JulesBarroiss Bibliothek

349 Bücher, 351 Rezensionen

Zu JulesBarroiss Profil Zur Autorenseite
Filtern nach
349 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(144)

402 Bibliotheken, 32 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

freundschaft, missbrauch, ein wenig leben, liebe, roman

Ein wenig Leben

Hanya Yanagihara , Stephan Kleiner
Fester Einband: 958 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 30.01.2017
ISBN 9783446254718
Genre: Romane

Rezension:

Ein wenig Leben – Hanya Yanagihara (Autor), Stephan Kleiner (Übersetzer), 960 Seiten, Verlag: Hanser Berlin (30. Januar 2017), 26 €, ISBN-13: 978-3446254718

 Ein wenig Leben präsentiert sich, zumindest am Anfang, als eine bescheidene Chronik der Art und Weise, wie das Leben in einer kleinen Gruppe von Leuten zusammenhängt, die ein Stück Geschichte gemeinsam haben, als Katalog einer schrittweisen Ansammlung der Dinge ihres Lebens: die Arbeitsplätze und Wohnungen, die One-Night-Stands und Freundschaften und Groll, die Möbel und Kleidung, Liebhaber und Ehepartner und Häuser. Yanagihara folgt den Spuren von vier talentierten und künstlerischen Freunden von ihren gemeinsamen Collegetagen bis sie jetzt, als sie sich mit Anfang dreißig in und um New York City zu etablieren beginnen. Folgt ihrem Sex und Essen und Schlaf und Freunde und Geld und Ruhm. Es ist wie eine Studie über eine geschlossene Gesellschaft, ihre Sprache, ihre Rituale und ihre geheimen Codes.

Vier College-Freunde haben das Studium an einer unbenannten Universität abgeschlossen (scheinbar Harvard) und sind auf dem Weg in ihr berufliches Leben.

Malcolm, ein Mischlingskind, arbeitet in einem Architekturbüro und lebt noch bei seinen reichen Eltern. Sein Vater ist ein unerhört reicher, afroamerikanischer Finanzier.

J.B (Jean Baptist) ist ein homosexueller, haitianischer, ehrgeiziger Künstler an der Schwelle zum Erfolg. Er wurde von seiner Mutter allein erzogen. Er malt gegenständlich und konzentriert sich auf das Malen seiner Freunde.

Willem, gutaussehend, stattlich und liebenswürdig von isländischer-schwedischer Abstammung arbeitet als Kellner und denkt an eine Schauspielkarriere.

Und da ist Jude, faszinierend und verwundet, ein brillanter, gequälter Protagonist, über den die anderen drei wenig herausfinden können. Er hat keine klare Rassenzugehörigkeit, seine Sexualität scheint verwischt oder nicht existent. Vor allem hat er ein dunkles Geheimnis, das sein Leben und das seiner Freunde überschattet. Diese gehen aber nicht den offenen Fragen nach, sondern feiern seine Unterschiede. JB nennt ihn den Post-Mann „... post-sexuell, post-ethnisch, Post-Identität, Post-Vergangenheit." (Seite 129)

Alle vier sind gottlos und postmodern. Aufwärts und voran geht es für alle. Aber es ist keine glückliche Geschichte.

Zunehmend konzentriert sich der Roman auf Jude und Willem. JB und Malcolm verschwinden weitgehend von der Bühne und machen ihre eigenen, eher unwahrscheinlichen Sprünge zum amerikanischen Traum. Ein wenig Leben dreht sich um Jude, und Willem spielt eine führende Rolle dabei. „Willem war gut für ihn, aber er war schlecht für Willem.“ (Seite 649) Wir werden schichtweise tiefer in Judes Elend und sein geheimes Leid gezogen, sehen ihn sich ritzen, bemerken Narben auf seinem Rücken, verstehen, dass es vor vielen Jahren einen Unfall gab, der seine Beine stark beschädigt hat. „ … die Schmerzen, die an seiner Wirbelsäule hinab in eines seiner Beine krochen, als hätte man einen Holzpflock in Flammen gesetzt und in ihn hineingebohrt.“ (Seite 139) Und wir erkennen, dass das Geheimnis seines Lebens der erzählerische Motor ist, der den Roman antreibt.

Der Roman führt uns auf eine über 900-seitige Reise durch das Leben eines emotional und körperlich geschädigten Jude St. Francis, und das Leben seiner Freunde, die zwischen ihm und den Dämonen oder Hyänen, die er sieht und peinvoll spürt, stehen. Es ist ein Buch der Selbstbeobachtung, das seinen Focus setzt auf die Grenzen der Freundschaft, die Tiefen des Schmerzes, auf  individuelles Leid, auf Selbstverletzung und auf die Schande, die ein Mensch mit diesem unseligen Erbe kaum ertragen kann.

Yanagihara füttert uns in Rückblenden mit Geständnissen über Judes Leben, Rückblenden, die elektrisieren und gleichzeitig entsetzlich sind. Jude ist Mann, der mehr und mehr Geduld und liebevolle Pflege erfordert. Die frühe Freundschaft ist so warm beschrieben, dass dieser lebendige Teil des Buches unwiderstehlich ist. Willem und Judes Liebe für einander existiert auf einer höheren Ebene, mit Willem als den liebevollen Elternteil, den Jude nie hatte.

Hanya Yanagihara schreibt einen üppigen, fast wollüstigen Prosa-Stil, der zwischen dem exquisiten und maßlos schwankt, mit langen und kraftvollen Beschreibungen. Es gibt aber auch etwas Kühles, Unerbittliches in der Art und Weise, wie Yanagihara den Leser mit Judes Leiden konfrontiert. Yanagihara gibt diesem unerbittlichem Leiden und dem tiefen Schmerz eine intime, innere Stimme. Ein überbordendes Werk, groß, emotional und voller Trauma.

Ihr Stil erinnert mich an Donna Tartt, die gleiche schockierende erzählerische Energie, die gleiche faszinierende Sprache. Und immer wieder schieben sich bei mir die Bilder von Hieronymus Bosch in die Lektüre, Bilder die das Unheimliche in einer Weise zur Darstellung bringt, die uns deshalb so unmittelbar berührt, weil sie nicht mit dem Anonymen und dem Unbekannten agiert, sondern weil sie uns Vertrautes und Bekanntes vor Augen führt, weil sie die Schmerzen der Hölle und deren Fremdheit, dieses gleichzeitig im Feuer brennen und zugefroren sein, weil sie die Schmerzen und das Leiden von Höllenqualen anschaulich macht. Der Ort der Qual ist immer genau dort, wo Deine Gedanken hängen.

Lesen Sie unbedingt dieses Große menschliche Epos, die perfekte Chronik unserer Zeit der Angst, des Leidens und des Überlebens, mit all ihren Begleitdramen und Träumen. Es gibt keine Ruhe, keine Atempause, keine verbindlichen Überzeugungen, die uns zusammenhalten, und es gibt eine Lücke zwischen Träumen und Wirklichkeit. Dem großen Leben, das sie wollten, steht das kleine Leben gegenüber, das sie führten.

Sie werden nicht nur dieses Buch verschlingen, ebenso wird es auch Sie verschlingen und ganz lange nicht mehr loslassen. Es ist dunkel und traumatisch, aber ein erfrischender Roman über moderne Freundschaft. So notwendig in diesen Zeiten der Angst.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/themen/ein-wenig-leben

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

  (7)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Trennung: Roman

Katie Kitamura
E-Buch Text: 256 Seiten
Erschienen bei Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 30.01.2017
ISBN 9783446256026
Genre: Sonstiges

Rezension:

Trennung - Katie Kitamura (Autor), Kathrin Razum (Übersetzer), 256 Seiten, Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (30. Januar 2017), 22 €, ISBN-13: 978-3446254459

 

Die unbenannte Icherzählerin, von Beruf Übersetzerin, hat mit ihrem notorisch treulosen Ehemann Christopher die Trennung, die Scheidung vereinbart. Noch halten sie es geheim. Doch Isabella, ihre feindselige und unangenehme Schwiegermutter, vermisst ihren Sohn und fordert sie die junge Frau auf, nach Griechenland zu reisen, um ihn zu finden. Widerwillig stimmt sie zu. In ihrem Herzen ist sie nicht einmal sicher, ob sie ihn finden will.

In einer abgelegenen Region im zerklüfteten Süden von Griechenland trifft sie im Hotel, wo er ein Zimmer gemietet hat, auf Kostas, Stefano und Maria. Aber auch diese vermissen Christopher.

Es ist ein hypnotisierender, psychologisch straffer Roman über das Ende einer Ehe und die Geheimnisse, die wir alle mit uns tragen.

Jedes der 13 spannenden Kapiteln zieht die Spannungsschraube enger an. Am Anfang des siebten gibt es einen Mord. Kitamura lässt ihn ungelöst. Anstatt einen Whodunit-Krimi zu liefern, präsentiert uns die Autorin ein Bouquet von unvorhergesehenen, aber psychologisch durchdringenden Konsequenzen.

Es ist eine Geschichte der Intimität, Untreue und über die Kluft, die uns vom Leben des anderen trennt. Es geht auch und vor allem um die Erzählungen, die wir für uns selbst erschaffen.

Die Erzählerin beschreibt den Athener Verkehr und die Peloponnesische Küste, aber es sind ihre innere Landschaft, ihre Vorstellungen, Vermutungen, Spekulationen, Gedanken und Gefühle, die die Erzählung beherrschen. In der wilden Landschaft spürt sie den Zerfall ihrer Beziehung und entdeckt, dass sie viel weniger von dem Mann versteht, als sie dachte. Die Autorin zieht uns in die Erfahrung einer Frau am Rande der Katastrophe. „Eines der Probleme, wenn man glücklich ist – und ich war sehr glücklich gewesen, als Christopher und ich uns verlobten -, ist, dass man selbstzufrieden und phantasielos wird.“ (Seite 237/238)

Dieses atemberaubende Porträt einer ehelichen Entfremdung, dieser minutiös beobachtete Roman der Untreue ist ein fesselndes, stilistisches Meisterwerk, das uns Leser erstaunt aber auch betroffen und verunsichert zurücklässt. „Die wahre Schuld finden wir nicht im Dunkeln oder bei irgendwelchen Fremden, sondern in uns selbst.“ (Seite 251)

Katie Kitamura schreibt in einer präzisen und gedämpften Prosa, durch die kühl beobachtenden Augen einer jungen Frau.  

Dieser beunruhigende, psychologische Roman, diese hypnotische Meditation über Untreue und die Unerkennbarkeit des Ehepartners wird Sie in seinen Bann ziehen. „Vielleicht sind Mann und Frau und Ehe nur Wörter, hinter denen sich eine viel fragilere, turbulentere Realität verbirgt, als eine Handvoll Silben oder ein noch so langer Text sie erfassen können.“ (Seite 252)

Für alle Leser, die tiefgehende Untersuchungen von anspruchsvollen Beziehungen und interessante und aufschlussreiche Charakter-Studie lieben, ist dieser Roman eine überzeugende Entdeckung. Tauchen Sie ein in eine gute Geschichte.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/trennung/978-3-446-25445-9/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das große Herz

Sara Stridsberg
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 30.01.2017
ISBN 9783446256071
Genre: Romane

Rezension:

Das große Herz - Sara Stridsberg (Autorin), Ursel Allenstein (Übersetzerin), 320 Seiten, Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (30. Januar 2017), 23,00 €, ISBN-13: 978-3446254534

"Das große Herz" ist ein Roman über eine schwedische psychiatrische Klinik und ihre Geschichte, gesehen durch eine kleine Anzahl von individuellen Schicksalen. Die Insassen von Beckomberga, ihre Angehörigen und Mitarbeiter bilden eine eigene Welt, die fasziniert.

Es ist ein Roman über das Mädchen Jackie, ein unberechenbares, gebrochenes und starkes Mädchen und ihrem kranken Vater Jim, mit unstillbarer Trauer und alkoholabhängig.  Es ist ein Roman über Wahnsinn und die Hoffnung, über die Krankheit und die Möglichkeiten der Fürsorge, über das Leben und den Tod.

Als die Mutter Lone zum Schwarzen Meer reist, wird das Krankenhaus Jackie Welt. Jackie wächst praktisch in und mit der psychiatrischen Klinik Beckomberga, in einer parallelen, isolierten Welt auf. Sie besucht ihren Vater Jim jeden Tag. Vielleicht, weil sie den Traum hat, ihn retten zu können. Oder weil sie an diesen Ort gezogen wird, wo alle Hoffnung des gewöhnlichen Lebens von den Menschen genommen wurde und diese doch glücklicher zu sein scheinen, dort zu sein als anderswo.

Hier trifft Jackie Sabina, hier trifft sie Paul und die Liebe, der wirkliche Wahnsinn. Wir begegnen auch dem Arzt Edward Winterson, der jede Nacht Jim und einige ausgewählte Patienten zu großen Partys bringt, wo sich Inger Vogel an der Grenze zwischen Ordnung und Zerstörung und Sabina mit ihren Perlen und ihre Trauer bewegen. Beckomberga wird zu einem Ausnahmezustand, zu einer Traumwelt, zu einem Ort der Verurteilten. Sie trifft Wahnsinn und verzerrte Perspektiven und findet die Liebe in dem absoluten Wahnsinn.

Sara Stridsberg arrangiert ihren Roman nicht chronologisch, seine Kapitel zersplittert in der Zeit wie eine kubistische Malerei. Aus verschiedenen Zeiten und Schicht zwischen Traum und Wirklichkeit entsteht eine Erzählung, genauso traurig wie fesselnd. Ergänzt wird die Geschichte von Jackie und Jim um die Geschichte von Olof, dem letzten Patienten von Beckomberga, der hier 63 Jahre seines Lebens verbracht hat.

Die Autorin kommentiert auch den schwedischen Wohlfahrtsstaat, der fast genau mit der Existenz von Beckomberga zusammenfiel, etwa von 1932 bis 1995. Sie zeigt die dünne Grenze, das ewige Dilemma zwischen Pflege und Grausamkeit.

Die flirrende, lebendige Prosa von Sara Stridsberg erweckt die Natur zum Leben, in einer Mischung aus Schönheit und Dunkelheit. Sie bewegt sich jenseits von Klischees und findet präzise Worte. So wird die Natur in diesem Roman nicht einfach eine Requisite, sondern der Mensch und seine Umwelt sind als organisches, untrennbares Ganzes dargestellt.

Der Roman ist gefüllt mit gräulichem oder korngelbem Licht, Nebel, schwacher Sonne, schneller Dämmerungen, die sich wie von Zauberhand auf die Welt legt. Milchig-weiß scheint die Lieblingsfarbe von Sara Stridsberg. Sie wiederholt sich im Verlauf des Romans immer wieder, und es klingt so: "Der Himmel gleicht der Innenseite eines Schneckengehäuses. Körniges gelbes Licht, die Bäume nackt und schwarz im Regen.“ (Seite 173) oder „… die Birkenstämme leuchten in der Dämmerung, Wolken aus fleckiger Wasserfarbe in Rosa und Gelb, zarte verirrte Wolken, ein paar Vögel; eine schlampige Zeichnung des Himmels.“ (Seite 137)

"Das große Herz" wäre nicht der Roman, der er ist, ohne seinen milchigen Himmel, seine schwarzen Baumstämme, seine zerfetzten Wolken und weißen Schmetterlingen. Sie sind ein Teil der Geschichte. Natur reflektiert und verstärkt den Verlauf der Ereignisse und Erfahrungen im Roman und erfasst die Gefühle der Angst, der Hoffnung oder der Liebe, indem sie ihnen eine Atmosphäre gibt.

Vor allem gibt Sara Stridsberg den einsamen und verletzlichen Menschen, denen, die am Rand stehen, die nicht erfolgreich sind, den Hässlichen und Armen, den Kranken, den Menschen, die einsam und ausgebrannt sind, eine Stimme

In "Das große Herz", ein Stück bester schwedischer Gegenwartsliteratur versetzt die Autorin den Leser in eine Atmosphäre, wo die Grenzen zwischen Normalität und Wahnsinn verwischt und verschoben sind. Es ist die Geschichte vom Traum, jemanden im Licht, am Leben zu halten, der nie wirklich dort sein will.

Ein atemberaubender Roman, eine geniale Geschichte von Angst und Sehnsucht. Dieses mutige, intelligente und originelle Buch wird niemanden gleichgültig lassen.  

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/das-grosse-herz/978-3-446-25453-4/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(66)

86 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

liebe, hochzeit, frankreich, film, kamera

Die Liebeserklärung

Jean-Philippe Blondel , Anne Braun
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 30.01.2017
ISBN 9783552063334
Genre: Romane

Rezension:

Die Liebeserklärung - Jean-Philippe Blondel (Autor), Anne Braun (Übersetzerin), 160 Seiten, Deuticke Verlag (30. Januar 2017), 18,00 €, ISBN-13: 978-3552063334

 

Der 27-jährige Corentin und sein um 25 Jahre älterer Patenonkel Yvan halten an den Wochenenden von fünf intensiven Monaten im Sommer den unvergesslichen Tag im Film fest, wenn Paare sich vor dem Bürgermeister oder dem Pfarrer das Ja-Wort geben. Die beiden sind Hochzeitsfilmer.

Diese samstägliche Langeweile, mit der immer gleichen Abfolge der Szenen: „Frisieren, Ankleiden des Brautpaares, Standesamt, Tausch der Ringe, die Gruppenaufnahmen (bewegte Bilder inzwischen), die Kirche von außen, der Sektempfang und einige Sekunden darüber, wie es dann weitergeht.“ (Seite 47) gibt Corentin aber ausreichend Gelegenheiten, sein eigenes Leben zu analysieren, seine beruflichen Fehlschläge, seine Lieben und auch seine Erwartungen.

Er hält nicht nur das Lachen und Lächeln, das Glück und die Freude fest, sondern auch Verwerfungen, Ecken und Kanten. Sie begleiten die Paare vom frühen Morgen mit Frisieren, Make-up, Anziehen über die Zeremonien, den Wein und das Essen bis zum letzten Tanz der Nacht. Er wird privilegierter Zeuge von Paaren, ihren Vertraulichkeiten, ihren Hoffnungen, ihren Wünschen und ihren Verletzungen, ihren Ängsten, ihren Geheimnissen und ihren tiefsten Gefühlen.

Jean-Philippe Blondel wählt eine gemischte Erzählung: die Geschichte von fünf Hochzeiten bieten das Grundgerippe. Aline und Christophe, Laurence und Laurent, Fanny und Lise, Anne und Luc, Angélique und Sébastian bieten alle unterschiedliche Beobachtungen. Hinzu kommen Geständnisse verschiedener Charaktere, die Corentin filmt und uns, kursiv gesetzt als Transkript bietet. Das Ganze erzählt aus der distanzierten Sicht von Corentin. Ein Crossover aus perfekt organisierten Hochzeitszeremonien und überraschenden Geständnissen, mit einem ebenso überraschenden Schluss sowohl für Yvan als auch für Corentin.

Es geht um Freundschaft, Familie, Lebensentscheidungen und Gefühle. Dafür präsentiert uns der Autor eine liebenswerte Sammlung von Charakteren, darunter vor allem Corentin, voller Zweifel, emotional und professionell. Vor allem finden wir auch in diesem Buch Blondels Lieblingsthema Wie nimmt der andere uns wahr? Und vor allem, wie kann man erwachsen werden und trotzdem seine Jugend erhalten?

Alleine schon die Beschreibungen von so netten Dingen wie dem „Tisch der Ausgestoßenen“ (Seite 56) oder die Berichte von „unerträglichen Abendessen“, von der „tiefgreifenden Langeweile, die sich nach Mitternacht ausbreitet, während die x-te Rede geschwungen wird“ oder die „Schlägereien am Ende der Nacht“ (Seite 79) sind genussvolle Kabinettstückchen.

So entsteht ein bittersüßer Roman, voller Zärtlichkeit und Gefühl, einfach und aufrichtig, in einer klaren, dezenten Sprache. Jean-Philippe Blondel beeindruckt durch seinen scharfen Blick und seine große Sensibilität, mit der er die Komplexität der Gefühle und die menschlichen Beziehungen zeigt. Ihm gelingt eine wunderbare Mischung aus nostalgisch und fröhlich und zugleich zart, witzig und realistisch.

Für mich machen zwei Dinge diesen kleinen Roman besonders lesenswert. Da ist einmal Corentin und sein Reifeprozess als Vertrauter, ja als Beichtvater der Gefilmten. Zusammen mit seinem Patenonkel bildet er ein kontrastreiches Duo von reifem und jungen Mann.

Und zum anderen diese menschliche Komödie ritualisierter Hochzeitsfeiern zwischen Vorbereitungen, dem Bankett, dem Wiedersehen mit alten Bekannten, dem Aufeinandertreffen von Gästen. Das erinnert mich stark an Reality-TV mit seinen Exzessen. Ehen, die Rache sind, Zeremonien, in denen Groll verteilt wird, mit Eifersüchteleien geladene Buffets, Outfits, die Heucheleien überdecken. Corentin machte Filme, in denen die Realität mit einer akzeptablen Fiktion ersetzt wird.

Es ist ein leichter Roman. Aber deshalb noch lange nicht oberflächlich. Der Autor sondiert die menschliche Seele und wir entdecken auch ein Stück von uns selbst. „Die Liebeserklärung“ wird keinen Leser unberührt zurücklassen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Deuticke Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-liebeserklaerung/978-3-552-06333-4/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

genie, kindheit, biografie, schicksal, emotional verarmt

Das perfekte Leben des William Sidis

Morten Brask
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Verlag Nagel & Kimche AG, 30.01.2017
ISBN 9783312010264
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das perfekte Leben des William Sidis - Morten Brask (Autor), Peter Urban-Halle (Übersetzer), 368 Seiten, Verlag Nagel & Kimche AG (30. Januar 2017), 24,00 €, ISBN-13: 978-3312010134

Vor diesem Buch sagte mir der Name William Sidis gar nichts. Meine Neugier wandelte sich beim Lesen sehr schnell in Verblüffung:

Da ist jemand außergewöhnlich intelligent und klug. Verpflichtet ihn das auch, seine Fähigkeiten in den Dienst der Gesellschaft zu stellen? Wie kann so ein Talent, das wie kein anderes für den Fortschritt des menschlichen Wissens beigetragen haben sollte, ohne eine Spur in der Geschichte verschwinden? Diese Frage stellt sich mir beim Lesen dieser Biographie.

Wer war William Sidis? Er lebte von 1898 bis 1944 in den Vereinigten Staaten und hatte den höchsten Intelligenzquotienten, geschätzt bei etwa 250 bis 300. Er konnte lesen bevor er zwei Jahre alt war, mit drei Jahren sprach er Griechisch und Latein. Mit acht Jahren absolvierte er in nur zwölf Wochen die High-School. Bis dahin hatte er bereits vier Bücher geschrieben. Mit 11 Jahren begann er sein Studium an der Harvard-University und hielt dort schon in diesem Alter Vorträge über nichteuklidische Geometrie und die vierte Dimension. Also ein Wunderkind. Dem Höhenflug folgte ein jäher Sturz. Sidis konnte sich gerade noch graduieren, musste bald schlecht bezahlte Jobs annehmen und gar eine Gefängnisstrafe absitzen und starb, nur 46 Jahre alt, als mittelloser Misanthrop. Und trotzdem war er am glücklichsten allein und wollte nur in Ruhe gelassen werden.

Sein Vater lehrte Psychologie an der Harvard-University und seine Mutter war Ärztin. Beide regten ihn vom Babyalter an, sein Gehirn zu benutzen und sahen keinen Sinn darin ihn spielen zu lassen, vor allem nicht mit anderen Kindern. So entwickelte sich William Sidis zu einem ganz anderen und sehr einsamen Kind, das sich mit dem sozialen Leben schwer tat. Er hatte natürlich auch Bekannte und einen Freund namens Nathaniel Sharfman. Er lebte und starb einsam. Und es gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass ihn diese Einsamkeit unglücklich machte. „Ich möchte ein perfektes Leben führen. Das perfekte Leben lässt sich nur in Abgeschiedenheit führen. Menschenmengen habe ich immer gehasst.“

Morten Brask schreibt einen dokumentarischen und doch nachdenklichen, hochliterarischen Roman über den wahrscheinlich klügsten und einsamsten Mann der Welt. Es ist nicht einfach nur eine Biographie, sondern eine Interpretation von William und seinem Schicksal. Er geht den Fragen nach: Warum ist ein so begabter Mensch heute unbekannt? Was war sein Leben? Was ist passiert? Was ist schief gelaufen? Was bringt einen Menschen dazu zu sagen, „Der einzige Weg, das perfekte Leben zu leben, ist es in der Einsamkeit zu leben." William Sidis lebte fast gleichzeitig mit Albert Einstein. Aber wo Einstein ein weltbekannter Physiker wurde, beendete William sein Leben in der Anonymität. Wie kam es dazu? War seine Intelligenz angeboren oder anerzogen?

Der Autor lässt die Geschichte in drei Erzähllinien entstehen: Seine Kindheit und Jugend, seine Beteiligung an der sozialistischen Bewegung und nicht zuletzt (keusche) Liebesaffäre mit Martha und sein letztes Jahre 1944. Seine Sprache ist einfach, nicht im Sinne von oberflächlich oder primitiv, sondern im Sinne von nüchtern, von einer durchaus lobenswerten Trockenheit. Es gelingt ihm, in diesem spannenden Roman hinter den tausend Gesichtern eines Genies, das wahre Gesicht des Menschen William Sidis zu entdecken. Es ist das starke Porträt eines in vielerlei Hinsicht vernachlässigten Kindes.

Die Quintessenz aus diesem Buch lautet für mich: Es gibt viele Möglichkeiten, das Leben zu leben. Niemand sagt, dass die traditionelle Familie, Kinder und Karriere auf jeden Fall die einzige Möglichkeit ist, ein perfektes Leben zu leben. Und es bleibt die Frage: Ist ein perfektes Leben auch ein glückliches Leben? Oder wie Sidis selber sagte: „Es gibt wohl kein Leben, das richtiger ist als ein anderes.“ (Seite 315)

Eine lesenswerte authentische Geschichte, die sich um Fragen dreht, die auch und besonders heute ihre Berechtigung haben und nach Antwort rufen, z.B. für die groteske Tendenz, dass Eltern völlig unkritisch ihre mehr oder weniger talentierten Sprösslinge als hochbegabt bezeichnen und alles tun, damit andere das auch so sehen. Das Buch liefert dazu einige Antworten und lässt viel Raum zum eigenen Nachdenken.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Nagel & Kimche Verlags Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/das-perfekte-leben-des-william-sidis/978-3-312-01013-4/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

  

 

 

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Franz von Assisi

Gunnar Decker
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Siedler, 26.09.2016
ISBN 9783827500618
Genre: Biografien

Rezension:

Franz von Assisi: Der Traum vom einfachen Leben - Gunnar Decker, 432 Seiten, Siedler Verlag (26. September 2016), 26. 09. 2016, 26,99 €, ISBN-13: 978-3827500618

 „Was für einen Anfang wagt da einer!“ (Seite 69). Dieser Satz, den Gunnar Decker über das Auftreten des 28-jährigen Franz von Assisi vor Papst Innozenz III. sagt, könnte auch über den Amtsantritt von Jorge Mario Bergoglio stehen, als er sich am 13. März 2013, zum 266. Bischof von Rom gewählt, einen neuen Namen gab: Franziskus I. und damit auch ein völlig neues Programm in der katholischen Kirche auflegte. (siehe dazu auch seine Enzyklika Laudato si`)

Gunnar Decker, der Berliner Religionsphilosoph, nimmt uns in seinem neuen Buch mit auf eine ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Zeitreise ins Mittelalter, als der Bettelmönch Franz von Assisi nichts weniger wollte, als Welt und Kirche zu verändern.

Francesco, geboren als Sohn des reichen und einflussreichen Tuchhändlers Pietro Bernadone geboren, kennt beide Seiten: Reichtum, Macht und Vergnügungen der oberen Gesellschaftsschicht und Armut und Verzweiflung der vielen Zurückgelassenen und Ausgestoßenen. Schnell erkennt er die Fehlentwicklungen von Reichtum (Kapitalismus) und vor allem der weltlichen Macht der Kirche.

Wie wurde aus dem bürgerlichen Lebemann Giovanni Battista Bernadone der asketische Bettelprediger Franziskus? Und was wurde aus seiner Vision von einem Leben in der Nachfolge von Jesus Christus?

Neben einer äußerst klugen und kenntnisreichen Biographie, mit sehr guten Informationen aus primären Quellen und sehr interessanten sekundären Quellen, liefert Gunnar Decker das farbige und plastische Bild eines Mannes, dessen Strahlkraft alle konfessionellen und zeitlichen Unterschiede überwindet und gerade in den Zeiten eines Turbokapitalismus und des Überdrusses, Halt und Zuflucht bietet. 

Für mich besonders interessant sind in diesem Buch zwei Aspekte:

Einmal der Einfluss Franz von Assisis auf Kunst und Kultur, von Boccaccio, G.K. Chesterton, Luise Rinser, Hermann Hesse, Rilke bis zu Steven Spielberg, die sich zu allen Zeiten immer wieder mit seiner Botschaft auseinandersetzen, die uns Antworten auf die Fragen gibt, die wir auch heute an das Leben stellen.

Zum anderen die Reaktionen der Amtskirche, die als die wahren Mächtigen in der Kirche seine Reformbewegung ausbremsen, die vergleichbar ist mit dem Kampf, den verschiedene Kreise der Kurie heute gegen Papst Franziskus I. führen. Wer wird siegen? Das kirchliche Establishment oder der unkonventionelle neue Papst?

Eine insgesamt lohnende Lektüre, die ebenso viel Kenntnisse vermittelt wie sie Lesevergnügen bereitet.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Siedler Verlages

https://www.randomhouse.de/Buch/Franz-von-Assisi/Gunnar-Decker/Siedler/e474383.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Unauffällige Geschichten: Zu lesen am Abend

Jules W. Barrois
E-Buch Text: 96 Seiten
Erschienen bei BookRix, 10.01.2017
ISBN 9783739692203
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(35)

66 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

thriller, horror, jenny milewski, ring, angstmädchen

Angstmädchen

Jenny Milewski , Maximilian Stadler
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.01.2017
ISBN 9783453438804
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Angstmädchen - Jenny Milewski (Autorin), Maximilian Stadler (Übersetzer), 336 Seiten, Heyne Verlag (9. Januar 2017), 13,99 €, ISBN-13: 978-3453438804

"Angstmädchen" spielt überwiegend im Studentenwohnheim an der Universität Linköping, wo die Wirtschaftsstudentin Malin Granström, die aus einer kleinen Stadt kommt, ein Zimmer bezieht. Und es gibt sogar eine Badewanne, ein großer Luxus für Studenten. Malin, die schüchtern und etwas zurückgezogen ist, sieht ihre Chance für ein sozialeres Leben mit anderen Studenten. Immerhin wohnen auf ihrem Flur Pelle, Camilla, Richard, Torbjörn und Rebecka.  Aber es kommt anders. Eine Reihe von seltsamen Ereignisse geschehen.

Wer war die japanischen Studentin, die in dem Zimmer vor Malin wohnte? Was geschah mit ihr, und warum hat sie ihre Sachen in einem Lagerraum des Kellers gelassen? Wo kommen die seltsamen Haarbüschel in der Wanne her? Ja, das schöne Bad, was geschieht eigentlich dort? Wissen die Nachbarn auf dem Korridor mehr, als sie enthüllen?

Schritt für Schritt verwandelt sich das Leben auf ihrem Flur zu einem schrecklichen Chaos

Jenny Milewski entwickelt eine Geschichte, die gruselig sein soll. Dabei bewegt sie sich zwischen einer Art japanischem Geisterfilm und amerikanischem College-Jugendfilm, wobei sie das Ganze in Schweden ansiedelt. Die Handlung ist weder innovativ noch komplex. So ergibt sich ein Grusel- oder gar Horroreffekt nur in sehr moderaten Dosierungen. Irgendwie entwickelt sich die Geschichte äußerst langatmig. Und sie endet so, wie schon ganz am Anfang angedeutet.

Ich habe nicht das Original gelesen. Vielleicht kommt im Schwedischen eine Atmosphäre zustande. In der deutschen Übersetzung ist die Sprache ziemlich einfach und überschaubar. Die Charaktere bleiben oberflächlich und sehr blass. Einige Nachlässigkeiten beim Gebrauch der indirekten Rede und des Konjunktivs stören. So bereitet das Buch kein großes Lesevergnügen.

Wer ein ausgesprochener Fan dieser Art Geschichten mit harmlosem Gruseleffekt ist, und wer vielleicht etwas mehr erfahren will über japanischen Geisterglauben, für den mag das Buch ganz annehmbar sein.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Heyne Verlages

https://www.randomhouse.de/Paperback/Angstmaedchen/Jenny-Milewski/Heyne/e504691.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

41 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

färöer inseln, krimi, waljagd, färöer, mord

Das Walmesser

C. R. Neilson , Ulrich Thiele
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 28.12.2016
ISBN 9783453419674
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Walmesser - C. R. Neilson (Autor), Ulrich Thiele (Übersetzer), 512 Seiten, Heyne Verlag (28. Dezember 2016), 13,99 €, ISBN-13: 978-3453419674

 Der Schotte John Callum verlässt Glasgow und fliegt zu den Färöer-Inseln, 18 Inseln in der Mitte des Nordatlantik, unverdorbene Schönheit, unberührte Natur,  saubere Luft und frisches Wasser. Eine aufregende und einzigartige Kombination.  Dort will er in Tórshavn leben. Warum? Hat das etwas mit seinen Albträumen zu tun, in denen immer wieder ein Liam Donan vorkommt? Wir werden es erfahren. Nach und nach breitet der Ich-Erzähler John in seinen eingeschobenen Albträumen seine Vorgeschichte aus. „Ich war auf die Färöer gereist, um der Welt zu entkommen. Jetzt konnte ich nicht mehr zurück, selbst wenn ich gewollt hätte.“ (Seite 265)

Doch auch in Tórshavn meint das Schicksal es wohl nicht gut mit ihm. Total besoffen wacht er auf dem nassen Boden der Kaimauer auf. In seiner Manteltasche ein Grindaknivur, ein Walmesser. „An der Klinge klebt das Blut eines anderen.“ (Seite 13) Was hat er getan? Hat er überhaupt etwas getan?

Doch der Reihe nach: John Callum lässt sich in Tórshavn nieder, auf den beeindruckenden Färöer-Inseln. Er findet schnell Kontakt. Zu Menschen, die ihn freundlich behandeln, wie Martin Hojgaard, der ihm Arbeit in einer Lachszucht gibt. Zu Menschen, die er nicht so richtig einordnen kann, wie Tummas Barthel, ein Alt-Rocker, dessen Lachen so klang, „als würde er mit Kies gurgeln.“ (Seite 79) oder der französische Fotograph Serge Gotteri, mit einem Akzent „herb wie tiefblaue Gouloises-Schwaden und geschmeidig wie ein Schluck Camus-Cognac.“ (Seite 97) Er trifft aber auch Menschen, die ihm feindlich gesonnen sind, wie die Brüder Aaron und Nils Dam. Tórshavn ist beileibe kein verschlafenes Nest, sondern ein hochmodernes Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum, mit vielen Pubs, Bars und Cafés, in denen John Callum seine Freizeit verbringt, die unzähligen Biersorten probiert und sich mit Whisky betrinkt.

Dabei begegnet er auch der jungen Künstlerin Karis Lisberg. „Sie hatte ein sehr hübsches, aber beinahe jungenhaftes Gesicht, etwas Spitzbübisches, wie eine junge, dunkelhaarige Twiggy. Oder wie die färöische Audrey Hepburn.“ (Seite 98) Sie ist die Tochter des ehrwürdigen Pastors Esmundur Lisberg, „der Hüter unseres gemeinschaftlichen Gewissens.“ (Seite 144)

Und da ist natürlich die zweite Hauptperson dieses Romans, die Färöer-Inseln, mit ihren unvergleichlichen Landschaften „eine rasch vorbeiziehende Orgie aus Grün- und Brauntönen im Dämmerlicht […] mit grauen Steinen gesprenkelte Hänge, durchsetzt mit trägen Bächen […] ein Schlachtfeld widerstreitender Kräfte: Erde und Wasser kollidierten miteinander, und wohin man auch blickte, sah man die Opfer dieses Krieges.“ (Seite 21) Und natürlich die Färinger, die ihre Traditionen und ihre Sprache, das Färingisch pflegen und die von sich selbst sagen, dass sie glücklich sind. Ein besonderer Menschenschlag, stoisch und verschlossen der die Einsamkeit liebt, der Wind und Kälte trotzt, in dieser atemberaubenden aber eben auch sehr harten Natur, die den Menschen sehr schnell und oft unbarmherzig ihre Grenzen aufzeigt.

John Callum lernt die Färöer mit all ihren Widrigkeiten zu lieben. „Die Tristesse meiner ersten Eindrücke des vernieselten, ereignisarmen Tórshavn war vom Wind fortgeblasen worden. Jetzt nahm ich eine andere Stadt wahr, eine Stadt voller Farben, Leben und Charme. Bevölkert von ruhigen, freundlichen, bescheidenen Menschen, die einem nur zu gerne weiterhalfen. Selbst den Regen hatte ich liebgewonnen, über den Wind sah ich schulterzuckend hinweg, ganz wie die Färinger selbst.“

John Callum ist weit weggerannt, er könnte endlich die Vergangenheit ruhen lassen, aber weit gefehlt, da holt ihn das Ganze mit enormer Gewalt wieder ein. Kann er seine Wut, seine ohnmächtige Wut im Zaum halten? Kann er seine eigene Verletzlichkeit so in Bahnen lenken, dass sie nicht zu Aggressionen führt, die andere verletzen? „Ich habe entsetzliche Angst davor, dass sich die Vergangenheit wiederholt haben könnte. (Seite 249)

Die Geschichte ist sehr geschickt aufgebaut und zwingt den Leser mit John Callum zu bangen, zu fürchten, zu hoffen und zu leiden. Es ist eine wunderbare Mischung aus Charakterzeichnungen, Landschafts- und Wetterbeschreibungen, Gedanken und Handlungen. Eine sehr gelungene, äußerst dichte Einheit, die einfach fesselt.

C.R. Neilson schreibt einen gut lesbaren, aber wortgewaltigen Stil, der reich an Metaphern ist. Das sehen Sie schon an den wenigen Zitaten in dieser Rezension. Er lässt uns alle Situationen hautnah miterleben, die Stürme, den Regen, die überfüllten Pubs, die Menschen. Besonders gelungen sind ihm die Albträume Callums und dessen Dialoge. Der Autor bietet das, was für mich bei jedem Roman mitentscheidend ist: ein ästhetisches Lesevergnügen.

Ein exzellenter nordischer Thriller, mit viel Atmosphäre und nicht nur sehr lebendige Figuren, sondern auch mit einer sehr starken Handlung voller Überraschungen. Für alle, die besondere Krimis mögen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Heyne Verlages

https://www.randomhouse.de/Paperback/Das-Walmesser/C.-R.-Neilson/Heyne/e494922.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(74)

146 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

thriller, norwegen, oslo, mord, alkohol

Federgrab

Samuel Bjørk , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 540 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.10.2016
ISBN 9783442205257
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Federgrab: Thriller - Samuel Bjørk (Autor), Gabriele Haefs (Übersetzerin), 480 Seiten, Goldmann Verlag (17. Oktober 2016), 12,99 €, ISBN-13: 978-3442205257

Nach „Engelskalt“ legt Samuel Bjørk seine zweite Geschichte um die Ermittler Holger Munch und Mia Krüger vor. Ein Buch, das unter die Haut geht. Nicht weil es unbedingt unheimlich ist, da war sein erstes Buch eindringlicher. Nein, in diesem Band kommen wir den Protagonisten und ihren Seelen, Ängsten und Traumata wesentlich näher. Das bezieht sich vor allem auf die beiden Hauptfiguren Holger Munch und Mia Krüger. Ihre Persönlichkeiten und ihre wunden Punkte bekommen deutlich mehr Platz. Aus den Superhelden werden Menschen, fehlbar und verwundbar.

Mia Krüger ist psychisch instabil, tablettenabhängig, alkoholsüchtig und nach dem Verlust ihrer Zwillingsschwester immer noch in Trauer, aber sie ist auch sehr empfindsam und kann Verbindungen sehen, die sonst niemand bemerkt.

Vor allem Holger Munch ist ein weitaus komplexerer Charakter als im ersten Fall Er hat offensichtlich gesundheitliche Probleme, und es mangelt ihm an Urteilsfähigkeit in manchen wichtigen Situationen.

Und nun zum Inhalt: Nach einer Einleitung, die für meine Begriffe etwas zu lang geraten ist, öffnet sich der Fall dramatisch: Ein Botaniker auf der Suche nach seltenen Blumen findet den Körper eines nackten Mädchens. Sie ist sorgfältig auf einem Bett aus Vogelfedern angeordnet und von einem Pentagramm aus Licht umgeben, mit einer weißen Orchidee im Mund. Zudem ist sie heftig abgemagert und alle Anzeichen deuten auf eine lange Gefangenschaft hin. Der unheimliche Fall zwingt den Leiter der Morduntersuchung, den kettenrauchenden Holger Munch, wieder sein Protegé Mia Krüger zu rufen, obwohl sie vom Dienst suspendiert ist.

Die Vorgehensweise des Autors ist die gleiche wie im ersten Fall: Ein teuflisch schlauer Killer mit psychopathischen Zügen mit einem Trauma UA der Vergangenheit führt die Polizei und den Leser unweigerlich in die Irre. Dazu der Trick seine Stimme durch innere Monologe hören zu lassen, ohne dass seine Identität enthüllt wird. Und schließlich kommen die engsten Familienmitglieder von Holger Münch diesmal in Gefahr.

Nach dem ersten Fall stellt man natürlich hohe, vielleicht zu hohe Erwartungen an den Autor. Aber obwohl er eine Geschichte ohne die gleichen offensichtlichen Horrorszenarien vorlegt und das Buch nicht unbedingt auf dem gleichen Niveau wie das erste ist, schneidet Samuel Bjørk für meine Begriffe überraschend gut ab.

Gut zu lesen, sehr spannend. Der Autor hat sich weiterentwickelt und nähert sich eher dem düsteren Genre des Nordic-Noir an. Mir haben es die Personen dieses Thrillers angetan, besonders Mia Krüger in ihrer rohen und gleichzeitig zerbrechlichen Art. Für mich eine der besten Krimis in diesem Jahr.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Goldmann Verlages

https://www.randomhouse.de/Paperback/Federgrab/Samuel-Bjork/Goldmann/e509320.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (5)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(13)

22 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

thriller, alaska, royce scott buckingha, kaltgestellt, kalt gestellt

Kaltgestellt

Royce Scott Buckingham , Wulf Bergner
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.09.2016
ISBN 9783734102318
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kaltgestellt - Royce Scott Buckingham (Autor), Wulf Bergner (Übersetzer), 448 Seiten, Blanvalet Taschenbuch Verlag (19. September 2016), 9,99 €, ISBN-13: 978-3734102318

 

Stuart Stark, genannt Stu ist ein hervorragender Jurist. Seine hoffnungsvolle Karriere als Staatsanwalt von Massachusetts ist zu Ende, als der Mörder Raymond Butz wegen eines von Stu verursachten Verfahrensfehler nicht verurteilt werden konnte. Jetzt betriebt er mit seinem Partner Clayton Buchanan, genannt Clay eine Anwaltskanzlei. Ihr Büro ist nicht besonders attraktiv, liegt auch nicht so nahe beim Gericht, wie sie es gerne möchten, aber die Miete ist niedrig. Clay ist der Gesellige, Stu der Vorsichtige. Stu ist das Arbeitspferd, während Clay Kunden umwirbt. Clay hat den Killerinstinkt. Stu hat ihn nicht. Ihr Anwaltsbüro kommt geradeso über die Runden. Dabei möchte Stus Frau Katherine so gerne mit ihren Freundinnen mithalten.

Zu Stus 40tem Geburtstag schenkt ihm Clay einen einwöchigen Abenteuerurlaub in der Wildnis von Alaska. Eigentlich will Clay mitkommen, springt aber in letzter Sekunde am Flughafen ab. Stu tritt die Reise alleine an.

Ein kleines Flugzeug setz ihn an einem See ab. Es soll ihn in einer Woche wieder abholen. Aber alles kommt anders als erwartet. Das Abenteuer entwickelt sich bald zu einem Alptraum.

In der Wildnis entwickelt er sich zu einem Mann, der er nie war, körperlich und mental. Zuhause gerät auch manches durcheinander, privat wie geschäftlich. Welche Rolle spielt Clay? Wie wird sich seine Frau Katherine verhalten? Was hat das Ganze mit Raymond Butz zu tun? Der arbeite für die Baufirma Bolt. Diese wiederum arbeitet für Reggie Dugan, einem Baulöwen, der Kunde der Anwaltskanzlei von Stu werden soll. Reggie Dugan persönlich macht mit Katherine Stark die Besichtigung eines seiner Luxusobjekte, eines von dem Katherine schon immer geträumt hat. Wie hängt das ganze zusammen?

Kaltgestellt ist ein pulsierender, moderner Justizthriller mit einer perfekten Mischung aus viel Action, Spannung mit Humor, Abenteuer, Verrat, Verbrechen, Wildnis, Überleben und köstlich süßer Rache. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Sichtweisen von Stuart, Clay und Katherine erzählt.

Es ist eine schnelle, angenehme und moderne Version des Grafen von Monte Christo. Vor allem, weil in der nachnapoleonischen Zeit, in der „Der Graf von Monte Christo“ spielt, das Gleiche Motto herrscht wie heute: „Bereichert euch.“

Royce Scott Buckingham schreibt einen Stil, der sich flott lesen lässt, oft in der Art eines witzigen, sarkastischen Geplänkels, insgesamt nüchtern und durchaus spannend. Der Autor ist ja eher als Fantasy-Schriftsteller bekannt. Sein Ausflug in die Welt des Abenteuers und des Thrillers ist ihm gelungen. Das Buch bitte einige Stunden sehr gute Unterhaltung.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Blanvalet Verlages

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Kaltgestellt/Royce-Scott-Buckingham/Blanvalet-Taschenbuch/e475811.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

silvia zucca, sterne, schicksal, liebe, alles eine frage der stern

Alles eine Frage der Sterne

Silvia Zucca , Ingrid Ickler
Flexibler Einband: 514 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.10.2016
ISBN 9783734102448
Genre: Liebesromane

Rezension:

Alles eine Frage der Sterne – Silvia Zucca (Autorin), Ingrid Ickler (Übersetzerin), 560 Seiten, Blanvalet Taschenbuch Verlag (17. Oktober 2016), 9,99 €, ISBN-13: 978-3734102448

 „Immer wenn in meinem Leben etwas total danebengeht, dann gebe ich mir eine Überdosis Schnulzen.“ (Seite 8) Das ist wichtiger denn je, weil im Augenblick quasi alles schiefläuft im Leben von Alice, beruflich und privat. Die „Waage“ Alice trifft auf den „Zwilling“ Tiziano, genannt Tio.

Alice, eine Frau in den Dreißigern, läuft Gefahr ihren Job bei einer kleinen lokalen Fernsehstation zu verlieren. Denn Davide Nardi – ein Typ wie Richard Gere -  ist beauftragt den Sender zu sanieren. Carlo, ihr langjähriger Lebensgefährte, von dem sie seit zwei Jahren getrennt ist heiratet eine andere. Auch sonst läuft vieles nicht wie es sollte.

Tio glaubt, das Geheimnis zum Erfolg zu kennen: Astrologie und zwar die wahre Astrologie, die die günstigen Aspekte für den Beruf kennt und uns hilft, für das private Glück einen wirklichen Seelenverwandten zu finden. Alice ist zwar skeptisch, entscheidet sich aber, es zu versuchen und trifft Verabredungen nur mit Männer, die zu ihrem Sternzeichen passen. Aber seltsamerweise schützt sie das auch nicht nicht vor falschen Begegnungen, peinlichen Ausfälle und Überraschungen. Immerhin entwickeln Tio und Alice aus diesen astrologischen Erfahrungen ein neues, erfolgreiches Sendekonzept.

Die Geschichte ist spannend und voller Wendungen. Sie bietet dem Leser viele Innenansichten nicht nur der sympathischen Protagonistin Alice, sondern auch der anderen Personen, insbesondere ihrer besten Freundin Paola. Eine Geschichte voller Leichtigkeit und doch mit viel Stoff zum Nachdenken. Leicht frivol und mit viel Humor. Besonders gelungen ist dieser Roman jedoch in der Darstellung des täglichen Lebens, so dass der Leser in der Lage ist, mit den Protagonisten zu fühlen. Die verschiedenen Wechselfälle sind etwas romantisiert, aber sie bleiben immer soweit realistisch, dass wir denken, "Gott sei Dank, das passiert nicht nur mir."

Ein zeitgenössischer, romantischer Liebesroman oder auch Komödie mit allem was dazugehört: eine ungeschickte, neugierige Heldin, mit einem prekären Job und einem sehr unglücklichen Liebesleben, ein gut aussehender und charmanter Mann, eine romantische Reise nach Paris und die Gelegenheit, sich selbst zu finden und schließlich anerkannt zu werden.

Leicht und amüsant zu lesen, ironisch, lustig und witzig. Silvia Zucca schafft mit ihrem frischen und knackigen Schreibstil und ihren lebendigen, glaubwürdigen Charakteren eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt. Vor allem, da Alice nichts von romantischen Klischees an sich hat und auch keine Femme fatale ist, sondern ein Mädchen wie jedes andere, das ein Herz voller Liebe hat. Und ihr Herz möchte sie mit jemandem teilen, der sie für das liebt, was und wie sie ist.

„Alles eine Frage der Sterne“ ist das klassische Buch für einsame Abende im Hotel, lange Bahnfahrten oder Strandurlaube. Und vor Allem: Wenn Sie immer noch nach der wahren Liebe suchen, könnte dieses Buch nützlich sein, aber ich empfehle Ihnen, achten Sie auf Ihr Geburtshoroskop.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Blanvalet Verlages

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Alles-eine-Frage-der-Sterne/Silvia-Zucca/Blanvalet-Taschenbuch/e481280.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de


  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Metamorphosen

Natalie Zemon Davis , Wolfgang Kaiser
Flexibler Einband
Erschienen bei Wagenbach, K, 28.11.2016
ISBN 9783803127662
Genre: Biografien

Rezension:

Metamorphosen Das Leben der Maria Sibylla Merian - Natalie Zemon Davis (Autorin), Wolfgang Kaiser (Übersetzer), 192 Seiten. Wagenbach, K (28. November 2016), 13,90 €, ISBN 978-3-8031-2766-2

Die Historikerin Natalie Zemon Davis untersucht in diesem Buch das Leben von Maria Sibylla Merian, eine bekannte deutsche Naturforscherin und begabte Zeichnerin, Graveurin und Verlegerin Künstlerin und Mitglied einer radikalen protestantischen Sekte aus der Schweizer Familie Merian.

Es ist ein schwieriges Unterfangen, denn über Maria Sibylla Merian gibt es wenig Nachgelassenes: Kein Tagebuch, außer ihrem Skizzenbuch, kein ausführlicher Briefwechsel, keine Autobiographie. Nur ihre künstlerischen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen: Neues Blumenbuch, 3 Bände (1675, 1677 und 1680); 3 Bände Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung (1679, 1683, 1717) und Metamorphosis insectorum Surinamensium (1705)

Als eine der ersten Insektenforscherinnen beschäftigte sie sich intensiv mit der Metamorphose von Insekten.

Und so greift Natalie Zemon Davis auch zu den Phasen der Metamorphose im Leben der Maria Sibylla Merian, nach denen sie das Buch aufbaut. Als Raupe scheint mir die Zeit in Frankfurt und Nürnberg zu gelten. Eine Zeit in der sie die Grundlagen, künstlerisch und handwerklich für ihr weiteres Schaffen legte.

Als Verpuppung mag die Zeit ab 1685 gelten. Sie entschloss sich Merian nach zwanzigjähriger Ehe, mit 38 Jahren, zusammen mit ihrer Mutter und den beiden Töchtern (damals 17 und 7 Jahre alt) für unbestimmte Zeit nach Schloss Waltha bei Wieuwerd im niederländischen Friesland zu gehen. Das Schloss gehörte drei Schwestern des Gouverneurs von Surinam, Cornelis van Aerssen van Sommelsdijk; sie hatten es der frühpietistischen Sekte der Labadisten als Zufluchtsort zur Verfügung gestellt. Die etwa 350 Personen der Kolonie fühlten sich urchristlichen Idealen verpflichtet, jenseits der naturfernen Orthodoxie der Amtskirche. Allerdings hatte sich gerade diese Gruppe unter Leitung ihres Predigers Yvon (1646–1707) zu einer strengen, moralisch engherzigen, dabei zu schwärmerischer Übertreibung neigenden Gemeinschaft entwickelt, die Merians Wesen kaum entsprach. „Wie immer behielt sie ihr inneres Leben für sich […] dieser fünfjährige Rückzug […] war nichts anderes als eine Zeit der Verpuppung, des Wachstums im Verborgenen, eine Zeit des Lernens für eine Frau, die sich nicht festlegen ließ.“ (Seite 55)

Und dann ab 1691, als sie Schloss Waltha verließ und nach Amsterdam ging sowie ihre Reise nach Surinam war wohl die Zeit als prachtvoller Schmetterling. Und hier zeigten sich die Wirkungen ihrer Vorstufen. „Merian hätte niemals das Insektenbuch geschaffen, wenn sie bei den Erwählten geblieben wäre, aber sie hätte nie die Überfahrt nach Surinam gewagt, wäre sie nicht einst das Wagnis eingegangen, eine Labadistin zu werden.“ (Seite 65)

Was macht diese Frau zu etwas Besonderem? Sie sieht sich selber weniger als Frau, sondern als Künstlerin und Wissenschaftlerin und die Autorin lässt sie sagen „Man hätte mich zusammentun müssen mit den naturforschenden Malern und den Gelehrten, die Insekten und Pflanzen studieren.“ (Seite 8)

Sie ist ein Mensch, der mit Konventionen bricht, ihren eigen Weg geht, immer neue Ansätze findet. Sie ist eine der ersten Umweltaktivistin der Welt, da sie einerseits dokumentierte, wie einzelne Arten miteinander interagieren und andererseits das entwickelte, was wir Nahrungskette nennen.

Es ist auch ein zentrales Buch über das Leben der Frauen des 17. Jahrhunderts. Aber auch über die Möglichkeit von starken Frauen aus den ihr zugewiesenen Rollenverständnis auszubrechen und ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben zu führen, obwohl Frauen damals nur begrenzte Möglichkeiten hatten. So gehört Maria Sibylla Merian auch zu den ersten Feministinnen. Maria Sibylla Merian, führte ein Leben von erstaunlicher Vollendung und Unabhängigkeit für eine Frau des 17. Jahrhunderts.

Das Buch ist für den interessierten Laien wie auch für den Wissenschaftler eine wahre Fundgrube und ein Lesevergnügen der besonderen Art. Das Porträt einer ungewöhnlichen Frau und einer großen Entdeckerin einer Zeit, die so manche Parallelen zum Heute hat.

Natalie Zemon Davis hat eine eigene Art der Geschichtsschreibung entwickelt, vielstimmig und voller Inspiration. Das Buch liest sich wie ein Roman. Erleben Sie selbst, wie interessant diese vormoderne Zeit sein kann.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1060-metamorphosen.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 5 Rezensionen

witze, sommerferien, schatzsuche, vorlesebuch, die drei ???

Die Mondschatzjäger

Boris Koch
Fester Einband: 260 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453270466
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Die Mondschatzjäger - Boris Koch (Autor) 304 Seiten, Heyne Verlag (12. September 2016), 12,99 €, ISBN-13: 978-3453270466

 

Hagen Julius Kaiser, 10 Jahre alt und sein achtjähriger Bruder Axel sind die Helden dieses Buches. Ergänzt wird das Duo durch Hagens Freund Robbie „Nachname Lahm, obwohl er der schnellste in unserer Klasse war“ (Seite 12) und dessen Bruder Oskar, auch acht Jahre alt, wie Axel. Zusammen bildeten Sie die Bande „Wandelnde Geister“.

Solche Banden schreien förmlich nach Abenteuern. Und die gibt es in Hülle und Fülle in diesem Buch. Vor allem in der Ruine der Villa des alten Ringlers. „Das Feuer hatte die Villa bis auf die rußverschmierten Mauern niedergebrannt. Nur die Papageien und die Kanone waren unversehrt geblieben.“ (Seite 23) Und vor allem ist das Testament des reichen Ringlers in der Zeitung und im Internet veröffentlicht, mit rätselhaften Hinweisen. Also los geht die Schatzsuche.

Natürlich hat so eine Bande viele Feinde. Einer davon ist der „gestriegelte Aufschneider“ Lionel Hartmann, mit seiner Gang ohne Namen – einfach nur Lionels Gang. Und da gibt es auch noch Robbies Cousine Eleanor. Welche Rolle spielt sie bei der Schatzsuche?

Und so erleben wir den aufregenden Alltag der Jungs in Falkenhof, einem kleinen bayrischen Dorf, viele lustige Szenen, viel Abenteuer, viel Verbotenes, viele Beulen und Wunden. In diesem Buch vereinigt Boris Koch alles, was Kinder interessiert: Freundschaft und Abenteuer. Viel Witz. Viel Tempo. Und Tollpatsch Axel stolpert in jedes Fettnäpfchen.

Locker und leicht geschrieben und ebenso locker und leicht zu lesen. Angenehm und kindgerecht. Vielleicht ist 8 Jahre noch etwas früh um es zu lesen. Es erfordert schon den geübten Leser. Aber auf jeden Fall ist es auch für Jüngere gut geeignet zum Vorlesen.

Und für alle Omas, Opas, Patentanten und -onkeln und natürlich für alle anderen auch ein ganz vorzügliches Weihnachtsgeschenk. Gönnen Sie sich und ihren Kindern diese tolle Abenteuergeschichte. Ihr werdet viel Spaß haben.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Heyne Verlages

https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Mondschatzjaeger/Boris-Koch/Heyne-fliegt/e487312.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Die letzten Tage des Comandante

Alberto Barrera Tyszka , Matthias Strobel
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 22.08.2016
ISBN 9783312009947
Genre: Romane

Rezension:

Die letzten Tage des Comandante - Alberto Barrera Tyszka (Autor), Matthias Strobel (Übersetzer), 256 Seiten, Verlag Nagel & Kimche AG (22. August 2016), 22 €, ISBN-13: 978-3312009947

Diesen Roman können Sie aus drei Blickrichtungen lesen: literarisch, soziologisch und politisch.

Worum geht es? In erster Linie um Venezuela, genauer gesagt um das Venezuela zur Zeit des „Chavismus“, als die Herrschaft von Hugo Chávez sich dem Ende nähert. Einer Zeit des Übergangs, der sich auch in den Personen und ihren Geschichten zeigt.

Da ist zum einen Miguel Sanabrina und seine Frau Beatrix. „Das, was er sich immer vom Leib gehalten hatte, holte ihn nun ein: dieses Land.“ (Seite 11) Miguel Sanabrina bekommt einen Anruf von seinem Neffen Vladimir, einem Offizier der Chavez-Regierung. Hugo Chávez, hält sich zur Behandlung seiner Krebskrankheit in Havanna auf.

Da ist Fredy Lucana, ein Journalist, der mit seiner Lebensgefährtin und seinem Sohn Rodrigo in der Wohnung über Sanabrina wohnt. Er hat seine Stellung verloren und will ein Buch über Hugo Chávez schreiben. Kann ihm die Kubanerin Aylin mit Informationen aus einem Kontakt in Havanna dabei nützlich sein?

Diese Wohnung gehört Andreina Mijares, die auf der Suche nach dem amerikanischen Traum nach Miami auswandert, und jetzt, nachdem das amerikanische Wunder sich zu einem amerikanischen Albtraum gewandelt hatte, nach Caracas in ihre Wohnung zurückkehren will

Und da gibt es noch Maria, ein zehnjähriges Mädchen, das mit ihrer Mutter alleine lebt. „Pass auf. Sei auf der Hut. Vertrau niemandem.“ (Seite 34) Cecilia, die Patin von Maria, sorgt für eine Internetverbindung, um das Kind nicht von der Außenwelt zu isolieren. Und so begann Maria, freundschaftliche Beziehungen über das Netzwerk. Sie gehört zu einer neuen Generation von Kindern, deren Präsenz im öffentlichen Raum aus unterschiedlichen Gründen sehr schwierig ist und sie zu Gefangenen in den eigenen Räumen werden.

Und schließlich Madeleine Butler, eine amerikanische Journalistin, die nach Venezuela gekommen ist, um ein Porträt über Hugo Chávez zu erstellen.

Natürlich ist auch Hugo Chávez anwesend, in seiner Mehrschichtigkeit als politischer, ideologischer, wirtschaftlicher und sogar religiöser Führer, ohne das er mit eigener Stimme im Roman vorkommt.

Alberto Barrera Tyszka liefert eine komplexe, facettenreiche Erzählung über Venezuela in den letzten Jahren des Lebens von Hugo Chávez. Um das zu erreichen, baut er einen Roman ohne Zentrum oder einer klaren Handlung. Er hat die Fähigkeit und Kraft eine Vielzahl von lebenswichtigen Übergängen im Leben seiner Figuren, ein literarisches Gewand zu geben, vor allem in einfachen Dialoge, die über eine Situation oder ein Ereignis entstehen und schafft so Möglichkeit sich den Charakteren aus verschieden Sichtweisen zu nähern.

Das Buch kommt, bezogen auf die Situation von Venezuela in der Post- Chávez-Zeit zu einem Schluss: die Rückkehr zur Utopie, oder sogar zu einem „Normalzustand" ist nicht möglich. Und nun, was ist zu tun? Und wenn wir die Entwicklung Venezuelas heute betrachten, dann ist eine Antwort noch immer nicht gefunden. „Willst du zurück?“ – „Das geht nicht mehr.“ – „Was machen wir dann? Wo gehen wir hin?“ (Seite 250)

Das Buch in all seinen Facetten ist zwar gut zu lesen, aber nicht einfach zu verdauen. Aber die Mühe lohnt sich.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Nagels & Kimche Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-letzten-tage-des-comandante/978-3-312-00994-7/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

mauro assant, steuerhinterziehung, bella italia, bank, mafiöse strukturen

Die Verlockung

Andrea Camilleri , Karin Krieger
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 25.07.2016
ISBN 9783312009961
Genre: Romane

Rezension:

Die Verlockung - Andrea Camilleri (Autor), Karin Krieger (Übersetzerin), 160 Seiten, Verlag Nagel & Kimche AG (25. Juli 2016), 18 €, ISBN-13: 978-3312009961

 

Gibt es einen Menschen, der frei ist von Schwächen? Nein!

"Die Verlockung" von Andrea Camilleri erzählt die verzweifelte Suche nach der schwächsten Stelle eines einfachen Mannes, Mauro Assante.

Er ist staatlicher Bankprüfer und soll einen Bericht über die Bank Santamaria abgeben. Das wird nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Folgen haben.

Während des Schreibens dieses Berichts, er ist in der Endphase, gibt es unerklärliche Ereignisse. Eine mysteriöse Gruppe von Menschen, scheinbar ohne Skrupel und mit der klaren Absicht, den Bericht zu verhindern, stören sein Leben ganz empfindlich. Sie suchen den Riss in seiner Seele. Bisher verlief das Leben unseres Protagonisten routinemäßig und genau, eintönig, aber beruhigend.

Mauro Assante ist, wie wir alle, ein fragiles Geschöpf. Es braucht nur sehr wenig, um es zu zerstören. Wenn eine gute Portion Bösartigkeit mit einem hinterhältigen Geist verbunden ist, gibt es kein Entkommen. Vor allem nicht für Menschen wie Mauro, die keine Kompromisse eingehen wollen und die nicht sehen wollen oder können, dass das Leben voller Missverständnisse ist und die weiterhin nicht sehen wollen oder können, dass Menschen in der Lage sind, alles zu tun, um ihre eigenen Interessen zu schützen. Sollen wir es Dummheit nennen? Oder Naivität? Auf jeden Fall wird das vorsichtige und ruhige Temperament von Mauro, seine analytischen Fähigkeiten und Rationalität, auf die er so stolz ist, auf eine harte Probe gestellt.

Das Buch lässt sich gut zu lesen und bietet ein paar Stunden angenehmer Lektüre. Der Stil von Camilleri ist sehr flüssig und einnehmend. Mit einfachen Gesten und Gedanken zeichnet er sehr effektiv die Charaktere und nutz dabei seine Fähigkeit, Spannung auf zu bauen und Spannung zu vermitteln, ohne sensationell Fakten zu benötigen. Der Motor des Lesers ist der Wunsch herauszufinden, was wirklich los ist und wie es enden wird.

Das Buch beginnt leise und beschleunigt sanft und der Leser wird vom Erzählrhythmus mitgetragen. Nie Langweilig. Ein perfekter Lesegenuss, vor allem durch die psychologische Selbstbeobachtung der Figur des Mauro Assante

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Kimche & Nagel Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-verlockung/978-3-312-00996-1/

 

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

The New Jim Crow

Michelle Alexander , Gabriele Gockel , Thomas Wollermann
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 19.10.2016
ISBN 9783956141287
Genre: Sachbücher

Rezension:

The new Jim Crow – Michelle Alexander (Autorin), Gabriele Gockel, Thomas Wollermann (Übersetzer), Antje Kunstmann Verlag, 19.10.2016, 24 €, ISBN 978-3-95614-128-7

Jim Crow, so wurde die rassistische Rassengesetzgebung in den Vereinigten Staaten genannt, die ab 1964 aufgehoben wurde. Michelle Alexander sieht einen „New Jim Crow“, die den alten Jim Crow durch die Praxis der Masseninhaftierungen seit 1980 abgelöst hat.

Die unerwünschten Anderen stehen in diesem rassischen Kastensystem im Fadenkreuz von Polizei, Justiz und Politik.

Die Autorin Michelle Alexander ist Hochschullehrerin an der Ohio State University am Moritz College of Law und Anwältin, vor allem für Sammelklagen wegen Rassen- und Geschlechterdiskriminierung.

In sechs Kapiteln belegt sie ihre Thesen von der Masseneinkerkerung im Zeitalter der Farbenblindheit mit Fakten und Beispielen.

Ihr Buch umfasst fast die ganze Geschichte der USA, vor allem der Gesetzgebungsseite her: Von der Abschaffung der Sklaverei durch den 13. Zusatzartikel der Verfassung im Jahre 1833 bis zum Anti-Drug-Abuse-Act von 1986. „Neben anderen harten Maßnahmen sah das Gesetz Mindesthaftstrafen für den Handel mit Kokain vor, und zwar deutlich schärfere für das vor allem mit Schwarzen assoziierte Crack als für das klassische Kokain, das hauptsächlich von Weißen konsumiert wurde.“ (Seite 86)

Sie liefert „eine Bestandsaufnahme der Mittel, mit denen der Krieg gegen die Drogen die Jagd auf einen derart hohen Prozentsatz der US-Bevölkerung und dessen Wegschließung ermöglicht.“ (Seite 95)

All diese Gesetze, Vorgehensweisen, Deals und illegale Machenschaften gehen in erster Linie zu Lasten der Afro-Amerikaner, die in Gefängnissen überrepräsentiert sind. Human Right Watch berichtet, „dass im Jahre 2000 in 7 Bundesstaaten 80 – 90 Prozent der Personen, die wegen Drogenvergehens im Gefängnis saßen, Afroamerikaner waren.“ (Seite 143)

Aber mit einer Verurteilung z.B. wegen eines Schuldeingeständnisses, nur um eine milderes Urteil zu bekommen ist das Martyrium noch lange nicht zu Ende. „Der Täter wird vielleicht zu einer Bewährungsstrafe, Gemeindedienst oder zur Übernahme der Gerichtskosten verurteilt. Ohne Wissen dieses Delinquente […] verliert er aufgrund seiner Verurteilung die Berechtigung zu vielen vom Bund finanzierten Gesundheits- und Sozialleistungen, zum Erhalt von Lebensmittelmarken, einer Sozialwohnung und von Bildungsbeihilfen des Bundes. Ihm kann der Führerschein entzogen werden und er kann sich nicht mehr für bestimmte Tätigkeiten und Berufe bewerben.“ (Seite 200)

Und all das hat dazu geführt, dass ein neues, brutales und ungerechtes System der rassischen und sozialen Kontrolle entstanden ist. „Heute befinden sich mehr Afrikaner in den Mühlen der Justiz - im Gefängnis oder unter Bewährungs- und Meldeauflagen auf freiem Fuß - als es im Jahre 1850, ein Jahrzehnt vor dem Bürgerkrieg, Sklaven gab.“ (Seite 247)

Vor dreißig Jahren wurden in den Vereinigten Staaten weniger als 350.000 Menschen in Gefängnissen und Gefängnissen festgehalten. Heute übersteigt die Zahl der Insassen in den Vereinigten Staaten 2.000.000. Alexander belegt, dass dieses System der Masseneinkerkerung als ein eng vernetztes System von Gesetzen, Politikern, Sitten und Institutionen arbeitet, die kollektiv arbeiten, um den untergeordneten Status einer Gruppe zu gewährleisten, die weitgehend durch Rasse definiert wird.

Das Buch von Michelle Alexander ist sehr gut dokumentiert und die Autorin argumentiert sehr systematisch. Es ist alarmierend, provokant und überzeugend. Und es sollte auch uns, die Leser sensibilisieren für ein Thema, das weit über die USA und die dortigen Afroamerikaner hinausgeht. Denn auch bei uns gibt es „Kastensysteme“, Ausgrenzung und Benachteiligung von Minderheiten, Reiche und Arme, Erfolgreich und schändliche Verlierer. Für all diese gelten auch hier die Worte des afroamerikanischen Schriftstellers James Baldwin: „Du wurdest hineingeboren in eine Gesellschaft, die Dir mit brutaler Deutlichkeit und auf jede nur mögliche Art und Weise zu verstehen gab, dass du ein wertloser Mensch bist.“ (Seite 353)

Dieses aufschlussreiche Buch kann Ihnen dazu verhelfen, die Welt in einer anderen Art und Weise zu sehen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/the_new_jim_crow-1186/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

ch: niveau 2016, krimi, ehe, drama

Ein nachgelassenes Bekenntnis

Marcellus Emants , Gregor Seferens , John Coetzee
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Manesse, 12.09.2016
ISBN 9783717523666
Genre: Romane

Rezension:

Ein nachgelassenes Bekenntnis - Marcellus Emants (Autor), John Coetzee (Nachwort), Gregor Seferens (Übersetzer), 320 Seiten, Manesse Verlag (12. September 2016), 26,95 €, ISBN-13: 978-3717523666

 

Der Autor, Marcellus Emants (1848-1923) war kein fröhlicher Mensch. Er stammt aus einer prominenten, niederländischen Juristenfamilie. So wird Marcellus Emants von seinem Vater mehr oder weniger gezwungen, Jura zu studieren. Als sein Vater 1871 stirbt, bricht Emants sein Studium ab. Das Erbe erlaubt es ihm, sich voll und ganz der Literatur zu widmen. So lebt er wie der Protagonist seines wichtigsten Buches, „Ein nachgelassenes Geständnis“ von seiner Erbschaft. Aus seinen Büchern spricht ein radikaler Pessimismus.

Willem Termeer ist der tragische Anti-Held und Icherzähler dieses rätselhaften Romans. Das Buch beginnt mit seinem Geständnis:

„Meine Frau ist tot und längst begraben.“ (Seite 5) „Sooft ich in den Spiegel sehe – was ich nach wie vor tue – wundert es mich, dass so ein blasses, mageres, unbedeutendes Männlein mit stumpfem Blick, kraftlos geöffnetem Mund – viele werden sagen: solch ein Nichtsnutz – in der Lage war, seine Frau … die Frau, die er auf seine Art doch geliebt hat … zu ermorden.“ (Seite 6)

Er will belegen, beweisen, argumentieren und verteidigen, was ihn dazu geführt hat, seine Frau zu ermorden, obwohl niemand weiß, dass er der Täter ist. Er folgt der Spur weit zurück.

Er wächst in einer lieblosen Familie ohne Geschwister auf. Seine wohlhabenden Eltern starben, als er noch sehr jung war. So zieht er in die Welt um Menschen zu treffen, kennen zu lernen, vielleicht sogar zu lieben. Aber einen echten, normalen Kontakt mit anderen Menschen gelingt ihm nicht.

Willem Termeer ist ein schüchterner Neurotiker. Er ist überzeugt, dass er das seinen Vorfahren zu verdanken hat. Daraus folgt, dass alles, was er tun wird, zum Scheitern verurteilt ist, und er kann dafür nicht kritisiert werden, weil es eben diese ererbte Natur verursacht hat. Der freie Wille ist nicht da. Termeer ist ein typischer Vertreter des naturalistischen Denkens. Alles ist vorbestimmt und es ist unmöglich, seinem Schicksal zu entgehen, wenn jemand durch seine Geburt schon als „degeneriert“, als „entartet“ festgelegt ist.

Marcellus Emants liefert uns messerscharf die Innenansicht eines Menschen. Ein angenehmer Mensch ist er sicher nicht, im Gegenteil, verdorben, aufgebläht, arrogant, paranoid, egozentrisch, narzisstisch. Und gerade das macht ihn so interessant, weil wohl in uns allen ein Stück Willem Termeer steckt.

Das Buch hat eine einfache Struktur, eine glatte, fast moderne Sprache, einen ganz realistischen Antihelden und es erweckt Gefühle in uns, mit denen wir vielleicht gar nicht konfrontiert werden wollen. Deshalb ist es auch heute noch lesenswert.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Manesse Verlages

https://www.randomhouse.de/Buch/Ein-nachgelassenes-Bekenntnis/Marcellus-Emants/Manesse/e467268.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

Guter Junge

Paul McVeigh , Hans-Christian Oeser , Nina Frey
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 26.08.2016
ISBN 9783803132796
Genre: Romane

Rezension:

Guter Junge - Paul McVeigh (Autor), Nina Frey und Hans-Christian Oeser (Übersetzer) Gebundene, 256 Seiten, Wagenbach, K (26. August 2016), 22 €, ISBN-13: 978-3803132796

 

Es ist Ende der 1970er Jahre. Mickey Donnelly ist 10 Jahre alt. Er lebt in Ardoyne in West-Belfast. Mickey hat seine Prüfung mit 11+ bestanden und ihm wurde ein Platz an der St. Malachy's Grammar School angeboten. Aber ihm wird gesagt, dass seine Familie es sich nicht leisten kann, ihn dorthin zu schicken.

Paul McVeigh, ebenfalls in Belfast geboren, erzählt die Geschichte von den neun Wochen von Mickys Sommerferien, bevor er zur Höhere Schule geht. Er erzählt es durch Mickeys Augen, die alle Gedanken, Ideen und wilden Träume eines vorpubertierenden Jungen vermitteln. Ardoyne ist ein römisch-katholisches Gebiet, das mehr oder weniger von protestantischen Gebieten umgeben ist. Es ist nicht überall in Ardoyne sicher, denn dies ist die Zeit der nordirischen Unruhen, wenn auf den Straßen zu jeder Zeit Gewalt ausbrechen kann.

Ein besorgter Zehnjähriger durchstreift harte Straßen und Ödland in Belfast während der Unruhen der frühen schwierigen 1980er Jahre. Er will hart sein, ist es aber nicht. Er beobachtet andere Jungs und versucht sie zu imitieren. Und er erzählt uns seine Abenteuer in dieser zerrissenen Stadt. Mickey ist ein Junge am Rande der Dinge, der versucht, die Grenzen und das Niemandsland zwischen Straßen und Freundschaften zu überwinden. Unruhig, zwischen Spiel und Verantwortung wird er langsam zu einem fast erwachsenes Kind und stolpert dabei durch Gewalt und Enttäuschungen.

Paul McVeigh hat einen glaubwürdigen, individuellen 10-jährige Jungen mit unabhängigen Ansichten und einzigartiger Stimme geschaffen. Er ist ein unruhiger Charakter. Er ist charmant, gelehrig und warm, ansteckend lustig.  Ja, er ist oft verwirrt, aber sind wir nicht alle verwirrt als Kinder? Ja, er leidet Herzschmerz, aber ist das nicht Teil des Erwachsenwerdens? Mickey ist ein intelligenter Junge, und er hat eine Strategie fürs Überleben - er handelt. Er entscheidet, dass es Dinge gibt, die er haben muss und Dinge, die er tun muss.

„Guter Junge“ ist eine kontinuierliche Erzählung mit einer bestimmten tickenden Uhr, ein Countdown, bis die Schulferien enden, und Mickey an der Sekundarschule von St. Gabriel anfangen muss, in der er von den anderen Kindern zerrissen wird. Es gibt Gefahr durch die lokale IRA und durch die Polizei. Vor allem gibt es Vorahnungen, aus denen heraus Mickey beschließt, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen und alles zu einem heftigen Abschluss zu bringen. Es ist die äußerst lebendige, herzergreifende Beschreibung einer (der) irischen Kindheit, die uns vor allem Armut, Paranoia und Gewalttätigkeit vermittelt.

Paul McVeigh ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, mit lebendigen Dialogen und einer visuellen Sprache, die grob und doch subtil, zwingend und mitfühlend zugleich ist.

Es lohnt sich, „Guter Junge“ zu lesen. Es ist interessant, liebenswert, charmant und herzzerreißend. Paul McVeigh navigiert uns mit viel Geschick über das stürmische Meer von Mickeys wechselnden Erfahrungen und seinen sich schnell verändernden Gefühlen mit Geschick. Und schafft damit nicht nur einen unvergesslichen Charakter. Und der Blick auf den Nordirland-Konflikt aus der Sicht eines Kindes macht nicht nur Gewalt und Hass so absurd und anachronistisch, wie sie sicher sind. und er erinnert uns daran, dass das Leiden der Kinder immer im Mittelpunkt der Kriegsführung steht.

Und es ist ein Roman, der uns sehr viel über die Art und Weise beibringen kann, wie wir als Erwachsene die Welt um uns herum betrachten bzw. betrachten sollten.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1042-guter-junge.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Kryptozän

Pola Oloixarac , Timo Berger
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 26.08.2016
ISBN 9783803132802
Genre: Romane

Rezension:

Krytozän - Pola Oloixarac (Autor), Timo Berger (Übersetzer) 192 Seiten, Wagenbach, K (26. August 2016), 20 €, ISBN-13: 978-3803132802

 

 „Krytozän“ ist um Cassio gebaut. Er ist ein argentinisch-brasilianischen Junge, der schon in frühen Jahren seine außergewöhnlichen Fähigkeiten und sein großes Interesse am Computer zeigt. Mit leicht asozialem Charakter konzentriert er sich auf Maschinen und endet als ein Hacker, als Teil eines illegalen Projekts, das einen radikalen Schritt bei der Kontrolle des Verhaltens von Individuen unternimmt.

Und das scheint mir die Stärke dieses Romans zu sein, dass, wenn wir Verbrauchsdaten sammeln, wir bald genügend Informationen über Verhaltensmuster haben könnten, um Einzelpersonen direkt steuern zu können. Wenn soziale Netzwerke heute Zugang zu Informationen über unsere Interessen, unsere Recherchen, unsere Familie und Freunde haben, was wird im Jahr 2024 geschehen?

Die Arbeit gliedert sich in drei Kapitel zu verschiedenen historischen Perioden (1882, 1983 und 2024) und drei verschiedene Protagonisten (Niklas Bruun, Cassio und Piera). Was haben diese drei Teile gemeinsam? Alle konzentrieren sich auf die Fortschritte der Wissenschaft im Laufe einiger Jahrhunderte. Wie wir wissen, war im neunzehnten Jahrhundert die wissenschaftliche Forschung, vor allem eine Arbeit der Biologen, die die Welt bereisten, um die Arten zu studieren. Dies ist der Fall bei Niklas, der an der Expedition teilnimmt eine Pflanze namens Crissia pallida zu studieren. Cassio lebt seinerseits in der Ära der Entwicklung von Computern und speziell als Hacker. Piera ist Biologin wie Niklas, aber im Jahr 2024. Die Biologie hat sich komplett verändert und Cassio, beteiligt sich an einer Forschungsgruppe, die Proben menschlicher DNA sammelt.

Die drei Charaktere werden als einsame Menschen porträtiert, isoliert und vom Rest der Welt falsch verstanden. Oloixarac verwendet eine wissenschaftliche Sprache, wo Computer und Botanik ein großes Repertoire an Metaphern bieten.

Pola Oloixarac schafft eine dystopische Welt, in der die Bevölkerung durch ihr genetisches Material überwacht wird, eine Art neuer Hacker. Pola Oloixarac zeigt uns eine Zukunft, wo die Geheimnisse der DNA sowie die Geheimnisse des Lebens von Pflanzen und Tieren, die Erstellung eines perfekten Mischungen verschiedener Spezies ermöglichen könnte.

Es ist die Art und Weise wie die Autorin ihr Buch und das Thema aufbaut, weniger die Schönheit des Textes. Es ist für mich neu und spannend.

Wer auf der Suche nach einer kunstvollen Erzählung voller technologischer Referenzen und mit einem Hauch von Science-Fiction ist, der liegt mit diesem Buch genau richtig.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

http://www.wagenbach.de/buecher/titel/1043-kryptozaen.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Bologna und Emilia Romagna

Carl-Wilhelm Macke
Fester Einband
Erschienen bei Wagenbach, K, 18.08.2009
ISBN 9783803112675
Genre: Sonstiges

Rezension:

Bologna und Emilia Romagna - Eine literarische Einladung - Carl-Wilhelm Macke (Herausgeber), 144 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach; Auflage: 1. (18. August 2009), 17 €, ISBN-13: 978-3803112675

Ich liebe nicht nur die Landschaft, das Essen und die Weine, sondern auch die Romagnoli, die Menschen aus der Romagna. Und nichts kann es besser ausdrücken als das Lied von Casadei:

La mia gente che mi vuole bene, la gente mia che mi sa capir. La mia gente che m’aspetta ancora, la gente mia ce l’ho qui nel cuor.

Meine Leute, die mich mögen, meine Leute, die mich verstehen. Meine Leute, die mich immer erwarten, meine Leute, die ich im Herzen trage.

Die Romagna ist für mich immer ein bisschen, wie nach Hause kommen. Seit über 45 Jahren bereise ich diese Gegend und viele meiner Freunde sind Romagnoli.

So bin ich vorbelastet, wenn ich über dieses schmale Bändchen aus dem Klaus Wagenbach Verlag schreibe. Die Meinung eines Autors beeinflusst natürlich immer den Tenor seines Artikels. Also Vorsicht.

35 Autoren auf 130 Seiten? Manchem mag das zu viel erscheinen. Mir ist es fast zu wenig. Denn bei der Emilia Romagna gibt es so viel zu sehen, zu hören, zu genießen und zu erkunden, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen und wo man aufhören sollte. Insofern ist diese Auswahl eine gelungene Mischung aus:

Den Städten der Emilia-Romagna: Bologna, Parma, Modena, Piacenza, Reggio Emilia, Ferrara, Ravenna, Rimini mit ihren wunderbaren Plätzen und Renaissancepalästen kommen ebenso zu Wort wie kleine, verschlafene Nester mit Gastwirtschaften im Fünfziger-Jahre-Stil in den Hügeln und Bergen des Apennins oder in der Ebene. Wobei nicht nur das alte Italien in unseren Köpfen so heil und so idyllisch sind, sondern auch die Zerstörung und die Zersiedelung der Emilia-Romagna thematisiert werden und vor allem, die langweiligen, kommerzialisierten und hässlichen Vorstädte mit ihren Supermärkten, Outlet-Stores, Autowaschanlagen und Diskotheken nicht ausgespart werden.

Die Straßen der Emilia Romagna: Auch hier, beispielsweise im Beitrag von Banni Celati „Die Lichtverhältnisse auf der Via Emilia“ wird ein lebensnahes Bild gezeichnet. „… fährt man zwischen zwei Kulissen dahin, die aus großen Werbeplakaten, länglichen, flachen Fabriken, Tankstellen, Möbel- und Lampenlagern, Ausstellungsdepots voller neuer Autos, Bars, Restaurants, kleinen Villen in lebhaften Farben oder ganze Stadtvierteln von mitten auf dem Land hochragenden riesigen Wohnblöcken bestehen.“ (Seite 43/44)

Natürlich der Po, der Vater-Fluss Italiens. „Alles was unrein ist, wird von diesem Wasser angezogen werden, das bereit ist zu leiden wie ein Märtyrer aus Fleisch und Blut, und jedes Jahrhundert wird ihm sein Leid anvertrauen.“ (Seite 98)

Das Essen: „Wenn ihr von der Bologneser Küche sprechen hört, verneigt Euch, denn sie verdient es.“ (Seite 116). Bekanntlich ist ja die italienische Küche die Mutter der französischen Küche und unter den italienischen Regionalküchen ist die der Emilia-Romagna die Regina, die Königin. Besonders gelungen der Beitrag von Alberto Savinio „Der Parmesan ist ein Basiskäse“ „Er ist in der Käsefamilie, das was der Kontrabass in der Familie der Saiteninstrumente ist.“ (Seite 115)

Die Menschen der Emilia Romagna: Die ganz unterschiedlichen Typen kommen zu Wort. Die Schriftsteller der Romagna: „Die Wesensart von Schriftstellern der Romagna ist wie der Garbino, der Südwestwind aus den Bergen.“ (Seite 20). Die jungen Leute: und ihr Verhalten: „… es bedarf unermüdlicher Anwesenheit, um sich den Platz in der Bar zu verdienen.“ (Site 104) Oder ihre Gewohnheiten wie in der unvergleichlichen Geschichte Tonia Todisco (Seite 117) von Jessica Franco Carlevero. Trotz aller Unterschiede, die Menschen in der Emilia-Romagna sind offen, herzlich und gastfreundlich.

Lesen Sie dieses kleine Büchlein und verlieben Sie sich in die Emilia-Romagna, in die sanften Hügelketten, die wilden Schluchten, in diese atemberaubenden Landschaften zwischen Meer und Gebirge, in die feinsandigen Strände, in das unverfälschte, ruhige Hinterland, in die dahindämmernden Dörfern, bunt, verschlafen, gleichzeitig lebendig und unglaublich italienisch. in diese Region des Genusses, die so viel mehr zu bieten hat als Sonne, Meer und Strand. Lernen Sie diese Gegenden des Kontrastes einmal aus literarischer Sicht kennen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/401-bologna-und-emilia-romagna.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Rom.

Margit Knapp , Luigi Malerba , Luigi Malerba
Fester Einband: 138 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 22.02.2011
ISBN 9783803111562
Genre: Sonstiges

Rezension:

Rom. Eine literarische Einladung - Margit Knapp (Herausgeber), Luigi Malerba (Vorwort), 144 Seiten,  Wagenbach, K (1. Januar 1996), 17 €, ISBN-13: 978-3803111562

Rom, einst die Hauptstadt der Welt, ist heute so faszinierend wie seit Jahrtausenden. Die Stadt einmal besuchen und ganz viel Zeit für die Menschen und die schier unendlich vielen Bauwerke und Sehenswürdigkeiten zu haben, römische Luft zu atmen und zugleich ein wenig den Alltag mit den Römern zu teilen,  wer hat nicht schon solche Träume gehabt? Rom in all seinen Widersprüchen zu erleben?

Nach Rom ist gar nicht so weit. Nur ein schmales dünnes Bändchen von etwa 140 Seiten und Sie erleben Rom auf eine ganz andere, intensivere und treffendere Art als bei jeder Touristenfahrt.

Maria Knapp hat es möglich gemacht. Sechsundzwanzig Texte, Romanauszüge und Kunstbetrachtungen, Geschichten und Gedichte hat sie zu einem Streifzug durch römische Zustände und zugleich durch die italienische Gegenwartsliteratur zusammengetragen. Ganz unterschiedliche Schriftsteller kommen zu Wort, wie Alberto Arbasino, Ignazio Buttitta, Italo Calvino, Luca Canali, Guido Ceronetti, Umberto Eco, Ennio Flaiano, Carlo Emilio Gadda, Natalia Ginzburg, Marco Lodoli, Curzio Malaparte, Luigi Malerba, Giorgio Manganelli, Dacia Maraini, Elsa Morante, Alberto Moravia, Giampaolo Morelli, Aldo Palazzeschi, Pier Paolo Pasolini, Anna Maria Ortese, Gianni Rodari, Mario Soldati, Sebastiano Vassalli, Sandro Veronesi, Rodolfo Wilcock oder Valentino Zeichen.

Sie geben alle ihr Bekenntnis zu Rom, ihre Erkenntnisse von Rom wieder:

„Es ist die Unentschlossenheit der Stadt Rom, die nie genau weiß, ob sie Süden oder Norden ist, ob sie Tirol oder Afrika ähneln soll.“ (Seite 102) Das meint Natalia Ginzburg in ihrem kleinen Bericht über die Straßen, in denen sie gelebt hatte.

 „Alle Übel in Italien kommen von Rom, und das begann schon vor 2500 Jahren. Von Rom, dieser ungeheuerlichen Macht und Gewaltmacht, von diesem in der Weltgeschichte vielleicht einzigartigen Beispiel für Zentralgewalt: eine Stadt, nach deren ein Weltreich, eine Sprache, eine Kultur und schließlich eine Religion benannt wurden!“ (Seite 137) So schreibt Mario Soldati in seinem Beitrag zu diesem Büchlein.

Es entsteht ein Bild von Widersprüchlichkeiten, das Pier Paolo Pasolini wohl am treffendsten beschreibt: „Ganz sicher ist Rom die schönste Stadt Italiens, wenn nicht gar der ganzen Welt. Aber sicher auch die hässlichste, die gastfreundlichste, die dramatischste, die reichste, die elendste." (Seite 106)

Mancher mag ein gewisses Jammern in vielen der Beiträge zu lesen. Meiner Meinung nach sind es aber in erster Linie lustige und traurige, geschmeidige, elegante und nuancierte Geschichten, mit präzisen Blick und viel Freude am Detail über die alte Hauptstadt der Welt und die neue Hauptstadt Italiens, die uns Rom sehr viel näherbringen, als die Lektüre eines Reiseführers.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

http://www.wagenbach.de/buecher/titel/429-rom.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

osteuropa

Das Spiel der hundert Blätter

Varujan Vosganian , Ernest Wichner
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 22.08.2016
ISBN 9783552058002
Genre: Romane

Rezension:

Das Spiel der hundert Blätter - Varujan Vosganian (Autor), Ernest Wichner (Übersetzer), 224 Seiten, Paul Zsolnay Verlag (22. August 2016), 20 €, ISBN-13: 978-3552058002

 Varujan Vosganian, ein rumänischer Wirtschafts-wissenschaftler, Politiker, Essayist und Lyriker armenischer Abstammung, legt mit „Das Spiel der hundert Blätter“ seinen zweiten Roman auf Deutsch vor.

Mir scheint es das Epos einer, seiner, Generation, nicht allein von Rumänen, sondern aller derer, die im Osten Europas als Erwachsene den Systembruch um das Jahr 1990 erlebt haben.

Vier Freunde waren es: Tili, Jenica, Maca, Luca. Jetzt, zwanzig Jahre nach dem Umbruch von 1989/90 treffen sich drei wieder. Luca fehlt. Sie erinnern sich an ein Spiel, das sie als Kinder erfunden haben: Bei jedem Schritt auf dem Schulweg mussten sie den Fuß auf ein herabgefallenes Kastanienblatt setzen. Lag gerade keines vor ihren Füßen, durften sie eines von abgezählten hundert Blättern aus ihrem Ranzen vor sich hinlegen.

Es sind drei skurrile, verschrobene Typen die drei: Tili berät einen Puppenmacher indem er dessen Puppen Namen verleiht. Jenica hilft in einer Lottoannahmestelle aus, wo er in erster Linie versucht die Kunden vom Spiel abzuhalten. „Es ist nicht gut, wenn das Glück einfach so, so unerwartet eintrifft.“ (Seite 69) und Maca rast mit seinem Motorrad durch die Gegend und sammelt Flüche. „Wie man weiß, hielt er Flüche für Versöhnungsformeln mit der Welt." (Seite 212) Jenica hat Zugang zu den Akten der Securitate und gemeinsam versuchen sie, das Schicksal ihres ehemaligen Freundes Luca zu klären.

Vor dem Hintergrund der realen Geschichte erzählt der Roman sehr bildhaft und in Gleichnissen von den großen Themen des Lebens: Von Tod, Glück, Verzeihen und Vergessen, den Tod, Vergangenheit und Zukunft und von Menschen, die vor vielem Angst haben und vergeblich ihre Identität in diesen unsicheren Zeiten suchen. Eindringlich schildert Vosganian das prekäre und sinnentleerte Leben der Hauptpersonen im postkommunistischen Land. Irgendwie können sie nichts mit der neuen Freiheit anfangen: „Ich habe diese Mengen an Zukunft ziemlich satt. Anstelle einer strahlenden Zukunft, die niemals eintrifft, hätte ich lieber eine Vergangenheit, an der ich mich erfreuen könnte. Ich will das Recht auf eine Vergangenheit erwirken.“ (Seite 63) Jeder der Protagonisten verzweifelt auf seine Art.

Varujan Vosganian schreibt traurig, lakonisch, manchmal wunderlich, mit vielen Bildern und Metaphern (die hundert Blätter, der Eilzug nach Bukarest, das Bild des Spiegels), die immer wieder auftauchen und miteinander verwoben sind. Und der Roman endet auch mit Tills Blick in den Spiegel. „Der Puppenmeister hatte einen Spiegel aus der Kiste geholt. Till sah sich selbst, und zum allerersten Mal fiel ihm kein Name ein. Er bemühte sich, etwas zu finden, aber er spürte es war zu spät. Er vergrub das Gesicht in seinen Händen und stöhnte. Die Welt, mit oder ohne ihn, auch unbenannt, existierte weiter …“ (Seite 223)

An sich sehr locker und entspannt zu lesen, wer aber einen angenehmen und leichten Stoff erwartet, irrt. Denn eine Aufgabe kommt auf den Leser dieser anspruchsvollen Lektüre zu: Er muss diese Geschichte weiter erzählen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Paul Zsolnay Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/das-spiel-der-hundert-blaetter/978-3-552-05800-2/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

porzellan

Die weiße Straße

Edmund de Waal , Brigitte Hilzensauer
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 26.09.2016
ISBN 9783552057715
Genre: Biografien

Rezension:

Die weiße Straße: Auf den Spuren meiner Leidenschaft - Edmund de Waal (Autor), Brigitte Hilzensauer (Übersetzer) 464 Seiten, Paul Zsolnay Verlag (26. September 2016), 26 €, ISBN-13: 978-3552057715

Ohne Leidenschaft bleibt jedes Tun und Handeln ein Flickwerk. Die Leidenschaft garantiert das berühmte Quäntchen Engagement, welches über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Und Erfolg hat er.

Edmund de Waal nennt sich selbst „potter“, einen Töpfer. Hier stapelt er natürlich etwas tief, denn immerhin ist er einer der bekanntesten Keramiker, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert mit Porzellan arbeitet. Edmund de Waal ist ein Künstler, dessen Porzellanarbeiten in Museen und Galerien auf der ganzen Welt ausgestellt sind.

In diesem Buch begibt er sich auf Spurensuche nach Porzellan. Seine Absicht hinter diesem Buch beschreibt er so: „Es ist eigentlich ganz einfach, eine Art Wallfahrt zu den Anfängen, eine Chance, den Berg zu besteigen, von dem die weiße Erde kommt. […] Ich habe vor, drei Orte aufzusuchen, wo das Porzellan erfunden oder wiedererfunden wurde, drei weiße Berge in China und Deutschland und England.“ (Seite 17)

Er begibt sich auf die Reise, die er uns in drei Hauptabschnitten schildert: China, Dresden, Cornwall – jeder hat seine Hügel und jeder seine weißen Objekte. Seit Jahrhunderten wussten nur die Chinesen, wie Porzellan zu machen ist. Sie hatten zwei Mineralien entdeckt, die sie miteinander mischten: Petuntse, was weißer Ziegel bedeutet und Kaolin. Beide sind weiß. Beide müssen in den richtigen Verhältnissen abgebaut, gereinigt und gemischt werden. Bei intensiver Hitze von 1300° C verschmolzen die beiden. Porzellan ist fast eine Form von Glas.

Auf über 400 Seiten reiht de Waal aneinander: Namen, Ereignisse, Wunder, Elend, Reiseerlebnisse, geschichtliche Anmerkungen, Kaiser und Königen, Handwerkern, Bergleuten, Arbeitern, Luxusgüter und Gebrauchsgegenstände, Alchimisten und Mystiker, Künstler und Macher, persönliche Eindrücke, alles um seine Leidenschaft, dem Stoff der Welt, alles um Porzellan.

Was ist das: eine Biographie, eine Geschichte, ein Reisebericht, eine philosophische Betrachtung? Auf jeden Fall ein bisschen von allem.

Es gibt keinen Zweifel, dass „Die weiße Straße“ eine gewaltige Leistung ist. Hut ab vor Edmund de Waal, der wie ein Besessener Geschichte und Geschichten zusammenführt und sie in diesem Buch verarbeitet. Und dann ist er doch erleichtert, als er wieder an seiner Töpferscheibe sitzt und 2453 weiße Gefäße herstellt. „Ich verwende all das vollkommene, vorläufige, tröstliche, melancholische, bedrohliche, leuchtende Weiß von meiner Reise.“ (Seite 456)

Das ist De Waals unbestrittenes Talent: obsessive Forschung zu betreiben, zu suchen, zu stapeln und zusammen zu führen, den Leser an dieser fast hektischen Reise zu beteiligen und Notizen zu machen und zu Lesen. Und dann das Ganze in ein Buch voller Charme, mit einem gewissen selbstironischen Humor zu gießen. Es ist ein elegantes, aber fast atemloses Buch.

Lassen Sie sich von diesem Buch verführen. Unausgesprochen übt es eine sogartige Wirkung aus. Wenn Ihnen Porzellan bisher nur wenig sagte, werden Sie ihm verfallen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Paul Zsolnay Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-weisse-strasse/978-3-552-05771-5/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die kleinen Tugenden

Natalia Ginzburg , Maja Pflug
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 17.06.2016
ISBN 9783803132833
Genre: Romane

Rezension:

Die kleinen Tugenden - Natalia Ginzburg (Autorin), Maja Pflug und Alice Vollenweider (Übersetzerinnen), 160 Seiten, 15,50 € ISBN-13: 978-3803132833

 

Natalia Levi wurde in Palermo am 14. Juli 1916 als Tochter des jüdischen Vaters, Giuseppe Levi und der katholischen Mutter Livia Tanzi geboren. Und hier gibt sie uns ein wertvolles Zeugnis der Qualitäten wie die Schwächen eines großen Schriftstellers.

"Die kleinen Tugenden" von Natalia Ginzburg ist eine Sammlung von elf Texten, Erinnerungen und Reflexionen (irgendwo angesiedelt zwischen Aufsatz und Kurzgeschichte), die in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften über mehrere Jahre veröffentlicht wurden. Elf Arten, um die Fakten, die Dinge, die Gesten, die Stimmen, die Orte zu "fühlen". Was ist Freundschaft? Was bedeutet Tugend? Reden und Schweigen, welchen Wert haben sie? Was ist der Sinn des Lebens?

Ein melancholisches, aber äußerst luzides Porträt ist in diesen Seiten vorhanden, in denen die Autorin über ihre intimen Gedanken berichtet, ihre eigene intime Geschichte zu den großen historischen Ereignissen der Jahre, in denen sie lebte (das faschistische Regime, die Opposition von Intellektuellen in Turin, die Inhaftierung und Tod von Leone Ginzburg, die Verfolgung der Juden)

Natalia Ginzburg erzählt in der ersten Person in einem fließenden Stil, scheinbar einfach, aber voller Anspielungen und extrem musikalisch, leicht und tief zugleich; in der Tat ist es der Rhythmus der Sätze, die dem Leser ein ruhiges Bewusstsein vermitteln und ihn Zeile für Zeile, zu der Entdeckung, was sind die "kleinen Tugenden" (oder Wahrheit) hinziehen.

Drei möchte ich besonders herausgreifen.

Aus dem ersten Teil die Geschichte „Er und ich“ (Seite 53), in der Natalia Ginzburg das Leben mit ihrem zweiten Mann, Gabriele Baldini, dem berühmten Anglisten thematisiert und dazu das Paar in einer Art Doppelporträt einander gegenüberstellt.

Aus dem zweiten Teil „Die menschlichen Beziehungen“ (Seite 107), ein langes Gleichnis ihrer eigenen Erfahrungen mit den Anderen - Familie, Freunde, Liebesaffären -, endete mit der Erkenntnis, dass wir in jeder Phase und in jeder Rolle unseres Lebens, das wir arme und unbedeutende  Menschen haben, nur eines brauchen, ein wenig Gnade, ein bisschen aufrichtiger Empathie und Nähe. „… die lange notwendige Parabel, der ganze lange Weg, den wir zurücklegen müssen, um so weit zu kommen, dass wir ein wenig Erbarmen haben.“ (Seite 136)

Und vor allem auch „Porträt eines Freundes“ (Seite 21) aus dem ersten Teil über ihren Freund Cesare Pavese, das gleichzeitig eine eindringliche, unwiderstehliche Beschreibung Turins liefert. „Unsere Stadt hat übrigens ein melancholisches Gepräge. An den Wintermorgen hat sie einen eigenartigen Geruch von Bahnhof und Ruß, der sich in allen Alleen verbreitet …“ (Seite 22) Für mich die bewegendste Geschichte, die Beschreibung der Stadt, die schmerzhaften Erinnerungen an einen verlorenen, bewunderten Freund.

Diese elf kurzen Reflexionen sind elf Kompositionen miteinander verflochten, und die gemeinsame Melodie ist das Leben: Leben als Frau, Tochter, Mutter, Freund, Begleiter, Überlebende, Schreiberin, Person, Reisende.

Der Ton von Natalia Ginzburg ist trocken, einfach, ohne Schnickschnack. Nie unnötig lyrisch. Aber auch mit Ironie hinter einer Traurigkeit oder einem scheinbaren Sanftmut. Zu traurig? Zu beschreibende? Zu metaphorisch? Zu resigniert? Nein, es sind empfindlichen Akkorde zum tiefsten Leiden und den wunderbaren Seiten des Lebens. Ein Fresko ihrer Gedanken und Qualen, scharf und tief in wenige Seiten komprimiert. Das gehört zu der schönsten zeitgenössischen Prosa.

Das Buch liest sich so, als ob die leise Stimme von Natalia Ginzburg ganz vertraut in unserem Ohr klingt, als ob sie über Dinge redet, die wir immer gewusst haben, ohne dass es uns bewusst war. Hier fühlt man sich einfach zu Hause.

Lesen Sie dieses Büchlein immer wieder, lassen Sie es zu Ihrem täglichen Begleiter werden. In jedem Text finden Sie eine große Tugend, die uns Natalia Ginzburg durch ihr Leben und ihre Erfahrungen lehrt. Das Buch hilft uns, sich wieder auf uns selbst zu besinnen und unsere eigene, vielleicht verlorene Identität wieder zu finden, die so leicht zwischen der Hektik des Alltags und die Oberflächlichkeit der menschlichen Beziehungen verloren gehen kann.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

http://www.wagenbach.de/buecher/titel/116-die-kleinen-tugenden.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

  (1)
Tags:  
 
349 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks