Leserpreis 2018

KasiaJaeckels Bibliothek

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deutsch als fremdsprache, einfache sprache, flucht, flüchtlinge, geflüchtete, integration, leichte sprache, migration

Zwischenreise

Bernd Mittenzwei
Flexibler Einband: 148 Seiten
Erschienen bei edition naundob, 10.11.2016
ISBN 9783946185062
Genre: Romane

Rezension:

Bei „Zwischenreise“ handelt es sich um einen Roman in Einfacher Sprache. Zumeist werden diese Bücher für Menschen geschrieben, die erst im Erwachsenenalter Deutsch lernen – sprich Migranten – oder auch Menschen mit einer individuell gearteten starken Lesebeeinträchtigung. Nach einem kurzen Gespräch am Stand der Buchmesse, bei der ich das Buch mitnahm, fand ich den Ansatz Erwachsenenliteratur mit einer tatsächlichen inhaltsreichen Geschichte an u.a. Migranten anzubieten einfach eine Maßnahme auf Augenhöhe. Durch die Produktion einer vernünftigen Spannungskurve und tatsächlichen inhaltlichen Nachricht an den Leser – nur eben in schlichter Wortwahl – kann tatsächlich zum Lesen in der neuen bzw. unvertrauten Sprache animiert werden. Dies wollte ich selbst erspüren, die Wortwahl kennenlernen und eine Idee für eine Geschichte, die auch in einfachen Worten wirkt, ausprobieren.

Das Leseexperiment hat sich gelohnt. Ich durfte feststellen, dass Bernd Mittenzwei auch durch eine Aneinanderreihnung an kurzen Sätzen eine Atmosphäre schaffen kann. Auch in schlichten Worten und ohne Fremdwörter konnte ich als Leserin ein Gefühl für die Charaktere entwickeln.

Die beiden Hauptakteure des Buchs sind übrigens Dima und Salim aus Syrien. Aus deren Sicht erlas ich mir Emotionen beim Warten auf einen ersehnten und gefürchteten Brief von der Ausländerbehörde, die Hürden bei Gesprächen mit Einheimischen, aber auch deren subtilen Weg zueinander als Paar.

Diesen Weg krönt in dem Buch eine gemeinsame Radreise zur Zugspitze. Trotz elementarer Sprachkenntnisse und unsicherem Bleiberecht machen sich die beiden Liebenden auf den Weg. Um Deutschland von oben und vom Rad aus kennenzulernen. Was die Reise bei beiden emotional auslöst und wie sie daraus hervorgehen verrate ich nicht, vielleicht mögt Ihr schliesslich auch Dima und Salim selbst in einem Leseexperiment kennenlernen.

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Tags: einfache sprache, flucht, flüchtlinge, integration, migration   (5)
 

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familiendrama, familienprobleme, family secrets, geschwisterbeziehungen, loss, mourning, uk

The Favourite

S. V. Berlin
E-Buch Text: 520 Seiten
Erschienen bei Myriad Editions, 03.08.2017
ISBN 9780993563393
Genre: Sonstiges

Rezension:

Angesprochen durch die Buchbeschreibung als „elegantes Werk über die Natur der Trauer“ fing ich an zu lesen.

…und hörte leicht entnervt und latent erschöpft nach 140 Seiten wieder auf.

Pro & Kontra

Bevor ich anfange über die Aspekte zu schreiben, die letzten Endes zum Leseabbruch geführt haben, ist es mir ein Anliegen diejenigen zu beleuchten, die durchaus gelungen sind.
Die Autorin beleuchtet Schrittchen für Schrittchen die einzelnen Stationen nach Versterben einer geliebten Person aus drei Perspektiven. Hierzu bedient sie sich dreier Erzähler: Edward – der zutiefst negativ geprägte und machohafte Sohn/Bruder. Dann Isobel – die angeblich snobbistische Tochter/Schwester, die vor Jahrzehnten in die USA ausgewandert ist. Letztlich Julie – die geradezu unterwürfige Lebensgefährtin von Edward.

Deren Wahrehmung auf einzelne Interaktionen, miteinander sowie mit Dritten, könnte als Psychologielehrbuch dienen. Wie kleine Differenzen in Betonung und aufgesetzter „Brille“ bereits über die Gesamtwahrnehmung einer Situation entscheiden können, wird dem Leser mehr als deutlich. Wo Edward einen vermeintlich abschätzigen Blick wirft aus Wut auf seine Schwester, sieht diese einen nachdenklichen Gesichtsausdruck und interpretiert weiter… und so weiter und so fort. Damit erschöpfen sich auch schon die positiven Aspekte.

Über dieses Hilfsmittel der drei Erzähler entwickelt sich die Handlung in einem Schneckentempo – vom Todestag zur ersten Nacht ohne die Mutter und dann zu dem Start des Ausräumens, bei dem auch ungeöffnete Briefe und sonstige geheimnisvolle Hinweise auftauchen. Letzteres jedoch greift keine der Figuren auf, alle schleichen schweigend um sich rum… durchaus lebensecht, aber für die Geschichte ein Todesstoß.

Nach 140 Seiten indirekter Psychoanalyse wäre doch etwas handfeste Aktion angebracht gewesen. Spannendere Wendungen, die den Leser klarer über die Gründe des Familienzerwürfnisses rätseln lassen. Ich genieße es, wenn ein Autor mich auch auf falsche Fährten lockt, ich über Hintergründe grübele, nur um dann neue Hinweise zu erhalten, die mich als Leser wieder in eine neue Denkrichtung treiben… wäre ja vieles machbar. Aber nein. Die Handelnden bei S.V. Berlin schweigen. Packen. Schlafen.

Schade. Mir jedenfalls ist der Geduldsfaden gerissen und ich lege die Lektüre beiseite. Vielleicht hat ja einer von Euch, liebe Mitleseratten, mehr Ausdauer für Familiengeschichten mit minimalistisch angedeuteten Familiendramen. Mir ist es zu minimalistisch. Geradezu nicht existent.

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Tags: familiendrama, familienprobleme, family secrets, geschwisterbeziehungen, loss, mourning, uk   (7)
 

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Ein angesehener Mann

Abir Mukherjee , Jens Plassmann
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.07.2017
ISBN 9783453421738
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Herr Abir Mukherjee war mein Zeit- und Abenteuerreiseführer nach Kolonialindien mit seinem Krimireihenauftakt „Ein angesehener Mann“.

Wohin geht die Reise?

Sie nahm mich mit in das Kalkutta von 1919 und stellte mich erneut einem ziemlich abgewrackten – wenn auch hochintelligenten und unerschrockenen – Ermittler vor. Sam Wyndham kehrt aus dem ersten Weltkrieg ins Nichts wieder, nachdem alle engeren Freunde im Krieg gefallen sind und seine geliebte Frau in seiner Abwesenheit einer Krankheit erlag.
Opiumsüchtig wie er ist – um Trauer sowie Einsamkeit zu betäuben – ergreift er die Chance als ihn ein ehemaliger Vorgesetzter in die Polizeitruppe nach Kolonialindien ruft. Er betritt die Welt einer Herrscherklasse, die voll ist von vorgeschobenem Gutmenschentum und egozentrischer Ausbeutung der einheimischen Strukturen.

Es wird ihm keine Zeit zur Assimilierung an diese für ihn wildfremde Welt gelassen. Nur wenige Wochen nach Dienstantritt wird ein hochrangiger Staatsbeamter brutal erstochen im Rotlichtviertel von Kalkutta aufgefunden. Ein am Tatort plump hinterlassener Zettel weist auf politisch motivierte Täter hin, die der englischen Herrschaft in Indien überdrüssig sind.

Glücklicherweise lässt sich Sam nicht von derart primitiv vorgeschobenen „Beweisen“ von anderen weitaus interessanteren Spuren ablenken.

Vorgehensweise

Sam Wyndhams Alleingänge lernte ich als Leser sehr schnell kennen – teilweise auch kopfschüttelnd, denn sie sind nicht unbedingt nur edlen Motiven zu verdanken. Sie fußen gerne in der Suche nach der nächst gelegenen Opiumhöhle.
Die offene Einstellung, die Sam seinem indischen Sidekick Banerjee entgegenbringt, wirkte authentisch. Ebenso authentisch war aber auch sein langsamer Anpassungsprozess an die abwertende Art der damaligen Kolonialmächte den indischen Kollegen und Mitbürgern gegenüber. Er kämpft anfangs gegen die Schubladen und die Vorurteile. Mal ist er von der Unterwürfigkeit seines Untergebenen genervt, fordert und fördert ihn wo er kann. Nur um nach Wochen sich selbst dabei zu erwischen, wie er dessen Meinung unter den Tisch kehrt sowie sich mit List und Tücke seiner Dienste versichert.

Klingt nicht übermäßig sympathisch. Dafür aber echt. Mir persönlich hat es gefallen einen zeitangemessenen Ermittler anzutreffen, der zwar im Grunde ein „Guter“ ist, dennoch nicht frei von den Prägungen seiner Sozialisation. Übermenschliche Dauerhelden, die sich NIE im Ton vergreifen, NIE etwas Egozentrisches machen und erst recht NIE zum Nachteil von Mitmenschen handeln, gehen mir – zugegebenermaßen – in der Literatur auf die Nerven. Was nicht heißen soll, dass ich nicht mit Freude an deren persönlicher Entwicklung, deren Besserungsprozessen oder auch Reinfällen teilhabe.

Das hat sicher Zeit gekostet…

Mit „Ein angesehener Mann“ konnte ich die Ergebnisse von guter (sicherlich zeitintensiver) Historienrecherche und ausgezeichneter Autorenvorarbeit vor dem eigentlichen Schreibprozess geniessen. Dies macht sich nicht nur in den detaillierten Beschreibungen der baulichen Kulissen, Stimmungen und der allgemeinen politischen Lage bemerkbar. Auch in den Interaktionen mit den Nebenrollen, in der Ausarbeitung von deren Hintergründen schlägt sich die mühevolle Integration von Geschichtswissen, Politikverständnis und eigentlicher Kriminalgeschichte nieder.

Wieviel und welche persönliche Motivation hinter der Wahl des Spielortes und der Zeit steckt, würde ich gern mit dem Autor erörtnern. Abir Mukherjee hat schließlich selbst indische Wurzeln, daher ist die Frage naheliegend. Ich will ihm aber auch an der Stelle nichts in den Mund legen.

Zu den anderen Nebenrollen zählen unter anderen der Polizeichef Lord Charles Taggart und eine intelligente sowie attraktive Bekanntschaft in Form von Annie Grant. Sie ist die Sekräterin des unter so grausamen Umständen verstorbenen Politikers und kreuzt durch die Ermittlungsarbeit Sams Weg.

Es ist ein Genuß in jedem Buch, wenn nicht nach drei Sätzen solcher Begegnungen klar ist, wer Freund oder Feind ist. Ferner ist es einfach nur toll, dass auch die Beziehung zwischen Sam und Annie nicht einfach gestrickt bleibt, sondern vielschichtig und von vielen Faktoren mitbestimmt. Es hätte mich in dem Kontext enttäuscht, wenn diese zarte Zuneigung einfach nur in ein klassisches Betthupferl gemündet hätte.

Mehr möchte ich aber auch nicht andeuten, zuviel Spoiler.

Die angedeuteten anderen Spuren, an die sich Sam heftet, führen bald in die Fänge einer politisch-wirtschaftlichen Intrige, die sich auch an unserem Ermittler die „Krallen wetzt“.

…darüber hinaus gelungen

Darüber hinaus gelungen ist die schöne Covergestaltung sowie Innengestaltung des Buchs.

Als Fazit kann ich für Euch festhalten, dass es bis zur allerletzten Seite spannend bleibt, der Spannungsbogen exzellent gelungen ist und man nicht bereits nach der Hälfte den Hauptbösewicht erahnt. Zumindest ich nicht.

Der zweite Band der Reihe – „A necessary evil“ – ist im anglo-amerikansichen Raum bereits erschienen. Auf der englischsprachigen Webpage des Autors könnt Ihr gern bei Interesse nachschauen. Je nach Leseenergie steht es bereits für mich fest, dass ich schnellstmöglich die englischsprachige Ausgabe in meinen Besitz bringen und verschlingen werde. In Deutschland ist das Buch beim Heyne Verlag erschienen – ein Verlag der Random House Gruppe.

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Tags: indien, kolonialismus, krimi, krimireihe   (4)
 

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567 Bibliotheken, 11 Leser, 3 Gruppen, 223 Rezensionen

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Ragdoll - Dein letzter Tag

Daniel Cole , Conny Lösch
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 27.03.2017
ISBN 9783548289199
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ragdoll von Daniel Cole habe ich im LB Literatursalon gewonnen und mich riesig gefreut. Die Freude dauerte leider nicht lange an. Bereits die ersten Kapitel und die darin enthaltene Charaktereinführung waren eher ein "Abturn".
Warum sollten Polizisten nur auf Grund eines Knochenjobs stets nur gebrüllt miteinander kommunizieren?
Warum sollte jemand mit einem eineindeutigen psychischem Problem allen Ernstes in den aktiven gehobenen Dienst zurückgeholt werden? Solche Fragen stellten sich mir leider das gesamte Buch.

Unlogische Elemente, unsympathische Charaktere, eine unglaubwürdige und für mich unnötige Pseudoliebesgeschichte, ein ziemlich abgedroschen-plakatives Ende und dazu noch ein plumper Schreibstil (oder halt eine plumpe Übersetzung) - hier gab es für mich einfach zu viele Schwachpunkte.
Ok, die Spannungskurve war ok. Sie zog vor allem ab ca. der Hälfte auch ganz nett an...
Von meiner Seite kommt keine Empfehlung für dieses Werk. Sorry.

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Tags: antihelden, dunkel, serienmörder, thriller, thriller großbritannien   (5)
 

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

antiheld, berlin, grafit verlag, krimi, missionare, mord, neonazis, nettelbeck, prediger, rainer wittkamp, regionalkrimi, schneckenkönig, spannung, tod, wittkamp

Schneckenkönig

Rainer Wittkamp
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei GRAFIT, 07.03.2013
ISBN 9783894254162
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: antiheld, berlin, krimi, lokalkolorit, spannung   (5)
 

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achtsamkeit, liebe, liebesgeschichte mit stil, new york, philosophie, selbstfindung, shanghai, sinn des lebens

Die Traumbauer

Bastian Jäger
E-Buch Text: 296 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 30.12.2016
ISBN 9783743122000
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mit Liebe zum Detail. Wenn ich so in mich reinblicke, ist es dieser Satz, der das Debüt von Bastian Jäger gut umreißt.
Wenn wir nun schon das Wort Details in den Mund nehmen, widme ich mich denselben in meiner Rezension.

Inhalt

Das Debüt erhebt für sich den Untertitel eines philosophischen Romans, in dem es um zwei rote Fäden gehen wird. Das Leben im Hier und Jetzt sowie die Flucht vor sich selbst.
Um die Themen greifbarer zu machen, erleben wir die Umsetzung der beiden Topics anhand der Geschichten zweier Geschwister.

Faden Nummer 1:

Maximilian lebt in Shanghai. Der Doktorand ist vertieft in seine Arbeit, die er im Auftrag eines Unternehmens, in der fernöstlichen Metropole fertigstellt. Zu dem Zeitpunkt, an dem wir als Leser ihm begegnen ist er schon ein Jahr vor Beendigung der Arbeit. Seinem neuen Lebensort und den Kollegen hat er sich nur bis auf eine relativ seichte Oberfläche angenähert. Für die Metropole an sich hat er Begeisterung, dem temporären Lebensort verleiht jedoch erst die Bekanntschaft zu der älteren, erfolgreichen Unternehmerin Iria das gewisse Extra. Auch diese Bekanntschaft verbleibt auf einem weitgehend hedonistischem und bindungsfreien Niveau.

Traut er sich oder traut er sich nicht?

Diesen nähefreien Zustand scheint seine neue Bekanntschaft zu einer russisch-deutschen Diplomatentochter – Josephine – zu durchbrechen, er traut dem Ganzen jedoch nicht wirklich „über den Weg“.
Josephine bringt eine neue Qualität in seine zwischenmenschlichen Beziehungen und steht in der Geschichte für das Hier und Jetzt ohne einen materiellen Hedonismus, sondern vielmehr als jemand mit viel Respekt für jedem Moment.
Wie wird Maximilian seinen Weg in der Beziehung finden und sich zu den beiden Frauen positionieren?

Faden Nummer 2:

Die zweite Geschichte ist die seiner Schwester Sophia. Sie trifft uns bei Ihrem beruflichen sowie privaten Neustart in New York. Ein scheinbar für sie persönlich nicht ideal gelaufener Aufenthalt in London liegt gerade hinter ihr. Auf dem Flug nach Big Apple lernt sie Victor kennen. Der Unternehmer beeindruckt sie nicht nur durch seine Eloquenz und Zugewandtheit, sondern auch als er sich im weiteren Verlauf als begabter Jazz-Amateurmusiker entpuppt. Sophia wird enttäuscht. Zur Entpuppung gehört auch der Fakt, dass Victor an eine sympathische Kunstgaleristin vergeben ist. Zu beiden baut Sophia, neben diversen Erlebnissen mit Mitbewohnern oder Bekanntschaften, eine Freundschaft auf. Gemeinsam hängen sie regelmäßig in New Yorker Jazz-Clubs herum, ohne dass sie ihre Schwärmerei für Victor je direkt ansprechen würde oder sich anderweitig zu einem ev. „gesünderem“ mentalen Zustand zurückbesinnt.
In welches Verhältnis und welche Situation manövriert sich Sophia im Verlauf der Geschichte? Wird sie – wie scheinbar in London – eine Flucht ergreifen?

Die Charaktere

Nachdem der Plot umrissen ist, möchte ich meine persönlichen Eindrücke zum Besten geben.
Mit Maximilians Charakter und Beweggründen hatte ich das gesamte erste Drittel des Buches etwas zu kämpfen. Seine Motivation, weshalb er Schwierigkeiten mit dem sich Fallen lassen hat, wurde leider nicht bis zum Schluss klar. Da hätte mir persönlich  wenigstens andeutungsweise mehr Info geholfen.
Auch wurde mir nicht klar, wieso in einer Beziehung zwischen zwei im Leben stehenden erwachsenen Menschen der Status quo – ob sie denn gerade noch jemand anderen getroffen hatten oder ob sie gänzlich frei sind – ein dermaßiges Tabuthema oder Geheimnis ist.

Im Verlauf des Buches lernte ich Maximilian besser kennen und fand, dass der Charakter sich in eine besser nachvollziehbarere Richtung entwickelte. Seine Ambivalenz und die dazugehörigen Gedankengänge wurden greifbar.
Sophias Gedankengänge empfand ich als von Beginn an gut und sehr klar umschrieben.
Ihr Übergang aus der Studierenden in eine berufstätige Frau spiegelt sich nachvollziehbar in ihren Erlebnissen in der WG auf der einen Seite, dem Job und auch der Beziehung zu dem viel reiferen Pärchen auf der anderen Seite.
Ihre Themen – die Suche nach sich selbst in Koppelung mit der Flucht – erschließen sich natürlicher als das sehr ätherische Leben im Moment oder auch im Hier und Jetzt.

Die Einbindung der Themen

Das ist wirklich gelungen. Gerade das Leben im Moment scheint Bastian als Autor sehr am Herzen zu liegen und zieht sich dementsprechend allein sprachlich durch das gesamte Werk. Alle Szenen sind ausgekostet. Die durch die erzählende Person wahrgenommenen Eindrücke bis ins kleinste Fitzelchen beschrieben. Ich ziehe an dieser Stelle den Hut vor der tollen sprachlichen Varianz im Buch.

Als Leser bleibt einem fast nichts anderes übrig als innezuhalten, sich auf den jeweiligen Ort einzulassen. Teilweise war mir die verbale Exaktheit fast schon einen Ticken zu viel, während sie an anderer Stelle – siehe Maximilians Hintergründe – mehr hätte sein können. Beispiel? Nun:
In den Dialogen zwischen Josephine und Max wirkte der Fokus auf das Hier und Jetzt etwas überzogen, durch die vorher beschriebene Gedankenwelt beider Personen war schon der große Vorzug des Charakters Josephine vollkommen klar geworden. Aber ok, das sind auch Details :-)

Auf ihre eigene Art und Weise zieht sich auch das andere Thema der Flucht vor sich selbst oder vielleicht auch der Suche nach sich selbst (?) durch beide Geschichten. Beide Charaktere wanken in ihren Entscheidungen, sind uneins und erleben Umbrüche.

Zusatzgoodie

Bei den immer wieder eingeflochtenen Koch- und Essensszenen lief mir sprichwörtlich das Wasser im Munde zusammen. Es machte mir sehr viel Spaß den Roman aus der kulinarisch-kulturellen Perspektive zu lesen. Die spannenden Wohnviertel und interessanten Orte an beiden Metropolen kann man geradezu selbst vor Augen sehen und die internationale Küche auf der Zunge schmecken. Auch hier ein deutliches „toll gemacht“ an Bastian!

Empfehlung

Frei heraus empfehle ich das Buch Menschen, die sich gern in sprachlichen Feinheiten verlieren oder die ein Faible für das Reisen an sich haben. Für die wäre das Buch ein toller Appetizer. Auch diejenigen, die selbst eh an dem Respekt für den Moment arbeiten, werden mit dem Roman glücklich. Nicht zu vergessen diejenigen Leser, die eine schöne Liebesgeschichte mit ausgefallenem Ende schätzen.

Eher „actiongewohnte“ Zeitgenossen werden einige Selbstdisziplin aufbringen müssen erstmal in den Stil reinzufinden und sich auf die langsame Beziehungskiste der beiden Hauptdarsteller einzulassen, gerade weil größere Abenteuer fehlen und es sich eher um Lebensthemen an sich handelt, die den beiden eine Herausforderung sind.

Meine Bewertung von 4 Sternen habe ich vor allem auf Grund des interessanten Abschlusses, der sprachlichen Varianz, dem kulturellen Aspekt und dem Debütbonus vergeben. Wie man aus der Rezension rauslesen kann, ist noch Entwicklungspotenzial nach oben.

Autor

Bastian Jäger ist nicht nur Autor, sondern auch Diplomingenieur für Mechatronik und Informationstechnik.
Trotz einem Hang zur Technik und einer Lese-/Rechtschreibschwäche hat Bastian bereits zu Schulzeiten gerne geschrieben – vorrangig Poesie und Kurzgeschichten. Während seines ersten, sechsmonatigen Aufenthalts in Shanghai im Jahre 2010 entstand aus dem Schreiben von Berichten für die Familie zu Hause der Wunsch ein größeres Werk zu verfassen. Die Idee zu Die Traumbauer entstand eben dort, in Shanghai. Aktuell ist ein zweites Buch in Arbeit.

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Tags: achtsamkeit, liebe, liebesgeschichte mit stil, new york, philosophie, selbstfindung, shanghai, sinn des lebens   (8)
 

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Hagard

Lukas Bärfuss
Fester Einband: 174 Seiten
Erschienen bei Wallstein, 27.02.2017
ISBN 9783835318403
Genre: Romane

Rezension:

Mit seinem Umschlagstext über eine scheinbar fast psychotische Entscheidung eines Verfolgers hatte mich das Buch im Buchladen in seinem Bann, also nichts wie los und ein Rezensionsexemplar bestellt.

Was mich dann erwartete? Nun, zunächst ein Ich-Erzähler, der scheinbar allwissend über der angekündigten Hauptperson schwebt. Sorgenvoll ist sein Ton und mit vielen offengebliebenen Fragen leitet dieser die Geschichte um den Ausbruch Philips ein. Wir erwischen Philip anfangs in einer typischen Managersituation. Immer wieder mit seinem Smart Phone quercheckend und seine Assistenz konsultierend, bahnt er sich seinen Weg an einem Spätnachmittag zu einem nicht ganz unwichtigen Geschäftstermin.

Aus Randsätzen und im Verlauf der Beobachtungen rund um die Figur wird dem Leser die Wichtigkeit des Termins für einen satten Gewinn klar.
Wie nebenher eingestreut wird auch die Gesellschaftskritik und der auf dem Buchcover angekündigte "unbestechliche Blick" des Autors auf seine Umgebung und das heutige Leben.
So werden während des Wartens die um Philip herumhechtenden Heimkehrer und Feierabendmacher gnadenlos unter die Lupe genommen. Trennscharfe Sätze sortieren die Passanten in Schubladen, Philip oder zumindest unser allwissende Ich-Erzähler legen den Finger in jede sich unter dem Mäntelchen eines scheinbaren Alltagserfolgs erschliessende Wunde.

Hier die einsamen, langsam vor sich hin alternden Sekretärinnen und Angestellten, dort die noch naiv in die Zukunft blickenden Halbwüchsigen. An der Stelle musste ich schon mal schlucken. Aus welchem Recht heraus wird hier gestempelt? Einfach, weil es uns mit einer gewissen Befriedigung erfüllt mit dem Finger zu zeigen? Oder weil ein Tropfen Wahrheit der Aufrüttelung dienen soll? Leichte Zweifel an der Message des Buches hatte ich an dieser Stelle.

Wie dem auch sei, Philips Blick fängt sich in dem Moment auf einem Paar pflaumenlilaner Ballerinas. Das Kopfkino geht los. Die schlanken Fesseln und dezenten Details verleiten Philip seiner Fantasie und dem Jagdinstinkt freien Lauf zu lassen.
Das Spiel beginnt, Philip folgt der jungen Frau über eine Brücke und Uferstrasse zu einem Geschäft und der Spannungsbogen steigt weiter.
Er lässt sich nicht beirren durch ihren Abstecher in das Pelzgeschäft. Vielmehr interpretiert er immer mehr Details in die Tatsache, dass die Frau einen Pelz aus dem Geschäft abgeholt hat.

Sie wird immer mehr zu seinem persönlichen Rätsel, seinem Mysterium, welches er unbedingt lösen will.

Das muss man Lukas Bärfuss wirklich lassen. Seine ungewöhnlichen Vergleiche, Kopfkinobilder und vor allem das alles durchziehende stilistische Mittel der rhetorischen Frage schafft es den Leser wunderbar am Geschehen zu beteiligen. Ein winziges kleines Bisschen zu viel rhetorische Frage - aber gut, das ist eine Spitzfindigkeit meinerseits.
Und so lassen wir uns auch auf Philips Spiel ein, finden es amüsant.

Der Spannungsbogen nimmt neue Formen an in dem Moment als Philip allen Ernstes Kontaktversuche seiner Assistentin und auch die seiner - vorerst nicht weiter beschriebenen- privaten Verabredung sausen lässt, um der Verfolgten in einen abfahrenden Zug nachzuspringen.

Ohne Ticket und ohne das Ziel der Zugfahrt zu kennen schreckt er kurz auf, bleibt aber verbissen am Ball. Bis zu einer Wohnung in einer Vorstadt folgt er seinem Opfer und lässt auch hier nicht locker. Was ist los mit dem Mann? Folgen wir einem Stalker? Kommt es nun zu einem Eklat, einer Straftat sogar?

Der Stil des Buches findet seinen Widerhall in weiteren Fragen, die im Kopf des Lesers entstehen.

Letzte Anmerkungen:

Eines kann ich an der Stelle noch preisgeben, denke ich, ohne einen richtigen Spoiler. Philip entwickelt weitere Tricks, um seine Jagd auf gar keinen Fall abbrechen zu müssen, nur weil mittlerweile der Abend hereingebrochen ist und er ohne Jacke und ohne weiteren Plan irgendwo in der Vorstadtpampa steht.

Im letzten Drittel des Buches schwenkt die Handlung um, Philip driftet von einer Rückkehr in sein bürgerliches Managerdasein weiter ab und der Autor führt noch weitere Gestalten ein, die für einen Abschluß der Geschichte sorgen. Ich persönlich empfand die Einführung derselben als zu "hoppladihopp", geradezu aus dem Zusammenhang gerissen und konnte zwar den geschickten Umschwung der Erzählerperspektive durchaus geniessen, die eigentliche Lösung des Rätsels jedoch nicht wirklich.

Fazit

Daher vergebe ich zwar für das in den Medien vielbesprochene Werk ebenfalls eine gute Bewertung möchte aber auf meiner Kritik beharren, ob sich denn da der Autor am Ende die Lösung einfach gemacht hat. Ist da die Abgabedeadline dazwischengegrätscht oder war eine Schreibblockade der Bösewicht? Oder langte ihm einfach die Message über die Zerbrechlichkeit unseres Daseins und wie schnell eine einzelne ungewöhnliche Entscheidung den Weg in den Wahn ebnen kann...?

Ich werde das wohl nicht erfahren, schade eigentlich... Da im Mai in Berlin eine Lesung des Autors stattfindet, werde ich ggf. versuchen dort noch Antworten auf meine Fragen zu erhalten :-).
Auch die eingestreuten Gesellschaftskritiken hören im Verlauf der Geschichte weitgehend auf (oder sind mir nicht mehr ins Auge gesprungen...wer weiß...).
Stilistisch ist das Buch trotzdem ausgezeichnet und verdient die positive Bewertung diesbezüglich.

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Tags: gesellschaft, gesellschaftskritischer inhalt, psychologie, stalker, strotzt vor stilistischen mitteln, untiefen der menschlichen psyche, widersprüche   (7)
 

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armut, coming of age, familiendrama, gewalt in der familie, jugend, kinder, kindheit, migration, puerto ricaner, rassismus, rebellen, sexualität, usa

Wir Tiere

Justin Torres , Peter Torberg
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei btb, 10.08.2015
ISBN 9783442749553
Genre: Romane

Rezension:

Auf der Buchrückseite kann man eine Empfehlung der Vanity Fair lesen:
Ein unwiderstehlicher wilder Roman über das Erwachsenwerden, der Ihnen das Herz brechen wird.“ Zitatende.

Bevor der Roman mein Herz gebrochen hat, hat er es erfüllt. Erfüllt mit dem Blick eines heranwachsenden Jungen, der mit einiger inneren Distanz auf sich und seine Familie blickt.

Die Message

Man entwickelt früh im Buch das Gefühl, dass der Ich-Erzähler der Autor selbst ist und dass er zwei Dinge auf den Weg mitgeben will. Zum einen, wie tief er seine Familie liebt und zum anderen was für einen zähen, wilden und undankbaren Sumpf seine Herkunftsfamilie gebildet hat.

Sein naiv-kindlicher und dennoch gnadenlos sezierender Blick stellt dem Leser alle Familienmitglieder vor. Im Zentrum steht aber die Beziehung zu seinen beiden Brüdern. Die drei Brüder bilden eine Front gegen die Eltern, die nur mit Mühe gegen die Herausforderungen einer Latinomigrantenherkunft ankämpfen. Kontinuierlich droht die Arbeitslosigkeit. Sowohl bei Mutter als auch bei Vater. Gleichzeitig malocht sich zumindest die Mutter in undankbarer Schichtarbeit in einer Brauerei den Buckel krumm. Die Bewältigungsmechanismen der Eltern auf ihre schwierigen Lebensumstände erscheinen zunächst typisch – Alkoholkonsum gehört zum Alltag, lautstarke Konflikte bis hin zu punktueller Gewalt ebenso.

Trotzdem ist das Buch kein typisches „böses Ghetto“-Drama!

Mit Fortschreiten der Geschichte lernen wir die Eltern als auf ihre Art liebende, fürsorgliche Eltern kennen, die sich selbst verloren haben im Sog des Lebens und der Armut.
Es ist wundervoll, wie wir durch den Blick des Kindes mitgenommen werden in die Reaktionen der Brüder und vor allem des Erzählers. Ich bin lange keinem so nachvollziehbaren Erzählpfad gefolgt, der mir aufzeigt, wie kindliche Interpretation funktioniert und kindliche Stressbewältigung.

Die Brüder sind bei weitem keine hilflosen Opfer. Sie sind jeder für sich und alle drei zusammen eine Instanz. Am besten lasse ich an der Stelle den Autor selbst zu Wort kommen:

Zitat

„Als wir Brüder waren, waren wir die Musketiere. ‚Einer für alle! Und alle auf einen!‘, schrien wir und fochten mit unseren Gabeln.
Wir waren Monster – Frankenstein, Frankensteins Braut, Frankensteins Baby. Wir bastelten Zwillen aus Buttermessern und Gummibändern, kauerten unter Autos und schossen mit Kieselsteinen auf weiße Frauen – wir waren die drei Bären, die sich an Goldlöckchen wegen des fehlenden Breichens rächten.
Die Gottezahl ist Drei.
Wir waren die Gotteszahl.“ Zitatende.

Stil

Nicht zuletzt bedient der Autor meine Vorliebe für knappen Schreibstil, wohlgewählte Sätze und unglaublich berührende Metaphern/Bilder. Eine tolle Metapher des „in den Himmel Fallens“ ist auch wunderbar auf dem Cover der Hardcoverversion des Buches umgesetzt. Mittlerweile ist das Cover der Taschenbuchversion anders, nimmt aber ebenso eine Geschichte von vielen auf.

Es gibt in dem Buch keine Einleitung oder auch klassische Spannungskurve. Der Leser wird ebenso grob und wüst in die Welt dieser Familie hineingeschleudert, wie die Protagonisten eben sind. Jedes Kapitel für sich erzählt einen Aspekt und eine neue Minigeschichte.
Alle zusammen formen ein immer schärferes Bild. Ein Bild von Ausbruchsversuchen und ein Bild einer liebevollen, völlig überforderten Familie. Bis zum Ausklang oder Schluß des Buches, welches dann eine kleine Überraschung inkl. Selbstoffenbarung des Erzählers birgt. Nun, ich habe es zumindest nicht kommen sehen.

Fazit

Das Buch hinterlässt einen tiefen Nachhall bei mir und ich gebe aus ganzem Herzen die bestmögliche Bewertung, die ich mir denken kann. Alle Daumen gereckt, keine Fragen oder „Abers“ offen.

Für Dich, mein/e werte/r LeserIn, habe ich nur eine Message: Les´das Buch!
Wenn Euch meine Rezension gefällt, freue ich mich über Blogbesuch auf www.nichtohnemeinbuch.com

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Tags: coming of age, familiendrama, jugend, migration, rebellen, usa   (6)
 

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Der Heiler

Antti Tuomainen , Regine Pirschel
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei List, Paul, 10.08.2012
ISBN 9783471350829
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: finnisch, helsinki, spannung, weltuntergangsstimmung, weltuntergangsszenario   (5)
 

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19.jahrhundert, erzählungen, frankreich, guy de maupassant, klassiker, maupassant

Das Freudenhaus

Guy de Maupassant
Flexibler Einband
Erschienen bei Diogenes
ISBN 9783257701302
Genre: Historische Romane

Rezension:

Frankreich wollte ich entdecken. Auch gern das Frankreich eines anderen Jahrhunderts. Auf dem Weg zum Ziel habe ich mich sehr vergriffen. "Das Freudenhaus" möchte gern Gesellschaftssatire sein und war zu seiner Zeit gegebenenfalls auch sprachlich eine Neuerung, denn die Sprache ist für das 19.Jahrhundert recht schnörkellos und klar gehalten. An altertümlichen Wendungen mangelt es dennoch nicht. Letzteres aber nimmt man ja in Kauf, wenn man sich für einen Klassiker entscheidet.
Als Gesellschaftskritik oder -satire lasse ich dieses Büchlein Herrn Maupassant nicht durchgehen. Bevor ich mich weiter in meine Begründung vertiefe kurz zum Inhalt:

Wir sind in einem französichem Städtchen der damaligen Zeit und lernen ein Bordell samt deren Bewohnerinnen kennen. Die Besitzerin und die dort tätigen Damen haben ein sehr familiäres Miteinander. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Inhaberin alle ihre Mitarbeiterinnen auf eine Kurzreise in das heimatliche Dorf mitnimmt als sie zu der Erstkommunion ihrer Nichte geladen wird. Hier spielt sich dann der Hauptteil der Geschichte ab, wobei angeschnittene Aspekte der Dorfcharaktere völlig unter den Tisch fallen. Die Damen ergehen sich in tiefen Emotionen angesichts der Unschuld der jungen Nichte und der Kommunion. Fahren dann aber natürlich in ihren Alltag zurück.
Soviel dazu.

Daumen runter!

Wie schon oben angesprochen: Ich weigere mich die Geschichte zu Gesellschaftskritiken einzureihen. Die Beschreibungen der einzelnen Prostituierten sind dermaßen makaber und überzogen - man gewinnt schnell den Eindruck, dass der Autor sich über diese Gesellschaftsschicht lustig macht. Auch zu deren Alltag kommt keine echte (auch keine satirische) Kritik rüber. Die Sprache ist schlicht für die Zeit, kippt aber ins Einfallslose und Langweilige.
Ich glaube das langt vollkommen als Aussage zu dem Büchlein, mehr ist Verschwendung von Zeit und Augenlicht.

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Tags: 19.jahrhundert, erzählungen, frankreich, guy de maupassant, maupassant   (5)
 

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2000er jahre, alltag, england, erlebnisbericht, flughafen london-heathrow, gesellschaft, gesellschaftsspiegel, heathrow, london, philosophie, welt

Airport

Alain de Botton , Bernhard Robben , Alain Botton
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 08.06.2011
ISBN 9783596187379
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: england, gesellschaft, gesellschaftsspiegel, heathrow, london, welt   (6)
 

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Underdog

Markus Zusak , Alexandra Ernst
Flexibler Einband: 159 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 01.01.2014
ISBN 9783473584031
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags: australien, coming of age, downunder, jugendbuch, liebe   (5)
 

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dänemark, kopenhagen, liebe, liebesgeschichte, nordisch, norwegen, one-night, skandinavien, unübersichtlich, vergewaltigung

Amerikanische Landmaschinen

Oeivind Hanes , Hinrich Schmidt-Henkel
Flexibler Einband: 126 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch
ISBN 9783462033915
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: dänemark, kopenhagen, liebe, nordisch, skandinavien   (5)
 

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hansen, mexiko, usa, vater-sohn-geschichte

Atticus

Ron Hansen
Fester Einband: 271 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag
ISBN 9783203780030
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: hansen, mexiko, usa, vater-sohn-geschichte   (4)
 

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Abgründe

Arnaldur Indriðason , Coletta Bürling
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 20.09.2013
ISBN 9783404168347
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: indridason, island, krimi, mord   (4)
 

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afrika, biographie, erinnerungen, identität, j.m.g. le clézio, selbstfindung

Der Afrikaner

Jean-Marie Gustave Le Clézio , Uli Wittmann
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 07.04.2016
ISBN 9783832161040
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: afrika, biographie, identität, selbstfindung   (4)
 

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bestseller, gandhi, indien, kurzerzählungen, lebensaspekte, mord

Zwischen den Attentaten

Aravind Adiga , Klaus Modick
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.10.2011
ISBN 9783423140331
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: bestseller, gandhi, indien, kurzerzählungen, lebensaspekte, mord   (6)
 

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Pandora im Kongo

Albert Sánchez Piñol , Charlotte Frei
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.05.2009
ISBN 9783596174249
Genre: Fantasy

Rezension:

Heute nehme ich mir endlich die Zeit und erzähle Euch über Thomas Thomson und sein literarisches Abenteuer im Kongo. Zunächst – wenn Ihr keine Lust zum Rumklicken habt, fasse ich den Akteur und den Start von Piñols Handlung nochmal zusammen:

Unser Held mit dem klangvollen Namen Thomas Thomson ist ein brotloser Schriftsteller im Jahre 1914. Über eine unterhaltsame Schicksalsverwicklung – beginnend in London der damaligen Zeit – kommt er mit einem Mordfall in Kontakt, der ihn zumindest schriftstellerisch auf eine Reise in den Kongo schickt. Ein Anwalt ersucht ihn durch die Umsetzung der Ereignisse um den Mord an zwei Adelsnachkommen in Form eines Buches für einen wohlwollenden Blick gegenüber dem Angeklagten zu sorgen. Wie er den Auftrag umsetzt, sich in die Geschichte hineinsaugen lässt und ob er auch tatsächlich selbst in den Kongo fährt, bleibt am Anfang des Buches und auch in allen Ankündigungen ein kleines Geheimnis…ich habe mich entschieden zu der Frage ein Mäntelchen des Schweigens auszubreiten, möchte jedoch anklingen lassen, dass die Geschichte eine fast utopische Wandlung erfährt.

Laß uns spielen, oder: Eine unvergessliche Spannungskurve

Ihr kennt das sicherlich alle, es gibt gute Bücher, erfreuliche Bücher, lehrreiche Bücher, schlechte Bücher und Bücher, die man nie wieder aus dem eigenen Buchgedächtnis streichen wird. „Pandora im Kongo“ zählt für mich zu dieser letzten Sorte. Der spielerische Schreibstil und der nicht endend wollende Wortschatz des Autors lassen mich den Hut ziehen. Trotz teilweise langer und auch zuweilen verschachtelter Sätze fiel mir das Lesen niemals schwer.

Mit jeder Seite versank ich tiefer im Jahr 1914 und tiefer in dem heißen, wilden Urwald des Kongo. Die Umgebung entstand mühelos vor meinem inneren Auge und die einzeln beschriebenen Grausamkeiten der beiden Adelssöhne, sprich der to-be-Leichen, jagten mir Schauer den Rücken runter. Auf diese Weise dem vermeintlichen Täter zuhörend, schlüpfte ich automatisch in die Rolle von Thomas Thomson. Ich konnte seine widersprüchlichen Gefühle der Geschichte gegenüber, seine Mühen an dem eigenen Buch und seine Verzweiflung, je mehr er dem Angeklagten Glauben schenkte, selbst nachspüren.

Um Euch noch einen Vergleich ob meiner Begeisterung zukommen zu lassen: Daß ich einem Erzählstrang mit solch einer Atemlosigkeit gefolgt bin, ist mir zuletzt im Fall der „Stadt der Diebe“ von David Benioff (Meistererzähler und Produzent von Game of Thrones) widerfahren und auch davor eher selten.

Zum Ende des Buchs sei gesagt, dass man um jeden Preis bis zum allerletzten Buchstaben lesen muss. Die Wendungen hören nicht eher auf und auch der Emotionsregen für den Leser nicht.

Ich werde mir so schnell wie möglich die beiden weiteren Büchern des Autors besorgen und hoffentlich mit vergleichbarer Begeisterung verschlingen können. Mit „Im Rausch der Stille“ gelang Albert Sánchez Piñol bereits 2003 der internationale Durchbruch. Ferner ist auf Deutsch auch „Der Untergang Barcelonas“ erschienen. Alle drei im Fischer-Verlag.

Ich wünsche Euch weiterhin eine belesene Zeit und vielleicht ja auch viel Spaß mit Thomas Thomson im Kongo…
Eure Kasia

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Tags: afrika, kongo, krimi, mord, spannend, ungewöhnlich   (6)
 

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bulgarien, erzählungen, kurzgeschichten, melancholie

8 Minuten und 19 Sekunden

Georgi Gospodinov , Alexander Sitzmann
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Droschl, M, 05.02.2016
ISBN 9783854209485
Genre: Romane

Rezension:

Lasst mich Euch einige der Erzählungen näher vorstellen. Die titelgebende Geschichte wirft uns vorbereitungslos und ohne großes Getue rein in eine Ankündigung einer bevorstehenden Apokalypse. Der an der Stelle geradezu atemlose Schreibstil baut in null komma nichts Spannung auf. Nur, um in die Kiste mit schwarzem Humor zu greifen und die Geschichte in eine Erzählung über die Zufallskarriere eines Sonnenuntergangsfotografen münden zu lassen. Was für ein Ritt!

Weit sensibler baut sich die Geschichte um einen Mann, der nach 40 Jahren die Dame seines ersten Mals wiedersehen möchte, auf. Aber vorsicht! Wappnet Euch vor dem unromantischen Ende.

Oder die darauf folgende, in der es um die gespenstische Atmosphäre von historisch belasteten Orten geht. Manche Gespenster, die schlimme Ereignisse hinterlassen, sind trotz baulicher Maßnahmen einfach nicht weg zu bekommen.
Wenn man da als Leser denkt, der Neigung zur Melancholie sei Genüge getan, hat sich sehr verschätzt. Die Geschichte um einen Heimjungen, der einen Vater adoptieren möchte, oder auch die um einen Kinodreh in einem langsam aussterbenden Dörfchen berühren tief.

Einfach da "drüberlesen" ist keine Option. Pausen und Durchatmen muss man sich bei Gospodinovs Erzählungen gönnen.

Sehr prägend für den Autor ist auch, dass bei mindestens jeder zweiten Geschichte der Eindruck einer starken autobiografischen Komponente entsteht. Die Akteure sind wiederholt selbst Literaten und auch an anderen Hinweisen, wie gern gewählter Ich-Perspektive, mangelt es nicht.
Die Komposition und Phantasiefülle der Erzählungen sowie der absorbierende Stil bewegen mich für Georgi beide Däumchen nach oben zu heben.

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Tags: bulgarien, erzählungen, kurzgeschichten, melancholie   (4)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

befreiung, crime, gerechtigkeit, ist wirklich zu empfehlen., killer, las vegas, philosophie, skurril, surrealer thriller, usa

Billy

einzlkind
Flexibler Einband: 203 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.03.2017
ISBN 9783518467411
Genre: Romane

Rezension:

Ich hatte -meine ich mich zu entsinnen - hier auf LovelyBooks vorab geschrieben, dass das Buch während des Lesens ein stetiges auf und ab für mich war, eine gefühlsseitige Odysee und ich hatte sogar den Begriff verwendet, das Buch „habe verschiedene Momente“.
Nachdem nun die Lektüre beendet ist, merke ich, wie es weiter in mir arbeitet und es ist schlicht unwiderstehlich, näher auf diese variierenden Momente einzugehen.

Inhalt

In Ich-Perspektive begleiten wir Billy. Billy, den Auftragsmörder. Er ist auf dem Weg nach Las Vegas, ob für einen weiteren Mord oder für ein Treffen wird erst nach und nach klar. Auf unseren Weg mit Billy erhalten wir vom kargen Klappentext noch den Hinweis, dass bereits 12 Morde erfolgt sind und dass Vagas eine unliebsame Überraschung für unseren Killer bereithalten wird.

Jedoch ist es sehr wichtig für das Verständnis des Buches auf die Details – des Klappentextes und natürlich darüber hinaus der Erzählung selbst – zu achten. Die Beschreibung von Billy ist nicht ohne Grund in genau der Reihenfolge angegeben, wie Ihr sie auch meinem Titel entnehmen könnt. Philosoph. Schotte. Killer. In zeitlichen Sprüngen lernen wir, wie es dazu kam, dass Billy Auftragsmörder wurde und darüber hinaus unaufhörlich Philosophie lebt.
Er beschreibt seine Ursprungsfamilie und die Familie, die ihn aufnahm und zu dem gemacht hat, der er ist. Die ihn prägende Figur in der Familie – Onkel Seamus – ist zum Beispiel eine überraschende Mischung aus selfmade-man, red neck und höherer intellektueller Instanz. Er, die Tante, der Cousin Frankie und Billy formen das Familienunternehmen. Kaum nachverfolgbar, nicht auffindbar (oder eben fast nicht) nehmen sie Mordaufträge an.
Die Liebe von Billy und seines Ziehvaters zur Philosophie wird deutlich in ihrer sehr eigenen Auffassung über Recht und Unrecht. Die Begründungen wen und warum sie töten überraschen.

Mehrwert gegenüber üblichen Metzelthrillern

Hier kommt der TATSÄCHLICHE große Mehrwert des Buches zum Tragen. Wir werden nach und nach in Aspekte der Nietzsche´en Philosophie hineingeworfen, deren Konsequenzen für das Handeln der Figuren sind für uns Normalsterbliche skurril.
Dieser Mehrwert hat aber auch einen Preis. Ich bin das erste Mal in der Mitte des Buches aufgeschreckt, um festzustellen, dass ich gut unterhalten und zum Denken angeregt wurde, sich aber inhaltlich für die Reise von Billy nach Vegas nicht wirklich etwas getan hat. Es wurde an der Stelle etwas langatmig.
Billy steckt in der Mitte des Buches fest – durch eine Panne wird er zu einem Exkurs in ein Wüstennest und zu einem 70-er-Jahre Autohändler gezwungen. Die seitenlange Interaktion dieser irren Figuren weckt ein Kopfkino á la Quentin Tarantino-Film. Bei der nervaufreibenden Szene, in der der Autohändler Billy gnadenlos zutextet, wartet man innerlich auf die Explosion der Gewalt. Billy müssten doch einfach die Nerven durchgehen, er den Händler erschiessen und sich ein Auto krallen. Kommt nicht.

Zweifel & Hadern

An dieser Stelle im Buch hatte ich auch etwas Zweifel an der Figur. So sanft. So gutmütig ist unser Killer. Einerseits passt es zu seinem Werdegang, seinen Überzeugungen als Philosoph und einer exzellenten Tarnung seines wahren Seins. Andererseits bin ich vielleicht aus anderen Killerdarstellungen heraus verdorben. Wo bleibt der Reiz der Gewalt, der Sog der Macht perfekt töten zu können, der so vielen anderen Mördergestalten inne ist?
Nach nährer Analyse stimme ich dem Autor einzlkind aber zu. Billy kann nicht anders sein, als zurückhaltend stoisch. Er schwebt über den Dingen. Da rastet man nicht aus.

Aktion?

Diese Tendenz bleibt dem Buch bis kurz vor Schluß erhalten. Blutiges Gemetzel oder sensationslüsterne Gewaltbeschreibungen wird man hier nicht bekommen. Dafür lernen wir weitere Surrealitäten auf Billys Weg kennen – einen IT-Nerd, der am liebsten Borg sein will, einen Elvis-Impersonifizierer (im Buch ELWIS mit W), einen Chaffeur, dessen Körperhygiene schon beim Lesen für Würgereiz sorgt und viele Mehr.
Dazwischengeschaltet die Zeitsprünge, in denen der Philosoph uns zu seinen Morden mitnimmt, diese erläutert und für entsprechende Bilder in unserem Kopf sorgt.

Über die Überraschung am Ende des Buches und die Auflösung werde ich das Mäntelchen des Schweigens hüllen.

Faszinierend

Fazit ist definitiv ein Daumen HOCH!
Wie bereits angedeutet, kommen Freunde von Tarantino-Kunst oder noch besser David Lynch-Werken voll auf ihre Kosten.

Die Ergänzungen wie z.B. Lieblingszitat und Autorenlinks findet Ihr in der Rezi auf meinem Blog: https://nichtohnemeinbuch.com/2017/02/12/philosoph-schotte-killer/

Eure Kasia

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Tags: befreiung, gerechtigkeit, ist wirklich zu empfehlen., killer, las vegas, philosophie, skurril, surrealer thriller, usa   (9)
 

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

ausbruch, corine-buchpreis, emanzipationsgeschichte, freundschaft, griechenland, lebensumbruch, mut, naxos, neue wege, schach, schachspiel, subtil

Die Schachspielerin

Bertina Henrichs , Claudia Steinitz
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 18.11.2016
ISBN 9783455651027
Genre: Romane

Rezension:

Wir beginnen auf Naxos (Griechenland) und begegnen Eleni.
Eleni ist ein Zimmermädchen mit einem für diese kleine Urlaubsinsel traditionellem, unspektakulärem Lebenslauf.
Sie ist vor Ort groß geworden, früh aus der Schule ausgeschieden und hat den ersten passenden Mann geehelicht, von dem ein Antrag kam. Mittlerweile ist Eleni zweifache Mutter von Teenagerkindern und hängt in ihrer täglichen Arbeit als Zimmermädchen in einem der lokalen Hotels gern ihren eigenen Gedanken über die Touristen und die weite Welt nach.

Der bahnbrechende Impuls

Ein unerwarteter Zwischenfall in ihrer exakten Routine lenkt sie aus der Bahn. Eleni fängt an, sich für ein scheinbar weltgewandtes Pariser Pärchen zu interessieren und stößt aus Versehen in deren Zimmer beim Bettenmachen eine Schachfigur auf einem Schachbrett um. Überfordert von der Situation, wohin sie nun diese Figur zurückstellen soll, lässt sie das Schachspiel und die damit verbundenen Phantasien immer mehr ihre Gedankenwelt beherrschen.
Wir lernen bereits an dieser Stelle im Buch wie eingepfercht Elenis Gemüt in den Alltagstraditionen ihrer Heimat funktioniert. Ihr Interesse an dem Schachspiel ist anfangs nicht selbstbezogen. Um einen inneren Konflikt mit ihren Gewohntheiten und den Erwartungen anderer zu meiden, schmiedet sie zu Beginn den Plan, ihrem Mann ein Schachspiel zum Geburtstag zu schenken. So – das ist die herrliche Ausrede – könnten sie beide was Neues erlernen. Allein der Kauf eines Schachspiels wird zu einem Spießroutenlauf in dem Inselstädtchen, in dem jeder jeden und alles sieht.

Der Trick ist ein Verbündeter

Die Not, ihr Interesse am Schachspiel und den Kauf selbst zu verheimlichen, lässt Eleni nach einem Verbündeten Ausschau halten. Sie vertraut sich Kouros, ihrem alten Schullehrer in ihrem Heimatdorf an. Er erklärt sich bereit beim Kauf zu helfen und entscheidet sich – glücklicherweise – für ein computergesteuertes Schachbrett. Nun zeigt sich das für den Leser bereits Absehbare. Der Ehemann von Eleni – Panos, der Mechaniker – hat nicht das geringste Interesse an dem Spiel und hält die ganze Geschenkidee für einen Spleen.

Das Spiel lässt Eleni aber nicht los. Sie beginnt an freien Nachmittagen im beiliegenden Lehrbuch zu blättern, Spielfiguren aufzustellen und erste Züge zu üben. Schnell entwickelt sich eine ganz eigene Welt für sie und so benötigt sie bald wieder einen Helfer. Nämlich als Spielpartner. Erneut wendet sie sich an den einsamen alten Lehrer.
Zu ihrem Glück findet dieser in der Situation und dem unerwarteten Interesse der jungen, einfachen Frau ein gewisses Amüsement oder eine Abwechlung. So richten die beiden regelmässige Lehrtage ein.

Emotionen beim Lesen

Besonders hat mich über diese erste Hälfte des Buchs die mit maßgeschneiderten Worten beschriebene Wahrnehmung von Eleni und deren Umwelt eingenommen. Obwohl deutlich wird, dass es sich nicht um einen gebildeten Menschen handelt, findet die Autorin einen Weg nicht entwertend darüber zu schreiben und trotzdem Elenis Gedankenwelt und Talent herauszuarbeiten. Phantastisch erlebt man die emanzipatorischen Schritte von Eleni anhand deren Gedanken zum Schachbrett und den Figuren mit. Besonders ist mir im Gedächtnis die Szene hängen geblieben, in der Eleni darüber grübelt, dass die mächtigste Figur des Spiels die Dame ist und nicht der König…und wie unbeweglich und starr der König ist. Ganz wie ihr Ehemann…
Wunderbar sind die ersten Begegnungen zwischen Eleni und Kouros – ihrem Lehrer. Die Wandlung, die Eleni in ihrer Leidenschaft für das Spiel vollzieht wird ab diesem Punkt auch immer wieder aus Kouros Sicht beleutet und man kann es geradezu vor Augen sehen, wie Eleni aus ihrer arbeitsamen Ehefrau & Mutter-Rolle in ihr geheimes zweites Ich schlüpft.

Der Preis des Glücks?

Natürlich bleibt es nicht aus und Elenis Geheimnis findet doch ans Licht. Nicht unerwartet ist die ablehnende Reaktion ihrer Umwelt. Eleni lässt sich nicht beirren. Wie sie es weiter schafft, dem Druck ihrer Gesellschaft zu trotzen und ihrem Weg der neu gewonnenen Leidenschaft zu gehen, möchte ich an der Stelle nicht verraten. Zu großer Spoiler...

Ein Manko?

Mir persönlich hat die Lektüre sehr gut gefallen. Eine Kritik? Man könnte es als unbefriedigend empfinden, dass die Charaktere des Kouros und seines Freundes (Costa, der Apotheker) nicht weiter ausgemalt werden und dass deren Beziehung zueinander stets in Anspielungen verbleibt und nicht vertieft wird. Das Subtile, welches diesem Stil zugrunde liegt, hat mich selbst jedoch nicht gestört. Sicher geschmackssache.

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Tags: ausbruch, corine-buchpreis, emanzipationsgeschichte, freundschaft, griechenland, lebensumbruch, mut, naxos, neue wege, schach, schachspiel, subtil   (12)
 
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