Kaisus Bibliothek

541 Bücher, 220 Rezensionen

Zu Kaisus Profil
Filtern nach
541 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

horror, andreas gruber, kurzgeschichten, luzifer verlag, 15 geschichten

Der fünfte Erzengel

Andreas Gruber
E-Buch Text: 388 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 24.07.2017
ISBN 9783958352377
Genre: Sonstiges

Rezension:

Fünfzehn unheimliche Geschichten, dreimal kurz kommentiert

Bereits zum vierten Mal hat der Luzifer Verlag mit Andreas Gruber einen Kurzgeschichtenband herausgebracht. Man könnte nun auf den Gedanken kommen, dass Gruber sehr gerne short stories schreibt. Mmmh, ob man damit richtig liegt? Zwar sind nicht alle neueren Datums, sondern kommen teilweise noch aus den Kinderschuhen seiner Autorzeit, aber selbst die brauchen sich nicht hinter den frischen Jungspunten zu verstecken.

Hier widmet sich der Autor wieder dem Horror, was er bereits in „northern gothic“ gemacht hat. Um einen kleinen Einblick zu geben, habe ich drei Geschichten näher unter die Lupe genommen. Sie repräsentieren komplett unterschiedliche Nischen des Gruselgenres und wissen dennoch zu unterhalten. Die Jahreszahl hinter dem Titel gibt hierbei nicht die Epoche, sondern das Schreibjahr an.

„Die Testamentseröffnung“ (1999)


Wir schreiben das Jahr 1869 und finden uns in einem kalten, verregneten Wien wieder. Erich von Habitz reist in einer Kutsche zu einem Notar, um den letzten Willen seines kürzlich verstorbenen Vaters zu vernehmen. Anfangs klingt alles nach einer normalen Erbschaft. Doch da gibt es noch die zweite Hälfte des Testaments, die die letzten Tage eines Mannes wiedergibt, der scheinbar nicht aus ganz freiwilligen Stücken von den Lebenden gegangen ist.

    Wer den alten gotischen Stil des Horrors mag, ist hier perfekt aufgehoben!

„Willkommen in Seikersdorf“ (2008)

Sabine ist Reporterin und möchte über das ortsansässige Unternehmen „Genetic Industries“ berichten. Eigentlich kein großes Ding. Aber ihr Chef ist dagegen. Ein wenig auf die Tränendrüse gedrückt, von der Scheidung und dem plötzlichen Verschwinden ihres Bruders Michael erzählt und schon darf sie losdüsen. Michael hatte einst in dem Unternehmen gearbeitet und ist wie vom Erdboden verschluckt. Dem will sie auf den Grund gehen und betritt dabei gefährliches Terrain.

    Grusel in der Wissenschaft. Das hat definitiv was!

„Amazon.jp“ (2014)

Otto ist österreicher Autor und zusammen mit seiner Frau Elisabeth, begibt es sich auf eine Werbetour nach Japan. Herzlich werden die beiden empfangen und lernen das Land mit seinen Sitten und Bräuchen auf eine ganz eigene Art kennen. So gibt man sich höflich und lächelt. Bedankt sich, fragt, möchte mehr, bedankt sich und möchte noch mehr. Schließlich gilt ein direktes „Nein“ als unhöflich. Ob Otto weiß, auf was er sich da eingelassen hat, als er eine Haarlocke spendet und man mehr möchte?

    Ein witzig makaberer Einblick in die Autorenwelt & Japan.

Ich hoffe, ich konnte mich diesem kurzem Einblick Lust auf das Buch machen! Das sind ein paar meine absoluten Favoriten gewesen, die mich erstaunt, unterhalten und gegruselt zugleich haben. Dabei möchte ich direkt vorweg nehmen, dass es keine Abstecher in den Splatterbereich gibt. Auch, wenn es diverse Andeutungen gibt. Zerfetzte Kadaver und blutrünstige sexgeile Monster dürfen sich nicht ausleben. Was natürlich kein Manko ist.

Im direkten Vergleich mit „northern gothic„ nehmen sich beide Sammelausgaben nichts. Auch hier gab es Geschichten, die mich nicht gepackt haben. Leider auch direkt zu Beginn, sodass ich anfangs etwas ernüchtert war. Zum Glück legt sich das rasch und ich konnte eine deutliche Steigerung erkennen. Man wandert wieder über querbeet den Kontinent und begleitet Männer und Frauen gleichermaßen durch ihre schaurigen Erlebnisse.

Wer Andreas Gruber mag, kommt an dieser Ausgabe nicht vorbei. Wer sich dazu noch gern etwas gruselt, sowieso nicht. Lobend kann ich auch wieder die kurzen Vorworte vor der jeweiligen Story hervorheben. So erfährt man ein wenig über den Ursprung der kommenden Zeilen und sieht, wie viel autobiographisches versteckt ist.

Prädikat: Liebhaber von Kurzgeschichten, kommen voll auf ihre Kosten!

http://life4books.de/2017/10/crime-der-fuenfte-erzengel/

  (1)
Tags: crime, horror   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

serie, privatdetektivin, band 3, leichenentsorgung, duisburg

Keine Leiche, kein Problem – Die 3. und letzte Staffel

Per Sander
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Independently published, 20.07.2017
ISBN 9781521891575
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(75)

155 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 57 Rezensionen

amnesie, thriller, psychothriller, berlin, koma

Das Gesicht meines Mörders

Sophie Kendrick
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 16.12.2016
ISBN 9783499272738
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kurz kommentiert:

Da haben wir eine Frau, die aus dem Koma erwacht und unter Gedächtnisschwund leidet. Zum Glück ist die Amnesie nicht so stark, dass alles gelöscht wurde. Bruchstückhaft kommen die Erinnerungen zurück und helfen ihr zurück zum Leben zu finden. Dummerweise ist Clara – die besagt Frau – nicht einfach nur in einen Unfall verwickelt gewesen. Sie wurde überfallen und der Täter ist bis heute nicht gefasst. Sie ist somit ein wichtiger Zeuge oder eben ein Übel, das beseitigt werden muss – je nachdem aus wessen Sicht.

Klingt bis nach einem super Setting! Spannung ist da eigentlich garantiert, wenn man stets so viel weiß, wie Clara. Zunächst schaut auch alles danach aus. Man lauscht den Worten der Frau, die nicht weiß wo oben und unten ist. Wem man trauen kann und wem nicht. Und ist schockiert, als man ihre „alten“ Charakterzüge kennenlernt. Analysiert mit ihr gemeinsam ihre Umgebung und filtert nach Gut und Böse.

Dann kommt der Moment, wo man sich zu 90% sicher ist, wer hinter allem steckt und was vermutlich passiert ist. (und dieser kommt recht früh). Ab da achtet man auf jedes Indiz, sieht sich immer mehr bestätigt und das Spannungsfeeling flaut extrem ab. Die ewigen Dreher im Kreis unterstützen das auch noch. Immer wieder gibt es verdammt ähnliche Gedankenkarusells, die man irgendwann nicht mehr hören kann.

Da nützt auch die äußerst komplexe Hintergrundgeschichte nichts. Die letztlich keine große Rolle spielt und nur den Charakteren ein komplexes Gesicht gibt. Für die Auflösung – so bös es klingen mag – ist sie überhaupt nicht relevant. Füllt eher die Lücke zwischen „Oh, ich weiß wer es ist.“ und „Ha, ich hab es gewusst.“ Und die ist zeitweise sehr zähfließend und man möchte das Hörbuch am liebsten vorspulen…

Fazit:

Es ist nicht der Psychothriller, wie ich ihn erwartet habe. Eine Lese- oder Hörempfehlung kann ich daher nicht aussprechen. Denn selbst der starke Einstieg kann das Ruder nicht rumreißen.

  (3)
Tags: crime, deutschland   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

krimi

Das Walmesser

C. R. Neilson , Ulrich Thiele , Martin Bross
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 28.12.2016
ISBN 9783837136333
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Im Ringen ums Leben gelangt man an einen Punkt, an dem die Grenze zwischen den Widersachern bis zur Unkenntlichkeit verschwimmt. Bin ich es,der diesen Kampf angezettelt hat, ist er es? Liege ich auf ihm, oder werde ich bereits wieder nach unten gedrückt? Gewinne oder verliere ich? Habe ich schon gewonnen, schon verloren? Mein Blut oder sein Blut? (Kapitel 1, erster Satz)

John Callum ist ein Mann, der vor dem Leben flüchtet. Er hat Dinge erlebt, die er vergessen möchte, aber nicht kann und so zieht es ihn auf die Färöer Inseln. Klein. Abgeschieden. Niemandsland. Hier kann er einen Neustart wagen und neu Fuß fassen. Aber er ist ein Fremdling. Die fallen auf in einem Dorf, wo jeder jeden kennt. Vor allem die Alten beäugen ihn. Zum Glück gibt es Ausnahmen, die ihn mit offenen Armen aufnehmen und so findet er einen Job, wo er etwas Geld verdienen kann.

Zwar ist der weit von seinem alten Beruf aus Schottland entfernt – nämlich Lehrer – doch er meckert nicht und nimmt das Leben so hin, wie es ihm entgegenkommt. Nur leider schlägt es fieser zu, als er sich je hat erträumen lassen. Denn nur durch einen Ortswechsel schüttelt man die Vergangenheit nun mal nicht einfach ab. Jemand kennt sein altes Ich und plötzlich ist da dieser Mord, wo er als alleiniger Schuldiger da steht.


„Ihr Name, bitte?“
„Callum. John Callum.“
„Ah, hier stehen Sie ja. Machen Sie in Tórshavn Urlaub, oder sind Sie auf Geschäftsreise hier, Mr. Callum?“
„Weder noch. Ich will hier leben.“ (S.22)

Mit diesem neuen Leben ist es dann erst einmal vorbei. Alle Indizien sprechen gegen ihn. Das Blut. Die Tatzeit. Keine Zeugen und dann noch der Streit, den er erst vor kurzem mit dem Opfer hatte. Schnell ist klar, es muss ein Racheakt gewesen sein. Nur findet man keine stichhaltigen Beweise. Weder das Tatmesser wird gefunden, noch kann man zu 100prozentig nachweisen, dass er am Tatort war. Also muss eine Spezialistin her. Schließlich will man John hinter schwedischen Gardinen sehen!

Was an dieser Stelle nach einem flotten und zeitgleich nervenaufreibend, spannenden Krimi klingt, täuscht etwas. Denn all diese Ereignisse finden nicht in rascher Abfolge statt. Man wechselt ständig zwischen Erinnerungen, Träumen und der Gegenwart hin und her. Was genau damals passiert ist, kommt erst gegen Ende ans Tageslicht. Vorher kann man nur Vermutungen anstellen. Man weiß also nie, ob John Täter oder Opfer ist.

Bei der frischen Tat hat man eine Ahnung und sieht sich in der irgendwann bestätigt. Dennoch beherrscht der Autor perfekt das Verwirrspiel, was gut für die unterschwellige Spannung ist. Denn aufgebrochen wird die Story durch die zahlreichen Beschreibungen und Erklärungen rund um das Inselleben. Man hat wirklich das Gefühl sich dort zu befinden. Das Rauschen der Wellen zu hören, den Wind in den zerzausten Haaren zu spüren und atmet die vom Meer gewaschene Luft ein. Ein Traum.

Als Hörbuch funktioniert dies perfekt. In der Buchform stell ich mir das an einigen Stellen etwas zäh vor, da man ja mehr von John und seinen Dämonen wissen will und nicht eine Studie über die Färöer Inseln lesen möchte. Zudem kommt die melancholische Stimmung Dank Marton Bross, dem Sprecher, sehr gut herüber. Das gesamte Buch wird aus der Ich-Perpektive erzählt und John ist am Boden zerstört. Er weiß nicht weiter. Genau DAS spürt man deutlich beim hören.

Am Ende kommt natürlich die komplette Auflösung und mit ihr die Erkenntnis, dass man das (Hör-)Buch trotz seiner kleinen Ecken und Kanten mochte und nicht von den Inseln verschwinden möchte. Zu gern hat man den Worten des gebrandmarkten Mannes gelauscht und ihn auf seinen Hoch und Tiefs begleitet. Wer die Färöer Inseln mag und nichts gegen eine umfangreiche Darstellung der Umgebung eines Mörders (?) hat, sollte zugreifen!

  (2)
Tags: krimi   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(117)

239 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 65 Rezensionen

japan, mord, geständnisse, schule, schuld

Geständnisse

Kanae Minato , Sabine Lohmann
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 27.03.2017
ISBN 9783570102909
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Warum habe ich also beschlossen zu kündigen?
Weil Manamis Tod kein Unfall war. Sie wurde ermordet, und zwar von Schülern aus dieser Klasse.“ (S.28)

Alles beginnt recht harmlos. Als Yuko Moriguchi, eine Lehrerin, ihrer Klasse mitteilt, dass sie gehen wird und ihre Schüler einen neuen Klassenlehrer bekommen werden. Doch schnell werden die Umstände klar und normal ist ab diesem Moment nichts mehr. Denn die Tochter von Moriguchi ist vor kurzem im Schul-Schimmbecken ertrunken und sie glaubt nicht an einen Unfall. Sie is der festen Überzeugung, dass es Mord war und zwei Schüler ihrer Klasse daran schuld sind.

Ob das berechtigt ist, weiß man natürlich nicht und statt sich sofort auf eine Seite zu schlagen. Pendelt man unschlüssig zwischen den Schülern der siebten Klasse und der trauernden Lehrerin hin und her. Vor allem, wenn man das Geständnis hört, will man die jungen Menschen schütteln und in Sicherheit bringen. Erfährt man dann aber mehr Details über das „Warum“ steht man voll hinter Moriguchi.

„Nicht zu fassen, dass sie nicht begreifen, wie großartig das hier ist. Dann zeige ich es eben jemand anderem, der es mehr zu schätzen weiß.“ (S.43)

Genau genommen hat sie einen üblen Stein ins Rollen gebracht, der sich nicht mehr aufhalten lässt. Man erfährt auf den nächsten Seiten wie ihre Bekanntgabe die Schüler – egal ob schuldig oder unschuldig – beeinflusst. Wie sie sich selbstkritisch hinterfragen, wie sie frustriert alles zerstören wollen oder gar in einer stummen Seifenblase verschwinden. Aber egal wie gut man sich abschottet, das Böse keimt in jedem heran oder steht sogar bereits in voller Blüte.

Wie man oben an dem Eingangszitat merkt, ist das Buch komplett aus der Ich-Perspektive geschrieben. Allerdings redet nicht nur die Lehrerin. Auch Schüler und das Umfeld kommt zu Wort. Wer genau, wird an dieser Stelle nicht verraten, da es dem Spannungsaufbau und der Aufklärung dient. Es ist von Kanae Minato jedoch sehr geschickt umgesetzt, da man so zweifeln, grübeln, vermuten und erahnen kann. Bis letztlich die Lösung komplett auf dem Tisch liegt.

„Vielleicht war das damals so, als er jung war, aber heute ist es anders. Keiner hat mehr richtige „Freunde“. – ich weiß gar nicht genau, was das überhaupt bedeutet.“ (S.186)

Ich kannte vor dem Buch bereits die Verfilmung „Confessions“ und halte mich daher zum Thema Spannung in der Kritik hier recht zurück. Schließlich kannte ich die Schlüsselmomente bereits und wurde nicht überrascht. Weiß aber noch, dass ich bei jeder neuen Erkenntnis erstmal schlucken musste. Vor allem wenn man begreift, was eine einzelne Aussage bezwecken kann.

Letztlich werden einige an der direkten Anrede zu knabbern haben. Selbst für mich war es im ersten Moment ungewohnt, dass das Buch wirklich SO anfängt wie seine Verfilmung (an Lob an den Regisseur). Man arrangiert sich jedoch damit und ist sofort mitten in der Materie drin. Auch wer seine Problemchen mit asiatischer Literatur hat, sollte zunächst in die Leseprobe reinschnuppern und danach zugreifen.

Alles in allem hab ich das Büchlein sehr gerne gelesen und kann definitiv einen Lesetipp aussprechen! Wenn man es zuschlägt und darüber nachdenkt wird einem erst einmal bewusst, wie viele zerstörte Seelen hier zu Wort kommen. Was es heißt beachtet und missachtet zu werden und was passiert wenn eine Behauptung in den Raum gestellt wird, die viele einfach hinnehmen und nur wenige sie hinterfragen.

  (1)
Tags: japan, krimi   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

23 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

frankreich, thriller, krimi, irrenhaus, polizei paris

Fest der Finsternis

Ulf Torreck
E-Buch Text: 672 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 13.02.2017
ISBN 9783641190545
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Im August 1805 herrschte die Pest bereits den dritten Monat über Brest. Leise wie ein Dieb in der Nacht war sie aus einer der Gossen aufgestiegen und hatte die Stadt und ihre Bewohner innerhalb weniger Tage in ihren Bann geschlagen.“ (S.11)

Und ganz so schnell werden die Menschen den schwarzen Tod auch nicht mehr loswerden. Dennoch schwebt noch eine andere Angst, als die der Ansteckung in der Luft Paris‘ umher. Seit geraumer Zeit, werden immer wieder Leichen junger Frauen gefunden. Nichts ungewöhnliches zu jener Zeit, mag man denken. Doch allesamt waren schwanger und hatten kurz vor ihrem Tod entbunden. Nur fehlt von dem Nachwuchs jede Spur.

Der örtliche Polizeichef Fouché ist mit dem Fall komplett überfordert und ordert den einst verbannten Polizisten Louis Marais zurück ins Amt. Dieser ist natürlich verwundert und argwöhnisch. Dennoch verbeißt er sich recht schnell in den Fall und merkt, dass er Hilfe braucht. Mit diesem Killer ist nicht zu spaßen und er bewegt sich auf einem Terrain, wo sich Marquis de Sade wesentlich besser auskennt. Somit wird dieser ins Boot geholt.

Stückchenweise kommen sie dem Täter auf die Spur und trotzdem drehen sie sich im Kreis. Erst als sie eine weitere weibliche Person zu Rate ziehen, bekommt der Mörder ein Gesicht und ihnen wird bewusst, in was sie sich da verfangen haben. Die Herrin der Nacht selbst begleitet die beiden Männer dabei natürlich nicht, sondern schickt eine ihrer vertrautesten Damen als Hilfe mit.

„Ein Polizeiagent, ein berüchtigter Schriftsteller und die Thronerbin der Herrin der Nacht. Eine interessante Kombination.“ (S.268)

Kaum zerren sie erste Wahrheiten an das grelle Tageslicht, kommen sofort die Widersacher daher und wollen ihre Arbeit zunichte machen. Da haben wohl auch mächtigere Wesen ihre Hände im Spiel, als man von Angesicht zu Angesicht in Gesprächen zugeben mag. Somit beginnt eine Katz-Maus-Jagd quer durch die Straßen von Paris, die letztlich nur eine Seite gewinnen kann.

Diese Jagd nach dem grausamen Killer ist nicht auf 300 Seiten abgehandelt. Ulf Torreck hat hier alle Register gezogen und einen extrem gut recherchierten Roman vorgelegt, der viele wahre Daten oder Gesichter aus der damaligen Zeit mit einbindet. Zudem werden viele französische Begriffe und Titel genannt. Man hat dadurch wirklich das Gefühl sich in Frankreich zu befinden.

Wem dies alles zu viel wird, der findet auf den letzten Seiten eine kurze Auflistung der wichtigsten Gesichter.

Die Spannung kommt dabei natürlich nicht zu kurz. Hat man sich erst einmal einen Überblick verschafft und sich in die Welt der Pariser eingefunden, will man auch nicht mehr davon weg. Ich empfehle zudem das kurze ebook „Vor der Finsternis“, vor diesem Buch hier zu lesen. Man erfährt hier noch einiges mehr über Marais. Vor allem über seine Vergangenheit und versteht seine Beweggründe besser.

Alles in allem war ich positiv überrascht von dem Buch. Muss aber dennoch ein paar Abstriche machen. So hat es eine Weile gedauert, bis ich für das dicke Büchlein bereit war und mich komplett in der Story verbeißen konnte. Zudem kommt es durch die wunderbare Ausführlichkeit gelegentlich zu langen Passagen, wo ich mich arg zusammenreißen musste, diese nicht zu überfliegen. Wer über diese kleinen Makel hinwegsehen kann, sollte zugreifen!

Lesenswerte Lektüre, die einen intensiv in die Abgründe der Pariser Welt entführt!

  (0)
Tags: frankreich, krimi   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(27)

74 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

usa, hexe, prozess, historischer krimi, history

Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal

Robert McCammon
E-Buch Text
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 28.02.2017
ISBN 9783958351981
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Ich will keine Angst verbreiten!“, gab sie scharf zurück. „Ich will die Wahrheit verbreiten, die mir gezeigt wurde! Dieser Ort ist verflucht! Ihr wisst es, ich weiß es, jeder mit Verstand weiß es!“ (S.77)

Hexen! Wie lange habe ich schon nichts mehr zu dieser Thematik gelesen? Verdammt lange! Daher bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe dieses feine Hardcover-Büchlein bei mir einziehen lassen. In einer kleinen Leserunde wurde es nun die Tage verschlungen und ich kann ein erstes kurzes Fazit abgeben. Warum kurz? Dieser erste Band, ist nur die Häfte des ersten Bandes im Original und somit bleiben natürlich einige Fragen offen.

Worum gehts?

Richter Isaac Woodward und sein Gerichtsdiener Matthew Corbett werden in das kleine beschauliche Örtchen Fount Royal zitiert. Es geht um einen Hexenprozess, der rechtmäßig ablaufen soll. Die Fakten liegen alle auf dem Tisch, Woodward soll nur noch den Finger des Gesetzes darunter setzen und alles absegnen. Doch irgendwie ist dann doch nicht alles so eindeutig, wie geglaubt wird.

Vor allem Matthew – der dem Buch auch seinen Titel gibt – schießt hier quer und ist von der Unschuld der Frau überzeugt, die als Hexe hingerichtet werden soll. Dumm nur, dass ihm scheinbar keiner glaubt oder den Mum aufbringt sich ihm anzuschließen und so macht er sich auf eigene Faust los. Das ist allerdings auch keine so gute Idee, denn natürlich bleibt seine Schnüffelei nicht unbemerkt und hat sehr ernste Konsequenzen für ihn.

„Ich bin erst zufrieden, wenn alles passt und einen Sinn ergibt. […]“ (S.275)

Wie oben schon angedeutet, kommt es in diesem Band nicht zur Auflösung aller Fragen. Einige werden beantwortet und manche tauchen neu auf. Somit müssen wir den zweiten Teil abwarten und hoffen, dass dort zumindest alle relevanten Dinge geklärt werden. In der Hinsicht gibt es daher noch keine Beurteilung von mir.

Positiv gefällt mir der Schreibstil. Vor allem in der Anfangsszene, wird einem klar, was der Autor kann und welches Potenzial in ihm steckt. Man hat wirklich das Gefühl sich in jener rauen Zeit zu befinden, wo man erst am Anfang von menschlicher Hygiene steckt und eher das raue, wilde Tier in einem zum Vorschein kommt, als der moderne Homo Sapiens.

Zudem will man die ganze Zeit wissen, wie es weiter geht. Also auch in den Momenten wo man sich kaum von der Stelle rührt, weil neue Faktoren dazu kommen, die man so nicht erwartet hat. Also weder die Charaktere, noch man selbst als Leser. Weil ein gerader Weg wäre zu simple und vorhersehbar. In die Karten schauen lässt sich der Autor aber auch nicht. Es bleibt komplett vage, wer oder was der Täter hier in dem Buch ist.

Schade fand ich die Momente, wo man über Ungereimtheiten gestolpert ist. Das mag an der Übersetzung liegen oder am Original selbst. Blöd ist nur, wenn einem Dinge auffallen, die nicht so recht in die damalige Zeit passen wollen. Sei es das Alter mancher Charaktere oder gewisse Bezeichnungen bzw. Wörter. Zudem hätte ich mir mehr Pepp gewünscht. Genau SO, wie man es auf den ersten Seiten vorgeführt bekommen hat.

Ende vom Lied?

Ich bleibe am Ball! Und kann auch allen Hexen-Liebhabern und historischen Krimi-Freunden dieses Buch nur empfehlen. Zwar bin ich weder komplett überzeugt, noch abgeneigt, aber es gibt schließlich noch einen zweiten Teil, der eine Menge Licht ins Dunkel bringen wird. Hoffentlich.


  (0)
Tags: krimi   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

11 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

krimi, leichenentsorgung, handwerker, mord, e-book

Keine Leiche, kein Problem

Per Sander
E-Buch Text: 259 Seiten
Erschienen bei null, 02.07.2016
ISBN B01HWY16M2
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Wahrscheinlich fragen Sie sich, was der Quatsch soll, diesen Text in Staffeln und Episoden zu organisieren.“ (S.1)

Ja! Genau das, frag ich mich! Wie kann man einfach aus der Reihe tanzen und ein neues Übersichtssystem für Bücher erschaffen? Das ist so was von unkreativ und unsinnig? Wer soll so was wollen? Staffeln, Pah! So etwas gibt es bei Serien, aber beim gedruckten Wort hat das nichts zu suchen. Herr Autor, was haben sie sich dabei nur gedacht?

„Mir fallen keine Untertitel für die Folgebände ein.“ (S.1)

Immerhin ist Per Sander ehrlich und sagt direkt im Vorwort, was es mit dieser Betitelung auf sich hat, die natürlich nicht im geringsten stört. Ganz im Gegenteil. Es ist schön, wenn jemand etwas Neues ausprobiert. Inhaltlich bekommt man auch genau das geboten, was man von ihm schon  gewohnt ist: Derbe Dialoge und hitzige Wortgefechte.

Gleich auf den ersten Seiten wird man in das laute Streitgespräch von zwei Schwestern reingeschmissen, zu denen sich kurz darauf noch eine dritte Stimme gesellt. Der Vater ist nach Hause gekommen und findet etwas vor, was er so nicht in seiner Wohnung haben möchte: Eine Leiche. Aber es nützt alles nichts, der Körper muss weg. Die Polizei ist aus diversen – wichtigen – Gründen ausgeschlossen.

Parallel dazu gibt es bei Privatdetektivin Nergiz ebenfalls eine Diskussion, die es in sich hat. Allerdings recht einseitig. Ein Klient ist mit ihren Diensten nicht zufrieden. Aber die gute Frau muss auch ihr Geld verdienen und wer die Vertragsklauseln nicht richtig lesen kann, stürmt eben wutentbrannt nach draußen, stolpert und bricht sich das Genick. Ups, noch eine Leiche, die weg muss.

„Wir haben uns nie gesehen. Wir kennen uns nicht. Wir waren nie hier. Es gibt keine Leichen. […]“ (S.43)

Und so treffen zwei Gesellen aufeinander, die eigentlich nur Geld verdienen wollen und plötzlich in eine Nische rutschen, die sie so nie eingeplant haben. Aber wat mutt, dat mutt, wie der Norddeutsche nun sagen würd. Anfangs haben die beiden auch alles unter Kontrolle – ein oder zweimal einen Körper verschwinden lassen – kein Ding, aber regelmäßig? So viele flüssige Betonböden hat Duisburg nun auch nicht.

Wer Lust auf einen Krimi hat, der neben einem spannenden Hintergrund auch noch witzige und gute Dialoge mitliefert, der ist hier genau richtig. Denn trotz der wunderbaren Schlagabtausche, existiert eine Hintergrundstory, die selbst mich innerlich vor Unmut und Entsetzen aufstöhnen lies. An ein paar wenigen Stellen kam der Erklärbär zum Vorschein, aber über den seh ich großzügig hinweg, da er meinen Leseeifer nicht mindern konnte.

Lesetipp für alle Crime-Lesewütige!

  (0)
Tags: deutschland, krimi   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

italien, krimi

Das Böse vergisst nicht

Roberto Costantini , Anja Nattefort
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 10.04.2017
ISBN 9783570102572
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Ich konnte das Raunen ihrer Gedanken hören, aber ihren Lauf nicht ändern. […] Nicht einmal ein Schrei begleitete ihren Sturz. Und die Stille änderte für immer mein Leben.“ (S.7)

Michele Balestreri ist inzwischen ein Mann höheren Alters und trotzdem noch nicht alt genug, um seine letzten Lebenstage auf der Couch herumlümmeln zu können. Aktuell arbeitet er für die Mordkommission in Tripolis. Mehr recht als schlecht, denn seine Motivation der frühen Jahre ist nie so recht zurückgekehrt. Egal wie sehr sein Kollege Corvu auch an ihn glaubt, so richtig aufbauen kann selbst er ihn nicht.

Da kommt es gerade recht, dass die Journalistin und alte Bekannte Linda Nardi, einen Hinweis der Geldwäsche nachgeht, der es in sich hat. Denn statt klein anzufangen, packt sie sich direkt die großen Fische der Wirtschaft an. Während ihrer Recherche kommt eine junge Frau mitsamt Tochter ums Leben. Bei einem kurzem Hinblick könnte man denken, dass es Selbstmord gewesen ist.

Aber, wer auch immer der Täter war, hat seinen inszenierten Mord schlecht vertuscht. Oder wollte er Michele Blut schnuppern lassen? Denn je mehr er sich in den Fall vertieft – nicht gerade freiwillig – umso mehr, muss er sich mit den Schatten seiner Vergangenheit auseinander setzen. Diese huschen seit Jahrzehnten um ihn herum und kommen nicht zur Ruhe. Doch nun hat er die Chance auf den Tisch zu hauen und klar Schiff zu machen.

„Normalerweise hilft die Vergangenheit, die Gegenwart zu verstehen. Aber in diesem Fall ist es anders. Sie tun gut daran, sich damit abzufinden.“ (S.192)

Man kann es sich schon denken: Ein Spaziergang wird das nicht werden. Schließlich ist bekannt, dass ein zielgerichteter Michele äußerst hartnäckig sein kann und gerne dunkle Geheimnisse an das Tageslicht zerrt. So hat er zum Beispiel endlich die Möglichkeit zu erfahren, was denn nun damals mit seiner geliebten Mutter passiert ist. Deren Tod und seine Schuldgefühle ihn bis heute belasten. Ob man ihm diese Wahrheit nun erzählen wird?

„Das Böse vergisst nicht“ ist ein äußerst zutreffender Buchtitel. Hier sammelt sich nun alles, was in den ersten beiden Bänden offen geblieben ist. Ich kann also vorweg nehmen: Ja, es wird ein rundes Ende. Als Leser schlägt man das Buch zufrieden zu und hat nicht das Gefühl im Stich gelassen worden zu sein.

Was mir ebenso positiv aufgefallen ist, ist der Lesefluss. Hatte ich bei den Vorgängern zeitweise das Gefühl von Informationen, Macht und Gewalt erschlagen zu werden – da einfach so umfangreich und zeitnah recherchiert wurde – so war dies hier nicht der Fall. Zwar ist der Text immer noch voll mit Informationen, aber sie scheinen besser verteilt zu sein.

„Die Mank wird dort enden, der Blutspakt wird dort enden, mein Leben wird dort enden.“ (S.337)

Und was ist mit Tea? Den gibt es auch, vor allen in Libyen, wo Michele erneut einreisen muss. Aber auch die Spannung kommt nicht zu kurz. Zwar seicht, aber dennoch immer im Hintergrund vorhanden. Manche Züge ahnt man und wird wirklich erst im letzten Moment bestätigt oder eben nicht. Selbst Schockmomente kommen plötzlich daher, die man so nicht gewohnt ist von Roberto Costantini.

Vom Aufbau her bleibt sich der Autor treu. Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich ab. In dem Fall die Jahre 2011 und 1969/1970. Die Übersicht verliert man dabei nicht im geringsten, da immer mit Kapitelüberschriften, das Land, die Zeit und der Name, der sprechenden Person genannt wird. Als besonderes i-Tüpfelchen, werden die  Ereignisse der Vergangenheit, jeweils aus der Ich-Perspektive beschrieben.

Alles in allem bekommt das Buch und somit auch die Trilogie ein fettes Däumchen nach oben! Absolut lesenswert, wenn man einen Krimi lesen möchte, der mit einer Menge italienischen Temperament gefüllt ist.

  (0)
Tags: italien, krimi   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(34)

51 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

dystopie, drogen, krimi, heyne, roboter

Junktown

Matthias Oden
E-Buch Text: 450 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 09.05.2017
ISBN 9783641197179
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Unterkonsum: Unterschreiten der vorgeschriebenen Mindestmenge psychoaktiver Substanzen, zieht strafrechtliche Konsequenzen nach sich.“ (Begriffsverzeichnis)

Willkommen in Junktown! Da muss ich glatt den ersten Satz vom Buchrücken übernehmen, denn besser könnte man einen Touristen in dieser Stadt nicht begrüßen. Da kämpfen wir heute gegen jeglichen Drogen- und Alkoholkonsum. Warnen vor Missbrauch und den schädlichen Folgen. Prangern derartige Produkte mit illegal an und dann plötzlich ist da diese fiktive Welt, wo man Drogen nehmen MUSS.

Es gehört zur Pflicht eines guten Bürgers, regelmäßig seine Drogen zu nehmen. Schließlich muss bei den regelmäßigen – staattlich verordneten Tests – ein gewisser Wert erreicht werden. Jeglicher Nicht-Konsum oder gar eine Verweigerung wird sofort bestraft. Entsprechend kann man sogar Drogentrips von seinem Arzt verschrieben bekommen. Sollte sich ein Tief ankündigen. So viel zum Grundgerüst von Junktown. Welche Rolle spielt nun Inspektor Solomon Cain in dem Geschehen?

„Die Sonne hievte sich über den Horizont und schien nieder auf ein Junktown, das den Morgen so teilnahmslos über sich ergehen ließ wie eine Cracknutte den letzten Freier nach einer viel zu geschäftigen Nacht.“ (S.13)

An jenem Morgen wird eine Leiche gefunden. Nicht irgendeine. Eine Maschine wurde ermordet. Wie soll man denn eine Maschine ermorden können? In einer Epoche, wo es Brutmuttern gibt, die für Nachwuchs sorgen, kann auch eine zerstörte Maschine eine äußerst wichtige Rolle spielen. In diesem Fall wurden direkt zeitgleich 800 Föten mit umgebracht. Während Cain seine Ärmel hochkrempelt und sich an die Aufklärung macht, schalten sich zeitgleich hohe Ämter ein, die jeden Schritt von ihm genauestes beobachten.

Komischerweise fangen diese an, eine Vergangenheit ebenfalls unter die Lupe zu nehmen. Nur warum? Ist Cain auf etwas gestoßen, was keiner herausfinden soll? Schließlich wird er dezent darauf hingewiesen, dass er nicht zu tief bohren soll. Nur, wer CAIN heißt, der hält sich bestimmt nicht an Regeln. Nope. So viel kann ich verraten. Nach dem Gesetz handelt er definitiv nicht. Nur reitet er sich dabei in Dinge hinein, der er vielleicht etwas vorsichtiger hätte anpacken sollen.

„Kraft durch Konsum“ (Werbeslogan)

Wow, denkt man sich nach den ersten Seiten. Was für eine Welt, was für ein Setting. Dann die Beschreibungen, die Charaktere, das macht was her! Leider bekommt diese kleine Wohlfühl-Oase gelegentlich kleine Risse. Zwar werden am Ende alle Abkürzungen und Begriffe erklärt, dennoch wünscht man sich öfters mehr Tiefe. Das Buch hat absolut das Potenzial dazu und niemand würde schimpfen, wenn es doppelt so dick wäre. Nein! Denn man lauscht gerne den Worten der Charaktere und ist fasziniert von deren absurder Welt.

Da es ein Debütroman ist, hat der Autor definitiv eine zweite Chance verdient und kann seinen Werken noch mehr Leben einhauchen, als er es jetzt schon macht. Damit würde nicht nur mich glücklich machen, sondern viele andere Leser auch. Genügend kurioses Kopfkino ist schließlich vorhanden.

Mit meiner Kritik möchte ich das Buch aber nicht klein machen. Es liest sich flott weg. Man ist von Anfang an drin und gesellt sich gern zu Cain und seinem Kollegen Brom. Ist ein Geheimnis gelüftet, taucht schon ein neues auf und selbst unsere Hauptfigur hat mit ihren Schatten zu kämpfen. Die natürlich noch ans Tageslicht gezerrt werden und eine unfreiwillige traurige Analyse bekommen.

Letztlich kann ich das Buch Crime Lesern empfehlen, die nichts gegen futuristische Welten haben und gern einen Abstecher in abstruse Städte machen.

  (0)
Tags: krimi   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(55)

118 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 8 Rezensionen

dean koontz, atomphysikerin, gehirnwäsche, amnesie, krankenhaus

Das Haus der Angst

Dean Koontz , Edgar Müller-Frantz
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Pavillon, 01.07.2007
ISBN 9783453771741
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ohne großes Gezappel ist man direkt drin im Geschehen. Susan liegt im Krankenhaus und weiß nicht was los ist. Genauso, wie der Leser, versucht die herauszufinden, was passiert ist. Schnell ist klar, dass es einen schweren Unfall gab, Susan im Koma lag und nun wieder ins Leben zurückgeholt wird. Das heißt nicht nur Muskeltraining in dem Untergeschoß des Hospitals. Nein, auch Gedächtnistraining ist angesagt.

Denn sie kann sich nur bruchstückhaft an die Vergangenheit erinnern, manche Abschnitte scheinen komplett gelöscht zu sein. Als wäre das nicht schlimm genug tauchen Schatten ihrer Vergangenheit auf. Obwohl ihr klar ist, dass das nicht sein kann. Bekommt sie es immer mehr mit der Angst zu tun. Zu real wirken diese grausamen Träume.

„Aber das hatte alles nichts mit einer Geistesstörung zu tun. Nein, sie mochte verwirrt sein, das ja, aber verrückt war sie nicht.“ (S.72)

Die knapp 300 Seiten hat man schnell gelesen und fühlt sich prima unterhalten. Denn man geht voll mit Susan mit. Sie ist keine Frau, die kreischend im Raum herumrennt. Sie versucht es mit Köpfchen und das macht sie sympathisch. Natürlich erfreut sie sich an der freundlichen Art ihres Arztes, aber dieser Part bekommt keinen großen Anteil in der Story. Alles bleibt ihm verdaulichen Rahmen.

Letztlich war ich positiv überrascht. Zwar blickt man irgendwann durch, aber auch ungefähr zu dem Zeitpunkt, wo Susan ebenfalls ein Lichtlein aufgeht. Dann ist die Geschichte noch nicht rum, sondern bekommt die entsprechende Aufklärung. Bei der manchmal dachte „oooookay!?“ aber letztlich passte alles zusammen.

Eine feine Lektüre für zwischendurch.

  (0)
Tags: amerika, crime   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

25 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

chris kyle, american sniper, biografie, schicksal

American Sniper

Chris Kyle , Jim DeFelice , Scott McEwen
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei riva, 11.07.2016
ISBN 9783868839029
Genre: Biografien

Rezension:  
Tags: biografie, schicksal   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(33)

49 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

science fiction, roboter, sylvain neuvel, außerirdische, aliens

Giants - Zorn der Götter

Sylvain Neuvel , Marcel Häußler
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.05.2017
ISBN 9783453534803
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Ich kann damit leben, nicht zu wissen, was mit mir passiert ist, aber ich muss wissen, ob ich… ich bin. Es ist schrecklich, daran zu zweifeln.“ (S.17)

Dr. Rose Franklin ist zurück. Doch irgendwie auch nicht. Denn einiges hat sich verändert. Nur was genau, das kann sie im ersten Moment selbst nicht greifen. Sicher ist, dass sie sich nicht mehr an viele Dinge erinnern kann und die Hilfe ihrer Mitmenschen braucht. Nun gut, wenn man eigentlich bei einem Unfall ums Leben kam und plötzlich wieder auftaucht, da muss schließlich irgendwo ein Haken sein.

Während Rose versucht ihre „Wiedergeburt“ zu begreifen, tüftelt sie außerdem weiterhin an dem Geheimnis von Themis. Dem Roboter, der vor über zehn Jahren entdeckt und zusammen gefügt wurde. Natürlich ist nicht nur sie an dem Ursprung und dem Grund seiner Lagerung auf der Erde interessiert. Auch andere Forscher und Länder wollen endlich etwas brauchbares an Fakten in der Hand halten.

Plötzlich bringt eine brisante Meldung alle ins stocken: In London ist ein weiterer Roboter gelandet. Einfach so. Mitten aus dem Nichts. Anstatt jedoch mit den Menschen Kontakt aufzunehmen, steht er einfach so herum. Planen seine Piloten etwas? Gibt es einen technischen Defekt? Kann man deshalb nicht aussteigen oder via Lautsprecher mit einem reden? Oder will man überhaupt nicht kommunizieren und beobachtet einfach nur?

„Der Roboter hat den Kopf gedreht.“ (S.93)

Ha! Da ist es. Das Lebenszeichen! Erfreut berichtet man von dieser Sensation. Live wird es übertragen. Die Freude ist riesig! Nur um kurz darauf in blankes Entsetzen um zu schlagen. Denn die Begrüßung fällt bei weitem nicht so aus, wie man sie gerne hätte. Damit bleibt nur noch eine Lösung: Kara und Vincent, müssen Themis aktivieren und dem neuen – nicht gerade fröhlich gestimmten – Besucher gegenübertreten. Derweil bekommt dieser weltweit Gesellschaft.

Aaaaand Cut! Was genau passiert und wieso, wird auf den nächsten Seiten aufgeklärt. Dabei wird das Buch zeitweise erstaunlich ruhig und emotional im Ton. Vor allem bei den Zwiegesprächen zwischen Rose Franklin und dem Unbekannten, aus den Protokollgesprächen. Man lernt Facetten an deren Charakteren kennen, die man nach dem ersten Teil nicht erwartet hätte. Zumindest empfand ich so.

Dass die Lage sich dramatisch zuspitzt, merkt man auch an der konstant bestehenden Spannung im Hintergrund. Man fiebert und leidet mit den Figuren mit. Vor allem, wenn gewisse Wahrheiten ans Licht kommen, kombiniert mit der momentanen Situation auf der Erde. Drama Baby! Drama! Aber keine Sorge, es wird nicht übertrieben. Ich habe nämlich durchaus bei manchen Szenen zurückgeblättert und gedacht: Nein, bitte nicht!

„Also, so nahe werden wir der zufrierenden Hölle wohl nie wieder kommen.“ (S.247)

Letztlich bekommt man hier einen ähnlichen Aufbau, wie im ersten Band präsentiert. Der Part der Zwiegespräche ist am größten, dicht gefolgt von den Tagebucheinträgen der Doktorin. Nur hatte ich diesmal das Gefühl, mehr in der Materie drin zu sein und nicht einfach ein kaltes blankes Protokoll zu lesen. Auch die Spannung ist hier wesentlich präsenter und viele lose Enden werden aufgeklärt.

Mir hat der zweite Teil sehr gut gefallen.  Ich würde ihn auf einer Punkteskala sogar vor Band 1 setzen. Wer also beim Auftakt skeptisch war und gerne das Fragezeichen aus seinem Kopf wegradiert bekommen möchte, sollte diesem Buch hier definitiv eine Chance geben. Es lohnt sich!

  (4)
Tags: science fiction, weltweit   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(46)

79 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

wien, krimi, nachkriegszeit, mord, historischer krimi

Der zweite Reiter

Alex Beer
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Limes, 27.03.2017
ISBN 9783809026754
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Niemand durchschaut Emmerich. Daran kannst du dich gleich gewöhnen.“ (S.24)

Nachkriegszeit. Man hangelt sich von Tag zu Tag. Hofft, dass man morgen genügend zu Nahrung findet, sich nicht den Arsch abfriert und die nächsten Tage in der Hundskälte überlebt. Mittendrin sterben Menschen. Was nicht sonderlich überraschend ist. Wer unterernährt ist oder keinen Sinn mehr in seinem Dasein sieht, beendet es eben. Gern auch mit Nachdruck. Doch nicht alle wollen sterben. Sondern müssen es.

Und genau so einen Fall hat Polizeiagent August Emmerich auf dem Tisch liegen. Selbstmord. Was sollte es sonst sein. Mach einen Haken an die Sache, die ist es nicht wert. Aber Emmerich ist skeptisch. Also recherchiert er und geht den letzten Spuren des Verstorbenem nach. Wohlbetucht hat er nicht gelebt. Kein Wunder, dass der ehemalige Soldat als traumatisches Opfer deklariert wird.

Immer mit an seiner Seite – mehr oder weniger freiwillig – der Neuling Ferdinand Winter. Das komplette Gegenteil von ihm: Aus gutem Haus. Lebt bei seiner Mutter. Noch grün hinter den Ohren. Wie soll DER mit ihm mithalten? Der hat doch keine Ahnung! Aber wie sagt man so schön, was nicht ist, kann ja noch werden. Die beiden entdecken nämlich schnell wo ihre Stärken und Schwächen liegen und wie sie sich perfekt ergänzen können.

„Chef, da sind Sie ja.“ Winter hatte von dem ganzen Wirbel rote Wangen und glänzende Augen bekommen.“Das war vielleicht aufregend heute, oder?“
Emmerich zuckte mit den Schultern und verkniff sich einen Vergleich mit der Dramatik von Grabenkämpfen und Gasangriffen. „Kümmerst du dich später um den Papierkram?“ bat er seinen Assistenten stattdessen. (S.153)

Eigentlich ist es „nur“ ein Fall, der einem Inspektoren mit feinfühligem Instinkt auffällt und dennoch ist das Buch super spannend und interessant geschrieben. Besonders das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren und deren Umgebung ziehen einen in den Bann. Lassen einen schmunzeln und zusammenzucken. Man fühlt sich ihnen nah, auch wenn man diese Epoche nicht miterlebt hat.

Zeitgleich kommt man dem gesuchten Mörder immer näher. Diesem passt es überhaupt nicht, dass da jemand seine Taktik scheinbar durchschaut und setzt zum Gegenangriff an. Diese sind nicht sonderlich zögerlich und beide Polizisten bekommen den Hass deutlich zu spüren und neue Leichen präsentiert. Ein Teufelskreis. Der nicht aufhören will.

„Kommt no mehr. Kommt no mehr Unglick.“ (S.241)

Irgendwann ahnte ich, wer hinter allem steckt, aber richtige Hinweise bekam man nie präsentiert. Erst kurz bevor Emmerich es selbst herausbekommt, konnte mich sich zu 100prozent sicher sein. So etwas mag ich bei Krimis. Denn die Spannung ist dadurch immer vorhanden, genauso wie der Wille vor dem Ermittler aus dem Buch auf die Lösung zu kommen. Was für einen wunderbaren Leseeifer sorgt.

Alles in allem kann ich das Buch nur empfehlen. Der zynisch denkende (und aussprechende) Emmerich, kombiniert mit dem zarten Jüngling Winter, geben ein sympathisches Team ab. Zudem haben beide ihr Leben, was Schatten und Licht bereit hält. Was, sie auch noch äußerst menschlich wirken lässt. Desweiteren schafft die Autorin es, einem die damalige triste, trübe und traumatische Stimmung perfekt darzustellen. Da bleibe ich gerne am Ball!

  (4)
Tags: deutschland, krimi   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(109)

230 Bibliotheken, 5 Leser, 11 Gruppen, 18 Rezensionen

berlin, krimi, gereon rath, 1929, deutschland

Der nasse Fisch

Volker Kutscher
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 25.08.2008
ISBN 9783462040227
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit diesem Roman beginnt eine sensationelle Serie, mit der Volker Kutscher den Kriminalkommissar Gereon Rath durch das Berlin der 20er- und frühen 30er-Jahre und mitten in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der Zeit schickt.

Volker Kutscher lässt das Berlin des Jahres 1929 lebendig werden. Sein Held Gereon Rath erlebt eine Stadt im Rausch. Kokain, illegale Nachtclubs, politische Straßenschlachten – ein Tanz auf dem Vulkan. Der junge, ehrgeizige Kommissar, neu in der Stadt und abgestellt beim Sittendezernat, schaltet sich ungefragt in Ermittlungen der Mordkommission ein – und ahnt nicht, dass er in ein Wespennest gestoßen hat. (KiWI Verlag)

Meine Meinung:

Nachdem ich in letzter Zeit eine Lesephase habe, in der sich viele Bücher, die sich mit der Situation nach dem ersten Weltkrieg beschäftigen, einschleichen, kam ich natürlich um diesen Serienauftakt nicht drumherum. Trotz einiger schlechter Kritik zum Buch, hab ich mich nicht abschrecken lassen und es nicht bereut.

Der Autor hat mit seinem Kriminalkommissar Gereon Rath eine ruhige Person erschaffen, die mit ihren beruflichen Schatten zu kämpfen hat und dennoch nach vorne schaut. Nicht immer läuft alles rund in seiner Welt. Dennoch ist es recht schwer ihn unter Druck, Hohn und Verachtung begraben. Ein kleines Steh-auf-Männchen quasi, das für Gerechtigkeit kämpft.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und kommt ohne große Aufreger daher. Einen actiongeladenen Krimi, wo man von Tatort zu Tatort hetzt sollte man also nicht erwarten. Es wird ein ruhiger Ton angeschlagen. Da es ein Serienauftakt ist, beschäftigt man sich natürlich mit den Figuren, bevor es zur Sache geht.

Auslöser ist ein seltsamer Unfall mit einem Auto, in dem ein Körper gefunden wird, der schon lange vor dem Unfall tot war. Gereon weiß durch Zufälle bereits zu Beginn mehr, wie seine Kollegen und nutzt das für seine eigene Recherchen aus.

Nicht immer versteht man, warum der Kommissar so handelt, wie er handelt – aus menschlicher Sicht – letztlich führt aber alles zu einem runden Ende, man klappt das Buch zufrieden zu und ist neugierig auf neue Fälle mit dem Neu-Berliner Kommissar Rath.

Schade fand ich nur, dass zu wenig das Feeling der damaligen Zeit herüberkommt. Zwar geht man auf das Denken und die politische Situation ein. Spürt den Hass, die kommende neue Orientierung und erkennt sofort, wer sich nicht dieser beugen will. Dennoch fehlt etwas die Optik. Der raue Alltag, die Sorge um Nahrung, die erschöpften Seelen nach dem Krieg, wie die Autorin es in „Der zweite Reiter“ geschafft hatte.

Ein Lesetipp, der ruhigeren Art!

Zitate:

„Ein seltsamer Fall. Und wie hatte sich der tote Russe die Verletzungen an Händen und Füßen zugezogen? Ein wirklich seltsamer Fall, dachte Rath.“ (S.91)

„Und wenn die Helden der Mordkommission den Täter präsentieren, dann steht die Polizei wieder da wie Persil am Himmel. Weiß und strahlend! Die Presse feiert sie, ganz Berlin feiert sie. Und kein Mensch denkt mehr an die blutigen Maitage.“ (S.134)

„Ich habe einen ganz einfachen Grund“, sagte er. „Ich bin Polizist, damit solche Schweine wie du nicht ungestraft davon kommen.“ (S.489)

  (5)
Tags: deutschland, krimi   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

horror, mord, mörder, krimi, extrem

SHIFTERS – Radikal böse

Edward Lee , John Pelan
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 22.01.2016
ISBN 9783865524478
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Captain Jack Cordesman wird an den Schauplatz eines bestialischen Mordes gerufen. Der Tote wurde das Opfer eines Kannibalen. Neben den Bissspuren gibt es nur einen einzigen Hinweis: ein paar lange, rote Haare.
Als diese Haare auch an weiteren Tatorten gefunden werden, wird klar, dass die Polizei von Seattle es mit einem Serienkiller zu tun hat – mit einer Frau. [Festa Verlag]

Meine Meinung:

Nach so einem Klappentext erwartet man Gemetzel, Blut und Kadaver. Nun, das bekommt man auch. Aber gut verpackt und nicht zu viel. Schlecht wird einem nicht werden, wenn man die Szenen der Mordgelüste erreicht hat und dem Mörder bei seiner brutalen Arbeit zuschaut.

Mittendrin ist da noch Locke. Ein Poet. Ein Dichter. Irgendwie ist er zur falschen Zeit, am falschen Ort. Hegt die falschen Gedanken, hat die falschen Verbindungen und wird in den Strudel aus Gewalt mit hineingerissen. Und das verdammt gründlich. Dummerweise bemerkt er das viel zu spät.

Als „guten“ Konter haben wir Cordesman. Ein Mann mit Köpfchen. Der rational an die Sache herangeht und vor nichts zurückschreckt. Er sucht und wühlt, bis er endlich einen handfesten Beweis gefunden hat und sich zielsicher auf die Spur des Killers begibt.

Positiv ist der Aufbau. So bekommt man häppchenweise das Böse präsentiert, ohne dass man sich diesem überdrüssig wird. Der ständige Szenenwechsel sorgt für Spannung und einen rasanten Lesefluss. Erahnen, wie alles endet kann man. Bis ins Detail weiß man trotzdem nicht alles, bis die Worte ausgesprochen werden.

Negativ ist die Prosa. Locke schreibt Gedichte und diese Gedichte dürfen wir auch lesen. Wenn man jedoch nichts damit anfangen kann, ist das ziemlich doof. Unsinniger Platz wird verschwendet, den man noch mehr in Details hätte stecken können. Ein paar Seiten mehr hätten diesem Buch sehr gut getan.

Fazit:

Lesenswerte blutig-derbe Lektüre. Die man sich als Leser der Autoren auf jeden Fall mal etwas genauer anschauen sollte. Als Einstiegslektüre in das Genre empfehl ich es dagegen nicht.

  (0)
Tags: hardcore, krimi   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

thriller, gefahr, krimi, stalker, roman

Kalliope

Arthur Gordon Wolf
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 28.02.2017
ISBN 9783958351769
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Markus Reuther, ein Wuppertaler Krimi-Autor, hat Probleme mit seinem aktuellen Roman. Seine Protagonistin weigert sich plötzlich, mit ihm zu »sprechen«. Hilflos muss er mit ansehen, wie sie von einer Katastrophe in die nächste stolpert. Dabei hat er keine Ahnung, was als nächstes geschieht. Liegt es vielleicht daran, dass es niemanden gibt, der ihn zum Schreiben drängt? Würde die Kommunikation mit seinen fiktiven Charakteren besser laufen, wenn von außen ein wenig mehr Druck auf ihn ausgeübt würde? [Luzifer Verlag]

Meine Meinung:

In einer kleinen Leserunde haben wir dieses Buch uns gemeinsam zur Brust genommen. Zwar reizte mich das Thema nicht direkt von Anfang an, aber die Neugierde war irgendwann groß genug für einen Kauf. Nach den ersten Seiten freute ich mich auf ein spannendes Katz-Maus-Spiel, zusammen mit dem fiktiven Autor Markus.

Man bekommt den Erzählstrang der Gegenwart, den Part des Buches – an dem Markus Reuther schreibt – und einen weiteren zunächst unbekannten Erzähler vorgesetzt. Später kommen noch die ominösen Mails hinzu, die eigene Kapitel haben. Eigentlich perfekt für ein Verwirrspiel und rasante Unterhaltung.

Dummerweise ist der Krimi im Krimi so klischeelastig und vorhersehbar geschrieben, dass ich ihn am liebsten jedes Mal überflogen hätte. Sollte dies eine bitterböse Reaktion auf american crimestories sein, so kam dies bei mir leider nicht an. Auch die ständigen Selbstzweifel und das Gejammer von Markus gingen mir rasch auf den Keks und der Drang das Buch zuzuklappen wer sehr groß.

Zum Glück gab es Mitleser und so entdeckte man kleine Perlen, wie den Freund von Markus: Thorsten Stern – kurz Schotti. Ein liebenswerter schrulliger Geselle, der ein wenig Farbe ins Dunkel bringt und die Stimmung auflockert. Ebenso taucht eine Kurzgeschichte auf, die einfach nur genial ist und die man eher verfolgt hätte, als den Rest des Buches.

Fazit:

Die Idee ist super! Nur leider ist die Umsetzung gescheitert. Nicht mal die böse Muse konnte einen noch umstimmen oder gar die spannenden Momente gegen Ende des Buches. Es überwiegen die negativen Eindrücke. Man mag Jammer-Markus einfach nicht, ebenso seine uninteressante Geschichte. Zudem ahnt man worauf alles hinauslaufen wird.

Bei einem Buch im Stil von „Das Baumhaus“ – der Kurzgeschichte des unbekannten Erzählers –  wäre ich sofort dabei! So muss ich leider eine Enttäuschung aussprechen.

  (0)
Tags: deutschland, krimi   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(35)

69 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

brasilien, entführung, thriller, menschenunwürdig, mord

Sag kein Wort

Raphael Montes , Kirsten Brandt
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Limes, 26.06.2017
ISBN 9783809026785
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Zwar kannte er Clarices Familiennamen nicht und wusste weder, wo sie wohnte, noch, an welcher Universität sie Kunstgeschichte studierte, aber er hatte ihre Handynummer, und das machte sie doch gewissermaßen schon zu einem Paar.“ (S.23)

Stell dir vor, du lernst ein Mädchen kennen und verliebst dich Hals über Kopf in ihre Mimik, ihre Gesten, ihre Worte, ihr äußeres. Aber du bist ein Einzelgänger. Ein Außenseiter. Den man kennt, respektiert, nur nicht unbedingt als Freund haben möchte. Du rechnest deine Chancen nicht sehr hoch ein. Resignierst schon und dann – plötzlich – erwidert sie deine Näherungsversuche und gibt dir sogar einen Kuss. Woah! Der Gewinn des Jahres!

Du schwebst auf Wolke sieben. Wie betäubt gehst du zu Bett und freust dich auf den nächsten Tag. Dann kannst du sie anrufen und die zarte Beziehung vertiefen. Bloß, wie sollst du ihr erklären, woher du ihre Nummer hast? Gegeben hat sie dir diese nämlich nicht. Erschlichen hast du sie dir. Heimlich. Das wird schon, denkst du dir. Irgendeine logische Begründung fällt die ein und dann lacht ihr darüber.

„Du verfolgst mich. Bei der Grillparty hast du dir meine Nummer besorgt.“ (S.44)

Die Konfrontation, der sich Teo kurz darauf stellen muss, läuft nicht so, wie er es sich erhofft hatte. Clarice ist nicht im geringsten über seine extremen Annäherungsversuche begeistert. Teo ist schlichtweg nicht ihr Typ. Freunde ja, aber nicht mehr. Da sieht der enttäuschte Märchenprinz rot und schlägt seine Eroberung kurzerhand nieder. Schnappt sich einen großen Reisekoffer und „verstaut“ sie darin. Zu Hause will und muss er sich neue Schritte überlegen.

„Er konnte Clarice nicht wieder gehen lassen.“ (S.51)

In seinem Kopf gehen fortan Dinge vor, die man sich nicht ausmalen möchte. Der Stalker hat das Objekt seiner Begierde gefunden und will es nicht mehr hergeben. Koste es was es wolle. Und seine Clarice würde irgendwann schon erkennen, was für ein guter Ehemann er sein würde. Dann würden die Gefühle kommen und sie könnten glücklich zusammen leben. Für immer. Auch wenn bis zur Erleuchtung Betäubungsmittel und Fesseln notwendig sind.

„Der äußeren Erscheinung fehlte die höhere Macht der Gefühle. Die verbindende Karft lag vielmehr im Austausch, in der Hingabe, dem Einander-Entdecken. Das war es doch, was man Symbiose nannte.“ (S.63)

Noch jemand hier, der Teo nicht abartig krank findet? Dieser junge Mann lässt einen wirklich Schauer über den Rücken jagen. Immer hat er eine neue (makabere) Idee, trickst herum, lässt seine Redekunst wirken und umgeht so jeglichen Verdacht der Entführung. Immer wenn man denkt, dass es das war und sie auffliegen, geht er einen weiteren Schritt in die falsche Richtung und einer der letzten hat mich derbe schlucken lassen, so geschockt war ich.

Clarice ist eine starke Persönlichkeit. Hut ab, dass sie nicht sofort zusammenbricht. Sie spielt sein Spiel mit und versucht so zu überleben. Leider hat sie auch extreme Gefühlsschwankungen in manchen Szenen, sodass ich ihr diese nicht immer abgekauft habe. Aber neben Teo sieht man eh schwach aus. Selbst die Eltern von Clarice, deren handeln und denken ich nicht nachvollziehen konnte. Genauso wirkte das Ende wie eine Flucht für mich und hat mich nicht zu 100% zufrieden zurückgelassen. Auch wenn ich den letzten Satz wiederum perfekt fand.

Letztlich erzeugt der brasilianische Autor eine fesselnde Stimmung, die einen sofort in den Bann zieht und bis zur letzten Seite gefesselt hält. Da möchte ich definitiv mehr von ihm lesen! Aufgrund einiger Beschreibungen, würde ich das Buch sogar bald in den hardcore Bereich einsortieren. Einen soften Thriller sollte man also nicht erwarten. Einige Momente werden recht explizit dargestellt.

Prädikat: Lesenswerte Lektüre!

  (0)
Tags: brasilien, thriller   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

20 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

frankreich, macht, mord, umweltskandal, geld

Die Treibjagd

Antonin Varenne , Susanne Röckel
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Penguin, 13.06.2017
ISBN 9783328101567
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Es geht nicht um mich. Ich führe keinen Krieg. Und ich glaube, du siehst die Dinge nicht mehr, wie sie sind.“ (S.41)

Zwei Familienclans, die sich nicht ausstehen können. Die ihre Ländereien direkt nebeneinander liegen haben. Zaun an Zaun. Grashalm an Grashalm. Erdklumpen an Erdklumpen. Theoretisch. Wenn da nicht diese Stadt wäre, die beide haben wollen, aber keiner so recht bekommt. Die Stadt, die einst vor industriellem Reichtum nur so strotzte. Sie lebte mit dem Puls der Zeit und zog viele Arbeiter an. Und heute?

„Die Hälfte der Häuser steht leer, alles ist heruntergekommen, die Geschäfte in der Hauptstraße wechseln jedes Jahr den Besitzer, und die Hälfte der Läden steht zum Verkauf.“ (S.8)

Die Mittel und Wege, die beiden Familien – die Courbiers und die Messenets – seit Jahren benutzen um sich das Leben schwer zu machen, lastet schwer auf den Schultern der Einwohner und allem voran der Natur. Das „massif central“ liegt im südlichen Frankreich und ist ein traumhafter Flecken Erde. Der mit den Füßen getreten wird. Einer der einsamen Gegner ist Remi Parrot. Er ist Revierjäger und wird eher geduldet als akzeptiert.

Doch er hat sich einen harten Panzer zugelegt. Nur zwei Faktoren können ihn aus der Ruhe bringen: Die Zerstörung der Natur und seine Jugendliebe Michele Messenet. Witzigerweise sind es genau diese beiden Punkte, die fast zeitgleich zu einem Eklat führen. Remi ist seit seiner Jugend optisch entstellt und rechnet nicht damit von einer Frau geliebt zu werden. Also ist er eben ein Einsiedler. Was ihm dann jedoch durch seinen Freund Philippe zu Ohren kommt ist nicht mehr witzig.

„Rémi spürte, dass sich sein Herz zusammenzog, oder vielmehr war es andersherum: Sei Blut schien sich bis zu den äußersten Rippen auszudehnen. Er sah den Wald ringsum und musste sich zurückhalten, um nicht laut Phillippes Namen zu rufen.“ (S.77)

Plötzlich ist dieser verschwunden. Und das direkt vor der Jagd, die für die Dezimierung des Wilds wichtig ist. Entschlossen will Rémi diese Absagen. Immerhin läuft da draußen sein Freund umher. Wahrscheinlich ohne Warnweste, er könnte für Wild gehalten werden. Aber keiner will wegen eines gesuchten Anwohners dieses Event absagen. Ein Kampf gegen Windmühlen und die böse Saat, bekommt er zu spüren.

Kurz zuvor war Michele nach über zwanzig Jahren an diesen gottverlassenen Ort zurückgekehrt und verdreht ihm auf anderer Gefühlsebene den Kopf. Letztlich nützt alles nichts. Wenn jemand meint, „seine“ Landschaft zerstören zu wollen, muss er erst an ihm vorbei. Koste es was wolle! Und so beginnt ein fieser Machtkampf zwischen den Fronten.

„Ich bin zurückgekommen, weil mir, nachdem ich wegging alles missglückt ist.“ (…) „Und nun?“ „Ein Schlachtfeld, von Toten bedeckt, ist das ein friedlicher Ort? Aber das ist es nicht, was ich wollte.“ (S.112)

Familienkrieg – klingt nicht sonderlich spannend. Kennt man aus diversen Büchern, die sich mit dieser Form der Unterhaltung beschäftigen. Was dieses Buch jedoch aus der Masse hervorstechen lässt ist, neben dem markanten Charakter Rémi, der Schreibstil und Aufbau des Buches. Kurz, knapp und auf den Punkt gebracht. Schnörkellos und geradlinig begleitet man die wichtigsten Figuren durch das Treiben in dem kleinen Ort R. Mal aktuell im Geschehen dabei, mal bei einer kleinen Befragung und in kleinen Dialogen.

Die Kapitelüberschriften sind dabei besonders gut gelungen. Statt Zahlen oder Zeitangaben im ursprünglichen Sinne, gibt es Hinweise wie „Zwanzig Jahre nach Terre Noire, acht Tage nach dem Brand, vier Tage vor der Jagd, Morgen des ersten Zusammenstoßes“. Allerdings auch nicht in chronologischer Reihenfolge. Was gut für den Spannungsaufbau ist. Denn lange Zeit weiß man nur, dass es z.B. einen Brand gab/gibt. Nur nicht warum und wieso und wer involviert ist.

Alles in allem war ich recht positiv überrascht von dem Buch. Liest man die ersten Seiten, weiß man direkt auf welchen Stil man sich einlässt und dieser ist sicher nicht nach dem Geschmack jeden Lesers. Da ich den Stil französischer Autoren mag, bin ich auch hier schnell in den Worten des Autors versunken.

Eine kurze Geschichte über einen Eigenbrödler, der aus seinem sicheren Panzer ausbricht und alle spüren lässt, was für ein sturer Bock in ihm stecken kann.

  (0)
Tags: frankreich, krimi   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(67)

102 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 59 Rezensionen

kindesentführung, thriller, entführung, drama, familie

Es beginnt am siebten Tag

Alex Lake , Stefanie Kruschandl
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 05.12.2016
ISBN 9783959670555
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Es ging leichter als gedacht.“ (S.5)

Ein Tag, wie jeder andere auch. Es ist schönes Wetter. Julia und Brian sind auf Arbeit, die kleine Tochter Anna in der Vorschule. Heute ist Julia mit abholen dran und wie immer ist sie etwas zu spät. Das Handy streikt und der aktuelle Termin in der Kanzlei zieht sich unendlich in die Länge. Da hilft nur noch rasch Sachen zusammenraffen und mit dem Auto flott zur Schule düsen. Anna wird schon sehnsüchtig am Tor warten. Nur da ist keine Anna. Nur die Lehrerin.

Schnell ist klar, dass die fünfjährige Anna von jemanden Fremden mitgenommen worden sein muss. Denn weder ihr Vater, noch befreundete Familien haben das Mädchen mitgenommen. Eine riesige Suchaktion wird eingeleitet. In der Hoffnung, dass sie zu einem Spielplatz oder in den Wald gelaufen ist. Aber nichts bewahrheitet sich. Und so beginnt der Druck auf die Mutter zu zunehmen.

Warum hast du nicht angerufen?
Warum bist du immer zu spät?
Warum bist du so unzuverlässig?
Du bist keine gute Mutter!

Zwar bekommt Julia Hilfe und Unterstützung von einer Beamtin, doch irgendwann bricht sie zusammen und mit ihr ein komplettes Kartenhaus aus Familie, Freunden und Umfeld. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so will sie für Anna stark sein. Reißt sich zusammen. Man kann wirklich sagen, dass ihr alle – wirklich alle – Optionen durch den Kopf gehen und sie abwägt. Und dann kommt die Nachricht, die alles zum Guten wendet: Anna wurde gefunden. Lebend.

Nach der großen Freunde über ihre Rückkehr – sieben Tage nach ihrem Verschwinden – kommt plötzlich die bittere Erkenntnis: Es ist noch lange nicht vorbei. Der Albtraum beginnt gerade erst so richtig. Vor allem auf Julie scheint es der Täter abgesehen zu haben. Es beginnt bei Falschmeldungen in der Zeitung, geht weiter mit privaten Dramen und Katastrophen, bis hin zu den seltsamen Erinnerungen von der kleinen Anna, die keinen Sinn ergeben wollen und sie stark beschäftigen.

Der Titel ist hier wirklich ernst zu nehmen: Es beginnt am siebten Tag.

Erst ab diesem Punkt wird es interessant und richtig spannend – sofern man das überhaupt sagen kann. Zu Beginn ist man natürlich neugierig und versucht automatisch den Täter vor der Mutter zu finden. Vor allem, da man den Vorteil hat, dass man ein wenig in seine kontroll-fanatischen Gedanken eintauchen kann. Schön fand ich die Methode, wie das umgesetzt wurde. Man wird als Leser direkt angesprochen. Du hast. Du bist. Du wirst. Aus psychologischer Sicht recht geschickt gemacht.

Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass das Buch nicht wirklich überzeugen kann. Wie eine Familie in so einer Situation reagiert, ist sicherlich jedesmal anders. Grundsätzlich wird Bestürzung da sein und diese kommt deutlich spürbar herüber. Nur wird mir in diese Familie zu viel an Bestürzung hineingesteckt. Die oben erwähnten Optionen, kommen alle vor und man fragt sich, wieso das Umfeld so inkompetent ist.

Zudem ahnt man ab einem gewissen Punkt wer hinter allem steckt.

Ungefähr zur Hälfte des Buches weiß man es auch sicher. Dank eines offensichtlichen Hinweises. (Oder les ich einfach zu viele Bücher aus dem Genre und erkenne entsprechend solche Indizien immer sofort? Mh…) Ab da will man nur noch, dass man zum Punkt kommt. Denn es zieht sich unnötig. Wird langatmig und dezent langweilig. Was ich recht schade fand, da die Idee hinter allem mir noch neu und somit perfekt war für Spannungsliteratur.

Alles in allem kann man das Buch durchaus lesen. Man sollte nur nicht zu viel Spannung erwarten. Eher einen traumatischen Schicksalsschlag mit bösem Hintergrund. Ich werde entsprechend keine Empfehlung aussprechen. Dafür war es als Gesamtpaket zu fad und übertrieben dramatisch.

  (0)
Tags: crime, schicksalsschlag   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

belletristik, familie, obdachloser, armut, rassismus

Die Toten der North Ganson Street

S. Craig Zahler , Katrin Mrugalla , Richard Betzenbichler
Flexibler Einband: 495 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 08.08.2016
ISBN 9783518466933
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt:

Die Bewohner nennen ihre Stadt Shitopia, weil es seit Langem nur bergab geht, die Kriminalitätsrate mit jedem Tag steigt und nicht einmal die Tauben sie lebenswert finden. Kein Detective tritt hier freiwillig seinen Dienst an. Hierhin wird man strafversetzt. Denn es ist die Hölle auf Erden. [Suhrkamp Verlag]

Meine Meinung:

Wenn ein Stadtteil „Shitopia“ genannt wird, wird das mit Sicherheit seine Gründe haben. Kommen dann noch ca. 700 Kriminelle auf einen Polizisten, dann ist die Vorfreude auf den neuen Job und eine unbekannte Stadt sicherlich riesig! Nicht.

Jules Bettinger lässt das auch deutlich den Leser spüren. Trotzdem kneift er die Arschbacken zusammen und stellt sich der Herausforderung. Zarte weiße Blümchen und rosa Seidenpapier sucht man in dem Buch vergebens. Hier geht es rau und hart zur Sache.

„Ist das Diner halbwegs erträglich?“
„Was?“, fragte Dominic, ohne hochzusehen.
„Ist das Diner halbwegs erträglich? Claude’s?“
„Ekelhaft.“
„Wo geht man hier in der Gegend essen?“
„Claude’s.“
„Obwohl das Essen schlecht ist?“
„Es gibt zwei Gerichte, die einen nicht umbringen.“ (S.57)

Auch wenn man Anfangs denkt: Auf was hab ich mich da eingelassen? Bei den Sprüchen, die hier gekloppt werden, kann doch nichts Gutes bei rum kommen. Nicht täuschen lassen. Die Story hat es in sich und bietet weit mehr als man vermuten mag.

Positiv fand ich die direkte Art der Polizisten. Man muss hart sein, also ist man hart. Zumindest nach außen. Die Familie wird nicht mit reingezogen. Nicht bei den grausamen Morden die hier passieren und sich scheinbar gezielt gegen Polizisten richten. Da muss der weiche Kern gut verschlossen bleiben.

„Sie leben in einer Postkartenidylle“, erwiderte Dominic. „Ich werde Sie mal richtig ins Bild setzen.“ (S.153)

Zudem hat S.Craug Zahler eine wunderbare Bildsprache. Ich musste öfters schmunzeln, die Stirn vor Ekel kraus ziehen und gegen Ende kam das leise Herzklopfen, wenn man sich dem finalen Showdown nähert. Unterhaltung pur.

Negatives gibt es eigentlich nichtt. Eher dezente Längen, die man hätte umschippern können und es gab 1-2 Momente wo man direkt spürte, was einen am Ende des Kapitels erwartet, da man den typischen Aufbau aus zig anderen Krimis und Thrillern kennt. Dennoch haute das jeweilige Ende ordentlich rein.

Fazit:

Mit dem sarkastischen und zeitgleich super sympathischen Schreibstil hat sich der Autor einen Bonuspunkt in meinem Leserherz verdient. Daher kann ich das Buch auch ohne Umschweife zu einem Lesetipp erklären!

  (0)
Tags: crime, lesetipp   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

las vegas, befreiung, philosophie, killer, ist wirklich zu empfehlen.

Billy

einzlkind
Flexibler Einband: 203 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.03.2017
ISBN 9783518467411
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt:

Billy wächst behütet in Duffmore, einer Kleinstadt in Schottland, auf.[…]
Mit 22 Jahren tritt er in die Firma der Familie ein, eine Firma, die Auftragsmorde erledigt. Und für Gerechtigkeit sorgt, denn ermordet werden nur Mörder.  Als Billy das erste Mal den Schalldämpfer auf seine Walther steckt, denkt er an Nietzsche, den „großen Immoralisten, den Verbrecher, den Antichrist“. Danach fällt ihm sein Job leichter. Billy ist 34, als er nach Las Vegas fährt, um Whip zu treffen, ein Mitglied der Firma. Gemeinsam wollen sie eine Woche die Stadt der Gambler erkunden und die nächsten Aufträge besprechen. […] (Suhrkamp)

Meine Meinung:

„Grund ihrer Reise? Holiday.
Wie lange wollen Sie bleiben? Eine Woche.“ (S.37)

Da ist ein Mann unterwegs nach Las Vegas und hat eine Menge Geschichten und bösen Humor im Gepäck. So erzählt Billy wie er zu dem geworden ist, was er heute ist. Ein Mörder aus einem „anerkannten“ Familienbetrieb. Und der Job macht ihm Spaß. Zudem ist er schlaues belesenes Bürschen, was genau weiß, was er will.

„Menschen. Leben.
Und dann gibt es natürlich noch die, die sterben.
Durch mich.“ (S.109)

Er zieht über andere Mörder her. Erklärt vom grausigen Musikgeschmack seiner Tante, die er sehr geliebt hat und seiner Kindheit in Schottland mitsamt der leckeren Erbsensuppe. Billy war (und ist?) ein Außenseiter, der Philosophen mag und t-shirts mit dem Aufdruck „Eure Schlichtheit kotzt mich an.“ (S.107) anzog. Ein richtig liebenswürdiger Geselle.

Das Buch ist wirklich wie eine Erzählung aus der Sicht von Billy. Mit dem direkten Ich, wendet er sich an den Leser. Natürlich geht es nicht nur um seine Vergangenheit. Seine Reise ist gespickt mit seltsamen Genossen, die seinen Weg kreuzen und für feine Dialoge sorgen. Angst vor Überzeichnungen sollte man nicht haben, denn sie kommen hier vor. Aber es passt und wirkt stimmig.

„Ich mag keine Mörder.
Ich weiß, dass ich selbst einer bin.
Tja.“ (S.163)

Fazit:

„Billy“ ist kein gewöhnlicher Krimi oder gar Thriller. Er ist ein Buch, was unterhält, dramatisiert, verblüfft und einen zum schmunzeln bringt. Hier ist der Killer keiner Schublade entsprungen, sondern zeigt einen feinen Charakter auf, wie es ihn öfters geben sollte. Zwar brauchte ich 2-3 Kapitel um voll in den Leseschwung zu kommen, danach war ich aber mittendrin und wollte nicht mehr weg, bis das letzte gedruckte Wort gelesen war.

  (0)
Tags: crime, las vegas   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

41 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

krimi, färöer inseln, färöer, waljagd, mord

Das Walmesser

C. R. Neilson , Ulrich Thiele
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 28.12.2016
ISBN 9783453419674
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

John Callum ist ein Mann, der vor dem Leben flüchtet. Er hat Dinge erlebt, die er vergessen möchte, aber nicht kann und so zieht es ihn auf die Färöer Inseln. Klein. Abgeschieden. Niemandsland. Hier kann er einen Neustart wagen und neu Fuß fassen. Aber er ist ein Fremdling. Die fallen auf in einem Dorf, wo jeder jeden kennt. Vor allem die Alten beäugen ihn. Zum Glück gibt es Ausnahmen, die ihn mit offenen Armen aufnehmen und so findet er einen Job, wo er etwas Geld verdienen kann.

Zwar ist der weit von seinem alten Beruf aus Schottland entfernt – nämlich Lehrer – doch er meckert nicht und nimmt das Leben so hin, wie es ihm entgegenkommt. Nur leider schlägt es fieser zu, als er sich je hat erträumen lassen. Denn nur durch einen Ortswechsel schüttelt man die Vergangenheit nun mal nicht einfach ab. Jemand kennt sein altes Ich und plötzlich ist da dieser Mord, wo er als alleiniger Schuldiger da steht.


„Ihr Name, bitte?“
„Callum. John Callum.“
„Ah, hier stehen Sie ja. Machen Sie in Tórshavn Urlaub, oder sind Sie auf Geschäftsreise hier, Mr. Callum?“
„Weder noch. Ich will hier leben.“ (S.22)

Mit diesem neuen Leben ist es dann erst einmal vorbei. Alle Indizien sprechen gegen ihn. Das Blut. Die Tatzeit. Keine Zeugen und dann noch der Streit, den er erst vor kurzem mit dem Opfer hatte. Schnell ist klar, es muss ein Racheakt gewesen sein. Nur findet man keine stichhaltigen Beweise. Weder das Tatmesser wird gefunden, noch kann man zu 100prozentig nachweisen, dass er am Tatort war. Also muss eine Spezialistin her. Schließlich will man John hinter schwedischen Gardinen sehen!

Was an dieser Stelle nach einem flotten und zeitgleich nervenaufreibend, spannenden Krimi klingt, täuscht etwas. Denn all diese Ereignisse finden nicht in rascher Abfolge statt. Man wechselt ständig zwischen Erinnerungen, Träumen und der Gegenwart hin und her. Was genau damals passiert ist, kommt erst gegen Ende ans Tageslicht. Vorher kann man nur Vermutungen anstellen. Man weiß also nie, ob John Täter oder Opfer ist.

Bei der frischen Tat hat man eine Ahnung und sieht sich in der irgendwann bestätigt. Dennoch beherrscht der Autor perfekt das Verwirrspiel, was gut für die unterschwellige Spannung ist. Denn aufgebrochen wird die Story durch die zahlreichen Beschreibungen und Erklärungen rund um das Inselleben. Man hat wirklich das Gefühl sich dort zu befinden. Das Rauschen der Wellen zu hören, den Wind in den zerzausten Haaren zu spüren und atmet die vom Meer gewaschene Luft ein. Ein Traum.

Als Hörbuch funktioniert dies perfekt. In der Buchform stell ich mir das an einigen Stellen etwas zäh vor, da man ja mehr von John und seinen Dämonen wissen will und nicht eine Studie über die Färöer Inseln lesen möchte. Zudem kommt die melancholische Stimmung Dank Marton Bross, dem Sprecher, sehr gut herüber. Das gesamte Buch wird aus der Ich-Perpektive erzählt und John ist am Boden zerstört. Er weiß nicht weiter. Genau DAS spürt man deutlich beim hören.

Am Ende kommt natürlich die komplette Auflösung und mit ihr die Erkenntnis, dass man das (Hör-)Buch trotz seiner kleinen Ecken und Kanten mochte und nicht von den Inseln verschwinden möchte. Zu gern hat man den Worten des gebrandmarkten Mannes gelauscht und ihn auf seinen Hoch und Tiefs begleitet. Wer die Färöer Inseln mag und nichts gegen eine umfangreiche Darstellung der Umgebung eines Mörders (?) hat, sollte zugreifen!

  (0)
Tags: crime, hörbuch   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 3 Rezensionen

exfreund, thriller, zwei ermittler, logan finch, verdacht

Verfehlung

GJ Moffat , Leon Mengden
Flexibler Einband: 415 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 19.09.2011
ISBN 9783442374458
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: crime   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

The Doll's House

M. J. Arlidge
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Penguin UK, 12.02.2015
ISBN 9781405919197
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 
541 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks