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ukraine, familie, juden, vergangenheit, reise

Alles ist erleuchtet

Jonathan Safran Foer , Dirk van Gunsteren
Fester Einband: 383 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 20.02.2003
ISBN 9783462032178
Genre: Romane

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Luftschlösser

Almudena Grandes , Sabine Giersberg
Fester Einband: 173 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, Reinbek
ISBN 9783498024987
Genre: Romane

Rezension:

»Zehn Jahre früher hätte das nicht stattfinden können, und zehn Jahre später auch nicht. Aber wir schrieben das Jahr 1984, wir waren zwanzig, Madrid war zwanzig, Spanien war zwanzig, und alles war an seinem Platz. Es gab eine dunkle Vergangenheit, eine strahlende Gegenwart und für die Zukunft gestellte Weichen.« Es ist das Geheimnis ihres Lebens, an das die Kunstschätzerin María José hier zurück denkt. Eine ganz persönliche Geschichte, die sich vor dem zeitlichen Hintergrund der »Movida« abspielt. In den 1980er Jahren aufgekommen, brach diese Madrider Bewegung die traditionelle, noch vom Franquismus geprägte spanische Kulturszene auf. Grell, Aufsehen erregend und äußerst populär war sie, ein ganz spezifisches Lebensgefühl ging aus von Miquel Barcelós Malerei oder Pedro Almodóvars Filmen.
In »Luftschlösser« gibt es die Bars mit den schwarz gestrichenen Wänden im Malasan-Viertel, wo man laute Musik hört mit hymnischen Texten, tanzt und sich dem Rausch der neuen Freiheit hingibt. In Almudena Grandes’ Romanen ist das oft so, dass ihre Figuren von dieser Zeit geprägt und durchdrungen sind, heißen sie nun Lulú, Malena oder eben jetzt María José. Es sind Variationen über ein bereits vergangenes Madrid, verschiedene Schauplätze zwar und andere Konflikte, aber immer typisch für diesen bestimmten Abschnitt der spanischen Geschichte.
Das klingt jetzt nach der großen Tradition des europäischen Stadtromans, nach Joyce und Döblin, Grass und Cela. Es gibt aber noch mehr bei Almudena Grandes, oder sollte man besser sagen weniger? Schon beim Debutroman »Lulú. Die Geschichte einer Frau« konnte man nicht so richtig entscheiden, ob das nun »pornographischer Schund« sei oder ernstzunehmende Literatur. Und genauso ratlos – ist Almudena Grandes nun eher Verfasserin von Trivialliteratur oder eine ernstzunehmende literarische Autorin? – war man dann auch bei allen folgenden Veröffentlichungen der Autorin, bei »Malena« genauso wie bei »Die wechselnden Winde«, bei den Erzählungen »Sieben Frauen« oder bei »Atlas der Liebe«.
Diesmal ist es nicht anders, denn die Geschichte, die Grandes in »Luftschlösser« erzählt, klingt so sentimental, nach Herzschmerz. Eines Tages bekommt María José überraschend einen Anruf von Jaime, der ihr vom Selbstmord des gemeinsamen Freundes und Ex-Liebhabers Marcos erzählt, dem berühmten Maler. In den 24 Stunden, die zwischen dieser Nachricht und der Beerdigung liegen, lässt die Protagonistin ihre Studentenzeit Revue passieren, als sie sich wie ein Mann José nannte, schon am frühen morgen Cognac trank, selbstgedrehte Zigaretten mit Pfeifentabak rauchte und Mongoloide malte, um zwischen den anderen Studenten der Madrider Kunsthochschule aufzufallen. Damals lernte sie den »Wunderzeichner« Jaime und seinen Freund Marcos kennen, den »entwaffneten Engel ohne Flügel und Schwert«. José ist frigide, Marcos impotent und Jaime bringt alles wieder ins Lot. Zumindest vorerst, denn eine Frau und zwei Männer, das kann bekanntlich ja nicht gut gehen: »Als wir zu dritt waren, war die Welt so riesig, dass wir sie mit unseren sechs Händen nicht fassen konnten. Als ich nur noch zwei Hände hatte, war sie so klein, so bedeutungslos, wie eine Brotkrume zwischen meinen Fingern«.
Bei »Brotkrume« spätestens könnte man, völlig entnervt über so viel Kitsch, den Impuls haben, den Roman lieber der guten Freundin mit ihrem Faible für Gaby Hauptmann zu schenken. Dass man ihn vorher aber selber doch noch schnell bis zum Ende liest, liegt an seinen Figuren, die immer besser sind als die zu ihnen gehörende Liebesgeschichte. Die Geschichten von Figuren wie diesen und die verschiedenen Zeitebenen, in denen sie sich ereignen, wusste Grandes schon in ihren opulenten Vorgängerromanen gekonnt ineinander zu schieben und miteinander zu verflechten. Im schmalen Band »Luftschlösser« kann sich diese Komplexität nicht in diesem Maße entwickeln, das »Kompositionstalent« der Schriftstellerin klingt aber trotzdem an, wenn sie hin und her wechselt zwischen dem Büro der Kunstschätzerin María José mit ihrem gegenwärtigen, dröge gewordenen Leben und der Erinnerung an eine andere, vergangene Zeit voller sexueller, emotionaler und kultureller Erfahrungen. Und auch die manchmal kitschigen Formulierungen werden entschuldbar, denn Grandes Texte scheinen, mehr als die meisten der anderen spanischen Autoren, an der Übersetzung zu leiden: Während ihr zugegebenermaßen etwas blumiger Stil für den spanischen Leser noch ganz normal klingt, dann stolpert der deutsche Leser bereits und denkt an das Heft vom Bahnhof.
Es ist gerade diese Ambivalenz ihres Werkes, die Grandes zu einer der interessantesten spanischen Schriftstellerinnen macht; eine der erfolgreichsten ist sie ohnehin. Ihr neuer Roman »Luftschlösser« ist alles in allem dann »irgendwie doch« empfehlenswert. Dass er gefällt, so wie auch schon »Lulú«, »Malena«, »Sieben Frauen«, »Atlas der Liebe« oder »Die wechselnden Winde«, mag man wegen des trivialen Anklangs aber nur schwer zugeben. Almudena Grandes hat viele Leser, die meisten von ihnen wohl heimliche, denn »so etwas« würden sie offiziell ja nie lesen.

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künstler, maler, kritiker, reise, kunst

Ich und Kaminski

Daniel Kehlmann
Fester Einband: 173 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.08.2003
ISBN 9783518413951
Genre: Romane

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Das meschuggene Jahr

Memo Anjel , Erich Hackl , Peter Schultze-Kraft
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Rotpunktverlag , 01.01.2008
ISBN 9783858692900
Genre: Romane

Rezension:

In der kolumbianischen Literatur ist die überbordende Gewalt zum dominierenden Thema geworden: „Die Realität ist unvermeidbar, auch wenn man ihr ausweicht. Die Gewalt, von der man in den Büchern liest, ist selbstverständlich eine Tochter der uns umgebenden Gewalt“, schrieb der kolumbianische Journalist und Schriftsteller Héctor Abad Faciolince in der Literaturbeilage der spanischen Tageszeitung "El País". Alle Formen der "violencia" herrschen vor: Entführungen, Drogenkriminalität, Bürgerkrieg, Korruption und Flüchtlingselend.
Die Literatur bestätigt damit nur, was auch schon aus den Massenmedien über Kolumbien bekannt ist. Immerhin scheint die Ästhetisierung dieser Gewalt für Schriftsteller und Verlage ein recht lukratives Geschäft zu sein. Prominente Autoren wie Santiago Gamboa ("Verlieren ist eine Frage der Methode") oder Jorge Franco ("Die Scherenfrau") konnten schon Ende der 1990er Jahre mit ihrem Schreiben über Kriminalität und Gewalt kolumbianischer Großstädte beträchtliche Erfolge erzielen. Auch deshalb reduziert sich die deutsche Wahrnehmung von Kolumbien bestenfalls darauf, dass das Land "irgendwo in Südamerika" liegt und man seinen Urlaub besser woanders verbringt. Kaum irgendwo auf der Welt ist das Risiko, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, so hoch wie dort. Also doch lieber nach Kuba, in die "Dom-Rep", vielleicht auch nach Chile.
Ganz anders dagegen als die problematisierende Literatur seiner kolumbianischen Schriftstellerkollegen ist der Ton von Memo Anjels Roman "Das meschuggene Jahr": "Viele Geschichten trug er singend vor, er sang von Elefanten, die größer waren als unser Haus, und von Fledermäusen, die es mit einem zweimotorigen Flugzeug aufnehmen konnten, und von Arabern, mit Bärten so lang, dass sie von einer Oase zur anderen reichten." Mit diesen Worten beschreibt der dreizehnjährige Ich-Erzähler seinen Onkel Chaim, eine schillernde Gestalt, die ganz unerwartet ins Haus der Familie kommt, um dort in der Obhut seiner Schwester an Schwindsucht zu sterben. Onkel Chaim aber stellt die Glaubwürdigkeit des Hausarztes Dr. Schmulson ganz schön in Frage, denn er will und will einfach nicht dahinscheiden. Er sei, erklärt seine Nichte Victoria, "wie eine dieser Katzen aus Samarkand, die so viele Leben hätten, dass man sie nicht zählen könne". Dabei reibt sie sich die Nase mit Knoblauch ein, "als Schutz vor dem bösen Blick." So kann der Onkel tatkräftig seinen Schwager bei der Konstruktion einer Brotmaschine unterstützen, die "alle Vorgänge einer Brotfabrik in sich vereinigt". Diese Erfindung soll der zehnköpfigen sephardischen Großfamilie endlich die Reise nach Jerusalem finanzieren, auf die man sich seit langer Zeit mittels Nippesfiguren, Postkarten und der lebhaften Erzählungen am Küchentisch vorbereitet (der Originaltitel des Romans lautet "Mesa de judíos", übersetzt "Tisch der Juden").
Die Welt der Familie, die im jüdischen Viertel "Prado" der kolumbianischen Großstadt Medellín wohnt, ist voller Widersprüchlichkeiten. Sie ist gleichsam beseelt von Tradition, Gottesfürchtigkeit und Orthodoxie wie von Sittenverfall, Aberglaube und Liberalismus. Die ganz bodenständige Angst vor einer Arbeitslosigkeit des Vaters wird durchlaufen von Todesengel-Küssen oder Versuchen, die Lehre der Kabbala noch einmal neu zu erfinden.
Zwar heißt es in Memo Anjels Roman "die Zeiten waren schlecht, das stand in der Zeitung und das konnte man auf der Straße hören", bei derart vagen Andeutungen über die soziale und politische Situation Kolumbiens im Jahr 1954 belässt es der Autor dann aber auch; vom Bürgerkrieg zum Beispiel ist rein gar nichts zu spüren in seinem Roman. Memo Anjel will sich ganz bewusst nicht, so erklärte er, als er die deutsche Übersetzung seines Romans in Zürich vorstellte, an einer "morbiden" Literatur beteiligen, die die alltagsbestimmende Angst der Leser vor Gewalt dazu missbrauche, Spannung zu erzeugen. Viele kolumbianische Romane beschreiben nicht mehr, was tatsächlich geschieht, sondern bedienen nur noch Klischees; damit verzerren und vergrößern sie die Gewaltphänomene. Deshalb, so Anjel, gebe es in "Das meschuggene Jahr" keine Gewalt. "Es gibt eher Träume und Ideale – und Verrücktheit."
Damit liegt "Das meschuggene Jahr", um einen filmischen Vergleich zu ziehen, auf einer Linie mit dem deutschen Film "Alles auf Zucker" – nicht nur, weil beide das zugegebenermaßen etwas seltsame Lebensfeld urbaner jüdischer Familien darstellen, sondern auch, was die Stimmung von Roman und Film angeht. Nur ein Beispiel dafür sind die kruden Experimente der Familienoberhäupter, Geld zu beschaffen: Der eine versucht als Erfinder, die Brotindustrie zu revolutionieren, der andere dreht allerlei krumme Dinger und simuliert vor seiner eigenen Familie sogar eine Herzattacke, um heimlich an einem Billardturnier teilzunehmen – mit dem Gewinn könnte er seinen Kopf gerade noch einmal aus der Schlinge ziehen. Sowohl der Film als auch der Roman enden dann auch im Happy-End: In "Alles auf Zucker" ist die Familie vereint, so wie es die gläubige Mama mit ihrem Testament gewollt hat, im Roman geht es auf nach Jerusalem: "Eine Woche vor dem Pessachfest trafen wir in Jerusalem ein. Und nichts war uns fremd, ...".
Memo (sein eigentlicher Vorname lautet José Guillermo) Anjel wurde genau in dem Jahr in Medellín geboren wurde, in dem auch sein Roman spielt. Und auch bei den Figuren im Roman gibt es angebliche Ähnlichkeiten zu Anjels eigener Familie, zum Beispiel zwischen der Figur des Erfinder-Vaters und seinem eigenen, früh verstorbenen Vater. Memo Anjel ist Professor für Soziale Kommunikation an der Medellíner Universität "Ponificia Bolivariana" und gehört in Kolumbien zu den bedeutendsten zeitgenössischen Schriftstellern. Bekannt ist er dort nicht nur durch seine Romane, sondern auch durch seine Kolumnen in der Tageszeitung "El Columbiano", kulturelle Sendungen im Rundfunk, Essays und durch seine Comics.

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franco, liebe, unglück, spanien, hoffnung

Die wechselnden Winde

Almudena Grandes , Stefanie Gerhold , Sabine Giersberg , Petra Strien
Fester Einband: 636 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, Reinbek
ISBN 9783498024949
Genre: Romane

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spanien, frauen

Sieben Frauen

Almudena Grandes
Flexibler Einband
Erschienen bei Goldmann
ISBN 9783442441518
Genre: Historische Romane

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Ich werde dich Freitag nennen

Almudena Grandes
Flexibler Einband
Erschienen bei Goldmann
ISBN 9783442413959
Genre: Sonstiges

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Die Passantin

Andrea Blanqué , Sybille Martin , Sybille Martin
Fester Einband: 248 Seiten
Erschienen bei Rotpunktverlag , 12.10.2005
ISBN 9783858693006
Genre: Romane

Rezension:

»Was schreiben uruguayische Frauen heute?«

»Die Literatur ist meiner Meinung nach geschlechtslos, aber diejenigen, die sie schreiben, nicht.« Sylvia Lago, Schriftstellerin, Kritikerin und Professorin für Literatur an der Universität von Montevideo, sagte im Jahr 2002 in einem Interview, dass die uruguayische Gesellschaft immer noch stark geprägt sei von machistischen Grundsätzen. Die Frau halte an ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter fest und dringe nur langsam in alle übrigen gesellschaftlichen Bereiche vor. Das spiegele sich in der Literatur der Uruguayerinnen. Was schreiben uruguayische Frauen heute? Es fällt der Name Andrea Blanqué.
Von Andrea Blanqué, geboren 1959 in Montevideo/Uruguay, sind Lyrikbände, Erzählungen, Theaterstücke und Romane veröffentlicht. Regelmäßig schreibt sie für die spanische Tageszeitung »El País« Portraits von schreibenden Frauen, zum Beispiel von Anne Brontë, der jüngeren und weit weniger beachteten Schwester Emily Brontës, oder über die Literatur von Japanerinnen während der Vorherrschaft der einflussreichen Familie Fujiwara. Andrea Blanqué studierte Literaturwissenschaft in Montevideo, ging 1981 mit einem Stipendium nach Spanien, wo sie Seminare an den Universitäten von Barcelona, Málaga und der Autonomen Universität von Madrid belegte. 1987 kehrte sie nach Montevideo zurück.
Dort, durch die Straßen dieser uruguayischen Großstadt bewegen sich ihre literarischen Figuren. In dem Lyrikband »El cielo sobre Montevideo« (1997, Der Himmel über Montevideo) ist das lyrische Ich ein weiblicher Engel, der durch typische Orte der Stadt wie Rambla, Botanischer Garten oder Zoo flaniert. Ein sehr menschlicher Engel ist das, einer der Bus fährt und dabei die Stadt und ihre Einwohner beobachtet, ganz so wie sein Vorbild Damiel in Wenders Film »Der Himmel über Berlin«.
In Andrea Blanqués neuesten Roman »Die Passantin« ist die Beobachterin nun eine Mittdreißigerin, die ihre Gedanken in ein Notizbuch im Engel-Design schreibt. Als Frauenliteratur kann man diesem Roman bezeichnen, nicht abwertend gemeint, nicht im Sinne von Herz-Schmerz, aber doch für einen weiblichen Adressatenkreis von Interesse. Señora Mann, so der Name der Protagonistin, ist alleinerziehende Mutter, unterrichtet Geographie an einer Abendschule und trifft sich ab und an mal mit Freundinnen am Samstag Abend. Zwischendrin zieht sie sich zurück und schreibt in ihr Notizbuch, fühlt sich ertappt, wenn andere ihr dabei zusehen und lebt in der ständigen Angst jemand könnte ihre Aufzeichnungen lesen. Als Señora Mann dann ihren Rucksack mit dem Engel-Büchlein im Auto ihres 25-jährigen querschnittsgelähmten Schülers vergisst, lebt sie ein ganzes Wochenende wie in Trance, stellt sich vor, wie der Schüler mit seinen Fingern den Rucksack öffnet, die Lexika betrachtet und dann das Notizbuch findet. Übertrieben wirken diese Visionen, fast schon krankhaft, aber um so überraschender, als er, der Schüler, dann zugibt: »Ja, ich habe es gelesen.« Und beide, Schüler und Lehrerin ein Liebespaar werden. Als hätte sie insgeheim erhofft, dass er das Geschrieben liest, denn nur so, auf diese Weise, konnte jemand mehr über sie, die Verschlossene, erfahren.
Señora Mann erzählt von ihrer Familie. Das sind überwiegend Geschichten von alleinerziehenden Müttern und abwesenden Vätern. Ihre Großmutter Margarithe Mann floh allein aus Deutschland und buk bis zur Geburt des Sohnes Ingwerkuchen in der Bäckerei »Oro del Rhin«. Bei der Entbindung starb sie, ließ den Sohn ohne Angehörige in Montevideo zurück. Dem Starrsinn ihres Vaters, der auf die deutsche Nationalität beharrte, hat Señora Mann die Reisefreiheit und die gute Ausbildung in der Deutschen Schule zu verdanken. Als sie bei der Bäckerei Erkundigungen über ihre Großmutter einholen will, zeigt ihr der Inhaber ein Foto: »Sie steht zusammen mit allen anderen Porträtierten unter dem Hakenkreuzbanner, das über dem Schaufenster des Oro del Rhin flattert.«
Señora Mann berührt auch die Lebensgeschichte ihrer walförmig gewordenen Mutter, die jeden Abend viele Gläser Rotwein trinkt und jahrelang an mehreren Schulen gleichzeitig unterrichtete, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Tochter aufzubringen. Zu einer Zeit, als die geschiedene, alleinerziehende Frau die Ausnahme in Uruguay war. Um Frausein in verschiedenen Abschnitten der uruguayischen Gesellschaft geht es hier also. Um Rollen-Erwartungen, die an die Frau gestellt werden und darum, wie sie diese Erwartungen aushält.
Das alles aber läuft immer auf das Eine hinaus: Señora Mann hinterfragt die Entscheidung, sich von ihrem Ehemann David zu trennen. »Ich will nicht mehr deine Frau sein« hat sie ihm entgegen geschmettert, als er sie bat, mit ihm nach Israel zurück zu gehen, wo sie sich an einem Straßenstand kennen gelernt hatten. Das war noch zu der Zeit als Señora Mann, ausgerüstet mit einem riesigen Rucksack und dem deutschen Pass, quer durch die Welt reiste. Nach dem Zusammentreffen mit David war es dann vorbei mit dem Abenteuer, dem Schlafen auf Parkbänken, dem Durchqueren fremder Städte: »Es gab kein Peking, es gab kein Bombay: Es gab eine Zukunft in Form eines gewaltigen Bauches.« Trotz aller Emanzipation hat sie sich »für die Höhle und die Jungen entschieden.«

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Atlas der Liebe

Almudena Grandes
Flexibler Einband: 635 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag
ISBN 9783442448470
Genre: Romane

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spanien, erotik, sex, roman

Lulu

Almudena Grandes
Flexibler Einband
Erschienen bei Goldmann
ISBN 9783442411016
Genre: Romane

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158 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

österreich, interview, wetter, liebe, wetten dass

Das Wetter vor 15 Jahren

Wolf Haas
Buch: 223 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 01.09.2006
ISBN 9783455400045
Genre: Romane

Rezension:

Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren

Was haben ein Kriminalroman und ein Liebesroman gemeinsam? Oder: Können Krimiautoren auch Liebesromane schreiben?
Wolf Haas hat erfolgreich sieben Krimis veröffentlicht. Dreimal hat er den Deutschen Krimipreis gewonnen. Zwei seiner Krimis, Komm, süßer Tod und Silentium!, sind verfilmt worden, weitere Verfilmungen sind geplant. Und plötzlich, nach Erscheinen von Das ewige Leben. Ein neuer Fall für Simon Brenner (2003), hat Haas verkündet, nun keine Kriminalromane mehr zu schreiben. Einfach so.
Ganz so leicht schien das Betreten neuer literarischer Gefilde dann aber doch nicht gewesen zu sein, denn zwischen seiner Absage an das Krimi-Genre und dem Erscheinen von Das Wetter vor 15 Jahren liegen ganze drei Jahre. Für einen derart produktiven Autor wie Haas, von dem man gewohnt war, dass er mindestens einen Kriminalroman pro Jahr vorlegt, ist das viel Zeit. Zeit, die sich gelohnt hat, denn Haas hat den Sprung zwischen den Genres raffiniert gelöst.
Der Roman besteht aus einem fünf Tage dauernden Interview zwischen einer Dame, die als „Literaturbeilage“ tituliert wird, und dem Autor Wolf Haas, der einen (fiktiven) Liebesroman mit dem Titel Das Wetter vor 15 Jahren geschrieben hat. Hauptfigur dieses Romans ist der Zechenabbau-Ingenieur Vittorio Kowalski, auf den Haas durch eine Wetten-dass..?-Sendung aufmerksam geworden ist. Kowalski weiß Temperatur- und Luftdruckschwankungen, Niederschlagsmengen und Sonnenscheindauer eines jeden Tages der vergangenen 15 Jahre. Nicht etwa von seiner Heimatstadt Essen, sondern von seinem früheren österreichischen Ferienort Farmach, in dem er in diesen 15 Jahren nicht einmal mehr gewesen ist. Wie Haas seiner Interviewerin bereits am ersten Tag des Gesprächs erzählt, vermutete er sofort, dass eine Liebesgeschichte dahinter steckt und machte sich auf die Suche nach dem Wettkönig Kowalski.
Welche Handlung der (fiktive) Roman nun hat, muss der Leser durch das Verhör, das die „Literaturbeilage“ mit Haas in diesem (wirklichen) Roman führt, herausfinden. Hier haben wir nicht mehr den Detektiv Simon Brenner, der einen Fall löst, sondern der Leser selbst ist der Detektiv und muss sich die Handlung des (fiktiven) Romans erschließen: Dass Kowalski nach Farmach fährt, um seine Jugendliebe Anni wiederzutreffen, er dort von dem Verhältnis zwischen seiner Mutter und Annis Vater erfährt, oder Anni den Hotelbesitzer Lukki schließlich doch nicht heiraten wird. Hier hat man es mit einem gekonnt konstruierten Rätsel zu tun, das der Leser zu lösen hat. Umso mehr, da Wolf Haas nicht nur ein Genre zwischen den Genres erfunden hat, sondern der Leser auch eine Kritik am deutschsprachigen Literaturbetrieb herauslesen kann, den der Autor auf subtile Art entblößt. Z.B. wenn es heißt: „Ein Kritiker schreibt vom anderen ab.“ Oder wenn am Ende des förmlichen Gesprächs auf einmal klar wird, dass „Literaturbeilage“ und Autor sich gut kennen: „Wenn du es unbedingt wissen willst, kann ich dir ja verraten, wie es wirklich war. Aber da musst du vorher das Aufnahmegerät ausschalten.“

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Sneaker Story

Christoph Bieber
Flexibler Einband
Erschienen bei Blumenkamp Verlag, 02.11.2006
ISBN 9783981068528
Genre: Kinderbuch

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Malena

Almudena Grandes
Fester Einband: 605 Seiten
Erschienen bei Scherz
ISBN 9783502102816
Genre: Romane

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435 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

klassiker, clown, liebe, deutschland, nachkriegszeit

Ansichten eines Clowns

Heinrich Böll
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.1967
ISBN 9783423004008
Genre: Klassiker

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581 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 21 Rezensionen

klassiker, mord, medien, gesellschaft, bild

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Heinrich Böll
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.1976
ISBN 9783423011501
Genre: Klassiker

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Die Neunundachtziger

Claus Leggewie
Fester Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe
ISBN 9783455083729
Genre: Sachbücher

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140 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

erzählungen, kurzgeschichten, melancholie, judith hermann, liebe

Nichts als Gespenster

Judith Hermann
Fester Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 01.03.2003
ISBN 9783100331809
Genre: Romane

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523 Bibliotheken, 6 Leser, 3 Gruppen, 22 Rezensionen

indien, buddhismus, klassiker, religion, glaube

Siddhartha

Hermann Hesse
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 01.07.1974
ISBN 9783518366820
Genre: Klassiker

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76 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

nachkriegsliteratur, roman, christlicher glaube, klassiker, rheinland-pfalz

Billard um halb zehn

Heinrich Böll
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.04.1974
ISBN 9783423009911
Genre: Romane

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Literatur des Expressionismus

Thomas Anz
Flexibler Einband: 258 Seiten
Erschienen bei Metzler, J B, 01.10.2002
ISBN 9783476103291
Genre: Sachbücher

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90 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

trennung, erwachsenwerden, kindheit, mutter, jugend

Das Blütenstaubzimmer

Zoe Jenny
Flexibler Einband: 121 Seiten
Erschienen bei btb, 01.10.1999
ISBN 9783442723836
Genre: Romane

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150 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 8 Rezensionen

kurzgeschichten, berlin, gegenwart, deutschland, erzählungen

Sommerhaus, später

Judith Hermann
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.05.2000
ISBN 9783596147700
Genre: Historische Romane

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59 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

irland, heinrich böll, tagebuch, reisen, familie

Irisches Tagebuch

Heinrich Böll
Fester Einband: 143 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 01.01.1957
ISBN 9783462029604
Genre: Romane

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125 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

japan, arbeit, firma, hierarchie, satire

Mit Staunen und Zittern

Amélie Nothomb , Wolfgang Krege
Flexibler Einband: 157 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.06.2002
ISBN 9783257233254
Genre: Romane

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99 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

japan, kindheit, biografie, philosophie, familie

Metaphysik der Röhren

Amélie Nothomb ,
Flexibler Einband
Erschienen bei Diogenes, 30.04.2004
ISBN 9783257233995
Genre: Romane

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