Kerstin_KeJasBlogs Bibliothek

371 Bücher, 323 Rezensionen

Zu Kerstin_KeJasBlogs Profil
Filtern nach
371 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(163)

328 Bibliotheken, 11 Leser, 2 Gruppen, 121 Rezensionen

roman, belgien, lize spit, freundschaft, jugend

Und es schmilzt

Lize Spit , Helga van Beuningen
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972825
Genre: Romane

Rezension:

Ich muss Euch was erzählen. Es brennt mir unter den Nägeln und ich habe Worte auf der Zunge liegen, von denen ich nie dachte, dass sie es aus meinem Mund herausschaffen.
Mein Bauch schmerzt und das Herz ist mir schwer geworden.
Meine Gedanken drehen Kreise und ich weiß gar nicht wie ich all diese Empfindungen loswerden soll.
Dabei fehlen mir eigentlich die Worte um es zu beschreiben.
Das alles nur wegen diesem einen Buch und ich warne Euch direkt einmal vor, denn es ist nicht ohne, Oh Nein, das ist es wirklich nicht.

Es geht um diese Eva, liebevoll Eefje genannt, wobei so viel Liebe hat sie gar nicht erfahren. Jedenfalls nicht von ihren Eltern, die waren viel zu sehr mit sich und ihren Geistern beschäftigt, genau deswegen hatten sie nichts besseres zu tun als sich in beharrlicher Regelmäßigkeit zu besaufen und ihren drei Kindern damit ihre Kindheit zu nehmen. Stellt Euch vor wie ätzend das sein muss, das ganze Dorf weiß es, aber allen ist es schnurz piep egal. Die Kinder sind mehr oder weniger auf sich gestellt und da soll man sich wundern das so etwas dabei herauskommt? Das Verhalten der Erwachsenen spiegelt sich in dem der Kinder wieder und dabei gibt es keinerlei Gewinner, nur Verlierer und das sind die Opfer und die Täter.
Die Autorin bringt das so gnadenlos ehrlich rüber, dass ich mehr als einmal kopfschüttelnd da saß. Besonders die Jüngste in der Familie, Tesje, tat  mir so unendlich leid.

Leid, dessen Zeugin ich war, das ich mir ansah, bis es auch mein Leid wurde. Durch Teilen nimmt die Intensität ab, wird es für beide erträglicher.
(S. 88)

Nochmal zu dieser Eva. Sie ist unterwegs, eingeladen zu einem Geburtstag, dessen Geburtstagskind schon lange tot ist. Jan, eigentlich gar kein Freund von ihr, sondern der Bruder von Pim und der war ihr Freund. Irgendwann einmal, als sie noch unbeschwert in den Sommer hineinlebten und auf dem großen Bauernhof Unsinn trieben oder schwimmen gingen. Mit im Bunde war Laurens – die drei Musketiere nannten sie sich. Einer für alle und so. Doch dann kam Jans Tod dazwischen und meine Güte, es dauerte ewig bis ich erfuhr was diesem denn widerfahren ist.
Evas Reise zu dieser „Party“ ist gleichzeitig auch eine Erinnerung an die Jahre der gemeinsamen Freundschaften, der Zeit des Kind sein und allem voran des langsamen, aber stetigen erwachsen werden. Das die zwei Jungs Pim und Laurens dabei auf eine Art Entdeckungstour gehen und alle altersmäßig in Frage kommenden Mädels in Kategorien unterteilen, um diese mittels einem Rätsel zu erforschen, wird ausgerechnet ihrer besten Freundin Eva zum Verhängnis. Sie weiß es ja selbst, das da etwas daneben läuft aber mit diesen Folgen hätte sie niemals gerechnet. Ich auch nicht, wenn ich ehrlich bin habe ich es aber so oder so ähnlich befürchtet.

Ich passte nicht mehr so hinein, wie ich immer hineingepasst hatte. Ich war das Duplomännchen im Legohaus.
(S. 287)

Und es schmilzt“ hat mich total in seinen Bann gezogen. Vieles was ich da lesen musste will ich eigentlich gar nicht lesen. Nicht weil es mich erröten lassen würde, sondern es so persönlich war. Ungeschönt und ehrlich.
Es gibt eine explizite Stelle im Buch für die ich sogar eine Trigger- Warnung aussprechen möchte.
Denn ich bin mir sicher, dass man genau das nicht in diesem Buch erwartet, wenn man nur den Klappentext kennt.
Es hat mich geschmerzt, in Gedanken und fast schon körperlich.
Aber man wird ja vorgewarnt. Es gibt genügend Hinweise.

Diese Geschichte erfordert Geduld und Durchhaltevermögen und ist keine für zwischendurch. Es geht bergauf und bergab, um Ecken und Kurven, durch Sonnenschein und trüben Regen.
Dreh- und Angelpunkt ist dieser kleine Ort und seine Menschen. Mütter und Väter und jede Menge Kinder. Genau dieses hat mich am Buch gehalten. All die kleinen Dinge in Evas Erzählungen, die sich zusammenfügen und durch die Rückblicke ein einziges großes Ganzes ergibt. Eine sich anbahnende Tragödie, ein Drama das seines Gleichen sucht und einem wirklich viel abverlangt.

Letztendlich war der Unterschied zwischen Weinen und Lachen gar nicht so groß. Sie verhielten sich zueinander wie Weggehen und Heimkommen – auch dafür braucht es lediglich ein Haus.
(S. 367)

Wenn Ihr es jetzt lesen möchtet, tut es, aber – ich habe Euch gewarnt!
Manchmal müssen es die unbequemen Geschichten sein, die sich festsetzen. Und diese Geschichte ist sehr unbequem. Ich liebe und hasse sie gleichzeitig, weil es so unsagbar ehrlich ist, was man da erliest. Seite um Seite, auf der Fahrt zusammen mit Eefje nach Hause, bis der Eisblock schmilzt!

Rezension verfasst von © Kerstin
September 2017

  (5)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

frankreich, mord, umweltskandal, macht, hass

Die Treibjagd

Antonin Varenne , Susanne Röckel
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Penguin, 13.06.2017
ISBN 9783328101567
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(57)

90 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 56 Rezensionen

roman, judenverfolgung, juden, nationalsozialismus, flucht

Der Reisende

Ulrich Alexander Boschwitz , Peter Graf
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.02.2018
ISBN 9783608981230
Genre: Historische Romane

Rezension:

In dieses Buch und die Geschichte springt man einfach so rein. So wie Otto Silbermann in etwas hereingeraten ist, das ihn auf den ersten Blick etwas verwundert. Wunderliches Gebahren der Menschen, Wilkür gepaart mit Ignoranz und unterstrichen durch Verachtung und Gewalt – von jetzt auf sofort. Wunder – geschehen hin und wieder und oft genug auch nicht! Ottos Hals-über-Kopf-Flucht, aus dem eigenen Haus, der eigenen Stadt, dem eigenen Leben, gestaltet sich in so rasanter Weise und man sitzt mit ihm – zwar nicht in einem Boot – aber dafür im gleichen Zug. Die Gedanken die er denkt, übertragen sich auf die eigenen und so folgt man Otto und flieht vor den Individuen, die das Wort Mensch nicht mehr verdienen.

Eben ist mir nun endgültig der Krieg erklärt worden und jetzt bin ich allein – in Feindesland
(S. 35)

Könnte ein Buch schwitzen, würde man aus jeder Pore der einzelnen Seiten spüren, was womöglich auch der Autor Ulrich Alexander Boschwitz für sich selbst spürte – Angst. Unverhohlene Angst, Zweifel, Sorge. Stellenweise Wut, sogar auf sich selbst, auf die eigene Hilflosigkeit und auf die verweigerte Hilfe der anderen. Otto, alleine auf sich gestellt, in Zügen voller Menschen, die von hier nach da fahren. Alle haben ein Ziel, nur Otto eben nicht. Keine Optionen, keine Chancen. Alles was er versucht ist zum Scheitern verurteilt, so wie er verurteilt wurde, weil es ein Jude ist. Eines von vielen Opfern inmitten von unzähligen Schuldigen. Die wenigen Ausnahmen, denen er begegnet, spiegeln seine Verzweiflung.

So aber spannt man sich und fällt wieder zusammen, rennt hin und her und kommt doch keinen einzigen Schritt weiter.
(S. 147)

Der Autor Ulrich Alexander Boschwitz starb fernab von Deutschland, aber doch durch deutsche Hand. Es war ein U-Boot das sein Leben mittels einem Torpedo im Alter von 27 Jahren beendete. Seine Geschichte „Der Reisende“ war zu dem Zeitpunkt bereits in England erscheinen. Die erste deutsche Ausgabe ist allerdings, auch dank dem Herausgeber Peter Graf, nun nach fast 80 Jahren erstmals erscheinen.

Ein wertvolles Stück Zeitgeschichte, mit einer klaren Sprache und literarisch bemerkenswert. Emotionen und Gedanken des Reisenden kommen auf eine bedrückende Art und Weise zu Tage und es zeigt wie sehr der Mensch, plötzlich komplett auf sich alleine gestellt, in einer ihm feindselig gegenüberstehenden Gesellschaft, den Verstand verliert.

Ich bin nur für das ordentliche Leben gemacht, nicht für das außerordentliche
(S. 204)

Eben noch normaler Alltag, verdreht sich die Welt. Aus Nachbarn werden mögliche Feinde, der fremde Mensch gegenüber könnte ein Denunziant sein. Wenn selbst engste Angehörige zur Gefahr werden, was soll man da tun? Flucht, wo keine Möglichkeit besteht. Der Zug als einziger Ausweg, da die Grenzen unüberwindbar sind? Tagein, Tagaus, das Rattern der Räder, die dahin ziehende Landschaft. Erste Klasse oder zweiter reisen? Auffallen vermeiden, Koffer sind hinderlich, Geld hilft nur bedingt. Einsteigen, aussteigen, umsteigen. Unentwegt, immer weiter und doch kein Ankommen.

Die Wirkung des geschriebenen Wortes ist enorm. Unwillkürlich überträgt sich diese Furcht allem und jeden gegenüber auf einen selbst. Was hätte ich getan? Unmöglich zu beantworten. Eine Situation die so unerklärlich ist und doch nach Antworten schreit.

Es ist wahrlich zum Verrücktwerden!

Das ist keine Frage der Angst, noch nicht einmal eine der Moral, das ist eine Frage der Intelligent und des Verantwortungsgefühl.
(S. 224)

Der Autor hat, als er dieses Buch schrieb, die ganze Tragweite um Prognome, Judenverfolgung, Rassenlehre, Euthansie und die furchtbaren Folgen für Millionen Menschen nicht wissen können. Das ausgerechnet Züge in den Jahren nach Ottos Geschichte eine so grausame Rolle übernehmen werden, konnte er auch nicht ahnen. Dadurch hat die Tragik nochmals eine ganz besondere Note erfahren. Ein Drama, das als Klassiker, hoffentlich auch in Deutschland viele neue LeserInnen erfährt.

Mein Prädikat: besonders wertvoll!

#WiderdasVergessen
#GegendasVergessen
#weremember

Rezension verfasst von © Kerstin

  (5)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(27)

39 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

krieg, frankreich, freundschaft, nazis, flucht

Der Pfad - Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit

Rüdiger Bertram , Heribert Schulmeyer
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei cbj, 16.10.2017
ISBN 9783570172360
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Dieses Buch ist für Jugendliche ab 12 Jahren empfohlen und das kann ich nur unterstreichen. Eine Art Abenteuergeschichte, gespickt mit Freundschaft, Gefahren und dem Wunsch nach einem Happy End.
Wer nun aber nach Geschichte in Geschichten sucht, könnte enttäuscht werden. Der Einstieg, durch einen zweiseitigen Comicstrip, in dem kurz und kompakt erzählt wird warum Rolf und sein Vater fliehen mussten, ist außergewöhnlich und perfekt. Die Thematik um Prognome, Judenverfolgung, Flucht und die täglichen Gefahren in Nazideutschland und allen anderen besetzten Gebieten, werden dennoch eher nur kurz angeschnitten und nicht vertieft. Hier geht es um Rolf und seinen Hund Adi (im Ernst, hätte zu der damaligen Zeit ein Mensch mit Verstand so seinen Hund genannt?)
1941 Marseille: Rolf lebt schon seit fünf Jahren in Franreich, seinen Vater an der Seite, seine Mutter in New York. Es wird unmöglich das Land zu verlassen und deshalb bleibt nur der Weg über die Pyrenäen nach Spanien, um von dort eines der begehrten Schiffe nach Amerika zu bekommen.
Täglich starben Menschen und noch viel mehr waren auf der Flucht.
Wer sich in Zeitgeschichte auskennt weiß dass zu der Zeit der Süden Frankreichs noch durch das Vichyregime regiert wurde. Dennoch gab es Geheimpolizei, NS-Schergen und Denunzianten. Wer es jetzt nicht schaffte heraus zu kommen, würde den kommende Übergriffen zum Opfer fallen. All das wissen Rolf und sein Vater nicht und doch ist ihnen klar, das die Zeit drängt.
Es geht direkt in die Berge, zu dem Hirtenjungen Manuel, der Vater und Sohn in Sicherheit bringen soll. Hier beginnt Rolf mich mit seinem vorlauten Reden und klugen Sprüchen zu nerven. Ein Kind auf der Flucht, durch die Lebensumstände schon arg benachteiligt. Hier habe ich mich des öfteren gefragt ob er durch diese Darstellung nicht besser in eine andere Zeit gepasst hätte. Kinder oder Jugendliche die dieses Buch lesen, werden es vielleicht nicht bemerken und Rolf als ‚cool‘ und ’stark‘ halten, mir war er aber stellenweise peinlich. Sein Umgang mit dem Vater und vorallem Manuel gegenüber war nicht zeitgemäß. Als weiteren Kritikpunkt sehe ich die dargestellten Dialoge. Manuel unterhält sich nicht in seiner Muttersprache und so wird das auch wiedergegeben. Als gebrochenes Deutsch in verdrehten Sätzen. Das hat meinen Lesefluss ernorm gestört. Zudem fand ich es sogar etwas respektlos gegenüber diesem Jungen, der einfach nur hilft Menschenleben zu retten. Meine 11jährige hat sich sogar darüber beschwert. Für sie war definitiv Manuel der Charakter in dem Buch, Rolf ein nerviger Nebendarsteller, der nur durch seinen Hund gepunktet hat.
Der Weg über die Pyrenäen war kein Spaziergang, keine einfache Wanderung, sondern eine mehrstündige Reise voller Gefahren. Viele, die diesen Weg gingen, kamen nie am Ziel an.
Rolf und Manuel  – die beiden Jungen, irgendwann allein auf sich gestellt, erleben allerhand auf dieser Reise. Bedrohungen durch wilde Tiere, Gefahren die von Patrouillen und Soldaten ausgehen und viel Zeit zum Nachdenken. Das bot durchaus Spannung und Unterhaltung und man konnte mitfiebern wie die zwei vorankamen und hoffte mit jeder Seite das nichts mehr dazwischen kommt.
Es liest sich schnell, auch dank der großen Schrift. Die einzelnen Kapitel sind mit einer Überschrift und einer kleinen Zeichnung versehen. Zum Ende hin findet sich nochmals ein abschließender Comicstrip.
Eine Geschichte über Freundschaft und Mut. Darüber nicht aufzugeben und durchzuhalten. Über Vertrauen und Gegenseitigkeit.
Für Kinder und Jugendliche vorbehaltlos zu empfehlen, da auf Erzählungen über Gräueltaten oder Gewaltdarstellungen komplett verzichtet wurde.
Rezension verfasst von © Kerstin

  (6)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

35 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

italien, case rosse, krimi, 2. weltkrieg, weltkrieg

Die Toten im Schnee

Giuliano Pasini , Sigrun Zühlke
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Piper, 15.10.2013
ISBN 9783492302869
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(26)

51 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

finnland, krimi, gewalt, familienmorde, misshandlung

Die Stunde des Wolfs

Simo Hiltunen , Peter Uhlmann
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 06.11.2017
ISBN 9783352009044
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

hajo freisal

Giftzwerg

Bernd Mannhardt
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei bebra verlag, 13.09.2017
ISBN 9783898095488
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

justizirrtum, kazuaki takano, japan, 13 stufen, todesstrafe

13 Stufen

Kazuaki Takano
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Der Hörverlag, 10.11.2017
ISBN B076BFDZM2
Genre: Sonstiges

Rezension:

Es war in der 9. oder 10. Klasse, als im Religionsunterricht das Thema „Todesstrafe“ besprochen wurde. Ein Streithema für viele von uns damals 15 oder 16jährige, dass die Klasse gespalten hat – JA oder NEIN – entweder, oder.
Wer den Mörder tötet, ist selbst einer? Wer darf was entscheiden und was wenn Unschuldige hingerichtet werden?
Im Laufe der Zeit, nach Recherchen und vielen intensiven Gesprächen hat sich so manch fest eingefahrene Meinung gelockert und damit auch die Sicht auf die Dinge.
„13 Stufen“ hat mich an so vieles erinnert – heute, gute 30 Jahre später ist es für mich genauso schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, diese Fragen zu beantworten.
Ein Konflikt der durch die Geschichte um den jungen Mann Jun’ichi nochmal so richtig an das Gewissen klopft und dabei sehr viel Lärm macht.

Auge um Auge?
oder
Wer ohne Schuld ist werfe den ersten Stein?

Ein als Mörder verurteiler Mann sitzt im Todestrackt, abgeschottet von allem. Lediglich die Schritte der Wärter sind zu hören.
Hier hat die Sicht der Dinge mich eiskalt erwischt. Kommen die Schritte näher? Zu meiner Türe? Ist es Hinrichtungszeit?
Lass sie weiter gehen! Nicht bei mir anhalten!
Das Verhalten der zum Tode Verurteilten, die oft Jahre einsitzen und eine Revision nach der anderen einlegen um letztendlich doch den Gang zu Galgen anzutreten, wurde in diesem Buch unwahrscheinlich authentisch wiedergegeben. Es sind oft nur kurze Einspieler, doch diese gehen einem unter die Haut.

Was mich ebenfalls faszinierte war die Geschichte des Henkers. Seine Sicht der Dinge, quasi das krasse Gegenteil zu dem Verurteilten. Oder etwas nicht? Auch hier wurde es sehr persönlich und hat mich immer tiefer hinein gezogen.

Der Wärter Nango Kihara, der sich mit Jun’ichi auf die Suche nach Beweisen macht, ist ein Paradebeispiel. Für Wut und Hass. Für Selbstbeherrschung und Emphatie. Für Vertrauen und Vertrauensverlust.
Seine Geschichte und die seines jungen Begleiters ist voller Geheimnisse, die nach und nach offen gelegt werden und für manche Überraschung sorgte.

Dabei lauschte ich der Stimme des Erzählers und genoss die Sprache, die Dialoge und die tiefsinnigen Zwischentöne.

Ist es gerecht einen Menschen zu retten wenn dafür ein anderer sterben muss?

Die Geschichte an sich ist genial, aber auch der Sprecher Sascha Rotermund hat mit seiner Stimme dafür gesorgt dass ich nicht aufhören konnte. Es war einfach nicht machbar zu entkommen.
Was sich alles offenbart, wer wie in der Angelegenheit mit drinnen steckt und wie all diese Geheimnisse ans Licht kommen.
Und darüber schwebt ständig der Galgenstrick, der darauf wartet zum Einsatz zu kommen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und ein Kampf Gewissen gegen Moral (oder umgekehrt?).

Das Cover im Original und der deutschen Variante sind sich im ersten Moment sehr ähnlich. Doch spätestens wenn man die Geschichte kennt, erkennt man doch den kleinen aber feinen Unterschied. Die 13 Stufen, die den Weg von der Verurteilung bis hin zur Hinrichtung darstellen, sind nur als Metapher gedacht, doch in dem Hörbuch wird klar dass es noch ganz andere Stufen zu erklimmen gibt. Deshalb finde ich die blaue Ausführung deutlich gelungener.

Viel Spannung, jede Menge an kultureller Informationen zu japanischen Sitten und Gebräuchen, Gesetzen, dem Umgang der Menschen miteinander, den Verhaltensregeln und so manchem Ehrenkodex.

Eltern haften für ihre Kinder

Ein Drama gepaart mit informativen Kriminalfall.
Eine kulturelle Reise durch die Menschlichkeit, wenn auch mit ungewöhnlichem Ermittlerduo.

Mein Fazit: LESEN oder HÖREN!!!

Rezension verfasst von © Kerstin

  (7)
Tags: japan, justizirrtum, todesstrafe   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(562)

902 Bibliotheken, 39 Leser, 1 Gruppe, 144 Rezensionen

thriller, mord, zug, alkoholismus, london

The Girl on the Train

Paula Hawkins
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Doubleday, 29.01.2015
ISBN 9780857522313
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

30 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

krimi, paris, krimi-reihe, humor, frankreich

Kommando Abstellgleis

Sophie Hénaff , Katrin Segerer
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei carl's books, 20.03.2017
ISBN 9783570585610
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie schön hatten die Herren (und wenigen Damen) des Pariser Kommissariats sich das vorgestellt. Alle „Problemfälle“ innerhalb des eigenen Kollegenkreis wird man los, indem sie in eine neue Brigade gesteckt werden. Die neue Unterkunft ist der 5.Stock eines Wohnhauses, immerhin mit Dachterrasse. Das Inventar eher Sperrmülltauglich, der Fuhrpark eine Lachnummer. Ein Abstellgleis für die Unbeliebten und Uneinsichtigen oder solche die nicht der „Norm“ entsprechen.

Diese Brigade existiert nur, weil wir sie nicht entlassen können!
(S. 241)

Anne Capestan bekommt, mit Zuteilung der Führung dieser Brigade, eine Chance Kommissarin zu bleiben. Rund vierzig KollegInnen stehen auf der Liste, doch der Anfang ist schwer und so gibt es nur eine klitzekleine Schar, die einer nach dem anderen eintrudelt. Ein Säufer, ein junger Boxer, ein sich selbst geouteter Mann, eine Spielerin, ein Unglücksbringer und noch ein paar sonderbare Gestalten mehr.
Irgendwie habe ich jeden einzelnen von ihnen, im Laufe der Geschichte, immer mehr gemocht. Denn sie zeigen auch ihre echte Seite, ihre Gefühle und Sorgen und bringen sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten richtig gut in dieses neue Team ein. Selbst Pilou, den man als Polizeihund wohl eher nicht einsetzen könnte, passt perfekt in diese bunte Runde.

Teamarbeit, dass macht diese Truppe aus. Mit einem großen Raum voller Schrott und Nichts angefangen, wird es langsam heimisch. Es bilden sich die ersten Ermittlergruppen und die ColdCases, die einzigen Fälle die sie überhaupt bearbeiten dürfen, stapeln sich. Obwohl alle antriebslos und unmotiviert sein sollten, zeigt sich genau das Gegenteil. Zwei der alten, ungeklärten Fälle, weckt das Interesse und so fangen sie bei Null an, wühlen sich durch die Akten und schnell stoßen sie auf sehr seltsame Vorgänge. Das neue, unkonventielle Team hat Blut geleckt, die Polizisten in ihnen nehmen Witterung auf und so machen sie richtig solide Ermittlerarbeit.

Mit jedem Tag lernte Capestan ihr Team mehr zu schätzen.
(S. 292)

Die zwei alten Fälle, ein Mord an einer alten Dame und einer an einem Wachoffizier der Handelsmarine. Beide Tathergänge vollkommen unterschiedlich. Doch irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Es fehlt etwas. Während der Mann eher von einem Auftragskiller ermordet wurde, hatte man die alte Dame noch mit einer Art Anstand behandelt. Die Spuren sind kalt, nein, sie sind schon eisig und doch schafft die neuen Brigade es mit ihrer Beharrlichkeit so langsam und Stück für Stück alles ans Licht zu bringen. Aber sollen sie das überhaupt? Warum wirft man ihnen Stöcke zwischen die Beine und macht es ihnen unnötig schwer? Will man gar nicht dass sie ermitteln oder machen sie jemanden sogar Angst aufgrund ihrer zunehmend Beweisführung?
Es wurde spannend. Keine große Action, eher ein ruhiges und konstantes Zutage fördern.
Die Überlegungen der Einzelnen und auch der gesamten Truppe, haben immer mehr offenbart und schlussendlich damit eine richtig gute Geschichte abgeliefert.

Die einzelnen Kapitel sind überschaubar von der Länge her und lassen einem die einzelnen Personen bei ihrer Arbeit zu schauen. Das Öfteren auch beim Kaffee trinken oder dem Gassi gehen. Am besten sind einfach die Dialoge oder die spontanen Ein- und Ausfälle. Jede Menge Humor ohne das es lächerlich wirkt aber auch sehr viel Ernsthaftigkeit. So mancher Blick in die einzelnen Charaktere zeigt, dass da auch ganz viel Mensch in ihnen steckt.

Aus den Augen, aus dem Sinn!
(S. 13)

Ganz bestimmt nicht. Diese geniale Brigade um Anne Capestan hat sich gerade erst warm gearbeitet und ich bin schon sehr gespannt wie diese schrägen Vögel weitermachen.

Rezension verfasst von ©  Kerstin

  (15)
Tags: krimi-reihe   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(168)

265 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 123 Rezensionen

harry hole, norwegen, oslo, thriller, krimi

Durst

Jo Nesbø , Günther Frauenlob
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 15.09.2017
ISBN 9783550081729
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das erste Mal habe ich diesen Typen in Australien kennengelernt und es hatte sofort „gefunkt“. Der Charakter Harry Hole mochte ein schwieriger sein, aber als Mensch war er mir doch schon einmalig. Und so freute ich mich bei jedem neuen Band über ihn und seine Geschichten.
Wohin es einen überall verschlug, war schon großartig. Von den Opiumhöllen in Thailand zu den bitterkalten Osloer Weihnachtstagen. Von Auftragskillern, Nazis und Serienmördern begleitet. Es wuchs – mein Verlangen, mehr und mehr von Harry Hole zu lesen und der Autor lies sich nicht lumpen. Ein Band nach dem nächsten und dann – Stille – kein Harry Hole mehr. Nach „Die Larve“ kam erst einmal nichts.

Um so größer meine Freude, als es mit „Koma“ endlich weiterging, auch wenn ich da schon große Ängste um diesen Kerl hatte. Harry, der Polizist, aufgestiegen in der Hierarchie der Polizei und dazwischen des Öfteren richtig tief runter geknallt. Oft genug war er selbst daran schuld. Seine Geister trieben ihn immer und immer wieder zu seinem persönlichen Teufel – dem Alkohol.

Wir mögen nicht das Gleiche, aber wir hassen dasselbe
(S. 555)

Aber was wäre ein Charakter, wenn er nicht Stärke genug entwickeln könnte, um sich und seine Sucht in den Griff zu bekommen. Hier hat der Autor Jo Nesbø ein ganz heißes Eisen geschmiedet. Die immer wiederkehrende Sucht Harrys, seine Abstürze und Ausfälle, haben es mit Sicherheit nicht jedem*r Leser*in leicht gemacht. Ihn, den Säufer, zu mögen hat auch mich manchmal zweifeln lassen. Und doch konnte ich es verzeihen, seltsam, aber so war und ist es. Vielleicht lag es daran das er nie andere zu Schaden kommen lies, sondern nur sich selbst dabei verletzte, körperlich und seelisch. Ein armer Teufel, der in meiner Riege der Charaktere aus Büchern, auf Platz 1 ist und es aller Wahrscheinlichkeit auch bleiben wird. Harry Hole ist und bleibt einfach ein Unikat. Es kamen einige nach ihm, die sich mit dem ähnlichen Problem rumschlugen, aber er bleibt unerreicht.

Als „Durst“ in den ersten Vorschauen erschien, war mein Gedanken, oh nein, bitte lass den Titel nicht wahr werden. Er war doch davon. Hatte ein neues Leben, eine Familie, Freude am neuen Beruf als Dozent und dann das? Wer in das Buch einsteigt, merkt aber sehr schnell dass es auch andere Dinge gibt, nach denen es einen dürsten kann.

Vielleicht war er doch noch nicht ganz in den Bann gezogen worden, vielleicht hatte er sich doch verändert.
(S. 177)

So kommt es dann, dass Harry doch wieder als Ermittler arbeitet, obwohl er sich sträubt. Als Teil einer Ermittlertruppe um Katrine und Truls, bildet er wieder die Vorhut eines soliden Teams. Die Recherchen und Laufarbeiten sind gleichermaßen Teil der Geschichte, wie Vermutungen, Hintergründe, Verdächtige und natürlich die Opfer. Das Motiv bleibt allerdings lange im Dunkeln. Das gibt genügend Spielraum zum Miträtseln und sorgt für fieberhafter Spannung.

„Durst“ ist modern, sehr sogar. Eine App als Grundlage für einen Mordfall. Frauen und Männer die über diese Dating-App Partner suchen. Für eine Nacht, oder das ganze Leben. Für manche aber entpuppt sich die Suche nach dem Traummann als Alptraum. Denn der Killer hat bei dieser Auswahl die sich ihm bietet, wohl die Qual der Wahl. Seine Visionen und besonders sein Vorgehen sind schon sehr grenzwertig. Was treibt ihn an? Was hat diesen enormen Durst ausgelöst und wie kann man ihn stoppen?

Neben all den Ermittlungen um den Mordfall, gibt es gewohnt viele Einblicke in die Privatleben der einzelnen Charaktere. Das lockert auf, lässt einen alle menschlicher (oder eben nicht) vorkommen und zeigt, dass auch all die Polizisten, gleich welcher Stellung, ihr Sorgen und Ängste haben. Gleichermaßen aber auch Spaß am Leben. Bei Harry spielt seine Familie, die er noch gar nicht so lange hat, die Hauptrolle und besonders seine Beziehung zu Oleg, dem Sohn seiner Lebensgefährtin, ist sehr väterlich.

Es gibt so manche actionreiche Szene bei der Jagd nach dem Killer. Da kommen auch mal Sondereinheiten zum Zuge. Aber es überwiegt deutlich die ruhigere Arbeit. Das Schnüffeln und Graben nach alten Geschichten und warum ausgerechnet ein alter Fall Harrys und damit ein Kontrahent der besonderen Art wichtig wird, kommt immer mehr zum Vorschein.

Nichts ist für immer, das Leben…ist in ständiger Veränderung. Das macht es so schmerzhaft, aber auch so lebendig.
(S.437 )

Harry Hole ist nicht mehr der Alte, er ist in die Jahre gekommen. Doch genau das steht ihm. Weiter so, bitte!

Rezension verfasst von © Kerstin

  (14)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(20)

32 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

berlin, krimi, historischer krimi, mord, zwanziger jahre

Der weiße Affe

Kerstin Ehmer
Fester Einband
Erschienen bei Pendragon, 30.08.2017
ISBN 9783865325846
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ihr Ruf eilt ihnen voraus
(S. 12)

1920er Jahre
Die Menschen haben sich gerade weitestgehend erholt. Der Krieg ist vorüber, die Verwundeten und Gefangenen nach Hause zurückgekehrt. Die Toten sind nur noch Erinnerungen. Das Land ist im Aufbau und doch sind viele der Verletzungen geblieben. Am Körper, im Kopf, in den Herzen.

Alles floriert, auch das Verbrechen und so kommt Kommissar Spiro zu seinem ersten Fall in Berlin. Der „Neue“ ist noch recht jung und doch schon ein alter Hase. Seine Fälle schließt er ab – immer, auch wenn es manchmal etwas unkonventioneller vonstatten geht.

Nun, neu in Berlin, der Großstadt, dessen Treiben und Menschen ihn direkt in seinen Bann ziehen, geht es direkt an den ersten Mordfall. Ein toter Bankier, ein Jude, der so gerne ein Deutscher gewesen wäre.
Es gilt das Motiv zu finden. Verdächtige gibt es genügend.
Spiro ist hartnäckig und mit seinem Kollegen macht er sich auf in das Nachtleben Berlins. In die Bars und Theater. Oder in die Katakomben, so manche üble Spelunke und luxuriöse Behausungen.
Dabei erfährt Spiro und die LeserInnen eine ganz Menge und genau das fand ich absolut großartig.

Die Autorin nimmt einen mit – in die 1920er Jahre nach Berlin. Sie hat wahnsinnig gut recherchiert und so viele Themen in diesen Kriminalfall eingebunden, die ich nicht erwartet aber so sehr genossen habe. Ein Lesehighlight für alle geschichts historisch Interessierten.
Die Lebensumstände, besonders der Frauen sin so authentisch geschildert, aber auch die neue sexuelle „Revolution“, das Ausleben und Erleben von geheimen Wünschen ist immer wieder Teil dieser Geschichte.

Es gibt so viele Unterthemen, aber man wird nicht erschlagen davon. Es ist wie eine Zeitreise in eine alte Welt, bei der man immer wieder neues erfährt. Hintergründe zu den jüdischen Sitten und Gebräuchen – hier hat mir die Geschichte um die Mendelsohn Affen besonders gefallen und auch schon die ersten antisemitischen Begebenheiten fallen einem auf. Man weiß, worauf dies hinauslief und auch Spiro merkt, dass da etwas im Entstehen ist und es gefällt ihm gar nicht. Das machte ihn mir noch sympathischer.

Ich halte solche Rassetheorien für gefährlich, auch der zunehmende Beifall, der sich dafür findet.
(S. 153)

Der Kriminalfall entpuppt sich im Laufe des Buches als sehr komplex. Es gibt so viele Zusammenhänge aber man verläuft sich nicht, sondern folgt Spiro immer weiter und macht wie er auch, so manche Erfahrung um Vorurteile und Verurteilungen.

Der Schreibstil hat mich auch überzeugt. Es gibt einen ausgleichenden Wechsel zwischen kurzen, knappen Sätzen und langen Erzählsträngen. „Der weisse Affe“ hatte mich in seinen Bann gezogen, wie auch die in kursiv immer wieder vorkommenden Abschnitte über das Kind, Alexander. Ein hochintelligenter Junge, der unter seiner Mutter leidet. Sie liebt ihn und sie liebt ihn nicht. Vernachlässigung und Überbehütung gehen Hand in Hand.

Der weisse Affe ist nicht mehr
(S. 153)

Sie ist rund, die Geschichte um Spiro und ich würde mich sehr freuen, wenn er wieder ermitteln würde. Auch der Fall um den Mädchenmörder, neu aufgerollt von der Autorin, wäre reizvoll.
Absolute Leseempfehlung für Krimifans und alle, die gerne in die Vergangenheit zurück kehren.

Rezension verfasst von © Kerstin


  (11)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(137)

271 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 73 Rezensionen

japan, mord, geständnisse, schule, thriller

Geständnisse

Kanae Minato , Sabine Lohmann
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 27.03.2017
ISBN 9783570102909
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Geständnisse“ gehört zu der Sorte Bücher, die ich selbst nach Jahren, aus all der Masse der gelesenen, blind herausgreifen könnte – um zu sagen, das dieses so anders ist als all die anderen.
Ein Buch mit einer Geschichte die sich festsetzt, die hängen bleibt und der man lange hinterher denkt.

Die kleine Manami ist tot. Ihre Mutter, die Lehrerin Yuko Moriguchi nimmt Abschied von ihrer Klasse, in der sich auch die 2 Personen befinden, die Schuld tragen an dem Tod des kleinen Mädchens. Fast schon seelenruhig erzählt sie, von der Welt, den Menschen und dann von ihrem Leben. Moriguchi nimmt ihre Schüler gefangen und mich gleich mit. Sie spricht über Recht und Unrecht, von Gewalt und ihren Folgen. Zeigt Beispiele auf und kommt schließlich an den Punkt, an denen keiner mehr irgendetwas anderes wahr nimmt, als Moriguchis Anklage gegenüber den 2 Schülern. Sie weiß was geschehen ist und lässt es Revue passieren, sodass alle Schüler wissen um wen es sich dreht. Täter A und Täter B, wie sie anfänglich noch heißen, sind innerhalb weniger Seiten entlarvt. Moriguchis Worte bleiben im Raum stehen, während sie geht.

„Doch was mich wirklich schockiert, ist, dass die Mörder so gelassen dasitzen, während ich euch dies alles erzähle.“ (S. 29)

Man kann es Rache nennen, oder Vergeltung. Es würde aber auch passen Moriguchis Handlungen als perfide und gleichzeitig wohl überlegte Genugtuung zu bezeichnen. Und ich kann es sogar nachvollziehen. Sie nimmt alle gleichermaßen mit in eine Art Experiment. Wie werden die Mitschüler sich verhalten? Wird es Übergriffe geben? Wer stellt sich auf welche Position und wer schreitet ein? Es läuft wohl nicht ganz so, wie sie es sich vorgestellt hat und doch bleibt alles in Bewegung.

Ich habe der Polizei nichts gesagt, weil ich der Justiz nicht zutraue, sie angemessen zu betrafen.“

In den insgesamt 6 Kapiteln erfährt man aus unterschiedlichen Perspektiven was geschehen ist, vor, während und besonders nach Manamis Tod. Vollkommen unterschiedliche Personen erzählen ihre Sicht der Dinge und wie sich alles entwickelt hat. Was für Konsequenzen diese eine Tat nach sich zieht und wer denn nun alles in was verwickelt ist.

Moriguchi hat gut geplant, das wird einem im Laufe der Geschichte klar. Diese so gebildete Frau, immer ruhig und genügsam, zuvorkommend und freundlich, hat aus dem Bauch heraus und doch auch mit dem Kopf einen Handlungsstrang gewoben, dem man sich nicht entziehen kann.

Wie gern wäre ich aus dem Sumpf herausgeklettert und weggelaufen. Irgendwohin, wo mich keiner kennt.“ (S. 185)

Was mich sehr angesprochen hat, ist wie die Mentalität, stellvertretend durch die einzelnen Charaktere, herüber kommt. Japan ist weit weg und doch war ich dort, vor Ort, mittendrinnen. In den Traditionen und Sitten. In den Köpfen der Menschen und auch wenn nicht alle Handlungen nachvollziehbar sind, war es sehr deutlich beschrieben warum es genauso kam.

Wer trägt Schuld? Der Einzelne? Die Gesellschaft? Die intakten oder zerborchenen Familien? Der Leistungsdruck oder der Wunsch nach dem ganz großen? In „Geständnisse“ wird abgerechnet, gnadenlos und bitterböse. Ohne Rücksicht auf Verluste und derer gibt es zur Genüge. Dabei wird die Rolle der Mutter nicht nur durch Moriguchi wiedergegeben, denn es gibt noch viele andere und nicht alle sind die Schuldlosen.

Nüchtern aber nicht gefühlskalt, so kam mir diese Reise vor. Ein literarischer Hochgenuss auch wenn es bitterböse war.

Rezension verfasst von © Kerstin

  (15)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(92)

127 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 86 Rezensionen

thriller, schweden, skandinavien, stockholm, wolf

Die Fährte des Wolfes

Mons Kallentoft , Markus Lutteman , Christel Hildebrandt
Flexibler Einband: 458 Seiten
Erschienen bei Tropen, 07.09.2017
ISBN 9783608503715
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eigentlich hätte Zack Herry keinen einzigen Stern verdient. Ein Mann in solch einer verantwortungsvollen Position, der sich allerlei Rauschmitteln hingibt und dadurch Ermittlungen in Gefahr bringt, geht gar nicht. Doch dann lernte ich seine anderen Seiten kennen. Den einst kleinen Jungen und die tragische Geschichte um seine Mutter. Sein Verhalten gegenüber der Kollegin Deniz und wie er Gefühlslagen einordnen kann. Dann noch die Sache mit dem kleinen Nachbarsmädchen, der er einfach seine Zeit schenkt. Ok, Zack ist kein Heiliger, aber auf dem besten Weg einer zu werden. Wenn er die Finger von dem Teufelszeug lässt.

“Sie watet durch stille Teiche, die nach vermoosten Vorurteilen und aufgestautem Hass stinken." (S. 84)

Der Fall um die ermordeten vier Frauen entpuppt sich als eine Reise in die Abgründe der Menschlichkeit. Rassismus, Pornografie der übelsten Sorte, Frauenhandel, Prostitution, Gewalt, mafiöse Verhältnisse und viele üble Gestalten. Zacks Kollegin Sirpa ist die Computerexpertin im Team und durchsucht das Netz nach Hinweisen, die Spuren oder Motive offenlegen. Dabei eröffnen sich ihr und den Lesern Welten, die man sich so gar nicht vorstellen mag.

Der Vorgesetzte Douglas Juste hat dabei alles und alle im Blick. Dabei ist es Rudolf, der älteste in der Gruppe, der durch seine Blindheit Dinge "sieht" die anderen vollkommen entgehen. Lediglich Niklas, der Familienvater in der illustren Runde, geht etwas unter. Sechs Männer und Frauen, die sich gegenseitig vertrauen und unterstützen, meistens, wenn nicht der ein oder andere der Versuchung erliegt, uns sei es nur einen Alleingang zu machen.

Man sollte sich darauf einstellen das es blutig wird im Buch. Die vier in Klappentext genannten toten Frauen sind nur der Anfang. Wer kann solch einen Hass empfinden? Wo kamen diese Frauen her? Wen fürchten selbst hartgesottene Rocker?

Es entwickelt sich eine Story, die durch die insgesamt 63 Kapitel in den 3 Teilen, gut und schnell lesbar ist. Viele Fragen die aufgeworfen werden und deren Antworten man sich als Leser stellen muss. Stellenweise keine leichte Kost, denn das Team um Zack kommt einer bestialischen Gruppierung auf die Spur.

“Er ist allein mit seinem Schmutz. Dem inneren und dem äußeren."
(S.370)

Eine sehr spannende Geschichte, Wendungen mit denen ich so nicht gerechnet hätte und ein Showdown zum Abschluss, der nach mehr über Zack Herry und seinen Team-Kollegen schreit.
Alle Kollegen, die dieser Sondereinheit angehören haben ihre Stärken und auch ihre Schwächen. Ich mochte alle, ausnahmslos, auch wenn ihre Darstellungen schon in ein deutliches Klischeemuster verfiel. Hier hätte ich mir viel mehr Offenheit zu den Charakteren gewünscht. Auch wenn alle einem Team angehören, kam es mir durch die Perspektivwechsel immer so vor, als würden alle alleine arbeiten.

“Nicht jetzt. Noch nicht. Nicht hier. Nicht ausgerechnet hier." (S. 457)

Laut "LE MONDE" ist Zack Herry ein cooler Mix aus Harry Hole und Lisbeth Salander. Dem kann ich nicht zustimmen. Er ist noch sehr weit entfernt davon. Aber vielleicht gibt es einen zweiten Band und er nähert sich diesen besonderen Charakteren doch noch. Zumal es da ja noch die Sache mit Zacks Mutter gibt - hier hoffe ich auf Klärung im nächsten Band.

Lesenswert ist "Die Fährte des Wolfes" auf jeden Fall, ein Pageturner der einen immer tiefer hineinzieht. Wären nicht die recht klischeehaften Darstellungen der einzelnen Teammitglieder gewesen und so manch überzogen dargestellter Alleingang, hätte es deutlich mehr Sterne von mir gegeben.

Rezension verfasst von © Kerstin

  (16)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(28)

36 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

anschlag von rechts, flüchtlinge, rechtsextremismus, reiner engelmann, wahre begebenheit

Anschlag von rechts

Reiner Engelmann
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei cbj, 22.05.2017
ISBN 9783570174371
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nach einer wahren Begebenheit – Ab 13 Jahren

 „Das Beispiel einzelner Menschen“, überlegte er, „kann manchmal mehr über seine Zeit aussagen als ein ganzes Geschichtsbuch.“

Hier, in dieser Geschichte, sind es genau diese einzelnen Geschichten, von und über Menschen, die so viel aussagen. Nach einer kurzen Einführung, die nicht mehr als 3 Seiten benötigt und den unheilvollen ‚Vorboten‘, die kaum länger sind, ist man drinnen ~ in den Geschichten einzelner Menschen und Familien. In den Schicksalen der Flüchtlinge. Warum sie, Männer, Frauen, Kinder, ihre Heimat verließen und ich wünschte ein jeder würde sich etwas damit beschäftigen, bevor pauschalisiert wird.
Aber man erliest sich auch wie schnell eine Stimmung kippt und aus verbaler Hetze tatsächliche Gewalt wird.

Fünf Länder, fünf Erlebnisse und Leben werden in einem recht sachlichen Ton und ohne auf die Tränendrüse zu drücken, geschildert. Es war in allen, trotz der Unterschiede immer das gleiche, was diese Menschen veranlassten ihr Land zu verlassen. Krieg, Mord, Tod. Und keine Chance irgendetwas dagegen tun zu können ohne selbst ein Opfer zu werden, wobei ~ sie sind bereits Opfer.

„Nacht für Nacht hörte er Gewehrfeuer, Detonationen von Bomben oder Granaten. Er lebte im Krieg. Seit dem ersten Tag seines Lebens. Er kannte es nicht anders.“

Das Buch „Anschlag von Rechts“ behandelt eine Thematik, die absolut zeitaktuell ist und überall so geschehen kann bzw. bereits geschah und immer wieder geschieht. Junge Menschen und auch Erwachsene, die abdriften in eine Gesinnung, angestachelt durch Unwissenheit, Ignoranz, Langeweile und vielleicht sogar ein Stückweit Dummheit, die jeglichen gesunden Menschenverstand vermissen lassen. Dabei frage ich mich immer wieder, ob denn keiner aus der Geschichte gelernt hat, zu viele grausame Beispiele sprechen für sich.

Diese Erzählungen im Buch sind eine Rekonstruktion einer wahren Begebenheit. Zwar wurden die Namen geändert und Orte nicht benannt, dennoch ist da sehr viel Realität enthalten, nicht zuletzt auch durch die Gespräche, die der Autor mit den Betroffenen führte. Wie bereits erwähnt ist alles sehr sachlich und nüchtern gehalten, aber dadurch mindert sich keineswegs die Botschaft, die dahinter steht. 

Man erfährt die Begebenheiten aus Sicht der Opfer und der Täter. Erlebt die Angst der einen und die Wut der anderen. Nimmt an Verhören teil und letztendlich sogar an einem Prozess mit anschließender Urteilsverkündung. Hier haben mir die Aussagen und Begründungen des Gerichts sehr imponiert. Wer handelt muss mit Konsequenzen rechnen, immer und bei allem.

Durch die angenehm große Schrift liest es sich sehr flüssig. Auch das Buch ist mit seinem festen Einband und der Einteilung im Inneren sehr schön gestaltet.
Bereits zu Beginn gibt es eine Auflistung aller Kapitel, dadurch ist alles sehr übersichtlich. Auch der Abschnitt zum Ende hin hat mich sehr angesprochen.
Der Autor Reiner Engelmann hat sich sehr viele Gedanken gemacht und mich damit selbst zum überlegen gebracht.

Dieses Buch kann ich ohne Vorbehalte jugendlichen Lesern empfehlen, aber auch für Erwachsene kann es so manchen Blick über den Tellerrand vermitteln. Ein klare Empfehlung spreche ich diesem Buch auch für den schulischen Unterricht aus. Hier muss nicht nur gelesen werden.
Diese Geschichte gibt so viel Raum für Diskussionen, Aufklärung, Vermittlung und Verständnis für die Situation der Flüchtlinge.

Vielleicht würde so manches Verhalten dann im Vorfeld gar nicht erst entstehen.

„Welch Geistes Kind Sie sind, haben Sie auch dadurch gezeigt, welches Vokabular Sie Ihren Kindern vermitteln.“

Rezension verfasst von © Kerstin

  (9)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(31)

34 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

krimi, tegernsee, andreas föhr, rechtsanwalt, alpenkrimi

Schwarzwasser

Andreas Föhr , Michael Schwarzmaier
Audio CD
Erschienen bei Argon, 01.06.2017
ISBN 9783839815304
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bei diesem Hörbuch hatte mich das Cover magisch angezogen, es wirkt düster und diese Sense trägt viel dazu bei. Auch ist die gesamte Aufmachung dieses Digifile sehr gelungen. Jede der 6 CD hat einen eigenen Schuber, dazu immer einen kleinen Spruch. Ein weiteres Highlight ist der Sprecher. Michael Schwarzmaier hat es einfach drauf. Die verschiedenen Stimmen der einzelnen Charaktere und die unterschiedlichen Dialekte sind hervorragend getroffen. So konnte ich den Personen ein Bild zuordnen, auch wenn ich mit den vielen Namen anfangs schon so manches Problem hatte. Das legte sich aber im Laufe der 6 CDs und je weiter ich kam um so besser verstand ich.

„Schwarzwasser“ ist eine Firma, um die es sich im Buch dreht. Es gibt neben dem aktuellen Geschehen immer wieder Rückblicke nach Berlin. Zu einem Anwalt und dessen Assistentin, zu einem recht dubiosem Mandanten und der Frage, wie das alles mit der Gegenwart und diesem Toten zusammenhängt?

Wallner ist der Ruhepol in der Geschichte. Er ist bedacht in allem was er tut, hat eine angenehme ruhige Art und ist damit das krasse Gegenteil zu seinem Kollegen Kreuthner. Während er mit persönlichen Problemen konfrontiert wird und auch sein Opa Manfred davon betroffen ist, hatte ich das Gefühl diesen Teil in der Geschichte nicht unbedingt zu brauchen. Klar möchte man immer mal etwas persönliches der Charaktere wissen, aber hier hat es mich irgendwie gestört. Der Fall an sich wurde immer wieder dadurch unterbrochen. Vielleicht wäre es beim Lesen nicht so kompliziert gewesen.

Kreuthner ist ein Chaot, sehr selbstverliebt und hat ein Organ am Hals, dass der Sprecher so richtig genial rüber gebracht hat. Besonders die Schimpftiraden waren perfekt. Ansonsten war Kreuthner nicht mein Fall. Er handelt sehr unbedacht, obwohl er ein guter Beobachter ist. Auf mich wirkte er eher wie ein Klassenclown, der es gut meint, dabei aber nur Schaden anrichtet.

Der Fall an sich war sehr komplex und gut ausgearbeitet. Hier gab es, durch die Rückblicke, immer wieder ein Stückchen mehr, dass zur Auflösung beitrug und ich bin sehr lange im Dunkeln getappt. Wer, wann, mit wem und wo und warum. Das Miträtseln hat Spaß gemacht. Dafür das es sich bereits um den 7. Band mit Wallner und Kreuthner handelte, bin ich sehr gut durch die Geschichte gekommen. Es hört/liest sich also auch gut ohne Vorkenntnisse zu den anderen Bänden.

Der Plot ist gut durchdacht, viele Wendungen, manche unerwartet, andere etwas vorauszusehen, aber komplett bis zum Schlus logisch und mit so mancher Überraschung gespickt. 

Durch die gelungenen Beschreibungen der Orte und Gebäude und vorallem der einzelnen Personen hatte ich sehr oft ein Bild der Situationen vor Augen, was das Hören stellenweise lustig machte aber hier und da auch mal traurig stimmte.

Ein angenehmer Hörgenuss, aber man muss schon aufpassen. Hätte Kreuthner nicht so einen negativen Eindruck auf mich hinterlassen, sondern einfach nur seinen Job gemacht und dabei ein bisschen mehr gedacht hätte, wäre es ein Stern mehr geworden.

Die Geschichte mochte ich, Wallner auch, aber auf Kreuthner bin ich sauer. Warum? Selber lesen oder hören.

Rezension verfasst von © Kerstin

  (12)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

kleptomanie, theaterstück, politiker, denksucht, poeten poss

Herr Schreiber blockiert: Eine Poeten-Posse

Bernd Mannhardt
E-Buch Text
Erschienen bei BookRix, 19.04.2017
ISBN 9783743808645
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Murder Park

Jonas Winner , Uve Teschner , Detlef Bierstedt , Oliver Brod
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 13.06.2017
ISBN 9783837138320
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sex & Crime – das verkauft sich immer gut. So dachte vielleicht auch der vermögende Unternehmer Rupert Levin und machte aus dem stillstehenden, ehemaligen Vergnügungspark für die ganze Familie etwas anderes, etwas besonderes.
Zodiac Island musste vor 20 Jahre geschlossen werden. Der Park, weit draußen auf einer Insel gelegen und nur per Fähre erreichbar, hatte dem Serienkiller Jeff Bohner ebenfalls als „Vergnügungsstätte“ gedient und nach drei bestialischen Morden für Bohner und den Park das Todesurteil bedeutet.

Nun wird es eine Einführung geben, ein extra für ausgewählte Personen arrangiertes Presseevent. Denn aus Zodiac Island wird Murder Park.
12 Männer und Frauen die alle einen Bezug zum damaligen Zodiac Island haben und einer davon ist Paul. Seine Verbindung ist seine Mutter – eine der drei ermordeten Frauen. Aber es findet sich unter anderem auch ein Tontechniker, eine Kellnerin und eine ehemalige Bundesagentin vor Ort ein.

Das Hörbuch ist mit seinen vielen verschiedenen Sprecherinnen und Sprecher für mich wieder ein Highlight. Die Charaktere erhalten nicht einfach nur ihre Stimmen sondern auch Emotionen, die in einem Print so einfach nicht dargestellt werden können.

Die „Vorstellung“ der einzelnen Personen findet in gleichmäßigem Rhythmus statt. Zwischen der Geschichte um den neuen Park gibt es Tonbandaufnahmen der Interviews die der Psychologe Sheldon mit ihnen führte und so viel zu den Männern und Frauen aussagt. Ihre Verbindung zum Park, ihre Beweggründe nochmals dorthin zu wollen und auch ihre Skepsis gegenüber dem neu geplanten Murder Park.

Dieser Wechsel zwischen dem Park im Jetzt und den Interviews sorgt für so manchen Cliffhänger aber es führt auch dazu das immer mehr herauskommt was damals im Park wirklich geschehen ist bzw. wie die einzelnen Personen dies empfunden haben und auch nach so vielen Jahren noch empfinden.

Der Park selbst ist auf eine sehr schaurige und unheimliche Weise dargestellt. Man folgt den einzelnen Personen durch die Räumlichkeiten und sieht so den neu gestalteten Park fast mit eigenen Augen. Besonders diese Murderabilia, zusammengetragen aus allen Epochen der Serienkiller sind auf eine Art und Weise geschildert, dass man sich dem kaum entziehen kann.

Das richtige Highlight aber kommt noch, denn der Park ist mehr ein Museum der Grausamkeiten und die Gruppe der Zwölf wird in ein Spiel hineingezogen. Denn ein Killer ist auf der Insel und eliminiert einen nach dem anderen. Schnell wird es blutiger Ernst und besonders Paul versucht verzweifelt, angetrieben von dunklen Erinnerungen und Erlebnissen als Vierjähriger, hinter den Sinn dieses tödlichen Spiels zu kommen.

Ist es mehr Voyeurismus oder eher Sensationsgier? Solch ein Park würde mit Sicherheit genügend „Mitspieler“ finden. Oder ist es der Reiz dieses absolut Bösen? Des Serienkillers? Seiner Psyche? Seiner Taten? Seiner Opfer?
Es zieht einen an, ob man will oder nicht!

„Auch der psychiatrische Wahn enthält ein Stückchen Wahrheit, und die Überzeugung des Kranken greift von dieser Wahrheit aus auf die wahnhafte Umhüllung über.“ Sigmund Freud

Als Hörbuch fand ich es schaurig-schön. Sehr unheimlich diese Stimmung und auch einzelne Charaktere kamen sehr gut rüber. Dennoch waren es mir zu viele, so das einzelne untergingen bzw. nur Mittel zum Zweck waren.
Es war stellenweise sehr blutig und detailliert, deshalb rate ich zarten Gemütern eher ab den Murder Park zu betreten, zumal es auch einige reale Bezüge zu echten Serienkillern gab.

Das Ende der Geschichte hat mich doch sehr überrascht. Warum? Hört es – wenn es hell ist. Und beim nächsten Besuch einer Geisterbahn schaut euch die Gestalten und die Umgebung ganz genau an 😉

Rezension verfasst von © Kerstin

  (17)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

Gerhard Jäger , Peter Matic , Manuel Rubey
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, 26.09.2016
ISBN 9783837136012
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(157)

261 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 114 Rezensionen

spinnen, thriller, horror, ezekiel boone, die brut

Die Brut - Sie sind da

Ezekiel Boone , Rainer Schmidt
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 24.05.2017
ISBN 9783596035533
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich schwöre bei Gott, wenn ich von irgendjemanden das Wort ‚ Zombies‘ höre, lasse ich ihn vom Secret Service in den Rosengarten abführen und dort standrechtlich erschießen. „

Keine Panik – es kommen keine Zombies in diesem Buch vor, eklig wird es trotzdem und zwar so richtig kribbelig iiiieh und bääääh. Deshalb würde ich ein Lesen in hermetisch verriegelten Räumlichkeiten empfehlen. Es könnte sonst zu Panikattacken kommen, wenn sich irgendein achtbeiniger Zeitgenosse so langsam, aus dem Augewinkel wahrgenommen, am abseilen ist  Wer unter einer ausgeprägten Arachnophobie leidet, wird spätestens ab dem Kapitel „Henderson Tech Falcon 7X über Minneapolis, Minnesota“ mit dem Lesen aufhören oder es als eine Art Konfrontationstherapie durchziehen. Ich vermute jedoch, das jeder, der das Cover eingehend betrachtet hat, weiß um was es sich bei „Der Brut“ handelt und auf was er sich einlässt.

Jetzt aber ernsthaft. „Die Brut“ ist als Thriller in der Genrezuordnung ganz gut angesiedelt. Allerdings ist der Killer hier kein menschliches Wesen. Für mich ist die Geschichte eher eine gute Mischung aus Horror & Dystopie. Eine Art Weltuntergangsstimmung kommt da auf, die mit jedem weiteren Kapitel immer mehr Formen annimmt. Die Anzahl der Kapitel kann ich nicht benennen, habe nicht gezählt,  aber sie beginnen immer mit der Angabe des aktuellen Ortes und es sind sehr viele. Fast eine Art Weltreise die in Peru beginnt, über China und Indien, den USA und dem Hindukusch, außerdem noch Schottland. Zwischendurch schippert man etwas über den pazifischen Ozean und an jedem der Orte lernt man ständig neue Charaktere kennen. Momentaufnahmen, die mir sogar sehr gut gefielen. Manche bleiben im Buch und der Geschichte, andere aber verschwinden plötzlich. Das hat mich gestört, gerade wenn die Personen interessant wurden, waren sie weg. Jedoch ist das ständige Wiederkehren bestimmter Personen ein Garant dafür das man sie auch im nächsten Band wieder treffen wird. 

Als positiv habe ich die ‚Stimmung‘ im Buch empfunden. Anfänglich unheimlich, da man einfach noch nicht weiß was da auf einen zukommt. Dann spannend, da ich es nun wusste, aber eben die Personen im Buch nicht. Stellenweise wurde es richtig gruselig. Vor allem die geschilderten Geräusche und Töne, sowie das Verhalten dieser Krabbeltiere wurde auf eine sehr plastische Art und Weise dargestellt. Urängste die da geweckt wurden.

Der Schreibstil ist recht unkompliziert, dadurch lässt es sich flott lesen. Auch die Cliffhänger am Ende nahezu jedes Kapitels tragen dazu bei, das man fast durch dieses Buch rennt. Leider bleibt deswegen auch kaum etwas bei mir hängen. Dafür haben mir zu viele Dinge gefehlt, etwas mehr Persönlichkeit der einzelnen Charaktere zum Beispiel. Oder die Ausführungen der Biologin zu diesen Krabbeltieren, sehr interessant und doch ist es immer zu kurz gekommen. Dafür gab es jede Menge Einblick in die Belange des Militärs, des weißen Hauses in Washington und so manche Liebelei die kein Stück in die Geschichte passte. Unnötige Seitenfüller durch die vieles auf der Strecke bleibt.

Das Buch hat gewiss Blockbuster -Qualitäten und sorgt bei manchen Szenen für ein heftiges Kopfkino. Aber es ist mir fast schon zu sehr absehbar, dass daraus eine Art Helden-Epos wird. Starke und intelligente Frauen und Männer die, wie sollte es anders sein, Amerika retten. Die anderen Länder sind eher belanglos erzählt und verschwinden wie so mancher Charakter.

Das Ende bleibt offen, also Band 2, der im August 2017 erscheint, lesen? Vielleicht haben die Personen im Bu h dann die richtigen Ideen und außerdem möchte ich schon wissen wie es besonders mit den Survivalisten weitergeht.

„Wir haben alles unter Kontrolle.“

Manche der Szenen sind auf eine sehr real erscheinende Weise erzählt, es wird blutig und noch etwas mehr. Wer eher zartbesaitet ist und nicht wissen möchte wie und was diese Krabbeltiere so alles anstellen, sollte eher etwas anderes lesen.

Rezension verfasst von © Kerstin


  (8)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(20)

41 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

färöer inseln, waljagd, krimi, mord, färöer

Das Walmesser

C. R. Neilson , Ulrich Thiele
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 28.12.2016
ISBN 9783453419674
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Färöer, Inseln inmitten einer unbändigen Natur. Launisch und wechselhaft, wie das Wetter auch die Menschen. Eine eingeschworene Gemeinschaft, in die nun der Schotte John Callum stolpert. Ein Fremder, der nicht zum Urlauben gekommen ist. Sondern geflohen ist, vor seinem Leben und auch sich selbst. Er trägt ein Geheimnis mit sich, eine Art Schuld und es dauert ewig bis man als Leser erfährt um was es geht. Doch auch andere wissen davon. Ist er deswegen zu einem Mörder geworden?

„Ich weiß, wer sie sind. Ich weiß was sie getan haben.“

Diese Geschichte erzählt Callum selbst. Normalerweise mag ich diese Ich-Form, gibt es dadurch viel spürbarere Emotionen, allerdings wurde mir hier dann doch einen touch zu viel „gejammert“. Irgendetwas hatte er angestellt/erlebt, soviel konnte man recht schnell herauslesen, nur was genau das war – zum ins Buch beissen. So etwas muss ich einfach immer wissen und deswegen hat mich dieses „Etwas“ auch durch das Buch getrieben.

„Mein Körper und meine Seele trugen die Narben der Schuld. Nun strömte ihr Gift aufs Neue durch meine Adern.“

Der zweite mir wichtige Punkt war dieser Mord. Die Auswahl der Verdächtigen auf solch kleinem Raum ist begrenzt. Da war es kein Wunder, dass ausgerechnet der Fremde in Verdacht gerät. Er verhält sich aber auch seltsam. Seine nächtlichen Alpträume treiben sogar seine Vermieter dazu ihn rauszuwerfen und in einer kleinen Hütte unterzubringen. Callum hat Zeit auf der Insel und die nutzt er zum Wandern, kreuz und quer über die Insel, durch Wind und Wetter. Dadurch erfährt man alles über dieses Eiland, die kaum bis gar nicht vorhandene Flora und Fauna. Man macht Bekanntschaft mit Vögel die ihre Brut verteidigen und so manche steile Klippe an derem unteren Ende das eiskalte, schäumende Wasser in spitzem Gestein wartet. Weiter kam ich immer noch nicht – ahnungslos in Sachen Callums Vergangenheit und noch ahnungsloser wegen diesem Mord.

„Mit jeder Nacht, die verging, näherte ich mich der Antwort. Ich müsste nur noch lernen, Einbildung von Realität zu unterscheiden.“

Ich muss nochmal auf Callums Träume zu sprechen kommen. Man ‚erlebt‘ sie ja mit – kursiv in kurzen Kapiteln – dass gibt Raum für Interpretationen und so etwas mache ich eh gerne. Die Menschen, denen Callum begegnet sind anfänglich kühl aber doch herzlich. So dauert es nicht lange bis er einen Job findet und die erste weibliche Bekanntschaft macht. Hat sie etwas damit zu tun? Mit diesem Mord? Mit der Nacht an die sich Callum kein Stück erinnern kann und wegen der er sogar im Gefängnis landet? Wer ist eigentlich der Tote?  Und – was ist das Motiv für diese Tat? 

Neben all diesen Verdächtigungen und Beschuldigungen, den schrägen Blicken der Einheimischen und des fast nie verschwindenen Tageslicht, empfand ich die Sprache im Buch als außergewöhnlich schön. Gerade die Darstellungen dieser Insel und auch der Menschen war sehr authentisch und bildlich gut vorstellbar. Beides zuerst grimmig und auch gefährlich aber auf den zweiten Blick, wenn sich der Nebel verzogen hat und der Regen nachlässt, dann doch wunderschön und herzlich.

Wobei mir sich die Nackenhaare stellten, waren die ausführlichen Beschreibungen zu der Waljagd. Aber es gehört zu diesem Land, ist ein fester Bestandteil und damit hat es einen Anspruch auf seinen Platz im Buch. 

„Das Walmesser“ empfand ich beim Lesen fast schon als Drama, weniger als Krimi, auch wenn die grundlegenden Elemente – Mord, Täter/Verdächtiger und Ermittlungsarbeit der Polizei – vorkommen. 

Für dieses Buch sollte man sich Zeit nehmen, es ist kein Pageturner,  sondern vielmehr ein langsames Heranführen an eine, nein zwei, dramatische Geschichten, in einem rauen und kühlen Land. Man sollte es genießen, denn dann erfährt man auch endlich warum Callum auf diese Insel gekommen ist.

Rezension verfasst von © Kerstin Mai/2017

  (9)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(25)

31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

thriller, frankfurt, mord, jens bühler, jo lasker

Mit allen Mitteln

Jens Bühler
E-Buch Text: 366 Seiten
Erschienen bei Edition M, 16.05.2017
ISBN 9781477821107
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Mit der Truppe konnte man entweder Großes leisten oder dermaßen gegen die Wand fahren, dass man den Einschlag nicht mehr spürte.“

Jo Lasker und Jens Bühlers Schreibstil kenne ich bereits aus „Geister“ und fand beides sehr gelungen. Lasker ist in Frankfurt am Main zu Hause, dort ist sein Revier und seine Arbeit. Der Polizist ist eher einer der unkonventionellen. Einer der viel denkt und seine Zeit weder mit der Gründung einer Familie verbringt, noch viele Freundschaften pflegt. Wenn man ihn aber als Freund hat, riskiert er alles. So ist es auch mit den neuen Kollegen der Arbeitsgruppe. Wer wäre geeignet in dieser fast illegalen Truppe mit zuwirken? Lasker hat schnell einen auf dem Schirm und ohne lange überlegen zu müssen, ist die vierköpfige Truppe komplett.

„Mit allen Mitteln“ ist eine Art Prequel. Man lernt erst einmal all diese Charaktere kennen, die es in „Geister“ schon gibt. Dadurch erfährt man auch sehr schnell von deren Unzulänglichkeiten, Problemen und Motivationen. Da ist Tanner ~ anfänglich mochte ich ihn nicht. Er wirkt verweichlicht und hat durch seine unzähligen Frauengeschichten nicht wirklich ein Stein bei mir im Brett, zumal er zu Hause eine Ehefrau sitzen hat. Allerdings hat er sich gemacht, im Laufe des Buches. Seine Kontakte und sein Wille mehr zu den Hintergründen der Ermordeten zu erfahren, hat ihn als einen Top-Ermittler gezeigt. Der zweite im Bunde ist Splatter. Sein Name ist Programm. Ein tätowierter Riese, kahlköpfig und mit einem Hang zu Horrorfilmen. Er wirkt nicht nur gestört, er ist es! Doch auch er zeigt im Buch seine wahre Seite, verletzlich und verletzt, tief in seiner Seele, durch ein Traumata. Splatter mag aber noch so anders sein, es ist loyal seinen Leuten gegenüber und überrascht durch so manche actionreiche Zugabe. Dann ist da noch Saskia. Auch bei ihr ist nicht alles im Lot. Aber sie passt perfekt in diese Männerriege, denn auch wenn sie eine Frau ist – sie kann ihren Mann stehen.

„Du bist dieser chaotisch-depressiv-zynische Typ mit ausgeprägten Stärken in kreativer Problemlösung.“

Jo Lasker und seine drei Leute wollen den Mord aufklären und das obwohl es ihre Truppe offiziell noch gar nicht gibt. Da heißt es zu improvisieren und genau das kann Lasker perfekt. Er hat Ideen und Einfälle und durch seine Wortwahl trifft er die Situationen immer auf den Punkt. Oft genug musste ich gerade bei seinen Dialogen schmunzeln und lachen. Generell haben alle der vier eine unverblümte Art sich auszudrücken und es hat großen Spaß gemacht ihnen zuzuhören. 

Irgendwie schaffen sie es, sich von einem Problem ins nächste zu manövrieren und doch schaffen sie es auch immer wieder herauszukommen. Dabei zeigt sich eine ganze Bandbreite von Ermittlungsarbeit. Worauf man sich aber auch einstellen muss, ist dass diese Menschen, so ehrbar sie auch sind, mehr als einmal gesetzeswidrig handeln. Der Zweck heiligt die Mittel, könnte man sagen. Denn vieles konnte ich nachvollziehen.

„Das Problem mit dem Hass war, dass man ihn selber kaum wahrnahm. Es war mehr eine Art Hintergrundrauschen.“

Die Geschichte ist in viele Kapitel unterteilt und zeigen den aktuellen Ort, den Tag und sogar die Uhrzeit an. So folgt man der Aufklärung des Mordes über viele Wege durch das Milieu Frankfurts und deren Gestalten. Der Lokalkolorit ist richtig gut dargestellt und wer einmal in Frankfurt war und sich etwas auskennt, weiß genau wo gerade welche Szene spielt. Der Mord selbst ist fast schon Nebensache, denn es hat öfters den Anschein dass die Gruppe in eine ganz andere Richtung läuft und doch fügt sich alles zusammen und für so manche Überraschung ist auch gesorgt.

„Das Ergebnis stand fest, obwohl der Prozess noch lief. Darum musste man immer überlegen, was man tat.“

Das ein oder andere Mal dachte ich „Was tut ihr da?“ (besonders bei der mehr als makabren Friedhofsszene, die mich dennoch zum Grinsen brachte) und dann merkte ich wieder das ich gerne helfen würde. Macht es so oder so. Nicht da entlang, passt auf! Mir sind diese vier ans Herzen gewachsen und auch wenn ihre Weste verdammt grau ist, manchmal haben sie angesichts der Übermacht an Verbrechen gar keine andere Wahl und zum Glück entpuppen sie sich immer wieder als anständig genug und wissen auch wo ihre Grenzen sind.

Von Jo Lasker und seinem chaotisch-organisiertem Team würde ich gerne noch viel mehr lesen. Ihren Werdegang, ihre Aktionen und vor allem ihre gnadenlos guten Dialoge. „Geister“ spielt 5 Jahre später – dazwischen ist also mit Sicherheit noch so einiges geschehen.

Gerade den Selfpuplishern würde ich eine viel größere Reichweite wünschen und viele LeserInnen, denn die Geschichten sind es allemal Wert, beachtet und gelesen zu werden. Kein gängiger Mainstream, aber richtig gute Storys. Mit toll gezeichneten Charakteren – seien sie auch noch so schräg. Mit Ermittlungsarbeiten und Fällen die es in sich haben. 

Rezension verfasst von © Kerstin Mai/2017

  (9)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

22 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

frankreich, flucht, deportation, familie, juden

Die Nachtigall

Kristin Hannah , Karolina Fell , Luise Helm
Audio CD
Erschienen bei Aufbau audio, 19.09.2016
ISBN 9783945733196
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(174)

262 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 111 Rezensionen

island, thriller, mord, adoption, krimi

DNA

Yrsa Sigurdardottir , Anika Wolff
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 26.09.2016
ISBN 9783442756568
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

geschichte, täuschung, hörbuch, familie, findelkind

Trümmerkind

Mechtild Borrmann
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Argon Verlag, 17.01.2017
ISBN B01N34VHH0
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 
371 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks