich in der Adoleszenz befindlichen Mädchens, zu Ihrer Großmutter. Eine große Geschichte von Liebe und Versöhnung, Krieg und Frieden, Ausgrenzung, Vereinnahmung und Entfremdung im Heranwachsen zwischen den Kulturen. Geschrieben in einer unerbittlichen und metaphernreichen Sprache. Das ist Zukunftsliteratur

Jürg Halter – Erwachen im 21. Jahrhundert

Ein Mitteleuropäer ist nach einem Albtraum zurück im 21. Jahrhundert. In diesem Text verarbeitet nun dieser Mensch diesen Albtraum, mithilfe der Angst. Er beschreibt die Handlungen und Gedanken eines Menschen zwischen 5 Uhr 20 und 7 Uhr 55. Sehr tiefgründig und clever, metaphysisch, aber gut zugänglich. Ein zivilisationskritischer Monolog eines gerade aus einem Albtraum erwachten Schriftstellers.

Teresa Präauer – Oh, Schimmi!

Ein Mann macht sich wortwörtlich zum Affen. Ein perfekter Text – originell, verspielt, witzig und ganz schön ausgebufft. Er spielt auf vielen sprachlichen Ebenen, hat Rhythmus. Hier wird mit allen sprachlichen Mitteln gearbeitet. Ein Text mit enormer Komik, Musikalität und bitterbösem Hyperrealismus, in dem sie die Evolutionsgeschichte rückwärts buchstabiert und den gewalttätigen Mann in einen Affen zurückverwandelt. Für mich der beste und auch witzigste Text.

Ronja von Rönne – Welt am Sonntag

Ein junger Mensch wacht auf, und fühlt sich nicht gut. Der Mensch befindet sich in Karlsruhe, in einem Hotel. Im Laufe des Tages regt sich dieser Mensch über Kleinigkeiten auf. Nur um am Ende des Tages zu festzustellen, dass eigentlich doch alles ganz gut ist. Die Welt kann vieles sein an einem Sonntag. Es ist ein Text voller Posen, manche davon sind nervig kokett. Er ist auf Provokation hin kalkuliert, und diese Seite macht ihn schwach, weil er zu sehr auf Effekt getrimmt ist, zu journalistisch, zu generationsverhaftet.

Monique Schwitter – Esche

Liebe in allen Variationen, eine doppelte Spiegelung von Schein und Sein. Wie in einer Art barocken Reigen und mit fabelhaftem Humor spielt Schwitter durch, wie sich über die Generationen hinweg die verschiedenen Paarkonstellationen zusammenfügen, trennen, neu zusammenfügen, mit der unausgesprochenen Hoffnung, dass es womöglich irgendwann etwas wie diese endgültige Harmonie – unter der Esche dann – geben könnte.

Die Urteile

Die Tage der deutschsprachigen Literatur, wie das Bachmannpreis-Lesen offiziell heißt, sind jedes Jahr auch die Tage der deutschsprachigen Literaturkritik. Und die ist hier gut in Form. Die siebenköpfige Jury dreht und wendet die Texte, analysiert Erzählstrukturen und Erzählperspektiven, durchleuchtet Inhalte und deren Bedeutungsebenen.

Nach jedem Text folgen einige Seiten aus der Jury-Diskussion. Sehr aufschlussreich. Außerordentlich beflügelnd, die eigenen Eindrücke vom Text und die eigenen Schlussfolgerungen mit denen der Jury zu vergleichen.

Für anspruchsvolle Leser, die an wirklicher Literatur interessiert sind. Sehr empfehlenswert.


Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages

http://www.piper.de/buecher/klagenfurter-texte-die-besten-2015-isbn-978-3-492-05715-8

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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krimis, kurzgeschichten, schwedenkrimi, schwede, kalte schatten

Kalte Schatten

John-Henri Holmberg , Ursel Allenstein , Paul Berf , Susanne Dahmann
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.03.2014
ISBN 9783442481378
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kalte Schatten: Erzählungen von Schwedens berühmtesten Spannungsautoren - Åke Edwardson, Åsa Larsson, Stieg Larsson, Henning Mankell, Håkan Nesser u.v.a. John Henri Holmberg (Herausgeber), 416 Seiten, Goldmann Verlag (17. März 2014), 9,99 €, ISBNN-13: 978-3442481378

Das ist eine Anthologie von Krimis führender Autoren aus Schweden.Darunter bekannte wie Stieg Larsson, Henning Mankell, Hakan Nesser, Sjöwall & PerWahloo aber auch einige die außerhalb Schwedens nicht so sehr bekannt sind, wie zum Beispiel Katarina Wennstam und Veronica von Schenck.

Wenn Kurzgeschichten gut sind, scheinen sie meistens zu kurz zu sein und wenn sie schlecht sind, dann scheinen sie immer zu lang. Das ist bei dieser Sammlung nicht der Fall

Dieses Buch mit Kurzgeschichten ist eine hervorragende Übersicht schwedischer Krimiautoren, aber für mich das interessanteste und wertvollste Stück ist der Text vom schwedischen Autor, Herausgeber und Kritiker John-Henri Holmberg, der über Kriminalliteratur im Allgemeinen schreibt und dann schwedische Kriminalliteratur im Besonderen. Dies ist eine hervorragende Übersicht über das Genre und diesen Markt.

Die 17 Geschichten bieten, wie man erwarten kann, eine bunte Mischung. Die Bandbreite reicht von Geheimnis und Science Fiktion, von Geschichte, Rätseln bis hin zu Mysterie. Nach jeder Geschichte folgt ein Text von 1 – 2 Seiten über den Autor und über die Geschichte.

Die Geschichten im Einzelnen:

Wiedersehen – Tove Alsterdal: Jugend und Unschuld verloren.

Sein Haar gefiel ihm – Cilla und Rolf Björlund: Ein Serienmörder

Nie in Wirklichkeit – Ake Edwardson: ein misshandelter Ehepartner

Der Ausstand – Inger Frimansson: Ein Arbeitskampf

Pauls letzter Sommer - Eva Gabriellsson: Ein Testament

Der Ring – Anna Jansson: Eine Lehrer-Schüler-Beziegung

Die Postkutsche – Asa Larsson: Mail-Betrug

Das Superhirn: Stieg Larsson: Medizinische Praxis mit gesundheitlichen Folgen

Eine unwahrscheinliche Begegnung – Henning Mankell und Hakan Nasser: Kriminalbeamte gegen Fiction-Autoren

Ein Alibi für Senor Banegas – Magnus Montelius: Wenn ein gutes Alibi fehlt

Etwas von seinem Blick – Dag Öhrlund: die gemiedene Tocher

Ich bin klein, mein Herz ist rein – Malin Persson Giolito: Ein vermisstes Kind im Karneval

Maitrega – Veronika von Schenk: Eine Statue mit zwei Toten

Der Multimillionär - Maj Söwall und Per Wahlöö: Ein Millionär auf Kreuzfahrt

Was it ever love II – Sara Stridsberg: Tagebuch über Variationen der Liebe

Die Rache der Jungfrau – Johann Theorin: ein guter Richer

Spät wird der Sünder erwachen – Katarina Wennestam. Eine abgelaufene Verjährung


Diese Geschichten wurden bisher in deutscher Sprache noch nicht veröffentlicht und zeigen, warum schwedische Krimis Leser seit Jahrzehnten begeistern. Alle Geschichten haben unterschiedliche Themen und sind unterschiedlich in ihrer Art. Aber eines haben alle gemeinsam: Es sind perfekte Kurzgeschichten, die dem Leser viel Raum für eigene Interpretationen lassen

Für alle die das Genre lieben und vor allem für alle, die die einzelnen Schriftsteller näher kennenlernen wollen. Es ist wie ein Sampler, nach dem man sich dann seinen Liebling aussuchen kann


Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Goldmann Verlages

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Kalte-Schatten/John-Henri-Holmberg/e455545.rhd


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mobbing, medien, rundfun, mord

Kommissar Knauper

Manfred Spoo
Buch: 216 Seiten
Erschienen bei Kelkel Verlag, 08.03.2014
ISBN 9783942767118
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Funkhausmord – Manfred Spoo – 180 Seiten

 Kelkel Verlag (8. März 2014), 7,20 €, ISBN-13: 978-3942767118

 

Dr. Gerhard Schwallborn, das Vorstandsmitglied eines Medienkonzerns, wird in Saarbrücken ermordet. Kommissar Konrad Knauper übernimmt mit seinem Team, Erwin Schütz, Urs Bender und Hendrik Leismann die Ermittlungen. Dabei bekommen sie einen tiefen Einblick in Betriebsklima und Personalführungsmethoden des mächtigen Medienkonzerns.

Die eigentliche Kriminalhandlung ist einfach, ohne größere Spannungselemente. Hauptthema des Buches: die Methoden der „informellen Personalpolitik.“ Und natürlich die „saarländische Mentalität.“

Hier liegen auch die Stärken des Autors Manfred Spoo. Er scheibt sehr stark szenisch, aber weniger Plot orientiert. Er bringt etwas Licht hinter die altbekannten Worthülsen von „sozialverträglicher Verschlankung“ und „konstruktivem Betriebsklima.“ Herrlich auch die internen „Kosenamen für Führungskräfte des Hauses: „Pickel-Pitchen“, „Igelwurm“, „Windbeutel“, „Radlerduo“, „Machtschattengewächs“. Darauf muss man erst einmal kommen.

In den Gesprächen der vier Ermittler wird die Saarlandmentalität sehr stark bemüht: „Auch wer fit und gesund stirbt, hat nichts mehr vom Leben.“ (Seite 108) „Aber das Rind muss ein sehr glückliches Vieh gewesen sein. Es ist wohl sehr, sehr alt geworden.“ (Seite 91)

Der Autor bemüht natürlich alle nur denkbaren Saarlandklischees, von der Rostwurstbude bis hin zum schnellen Sprung über die Grenze nach Frankreich. Und es gibt kein Kapitel in dem nicht über das Essen schwadroniert wird.

„Funkhausmord“ ist satirisch, lakonisch, hintergründig, brillant erzählt, auf typisch saarländisch, mit viel unterhaltsamem und auch bissigem Humor.

Das Buch liest sich sehr flott, dank der szenischen und dialogischen Schreibweise. Der Kriminalfall ist zwar gut durchdacht und sauber recherchiert, aber es fehlt ihm der letzte Kick.

Nicht unbedingt für Krimifans zu empfehlen, aber für eingefleischte Saarländer und vor allem Exil-Saarländer eine vergnügliche Feierabendlektüre.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Kelkel Verlages:

http://www.kelkel-verlag.de/html/m_spoo.html#Funkhausmord

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Kleine Schwestern

Fay Weldon
Flexibler Einband
Erschienen bei DTV, 01.11.1998
ISBN 9783423113052
Genre: Romane

Rezension:

Kleine Schwestern - Fay Weldon Autorin), Ingird Dressler-Lewis (Übersetzerin), 256 Seiten. Klaus Wagenbach Verlag, Auflage: 1 (27. April 2015), 11,90 €, ISBN 978-3-8031-2737-2

 

Wunderbar bissig beschreibt Fay Weldon, die berühmte Chronistin typischer Frauenschicksale die oft missglückte, aber in jedem Fall zutiefst komische Suche nach dem Glück.

Zu ihrem 19.Geburtstag wird Elsa von ihrem um einiges älteren Geliebten Victor zu einem Wochenendbesuch bei Hamish und Gemma, einem Millionärsehepaar eingeladen. Victor hat auf deren Antiquitäten ein Auge geworfen. Elsas Naivität paart sich kongenial mit Victors Unmoral. Am Ende weiß niemand mehr, wer hier eigentlich mit wem sein böses Spiel getrieben hat.

Junge Frauen sind böse. Jene, die sexuell aktiv sind, die sind noch schlimmer. Fay Weldons Roman ist voll von Warnungen über diesen dunklen See von Lust und Schicksal. Sie liefert ihre moralischen Botschaften mit einer anonymisierten Dringlichkeit. Und ihre Charaktere folgen fast den bekannten Märchengegensätzen:  sie sind entweder alt oder jung, reich oder arm, unfruchtbar oder fruchtbar.

Das Buch ist leicht zu lesen. Fast skriptartig geschrieben ist es gleichzeitig schockierend, einschüchternden, lustig und scharfsinnige. Fay Weldons Arbeit wird oft in Verbindung mit Feminismus gebracht. Warnung: dies ist ein Feminismus mit freundlicher Genehmigung der obersten Hexenliteratur.

Der pointiert-lässige Stil zeichnet sich durch Empathie und Scharfblick aus. Fay Weldon zeigt sich wieder einmal als Expertin für weibliche Lebenslügen und Rollenspiele.

Das Besondere von „Kleine Schwestern“ liegt nicht in seinen Handlungsbestandteilen und Charaktere, sondern in der Klugheit, mit der diese manövriert werden. Wahrscheinlich beides.

Ein unterhaltsames und provokatives Buch. Sehr zu empfehlen

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Verlages Klaus Wagenbach

http://www.wagenbach.de/buecher/titel/993-kleine-schwestern.html

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kathleen mallory, schule, alte sackkarre, pflegeeltern, ermittlungen;

Kreidemädchen

Carol O'Connell
E-Buch Text: 545 Seiten
Erschienen bei btb Verlag, 12.01.2015
ISBN 9783641133665
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kreidemädchen – Carol O`Connell (Autorin), Judith Schwaab (Übersetzerin)  544 Seiten, btb Verlag (12. Januar 2015), 9,99 €, ISBN-13: 978-3442747412

Kein Anfang für schwache Nerven. Auch eine Lehrerin, trifft der Schlag. Es regnet Ratten im Central Park, während eines Schulausfluges. Und eine kleine rothaarige Fee sucht mittendrin in diesem Chaos verzweifelt nach Anschluss. Was sucht Coco im Centralpark? Dieses schöne kleine rothaarige Mädchen, das keine Distanz zu Menschen kennt, offen, kontaktfreudig, gesellig ist, das Musik liebt und sich und Lieder und Melodien rasch einprägt?

Wenn dann noch drei „Leichen“ aufgereiht in Bäumen des Central Park hängen, um zu verdursten und zu verhungern, wenn die Dinge sind einfach nur verrückt genug sind, dann benötigen sie Mallory.

Kathy Mallory ist gerade von einer Reise durch das Land zurückgekehrt und hat ohne vorherige Ankündigung oder Erlaubnis ihre Polizeiarbeit wieder auf genommen. Mallory und ihr Partner Riker entdecken, dass das kleine Mädchen wurde von einer der Menschen, in den Bäumen, der ein Erbe eines Vermögens der Driscoll Stiftung ist missbraucht. Die Driscoll School ist eine prominente Privatschule in New York mit vielen Freunden in Machtpositionen. Die Geschichte wird immer besser und schneller.

Das Buch steckt voller überraschender Wendungen und bleibt packend bis zum Schluss, der sehr gut gelöst ist. Schauplatz ist New York und besonders der Central Park. Die Geschichte kreist um möglichen Missbrauch von Kindern oder auch Mobbing unter Schülern.

Die Vorgeschichte wird in Ausschnitten aus einem Tagebuch einer der involvierten Figuren in kleinen Portionen zu Beginn jedes Kapitels allmählich präsentiert, ohne zu viel zu verraten - Genial!

Kathy Mallory ist eine tolle Figur, widersprüchlich und doch stimmig. Sie steht Lisbeth Salander in nichts nach. Verrückt, unorthodox, aber eine äußerst effektive Ermittlerin.

Ein Thriller, der sowohl durch solide Polizei-Arbeit als durch die oft recht drastischen Mittel der Heldin Kathy Mallory gelöst wird.

Pechschwarzer Humor kommt auch schon 'mal durch: Das Buch ist eine echte Empfehlung für all diejenigen, die ihre Thriller gerne auch schon mal grausam mögen, seelisch wie körperlich. Wie das wahre Leben halt auch... Und nichts gegen kleine Mädchen haben, die 400 Arten kenne, Ratten zu erlegen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Goldmann Verlages

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Kreidemaedchen-Thriller/Carol-O-Connell/e449614.rhd

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krimi, rache, susanne mischke, vertuschung, vergangenheit

Kalte Fährte

Susanne Mischke
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 09.03.2015
ISBN 9783827012487
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kalte Fährte -Susanne Mischke, 464 Seiten, Berlin Verlag, 9.03.2015, 14,99 €, ISBN 978-3-8270-1248-7

Steffen Plate hatte 1998 eine Familie überfallen, um Geld zu erpressen. Dabei fand eine der Töchter den Tod. Jetzt wird er gefunden, bestialisch ermordet, kaum noch zu identifizieren.

Kommissarin Francesca Dante, eine impulsive Neapolitanerin, und ihr Vorgesetzter Jessen, der reservierte Hanseat mit einer Schwäche für Maßanzüge und alte Geschichte, stoßen schnell auf eine kalte Fährte.

Neben vielen Ungereimtheiten ist den beiden Ermittlern schnell eines klar: Jemand befindet sich auf einem Rachefeldzug, präzise geplant, mit erschreckender Geduld ausgeführt.

Allein die Story ist so außergewöhnlich, dass es von der ersten bis zur letzten Seite absolut spannend blieb. Viele Wendungen, viele Überraschungen und interessante, gegensätzliche Charaktere.

Der Fall erschüttert, trifft Mark und Seele. Die finstere Thematik provoziert, erregt, erschüttert, gibt aber auch Stoff für Spekulationen und Mutmaßungen. Bei den zermürbenden Ermittlungen in der Gegenwart und der Vergangenheit beweist Autorin Susanne Mischke ihre gewohnte Routine in der Darstellung der Polizeiarbeit.

Susanne Mischke schreibt flüssig, gekonnt und leicht lesbar. Spritziger, manchmal bissiger Humor, auf jeden Fall humorvoll spottender Esprit sind ihre Stärken. Sie erzählt unaufgeregt und auf den Punkt. Sie verzichtet auf Schockmomente und setzt auf die Ermittlung. Diese kann der Leser gut nachvollziehen und kann so gemeinsam mit dem Team versuchen den Täter zu ermitteln.

Wer Lust auf einen Krimi mit vielen Wendungen, mit vielen Überraschungen und einer äußerst sympathischen Ermittlerin hat, der sollte zugreifen. Und zwar schnell. Diese Geschichte hat so viele Überraschungsmomente, die man sich besser nicht entgehen lassen sollte. Sie ist schlüssig und hat viele interessante, gegensätzliche Charaktere eingebaut, die doch sehr miteinander harmonieren.

Kalte Fährte ist ein sehr gut gelungener Kriminalroman, der es in sich hat.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlinverlages:

http://www.berlinverlag.de/buecher/kalte-faehrte-isbn-978-3-8270-1248-7

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Kanzlerin der Reserve

Ulrike Demmer , Daniel Goffart
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 09.03.2015
ISBN 9783827012760
Genre: Biografien

Rezension:

Kann sie „Kanzler“? Eindeutig: JA. Will sie „Kanzler“? Unbedingt und auf jeden Fall. Darf sie „Kanzler“? Sie hat viele Gegner. Wird sie „Kanzler“? Abwarten.

Die Rede ist von Ursula von der Leyen: Mustermutter und Powerfrau, mit dem bekannten strahlenden Lächeln.

Ulrike Demmer und Daniel Goffart haben sich auf die Spur der ersten deutschen Verteidigungsministerin gesetzt und ein kritisches Porträt der prominenten CDU-Politikerin verfasst. Gut recherchiert. Flott geschrieben.

In 10 Kapiteln zeichnen sie den Lebensweg der streitbaren Tochter des langjährigen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht nach.

Die Tochter: das brave Röschen. Die Ärztin: ohne Facharztabschluss – Die Landespolitikerin – Die Familienministerin: mit revolutionären Gedanken – Die Arbeitsministerin: mit vielen Ideen – Die Populistin: die sich perfekt inszenieren kann – Die verhinderte Bundespräsidentin: ein kurzer Traum – Die Verteidigungsministerin: ihre bislang schwierigste Herausforderung – Die CDU-Politikerin – Die Kanzlerin der Reserve.

Sie hat viel erreicht in ihren verschiedenen Ämtern. Bündnis für Erziehung. KITA-Garantie. Elterngeld. Als Arbeitsministerin hatte sie viele Ideen und wenig Erfolge. Und jetzt auf dem politischen Schleudersitz der Verteidigungsministerin. Sie hat Sternstunden und Niederlagen erlebt.

Sie hat Energie, sie brennt vor Ehrgeiz. Eine moderne Frau, die nicht auf eine Rolle reduziert werden kann. Aber immer schimmert durch: Ihr eigener Lebensentwurf ist die Blaupause für all ihre Gedanken und Pläne, manchmal sind es auch nur fromme Wünsche und schöne Überschriften.

Entscheidend wird sein, wie sie ihr jetziges Ministerium in Griff bekommen wird: Bundeswehrreform, neue Auslandseinsätze, Mängel in der Ausrüstung, eine beängstigend lange Liste von Probleme. Hier wird es nicht reichen, zu fordern: Unser Heer muss schöner werden.

Im Ranking der Spitzenpolitiker liegt sie noch hinter Sigmar Gabriel. Aber es wird gesagt: „Mit jedem Problem, das Ursula von der Leyen löst, wächst sie. Sie wird aus dem Amt gestärkt hervorgehen.“ (Seite 203)

Sie hat noch knapp 2 Jahre Zeit, dann beginnt der Wahlkampf für die Bundestagswahl 2017. Ob ihr Konzept „Macht es so wie ich oder lasst es!“ reichen wird. Lassen wir uns überraschen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages:

http://www.berlinverlag.de/buecher/kanzlerin-der-reserve-isbn-978-3-8270-1276-0

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krieg, familie, trauer, hundeliebhaber, tod

Krieg

Jochen Rausch
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 17.09.2013
ISBN 9783827011695
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Lehrer Arnold Steins hat alles verloren, was ihm wichtig war. Er gibt sein bisheriges Leben, das keines mehr für ihn ist, auf und zieht in eine einsame Berghütte. Hier lebt er mit seinem Hund und versucht mit den Trümmern seines Lebens zu überleben. Als er aber merkt, dass ein Unbekannter in seine selbst erwählte Einsamkeit einzudringen versucht und ihm das Letzte zu nehmen droht, was ihm geblieben ist, sein Hund, seine Hütte und sein Leben, beginnt er zu kämpfen, mit allen Kräften, die ihm geblieben sind.

Krieg ist das Thema dieses Romans: Krieg in Afghanistan. Krieg gegen sich selbst? Krieg gegen eine andere Person. Dafür hat Jochen Rausch zwei Erzählebenen geschaffen: Im Mittelpunkt eines Erzählstranges steht Chris, der junge Mann, der sich als Soldat verpflichtet und nach Afghanistan geht. Rund um Arnold den Vater von Chris, baut der Autor die zweite Erzählebene oder besser gesagt, den zweiten Kriegsschauplatz auf.

Die vielfältigen Möglichkeiten der Interpretation machen dieses Buch zu etwas Besonderem. Jeder Leser wird viele und andere Auslegungen finden, warum, wieso und weshalb Arnold Steins so reagiert, wie er reagiert. Es gibt Einblick in die Schicksale Betroffener und ihr unterschiedliches Umgehen mit der Situation.

Das Buch beginnt mit zwei unabhängigen Handlungssträngen, mit denen der Autor im weiteren Verlauf arbeitet und „spielt“. Langsam breitet sich die Handlung immer mehr aus, ohne dass der Autor zu viel Preis gibt. Durch diese durchdachte Handlung und durch den Schreibstil hat der Autor einen unglaublichen und ungewöhnlichen Roman erschaffen.

Der Sprachstil dieses Buches ist knapp und präzise, stakkatoartig und gehetzt. Und doch ist er poetisch. Hier sitzt jeder Satz. Es braucht keine Schnörkel und Umschreibungen, um die Situationen zu beschreiben, denn auch der Krieg ist schnörkellos und brutal und erstickt jegliches Gefühl, um zu überleben. Gleichzeitig schreibt Jochen Rausch unglaublich intensiv, spannend und düster, nicht immer einfach, aber dennoch sehr angenehm und gut zu lesen. Immer mehr gibt er von seinem Helden preis und dennoch bleibt vieles ungewiss.

Ein bedeutender und wichtiger Roman, weil er auf einzigartige Weise Einblick in das Seelenleben des Soldaten und der daheimgebliebenen Eltern gibt.

Kein einfaches Buch, aber ein Buch mit Tiefgang, das zum Denken anregt und nicht einfach mal zwischendurch gelesen werden sollte.

 

Und hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin-Verlages:

http://www.berlinverlag.de/buecher/krieg-isbn-978-3-8333-0988-5

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thriller, misshandlung, mörder, mord, familie

Kuckucksmörder

Raimon Weber
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.11.2014
ISBN 9783548285344
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die zerbrechliche und kranke Polizistin Eva Flessner findet ihre beste Freundin Petra und deren gesamte Familie ermordet in ihrem Haus auf. Sie macht sich auf die Suche nach dem Mörder und dessen Motiv. Sie will nicht nur, nein, sie muss einfach ermitteln denn „Es war als wäre ein Teil ihres Lebens in ein bodenloses Loch gestürzt.“ (Seite 35) Dabei merkt sie, dass die angeblich so heile Familienwelt ihrer Freundin gar nicht stimmte

Währenddessen hat der Mörder sich eine weitere Familie ausgesucht: Er entführt den Vater und bietet sich der restlichen Familie als besserer Vater und Ehemann an. Leider wollen die Ehefrau und die beiden Töchter das nicht so schnell verstehen, wie er sich das vorstellt. Und leider kommt ihm Eva Flessner in die Quere

Kuckucksmörder sticht eindeutig aus der Masse hervor. Hier geht es weniger um die klassische Auflösung eines Kriminalfalles, sondern um das Seelenleben der Figuren. Und anders als im Tierreich, wo der Kuckuck die Brut anderer aus dem Nest wirft, setzt sich hier der Täter in das Nest einer vermeintlich heilen Familie. „Von nun an war Falk Jäger und Wohltäter in einem. (Seite 80) – ein ganz perfide Mission.

Das ist kein Mordfall, bei dem alles im Dunkeln bleibt und wir großartig mitfiebern müssen, wer denn nun eigentlich der Täter ist. Hier bekommen wir den Fall hautnah dreifach mit. Einmal  aus der Sicht des Täters. Wir erfahren warum er das tut, was er dabei empfindet und warum er letztendlich so geworden ist. „In jedem Menschen stecken schlechte Gefühle wie Neid und Wut. Du musst sie nur unter Verschluss halten. In einer Kammer. Tief in deinem Inneren.“ (Seite 157) … „aber manchmal muss die Kammer geöffnet werden, um gegen Schlimmeres vorzugehen. (Seite 159). Dann immer wieder aus der Sicht des Opfers. „Gefangen in der eigenen Hilflosigkeit.“ (Seite 91) Und als dritter Erzähler kommt immer wieder Eva Flessner ins Spiel. Diese Wechsel bringen Abwechslung in den Verlauf und geben Einblicke, die auf künftige Verhaltensweisen schließen lassen, ohne allzu vorhersehbar zu sein.

Der Autor greift ein sehr sensibles Thema auf: häusliche Gewalt. Und er lässt uns einen Täter erleben, der genauso auch direkt in unserer Nachbarschaft leben könnte: zurückhaltend und sympathisch.

Raimon Weber schafft mit klaren Worten und ohne großes Spektakel eine enorme Spannung. Alle Personen entstehen sehr bildhaft vor dem Leser: Sehr belebend auch die immer wieder auftauchenden Skurrilität. Ein ganz individueller Stil, der sehr authentisch erscheint. Der Schreibstil ist sehr flüssig und der Plot interessant angelegt. Sehr überzeugend auch das überraschende Ende.

Ein sehr intensiver Krimi, der anders ist als andere und der den Leser atemlos aber auch sehr nachdenklich zurücklässt.

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