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Karlchen

Thomas Matiszik
Flexibler Einband: 242 Seiten
Erschienen bei OCM, 22.08.2016
ISBN 9783942672474
Genre: Krimi und Thriller

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Lucky Lawyer

Ulrich Mannsfeldt
Flexibler Einband: 392 Seiten
Erschienen bei SCO.Publishing, 15.01.2017
ISBN 9783946926009
Genre: Krimi und Thriller

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34 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

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Die rote Frau

Alex Beer
Fester Einband
Erschienen bei Limes, 21.05.2018
ISBN 9783809026761
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wer den 1. Band um August Emmerich (Der zweite Reiter) noch nicht gelesen hat, es aber noch tun möchte, sollte auf diese Rezension verzichten – denn sie könnte spoilern.

Wir schreiben das Jahr 1920 und begeben uns nach Wien. Die Autorin Alex Beer zieht einen wieder hinein, in diese Stadt die geprägt ist von all dem Elend, das der 1. Weltkrieg hinterlassen hat.
Genau wie im ersten Band hatte mich auch hier wieder das Setting um diese Stadt und die dort lebenden Menschen in seinen Bann gezogen. Unverhohlen wird ausgesprochen was den Männern, Frauen und Kindern das Leben schwer macht. Armut durch Arbeitslosigkeit, dadurch Hunger und Krankheiten, was wiederum Schäden nicht nur am Leib sondern auch an der Seele anrichtet. Witwen, Waisen und Kriegsversehrte bebildern die Stadt. Kein schöner Anblick, noch weniger wie die elenden Quartiere in denen so mancher hausen muss. Daneben die feinen und reichen Herrschaften. Solche, die sich der Kunst des Schönen hingeben und dabei den Blick auf die Wirklichkeit übersehen. Ein Kontrast der größer nicht sein könnte.

Eine Handvoll Leute besitzt fast alles, während der Rest hungert und friert.
(S. 167)

Einer, der selbst an einer Kriegsverletzung leidet, ist Rayonsinspektor August Emmerich. Nach Kriegsende hat er eisern darum gekämpft in die Abteilung „Leib & Leben“ versetzt zu werden. Es ist ihm gelungen und doch ist er alles andere als glücklich. Neben seinem jungen Kollegen Winter verbringt er die meiste Zeit damit leidlichen Schriftverkehr zu machen und bekommt nicht den Hauch einer Chance auf einen „richtigen“ Fall. Aber Emmerich macht es niemanden leicht, nicht mal sich selbst und so bekommt er doch die Möglichkeit an einer ganz großen Ermittlung teilzunehmen – auch wenn er es niemanden verraten darf.

Ein Mord in den feinsten Kreisen und das dort, ganz besonders dort, sehr viel Unrat aufwartet, überrascht niemanden mehr. Für Emmerich wird dies eine Ermittlung die nicht einfach nur Erfolg haben soll. Für ihn wird es eine fast schon persönliche Angelegenheit. Der arme Tropf, der des Mordes bezichtig in einer Zelle einsitzt, scheint unschuldig zu sein und es liegt einzig Emmerich am Herzen diesem zu helfen. Dafür braucht er den wahren Täter und vor allem die Hintergründe und ein Motiv. Nicht ganz einfach, denn auch in den eigenen Reihen gönnt ihm niemanden etwas. Vielleicht weil Emmerich nicht nur Polizist, sondern ganz viel Mensch ist.

…bis er die Krüppelbrigade eingestellt hat.
(S. 18)

Emmerich und Winter sind auch in diesem Band wieder ein erstklassiges Team. Der alte Hase und der unerfahrene Jungspund ergänzen sich immer mehr. Ein Team, das sich auf einander verlassen kann und mir wieder sehr gut gefiel. Ihre Dialoge haben mich des Öfteren zum Grinsen gebracht und besonders Winter hat eine recht tollpatschige Art, ohne dabei übertrieben zu wirken. Er ist gereift im Laufe der Zeit und lernt schnell und gut, vor allem dass er Emmerich absolut vertrauen kann, auch wenn dessen Art zu ermitteln manchmal recht unkonventionell ist.

Es ist an der Zeit, dass du endlich lernst, wie man ordentlich lügt…
(S. 75)

Na na na, wer wird denn lügen?
Emmerich bestimmt nicht, dafür ist er zu ehrlich. Winter? Er verheimlicht allemal etwas vor bestimmten ungeliebten Vorgesetzten, aber nicht aus Boshaftigkeit, sondern um Emmerich zu schützen.
Die Haute­vo­lee kommt da schon eher in Betracht. Die feine Gesellschaft, die wie bereits erwähnt, dem Theater, der Musik und Kultur frönt, dabei verschwenderisch und übertrieben zu Tage geht, als gäbe es kein Morgen. Der Rest kann bleiben wo er ist und das an besten unsichtbar – obwohl, sie werden eh nicht gesehen.

Frauen, die sich als Prostituierte verdingen um ihre Kinder versorgen können. Bettler, die von der Hand in den Mund leben. Krüppel an Körper und Geist, die kaum mehr in der Lage sind ihr tägliches Brot zu verdienen. Daneben diejenigen, die dem Alkohol verfallen sind und nebst dem Weibe auch die Kinder und alles, was sich ihnen in den Weg stellt, verprügeln.
Eine Gesellschaft am Rande des Abgrundes. Und genau das hat mich wieder am meisten fasziniert. Das es neben dem Kriminalfall, auch gesellschaftskritische Darstellungen der Umstände gab. Schonungslos und offen, fast schon so nebenbei erfährt man immer mehr über diese Zeit. Historisch richtig großartig recherchiert und umgesetzt. Die ganzen sozialen und asozialen Missstände in dieser Zeit bildeten wohl einen mehr als ungesunden Nährboden. Was darauf wuchs ist uns bekannt.

Emmerich ist ein sehr ehrgeiziger Ermittler. Im Wiener Alltag unterwegs, folgt man ihn durch die Straßen und Gassen und fast kam es mir vor als würde ich diese Ausdünstungen des Bösen und des Übels riechen. Die sehr bildhaften Beschreibungen erzeugen ein Bild dieser Zeit und dieser Stadt und ganz besonders dieser Menschen.

Die Geschichte war noch nicht zu Ende.
(S. 407)

Und egal wie es mit Emmerich und Winter weitergeht und wie lange ich warten muss – ich freue mich darauf!

Rezension verfasst von © Kerstin

★★★★★

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

brutalität, einsamkeit, einsiedler, spannung, walisien

Graben

Cynan Jones , Peter Torberg
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Liebeskind, 19.01.2015
ISBN 9783954380398
Genre: Romane

Rezension:

Dunkel, düster und voller Gewalt kommt das Cover daher. So empfand ich auch die Geschichte, die sich im Inneren verbarg. Alles dreht sich um den Graben und das Graben. Ein zutage fördern von Emotionen und Gedanken zweier Männer. Ein heraufbeschwören von Grausamkeiten, Leiden und Schwermut.

Da ist Daniel, der Schafszüchter. Ein positiv wirkender Mensch, dessen Negation sich Seite um Seite anschleicht, nicht weil er böse ist, sondern abgrundtief traurig. Ein Verlust der ihm zusetzt und dazu führt dass er kaum schläft und nichts isst. Ein Mensch, dessen Schmerz sich ausbreitet und in einem Gewirr aus Gefühlsgräben tiefe Wunden reißt. Seine Arbeit auf dem einsam gelegenen Hof treibt ihn immer wieder voran und doch ist auch diese keine Erlösung, sondern immer wieder ein neues Leid. Die Schafe gebären und als wäre es nicht alles schon schlimm genug für Daniel, läuft dabei so manches schief. Als Schaf-Geburtshelfer gibt er sein Bestes und doch kann er oft genug nur das Muttertier retten. Eine mehr als blutige Angelegenheit, die er stoisch erledigt und doch selbst dabei leidet, weil es ihn eben wieder erinnert, an das, was er nicht haben durfte.

Sie nahm ihn in den Arm und spürte die ungeheure Verwüstung.
(S. 63)

Sein Gegenpart ist der große Mann. Seine Wirkung ist und bleibt negativ. Ein Antagonist vom Feinsten. Ein Wilderer, dessen ebenfalls einsam gelegener Hof voller Schrott und schlechten Stimmungen belagert ist.
Seine Hunde leisten ihm Gesellschaft und unterstützen ihn bei der Jagd nach Ratten und Dachsen. Im Hinterkopf spuken auch bei ihm die Erinnerungen herum und das ausgerechnet nun ein Polizist auftaucht, bringen diese eine weitere ungute Vorahnung mit sich.
Auch bei ihm wird es blutig, genau wie bei Daniel sind es die Tiere, die bluten müssen. Grausame Männerspiele in denen Dachse und Hunde eine große Rolle spielen und auch hier wieder ein Graben. Man möchte hineinspringen und dem Fruchtbaren Einhalt gebieten.

Wohin der Mann auch kam, er sorgte für ein Gefühl von Schändlichkeit…
(S. 8)

Der Autor Cynan Jones hat mich in diese walisische Gegend gezogen und mit seiner feinen Sprache durch die Leben dieser zwei Männer geführt. Er fasst sich kurz. Seine Sätze werden von vielen Absätzen durchzogen, so wie die Gräben, die den Regen von den Feldern führen sollen.
So schön die Sätze, so grausam ihr Inhalt.

Es hat mich dennoch begeistert, auf seine Art.
Die Düsternis der nächtlichen Dachsjagt, das Kläffen der Köter, das Graben der Männer und die Gewissheit das hier, in diesem Buch, keiner auf Erlösung hoffen darf.

Das beide Männer sich begegnen werden, war klar. Das diese Begegnung in solch einer Wucht geschieht, war ebenfalls zu erwarten. Es hatte sich früh genug angebahnt. Wie eine Art Warnung oder gar Unheil, als die Gräben gezogen wurden und dabei etwas verrückt wurde. Ein aus dem Gleichgewicht geratenes Etwas. Wieder ein Aufreißen der Erde und damit ein unwiderrufliches Beschädigen. Nichts das mehr heilen wird, so wie Daniels Verlust und so wie die Angst des großen Mannes.

Die Erde war im Laufe der Zeit hart geworden, ein verheilte Wunde. Eine Narbe.
(S. 160)

Im Buch geschieht nicht viel. Doch das was geschieht lässt einen schaudern.
Das Buch selbst ist eher eines der Dünneren, der Inhalt dagegen wuchtig und enorm.

Wer sich auf einen finalen Showdown zwischen diesen beiden Männer freut, könnte enttäuscht werden. Es ist wie alles vorher im Buch, eher nur zu erahnen und doch weiß man es genau! Einer findet seinen Frieden und einer wird nun endlich erfahren wie der Dachs sich fühlte.

Eine schmerzlich schöne Geschichte, dank der ich mit Sicherheit noch mehr Bücher des Autoren Cynan Jones lesen möchte und werde.

Ein Ort erinnert sich, dachte er. Er muss sich erinnern.
(S. 128)

Rezension verfasst von © Kerstin


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6 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

mittelalterlicher kriminalroman

Leona

Jenny Rogneby , Antje Rieck-Blankenburg
Flexibler Einband
Erschienen bei Heyne, 12.03.2018
ISBN 9783453420670
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im August 2015 habe ich den ersten Band um Leona gelesen und nun, nach über 2 Jahren, habe ich diese Frau und die Geschichte um sie herum, immer noch im Kopf.
Damals schrieb ich in meiner Rezension bei Lovelybooks:
„Leona muss man nicht mögen! Protagonisten werden nicht nur zum „lieb haben“ geschaffen, es ist vielmehr die Geschichte, die Story die erzählt wird, die dieses Buch so lesenswert macht.
Genauso ist es auch in dem 2. Band und ich bereue keine einzige Seite davon.

Leona gehört zu den wenigen weiblichen Charakteren in und aus Büchern, die nicht durchweg ein positives Flair verströmen und das auch noch als Polizistin.
Während es bei den männlichen Charakteren an der Tagesordnung ist, zu saufen und zu raufen, zu bestechen und zu hintergehen, kommt das bei den Frauen eher selten vor. Neben all den Superfrauen, den Herzchen und Schätzchen, den intelligenten und solchen die sich dafür halten, ist Leona das schwarze Schaf in der Literatur. Nicht das sie böse ist, nein das ist sie nicht, jedenfalls nicht zu sehr. Ok, ein kleines bisschen schon. Im Grunde ist sie eine sehr liebenswerte Frau.
Höflich, solange man sie nicht nervt.
Zuvorkommend, wenn man sie nicht ausnutzt.
Fleißig im Beruf, wenn sie ausgeschlafen hat. So kommt es das alle mit ihr auskommen aber sie eben mit niemanden. Eine klassische Einzelgängerin mit traumatischer Vergangenheit, was sich in all ihrem Tun auswirkt.
Ach ja, sie schläft verdammt schlecht.

Meine einzige Chance hatte darin bestanden, mich anzupassen.
(S. 161)

Als Spezialistin in Sachen Empathiefähigkeit und Sozialkompetenz (Leona lacht selbst darüber) bekommt sie die besonderen Aufträge. Hier soll sie einen Mann verhören, der sich mittels Sprengstoff beider Beine entledigt hat. Seine Tat wird einer terroristischen Vereinigung zugeordnet. Leona soll genau das nun herausbekommen, dabei hat sie a) keine Lust dazu, b) ganz andere Sorgen, c) eine Abneigung gegen Krankenhäuser d) noch mehr Sorgen.

Diese Frau hat mich trotz all ihrer Unzulänglichkeiten doch fasziniert. Eine Mutter, Polizistin und Ex-Frau, sehr organisiert auch wenn es erst einmal chaotisch wirkt.
Ihre Vergangenheit kommt hier und da beim Besuch Ihrer Psychologin zur Sprache und der Verlust ihres Sohnes schmerzt enorm und hat tiefe Wunden hinterlassen.
Irgendwie schafft Leona es nicht ihr Leben in die Reihe zu bekommen. Alles prasselt auf sie ein und gerade die Geldsorgen fressen sie auf. Zumal sie Schulden bei der falschen Person hat und das könnte für ihre Tochter gefährlich werden. Also muss ein Coup her, eine Sache bei der viel raus springt, sie aber nicht als Täterin da steht. Was liegt nahe? Sie sucht sich eine erlesene Gruppe Krimineller und lernt diese an. Wer, wenn nicht sie kann vermitteln wie man sich bei einer kriminellen Tat verhalten oder eben nicht verhalten soll? Erfahrung hat sie ja zur genüge. Leona ist die einzige kriminelle Polizistin die ich kenne und ja, ich mag sie!

Reißt euch gefälligst zusammen
(S. 319)

Nach den ersten Kapiteln war ich mir nicht sicher was all diese einzelnen Episoden sollen. Viele kleine Baustellen in Leonas Leben. Alles etwas wirr und durcheinander. Mal diese Verhörgeschichte, mal die Besuche bei der Psychologin, die beginnenden Unterrichtseinheiten der Gangster, dieser Typ dem Leona das Geld schuldet, ihr Exmann, die kleine Tochter. Dann noch die Bloody Family, Leonas Kollege und dessen Informant David – alles wirkte overloaded auf mich. Aus dem ersten Band war ich es aber gewohnt und ahnte das da alles irgendwie einen Zusammenhang hat. Wie, verrate ich natürlich nicht, würde die Spannung und so manche Überraschung nehmen.

Eine Polizistin die quer schießt und sich ganz bewusst auf die schiebe Bahn begibt. Voller Selbstbewusstsein und doch auch mehr als einmal zweifelnd. In der psychologischen Darstellung ein Volltreffer, moralisch irgendwo zwischen Miststück und Heldin. Denn eins muss man ihr lassen, sie verzichtet auf Gewalt.

Dort verlief meine moralische Grenze
(S. 377)

Der Autorin ist es wieder gelungen den Charakter der Leona in all ihren Facetten darzustellen. Man muss sie eben nicht lieb haben und man muss auch nicht immer verstehen warum sie all das tut was sie eben tut, sie weiß es oftmals selbst nicht – so genau hatte ich den Eindruck. Dennoch hat es Spaß gemacht zuzusehen wie Leona die Fäden spinnt und sich selbst dabei immer mehr in dieses kriminelle Netz verwebt.

Kurze, knackige Kapitel, eine angenehm große Schrift, ein flüssiger Stil – für mich alles Pluspunkte für diese Geschichte. Dieses Hin- und Her in den einzelnen Episoden hat es manchmal etwas unübersichtlich gemacht. Auch ihr Umgang mit der Tochter konnte ich nicht so ganz nachvollziehen. Aber irgendwann findet man heraus um was es geht und dann wird es richtig spannend.
Das Ende ist wie bei Band 1 ein richtig fieser Cliffhanger und schreit deswegen nach der Fortsetzung.

Leona ist kriminell gut!

Rezension verfasst von © Kerstin

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23 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

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Das Böse, es bleibt

Luca D'Andrea , Susanne Van Volxem , Olaf Roth
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei DVA, 26.02.2018
ISBN 9783421048066
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Diese Geschichte ist von der Sprache her kristallklar wie ein Bergsee und vom Inhalt her so eisig kalt wie ein Schneesturm.
Es weht durch die Seiten, anfänglich noch zögerlich, doch dann wird es immer heftiger und ich musste mich mit dem Buch verkriechen um alles, wirklich alles was da stand und noch kam, in einem Stück zu erfahren.
Spätestens als ich Lissy kennen lernte war mir bewusst wie bitterböse diese Geschichte ist und jede weitere Seite hat gezeigt dass da etwas schlummert, ganz tief in den eisigen Höhen dieser Bergwelt. Und es hat mich begeistert und in sich gezogen, so sehr das ein Tag reichte um alles zu lesen und doch wird es noch sehr lange in meinem Kopf und den Gedanken bleiben.

Das Schneetreiben wird zum Schneesturm.
Dann die Dunkelheit.
Und die Kälte.
(S. 423)

Nach “ Der Tod so kalt“ führt der Autor Luca D`Andrea einen wieder in die Bergwelt Südtirols. Er lässt einen teilhaben an der Lebensgeschichte des Herrn Wegeners und warum ein einzelner Buchstabe in dessen Nachnamen von so großer Wichtigkeit ist. Dabei verliert er sich nicht in Unzulänglichkeiten, sondern schildert präzise wie all das kam was kam und warum dieser Herr ausgerechnet von seiner Frau Marlene vorgeführt wird. Diese Hals über Kopf Flucht aus einem trauten Heim, das alles bietet und doch nichts hergibt. Marlene, Anfang 20, keine aus der Stadt, landet bei Baur Simon Keller. Ein Bergbauer, der freundlich daher kommt und der jungen Frau ein Obdach bietet, ohne Hintergedanken oder Fragen zu stellen.
So kommt es, dass beide sich im Laufe der eingeschneiten Zeit öffnen und erzählen was an ihnen kratz und dabei immer wieder aufs neue alte Wunden aufreißt. Simon, der alte Baur, gequält von einem furchtbaren Trauma und den immer wiederkehrenden Erinnerungen. Ein guter Mann? Muss man sich erlesen, es polarisiert heftigst.

Hass gesellte sich zu Hass
(S.25)

Wer glaubt es spielt sich alles in dieser Berghütte ab, liegt aber falsch. Denn es gibt schließlich noch den Ehemann, der seine Frau zurück haben will, weniger ihretwillen sondern wegen dem das sie mitgenommen hat. Zudem ist das sein kleinstes Problem, da ist noch das Konsortium. Leute mit Macht und mit ihnen verscherzt man es sich nicht. So schicken sie ihren besten Mann, er hat keinen Namen, man nennt ihn Mann des Vertrauens, und er versagt nie, vergibt nie und ist trotz aller guten Manieren ein Ungeheuer.
Es ist eine Geschichte voller Kobolde und Märchen, Traditionen und altem Wissen. Eine Reise in Gedanken und Erinnerungen, in Träume und Wahnvorstellungen.

Entweder hatte man Vertrauen, oder man hatte es nicht. Etwas dazwischen gab es nicht.
(S. 260)

So bangt man mit Marlene, hofft das der Mann des Vertrauens einfach mal versagt und erlebt wie der alte Baur immer mehr und mehr seine Rolle ausfüllt. Ein Riese, ein einfacher Mensch, doch intelligent genug um zu wissen was er tun muss. Wäre da nur nicht Lissy gewesen. Wären da nur nicht die Geister der Vergangenheit.

Die Genrezuordnung Thriller passt sehr gut. Denn es gibt alles im Buch was dazugehört. Spannung, Psychologie, Mord & Totschlag. Es wird blutig, aber eher zwischen den Zeilen, etwas das der Autor auch sehr gekonnt gemacht hat. Das Kopfkino, für das er sorgt, ist heftiger als das geschriebene Wort.

Während in „Der Tod so kalt“ immer wieder das Brüllen der Bestie für eine Gänsehaut sorgte, ist es hier ein klitzekleiner Satz. Einer, der anfangs lieblich daher kommt und für Trauer und Erschütterung sorgt, dessen Wirkung aber mit jeder weiteren Seite umso grausamer und böser wird.

„Süße Lissy, kleine Lissy.“

Solch starke Charaktere fesseln enorm. Eine Reise in die 1970er Jahre, mit kurzen Abstechern in die 1940er. Eine großartige Erzählkunst die menschliche Tragödien offenlegt und dabei ganz tief in die Seelen blicken lässt. Tiefer als einem vielleicht lieb ist und das trotz dieser eisigen Höhen.

Eine absolute Leseempfehlung von mir!

Es war Wahnsinn. Nichts als Wahnsinn.

Rezension verfasst von © Kerstin

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358 Bibliotheken, 7 Leser, 3 Gruppen, 126 Rezensionen

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Und es schmilzt

Lize Spit , Helga van Beuningen
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972825
Genre: Romane

Rezension:

Ich muss Euch was erzählen. Es brennt mir unter den Nägeln und ich habe Worte auf der Zunge liegen, von denen ich nie dachte, dass sie es aus meinem Mund herausschaffen.
Mein Bauch schmerzt und das Herz ist mir schwer geworden.
Meine Gedanken drehen Kreise und ich weiß gar nicht wie ich all diese Empfindungen loswerden soll.
Dabei fehlen mir eigentlich die Worte um es zu beschreiben.
Das alles nur wegen diesem einen Buch und ich warne Euch direkt einmal vor, denn es ist nicht ohne, Oh Nein, das ist es wirklich nicht.

Es geht um diese Eva, liebevoll Eefje genannt, wobei so viel Liebe hat sie gar nicht erfahren. Jedenfalls nicht von ihren Eltern, die waren viel zu sehr mit sich und ihren Geistern beschäftigt, genau deswegen hatten sie nichts besseres zu tun als sich in beharrlicher Regelmäßigkeit zu besaufen und ihren drei Kindern damit ihre Kindheit zu nehmen. Stellt Euch vor wie ätzend das sein muss, das ganze Dorf weiß es, aber allen ist es schnurz piep egal. Die Kinder sind mehr oder weniger auf sich gestellt und da soll man sich wundern das so etwas dabei herauskommt? Das Verhalten der Erwachsenen spiegelt sich in dem der Kinder wieder und dabei gibt es keinerlei Gewinner, nur Verlierer und das sind die Opfer und die Täter.
Die Autorin bringt das so gnadenlos ehrlich rüber, dass ich mehr als einmal kopfschüttelnd da saß. Besonders die Jüngste in der Familie, Tesje, tat  mir so unendlich leid.

Leid, dessen Zeugin ich war, das ich mir ansah, bis es auch mein Leid wurde. Durch Teilen nimmt die Intensität ab, wird es für beide erträglicher.
(S. 88)

Nochmal zu dieser Eva. Sie ist unterwegs, eingeladen zu einem Geburtstag, dessen Geburtstagskind schon lange tot ist. Jan, eigentlich gar kein Freund von ihr, sondern der Bruder von Pim und der war ihr Freund. Irgendwann einmal, als sie noch unbeschwert in den Sommer hineinlebten und auf dem großen Bauernhof Unsinn trieben oder schwimmen gingen. Mit im Bunde war Laurens – die drei Musketiere nannten sie sich. Einer für alle und so. Doch dann kam Jans Tod dazwischen und meine Güte, es dauerte ewig bis ich erfuhr was diesem denn widerfahren ist.
Evas Reise zu dieser „Party“ ist gleichzeitig auch eine Erinnerung an die Jahre der gemeinsamen Freundschaften, der Zeit des Kind sein und allem voran des langsamen, aber stetigen erwachsen werden. Das die zwei Jungs Pim und Laurens dabei auf eine Art Entdeckungstour gehen und alle altersmäßig in Frage kommenden Mädels in Kategorien unterteilen, um diese mittels einem Rätsel zu erforschen, wird ausgerechnet ihrer besten Freundin Eva zum Verhängnis. Sie weiß es ja selbst, das da etwas daneben läuft aber mit diesen Folgen hätte sie niemals gerechnet. Ich auch nicht, wenn ich ehrlich bin habe ich es aber so oder so ähnlich befürchtet.

Ich passte nicht mehr so hinein, wie ich immer hineingepasst hatte. Ich war das Duplomännchen im Legohaus.
(S. 287)

Und es schmilzt“ hat mich total in seinen Bann gezogen. Vieles was ich da lesen musste will ich eigentlich gar nicht lesen. Nicht weil es mich erröten lassen würde, sondern es so persönlich war. Ungeschönt und ehrlich.
Es gibt eine explizite Stelle im Buch für die ich sogar eine Trigger- Warnung aussprechen möchte.
Denn ich bin mir sicher, dass man genau das nicht in diesem Buch erwartet, wenn man nur den Klappentext kennt.
Es hat mich geschmerzt, in Gedanken und fast schon körperlich.
Aber man wird ja vorgewarnt. Es gibt genügend Hinweise.

Diese Geschichte erfordert Geduld und Durchhaltevermögen und ist keine für zwischendurch. Es geht bergauf und bergab, um Ecken und Kurven, durch Sonnenschein und trüben Regen.
Dreh- und Angelpunkt ist dieser kleine Ort und seine Menschen. Mütter und Väter und jede Menge Kinder. Genau dieses hat mich am Buch gehalten. All die kleinen Dinge in Evas Erzählungen, die sich zusammenfügen und durch die Rückblicke ein einziges großes Ganzes ergibt. Eine sich anbahnende Tragödie, ein Drama das seines Gleichen sucht und einem wirklich viel abverlangt.

Letztendlich war der Unterschied zwischen Weinen und Lachen gar nicht so groß. Sie verhielten sich zueinander wie Weggehen und Heimkommen – auch dafür braucht es lediglich ein Haus.
(S. 367)

Wenn Ihr es jetzt lesen möchtet, tut es, aber – ich habe Euch gewarnt!
Manchmal müssen es die unbequemen Geschichten sein, die sich festsetzen. Und diese Geschichte ist sehr unbequem. Ich liebe und hasse sie gleichzeitig, weil es so unsagbar ehrlich ist, was man da erliest. Seite um Seite, auf der Fahrt zusammen mit Eefje nach Hause, bis der Eisblock schmilzt!

Rezension verfasst von © Kerstin
September 2017

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

feindschaft, fesselnde story, frankreich, französischer krimi, freundschaft, geld, gier, hass, holzabbau, krimi, lieb, liebe, macht, mord, umweltskandal

Die Treibjagd

Antonin Varenne , Susanne Röckel
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Penguin, 13.06.2017
ISBN 9783328101567
Genre: Krimi und Thriller

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142 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 74 Rezensionen

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Der Reisende

Ulrich Alexander Boschwitz , Peter Graf
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 18.03.2018
ISBN 9783608981230
Genre: Historische Romane

Rezension:

In dieses Buch und die Geschichte springt man einfach so rein. So wie Otto Silbermann in etwas hereingeraten ist, das ihn auf den ersten Blick etwas verwundert. Wunderliches Gebahren der Menschen, Wilkür gepaart mit Ignoranz und unterstrichen durch Verachtung und Gewalt – von jetzt auf sofort. Wunder – geschehen hin und wieder und oft genug auch nicht! Ottos Hals-über-Kopf-Flucht, aus dem eigenen Haus, der eigenen Stadt, dem eigenen Leben, gestaltet sich in so rasanter Weise und man sitzt mit ihm – zwar nicht in einem Boot – aber dafür im gleichen Zug. Die Gedanken die er denkt, übertragen sich auf die eigenen und so folgt man Otto und flieht vor den Individuen, die das Wort Mensch nicht mehr verdienen.

Eben ist mir nun endgültig der Krieg erklärt worden und jetzt bin ich allein – in Feindesland
(S. 35)

Könnte ein Buch schwitzen, würde man aus jeder Pore der einzelnen Seiten spüren, was womöglich auch der Autor Ulrich Alexander Boschwitz für sich selbst spürte – Angst. Unverhohlene Angst, Zweifel, Sorge. Stellenweise Wut, sogar auf sich selbst, auf die eigene Hilflosigkeit und auf die verweigerte Hilfe der anderen. Otto, alleine auf sich gestellt, in Zügen voller Menschen, die von hier nach da fahren. Alle haben ein Ziel, nur Otto eben nicht. Keine Optionen, keine Chancen. Alles was er versucht ist zum Scheitern verurteilt, so wie er verurteilt wurde, weil es ein Jude ist. Eines von vielen Opfern inmitten von unzähligen Schuldigen. Die wenigen Ausnahmen, denen er begegnet, spiegeln seine Verzweiflung.

So aber spannt man sich und fällt wieder zusammen, rennt hin und her und kommt doch keinen einzigen Schritt weiter.
(S. 147)

Der Autor Ulrich Alexander Boschwitz starb fernab von Deutschland, aber doch durch deutsche Hand. Es war ein U-Boot das sein Leben mittels einem Torpedo im Alter von 27 Jahren beendete. Seine Geschichte „Der Reisende“ war zu dem Zeitpunkt bereits in England erscheinen. Die erste deutsche Ausgabe ist allerdings, auch dank dem Herausgeber Peter Graf, nun nach fast 80 Jahren erstmals erscheinen.

Ein wertvolles Stück Zeitgeschichte, mit einer klaren Sprache und literarisch bemerkenswert. Emotionen und Gedanken des Reisenden kommen auf eine bedrückende Art und Weise zu Tage und es zeigt wie sehr der Mensch, plötzlich komplett auf sich alleine gestellt, in einer ihm feindselig gegenüberstehenden Gesellschaft, den Verstand verliert.

Ich bin nur für das ordentliche Leben gemacht, nicht für das außerordentliche
(S. 204)

Eben noch normaler Alltag, verdreht sich die Welt. Aus Nachbarn werden mögliche Feinde, der fremde Mensch gegenüber könnte ein Denunziant sein. Wenn selbst engste Angehörige zur Gefahr werden, was soll man da tun? Flucht, wo keine Möglichkeit besteht. Der Zug als einziger Ausweg, da die Grenzen unüberwindbar sind? Tagein, Tagaus, das Rattern der Räder, die dahin ziehende Landschaft. Erste Klasse oder zweiter reisen? Auffallen vermeiden, Koffer sind hinderlich, Geld hilft nur bedingt. Einsteigen, aussteigen, umsteigen. Unentwegt, immer weiter und doch kein Ankommen.

Die Wirkung des geschriebenen Wortes ist enorm. Unwillkürlich überträgt sich diese Furcht allem und jeden gegenüber auf einen selbst. Was hätte ich getan? Unmöglich zu beantworten. Eine Situation die so unerklärlich ist und doch nach Antworten schreit.

Es ist wahrlich zum Verrücktwerden!

Das ist keine Frage der Angst, noch nicht einmal eine der Moral, das ist eine Frage der Intelligent und des Verantwortungsgefühl.
(S. 224)

Der Autor hat, als er dieses Buch schrieb, die ganze Tragweite um Prognome, Judenverfolgung, Rassenlehre, Euthansie und die furchtbaren Folgen für Millionen Menschen nicht wissen können. Das ausgerechnet Züge in den Jahren nach Ottos Geschichte eine so grausame Rolle übernehmen werden, konnte er auch nicht ahnen. Dadurch hat die Tragik nochmals eine ganz besondere Note erfahren. Ein Drama, das als Klassiker, hoffentlich auch in Deutschland viele neue LeserInnen erfährt.

Mein Prädikat: besonders wertvoll!

#WiderdasVergessen
#GegendasVergessen
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Rezension verfasst von © Kerstin

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43 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

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Der Pfad - Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit

Rüdiger Bertram , Heribert Schulmeyer
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei cbj, 16.10.2017
ISBN 9783570172360
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Dieses Buch ist für Jugendliche ab 12 Jahren empfohlen und das kann ich nur unterstreichen. Eine Art Abenteuergeschichte, gespickt mit Freundschaft, Gefahren und dem Wunsch nach einem Happy End.
Wer nun aber nach Geschichte in Geschichten sucht, könnte enttäuscht werden. Der Einstieg, durch einen zweiseitigen Comicstrip, in dem kurz und kompakt erzählt wird warum Rolf und sein Vater fliehen mussten, ist außergewöhnlich und perfekt. Die Thematik um Prognome, Judenverfolgung, Flucht und die täglichen Gefahren in Nazideutschland und allen anderen besetzten Gebieten, werden dennoch eher nur kurz angeschnitten und nicht vertieft. Hier geht es um Rolf und seinen Hund Adi (im Ernst, hätte zu der damaligen Zeit ein Mensch mit Verstand so seinen Hund genannt?)
1941 Marseille: Rolf lebt schon seit fünf Jahren in Franreich, seinen Vater an der Seite, seine Mutter in New York. Es wird unmöglich das Land zu verlassen und deshalb bleibt nur der Weg über die Pyrenäen nach Spanien, um von dort eines der begehrten Schiffe nach Amerika zu bekommen.
Täglich starben Menschen und noch viel mehr waren auf der Flucht.
Wer sich in Zeitgeschichte auskennt weiß dass zu der Zeit der Süden Frankreichs noch durch das Vichyregime regiert wurde. Dennoch gab es Geheimpolizei, NS-Schergen und Denunzianten. Wer es jetzt nicht schaffte heraus zu kommen, würde den kommende Übergriffen zum Opfer fallen. All das wissen Rolf und sein Vater nicht und doch ist ihnen klar, das die Zeit drängt.
Es geht direkt in die Berge, zu dem Hirtenjungen Manuel, der Vater und Sohn in Sicherheit bringen soll. Hier beginnt Rolf mich mit seinem vorlauten Reden und klugen Sprüchen zu nerven. Ein Kind auf der Flucht, durch die Lebensumstände schon arg benachteiligt. Hier habe ich mich des öfteren gefragt ob er durch diese Darstellung nicht besser in eine andere Zeit gepasst hätte. Kinder oder Jugendliche die dieses Buch lesen, werden es vielleicht nicht bemerken und Rolf als ‚cool‘ und ’stark‘ halten, mir war er aber stellenweise peinlich. Sein Umgang mit dem Vater und vorallem Manuel gegenüber war nicht zeitgemäß. Als weiteren Kritikpunkt sehe ich die dargestellten Dialoge. Manuel unterhält sich nicht in seiner Muttersprache und so wird das auch wiedergegeben. Als gebrochenes Deutsch in verdrehten Sätzen. Das hat meinen Lesefluss ernorm gestört. Zudem fand ich es sogar etwas respektlos gegenüber diesem Jungen, der einfach nur hilft Menschenleben zu retten. Meine 11jährige hat sich sogar darüber beschwert. Für sie war definitiv Manuel der Charakter in dem Buch, Rolf ein nerviger Nebendarsteller, der nur durch seinen Hund gepunktet hat.
Der Weg über die Pyrenäen war kein Spaziergang, keine einfache Wanderung, sondern eine mehrstündige Reise voller Gefahren. Viele, die diesen Weg gingen, kamen nie am Ziel an.
Rolf und Manuel  – die beiden Jungen, irgendwann allein auf sich gestellt, erleben allerhand auf dieser Reise. Bedrohungen durch wilde Tiere, Gefahren die von Patrouillen und Soldaten ausgehen und viel Zeit zum Nachdenken. Das bot durchaus Spannung und Unterhaltung und man konnte mitfiebern wie die zwei vorankamen und hoffte mit jeder Seite das nichts mehr dazwischen kommt.
Es liest sich schnell, auch dank der großen Schrift. Die einzelnen Kapitel sind mit einer Überschrift und einer kleinen Zeichnung versehen. Zum Ende hin findet sich nochmals ein abschließender Comicstrip.
Eine Geschichte über Freundschaft und Mut. Darüber nicht aufzugeben und durchzuhalten. Über Vertrauen und Gegenseitigkeit.
Für Kinder und Jugendliche vorbehaltlos zu empfehlen, da auf Erzählungen über Gräueltaten oder Gewaltdarstellungen komplett verzichtet wurde.
Rezension verfasst von © Kerstin

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36 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

2. weltkrieg, appenin, bergdorf im apennin, bologna, case rosse, emilia-romagna, erschreckend, in andere personen schlüpfen, italien, krimi, massenhinrichtung, partisane, partisanen, weltkrieg, winter

Die Toten im Schnee

Giuliano Pasini , Sigrun Zühlke
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Piper, 15.10.2013
ISBN 9783492302869
Genre: Krimi und Thriller

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53 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

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Die Stunde des Wolfs

Simo Hiltunen , Peter Uhlmann
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 06.11.2017
ISBN 9783352009044
Genre: Krimi und Thriller

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

hajo freisal

Giftzwerg

Bernd Mannhardt
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei bebra verlag, 13.09.2017
ISBN 9783898095488
Genre: Krimi und Thriller

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

13 stufen, japan, justizirrtum, kazuaki takano, todesstrafe

13 Stufen

Kazuaki Takano
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Der Hörverlag, 10.11.2017
ISBN B076BFDZM2
Genre: Sonstiges

Rezension:

Es war in der 9. oder 10. Klasse, als im Religionsunterricht das Thema „Todesstrafe“ besprochen wurde. Ein Streithema für viele von uns damals 15 oder 16jährige, dass die Klasse gespalten hat – JA oder NEIN – entweder, oder.
Wer den Mörder tötet, ist selbst einer? Wer darf was entscheiden und was wenn Unschuldige hingerichtet werden?
Im Laufe der Zeit, nach Recherchen und vielen intensiven Gesprächen hat sich so manch fest eingefahrene Meinung gelockert und damit auch die Sicht auf die Dinge.
„13 Stufen“ hat mich an so vieles erinnert – heute, gute 30 Jahre später ist es für mich genauso schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, diese Fragen zu beantworten.
Ein Konflikt der durch die Geschichte um den jungen Mann Jun’ichi nochmal so richtig an das Gewissen klopft und dabei sehr viel Lärm macht.

Auge um Auge?
oder
Wer ohne Schuld ist werfe den ersten Stein?

Ein als Mörder verurteiler Mann sitzt im Todestrackt, abgeschottet von allem. Lediglich die Schritte der Wärter sind zu hören.
Hier hat die Sicht der Dinge mich eiskalt erwischt. Kommen die Schritte näher? Zu meiner Türe? Ist es Hinrichtungszeit?
Lass sie weiter gehen! Nicht bei mir anhalten!
Das Verhalten der zum Tode Verurteilten, die oft Jahre einsitzen und eine Revision nach der anderen einlegen um letztendlich doch den Gang zu Galgen anzutreten, wurde in diesem Buch unwahrscheinlich authentisch wiedergegeben. Es sind oft nur kurze Einspieler, doch diese gehen einem unter die Haut.

Was mich ebenfalls faszinierte war die Geschichte des Henkers. Seine Sicht der Dinge, quasi das krasse Gegenteil zu dem Verurteilten. Oder etwas nicht? Auch hier wurde es sehr persönlich und hat mich immer tiefer hinein gezogen.

Der Wärter Nango Kihara, der sich mit Jun’ichi auf die Suche nach Beweisen macht, ist ein Paradebeispiel. Für Wut und Hass. Für Selbstbeherrschung und Emphatie. Für Vertrauen und Vertrauensverlust.
Seine Geschichte und die seines jungen Begleiters ist voller Geheimnisse, die nach und nach offen gelegt werden und für manche Überraschung sorgte.

Dabei lauschte ich der Stimme des Erzählers und genoss die Sprache, die Dialoge und die tiefsinnigen Zwischentöne.

Ist es gerecht einen Menschen zu retten wenn dafür ein anderer sterben muss?

Die Geschichte an sich ist genial, aber auch der Sprecher Sascha Rotermund hat mit seiner Stimme dafür gesorgt dass ich nicht aufhören konnte. Es war einfach nicht machbar zu entkommen.
Was sich alles offenbart, wer wie in der Angelegenheit mit drinnen steckt und wie all diese Geheimnisse ans Licht kommen.
Und darüber schwebt ständig der Galgenstrick, der darauf wartet zum Einsatz zu kommen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und ein Kampf Gewissen gegen Moral (oder umgekehrt?).

Das Cover im Original und der deutschen Variante sind sich im ersten Moment sehr ähnlich. Doch spätestens wenn man die Geschichte kennt, erkennt man doch den kleinen aber feinen Unterschied. Die 13 Stufen, die den Weg von der Verurteilung bis hin zur Hinrichtung darstellen, sind nur als Metapher gedacht, doch in dem Hörbuch wird klar dass es noch ganz andere Stufen zu erklimmen gibt. Deshalb finde ich die blaue Ausführung deutlich gelungener.

Viel Spannung, jede Menge an kultureller Informationen zu japanischen Sitten und Gebräuchen, Gesetzen, dem Umgang der Menschen miteinander, den Verhaltensregeln und so manchem Ehrenkodex.

Eltern haften für ihre Kinder

Ein Drama gepaart mit informativen Kriminalfall.
Eine kulturelle Reise durch die Menschlichkeit, wenn auch mit ungewöhnlichem Ermittlerduo.

Mein Fazit: LESEN oder HÖREN!!!

Rezension verfasst von © Kerstin

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Tags: japan, justizirrtum, todesstrafe   (3)
 

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938 Bibliotheken, 40 Leser, 1 Gruppe, 146 Rezensionen

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The Girl on the Train

Paula Hawkins
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Doubleday, 29.01.2015
ISBN 9780857522313
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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35 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

frankreich, frankreich krimi, französische autoren, humor, kommissarin capestan, krimi, krimi-reihe, kunstfigur, paris, polizei, rätsel, sophie hénaff, verrückt

Kommando Abstellgleis

Sophie Hénaff , Katrin Segerer
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei carl's books, 20.03.2017
ISBN 9783570585610
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie schön hatten die Herren (und wenigen Damen) des Pariser Kommissariats sich das vorgestellt. Alle „Problemfälle“ innerhalb des eigenen Kollegenkreis wird man los, indem sie in eine neue Brigade gesteckt werden. Die neue Unterkunft ist der 5.Stock eines Wohnhauses, immerhin mit Dachterrasse. Das Inventar eher Sperrmülltauglich, der Fuhrpark eine Lachnummer. Ein Abstellgleis für die Unbeliebten und Uneinsichtigen oder solche die nicht der „Norm“ entsprechen.

Diese Brigade existiert nur, weil wir sie nicht entlassen können!
(S. 241)

Anne Capestan bekommt, mit Zuteilung der Führung dieser Brigade, eine Chance Kommissarin zu bleiben. Rund vierzig KollegInnen stehen auf der Liste, doch der Anfang ist schwer und so gibt es nur eine klitzekleine Schar, die einer nach dem anderen eintrudelt. Ein Säufer, ein junger Boxer, ein sich selbst geouteter Mann, eine Spielerin, ein Unglücksbringer und noch ein paar sonderbare Gestalten mehr.
Irgendwie habe ich jeden einzelnen von ihnen, im Laufe der Geschichte, immer mehr gemocht. Denn sie zeigen auch ihre echte Seite, ihre Gefühle und Sorgen und bringen sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten richtig gut in dieses neue Team ein. Selbst Pilou, den man als Polizeihund wohl eher nicht einsetzen könnte, passt perfekt in diese bunte Runde.

Teamarbeit, dass macht diese Truppe aus. Mit einem großen Raum voller Schrott und Nichts angefangen, wird es langsam heimisch. Es bilden sich die ersten Ermittlergruppen und die ColdCases, die einzigen Fälle die sie überhaupt bearbeiten dürfen, stapeln sich. Obwohl alle antriebslos und unmotiviert sein sollten, zeigt sich genau das Gegenteil. Zwei der alten, ungeklärten Fälle, weckt das Interesse und so fangen sie bei Null an, wühlen sich durch die Akten und schnell stoßen sie auf sehr seltsame Vorgänge. Das neue, unkonventielle Team hat Blut geleckt, die Polizisten in ihnen nehmen Witterung auf und so machen sie richtig solide Ermittlerarbeit.

Mit jedem Tag lernte Capestan ihr Team mehr zu schätzen.
(S. 292)

Die zwei alten Fälle, ein Mord an einer alten Dame und einer an einem Wachoffizier der Handelsmarine. Beide Tathergänge vollkommen unterschiedlich. Doch irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Es fehlt etwas. Während der Mann eher von einem Auftragskiller ermordet wurde, hatte man die alte Dame noch mit einer Art Anstand behandelt. Die Spuren sind kalt, nein, sie sind schon eisig und doch schafft die neuen Brigade es mit ihrer Beharrlichkeit so langsam und Stück für Stück alles ans Licht zu bringen. Aber sollen sie das überhaupt? Warum wirft man ihnen Stöcke zwischen die Beine und macht es ihnen unnötig schwer? Will man gar nicht dass sie ermitteln oder machen sie jemanden sogar Angst aufgrund ihrer zunehmend Beweisführung?
Es wurde spannend. Keine große Action, eher ein ruhiges und konstantes Zutage fördern.
Die Überlegungen der Einzelnen und auch der gesamten Truppe, haben immer mehr offenbart und schlussendlich damit eine richtig gute Geschichte abgeliefert.

Die einzelnen Kapitel sind überschaubar von der Länge her und lassen einem die einzelnen Personen bei ihrer Arbeit zu schauen. Das Öfteren auch beim Kaffee trinken oder dem Gassi gehen. Am besten sind einfach die Dialoge oder die spontanen Ein- und Ausfälle. Jede Menge Humor ohne das es lächerlich wirkt aber auch sehr viel Ernsthaftigkeit. So mancher Blick in die einzelnen Charaktere zeigt, dass da auch ganz viel Mensch in ihnen steckt.

Aus den Augen, aus dem Sinn!
(S. 13)

Ganz bestimmt nicht. Diese geniale Brigade um Anne Capestan hat sich gerade erst warm gearbeitet und ich bin schon sehr gespannt wie diese schrägen Vögel weitermachen.

Rezension verfasst von ©  Kerstin

  (15)
Tags: krimi-reihe   (1)
 

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292 Bibliotheken, 11 Leser, 2 Gruppen, 124 Rezensionen

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Durst

Jo Nesbø , Günther Frauenlob
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 15.09.2017
ISBN 9783550081729
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das erste Mal habe ich diesen Typen in Australien kennengelernt und es hatte sofort „gefunkt“. Der Charakter Harry Hole mochte ein schwieriger sein, aber als Mensch war er mir doch schon einmalig. Und so freute ich mich bei jedem neuen Band über ihn und seine Geschichten.
Wohin es einen überall verschlug, war schon großartig. Von den Opiumhöllen in Thailand zu den bitterkalten Osloer Weihnachtstagen. Von Auftragskillern, Nazis und Serienmördern begleitet. Es wuchs – mein Verlangen, mehr und mehr von Harry Hole zu lesen und der Autor lies sich nicht lumpen. Ein Band nach dem nächsten und dann – Stille – kein Harry Hole mehr. Nach „Die Larve“ kam erst einmal nichts.

Um so größer meine Freude, als es mit „Koma“ endlich weiterging, auch wenn ich da schon große Ängste um diesen Kerl hatte. Harry, der Polizist, aufgestiegen in der Hierarchie der Polizei und dazwischen des Öfteren richtig tief runter geknallt. Oft genug war er selbst daran schuld. Seine Geister trieben ihn immer und immer wieder zu seinem persönlichen Teufel – dem Alkohol.

Wir mögen nicht das Gleiche, aber wir hassen dasselbe
(S. 555)

Aber was wäre ein Charakter, wenn er nicht Stärke genug entwickeln könnte, um sich und seine Sucht in den Griff zu bekommen. Hier hat der Autor Jo Nesbø ein ganz heißes Eisen geschmiedet. Die immer wiederkehrende Sucht Harrys, seine Abstürze und Ausfälle, haben es mit Sicherheit nicht jedem*r Leser*in leicht gemacht. Ihn, den Säufer, zu mögen hat auch mich manchmal zweifeln lassen. Und doch konnte ich es verzeihen, seltsam, aber so war und ist es. Vielleicht lag es daran das er nie andere zu Schaden kommen lies, sondern nur sich selbst dabei verletzte, körperlich und seelisch. Ein armer Teufel, der in meiner Riege der Charaktere aus Büchern, auf Platz 1 ist und es aller Wahrscheinlichkeit auch bleiben wird. Harry Hole ist und bleibt einfach ein Unikat. Es kamen einige nach ihm, die sich mit dem ähnlichen Problem rumschlugen, aber er bleibt unerreicht.

Als „Durst“ in den ersten Vorschauen erschien, war mein Gedanken, oh nein, bitte lass den Titel nicht wahr werden. Er war doch davon. Hatte ein neues Leben, eine Familie, Freude am neuen Beruf als Dozent und dann das? Wer in das Buch einsteigt, merkt aber sehr schnell dass es auch andere Dinge gibt, nach denen es einen dürsten kann.

Vielleicht war er doch noch nicht ganz in den Bann gezogen worden, vielleicht hatte er sich doch verändert.
(S. 177)

So kommt es dann, dass Harry doch wieder als Ermittler arbeitet, obwohl er sich sträubt. Als Teil einer Ermittlertruppe um Katrine und Truls, bildet er wieder die Vorhut eines soliden Teams. Die Recherchen und Laufarbeiten sind gleichermaßen Teil der Geschichte, wie Vermutungen, Hintergründe, Verdächtige und natürlich die Opfer. Das Motiv bleibt allerdings lange im Dunkeln. Das gibt genügend Spielraum zum Miträtseln und sorgt für fieberhafter Spannung.

„Durst“ ist modern, sehr sogar. Eine App als Grundlage für einen Mordfall. Frauen und Männer die über diese Dating-App Partner suchen. Für eine Nacht, oder das ganze Leben. Für manche aber entpuppt sich die Suche nach dem Traummann als Alptraum. Denn der Killer hat bei dieser Auswahl die sich ihm bietet, wohl die Qual der Wahl. Seine Visionen und besonders sein Vorgehen sind schon sehr grenzwertig. Was treibt ihn an? Was hat diesen enormen Durst ausgelöst und wie kann man ihn stoppen?

Neben all den Ermittlungen um den Mordfall, gibt es gewohnt viele Einblicke in die Privatleben der einzelnen Charaktere. Das lockert auf, lässt einen alle menschlicher (oder eben nicht) vorkommen und zeigt, dass auch all die Polizisten, gleich welcher Stellung, ihr Sorgen und Ängste haben. Gleichermaßen aber auch Spaß am Leben. Bei Harry spielt seine Familie, die er noch gar nicht so lange hat, die Hauptrolle und besonders seine Beziehung zu Oleg, dem Sohn seiner Lebensgefährtin, ist sehr väterlich.

Es gibt so manche actionreiche Szene bei der Jagd nach dem Killer. Da kommen auch mal Sondereinheiten zum Zuge. Aber es überwiegt deutlich die ruhigere Arbeit. Das Schnüffeln und Graben nach alten Geschichten und warum ausgerechnet ein alter Fall Harrys und damit ein Kontrahent der besonderen Art wichtig wird, kommt immer mehr zum Vorschein.

Nichts ist für immer, das Leben…ist in ständiger Veränderung. Das macht es so schmerzhaft, aber auch so lebendig.
(S.437 )

Harry Hole ist nicht mehr der Alte, er ist in die Jahre gekommen. Doch genau das steht ihm. Weiter so, bitte!

Rezension verfasst von © Kerstin

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

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Der weiße Affe

Kerstin Ehmer
Fester Einband
Erschienen bei Pendragon, 30.08.2017
ISBN 9783865325846
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ihr Ruf eilt ihnen voraus
(S. 12)

1920er Jahre
Die Menschen haben sich gerade weitestgehend erholt. Der Krieg ist vorüber, die Verwundeten und Gefangenen nach Hause zurückgekehrt. Die Toten sind nur noch Erinnerungen. Das Land ist im Aufbau und doch sind viele der Verletzungen geblieben. Am Körper, im Kopf, in den Herzen.

Alles floriert, auch das Verbrechen und so kommt Kommissar Spiro zu seinem ersten Fall in Berlin. Der „Neue“ ist noch recht jung und doch schon ein alter Hase. Seine Fälle schließt er ab – immer, auch wenn es manchmal etwas unkonventioneller vonstatten geht.

Nun, neu in Berlin, der Großstadt, dessen Treiben und Menschen ihn direkt in seinen Bann ziehen, geht es direkt an den ersten Mordfall. Ein toter Bankier, ein Jude, der so gerne ein Deutscher gewesen wäre.
Es gilt das Motiv zu finden. Verdächtige gibt es genügend.
Spiro ist hartnäckig und mit seinem Kollegen macht er sich auf in das Nachtleben Berlins. In die Bars und Theater. Oder in die Katakomben, so manche üble Spelunke und luxuriöse Behausungen.
Dabei erfährt Spiro und die LeserInnen eine ganz Menge und genau das fand ich absolut großartig.

Die Autorin nimmt einen mit – in die 1920er Jahre nach Berlin. Sie hat wahnsinnig gut recherchiert und so viele Themen in diesen Kriminalfall eingebunden, die ich nicht erwartet aber so sehr genossen habe. Ein Lesehighlight für alle geschichts historisch Interessierten.
Die Lebensumstände, besonders der Frauen sin so authentisch geschildert, aber auch die neue sexuelle „Revolution“, das Ausleben und Erleben von geheimen Wünschen ist immer wieder Teil dieser Geschichte.

Es gibt so viele Unterthemen, aber man wird nicht erschlagen davon. Es ist wie eine Zeitreise in eine alte Welt, bei der man immer wieder neues erfährt. Hintergründe zu den jüdischen Sitten und Gebräuchen – hier hat mir die Geschichte um die Mendelsohn Affen besonders gefallen und auch schon die ersten antisemitischen Begebenheiten fallen einem auf. Man weiß, worauf dies hinauslief und auch Spiro merkt, dass da etwas im Entstehen ist und es gefällt ihm gar nicht. Das machte ihn mir noch sympathischer.

Ich halte solche Rassetheorien für gefährlich, auch der zunehmende Beifall, der sich dafür findet.
(S. 153)

Der Kriminalfall entpuppt sich im Laufe des Buches als sehr komplex. Es gibt so viele Zusammenhänge aber man verläuft sich nicht, sondern folgt Spiro immer weiter und macht wie er auch, so manche Erfahrung um Vorurteile und Verurteilungen.

Der Schreibstil hat mich auch überzeugt. Es gibt einen ausgleichenden Wechsel zwischen kurzen, knappen Sätzen und langen Erzählsträngen. „Der weisse Affe“ hatte mich in seinen Bann gezogen, wie auch die in kursiv immer wieder vorkommenden Abschnitte über das Kind, Alexander. Ein hochintelligenter Junge, der unter seiner Mutter leidet. Sie liebt ihn und sie liebt ihn nicht. Vernachlässigung und Überbehütung gehen Hand in Hand.

Der weisse Affe ist nicht mehr
(S. 153)

Sie ist rund, die Geschichte um Spiro und ich würde mich sehr freuen, wenn er wieder ermitteln würde. Auch der Fall um den Mädchenmörder, neu aufgerollt von der Autorin, wäre reizvoll.
Absolute Leseempfehlung für Krimifans und alle, die gerne in die Vergangenheit zurück kehren.

Rezension verfasst von © Kerstin


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291 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 82 Rezensionen

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Geständnisse

Kanae Minato , Sabine Lohmann
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 27.03.2017
ISBN 9783570102909
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Geständnisse“ gehört zu der Sorte Bücher, die ich selbst nach Jahren, aus all der Masse der gelesenen, blind herausgreifen könnte – um zu sagen, das dieses so anders ist als all die anderen.
Ein Buch mit einer Geschichte die sich festsetzt, die hängen bleibt und der man lange hinterher denkt.

Die kleine Manami ist tot. Ihre Mutter, die Lehrerin Yuko Moriguchi nimmt Abschied von ihrer Klasse, in der sich auch die 2 Personen befinden, die Schuld tragen an dem Tod des kleinen Mädchens. Fast schon seelenruhig erzählt sie, von der Welt, den Menschen und dann von ihrem Leben. Moriguchi nimmt ihre Schüler gefangen und mich gleich mit. Sie spricht über Recht und Unrecht, von Gewalt und ihren Folgen. Zeigt Beispiele auf und kommt schließlich an den Punkt, an denen keiner mehr irgendetwas anderes wahr nimmt, als Moriguchis Anklage gegenüber den 2 Schülern. Sie weiß was geschehen ist und lässt es Revue passieren, sodass alle Schüler wissen um wen es sich dreht. Täter A und Täter B, wie sie anfänglich noch heißen, sind innerhalb weniger Seiten entlarvt. Moriguchis Worte bleiben im Raum stehen, während sie geht.

„Doch was mich wirklich schockiert, ist, dass die Mörder so gelassen dasitzen, während ich euch dies alles erzähle.“ (S. 29)

Man kann es Rache nennen, oder Vergeltung. Es würde aber auch passen Moriguchis Handlungen als perfide und gleichzeitig wohl überlegte Genugtuung zu bezeichnen. Und ich kann es sogar nachvollziehen. Sie nimmt alle gleichermaßen mit in eine Art Experiment. Wie werden die Mitschüler sich verhalten? Wird es Übergriffe geben? Wer stellt sich auf welche Position und wer schreitet ein? Es läuft wohl nicht ganz so, wie sie es sich vorgestellt hat und doch bleibt alles in Bewegung.

Ich habe der Polizei nichts gesagt, weil ich der Justiz nicht zutraue, sie angemessen zu betrafen.“

In den insgesamt 6 Kapiteln erfährt man aus unterschiedlichen Perspektiven was geschehen ist, vor, während und besonders nach Manamis Tod. Vollkommen unterschiedliche Personen erzählen ihre Sicht der Dinge und wie sich alles entwickelt hat. Was für Konsequenzen diese eine Tat nach sich zieht und wer denn nun alles in was verwickelt ist.

Moriguchi hat gut geplant, das wird einem im Laufe der Geschichte klar. Diese so gebildete Frau, immer ruhig und genügsam, zuvorkommend und freundlich, hat aus dem Bauch heraus und doch auch mit dem Kopf einen Handlungsstrang gewoben, dem man sich nicht entziehen kann.

Wie gern wäre ich aus dem Sumpf herausgeklettert und weggelaufen. Irgendwohin, wo mich keiner kennt.“ (S. 185)

Was mich sehr angesprochen hat, ist wie die Mentalität, stellvertretend durch die einzelnen Charaktere, herüber kommt. Japan ist weit weg und doch war ich dort, vor Ort, mittendrinnen. In den Traditionen und Sitten. In den Köpfen der Menschen und auch wenn nicht alle Handlungen nachvollziehbar sind, war es sehr deutlich beschrieben warum es genauso kam.

Wer trägt Schuld? Der Einzelne? Die Gesellschaft? Die intakten oder zerborchenen Familien? Der Leistungsdruck oder der Wunsch nach dem ganz großen? In „Geständnisse“ wird abgerechnet, gnadenlos und bitterböse. Ohne Rücksicht auf Verluste und derer gibt es zur Genüge. Dabei wird die Rolle der Mutter nicht nur durch Moriguchi wiedergegeben, denn es gibt noch viele andere und nicht alle sind die Schuldlosen.

Nüchtern aber nicht gefühlskalt, so kam mir diese Reise vor. Ein literarischer Hochgenuss auch wenn es bitterböse war.

Rezension verfasst von © Kerstin

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(95)

132 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 88 Rezensionen

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Die Fährte des Wolfes

Mons Kallentoft , Markus Lutteman , Christel Hildebrandt
Flexibler Einband: 458 Seiten
Erschienen bei Tropen, 07.09.2017
ISBN 9783608503715
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eigentlich hätte Zack Herry keinen einzigen Stern verdient. Ein Mann in solch einer verantwortungsvollen Position, der sich allerlei Rauschmitteln hingibt und dadurch Ermittlungen in Gefahr bringt, geht gar nicht. Doch dann lernte ich seine anderen Seiten kennen. Den einst kleinen Jungen und die tragische Geschichte um seine Mutter. Sein Verhalten gegenüber der Kollegin Deniz und wie er Gefühlslagen einordnen kann. Dann noch die Sache mit dem kleinen Nachbarsmädchen, der er einfach seine Zeit schenkt. Ok, Zack ist kein Heiliger, aber auf dem besten Weg einer zu werden. Wenn er die Finger von dem Teufelszeug lässt.

“Sie watet durch stille Teiche, die nach vermoosten Vorurteilen und aufgestautem Hass stinken." (S. 84)

Der Fall um die ermordeten vier Frauen entpuppt sich als eine Reise in die Abgründe der Menschlichkeit. Rassismus, Pornografie der übelsten Sorte, Frauenhandel, Prostitution, Gewalt, mafiöse Verhältnisse und viele üble Gestalten. Zacks Kollegin Sirpa ist die Computerexpertin im Team und durchsucht das Netz nach Hinweisen, die Spuren oder Motive offenlegen. Dabei eröffnen sich ihr und den Lesern Welten, die man sich so gar nicht vorstellen mag.

Der Vorgesetzte Douglas Juste hat dabei alles und alle im Blick. Dabei ist es Rudolf, der älteste in der Gruppe, der durch seine Blindheit Dinge "sieht" die anderen vollkommen entgehen. Lediglich Niklas, der Familienvater in der illustren Runde, geht etwas unter. Sechs Männer und Frauen, die sich gegenseitig vertrauen und unterstützen, meistens, wenn nicht der ein oder andere der Versuchung erliegt, uns sei es nur einen Alleingang zu machen.

Man sollte sich darauf einstellen das es blutig wird im Buch. Die vier in Klappentext genannten toten Frauen sind nur der Anfang. Wer kann solch einen Hass empfinden? Wo kamen diese Frauen her? Wen fürchten selbst hartgesottene Rocker?

Es entwickelt sich eine Story, die durch die insgesamt 63 Kapitel in den 3 Teilen, gut und schnell lesbar ist. Viele Fragen die aufgeworfen werden und deren Antworten man sich als Leser stellen muss. Stellenweise keine leichte Kost, denn das Team um Zack kommt einer bestialischen Gruppierung auf die Spur.

“Er ist allein mit seinem Schmutz. Dem inneren und dem äußeren."
(S.370)

Eine sehr spannende Geschichte, Wendungen mit denen ich so nicht gerechnet hätte und ein Showdown zum Abschluss, der nach mehr über Zack Herry und seinen Team-Kollegen schreit.
Alle Kollegen, die dieser Sondereinheit angehören haben ihre Stärken und auch ihre Schwächen. Ich mochte alle, ausnahmslos, auch wenn ihre Darstellungen schon in ein deutliches Klischeemuster verfiel. Hier hätte ich mir viel mehr Offenheit zu den Charakteren gewünscht. Auch wenn alle einem Team angehören, kam es mir durch die Perspektivwechsel immer so vor, als würden alle alleine arbeiten.

“Nicht jetzt. Noch nicht. Nicht hier. Nicht ausgerechnet hier." (S. 457)

Laut "LE MONDE" ist Zack Herry ein cooler Mix aus Harry Hole und Lisbeth Salander. Dem kann ich nicht zustimmen. Er ist noch sehr weit entfernt davon. Aber vielleicht gibt es einen zweiten Band und er nähert sich diesen besonderen Charakteren doch noch. Zumal es da ja noch die Sache mit Zacks Mutter gibt - hier hoffe ich auf Klärung im nächsten Band.

Lesenswert ist "Die Fährte des Wolfes" auf jeden Fall, ein Pageturner der einen immer tiefer hineinzieht. Wären nicht die recht klischeehaften Darstellungen der einzelnen Teammitglieder gewesen und so manch überzogen dargestellter Alleingang, hätte es deutlich mehr Sterne von mir gegeben.

Rezension verfasst von © Kerstin

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Anschlag von rechts

Reiner Engelmann
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei cbj, 22.05.2017
ISBN 9783570174371
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nach einer wahren Begebenheit – Ab 13 Jahren

 „Das Beispiel einzelner Menschen“, überlegte er, „kann manchmal mehr über seine Zeit aussagen als ein ganzes Geschichtsbuch.“

Hier, in dieser Geschichte, sind es genau diese einzelnen Geschichten, von und über Menschen, die so viel aussagen. Nach einer kurzen Einführung, die nicht mehr als 3 Seiten benötigt und den unheilvollen ‚Vorboten‘, die kaum länger sind, ist man drinnen ~ in den Geschichten einzelner Menschen und Familien. In den Schicksalen der Flüchtlinge. Warum sie, Männer, Frauen, Kinder, ihre Heimat verließen und ich wünschte ein jeder würde sich etwas damit beschäftigen, bevor pauschalisiert wird.
Aber man erliest sich auch wie schnell eine Stimmung kippt und aus verbaler Hetze tatsächliche Gewalt wird.

Fünf Länder, fünf Erlebnisse und Leben werden in einem recht sachlichen Ton und ohne auf die Tränendrüse zu drücken, geschildert. Es war in allen, trotz der Unterschiede immer das gleiche, was diese Menschen veranlassten ihr Land zu verlassen. Krieg, Mord, Tod. Und keine Chance irgendetwas dagegen tun zu können ohne selbst ein Opfer zu werden, wobei ~ sie sind bereits Opfer.

„Nacht für Nacht hörte er Gewehrfeuer, Detonationen von Bomben oder Granaten. Er lebte im Krieg. Seit dem ersten Tag seines Lebens. Er kannte es nicht anders.“

Das Buch „Anschlag von Rechts“ behandelt eine Thematik, die absolut zeitaktuell ist und überall so geschehen kann bzw. bereits geschah und immer wieder geschieht. Junge Menschen und auch Erwachsene, die abdriften in eine Gesinnung, angestachelt durch Unwissenheit, Ignoranz, Langeweile und vielleicht sogar ein Stückweit Dummheit, die jeglichen gesunden Menschenverstand vermissen lassen. Dabei frage ich mich immer wieder, ob denn keiner aus der Geschichte gelernt hat, zu viele grausame Beispiele sprechen für sich.

Diese Erzählungen im Buch sind eine Rekonstruktion einer wahren Begebenheit. Zwar wurden die Namen geändert und Orte nicht benannt, dennoch ist da sehr viel Realität enthalten, nicht zuletzt auch durch die Gespräche, die der Autor mit den Betroffenen führte. Wie bereits erwähnt ist alles sehr sachlich und nüchtern gehalten, aber dadurch mindert sich keineswegs die Botschaft, die dahinter steht. 

Man erfährt die Begebenheiten aus Sicht der Opfer und der Täter. Erlebt die Angst der einen und die Wut der anderen. Nimmt an Verhören teil und letztendlich sogar an einem Prozess mit anschließender Urteilsverkündung. Hier haben mir die Aussagen und Begründungen des Gerichts sehr imponiert. Wer handelt muss mit Konsequenzen rechnen, immer und bei allem.

Durch die angenehm große Schrift liest es sich sehr flüssig. Auch das Buch ist mit seinem festen Einband und der Einteilung im Inneren sehr schön gestaltet.
Bereits zu Beginn gibt es eine Auflistung aller Kapitel, dadurch ist alles sehr übersichtlich. Auch der Abschnitt zum Ende hin hat mich sehr angesprochen.
Der Autor Reiner Engelmann hat sich sehr viele Gedanken gemacht und mich damit selbst zum überlegen gebracht.

Dieses Buch kann ich ohne Vorbehalte jugendlichen Lesern empfehlen, aber auch für Erwachsene kann es so manchen Blick über den Tellerrand vermitteln. Ein klare Empfehlung spreche ich diesem Buch auch für den schulischen Unterricht aus. Hier muss nicht nur gelesen werden.
Diese Geschichte gibt so viel Raum für Diskussionen, Aufklärung, Vermittlung und Verständnis für die Situation der Flüchtlinge.

Vielleicht würde so manches Verhalten dann im Vorfeld gar nicht erst entstehen.

„Welch Geistes Kind Sie sind, haben Sie auch dadurch gezeigt, welches Vokabular Sie Ihren Kindern vermitteln.“

Rezension verfasst von © Kerstin

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Schwarzwasser

Andreas Föhr , Michael Schwarzmaier
Audio CD
Erschienen bei Argon, 01.06.2017
ISBN 9783839815304
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bei diesem Hörbuch hatte mich das Cover magisch angezogen, es wirkt düster und diese Sense trägt viel dazu bei. Auch ist die gesamte Aufmachung dieses Digifile sehr gelungen. Jede der 6 CD hat einen eigenen Schuber, dazu immer einen kleinen Spruch. Ein weiteres Highlight ist der Sprecher. Michael Schwarzmaier hat es einfach drauf. Die verschiedenen Stimmen der einzelnen Charaktere und die unterschiedlichen Dialekte sind hervorragend getroffen. So konnte ich den Personen ein Bild zuordnen, auch wenn ich mit den vielen Namen anfangs schon so manches Problem hatte. Das legte sich aber im Laufe der 6 CDs und je weiter ich kam um so besser verstand ich.

„Schwarzwasser“ ist eine Firma, um die es sich im Buch dreht. Es gibt neben dem aktuellen Geschehen immer wieder Rückblicke nach Berlin. Zu einem Anwalt und dessen Assistentin, zu einem recht dubiosem Mandanten und der Frage, wie das alles mit der Gegenwart und diesem Toten zusammenhängt?

Wallner ist der Ruhepol in der Geschichte. Er ist bedacht in allem was er tut, hat eine angenehme ruhige Art und ist damit das krasse Gegenteil zu seinem Kollegen Kreuthner. Während er mit persönlichen Problemen konfrontiert wird und auch sein Opa Manfred davon betroffen ist, hatte ich das Gefühl diesen Teil in der Geschichte nicht unbedingt zu brauchen. Klar möchte man immer mal etwas persönliches der Charaktere wissen, aber hier hat es mich irgendwie gestört. Der Fall an sich wurde immer wieder dadurch unterbrochen. Vielleicht wäre es beim Lesen nicht so kompliziert gewesen.

Kreuthner ist ein Chaot, sehr selbstverliebt und hat ein Organ am Hals, dass der Sprecher so richtig genial rüber gebracht hat. Besonders die Schimpftiraden waren perfekt. Ansonsten war Kreuthner nicht mein Fall. Er handelt sehr unbedacht, obwohl er ein guter Beobachter ist. Auf mich wirkte er eher wie ein Klassenclown, der es gut meint, dabei aber nur Schaden anrichtet.

Der Fall an sich war sehr komplex und gut ausgearbeitet. Hier gab es, durch die Rückblicke, immer wieder ein Stückchen mehr, dass zur Auflösung beitrug und ich bin sehr lange im Dunkeln getappt. Wer, wann, mit wem und wo und warum. Das Miträtseln hat Spaß gemacht. Dafür das es sich bereits um den 7. Band mit Wallner und Kreuthner handelte, bin ich sehr gut durch die Geschichte gekommen. Es hört/liest sich also auch gut ohne Vorkenntnisse zu den anderen Bänden.

Der Plot ist gut durchdacht, viele Wendungen, manche unerwartet, andere etwas vorauszusehen, aber komplett bis zum Schlus logisch und mit so mancher Überraschung gespickt. 

Durch die gelungenen Beschreibungen der Orte und Gebäude und vorallem der einzelnen Personen hatte ich sehr oft ein Bild der Situationen vor Augen, was das Hören stellenweise lustig machte aber hier und da auch mal traurig stimmte.

Ein angenehmer Hörgenuss, aber man muss schon aufpassen. Hätte Kreuthner nicht so einen negativen Eindruck auf mich hinterlassen, sondern einfach nur seinen Job gemacht und dabei ein bisschen mehr gedacht hätte, wäre es ein Stern mehr geworden.

Die Geschichte mochte ich, Wallner auch, aber auf Kreuthner bin ich sauer. Warum? Selber lesen oder hören.

Rezension verfasst von © Kerstin

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Herr Schreiber blockiert: Eine Poeten-Posse

Bernd Mannhardt
E-Buch Text
Erschienen bei BookRix, 19.04.2017
ISBN 9783743808645
Genre: Romane

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Murder Park

Jonas Winner , Uve Teschner , Detlef Bierstedt , Oliver Brod
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 13.06.2017
ISBN 9783837138320
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sex & Crime – das verkauft sich immer gut. So dachte vielleicht auch der vermögende Unternehmer Rupert Levin und machte aus dem stillstehenden, ehemaligen Vergnügungspark für die ganze Familie etwas anderes, etwas besonderes.
Zodiac Island musste vor 20 Jahre geschlossen werden. Der Park, weit draußen auf einer Insel gelegen und nur per Fähre erreichbar, hatte dem Serienkiller Jeff Bohner ebenfalls als „Vergnügungsstätte“ gedient und nach drei bestialischen Morden für Bohner und den Park das Todesurteil bedeutet.

Nun wird es eine Einführung geben, ein extra für ausgewählte Personen arrangiertes Presseevent. Denn aus Zodiac Island wird Murder Park.
12 Männer und Frauen die alle einen Bezug zum damaligen Zodiac Island haben und einer davon ist Paul. Seine Verbindung ist seine Mutter – eine der drei ermordeten Frauen. Aber es findet sich unter anderem auch ein Tontechniker, eine Kellnerin und eine ehemalige Bundesagentin vor Ort ein.

Das Hörbuch ist mit seinen vielen verschiedenen Sprecherinnen und Sprecher für mich wieder ein Highlight. Die Charaktere erhalten nicht einfach nur ihre Stimmen sondern auch Emotionen, die in einem Print so einfach nicht dargestellt werden können.

Die „Vorstellung“ der einzelnen Personen findet in gleichmäßigem Rhythmus statt. Zwischen der Geschichte um den neuen Park gibt es Tonbandaufnahmen der Interviews die der Psychologe Sheldon mit ihnen führte und so viel zu den Männern und Frauen aussagt. Ihre Verbindung zum Park, ihre Beweggründe nochmals dorthin zu wollen und auch ihre Skepsis gegenüber dem neu geplanten Murder Park.

Dieser Wechsel zwischen dem Park im Jetzt und den Interviews sorgt für so manchen Cliffhänger aber es führt auch dazu das immer mehr herauskommt was damals im Park wirklich geschehen ist bzw. wie die einzelnen Personen dies empfunden haben und auch nach so vielen Jahren noch empfinden.

Der Park selbst ist auf eine sehr schaurige und unheimliche Weise dargestellt. Man folgt den einzelnen Personen durch die Räumlichkeiten und sieht so den neu gestalteten Park fast mit eigenen Augen. Besonders diese Murderabilia, zusammengetragen aus allen Epochen der Serienkiller sind auf eine Art und Weise geschildert, dass man sich dem kaum entziehen kann.

Das richtige Highlight aber kommt noch, denn der Park ist mehr ein Museum der Grausamkeiten und die Gruppe der Zwölf wird in ein Spiel hineingezogen. Denn ein Killer ist auf der Insel und eliminiert einen nach dem anderen. Schnell wird es blutiger Ernst und besonders Paul versucht verzweifelt, angetrieben von dunklen Erinnerungen und Erlebnissen als Vierjähriger, hinter den Sinn dieses tödlichen Spiels zu kommen.

Ist es mehr Voyeurismus oder eher Sensationsgier? Solch ein Park würde mit Sicherheit genügend „Mitspieler“ finden. Oder ist es der Reiz dieses absolut Bösen? Des Serienkillers? Seiner Psyche? Seiner Taten? Seiner Opfer?
Es zieht einen an, ob man will oder nicht!

„Auch der psychiatrische Wahn enthält ein Stückchen Wahrheit, und die Überzeugung des Kranken greift von dieser Wahrheit aus auf die wahnhafte Umhüllung über.“ Sigmund Freud

Als Hörbuch fand ich es schaurig-schön. Sehr unheimlich diese Stimmung und auch einzelne Charaktere kamen sehr gut rüber. Dennoch waren es mir zu viele, so das einzelne untergingen bzw. nur Mittel zum Zweck waren.
Es war stellenweise sehr blutig und detailliert, deshalb rate ich zarten Gemütern eher ab den Murder Park zu betreten, zumal es auch einige reale Bezüge zu echten Serienkillern gab.

Das Ende der Geschichte hat mich doch sehr überrascht. Warum? Hört es – wenn es hell ist. Und beim nächsten Besuch einer Geisterbahn schaut euch die Gestalten und die Umgebung ganz genau an 😉

Rezension verfasst von © Kerstin

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Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

Gerhard Jäger , Peter Matic , Manuel Rubey
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, 26.09.2016
ISBN 9783837136012
Genre: Romane

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