Julia_Kathrin_Matoss Bibliothek

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10 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

ashford, hollywood, indien, liebe

Das Flüstern des Mondfalters

Lindsay Jayne Ashford , Peter Groth
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 01.05.2018
ISBN 9782919800193
Genre: Historische Romane

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3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

2227 Extinction: Phase 1

Thariot
E-Buch Text: 467 Seiten
Erschienen bei null, 13.03.2018
ISBN B07BGH4YYF
Genre: Sonstiges

Rezension:

Zunächst ist festzustellen, dass Thariot stilistisch seiner Linie treu bleibt. Dazu gehört z. B. dass man – nicht immer chronologisch - kapitelweise wechselnd in den Bewusstseinshorizont mehrerer Figuren schlüpft, deren Handlungsstränge sich sukzessive miteinander verknüpfen. Es kommt hierdurch zu ein paar Dopplungen, was aber durch diverse Wow-Effekte wettgemacht wird.
Während der Fokus auf Hauptfigur Scott liegt, gibt es daneben auch eine absolute Hassfigur, und weitere Innenansichten verleihen Tiefe, Intelligenz, Herzenswärme und Anstand, tragen damit zu Identifikationspotenzial, einer dramatischen Gefühlsachterbahn und Spekulationen bei.
Die Gedanken- und Sprachmuster, angefangen bei zynisch-flapsig über korrekt-moralisch, rational-gefühlskalt, KI-mäßig-hochgestochen bis hin zu idealistisch-menschlich, passen zum Lifestyle der jeweiligen Figur. Faszinierenderweise finden sich veränderte Weltanschauungen auch im Wortschatz wieder.
Es ist charmant, auf einige Zeitgenossen zu treffen, die schon aus der fünf Jahre später spielenden Solarian-Saga bekannt sind, die neue Leser aber nicht kennen müssen, um alles zu verstehen.
Cool: Ein Nachfahre einer Lieblingsfigur aus "EchtzeiT (Reihe in 3 Bänden)“ spielt eine nicht unwichtige Rolle. Tipp (Spoiler): Es ist die mit dem normierten Rundholzprodukt im Allerwertesten.

Ernst vermitteln schmerzlich realistische Darstellungen zur Entwicklung von Natur und Umwelt.
Unaufdringlich in die Story eingebettete Botschaften - auch im Titel - wirken durch den Gegenpart zu Scotts frecher Schnauze umso intensiver. Und neben kurzweiligen Gags hallen sie nach, wenn man sich darauf einlassen möchte. Politisches Statement in politisch inkorrektem Kontext. Gefällt mir.

Sprachgebrauch und Handlung machen dieses Buch für sensible Gemüter ungeeignet. Fans werden erfreut feststellen, dass alles dabei ist, was man sich von einem Thariot-Space-Sci-Fi-Spektakel erhofft: Spannung, Überraschungen, abenteuerliche Stunts, Nahkampf, Gemetzel im Weltraum, Sex, Crime, eine KI sowie taffe und nervtötende Frauen, derbe Wortspiele und Kommentierungen unter der Gürtellinie.
Wichtig: Ich hatte insgeheim die Sorge, Scott nicht wiederzuerkennen oder nach diesem Prequel nicht mehr so lieb haben zu können, wie ich es nach Solarian tat. An dieser Stelle Entwarnung. Thariot schafft es, Scott einerseits als skrupellosen und triebgesteuerten Ganoven darzustellen, andererseits bleibt er trotzdem „unser knuddeliger Sweety“. Erstaunlichen Spagat mit Bravour gemeistert.
Bei allem was man von Thariot so kennt, legt er hier noch eine ordentliche Schippe drauf. Noch nie etwas so Subversives gelesen! Jede Diktatur, die etwas auf sich hält, setzt doch dieses respektlose Sodom- und Gomorra-Machwerk auf die Schwarze Liste! Bravo, Thariot, alles richtig gemacht! Anstatt sich aussichtslos um eine Jugendfreigabe zu bemühen, gilt es Fakten zu schaffen durch die Filmindustrie, solange es noch geht.

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Die letzte Firewall

William Hertling , Mark Tell Weber
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 30.04.2018
ISBN 9783958353114
Genre: Science-Fiction

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cyberthriller, digitaler kasper hauser, globales hacking, hacker, 1001001: netzkind

1001001: Netzkind

Jens Eckhardt
E-Buch Text: 224 Seiten
Erschienen bei null, 10.06.2017
ISBN B072QTKRKT
Genre: Sonstiges

Rezension:

Jens Eckhardt hat in seinem Erstlingswerk aus einer abenteuerlichen Idee (Binärcode als Muttersprache) einen unterhaltsamen und brisanten Thriller gemacht.

Die gesamte Geschichte wird aus dem Bewusstseinshorizont von Ned erzählt. Beleuchtet werden fünf aufeinander folgende turbulente Tage in seinem Leben. Dabei steht jedes Kapitel für einen Tag. Das könnte leicht monoton werden, doch die chronologische Erzählweise wird aufgelockert, indem - deutlich erkennbar - Rückblenden in seine Kindheit stattfinden. Hierdurch gibt es mehrere Wow-Effekte. Zudem konnte Ned bei mir Sympathiepunkte sammeln, auch wenn er (unverschuldet) emotional rückständig ist. Leider hat’s nicht gereicht, um mitzufühlen und mitzubangen, Anteil am Schicksal einzelner Figuren zu nehmen.

Lob dafür, dass politische und sozioökonomische Konsequenzen beleuchtet werden, sogar mit besonderem Augenmerk auf Deutschland. Leider überwiegend nur als nüchterner Bericht, ein Nachteil der einseitigen Erzähltechnik. Vielleicht stellenweise zu naiv dargestellt für meinen Geschmack, möglicherweise auch dem Ausklammmern langweiliger Entscheidungsfindungsprozesse geschuldet, aber über weite Strecken doch so, dass mir der Gedanke kam, dass es tatsächlich so abläufen könnte.

Ich mag es, mich mit Fragen rund um Datensicherheit, die digitale Zukunft, deren Chancen und Risiken auseinanderzusetzen und im Storyverlauf zu analysieren und zu spekulieren. Insofern hat mich vorrangig das Interesse an Hintergründen, Rätselauflösungen und Auswirkungen auf die Weltbevölkerung animiert. Hier wurde ich nicht enttäuscht. Das Interesse hochzuhalten, gelingt dem Autor gut.
Bemerkenswert ist, dass IT-Instrumente und -Begrifflichkeiten, mit denen halbwegs technikaffine Leser etwas anfangen können, vorkommen, sodass es intellektuellen Anforderungen genügt und die Einordnung ins Genre Cyber-Thriller rechtfertigt, auch wenn Fantasie mit im Spiel ist und besonders komplizierte technische Hintergründe nicht ergründet werden.
Fiktion und mögliche Realität verschwimmen. Bei mir liegt keine technische Ausbildung vor, dennoch bin ich der Meinung, die wesentlichsten Abgrenzungen identifiziert zu haben. Eine Klarstellung zu realisiert/kurzfristig bzw. langfristig realistisch/fiktiv - vielleicht in einem Nachwort im Zuge der Fortsetzung - wäre super, denn ich lerne in diesem Metier sehr gern dazu.

Vom Ende fühlte und fühle ich mich ziemlich überfahren. Um Spoiler zu vermeiden, nur vage Hinweise: Erstens war mir nicht bewusst, dass es sich um einen unabgeschlossenen Band 1 mit Cliffhanger handelt. Hier die Bitte an den Autor, dies kenntlich zu machen. Zweitens überschlagen sich die Ereignisse derart, dass ich mich fragte, woher das jetzt aus heiterem Himmel kommt. Als eigentlich aufmerksame Leserin komme ich mir vorgeführt vor und es verbleibt ein negativer Eindruck, wenn ich im Vorfeld keine Anhaltspunkte ausmachen konnte, die mich auf diesen Showdown hätten vorbereiten können.
Meine drei Sterne sind mit Tendenz zu vier Sternen zu verstehen. Wahrscheinlich wird mich meine Neugierde zum Kauf von Band 2 veranlassen.

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210 Bibliotheken, 22 Leser, 0 Gruppen, 78 Rezensionen

vicious love, vicious, love, l.j. shen, hass

Vicious Love

L. J. Shen , Patricia Woitynek
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei LYX, 27.04.2018
ISBN 9783736306868
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Ich bin in meiner Meinung zwiegespalten.
Ich mag den LYX-Verlag, und von der Buchreihe hatte ich viel Gutes gehört. Der Klappentext passt gut zum Inhalt und weckte bei mir positive Assoziationen zum wunderbaren Film „Eiskalte Engel“.

Daumen hoch für den Erzählstil: Kapitelweise wechselnd begibt man sich in den Bewusstseinshorizont von Emilia und Vicious, 28 Jahre alt, deren Lebenswege sich in New York zum zweiten Mal kreuzen. Bereits im Alter von 18 Jahren hatten sie in Los Angeles über mehrere Monate interagiert, mit unerfreulichem Ausgang. In einigen an passender Stelle gesetzten und als Rückblenden gekennzeichneten Kapitel lernt man Wunden, Vorbehalte und Hoffnungen zu verstehen. Neugierig machend, ohne Verständnisschwierigkeiten flüssig lesbar. Keine doppelten Szenenwiedergaben, sodass es nicht langweilig wird. Lob dafür, dass sich die Kapitel je nach Perspektive im sprachlichen Ausdruck unterscheiden und zum jeweiligen Charakter passen.

Ich nehme an, dass die Autorin viel Inspiration aus den berühmten Werken „Ein ganzes halbes Jahr“ und „Shades of Grey“ gezogen hat. Nicht nur die Mainstream-Liebesroman-Motive „Bindungsunfähiger reicher sexy Mann und herzensgute mittellose hübsche Frau“ und „Boss und Angestellte“, sondern auch Verhaltensstörungen nach Misshandlung in der Kindheit, Tetraplegie, ausgefallener Kleidungsstil ...

„Egal, was Vicious für mich empfand, meine Gefühle für ihn kannte ich ganz genau. Und es war kein Hass. Bei Weitem nicht.“ Dieses Zitat aus dem Buch rund um die These, dass Liebe und Hass nahe beieinander liegen, zieht sich wie ein roter Faden durch den ganzen Roman.

Ein Highlight ist der neckische Schlagabtausch. Gut hat mir gefallen, dass bei der Tagesgestaltung und bei erotischen Vergnügungen (die im Übrigen nicht in allen Details wiedergegeben werden und auch nicht im Mittelpunkt stehen) nicht immer alles glatt lief und dass Gefühlsentwicklungen auch ein paar Wochen Zeit eingeräumt werden, was für eine höhere Identifikation sorgt.
Getrübt durch viele andere Eindrücke: Vic setzt seinen Reichtum und Einfluss gezielt als Lock- und Druckmittel ein. Sowohl er als auch seine Freunde und Geschäftspartner erachten Frauen als etwas beliebig Austauschbares, geben sich rücksichtslos und unsympathisch und sind gerade deshalb megaerfolgreich. Ohne Konsequenzen, ohne Reue, das lässt Moral vermissen. Dass ein im Fokus stehender Rechtsanwalt sich in öffentlichen Einrichtungen Joints dreht, geht zulasten des Realismusfaktors. Die charakterliche Entwicklung ist absehbar, und auch ansonsten ist der typische dramaturgische Aufbau erkennbar, sodass Wow-Effekte ausbleiben, Überraschungen nur im Kleinen auftreten. Über weite Strecken empfand ich die Gefühlslagen (von sehr düster bis naiv-lieb) sogar als gut umgesetzt, besonders bei intensiven Einblicken hinter die Fassade, wie in Kapitel 9. Dennoch schlichen sich unweigerlich aufgrund des aus meiner Sicht überzogenen Verhaltens solche Gedanken bei mir ein: Emilia hat einen besseren Mann verdient. Eine schlimme Kindheit schafft Verständnis, ist aber kein Freifahrtschein.

Der Roman ist eigenständig lesbar. In den anderen Romanen der Reihe verschiebt sich der Fokus auf diejenigen, die im Auftaktband nur Nebenfiguren waren. Ich freue mich über die gewonnenen Eindrücke. Da ich aber nicht vollends gepackt und berührt werden konnte, werde ich die Reihe nicht weiterverfolgen.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

forschung, scifi, spezialraumschiff, wissenschaft, zukunft

Ganymed erwacht

Joshua Tree
E-Buch Text: 308 Seiten
Erschienen bei null, 10.05.2018
ISBN B07CL9BLWM
Genre: Sonstiges

Rezension:

in Werk, das mich zwiespältig zurücklässt.
Objektiv betrachtet viele Stärken: gut durchdachter und zum Nachdenken anregender Weltenbau, temporeich, hoher Wert auf wissenschaftlicher und technischer Genauigkeit und Realismus.
Doch subjektiv hat bei Handlung und Figuren das gewisse Etwas gefehlt, um mich zu fesseln. Nicht so faszinierend originell, amüsant, wendungsreich oder zum Mitfühlen einladend wie z. B. bei Thariot und Edenhofer, die Beschreibungen nicht so lehrreich wie z. B. bei Morris.

In der Vergangenheits- und Er-/Sie-Form schlüpft man kapitelweise wechselnd in den Bewusstseinshorizont von Rachel, Astronautin, und von Theodore, Ex-Polizist, Veteran und Mitglied in einem Söldnerteam in Los Angeles zur Beschaffung zwielichtiger Gegenstände. Die eine Perspektive ist durch Technik und Astronautenumfeld geprägt, in der anderen herrscht viel Flucht und Kampf. Gereifte Persönlichkeiten, mit einer Vergangenheit, die es faszinierenderweise stückchenweise aufzudecken gilt, was Tiefe verleiht. Ich hätte mir eine noch intensivere Charakterzeichnung gewünscht. Über weite Strecken werden die actionreiche Handlung, das düstere und technisch geprägte Umfeld und die wörtliche Rede vergleichsweise nüchtern und ohne deutliche Alleinstellungsmerkmale im Sprach- und Gedankenmuster wiedergegeben. Man kann dies der Authentizität zuschreiben, denn Gefühlsausbrüche sind in der beruflichen Funktion der Hauptfiguren unangebracht. Dennoch bleibt für mich festzuhalten: Sätze, die - teils in der Nachbetrachtung - den emotionalen Ausnahmezustand zu Tage fördern und herzerwärmend wirken, habe ich begierig aufgesogen. Hierbei haben sie Sympathiepunkte gesammelt. Gern hätte ich noch mehr solche Betrachtungen innerhalb der eigentlichen Szenen wahrgenommen, um - insbesondere in Momenten der Lebensgefahr und des inneren Konflikts - intensiv mitzufühlen oder über trockenen Humor zu schmunzeln, anstatt den Verlauf und das Schicksal der Figuren einfach interessiert zu beobachten. Das ist zweifellos Geschmackssache.
Von den Nebenfiguren habe ich mir noch kein genaueres Bild machen können.
Das Buch ist nicht besonders lang, und die Charaktere bergen durchaus Potenzial.

Es gibt 21 Kapitel mit jeweils etwa 15 Minuten Länge, ein angenehmer Turnus. Man kann sich hineindenken und es geht in jedem Kapitel mit spannenden Weiterentwicklungen temporeich zu.
Mir gefällt, dass die Handlung einige Rätsel aufwirft, denn ich mag es, zu spekulieren, z. B. über die Ursachen von Veränderungen, Täter-Identitäten und Beweggründe mysteriöser Figuren.
Atmosphäre wird durch verständliche Beschreibungen von Technischem und dem düsteren Umfeld erzeugt.
Es ist aufmerksames Lesen gefragt, um die Fokussierung (Missionsziele usw.) aufrechtzuerhalten.

Besonderes Lob verdient die Zeitlinie am Ende des Buches. Hier ist kurz, eindrucksvoll und schmerzlicherweise auch realistisch wiedergegeben, welche wesentlichen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen sich laut Weltenbau des Autors Joshua Tree zwischen 2018 und 2058 ergeben. Ich habe es gern gleich zu Beginn des Buches gelesen und so ein gutes Grundverständnis zur bedrohlichen Atmosphäre und dem Machtgefüge rund um vier Großkonzerne erlangt.
Das spoilerfreie Personenregister und ein Glossar sind nützliche Nachschlagewerke.

„Ganymed erwacht“ endet unabgeschlossen. Band 2 der Trilogie erscheint am 1. Juni 2018. Ob meine Neugierde zum Weiterlesen ausreicht, weiß ich noch nicht. Den Autor werde ich weiterverfolgen. Meine drei Sterne sind mit Tendenz zu vier Sternen und in dem Kontext zu verstehen, dass ich sehr viele verschiedene Genres lese.

Als Noch-Sci-Fi-Neuling würde ich für Genre-Einsteiger sowie Leser, die hohen Wert auf Gefühlsschilderungen oder Humor legen, keine Leseempfehlung aussprechen.
Wer eine hohe Affinität zu dystopischer, realitätsnaher und temporeicher Science Fiction mit futuristischer Technik, Kampf- und Astronautenszenen hat, ist hier gut bedient.

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24 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

kalifornien, ki, macht, paralelluniversen, biowaffen

Die Tyrannei des Schmetterlings: Roman

Frank Schätzing
E-Buch Text: 736 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch eBook, 24.04.2018
ISBN 9783462318333
Genre: Sonstiges

Rezension:

Meine Motivation:
Mein erster Roman von Frank Schätzing. Technikaffin, aber ohne technische Ausbildung, habe ich in den letzten Monaten viele Science-Fiction-, Nahe-Zukunft-, Zeitreise- und Cyber-Thriller gelesen, in denen auch Ideen zu Künstlichen Intelligenzen umgesetzt wurden. Obendrein werden solche Romane oft an denen von Schätzing gemessen. Da war es naheliegend, mir mit diesem neuen Werk eigene Eindrücke zu verschaffen.

Wirkung der Erzählweise:
Das Umfeld wird intensiv beschrieben. Der dramatische Präsenz findet hier seine Legitimation, macht die Atmosphäre greifbar. Eine von Natur geprägte Szenerie prallt auf futuristische Elemente. Auch Handlungen, Mimik und Gestik werden mit Gleichnissen unterstrichen. Sprachlich ansprechend, eingängig, das Kopfkino anfachend, aber im Detailreichtum (Verwitterungsgrad von Fassaden, Astform der Bäume, etc.) überzogen. Hätte man diesen textlichen Raum anders genutzt, hätten Figuren tiefgründiger und die Handlung komplexer und wendungsreicher sein können.
Ein interessantes Stilelement: Schlüsselszenen, die nicht in der dritten Person wiedergegeben sind.

Wirkung der Figuren:
Bevor man auf die Idee kommt, Klischees vorzuwerfen und z. B. als rückständige Dorftrottel abzustempeln, werden Innenansichten eingestreut, die ich als authentisch und tiefsinnig empfinde. Überwiegend liebenswürdig. Die Figuren sind Produkte ihrer Umwelt, mit Vergangenheit, Motivationen, beruflichen wie privaten Problemen. Die Dialoge dienen nicht nur der Informationsweitergabe, gehen auf die Beziehungsebene ein, sind unterhaltsam, versprühen typisch amerikanische Coolness oder bissigen Humor. Ich konnte mir die Figuren, prägende Merkmale und Beziehungen gut merken und auftretende Divergenzen wahrnehmen. Schade, dass die Biografie, wenn es turbulenter wird, keine große Bedeutung mehr zu haben scheint. Für Gefühlslagen ist wenig Platz. Ein intelligenteres, durchdachtes Vorgehen hätte in einigen Fällen der jeweiligen Persönlichkeit und Weltanschauung besser Rechnung getragen. So richtig um das Schicksal jeder einzelnen Figur bangen konnte ich nicht, habe aber den Verlauf immerhin mit großem Interesse verfolgt. Die naive, herzensgute Kimmy brachte mich viel zum Lachen.

Wirkung der Handlung:
Die erste Hälfte widmet sich viel Figuren und Umfeld. Es dauert, bis es spannend wird und Elemente, die in Hightech- und Biotechnologie-Thrillern eine Rolle spielen, so richtig zum Tragen kommen. Interessante Ideen, gut recherchiert und davon gleich mehrere in eine Geschichte eingebaut. Ich habe zusätzliche Denkanstöße mitgenommen, ohne dass ein monumentaler Wow-Effekt dabei gewesen wäre. Aber erschreckend war es doch. Wie viel Realismus dahintersteckt, was von diesen Sci-Fi-Elementen in den nächsten 30 bis 40 Jahren umsetzbar ist, mögen andere beurteilen.
Hauptfigur Luther mimt gnädigerweise den Deppen und lässt sich Erklärungen zu Raum, Zeit und allerlei Technischem geben, man muss als Leser also kein Profi sein, um mitzukommen.
Schätzing geht in den philosophischen Diskurs. Im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz lässt er z. B. diskutieren „Wie sollen sie ein intelligentes System kontrollieren, von dem sie sich nichts weniger als eine Revolution erhoffen?“ Gefallen haben mir erstaunliche Einblicke in eine mögliche Zukunft, inklusive Nachrichtenfetzen mit Bezügen zur tagesaktuellen Politik und Wirtschaft und realen Persönlichkeiten.
Die Aufarbeitung spektakulärer Erkenntnisse und Konfliktlösung gerät im negativen Sinne typisch amerikanisch. Moral und Cleverness bleiben leider auf der Strecke.
Manchmal wurde ich überrascht, manchmal haben sich Vorahnungen bestätigt.
Das Ende gerät sehr knapp und lässt Raum für die eigene Vorstellungskraft.

Adressatenkreis: Da ich Bildgewalt mag, gern verschiedene Schreibstile ausprobiere und mit „Was wäre, wenn ...“-Szenarien meinen Horizont erweitere und anscheinend den passenden Intellekt habe (mit geringen Vorerfahrungen im Genre, noch zu beeindrucken), war es unterhaltsam und interessant, reicht für 4 Sterne. Eine pauschale Empfehlung würde ich aber nicht aussprechen. Profis vermissen möglicherweise Aha-Effekte und wissenschaftliche Substanz. Wer es temporeich mag oder tiefgründige Charaktere zum Mitfiebern braucht, wird von ausschweifenden Beschreibungen genervt sein.

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275 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 22 Rezensionen

science fiction, thriller, internet, cyberthriller, computer

DAEMON

Daniel Suarez , Cornelia Holfelder-von der Tann , Hauptmann & Kompanie, Werbeagentur
Flexibler Einband: 640 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.05.2011
ISBN 9783499256431
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eindrücke in Kürze: Komplexes, schwer durchschaubares Katz- und Maus-Spiel: Verstorbenes Technik-Genie mit seinen Schergen gegen hochrangigste Sicherheitsbehörden und Wirtschaftsmagnaten. Viele Mysterien und Wendungen. Viel IT-Fachjargon, selbst für einen Cyber-Thriller. Action durch abenteuerliche Gemetzel mit kreativen Waffen. Sympathieträger sucht man vergeblich. Bedrohliche Atmosphäre. Gesellschaftskritisch. Unterhaltsam und nachdenklich machend, man sollte aber nicht zartbesaitet sein.

Ausführliche Einschätzungen (ohne schlimme Spoiler):

Meine Motivation:
Ich habe Nahe-Zukunft- und Cyber-Thriller für mich entdeckt, und dieses gilt als das Werk, an dem sich in diesem Genre alle anderen messen lassen müssen. Dass mir mein erster Suarez-Roman Bios gut gefiel, war ein weiteres Argument, mich hieran zu versuchen.

Wirkung der Figuren:
Es werden hintereinander sehr viele Figuren vorgestellt, die sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln und deren Handlungsstränge sich erst später verknüpfen. Ortswechsel und zeitliche Lücken von mehreren Monaten in der Handlung machen’s nicht einfacher, es ist also konzentriertes Lesen angesagt. Ich habe die X-Ray-Funktion als Erinnerungsstütze verwendet.
Man sollte als Leser nicht depressiv oder zarbesaitet sein, denn es sind fast ausschließlich Antagonisten unterwegs. Sie sind lethargisch oder anderweitig psychisch am Ende (mitleiderregend) oder skrupellos (abgründige Innenansichten) oder je nach Entwicklung auch beides. Produkte ihrer Umwelt, am Rande der Gesellschaft existierend, die es offensichtlich gibt, sodass man den Charakterzeichnungen Realismus zusprechen muss, auch wenn’s schmerzt.
Es ist schwierig, aufheiternde oder herzerwärmende Momente zu finden. Das bisschen Humor ist extrem zynisch, und wenn sich z. B. eine Figur eine bessere Zukunft für ihr Kind wünscht, hat das in sich schon wieder etwas Tragisches. Es waren also Emotionen bei mir im Spiel, die spüren lassen, dass hier eine düstere Weltanschauung propagiert wird. Ein echter Protagonist, um deren Zukunft ich hätte bangen können, hätte die Geschichte für mich persönlich aufgewertet.
Ich empfand die Perspektive von Gragg als besonders bildhaft, verstörend und faszinierend.

Wirkung der Handlung:
Actionlastig. Absolut Popcorn-Kino-tauglich, allerdings zum Ende hin so überdimensioniert, dass es nicht mehr realistisch wirkt, was das intelligent erdachte Konstrukt ein bisschen stört. Bildhaft beschrieben, sodass es gut vorstellbar ist. Die Kampfhandlungen mögen innovativ und kreativ erdacht sein (wohlgemerkt 2006 geschrieben), aber ich persönlich brauche Darstellungen von Körpern, die zermetzelt werden, nicht in allen grausigen Details. Wenn ich keine emotionale Bindung zu den involvierten Figuren habe, ist der Verlauf zwar interessant, aber ich kann nicht so richtig mitfiebern und die Todesfälle vermögen nicht zu berühren.
Mir persönlich haben die leisen Töne, in denen eine einzelne Figur kritisch sich selbst und ihre Umwelt reflektiert, viel besser gefallen. Begierig aufgesogen habe ich nebenbei angeführte soziologische und ökonomische Folgen. Faszinierend die Nachrichten des Urhebers Sobol, die Rätsel über seine weiteren Vorkehrungen und vor allem seine Motivation aufwerfen. Ein weiteres Highlight ist für mich die Gesellschaftskritik, sei es durch krasse Gleichnisse wie im besonders eindrucksvollen Kapitel 31, sei es ganz plakativ, z. B. beim Outsourcing sicherheitsrelevanter Aufgaben, oder sei es die subtile Betrachtung der gesamten Szenerie und der sie prägenden Akteure.

Meine Gesamteinschätzung:
Ich schätze mich als technikaffin ein, habe aber weder eine technische Ausbildung noch zocke ich Onlinegames. Insofern habe ich technisch nicht alles durchdrungen und eventuell auch so manche Anspielung schichtweg nicht wahrgenommen.
Ich empfinde es als gerechtfertigt, dass DAEMON als Mutter der Cyber-Thriller gilt. Die gefühlte Schwerpunktsetzung auf Technik, brutaler Action und Weltuntergangsstimmung ohne wirkliche Lichtblicke entspricht nicht ganz meinem Geschmack, aber in Summe ist es allein schon aufgrund der Neugierde auf die Rätselauflösungen megaspannend und ich habe das Werk nur ungern weggelegt. Meine 4 Sterne sind mit Tendenz zu 5 Sternen zu verstehen.
Band 1 ist unabgeschlossen, es muss also DARKNET, Band 2 der Dilogie, her. Ich erwarte gespannt die Auflösung des großen „Warum“ und würde mich freuen, diesmal tiefere Einblicke in sozioökonomische Konsequenzen und Gefühlslagen zu bekommen.
Mein Lieblings-Nahe-Zukunft-Technik-Thriller (mit fiktiven Elementen) ist übrigens Ich.Lebe..

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5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

harnisch, historische familiensaga

Die Zeit der Winzerin

Kristen Harnisch , Marion Plath
Flexibler Einband: 444 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 17.04.2018
ISBN 9782919800339
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich habe Band 1 nicht gelesen, konnte mir aber die Verwandtschaftsverhältnisse und die Vorgeschichte zu den Familien und ihren Weingütern durch aufmerksames Lesen aneignen. Spätestens ab der Hälfte habe ich keine Informationsdefizite mehr gespürt.

In der Handlung werden Schicksalsschläge und Missstände aufgegriffen, die heute noch in dieser oder ähnlicher Form auftreten können. Als Leser teilt man Momente der Verletzlichkeit und des Zweifels, welche alle vier Figuren, in deren Perspektive man schlüpft, nahbar und sympathisch machen.
In Bezug auf Spannung und Emotionen hat mich Linnette am meisten erreicht.

Stilistisch ist gut erkennbar, wo ein Perspektivwechsel stattfindet. Kapitelüberschriften mit Monats- und Jahresangabe und teilweise Ortsangabe unterstützen dabei, den Überblick zu behalten.

Die Begleitung von Sara und Philippe macht erwartungsgemäß den Mammutanteil aus. Die Liebesbeziehung wird nach meiner Einschätzung realistisch geschildert: Das sexuelle Knistern wird deutlich, ohne explizit zu werden, es gibt ein kleines bisschen Romantik, wird dabei nie kitschig. Ansonsten ist folgendes Zitat Programm: „Ich bin in erster Linie eine Winzerin – Ehefrau und Mutter an zweiter Stelle.“ Der neun Jahre ältere Philippe muss seinen Mann stehen und hat es insbesondere für die damalige Zeit mit einer sehr resoluten Frau zu tun. Dementsprechend nehmen unterschiedliche Meinungen und Wertvorstellungen und daraus resultierende Reibungspunkte in der Interaktion viel Raum ein. Einerseits habe ich die Dramatik, den „Pfeffer“ gemocht, umso mehr weil sich Hintergründe veränderten. Andererseits zeigt sich Sara so stur, dass ich mich mit ihr einfach nicht identifizieren konnte.
*Spoiler-Anfang* Ich habe es den Hauptfiguren z. B. übel genommen, dass die Operation des Kindes auf ihrer Prioritätenliste so weit unten fungierte. Immerhin ist es nicht nur ein optischer Makel, der zu Ausgrenzung durch intolerante Menschen führt, sondern macht obendrein krankheitsanfällig und ist ein Hemmnis beim Essen und bei der Sprachentwicklung. Liebe und Sorge werden benannt, eine ärztliche Untersuchung oder das Sparen für eine Operation erhalten aber jahrelang keine Erwähnung. *Spoiler-Ende*

Die zigfachen familiären Verstrickungen und zufälligen Begegnungen könnten Kritiker als konstruiert bezeichnen, während Fans von Schicksalhaftigkeit sprechen. Mich hat‘s jedenfalls nicht gestört.
Die Nebenfiguren sind interessant. Das Schwarz-Weiß-Schema wird nicht überstrapaziert, denn einige konnten mich in ihrer Entwicklung überraschen.

Die Beschreibungen versprühen Atmosphäre. Ich konnte mir die Landschaften gut vorstellen und habe auch Saras Passion zu ihren Weinreben, Weinanbau, -produktion und -verkauf als authentisch wahrgenommen. Es wird deutlich, dass die Autorin Expertenrat hinzugezogen hat und mit Leidenschaft schreibt.
Wer sich für Wein überhaupt nicht interessiert, könnte von solchen Passagen genervt sein, zu dieser Gruppe zähle ich aber nicht. Die Sorge um Ertrag und Absatzmarkt war auch sehr interessant und es finden sich stets Parallelen zur heutigen Zeit.

Erfreulicherweise habe ich viel zur Lebenswirklichkeit und dominierenden gesellschaftlichen Strömungen (z. B. Frauenbewegung, Prohibitionsbewegung) um 1900 wahrgenommen und im Gedächtnis abgespeichert. Toll auch, ein paar Einblicke in den damaligen Stand der Chirurgie zu bekommen. Der Erkenntnisgewinn gestaltet sich nicht so tiefgreifend wie z. B. in „Sturz der Titanen (Jahrhundert-Trilogie, Band 1)“, aber diesen Anspruch hatte ich auch nicht.

Das Ende ist nochmal dramatisch, schlägt einen schönen Bogen zu den Anfängen und schließt die Dilogie würdig ab.
Lob und Dank dafür, dass im Anhang auf im Roman vorkommende historische Persönlichkeiten und geschichtliche Ereignisse eingegangen wird und weiterführende Fachliteratur angeführt wird.

Die Übersetzung hat mir sprachlich gefallen und weist nur ganz wenige Fehler auf.

Das Werk wirkt realistisch, hat mich gut unterhalten und obendrein einen kleinen Lerneffekt erzielt. 4 von 5 Sternen, weil mich ganz persönlich andere Bücher mit Innovativem noch mehr fasziniert, mit ihren Figuren noch mehr berührt, mit Wendungen noch mehr überrascht, belustigt oder in Spannung versetzt haben.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

action, künstliche intelligenz, luzifer verlag, sci-fi, spannung

A.I. Apocalypse

William Hertling , Mark Tell Weber
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 30.08.2017
ISBN 9783958352506
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Band 2 spielt 10 Jahre nach Band 1, demnach in der Vorstellung des US-Autors William Hertling zum Jahr 2025. Lesbar als in sich geschlossene Geschichte, denn auch ohne Vorkenntnisse zu Band 1 gut verständlich und ohne Cliffhanger.

Zum Inhalt: Die erwachsen gewordene und nunmehr sprechende Künstliche Intelligenz ELOPe aus Band 1 und „Papa“ Mike treffen auf einen neuen Handlungsstrang rund um Highschool-Schüler Leon. Dieser entwickelt und entfesselt ohne schlechte Absicht innerhalb weniger Stunden eine ganze Armada Künstlicher Intelligenzen, die die Lebensgrundlagen der Menschheit zerstören. Es gilt, miteinander zu kommunizieren ...

Gegenüber dem Auftaktband trifft man hier auf anspruchsvollere IT mit mehr Sci-Fi-Elementen, weiterhin eingängig dargestellt. Es ist von Vorteil, aber für‘s Lesevergnügen nicht unbedingt erforderlich, technisches Verständnis mitzubringen. Insgesamt flüssig lesbar, zumal die Anzahl handelnder Akteure überschaubar ist.
Menschliche Beziehungen und packende Innenansichten stehen nicht im Fokus, die Charakterisierungen sind kein Highlight, aber gelungener als in Band 1. Für meinen Geschmack könnte es etwas dystopischer zugehen, aber immerhin gibt es ernste und düstere Momente (z. B. Schuldgefühle) an den richtigen Stellen. Auch für Mike habe ich - anders als bei Band 1 - Sympathie aufbauen können. Stellenweise habe ich mich an mangelnder Cleverness der angeblichen Intelligenzbestien gestört (z. B. Proviant).
Sehr lustig, z. B. die Seitenhiebe auf veraltete Windows-Technik und die charmante Anspielung auf Star Trek. Meine Highlights sind die Inneneinblicke in die KIs, insbesondere in der Lernphase, und deren trockener Humor (z. B. Freude über Spam-Nachricht).
Futuristisches ist in das Zukunftsszenario integriert, z. B. dass Elektroautos das Straßenbild prägen, autonome Transportdrohnen in der Stadt umherfliegen und Militäroperationen von ferngesteuerten Kampfrobotern durchgeführt werden. Noch mehr den Alltag Prägendes wäre reizvoll gewesen (Positivbeispiel: Bios), was aber Geschmackssache und Jammern auf hohem Niveau ist. Auch Entscheidungsfindungsprozesse, die Tempo rausnehmen könnten, werden vereinfacht wiedergegeben. Der Autor schreibt eben sehr fokussiert, da haben Beschreibungen, die der Atmosphäre dienen und die Handlung nicht unmittelbar vorantreiben, keinen Platz.
Wer Band 1 kennt, wird es mögen, Einblicke in den weiteren Lebensweg bekannter Figuren zu nehmen.
Die Handlung bietet innovative Ideen in verständlicher Sprache, Überraschungen und ist actionreich. Die Auflösung gerät vergleichsweise einfach, Konsequenzen hätten für meinen Geschmack noch mehr beleuchtet werden können. Aber die Hauptsache: Es wurde mir nie langweilig.
Gleichzeitig wurde ich zum Nachdenken angeregt. Bei dem Zitat „Er erkannte benommen, dass die Evolution ihn für die Geschwindigkeit von Gefechten unter KIs nur unzureichend ausgestattet hatte.“ musste ich schlucken, denn das Szenario ist erschreckend realistisch.
Wer sich für Künstliche Intelligenz interessiert, es dabei kurz und knackig mag, ohne blumige Beschreibungen und Nebenschauplätze, stattdessen eine temporeiche Story mit Humor, ist hier genau richtig.
Ich freue mich auf Band 3 der 4-teiligen Reihe.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Avogadro Corp.: Roman (Singularity 1)

William Hertling
E-Buch Text: 264 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 03.10.2016
ISBN 9783958351615
Genre: Sonstiges

Rezension:

US-Autor Hertling beschreibt erschreckend realistisch auch für IT-Laien verständlich die versehentliche Erschaffung einer Künstlichen Intelligenz, deren positive und negative Folgen und die geheim zu haltende menschliche Intervention zur Bekämpfung der Bedrohung.

2011 geschrieben, ist das Szenario im Jahr 2015 in Portland verortet. Gefallen haben mir Anspielungen zu Innovationen und real existierenden Firmen, z. B. Netflix. Es wird deutlich, dass tagtäglich ein solches Szenario auftreten könnte.
Die Intention für die Programmierung verheißt viele Vorteile und ist absolut nachvollziehbar. Die im Mittelpunkt stehende Firma erinnert an Google. Geschäftspraktiken, z. B. Projektabläufe und -hierarchien, Sachmittel- und Budgetvorgaben und die Anforderung, für die Geschäftsführung alles ansehnlich in PowerPoint-Präsentationen zu verpacken, dürften annähernd allen Mitarbeitern mit Büroarbeitsplatz bekannt vorkommen. Solche Seitenhiebe heitern mich regelmäßig auf.

Den Handlungsverlauf empfand ich als interessant und unterhaltsam. Es war aber weder außergewöhnlich spannend noch überraschend, dystopisch oder emotional.
Auch wenn ich es grundsätzlich mag, aufgelockert zu werden, empfand ich es an vielen Stellen als deplatziert und für das Spannungsmoment und die bedrohliche Atmosphäre als kontraproduktiv, wenn die Hauptverursacher der Katastrophe einen einfachen Humor an den Tag legten und (möglicherweise der Übersetzung geschuldet) ständig kicherten. Da hätten trockener schwarzer Humor und ein gelegentliches Grinsen dem Ernst der Lage besser Rechnung getragen.
Es wird chronologisch erzählt und man begleitet sämtliche relevante Entwicklungen von Beginn an. Dabei ist früh absehbar, welche Figur welche Rolle zu spielen hat und wie diese agieren wird. Hätte man so manches Ergebnis vorweggenommen und in einer Rückblende erzählt, wie es dazu kam, wäre das Buch etwas komplizierter zu lesen (weniger Mainstream-tauglich), die Dramatik aufgrund der geringeren Vorhersehbarkeit aber viel höher. Auf der anderen Seite vorteilhaft, dass hier ein hochinteressantes Thema einer großen Zielgruppe vermittelt wird und sich dieser Cyber-Krimi auch nach einem besonders harten Arbeitstag flüssig und mühelos lesen lässt.

Bei den Figuren habe ich Persönlichkeit vermisst. Überwiegend werden Handlungen und Gespräche beschrieben. Den Interaktionen fehlte es manchmal an Reibungspunkten und Gefühlslagen wirkten auf mich manchmal nicht authentisch. Alleinstellungsmerkmale kommen zu kurz, bis kurz vor Ende hätte ich Mike und David kaum auseinanderhalten können.

Die Schilderungen zur Künstlichen Intelligenz sind sehr eingängig, bleiben in Erinnerung und können den geneigten Leser - hierzu zähle ich mich - zum Nachdenken anregen, sodass man mit offeneren Augen durch die Welt geht.

Die letzten paar Seiten fördern dann doch noch einen lang ersehnten Wow-Effekt zu Tage. Und ich bin neugierig geworden, wie die Geschichte fortgesetzt wird. Knappe 4 Sterne von mir.

Anekdote: Glaubt man dem Autor, gibt es nur ein wirksames Mittel zur Bekämpfung des Bösen: „Kaffee“ taucht laut Kindle-Wort-Suche in diesem kurzen Buch 53 x und in 14 von 16 Kapiteln auf.

Adressatenkreis: Besonders geeignet für Genre-Einsteiger und Fans von leicht zu lesenden und realistischen Cyber-Krimis, in denen humoristische Elemente die dystopischen überwiegen. Wichtig: Singularity 1 lässt sich auch ohne Weiteres als abgeschlossene Geschichte lesen. Das finde ich sehr fair.
Interessierte könnten nach meiner Einschätzung aber auch direkt mit dem für meinen Geschmack noch viel besseren Band 2 starten.

Ausblick: Band 2 spielt 10 Jahre nach Band 1. Anspruchsvollere Technik mit mehr Sci-Fi-Elementen, alte Bekannte treffen auf einen neuen Handlungsstrang mit neuen Figuren. Bessere Charakterisierungen und innovativere und wendungsreichere Story. Und man erhält – anders als bei Band 1 – auch faszinierende Inneneinblicke in Künstliche Intelligenzen. Und vor allem: Anspruchsvollere Komik, die mein Humorzentrum diesmal fantastisch trifft.

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in abyssum

Ralph Edenhofer
Flexibler Einband: 412 Seiten
Erschienen bei Belle Epoque Verlag, 27.04.2018
ISBN 9783963570124
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Auch Band 3 hat mich begeistert. Ralph Edenhofer geht mit seinen Figuren nicht zimperlich um. Dass dies Schmerz und Bedauern auslöst, zeigt eindrucksvoll, dass er es geschafft hat, eine emotionale Bindung entstehen zu lassen. Nicht nur Materialschlacht, sondern Charaktere, denen man Intelligenz und Gefühlslagen abnimmt, was mitfiebern lässt. Das temporeiche Szenario gestaltet sich erneut sehr spannend, weckte bei mir positive Assoziationen zu Matrix und Independence Day, gleichzeitig macht das Gesamtgebilde nachdenklich und bleibt realistisch.
Hervorheben möchte ich nochmal, dass ich - technikaffin, aber ohne technische Ausbildung - das Beschriebene gut verstanden habe und es mir auch bildhaft vorstellen konnte.
Zudem schön, dass - ohne deplatziert zu wirken oder unnötig aufzublähen - ein Bogen zurück zu den Anfängen geschlagen wird und dass dabei auch Nebenfiguren nicht vergessen werden.
Man könnte mit Band 3 abschließen. Doch dieses Universum bietet noch so viel Potenzial, dass ich mich sehr auf die Kurzgeschichten sowie Band 4 freue.

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389 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 116 Rezensionen

mafia, palermo, cold princess, liebe, vanessa sangue

Cold Princess

Vanessa Sangue
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei LYX, 29.03.2018
ISBN 9783736304369
Genre: Liebesromane

Rezension:

Saphira, mit 26 Jahren das Oberhaupt einer einflussreichen italienischen Mafiagemeinschaft, gibt sich betont beherrscht und gefühlskalt, gibt in ihren Innenansichten aber einen großen emotionalen Fundus preis. Insbesondere wenn sie sich an ihre von Liebe geprägte mütterliche Zuwendung und den gewaltsamen Tod von Eltern und Bruder erinnert – Sequenzen, die ich berührend fand, die aber selten sind. Und in der Interaktion mit ihrem verschlagenen, düsteren, mörderischen und mörderisch gut aussehenden Leibwächter Madox, der ihr neuartige Gefühlswelten offenbart. Dieser verkörpert die Art Mann, vor der jedes vernunftbegabte Elternteil warnt. Mir hat gut gefallen, dass beide Perspektiven einem eigensinnigen und stimmigen Sprachmuster folgen.
Oft mag ich es gern, wenn zum Bewusstseinshorizont der zwei Hauptfiguren punktuell weitere hinzukommen. Hier empfand ich das als kontraproduktiv, weil hiermit früh Rätselauflösungen einhergehen. Das schmälert die Spannung ganz erheblich. Ich favorisiere es, zu ahnen und zu spekulieren.

Erotik wird detailliert geschildert, ist dabei schmutzig und verrucht, aber nicht verroht. Es gibt auch einfühlsame Töne, sodass die Grenzen des guten Geschmacks nicht überschritten werden. Das war nicht in Gänze meins, nicht so richtig prickelnd, aber doch in Teilen anregend, mal was anderes. Die hierum drehenden Gedanken und die eigentlichen erotischen Aktionen nehmen einen großen Teil des Buches ein, ohne die Rahmenhandlung zur bloßen Staffage zu degradieren.

Ich hatte große Lust, mich auf die Handlung einzulassen. Der Klappentext nimmt hiervon viel vorweg.
Die Geschichte als einfach und vorhersehbar gestrickt zu bezeichnen, wäre übertrieben. Richtig ist aber, dass sich nach meinem subjektiven Eindruck keine nennenswerten Wow-Effekte einstellen bzw. für den Folgeband zu erwarten sind, teils auch dadurch bedingt, dass man im Wissensstand allen Figuren voraus ist. Gestört habe ich mich obendrein an Logiklöchern und Unstimmigkeiten, auch bei Schlüsselszenen.
Dass italienische Begrifflichkeiten fallen, vergegenwärtigt den Schauplatz, die Vokabeln sind dem Englischen ähnlich oder lassen sich aus dem Zusammenhang herleiten. Ansonsten wird das Mafiamilieu nebenbei und klischeebehaftet dargestellt. Hier wäre in Bezug auf Strategien, Ränkespiele und Intrigen mehr möglich gewesen. Leider wirkt keine Figur (auch nicht der Haupt-Antagonist) intelligent oder kombinatorisch begabt. Rekrutiert wird, wer brutal und skrupellos ist, mit Waffen rumfuchteln kann und sich bereitwillig für sein ganzes Leben unterwirft. Zudem schade, dass sich die Story fast ausschließlich auf dem eigenen Anwesen abspielt, ich hätte gern etwas vom Flair der Stadt Palermo wahrgenommen.
Ich mochte Madox‘ Freund Damiano und dessen Frau Carla, mit allen anderen (inklusive Hauptfiguren) konnte ich nicht sympathisieren, sodass ich mich nicht hineinfühlen und mitfiebern konnte und auch nicht wirklich Anteil an ihrem Schicksal nehme.

Ich fühlte mich durchaus unterhalten. Gefühle wurden bei mir ausgelöst, insbesondere wenn der verletzliche Teil der Protagonisten zum Ausdruck kam, aber insgesamt nicht in dem Maße, dass ich noch Abschlussband 2 lesen müsste, zumal man sich die weitere Entwicklung mit etwas Fantasie selbst ausmalen kann.
Trotz all der Kritikpunkte eine lohnenswerte neuartige Leseerfahrung. Wenn jemand Lesetipps im Genre Dark Romance hat, würde ich mich über einen Kommentar freuen.

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271 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 52 Rezensionen

schweden, liebe, after work, chef, adam

After Work

Simona Ahrnstedt , Antje Rieck-Blankenburg
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei LYX, 29.03.2018
ISBN 9783736305595
Genre: Liebesromane

Rezension:

Mein erstes Buch der Autorin. Ich mag den Bastei-Lübbe- bzw. den LYX-Verlag, und Titel, Cover und Klappentext wirkten interessant und weckten bei mir positive Assoziationen zum Auftakt der Liebesgeschichte in Grey’s Anatomy.
Chronologisch und kapitelweise wechselnd, ohne doppelte Szenenwiedergaben, wird die Geschichte über mehrere Monate aus Sicht der Protagonisten Lexia (28) und Adam (36) erzählt (Sie/Er in der Vergangenheitsform).
Erstaunt hat mich, dass das Thema Gewicht und hierauf aufbauend ein geringes Selbstwertgefühl die Handlung dominiert. Lexia ist übergewichtig und Adam hat ein hierzu kompatibles Schönheitsideal.
Ich habe Geduld benötigt, um in die Geschichte reinzukommen. Lexia mag ihren Körper überhaupt nicht, lässt sich mobben und flüchtet sich in Junkfood und Shopping-Orgien, bedient damit ein Negativklischee. Das um Mitleid heischende negative Selbstbild zerrt gehörig an den Nerven, während ihre Stärken, z. B. ihr Witz sowie Engagement und Leidenschaft als Werbetexterin, untergehen. Adam zu mögen, ist anfangs auch nicht leicht, weil er es sich zum Job gemacht hat, langjährigen Mitarbeitern zu kündigen.
Ist man über diese ersten Eindrücke hinweg und beginnt persönliche Hintergründe und Motivlagen zu ergründen, gelingt es immer besser, zu verstehen, zu sympathisieren und zu hoffen, dass die Liebe eine reelle Chance bekommt. Eine Distanz blieb für mich aber bestehen. Zum einen inhaltlich bedingt, weil ich mich in vielen Situationen anders verhalten hätte, zum anderen sprachlich bedingt, z. B. wird Lexias Mutter immerzu als Eva bezeichnet, wodurch es mir schwerer fällt, mich hineinzuversetzen und eine emotionale Bindung aufzubauen.

Ich empfinde die Geschichte über weite Strecken als langatmig. Die Gedankenwelt der Protagonisten dreht sich viel im Kreis. Es werden viele Banalitäten beschrieben. Zahlreiche Ausdrücke und Beschreibungen gleichen Inhalts kommen mehrfach vor. Ein kurzes Beispiel: „Dort wurde einem von einer Sekunde auf die andere fristlos gekündigt, man wurde gefeuert oder auf die Straße gesetzt“ (10 %).
Würde man kürzen, wären die Dramatik und das Prickeln wohl besser spürbar.

Ein paar Erotikszenen sind enthalten. Mehr als angedeutet, nicht ganz explizit, den Roman nicht dominierend. Ästhetisch, einfühlsam, ansprechend. Vergleichsweise vernünftig, da dürfen auch Körperhygiene und Verhütung nicht fehlen. Es spielt sich ansonsten viel im Kopf ab.
Es verleiht Authentizität, dass die Autorin die Handlung in ihrer Wahlheimat Stockholm verortet hat.
Nebenfiguren (insbesondere Siri, Dina, Bashir) wirken auflockernd, passen gut zur Rahmenhandlung und verleihen Würze. Erfrischenderweise konnten mich einige Nebenfiguren in ihrer Entwicklung überraschen.
Die Handlung entwickelt sich so, wie ich es erwartet hatte. Ich habe interessiert gelesen, aber große Überraschungen, die große Gefühlsachterbahn blieben leider aus.

Die Extreme zwischen weltoffenen und intoleranten, hetzenden Personen wird ausgereizt. Dem ist dadurch Boden bereitet, dass das berufliche Umfeld in der Werbebranche angesiedelt ist. In einem anderen Umfeld hätte ich die Darstellungen als realitätsfern bezeichnet, aber hier könnte sich die Handlung mit etwas gutem Willen tatsächlich so abspielen. Ein Buch, das kontroverse Meinungen hervorrufen kann.
Ich empfand den stimmig eingearbeiteten Aufruf, sich von Oberflächlichkeiten zu lösen, sich auf charakterliche Stärken zu konzentrieren, sich selbst zu lieben, seine eigenen Prioritäten zu ordnen und Personen abseits der Norm (allumfassend: Gewicht, Ethnie, sexuelle Orientierung, gesellschaftlicher Rang, …) gleichberechtigt zu behandeln und wahrzunehmen, als inspirierend. Gleiches gilt für das vermittelte Motto „du verkörperst mehr als nur die Summe deiner Eltern.“ (79 %).
Ich meine, gespürt zu haben, dass es dabei um eine Herzensbotschaft der Autorin geht.
Ich unterstütze diese Botschaft und nehme an, dass viele Leserinnen und Leser hieraus Mut und Selbstbewusstsein schöpfen können.

Wermutstropfen: Es wurde bis dato versäumt, die Stärke des Buches als solche zu vermarkten. Das Cover ist zweifelsohne schön anzusehen, zeigt jedoch die Rückseite einer Frau der Kleidergröße XS und damit das vermeintlich allgemeintaugliche Idealbild, dem doch eigentlich etwas entgegengesetzt werden soll. Zitat aus dem Buch: „Es gibt viele Leute, die sich in der Durchschnittswerbung nicht repräsentiert fühlen.“ Wenn der Mut aufgebracht wird, die Vermarktung – analog zur Handlung – anzupassen, vergebe ich mit Freuden nachträglich den vierten Stern.

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Die ferne Hoffnung

Ellin Carsta
E-Buch Text
Erschienen bei Tinte & Feder, 20.02.2018
ISBN 9781542098168
Genre: Historische Romane

Rezension:

Mein erstes Buch von Ellin Carsta wird nicht mein letztes gewesen sein. Farbenfroh, authentisch, spannend und gefühlvoll. Lebendige liebenswerte Figuren. Abwechslungsreicher Erzählstil. Überzeugende Historie.

Das Familienunternehmen steht kurz vor dem Bankrott. Eine neue Geschäftsidee soll Rettungsanker werden. Um Ansehen und Wohlstand zu sichern, gehen drei Brüder mit ihren Familien neue Wege. Fortan wird beim Lesen zwischen drei Orten gewechselt. Georg möchte im angestammten Hamburg an glorreiche Zeiten anknüpfen. Karl geht nach Wien. Robert wagt das Abenteuer auf einer Kakao-Plantage in Kamerun.

Schilderungen zur Historie (z. B. Unruhen zwischen Kolonialmächten und Afrikanern) sind stimmig in die Handlung eingebettet und erweitern den Wissensschatz. Ich würde mir wünschen, dass diese in der Fortsetzung noch mehr Bedeutung einnehmen. Durch die Beschreibungen zur Umgebung fühlt man sich tatsächlich an unterschiedliche Orte am Ende des 19. Jahrhunderts versetzt. Es gibt Einblicke in die Kultur des afrikanischen Stammes. Das Quellenverzeichnis bestärkt in der Einschätzung, dass diese authentisch sind. Auch hiervon gern mehr im Folgeband. Ein Schwerpunkt liegt in der Beleuchtung der vornehmen deutschen Gesellschaft mit dem Tenor „Damen der Gesellschaft haben keine Arbeit, sie genießen eine Beschäftigung.“ (Zitat im 8. Kapitel). Frauen, die stattdessen eigenständig denken, sich gegenüber gesellschaftlich schlechter Gestellten respektvoll verhalten und mit anpacken, bilden dazu einen angenehmen Kontrast.

Mein Highlight ist die Perspektive von Luise in Kamerun. Luises Liebe und Hingabe zur neuen Heimat und Wirkungsstätte sowie seiner Bewohner wirkt ansteckend. Dabei verliert sich die Figur nicht in Träumereien, sondern bleibt ihrem klugen und bodenständigen Charakter treu. Ich fühlte mich im positiven Sinne an die wundervollen Filme „Dschungelkind“ und „Nirgendwo in Afrika“ erinnert. Ich kann für mich festhalten, dass das Kopfkino funktioniert hat.
Die Einblicke in Karls turbulente Gedankenwelt fand ich auch sehr faszinierend und mitreißend.
Handlungsstränge, in denen Eifersucht und Intrigen eine Rolle spielen, sorgen für den nötigen Schuss Dramatik. Engstirnige, garstige und hochnäsige Figuren erzeugen Antipathie, ohne klischeehaft zu wirken.
Längen habe ich für mich nicht wahrgenommen, gern hätte ich in einigen Szenen noch länger verweilt und mehr von der jeweiligen Atmosphäre aufgesogen.
Schön, dass auch eine Prise Erotik beinhaltet ist.
Vielfältige Gefühlslagen werden hervorgerufen und ich habe alle genossen. Genau so soll das sein. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

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68 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

transport, phillip p. peterson, astronauten, ausserirdische, atombombe

Transport

Phillip P. Peterson
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 18.01.2018
ISBN 9783842330610
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Handlung: Trash über weite Strecken. Vom Finale mal abgesehen, liest sich der Klappentext im Nachhinein wie eine Inhaltszusammenfassung. Man wird angehalten, mitzufiebern, ob und auf welche bizarre Weise die einzelnen menschlichen Versuchskaninchen bei ihrer Stippvisite ins Weltall sterben. Und wie das Rätsel entschlüsselt wird, bevor alle tot sind. Demgegenüber verleihen die eingebettete Wissensvermittlung zu Astronauten-Sprache und Theorien in der Astrophysik und die detailreichen technischen Beschreibungen Anspruch, was mir gut gefallen hat. Insgesamt ist die Handlung aber zu einfach und zu wenig innovativ, um zu beeindrucken. Aha-Momente sind Mangelware.
Erzählstil: Simpel. Die gesamte Geschichte wird chronologisch aus der Perspektive von Russell geschildert. Keine Nebenschauplätze. Zusätzliche Einblicke oder emotionsgeladene Rückblenden hätten das Werk aufwerten können.
Figuren: Zu farblos, um mir in Erinnerung zu bleiben. Selbst wenn von Lebenskrisen und Ängsten die Rede war, kamen die Emotionen kaum bei mir an. Ich empfand streckenweise Mitleid, konnte mich aber weder für Russell noch für die Nebenfiguren so richtig begeistern und Anteil an ihrem Schicksal nehmen.
Innerhalb weniger Stunden flüssig lesbar. Gelungene kurzweilige Unterhaltung, ohne nennenswerte Gefühle auszulösen. Band 2 und 3 sind optional. Ich werde den Autor weiterverfolgen, die Reihe aber nicht.

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134 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 76 Rezensionen

thriller, künstliche intelligenz, dystopie, holografie, digitale gehirne

Hologrammatica

Tom Hillenbrand
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2018
ISBN 9783462051490
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Der auf verschwundene Personen spezialisierte Privatdetektiv Galahad Singh, in deren Bewusstseinshorizont man fast die gesamte Geschichte mitverfolgt, ist keine Figur, die man auf den ersten Blick als Sympathieträger wahrnimmt. Doch mit weiterem Lesefortschritt fand ich sowohl seine berufliche Vorgehensweise als auch seine persönliche Seite (Saxophon-Spieler, homosexuell, sportlich, depressive Anwandlungen, seit Jahrzehnten vermisster Bruder, nimmt kein Geld vom reichen Elternhaus an) auf eine subtile Art faszinierend. Eine Figur abseits des Mainstream, ungekünstelt, mit Stärken und Schwächen, Ängsten und Sehnsüchten, wie aus dem wahren Leben. Er kommentiert unverblümt ehrlich, teils zynisch, schmeißt auch mal hin, wenn ihm die Lust vergeht, zeigt zudem seine verletzliche Seite. Er hat sogar ein sog. Komitee der Selbste, dass sich beratschlagt. Es hat mich in den Bann gezogen, mitzuverfolgen, wie er reagiert, welche Schlussfolgerungen er zieht und was er als nächstes plant. Das volle Repertoire an Gefühlsregungen führte dazu, dass ich ihn ins Herz geschlossen habe und mitfiebern konnte.
Surreal wirkt eine eingestreute zusätzliche Perspektive, diese regte mich angenehm zum Miträtseln an.

Der im Fokus stehende Vermisstenfall bildet den Auftakt zu einem weltumspannenden, spannenden Adventure.
Das komplex erdachte Zukunftsszenario empfinde ich als hochinteressant.
Die Hauptfigur versteht sich vorrangig als Anwender der Zukunftstechnologien, lässt sich zur Lösung seines Falls naturwissenschaftliche und technische Erklärungen geben. Das wirkt nicht gekünstelt. Es erweitert den Horizont, lässt einen kleinen Lerneffekt eintreten, ohne dass man sich als Leser dumm oder bevormundet vorkommen müsste. Erfreut haben mich erstaunlich eingängige Bildnisse für (für mich als Laien) schwierige Konstellationen, z. B. Künstliche Intelligenzen als Fische, die Proxies als Wasserträger brauchen, um außerhalb des Ozeans zu agieren.
Ich empfand es teils als anstrengend, dieses Werk zu lesen. Dies ist u. a. auf die vielen futuristischen Begrifflichkeiten, von denen einige im Anhang in einer Art Zukunftslexikon erklärt werden, zurückzuführen. Praktischerweise ergeben sich diese aus dem Kontext ganz gut und fügen sich stimmig ins Gesamtgebilde ein, umso besser je länger man liest. Vor allem nehme ich es so wahr, dass der eigene Intellekt sehr stark gefordert wird, wenn man mitspekuliert und dazu diverse erst frisch kennengelernte Theorien zueinander in Beziehung setzt. Das ist nach einem harten Arbeitstag nicht immer möglich, weswegen ich auch mehrere Wochen brauchte, um das Buch durchzulesen.
Viele neuartige Einblicke waren mir die Mühe absolut wert.

Als genial empfinde ich den Humor. Clever und irgendwie gleichzeitig bissig und feinsinnig. Beispiel: „Neon ist ein guter, ein sensibler Zuhörer. Anders gesagt, er ist eine menschliche Saftpresse. Ich beichte ihm alles.“ (Zitat Seite 102).

Insbesondere in Hälfte 2 werden viele elementare Fragen aufgeworfen (siehe Kurzbeschreibung, Trailer und vorangegangene Rezensionen), die Bedeutung für unsere Zukunft haben und zum Nachdenken anregen können. Ich zähle mich zu den Lesern, denen das sehr gefällt. Es wirkt auch realitätsnah auf mich, obgleich das technisch versierte Leser noch besser werden beurteilen können.

Stilistisch auffällig: Es gibt in angenehmen Abständen die Gelegenheit für Lesepausen, jedoch keine Kapiteleinteilung. Die Gegenwartsform ist nicht mein Favorit, aber verleiht Dramatik und ich habe mich gut damit arrangiert.

Schlussendlich überzeugt nicht nur die Idee, sondern auch die Umsetzung. Ein sehr langes Lesevergnügen. Tiefsinnig und intelligent, spannend und gewürzt mit tollen neuen Gags. Ein definitiv andersartiges Buch! Ideal für alle, die gern um die Ecke denken und „Was wäre, wenn …“-Szenarien miterleben möchten.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

per ignem: c23 - Band 2

Ralph Edenhofer
E-Buch Text: 501 Seiten
Erschienen bei null, 22.05.2017
ISBN B0728HQVWX
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die großen Pluspunkte aus Band 1 setzen sich fort.
Komplexes und bildhaftes Zukunftsszenario, das in den Details überzeugt. Auch als Laie kann ich mir technisch Fortschrittliches gut vorstellen.
Politisch, gesellschaftskritisch, auf unaufdringliche Art.
Mit Skip, Kareena und Jose ‘Toro‘ begleitet man nunmehr drei gereifte, vielschichtige und sympathische Charaktere, die physisch, psychisch und moralisch bis an ihre Grenzen und darüber hinaus getrieben werden. Keiner hat sich die ihm zugedachte Rolle ersehnt, jeder versucht, das beste daraus zu machen. Die innere Zerrissenheit wirkt authentisch und nachvollziehbar. Elementare Fragen: Ist die eigene Position die richtige? Ist es angebracht, Allianzen und Rivalitäten zu überdenken? Welchen Stellenwert haben Stolz, Loyalität, Überleben? Bin ich am glücklichsten als Anführer, Mitläufer, Revolutionär, Rädchen im Getriebe? Definiere ich mich über meinen Beruf, richte ich meinem Privatleben einen höheren Stellenwert ein? Viele berechtigte Sichtweisen. Grautöne in zahlreichen Schattierungen. Wie im wahren Leben. Persönlichkeitsentwicklungen in verschiedene Richtungen.
Wer Space-Sci-Fi liebt, kann sich über Weltraumschlachten und weitere Kampfhandlungen freuen. Ich bin kein allzu großer Freund davon, mache hier aber eine Ausnahme, denn die Darstellungen sind abwechslungsreich und überraschend und es sind liebgewonnene Figuren involviert. Besonders eingenommen war ich von den politisch und profitorientierten Machenschaften. Es macht Freude, mitzufiebern und über Motive und Entwicklungen zu rätseln. Dabei ist auch der rote Faden erkennbar, denn es werden Nebensächlichkeiten aus dem Auftaktband wichtig.
Erfreulich, dass es nie langweilig wird. Wichtiges wird detailliert geschildert, ereignislose Tage übersprungen. Schön auch solche Stilmittel: „F. eröffnete die Sitzung mit dem üblichen Geschwafel. Danke hier, tiefe Verbundenheit da, das gewohnte Diplomatengewäsch.“ (Zitat aus dem Buch) Wo andere Autoren Seiten schinden, entlockt Ralph Edenhofer ein Grinsen und hält das Spannungsmoment hoch.
Im einen Moment so schmerzlich, dass es wohl besser für den Autor ist, sich nicht im gleichen Raum aufzuhalten, im anderen Moment zum Knuddeln. Alles richtig gemacht, wenn man es schafft, des Lesers Gefühle so ins Chaos zu stürzen. Ich - als weiblicher Noch-Neuling im Sci-Fi-Genre – schätze es sehr, dass es trotz der aufgeheizten Atmosphäre und vielfältiger Problemlagen auch Raum für Liebe, Freundschaft, für Oasen mit heiteren, hoffnungsvollen und herzerwärmenden Momenten, ebenso für traurige Augenblicke gibt. Wobei gegen nicht-gefühlsgesteuerte KIs auch nichts einzuwenden ist. ;-)
Bereits nach Band 2 ist spürbar: Das Ende ist jeweils nicht wahllos gesetzt, die einzelnen Bände stehen für eine bestimmte klar umrissene Ära im Leben der Protagonisten und ihres Umfelds.
Ein Dank auch an die Unterstützenden, z. B. die Testleser. Versenke mich nun in Band 3.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

ex vitro

Ralph Edenhofer
Flexibler Einband: 388 Seiten
Erschienen bei Belle Epoque Verlag, 17.01.2018
ISBN 9783963570100
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Ein Science-Fiction-Spektakel, das neben modernen Themen wie die Manipulation menschlicher Gene vor allem zeitlos Wichtiges aufgreift: Kapitalismus, Diskriminierung und der Kampf um Freiheit und Selbstbestimmtheit. Unterhaltsam, mitreißend und realistisch verortet in unserem Sonnensystem im 23. Jahrhundert.

Kapitelweise wechselnd gelangt man in den Bewusstseinshorizont von Kareena und Skip (Sie/Er chronologisch in der Vergangenheitsform). Sie sind schätzungsweise zwischen 32 und 38 Jahre alt, Einzelgänger, bodenständig, engagiert und leben nach lobenswerten moralischen Grundwerten. Unterschied: Kareena ist auf natürliche Weise geboren, ein mit teuren Implantaten aufgerüsteter Offizier der Inneren Sicherheit für einen mächtigen Konzern. Skip stammt aus einer Genetikfarm und ist Raumschifftechniker.
Schnell habe ich Sympathien für beide entwickelt und mit Spannung und Faszination mitverfolgt, wie sich ihr Charakter, ihre Motivation, ihr moralischer Kompass und ihr Umfeld während der actiongeladenen Geschichte entwickeln. Cool auch, mitzuerleben, wie sich die Handlungsstränge annähern und verknüpfen.

Besonderes Lob verdient das intelligent durchdachte Zukunftsszenario. Die Gesellschaft im 23. Jahrhundert inklusive aller Wechselwirkungen wird umfangreich und stimmig beschrieben. Beiläufig und doch auf intensive Weise erfährt man, was zu diesen Zuständen geführt hat. Beschreibungen zur unmittelbaren Umgebung und zu technischen Innovationen bringen das Kopfkino in Wallung. Das macht Hard-Science-Fiction-Fans Spaß, wirkt gleichzeitig nicht so überfrachtend, dass es Science-Fiction-Neulinge abschrecken müsste. Dazu trägt auch die lockere Sprache bei. Wissensvermittlung steht nicht im Fokus (wie z. B. bei Werken von Brandon Q. Morris), ergibt sich aber nebenbei.
Auch Nebenfiguren weisen Ecken und Kanten auf. Es macht Spaß, z. B. über die Ziele von Blackheart und Vandemool zu spekulieren. Die Akteure handeln nachvollziehbar, bleiben dabei ihrem jeweiligen Intellekt und ihrer Weltanschauung treu. Zwar entwickelt man unweigerlich Sympathien und Antipathien, dadurch dass die Fronten nicht klar gezogen sind, bleibt ein Schwarz-Weiß-Schema aber aus.

Es gefällt mir, dass dieses Werk Denkanstöße für geneigte Leser bietet. Beispielsweise entwickeln sich in diesem Buch genetisch gezüchtete Gruppen wie auch Individuen in Abhängigkeit von ihrer Prägung während der Erziehung und der jeweils einzigartigen Persönlichkeit ganz unterschiedlich. Demgegenüber erachten sich viele natürlich Geborene als hochwertiger, strotzen der teils lebensfeindlichen Umgebung aber nur dank diverser nachträglicher genetisch erzeugter Updates und technischer Hilfsmittel. Auch die Rolle der großen Konzerne kann zum Nachdenken anregen.

Dass es sich um ein Erstlingswerk handelt, merkt man überhaupt nicht. Sogar an die X-Ray-Funktion sowie hilfreiche Kapitelüberschriften mit Datums- und Ortsangabe hat Ralph Edenhofer gedacht.
Erwähnenswert ist noch, dass die Handlung ohne Außerirdische, Wurmlöcher und übersinnliche Phänomene auskommt.
Ich habe mich sofort auf Band 2 gestürzt.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

kalter ate, karl-breuer-thriller (1, neue ermittlerreih, serienmörde

Ihr kalter Atem

Noah Fitz
E-Buch Text: 236 Seiten
Erschienen bei Independently published, 31.01.2018
ISBN B079J5X8V6
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

 *Ohne Spoiler* Mein zweites Buch von Noah Fitz. Der Schwerpunkt in der Erzählperspektive ist verschoben, ansonsten könnte es sich auch um einen weiteren Johannes–Hornoff–Thriller handeln. Auch ohne Vorkenntnisse lesbar.
Ein psychisch harter Krimi. Mit einem perfiden, pädophilen und auch ansonsten psychisch gestörten Gegenspieler. Und mit Karl Breuer und Dr. Johannes Hornoff geprägt von gänzlich desillusionierten Ermittlern. Es gibt weitere Innenansichten – z. B. Opfer, Angehörige, sympathische junge Polizistin - die ich als bereichernd empfunden habe und die sich glaubhaft lesen ließen. Die Perspektivwechsel waren für meinen Geschmack zu zahlreich. Man begleitet häufig am Stück nur für ein oder zwei Minuten, wenig, um die jeweilige Atmosphäre einzusaugen und mich so richtig hineinzufühlen. Geschmackssache, Fans werden das hohe Tempo lieben.
Objektiv betrachtet ist der Handlungsverlauf gar nicht so besonders, überraschend oder wendungsreich. Doch wirken die Innenansichten intensiv und es werden Bedrohungslagen für zentrale Figuren und ihre Angehörigen eingestreut, die den Adrenalinspiegel während des Lesens steigen lassen. Professionelleres bzw. intelligenteres Vorgehen einiger Figuren hätte die Glaubwürdigkeit erhöhen können.
Meine Highlights: Faszinierende Einblicke in den Spürsinn von Hornoff. Die unterhaltsame und derbe Kommunikation mit den Polizei-Kollegen. Und die Szenen, in denen der weiche Kern hinter der harten Schale zum Ausdruck kommt, z. B. wenn es um Breuers Tochter und Enkelin geht. Allerdings sind private Einblicke sehr rar, was die Weiterverfolgung der Reihe weniger interessant macht.
Gerade dadurch, dass auch Perversion mit Kindern thematisiert wird (wenn auch glücklicherweise nicht bis ins letzte Detail beschrieben), bleiben am Ende bedrückende Gefühle im Sinne von „Was für eine brutale Welt.“ Spannung war dauerhaft da, aber bei solcher Art von Unterhaltung Lesevergnügen zu empfinden, wollte mir nicht recht gelingen. Bin wohl zu zartbesaitet dafür. Meine drei Sterne mit Tendenz zu vier Sternen sind insofern vorrangig auf meinen persönlichen Geschmack zurückzuführen. Lob für die tolle Preispolitik – bei 0,99 € kann sich Jeder sein eigenes Bild machen. Ich bleibe dann doch lieber bei Thrillern mit mehr klassischem oder schwarzem Humor und sympathischeren Figuren und mehr Herzerwärmendem.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Windschwingen

Chris Svartbeck
Flexibler Einband: 308 Seiten
Erschienen bei Machandel-Verlag, 09.03.2018
ISBN 9783959591010
Genre: Fantasy

Rezension:

Auch Band 6 der Spiegelmagie-Saga hat viele überraschende Entwicklungen zu bieten, die mich fasziniert haben. Im Wechselspiel der mit jedem Band vertrauter werdenden Kulturen und Spezies herrscht keine eindeutige Dominanz. Zudem greifen manchmal noch bis dato unbekannte Größen ins Geschehen ein. Hierdurch bleibt es immer unberechenbar. Diese magische Welt überzeugt auf ganzer Linie. Der rote Faden ist stets erkennbar. Toll, wie verloren gegangene Figuren wieder auftauchen.
Kritikpunkte: Das Erzähltempo ist mir diesmal zu hoch. Zwar kann ich alle Geschehnisse nachvollziehen und im Gedächtnis abspeichern. Aber dadurch, dass man von den meisten Figuren zig Jahre verpasst und nur noch kurze Sequenzen mit dramatischen Highlights miterlebt, kann ich mich nicht mehr so gut hineinfühlen und Sympathien aufbauen wie zu Beginn der Saga. Die nächste Generation (Inagoro und Kinder, Taephes Kinder usw.) bleibt vergleichsweise fremd. Emotional wird die Geschichte für mich insbesondere durch Jo getragen.
Nichtsdestotrotz fand ich es weiterhin sehr spannend, mitzuverfolgen, welche Intrigen gesponnen werden, wie sich Menschen, Drachen, alte und junge Zauberer weiterentwickeln.
Erfreulicherweise kein Cliffhanger. Die Saga wirkt noch unabgeschlossen. Hoffnungen auf ein Comeback von Ioro bleiben. Ob es in einem 7. Band so weit ist!? Ich freue mich in jedem Fall auf weitere Werke von Chris Svartbeck.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Totengräbersohn 3

Sam Feuerbach
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 25.01.2018
ISBN 9781984186287
Genre: Fantasy

Rezension:

Warnung zum Lesen dieses Buches: „Das untergräbt unser teuflisches Selbstverständnis und zersetzt unsere schlechte Moral“ (Zitat meiner Lieblingsfigur Ekel bei 32 %).
Während die sarkastischen Kommentare und der Wortwitz der Auftragsmörderin in der Krosann-Saga das Herausstellungsmerkmal bilden, sind es hier die mit schwarzem Humor angereicherten Seitenhiebe und grandiosen Wortspiele beim Schlagabtausch zwischen Farin und Ekel. Immer wieder ein Highlight!
Farin fasst zunehmend Vertrauen und schreitet mit Ekel in der Hinterhand mutig voran, um Emicho zu retten. Aross muss in dieser Hinsicht Rückschläge verkraften und geht ihrer Vergangenheit auf den Grund. Dabei haben beide mit Intrigen und Lügen zu kämpfen. Man macht viele neue Erkenntnisse, die noch ganz viel Raum lassen für faszinierende Entwicklungen in Band 4.
Neben der von Farin und Aross kommt streckenweise eine dritte Perspektive hinzu, die ebenso sympathisch ist, sich gut einfügt und zum Mitfiebern animiert. Und sogar Ekel bekommt ein eigenes, sehr spannendes Kapitel. Fantastisch.
Objektiv betrachtet ist die Grundidee nicht neu und die Handlung nicht besonders komplex. Aber der Storyverlauf strotzt nur so vor Liebe zum Detail und Überraschungen. Sam Feuerbach gelingt es gut, sich von Vorbildern zu lösen und eine eigenständige und wendungsreiche Geschichte zu erzählen. Intelligente und anspruchsvolle Sätze wechseln sich mit derben Sätzen ab. Es ist einfach extrem unterhaltsam. Selten so gelacht. ;-)
„Nun ja, er war gewissenlos, skrupellos und erbarmungslos. Um nur einen Teil seiner guten Eigenschaften zu nennen“ (nochmal Zitat von Ekel bei 72 %). - Glücklicherweise löst sich unser Autor von dieser These und erspart uns einen ultimativ fiesen Cliffhanger. Ich freue mich sehr auf's Finale.

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magdeburg, kathedrale, bau, dom, 13. jahrhundert

Die Kathedrale des Lichts

Ruben Laurin
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.01.2018
ISBN 9783404176366
Genre: Historische Romane

Rezension:

Was mir besonders gefallen hat:
Insbesondere der Rahmen, der dem Buch gegeben wurde:
Es verfügt über ein Personenverzeichnis, bei dem zwischen fiktiven und historischen Personen unterschieden wird. In einem Nachwort macht der Autor transparent, inwieweit er sich Freiheit für Ausschmückungen genommen hat.
Toll ist auch die Zeittafel rund um den Magdeburger Dom und mit diesem zusammenhängende historische Ereignisse. Zusätzlich trägt ein detailliertes Glossar, in dem altertümliche Begrifflichkeiten erläutert werden, dankenswerterweise dazu bei, den Wissensschatz ein bisschen zu erweitern.
Es ist spürbar, dass Ruben Laurin Ortskenntnis besitzt und etwas Persönliches mit dem Magdeburger Dom, der Stadt und dem Umland verbindet.
Der Dombau wird stimmig und nicht überfrachtend in sehr vielen Szenen berücksichtigt, zeugt von guter Recherche zu Geschichtlichem und damaligen Handwerkstechniken, gewährt Impressionen zum Leben der am Bau Beteiligten.
Es gibt kurze Exkurse in die Römerzeit Ende des 3. Jahrhunderts, die ich als informativ und emotional intensiv empfand und die dem Werk mehr Tiefe verleihen.
Der Epilog greift den weiteren Werdegang der wichtigsten Figuren und des Doms auf, ein schöner Abschluss.
Es sind tiefsinnige Passagen enthalten, in denen die Begabung des Autors in Sachen roter Faden und Bildgewalt aufblitzt, z. B. auf Seite 114 bis 116.

Womit ich dazu komme, was mir nicht gefallen hat:
Die Sprache und der Schwerpunkt der Handlung, eine schöne junge Frau zwischen drei gänzlich unterschiedlichen Männern, erreichen über weite Strecken leider nur Groschenroman-Niveau.
Es gibt viele ausschweifende Beschreibungen.
Die Auflösung der Rätsel gestaltet sich ziemlich vorhersehbar.
Das Buch ist gespickt von Sentimentalitäten und überzogenen, ins Lächerliche abgleitenden Vergleichen. Beispiel: Den tanzenden Körpern folgen auf Seite 125 und 126 zahlreiche noch schlimmer geartete Metaphern, die weder atmosphärisch sind noch etwas zur Handlung beitragen.
In der Figurenzeichnung dominiert ein Schwarz-Weiß-Schema. Zwar unterhaltsam, aber wenig authentisch. Die Meinung bildet man sich auf den ersten Seiten, leider ohne nennenswerte Überraschungen im weiteren Verlauf. Bei Hauptfigur Moritz wird ständig auf die Tränendrüse gedrückt. Helena wirkt zu Beginn noch intelligent und stark, wie sie sich entwickelt, führt zu so manchem genervten Augenverdrehen. Die Figuren bleiben entweder so langweilig oder so eindimensional, dass sie mich nicht mitreißen konnten und mich ihr Schicksal nicht interessiert. Ausnahmen bilden natürlich wirkende Nebenfiguren, z. B. Schmied Benno und seine Frau Monica.

Die eigentliche Handlung ist gar nicht mal so schlecht, doch ich musste oft entnervt abbrechen. Dabei lese ich durchaus auch Liebesgeschichten und kann Gefühlsbekundungen sonst viel abgewinnen. Hier beneide ich die Leser, die sich hineinfühlen und mitfiebern konnten. Aufgrund des Schreibstils bleiben Zweifel, wie ernst man die Einblicke in die damalige Lebenswirklichkeit - eigentlich Hauptantrieb für mich, historische Romane zu lesen - nehmen kann. Schade, denn die Grundidee gefiel mir, und gefühlt schöpft der Autor sein Potenzial einfach nicht aus, zugunsten des Versuchs, mit leichter Kost eine neue Zielgruppe zu erschließen, zu der ich - als Fan anspruchsvoller historischer Romane (z. B. von Ken Follett) - offensichtlich nicht gehöre.

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fantasy, drachen, legende, liebe, mira valentin

Die Wächter von Enyador (Enyador-Saga 2)

Mira Valentin
E-Buch Text: 406 Seiten
Erschienen bei null, 18.12.2017
ISBN B078HFX5QV
Genre: Sonstiges

Rezension:

Band 2 hat mir noch besser gefallen als der Auftaktband und ist mir damit 5 Sterne wert. Auf die märchenhaft-magisch-düstere Atmosphäre konnte ich mich gut einlassen und habe diese sehr genossen.
Eine Inhaltszusammenfassung gibt es zwar nicht, dennoch habe ich - auch dank des Personenverzeichnisses - den Anknüpfungspunkt zu jeder einzelnen Perspektive während des Lesens gut wiedergefunden.
Die Fantasy-Welt ist komplexer geworden. Neben Menschen, Drachen, Elben und Dämonen gewinnen mit Harpyien, Wyvern, Geisterwölfen und Irrlichtern zusätzliche mystische Wesen an Bedeutung, was mir gut gefällt.
Auch die Handlung wird umfangreicher, es geschieht an unterschiedlichen Schauplätzen ziemlich viel, sowohl was Geheimnisse-lüften und Intrigenspiel als auch dramatischer Kampf und Flucht angeht.
Gefühlt weniger vorhersehbar, es gibt spannende Wendungen und Überraschungen. Alte Rätsel werden von neuen abgelöst, das Spekulieren über Hintergründe und Motivlagen macht großen Spaß.
Obendrein wird die Charakterzeichnung intensiviert, wodurch viele Figuren lebensechter wirken und den Mitfühlfaktor erhöhen. Das gelingt nicht bei jeder Figur, was angesichts der hohen Taktung an Actionsequenzen, des rasanten Erzähltempos und der Vielzahl der Akteure aber auch viel verlangt wäre. Meine Lieblinge sind weiterhin Tristan, Marron, Shook und Thul. Möglicherweise habe ich einen Faible für unvollkommene, kämpferische, innerlich hin- und hergerissene, streckenweise düstere Charaktere. Dabei kann man sich faszinierenderweise nie sicher sein, in welche Richtung sie sich entwickeln. Die romantischen Gefühle für Agnes und Greta vermögen mich immer noch nicht so richtig zu überzeugen, sind aber zauberhaft mitzuverfolgen. Ich würde mir wünschen, dass im Finale beide über sich hinauswachsen.
Das i-Tüpfelchen wäre es, wenn Mira Valentin den personalen Erzählstil mehr zum Ausdruck bringen würde, indem Stimmungs- und Gefühlslagen mehr textlichen Raum erhalten und im jeweiligen Sprach- und Gedankenmuster mehr Alleinstellungsmerkmale berücksichtigt werden, anhand derer man noch deutlicher spürt, wen man aktuell begleitet. Das macht z. B. die Fantasy-Bücher von Sam Feuerbach besonders reizvoll, auch wenn diese im direkten Vergleich weniger Handlung zu bieten haben.
Das Cover ist erneut grandios geworden. Ich freue mich auf Band 3 und Abschlussband 4.

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aliens, exoplane, künstliche intelligen

Proxima Dying

Brandon Q. Morris
E-Buch Text: 367 Seiten
Erschienen bei null, 22.12.2017
ISBN B076YXT4JF
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Handlung ist - passend zum Titel und zum Cover - diesmal sehr düster.
Die Wanderung durch die Eiswüste empfinde ich als atmosphärisch, umso mehr mit dem Hintergrundwissen, dass es in der Realität wirklich so aussehen könnte. Die Erforschung der vorgefundenen Zivilisation gerät stimmig beklemmend. Diese ungekünstelten Beschreibungen bilden eine Stärke des Buches.
Viele Kritikpunkte zu Band 1 werden aufgegriffen: Es findet Erwähnung, warum die Nanofabrikatoren ganz gezielt zum Einsatz kommen. Es gibt zahlreiche interessante Exkurse in die Psyche von Adam und Eva, sodass sie mehr wie echte Individuen wirken und ich mich besser hineindenken und -fühlen kann. Dabei werden soziale Problematiken, z. B. Einsamkeit, aufgegriffen. Und Marchenko, Roboter mit menschlichem Bewusstsein, lässt den Leser an seinen inneren Kämpfen, seiner Verzweiflung teilhaben. Und diese Gefühlsregungen sind diesmal auch tatsächlich bei mir angekommen. Es wird dem Genre geschuldet sein, dass diese nur punktuell vorkommen, dennoch wirken sie intensiv.
Die Handlung an sich ließe sich in wenigen Sätzen zusammenfassen, zumal viele Gedankenspiele und Versuche in einer Sackgasse enden und keine weitere Bedeutung haben. Aber für mich war es trotzdem faszinierend, zum einen die Persönlichkeitsentwicklung mitzuerleben, zum anderen bei den Wahrnehmungen, Überlegungen und Entdeckungen dabei zu sein. Und viele Ideen habe ich so tatsächlich noch nie gelesen. Als Überlebensratgeber durchaus brauchbar. ;-)
Eine Schlüsselentscheidung und den darauf aufbauenden Ablauf empfand ich rational als unlogisch. Aber was soll’s, ich schieb’s auf den Charakter, erfahre hierzu voraussichtlich mehr mit der Fortsetzung und erfreue mich ansonsten einfach am hierdurch ausgelösten Mehr an Dramatik.
Evas Kommunikation war für mich besonders reizvoll. Bei dem trockenen Witz zur maschinellen Aktivität habe ich herzlich gelacht. Hochinteressante Definition von Vertrauen, die ich mir merken werde.
Der abrupte Cliffhanger ist fies, glücklicherweise muss auf Band 3 nicht lange gewartet werden.
In der Schule war ich nie ein Fan von Physik-Unterricht, aber die von Brandon Q. Morris entwickelten Anhänge mit dem wissenschaftlichen Teil sind sehr interessant.
Ich bin sehr neugierig auf Rätselauflösungen und weitere Entwicklungen im 3. Teil der Proxima-Reihe.

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