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wirtschat, korruption, zerfall, neoliberalismus, trump

Requiem für den amerikanischen Traum

Noam Chomsky , Gabriele Gockel , Thomas Wollermann
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 30.08.2017
ISBN 9783956142017
Genre: Sachbücher

Rezension:

Requiem für den amerikanischen Traum - Noam Chomsky (Autor), Gabriele Gockel (Übersetzerin), Thomas Wollermann (Übersetzer), 192 Seiten, Verlag: Kunstmann, A; Auflage: 1 (30. August 2017), 20 €, ISBN-13: 978-3956142017

 

Noam Chomsky ist Linguistik-Professor der M.I.T. und seit sechs Jahrzehnten ein führender linker politischer Analytiker, Kritiker und Schriftsteller.

Einkommens- und Vermögensunterschiede in den USA (aber ähnlich auch in Deutschland) sind kein neues Thema. Dennoch scheint das Buch des berühmten Aktivisten frischer als jeder andere Titel zu diesem Thema. Das Buch basiert auf dem gleichnamigen Dokumentarfilm und ist eine Zusammenstellung von Interviews, die die Regisseure des Films mit Chomsky von 2011 bis 2016 durchgeführt haben. Chomsky beobachtet die heutigen Vereinigten Staaten mit einer so zugespitzten Klarheit, dass die Leser meinen könnten, dass sie vertrautes Terrain zum ersten Mal beträten.

Chomsky bietet 10 grundsätzlich Formeln an, nach denen die plutokratischen Interessen funktionieren. Es sind die Grundprinzipien des Neoliberalismus, dieser absurden Idee, dass die Märkte alle Aspekte der menschlichen Gesellschaft diktieren sollten. Er zerlegt die katastrophalen Konsequenzen dieser Ideologie für unsere Gesellschaft, Kultur und Politik. Er erklärt, wie die Konzerne die Öffentlichkeit, die Wissenschaft und die Massenmedien indoktrinierten, um sie für ein Projekt zu gewinnen, das das Leben von Arbeitern und Frauen verwüstet und das Gemeinwohl auslöscht. Jedes Versprechen der Befürworter des Neoliberalismus ist eine Lüge. Es ist ein Werkzeug, um den größten Transfer von Reichtum nach oben in der amerikanischen Geschichte durchzuführen, während es Lohn- und Nutzenreduktionen schafft und Arbeiter verarmen lässt. Es zerstört demokratische Institutionen. Es nutzt Handelsabkommen, um Steuerhinterziehungen zu ermöglichen. Es fördert, ja, es schafft geradezu pro-faschistische Bewegungen im In- und Ausland. Seine Macht, seine eigenen Gesetze und Vorschriften haben schließlich ein Mafia-Wirtschaftssystem und ein Mafia-politisches System geschaffen, das im Aufstieg zur Macht des Demagogen Donald Trump deutlich wird.

Noma Chomsky wirft ein klares, kaltes, geduldiges Auge auf die ökonomischen Tatsachen des Lebens und legt eine scharfsinnige und entlarvende Untersuchung der Kräfte vor, die die Ungleichheit in Amerika vorantreiben. Und nicht nur die in Amerika

Seine kühne und kompromisslose Vision, seine Perspektive auf die ökonomische Realität und ihre Auswirkungen auf unser politisches und moralisches Wohlergehen sind unbedingt lesenswert.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-1-1/requiem_fuer_den_amerikanischen_traum-1286/

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Rom.

Margit Knapp , Luigi Malerba , Luigi Malerba
Fester Einband: 138 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 22.02.2011
ISBN 9783803111562
Genre: Sonstiges

Rezension:

Rom. Eine literarische Einladung - Margit Knapp (Herausgeber), Luigi Malerba (Vorwort), 144 Seiten,  Wagenbach, K (1. Januar 1996), 17 €, ISBN-13: 978-3803111562

Rom, einst die Hauptstadt der Welt, ist heute so faszinierend wie seit Jahrtausenden. Die Stadt einmal besuchen und ganz viel Zeit für die Menschen und die schier unendlich vielen Bauwerke und Sehenswürdigkeiten zu haben, römische Luft zu atmen und zugleich ein wenig den Alltag mit den Römern zu teilen,  wer hat nicht schon solche Träume gehabt? Rom in all seinen Widersprüchen zu erleben?

Nach Rom ist gar nicht so weit. Nur ein schmales dünnes Bändchen von etwa 140 Seiten und Sie erleben Rom auf eine ganz andere, intensivere und treffendere Art als bei jeder Touristenfahrt.

Maria Knapp hat es möglich gemacht. Sechsundzwanzig Texte, Romanauszüge und Kunstbetrachtungen, Geschichten und Gedichte hat sie zu einem Streifzug durch römische Zustände und zugleich durch die italienische Gegenwartsliteratur zusammengetragen. Ganz unterschiedliche Schriftsteller kommen zu Wort, wie Alberto Arbasino, Ignazio Buttitta, Italo Calvino, Luca Canali, Guido Ceronetti, Umberto Eco, Ennio Flaiano, Carlo Emilio Gadda, Natalia Ginzburg, Marco Lodoli, Curzio Malaparte, Luigi Malerba, Giorgio Manganelli, Dacia Maraini, Elsa Morante, Alberto Moravia, Giampaolo Morelli, Aldo Palazzeschi, Pier Paolo Pasolini, Anna Maria Ortese, Gianni Rodari, Mario Soldati, Sebastiano Vassalli, Sandro Veronesi, Rodolfo Wilcock oder Valentino Zeichen.

Sie geben alle ihr Bekenntnis zu Rom, ihre Erkenntnisse von Rom wieder:

„Es ist die Unentschlossenheit der Stadt Rom, die nie genau weiß, ob sie Süden oder Norden ist, ob sie Tirol oder Afrika ähneln soll.“ (Seite 102) Das meint Natalia Ginzburg in ihrem kleinen Bericht über die Straßen, in denen sie gelebt hatte.

 „Alle Übel in Italien kommen von Rom, und das begann schon vor 2500 Jahren. Von Rom, dieser ungeheuerlichen Macht und Gewaltmacht, von diesem in der Weltgeschichte vielleicht einzigartigen Beispiel für Zentralgewalt: eine Stadt, nach deren ein Weltreich, eine Sprache, eine Kultur und schließlich eine Religion benannt wurden!“ (Seite 137) So schreibt Mario Soldati in seinem Beitrag zu diesem Büchlein.

Es entsteht ein Bild von Widersprüchlichkeiten, das Pier Paolo Pasolini wohl am treffendsten beschreibt: „Ganz sicher ist Rom die schönste Stadt Italiens, wenn nicht gar der ganzen Welt. Aber sicher auch die hässlichste, die gastfreundlichste, die dramatischste, die reichste, die elendste." (Seite 106)

Mancher mag ein gewisses Jammern in vielen der Beiträge zu lesen. Meiner Meinung nach sind es aber in erster Linie lustige und traurige, geschmeidige, elegante und nuancierte Geschichten, mit präzisen Blick und viel Freude am Detail über die alte Hauptstadt der Welt und die neue Hauptstadt Italiens, die uns Rom sehr viel näherbringen, als die Lektüre eines Reiseführers.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

http://www.wagenbach.de/buecher/titel/429-rom.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Reisen und andere Reisen

Antonio Tabucchi , Karin Fleischanderl
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 14.03.2016
ISBN 9783446250987
Genre: Romane

Rezension:

Reisen und andere Reisen - Antonio Tabucchi (Autor), Karin Fleischanderl (Übersetzerin), 256 Seiten, Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (14. März 2016), 19,90€,


Antonio Tabucchi ist in seinem Leben als Mensch und als Schriftsteller viel gereist. Und von seinen Reisen schrieb er in Zeitschriften und Zeitungen.

In seinem jüngsten Buch setzt er neue Akzente. Er beschäftigt sich mit seinen Lieblingsorten in Lissabon, Indien, Brasilien, Mexiko, Griechenland, Japan und viele Städte wie Madrid, Lissabon, Genua, Barcelona, Bombay, Solothurn, ​​Kairo, Kyoto, New York, Washington und viele andere. Über 40 Städte in 4 Kontinenten bringt uns der Autor nahe, mit dem neugierigen Blick eines Reisenden, mit der Nostalgie und Freude eines Flaneurs, in den Worten eines großen Erzählers.

Antonio Tabucchi zeigt uns die Welt aus einer anderen Perspektive, zeigt uns die Geheimnisse und Schönheiten der Orte und die ungeheure Vielfalt. Vor allem sucht er nach intimen Details, die das tiefe Wesen der Orte zum Ausdruck bringen, Ecken von Orten, die keinen Raum in den Reiseführern haben.

Antonio Tabucchi ist nicht nur Reisender und Schriftsteller, sondern auch ein kultivierter Mann der Literatur und Geschichte, der in der Lage ist seine Leser zu verzaubern. Und in diesem Buch öffnet er ein Fenster, und gibt den Blick frei auf einem Teil seines Lebens: von der Kindheit (hier begann er seinen Reise, mit Hilfe einer guten Portion Fantasie und Kreativität, vor allem aber durch das Buch Schatzinsel, und den Weltatlas von De Agostini). Hier wächst eine Vorstellung davon, was die Welt um ihn herum sein könnte. Doch bald entdeckte er, dass der Atlas eine sehr enge Sicht der Welt wiedergibt. In Wirklichkeit war und ist die Welt für ihn viel komplexer und in ihrer Komplexität faszinierend.

In allen diesen Berichten lehrt uns Antonio Tabucchi, dass die Reise nie nur die einfache Entdeckung eines Ortes ist. Die Reise ist die Fähigkeit, während des Aufenthalts die Welt um uns herum zu beobachten und Menschen mit den Orten zu verbinden. Eine Reise besteht aus Menschen, Namen, Häuser, aber auch aus Büchern und Geschichten.

Es sind Essays, Gedanken, Reflexionen und Geschichten, aber auch regionale Empfehlungen, die Tabucchi hier vorstellt. Es ist für mich aber vor allem die Vielfalt, die überzeugt. „Es stimmt nicht, dass die Welt klein ist. Es stimmt auch nicht, dass sie ein »globales« Dorf ist, wie die Massenmedien behaupten. Die Welt ist groß und vielfältig. Deshalb ist sie schön. Weil sie groß und vielfältig ist und weil man sie nicht in Gänze kennenlernen kann.“ (Seite 12)

Antonio Tabucchi gibt uns durch dieses Buch Lektionen fürs Leben. Vielleicht finden auch Sie auf diese Weise die Antwort auf viele Ihrer Fragen, ob persönliche, ob soziale, politische oder wirtschaftliche.

Vergnüglich zu lesen, ein Buch zum Schmöckern, zum Nachdenken und Nachempfinden.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Carl Hanser Verlages

http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/reisen-und-andere-reisen/978-3-446-25098-7/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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kalter krieg, ökonomische machtspiele, rosenkind, intrige, machenschaften

Rosenkind

Ingrid Hedström ,
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 05.10.2015
ISBN 9783827012913
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Rosenkind - Ingrid Hedström (Autor), Nina Hoyer (Übersetzerin), 464 Seiten, Verlag: Bloomsbury Berlin (5. Oktober 2015), 14,99 €, ISBN-13: 978-3827012913

An einem Novembersonntag im Jahre 1978 ist der 13-jährige Mikael Granberg aus seinem Haus in Dalarna weggegangen, um Holz zu holen. Er wird nie wieder kommen und die Polizei findet keine Spur.

Dreißig Jahre später, flieht die Diplomatin Astrid Sammils in ihre angestammte Heimat in Dalarna, um sich von Konflikten und Scheidung zu erholen. Sie lässt sich im Haus ihres verstorbenen Onkels nieder und fängt an, den Dingen nach zu gehen. Sie findet Spuren, die mit dem vermissten Jungen zu tun haben. Sie trifft auch auf ein Gewirr von Lügen, von geheimnisvollem Verschwinden und auf gewaltsamen Tod. Sie merkt, dass ihre Suche nach der Wahrheit mächtige Kräfte berührt, und dass ihr Leben in Gefahr ist.

Rosenkind ist das erste Buch in einer neuen Reihe um die Diplomatin Astrid Sammils. Es dreht sich um dunkle aber echte politische Ereignisse und die Autorin vermittelt ein erschreckendes und aufschlussreiches Bild von der modernen europäischen Geschichte und dem Lebensgefühl der Zeit.

Ingrid Hedström lässt ihren journalistischen Stil in dieses Buch fließen. Sie greift Themen auf, die wir aus den Nachrichten kennen. Sie entwickelt Charaktere, die sowohl seltsam, interessant, aber vor allem sehr lebendig sind. Ihrer Umgebung beschreibt sie, so dass wir fast die Slums die Wälder, den Tau und die frischen Düfte riechen. Die Geschichte spielt ja auch in der Gegend, in der die Autorin aufgewachsen ist. Daher auch das detaillierte Wissen – ein wahrer Schatz

Die Autorin hat mit viel Klarheit, Diskretion und Liebe ein Zeitbild geschaffen ein Zeitbild geschaffen, das emotionslos geschrieben ist, aber uns trotzdem tief berührt.

Und sie schafft es, den Leser zu fesseln und zu halten. Sie ist eine Meisterin der Spannung. Ich kenne kaum einen anderen schwedischen Autor von Kriminalromanen, der das so perfekt beherrscht.

Es ist der vielversprechende Anfang einer neue Serie, in der dunkle Ereignisse mit zeitgenössischer Geschichte zu einem spannenden Thriller verwoben werden. Spannend und nachdenklich – sehr empfehlenswert.


Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages

http://www.berlinverlag.de/buecher/rosenkind-isbn-978-3-8270-1291-3

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Richard Wagner

Martin Geck
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Pantheon, 15.06.2015
ISBN 9783570552391
Genre: Biografien

Rezension:

Richard Wagner – Martin Geck - 416 Seiten, Pantheon Verlag (15. Juni 2015), 24,99 €, ISBN-13: 978-3570552391

Jeder aus Kultur, Philosophie und Kunst hat sich wohl schon zu Wagner geäussert, von Nietzsche bis Mann. Martin Geck hat es vielleicht am geschicktesten getan. Er konzentriert sich auf die Musik Wagners. Erwarten Sie also keine klassische Biographie. Martin Geck geht chronologisch vor.

Er beginnt mit dem "Leubald"-Drama des Jünglings Wagner, dann die Frühwerke, die realisierten und nicht realisierten Opern und Musikdramen bis hin zum "Parsifal". Kapitel für Kapitel wird vor dem biografischen Hintergrund erklärt, gedeutet und interpretiert. Dabei geht es weniger um historische Genauigkeit, sondern vor allem darum, sich selber und den Lesern klar zu machen, warum es lohnt, sich heute mit diesem widersprüchlichen, abstoßenden und anziehenden Künstler und seinem Werk auseinander zu setzen.

Thema ist also eine Würdigung von Wagners Werk. In 14 Kapiteln arbeitet sich Martin Geck durch die Werke von den ersten Anfängen bis Einfluss der wagnerschen Musik auf die Moderne

Es gehe nicht darum, durch fortdauernde Sichtung des Materials »zu immer ›sachgerechteren‹ Urteilen« zu gelangen, sondern die Subjektivität und Vorläufigkeit derselben zu begreifen: »Ich will nicht Wagner auf die Schliche kommen, sondern mir selbst und meiner Zeit. (Seite 14 )

Martin Geck schreibt mit leichter Hand, setzt viele Details aus Wagners Leben und geschichtlichen Umständen, Zitate von Dichtern, Denkern und anderen Künstlern, sowie eigenen Gedanken, natürlich auch musikalische Betrachtungen zu einem faszinierenden Bild zusammen, das uns Wagner Stück für Stück näherbringt und uns Lust macht, seiner Musik neu und vorurteilsfrei zu begegnen.

Orchestermelodie und Leitmotivtechnik sind die entscheidenden Bestandteile von Wagners Kunst. Richard Wagner selbst spricht nicht von Leitmotiven in seinen Opern und Musikdramen, sondern von „Erinnerungsmotiven“. Sein Ring der Nibelungen ist geradezu von einem Geflecht von Leitmotiven durchzogen. Sie leiten sich häufig voneinander ab, unterscheiden sich durch geringfügige Änderungen in Notenwert oder Rhythmus sowie in der Instrumentation zwar deutlich, aber bleiben dennoch motivisch verwandt. Es behält fast immer eine prägnante, fest umrissene Gestalt. So kann der Zuhörer vor allem innerhalb eines längeren Werkzusammenhangs sie wiedererkennen. Als Leitmotiv eignen sich daher nicht nur charakteristische Melodien oder Melodie-Teile sondern auch ungewöhnliche Akkorde wie der Samielakkord in Der Freischütz (1821) und, am bekanntesten, der Tristanakkord.

Riesig ist dann der Schritt zum "Ring", wo das Orchester in allen wichtigen Handlungsmomenten die Führung übernimmt und mit den Leitmotiven ein System entwirft, das in seiner Komplexität und Aussagefähigkeit an eine Sprache heranreicht. Es hat etwas überaus Bestrickendes und auch etwas Verstrickendes. Wenn es eine Wagner-Sucht gibt - und es gibt sie ja -, dann ist sie sicher zum großen Teil auf die Verführungskraft dieser Leitmotivsprache zurückzuführen, in der sich der Hörer bald bewegt wie in einer Parallelwelt.

Der "Tristan" stellt hier einen Höhepunkt dar. Die Motive befinden sich in ständiger Verwandlung, modifizieren ihre Intervalle, changieren im Tongeschlecht, modulieren, verschmelzen. Dem entspricht eine Seelenlandschaft, in der Liebe und Tod, Liebesverlangen und Liebesverbot, unwiderstehlicher Drang von innen und unüberschreitbare gesellschaftliche Regeln in einer Weise ineinandergreifen, wie es Worte nicht mehr ausdrücken - wohl aber die Musik, diese Musik. Eine Musik, deren Sprache Wagner erst erfinden musste.

Noch spannender ist Gecks Nachweis der inneren Verwandtschaft entscheidender Leitmotive, so unterschiedlich sie beim bloßen Hören erscheinen. Auch das hat er natürlich nicht als Erster bemerkt. Er beschreibt und belegt es aber meines Erachtens besonders überzeugend und nachvollziehbar. So haben das Walhalla-Motiv, jene prächtige, pompöse, selbstgewisse Burgbesitzer-Dreiklang-Folge und das Ring-Motiv, unheimlich, verdreht, fahl und fatal, dieselbe Struktur; sie bauen auf Terzenfolgen auf. Hat man das begriffen, kommt man nicht umhin, das eine als Verfremdung des anderen zu hören - und umgekehrt.

So zeichnet sich dieses Buch durch eine sehr persönliche Note aus. Bei aller Gelehrsamkeit, bei aller wissenschaftlichen Akribie erfreut und erfrischt das Eingeständnis der Subjektivität und der Vorläufigkeit. Unter diesem Gesichtspunkten begibt sich der Autor auf den Weg durch das Werk des umstrittensten zugleich aber auch bedeutendsten Komponisten der letzten Jahrhunderte. Gesehen, gelesen, gehört vor dem Hintergrund seiner Zeit und im Spiegel der unseren. Das macht dieses Buch so lebendig und lesbar – gleichgültig wie der Leser zu Richard Wagner steht.

Das ist kein Buch für Anfänger, sondern für Fortgeschrittene. Noten lesen können wäre nicht schlecht, um die entscheidenden Belege von Gecks Beweisführung nachvollziehen zu können. Der Leser sollte auch Leben und Werk von Wagner gut genug kennen, um an dieser anspruchsvolle Lektüre auch Vergnügen zu haben.

Für Musiker und die, die sich ernsthaft mit Musik beschäftigen ist es eine Offenbarung

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Pantheon Verlages

http://www.randomhouse.de/Paperback/Richard-Wagner-Biographie/Martin-Geck/e441259.rhd?mid=4

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de


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frauen, biografie, rilke

Rilke und die Frauen

Heimo Schwilk
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Piper, 09.03.2015
ISBN 9783492056373
Genre: Biografien

Rezension:

Rilke und die Frauen: Biografie eines Liebenden – Heimo Schwilk - 336 Seiten, Verlag: Piper (9. März 2015), 22,99 €, ISBN-13: 978-3492056373

Rilkes Lebensweg war geprägt von Frauen. Lou Andreas-Salomé, Eleonora Duse, Claire Goll, Paula Modersohn-Becker, Loulou Albert-Lasard, Regina Ullmann, Elya Maria Nevar, Marie von Thurn und Taxis, Clara Westhoff, Marina Zwetajewa, Herta König, Ellen Kay, Elisabeth Kolossowska und andere. Neben Geld waren Frauen Rilkes Dauerproblem. Und erst durch sein Verhältnis zu Frauen wird dieser Dichter ganz sichtbar.

Seine Hauptbeziehungen waren:

1897-1900 Lou Andreas-Salomé (1861-1937; verh.; Schriftstellerin); 1914 Magda von Hattingberg (Benvenuta; 1883-1959; Pianistin); 1914-1916 Lulu Albert-Lasard (1885-1969; verh.; Malerin); 1921-1926 Baladine Klossowska (Merline; 1886-1969; gesch.; Malerin; Mutter des Malers Balthus) und 1893-1895 die Adelige Valerie von David-Rhonfeld genannt Vally; *1874; Offiziertstochter.

Als Erste wird seine Mutter Sophia beschrieben, die einen lebenslangen Druck auf ihren Spross ausübte und sein Leben sichtlich dominierte. Überaus wichtig wurde Lou Andreas-Salomé, zunächst als Geliebte, dann als lebenslange Freundin, ja als eine Art Ersatzmutter. Es folgten viele Damen, die dem Charme des begnadeten Poeten erlagen, aber auch dem Reiz seiner Selbstzweifel und Depressionen.

Rilke, so scheint mir, hat Frauen immer schnell zu einem Teil seiner Gedichtwelt werden lassen, während die realen Frauen, die eine Verbindung mit ihm einforderten, mehr und mehr als störende Alltagswelt erscheinen. Was ist das Grundmuster von Rilkes Verhältnis zu Frauen? Rilke vermag Frauen wenig mehr zu bieten als seine höchst anspruchsvolle Hilflosigkeit. Dennoch gilt er gemeinhin als Frauenverführer großen Stils. Nicht sie leben von ihm, sondern er von ihnen. Das Prinzip zieht sich durch. Beinahe ist er ein Gigolo. Er perfektioniert die Kunst, Geld zu nehmen und schöne Worte zu geben. Viele seiner Lieben wurden selbst zu Kunstwerken vom Augenblick des Verliebens bis zum Augenblick der Trennung.

"Rilkes Liebesgedichte mag man großartig finden. Sein Lieben ist es nicht. Und dauerhafte und verbindliche Freundschaften geht Rilke nur zu mütterlichen Frauen ein, von denen er sich eine Förderung seines Werkes verspricht." (Seite 194) Und Rilke sagt über sich selber: „Ich bin gar kein Liebender“ (Seite 179)

Rilke sucht den Schutz, die Nähe starker, sozial überlegener Frauen, Gönnerinnen, denen er nicht übermäßig nahe kommen muss, kommen darf. Projektion ist ein großes Thema und auch Abwehr. Rilke schien eher in die Liebe selbst verliebt zu sein, als in die Frauen. „Jede Frau ist alle Frauen.“ (Seite77)

Heimo Schwilk schreibt mit großer Sachkenntnis, sorgfältig recherchiert und sehr unterhaltsam. Nicht nur für Freunde der Lyrik oder Rilkeanhänger.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages:

http://www.piper.de/buecher/rilke-und-die-frauen-isbn-978-3-492-05637-3

 

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Raus!

Rüdiger Striemer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 30.03.2015
ISBN 9783827012548
Genre: Sachbücher

Rezension:

Raus – Rüdiger Striemer, Mein Weg von der Chefetage in die Psychiatrie und zurück., 256 Seiten, Berlin Verlag (30.03.2015, 19,99 €, ISBN: 978-3-8270-1254-8

 Dr. Rüdiger Striemer (Jahrgang 1968) studierte Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Marketing, Finanzwirtschaft und Wirtschaftsinformatik. Nach seinem Studium trat er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ein und leitete dort verantwortlich eine Arbeitsgruppe von Unternehmensberatern und Wissenschaftlern. Er promovierte 1998 am Fachbereich Informatik der Technischen Universität Berlin und startete 1999 bei der adesso AG. Hier war er zunächst als Business Development Manager tätig und entwickelte das Unternehmen zum e-Business-Komplettdienstleister. Mit dem Wechsel in den Vorstand der adesso AG im Jahr 2001 übernahm er die Verantwortung für die Unternehmenskommunikation der adesso AG. Seit 2002 verantwortet Dr. Rüdiger Striemer außerdem den Bereich Softwareentwicklung. Er betreut darüber hinaus die Landesgesellschaften in der Schweiz, in Österreich und der Türkei sowie weitere Beteiligungsunternehmen. Seit 2011 ist Dr. Rüdiger Striemer Co-Vorstandsvorsitzender der adesso AG.

Dann wird dieser erfolgsverwöhnter Manager auf dramatische Weise zu der Erkenntnis gezwungen, dass er „raus“ muss. Raus aus dem Job, raus aus seinem Umfeld, am Ende sogar raus aus seiner Wohnung, denn es geht nicht mehr – er kann nicht mehr. Erst diese Kopfschmerzen. Dann der Schwindel, plötzlich und immer wiederkehrend. Und dann kommt die Angst. Unbestimmte Angst, die immer stärker wird, seine komplette Wahrnehmung bestimmt, schließlich zur Hölle wird, bis nur noch Angst in ihm ist – und Panik. Bis er nicht mehr auf die Straße gehen kann. Rüdiger Striemer erzählt die Geschichte eines Menschen in der Mitte des Lebens, der sich selbst in eine psychiatrische Klinik einweist. Weil er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

Es ist seine Geschichte. Es ist aber auch die Geschichte einer Mittvierziger-Generation, für die Erfolgsdruck zu den Basiserfahrungen des Lebens gehört – egal in welcher gesellschaftlichen Position. Und es ist ein Buch darüber, dass die erste echte Nachkriegsgeneration noch mehr mit den Hinterlassenschaften des Krieges zu tun hat, als ihr bewusst ist.

Ob Rüdiger Striemer die richtigen Lehren aus dem eigenen Buch ziehen wird? Wer weiß? „Wir sind manchmal etwas ungeduldig.“ Sagt er selbst. Aber vielleicht können Sie als Leser die richtigen Konsequenzen aus diesem höchst interessanten Buch ziehen.

Ein wichtiges Buch für alle, die in unserer schnellen, anstrengenden und unberechenbaren Zeit überleben wollen.

 Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Berlin Verlages:

http://www.berlinverlag.de/buecher/raus-isbn-978-3-8270-1254-8

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Redenta Tiria

Salvatore Niffoi , Sigrid Vagt
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 27.01.2015
ISBN 9783803127358
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte wird erzählt vom Rentner Battista Graminzone, der ehemalige Standesbeamte der Gemeinde Abacrasta

Obwohl der Roman in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts spielt, handelt er von einem archaischen Sardinien, vom Barbarenland, wie es die Römer nannten, primitiv, karg und wild, mythische und geheimnisvoll, faszinierend und schrecklich zugleich . Ein raues Land, hart, dornig, ein Land der Müdigkeit, der Schmerzen und der Leidenschaft.

Und das Dorf Abacrasta, ein Land der Fische, der Armut und der Gewalt hat noch eine Besonderheit. Hier stirbt niemand einfach so. Eine Art Fluch, der aus einer inneren Stimme spricht, zwingt die Menschen dazu, sich ihr Leben zu nehmen. Einer Stimme, der sich niemand widersetzen kann.

Dieser Roman ist ein wahrer Strudel von Geschichten. Kurz, aber intensiv, sehr intensiv: auf hundertsechzig Seiten, beginnend mit dem Großvater des Protagonisten Mannoi Graminzone treffen wir viele Menschen, Gesichter, Männer und Frauen aus der Tiefe des sardischen Landes. Salvatore Niffoi führt uns durch 19 Abenteuer. 12 davon spielen in der Zeit, als der Fluch herrschte und 7, nachdem die blinde Redenta Tiria den Fluch gebannt hatte. Und jedes dieser Abenteuer ist einzigartig. Die jeweiligen Protagonisten sind durch den roten Faden der „Stimme“ mörderisch miteinander verbunden. Die Figuren sind faszinierend und manchmal sehr komisch. Niffoi entwickelt eine enorme Phantasie des Erzählens, wie eine in Prosa gegossene mündliche Erzählung. Glatte, genaue Sätze, kostbare Metapher machen den Reiz dieses Buches aus. Nie wird es langweilig, ist aber auch nicht schwer zu lesen. Die Geschichten zwischen Realität und Legende sind sehr unterhaltsam.

Es ist ein Roman in kräftigen, impressionistischen Farben, mit präzisen und prägnanten Strichen, die beim Leser Gefühle hervorbringen, die Legende und Traum fast sanft und ätherisch lebendig werden lassen. Die Bilder sind wie unauslöschliche Fotografien, die die Härte des täglichen Lebens und die leise Hoffnung, des Traumes zu verewigen; ein wunderlicher Tanz eine Verfolgungsjagd zwischen Leben und Tod.

Der Autor zeigt eine hohe Empfindlichkeit und die Fähigkeit, die menschliche Seele lebendig und originellen darzustellen. Ein Roman wie der bittere Saft von Schierling, ein Roman, der alle Facetten der menschlichen Seele offenbart, Diese Welt, in die uns Salvatore Niffoi führt, ist nicht nur dunkel: Tief unten gibt es ein kleines Licht, das Hoffnung verspricht: Redenta Tiria.

Wer Geschichten liebt, die zwischen Realität und Legende liegen, der wird hier köstlich unterhalten.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Verlages Klaus Wagenbach

http://www.wagenbach.de/buecher/soeben-erschienen/titel/991--redenta-tiria.html

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