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64 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

liebe, meer, north carolina, familie, sklaverei

Eine Geschichte von Land und Meer

Katy Simpson Smith , Christel Dormagen
Flexibler Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 18.08.2014
ISBN 9783458176145
Genre: Historische Romane

Rezension:

Katy Simpson Smith erzählt uns die Geschichte von Tabitha: „Wenn die Frauen das Verderben des Seemannes sind, dann sind die Mädchen ein Kostbarer Schatz.“ (Seite 56), ihrer Mutter Helen: „Sie hat keine Pläne; sie weiß nur, dass Heim, Ernte und Gott als Plan nicht reichen.“ (Seite 119) und der Sklavin Moll: „Leere, das ist alles, was sie je gesehen hat.“ (Seite 258). Und es ist die Geschichte des heimatlosen Soldaten John: „John glaubte an das Fleisch. Seine Liebe reicht nicht über das Leben hier auf Erden hinaus.“ (Seite 55) und des Plantagenbesitzers Asa, den uralte Schuldgefühle zu einem verbitterten alten Mann gemacht haben. „Er gehörte zu den Menschen, die in die Kirche gehen, um sich zu bestrafen.“ (Seite 20).

 In diesen dicht verwobenen Geschichten geht es um die Liebe zwischen jungen Menschen und die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter. „Wer liebt, sagt damit, dass die Welt in Ordnung war, und das konnte sie nicht sein.“ (Seite 223) Aber auch die unwiderstehliche Kraft der Liebe. „John fühlte sich angezogen von Helen. Vielleicht „von der Furcht hinter ihrer Furchtlosigkeit.“ (Seite 127) Und auch Helen weiß nicht, was sie zu diesem Menschen hinzieht. „“Nichts an ihm ist ihr vertraut.“ (Seite 128) aber „als er lacht, möchte sie in ihn hineinschwimmen.“ (Seite 130)

Es ist eine starke Geschichte. Eine Frau gegen alle Regeln und Unterdrückungen und eine Rebellion gegen die Sklaverei. Dieser Roman taucht in das Leben von Menschen ein und verlässt sie wieder, ohne am Ende alle Fragen zu beantworten. Das Dramatische zieht sich durch die gesamte Handlung und selbst das Ende bringt nur einen Hauch von Erlösung.

Katy Simpson Smith erzählt diese lebenssprühende Geschichte rau, lebensecht und in bild- und wortstarken Bildern. Sie atmen förmlich. In manche Szenen zeichnet sie wie mit der Feder, manche leicht und flüchtig wie ein Aquarell und andere fühlen sich an wie ein Öl-Gemälde aus alter Zeit.

Auf den ersten Seiten benötigt der Leser eine gewisse Zeit, um in das Geschehen hinein zu finden. Doch dann entfaltet die Geschichte einen Sog von unerwarteten Empfindungen. Mich erinnern Schreibstil, Erzählweise und die distanzierte Geschichte der Helden ein wenig an Stil und Art von Hemingway.

Für alle die Historie, Liebesgeschichten und Geschichten von starke Frauen lieben.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Sag nie, woher du kommst

Amedeo Letizia , Paola Zanuttini , Lea Rachwitz
Buch: 208 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 09.04.2014
ISBN 9783888979378
Genre: Sachbücher

Rezension:

Amedeo Letizia - ehemaliger Schauspieler und jetzt Filmproduzent - geboren in Casal di Príncipe in Kampanien, das berüchtigt ist durch die Kriege der Camorra, beschließt seine Vergangenheit zu ergründen, zusammen mit der Journalistin Paola Zanuttini. Es ist die Geschichte einer italienischen Familie aus Casal di Príncipe, das Zentrum der Camorra, bekannt geworden durch den Film und das Buch von Roberto Saviano. (Also: Sag nie, woher du kommst!)

Es ist die Geschichte einer Familie (ein strenger Vater und eine sehr religiöse Mutter) und die Geschichte einer Jugend zwischen der Schule der Priester und Draufgängertum an der Grenzen der Legalität, eine völlig normalen Jugend voller Begeisterung und Frustrationen, aber pervertiert durch ihre Kontakte mit der Kriminalität; eine Geschichte von einem Bruder, der sich in Luft auflöst und einem anderen, der bei einem mysteriösen Autounfall ums Leben kam; eine Geschichte ohne Helden und Märtyrer. Sie gibt keine Antworten, aber sie kann die Vorurteile und Klischees beheben, weil sie sich auf die Menschen im Allgemeinen und ihre Protagonisten im Besonderen konzentriert.

Amadeo Letizia und Paola Zanuttini zeichnen ein komplexes und filigranes Netz von Gefühlen, Handlungen, Beziehungen, Verhaltensweisen und Ereignisse, die dem Leser ein differenziertes Bild dieser Lebensumstände ermöglichen, die wir so gerne verurteilen. Diese autobiographische Geschichte von Amadeo Letizia macht das Paradigma deutlich, mit dem viele Kinder im Land der Camorra aufwachsen: Manche Menschen haben eine Wahl, für die anderen ist die Auswahl eine Luxus, den sie sich nicht leisten können.

Sensibel erzählt wird eine tragische Realität ans Tageslicht gefördert: Was und wie war das Leben der Kinder in den Jahren 70/80/90? In welchem ​​Land war man in diesen Jahren? Land der Bauern? Land der Unternehmer? Land der Camorra? Eine Geschichte der Wut, der Freundschaft und des Schmerzens. Aber auch die Geschichte eines Erbes, das niemand ausschlagen kann:

„Es ist unser Erbe. Und wenn du es sinnvoll nutzt, ist es ein Plus. In der Welt. Es zeugt von der Mühsal und dem Selbstbewusstsein eines Menschen vom Lande. Von Entschlossenheit. Stolz. Zähigkeit. Eine Aversion gegenüber Chefs aller Art und Unterordnung überhaupt. Von Loyalität. Sein Haus mit eigenen Händen bauen. Familienverbundenheit. All das sind Werte, die zur Katastrophe werden können, wenn man sie missbraucht. Man kann aber auch ein Leben auf ihnen aufbauen, dessen man sich nicht zu schämen braucht.“ (Seite 188)

Das Buch stellt in sehr gelungener Weise jeweils die Texte von Amadeo Letizia und Paola Zanuttini einander gegenüber. Ein Buch von außergewöhnlicher Schönheit. Die Stärke der Geschichte ist die interne Sicht: Der Autor ging mit denen zur Schule, die dann Chefs der Camorra Casale geworden sind, wie z.B. Antonio Iovine, mit dem er ein freundschaftliches Verhältnis hatte. Es gibt keine moralisierenden oder didaktischen Absichten. Es ist geschrieben ohne jede soziale Rhetorik. Es wirkt wie ein Hauch frischer Luft.

Für mich als Pate von zwei kalabrischen Kindern und intimem Kenner von Süditalien ist es eines der besten Bücher über die Verhältnisse dort unten, die wir so gerne als „Machotum“ oder „Folklore aus einer anderen Zeit“ abtun. Wer wissen will, wie es wirklich ist, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Die Bibel für Ungläubige

Guus Kuijer , Angela Wicharz-Lindner , Anna Carstens
Buch: 300 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 08.10.2014
ISBN 9783888979729
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Bibel, das Buch der Bücher, ein fantastisches Werk mit unzähligen großen und kleinen Geschichten, mit einer unübersehbaren Zahl von Charaktere und … voller Widersprüche.

Guus Kuijers greift vor allem die Widersprüche auf und es entsteht ein literarisches Werk, das seinesgleichen sucht

Der Band, Genesis, beschreibt die Familiengeschichte einer Gruppe von Menschen und sie reicht von der Entstehung der Erde, des Universums in sechs Tagen, von Adam, Eva und der Schlange, der Sintflut und dem Turmbau zu Babel,  die Entwicklung des Menschen und der Menschheit bis zur Auswanderung nach Ägypten

All diese Geschichten erzählt Kuijer aus der Perspektive eines Sohnes oder einer Frau, eines Ausgestoßenen oder eines Bastards. So werden die bekannten Geschichten der Bibel neu und überraschend erzählt. Und wir sehen die Charaktere und Helden der Bibel von ganz unterschiedlichen Seiten: sie sind eben nicht die Helden der traditionellen Bibel, sondern Menschen mit guten und schlechten Seiten. Genesis ist eine Beschreibung der menschlichen Natur, in all ihrer Größe, aber auch in ihrer Kleinlichkeit.

Hier geht es nicht so sehr um "biblische Wahrheiten." Die Erzähler lassen ihre Gedanken schweifen und stellen so manche Dinge in Frage. Kuijer richtet seine Aufmerksamkeit auf die Psychologie der Figuren, diese Menschen aus Fleisch und Blut Dabei entwirft er ein Psychogramm der Menschen in seiner ganzen Bandbreite: „Menschen, die die Menschheit über das gewöhnliche, banale Leben erheben wollen, ohne den geringsten persönlichen Gewinn; Menschen, die meinen, man müsse Gott mit lautem Getöse zum Eingreifen ermahnen, wenn die Entwicklung der Menschheit ihrer Ansicht nach in die falsche Richtung ginge. Und natürlich die große Masse „für die nur das zählt, was innerhalb ihres Horizontes liegt – Geld, schöne Kleider, Vergnügungen, Weinseligkeit und Fleischeslust.“ (Seite 107-108)

Kuijer Themen sind aktueller denn je: Die Macht der Worte, die Wahrheit enthalten, auch wenn es nicht wahr ist, was sie sagen. Die unbändige Neugier des Menschen. Seine Jagd nach Wissen. Die Sprachverwirrung. Den anderen Nichtverstehen wollen oder können. Der Radikalismus und seine Verführungen „Sie versprechen den Hungerleidern Glück und Reichtum, wenn sie für Gott zu Mördern werden. Und ihren Feldzug nennen sie einen heiligen Krieg.“ (Seite 110)

Die Bibel für Ungläubige von Guus Kuijer liest sich wie ein Roman. Er schreibt anspruchsvoll, ein echter Geschichtenerzähler mit augenzwinkernder Ironie und einer gehörigen Portion Sarkasmus.

Kuijer führt zu Erkenntnissen in Menschen- und Gesellschaftskunde. Und das so gut, dass Sie am Ende nur eines wünschen: Mehr davon. Ich kann die weiteren Teile der „Bibel für Ungläubige“ kaum erwarten.

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53 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

paris, liebe, ehe, glück, kindheit

Das Glück, wie es hätte sein können

Véronique Olmi , Claudia Steinitz
Buch: 224 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 14.05.2014
ISBN 9783888979279
Genre: Romane

Rezension:

Suzanne beginnt ihre Arbeit als  Klavierstimmerin im Haus von Serge  in Montmartre. Serge bemerkt sie zunächst gar nicht. Nach einer eher zufälligen Begegnung beginnt er ihr zu folgen. Die Beiden stürzen sich in eine heftige Affäre.

Beide brechen immer wieder aus dem täglichen Einerlei eines geordneten Lebens, mit all seinen schutzbietenden Ritualen aus.

Warum? Immerhin ist der 60jährige Serge mit der attraktiven, viel jüngeren Julie verheiratet und hat zwei reizende Kinder. Wohingegen Suzanne weder schön, noch anziehend, eher vulgär ist und ein ganz anderes Leben führt. Warum vertraut er ihr ein Geheimnis aus seiner Kindheit an, von dem er bisher zu niemandem gesprochen hat?

Dieser Roman ist mehr als ein gewöhnlicher Ehebruchsroman, mehr als die Geschichte einer amour fou und weit weg von einem Melodram. Véronique Olmi legt diese an sich einfache Geschichte sehr vielschichtig an. Es geht um versteckte, verleugnete Wahrheiten und um die Schlüsselpunkte eines Lebens, das urplötzlich aus dem Takt gerät. Bedeutsam wird bei ihrer Liebe die Frage, was Serge an der Person wahrnimmt, die ihn scheinbar ohne Grund anzieht. Kernsatz ist „was Serge packt und schockiert, als er Suzanne zum ersten Mal sieht: wie sehr sie lebt, ohne Angst zu haben“ (S. 64)

Die Geschichte wird in vielen kurzen Kapiteln abwechselnd aus der Sicht der beiden Hauptfiguren erzählt und zeigt, dass eine Entscheidung oder auch eine Nicht-Entscheidung Folgen haben, geahnte und ungeahnte.

Véronique Olmi erzählt in einer wunderbar atmosphärischen Sprache: der Leser kann sich fallen lassen, sich einbetten in den wohligen, stilvollen Klang. einer dichten, eindrücklichen und unprätentiösen Sprache, die nichts schönt und sich nicht hinter Floskeln versteckt. Es regieren die leisen Töne. Große Gefühle klingen dezent an und lassen nur vermuten wie tief sie die Protagonisten wirklich treffen.

Was haben sie nun gewonnen, diese beiden Menschen, die beschlossen haben, nicht mehr ängstlich am Status quo zu kleben und ein neues Leben zu beginnen? Lassen Sie sich überraschen.

"Das Glück, wie es hätte sein können": ein wunderbares, sensibles Stück Literatur. Kein Buch, das man mal schnell nebenbei liest und es ist auch keines, das man in jeder Stimmung lesen kann. In unserer Zeit mit ihrem "Recht auf Glück" und dem steten, fast obsessiven Glücksstreben regt Olmis Roman dazu an, das eigene Glücksverständnis, vielleicht sogar die eigene Wahrhaftigkeit zu hinterfragen. Ein nachdenkliches, ein weises Buch.

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25 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

immobilienkrise, spanie, spanien

Am Ufer

Rafael Chirbes , Dagmar Ploetz
Buch: 400 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 15.01.2014
ISBN 9783888978678
Genre: Romane

Rezension:

Der siebzigjährige Tischler Esteban hat seine Ersparnisse und eine aufgenommenen Hypothek auf Haus und Betrieb in ein windiges Immobilienprojekt seines Freundes Pedro gesteckt. Das Projekt ist pleite und Pedro abgehauen. Die Zwangsvollstreckung steht bevor, die Angestellten sind gekündigt. In einem Rückblick berichtet Esteban über seine Familie in den fiktiven Orten Olba und Misent, bis hin zur Francozeit.

Er zeigt die Entwicklung Spaniens in den letzten 70 Jahren auf, schonungslos mit kräftigen Worten.

Die Kritik am Neoliberalismus und am Verkauf von Traditionen zugunsten des schnellen Geldes, an Spaniens Verhältnis zur Franco-Zeit und massenhaften Bausünden fasst Chirbes in atemberaubende Bilder, Allegorien und Landschaftsbeschreibungen. „Die Lagune, die bei seiner Ankunft wie eine flüssige Stahlschicht wirkte, zeigte jetzt etwas zart Sanftes, den Widerschein von altem Gold. Funkelndes Kupfer an den Wasserrippen, die der Wind aufwirft. (Seite 22)

Das Beziehungsnetz seiner Figuren und ihrer Reden, wobei die Handlung ruhig zurück treten kann, entwirft eine komplette Philosophie des Lebens.

Faszinierend diese bittere neorealistische Abrechnung mit einem ganzen Jahrhundert und seinen Ideologien. Es geht nicht nur um Spanien. Es ist nur ein Beispiel für die Verhaltensweisen unserer Zeitgenossen in ganz Europa und darüber hinaus. „Wir selbst haben binnen weniger Jahre diesen Status erreicht, frönen dem Sinnentrug, dass wir alle Herren sind. (Seite 78)

Raphael Chirbes beschreibt den Zustand der Menschenseele in den westlichen Gesellschaften. „Das Menschenleben ist die größte ökonomische Verschwendung der Natur: Wenn du gerade mal anfangen konntest, aus all dem was du gelernt hast, Nutzen zu ziehen, stirbst du. (Seite 28)

Dabei schwingt er sich nicht zum moralischen Richter auf, sondern protokolliert lediglich mit genauem Blick und dicht am Puls der Zeit.

Rafael Chirbes wechselt die Tonarten genauso geschmeidig wie glaubhaft und erschafft mit Esteban eine sehr tiefgründige Figur, entwirft stimmige Beziehungsnetze, gibt seinen Charakteren deutliche Konturen und verknüpft virtuos die Zeiten. Das ist erzählerische Kunst vom Feinsten, anspruchsvoll und elegant.

Für alle Freunde anspruchsvoller literarischer Feinkost.

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

irland, auswanderung, usa, brooklyn, new york

Brooklyn

Colm Tóibín , Giovanni Bandini , Ditte Bandini , Colm Toíbín
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 17.08.2010
ISBN 9783446235663
Genre: Romane

Rezension:

Eilis findet keine Arbeit in Irland. Sie wohnt im Hause der Mutter zusammen mit der geachteten und erfolgreichen Schwester Rose. Ihr Vater ist bereits verstorben und ihre Brüder in arbeiten England. Rose arrangiert ein Treffen mit einem irischen Geistlichen aus der Brooklyner Gemeinde, der zu Besuch ist. Er verspricht Rose, für Eilis sowohl Arbeit als auch ein berufliches Weiterkommen in der Neuen Welt arrangieren zu können. Dem stimmen Mutter und Schwester zu, ohne dass Eilis besonders gefragt würde.

In Brooklyn wird Eilis aktiver Teil einer Integrationsgeschichte: Sie bekommt Kost und Logis in einem Haus mit anderen Immigrantinnen, sie bekommt eine Anstellung in einem italienischen Modehaus, sie geht in einen Abendkurs mit anderen Immigranten aus unterschiedlichen Nationen. Sie behält ihren irischen Bezugspunkt in der Gemeinde, lernt jedoch auf einem Tanzabend ein italienischer Einwanderer der zweiten Generation kennen.

Eilis gewöhnt sich zunehmend an den Lebensrhythmus und die Gepflogenheiten der neuen Heimat. Und vieles läuft trotz Anfangsschwierigkeiten in eine gute Richtung. Bei einem Besuch bei der Mutter in Irland, versucht diese, die Tochter zurück in die alte Welt zu ziehen. Aber Eilis wird schmerzhaft klar, dass sie nicht mehr zurück kann. Ihre innere Entscheidung für das neue Leben ist gefallen und sie macht sich auf den Weg zurück nach Brooklyn, auch wenn es der Mutter das Herz bricht.

Tóibín erzählt die Geschichte von Abhängigkeit, Furcht und Liebe der Hauptperson, die nicht eine Selbstverwirklichung erlebt, sondern sich, unempfänglich für Kategorien wie Freiheit, Schönheit oder Romantik, von einer Abhängigkeit in die nächste begibt.

So schafft er durch die zartfühlenden Schilderung ihrer Seelenqualen und -freuden ein Porträt, in dem sich manch andere Frau auch heute noch wieder erkennen kann - eine Existenz, hin- und hergerissen zwischen ihrer großen Liebe, dem Traum eines eigenen Lebens und der Verantwortung für die eigenen Herkunftsfamilie.

Tóibín schreibt glaubwürdig und unkonstruiert, sehr genau und geradlinig, aber immer diskret. Er kommt gänzlich aus ohne Klischees, ohne Zeigefinger und Rührseligkeit und ohne das Drama, obwohl die Handlung dramatischer nicht sein könnte.

Für mich ein raffinierter und subtiler Roman, in dem Tóibín mit großer Kunst eine so einfache Geschichte derart bescheiden erzählt und uns dabei doch sämtliche Gefühlslagen der Hauptfigur in der Fremde vermittelt.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

Marias Testament

Colm Tóibín , Ditte Bandini , Giovanni Bandini
Fester Einband
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.02.2014
ISBN 9783446244849
Genre: Historische Romane

Rezension:

Dieser Roman besteht aus einem einzigen langen Monolog Marias, der Mutter eines Sohnes, dessen Name nie genannt wird.

Lange Jahre, nachdem Christus am Kreuz gestorben ist, will die Mutter Jesu von der Heiligkeit ihres Sohnes noch immer nichts wissen. Seinen Wundern gegenüber ist sie skeptisch und den Schmerz über seinen Verlust hat sie nie überwunden. Jetzt ist sie alt, vermutlich über 70 Jahre, lebt in Ephesus. Seit einiger Zeit bekommt sie regelmäßig Besuch von zwei Männern, die sie befragen und sie in die frühchristliche Legendenbildung um das Leben Jesu und seinen Tod einbinden wollen. Sie soll nur das erzählen, was diese Männer hören wollen, nicht, was sie erlebt hat. Doch sie weigert sich, sich an Ereignisse und Fakten zu erinnern oder sie zu bestätigen, die es gar nicht gegeben hat.

So erzählt sie ihre Geschichte sich selbst:  Es ist ihre Geschichte und zugleich die Geschichte ihres Sohnes, der nach vielen ungewöhnlichen Vorkommnissen eine immer größere Gefolgschaft bekommt, und so ein Dorn im Auge der alten aber auch der neuen Obrigkeit wird. Dabei entfernt er sich immer weiter von seiner Mutter. Trotzdem liebt sie ihn mit der verzweifelten Liebe einer Mutter. Aber vor seinem qualvollen Tod kann sie ihn nicht retten. Und ihre Liebe zum eigenen Leben ist schlussendlich größer als die Liebe zu ihrem Sohn

Es ist die Geschichte der Mutter Jesu aus ihrer eigenen,  klaren, kritischen Perspektive, aus der heraus der Rummel um ihren Sohn merkwürdig und besorgniserregend wirkt. Sie erzählt ehrlich sich selbst gegenüber - von ihrer ganz persönlichen Trauer, ihrer fehlenden Frömmigkeit und ihrem Eigensinn. Es ist die Geschichte einer Frau, die nicht verstehen will, weshalb ihr Sohn sich von ihr abwandte, und die auch nicht an den christlichen Gott glaubt.

Colm Tóibín ersetzt das überhöhte Idealbild der Mutter Gottes durch eine Maria aus Fleisch und Blut, eine fast untröstliche, eine leidende und ängstliche Mutter, eine Zweiflerin, die mit Sorge und Zorn auf das Gerede der Männer reagiert, die Jesus zum Sohn Gottes erklären wollen.

Toíbín hat Maria eine eindrucksvolle Stimme verliehen: klar, trocken, unsentimental und nüchtern. Er lässt sie lebendig und sehr menschlich werden in ihrer Hilflosigkeit und Verzweiflung aber auch ihrer Stärke. Ein wenig zaghaft startet der Monolog, steigert sich dann aber unablässig und wirkte zumindest auf mich mitreißend.

Durch ihre Augen eröffnet Colm Tóibín einen völlig neuen Blick auf das Christentum und erschafft ein ungeahnt menschliches Porträt der Ikone Maria.

Lesenswert nicht nur für Christen sondern für jeden, der sich mit der Frage beschäftig, was den Menschen ausmacht.  Und gerade weil es in Teilen sehr verstörend ist, eröffnet es Möglichkeiten des Nachdenkens.

 „Ich war dort. Ich floh, bevor es vorbei war, aber wenn ihr eine Zeugin braucht, dann bin ich eine Zeugin, und wenn ihr sagt, dass er die Welt erlöst hat, dann sage ich, dass es das nicht wert war. Das war es nicht wert.“

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(9.247)

11.201 Bibliotheken, 158 Leser, 6 Gruppen, 842 Rezensionen

liebe, sterbehilfe, behinderung, jojo moyes, unfall

Ein ganzes halbes Jahr

Jojo Moyes , Karolina Fell
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 21.03.2013
ISBN 9783499267031
Genre: Romane

Rezension:

Louisa Clark, genannt Lou, führt ein unauffälliges Leben in der alltäglichen Langeweile  einer englischen Kleinstadt. Doch Lou wäre nie auf die Idee gekommen, etwas an ihrem Leben zu ändern, wenn sie nicht ihren geliebten Job in einem Café verloren hätte. Bei der Suche nach Arbeit gerät sie in eine Situation, die ihr komplettes Leben verändert.

Lou wird angestellt, um sich um Will Traynor zu kümmern. Will ist seit einem Unfall Tetraplegiker. Er kann sich nicht bewegen, während er bei vollem Verstand ist. Was Lou nicht weiß: Will hat seiner Familie ein Ultimatum gestellt: ein halbes Jahr hat seine Mutter Zeit, ihn vom Leben zu überzeugen. Wenn ihr das nicht gelingt, hat sie ihm Hilfe zum Sterben versprochen.

Und Lou wird Teil dieses Plans, zunächst ohne es zu wissen. Innerhalb ihrer Dienstzeit, innerhalb eines ganzen halben Jahres, kommen die beiden sich nah, physisch wie psychisch.

Sie informiert sich über Möglichkeiten und Wege, Wünsche und Ziele, Gefühle und Gedanke, über alles, was eine Tetraplegie anders oder schwieriger macht, einzig mit dem Ziel, Will umzustimmen.

Als sie ihm schließlich ihre Liebe gesteht und ihm die Zukunft schildert, wie sie sie sieht, mit all den Dingen, die sie für ihn und für sich tun will, bittet er sie um etwas, das ihre ganze Welt auf den Kopf stellen wird.

Die Kernaussage ist: Wenn du ihn liebst, lass ihn los! Hört sich traurig an - ist es auch. Aber die Tatsache, dass er sich freifühlen kann und sie sich endlich selbst gefunden hat, lässt einen darüber hinwegsehen, dass es nicht das übliche Happy End gibt.

Das Buch ist mehr als eine Liebesgeschichte unter erschwerten Bedingungen. Es geht um etwas weitaus wichtigeres als um Freundschaft oder Liebe. Es geht um das Leben, um den freien Willen, um Entscheidungen und das Sterben. Um das, was die Menschen ausmacht und die Dinge, die der Geist will und der Körper einem verwehrt. Es geht um Zwischenmenschlichkeiten, die tiefer gehen als Ozeane und um die Bitte, die für den einen das Größte und für den anderen das Schrecklichste bedeuten.

Nach einer kurzen Einführung und netten Erläuterungen gewinnt das Buch immer mehr an Fahrt und wird richtig packend, voller Überraschungen und unerwarteter Wendungen. Jo Jo Moyens schreibt sehr emotional, ohne aber irgendwo kitschig zu werden, einfühlsam und humorvoll, mit sanften Worten. Die Sprache ist eher einfach gewählt, gleichzeitig wird aber auf einem sehr hohen Niveau erzählt und jedes Wort mit Bedacht gewählt.

Ein Buch, das emotional tief berührt und dich zwingt, den Sinn Lebens zu hinterfragen. Jo Jo Moyens hat die ethisch hochaktuelle Frage der Sterbehilfe sehr sensibel thematisiert. Man kann sie nicht pauschal beantworten. Die wundervolle, jedoch durchaus realitätsnahe Geschichte regt an, über das eigene Sein und die persönlichen Grenzen des Erträglichen nachzudenken.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Alex im Wunderland der Zahlen

Alex Bellos , Bernhard Kleinschmidt
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 10.09.2011
ISBN 9783827008381
Genre: Sachbücher

Rezension:

Mathematik, für viele ein ungeliebtes Fach, steht im Ruf trocken und kompliziert zu sein. Alex Bellos beweist das Gegenteil: unterhält und, bringt uns zum Staunen, ja zur Begeisterung.

In 12 Kapiteln durchwandern wir die gesamte Welt der Zahlen und nicht nur diese. Bezeichnenderweise beginnt das Buch mit dem

Kapitel 0: Woher kommen unsere Zahlen?; Kapitel 1: Was hat es mit der 10 auf sich?; Kapitel 2: Geometrische Figuren; Kapitel 3: Schnelle und langsame Methoden des Rechnens, z.B. aus Indien; Kapitel 4: Geschichte des Kreises und der mystischen Zahl π; Kapitel 5: Zahlen sind gut, Buchstaben sind besser; Kapitel 6: Mathematische Rätselsuche; Kapitel 7: Konfrontation mit der Unendlichkeit; Kapitel 8: Schöne Zahlen; Kapitel 9: Zufälle, Glück oder doch eine berechenbare Wahrscheinlichkeit?; Kapitel 10: Was können wir mit Statistiken anfangen; Kapitel 11: Unendlichkeit.

Alex Bellos führt uns nicht nur in und durch die Welt der Zahlen sondern auch durch viele Länder der Erde, macht mit uns Ausflüge in die Menschheitsgeschichte und erschließt uns neue Denkwelten auch in der Philosophie. Er streift Dyskalkulie, binäre Welten, Mystik der Zahlen, Magische Quadrate genauso wie Tangram-Figuren.

Er spannt den Bogen von Pythagoras, Euklid, da Vinci und Euler bis zu den Mathematikern der Gegenwart. So zeigt er alle Seiten und Facetten mathematischer Zusammenhänge auf.

Das Werk liest sich sehr angenehm, gar nicht trocken sondern eher spannend. Mir gefällt besonders der plauderhafte Schreibstil. Das Buch ist sehr lebendig, vor allem auch durch die vielen Personen, die Bellos getroffen hat und mit denen er uns bekannt macht. Es ist kein Lehrbuch, keine Monographie sondern eher eine bunte Collage mit einem breiten Beitragsspektrum, von leicht verständlichen, unterhaltsamen Texten bis hin zu anspruchsvollen mathematischen Herausforderungen.

Für alle, die mehr Spaß an Zahlenspielen und Denken haben wollen, ist es eine wahre Fundgrube. Nicht unbedingt als Bettlektüre, aber ein Werk, um sich immer wieder einmal in einzelne mathematische Gebiete und Überlegungen hineingleiten zu lassen. Für alle, die ihren eigenen Zugang zu dieser Wissenschaft finden möchten.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

james bond, port dunbar, lizenz zum töten, sinsikrou, africakin

Solo

William Boyd , Patricia Klobusiczky
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 08.12.2014
ISBN 9783833309861
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine typische Bond-Geschichte:

In einer jungen westafrikanischen Republik wurden Ölvorkommen von immensem Ausmaß entdeckt. Die beiden verfeindeten Volksstämme des Landes beanspruchen den Reichtum jeweils für sich. Einer der beiden Stämme löst sich aus dem Staatsgebilde und erklärt sich für unabhängig. Dar darauf folgende Bürgerkrieg gefährdet die wirtschaftlichen Interessen der Westmächte Großbritannien und USA. James Bond (Agent 007) erhält den Auftrag sich, als Journalist getarnt, Zugang zum Präsidenten des abtrünnigen Staatsteils zu verschaffen. Er soll diesen mit "allen Mitteln" zur Aufgabe bewegen. Bond tut, wie ihm befohlen und gerät von einer Gefahrenquelle in die nächste, um am Ende als  Sieger dazustehen.

Mit typischem Bond-Zutaten: Seine Ess- und Trinkgewohnheiten (Dieser Bond trinkt Whisky mit Soda, Bier, Bourbon, Brandy und Wein öfters als seine berühmten Martinis), seine immer wieder erstaunlichen Kampfes- und Selbstverteidigungsfähigkeiten, die nie zu Neige gehenden Mittel und immer die nächste glückliche Fügung um die Ecke, um die Geschichte nicht abrupt enden zu lassen. Die unvermeidlichen Liebes- und Bettszenen sind angenehm komprimiert worden, die Szenerie ist gut auf die Zeit der Handlung abgestimmt und man hat einen hohen Wiedererkennungswert mit dem Connery-Bond, der nonchalant und unaufhaltsam durch jede Todesgefahr flanierte. Ein gelungener Neuanfang für die Bond-Romane.

„Solo“ ist kein Highlight der Spannungsliteratur, aber der Roman lässt sich flüssig lesen und sorgt für gute Unterhaltung. Die Handlung ist in weiten Phasen vorhersehbar, trotzdem amüsant und unterhaltsam - wenn man sich darauf einlässt, dass es eben „Bond“ ist.

William Boyd orientiert sich eng an Atmosphäre und Formung der Figur durch Fleming orientiert. SO entsteht im hervorragenden, teils lakonischen Stil eine Art nostalgischen Lesevergnügen in der Qualität der originären Bond-Romane. Boyd hat nicht versucht zu schreiben „wie“ Jan Fleming. Er hat zwar zeitlich an die Romane von Ian Fleming angeknüft, aber: die Welt ist bei Boyd komplexer und düsterer gestrickt als bei Ian Fleming, und auch Bond selbst, bekommt "dunkle Seiten".

Boyd entwickelt ein tiefes Verständnis für den ursprünglichen Charakter und er hat die Fähigkeit, eine Hommage an einen anderen Autor mit einer eigenen, kreativen Stimme zu mischen. Sehr vergnüglich zu lesen.

Solo: Ein James-Bond-Roman hat alles, was ein Bond-Roman benötigt, um durchgehend zu fesseln. Es ist ein verdammt guter Thriller: Bond ist zurück. Und noch besser: Boyd bringt den wirklichen, einzigen und wahren Bond zurück.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Feuersalamander

Jan Peter Bremer
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 08.12.2014
ISBN 9783833309816
Genre: Romane

Rezension:

„Wieder wollte ich auf ihn zu.“ (Seite 7) So beginnt Jan Peter Bremer seinen Kurzroman „Feuersalamander“

Ein nicht näher bezeichneter Schriftsteller, von dem wir irgendwann nur den Vornamen Stefan erfahren, hat sein bisheriges Leben mit Frau und Kind verlassen und sitzt nun in einem Café eines verschlafenen Gebirgsortes, wo er sich Ruhe zum Schreiben erhofft.  Hier will er endgültig finden, was er bisher vergebens gesucht hatte: „Den Menschen“, die „tragische Figur“, die jetzt endgültig literarische Gestalt annehmen soll. Bis jetzt hat er keine Zeile aufs Papier bringen können, und irgendwie will ihm das hier, unter scheinbar idealen Voraussetzungen, in den nächsten Stunden nicht gelingen.

24 Stunden später fährt er wieder mit dem Zug zurück. Hat er gefunden, was er suchte?

Vielleicht der Kellner des Cafés? Oder der Betrunkene, der sich zu ihm setzt? Oder vielleicht der fürsorglichen Geschichtslehrer, dem er gesteht, dass ihn das Schreiben töte?

Es ist eine einfache, überschaubare Geschichte mit wenigen Personen, fast trivial in einem abgeschirmten Mikrokosmos. Eine scheinbar traurige Geschichte, doch Bremer versteht es, uns diesen Charakter, der im Zugabteil lieber die Hosen auszieht als zu schwitzen, durch seine spontane und doch so menschliche Art und Weise sympathisch zu machen.

„Mein lieber Freund“ schreibt er auf eine Postkarte. An wen ist sie gerichtet? Mir scheint es, dass er sich selber meint: also ein Selbstgespräch über die Ruhelosigkeit, den Aberwitz von Wunschvorstellungen, die Sinnlosigkeit von Tun, von Schreiben. Ein Gespräch, das sich zu einem Alptraum entwickelt. Ein Schriftsteller schreibt über einen Schriftsteller, der im Endeffekt an sich selber scheitert.

Jan Peter Bremers Sprache ist ruhig, fast karg, ohne jeglichen Ballast, ohne Füllmaterial. Es gibt keinen Bezug zu irgendeiner Gegenwart. Trotzdem oder gerade deswegen entstehen sehr eindringliche Szenen, dramatische Entwicklungen und fast surreale Bilder.

Ich stelle Jan Peter Bremer in einen Kontext mit Robert Walser, Franz Kafka und Samuel Beckett. Die Kunst des Schreibens, lebt in Büchern wie diesem.

 

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(22)

63 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

frankreich, paris, besatzung, flucht, 2. weltkrieg

SUITE FRANCAISE

Irène Némirovsky , Sandra Smith
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Vintage, 02.03.2006
ISBN 9780701178963
Genre: Sonstiges

Rezension:

Sommer 1940: Die deutsche Armee steht vor Paris. Voller Panik packen die Menschen ihre letzten Habseligkeiten zusammen und fliehen. Angesichts der existentiellen Bedrohung zeigen sie ihren wahren Charakter …

Irene Nemirovsky nimmt in Suite francaise die Sicht der Franzosen ein, die 1940, mit der Besetzung Frankreichs durch Hitlers Armee, die Flucht Richtung Süden in die unbesetzte Zone ergreifen. Panisch verlassen viele Pariser mitsamt eines Teils ihrer Besitztümer die Stadt. Dieser Massenexodus führt zu Chaos auf den Straßen und Bahnhöfen, so dass bald kein Durchkommen mehr möglich ist und viele der Flüchtenden nie ihr Ziel erreichen. Dies ist das Thema des ersten Teils, der als Episodenroman angelegt ist. Viele Personen ganz unterschiedlichen Charakters werden eingeführt, die sich in dieser äußerst angespannten Situation sehr unterschiedlich verhalten und ihr wahres Wesen offenbaren.

Der zweite Teil des von der Autorin auf fünf Teile angelegten Romans spielt ein Jahr später in einem besetzten Dorf. Dort wird jeder Familie ein deutscher Soldat zum Wohnen zugewiesen. Nachdem viele Franzosen erkannt haben, dass die Mehrheit der Deutschen den Krieg genauso wenig will wie sie, macht in vielen Familien die anfängliche Reserviertheit nach und nach einem zaghaften Miteinander Platz. In Einzelfällen kommt man sich sogar näher. Andernorts beschwört Eifersucht Tragödien herauf. Dieser Teil und damit das Buch endet mit dem Abzug der deutschen Soldaten und deren Verlegung nach Russland. Der Roman bleibt unvollendet.

Angelegt war das Werk auf fünf Teile, von denen leider nur der erste ganz und der zweite teilweise vollendet wurde. Es macht mich betroffen und gleichzeitig wütend, dass diese begabte Frau ihr großartiges Werk nicht beenden durfte und in Auschwitz ermordet wurde.

Aus diesem Buch spricht jedoch kein Hass auf die Deutschen, auf die Nazis, die jungen deutschen Soldaten im zweiten Teil werden im Gegenteil sehr menschlich geschildert, nicht als gesichtslose Horde von Barbaren. Ebenso wenig sind die Franzosen durch die Bank die Guten, die Opfer. Überhaupt versteht es die Autorin unglaublich gut, Menschen mit aller Ambivalenz in ihrem Verhalten, ihren Gefühlen, ihren Beweggründen zu beschreiben, ohne pathetisch zu werden, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu werten.

Irène Némirovsky erzählt multiperspektivisch, schnörkellos, sprachlich reich, voller Zartgefühl und ganz unsentimental. Sie hat mit "Suite Francaise" ein Werk geschaffen, das vor bildlichen Darstellungen nur so blüht und dem Leser von heutzutage einen intimen und detailgetreuen Einblick in die Welt des besetzten Frankreichs von 1940/1941 gewährt. Verständlichkeit der Sprache und der Handlung

In wunderschöner Sprache und mit stilistischer Leichtigkeit trotz des ernsten Themas hat mich dieses Buch völlig in seinen Bann gezogen. Ein eindrucksvolles Werk. Unglaublich schade, dass es unvollendet bleiben musste.

Dieses Buch verdient es unbedingt, gelesen zu werden. Vor allem auch wegen des Anhanges, den Notizen zum Weitergang des Romans. Für jeden Leser, der bereit ist, sich darauf offen einzulassen.

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78 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

kurzgeschichten, leben, tod, liebe, trauer

Wir haben Raketen geangelt

Karen Köhler
Fester Einband: 237 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 25.08.2014
ISBN 9783446246027
Genre: Romane

Rezension:

Neun Kurzgeschichten enthält dieses Buch:

Il Commandante: Ein Woche Tagebuch einer junge Frau mit Krebs,  über Krankheit, Leben, Tod und Hoffnung

Cowboys und Indianer: Auf einem Roadtrip zwischen Vergangenheit und Gegenwart, schildert eine völlig erschöpfte junge Frau ihre schicksalhaften Begegnungen.

Polarkreis: Eine Geschichte in Postkarten und Briefen aus Italien, über Eindrücke, Beziehungen und Entscheidungen.

Name. Tier. Beruf.: Eine Frau trifft nach 15 Jahren auf ihre erste große Liebe. Vergangenheit und Gegenwart mischen sich.

Wir haben Raketen geangelt: Gedanken und Erinnerung aus dem Leben zweier Freunde, Mann und Frau. Mehr Freunde und weniger Liebende.

Familienportraits: Hoffnungslosigkeit und Unverständnis sind die Gemeinsamkeiten von sechs völlig unterschiedlichen Charakteren und ihren Schicksalen.

Starcode Red: Eine Frau auf der Flucht ihren eigenen Erinnerungen.

Wild ist scheu: Eine Frau hat sich auf einen Hochsitz an einer kleinen Lichtung im Wald geflüchtet. Erschütternd wie diese Frau sich Stück für Stück selbst verliert.

Findling: Eine Frau ist auf primitivste Verhältnisse zurückgeworfene und erzählt aus ihrem Leben.

Angst vor dem Verlassenwerden, Flucht und Ausbruch aus dem Alltag, sowie Krankheit und Tod - das sind die Themen oder einfach: Erfahrungen mit Grenzen, die überschreiten werden oder an denen man scheitern. Karen Köhler beleuchtet Themen, über die man eigentlich nicht spricht. Verlorene und Suchende bevölkern die Kurzgeschichten. Sie zaubert Kleinigkeiten in die Szenen. Darin liegt sowohl die Spannung als auch die Schönheit jede ihrer Geschichten.

Einfache, klare, bewegende Sprache. Weich und bilderreich. Ganz außergewöhnlich. Mit sehr viel Zartgefühl beobachtet und beschreibt Karen Köhler die fragilen Existenzen ihrer Geschichten.

Eine Sammlung von handfesten Kurzgeschichten voller Geist und Leben, mir rauem Charme und lebhafter Vitalität, beeindruckend unkonventionell. Sie brauchen etwas Zeit und Geduld, um die Schönheit jeder Geschichte zu würdigen. Sie sollten sich auch auf kleine Experimente mit Text und Erzählformen einlassen können und wollen. Wer sonderbare Geschichten liebt, ist hier genau richtig.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

bosnisch-kroatische literatur, miljenko jergovic, das walnusshaus

Das Walnusshaus

Miljenko Jergovic
Flexibler Einband
Erschienen bei Heyne, 01.12.2009
ISBN 9783453406865
Genre: Romane

Rezension:

Miljenko Jergovic erzählt die Geschichte einer Frau (und ihren weiteren Familienangehörigen) aus Dubrovnik, deren Leben praktisch das ganze 20. Jahrhundert erfasst. Und er erzählt diese Geschichte rückwärts! Im "ersten" Kapitel (das die Nummer XV trägt) erfährt der Leser von den Ereignissen nach dem Tod der Protagonistin, danach liest man das Kapitel Nummer XIV wo von ihrem Tod die Rede ist, und so weiter, jedes Kapitel ist gleichsam die Vorgeschichte des bereits gelesen. Und das Konzept geht auf, die Lektüre bleibt von der ersten bis zur letzten Seite spannend.

Erzählt wird nicht weniger als eine Familiensaga, die sich um die 1905 geborene, 2002 gestorbene Regina Delavata dreht, die aber bis ins Jahr 1878 zurückreicht. Von Linearität aber gibt es in dem Roman keine Spur. Mit seinen vielen Zwischen- und Unterkapiteln, in vielen Ortswechseln vom eigentlichen Schauplatz Dubrovnik in die Hauptstädte Westeuropas, aber auch in balkanisches Bergland entfaltet Jergovic ein Epos aus Nebengeschichten, die freilich stets in pointiertem Bezug zur "großen Geschichte" stehen.

Es gibt keine historischen oder biographischen Zwangsläufigkeiten, sondern nur Ereignisse, die sich zu Folgen verbinden, die auch völlig anders hätten sein können. Jergovic scheint sich mehr für die Menschen zu interessieren, denn für die Zeitläufte, in denen sie stehen und vermittelt gerade so auch vieles über eben diese Zeitläufte.

Frieden ist etwas sehr fragiles und Miljenko Jergovic hat ein Buch für den Frieden geschrieben.

Sein Stil ist überaus wandlungsreich, aber immer einfühlsam. Mühelos trifft er komische, vulgäre und auch tragische Töne in unterschiedlichster Nuancierung. Hier kannst du einen begnadeten Erzähler, einen herausragender Stilist und einen bissigen Essayisten entdecken.

Minutiös inszenierte und detailfokussierte Szenen erfreuen den Leser. Raffiniert und vieldeutig sind sie von Abrechnungen mit nationalen Mythen gespickt sind. Popverweise und politische Pamphlete reihen sich in inneren Monologen aneinander und gehen perfide in auktoriale Rede über.

Der Kunstgriff des Rückwärtserzählens bietet reizvolle technische Möglichkeiten und weist dem Leser, der sich ständig neu orientieren muss, eine aktivere Rolle als gewöhnlich zu.

Das Buch ist nichts für Leser, die schnelle, einfache Unterhaltung suchen. Jede Facette des Buches verlangt ungeteilte Aufmerksamkeit. Ein schwerer Stoff, federleicht erzählt, aber weder belehrend noch einschläfernd.

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56 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

mord, usa, mississippi, kindheit, familie

Der kleine Freund

Donna Tartt , Rainer Schmidt
Flexibler Einband: 765 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 08.08.2005
ISBN 9783442459636
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein düsterer Schatten liegt über dem Leben von Harriet und ihrer Familie: Ihr älterer Bruder wurde ermordet. Die Mutter vergräbt sich in Trauer, der Vater zieht sich von der Familie zurück. Harriet, die selbst ein Säugling war, als der Mord verübt wurde, beschließt, dass sie den Tod ihres Bruders rächen will. Bald schon meint sie den Mörder ihres Bruders gefunden zu haben. Um ihren Plan, diesen zu töten, in die Tat umzusetzen, spannt sie ihren etwas schlichter gestrickten Freund Hely ein. Durch die Rachepläne löst das Kind eine Serie von tragischen Ereignissen aus.

"Der kleine Freund" ist ein von schrägen Gaunern, exzentrischen alten Damen und anderen sorgfältig gezeichneten Charakteren bevölkertes Panoptikum.

Thematisch beschäftigt sich "Der kleine Freund" mit Rassenproblemen, soziologischen Phänomenen und gesellschaftlichen Normfragen. Doch letztendlich ist das Buch ein psychoanalytischer Roman erster Güte. Dem aufmerksamen Leser werden die Hinweise und Symbole nicht entgehen, die Rückschlüsse ziehen lassen auf die unbewussten Gefühle, die in Harriet toben, und sogar auf die Identität des Mörders. Diese Hinweise sind es, die zum wahren Verständnis dieser einzigartigen Figur führen.

Auch wenn in dem Roman viel von kriminellen Handlungen die Rede ist - es ist kein Krimi. Es geht nicht primär darum, wer den kleinen Jungen ermordet hat, sondern darum, was eine solche Tragödie aus einer Familie macht.

Donna Tartt schafft mit wundervollen Worten und Sätzen ein Leseabenteuer ohne Wertungen und lässt die Leser teilhaben an Freud und Leid von drei Generationen, an unterschiedlichsten sozialen Stimmungen und an einem seelisch aufwühlenden und rasanten Kriminalfall.

Sie schreibt sehr anschaulich und farbenprächtig, aber nicht verspielt, nicht voluminös, sondern pointiert und präzise. Dabei zeichnet sie einfühlsam, elegant und mit Liebe zum Detail die detailliert ausgemalten Bilder unzähliger Augenblicke. Und wenn wir dann etwas zurücktreten, sehen wir ein großes Bild, das alle kleinen Bilder integriert.

Für alle, die auch einmal den Weg das Ziel sein lassen können, ist dies ein empfehlenswerter literarischer Roman mit Versatzstücken eines Thrillers. Und wer dann noch Freude an ehrlichen Geschichten und an dichter Atmosphäre hat, der wird von diesem Werk fasziniert sein.

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189 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

studenten, mord, thriller, college, geheimnis

Die geheime Geschichte

Donna Tartt , Rainer Schmidt
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 01.11.2003
ISBN 9783442456918
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Richard gehört zu dem illustren Kreis von nur sechs Studenten, die von Julian Morrow unterrichtet werden. Sie werden eine verschworene Gemeinschaft, versinken in tiefe philosophische Gespräche über Platon, Dante und die Welt und genießen ausschweifende Zechgelage.

Die fünf Mitstudenten, Henry Winter, Edmund Corcoran, Francis Abernathy und die Zwillinge Charles und Camilla Macaulay beeindrucken Richard, kommen sie anscheinend aus einer elitär anderen Schicht, dessen Lebensstandard er nie kennengelernt hat. Zugleich umgibt diese Personen ein geheimnisvolles Flair, das er nicht zu deuten weiß. Bis sich Henry eines Tages offenbart.

Arrogant-dekadente, vom Leben gelangweilte und dabei absurd sympathische Griechischstudenten begehen in vermeintlich dionysischem Wahn einen versehentlichen Mord und daraufhin einen beabsichtigten, woran sie nach und nach zerbrechen.

Es ist eine flüssig und amüsant erzählte Geschichte über Dekadenz und die Verkettung von Schuld, Verfehlungen und Sühne, Tod und Versagen, Reue und Buße, die ganz großen Themen werden hier verhandelt. Der Mord und alle Handlungen werden zur Nebensache: Es sind die menschlichen Reaktionen auf das was passiert ist. Das was diese Sache aus jedem einzelnen macht. Es wird sehr persönlich geschrieben was Neid, Missgunst, Angst, Hoffnungslosigkeit in extremen Situationen aus einem Menschen machen können. Das Sahnehäubchen ist der großartige Schreibstil dieses Erstlings.

Ein Roman voller Tiefe und poetischen Passagen gelungen. Feinsinnig und einfühlsam, dramatisch und geheimnisvoll spannend bringt sie das Geheimnis der sechs Studenten an die Oberfläche und bindet ihren Protagonisten Richard in ein schreckliches Geschehen ein.

Donna Tartt ist eine Sprachkünstlerin, und die Charakterentwicklung ist meisterhaft gestaltet. Sie versteht es durch die Struktur, Dynamik und atmosphärische Dichte der Wortwahl zu fesseln. Es ist ein Vergnügen, ein solches Können Seite für Seite zu verfolgen. Man liest automatisch langsamer, um einzelne Satz- und Gedankenkonstruktionen zu genießen. Die Handlung drängt einen also nicht zum schnellen Lesen. Ein Buch, das man rasch lesen könnte, das aber auch bei sorgfältigem Lesen durch viele Feinheiten und Kleinigkeiten beglückt.

Weniger geeignet für die, die selten lesen oder einen Krimi suchen. Wer ein Buch mit Gefühl, Atmosphäre und auch eigenem Charakter lesen will, dem ist Die Geheime Geschichte sehr zu empfehlen.

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16 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 6 Rezensionen

rollenspiele, dominanz, schulzeit, eifersucht, erotik in der literatur

Die sieben Sünden

Diana Schwartz
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.11.2014
ISBN 9783548286662
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Die Polizisten Sandra, Heldin und Erzählerin in „Die sieben Sünden“ wird mit ihren Kollegen zu einem Einsatz wegen Hausfriedensbruch gerufen. Sie denken an feiernde Jugendliche und als sie die alte, abbruchreife Kirche betreten, zunächst an eine schwarze Messe. Doch dann stellen sie fest, dass sie in die Dreharbeiten zu einem erotischen Film geraten sind. Tobias, den Hauptdarsteller, kennt Sandra aus ihrer Schulzeit.

Ab diesem Punkt kommt wieder Schwung in ihr Leben, denn Tobias, ein ernsthafter Fotograph, lädt sie quasi als Entschädigung zu einem Fotoshooting ein. So gerät sie in den Freundeskreis „Sieben Sünden“ und sie durchlebt alles, von dem sie vielleicht zu träumen gewagt hatte: Sex in allen Variationen, Misstrauen, Eifersucht, Abstoßendes, Anziehendes und vielleicht sogar Liebe.

In unzähligen Phantasiespielen, die sich im Club der sieben Sünden abspielen, entführt Sandra den Leser in eine neue, ebenso faszinierende wie beklemmende erotische Welt. So entsteht eine knisternde Spannung, die sich bis zum Ende des Buches hinzieht.

Alle Sexszenen sind von einer erotisch-geilen Art, der sich wohl niemand entziehen kann. Und die Erotikszenen hängen nicht in einem luftleeren Raum, sondern sind geschickt eingebettet in eine schlüssige Handlung, die selber wieder Spannung erzeugt.

Diana Schwartz schreibt sehr flüssig. Ihre Sprache ist direkt und unumwunden, ohne obszön oder vulgär zu sein. „… und legte ihre Brüste frei, deren Brustwarzen sich längst steil und verlangend aufgerichtet hatten. Sie unterdrückte ein Stöhnen, als sie die weiche Haut knetete, bis sie das Prickeln zwischen ihren Beinen nicht mehr aushielt. Mit einer Hand riss sie den Spitzenstoff zur Seite, um mit der anderen ungehindert vorzudringen. Während ihre Finger immer wieder hineinglitten, rieb ein Daumen über die Klitoris und trieb sie schließlich mit wenigen Berührungen dem Höhepunkt entgegen.“ (Seite 43)

Alle Charaktere, auch die der Nebenfiguren, sind gut ausgearbeitet, zwar nicht in ihrer psychologischen Tiefe, aber so ausreichend, dass sie gut in die Geschichte und Szenen passen und in ihrer jeweiligen Rolle glaubwürdig wirken. Sehr wohltuend, dass es von einer Frau und aus Sicht einer Frau geschrieben wurde.

Die Sieben Sünden sind ein fesselnder Roman, gut, um ihn zwischen durch und auch in einem Stück zu lesen. Mit Sandra kann sich jeder in eine erotische Welt fallen lassen. Für Leser, deren Sexleben so langsam erlahmt, gibt dieses Buch neue (An)Triebe.

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112 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

thriller, misshandlung, mörder, mord, familie

Kuckucksmörder

Raimon Weber
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.11.2014
ISBN 9783548285344
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die zerbrechliche und kranke Polizistin Eva Flessner findet ihre beste Freundin Petra und deren gesamte Familie ermordet in ihrem Haus auf. Sie macht sich auf die Suche nach dem Mörder und dessen Motiv. Sie will nicht nur, nein, sie muss einfach ermitteln denn „Es war als wäre ein Teil ihres Lebens in ein bodenloses Loch gestürzt.“ (Seite 35) Dabei merkt sie, dass die angeblich so heile Familienwelt ihrer Freundin gar nicht stimmte

Währenddessen hat der Mörder sich eine weitere Familie ausgesucht: Er entführt den Vater und bietet sich der restlichen Familie als besserer Vater und Ehemann an. Leider wollen die Ehefrau und die beiden Töchter das nicht so schnell verstehen, wie er sich das vorstellt. Und leider kommt ihm Eva Flessner in die Quere

Kuckucksmörder sticht eindeutig aus der Masse hervor. Hier geht es weniger um die klassische Auflösung eines Kriminalfalles, sondern um das Seelenleben der Figuren. Und anders als im Tierreich, wo der Kuckuck die Brut anderer aus dem Nest wirft, setzt sich hier der Täter in das Nest einer vermeintlich heilen Familie. „Von nun an war Falk Jäger und Wohltäter in einem. (Seite 80) – ein ganz perfide Mission.

Das ist kein Mordfall, bei dem alles im Dunkeln bleibt und wir großartig mitfiebern müssen, wer denn nun eigentlich der Täter ist. Hier bekommen wir den Fall hautnah dreifach mit. Einmal  aus der Sicht des Täters. Wir erfahren warum er das tut, was er dabei empfindet und warum er letztendlich so geworden ist. „In jedem Menschen stecken schlechte Gefühle wie Neid und Wut. Du musst sie nur unter Verschluss halten. In einer Kammer. Tief in deinem Inneren.“ (Seite 157) … „aber manchmal muss die Kammer geöffnet werden, um gegen Schlimmeres vorzugehen. (Seite 159). Dann immer wieder aus der Sicht des Opfers. „Gefangen in der eigenen Hilflosigkeit.“ (Seite 91) Und als dritter Erzähler kommt immer wieder Eva Flessner ins Spiel. Diese Wechsel bringen Abwechslung in den Verlauf und geben Einblicke, die auf künftige Verhaltensweisen schließen lassen, ohne allzu vorhersehbar zu sein.

Der Autor greift ein sehr sensibles Thema auf: häusliche Gewalt. Und er lässt uns einen Täter erleben, der genauso auch direkt in unserer Nachbarschaft leben könnte: zurückhaltend und sympathisch.

Raimon Weber schafft mit klaren Worten und ohne großes Spektakel eine enorme Spannung. Alle Personen entstehen sehr bildhaft vor dem Leser: Sehr belebend auch die immer wieder auftauchenden Skurrilität. Ein ganz individueller Stil, der sehr authentisch erscheint. Der Schreibstil ist sehr flüssig und der Plot interessant angelegt. Sehr überzeugend auch das überraschende Ende.

Ein sehr intensiver Krimi, der anders ist als andere und der den Leser atemlos aber auch sehr nachdenklich zurücklässt.

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34 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

liebe, tango, erzählung, spanien, krimi

Dreimal im Leben

Arturo Pérez-Reverte , Petra Zickmann
Flexibler Einband: 525 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.11.2014
ISBN 9783458360247
Genre: Romane

Rezension:

Ein Mann und eine Frau treffen sich, schlafen miteinander und werden durch das Schicksal getrennt, bis sie sich schließlich nach langen Jahren wieder sehen. In gewöhnlichen Geschichten wäre dieses zweite Treffen allerdings das Happy End, während Max und Mecha sich erneut verlieren und für neunundzwanzig Jahre nicht mehr sehen. Und als sie sich zum dritten Mal sehen, bedeutet dies keineswegs, dass nun alles gut wird...

Immer wieder reist auch der Leser hin und her zwischen der Zeit des Kennenlernens und späteren Wiedersehen. Durch diesen ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Erzählgegenwart entsteht eine interessante Erzählstruktur.

So entsteht eine wundervolle Liebesgeschichte, voller Schönheit, Eleganz und Sehnsucht. Chaotisch, liebevoll und brutal zugleich. Eine perfekt konstruierte Geschichte um die amour fou zwischen dem armen Eintänzer Max und der aparten schönen Mecha, eine extravagante, sexuell sehr freizügige und doch auf sehr kalte Art leidenschaftliche Frau der Upperclass. Gentlemen-Gauner, Tangotänzer, Kokainschnupfer und Schachgenies bevölkern diesen Roman voller Sehnsucht und Eleganz und öffnet eine Welt der feinen Tanzschritten, teurem Schmuck und düsteren Geheimnissen, aber auch moralische Abgründe und ungeahnte Begierden.

Eine angenehme Spannung zieht sich durch das gesamte Buch, ein Buch mit vielen Geheimnissen, die am Ende aufgedeckt werden. Es ist eine Hommage an alte Zeiten, in denen der Tango noch unverfälscht und eine wunderbare Einführung in diesen argentinischen Tanz.

Arturo Pérez Reverte schreibt sehr ruhig, irgendwie besonnen und geschmeidig. Detailreich zeichnet er sehr deutliche Bilder, manchmal braucht er ganze Abschnitte, um Inneneinrichtungen und die Bekleidung zu beschreiben, was insgesamt zur dichten Atmosphäre des Buches beiträgt. Elegant und geschliffen wie die Welt, die er darstellt, so ist auch die Sprache von Arturo Pérez-Reverte. Ein raffiniert komponierter Liebesroman, der sich dann wie ein spannender Thriller entwickelt.

Eine packende Story, faszinierende Schauplätze, ein rasanter Erzählstil, authentische Figuren – all das sind die Zutaten für einen großen, fesselnden und unterhaltsamen Roman über die Sehnsucht und verpasste Gelegenheiten. So traurig und so schön, wie ein Tango sein muss.

 Ein spannender und emotional kluger Roman. Arturo Pérez Reverte, schreibt nicht für Jedermann. Er nimmt den Leser mit auf eine unglaubliche Reise, verliert sich in sprachlichen Feinheiten und raubt einem mit sprachlicher Gewalt den Atem. Man muss diesen Rausch der Sprache mögen.

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251 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 65 Rezensionen

krimi, rache, norwegen, oslo, nesbo

Der Sohn

Jo Nesbø , Günther Frauenlob
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.11.2014
ISBN 9783550080449
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der 30-jährige Sonny Lofthus sitzt seit 12 Jahren im Hochsicherheitsgefängnis. Er gilt als vorbildlicher Gefangener und macht nie Ärger. Es kursiert sogar das Gerücht, dass Sonny auch Verbrechen gesteht, die er gar nicht begangen hat und als Gegenleistung mit Drogen versorgt wird. Auch bei den Mitgefangenen ist er beliebt. Sie vertrauen Sonny, gestehen ihm ihre Sünden und hoffen auf Vergebung. Bei einem dieser Gespräche erfährt Sonny, dass sein Vater, der vor langer Zeit als korrupter Polizist enttarnt wurde und Selbstmord begangen hat, gar nicht bestechlich war. Er wurde ermordet, um den wahren Maulwurf zu schützen. Sonny bricht aus dem Gefängnis aus und startet einen brutalen Rachefeldzug.

Jo Nesbø greift viele Themen auf. Es geht um Verwicklungen zwischen der Politik, Wirtschaft, Drogen- und Menschenhandel sowie Korruption innerhalb der Polizei. Ebenso geht es auch um Sucht. Sonny hängt an der Nadel, Simon Kefas, der Kommissar und alter Freund von Sonnys Vater erliegt den Verlockungen des Glücksspiels. Motive der Rache und Vergeltung aber auch der Suche nach Vergebung und Sühne tauchen auf. Fragen nach Moral, Gerechtigkeit und Integrität werden gestellt.

Was ist Gut was ist Böse? Der Autor malt uns ein Bild, das tiefer in die menschlichen Abgründe vordringt, als dem Leser teilweise lieb ist. „Irgendwie hat man den Eindruck, all das Böse zu spüren.“ (Seite 237)Verwirrende Handlungsstränge, viele handelnde Personen und immer wieder Überraschungen. Der Spannungsbogen ist grandios, die Charakter wunderbar gezeichnet und auch der psychologische Tiefsinn passt wunderbar

Jo Nesbø hat an alles gedacht:  blitzschnelle Wendungen, überraschende Momente, rasante Szenenwechsel zutiefst korrupte Verhältnisse und selbst einen Schuss Romantik. Großartige Charaktere und unerwartete Enthüllungen tun ein Übriges, um eine mitreißende und dramatische Geschichte entstehen zu lassen. Sein ebenso rasanter wie klarer, knapper Stil ist eine Freude, die Charaktere sind sehr detailliert und vielschichtig gezeichnet, die Psychologie stimmig, der Spannungsbogen tut, was er soll, bis zur überraschenden Auflösung.

Ein Thriller, fesselnd bis zur letzten Seite, leicht lesbarer, kurzweiliger Thriller, der auf moralisierende Belehrungen verzichtet und dafür umso mehr Action bietet. Ein wahres Lesevergnügen, in dem man tief eintauchen kann. Und der sich eindeutig aus dem Einheitsbrei des Genres heraussticht. “Der Sohn” ist ein ebenso romantischer wie knallharter Thriller, in dem jemand die Welt wieder ein kleines Stückchen gerader rückt.  

Jo Nesbøs „Der Sohn“ ist eine wahre Delikatesse. Ein Muss für alle Krimifans.

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91 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

mexiko, drogen, drogenkartell, entführung, angst

Gebete für die Vermissten

Jennifer Clement , Nicolai von Schweder-Schreiner , Nicolai Schweder-Schreiner
Fester Einband: 228 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 15.09.2014
ISBN 9783518424520
Genre: Romane

Rezension:

Die Hauptfiguren in diesem Buch sind ein Quartett von Mädchen: Paula, eine bemerkenswerte Schönheit; Estefani, deren Mutter an AIDS stirbt; Maria, die uneheliche Halbschwester der Erzählerin; und die Erzählerin selbst, LadyDi (wie in England Lady Di). Sie wachsen in Guerero, einem fast menschenleeren Bergdorf, unter den strengen Augen ihrer Mütter auf, die ihre Töchter als Söhne ausgeben. Und wenn das nicht mehr möglich ist, versuchen sie ihre Töchter hässlich zu machen, in der Hoffnung, dass dies sie vor Entführung schützt: das Haar ist kurz und unordentlich geschnitten, die Zähne mit Filzstift angefärbt. „Vielleicht muss ich dir die Zähne einschlagen, sagte meine Mutter.“ (Seite 9)

LadyDi lässt uns teilhaben an ihrer Kindheit und an ihrer Teenagerzeit, bis sie das Dorf verlässt und in Schwierigkeiten gerät. Sie zieht uns in eine ebenso bunte wie trostlose Welt. Eine außergewöhnliche Geschichte voller Widrigkeiten, aber auch der gegenseitigen Hilfsbereitschaft der Frauen                                

Das Thema ist die Not der ländlichen Mexikaner, vor allem der Frauen. Das Buch, eher eine Novelle als ein Roman, enthält nicht nur die Geschichte von LadyDi und ihren Freundinnen, sondern auch die von vielen komplexen Nebenfiguren, von Entführungen durch Drogenhändlern, von AIDS-Kranken, von Verzweifelten, die versuchen, die Grenze nach den USA zu überqueren. Es gibt keine unwichtigen Charaktere: Jeder hat seine eigene Geschichte, bis ins kleinste Detail real und oft ergreifend.

Keine der Figuren ist tief oder mehrdimensional angelegt. Sie scheinen mehr wie normierte Vertreter einer ewigen Tragödie zu sein.

Die Lektüre ist keine leichte Kost, aber sehr brillant geschrieben, rustikal, rau und ungeschminkt. gut recherchiert. Vor allem aber wegen seiner klaren Prosa, die sich nicht endlos bei unnötigen Details aufhält, sondern ehrlich von diesem grausamen und verzweifelten Leben berichtet. Jennifer Clement findet eine feine Balance zwischen Sachlichkeit und Emotion, sowie einen ganz ausgezeichneten neutralen Ton, fast unterkühlt um diese unerträglichen Ereignisse zu beschreiben, die nichts Außergewöhnliches sind, sondern der ganz normale Alltag. „Eine vermisste Frau ist nur ein Blatt, das der Regen in die Gosse treibt.“ (Seite 68)

Dieses Buch hat kein Happy End. Dennoch ist es auf seltsame Art hoffnungsvoll. Jeden Tag, den man überlebt, ist ein Triumph, auch wenn diese Triumphe unspektakulär bleiben und auch zu keiner Veränderung der Lebensverhältnisse und -umstände führen.

Jennifer Clements „Gebete für die Vermissten“ ist ein intimer Blick auf Armut und Menschenhandel in Mexiko von innen heraus. Aber es macht auch den globalen Kontext deutlich, und erlaubt uns nicht unserer Verantwortung zu entkommen. Für alle, die Mexiko nicht kennen, wirft das Buch einen tiefen Blick in die dunkle Seele dieses Landes. Das Buch wird niemanden unverändert lassen.

Dieses Buch gibt den Schwächsten eine Stimme. Man sollte es immer wieder lesen. Ein wichtiges Buch über ein Thema, das viel mehr Öffentlichkeit verdient. Für alle, die bereit sind auch unangenehme Wahrheiten zu ertragen.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

weihnachten, kinder, weihnachtsbuch, familie, kerstin kipker

Glorious Book for Christmas

Kerstin Kipker
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei cbj, 23.09.2013
ISBN 9783570156650
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Allein das Äußere des Buches, golden geprägte Umrandungen, tief geprägt Schrift geben dem Buch einen weihnachtlichen Flair. Durchgängig farbige, liebevolle Illustrationen und dezente, zum jeweiligen Thema passende Zeichnungen auf fast allen Seiten tun ein Übriges, um dieses Buch zu einem Vergnügen werden zu lassen.

Das Werk ist eine wahre Fundgrube rund um Weihnachten. 100 Beiträge zum Thema Weihnachten lassen keine Wünsche offen: 22 Weihnachtsgedichte, 16 typische Weihnachtsrezepte, 13 Weihnachtslieder mit Noten, 13 Weihnachtsgedichte, 14 Beiträge zu Wissenswertem über Weihnachten und 11 Geschichten zu und um Weihnachten.

Sieben Themenbereiche werden in lockerer Reihenfolge behandelt: Brauchtum (Weihnachten bei uns und in anderen Ländern); Rezepte (von Bratäpfeln bis Spekulatius); Bastelanleitungen (Strohsterne basteln, Adventskranz binden, ...); Lieder (von "Alle Jahre wieder" bis "Stille Nacht"; Gedichte (von Rilke bis Heine); Wissenswertes (z.B. Handwerkskunst, Weihnachtsklassiker - Filme, Weihnachtsbaumkunde, ...); Geschichten (von der klassischen Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium bis zur "Kinderweihnacht")

Das ist ein Buch, das während der gesamten Adventszeit auf dem Wohnzimmertisch griffbereit sein sollte: Zum Lesen und vorlesen, zum Backen, um Singen, zum Basteln und das alles gemeinsam in der ganzen Familie. Hier findet jeder etwas für sich. Und diese bunte Mischung macht dieses Weihnachtsbuch zu einem ganz besonderen.

Nein, es ist nichts Neues und es ist auch nichts Modernes, was man in dieser Sammlung findet, aber es ist genau das, was man sich unter Weihnachten vorstellt. Kein Weihnachtskrimi, kein Familiendrama unterm Tannenbaum, sondern einfach nur die heile Welt, die wir alle für Weihnachten herbeisehnen.

Das Buch zaubert eine wunderbare Weihnachtsatmosphäre, so richtig zum Träumen, so richtig um die Zeit zu vergessen. Wer das Weihnachtsfest in der Familie zu etwas Besonderem machen möchte, wer mehr über Brauchtümer und Riten wissen möchte, der kann bei "Glorious Book für Christmas" beruhigt zugreifen. Die bunte Mischung der Beiträge deckt eine Vielzahl an Themen ab, beinhaltet dabei aber auch alles, was man von einem solchen Weihnachtsbuch erwartet.

Unverzichtbar für alle die Kinder haben oder mit Kindern arbeiten: Eltern, Omas und Opas, Leih-Omas und Leih-Opas, Lesepaten, Vorleser (auch für Seniorenheime und in der Demenzbetreuung). Mit diesem Buch haben Sie einen echten Schatz daheim, den Sie nicht nur in der Weihnachtszeit zur Hand nehmen.

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Tags: christma, kinder, weihnachte   (3)
 

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Der letzte Mann, der alles wusste - Das Leben des exzentrischen Genies Athanasius Kircher

John Glassie , Bernhard Kleinschmidt
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 10.11.2014
ISBN 9783827011732
Genre: Biografien

Rezension:

Athanasius Kircher, den meisten wohl nicht bekannt, steht im Mittelpunkt dieser Biographie aus einer Zeit des gewaltigen Umbruchs, dem 17. Jahrhundert. Eine äußerst aufschlussreiche und interessante Zeit:

Die Kirche war unter Beschuss von protestantischen Rebellen, die die Autorität Roms und das Wesen Gottes in Frage gestellt. Die alte Welt der Scholastik, die Welt der Bibel und die alten Philosophen waren obsolet geworden. Naturphilosophen und Mathematiker schufen eine neue Wissenschaft auf der Grundlage des Beobachtens und einer neuen Art und Weise die Welt zu sehen. Es war aber auch eine Zeit des Aberglaubens, nach heutigen Maßstäben, in denen Männer und Frauen lebendig für die Verbrechen der Hexerei und Ketzerei verbrannt wurden. Und es war die Zeit, in der, vielleicht das letzte Mal in der modernen Geschichte ein einzelner Mensch, alle Wissenschaften verstehen konnte. Wissenschaftler wie Newton, Leibniz, Descartes, Fermat, Hook, Boyle und Galileo waren solche Männer.

Athanasius Kircher war einer von ihnen: ein einzigartiger brillanter Verstand gepaart mit einer heftigen Hingabe an den Glauben. Das Spektrum seiner intellektuellen Beschäftigungen ist sehr breit: Er war ein früher Anwender von van Leeuwenhoek Mikroskop, und wahrscheinlich der Erste, der erkannte, dass Krankheiten wie die Pest von Mikroorganismen verursacht wurden. Er studierte Geologie, einschließlich der Vulkanologie, theoretisierte über die Natur der Fossilien. Er lehrte Mathematik, experimentierte mit Pyrotechnik, und ihm werden die Erfindung von mehreren Geräten, einschließlich einer Magnetuhr und vielleicht dem Megaphon zugeschrieben. Das alte Ägypten faszinierte ihn ebenso wie das alte China. 40 Bücher sind von ihm bekannt. Er glaubte auch an eine Reihe von Theorien, Geschichten und Kräfte, die wir heute nicht mehr ernst nehmen, wie  beispielsweise die Urzeugung.

Neben seiner Bedeutung als Wissenschaftler und Gelehrter ist Anastasius Kirchner eine faszinierende, historische Persönlichkeit. Und genau die präsentiert uns John Glassie in diesem Buch. Ja, er zeigt etwas Neues: ein kohärentes Porträt von Kircher als Gelehrter und Denker in der Welt der Gegenreformation des siebzehnten Jahrhunderts.

Sein Stil ist lebhaft, und das Buch liest sich gut. Es bietet nicht nur eine sehr unterhaltsame Lektüre und einen Blick auf die Leistungen Kirchers, sondern auch faszinierende und oft lustige Einblicke in eine Zeit, als Wissen und Glauben eine ihrer größten Umwälzungen in der modernen Geschichte erlebten.

Wenn Sie nach einem Buch über die Wissenschaft, Philosophie und Geschichte des 17. Jahrhunderts suchen, das kein staubtrockener akademischer Wälzer ist, dann sind Sie bei diesem Buch gut aufgehoben: eine Freude zu lesen, gut illustriert, unterhaltsam und voller Humor. Ein Genuss für alle Liebhaber der Geschichte und des nicht traditionellen Denkens.

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Wochenmarkt

Elisabeth Raether
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 30.10.2014
ISBN 9783827012593
Genre: Sachbücher

Rezension:

Sie ist keine Fach-Frau und gerade das macht Ihre Rezeptsammlung so besonders. Sie führt uns weg von der Ehrfurcht vor  Sterne-Gedöns und Selbstdarstellungen der betreffenden (Fernseh-) Köche, weg vom Zuschauen wie andere kochen, hin zum Selbermachen und zur Raffinesse des Einfachen.

Einfach und einfallsreich sind Elisabeth Raethers Rezepte. Sie brauchen keine langen Zutatenlisten und alles lässt sich wirklich gut nachkochen. Die Rezepte sind nach Jahreszeiten geordnet, denn Elisabeth Raether orientiert sich am liebsten am aktuellen Wochenmarkt. So entstehen saisonale Köstlichkeiten. Ihre Rezepte scheuen jeden Aufwand. Man kann sie fast nebenbei ganz gelassen nachkochen.

Wie sagte Elisabeth Raether im Interview (auf www.interview.de): „Meine Rezepte sind doch total einfach, da geht es wirklich darum, sich nicht zu überanstrengen. In den Zeitungen und im Fernsehen wird immer das Leistungskochen abgebildet: Sterneküche, Koch-Castingshows und so weiter. Dabei ist Kochen so einfach: In die Küche stellen, Zeugs schneiden, in den Topf, umrühren, das reicht fast schon, um kochen zu können.“

Ihre klugen, witzigen Rezeptbeschreibungen sind so kurzweilig, dass man es auch mit Genuss lesen kann, ohne die Rezepte nach zu kochen, vor allem weil sie tiefe Lebensweisheiten locker mit Rezepten und Zutaten verbindet: „Gegen kein Aroma wehrt sich die Petersilie. Aber es ist leider so: Wenn man es jedem recht macht, wird man irgendwann übersehen.“ (Seite 29) „Es ist der erwachsene Spinat mit Falten und Runzeln. Denn so wenig, wie Menschen jung sein müssen, um schön zu sein, muss Essen jung sein, um gut zu schmecken.“ (Seite 43) „Die zur Schau getragene Uneitelkeit ist oft eine radikale Form der Eitelkeit.“ (Seite 135) Oder sie führt spielerisch an Einsicht heran, „dass man sich niemals über das definieren sollte, was fehlt.“ (Seite 109)

Ihr Credo beschreibt sie in der ersten Kolumne so: "Hier werden keine Wasserbäder gemacht, es wird nicht flambiert und nicht nappiert. Man könnte das den minimalistischen Ansatz nennen, wahrscheinlich ist es aber schlicht Küchenfaulheit. Das bedeutet zum Beispiel, dass praktisch jedes Gemüse, das es gibt, bei uns einfach in den Backofen gesteckt wird, aus dem es nach kurzer Zeit in eine Schönheit verwandelt wieder hervorkommt." (Seite 15)

Bei Elisabeth Raether kommt nicht das auf den Tisch, was die Sterne-Köche in ihren Restaurants servieren, sondern was diese zu Hause für sich selbst und ihre Familien kochen. Kein Wunder, dass der "Wochenmarkt" die erfolgreichste Rezeptkolumne in Deutschland ist.

Natürlich ist es ein nützliches Buch zunächst für all die fleißigen Wochenmark-Rezeptsammler, die jetzt ihre Zeitungsschnipselsammlung auflösen können. Aber vor allem ist es für jeden, der Lust hat, Rezepte auszuprobieren, dabei aber keinem Sternekoch nacheifern möchte, hat mit diesem Buch aus dem Berlin Verlag genau das Richtige im Regal.

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