Leserpreis 2018

Julia_Kathrin_Matoss Bibliothek

243 Bücher, 172 Rezensionen

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Jahre aus Seide

Ulrike Renk
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 07.12.2018
ISBN 9783746634418
Genre: Historische Romane

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Das Fossil 2: Science Fiction Thriller

Joshua Tree
E-Buch Text: 375 Seiten
Erschienen bei null, 29.11.2018
ISBN B07KZBDNXQ
Genre: Science-Fiction

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gambit

Ralph Edenhofer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Belle Epoque Verlag, 08.03.2019
ISBN 9783963570131
Genre: Science-Fiction

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Poseidon: Singularity

Thor Ansell
E-Buch Text: 242 Seiten
Erschienen bei null, 31.10.2018
ISBN B07G7C1LTV
Genre: Sonstiges

Rezension:

Poseidon 3 bildet die Fortsetzung von Poseidon 1. Poseidon 2 und 4 stellen offensichtlich optionale Spin-Offs bzw. Prequels zur Hauptfigur Logan dar. Poseidon Singularity ist folglich der Mittelteil einer Trilogie und erfüllt für meinen Geschmack in vielen Punkten leider ein Negativ-Klischee.
Zunächst erstmal war der Start mühsam, weil ich den Auftakt ca. 5 Monate zuvor gelesen hatte und es keine Erinnerungsstütze (Inhaltszusammenfassung, Personenverzeichnis, etc.) gibt.
Der Klappentext verrät nach meinem Eindruck zu viel. Nüchtern betrachtet gibt es wenig bedeutsame Handlung. Es wird viel untersucht und viel probiert, bis dann der x. Plan funktioniert. Teilweise waren mir Etappenziele gar nicht klar. Flugmanöver und Kampf- und Fluchtszenen werden für meinen Geschmack zu ausführlich wiedergegeben.
Der Erzählstil hat mich manchmal verwirrt. Mal in der Ich-Form von Cat, dann wieder in der Er-/Sie-Form,
Innenansichten z. B. von Medd’k, von anderen nur Außenansichten. Wo bin ich, bei wem, wann und warum – das rätselte ich bei so manchem Kapitelbeginn. Tipp an Thor Ansell: Wenn’s kein Lektor sein soll, Vorab-Testleser um Eindrücke bitten.
Ansonsten wird Vielversprechendes weitergeführt (z. B. X-Termiten) und angestartet (z. B. das Vorhaben von Medd’k). So richtig spannend wird es am Ende, wo der Roman abrupt und eher unbefriedigend endet.
Was bereichernd wirkt, sind die witzigen Monologe/Gedankengänge der Nichtmenschlichen Intelligenz Cat und ihr Schlagabtausch mit Logan. Außerdem ist der Erinnerungen an Ready Player One hervorrufende Trip in die Virtual Reality allerbestes quietschbuntes Kopfkino und so richtig zum Ablachen.
Dieser Roman hat mich stellenweise irritiert. Nicht besonders gut geeignet für Fans der Hard Science Fiction. Aber eine Space Opera, die erfolgreich für kurzweilige Unterhaltung sorgt. Ich bleibe der Reihe treu.

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Helium-3

Brandon Q. Morris , Cliff Allister
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Belle Epoque Verlag, 15.03.2019
ISBN 9783963570698
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Zwei intelligente Alien-Völker, die heimatlos am Rande des Untergangs stehen, konkurrieren miteinander um ein vielversprechendes Sonnensystem.
Ich nehme an, dass die Umsetzung dieser nicht ganz neuen Idee insbesondere Einsteiger in das Genre Science Fiction erfreuen kann. Außerdem wunderbar lesbar nebenher, in Pausen, im ÖPNV, etc., denn die Kapitel sind kurz und die Geschichte so gestaltet, dass man schnell mittendrin im Geschehen ist, ohne dass sich Verständnis- oder Orientierungsschwierigkeiten einschleichen. Man profitiert davon, dass die Autoren zu Beginn der Geschichte auf interessante Weise die im Mittelpunkt stehenden Charaktere und die beiden Alien-Völker mit ihrer Anatomie und ihren kulturellen und kommunikativen Besonderheiten beschreiben. Dabei haben sich für meinen Geschmack keine Längen eingestellt.

Brandon Q. Morris schreibt Hard Science Fiction, mit belastbaren Beschreibungen zur Beschaffenheit von Gestirnen, von Naturwissenschaften und Technischem rund um den Weltraum. Das gefällt mir, weil real existierende fremde Welten erlebbar gemacht werden und ein Lerneffekt entsteht. Hier vorhanden, wenn auch nicht so stark wie sonst, diesmal ohne Anhang.
Kaum eine seiner Geschichten kommt ohne Liebesgeschichte aus, was auch hier gilt. Emotionale Bindungen zwischen den Figuren finde ich wichtig, um mitfiebern zu können, wobei es nicht immer die klassische „Mann-und-Frau-verlieben-sich-binnen-Minuten-Masche“ sein muss. Zu oberflächlich, um rundum glaubhaft zu sein, andererseits wären Details wahrscheinlich auch nicht im Sinne der Zielgruppe. Deren Feedback, solche Verbindungen weniger pubertär darzustellen, versucht er anscheinend umzusetzen.

Cliff Allister war mir schon länger ein Begriff, sodass ich gern zugegriffen habe. Seine Geschichten sind anscheinend beheimatet in den Untergenres Space Opera und Military Science Fiction.

Wer die kapitelweise wechselnden Schilderungen zu den vogelähnlichen Iks und wer die Schilderungen zu den spinnenähnlichen, kriegerisch veranlagten Mendrak beigesteuert hat, ist gut erkennbar, da die Autoren ihrem Stil treu bleiben. Ich finde, die Verknüpfung ist erzähltechnisch, sprachlich und inhaltlich gelungen. Nach meinem Eindruck haben sich die beiden Autoren auch gut miteinander abgestimmt, sodass die Darstellungen harmonieren.

Neben den Hauptfiguren bleiben auch die Nebenfiguren gut in Erinnerung. Ich habe ihre Entwicklung und die ihres Umfeldes mit großem Interesse verfolgt. Schwarz-Weiß-Schema schwingt mit, ist aber über weite Strecken charmant umgesetzt.
Dass es zwischen den Außerirdischen z. B. Kommunikationsprobleme und Unverständnis zu kulturellen Unterschieden gibt, ist sowohl realistisch als auch amüsant.
Kampfhandlungen kommen vor, aber nicht in epischer Länge, was ich befürworte.
Die Handlung ist kein Must-Read, nicht besonders komplex, hat nicht zig Wendungen und Überraschungen, weist dafür kreative, teils auch naturwissenschaftlich gestützte Ideen und Details auf. Es wurde mir nie langweilig. Gute kurzweilige Unterhaltung.

Es wird eine abgeschlossene Geschichte erzählt, mit Raum für eine Fortsetzung, in die ich reinlesen würde.

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95 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 37 Rezensionen

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Als das Leben unsere Träume fand

Luca Di Fulvio , Barbara Neeb , Katharina Schmidt
Flexibler Einband: 768 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 01.10.2018
ISBN 9783404176007
Genre: Historische Romane

Rezension:

Dies ist Belletristik mit historischen Bezügen um Freiheit, Gleichheit und Liebe. Eine hochemotionale und packende Erzählung rund um drei junge Menschen, die im Jahr 1912 überstürzt ihre europäische Heimat verlassen und sich in Buenos Aires ein neues Leben aufbauen möchten.
Was man wissen sollte: Ein Werk, das psychologisch hart ist. Schwere Armut und Menschenverachtendes, insbesondere Abhängigkeit, Demütigung und Ausbeutung bis hin zu Vergewaltigung und Zwangsprostitution Minderjähriger, außerdem Bandenkriege (Mafia, Zuhälter) bilden thematische Schwerpunkte. Ich halte mich für hartgesotten, aber selbst für mich war es schwer zu ertragen. Der unschöne Ausdruck Hure zieht sich in verschiedenen Sprachen durch das ganze Buch. Und auch sonst agiert das Buch in Sprache, Beschreibungen und dargestellten Handlungen schonungslos direkt. Dass es sich vor nicht viel mehr als 100 Jahren in groben Zügen so abgespielt haben könnte und so etwas in einigen Gegenden der Welt noch Realität zu sein scheint, ist erschreckend. Insofern eine Geschichte, die erzählt gehört. Nichtsdestotrotz: Gewalt und Unterdrückung nehmen zu viel textlichen Raum ein. Teilweise ohne die Handlung nennenswert voranzubringen. Ich möchte berührt und aufgerüttelt, nicht schockiert und abgestoßen werden.
Dem unverblümten Ton wird streckenweise Romantik und ein ordentlicher Schuss Pathos gegenübergestellt. Auch wenn ich Darstellungen zum Kampf um mehr Selbstbestimmtheit und Gleichberechtigung grundsätzlich viel abgewinnen kann, wurde hier gefühlt über’s Ziel hinausgeschossen. Man möchte es lieben, doch einiges wirkt effektheischend und unrealistisch. Weniger wäre mehr gewesen.

Die drei Protagonisten animieren zum Sympathisieren und Mitfühlen, Mitleiden, Mitfreuen. Mit der Einschränkung, dass ich weniger Gutmenschentum und mehr Ecken und Kanten bevorzugt hätte und mich einige Entwicklungen (z. B. Kuss-Szene) in Bezug auf Logik und stringentes Verhalten nicht überzeugten.
Die meisten Nebenfiguren sind gelungen. Insbesondere solche, über deren Motive und Entwicklungen sich rätseln lässt. Einige Antagonisten, deren charakterliche Abgründe teils noch durch ein abstoßendes Äußeres unterstrichen werden, sind zu einseitig dargestellt. Ein Hang zum Schwarz-Weiß-Schema, der sich glücklicherweise nicht durch das ganze Buch zieht.
Im Rahmen des auktorialen Erzählstils werden manchmal unnötigerweise bestimmte Absichten suggeriert, was den Überraschungseffekt schmälert.
Trotzdem so spannend und gefühlvoll, dass ich das Buch schwer aus der Hand legen konnte.

In Summe nicht so meisterhaft wie „Das Mädchen, das den Himmel berührte“. Da sind die Beschreibungen (Venedig und Umgebung im 16. Jahrhundert) noch atmosphärischer. Haupt- und Nebenfiguren sind vielschichtiger, werden in ihren Motiven besser gewürdigt, gingen mir mehr ans Herz. Zudem ist die Handlung gefühlt komplexer und es gibt mehr Wendungen und Überraschungen. Beachtenswert ist außerdem, dass das Werk aus 2011 günstiger ist und mehr Lesestoff bietet.
Ich fühle mich animiert, ein drittes Werk von Luca Di Fulvio zu lesen.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Das Fossil: Science Fiction Thriller

Joshua Tree
E-Buch Text: 351 Seiten
Erschienen bei null, 14.10.2018
ISBN B07HVP3Z6Y
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein Krimi, Mystery-, Umwelt- und Science-Fiction-Thriller rund um Ursachenforschung: Aliens, Götter, Prä-Astronautik oder doch klassische Naturwissenschaft?
Drei in der Vergangenheitsform geschriebene, kapitelweise wechselnde und sich schließlich verknüpfende Erzählstränge.
In einem davon geht es um einige turbulente Tage und Stunden im Jahr 2018 in der Antarktis mit Dan Jackson, Doktor der Archäologie, Anthropologie und Sprachwissenschaften.
Diese Tage bilden wiederum im Jahr 2042 die Akte X für die ungleichen, frisch zusammengesteckten Ermittler Agatha und Pano.
Und dann ist da im Jahr 2042 noch Filio, Ärztin und Physikerin, die mit Erinnerungslücken behaftete einzige Überlebende der ersten Mars-Mission, ebenfalls auf der Suche nach der Wahrheit.
Dazwischen Kurzkapitel, in denen Fremde ins Geschehen eingreifen, deren Motive Rätsel aufgeben.
Ein anspruchsvollerer Erzählstil als ich ihn von Joshua Tree gewohnt bin. Unerwartet und dabei ganz nach meinem Geschmack. Nachdem ich das erste Drittel mit anfänglicher leichter Skepsis und Verwirrung hinter mich gebracht hatte, hat mich die Geschichte gepackt und nicht mehr losgelassen.
Die Hauptfiguren sind keine typischen Sympathieträger. Alle sind um die 40 Jahre alt. Intelligenz und sportliche Fitness nimmt man ihnen ab. Sie sind unperfekt, weisen eine gewisse Charaktertiefe und Authentizität auf, was mich mitfiebern ließ. Zu Agatha, der für mich reizvollsten Figur, hatte ich zwischendrin nochmal auf’s Anfangskapitel zurückgeblättert und komme zu dem Ergebnis, dass die Innen- und Außendarstellung sehr glaubwürdig, stimmig und vor allem auch interessant ist und etwas für's Herz bietet.
Intensive Wahrnehmungen, z. B. wie sich ein Elektroschock anfühlt.
Tolle Neckereien verbreiten gute Laune und Auflockerung.
Lob für den Anhang mit Personenverzeichnis und Glossar.
Das Ende ist ein fieser Cliffhanger, gleichzeitig bildet es eine wichtige Zwischenetappe und damit an dieser Stelle ein passendes Ende.
Erwähnenswert ist noch, dass Joshua Tree viele heute aktuelle globale Probleme weiterdenkt. Ein Weltenbau, der sich von der Ganymed-Reihe deutlich unterscheidet. Gut so, denn das zeugt von Liebe zum Detail. Ein politisches Statement, ohne allzu penetrant rüberzukommen. Wie realistisch die Lösungsansätze sind (technisch/ökonomisch/etc.), vermag ich nicht zu beurteilen. Ich persönlich finde es einfach gut, dass er sich damit beschäftigt und ein ganz kleines bisschen zu Bildung und Denkanstößen bei seiner Leserschaft beiträgt. Bei mir hat er es geschafft. Ich werde wohl mal die Internetsuchmaschine bemühen, um zu recherchieren, was dran ist (z. B. Flettner-Rotoren). Außerdem versprüht dies Atmosphäre, ein futuristisches Flair, besser als z. B. Beschreibungen von der Erde bei Brandon Q. Morris.
Fazit: Kein Space-Sci-Fi, stattdessen perfekt für Leser mit Forscherdrang, den es ist herrliches Miträtseln zu irdischen/überirdischen/außerirdischen Mysterien in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft angesagt. Dieses für mich 5. Joshua-Tree-Buch ist mir das liebste bisher. 4 Sterne mit Tendenz nach oben. 5 Sterne bloß deshalb nicht, weil ich Anlaufprobleme hatte und das Genre für mich neu ist. Ich freue mich sehr auf Abschlussband 2, angekündigt für Ende November/Anfang Dezember 2018.

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Eine Familie in Deutschland

Peter Prange
Fester Einband: 672 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 24.10.2018
ISBN 9783651025561
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich bin nicht nur an historischen Romanen zur deutschen Geschichte interessiert, sondern obendrein im Braunschweiger Land aufgewachsen, habe daher ein besonderes Interesse, mehr zur Entstehung der Stadt Wolfsburg und des Volkswagen-Konzerns zu erfahren. Dies ließ mich zu meinem ersten Roman von Peter Prange greifen.
Eine im auktorialen Erzählstil (allwissender Erzähler) verfasste Geschichte. Der Roman hat ein offenes Ende, denn es ist der erste von zwei Bänden. Band 2 ist für Herbst 2019 angekündigt.
Band 1 besteht aus drei Teilen und insgesamt ca. 300 Kapiteln, an denen man jeweils 1 bis 4 Minuten liest. Dabei begleitet man von 1933 bis 1939 verschiedene Mitglieder der aus Wolfsburg-Fallersleben stammenden Familie Ising und ihre Angehörigen, enge Freunde und Geschäftspartner. Im Anhang befindet sich eine Liste der handelnden fiktiven und realen Figuren.
Die historischen Ereignisse um den Volkswagen, Wolfsburg und die Vorkriegszeit finde ich gelungen dargestellt. Es ist unterhaltsam eingebettet und zeugt davon, dass sich der Autor tiefergehend damit beschäftigt hat.
Was die Anfänge von Wolfsburg und Volkswagen angeht, habe ich erfreulicherweise eine Menge dazugelernt. Und mich sehr über Lokalkolorit gefreut, z. B. über die berüchtigte Bruchstraße in Braunschweig, die es heute noch in ähnlicher Ausprägung gibt.
Bezogen auf die deutsche Geschichte sind diejenigen Ereignisse besonders interessant, die man nicht im Geschichtsunterricht hatte, z. B. die Ereignisse rund um die Überfahrt des Schiffes St. Louis.
Wermutstopfen: Da fiktive Figuren den Mittelpunkt bilden, empfand ich die Grenze zwischen Fiktion und Historie in einigen Fällen schwer zu identifizieren. Zur Förderung des Verständnisses und Erinnerungsvermögens wäre es super, wenn ein Anhang mit Zeittafel hinzugefügt werden könnte, wo nochmal die realen Persönlichkeiten und ihre Leistungen angeführt sind. Vielleicht Umsetzung mit Band 2?
Die Verortung ist spitze, demgegenüber hat mich die Charakterzeichnung nicht überzeugt. Ich war froh, als ich endlich die Namen, Verwandtschaftsverhältnisse und Funktionen der zahlreichen Figuren richtig zuordnen konnte. Meine Meinung habe ich dann sehr schnell gebildet. Ich hatte dann angenommen, dass mich der Roman in einigen Punkten eines besseren belehrt. Doch solche Überraschungen bleiben weitgehend aus. Vor Herausforderungen gestellt, handeln die Figuren so wie erwartet. Das führt zu einer gewissen Vorhersehbarkeit der Geschehnisse. Innere Kämpfe und Motivationslagen werden zwar dargestellt, aber nicht mit letzter Konsequenz und Logik durchgefochten. Ich erahne, welche Rolle im weiteren Verlauf jeweils zugedacht ist. Da verschenkt Peter Prange mit Schwarz-Weiß-Zeichnung viel durchaus mögliche Dramaturgie. Mitfühlen und Mitfiebern fiel mir schwer.
Es reicht für vier Sterne, weil es Peter Prange im Ergebnis gelingt, ein breites Bild vom Leben und der Politik im Deutschland der 1930er-Jahre kombiniert mit Automobilwirtschaft, Agrarwirtschaft, Städteplanung usw. aufzuzeigen und dabei sowohl niedrigschwellig zu bilden als auch zu unterhalten. Auch wenn ich kein Fan des Erzählstils bin, habe ich Lust, Abschlussband 2 auch noch zu lesen.

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Die Flammen von Enyador (Enyador-Saga 3)

Mira Valentin
E-Buch Text: 434 Seiten
Erschienen bei null, 06.08.2018
ISBN B07G8KYG2M
Genre: Sonstiges

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Goldfields

Izabelle Jardin
E-Buch Text
Erschienen bei Tinte & Feder, 30.10.2018
ISBN 9782919803682
Genre: Historische Romane

Rezension:

Izabelle Jardin verknüpft Familiengeschichten in zwei Zeitebenen. Den Rahmen gibt ein in England verorteter fiktiver Erzählstrang der Jahre 2011 bis 2013 in der Ich-Perspektive. In diesen eingebettet ist die Erzählung, die 5 Jahre lang in der Mitte des 19. Jahrhunderts in England und Australien inklusive Seeüberfahrt spielt. „Goldfields“ lässt sich eigenständig lesen, bildet dabei Anknüpfungspunkte an (und mittelschwere Spoiler zu) „Funkenflug“. Denn Beatrice, die man als Henrys Schwester und Verfechterin der Gleichberechtigung in einer kurzen prägnanten Nebenrolle kennenlernte, ist diesmal die Hauptfigur. Meinem Wunsch, die Entwicklung dieser absolut reizvollen Figur weiterzuverfolgen, wird damit entsprochen. Obendrein wird die Familiengeschichte rund um Faye, tolle Hauptfigur im zeitgenössischen Erzählstrang von „Funkenflug“, ein kleines bisschen weitererzählt. Für mich viele gute Gründe für meinen zweiten Roman von Izabelle Jardin.
Zu Robin im zeitgenössischen Erzählstrang konnte ich keine so starke Sympathie aufbauen wie zu Faye. Eventuell lässt es sie kühl wirken, dass ihr enormer Erfolg vorweggenommen wird und man sie nur für wenige Seiten in einer Leidensphase begleitet. Bei Faye liebte ich einfach das Mitfiebern, den Charme und Witz. Wenn sie in der dritten Person agiert, kommt das nicht so gut zum Tragen.
Davon abgesehen war ich etwa bis zwei Drittel des Buches enorm angetan. Für diesen Abschnitt vier Sterne mit Tendenz zu fünf Sternen. Das Londoner Treiben bildete eine Gefühlsachterbahn und Wissenszuwachs. Ich konnte die Sinneswahrnehmungen auf dem Schiff, die Exotik und die Goldgräberstimmung Australiens wie auch die Bedrohung sehr gut wahrnehmen. Australiens Weg hat mich sehr neugierig gestimmt.
Und ich empfand Beatrice als tolle Persönlichkeit mit Vorbildcharakter (Kämpferin für arme Kinder, für die Ausgebeuteten und Schwachen und für die Selbstbestimmtheit der Frauen) und zum Mitfiebern. Botschaft angekommen. Sicherlich lässt sich anführen, dass das Gutmenschentum etwas stark ausgeprägt ist und das Hinzufügen von Charakterschwächen mehr Realismus verliehen hätte. Fällt aber nicht nennenswert negativ ins Gewicht, da es veranschaulichend wirkt.
Lobenswert: Nicht bloß Liebesroman, sondern ein wilder Genremix.
Kontraproduktiv: Das Gelingen oder Misslingen vieler Maßnahmen lässt sich oft erahnen, manchmal wird das Ergebnis sogar durch Hinweise aus dem zeitgenössischen Erzählstrang vorangestellt, selten wird man überrascht, was sich negativ auf Spannung und Dramatik auswirkt. Kein rundum geglücktes Verbinden der Zeitstränge, finde ich.
Während sich die Autorin ansonsten ausreichend Zeit nimmt, war ich diesmal stellenweise enttäuscht, dass Schlüsselsituationen überhastet abgehakt werden, beispielsweise im Jahr 1855.
Die Wiederkehr von Faye hat’s für mich nicht rausgerissen. Es hat sich in ihrem Leben wenig geändert und sie ist mir diesmal nichts so sehr ans Herz gegangen.
Es bleibt das Gefühl, dass Izabelle Jardin ihren Idealtypus vom Miteinander von Mann, Frau und Kindern in Beruf und Privatleben zu aufdringlich vermitteln möchte, was Belange der Belletristik beeinträchtigt.
Meine Gesamtbeurteilung: Vier Sterne mit Tendenz zu drei Sternen.
Lesenswert für einen großen Adressatenkreis, u. a. für Fans von „Die ferne Hoffnung (Die Hansen-Saga)“.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Das schwarze Schiff

Phillip P. Peterson
E-Buch Text: 348 Seiten
Erschienen bei raumvektor, 12.10.2018
ISBN B07HZ3NPKY
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Erzählstil: Simpel, wie bei „Transport“. Die Geschichte wird in der Vergangenheitsform und chronologisch aus der Perspektive von Captain Jeff Austin geschildert. Keine Kapitel-Überschriften, Nebenschauplätze oder emotionsgeladene Rückblenden, was ich persönlich schade finde.
Weltenbau, Umfeld, Stimmung, Handlung: Spielt 400 Jahre in der Zukunft, was gut rüberkommt. Auf das unmittelbare Umfeld der Hauptfigur konzentriert. Angesichts dessen, dass es ein in sich geschlossenes Werk ist, völlig ausreichend. Technisches zeugt von Expertise (aus Sicht eines Laien betrachtet). Das außerirdische Schiff wird intensiv beschrieben, sodass Bilder im Kopf kreiert werden. Zunächst actionreich, dann (und hier zeigt sich der Unterschied zur filmischen Umsetzung) still, angespannt, düster, beklemmend, Psycho-Thriller-Charakter. Kurz bevor für mich Längen und Langeweile auftraten: Horror, Grusel, Blut, Apokalypse. Man sollte nicht zartbesaitet sein.
Für meinen Geschmack eine gute Mixtur, zumal sich der ruhige Abschnitt der Charakterentwicklung widmet, was für mich - kein Freund der Military-Sci-Fi - ein sehr wichtiger Aspekt ist.
Es treten Wendungen und Überraschungen auf, mit dem Ende bin ich zufrieden.
Figuren: Hauptfigur Jeff wirkt auf mich sympathischer als Russell aus „Transport“. Er nimmt in einem aus neun Männern und einer Frau bestehenden Raumschiff-Team den zweithöchsten Rang ein. Er ist keine ernstzunehmende Führungskraft und hatte eigentlich nicht vorgehabt, Kriegshandlungen auszuüben, möchte eigentlich Historiker werden. Von Tiefgründigkeit zu sprechen, wäre des Guten ein bisschen zu viel, denn er verharrt in seiner Lethargie gefühlt zu lange und erfüllt manches Klischee. Doch über weite Strecken wirkte seine Persönlichkeit, Gedanken- und Gefühlswelt und die Entwicklung, die er durchmacht, stimmig und spannend. Ich konnte mich mit ihm identifizieren. Mitfühlfaktor vorhanden.
Nebenfiguren sind stringent gezeichnet. Kein einprägsames Highlight, nicht so dass man mitfiebert/trauert, aber gut genug, um in ihren Funktionen und ihrem Handeln glaubhaft zu wirken und zum Spekulieren über Motive und Hintergründe anzuregen. Den Anführer fand ich besonders reizvoll. P. P. Peterson versäumt es nicht, sich zwischenmenschlichen Beziehungen zu widmen.
Fazit: Hätte in Erzählstil, Weltenbau und Charakterzeichnung noch ausgefeilter sein können, was Jammern auf hohem Niveau ist. Ein abgeschlossenes Werk für wenig Geld (2,99 €). Ich fühlte mich emotional involviert, habe die bedrohliche Atmosphäre gespürt, gerätselt und mich über die gesamte Länge gut unterhalten gefühlt. Dafür vier Sterne mit Tendenz nach oben. Ich freue mich auf weitere Werke des Autors.

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115 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

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Die Känguru-Apokryphen

Marc-Uwe Kling
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.10.2018
ISBN 9783548291956
Genre: Humor

Rezension:

Ein vierter Teil, für den es keine Vorkenntnisse braucht. Schon die Einleitung der Brüller. Herrliche neue Kurzgeschichten um den Kleinkünstler Marc-Uwe und seinen WG-Kumpan, das vorlaute kommunistische Beuteltier. Nicht alle megainnovativ (z. B. „Die Frage“, „Doofe Kommentare“), doch über die meisten habe ich mich königlich amüsiert.
Tiefsinnig und anspruchsvoll trifft auf sinnfrei. Philosophisches prallt auf zutiefst Banales. Skurril, schräg, frech, gesellschaftskritisch, politisch unkorrekt und vor allem megalustig. Bildhafte Wortschöpfungen, die sich im Hirn festsetzen: Technik-Tourette, Ja-ja-Arschlecken-Taste, etc.
„Stroganoffs 9. Sinfonie“ dürfte in der Hörbuch-Version echt cool rüberkommen.
Genau das Richtige, um einen anstrengenden Arbeitstag mit herzhaftem Lachen abzuschließen. Aus diesem Grund habe ich mir auch Zeit gelassen, das Buch durchzulesen. Jeden Abend vor dem Schlafengehen nur wenige Schnapspralinen, äh, Kapitel, um länger etwas davon zu haben. Tja, offensichtlich habe ich das Känguru noch nicht genug verinnerlicht. Wer spielt mit mir Open-Schnick?

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Dunkle Materie

Carolyn Ives Gilman
E-Buch Text: 450 Seiten
Erschienen bei Cross Cult, 23.11.2016
ISBN 9783959812566
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Klappentext:
Die Nebula- und Hugo-Award-nominierte Carolyn Ives Gilman präsentiert einen fesselnden Roman über Begegnungen mit fremden Spezies, Geheimnissen und Mord.
Berichte über einen neuen, bewohnbaren Planeten haben die Zwanzig Planeten der menschlichen Zivilisation erreicht. Für die Erkundung dieser Welt wird eine Gruppe von Wissenschaftlern zusammenstellt. Nach der Ankunft findet sich das Team auf einem kristallinen Planeten wieder, der vor Dunkler Materie nur so strotzt. Plötzlich wird eine von ihnen ermordet ...

Meine Meinung:
Ein Science-Fiction-Roman mit unverkennbar weiblicher Note, psychologisch und spirituell-esoterisch geprägt, ohne Weltraumschlachten. Intelligent und anspruchsvoll erzählt.
Die Handlung dreht sich um die Erforschung eines weit entfernten Planeten, der sich als besiedelt herausstellt. Darauf ist man nicht vorbereitet und hat nur Wissenschaftler und Sicherheitspersonal mitgebracht. Wer übernimmt Verantwortung im Erstkontakt? Sara, nüchtern agierende Exoethnologin, und Thora, die spirituell geprägt ist und bei mir unweigerlich Assoziationen an Luna Lovegood (aus Harry Potter) hervorrief.
Hauptfiguren, deren Entwicklung und Handeln ich mit sehr großem Interesse verfolgt habe, zu denen ich aber irgendwie keine emotionale Bindung aufbauen konnte, vielleicht wegen des auktorialen Erzählstils, der speziell bei Sara eine Distanz zu ihren Empfindungen aufrechterhält, oder weil sie in ihrem Wesen starke Extreme bedienen und damit für mich nicht das nötige Identifikationspotenzial mitbringen.
Bezüglich der Raumfahrt-Kameraden hatte ich das Problem, dass sie sich überwiegend nicht in meinem Gedächtnis verfestigt haben. Gut gefallen hat mir, dass in ihrem Umfeld streckenweise toller trockener Humor Anwendung findet, beispielsweise werden Managementtechniken verballhornt.
Die Ureinwohner und ihre Kultur fand ich einprägsam, individuell und sehr spannend.
Politische und wirtschaftliche Interessen haben unterschwellig eine große Bedeutung und äußern sich z. B. darin, dass Auftraggeber, Kollegen und ihre Motive kritisch beäugt werden, Täuschung und Intrigenspiel auftreten, Entdeckungen instrumentalisiert werden. Mir gefällt, wie bedrückend realistisch die Zukunftsaussichten gezeichnet werden, dass Rätsel gewoben werden und Überraschungen auftreten.
Ich habe noch nie einen Sci-Fi-Roman gelesen, bei dem Psychologie und Spiritualität eine so dominante Rolle einnehmen. Eine besondere Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Im Fokus steht, dass der fremden Spezies eine Sinneswahrnehmung fehlt, bloß vermissten sie diese mangels Vergleichsmöglichkeiten bisher nie, schufen ein ihnen genehmes Umfeld und Handeln, andere sprachliche Ausdrücke und entwickelten (im Einklang mit der ihnen bekannten Natur) gegenüber unserer Spezies andere Stärken.
Wie wir und wie sie ihre Umwelt wahrnehmen und wie sich das Erlernen/Entdecken eines neuen Sinnes darstellt – das fand ich greifbar erklärt und enorm faszinierend. Zumal sich das auf tatsächlich existierende Handicaps in der Gegenwart übertragen lässt und man buchstäblich „mit anderen Augen sieht“.
Warum es knapp nicht für die Bestbewertung reicht: Thoras Welt hat mich streckenweise irritiert. Es gibt insgesamt nur 13 Kapitel, die entsprechend lang sind und bei denen über lange Zeiträume Lesepausen nicht suggeriert werden. Wenn ich notgedrungen zwischendrin das Lesen abbrechen musste, wusste ich manchmal nicht mehr, wo ich eigentlich bin. Methaphorik, Traumsequenz, Erinnerung, Meditation oder doch Realität? Diese Verwirrung hat für mich leider das Lesevergnügen gemindert. Daher die Empfehlung an andere Leser, für lange unterbrechungsfreie Lesephasen zu sorgen.
Der Roman endet abgeschlossen. Eine durchaus mögliche Fortsetzung würde ich höchstwahrscheinlich lesen, denn ich fühle mich gut unterhalten und um Sinneseindrücke und Wissen bereichert.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Riss: Hard Science Fiction

Brandon Q. Morris
E-Buch Text: 375 Seiten
Erschienen bei HardSF.de, 09.10.2018
ISBN 9783947283323
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Klappentext:
Quer durch den Himmel verläuft ein Riss. Er ist über Nacht entstanden. Jeder Mensch kann ihn sehen, aber die Physiker verzweifeln, weil sie keinerlei Signale empfangen. Der Riss besteht buchstäblich aus Nichts. Zunächst scheint keine Gefahr von ihm auszugehen, doch dann passiert etwas, das die schlimmsten Befürchtungen der größten Pessimisten weit übertrifft.

Meine Meinung zur Handlung:
Bemerkenswerte Idee, naturwissenschaftlich gestützt. Schnell gelesen, habe mitgerätselt und das Geschehen über die gesamte Länge interessiert mitverfolgt, fühle mich solide kurzweilig unterhalten. Allerdings fügt sich vieles zu leicht und offensichtlich zusammen. Überraschungen, große Gefühle und Humor bleiben aus. Kein Werk, das mir persönlich im Gedächtnis bleiben wird.

Eigenständig lesbar?
Ja, denn Vorwissen ist unnötig und die Geschichte ist abgeschlossen. Wissenswert falls man Interesse an weiteren Werken von Brandon Q. Morris hat: Es sind massive Spoiler zu „The Hole“ enthalten. Einem späteren Genuss der anderen zeitlich davor verorteten Werke steht nichts entgegen.

Im Vergleich zu anderen Werken:
Deutlich ist, dass sich der Aufbau aller eigenständig lesbaren Werke stark ähnelt, was wohl auch dem hohen Turnus der Veröffentlichungen geschuldet ist. Hat mich emotional nicht so mitgerissen wie „The Hole“ (5 Sterne), dort kam eher Blockbuster-Feeling auf und ich mochte die Figuren mehr. Auch „Silent Sun“ (noch 4 Sterne) mochte ich etwas mehr, im Weltraum spielend, mit Weltraum-Hündin und innovativer Idee. Bei „Der Riss“ kam mir ständig der im August 2018 erschienene Roman „Das KALA-Experiment“ von Karl Olsberg in den Sinn, was ich anführe, um aufzuzeigen, dass Figuren, Storyverlauf usw. diesmal nichts Besonderes sind, bloß der naturwissenschaftliche Hintergrund das Herausstellungsmerkmal bildet.

Meine Meinung zu den Figuren:
Fans - wie ich - dürfen sich darüber freuen, alte Bekannte aus vorangegangenen Hard-Sci-Fi-Romanen zu treffen. „Der Riss“ spielt im Jahr 2085 und stellt 13 Jahre nach den Ereignissen aus „The Hole“ die nun 35-jährige Spanierin Maribel erneut in den Vordergrund. Mir hat es gefallen, mitzubekommen, wie es mit ihr und ihrem persönlichen und beruflichen Umfeld weitergegangen ist. Trotzdem hatte ich sie früher lieber, als ich ihr die Naivität und Unbedarftheit mehr abgenommen habe und - angesichts der offensichtlichen Lebensgefahr für sie und alle Erdenbürger - mehr mitfühlen konnte.
Futuristisch, interessant und irgendwie herzig fand ich die gar nicht so gefühlsneutralen Wahrnehmungen und Einschätzungen der Explorer-KI M6, die Bodenproben auf dem für den Bergbau auserkorenen Planetoiden Ceres analysiert und dann in eine wichtige Angelegenheit hineinkatapultiert wird. Das war diesmal meine Lieblingsperspektive.
Als drittes der 44-jährige desillusionierte Farmer und ehemalige US-Soldat Derek. Seine Perspektive hat Mysterien und Spannung ausgelöst. Den Verlauf konnte ich gut nachvollziehen und mitdenken.
Interesse war vorhanden, doch im Ergebnis wirken die Haupt- und Nebenfiguren auf mich mich zu glatt. Die Gefühlswelt kommt zu kurz, um Sympathie zu empfinden. Figuren, die sich eigentlich gebildet und professionell geben sollten, agieren gutgläubig oder unlogisch, zum Beispiel wenn sie Hinweisen nicht nachgehen. Und ein wiederkehrendes Manko bei Morris-Romanen: Zu wenig zwischenmenschliche Reibungspunkte.

Meine Meinung zum Erzählstil:
Die Gegenwartsform ist Standard bei Morris-Romanen, kommt ansonsten allerdings besser zum Tragen, wenn die Umgebungen fremder Welten wiedergegeben und erlebbar gemacht werden. Dass die kurzen Kapitel mit Ort und Datum überschrieben sind, ist diesmal besonders hilfreich für Überblick und Verständnis.

Meine Meinung zum Weltenbau:
Dass sich nicht nur in der Raumfahrt und KI-Forschung, sondern auch im Alltäglichen auf der Erde (und hier spielt „Der Riss“ überwiegend) einiges geändert hat, wird punktuell deutlich, wenn von Dürre, alternativen Antriebssystemen, autonom fahrenden Autos oder vom mächtigen RB-Konzern die Rede ist. Persönlich würde ich mir wünschen, dass Morris hier noch mutiger agiert und - angesichts vieler Romane, die in diesem Universum verortet sind - mehr Aufwand in den Weltenbau investiert. Welche Richtung werden Politik, Wirtschaft, Unterhaltung, Gebrauchsgegenstände einschlagen? Mit etwas mehr Vision und Liebe zum Detail könnten hier eine futuristische Atmosphäre und noch mehr Denkanstöße generiert werden. Die Frage, ob ich wirklich noch einen Morris-Roman kaufe, wäre dann viel leichter beantwortet.

Mein Resultat: Diesmal 3 Sterne mit Tendenz nach oben.
Erwähnenswert: Im Anhang von 92 % bis 96 % findet man das Wissenswerteste zu naturwissenschaftlichen Hintergründen in komprimierter Form, ohne dass es sich wie ein anstrengendes Fachbuch liest. Trägt man sich über einen Link am Ende des Buches hierfür ein, erhält man den Anhang als pdf mit vielen Grafiken und Bildern. Das finde ich super, denn mit jedem Morris-Roman wird auf angenehme Weise der Wissensschatz rund um Astronomie ein bisschen erweitert.

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917 Bibliotheken, 33 Leser, 4 Gruppen, 56 Rezensionen

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Das Mädchen, das den Himmel berührte

Luca Di Fulvio , Katharina Schmidt , Barbara Neeb
Flexibler Einband: 976 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 15.02.2013
ISBN 9783404167777
Genre: Historische Romane

Rezension:

Klappentext:
Wie wird ein junger Tagedieb, der seine Kindheit in einer Höhle verbrachte, zu einem glühenden Verfechter der Freiheit? Wie wird ein jüdischer Überlebenskünstler zu einem anerkannten Arzt? Und wie wird ein Mädchen mit einem schweren Schicksal zu einer Aufsehen erregenden Modeschöpferin? Die Antwort liegt in Venedig. Denn dort, im Labyrinth der Gassen und Kanäle der geheimnisvollsten Lagune Europas, zwischen der Pracht San Marcos und dem Elend der Spelunken von Rialto, findet sich das gesamte Panorama des Lebens. - Eine atemberaubende Geschichte von kühnen Lebensträumen - und von einer Liebe über alle Grenzen hinweg.

Meine Meinung:
Belletristik mit historischen Bezügen, die mich zum Schwärmen bringt:
Die Figuren sind sehr tiefgründig gezeichnet, sodass sie richtig echt wirken. Die teils extremen charakterlichen Entwicklungen sind spannend und stimmig gestaltet. Meine Lieblingsfiguren Mercurio und Giuditta brachten mich zum Mitfühlen, Mitleiden, Mitfreuen. Es treten viele interessante und wichtige Nebenfiguren auf, über deren Hintergründe und Motive sich spekulieren lässt. Einige davon habe ins Herz geschlossen. Sehr gut gefällt mir, dass die Bösewichte nicht schlichtweg böse sind, sondern dass sich der Autor die Mühe macht darzulegen, wie sie so geworden sind. Hierdurch bauen sich auch Mitgefühl und Verständnis für diese Widersacher auf. Keine Schwarz-Weiß-Zeichnung in Sicht.
Hier bekommt man sehr viel komplexe und dabei nachvollziehbar bleibende Handlung zu bieten. Und das Gefühl, sich gut ins Italien des 16. Jahrhunderts hineinversetzen zu können. Ein kleiner Wissenszuwachs, z. B. zum Konflikt zwischen Christen und Juden und zum venezianischen Schiffbau, ist eingetreten. Es gibt viele kreative Ideen, Wendungen und Überraschungen.
Die Beschreibungen (Aussehen und Beschaffenheit der Stadtviertel und ihrer Bewohner, Architektur, Gerüche, etc.) bleiben im Gedächtnis und lassen tief in die Atmosphäre eintauchen.
Der Italiener Luca Di Fulvio schreibt spürbar mit Leidenschaft. Ich möchte keine einzige der fast 1000 Seiten missen. Und habe mir sogleich weitere Bücher dieses Autors beschafft.

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11 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Titan

Brandon Q. Morris
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Belle Epoque Verlag, 17.01.2018
ISBN 9783945796931
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Auch wenn angegeben ist, dass es als Einzelband lesbar sei, möchte ich ausdrücklich empfehlen, die ganze Eismond-Reihe in der vorgesehenen Reihenfolge zu lesen. Okay, die Mission rund um den Saturnmond als solche hat einen Anfang und ein Ende. Doch überwiegend führt „Titan“ Handlungsstränge aus dem Auftaktband „Enceladus“ inklusive zwischenmenschlicher Beziehungen weiter, ohne diese abzuschließen. So gibt es beispielsweise in Bezug auf das außerirdische Enceladus-Wesen wenig Neues zu erfahren. Es dürften viele Fragezeichen auftreten, falls man die vorangegangenen Ereignisse nicht mitverfolgt hat.
In Bezug auf Dramaturgie und Charakterzeichnung empfand ich den Auftaktband als stärker. Glücklicherweise hatte ich bereits eine emotionale Bindung zu den im Mittelpunkt stehenden Bordmitgliedern hergestellt, sodass trotzdem Lesegenuss aufgekommen ist und sich eine Bewertung von knappen vier Sternen ergibt.
Dass trotz strenger psychologischer Auslese beim Astronautenprogramm manchmal die Gefühle mit den Figuren durchgehen, sehe ich persönlich als Vorteil, denn so kann ich mich besser hineinfühlen.
Zumindest erwähnen möchte ich, dass einige Probleme aus dem Auftaktband ad absurdum geführt werden, z. B. der Energiemangel, was ich aber gern akzeptiere, da ich als Leserin letztendlich davon profitiere, liebgewonnene Romanfiguren auf weiteren Expeditionen begleiten zu können.
Ansonsten wiederholen sich meine bisherigen Eindrücke von Sci-Fi-Romanen von Brandon Q. Morris: Vergleichsweise nüchtern erzählt, mit ausführlichen Beschreibungen zur Beschaffenheit der Umgebung, zu Umweltbedingungen und zur Mission inklusive vorbereitender Arbeiten, mit gelegentlichen Problemstellungen, die es allein oder im Team zu bewältigen gilt. Obwohl wenig Action präsentiert wird (Intrigen, Kämpfe und Weltraumschlachten schon mal gar nicht), tritt bei mir keine Langeweile auf.
Ich nutze Morris‘ Bücher gern als Kontrastprogramm zu anderen Sci-Fi-Werken. Und erfreue mich daran, im Rahmen kurzweiliger Unterhaltung meine Laien-Kenntnisse rund um Astrophysik und Raumfahrt (möglichst nachhaltig) aufzubauen.
E-Book-Sparfüchsen rate ich, es mir gleichzutun und direkt den Eismond-Sammelband (4 Romane für 9,99 €) zu kaufen.

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133 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 70 Rezensionen

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Die Optimierer

Theresa Hannig
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 29.09.2017
ISBN 9783404208876
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Verortet in einem möglichen Europa 2052, in dem Roboter in einem schleichenden Prozess die meisten Arbeiten übernehmen, alle überwacht werden, vieles verboten ist (z. B. Fleischkonsum unter Strafe steht), ein undurchsichtiges System die Berufswahl für jeden Europäer vorschreibt oder für das Auszahlen des bedingungslosen Grundeinkommens sorgt. Im Untergrund regt sich Widerstand.
Ein treuer Diener des Systems wird zum Spielball, gerät in die Abwärtsspirale.
Erschreckend realistische Ideen. Mit gelungenen futuristischen Umgebungs- und Technikbeschreibungen. Vergleichbarer Ansatz wie bei QualityLand von Marc-Uwe Kling, bloß düsterer und nicht ganz so zynisch gehalten. Kleiner Wermutstropfen: Komplett aus der Sicht einer Figur wiedergegeben, die egomanisch und damit kein Sympathieträger ist, insofern konnte ich nicht so stark mitfiebern wie gewünscht. Trotzdem: Enorm spannend und mit tollen Wendungen. Einmal angefangen, schwer aus der Hand zu legen.
Sehr interessant, wenn die Vergangenheit, also unsere Gegenwart, beurteilt wird: „perverse unnatürliche Wachstumsgesellschaft (…) Institutionalisierte Kleptokratie (…) Das ist, wenn alles so organisiert ist, dass man die Bevölkerung beklaut.“
Ich hätte mir gewünscht, dass mehr angefangene Handlungsstränge abgeschlossen und aufgeworfene Fragen beantwortet werden, z. B. zu unter Arrest stehenden Bürgern und zur Rebellion. Vielleicht lässt sich die Autorin hier eine Hintertür für eine Fortsetzung offen, die ich gern lesen würde.
Flüssig geschrieben, sodass ein großer Adressatenkreis angesprochen wird.
Das Taschenbuch ist von guter Qualität, weist nach dem Lesen keine Gebrauchsspuren auf.
Wie ich es mir von Nahe-Zukunft-Thrillern regelmäßig erhoffe, nicht nur unterhaltsam, sondern auch im Gedächtnis nachhallend und zum Nachdenken anregend. 4 Sterne mit Tendenz nach oben.

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197 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 80 Rezensionen

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NSA - Nationales Sicherheits-Amt

Andreas Eschbach
Fester Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 28.09.2018
ISBN 9783785726259
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Dieses Buch, das eine geniale Mischung der Genres Historischer Roman, Belletristik, Liebe, Thriller, Nahe-Zukunft-Thriller, Polit-Thriller und Dystopie bildet, bietet neben reichlich Spannung und Gefühl viel Potenzial zum Nachdenken und hängenbleibende Denkanstöße.

Den Ansatzpunkt bietet die Frage: Was wäre gewesen, wenn es bereits vor und während des Zweiten Weltkrieges die heutigen technischen Möglichkeiten rund um Überwachung der Zahlungsflüsse, Telekommunikation, Bewegung usw. gegeben hätte.
Andreas Eschbach schafft hier eine faszinierende Parallelwelt. Dabei konnte ich in der Regel gut zwischen Historie und Fiktion unterscheiden, z. B. weil andere Begrifflichkeiten verwendet werden. Noch lebendiger dadurch, dass auch reale Persönlichkeiten, z. B. Anne Frank und die Geschwister Scholl, vorkommen.
Es wird Technologie und Wissenschaft beschrieben, ohne dass es ermüdend wirkt, es fügt sich stimmig in die Story ein.
Jedem Leser dürfte schnell verdeutlicht werden, wie unbedarft heutzutage in der Realität mit persönlichen Daten umgegangen wird und welche Potenziale zum Missbrauch hieraus erwachsen, insbesondere wenn diese gebündelt abrufbar sein sollten. Dabei spielen aktuelle Entwicklungen und deren Risiken eine Rolle, beispielsweise: Bargeldverkehr verbieten, automatische Gesichtserkennung. Sogar das Thema Künstliche Intelligenz wird prägnant aufgegriffen.
Die Schockwirkung prägt sich ein. Man kann also viel für's eigene Leben und Bewusstsein mitnehmen.

Die Geschichte selbst ist mit 800 Seiten ein echter Brocken. Dabei ist es jede Seite wert, gelesen zu werden.
Den Start bildet eine Schlüsselszene im Jahr 1942, die im Zeitgefüge des Buches eigentlich mittig spielt. Ansonsten verläuft die Handlung chronologisch. Kapitelweise wechselnd erleben wir das Erwachsenwerden der Protagonistin Helene (geboren 1921) und des unsympathischen Charakters Eugen (geboren 1914), bis sich dann im Erwachsenenalter in der titelgebenden Institution ihre Wege kreuzen.
Nebenfiguren wirken interessant und machen neugierig. Es gibt mysteriöse sowie bösartig anmutende Charaktere, über die man sich aufregen kann. Und solche, die in Not sind, die man ins Herz schließt und mitfiebert, sodass man am liebsten bestärken, ermutigen, umarmen, stützen, zur Vernunft bringen oder warnen möchte.
Immer eingebettet ist die Entwicklung von Freundes- und Familienleben, Schul-/Arbeitswelt, Gesellschaft und Politik, z. B. das Bild/Selbstverständnis von Frauen und von Soldaten, der Umgang mit Juden, was spannend ist und gleichzeitig einen Lerneffekt hervorruft.
Allerlei Rätsel laden zum Spekulieren und Mitdenken ein. Man wird auch mal in eine falsche Richtung gelenkt.
Es dominiert eine angespannte und düstere Atmosphäre, die glaubhaft vermittelt wird. Einen Gegenpol bieten hoffnungsvolle und herzerwärmende Szenen der Liebe und des Zusammenhalts und einige witzige Stellen.
Mehr möchte ich nicht verraten, um Spoiler zu vermeiden.
Viel Spannung und Dramatik, unerwartete Wendungen und tiefgründige Charaktere, großes Gefühlskino. Für mich als Vielleserin ein echtes Lesehighlight. Noch dazu so geschrieben, dass es intellektuellen Ansprüchen genügt und dabei so flüssig, dass es einen großen Adressatenkreis anspricht. Absolute Empfehlung.

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23 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Eine neue Zeit

Ellin Carsta
Flexibler Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 02.10.2018
ISBN 9782919801541
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich empfehle, vorher Band 1 gelesen zu haben.
Band 2 spielt im Zeitraum Januar 1893 bis Februar 1894 rund um die Mitglieder der Familie Hansen.
Beim Auftaktband war ich sehr schnell in die Atmosphäre eingetaucht und hatte alle Erlebnisse mit großer Spannung mitverfolgt. Die in Kamerun spielenden Szenen waren damals besonders intensiv für mich.
So leicht fiel es mir diesmal nicht, obwohl ich die vorangegangenen Geschehnisse trotz fehlender Inhaltszusammenfassung wieder schnell präsent hatte.
Die Sorge um ein älteres krankes Familienmitglied konnte mich leider nicht mitreißen. Luises Gedanken und Gefühle rund um Geschlechterrollen drehen sich gefühlt viel im Kreis. Zwar nachvollziehbar, aber mit Längen behaftet.
Schade, dass sich in Kamerun zwar Dramatisches abspielt, dies aber nur vergleichsweise nüchtern in Briefen verarbeitet wird. Und damit auch das Thema Europäische Kolonialzeit und das Leben in den Stämmen weniger emotional und einprägsam wiedergegeben ist. Da Ellin Carsta ohnehin den auktorialen Erzählstil verwendet, wäre ein Trip in die Ferne eigentlich kein Problem und kein Geheimnisverrat gewesen und hätte um Dramatik, Exotik, Bildgewalt und Wissensschatz bereichern können. So habe ich eben meine eigene Vorstellungskraft bemüht.
Etwa ab der Hälfte hat mir die Geschichte besser gefallen. Emotional getragen insbesondere durch Karl (unschuldig in seinem Inneren zerrissen), Frederike (man wünscht ihr einfach Glück bei allem, was sie sich wünscht) und Luise (die leider verhärmt ist und mir zuletzt besser gefiel, was aber an der ihr zugedachten Rolle im Gesamtgefüge des Werks liegt).
Mir gefällt die ausgestrahlte subtile Erotik. Die Intrige wäre bestimmt spannender, wenn der Klappentext offener gestaltet wäre. Einiges gestaltet dich leider vorhersehbar.
Naturgemäß ist der Mitfühlfaktor am höchsten, wenn es um Liebe und die Existenz anstatt um das Erlangen von mehr Ansehen oder Geld geht.
Lobend hervorheben möchte ich noch, dass ich mich durch die Umgebungsbeschreibungen gut ans Ende des 19. Jahrhunderts zurückversetzt fühle.
Band 3 möchte ich lesen. Ein bisschen fies ist der Cliffhanger, den hätte ich nicht gebraucht, weil ich auf die weitere Entwicklung der Hansens und ihrer Liebsten ohnehin neugierig bin.
Ich würde mir wünschen, dass in der Fortsetzung die Motive der „Bösewichte“ mehr gewürdigt werden, um das Schwarz-Weiß-Schema stärker zu durchbrechen.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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In der Nacht weint meine Stadt: Eine Novelle zum Roman "Was wir zu hoffen wagten

Michaela Saalfeld
E-Buch Text: 120 Seiten
Erschienen bei beHEARTBEAT by Bastei Entertainment, 01.06.2018
ISBN 9783732559770
Genre: Sonstiges

Rezension:

Diese Novelle erzählt eine Geschichte um Liebe im Krieg, die im Roman „Was wir zu hoffen wagten“ vorkommt, ausführlicher. Die Liebenden Godelieve und Scott sind dort Nebenfiguren.
Liest man beides, ist man gespoilert für’s andere Werk.
Ich habe zuerst den dicken Roman gelesen und unter Unterhaltungs- und Lernaspekten sehr genossen. Es ist spürbar, dass Michaela Saalfeld sich auskennt und mit Leidenschaft schreibt.
Die Figuren in der Novelle finde ich liebenswert. Godelieve und Scott wirken lebendig. Sie sind zu Beginn gewissermaßen desillusioniert vom Leben. Es ist berührend, wie sie sich als Liebespaar, um das herum der Weltkrieg tobt, gegenseitig Kraft verleihen. Wobei mir die weibliche Innensicht etwas zu kurz kam, über ergänzende andere Perspektiven aber dennoch mein Herz erreicht wurde.
Fietje, 12 Jahre alt im Jahr 1914, Bewohner der umkämpften belgischen Stadt Ypern, hat bei mir schon mit den ersten Zeilen Sympathiepunkte gesammelt. Aufbauend wirkt sein frecher Tonfall und wie er seinen Beitrag leistet und hieran wächst (Zitat: „… weil ich seither weiß, wer ich bin.“). „Wuffkank“ mochte ich ohnehin schon zuvor.
Schön, dass die Autorin die kapitelweise wechselnde Perspektive sprachlich je nach Alter und Intellekt der Figur ausschmückt.
Eindringliche Umgebungsbeschreibungen. Im Mittelpunkt des Krieges verortet und damit psychologisch hart. Zum Mitfühlen anregend. An der Grenze zum Kitsch vorbeischrammend.
Ich nehme an, dass die harten Fakten, nämlich das Schicksal der belgischen Stadt Ypern, nach einmaligem Lesen im Gedächtnis hängenbleiben.
Ein Stern Abzug, weil ich vergeblich auf einen Wow-Effekt gewartet habe. Das Spannungslevel war dadurch gemindert, dass ich von Beginn an wusste, wie es für alle Figuren ausgeht.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Welt in Gefahr

Wolfgang Ischinger
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Econ, 07.09.2018
ISBN 9783430202497
Genre: Sachbücher

Rezension:

Seit Längerem habe ich kein Polit-Sachbuch gelesen. Als 30-jährige politisch Interessierte stille ich meinen Wissensdurst ansonsten durch gelegentlichen Polit-Talk im TV, die lokale Zeitung und Internetmedien. Diesmal haben mich Titel und Klappentext spontan angesprochen. Klang danach, als sei hier in einem weiten politischen Spektrum anhand eines einzigen Buches viel Kenntniszuwachs möglich.
Den Autor Wolfgang Ischinger hätte ich bisher nicht zuordnen können. Diesen intelligenten und erfahrenen Wegbegleiter der deutschen und internationalen jüngeren Geschichte kennenzulernen, hat mich sehr gefreut. Weil ich vorrangig abends nach einem anstrengenden Arbeitstag lese, hat mich vor allem positiv eingenommen, dass sich dieses Sachbuch weniger anstrengend lesen lässt als erwartet. Hätte es mir „trockener“ vorgestellt. Sprachlich und stilistisch habe ich keinen Grund zur Beschwerde. Lob an das Lektorat. Der Inhalt stellt sich für den Politik-Laien durchaus anspruchsvoll und komplex dar, ist aber auch durchzogen mit vertiefenden Erläuterungen. Angereichert mit anschaulichen Beispielen aus Ischingers reichhaltigem Diplomatendasein, z. B. seinen Antritt bei der Queen oder wie er DDR-Bürger vom Botschaftssitz in Prag mit dem berühmten Zug in die Freiheit begleitete. Das fand ich faszinierend, spannend, ich konnte mich in Situationen hineinfühlen, es hat Emotionen bei mir hervorgerufen, auch wenn ich zu den meisten Schilderungen keine Zeitzeugin bin. Hierdurch entkommt man zeitweise der Informationsflut „Wer/Wann/Was/Wo“, das Wissen kann sich besser verfestigen. Manches ist auf den eigenen Alltag übertragbar, z. B. Tipps zu diplomatischem und kommunikativem Verhalten.
Mir gefällt, dass die neun Kapitel feingliedrig unterteilt und mit teils unorthodoxen, auflockernden (z. B. „Beziehungsarbeit mit Hundenapf und Cocktailbar“) oder provokanten (z. B. „Irakkrieg 2003 - „Oder sind Sie ein Rassist, Ischinger?““) Unter-Überschriften versehen sind. Hierdurch wurde meine Neugierde geweckt, oft fühlte ich mich animiert, noch ein paar Seiten mehr zu lesen als ursprünglich beabsichtigt.
Erwartungsgemäß ist dieses Sachbuch inhaltlich sehr breit gefächert. Diplomatische Beziehungen und Sicherheitspolitik in Deutschland und Europa sind in den Fokus gestellt, große Abschnitte außerdem den USA und Russland gewidmet. Beleuchtet werden die letzten Jahrzehnte sowie ganz aktuelle Entwicklungen. Krisen, ihre Anfänge, Ursprünge, Wandlungen, Signalwirkungen bestimmter Handlungen, nationale und internationale Abhängigkeiten, prägende Personen. Zu meiner Freude auch Erfolge und Hoffnungspendendes, sodass das Buch nicht emotional völlig „herunterzieht“. Ischinger zeigt argumentierend allerlei Handlungsoptionen und -empfehlungen auf, fasst dabei auch zusammen und schafft Bildnisse. Kritiker könnten augenzwinkernd erwähnen, dass er oft seine eigene Rolle und seine reichhaltigen Beziehungen betont, aber es ist m. E. völlig legitim, seinen Stolz auf diese Weise auszudrücken.
Von Wow-Effekten in den Erkenntnissen und Botschaften kann man schlussendlich nicht sprechen. Typischerweise gibt es kein einfaches Patentrezept. Wer sich sehr viel mit den dargestellten Themen beschäftigt, könnte enttäuscht sein. Ischinger brilliert in seinem Metier. Demzufolge ist z. B. der Klimawandel nur Randthema. Auch nur wenig Raum bekommen Auswirkungen technischer Innovationen, die im Zwiespalt zwischen Sicherheit und Freiheit, in Bezug auf Überwachung und Militär an Bedeutung gewinnen. Trotzdem: Dieses Buch hat einen wertvollen Beitrag geleistet, das Weltgeschehen für mich als Laien etwas mehr zu „entwirren“. Ich fühle mich sensibilisiert und ein kleines bisschen klüger. Dafür vielen Dank.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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The Dark Invasion: Phase 1

Joshu Tree
E-Buch Text: 215 Seiten
Erschienen bei null, 06.09.2018
ISBN B07H1LB44S
Genre: Sonstiges

Rezension:

Es handelt sich um den Auftakt (mit offenem Ende) zu einer 4- bis 6-teiligen Reihe im Genre Military Science Fiction.
Band 1 ist in der Vergangenheits- und Ich-Form geschrieben. Die Hauptgeschichte ist beschränkt auf den Bewusstseinshorizont des Ex-Bundespolizisten Frank Engels.
Geprägt von Action, Härte, vielfältigem Waffeneinsatz, Kampf und Flucht in den Straßen New Yorks im Jahr 2025. Militär und SEALs gegen Aliens, was zu vielen Toten führt. Also nichts für Zartbesaitete und auch nicht wirklich meinem persönlichen Geschmack entsprechend, weil ich ausgedehnten Kriegsschilderungen grundsätzlich nicht viel abgewinnen kann. Die Beschreibungen lassen Atmosphäre aufkommen. Wenn ich mich hierauf konzentrierte, konnte ich mir die Umgebung vorstellen. Vielleicht wäre es noch besser gewesen, wenn die Geschichte in der Gegenwartsform erzählt worden wäre.
Dazwischen werden psychotherapeutische Sitzungen wiedergegeben, in denen man in die Vergangenheit der Hauptfigur eintaucht, was mit leisen gefühlvollen Tönen und Einblicken in die verletzliche menschliche Psyche einhergeht. Es geht u. a. darum, was Hoffnung und Anleitung gibt und die Seele heilt, ohne dass es kitschig wirkt. Diese Sequenzen zwischen Frank und Doktor Amell enthalten zudem tollen tiefsinnigen und scharfzüngigen, manchmal schwarzen Humor. Diese Szenen bildeten für mich den Hauptanreiz, dieses Werk in Gänze zu lesen. Hierdurch wird der Hauptfigur Frank charakterliche Tiefe verliehen. Ich habe seine Entwicklung, seine veränderten Weltansichten, die auch glaubhaft rüberkommen, mit großem Interesse verfolgt. Diese erstmal kaputt anmutende Gestalt habe ich immer mehr liebgewonnen, sodass ich dann auch im Actiongetümmel mitfiebern und mithoffen konnte.
Schön, dass – auch anhand weiterer Figuren – deutlich gemacht wird, dass professionell anmutende Militärangehörige vielfältige Emotionen mitbringen. Besonders hat es mir da eine Nebenfigur angetan, die nochmal im Epilog auftaucht.
Das Buch ist sehr kurz und es gibt im Jahr 2025 wenig Handlung. Ich habe Wow-Effekte vermisst. Irgendwie geht‘s erst so richtig los. Die Sinnhaftigkeit der Mission bleibt offen.
Was bis dato nicht vorkommt, sind die Ursprünge und Motive der Aliens. Schade, dass sie optisch, in ihren Bewegungsabläufen und in ihrem Verhalten sehr menschenähnlich gestaltet sind. Kaum aus dem Wurmloch gekommen, finden sie sich anscheinend spielend in ihrem neuen Umfeld zurecht, heben sogar ihre Hände, um sich zu ergeben oder zu beschwichtigen. In dieser Hinsicht ist also noch Luft nach oben. Es wäre cool, wenn in einem Nachfolgeband die Perspektive eines Außerirdischen eingenommen werden würde und die Andersartigkeit dabei zum Ausdruck käme.
Band 2 wird im Oktober 2018 von Arne Danikowski veröffentlicht, Band 3 im November 2018 von Drew Sparks. Beide kenne ich noch nicht, lerne aber gern neue deutsche unabhängige Autoren kennen. Ich werde wohl anhand der Leseprobe entscheiden, ob ich die Reihe weiterverfolge.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Die Rächer

J.A. Konrath , Peter Zmyj
Flexibler Einband: 426 Seiten
Erschienen bei Edition M, 04.09.2018
ISBN 9782919801985
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach Band 1 bis 8 der Jack-Daniels-Reihe sowie „Alle wollen Tequila“ und „Die Brandmörder“ hatte ich für zwei Romane ausgesetzt, weil Brutalitäten, Unglaubwürdiges und Skurrilitäten für meinen Geschmack zu viel Raum gewonnen hatten. Nach langer Abstinenz war ich dann aber doch neugierig geworden, wie es mit Jack, Phin, ihrer Tochter, Harry und Herb weitergeht.
Ich bin gut reingekommen, fühlte mich durch die Lücke nicht beeinträchtigt, da Angaben zu den Geschehnissen seit der Geburt von Jacks Tochter eingeflochten sind.
Warum man in der deutschen Übersetzung zwanghaft irgendwelche beliebig austauschbaren Titel erfindet, habe ich noch nie verstanden, aber das möchte ich nicht lange ausführen.
J.A. Konrath versteht sich als Meister, seine Leser im schnellen Wechsel zwischen „Gruseln und Entsetzen“ und „Vor Lachen auf dem Boden kringeln“ hin- und herzuscheuchen, wobei die kapitelweisen Perspektivwechsel im unvermeidlichen Showdown besonders rasant ausfallen. Das hatte ich erwartet. Das habe ich bekommen.
Einige innere Kämpfe rund um Jack, Tequila und Herb weisen streckenweise eine gewisse Tiefe auf, sodass Mitfühlfaktor aufgebaut wird. Ansonsten aber flach erzählt. Zugegeben, bei einigen Schilderungen rund um Harry, z. B. zum Thema Feminismus und neue wildgewordene Haustiere, habe ich mich tatsächlich amüsiert, auch wenn das zu meinem Unbehagen viel mit Lächerlichem, Klischees und Schadenfreude zu tun hatte. Gefühlt war zu Beginn der Reihe seitens Hauptfigur Jack mehr feinsinniger oder zynischer Humor dabei, was mehr Klasse hatte und mir damit besser gefallen hat.
Die ausführlich dargelegten Brutalitäten durch menschenlebenverachtende Psychopathen und was Schwerverletzte noch leisten, war mir - wie schon in Band 8 - zu viel.
Am Ende bleibt bei mir das Gefühl, kurzweilig unterhalten, aber nicht bereichert worden zu sein.
Auf der einen Seite lebt die Serie davon, dass einem die Figuren ans Herz wachsen und etwas bedeuten. Auf der anderen Seite fehlt mittlerweile Innovatives. Das Innenleben der Bösen und der Aufbau der Geschichte gestalten sich immer ähnlich. Alle vermeintlichen Wendungen und Überraschungen hatte ich lange vorausgesehen, weil sich das Strickmuster wiederholt.
In Summe habe ich die Lektüre nicht bereut, weil mich die vom Autor erdachte Entwicklung der Charaktere interessierte und auch immer so viel passiert, dass mir nie langweilig wurde. Dennoch werde ich die unzähligen noch zu erwartenden Fortsetzungen zugunsten anspruchsvollerer Romane links liegen lassen.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

Das KALA-Experiment

Karl Olsberg
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2018
ISBN 9783492312707
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Karl Olsberg hat eine interessante Geschichte erdacht. In Bezug auf Spannung und Gefühle hat sie mich leider über weite Strecken nicht erreichen können. Für einen Science-Thriller wissenschaftlich zu verschwommen.

Der Roman besteht aus 66 kurzen in der Vergangenheitsform geschriebenen Kapiteln, wobei die Erzählperspektive kapitelweise wechselt. Zu Beginn eines jeden Kapitels wird der Countdown zum Schlüsselereignis angezeigt.

Es treten einige Figuren nur einmal kurz auf, in diesen Kapiteln werden die Auswirkungen des rätselhaften Phänomens beleuchtet. Anfangs neugierig machend. Allerspätestens ab der Hälfte des Buches hatte ich die Zusammenhänge allerdings begriffen, sodass weitere solcher Sequenzen weder inhaltlich noch emotional einen nennenswerten Mehrwert bei mir erzielten. Vielmehr wurde das Tempo rausgenommen und die Spannungskurve abgeflacht.
Zwei dieser offenen Handlungsfäden, die mir zudem besonders gefallen haben, werden am Ende nochmal aufgegriffen, dafür Daumen hoch.

Wiederkehrend sind drei Figuren und deren unmittelbares Umfeld:
Nina Bornholm aus Deutschland, Anfang 30, ledig, Videobloggerin, die sich für investigativen Journalismus begeistert.
John Sparrow aus den USA (New Mexico), Ende 30, geschieden, als einschüchternder Söldner agierend, um die Betreuung seiner immunkranken Tochter zu finanzieren.
Victor Kessler aus den USA (New Mexico), in Glaubenskrise befindlicher Priester.

Objektiv betrachtet interessant skizzierte Charaktere. Und doch wollte es mir partout nicht gelingen, zu sympathisieren, mich hineinzuversetzen, vollends mitzufiebern. Vielleicht ging mir die Wandlung in der Persönlichkeit einfach zu schnell oder die Perspektivwechsel waren zu zahlreich.
Die Neugierde hat mich durch das ganze Buch getragen, sodass ich nie in Versuchung kam, abzubrechen.
Liebesgeschichten finde ich fast immer bereichernd, doch hier wirkt alles zu gewollt, die Nebenfigur inkonsequent und unglaubwürdig.
Stark sind einige philosophische und gefühlvolle Passagen, z. B. die Analogie zu einem Buch.

Positives Herausstellungsmerkmal: Olsberg setzt ein politisches Statement. Der Thriller ist in unserer Welt in ganz naher Zukunft verortet, und es werden mögliche Konsequenzen heutiger Entscheidungen verarbeitet, z. B. Zensur in sozialen Medien. Diese Ausblicke bringen Gesellschaftskritik zum Ausdruck und erzielen sowohl Denkanstöße als auch großen Unterhaltungswert.
Dass Karl Olsberg eine starke Abneigung gegen Trump und seine Politik hegt, ist unverkennbar, auch wenn der Name nie fällt. Beispiele: „Der US-Präsident twittert irgendeinen Unsinn, während der Rest der Welt sich fragt, wann es seinen Beratern endlich gelingen wird, ihm den Account zu sperren.“

Der Erkenntnisgewinn ist vorhanden, aber gering. In einigen Sätzen werden Belange der hohen Mathematik und Physik anschaulich umschrieben. Hier habe ich einige Sätze markiert, von denen ich hoffe, dass sie sich beim Nachschlagen im Gehirn verfestigen.
Als Laie empfand ich es als schwer einschätzbar, wie ernstzunehmend einige wissenschaftlich anmutende Erläuterungen sind. Die Trennlinie zwischen Realität, Fiktion und dem in naher Zukunft Möglichen ist unscharf. Ein Nachwort, in dem Olsberg z. B. auf seine Motivation zu diesem Thriller eingeht, hätte Aufklärungsarbeit leisten können.

Ein Thriller, der ein bisschen unterhält, ein bisschen bildet, ein bisschen zum Nachdenken anregt, aber für mich kein Highlight ist. Weil durch die eingängige und kurzweilige Schreibweise ein großer Adressatenkreis angesprochen wird, mit dem Potenzial, aufzurütteln, vergebe ich knappe vier Sterne. Dies war nach Mirror mein zweiter Olsberg-Roman und ich bin offen für weitere seiner Werke.

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Funkenflug

Izabelle Jardin
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 31.10.2017
ISBN 9781503946804
Genre: Historische Romane

Rezension:

Cover mit Titel (hübsch und auf vielfältige Weise passend gewählt), viele aussagekräftige positive Rezensionen und die Leseprobe haben mich auf den Geschmack gebracht.
Der Roman besteht aus zwei Geschichten um zwei verantwortungsbewusste Frauen:
Wir begleiten Faye im Jahr 2010/11, erfrischenderweise nicht das jungfräuliche dumme Supermodel (wie in so vielen Liebesromanen, die ich bewusst meide), sondern Mutter zweier Kinder, verwitwet, hart arbeitend als Schäferin und freie Journalistin für eine Provinzzeitung, die in Constantin ihr zweites Liebesglück gefunden hat und sich für ein gemeinsames selbstbestimmtes Leben stark macht.
Außerdem begleiten wir über die Dauer von zwei Jahrzehnten die junge Clara, adelig, zunächst fröhlich, unbedarft und naiv, Constantins Urgroßmutter, die im Jahr 1851 ihre Jugendliebe heiraten möchte.
In beiden Fällen treten Widerstände und Konflikte auf. Mehr möchte ich bewusst nicht verraten.
Was ich weitergeben möchte: Man lernt beide Frauen in ihrem Gefühls- und Stimmungskarussel kennen. Dabei bedient sich Izabelle Jardin manchmal bildmalerischer Sprache. Zitat: „Stumm und verzweifelt. Kalt und verwundet fühlte sich ihr Körper an. Verstört ihre Seele.“ Das habe ich als intensiv und ziemlich authentisch empfunden. Auch schmerzhaft, weil eben nicht Romantik, Tanzgesellschaften, etc. im Mittelpunkt stehen, sondern Tücken des Alltags und was diese aus einem Menschen machen. Mal traurig, mal hoffnungsfroh und aufbauend. Schnell habe ich für beide Sympathien entwickelt und die Entwicklungen mit Spannung verfolgt. Dabei wurde ich auch des Öfteren überrascht. Besonders in Faye konnte ich mich gut hineinversetzen, da heutzutage viele Frauen ihrer oder einer ähnlichen Lage ausgesetzt sind. Auflockernd und aufbauend wirken die intelligenten und schlagfertigen Töne, insbesondere von Faye.
Nebenfiguren, z. B. Beatrice, die eine politische Note einbringt, sich für die Interessen des arbeitenden Volkes und die Gleichberechtigung der Frau stark macht, sind auch einprägsam und interessant gestaltet.
Die zwei Geschichten sind stilistisch und inhaltlich gelungen miteinander verknüpft. Da es immer mal wieder Zeitsprünge gibt, gilt es allerdings, konzentriert zu lesen.
Indem Lebensart, Gepflogenheiten und Geschlechterrollen bei Adel und Landvolk im Deutschland und England des 19. Jahrhunderts wiedergegeben werden, kommt Atmosphäre auf und ein kleiner Lerneffekt entsteht.
Das Ende hallt nach. Die von mir vergebenen vier Sterne verstehen sich mit Tendenz zu fünf Sternen. Auch wenn’s nicht mein bevorzugtes Genre darstellt: Fayes Schicksal lässt Potenzial für eine Fortsetzung, die ich gern lesen würde. Der für Ende Oktober 2018 angekündigte Roman „Goldfields“ scheint die Geschichte einer tollen Nebenfigur aus „Funkenflug“ weiterzuerzählen. Da werde ich auf jeden Fall reinlesen.

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