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Paris-Austerlitz

Rafael Chirbes , Dagmar Ploetz
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 24.08.2016
ISBN 9783956141225
Genre: Romane

Rezension:

Paris-Austerlitz - Rafael Chirbes (Autor), Dagmar Ploetz (Übersetzerin), 160 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (24. August 2016), 20 €, ISBN-13: 978-3956141225

 „Je t`ai eu, ich hab dich gefangen.“ (Seite 28). Dieser Satz bezieht sich nicht nur auf die Liebe als tödliche Falle, sondern auch als unheilvolle Prophezeiung auf vieles andere in diesem mitreißenden Buch. Auf das Gefangensein in unnötiger und betäubender Arbeit oder auch gefangen sein in der verachtenswürdigen Existenz derer, die nicht arbeiten müssen. Aber auch das Gefangensein in Einstellungen wie, auf keinen Fall bürgerlich zu sein, auf keinen Fall als Moralist zu gelten. Gefangen sein in den eigenen inneren Widersprüchen.

Rafael Chirbes, mit Sicherheit einer der bedeutendsten spanischen Gesellschaftschronisten der letzten Jahrzehnte erzählt hier die Geschichte von zwei Menschen:

Ein junger, linker und homosexueller Maler verlässt Madrid, um der drückenden Atmosphäre seiner bürgerlichen Familie zu entfliehen. Angezogen wird er von der schillernden, künstlerischen Atmosphäre von Paris. Er trifft Michel, viel älter als er, aus einer total anderen sozialen Schicht: ein französischer Arbeiter, mit einer von Armut geprägten Kindheit und Jugend, ohne Vater aufgewachsen, oft betrunken, neidisch und besitzergreifend. Ein Mann von großer Durchschnittlichkeit aber auch von erotischer Gefräßigkeit. Die Handlung spielt in einem Armenviertel von Paris, abseits der touristischen Routen, bewohnt von Migranten und Ausgestoßenen, die Drogen, Alkohol und Sex konsumieren. Doch schon bald droht die Enge der Beziehung ihn zu ersticken, und seine Arbeit als Maler leidet.

Es ist die Geschichte einer Liebe in Paris von der ersten Verliebtheit an, über Zärtlichkeit und Leidenschaft bis zum Verschwinden der Begierde. Aber die Geschichte ist viel mehr: eine tiefe Reflexion über den Egoismus des menschlichen Verhaltens, über die Erbarmungslosigkeit des Todes, über den menschlichen Zustand in unserer Zeit. Eine intime und traurige Geschichte um die Frage: Rechtfertigt es die Liebe, das Leben über Bord zu werfen, auch wenn sie nicht mehr als "Verlangen" ist. Und durch alles weht der unverkennbare Hauch eines existenziellen Pessimismus, der gespeist wird durch den Glauben an die Notwendigkeit, nachhaltig zu lieben, und zur gleichen Zeit, durch unsere Unfähigkeit, die Fülle der Liebe zu verlängern.

Rafael Chirbes schreibt schonungslos, analytisch und ohne Sentimentalitäten. Eine intensive Prosa, prägnant, direkt und kompromisslos. Eine Erzählordnung fehlt. Ich habe sie auch nicht vermisst. Und auch der Leser, der einem zeitlichen oder logische Mustern zu folgen gewohnt ist, wird sehr schnell in den Bann dieses großartigen Romans gezogen, vor allem mit bildgewaltigen Formulierungen, wie „Paris blieb draußen, das unerschütterliche Tier aus Eis, die rauen Schuppen seiner Steine und der scharfe Schiefer seiner Dächer.“ (Seite 76)

Mich fasziniert die Rohheit seiner Sprache, die das Leben beschreibt, wie es ist – „manchmal legte sich meine Mutter auch zu mir ins Bett und wärmte mich. Und weißt du, was ich von Nächten, in denen wir zusammenschliefen, erinnere? Dass sie nach fremdem Schweiß roch und ich mich ekelte, auch wenn ich wusste, was immer sie tat, sie tat es für mich und meine Brüder" (S. 60/61).

Jetzt ist das der letzte Roman von Rafael Chirbes, erst nach seinem Tod veröffentlicht. Manche sehen im letzten Werk eines Schriftstellers sein literarisches Vermächtnis. Das wäre vielleicht zu hoch gegriffen. Ich ziehe lieber einen Vergleich zu seinem ersten Roman „Mimoun“, der ihn berühmt machen sollte. Ein junger Mann sucht die Erfahrung der Fremde in einem marokkanischen Nest, Mimoun. Aber er gerät unter Nachäffer und Amoksäufer. Ein Buch über die Lebensgier in uns und die Fremde um uns. Ein Buch über die Einsamkeit, den Tod und die Vergeblichkeit, den Sinn des Lebens in der Fremde zu finden.

In beiden Romanen, Paris-Austerlitz und Mimoun, konzentriert er sich weniger auf eine Gruppe von Menschen als vielmehr auf das Individuum und er spricht über Gefühle einzelner Menschen. Sie sind intimer und autobiographischer als seine anderen Werke. Sie scheinen mir wie ein Rahmen, in denen der Rest seiner Arbeit sich entwickelt hat, die große Chronik Spaniens von 1936 bis 2015.

Ein rauer, beeindruckender und beunruhigender Roman, dessen Faszination sich kein Leser entziehen kann.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/paris_austerlitz-1216/

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Köstlicher Orient

Peter Heine
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 23.09.2016
ISBN 9783803136619
Genre: Sachbücher

Rezension:

Köstlicher Orient: Eine Geschichte der Esskultur – Peter Heine (Autor), 240 Seiten, Verlag: Wagenbach, K (23. September 2016), 29,90 €, ISBN-13: 978-3803136619

Ziegenkäse, Couscous, Safran, Datteln, Zimt, Kardamom, Aprikosen, Ingwer, Kampfer, Moschus, Rosenwasser und Marzipan. Die orientalische Küche mit ihren duftenden Gewürzen ist ungeheurer vielfältig und lecker.

Das weiß auch der Islamwissenschaftler Peter Heine. Und zu seinen kulinarischen Geschichten und Essgewohnheiten aus 1.500 Jahren liefert er auch die passenden Rezepte.

In acht großen Kapiteln erläutert der Autor alle wesentlichen Fragen zur orientalischen Küche: Alkohol und Schweinefleisch, Gastfreundschaften, die wechselseitigen Einflüsse vom Orient auf die westliche Küche und umgekehrt, Fastenregeln und Fastenbrechen, sowie das muslimische Paradies, Regeln der orientalischen Küche, unterschiedliche Einflüsse aus Arabien, Persien, dem osmanischen Reich, dem Moghul und auch die Bedeutung von Speisen und Esstraditionen auf Politik und Wirtschaft.

Die orientalische Küche ist neben der chinesischen und italienisch-französischen, eine der drei großen Küchen der Welt. Vor rund eintausend Jahren zogen die türkischen Nomaden von Zentralasien nach Anatolien und trafen dort auf eine reiche Küche verschiedenster Kulturen. Hethiter, Römer, Byzantiner, Araber, Mongolen und Kreuzritter hinterließen in Anatolien ihre Rezepte und Speisen, mit denen sie die orientalische Küche mitprägten. Und der Autor spannt den Bogen sehr weit, von der Gastfreundschaft des Orients über das Entstehen der Nudeln und des Sorbets bis in die Fast Food Restaurants unserer Zeit reichen die Einblicke dieses spannenden Buches.

Natürlich ist es einmal eine ungeheure Fleißarbeit, die Peter Heine vorlegt. Aber das würde diesem Buch nicht gerecht. Er versteht es wirklich, die Verlockungen der orientalischen Küche, mit ihren edlen Gewürzen und raffinierten Speisen, zu Papier zu bringen und erzeugt schon so im Vorfeld die Vorfreude auf unwiderstehliche Geschmackserlebnisse.

Darüber hinaus zeigt er überzeugend die gesellschaftliche und politische Bedeutung des Essens. Neben der nationalen Identität gibt es auch eine kulinarische Identität, die die nationale sehr stark mit beeinflusst. Und vielleicht helfen auch die kulinarischen Genüsse anderer Länder, hier des Orients, zu einer besseren Integration und zu einem besseren Selbstverständnis. „Jeder, der so handelt wie wir, der gastfreundlich ist, der Anteil gibt und Anteil nimmt gehört zu uns. […] ist Teil unserer Identität, unabhängig von nationaler, ethnischer, religiöser oder persönlicher Zugehörigkeit. Orientalische Gesellschaften waren über Jahrhunderte multinational, multiethnisch, multireligiös und sozial hochdifferenziert. […] Grenzen wurden vor allem durch den kulinarischen Austausch besonders leicht und regelmäßig überwunden.“ (Seite 211)

Peter Heine zeichnet sich durch große Sachkompetenz und detaillierte Recherchen aus. Ein vielschichtiges Buch, dass ich nicht nur den Kochfreunden (wegen der Rezepte) empfehle.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1050-koestlicher-orient.html

 

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köln, kolumbien, krimi, judith krieger, pendo verlag

Die Toten, die dich suchen

Gisa Klönne
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 04.10.2016
ISBN 9783866124004
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Toten, die dich suchen - Gisa Klönne (Autor), 432 Seiten, Verlag: Pendo (4. Oktober 2016), 20 €, ISBN-13: 978-3866124004

Hauptkommissarin Judith Krieger will keine Toten mehr sehen. Deshalb hat sie auch eine einjährige Auszeit in Kolumbien genommen. Jetzt kehrt die ehemalige Mordermittlerin nach Köln zurück, als Chefin der Vermisstenfahndung.

Aber gleich der erste Arbeitstag führte sie zum Schauplatz eines grausamen Mordes in einem Keller, fensterlos, hoffnungslos, trostlos. Dort liegt die Leiche des seit Wochen spurlos verschwundenen Kolumbianers Angelo Jaramillo.

Aus der Sicht von vier Personen entwickelt sich dann die spannende und hintergründige Handlung:

Judith Krieger, Polizistin durch und durch. „Komisch, oder? Dass man weglaufen kann, sogar weglaufen will, aber das nicht aus sich rauskriegt.“ (Seite 163)

Manni = Manfred Korzilius der frühere Partner von Judith aus ihrer Mordermittlungszeit „er hatte begriffen, […] dass alle geglaubten Sicherheiten nur eine Illusion waren.“ (Seite 22)

Dinah Josefine Makowski, ihre Kollegin „… zu jung, zu eigenwillig, und sie klappt bei der kleinsten Herausforderung zusammen.“ (Seite 187) und

Daniela, „eine Frau ohne Eigenschaften, die man im Vorbeigehen wahrnimmt und gleich wieder vergisst.“ (Seite 70)

Diese vier erzählen uns abwechselnd die Geschichte, ihre Geschichte, wobei jeder der vier auch eine Vergangenheit hat und genügend Probleme in der Gegenwart.

Das wird besonders deutlich an der Hauptfigur Judith. Sie ist zäh, eigensinnig, taff und steigt mutig hinab in die tiefsten Abgründe. Gleichzeitig ist sie mit Verletzlichkeit und innere Zerrissenheit ausgestattet. Und sie kennt den Preis, den sie für ihre Mission zahlt – vor allem nachts, wenn ihre ganz persönlichen Toten sie heimsuchen und am Schlaf hindern.

So wird das Buch mehr als ein spannender Thriller, sondern eine psychologische Studie mit vielen Grautönen, Abgründen und voller Drama. „Immer lauerte hinter der ersten noch eine zweite, komplexere Wahrheit.“ (Seite 197)

Ein überaus lesenswerter, spannender, unterhaltsamer, sehr abwechslungsreicher Thriller mit Tiefgang.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages

https://www.piper.de/buecher/die-toten-die-dich-suchen-isbn-978-3-86612-400-4

 

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krimi, mord, soziopath, spannung, psychologie

Evil Games – Wer ist ohne Schuld?

Angela Marsons , Elvira Willems
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2016
ISBN 9783492060394
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Evil Games – Wer ist ohne Schuld? - Angela Marsons (Autorin), Elvira Willems (Übersetzerin), 480 Seiten, Verlag: Piper Paperback (1. September 2016), 14,99 e, ISBN-13: 978-3492060394

 

Sie hat es wieder getan. Nach dem sehr brillanten „Silent Cream“, ihrem ersten Fall mit DCI Kim Stone legt sie mit ihrem zweiten Fall, „Evil Games“ nochmals nach. Ein ganz außergewöhnliches Buch erwartet Sie. Über den Inhalt werde ich nur so viel verraten: Kim Stone und ihr Team, mit den Detektiven Bryant, Dawson und Stacey haben eine Leiche. Keine Zeugen, keine Hinweise. Als ans Licht kommt, dass er noch nicht lang aus dem Gefängnis entlassen wurde, nehmen die Dinge eine andere Wendung.

Die Detektive haben alle ihre eigenen Stärken und Schwächen und haben gelernt, wie sie ihre Fähigkeiten zu bündeln haben, um ein erfolgreiches Team zu sein, das Ergebnisse erzielt.

Im Mittelpunkt steht zwar DI Kim Stone, aber ihr gegenüber auch die Psychologin Dr. Alexandra Thorne. Diese ist perfekt für ihre Rolle in der Geschichte, charmant, abscheulich, gefühllos, ignorant. Wir werden mehr über Kim Stone erfahren, mehr aus ihrer Kindheit und auch woher sich bestimmte Verhaltensweisen erklären lassen, das macht sie realistischer und sympathischer. Wir lernen aber auch das Böse in ihr erkennen. Und im Zusammentreffen mit Dr. Alexandra Thorne entwickelt sich ein psychischer Kampf zwischen den Beiden

Angela Marsons nimmt uns mit auf eine Reise in die Denkweise eines Soziopathen. Wir hören seine Gedanken und können ein gewisses Verständnis für seine Motivationen entwickeln.

Evil Games ist eine kluge, actionreiche Reise zu einigen der dunkelsten Orte der Gesellschaft und der kriminellen Psyche, die Angelas Marsons besonders gut zu verstehen scheint. Die Geschichte ist emotional, traurig und vor allem hat sie eine Tiefe, die nicht viele Romane zu haben von sich behaupten können.

Angela Marsons ist eine sehr gute Geschichtenerzählerin mit einem Händchen für Tempo. Sie schreibt grobkörnig, realistisch und manchmal ist es auch unbequem zu lesen.

Ein intensiver Psycho-Thriller, mit einem explosives Finale, das ich nicht kommen sah und dich wirklich trifft. Dieser Fall bringt Kim an ihre Grenzen, wo wir uns fragen, was wird sie wirklich tun und wie wird das enden. Und auch der Leser werden mit kritischen Themen und ethische Fragen konfrontiert.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages

https://www.piper.de/buecher/evil-games-wer-ist-ohne-schuld-isbn-978-3-492-06039-4

Wenn Sie es noch nicht kennen, dann lesen Sie vor diesem Buch unbedingt den 1. Fall mit der Detektivin Kim Stone „Silent Scream“

https://www.piper.de/buecher/silent-scream-wie-lange-kannst-du-schweigen-isbn-978-3-492-06034-9


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106 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

entführung, thriller, berlin, kindesentführung, catherine shepherd

Krähenmutter

Catherine Shepherd
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492309653
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Krähenmutter - Catherine Shepherd (Autorin), 288 Seiten, Piper Taschenbuch (4. Oktober 2016), 9,99 €, ISBN-13: 978-3492309653

 

Ein Baby verschwindet, samt Kinderwagen. Laura Kern, Ermittlerin auf dem Gebiet der Geiselnahme und Entführungen und ihr Kollege Max Hartung, sind ziemlich ratlos. Denn „diese Entführung verlief völlig anders als ihre bisherigen Fälle.“

Soweit, so vielversprechend. Ein hochinteressantes Thema, denn es scheinen noch andere Babys zu verschwinden. Daraus ließe sich viel machen, wenn man es denn kann.

Die Autorin schein es nicht zu können:

Sie baut keine bleibende Spannung auf, von einer Steigerung gar nicht zu reden. - Laura Kern stolpert durch den Fall, übersieht wichtige Hinweise und scheint sich mehr mit ihrem „Liebesleben“ zu beschäftigen. Kaum hat sie ein paar Worte mit einem neuen Kollegen, Taylor Field, gewechselt, scheint sie schon in die Rolle eines verliebten Teenagers zu verfallen. - Die Charaktere bleiben eher im Oberflächlichen, im Klischeehaften hängen, erreichen keine Tiefe. - Handlungsfortschritte entstehen mehr durch Zufall als durch Ermittlungsarbeit. Und ganz am Ende des Buches wird uns der Täter und mit kurzen Worten seine Motivation präsentiert, so ähnlich wie in einem schlechten auf die Schnelle zusammengestricktem Krimi aus irgendeiner Vorabendserie.

Darüber hinaus scheint mir der Stoff und auch der Ort Berlin und seine Polizeiarbeit, schlecht bzw. gar nicht recherchiert zu sein.

Und mein zweite Kritikpunkt. Die Sprache. Catherine Shepherd beschreibt, aber sie erzählt nicht. Der Stil ist phasenweise sehr hölzern: „Herr Völder wird sie sofort in Empfang nehmen.“ (Seite 164) oder „Sophie sprach die Wahrheit.“ (Seite 109) Mit ähnlichen Beispielen könnte ich Seiten füllen. Sie schreibt sehr langatmig und auch verworren, voller Stereotypen und Allerweltsklischees und mit kitschigen Anklängen.

Ich hatte mich durch Titel, Buchbeschreibung und Klappentext zu diesem Buch verleiten lassen. Leider ein Fehlgriff.

Also, wer wirklich anspruchslose Krimis bevorzugt, mit einfach gestrickten Handlungen und ungelenkem Schreibstil und wer über die vielen Ungereimtheiten hinwegsehen kann und wer flache Unterhaltung liebt, der mag hier richtig sein. Aber zu empfehlen ist das Buch nicht, weil es unglaubwürdig ist, und auch und vor allem, weil die Kategorie Thriller, absolut irreführend ist.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Piper Verlages

https://www.piper.de/buecher/kraehenmutter-isbn-978-3-492-30965-3

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Der Pygmäe von Obergiesing

Max Bronski
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 28.09.2016
ISBN 9783956141249
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Pygmäe von Obergiesing – Max Bronski (Autor), 176 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (28. September 2016), 15 €, ISBN-13: 978-3956141249

Ob das mal gut geht? Diese Frage ist bei Gossec immer angebracht. Er, der Mann ohne Vorname, Urmünchener und Antiquitätenhändler, wobei in seinem Geschäft wohl mehr Krempel als Kunst zu finden ist, lässt keine Gelegenheit aus, sich unbeliebt zu machen oder in Fettnäpfchen zu treten, die er sich selbst aufgestellt hat.

Diesmal lernt er Alois Womack kennen. Einen schwarzen Bayern, schwarz nicht politisch, das wäre nichts Außergewöhnliches, sondern schwarz von der Hautfarbe her. Natürlich ein Guter, denn „seit Eichmann wissen wir, dass die größten Schurken nicht schwarz, schlitzäugig, schlupflidrig oder großnasig sind, sondern wie gute deutsche Beamte aussehen.“ (Seite 15)

Durch Alois kommt er zu einem größeren Auftrag und schon bald ist ihre Kontaktperson Leila Backes tot. Wer war es und was steckt hinter dem Firmengeflecht ihres Auftraggebers, der MCB ImmoInvest?

Irgendwie erinnert mich das Buch an die Serie „Münchener Geschichten“ von Harald Dietl. Immobilienspekulanten versuchen den kleinen Leuten irgendein Viertel zu Entreißen. Merkwürdigerweise scheint kein Satz aus dieser Serie veraltet. Also schreibt Max Bronski ein bisschen vergangenheitsorientiert aber durchaus auf der Höhe der Zeit. Die Münchener Herrlichkeit scheint durch nichts zu ruinieren zu sein. „München zumindest, wo sich Freundeskreise aus Personen bilden, wo jeder die Hand in der Tasche des anderen hat.“ (Seite 95)

Neben Gossec dem Münchener Urtyp, seinem alten Freund Julius und seinem neuen Freund Alois spielt München die zweite Hauptrolle. Lokalkolorit vom Feinsten

Und jetzt entfaltet Max Bronski seine große Gabe des Erzählens und Fabulierens. Geschichten hinter der Geschichte, treffende Beobachtungen, kleine Nebenhandlungen, skurrile Typen reihen sich zu einem wunderbaren Kaleidoskop. Ebenso unübertroffen ist die Formulierungs- und Metapherfähigkeit des Autors, so, wenn er z.B. schreib „dazu mit korrekter Frisur, diesem Hitlerjugend-Undercut, oben wie gemeißelt und seitlich ausrasiert.“ (Seite 41). Sein lakonischer Wortwitz und seine schrägen Bilder bereiten ein ungeheures Vergnügen. Und der Autor nimmt sich und seine Geschichten nicht ganz so ernst.

Ein wahres Lesevergnügen erwartet Sie. Ein Krimi der anderen Art, wo der ästhetische Genuss an Formulierungen, Bildern und Lebensweisheiten mehr im Vordergrund steht als die Handlung. Eine wundervolle Lektüre zum Abschalten und Entspannen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages Verlags

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/der_pygmaee_von_obergiesing-1226/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

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Suchbild mit Katze

Peter Henisch
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 26.09.2016
ISBN 9783552063273
Genre: Biografien

Rezension:

Suchbild mit Katze - Peter Henisch (Autor), 208 Seiten, Deuticke Verlag (26. September 2016), 20 €, ISBN-13: 978-3552063273

 

„Woher kommen wir, wohin gehen wir, was wird aus uns werden? Wer sind wir, wer waren wir, wer werden wir sein? Unglaublich, was damals alles noch Zukunft war. Und dann ist es passiert und das heißt ja, vorbeigegangen, und schon war es Vergangenheit.“ (Seite 162)

Peter Henisch geht diesen Fragen in seinem neuen Roman nach, in einer Art Autobiographie der anderen Art.

Als Standpunkt wählt er den Blick aus den Fenstern. „All die Fenster, aus denen ich schon geschaut habe. Nicht ganz wenige im Laufe eines Lebens.“ (Seite 10). An seiner Seite immer wieder eine Katze, eine von vielen, die ihn in seinem Leben begleitet haben.

Und so blickt er auf die Gasse, auf sein Viertel, auf Wien, auf Österreich, auf die Welt, auf sein Leben. Auf seine Mutter, auf seinen Vater, den Fotographen, auf Großeltern, auf Onkel Willi, auf Friedi, seine heimliche Liebe, auf die Besatzung durch die Russen, auf den Staatsvertrag, „Österreich ist frei.“ (Seite 162), auf die Weltgeschichte. „Und schaute hinaus in die Welt. Eine Welt, von der ich mir erst nach und nach eine Vorstellung zu machen begann.“ (Seite 95)

Er schreibt aus unterschiedlichen Perspektiven: aus dem Blick des Kindes, aus der Sicht des Erwachsenen auf die Eindrücke des Kindes, aus den Eindrücken und Überlegungen des Erwachsenen, als Dichter, als Interviewter im Gespräch mit einer Journalistin. Er folgt keiner chronologischen Reihenfolge. Im Zentrum steht die Zeit der späten 40er Jahre und der 50er Jahre. Ganz leicht und locker springt er hin und her, kehrt zurück, folgt einem Nebengleis, streut Bemerkungen ein, kommt wieder in die aktuelle Gegenwart und greift daraus wieder ein Thema aus seiner Kindheit auf. Und das ganze überhaupt nicht verwirrend.

Das ist der erste entscheidende Punkt für mich in diesem Buch: Der Leser weiß immer ganz genau, wo und in welcher Zeit er sich befindet.

Der zweite entscheidende Punkt für mich ist die Denk- und Erlebniswelt des kleinen Knaben. Ich selbst bin gerade ein Jahr jünger als der Autor, in ganz anderen Verhältnissen aufgewachsen als er, aber ich entdecke Erlebnisse, Vorstellungen, Überlegungen des Kindes, an die ich mich auch bei mir erinnere. Und diese kindliche Zeiterfahrung und Zeiterleben haben nicht nur die Entwicklung des Autors nachhaltig beeinflusst, sondern die von all denen, die in dieser Zeit groß geworden sind.

Peter Henisch spricht ein kollektives Gedächtnis an. Und das tut er mit einer ganz wunderbaren Erzählkraft: in schöner, unaufdringlicher, fließender Sprache, spannend, manchmal ironisch, manchmal tiefgründig, sehr facettenreich und vor allem sehr eingängig. Er zieht den Leser in einen Bann, der bis zur letzten Seite anhält.

Gönnen Sie sich unbedingt dieses Lesevergnügen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Deuticke Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/suchbild-mit-katze/978-3-552-06327-3/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de  

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Der Ritter und der Tod.Ein einfacher Fall

Leonardo Sciascia , Peter O. Chotjewitz
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 23.09.2016
ISBN 9783803127631
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Ritter und der Tod. Ein einfacher Fall - Leonardo Sciascia (Autor), Peter O. Chotjewitz (Übersetzer), 128 Seiten, 9,90 €, ISBN 978-3-8031-2763-1

 Eine italienische Geschichte: die Geschichte einer stillen Macht, drückend, bedrohlich, tödlich. Dieses Monster ist schwierig zu bekämpfen. Man braucht eine große Frustrationstoleranz und breite Schultern. Und die hat unsere Hauptfigur, ein Polizeikommissar, der uns nur vorgestellt wird mit dem Namen Vize, das sowohl Stellverstreter bedeutet, als die Andeutung von Sucht, Laster (vizio) enthält.

Der Vize untersucht den Mord an dem prominenten Anwalt Sandoz, einem Freund des einflussreichen Cesare Aurispa, Präsident der Industrievereinigung. Je länger die Untersuchung dauert umso überzeugter ist der Vize von der Schuld des Aurispa. Aber die Mauer der Selbstzufriedenheit ist undurchdringlich, und es scheint unmöglich, ihn zu überführen. Bis ein tragisches Ende den Fall abschließt.

Unser Protagonist wird von einer unheilbaren Krankheit verzehrt, er arbeitet aber trotz der körperlichen Schmerzen und verliert weder seinen Humor, noch seine Sensibilität und seine Intelligenz.

Der Vize hat die Reproduktion eines berühmten Stiches von Albrecht Dürer in seinem Büro hängen, Ritter, Tod und Teufel. Und das scheint mir eine Synthese des verborgenen Sinns dieser Geschichte zu sein. Vize ist wie der von Dürer porträtiert Ritter: zäh und mutig, ohne zu zögern geht er weiter seinen Weg, obwohl er das Böse (den Teufel) und auch das Ende (den Tod) kennt. die Größe des End-Adressierung (Tod) und Böse (der Teufel).

Auch in der kurzen Geschichte „Ein einfacher Fall“ stellt sich heraus, dass er eher kompliziert ist. Mord oder Selbstmord? Daraus entwickelt Sciascia eine breit gefächerte Handlung, in der sowohl die sizilianischen Behörden als auch der Mythos der sizilianischen Familie entzaubert werden.

Sciascia spielt mit den klassischen Zutaten eines Krimis: Mord, Opfer, Untersuchung, Hinweise, Zeugen, Verdächtige, Mörder und schließlich die Wendung. Mir scheint es aber besonders wichtig hier auf den psychologischen Unterton zu achten, den der Autor mit ungeheuren erzählerischen Fähigkeiten, in einer Sprache mit feiner Ironie und doppelter Bedeutung, von interpretierbaren Dialogen filigran durchbrochen, in Vollendung präsentiert, unterbrochen durch unterschiedliche Betrachtungen über die Menschen in einer modernen Gesellschaft

Sciascia Themen, wie in vielen seiner Veröffentlichungen, ist die Macht und ihre kriminellen Seiten, die Ungeschicklichkeit oder Korruption der Strafverfolgung, politische und geheime Finanzverflechtungen, die zivile und moralische Krise Italiens.

Lesen Sie dieses Buch, nicht nur wegen seiner klaren und brillanten Formulierungen, wegen seiner literarischen Qualitäten. Sondern auch und vor allem wegen seines prophetischen Charakters.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/demnaechst-erscheinen/titel/1055--der-ritter-und-der-tod-ein-einfacher-fall.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Das weinfarbene Meer

Leonardo Sciascia , Sigrid Vagt
Fester Einband: 168 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 17.06.2016
ISBN 9783803113191
Genre: Romane

Rezension:

Das weinfarbene Meer: Erzählungen - Leonardo Sciascia (Autor), Sigrid Vagt (Übersetzerin), 168 Seiten, Wagenbach, K (17. Juni 2016), 18 €, ISBN-13: 978-3803113191

 

"Das weinfarbene Meer" ist die zweite Sammlung von Kurzgeschichten, in denen Leonardo Sciascia sein Sizilien erzählt.

Dreizehn Kurzgeschichten aus und über Sizilien, geschrieben zwischen 1959 und 1972, die jeweils von einem anderen Charakter beherrscht sind. Sciascia scheut weder Ironie, die oft bitter ist, noch die Anklage.

Sciascia, ausgestattet mit einer subtilen Ironie, liefert eine kontinuierliche introspektive Analyse und eine sorgfältige Reflexion der Kräfte, die unsere Erde regieren. Oft sind sie krank oder korrupt. Oft auch nur mit einem offensichtlichen Gleichmut durchdrungen, mit dem sie auf Ereignisse und Veränderungen reagieren. Oft verstecken sie sich hinter dem Schweigen der Resignation. In der Erziehung gibt es keine Regeln, keine pädagogischen Gewohnheiten, aber es gibt den Glauben, dass es kein Problem im Leben gebe, dass nicht durch Zuneigung zu lösen sei.

Die Geschichten im Einzelnen. Umkehrbarkeit, eine Geschichte aus dem 19. Jahrhundert, in der es um Heirat, Liebe und der Rivalität zweier Ort geht. Die weite Reise – eine Geschichte über eine Gruppe von Verzweifelten, die alles verkauft haben, was sie hatten, gegen das trügerische Versprechen einer Schiffspassage nach Amerika. Das weinfarbene Meer – ein Ingenieur aus Vicenza, welterfahren, fährt mit dem Zug nach Gela in Sizilien in einem Abteil mit einer fünfköpfigen sizilianischen Familie. Die Prüfung – Ein Schweizer reist mit Auto und Fahrer in Sizilien übers Land um in Zusammenarbeit mit den Pfarrern Mädchen als Fabrikarbeiterinnen auszuwählen. Giufà – Eine märchenhafte Figur namens Giufà trödelt durch die Straßen, alterslos wie alle Trottel und richtet ein Unheil nach dem anderen an. Die Entfernung – Michele Trico, Kommunist findet seine Frau Filomena in der Kirche. Dort soll die Statue der hl. Filomena entfernt werden. Philologie – Zwei Mafioso diskutieren über die Bedeutung des Wortes Mafia. Gesellschaftsspiel – Eine Frau empfängt einen Unbekannten. Ihr ist er jedoch bekannt. Und eine spannende Unterhaltung entwickelt sich.  Eine Gewissensfrage – Einmal im Monat fährt der Anwalt Vaccagnino von Rom nach Maddà in Sizilien. Doch diesmal ist vieles anders. Apokryphen zum Fall Crowley – Notizen zu einer Untersuchung in der Mussolinizeit. Western auf sizilianisch - Zwischen Palermo und Trapani bricht ein Krieg zwischen den beiden lokalen Mafiabanden aus. Prozess wegen Gewaltverbrechen – Die Geschichte zweier Morde. Eufrosina – So etwas wie ein Muttermord. Um was ging es? Eigennutz oder Ehre?

13 Geschichten also, ironische, gewalttätige, zärtliche und spöttische Geschichten, in denen Leonardo Sciascia erstaunliche menschliche Wahrheiten zu Tage fördert.

Leonardo Sciascia erklärt alles, ohne zu erklären. Er erzählt. Und er führt seine Leser, insbesondere seine sizilianischen Landsleute zu bitteren Erkenntnissen und vielleicht zur Akzeptanz der Realität.

Lesen Sie diese Geschichtensammlung und lassen Sie sich mitreißen von dieser genialen Erzählkunst. Genießen Sie ... diese großen Geschichten und gute Lektüre.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1041-das-weinfarbene-meer.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Italienische Weihnachten

Klaus Wagenbach
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 23.09.2016
ISBN 9783803113221
Genre: Sachbücher

Rezension:

Italienische Weihnachten - Klaus Wagenbach (Herausgeber), 144 Seiten, Wagenbach, K (23. September 2016), 17 €, ISBN-13: 978-3803113221

 

Italiener feiern Weihnacht auf fröhliche Art und jede Region feiert mit ganz unterschiedlichen, originellen Traditionen. Natürlich gibt es auch klassische Elemente, die typisch für italienische Weihnachten sind, wie San Nicola (Nikolaus) oder Santa Lucia an deren Tag die Armen beschenkt werden. Il Bambinello Gesu am 25. Dezember bekommt immer mehr Konkurrenz vom Babo natale. Aber auf jeden Fall, unverrückbar kommt am 6. Januar die gute Hexe La Befana zur Bescherung zu den Kindern. Sie saust nachts durch die Schornsteine und lässt für die artigen Kinder Geschenke in Schuhen oder Strümpfen zurück. Die bösen Kinder finden allerdings Kohlestückchen in ihren Schuhen.

Aber um Weihnachtsbräuche geht es nicht in diesem Buch. Wie anders Weihnachten in Italien ist, zeigen die Geschichten von 17 italienischen Autoren: Stefano Benni, Vitaliano Brancati, Dino Buzzati, Italo Calvino, Andrea Camilleri, Ermanno Cavazzoni, Gianni Celati, Luciano de Crescenzo, Natalia Ginzburg, Luigi Malerba, Laura Mancinelli, Giorgio Manganelli, Alberto Moravia, Leonardo Sciascia, Mario Soldati, Franco Stelzer und Sebastiano Vassalli.

Eine kleine, aber feine Auswahl von Geschichten ist dem Verleger Klaus Wagenbach gelungen, Geschichten mit typisch italienischem Erfindungs- und Phantasiereichtum zu einem bunten Weihnachtskaleidoskop zusammen zu setzen:

Ob Truthähne, die ihrem Rollenbild so gar nicht entsprechen oder die heiligen drei Könige, die aus dem All gekommen sind, um das Jesuskind auf Erden zu lassen; ob drei andere Jesus als Mädchen vorfinden oder ob jemand im festen Glauben lebt, ein waschechter Weihnachtsmann zu sein und dann von seinem eifersüchtigen Rentier auf die Hörner genommen wird – es darf geschmunzelt werden. Aber nicht nur: „Ob das Unvorhergesehene in dieser Welt haust.“ (Seite 63) oder „Aktiengesellschaften, bis gestern mit der nüchternen Berechnung von Umsatz und Dividenden beschäftigt, entdecken auf einmal ihr Herz für die Sympathie und das Lächeln.“ (Seite 92) oder wenn der Bettler Tugnin weint „und alle wussten, dass er weinte, weil er sich einsam fühlte [ …] aber vor allem, weil er seine Verabredung mit den Engeln versäumt hatte.“ (Seite 135) dann erteilt uns manche Geschichte eine moralische Lektion

Die meisten der Geschichten erscheinen zum ersten Mal auf Deutsch. Sie eignen sich überwiegend eher für Erwachsene. Für mich sind sie eine echte Alternative zu den jetzt wieder überall angebotenen Weihnachtsbüchern. Unbedingt zu empfehlen. Ganz vergnüglich vor dem Einschlafen zu lesen.

 

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Mailand

Henning Klüver
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 17.06.2016
ISBN 9783803113184
Genre: Sachbücher

Rezension:

Mailand: Eine literarische Einladung - Henning Klüver (Herausgeber) 144 Seiten, Wagenbach, K (17. Juni 2016), 17 €, ISBN-13: 978-3803113184

Die (Vor)Urteile über Mailand reichen von dem überheblichen „Milano produce, Roma consuma“ (Mailand produziert, Rom konsumiert) bis hin zur süsslichen „O mia bela Madunina che te brillet de lontan“- Verklärung. „Moralische Hauptstadt“ wurde Mailand früher genannt, weil man – so der obige Ausspruch – hier das Geld verdiente, was in Rom ausgegeben wurde. Ja, Mailand erweckt Widersprüche, berechtigte und unberechtigte, vulgäre Verallgemeinerungen sind ebenso an der Tagesordnung wie Stolz und Vorurteile. Und dieses Büchlein wird allem gerecht.

In 39 kürzeren oder längeren Texten, in Gedichten, Meinungen, Beobachtungen und Geschichten von italienischen Schriftstellern, Journalisten, Schauspielern, die allesamt in Mailand geboren wurden oder lange dort gelebt haben, entwirft dieses Buch ein stimmiges Bild von Mailand der letzten 70 Jahre.

Von 1943 an „Die Stadt ist tot, sie ist tot.“ (Seite 25) bis zum jüngsten Freibeuterkapitalismus von Sidona oder Raul Gardini. „Mailand merkte nichts […] auch nicht, dass es zur wahren Hauptstadt der `Ndrangheta geworden ist.“ (Seite 122) geht die Zeitschiene dieses Buches. Und von der Peripherie „Hier mögen sich die Straßen nicht. Man sieht ihnen den Widerwillen an, sich zu begegnen […] diese blutlosen Tentakel, mit denen Mailands Herz lustlos die vernachlässigbare Peripherie an sich bindet.“ (Seite 83) bis ins städtebauliche Herz von Mailand „Palazzi und wieder Palazzi, ein einziges gleißendes Meer aus Marmor, Glas und kostbaren Materialien.“ (Seite 35) reicht der räumliche Querschnitt.

Henning Klüver ist bei dieser Auswahl ein großer Wurf gelungen. Er hat es geschafft, ohne Bilder, ohne Lokalpatriotismus, ohne die Scala, den Mode- und Designzirkus und ohne Inter und Milan zu bemühen, ein ganz treffendes Bild auch von der Entwicklung Mailands zu liefern. Wir erkennen hinter der „moralischen Hauptstadt“, hinter ihrem Geschäftssinn die Toleranz eines offenen Mailands mit einer ungeheuren Kraft der Assimilation.

Gut, Mailand ist eigentlich nicht schön, weder elegant wie Florenz noch monumental wie Rom und mag auch der Konsum den Alltag bestimmen, aber genau ihre Widersprüche machen sie so anziehend. Denn:

„Mailand ist eine Miesmuschel, wissen Sie, die Stadt ist hässlich wie eine Miesmuschel, aber auch genau so gut wie eine Miesmuschel. Mehr noch, wissen Sie: Mailand ist wie ein Kilo Miesmuschen, von dem man erst eine nimmt, dann noch eine, dann noch eine mehr und dann kann man nicht mehr aufhören.“ (Seite 28)

Für alle Italienliebhaber und für alle die gute Literatur schätzen ist dieses Büchlein ein absolutes Muss. Nehmen Sie die Einladung an.

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Europäischer Islam

Nilüfer Göle , Bertold Galli
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 23.09.2016
ISBN 9783803136633
Genre: Sachbücher

Rezension:

Europäischer Islam: Muslime im Alltag - Nilüfer Göle (Autorin), 304 Seiten, Wagenbach Klaus Gmbh (23. September 2016), 24 €, ISBN-13: 978-3803136633

 

Nilüfer Göle war einer der ersten Soziologen, die sich mit der islamistischen Bewegung, mit der Rolle muslimische Frauen und dem gegenseitigen Einfluss zwischen Europa und dem Islam in einer breiten Feldstudie auseinandersetzte. Jetzt, nach vier Jahren Untersuchung in einundzwanzig europäischen Staaten, legt sie in diesem Buch ihre Ergebnisse vor.

Moscheenbau, Kopftuch, Verschleierung, Fatwa, Scharia, Terroranschläge, Islamismus, Kampf der Kulturen – Schlagworte, die die Diskussion beherrschen. Das westlich-pluralistische Modell, das universelle Geltung beansprucht, wird dabei herausgefordert durch die eben nicht pluralistischen Praktiken des Islam, der ebenfalls weltweiten Anspruch erhebt. Und klar, je mehr der Islam in der nationalen Öffentlichkeit auftaucht, werden deren Prinzipien und Strukturen in Frage gestellt.

In 10 Kapitel beschäftigt sich Nilüfer Göle mit dieser Problematik, erstmals nicht nur aus nationaler Sicht. Ihre Feldforschung wurde in vielen europäischen Städten in mehreren Sprachen durchgeführt. Und sie verleiht „dem ganz einfachen Muslim aus dem zeitgenössischen Europa eine Stimme.“ (Seite 15) Denn diese Feldforschung bezog Männer wie Frauen mit ein und diese gaben in einer durch präzise Fragen gesteuerten Unterhaltung von jeweils mehr als anderthalb Stunden Antwort bzw. beteiligten sich an jeweils über vier Stunden dauernden Debatten über die Realität des europäischen Islams.

So rückt die Autorin die gewöhnlichen Muslime in den Vordergrund, auf die die täglichen Kontroversen konzentriert sind, die aber an den Debatten oder den öffentlichen Kontroversen über Beziehung und Interaktion mit ihren nicht-muslimischen Mitbürger nicht beteiligt sind. Auf jeden Fall verleiht sie diesem Teil Gesicht und Stimme. Vielleicht bringen uns diese bisher vergessenen oder unterschätzen Fakten und Meinungen, Antworten auf eine Fülle von Fragen:

Ist der Multikulturalismus am Ende? Gibt es eine Islamophobie? Welche Erscheinungsformen des Islams gibt es im öffentlichen Bereich? Ist das Muslim-Bild reduziert? Was bedeutet das islamische Kopftuch? Was bedeutet die Scharia? Ist sie das islamische Gesetzeswerk? Halal: Was ist erlaubt, was ist nicht erlaubt? – eine breite Palette tut sich hier auf, bis hin zu der Frage, wie gestalten wir das gesellschaftliche Zusammenleben.

Allein von der Themenvielfalt her ist es kein einfaches Buch. Wer es liest, sollte es im besten Sinne des Wortes kritisch tun. Muslimisches Leben gehört heute zum europäischen und auch zum deutschen Alltag. Doch über das alltägliche Leben der Muslime hier bei uns wissen wir eher wenig. Hier liefert die Autorin einen wichtigen Beitrag.

Nilüfer Göle will mit ihrer Arbeit die Klischees überwinden, die Muslime in Europa betreffen. Es bleibt für mich nur die Frage, wie repräsentativ dieses Bild der europäischen muslimischen Gemeinschaft ist.

Nilüfer Gölen entwirft eine Vision einer neuen Gesellschaft, in der europäische Muslime sich gleichberechtig einbringen. Mir scheint aber, dass die Mehrheit unserer Gesellschaft noch ganz weit entfernt ist. Ein hochinteressantes Buch für alle, die sich mit unserer Gesellschaft und ihren Problemen ernsthaft auseinandersetzen wollen.

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https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1052-europaeischer-islam.html

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gott, gesellschaft & politik, erschaffung, erzählung, impulse

Die Tage, die ich mit Gott verbrachte

Axel Hacke , Michael Sowa
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 14.09.2016
ISBN 9783956141188
Genre: Romane

Rezension:

Die Tage, die ich mit Gott verbrachte - Axel Hacke (Autor), 112 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (14. September 2016), 18 €, ISBN-13: 978-3956141188

Der Mann mit dem grauen Mantel? Wer ist er? Was macht er hier? Wieso taucht er jetzt ständig auf und sucht die Nähe zum Erzähler? Ist es vielleicht Gott? Fühlt er sich vielleicht einsam? Und wieso gibt die Katze dem rauchenden Hund Feuer? (Siehe Buchcover)

Und was soll man vom Erzähler halten, der dem Büroelefanten, der seine Gedanken beherrschte, zu einer realen Existenz verhilft, indem er ihn aus seinen Gedanken verbannt und so einen treuen Begleiter erhält?

Die Geschichte des Buches spielt im Jetzt, einer Zeit, in der Arbeit die Religion ersetzt hat und zu einem zentralen Punkt einer individuellen Glückssuche geworden ist. In einer Welt, wo sich alles um schnelle Selbstbestätigung dreht.

In vielen Gesprächen und Begegnungen des Erzählers und des melancholischen älteren Herrn geht es ums Ganze: um Raum und Zeit. Um Schöpfung und alternative Schöpfungen. Um unseren Blick auf Gott und die Welt. Um den Blick Gottes auf die Welt und den Menschen. Um die Geheimnisse und Grenzen zwischen Jetzt und Ewigkeit, zwischen Realität und Erscheinung.

Axel Hacke schreibt eine ebenso großartige wie versponnene Geschichte, voll der seltsamsten Ereignisse. Absolut heiter und tiefernst zugleich. Warum sind wir hier auf dieser Erde? „Ihr seid im Prinzip vollkommen grundlos hier. Auch wenn es euch nicht passt.“ (Seite 38) Wieso gibt es das Böse? „Der Mensch ist das einzige Wesen, das zur Unmenschlichkeit fähig ist.“ (Seite 52) Oder ist eigentlich nicht doch als egal? „Der Kern der Welt ist die Gleichgültigkeit.“ (Seite 59)

Es geht nicht um Glauben in diesem Buch. Gott sagt: „Ich glaube doch nicht mal an mich selbst.“ (Seite 34) Es geht vielmehr um Zufall und Lebenssinn. Die Existenz eines Individuums auf dieser Welt mag nur eine Sache des Zufalls sein. Wir hatten Glück (oder Pech?!), andere, die nie geboren wurden, nicht. Stellt sich dann noch die Sinnfrage der Existenz? Ich zitiere hier einmal den deutschen Philosophen Friedrich Kambertel: "Das Leben selbst hat einen Eigenwert. Wem es also gelingt, sein Leben um seiner selbst willen zu leben, der erfährt die wahre Lebensfreude. Einen tieferen Sinn gibt es nicht!" Oder doch?

Dem Sinn Ihres Lebens kommen sie vielleicht näher, wenn sie dieses fantastische Büchlein lesen und sich in die hintergründigen Illustrationen vertiefen. Es nicht nur lesen, sondern sich darauf einlassen. Denn Ihr Leben sollte Ihnen nicht egal sein.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlags

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/die_tage_die_ich_mit_gott_verbrachte-1230/

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frankfurt, thriller, krimi, asphaltseele, kosovo

Asphaltseele

Gregor Weber , Heiko Arntz
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453270206
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Asphaltseele - Gregor Weber (Autor), 240 Seiten, Heyne Verlag (12. September 2016), 14,99 €, ISBN-13: 978-3453270206

 

Ruben Rubeck, Kriminalkommissar ist am Ende. Er säuft wie ein Loch, raucht wie ein Schlot und lebt allein in einer Altbaubude im Frankfurter Bahnhofsviertel. Vom harten Leben wird Rubeck eines Abends eingeholt, als er in einen Überfall gerät. Zwei Männer liegen kurze Zeit später auf dem Bürgersteig, einer tot, einer verletzt. Der Tote war offenbar Bodyguard eines kosovarischen Gangsterbosses, und schon bald kann Rubeck keinem mehr trauen, erst recht niemandem aus den eigenen Reihen.

Soweit so einfach. Die Handlung ist voraussehbar. Was nicht stören muss. Die meisten Fernsehkrimis sind so gestrickt. Und da kommt der Autor Gregor Weber auch her. Es ist weniger ein Thriller, vor allem kein Noir-Thriller, sondern ein mäßig intelligenter Krimi.

Der Autor bemüht alle nur denkbaren Klischees. Ein kettenrauchender, saufender ambitionsloser Kommissar, der sich im Rotlichtviertel rumtreibt usw. Es scheint mir eine aus vielen Versatzstücken diverser Krimihelden zusammengeschusterte und damit profillose Hauptfigur zu sein. Magnum, Jesse Stone, Schimanski und andere lassen grüßen.  Wenig Tiefgang also. Genauso verfällt der Autor bei den Formulierungen in die Standards eines Groschenromans, bietet auch hier kein ästhetisches Lesevergnügen.

Wer es nicht besonders anspruchsvoll haben möchte, wer Schimanski als absolutes Highlight der Charaktere ansieht, der ist bei diesem Krimi gut aufgehoben.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Heyne Verlages

https://www.randomhouse.de/Paperback/Asphaltseele/Gregor-Weber/Heyne-Hardcore/e484395.rhd

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unfall, mord, totschlag, to, gerichtsverfahre

Drei Söhne

Helen Garner , Lina Falkner
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 01.09.2016
ISBN 9783827012692
Genre: Romane

Rezension:

Drei Söhne: Ein Mordprozess - Helen Garner (Autorin), Lina Falkner (Übersetzerin), 352 Seiten, Berlin Verlag (1. September 2016), 20 €, ISBN-13: 978-3827012692

 

„Drei Söhne“ beginnt fast wie ein modernes Märchen: „Es war einmal ein schwer arbeitender Mann, der mit seiner Frau und seinen drei kleinen Söhnen in einer Kleinstadt in Victoria lebte. Sie schlugen sich mit seinem Raumpflegerslohn durch und bauten mühsam an einem größeren Haus.“ (Seite 9)

Doch schon im nächsten Satz ist das Märchen zu Ende und ein Happyend ausgeschlossen. Denn seine Frau trennt sich von ihm und behält die Kinder.

Und „zehn Monate später, an einem Septemberabend 2005, kurz nach Einbruch der Dunkelheit, als der abgelegte Ehemann gerade seine Söhne von einem Vatertagsausflug zurück zur Mutter fuhr, kam sein alter, weißer Commodore, kaum fünf Minuten von der Haustür entfernt, plötzlich von der Fahrbahn ab und versank in einem Baggersee. Der Mann befreite sich aus dem Auto und schwamm ans Ufer. Das Auto sank auf den Grund und alle drei Kinder ertranken.“ (Seite 10)

Soweit der Anfang dieser wahren Begebenheit. Tragischer Unfall oder Mord aus Rache? Diese Frage beschäftigte nicht nur die australischen Gerichte und die Öffentlichkeit. Auch die Autorin Helen Garner verfolgt den Prozess vor dem hohen Gericht in Canberra.

Helen Garner verknüpft Beschreibungen des Gerichtsverfahrens mit Szenen aus jener verhängnisvollen Nacht und Zeugenaussagen zu einem herzzerreißenden Drama. Es ist kein „whodunnit“-Krimi, sondern mehr ein „Warum hat er es getan?“ Sie richtet ihren Fokus nicht so sehr auf das Urteil, sondern auf die innere Welt einer verurteilten Familie. Das Ganze legt sie an als eine überaus gekonnte Mischung aus Bericht, Gerichtsreportage, Zeugenaussagen, Gesprächswidergabe, Erzählung und immer wieder die ganz persönlichen Eindrücke der Autorin.

Im Mittelpunkt ihre Geschichte steht Rob Farquharson, der liebende Vater von Jai, Tyler und Bailey und ihr möglicher Mörder. Es entsteht das Porträt eines gewöhnlichen Menschen und eines undenkbaren Verbrechens. Aber auch tiefe Einblicke in die Seele und das Denken aller Beteiligten: Richter, Anwälte, Ankläger, Freunde, Verwandte und Zeugen. Sie beobachtet sorgfältig jedes einzelnen Verhalten und jede Regung aller Personen in diesem langen Indizienprozess.

Eigentlich wollen wir als Leser, dass Rob unschuldig am Tod der Kinder ist, ein tragisches Ereignis eben und nicht, dass er vorsätzlich und rücksichtslos handelt. Aber das wollen wir nicht unbedingt, weil wir glauben, dass er unschuldig sei, sondern weil es einfach zu schrecklich ist, die Alternative zu betrachten, weil es einfacher ist, daran zu glauben, dass das Leben der Kinder für einen Vater zu kostbar wäre, um es in einem Moment der Vergeltung zu zerstören.

Es ist eine Geschichte über Verlust, über die unerträglichen Bereiche des menschlichen Verhaltens, über die Spannung zwischen Liebe und Hass, Pflicht und Rache. Sie schreibt erschütternde Szenen, berührende Beobachtungen der Schwäche gepaart mit ironischen Momenten des Humors. Besonders gelungen finde ich die Gegenüberstellung des intellektuellen Ansatzes des Staatsanwaltes Jeremy Rapke, gegen die emotionale Darstellung des Verteidigers Peter Morrissey. „Während die Anklage für das Schlussplädoyer eine trockene und verstandesmäßige Herangehensweise gewählt hatte, versuchte die Verteidigung direkt aufs Herz zu zielen.“ (Seite 219)

Helen Garner schreibt einfühlsam und zugleich schonungslos, schnörkellos und doch facettenreich.

Ein Buch voller Kraft und Leidenschaft. Wenn Ihnen beispielsweise Truman Capotes „Kaltblütig“ gefallen hat, dann haben Sie hier eine australische Version. Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie diesen Fall nicht mehr vergessen.

 

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https://www.piper.de/buecher/drei-soehne-isbn-978-3-8270-1269-2

Verlages

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Ein Regentropfen kehrt ins Meer zurück

Muho
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 01.09.2016
ISBN 9783827013385
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein Regentropfen kehrt ins Meer zurück: Warum wir uns vor dem Tod nicht fürchten müssen - Muho (Autor), 192 Seiten, Verlag: Berlin Verlag (1. September 2016), 16 €, ISBN-13: 978-3827013385

Meinen Gedanken zu diesem Buch möchte ich ein Gedicht des katholischen Dichters Werner Bergengruen voranstellen:

„Gestern fuhr ich Fische fangen, / Heut bin ich zum Wein gegangen, /- Morgen bin ich tot - / Grüne, goldgeschuppte Fische, / Rote Pfützen auf dem Tische, / Rings um weißes Brot. / Gestern ist es Mai gewesen, / Heute wolln wir Verse lesen, / Morgen wolln wir Schweine stechen, / Würste machen, Äpfel brechen, / Pfundweis alle Bettler stopfen / Und auf pralle Bäuche klopfen, / - Morgen bin ich tot – / Rosen setzen, Ulmen pflanzen, / Schlittenfahren, fastnachtstanzen, / Netze flicken, Lauten rühren, / Häuser bauen, Kriege führen, / Frauen nehmen, Kinder zeugen, / Übermorgen Kniee beugen, / Übermorgen Knechte löhnen, / Übermorgen Gott versöhnen – / Morgen bin ich tot.“

Er umreißt mit diesem Gedicht Gott und die Welt, Leben und Tod, und alles andere, was sich zwischen diesen Koordinaten befindet. Bergengruen fasste den Glauben als Sprung über den Schatten der eigenen Existenz auf.

Abt Muho greift dieselben Koordinaten auf und interpretiert sie aus der buddhistischen Sicht des Zens. Er heißt eigentlich Olaf Nölke, wurde 1968 in Berlin geboren, ist deutscher Zenmeister und steht seit 2002 dem japanischen Kloster Antai-ji als Abt vor.

In diesem Buch hält er uns keine Vorträge, will niemanden bekehren, sondern zeigt uns in 24 Kapiteln seinen eigenen Lebensweg. Die Schlussfolgerungen daraus muss jeder selber ziehen.

Es geht auch nicht um Glauben oder Nichtglauben. Denn, wie sagte der japanische Zenmeister Sawaki Kodo: „Der Buddhismus ist keine Ideologie. Die Frage, die er stellt, lautet: Was fange ich mit mir selbst an?“ (Seite 71)

Es geht um das Leben. Das Leben im Jetzt. Nicht vergleichen. Nicht an früher denken. Nicht über das Morgen sorgen. Loslassen. Aber wie geht das eigentlich?

Anleitungen dazu gibt es genug, zum Zen, zur Achtsamkeit, Zen-Leadership, Zen für Unternehmer, Zen für Küche und Leben, Zen für Dummies, Zen für Programmierer, Zen-Basis, Zen für Anfänger, Zen für Ärzte, Zen für Banker, Zen für Ältere, Zen für öffentliche Räume, Zen-Food und sogar Zen für trockene Haut. Und alle versprechen dir Glück, Zufriedenheit, besseres Aussehen, stabile Gesundheit und bessere Geschäfte. Alles nur ein gigantisches Geschäft?

Vielleicht. Bei Abt Muho geht es um mehr. Er stellt sich ja eine nicht unbedingt leichte Aufgabe. Denn, Wenn wir unser wahres Wesen, unsere Essenz ergründen wollen, ist das nicht mit den Mitteln der Sprache oder intellektuellen Verstehens möglich. Doch wie können wir etwas verstehen, das man nicht erklären kann? Nun, wenn wir’s schon nicht beschreiben können, können wir es zumindest umschreiben. Und das tut Abt Muho in Vollendung.

Ich zitiere einfach mal aus dem Buch von Abt Muho:

„Wir machen uns Sorgen um das, was nach dem Tod kommen könnte, und vergessen dabei, das Leben zu leben, solange wir es haben. Gibt es ein Leben nach dem Tod? Wer kann das wissen? Aber wenn es so weit ist, werden wir es schon herausfinden. Früher oder später werden wir alle in den Besitz der Antwort kommen. Wir können also gespannt sein!“ (Seite 15)

„Wenn aus morgen heute wird, verschiebt man das ungelebte Leben einfach um einen weiteren Tag in die Zukunft. Und immer so weiter. Doch der einzige Tag, den ich wirklich leben kann, ist der heutige. Da hilft mir auch kein nächstes oder übernächstes Leben. Das Leben, das ich heute nicht lebe, wird ewig ungelebt bleiben. Das Leben, das ich in diesem Augenblick lebe, ist das einzige Leben. Es gibt allein das Jetzt. Nur wenn ich diesen Tag so lebe, als wäre er mein letzter, werde ich auch den nächsten zu leben wissen.“ (Seite 16)

Oder wie Sawaki Kodo es ausdrückte. „Die Hälfte des Lebens / Geburt, Krankheit, Alter, Tod - / vertrödel sie nicht, deine kurze Zeit hier!“ (Seite 15)

„Glück steckt in diesem Atemzug. Nicht im vergangenen und nicht im nächsten.“ (Seite 105)

Lassen Sie sich auf dieses Buch ein. Meines Erachtens ist es eines der besten Bücher über Zen. Vielleicht hilft es Ihnen, Ihren Weg zu finden.

„Alle reden von der Realität, aber die ist nur ein Traum. Erst wenn du stirbst, erkennst du den Traum. Beeil dich! Besser, du erwachst bereits im Leben aus ihm. (Sawaki Kodo Seite 177)

 

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https://www.piper.de/buecher/ein-regentropfen-kehrt-ins-meer-zurueck-isbn-978-3-8270-1338-5

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randgesellschaft, randbezirke, die drei generationen des terrors, mord im namen der religion, terror

Terror in Frankreich

Gilles Kepel , Werner Damson
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 14.09.2016
ISBN 9783956141294
Genre: Sachbücher

Rezension:

Terror in Frankreich. Der neue Dschihad in Europa - Gilles Kepel (Autor), Werner Damson (Übersetzer), 352 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (14. September 2016), 24 €, ISBN-13: 978-3956141294

 

Gilles Kepel Professor am Institut für politische Studien in Paris, ein Spezialist für den Islam und die zeitgenössische arabische Welt, erforscht fast dreißig Jahre lang die Entwicklung der arabisch-muslimischen Gesellschaften.

Kepel führte seine Analyse durch als Historiker und Politikwissenschaftler. Er zeigt Zusammenhänge auf in einer kompromisslosen Analyse der US-Außenpolitik (Afghanistankrieg). Er spricht über die Unruhen von 2005, über die Verzweiflung der Vorstädte, über postkoloniale Verletzungen und Ablehnung der französischen Werte durch eine radikalisierte Jugend mit Migrationshintergrund.

Er seziert mit der Präzision eines Wissenschaftlers, die islamistischen Bewegungen, ihre Entstehung und Entwicklung in den Städten, die zweite und dritte Generation von Einwanderern, deren Ablehnung der französischen Staatsbürgerschaft, die keine Bedeutung für sie hat. Die Gewalt der Terrorakte im Jahr 2015 zeugt von diesen Terroristen und ihre Bereitschaft sich von Frankreich loszusagen.

Kepel geht chronologisch vor: er analysiert im Detail diese historischen Prozesse, zeigt uns die verschiedenen Phasen von Afghanistan, Algerien, Al Qaida und schließlich IS und ermöglicht uns, die verschiedenen Ereignisse zu verknüpfen, damit wir – was noch häufig geschieht – sie nicht nur in ihrer Singularität betrachten. Er sieht drei große Zäsuren:

1979 Afghanistan im Kampf gegen die Sowjets. Die Kämpfer kommen aus allen islamischen Ländern um gegen die Rote Armee zu kämpfen, unterstützt von Saudi-Arabien und den Vereinigten Staaten.

Die zweite Phase ist uns besser bekannt. Es ist dem 11. September 2001. Al-Qaida und der Jihad fungieren als hierarchische Organisation, mit dem Kopf Osama bin Laden und dem Ideologen Al-Sawahiri.

Für Gilles Kepel ist 2005 das Schlüsseljahr. Es ist der online veröffentlichte "Aufruf zum globalen islamischen Widerstand" des Syrers Abu Musab al-Suri. Die hierarchische Organisation der Al Quaida wird durch kleine Gruppen schlecht integrierter Migranten ersetz, mit dem Ziel durch terroristische Aktionen Chaos zu erzeugen, eine Islamophobie zu schaffen und so die Muslime gegen andere auszuspielen, was schließlich in einem Bürgerkrieg enden sollte. Und schließlich wurde im Jahr 2005 YouTube geboren, das zu einem außergewöhnlichen Verbreitungsmedium für Terroristen werden sollte. Es entstand eine Art unterirdisches Wurzelwerk, ein Netzwerk, das die sozialen Medien für die Propaganda nutzt und dem die Gefängnisse als Inkubatoren dienen. Durch den Zusammenbruch der arabischen Staaten hat dieses System einen ungeheuren Aufschwung erfahren. Es gibt nun rechtlose Gebiete, gescheiterte Staaten in unmittelbarer Nähe Europas, in Syrien in Libyen, im Jemen und im Irak.

Er predigt keine Apokalypse, was viele andere tun. Die Anschläge von Paris, Nizza oder Brüssel zielten auf die westliche Lebensweise. Dennoch sei der Terror in Europa kein Ausdruck eines Krieges zwischen dem Westen und dem Islam, meint Gilles Kepel. Den Terroristen gehe es darum, die Gesellschaft zu spalten, indem sie feindliche Reaktionen gegenüber allen Muslimen erzeugen. Und wenn man wirksam gegen die Brüche in den europäischen Gesellschaften kämpfen will, dann nicht mit Krieg, sondern mit Polizeiarbeit und Bildung.

Kurz gesagt, dieses Buch ermöglicht uns, den Feind zu verstehen. Und dieser Feind ist unter uns. Er kommt nicht nur von außen. Und das scheint mir nicht nur auf Frankreich zuzutreffen.

Die Schlussfolgerungen von Gilles Kepel kann ich voll unterschreiben: Es gibt keinen Krieg des IS in Frankreich, Deutschland oder sonst wo in Europa. Es gibt eine große Herausforderung für Polizei, Geheimdienste und vor allem für die Gesellschaft. Warum brechen Teile der Bevölkerung bewusst aus der nationalen Gemeinschaft aus? Hier stellt uns der Salafismus vor große kulturelle Herausforderungen.

Denn er will, dass die jungen europäischen Muslime oder Konvertiten, die schlecht integriert sind, sich aus wirtschaftlichen Gründen oder aufgrund von Fremdenfeindlichkeit ausgeschlossen fühlen und sich gegen die europäischen Staaten erheben. Sie sollen im Inneren dieser Länder Anschläge verüben, um die "Ungläubigen" zu treffen. Sie sollen dabei gegen "weiche Ziele" vorgehen – Juden oder sogenannte Feinde des Islams wie z.B. die Zeichner von "Charlie Hebdo". Das soll eine Reaktion der europäischen Gesellschaften hervorrufen – ein Pogrom gegen Muslime. Das würde auf einen Krieg zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen hinauslaufen. Letztlich sollte das zum Zusammenbruch Europas und zur Errichtung des Kalifats auf dessen Ruinen führen.

Wir laufen Gefahr, vollständig vom Ressentiments, der Angst, Zorn, Hass und dem Rachedurst beherrscht zu werden. Die internationale Politik wird davon bereits getrieben und geprägt. Das ist offensichtlich. Wir leben also in sehr nervösen, sehr unberechenbaren Zeiten.

Aber gerade deshalb werden wir hier nur dann einen großen Schritt vorangekommen, wenn politisch Verantwortliche gewählt werden, die in der Lage sind, eine Vision zu entwickeln, und die nicht wahltaktisch von einem Tag zum nächsten reagieren. Vor allem sollten wir in unserem Denken ein Paradigmenwechsel vornehmen, nach Raymond Aron "Menschen opfern ihre Leidenschaften nicht für ihre Interessen. Wer das glaubt, hat unser Jahrhundert nicht verstanden!"

Ein unverzichtbares Buch für alle, die die Komplexität eines historischen und soziologischen Phänomens, den Dschihad-Entwicklungsprozess oder ganz allgemein den radikalen Islam verstehen wollen und dessen Ursachen klarer sehen und die Folgen erkennen möchten.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/terror_in_frankreich-1221/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Das Feld in der Fremde

Dola de Jong , Anna Carstens
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 14.09.2016
ISBN 9783956141232
Genre: Romane

Rezension:

Das Feld in der Fremde - Dola de Jong (Autorin), Anna Carstens (Übersetzerin), 272 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (14. September 2016), 22 €, ISBN-13: 978-3956141232

Aart und Lies, ein niederländisches Paar sind jung und verliebt und sind mit ihrem Wohnwagen in Frankreich unterwegs und landen schließlich in Tanger. Auf dem Weg dorthin sammeln sie Kinder aller Art und Nationalitäten ein, die durch die Wechselfälle des Krieges verwaiste sind. Zu ihrem eigenen Baby Dolfje. In Tanger gelandet pachtet Aart ein unfruchtbares Stück Land - zur Belustigung der Einheimischen - und bearbeiten es mit den Kindern, mit Berthe, Maria, Hans, Pierre, Luba und anderen. Es mangelt an Wasser und egal, wie viel Krüge und Töpfe die Kinder heranschleppen, das Feld ist unersättlich. „Eigentlich war es eher ein Garten, eine schmale Scholle, die Aart von einer Französin aus der Stadt gepachtet hatte.“ (Seite 12)

Die Handlung beginnt an einem noch unbestimmten Ort in einer bestimmten Zeit. Während in Europa der Krieg in vollem Gange ist, sind alle in Tanger gefangen, ein Schmelztiegel der Araber, Flüchtlinge, Abenteurer und Spione. Und die Flüchtlinge setzen alle Hoffnungen auf einen teuren Platz in einem überfüllten Boot nach Lissabon. Die Verbindung mit den aktuellen Ereignissen ist offensichtlich.

Die ganze Welt scheint ein unfruchtbares Feld zu sein mit unsäglich schweren Steinen. Von allen Seiten droht Gefahr: von den Einheimischen, von den reichen „Gutmenschen“ wie der Konsulsgattin, Frau von Balekom, von Verbrechern und sogar von einem Landsmann, der eine Hütte am Strand hat und eines der Kinder, ein Mädchen mitnimmt. Es ist nicht einfach, ein neues Leben aufzubauen, das Feld gibt zu wenig her und die Kinder haben Sehnsucht nach ihrem alten Leben, das für immer verschwunden ist.

Es ist ein Buch, das Unabhängigkeit atmet, fast wider besseres Wissen. Ein Blick auf die Welt jener Zeit, die auch für uns noch grausig genug ist. Der Erzähler nimmt eine Multiperspektive ein durch die Augen der Kinder und aller Arten von Nebenfiguren. Und das gelingt der Autorin ganz ausgezeichnet.

Weil die Perspektive regelmäßig wechselt, entdecken wir, wie jeder auf seine Weise versucht, seine Leben zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Im zweiten Teil des Buches, als Aart durch ein Missverständnis im Gefängnis landet, wird der Fokus stark auf Hans gerichtet. Seine Geschichte ist letztlich die vollständigste. Für ihn ist das Feld die Welt. Wie jemand, durch die Umstände gezwungen, in kurzer Zeit von einem Teenager zu einem klugen und Erwachsenen, der Verantwortung zu übernehmen hat, heranwächst, das hat die Autorin sehr schön beschrieben.

Dola de Jong verwendet keine bombastische Sprache, sondern beschreibt sehr subtil, sehr frisch und mit einem unterschwellig zwischen den Zeilen lauernden Unterton. Die Verzweiflung der Flüchtlinge, die Angst vor Verrat, die Unsicherheit spürt der Leser in jeder Zeile.  Vor alle zeigt die Autorin eine beispiellose Empfindsamkeit für Kinderseelen.

Eine überzeugende Anklage gegen den Krieg und die Behandlung von Flüchtlingen. Das älteste Kind, der siebzehn Jahre alte Hans fragt sich, ob Menschen eine normale Welt erwarten, nachdem der Krieg geführt wurde. Er glaubt, dass der Krieg nur Krieg gebären kann. Ist er der einzige, der erkennt, dass die eine Hälfte der Menschheit die andere Hälfte hasst? Ein schmerzhafter Zynismus für einen so jungen Menschen. „Was hatten die Kinder von der Zukunft, wenn sie jetzt schon verdorben wurden? Die junge Generation in Europa wurde mit Hass genährt, von der Angst gesteuert und zu Mördern erzogen.“ (Seite 162)

Ein Buch aus dem Jahre 1945 – wen interessiert das noch? Diese Neuauflage kommt genau zum „richtigen“ Zeitpunkt. Täglich sehen wir die schrecklichen Bilder von Kriegsflüchtlingen im Fernsehen, vor allem von Kindern. Und Dola de Jong gibt uns einen Einblick in die Gedanken und Gefühle dieser kleinen Flüchtlinge. Heute aktueller denn je. Und es macht das, was wir täglich sehen, noch schlimmer.

Lesen Sie es, um besser zu verstehen, wie sich Kriegsflüchtlinge jetzt fühlen, vor allem die Kinder. Obwohl das Buch für Erwachsene geschrieben ist, denke ich, es sollte auch seinen Platz auf der Leseliste für Schüler bekommen. Das Buch ist ein absolutes Leseerlebnis.

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http://www.kunstmann.de/titel-0-0/das_feld_in_der_fremde-1218/

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Das Kind der Anderen

Bethan Roberts , Astrid Gravert
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 14.09.2016
ISBN 9783956141218
Genre: Romane

Rezension:

Das Kind der Anderen - Bethan Roberts (Autor), Astrid Gravert (Übersetzerin) 320 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (14. September 2016), 22 €, ISBN-13: 978-3956141218

 

Der Roman beginnt in der Gegenwart. Maggie, Kindermädchen und Einzelgängerin, plant in Ruhe, wie sie das Baby Samuel stehlen und wie sie sich um es kümmern wird. Samuel ist der Sohn von Maggies Cousine Nula und deren großspurigem Ehemann Greg. Es gibt erschreckende Einblicke, in den tiefen Groll, der seit langer Zeit, seit 16 Jahren in Maggie eiterte.

Nula ist die eher hoch professionelle Mutter, die mit einer kränkelnden Ehe und Depressionen zu kämpfen hat, während Maggie ein junges Kindermädchen ist, das mit allen möglichen Fragen ihrer eigenen Person und Geschichte zu tun hat. Und die beiden Frauen haben eine gemeinsame Vergangenheit, eine Hintergrundgeschichte von Trauma und Verlust.

Die Aktion verschiebt sich immer wieder in die Vergangenheit, und wir gewinnen einen Einblick in die postnatale Depression Nulas, in Maggies Leben, und in einen Sommer, den Nula mit Maggies Familie auf Anglesey verbracht, einem Sommer, in dem Beziehungen entstanden und auch wieder gebrochen wurden.

Bethan Roberts zeichnet ganz ausgezeichnet das Bild von Maggie und ihrer verblendeten Überzeugung, dass Samuel ihr gehört. Sie schreibt fantastisch gut über Mutterschaft und die magische Atmosphäre von Anglesey. Ebenso überzeugend ist sie beim Thema Eifersucht: die Eifersucht einer Mutter bei der Zuneigung ihres Babys für sein Kindermädchen; die Eifersucht  einer Schwester für das Verliebtsein ihres Bruders mit seiner Freundin; die Eifersucht eines Mädchens für die von ihrem Vater ihrer Tante oder Cousine geschenkten Aufmerksamkeit.

Bethan Roberts „Das Kind der Anderen“ ist eine brillante Mischung aus Psychothriller und Familiendrama. Sie kombiniert die Entführung eines Babys, familiäre Eifersüchteleien und Geheimnisse der Kindheit zu einem Paradebeispiel eins noir-Thrillers. Doch die unmittelbare Spannung ist nur die oberste Schicht einer komplizierten Familiengeschichte. Denn die Spannung dieses raffiniert konstruierten Romans kommt nicht in erster Linie aus der geschickten Entwirrung der Ereignisse, sondern vielmehr aus dem feinen Sezieren der inneren Welten und Beziehungen seiner Charaktere.

Der Schreibstil ist einfach und zugänglich, aber kompetent, engagiert und versteht es ganz leise zu überzeugen. Sie schreibt eine vorsichtige, kluge, dezente und bewundernswerte Prosa und gleichzeitig unangenehm, fast schmerzhaft und doch packend.

Ein nachdenklicher Thriller, den Sie nicht mehr aus der Hand legen werden, wenn Sie ihn einmal zu lesen begonnen haben.

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bilderbuch, der rote ballon;, tolle geschichte, phantasievoll, rege

Der rote Ballon

Liniers , Ulrike Becker
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 14.09.2016
ISBN 9783956141393
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Der rote Ballon - Ricardo Liniers Siri (Autor), 32 Seiten, Antje Kunstmann GmbH (14. September 2016), 15 €, ISBN-13: 978-3956141393

 Als ihre kleine Schwester Clemmie (Clementina) sich weigert hinaus in den Regen zu gehen, versucht Matilda ihr den nassen Samstag im Freien schmackhaft zu machen. Was kann man an einem regnerischen Tag nicht alles tun? Laufen im Regen? Mit der Zunge Regentropfen fangen? Schlamm-Springen? Graben nach Würmern? Regenbogen? Und Luftballons??? Trotz aller Begeisterung macht Matilda natürlich Fehler und am Ende lernt sie ihre Lektion.

Es gibt eine ganze Menge zu lieben und lachen. Und auch wenn das Buch von zwei Mädchen handelt, können auch Jungs auf jeden Fall alles gut nachvollziehen. Es ist eine süße Geschwistergeschichte, unabhängig vom Geschlecht.

Der weltbekannte Karikaturist Liniers gibt uns ein lustiges und süßes Porträt seiner Töchter, mit einem Humor der universell ist. Ein Buch das die Unschuld und die Liebe zwischen zwei kleinen Mädchen einfängt.

Er erzählt eine weiche, ruhige Geschichte zu einer Momentaufnahme der Kindheit, was nur wenige Bilderbücher schaffen (oder es gar nicht erst versuchen). Er zeigt, dass die Momente der Enttäuschung und Bestürzung ganz intensiv sein können, aber auch flüchtig, wie ein Sommergewitter.

Seine fast intimen Tinten- und Aquarellzeichnungen zeigen ein tiefes Gefühl für Stimmungen.

Also wenn das nicht bald die Lieblingsgeschichte ihrer Kinder wird, würde mich das sehr wundern. Ein ungemein familienfreundliche Geschichte, ideal für Eltern mit ihren Kindern. Aber seien sie nicht überrascht, wenn ihre Kinder die subtilen Details der Zeichnungen schneller finden als sie selber.

 

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http://www.kunstmann.de/titel-0-0/der_rote_ballon-1177/

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liebe zur literatur, auf sich allein gestellt, extremismus, armut, aussenseiter

Extrem

Hakan Günday , Sabine Adatepe
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei btb, 27.07.2016
ISBN 9783442714018
Genre: Romane

Rezension:

Extrem - Hakan Günday (Autor), Sabine Adatepe (Übersetzerin), 416 Seiten, 10,99 €, btb Verlag (10. März 2014), ISBN-13: 978-3442753970

 

Extrem ... ein kleines Wort, ein großer Roman. Hakan Gundays Roman erzählt die bitteren Realitäten des Lebens.

Er beschreibt das Leben von zwei Kindern: Derdâ, ein ostanatolisches Mädchen, ist gerade elf Jahre alt, als ihre Mutter sie an einen radikal gläubigen Mann nach London verkauft – ein Choleriker, ein brutaler Sadist, der Derdâ fünf Jahre lang unentwegt verprügelt und vergewaltigt. Und ihre männliche Gegenfigur die Geschichte des gleichaltrigen Jungen Derda, der allein auf einem Istanbuler Friedhof wohnt, seit sein Vater im Knast sitzt und seine Mutter gestorben ist. Derdâ und Derda, die in ihrem jungen Leben nur Gewalt und Vernachlässigung erfahren, reagieren auf dieses Leben ihrerseits mit Gewalt.

Hakan Gunday erzählt uns die Geschichte zweier Leben, die in ständiger Wechselwirkung eng miteinander verwoben sind, und andererseits nicht das geringste miteinander zu tun haben – zwei Lebenswege, die so unwahrscheinlich wirken, dass sie wieder real erscheinen, ins Extreme übersteigert. Eine mitreißende Mischung aus Sozialreportage, Thriller, Liebesdrama und Gesellschaftsroman.

Das Buch erzählt von Intensität des Lebens, der Intensität der Liebe, von Glaube, Kraft, Ehrgeiz und Gewalt. Und es erzählt von verlorenen Seelen und von geschundenen Kreaturen, die vom ersten Atemzug an auf der Verliererseite stehen. Und neben der Handlung geht es um radikale Islamisten und Geheimdienste, um türkische Politik und Geschichte, um Drogenhandel und Zwangsehe und um Terrorismus. Hakan Gunday zeigt die dunklen Seiten seiner Landsleute: Gier, Heuchelei und Fanatismus. Gleichzeitig zeigt er die Gegengewalt als eine Form der Befreiung.

Hakan Gunday lässt nichts aus in dieser verstörenden, grausamen und ironischen Geschichte. Wir finden keine konventionellen Erzählstrukturen. Er provoziert und polarisiert. Gleichzeitig erzählt er unwiderstehlich mitreißend. Ungeschönt, aber nicht einseitig. Seine Sprache ist frech, drastisch und extrem, aber gut zu lesen und geeignet für Menschen aus allen Gesellschaftsschichten.

Wer gute Nerven hat und das Abgründige liebt, kann und sollte sich auf dieses Skandalbuch einlassen. Es ist harte Kost. Aber seien Sie sicher, es wird Sie verschlucken. Es ist eines jener radikalen Bücher, die man nicht mehr vergisst.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des btb Verlages

http://www.randomhouse.de/Buch/Extrem/Hakan-Guenday/btb-Hardcover/e425452.rhd

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Hirameki Miau Wau Wau

Peng + Hu
Flexibler Einband: 64 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 24.08.2016
ISBN 9783956141409
Genre: Sachbücher

Rezension:

Hirameki Miau Wau Wau Peng + Hu (Autor), 64 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (24. August 2016), 8 €, ISBN-13: 978-3956141409

Nicht kopieren oder abmalen von Vorlagen. Das Original erreichst du doch nie. Es bleibt beim schlecht gelungenen Abklatsch von immer denselben Vorlagen.

Schaffe selbst deine eigenen Originale. Ohne Technik. Mit viel Kreativität, ohne Anstrengung schaffst du etwas vorher nicht da gewesenes, originelles und beständig kommt neues hinzu.

So etwas lässt sich in keinem Unterricht vermitteln. Man muss es einfach tun. Und dazu lädt dieses Büchlein ein: seiner Phantasie freien Lauf zu lassen.

„Hast du einen Stift und Witz,

dann folge deinem Geistesblitz.“

Und das ist ja auch die deutsche Bedeutung des japanischen Wortes Hirameki, also eine plötzliche Einsicht, ein Einfall. Hier ist es der Moment, da der Betrachter erkennt, was in einem Fleck steckt und was er tun muss, um es heraus zu holen.

Mit vielen Klecksen, lustigen Texten und Anregungen führt dieses neue Büchlein aus der Harimeki-Serie in die Welt der Hunde und Katzen. Es braucht keine Anleitung. Die Idee erklärt sich von selber.

Das Buch eignet sich natürlich wunderbar für Kinder. Aber auch und vor allem als künstlerischer Spaß für Erwachsene. Damit kommt auch auf langen Reisen im Zug oder Flugzeug, an einsamen Abenden im Hotel oder einfach zu Hause keine Langeweile auf.

Fernsehen aus. Stattdessen klecksen und kritzeln. Du wirst erstaunt sein, welche Ideenfülle in dir steckt. Für alle, die das Träumen nicht verlernt haben.

Hirameki – eine geniale Kunstform. Dieses schwungvolle, leichtfüßige aber intelligente Buch regt an, macht wach und kreativ und vor allem: es macht richtig Spaß. Die goldene Regel des HIRAMEKI heißt: Machen! Und nochmals machen! Und zwar so lange bis du nicht umhinkannst, an jedem auch noch so unbedeutenden Fleck in deiner Umgebung die Kunst des HIRAMEKI anzuwenden.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/hirameki_miau_wau_wau-1228/

 

Außerdem sind aus dieser Reihe im Antje Kunstmann Verlag erschienen:

Hirameki Wolkenkino - ISBN-13: 978-3956141386

Hirameki Der geniale Klecks- und Kritzelspaß - ISBN-13: 978-3956140686

 

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Hirameki Wolkenkino

Peng + Hu
Flexibler Einband: 64 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 24.08.2016
ISBN 9783956141386
Genre: Sachbücher

Rezension:

Hirameki Wolkenkino - Peng + Hu (Autor), 64 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (24. August 2016), 8 €, ISBN-13: 978-3956141386

Einige der schönsten Dinge im Leben sind kostenlos. Und dazu gehört zweifelsohne den Kopf in den Nacken zu legen und einfach nur zuzusehen, wie die Wolken am Himmel vorbeitreiben.

Jedes Kind blickt nach oben und gibt den chaotischen Formen aus Luft und Wasserdampf Namen und Bezeichnungen aus der eigenen Fantasie. Die eine Wolke sieht aus wie ein kleiner Hund, der einem Ball nachjagt, die andere wie Darth Vader auf einem Dreirad.

„Guck in die Luft – und schon entfalten

Sich die erstaunlichsten Gestalten.“

Mit vielen Klecksen, lustigen Texten und Anregungen führt dieses neue Büchlein aus der Harimeki-Serie in die Welt der Wolken. Nur ein paar kleine Striche und die Wolkenbeispiele in diesem Büchlein fangen an zu leben. Es braucht keine Anleitung. Die Idee erklärt sich von selber.

Das Buch eignet sich natürlich wunderbar für Kinder. Aber auch und vor allem als künstlerischer Spaß für Erwachsene. Damit kommt auch auf langen Reisen im Zug oder Flugzeug, an einsamen Abenden im Hotel oder einfach zu Hause keine Langeweile auf.

Fernsehen aus. Stattdessen klecksen und kritzeln. Du wirst erstaunt sein, welche Ideenfülle in dir steckt. Für alle, die das Träumen nicht verlernt haben.

Hirameki – eine geniale Kunstform. Dieses schwungvolle, leichtfüßige aber intelligente Buch regt an, macht wach und kreativ und vor allem: es macht richtig Spaß. Die goldene Regel des HIRAMEKI heißt: Machen! Und nochmals machen! Und zwar so lange bis du nicht umhinkannst, an jedem auch noch so unbedeutenden Fleck in deiner Umgebung die Kunst des HIRAMEKI anzuwenden.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/hirameki_wolkenkino-1229/

 

Außerdem sind aus dieser Reihe im Antje Kunstmann Verlag erschienen:

Hirameki Miau Wau Wau - ISBN-13: 978-3956141386

Hirameki Der geniale Klecks- und Kritzelspaß - ISBN-13: 978-3956140686

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Gedankenjäger

Iain Levison , Walter Goidinger
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 22.08.2016
ISBN 9783552063280
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

 Gedankenjäger - Iain Levison (Autor), Walter Goidinger (Übersetzer), 304 Seiten, Deuticke Verlag (22. August 2016), 19 €, ISBN-13: 978-3552063280

 „Er war anders. Er war besonders. Er war Elite.“ (Seite 40) Dieser Gedanke ist für jeden direkt nach vollziehbar Denn Jared Snowe, ein Polizist aus Massachusetts hört die Gedanken anderer Menschen. Da tun sich doch fantastische Möglichkeiten auf. Denny Brooks, ein zum Tode verurteilter Polizistenmörder, hat ebenfalls diese Gabe. Aber zwischen beiden liegen Welten. Bis sie zusammentreffen. Denn die Agentin Agent Terry Dyers und ihr Chef Emmanuel wollen diese Gaben nutzen. So haben wir zwei Gedankenleser und eine dubiose kleine Regierungs-Instanz, die diese wieder unter ihre Kontrolle bringen muss. Welche Rolle spielt Sergeant Coffey? Wer wird die Jagd gewinnen?

Mehr verrate ich nicht zu dieser hochspannenden Mischung aus Thriller, Science-Fiction und Roadmovie mit Verschwörungstendenzen. Ein kluger Roman wartet auf Sie, eine verschlungene Handlung, intelligent, überraschend, mit komischen Situationen und unerwarteten Wendungen. Und Charaktere, die Sie immer überraschen werden.

Iain Levison zeigt in diesem Thriller eine erschreckende Vision von Amerika, ätzend, traurig und doch lustig. Vor allem prangert er Manipulationen und Überwachungen durch die höchsten Ebenen des Staates an.

Vor allem finde ich neben den Thrillerqualitäten in diesem schon fast prophetischen Roman besonders interessant, wie Levison mit Sympathie von diesem Gedankenleser erzählt und wie sich sein Alltag durch diese geheimnisvolle Gabe des Gedankenlesens verändert. Gedanken lesen hilft ungemein. Kann aber gefährlich werden.

Ist es nicht eine faszinierende Vorstellung, die Gedanken anderer Menschen lesen zu können? Zwischen Wahrheit und Lüge sofort zu unterscheiden? Alle Geheimnisse offen zu „sehen“?. Doch was wäre, wenn wir ständig unter dieser Gabe leben müssten? Keine Ruhepause für unseren Geist, vor allem weil wir die Gedanken anderer ungefiltert empfangen, von Banalitäten bis zu unter Umständen für uns wichtigen Informationen? Eigentlich eine grausige Vorstellung. Und das vermittelt dieses Buch.

Wer Spannungsliteratur der intelligenteren Art liebt, der liegt mit diesem Buch genau richtig. Ein starkes Thema zwischen wirklichkeitsnaher Utopie und fast unglaublicher Realität mit Bravour von Iain Levison, dem Meister der Irreführung, umgesetzt. Großes Kompliment für Thema und Stil. Unbedingt lesen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/gedankenjaeger/978-3-552-06328-0/

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38 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 6 Rezensionen

poetisch, 4 sterne, hinterfragen, überdenken;, wahrheiten

Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen

Tim Parks , Ulrike Becker , Ruth Keen
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 24.08.2016
ISBN 9783956141300
Genre: Sachbücher

Rezension:

Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen - Tim Parks (Autor), 240 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH (24. August 2016), 20,00 €, ISBN-13: 978-3956141300

Wer wäre berufener als Tim Parks über das Reden über Bücher zu sprechen?

Er, ein Engländer, der seit über dreißig Jahren in Italien lebt, hat einen ziemlich beeindruckenden und vielfältigen Lebenslauf: mehrfach preisgekrönter Romancier, Autor von Romanen und erzählenden Sachbüchern, Essayist, Rezensent bei der New York Review of Books und anderswo, und ein Übersetzer, der Bücher aus dem Italienischen ins Englische wie z.B. Calvino, Moravia und Machiavelli und er lebt als Professor für Literarisches Übersetzen in Mailand.

Wie man aus diesem breit angelegten Hintergrund erwarten könnte, hat er viele interessante Dinge über die Welt der Bücher zu sagen. Obwohl es schon viele Bücher zu diesen Themen gibt, Bücher über Bücher, Bücher über Autoren, Bücher über das Schreiben, Bücher über das Lesen: die Buchlisten sind voll davon. Diese Sammlung von Aufsätzen verbindet alle vier Bereiche.

In 33 Essays und Aufsätzen berührt er so gut wie alle Themen aus dem Bereich Literatur: Über die Bücher selber. Über die Bedeutung des Buches in der Welt. Über die Arbeit und Denkwelt von Schriftstellern. Über das Schreiben rund um die Welt.

Warum brauchen wir Fiktion? Warum müssen Bücher auf Papier gedruckt sein? Warum sollten sie urheberrechtlich geschützt sein? Sollen wir Bücher bis zum Ende lesen? Lesen wir um unsere Vision von der Welt herausfordern oder sie zu bestätigen? Ist das Schreiben von Romanen zu einem Job wie jeder andere geworden? Verändern die Bücher, die sie schreiben auch die Autoren? Warum wollen Menschen Schriftsteller werden? Gibt es Bücher, die gut sind, aber nicht gut für alle in jedem Augenblick? Gibt es den globalen Roman? Verschwinden literarische Stile?

Sein lebenslanges, kritisches Lesen von Leopardi, Dickens, und Tschechow, Woolf, Lawrence, und Bernhard, Gide, Beckett, oder Nietzsche und auf die zeitgenössische Arbeit von James Joyce, Jonathan Franzen, Peter Stamm, Stieg Larsson und viele andere sind die Basis seiner Erläuterungen.

Seine Antworten sind faszinierend, obwohl sie nicht unbedingt für alles und jeden gelten, was das Wort „Wir“ im Titel impliziert. Mir scheint der Leser im Vordergrund zu stehen: wer liest was und warum? Wie verstehen die unterschiedlichen Leser einander? Wie sehen wir die Dinge und können darüber reden, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind, wenn wir das Gleiche lesen?

Diese feine Sammlung von Essay sind seine persönlichen Erfahrungsberichte, die zeigen, wie wir mit Büchern umgehen und welche Bedeutung unsere Erziehung hat. So gelingt ihm, vielleicht etwas Licht auf die unterschiedlichen Meinungen zu werfen.

Tim Parks schreibt in einer fröhlichen Respektlosigkeit, trocken, mit messerscharfer Beweisführung, oft selbstironisch, in einem skeptischen Ton, in dem manch einer auch einen gewissen Zynismus entdecken kann. Er hat einen ganz erstaunlichen Geist, der Fragen aufwirft, die viele von uns wahrscheinlich nie denken würden.

Auf jeden Fall lesenswert, in einer sich ständig verändernden Welt der Bücher. Vielleicht werden Sie ihre lang gehegten Annahmen über Literatur und ihre Zwecke umkippen. All jene werden dies Buch genießen, die lesen und sich vor allem darum Gedanken machen, was sie lesen. Es ist eine Herausforderung. Nicht umsonst heißt sein erster Satz. „Es wird Zeit, alles zu überdenken.“ (Seite 7) Gönnen Sie sich das Vergnügen, sie anzunehmen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/worueber_wir_sprechen_wenn_wir_ueber_buecher_sprechen-1174/

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