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Bernsteinstaub

Mechthild Gläser
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Loewe, 24.07.2018
ISBN 9783785588604
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine Hand schloss sich um den schmalen Glaskolben. Dann schob ich langsam einen Fuß vor den anderen. Der Sog wurde mit jedem Schritt stärker. Der Staub zerrte an meinen Hosenbeinen, schon bald konnte ich mich kaum noch aufrecht halten. Ich erreichte die Dachkante, jedenfalls vermutete ich das, weil ich mit einem Mal nichts mehr unter meinen Zehen spürte. Und der Strom drängte mich weiter voran. Für einen Augenblick ruderte ich noch mit den Armen in der Luft, versuchte, das Gleichgewicht zu halten, dann kippte ich vornüber.
Die Welt um mich herum verwandelte sich in nichts als Staub. Graue Schlieren waren alles, was ich sah. Alles, was ich fühlte. Alles, was ich atmete.

--

INHALT:
Die 16-jährige Ophelia hatte schon immer die Vermutung, dass sie mit einem Verspätungs-Fluch belegt ist - wie sonst kann es sein, dass sie sich immer rechtzeitig auf den Weg macht, aber nie pünktlich ankommt? Als sie plötzlich sich fortbewegenden Staub wahrnimmt und kurz darauf von ihrer Mutter zur Verwandschaft in Paris geschickt wird, zeigt sich, dass sie so falsch gar nicht lag: Denn sie besitzt die Fähigkeit, die Zeit zu sehen und auch zu manipulieren. Doch bevor sie die Gelegenheit hat, sich an diesen Gedanken zu gewöhnen, wird sie schon auf eine gefährliche Mission geschickt - denn überall auf der Welt spielt die Zeit verrückt, und gemeinsam mit drei anderen Begabten soll sie versuchen, das Problem zu lösen...

MEINE MEINUNG:
Mechthild Gläser ist seit gut sechs Jahren sehr erfolgreich im Geschäft, konnte Leser sowohl mit ihren Buchspringern als auch mit ihrer Stadt aus Trug und Schatten begeistern. "Bernsteinstaub" sollte nun endlich auch mein erstes Buch von ihr werden - wenn es um das Manipulieren von Zeit geht, bin ich definitiv dabei. Erzählt wird die Geschichte größtenteils aus der Ich-Perspektive der Protagonistin, nur zwischenzeitlich unterbrochen von Abschnitten aus der Sicht des geheimnisvollen Leander. Der Schreibstil weiß besonders in den Beschreibungen zu begeistern, die wunderbar detailreich und voller schöner Details sind, und ist ansonsten angenehm frisch, ohne zu jugendlich zu wirken.

Obwohl Ophelia erst 16 Jahre als ist, konnte ich mich mit ihr überraschend gut identifizieren. Natürlich muss sie sich mit ihren neuen Fähigkeiten erst einmal arrangieren und anfangs fällt es ihr schwer, zu glauben, was sie sieht. Das legt sich aber bald und sie sträubt sich nicht anstrengend lang gegen alles, was passiert. Das bleibt allerdings nicht den ganzen Roman über so - leider entwickelt sie kurz vor Ende noch einmal die seltsame Anwandlung, den einfachsten Hinweisen nicht zu folgen, was ein wenig anstrengend zu lesen ist. Leander, der gutaussehende und zurückhaltende Junge, der Ophelia begleitet, ist anfangs schwer zu durchschauen und - wie sollte es anders sein - distanziert, dafür gibt es allerdings hier eine sehr glaubwürdige Erklärung. Man merkt schnell, dass ihm Ophelia sehr am Herzen liegt: So viel, dass er für sie sehr viel aufgeben würde, was ihn zu einer sympathischen Figur macht. Die Nebencharaktere sind alle sehr individuell und trotz der Fülle gut auseinander zu halten, in ihrer Skurrilität erscheinen sie teilweise aber auch ein wenig übertrieben.

Die Idee aber mochte ich von Anfang bis Ende: Nicht nur, dass die Charaktere die Zeit manipulieren können und in einem Turnier gegeneinander antreten müssen, es geht außerdem auch um den Tod von Ophelias Vater, der ihr doch sehr mysteriös erscheint. Schade fand ich, dass andere Personen ihr grundsätzlich nicht glauben wollen, weil sie ihre Beobachtungen zu abwegig finden - gerade, wo sie doch alle die Zeit anhalten oder sogar vorspulen können. Und einige Probleme, die die Protagonistin zu bewältigen hat, werden doch deutlich zu einfach gelöst. Davon abgesehen erwartet einen aber eine spannende Geschichte fast ohne Längen und mit einer kleinen Romanze, die sich sehr angenehm im Hintergrund hält. Zum Ende überschlagen sich die Ereignisse und es wird noch einmal sehr interessant, ohne großartig ins Abstruse abzudriften - aber auch ohne großartige Überraschungen. Für jüngere Leser könnten die Wendungen allerdings vielleicht unerwarteter kommen.

FAZIT:
Mechthild Gläsers "Bernsteinstaub" besitzt nicht nur ein tolles Cover, sondern auch eine interessante Geschichte, die von den originellen Ideen und einer überwiegend glaubwürdig handelnden Protagonistin lebt. Einige Schwierigkeiten werden etwas zu einfach überwunden und es hätte durchaus mehr Überraschungen geben dürfen, aber trotzdem bietet der Roman einige nette Lesestunden. 3,5 Punkte, aufgerundet auf 4.

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Tags: anomalie, fähigkeit, gabe, gefahr, geheimnis, hinweis, unfall, zeit   (8)
 

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120 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

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Najaden - Das Siegel des Meeres

Heike Knauber
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 21.05.2018
ISBN 9783734161438
Genre: Fantasy

Rezension:

Vor Schmerz stockte Sayaf der Atem. Die Fingerspitze, mit der sie an seinem Arm aufwärtsstrich, hinterließ ein Sengen, als triebe sie glühenden Stahl durch sein Fleisch.
"Ihr habt keine Ahnung, mit welchen Mächten ich im Bunde stehe."
Doch, die hatte er. Sie gab ihm gerade eine Kostprobe davon. Mit zusammengebissenen Zähnen sah er auf die dünne Brandspur, die sie mit ihrem Finger auf seiner Haut hinterließ.
Unerwartet packte sie ihn am Arm, und er musste sich zwingen, sie nicht von sich zu stoßen, sondern ihr gelassen in die jadegrünen Schlangenaugen zu sehen. "Wenn meiner Tochter bei Eurem Bruder ein Leid erfährt, wird ganz Aššu dafür brennen. Vergesst nicht, Eurem Vater das von mir auszurichten."



INHALT:
Die junge Meliaé muss mit ansehen, wie vor ihren Augen ihre Mutter getötet wird - auf Befehl des Heeresfürsten Khayam, Erbe des Sultans, der gemeinsam mit seinem Bruder Abu Sayaf nach dem Siegel des Meeres sucht. Denn dieses soll ihr Land Aššu vor prophezeiten dem Untergang bewahrenl. Was die beiden noch nicht ahnen: Meliaé selbst ist dieses Siegel. Und bevor sie ihrer habhaft werden können, entschwindet sie in das sagenumwobene Land der Najaden, wo sie ihre Fähigkeiten erlernen soll. Aber Sayaf ist weiter auf der Suche nach ihr - denn nicht nur trägt sie die Rettung seines Reiches in sich, er hat sich auch mit Haut und Haar in sie verliebt.

MEINE MEINUNG:
Mythen und Sagen - faszinierende Geschichten, die uns in fremde Länder mit fremden Sitten entführen. Genau davon hat sich Heike Knauber für "Najaden" inspirieren lassen und eine orientalisch angehauchte Welt voller Magie und Zauber, aber auch voller Ungerechtigkeit und Gewalt geschaffen. Tatsächlich lernt man von den Reichen aber nur relativ wenig kennen - einmal Najadís, eine Feuerinsel, und dann noch Aššu selbst, die Heimat der beiden Heeresfürsten. Dazwischen befinden sich die Hauptfiguren meistens auf Schiffen und bekommen relativ wenig von der Außenwelt mit, was schade ist. Erzählt wird die ganze Geschichte größtenteils aus der personalen Sicht der Protagonistin, aber auch Gegenspieler und Wegbegleiter kommen teilweise zu Wort.

Meliaés Familie wurde zerstört und sie selbst von Abu Sayaf entführt, einem Sohn des Sultans, der für ihr Schicksal verantwortlich ist. Ihren Hass kann man daher sehr gut nachvollziehen, ebenso wie ihre Weigerung, irgendetwas für diesen Mann zu tun. Allerdings bleibt sie sich selbst und ihrer Abneigung nur dann treu, wenn es gerade in die Geschichte passt. Mal fühlt sie sich zu Sayaf hingezogen, dann unternimmt sie alles, um sich an ihm und seiner Familie zu rächen - ihre Sprunghaftigkeit hat mich doch sehr irritiert. Nicht so sehr allerdings wie der Aspekt, dass sie sich im Laufe der Handlung zweimal zu äußerst brutalen, mörderischen und teilweise vergewaltigenden Männern hingezogen fühlt, was so gar nicht zu ihrer sonstigen Kratzbürstigkeit passt. Abu Sayaf ist für mich jedenfalls kein Traummann - es wird zwar versucht, ihm Hintergrund und Motiv für seine Taten zu geben, das lässt aber nicht vergessen, dass er Meliaé entführt, gegen ihren Willen küsst und tatsächlich auch schlägt. Mich interessiert in dieser Hinsicht auch nicht, dass das andere Sitten und Bräuche sind, in denen Frauen weniger Wert haben. Ein gewalttätiger Mann ist kein guter Mann.

Davon abgesehen weiß die Idee durchaus zu gefallen: Meliaé ist also, ohne ihr Wissen, das Siegel des Meeres und eine Najade, sie kann sich demnach in eine Schlange verwandeln. Ihre Veränderung vom Unglauben über ihre Herkunft zum mühelosen Gebieten über ihre Fähigkeiten bekommt man allerdings gar nicht mit, weil hier einfach 4 Jahre in die Zukunft gesprungen wird. Das fand ich sehr schade, weil doch vor allem die Feuerinsel mit ihren Bewohnern und Wäldern ein faszinierendes Setting ist. Stattdessen verbringen die Charaktere also weiter viel Zeit auf Schiffen und dann in staubigen Wüsten - aber für solche Umgebungen sind die Menschen alle...seltsam hellhäutig. Zudem fehlten mir so einige Erklärungen: Welchen Sinn etwa hat es, dass einige Bewohner von Aššu sich zu Schakalen mit aufrechtem Gang verwandeln können? Welche Vorteile hat dies und woher kommt die Fähigkeit? Auf solche Fragen gibt es leider nie Antworten. Dafür sind die letzten 200 Seiten ausnehmend spannend - es treten weitere magische Wesen auf, es kommt zu Kämpfen und überraschenden Wendungen. Und auch wenn der Schluss zu erwarten war, bildet er einen runden Abschluss, trotz der vorherigen Mängel.

FAZIT:
Heike Knaubers "Najaden: Das Siegel des Meeres" lebt von einer tollen Idee und faszinierenden Schauplätzen, die allerdings teilweise zu wenig genutzt werden. Der Liebesgeschichte und den beiden Protagonisten konnte ich leider wenig abgewinnen, und insbesondere die manchmal fehlenden Erklärungen stören. Dafür kommt am Ende immerhin richtig Spannung auf. 3 Punkte.

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Tags: fabelwesen, hass, mythen, orientalisch, reise, sagen, schiff   (7)
 

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38 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

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Das Finkenmädchen

Nicole Trope , Carola Fischer
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 25.05.2018
ISBN 9783404176823
Genre: Romane

Rezension:

Es macht mir nichts aus, Fettkloß genannt zu werden. Ein Fettkloß ist da, das weiß man. Man kann nicht so tun, als wäre er nicht da. Als ich leicht und klein war, gab es viele Dinge, die mir Angst machten. Jetzt bin ich ein Fettkloß, und manchmal haben die Leute Angst vor mir.
Ich frage mich, wovor sie wohl Angst hatte. Ich frage mich, ob sie vor ihm Angst hatte. Ich frage mich, ob sie Angst hat, hierherzukommen.
Es ist sowieso nicht wichtig. Es interessiert mich nicht, was sie denkt und fühlt. Es interessiert mich nicht, was sie getan hat oder nicht.
Das Einzige, was mich interessiert, ist, was ich ihr antun werde.

--

INHALT:
Felicity hätte nicht gedacht, dass sie ihre ehemalige Nachbarin Rose noch einmal wiedersehen würde - erst recht nicht, seit sie eine Gefängnisstrafe absitzen muss. Doch dann begeht eben jene Rose, Ehefrau eines bekannten Moderators, selbst eine unverzeihliche Tat und landet am selben Ort wie Felicity. Diese kann ihr Glück kaum fassen, denn endlich ist sie ihrer Rache näher. Rache, weil Rose damals, in ihrer Kindheit, einfach weggeschaut hat. Weil sie ihr nicht geholfen hat. Und weil sie zugelassen hat, dass Felicitys Leben zerstört wird...

MEINE MEINUNG:
Die australische Autorin Nicole Trope ist auf ihrem Heimatkontinent sehr bekannt - bekannt vor allem für ihre Familiendramen, die wichtige und oftmals aktuelle Themen ansprechen. Trotzdem wäre beim "Finkenmädchen" wohl angebracht, im Vorhinein zu sagen, worum es genau geht: Um Kindesmissbrauch nämlich. Damit wird nicht groß gespoilert, weil diese Information recht früh Einfluss findet, aber um Leser nicht zu triggern, wäre hier eigentlich prinzipiell der Verlag in der Pflicht, dies deutlich zu machen. Erzählt wird der Roman aus den zwei Perspektiven von Rose und Felicity. Diese werden nicht mit Namen abgegrenzt, wechseln sich aber ab, und weil die Autorin auf beeindruckende Weise mit Sprachmustern und Beschreibungen arbeitet, ist immer direkt klar, wer von beiden gerade zu Wort kommt.

Rose ist die Ehefrau eines bekannten Moderators des australischen Fernsehens und lebt seit Jahren in Reichtum und ohne Sorgen. Doch etwas ist passiert. Etwas, das zum Tod ihres Mannes geführt hat und dazu, dass sie nun eine dreijährige Gefängnisstrafe absitzen muss. Es wird schon nach wenigen Seiten klar, dass sie etwas zu verbergen hat - dass sie vor allem ein Geheimnis ihres Mannes zu verbergen hat -, aber es braucht lange, bis sie sich ihre Fehler, ihre Zweifel und Ängste endlich eingesteht. Bis dahin gibt sie einen Einblick in ihr Leben, das sie komplett ihrer Familie gewidmet hat, und ihre Persönlichkeit, die sich nie richtig entwickeln konnte. Felicity ist etwa 30 Jahre jünger und hat als Kind neben Rose und ihrer Familie gelebt. Sie ist schon von Geburt an langsamer als andere ihres Alters, ist dafür aber eine ruhige Zuhörerin und seit einigen Jahren auch liebende und hingebungsvolle Mutter. Nur ihre Vergangenheit lässt sie nicht los. Einerseits will sie für ihre Tochter da sein, andererseits ist sie getrieben von Hass und den Verletzungen frühen Missbrauchs - was sie auf einen gefährlichen Pfad führt.

Beide Erzählerinnen haben denselben Bekanntenkreis, weshalb man durch ihre Augen die Nebenfiguren gut kennen lernt. Insbesondere Roses Mann - den sie anfangs vor allem als perfekt darstellt. Schnell jedoch wird klar, dass sie, die diesen Mann mit 16 Jahren geheiratet hat, nie die Chance bekam, sich zu einer eigenständigen Person zu entwickeln. Durch die schiere Abneigung, die man ihm bald entgegen bringt, versteht man auch Felicity immer besser. Die ganze Handlung hat wenige große Überraschungen und besteht größtenteils aus Rückblicken auf die letzen 20 bis 30 Jahre für beide Frauen, in denen sich insbesondere Rose des Öfteren wiederholt. Die Ereignisse sind jedoch erschreckend und bedrückend, trotz fehlender wirklich detailreicher Beschreibungen auch definitiv nichts für schwache Nerven. Nachdem sich die Autorin viel Zeit gelassen hat, um Situation und Figuren zu etablieren und den Leser in den Bann zu ziehen, wird die Handlung am Ende leider etwas zu schnell, etwas zu einfach abgehandelt. Davon abgesehen ist der Schluss jedoch passend gewählt, um beiden Protagonisten einen gebührenden Abschluss zu geben.

FAZIT:
Nicole Trope greift in "Das Finkenmädchen" ein wichtiges, leider immer aktuelles und betroffen machendes Thema auf - eine Triggerwarnung wäre bei Kindesmissbrauch aber wohl angebracht. Teilweise hat das Ganze ein paar zu viele Längen, um dann zum Schluss gehetzt zu wirken, davon abgesehen wird das Ganze aber sensibel und authentisch angegangen. Gute 3,5 Punkte.

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Tags: gefängnis, gewissen, missbrauch, schuld, vergebung   (5)
 

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

dämon, götter, kampf, krieg, magie, reise, schwert, zwerge

Zeitenfeuer

Michael J. Sullivan , Marcel Aubron-Bülles
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2018
ISBN 9783426520345
Genre: Fantasy

Rezension:

"Warum sind wir hier?", fragte Flut. "Was sollen wir tun?"
"Bleibt einfach da stehen."
Das Geräusch war nun so laut, dass Persephone es spüren konnte wie das Kreischen eines Schleifsteins. Über ihnen begannen die Stalaktiten zu zittern und wie ein Windspiel zu klirren. Einer fiel herab und zersplitterte auf dem Pfad vor ihnen. Zwei weitere lösten sich und krachten mit solcher Wucht herab, dass Persephone und die anderen hastig zur Seite sprangen.
Dann explodierte der hintere Teil der Höhle.

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INHALT:

Die Menschen haben herausgefunden, dass die Fhrey, die sie immer als Götter verehrt haben, gar keine Götter sind - sie können es nicht sein, denn ein einfacher Mann hat einen von ihnen getötet. Nun plant Stammesführerin Persephone einen Aufstand, denn sie weiß aus sicherer Quelle, dass die Fhrey vorhaben, alle Menschen zu töten. Doch wie soll das gehen, in den Krieg zu ziehen gegen ein so viel stärkeres, mächtigeres Volk, das auch noch viel länger lebt? Das Ganze scheint aussichtslos, bis sie von den Dherg, einem anderen Volk, Waffen versprochen bekommen. Dafür müssen sie allerdings einen überaus gefährlichen Dämon besiegen...

MEINE MEINUNG:
Band 1 der Reihe um das "First Empire" konnte mich letztes Jahr mit seinen starken Frauenfiguren und den vielen originellen Ideen begeistern. Die Geschichte um den Kampf der Menschen gegen die Fhrey ist aber noch lange nicht vorbei, geht gerade erst in die zweite Runde. "Zeitenfeuer" knüpft nun also an den Vorgänger an und zwar relativ kurze Zeit später - trotzdem muss man sich erst einmal daran erinnern, was alles geschehen ist. Michael J. Sullivan bietet seinen Lesern aber nicht nur eine Zusammenfassung auf der eigenen Internetseite, sondern wiederholt wichtige Punkte auch noch einmal in der Geschichte und lässt diese ganz natürlich einfließen. Damit könnte man wohl sogar mit diesem Teil in die Reihe einsteigen - das macht aber natürlich nur halb so viel Spaß.

Erneut begleiten wir Persephone vom Dahl Rhen, eine mutige Frau, die alles für ihren Clan tun würde - aber auch alles, um die Zukunft der Menschen, also der sogenannten Rhunes, zu sichern. Sie hat selbstverständlich ihre unsicheren Momente und weiß nicht alles, aber sie versucht immer eine Möglichkeit zu finden und zeigt in ihrer Unabhängigkeit und ihrem unbändigen Willen zu kämpfen ihre ganze Stärke. Göttertöter Raithe hat in diesem Band eine etwas kleinere Rolle, muss sich erst einmal seiner eigenen Identität und seiner Rolle im Stamm bewusst werden, aber noch immer legt er eine unabänderliche Loyalität an den Tag. So verhält es sich auch mit vielen der Nebenfiguren, die einem schon zuvor ans Herz gewachsen sind und ihre Stellung nun festigen: Die kämpferische, spitzzüngige Moya etwa; die junge naturverbundene Suri; oder neu die drei Dherg, die sich ständig auf wunderbare Weise streiten. Die Kapitel aus der Sicht von Mawyndulë, fand ich zeitweilig sehr anstrengend, weil er nur wenig dazu lernt, allerdings tragen sie zum Ende hin ganz entschieden zum Fortgang der Geschichte bei.

Michael J. Sullivans Reihe ist, das schreibt er selbst, so aufgebaut, dass jeder Band eine abgeschlossene Geschichte enthält, es aber einige Fäden gibt, die sich durch alle Teile ziehen. Statt eines gefährlichen Bärs und Problemen innerhalb des Stamms, lernt man dieses Mal also das Volk der Dherg und einen schrecklichen Dämon kennen. Für einen High Fantasy-Roman wird dieses Mal aber relativ wenig gereist, wodurch das Spannungslevel konstant hoch gehalten wird - an welchem Ort auch immer man sich im Kapitel befindet, es brodeln Konflikte, es lauert Gefahr, und es drohen Kämpfe. Von diesen gibt es zur Genüge, allerdings immer wieder aufgelockert durch herrliche Wortgefechte, schlaue Pläne und die technischen Entwicklungen der Rhune Roan, die wir aaus der realen Welt natürlich schon kennen, die die Menschen im Buch aber in Sachen Wissen ungeahnt nach vorn katapultieren. Einige Charaktere, die im 1. Teil eine große Rolle gespielt haben, kamen mir dieses Mal ein wenig zu kurz, davon abgesehen war ich aber durchgehend gefesselt - besonders am Schluss, der noch einmal mit allen Qualitäten aufwartet, die sich zuvor angesammelt haben. Dem Lesevergnügen mit Band 3 steht damit nichts mehr im Wege.

FAZIT:
Wer genug von außerordentlich düsterer High Fantasy mit lauter grimmigen Gestalten hat, ist bei der "First Empire"-Saga genau richtig. Auch hier gibt es zwar Gefahren, Krieg und Tod - aber auch viele liebenswerte Figuren und einiges an Witz und Intelligenz. "Zeitenfeuer" übertrifft Band 1 sogar noch und macht richtig Lust auf den nächsten Teil. Für Fans des Genres ein Muss! 4,5 Punkte.

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Tags: dämon, götter, kampf, krieg, magie, reise, schwert, zwerge   (8)
 

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(64)

123 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

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Fallende Stadt

Lauren DeStefano , Andreas Decker
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei cbt, 10.04.2018
ISBN 9783570311998
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Was ist denn, Dad?", sagt Lex. "Du verbreitest Panik."
"Morgan muss sofort nach unten kommen. Der König hat befohlen, dass sich heute Nacht jeder in seiner Wohnung aufzuhalten hat. Auf den Gleisen lag eine Leiche."
Ein entrückter Teil von mir nimmt die Worte kaum wahr, aber ein anderer muss die Frage stellen. "Hat es einen Unfall gegeben?"
"Nein, mein Herz", sagt er. "Die anderen Wachmänner und ich untersuchen die Sache. Ein Mädchen wurde ermordet."

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INHALT:

Internment ist eine Stadt in den Wolken, die sich selbst versorgt und dem Paradies gleicht: Sie ist sicher, es gibt keine Armut und das Leben ist genau geregelt - von der Geburt über den Ehepartner bis zum Tod. Das alles kennt die 16-jährige Morgan, und bisher hat sie sich kaum daran gestört. Die Umstände ihrer Familie sind zwar alles andere als einfach, aber ihre Freunde und ihr Verlobter haben ihr immer Halt gegeben. Bis plötzlich eine Schulkameradin tot auf den Gleisen gefunden wird: ermordet. Auf einmal stellt sich Morgan alle Fragen, die sie immer unterdrückt hat. Und bald schon fragt sie sich, ob Internment wirklich so gut ist, wie sie immer geglaubt hat.

MEINE MEINUNG:

Lauren DeStefano liebt Dystopien, so scheint es jedenfalls, denn nach ihrer "Land ohne Lilien"-Trilogie spielen auch die Internment Chronicles in einer Welt, die von einem totalitären Staat (bzw. erneut einem König) regiert wird. "Fallende Stadt" spielt aber im Himmel - ein ungewöhnlicher Ort für solch einen Roman. Begeistern kann wieder der wunderschöne Schreibstil der Autorin, der ihr erschaffenes System und die Menschen vor den Augen des Lesers lebendig werden lässt. Allerdings hat sich auch die ein oder andere Länge eingeschlichen.

Morgan ist mit ihren jungen 16 Jahren eine überraschend starke Protagonistin, die man gern begleitet. Natürlich ist sie nicht vor Naivität und schlechten Entscheidungen gefeit, aber sie besitzt auch einiges an Mut und traut sich, die richtigen Fragen zu stellen. Ihr Verlobter Basil kann ebenso überzeugen: Er ist eher der ruhige, beschützerische Typ, aber ohne dabei je über sie zu bestimmen. Allgemein können besonders die Nebenfiguren begeistern: Morgans beste Freundin Pen etwa, eine starke junge Frau, die allerdings voll in ihrer Liebe zu Internment aufgeht; oder auch ihr Bruder Lex, der vor Jahren versucht hat, vom Rand der Stadt zu springen, und der seitdem blind ist. In der Charakterisierung dieser Figuren zeigt DeStefano ihre ganze Stärke und fesselt mit den unterschiedlichen Ansichten.

Auch der Weltentwurf ist interessantE eine Stadt im Himmel, deren strikte Gesetze ein gutes Zusammenleben sichern sollen. Es gibt Listen darüber, wer sterben und wer ein Kind bekommen darf; spätere Ehepaare werden schon im Kindesalter zusammengeführt - aber eine Möglichkeit, die Stadt zu verlassen, gibt es nicht. Morgans wachsendes Gefühl, eingesperrt zu sein, überträgt sich auch auf den Leser, wodurch eine intensive Atmosphäre geschaffen wird, und besonders ihre Träume danach, selbst zu springen, oder zumindest etwas Neues zu sehen, sind nachvollziehbar. Allerdings hat das Buch in der Mitte einiges an Leerlauf, wo nur wenig passiert, Morgan selbst nicht recht von der Stelle kommt und die Überraschungen fehlen. Dafür wird dann am Schluss noch einmal alles aufgefahren und der Grundstein für die kommenden zwei Bände gelegt. Teil 2 ist im Mai auf Deutsch erschienen, Teil 3 folgt im Juni.

FAZIT:

Lauren DeStefano hat einen ganz besonderen Schreibstil, der auch in "Fallende Stadt" wieder in seinen Bann zieht. Die Idee ist neu, die Charaktere bieten viel Potenzial zur Identifikation - nur die Spannung lässt teilweise etwas zu wünschen übrig. Gute 3,5 Punkte.

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Tags: dystopie, flucht, freundschaft, mord, sehnsucht, verlobt   (6)
 

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740 Bibliotheken, 27 Leser, 0 Gruppen, 182 Rezensionen

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Palace of Glass - Die Wächterin

C. E. Bernard , Charlotte Lungstrass-Kapfer
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 19.03.2018
ISBN 9783764531959
Genre: Fantasy

Rezension:

Heute hat auch der Prinz mich angesehen. Er hat mich angesehen, als wäre ich schön. Und so wage ich es für einen kurzen Moment, mich im Spiegel zu betrachten. Ein schneller, faszinierter Blick, bevor ich mir das Nachthemd über den Kopf ziehe. Glühende Scham brennt in mir, aber da ist auch dieses Gefühl der Verzauberung, das mich heute überfallen hat. Ich habe ein Märchenschloss gefunden. Und in dem Märchenschloss wohnt sogar ein Prinz.
Zu schade, dass er mich hinrichten lassen würde, wenn er wüsste, was ich bin.
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INHALT:
Seit Jahren werden die Magdalenen verfolgt: Menschen, die durch bloße Berührungen Gedanken lesen und andere dadurch theoretisch kontrollieren und manipulieren können. Die junge Rea gehört zu ihnen und muss ihre Gabe um jeden Preis verbergen - wenn nicht, würde sie gefangen und wahrscheinlich getötet. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Schneiderin, doch nachts kämpft sie mit bloßen Händen im Untergrund, um ihr Bedürfnis nach Berührungen zu stillen. Bei einem dieser Kämpfe wird sie beobachtet - und gegen ihren Willen in den Palast des Königs gebracht. Mit ihren Fähigkeiten soll sie eine neue Leibwache für den Prinzen werden. Einen Prinzen, der ungeahnte Gefühle in ihr auslöst. Und der sie hassen würde, wüsste er, was sie für Fähigkeiten besitzt...

MEINE MEINUNG:
Gut geschriebene Klappentexte haben eine magische Wirkung auf mich: Obwohl Romantasy meistens nicht (mehr) mein Genre ist, versuche ich es bei tollen Ideen doch immer wieder, jedes Mal auf der Suche nach einer Perle. "Palace of Glass: Die Wächterin" klang nach einer eben solchen: Eine Welt, die mit den Schleppen und Outfits an "A Handmaid's Tale" erinnert und ebenso in einer Zukunft spielt, die in Sachen Gesellschaft wie das 19. Jahrhundert wirkt - solche Settings haben es mir einfach angetan. Leider macht das Buch aber genau damit relativ wenig und verstrickt sich lieber in den üblichen Klischees.

Protagonistin Rea ist, wie könnte es anders sein, natürlich mal wieder etwas ganz Besonderes. Sie ist eine Magdalena, die die Gedanken anderer durch Berührungen in Erfahrung bringen kann, was sie zu einer guten Untergrundkämpferin macht - aber nur ohne Handschuhe natürlich, was eigentlich verboten ist. Ihre Fähigkeiten sind eigentlich relativ interessant, nur hat sie ansonsten keinerlei Eigenschaften, die beeindrucken. Genauso verhält es sich auch mit Love-Interest Robin, dem Prinzen, der eine außerordentlich schwache Person ist und sich von Mutter und Vater alles vorschreiben lässt - unter anderem auch, Rea auszupeitschen, was diese aber gar nicht schlimm findet. Was ein Glück. Die Nebenfiguren wissen da schon ein wenig mehr zu überzeugen, insbesondere die geheimnisvolle und offene Comtess Ninon, aber da diese deutlich weniger Platz einnehmen als die Hauptfiguren, macht das nicht viel wett.

Während der Beginn mit Reas Geheimnis und ihrer Einführung in den Palast und ihre Arbeit noch ganz interessant ist, wird der Fantasyroman bald zu einer einfachen Liebesgeschichte. Rea und Robin schmachten sich gegenseitig an, wobei ich diese Anziehung so gar nicht nachvollziehen konnte - da ist keinerlei Chemie, erst recht nicht nach der Auspeitschung (nach der Rea ihre Schmerzen übrigens nur einfallen, wenn sie nicht gerade vom Prinzen berührt wird). Es werden immer wieder einige Dinge über Magdalenen erklärt und das Prinzip der Haut- und Seelengier, die diese Menschen nach Berührungen lechzen lässt, fand ich ich interessant. In diesem Zusammenhang taucht aber auch immer wieder eine "Kreatur" auf, die wohl Reas Wunsch nach Nähe ausdrücken soll, allerdings einfach permanent da ist und das auch in Momenten, in denen sie tatsächlich berührt wird. Ich bin hier nicht sicher, ob die Autorin eigentlich selbst weiß, was sie damit sagen möchte. Zum Schluss hin wird es wieder etwas spannender, dramatisch fast schon, aber die Geschichte hätte hier gut enden können. Band 2 und 3, in denen - geht man vom Klappentext aus - hauptsächlich die Liebesgeschichte künstlich verlängert wird, wären wohl prinzipiell keine Notwendigkeit gewesen.

FAZIT:
Das Romantasy-Genre ist überlaufen von Büchern, die irgendwie immer die gleiche Geschichte erzählen, und auch "Palace of Glass: Die Wächterin" bildet da leider keine Ausnahme. Blasse Figuren, eine langweilige Liebesgeschichte und wenig Spannung wissen nicht wirklich zu begeistern. 2 Punkte.

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Tags: berührung, bodyguard, kampf, palast, wache   (5)
 

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Die letzte Reise der Meerjungfrau

Imogen Hermes Gowar , Angela Koonen
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 29.03.2018
ISBN 9783431040821
Genre: Romane

Rezension:

"Fragen Sie Ihre Frau, Sir", sagt der Makler. "Sie wird das vollkommen verstehen."
Aber Mr. Hancock versteht schon selbst. Seine Frau - ja, sie gehört ihm. Das Haus, ja, in Kürze ebenfalls. Das Kind, von dem er träumte, könnte eines Tages leibhaftig vor ihm stehen. Aber wenn die Grotte ebenfalls ihm gehören wird, sollte er dies als besonderes Zeichen verstehen. Ein langsames, verwundertes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus, als er beregift, dass ihm das Haus mit der Grotte aus einem einzigen Grund gewährt wurde: Er wird auch eine Meerjungfrau bekommen.

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INHALT:
Als der Kapitän seines Schiffes statt mit der gewünschten Ladung mit einer toten Meerjungfrau zurück kommt, ist der Kaufmann Jonah Hancock erst einmal zutiefst verärgert. Doch Not macht erfinderisch, und so stellt er das Fabelwesen zur Ansicht aus - ohne mit dem kommenden Ansturm zu rechnen. Schließlich wird ihm eine unglaubliche Summe für die Sirene geboten, und plötzlich ist er ein gemachter Mann. Nun hat er alles, was er sich wünschen kann - aber zu seinem Glück fehlt ihm noch eine richtige Familie. Angelica Neal, Kurtisane von Stand, ist die Frau seines Herzens. Doch um sie für sich zu gewinnen, muss er ihr eine lebende Meerjungfrau schenken...

MEINE MEINUNG:
Das London des 18. Jahrhunderts - was für ein Schauplatz für einen Roman über Meerjungfrauen. Ist "Die letzte Reise der Meerjungfrau" überhaupt ein Buch über Meerjungfrauen? Es wird nicht ganz deutlich, mehr ist es wohl ein Gesellschaftsroman mit ganz leichten phantastischen Zügen. Klar ist aber, dass Debüt-Autorin Imogen Hermes Gowar einen unglaublich atmosphärischen Stil hat, der diese Stadt mit ihrer Atmosphäre, ihren Besonderheiten und ihren unterschiedlichen Bewohner auf eine so eindrückliche Weise zum Leben erweckt, wie man es selten erlebt. Erzählt wird hauptsächlich die Geschichte von Kaufmann Jonah Hanock und seiner Angebeteten Angelica Neal, aber auch Hancocks Nichte Sukie, die junge Prostituierte Polly und die Kupplerin Mrs. Chappell kommen zwischendurch zu Wort.

Es wird relativ schnell deutlich, dass von den beiden Protagonisten Angelica klar die stärkere ist. Zwar ist sie von ihrem Leben als Edelkurtisante verwöhnt und sie weiß wenig über das Führen eines Haushalts, ist sogar schon glatt arrogant in ihrer Unwissenheit - aber sie kennt es auch nicht anders und kämpft sich, als es wirklich drauf ankommt, mit deutlicher Willenskraft durch. Jonah Hancock hat dafür ein gutes Herz, macht sich ungern Feinde und greift und nur selten mal wirklich durch. Er lässt sich oft von anderen vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat, aber seine Güte lassen einen üft über seine Schwäche hinwegsehen. Sympathieträger ist jedoch eindeutig die quirlige und für ihr Alter trotzdem sehr reife Nichte Sukie. Allen Frauen des Buches ist gemein, dass sie - ob auf gute oder schlechte Weise - für ihr eigenes Leben kämpfen, und dass sie dennoch in den Erwartungen anderer Menschen und ihren eigenen Zwängen gefangen sind - so ist die Situation der gejagten und gefangenen Meerjungfrau wohl eine Allegorie auf eben jene Zustände, könnte man sagen.

Denn diese Nixe kommt viel weniger im Roman vor, als man das bei dem Titel vermuten könnte. Sie ist eher der Auslöser für alle Geschehnisse: Dass sich Angelica und Mr. Hanock kennen lernen, dass sie eine Meerjungfrau verlangt und dass er versucht, ihr diese zu beschaffen. Besonders im Mittelteil wird das Buch eindeutig ein Gesellschaftsroman, der aber durch einige Überraschungen begeistern kann. Erst zum Ende kommen wieder phantastische Elemente auf, die dafür wunderbar genutzt werden: Die Stimmung ist melancholisch, geradezu düster, hat aber ihren ganz eigenen Reiz. Es wird mit den eigenen Erwartungen gespielt, was teilweise anstrengend, aber auch mal etwas ganz anderes ist. Nur das Ende gerät dafür, dass alles zuvor so aussschweifend behandelt wurde, ein wenig zu kurz, vor allem weil zuvor ausführlich beschriebene Handlungsstränge einfach fallen gelassen werden - da hätten ruhig 30 Seiten des Beginns für den Schluss verwendet werden dürfen.

FAZIT:
"Die letzte Reise der Meerjungfrau" ist kein Fantasy-Roman und ganz anders als erwartet, aber er besitzt dafür eine besondere Atmosphäre und viele sehr unterschiedliche Charaktere. Allerdings war mir das Ganze zu Beginn zu langatmig, um dann am Ende zu kurz abgehandelt zu werden. Wer jedoch Lust auf einen Gesellschaftsroman mit phantastischen Elementen hat, die mehr eine Allegorie auf die Realität sind, ist hier gut beraten. 3,5 Punkte, aufgerundet auf 4.

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Tags: bordell, ehe, gesellschaft, kurtisane, liebe, london, meerjungfrau, melancholie, suche   (9)
 

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128 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

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Artemis

Andy Weir , Jürgen Langowski
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 05.03.2018
ISBN 9783453271678
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Ich stieß die Luke auf und stürzte hinein. Alles verschwamm mir vor den Augen, ich schnappte hektisch nach Luft. Mit einem Tritt verschloss ich die Luke, griff nach dem Notvorrat und riss den Sicherungsstift heraus.
Der Verschluss flog weg, und die Luft strömte in die kleine Kammer. Es ging so schnell, dass die Hälfte kondensierte und als Dampf in der Schleuse schwebte, weil die rasche Ausdehnung mit einer starken Abkühlung einherging. Beinahe ohnmächtig sank ich zu Boden.

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INHALT:

Jazz Bashara lebt in der einzigen Stadt auf dem Mond, Artemis, und hält sich bei den teuren Lebensbedingungen einigermaßen über Wasser, indem sie kleinere kriminelle Tätigkeiten ausführt. Ihr Ziel ist es, mit den anderen EVA-Meistern Ausflüge auf der Mondoberfläche ausführen zu dürfen, aber dafür braucht sie Geld für einen anständigen Raumanzug. Als ihr für einen Coup eine Million geboten wird, scheinen alle Sorgen vergessen, und sie nimmt das Angebot ohne zu zögern an. Doch der Plan geht nicht auf: Sie wird entdeckt und ihr Auftraggeber ermordet. Und nun sind die Täter hinter ihr her...

MEINE MEINUNG:
Zuerst im Selbstverlag erschienen, 2014 von einem Verlag gekauft, zum Bestseller geworden und von Ridley Scott verfilmt - das ist die Erfolgsgeschichte von Andy Weirs Debüt "Der Marsianer". Nach langen Jahren des Wartens legt er nun mit "Artemis" einen neuen Science Fiction- Roman vor, der wieder auf einem fremden Planeten spielt, dieses Mal auf dem Mond. Es wird versucht, vieles anders zu machen: Statt einem Überlebenskampf in unwirtlicher Umgebung geht es nun um einen fehlgeschlagenen Coup, statt eines männlichen Protagonisten haben wir eine weibliche Hauptfigur, und wir begleiten eine Riege von diversen Charakteren. Und doch scheint der Autor sein bestimmtes Schema nicht ablegen zu können, was irgendwann sehr anstrengend wird.

Jazz Bashara ist Muslimin, sie ist intelligent und gewitzt - und sie ist definitiv eigentlich ein Mann. Es ist schön, dass männliche Autoren einen anderen Blickwinkel einnehmen wollen und dass ein Sci-Fi-Roman aus eben diesem erzählt wird, aber hier tritt wieder der klassische Fall davon ein, dass ein Mann meint, aus der Sicht einer Frau schreiben zu können und gnadenlos daneben liegt.Die pubertären Witze haben bei Mark Watney funktioniert, aber sie tun es nicht bei Jazz, ihre ewige Reduktion auf ihren ach so vielen Sex nervt, und kaum eine Frau würde von sich denken, dass sie im T-Shirt eines Mannes schon "sehr sexy" aussieht. Dementsprechend ist für weibliche Leser eine Identifikation definitivsehr schwierig. Auch der Rest der Figuren ist von Diversität geprägt, aber gefühlt eher um genau dieser Diversität willen - bei Dale zum Beispiel, der offen schwul ist, was man daran merkt, dass er immer und immer wieder darauf hinweist. Charaktere sind Andy Weirs Schwäche, und das wird hier sehr deutlich.

Seine Stärke, die technischen und wissenschaftlichen Informationen und Details nämlich, spielt er dafür wieder aus - die Erklärungen sind anschaulich, die sich daraus ergebenden Handlungsstränge größtenteils interessant. Wenn man mal von der recht langatmigen ersten Hälfte absieht, in der beinahe nichts passiert. Erst nach dem Mord wird es spannender, als Jazz um ihr Leben fürchten und daher einen guten neuen Plan aushecken muss. Trotzdem gibt es immer wieder Längen, denn dieser Plan hat sehr viel, und ich meine wirklich sehr viel, mit Schweißen zu tun. Wo im Debüt des Autors jedes Kapitel mit einem fiesen Cliffhanger endete, treibt einen hier nicht so wirklich viel zum Weiterlesen an, und das ändert sich leider auch zu selten. Dafür gibt es einfach zu wenige neue Elemente und zu wenige Charaktere, die man wirklich ins Herz schließt. Es bleibt zu hoffen, dass Weir sich in seinem nächsten Roman wieder an seine Stärken hält.

FAZIT:
In "Artemis" versucht Bestseller-Autor, löblicherweise mehr Diversität bei seinen Figuren unterzubringen, vergisst darüber aber das Innenleben eben dieser. Zudem hat die Geschichte so einige Längen, wodurch an vielen Stellen kein richtiges Lesevergnügen aufkommen mag. 2,5 Punkte dafür, abgerundet auf 2.

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Tags: flucht, kriminell, mond, mord, plan   (5)
 

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124 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

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Die Gabe

Naomi Alderman , Sabine Thiele
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.02.2018
ISBN 9783453319110
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Wir schicken Elektrizität durch geregelte Schaltkreise und Schalter, doch sie will die Form eines lebenden Wesens annehmen, eines Farnkrautes, eines nackten Zweiges. Der Blitz schlägt in der Mitte ein, das Licht strebt nach außen.
Diese Form wächst in uns allen, unser innerer Baum aus Nerven und Blutgefäßen, inklusive Stamm und aller Äste. Die Signale werden von unseren Fingerspitzen über die Wirbelsäule ins Gehirn geleitet. Wir sind elektrisch. Die Gabe, diese einzigartige Kraft, lebt in uns, wie sie es auch in der Natur tut. Meine Kinder, alles, was hier geschieht, befindet sich im Einklang mit dem Gesetz der Natur.

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INHALT:
Bei manchen hat es sich schon länger angekündigt, bei anderen kam es ganz plötzlich und unerwartet: Junge Mädchen auf der ganzen Welt entwickeln auf einmal etwas, das bald "Die Gabe" genannt wird: Es ist ihnen möglich, Elektrizität mit ihren Fingern auszusenden, anderen Schmerzen zuzufügen, sie zu töten. Teilweise können die Mädchen es auch an erwachsene Frauen weitergeben, und damit kehrt sich nun das Altbekannte um: Jetzt sind die Männer das schwache Geschlecht und haben sich den Frauen unterzuordnen. Doch im Umschwung lassen Krieg und Gewalt nicht lange auf sich warten. Die Frauen, getrieben von Macht und Hass, scheinen die Welt nicht gerechter zu machen...

MEINE MEINUNG:

"Die Gabe" verfolgt ein Gedankenexperiment, das so interessant ist und so wichtig bei all den Geschlechterkämpfen, dass mich der Ideenreichtum schier umhaut. Gepriesen als neues "The Handmaid's Tale", von Margaret Atwood selbst gelobt - ein Roman also, der nicht nur unterhalten, sondern vor allem zum Nachdenken anregen will. Dafür gibt es auch verschiedene Perspektiven: eine skrupellose Politikerin; ein misshandeltes Mädchen, das als Gottheit verehrt wird; die Tochter eines Verbrechers; und ein nigerianischer Reporter, der von Anfang an dabei ist. Die Perspektiven sind allerdings leider etwas inkonsistent, teilweise sehr unterschiedlich im Spannungslevel - und auch der Stil verändert sich außer in den Dialogen recht wenig.

Bezeichnend ist, dass es keinen weiblichen Sympathieträger gibt. Bezeichnend besonders im Anbetracht dessen, was Frauen in der Vergangenheit erlebt haben und wie sie dies hier nun dagegen eintauschen, selbst Übel zu verbreiten. Natürlich schwelt im unterdrückten Geschlecht der Wunsch, auch selbst einmal Macht zu haben - aber diese Entwicklung zu brutalen Unterdrückern geht hier doch sehr schnell, und gegensätzliche Stimmen gibt es kaum. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie Margot als Politikerin ihre Kraft für den Aufstieg benutzt, gleichzeitig bringt sie die Geschichte aber auch wenig voran. Ausreißerin Allie verfolgt ihren eigenen Plan und nutzt dafür den religiösen Wahn, aber sie macht lange keine Entwicklung durch. Nur Roxy und Tunde, erstere getrieben von Rache und Verrat, letzterer von dem Wunsch, jemand zu sein, konnten mich in ihren Kapiteln eigentlich immer fesseln.

Insgesamt ist "Die Gabe" schwierig zu bewerten, vor allem als ein Buch, das mehr sein will als eine Dystopie. Es wirft sehr interessante Fragen auf und besitzt ein Szenario, das erschreckend ist - denn egal, welches Geschlecht die Macht besitzt, es wird nicht gerecht sein. Brutalität, Vergewaltigung, Verfolgung sind das Ergebnis, was teilweise schwer zu verkraften ist. Gleichzeitig bietet der Roman aber nicht einmal im Ansatz eine Lösung, es wird alles nur schlimmer, und dann fehlt auch noch der richtige Höhepunkt, der Umschwung, das Ergebnis. Eingebettet als Geschichtsroman eines Mannes in einer eben solchen von Frauen regierten Welt, funktioniert das nicht komplett. Zum Schluss fehlt einfach ein Knall, und das ist schade.

FAZIT:
Naomi Aldermans Idee ist so genial wie anders, weswegen "Die Gabe" trotz einiger Kritikpunkte ein Buch ist, was man gelesen haben sollte. Denn eine Herrschaft durch Frauen würde nicht automatisch alle Probleme lösen. Letztendlich fehlt aber einfach ein befriedigendes Ende. Knappe 3,5 Punkte.

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Tags: elektrizität, gewalt, hass, krieg, macht   (5)
 

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217 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 138 Rezensionen

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Für immer ist die längste Zeit

Abby Fabiaschi , Barbara Christ
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 21.03.2018
ISBN 9783810524799
Genre: Romane

Rezension:

Ich räuspere mich. "Weißt du, Eve, man sagt, die Zeit, die wir jetzt gerade durchmachen, nach der Beerdigung, wenn alle anderen weitergegangen sind, das ist die schwerste Zeit der Trauer."
"Ja, ach, ich finde, das ist kompletter Blödsinn", antwortet sie. Als ich auflache, fasst sie den Mut, weiterzusprechen. "Jeder Tag ist anders beschissen. Es wird nie aufhören."
Ich weiß nicht, ob es das Richtige ist, aber ich nicke zustimmend. Wie kann ich so tun, als hätte all das auch positive Seiten? Einzuräumen, dass alles beschissen ist, ist schon mal ein Fortschritt, denn immerhin sind wir uns einig.

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INHALT:
Die liebende Ehefrau und Mutter Maddy ist tot - vollkommen überraschend, womit sie ihre mitten in der Pubertät steckende Tochter und ihren immer zu viel arbeitenden Mann in eine tiefe Krise stürzt. Und dabei muss sie auch noch zusehen, denn sie ist nicht in den Himmel gelangt, sondern schwebt über der Welt. Ist das das Fegefeuer? Mitansehen zu müssen, wie sich ihre Familie gegenseitig zerfleischt, weil beide das Gefühl haben, mehr hätten tun zu können? Doch sie besitzt ein wenig Einfluss, wie sie feststellt. Und so beschließt sie, ihrem Mann eine neue Frau zu suchen und die Familie dadurch wieder zu kitten...

MEINE MEINUNG:

Tod, Verlust, Trauer und Vergebung - wichtige Themen, die die Menschen beschäftigen und immer wieder gern in Büchern aufgegriffen werden. Auch Abby Fabiaschi macht sich in "Für immer ist die längste Zeit" daran, diesen emotionalen Regungen nachzugehen. Sie erzählt ihre Geschichte aus drei Perspektiven: Die der toten Maddy, die ihrer Tochter Eve und die ihres Mannes Brady. Insbesondere die ersten beiden sind sich aber extrem ähnlich, was nach einer Pause beim Lesen schnell zur Verwirrung führen kann. Der Schreibstil ist dafür jedoch sehr angenehm und ruhig, durchsetzt von spritzigen Dialogen und schönen Beschreibungen.

Die drei Protagonisten sind einem größtenteils sehr sympathisch und vor allem ihre jeweilige Trauer - individuell ausgelebt - wird sehr realistisch dargestellt. Maddy vermisst ihre Familie, tut aber alles, um diese wieder auf den rechten Weg zu bringen. Eve ist ein zickiger Teenager und muss erst entdecken, was alles in ihr steckt. Und Brady will sich ein neues Ziel setzen, um seine Wutanfälle besser kontrollieren zu können. Besonders letzterer macht eine intensive Wandlung durch, die mir gut gefallen hat. Am spritzigsten und spannendsten ist aber dennoch Rory, die Frau, die Maddy als neue Ehefrau auserkoren hat, und die sich diesem Plan doch irgendwie recht stark widersetzt. Sie ist eine leidenschaftliche, humorvolle Person, die man nur ins Herz schließen kann.

Die ersten 100 Seiten sind beeindruckend sensibel und realistisch geschrieben: Die Hinterbliebenen leben aneinander vorbei, beide mit ihren eigenen Sorgen und Schuldgefühlen beschäftigt, während Maddy im Jenseits (oder kurz davor) alles daran setzt, ihre Familie wieder glücklich zu sehen. Danach tritt das Ganze aber erst einmal auf der Stelle, niemand kommt so recht voran und bis die von Maddy auserkorene Frau mal in das Leben von Kind und Mann tritt, sind etwa 150 Seiten vergangen. Zudem will die Autorin unbedingt bis zum Ende ein Geheimnis aus den Umständen des Todes machen, was seltsam ist, wo doch die Verstorbene selbst aus der Ich-Perspektive erzählt und ganz leicht Licht ins Dunkel bringen könnte. So wirkt das Ende, obwohl es einige tolle Weiterentwicklungen der Figuren gibt, relativ gehetzt und auch nicht ganz nachvollziehbar - insbesondere der Epilog, in dem noch einmal alte Figuren ausgegraben werden. Eine Kürzung im Mittelteil und dafür ein verlängerter Schluss hätten dem Ganzen wahrscheinlich gut getan.

FAZIT:
Abby Fabiaschi geht mit dem Thema Tod und Trauerbewältigung weitestgehend sensibel und realistisch um und die Entwicklung der Figuren ist schön mitanzusehen. Die zweite Hälfte weist aber Längen auf und die Heimlichtuerei um den Tod der Protagonistin ist anstrengend. Da hatte ich mir doch ein durchdachteres Ende erhofft. Letztendlich also gute 3 Punkte.

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Tags: jenseits, tod, trauer, trauerbewältigiung, verlust, wut   (6)
 

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59 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

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Wächter und Wölfe - Das Ende des Friedens

Anna Stephens , Michaela Link
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 15.01.2018
ISBN 9783734161308
Genre: Fantasy

Rezension:

Liris ist tot, und die Gesegnete ist bei dem Leichnam. Die Adlerhöhe hat keinen König mehr. Die Adlerhöhe ist verwundbar.
"Gosfath, Gott des Blutes, Dunkle Dame des Todes, ich danke Euch", flüsterte Corvus. "Ich schwöre, mich dieser Gelegenheit, die Ihr mir geboten habt, würdig zu erweisen. Alles, was ich tue, tue ich zu Euren Ehren." Einer der Häuptlinge drehte sich beim Klang seiner Stimme um, und sein Mund stand vor Staunen weit offen.
"Meine Füße sind auf dem Pfad", vollendete Corvus das Gebet. Er machte drei Schritte vorwärts, hob sein Schwert und begann zu töten. Der König war tot. Lang lebe der König.

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INHALT:
Der rilporischen Sklavin Rillirin gelingt nach Jahren der Gefangenschaft überraschend die Flucht vor den grausamen Mirak - doch ihre Überlebenschancen stehen denkbar schlecht. Der Seher Dom allerdings eine eine Prophezeiung, die ihre Wichtigkeit herausstelt, und rettet sie in letzter Sekunde vor ihren Verfolgern. Zum Glück, denn Rillirin hat so bedeutende wie erschreckende Informationen: Die Mirak planen einen Krieg und sie werden schon bald in die Städte Rilpors einmarschieren, um ihre verehrten Roten Götter - blutrünstige, folternde Herrscher - zurück in die Welt der Menschen zu holen. Und sollte ihnen das gelingen, würde die Erde in Blut versinken...

MEINE MEINUNG:
Anna Stephens' Debüt ist eindeutig der Dark Fantasy zuzuordnen und macht diesem Subgenre alle Ehre: Die Welt in "Wächter und Wölfe" ist unbarmherzig, blutig und brutal, auf schwache Gemüter könnten die ausführlichen Kriegsszenen abschreckend wirken. Gerade diese sind aber hier absolut realistisch - nichts mit kuscheligen Kämpfen und ein paar Toten. Etwas anstrengend sind die vielen Perspektiven, von denen es die Hälfte (und damit immer noch fünf) ebenfalls getan hätten. So kommen immer wieder eher uninteressantere Figuren zu Wort, und auch wenn die Kapitel meist kurz sind, nimmt einem das zwischenzeitlich den Lesespaß.

Am besten ausgearbeitet sind definitiv die Sklavin Rillirin, der Seher Dom, der Soldat Crys und die Wölfin Gilda und damit sind ihre Kapitel auch die spannendsten - sie alle beweisen auf unterschiedlichste Weise Stärke. Rillirin etwa, indem sie sich von der ängstlichen ehemaligen Gefangenen zur tatkräftigen Helferin verändert, oder Gilda, die in ihrer Güte und ihrem Glauben nie am Guten im Menschen zweifelt. Die Autorin konzentriert sich also intensiv auf das Innenleben der Figuren, was ein positiver Aspekt ist - vergisst aber dafür ungewöhnlicherweise komplett die Äußerlichkeiten. Es ist kaum möglich, sich eine Vorstellung von den Charakteren zu machen, weil man einfach so gut wie nichts über ihr Aussehen erfährt.

Ein ähnliches Problem hat auch das Worldbuilding, das man zwar bald besser kennen lernt und in den Grundzügen stimmig ist, ansonsten aber wenig ausgestaltet wird. Städte, Dörfer, das alles bleibt blass, was enttäuscht. Dafür gibt es viele andere Momente, in denen die Autorin ihre Stärken präsentiert: Den wuchtigen Kampfszenen etwa. Die ersten 170 Seiten plätschern noch etwas dahin, aber nach einem sehr überraschenden Plot Twist gibt es kein Halten mehr und vor allem keine einzige ruhige Minute - sowohl für die Protagonisten als auch den Leser. Es geht Schlag auf Schlag, eine Schlacht folgt auf die nächste und die Gegner scheinen immer einen Schritt voraus zu sein. Es ist eigentlich unmöglich, das Buch am Ende zuzuklappen und nicht direkt wissen zu wollen, wie es weitergeht. Band 2, der im Original noch 2018 erscheinen soll, wird bei der ausweglos erscheinenden Situation sicherlich einiges zu bieten haben - ich jedenfalls freue mich drauf.

FAZIT:
Wer harten Kämpfen und einem düsteren Weltentwurf eher weniger abgewinnen kann, wird mit Anna Stephens' Auftakt der "Wächter und Wölfe"-Trilogie nicht glücklich werden. Fans des Genres, die auf der Suche nach etwas Neuem sind, dürften aber wie ich begeistert sein von der vielen Action und dem hohen Spannungslevel. Teilweise bleiben die Figuren noch ein wenig blass und vor allem sind es ein paar zu viele, das trübt aber nicht meine Vorfreude auf Band 2. Knappe 4 Punkte!

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Tags: blut, flucht, glaube, götter, hass, kampf, krieg, tod   (8)
 

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79 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

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Ich bin nicht tot

Anne Frasier , Anu Katarina Lindemann
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.11.2017
ISBN 9783453439061
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Ich habe heute Nacht einen Menschen getötet", sagte sie. "Ich habe jemanden umgebracht, um zu dir zurückkehren zu können." Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und rannte davon.
Ihr ehemaliger Freund mit dem Namen, an den sie sich eben erst erinnert hatte, rief etwas hinter ihr her, aber sie lief einfach weiter. Zurück in die Dunkelheit. Und Gott mochte ihr beistehen, aber für ein paar kurze Augenblicke dachte sie tatsächlich darüber nach, zu dem Keller zurückzukehren - zu dem Verlies und zu dem toten Mann, bei dem sie sich fast schon wünschte, ihn nicht erschossen zu haben.--

INHALT:
Nach drei Jahren in Gefangenschaft ist es Detective Jude Fontaine gelungen, ihren Entführer und Peiniger zu überwältigen und sich in Sicherheit zu bringen. Doch zurück in der Wirklichkeit merkt sie schnell, dass sie auch hier keine Ruhe und Geborgenheit zu erwarten hat. Alles hat sich verändert, auch sie selbst. Doch sie ist fest entschlossen, zu ihrem Job als Polizistin zurückzukehren - gegen den Willen ihres neuen Partners Uriah Ashby, der sie für nicht zurechnungsfähig hält. Als sie zu einem neuen Fall gerufen werden, stellt sich jedoch heraus, dass Jude erstaunliche Fähigkeiten entwickelt hat: Sie kann Menschen lesen, was ihnen die entscheidenden Hinweise auf den Täter liefern könnte...

MEINE MEINUNG:
Im Genre der Thriller noch etwas Neues zu finden, erweist sich mittlerweile als relativ schwierig. "Ich bin nicht tot" nimmt als Ausgangsszenario eine Entführung, macht daraus dann aber etwas ganz anderes: Denn als Leser lernt man die Protagonistin nur im bereits gebrochenen Zustand nach den drei Jahren des Martyriums kennen, was so spannend wie erschreckend ist. Der Schreibstil ist teilweise etwas distanziert, aber lebendig in der Sprache und dadurch mitreißend, aber auch schonungslos.

Jude Fontaine ist sicherlich keine einfache Hauptfigur - bei dem, was sie erleiden musste, überrascht das nicht. Teilweise erscheint sie ein wenig zu tough, aber ihre Verletzlichkeit und das schlimme Trauma schimmern immer wieder durch. Ihre Willenskraft ist ein starker Charakterzug, der von der trotzdem vorhandenen Empathie für Opfer nur noch untermalt wird. Ihr Kollege und Partner Uriah Ashby hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen und traut ihr anfangs nicht. Er taut mit der Zeit auf, aber ein paar seiner Entscheidungen sind nur schwer nachzuvollziehen. Die Nebenfiguren bleiben leider ein bisschen blass und besonders der Täter entspricht durchaus dem Klischee, aber darüber lässt sich hinwegsehen.

Denn spannend ist das Ganze allemal. Neben den Morden an jungen Mädchen, die Jude und Uriah aufklären müssen - und die gut mit vergangenen Fällen verwoben werden - ist Jude auch auf der Suche nach dem Haus, in dem sie die drei Jahre festgehalten wurde, um endlich abschließen zu können. Leser sollten nicht zimperlich sein, denn einige Geschehnisse sind durchaus ziemlich brutal, und auch das, was der Protagonistin angetan wurde, lässt nicht kalt. Einige Verbindungen zum Ende hin konnte ich früh erahnen, andere wiederum haben mich überraschen können, sodass auch der Schluss größtenteils rund wirkt. Der Roman ist ein Einzelband - aber einem zweiten Teil wäre zumindest ich nicht abgeneigt.

FAZIT:
Anne Frasiers "Ich bin nicht tot" ist ein packender und teils durchaus brutaler Thriller, der mit den beiden Hauptfiguren und den Verbindungen zwischen einzelnen Fällen punkten kann. Ein paar Schwächen fallen da nicht stark ins Gewicht. Gute 4 Punkte!

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Tags: entführung, ermittlung, flucht, mädchen, mord, partner, suche   (7)
 

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104 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

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Weihnachten in Briar Creek

Olivia Miles , Yvonne Eglinger
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei LYX, 29.09.2017
ISBN 9783736305298
Genre: Liebesromane

Rezension:

[Sie] eilte [...] die Main Street hinauf zu ihrer Bäckerei und suchte im Vorübergehen die Straßen und Schaufenster nach dem Mann ab, der vorhin in sie hereingerasselt war. Der Zusammenstoß hatte sie dermaßen überrascht und verärgert, dass alles nur so an ihr vorbeirauschte, aber jetzt glaubte sie sich an sein breites Lächeln zu erinnern, die Lachfältchen um seine haselnussbraunen Augen, an das markante Kinn und die schöne, gerade Nase.
Sie hätte ihn jederzeit wiedererkannt, und plötzlich hoffte sie, dass sie ihm wirklich noch einmal begegnen würde. Um sich zu entschuldigen...und vielleicht auch, um herauszufinden, ob er über Weihnachten in der Stadt blieb.

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INHALT:
Es ist Winter in Briar Creek und damit hält auch der Weihnachtszauber Einzug. Die junge Kara hat vor wenigen Monaten ihre eigene Bäckerei eröffnet, und auch wenn sie diese Jahreszeit liebt, hat sie aufgrund der vielen Arbeit doch kaum Zeit, um sie wirklich zu genießen. Ganz anders ergeht es Nate, der für zwei Wochen seine Tante besucht: Er hat frei, für Weihnachten aber so gar nichts übrig und würde dem Trubel am liebsten aus dem Weg gehen. So gegensätzlich wie die beiden sind, sprühen doch schon bei der ersten Begegnung die Funken zwischen ihnen. Ob Weihnachtsbäckerin und Weihnachtsmuffel einen Weg zueinander finden werden?

MEINE MEINUNG:
In der Weihnachtszeit überkommt es auch mich: Da habe ich mal Lust auf eine locker-leichte Liebesgeschichte, die so richtig in winterlich-festliche Stimmung versetzt. "Weihnachten in Briar Creek" ist der letzte Band einer fünfteiligen Reihe und verspricht genau das. Ich bin komplett ohne Vorkenntnisse an den Roman herangegangen, was aber kein Problem ist, weil jeder davon von zwei anderen Protagonisten handelt. Erzählt wird das Ganze abwechselnd aus den Perspektiven der Turteltauben, der Schreibstil ist besonders in den Beschreibungen der Winterlandschaft zauberhaft - aber mehrmalige Wiederholungen einzelner Gegebenheiten sowie Unstimmigkeiten in den Beschreibungen (da ist der Teint erst blass, später dunkel) stören den Lesefluss.

Dafür hat die Autorin mit Kara aber eine wunderbar sympathische und liebenswerte Protagonistin geschaffen, die nach einer Vergangenheit als Wirbelwind, der nicht wusste, was das Leben bringen soll, zu sich selbst gefunden hat. Sie verfolgt ihren Traum von der eigenen Bäckerei eisern, wird aber selbstverständlich auch von Zweifeln geplagt. Nate ist schon eher von sich überzeugt, denn als erfolgreicher Geschäftsmann meint er, alles im Leben erreicht zu haben. Dass dem eventuell nicht so ist, stellt er erst in Briar Creek fest. Er ist ein netter Kerl, zieht aber oft voreilige Schlüsse und sein Weihnachts-"Trauma" fand ich recht weit hergeholt. Für die amüsantesten Momente sorgen definitiv die unterschiedlichen Stadtbewohner, die zum großen Teil natürlich einem gewissen Klischee entsprechen (die quirlige Schwester, die kuppelnde Tante, etc), aber auch immer wieder für Frische sorgen.

Dieser Roman ist eine Weihnachts-Romanze, damit habe ich gerechnet, und daher war ich positiv überrascht, wie viel Zeit sich mit der Liebesgeschichte gelassen wird - so können sich die Gefühle langsam entwickeln, Leser mit beiden Figuren warm werden und nichts wirkt überhastet. Gleichzeitig wird aber auch der "Konflikt" (dass Nate eigentlich in Boston lebt) arg ausgewalzt, was zu Wiederholungen und Längen führt. Zudem werden sehr unpassend noch kleinere Sequenzen aus der Perspektive von Karas Schwester eingestreut, die so gar keinen Mehrwert für die eigentliche Geschichte haben und dann am Schluss plötzlich ganz einfach fallen gelassen werden. Sowieso ist die Auflösung des ganzen Liebesdramas viel zu knapp und kommt sehr überraschend, ohne den Weg dorthin wirklich auszugestalten, was ein wenig enttäuscht. Nach Schnee sehnt man sich nach dem unvermeidlichen wie schönen Happy End aber trotzdem irgendwie.

FAZIT:
"Weihnachten in Briar Creek" ist, das sagen Titel und Cover schon ganz deutlich, eine winterliche Romanze mit einer Prise Kitsch und ganz viel Zärtlichkeit. Tatsächlich entwickelt sich die Liebesgeschichte angenehm langsam und bleibt so glaubwürdig - die Dramen waren mir dann aber doch ein wenig zu viel und das Ende wurde mir viel zu kurz abgehandelt. Insgesamt knappe 3,5 Punkte.

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Tags: familie, feiertage, gemeinschaft, konflikt, liebe, schnee, weihnachten, wettbewerb   (8)
 

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225 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

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Die Blutkönigin

Sarah Beth Durst , Michaela Link
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 30.10.2017
ISBN 9783764531881
Genre: Fantasy

Rezension:

"Warum?", fragte Daleina. "Warum hilfst du mir?"
Sie zuckte mit den Schultern und vermied es, Daleina in die Augen zu sehen. "Während des ganzen Unterrichts bist du die Einzige gewesen, die es gewagt hat, eine Frage zu stellen, die Einzige, der das Lernen wichtiger war, als ein abgerichteter Affe von denen zu sein und blöde Examen zu bestehen. Offen gesagt, ich brauche jemanden zum Reden, und du bist die Einzige, die zumindest ein Fünkchen Grips im Kopf zu haben scheint."
Daleina musterte sie. Sie ist einsam, ging es ihr durch den Kopf. "Danke."
"Sicher, angesichts deines Mangels an Talent wird dir bestimmt nur ein kurzes Leben beschieden sein, aber ich werde deine Gesellschaft genießen, bis zu in Fetzen gerissen wirst."
Daleina wiederholte: "Danke", etwas weniger dankbar. Dann schlossen sie sich den anderen Schülerinnen an, um zu hören, wer bestanden hatte und wer durchgefallen war.

--

INHALT:
Das Land Renthia ist von Geistern bevölkert, die nur zwei Dinge im Sinn haben: Erschaffen und Zerstören. Um diese beiden Ziele in Einklang zu bringen, braucht jedes Königreich eine Königin, die die Geister kontrolliert. Nur Frauen besitzen die Gabe, sie zu befehligen - und als die junge Daleina aus dem Königreich Aratay ihre Familie vor einem Geister-Angriff bewahrt, wird deutlich, dass auch sie mit dieser Fähigkeit gesegnet ist. Und sie ist eine der Auserwählten, die eine der Akademien für Thronanwärterinnen besuchen dürfen. Allerdings ist sie ganz eindeutig nicht die Beste und so stehen ihre Chancen, jemals Königin zu werden, denkbar schlecht. Jedenfalls bis sie von einem Meister erwählt wird, der sie ausbilden will: Es ist Ven, der vor Jahren von der amtierenden Königin verraten wurde...

MEINE MEINUNG:
Es ist lange her, dass ich das letzte Buch von Sarah Beth Durst gelesen habe - aber ihr bildlicher Schreibstil und ihre phantastischen wie originellen Ideen sind mir im Gedächtnis geblieben. Sie schreibt keine konventionellen Fantasy-Romane, die nach bewährtem Schema ablaufen, und das wird auch in "Die Blutkönigin" schnell deutlich. High Fantasy für junge Leser hat oft einen faden Beigeschmack, weil sich statt auf das Worldbuilding mehr auf die Liebesgeschichte konzentriert wird. Zum Glück ist das hier nicht der Fall: Der packende Schreibstil zieht einen schnell in eine Geschichte voller Überraschungen und großartiger Ideen. Und mit der jungen Daleina und ihrem Mentor Ven gibt es zwei Protagonisten, die man sehr gern begleitet.

Daleina ist bei weitem nicht diese "besondere" Hauptfigur, die alles kann und von jedem bewundert wird. Im Gegenteil - sie ist die wahrscheinlich am wenigsten talentierte Kandidatin. Doch was sie nicht an Fähigkeiten vorweisen kann, macht sie durch Intelligenz, Mut und Persönlichkeit wett. Sie hat Fehler, aber sie versucht immer, Gutes zu bewirken, und das macht sie sehr sympathisch. Meister Ven ist ein tief enttäuschter Mann, der seiner Vergangenheit mit der Königin nachhängt, ihr aber auch des Öfteren die Stirn zu bieten vermag. Er ist streng und unnachgiebig, aber mit seiner fürsorglichen Art dennoch etwas wie ein Ziehvater. Durch die Tatsache, dass nur Frauen Oberhaupt der Königreiche von Renthia werden können, sind die Charaktere zum größten Teil weiblich - eine tolle Abwechslung. Zugegeben, Daleinas Freundinnen konnte ich nicht alle auseinander halten, das ist zum Teil aber auch der Fülle geschuldet. Und Zickenkrieg sucht man vergebens: Selbst die talentierte und hochnäsige Merecot ist insofern keine Konkurrenz für Daleina als dass sie einander trotzdem helfen - auch ungewöhnliche Freundschaften werden geschlossen, was wunderbar zu lesen ist.

Mit den Geistern, die die Welt instand halten und gleichzeitig die Menschen töten wollen, hat die Autorin ein abstraktes Konstrukt entworfen, das sie großartig erklärt. Noch viel besser gefällt aber ihre Welt: Denn die Bewohner Aratays leben in den Bäumen, in den Kronen und Ästen werden Häuser gebaut, verbunden sind einzelne Städte durch Brücken und Seildrähte - eine wunderbare Idee, die eine besondere Naturverbundenheit porträtiert. Der Leser begleitet Daleina während ihrer Ausbildung in der Akademie und bei Meister Ven, wobei sie dem Tod mehr als einmal knapp entkommen muss. Das Leben mit und unter Geistern ist gefährlich, und so ist es kein Wunder, dass man sich mehr als einmal von liebgewonnenen Figuren verabschieden muss. Es gibt eine kleine Liebesgeschichte, die aber nur einen Bruchteil der Handlung einnimmt (fast schon wieder zu kühl wirkt), ansonsten wird sich komplett auf Daleina und ihr Ziel konzentriert. Ein paar kleinere Längen im Mittelteil werden zum Glück immer wieder von actionreichen Szenen aufgelockert - und der Schluss ist erschreckend, überraschend und absolut konsequent. Band 2 handelt von einer anderen Protagonistin und man darf gespannt sein, wie die Geschichte weiter gesponnen wird.

FAZIT:
Sarah Beth Durst hat sich in "Die Blutkönigin" eine umwerfende Welt erdacht, die einen schnell in ihren Bann zieht. Viele neue Ideen und starke wie liebenswerte Frauen runden das Bild ab. Bis auf ein paar kleinere Längen ein echtes Lesevergnügen. Sehr gute 4 Punkte!

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Tags: ausbildung, bäume, gefahr, geister, kampf, königin, tod   (7)
 

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536 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 103 Rezensionen

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Iskari - Der Sturm naht

Kristen Ciccarelli , Astrid Finke
Fester Einband
Erschienen bei Heyne, 02.10.2017
ISBN 9783453271234
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Abrupt wandte sie sich von dem Ausblick ab und hob die Säbel auf. Sie spürte den Blick ihrer Cousine im Rücken. Dieses Mal sprach Safira die Frage, die ihr auf der Zunge lag, nicht aus. Das hieß jedoch nicht, dass Asha sie nicht hörte.
"Sobald es vorbei ist, erzähle ich dir alles", sagte sie deshalb. "Versprochen."
Safira würde ihr Geheimnis nicht verraten. Daran hegte sie nicht den geringsten Zweifel. Aber wenn der Drachenkönig herausfand, dass Safira von den verbotenen Handlungen seiner Tochter gewusst hatte, wäre das ihr Ende. Asha durfte ihre Cousine nicht in eine Lage bringen, die noch mehr Gnade vom König erforderte - denn mehr Gnade konnte er ihr einfach nicht gewähren.
Je weniger Safira wusste, desto besser war sie geschützt.

--

INHALT:
Asha, Tochter des Königs, leidet unter schrecklichen Schuldgefühlen: Als Kind hat sie mit verbotenen Geschichten den gefährlichsten aller Drachen, Kozu, herbei gelockt, der mit seinen Flammen viele Menschen getötet und ihren eigenen Körper zu einem Drittel verbrannt hat. Von den Bewohnern des Königreichs wird sie daher gefürchtet und gehasst. Um ihre Tat wieder gut zu machen hat sie sich einer großen Aufgabe verschrieben: Alle noch übrigen Drachen zu töten und die Gefahr damit zu bannen. Sie ist auf dem besten Wege, ihr Ziel zu erreichen, aber immer wieder kommen ihr ihre Sorgen über die bevorstehende Vermählung mit dem grausamen Jarek in die Quere. Doch dann bietet ihr Vater ihr einen Ausweg: Wenn sie Kozu tötet, sagt er die Hochzeit ab. Asha weiß, dass dies ihre einzige Chance ist. Aber nachdem sie sich mit dem Sklaven Torwin verbündet hat, kommen ihr Zweifel an der Mission und an allem, was sie geglaubt hat zu wissen...

MEINE MEINUNG:
High Fantasy ist auch im Jugendbuchbereich immer mehr auf dem Vormarsch, enttäuscht aber oft durch unausgereiftes Worldbuilding und ein zu großes Augenmerk auf die Liebesgeschichte. Nicht so "Der Sturm naht", Band 1 der "Iskari"-Trilogie von Kristen Ciccarelli, deren von Drachen bevölkerte und von alten Geschichten und Bräuchen bestimmte Welt einen schnell in den Bann zieht. Und das, obwohl ich persönlich Drachen normal sterbenslangweilig finde. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, voller wunderbarer Details, und insbesondere die eingewobenen alten Sagen, die die Welt ein wenig erklären, wissen zu begeistern.

Asha ist nicht unbedingt eine einfache Protagonistin. Aufgewachsen unter dem Einfluss ihres Vaters, der alle alten Bräuche auslöschen will, und überzeugt von ihrer Schuld, sträubt sich sich gegen jeden aufkommenden Zweifel. Das wird zwischenzeitlich anstrengend, ist aber nichtsdestotrotz verständlich und vor allem macht sie auf diese Weise eine sehr glaubwürdige Entwicklung durch. Love-Interest Torwin, Sklave ihres Verlobten, erscheint dagegen erst einmal blass und lange ohne eigene Ambitionen und Wünsche. Auch zum Ende hin hat er noch Merkmale des typischen Manic Pixie Dream Boys, aber aufgrund seiner liebevollen Art und weil er sich nicht alles gefallen lässt, schließt man ihn dennoch ins Herz. Während Kommandant Jarek ein relativ klischeehafter Fiesling ist, können Nebencharaktere wie Ashas starke und kämpferische Cousine oder ihr zart wirkender, aber Pläne schmiedender Bruder punkten, sodass der Roman von einer Riege lebendiger und fast durchweg gut charakterisierter Figuren bevölkert wird.

Nach einem starken Beginn, der Asha in Aktion während eines Kampfes mit einem Drachen zeigt, wird der Leser erst einmal in die Welt und ihre Eigenheiten eingeführt. Bis sich die Protagonistin tatsächlich mit dem Sklaven Torwin verbündet und einigen Geheimnissen auf die Spur kommt, dauert es so seine Zeit, aber spätestens ab der Hälfte zieht das Tempo richtig an. Die Charaktere sind eigentlich permanent unterwegs und schmieden Pläne oder geraten in Gefahr, sodass keine Langeweile aufkommt. Romantik ist vorhanden, entwickelt sich aber wunderbar langsam, wodurch sie die Geschichte perfekt unterschützt, anstatt sie zu verdrängen. Einige Entwicklungen konnte man schon früh vorhersagen, aber Schreibstil und Dialoge machen das wieder wett. Das Ende ist in sich recht geschlossen, lässt aber noch Stränge für die folgenden Bände offen - die sicherlich erneut einiges zu bieten haben.

FAZIT:
Ich bin kein Fan von Drachen und trotzdem mochte ich den ersten Band der "Iskari"-Trilogie sehr gerne - das sagt einiges aus. Kristen Ciccarelli hat keine völlig neue, aber dafür eine schöne und mitreißende Geschichte erschaffen. Ich freue mich schon darauf, im September kommenden Jahres wieder mit Asha auf die Reise gehen zu können. Sehr gute 4 Punkte!

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Tags: drachen, fluch, flucht, geheimnis, wahrheit   (5)
 

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166 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

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Turtles All the Way Down

John Green
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Penguin, 10.10.2017
ISBN 9780241335437
Genre: Jugendbuch

Rezension:

She told me she wanted to see me in ten days. You can kind of measure how crazy you are based on how soon they want to see you back. Last year, for a while, I'd been at eight weeks. Now, less than two.
On the walk from her office to Harold, I looked up the case report. That woman, she did have a fever. I told myself to feel relieved, and maybe I did for a little while, but by the time I got home, I could hear the whisper starting up again, that something was definitely wrong with my stomach since the gnawing ache wouldn't go away.
I think, You will never be free from this.
I think, You don't pick your thoughts.
I think, You are dying, and there are bugs inside of you that will eat through your skin.
I think and I think and I think.
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INHALT:
Die junge Aza ist eigentlich viel zu sehr mit sich selbst und ihren Zwangsstörungen beschäftigt, um sich Gedanken um den verschwundenen Milliardärr Russell Pickett zu machen. Doch ihre beste Freundin Daisy möchte unbedingt die Belohnung von hunderttausend Dollar einstreichen, und da sie weiß, dass Aza einmal mit Picketts Sohn Davis befreundet war, überredet sie sie zu einem Ausflug. Tatsächlich entdecken die beiden auch eine kleine Spur - vor allem aber entdeckt Aza alte Gefühle für Davis wieder. Aber als ihre Angstzustände schlimmer werden, fragt sie sich, ob sie für solch eine Beziehung überhaupt bereit ist...

MEINE MEINUNG:
Lange mussten wir auf John Greens neuen Roman warten - fünf Jahre, um genau zu sein. Es ist schwierig, nach einem solchen Erfolg wie es der letzte einer war, wieder anzuknüpfen, aber mit "Turtles All the Way Down" ist ihm das durchaus gut gelungen. Erneut erzählt er eine Geschichte aus der Sicht eines jungen Mädchens und erneut funktioniert das überraschend gut. Fans seines metaphorischen, lyrischen und manchmal etwas geschwollenen Stils kommen auch hier wieder auf ihre Kosten; wer ihn nicht mag, lässt besser die Finger davon. Die Dialoge sind gewohnt spritzig, ein bisschen abstrus und mal berührend, mal urkomisch - ganz John Green also.

Aza ist eine Protagonistin, die sich stark von anderen abhebt. Sie ist kein liebenswürdiges junges Mädchen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Stattdessen hat sie viel schwerwiegendere Probleme, denn ihre Angstzustände und Zwangsstörungen bestimmen einen Großteil ihres Lebens - weswegen sie unbewusst und ungewollt egoistisch handelt, da sie ihre Sorgen ganz einfach nicht abstellen kann. Sie ist trotzdem sympathisch und versucht sich zu ändern, auch wenn das nicht so einfach funktioniert. Ihre beste Freundin Daisy ist diejenige, die mit ihrer frischen und wilden Art nicht nur für die witzigsten Momente sorgt, sondern sie ist auch Azas Stützpfeiler. Sie ist immer für ihre Freundin da, nimmt aber auch nicht alles einfach so hin. Und dann ist da noch Davis: Deutlich weniger ein Manic Pixie Dream Boy ohne eigene Ambitionen als es noch Augustus war (so sehr ich ihn auch mochte). Er kümmert sich um seinen Bruder und möchte nur einmal nicht wegen seines Geldes, sondern wegen seiner Persönlichkeit gesehen werden, weswegen man ihn sehr schnell sehr gut leiden kann.

Das Buch beginnt und endet großartig - wir begleiten Aza auf ihrer Reise durch ihre Gedanken, bei dem Versuch, eine normale Beziehung zu führen und den richtigen Weg für sich zu finden. Aufhänger für all das ist das Verschwinden des Milliardärs und das ist auch das größte Problem: Es ist eben nur ein Aufhänger. Es gibt eigentlich keine wirklichen Versuche, Davis' Vater überhaupt zu finden. Das ist prinzipiell nicht schlimm, weil es genug andere Themen gibt, die auch gut behandelt werden - nur wird dadurch dieser kleine Kriminalfall sehr in den Hintergrund gedrängt und erschien mir vor allem am Schluss nur noch wenig plausibel. Dafür merkt man deutlich, wie viel Ahnung der Autor vom Thema Zwangsstörungen hat, denn Azas Probleme werden sehr sensibel und vor allem erschreckend realistisch geschildert. Es passiert gar nicht so viel, aber durch die wunderschöne Erzählweise - inklusive, natürlich, einer Menge toller Zitate - vergehen die Seiten wie im Fluge. Ein für den Autor typisches Ende rundet das Ganze ab, und auch, wenn das Ganze nicht perfekt war, hat es sich für die Reise mit Aza doch auf jeden Fall gelohnt.

FAZIT: 
Die Wartezeit auf John Greens neuen Roman hat sich gelohnt. "Turtles All the Way Down" beschäftigt sich nicht nur mit der ersten Liebe, sondern dem wichtigen und bisher nur selten repräsentierten Thema der Zwangsstörungen. Allerdings wird die Ausgangssituation für alle Ereignisse nur geringfügig behandelt, was ich schade fand. 4 Punkte! 

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Tags: angstzustände, erste liebe, freundschaft., suche, verlust, verschwinden, zwangsstörung   (7)
 

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1.264 Bibliotheken, 60 Leser, 1 Gruppe, 164 Rezensionen

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Das Lied der Krähen

Leigh Bardugo , Michelle Gyo
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.10.2017
ISBN 9783426654439
Genre: Fantasy

Rezension:

"Wir kommen von Norden, wie geplant", sagte Kaz.
Jesper ließ den Kopf gegen den Schiffsrumpf sinken und sah zum Himmel. "Fein. Aber wenn Pekka Rollins uns alle umbringt, dann werde ich Wylans Geist dazu bringen, meinem Geist beizubringen, wie man Flöte spielt, nur damit ich euren Geistern so richtig auf den Geist gehen kann."
Brekkers Lippen zuckten. "Dann heuere ich Matthias' Geist an, um deinem Geist in den Arsch zu treten."
"Mein Geist wird keinen Umgang mit deinem Geist haben", antwortete Matthias steif, und dann fragte er sich, ob die Seeluft sein Hirn langsam auflöste.

--

INHALT:
Ketterdam ist nicht nur eine lebendige Hafenstadt voller Touristen und Kaufmänner, sie ist auch Brutstätte für allerlei zwielichtige Personen, die vor allem darauf aus sind, anderen ihr Geld abzuknöpfen. Kaz Brekker gehört zu eben diesen zwielichtigen Personen und ist der Anführer der Bande der Dregs, die sich mit ihrer Gewieftheit bereits einen Namen gemacht hat. Als er eines Tages einen überaus lukrativen, aber auch eigentlich unmöglichen Auftrag erhält, ist sein Ehrgeiz geweckt. Gemeinsam mit fünf sehr unterschiedlichen Helfern entwirft er einen Plan, um in das am Besten bewachte Gefängnis überhaupt einzubrechen. Sie alle verfolgen ihre ganz eigenen Ziele, müssen aber trotzdem zusammen halten, wollen sie überleben. Das allerdings ist deutlich leichter gesagt als getan...

MEINE MEINUNG:
Ich bin nicht die Erste, aber ganz sicher auch nicht die Letzte, die sich ein eigenes Bild machen musste vom "Lied der Krähen", das in die Buchwelt eingeschlagen hat wie selten ein Fantasy-Roman zuvor. Die "Grischa"-Reihe von Leigh Bardugo, die im selben Universum spielt, habe ich nicht gelesen, aber zum Glück kann die "Glory or Grave"-Dilogie auch ohne Vorwissen richtig Spaß machen. Erzählt wird sie aus insgesamt fünf Perspektiven, wobei Bandenführer Kaz jedoch am Häufigsten zu Wort kommt. Diese Art der Erzählung hätte bei anderen schnell verwirrend sein können, die Autorin meistert sie aber beeindruckend gut. Der Schreibstil ist wunderbar bildlich, voller Gerüche und Geschmäcker und Gefühle, was dazu beiträgt, dass einen die Atmosphäre schnell gefangen nimmt. Am meisten überzeugen können aber die sehr glaubwürdigen, mal schlagfertig-witzigen, mal gefühlvollen, mal von Zorn getriebenen Dialoge, die einen die Charaktere auch außerhalb ihrer eigenen Perspektiven gut kennen lernen lassen.

Nachdem in letzter Zeit in Fantasy-Romanen aufopferungsvolle, immerzu verliebte und damit sehr langweilige Figuren auf dem Vormarsch zu sein scheinen, sind die verschiedenen, oft ambivalenten Figuren hier eine echte Erfrischung. Es gelingt das Kunsstück, dass man die Charaktere im einen Moment nicht leiden kann, nur um sie kurz darauf zu lieben, weil sie so menschlich sind: Der egoistische, gefährlich lebende Kaz Brekker, der ein altes Trauma mit sich herumschleppt; der spielsüchtige Adrenalinjunkie Jesper; die unglaublich leise und doch so starke Inej; der auf Rache sinnende Hexenjäger Matthias; und die magisch begabte, von Schuldgefühlen geplagte Nina. Der sechste Hauptcharakter, Bombenbauer und Kaufmannssohn Wylan, kommt nicht selbst zu Wort, aber durch die Augen der anderen hat man nichtsdestotrotz das Gefühl, ihn zu kennen. Diese unterschiedlichen Protagonisten mit ihren Geheimnissen und dunklen Vergangenheiten sind das, was das Buch so besonders macht, auch wenn für Nebenfiguren dann schon fast kein Platz mehr ist. Einzig und allein gestört hat mich, dass alle Personen so unfassbar jung sind, was ihren vielen Taten und Errungenschaften manchmal die Glaubwürdigkeit nimmt.

Anfangs brauchte das Buch für mich einige Zeit, um seine volle Wirkung zu entfalten - Ketterdam ist düster und dreckig und sehr komplex, und nicht nur muss man sich in dieser Stadt zurechtfinden, sondern auch mit den Gegebenheiten. Das bessert sich aber irgendwann und spätestens, wenn man die Figuren zu verstehen beginnt und sich an sie bindet - ob man will oder nicht -, kommt man kaum noch zur Ruhe. Trotz vieler Rückblicke wird es nie langweilig, denn gerade durch das Verständnis für Motive und Hintergründe kann man auch jeweilige Entscheidungen besser nachvollziehen. Richtig großartig wird es dann aber auf den letzten 200 Seiten, als der Coup, den die Sechs durchführen wollen, in vollem Gange ist und es nicht nur zu so einigen brenzligen Situationen kommt, sondern auch zu großen Überraschungen, die atemlos zurücklassen. Dabei hofft und bangt man gemeinsam mit den Figuren, nicht nur wenn es ums Überleben geht, sondern auch im Bezug auf die ein oder anderen tieferen Gefühle. Es gibt langsam schwelende und dennoch sehr intensive Romantik, die sich nie in den Vordergrund drängt und gerade deswegen so überzeugend ist. Der Schluss ist actionreich, unerwartet und lässt einem mit dem Gefühl zurück, dass Band 2 noch viel epischer wird - und wenn man den Kritiken glauben darf, trügt dieser Eindruck nicht.

FAZIT:
Epische Fantasy mit durchdachten Figuren, die einem trotz - oder gerade wegen - ihrer Ecken und Kanten ans Herz wachen, das ist "Das Lied der Krähen". Die ideenreiche Geschichte mit viel Action brauchte bei mir etwas Anlaufzeit, konnte mich dann aber überzeugen. Band 2, "Crooked Kingdom" gibt es im Original bereits - und wird hoffentlich auch bald übersetzt. Sehr gute 4 Punkte.

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Tags: dieb, einbruch, gefängnis, phantom, plan   (5)
 

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711 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 142 Rezensionen

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Bird and Sword

Amy Harmon , Corinna Wieja
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei LYX, 26.10.2017
ISBN 9783736305489
Genre: Fantasy

Rezension:

Corvyn kniete neben mir nieder und stöhnte entsetzt auf. Ich hob meinen Kopf von Larks Ohr und schaute ihm in die grauen Augen, in denen Tränen der Angst standen. Ich musste ihm Stärke geben und dafür sorgen, dass er glaubte, und sei es nur, damit er selbst überlebte. Ich konzentrierte mich auf das, was gesagt werden musste. Die Macht meiner Worte ergoss sich auf die Pflastersteine. "Verbirg ihre Worte, Corvyn. Denn wenn sie stirbt ... wenn ihr auch nur ein Haar gekrümmt wird, dann wird dir dasselbe Schicksal blühen."
Seine Augen weiteten sich vor Schreck, als sich meine schlossen und die Worte und die Welt um mich herum verstummten.
--

INHALT:
Seit dem Tod ihrer Mutter ist die junge Lark nicht mehr in der Lage, zu sprechen oder ihre Magie zu wirken. Das ist auch besser so in einem Land, in dem Magische bestraft werden. So wächst Lark bei ihrem lieblosen Vater auf und fühlt sich wie in einem goldenen Käfig. Im Hintergrund tobt ein Krieg, doch davon bekommt sie kaum etwa mit - bis sie eines Tages Besuch von König Tiras erhalten, der Lark in Geiselhaft nimmt, um ihren Vater an dessen Kriegspflichten zu erinnern. Die dickköpfige Lark und der geheimnisvolle Tiras kommen anfangs nicht gut miteinander aus, doch bald finden sie Gemeinsamkeiten, entwickeln sogar Zuneigung füreinander. Als der Krieg sich ausweitet und Lark ihre Gabe neu entdeckt, scheint es, als wären sie gemeinsam die Einzigen, die die Gefahr aufhalten können.

MEINE MEINUNG:

Amy Harmon ist eigentlich eher für ihre - durchaus in die Tiefe gehenden - Liebesromane bekannt, wagt sich mit "Bird & Sword" aber nun ins Genre der Fantasy vor. Man bemerkt jedoch sehr schnell, dass sie zwar interessante phantastische Ideen hatte, das Hauptaugenmerk aber entschieden auf die Romantik gelegt hat. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Lark, die über einen Großteil des Buches hinweg nur ohne (gesprochene) Worte mit anderen Charakteren kommunizieren kann, was sehr interessant zu lesen ist.

Lark ist anfangs eine sehr starke Protagonistin, die sich trotz ihrer Stummheit zu helfen weiß, die sich nichts sagen lässt und vor Wissensdurst nur so strotzt. Letzteres ändert sich nicht, ihre Neugier behält sie bei, doch in Anwesenheit von Tiras verwandelt sich sich im Laufe der Handlung immer wieder in ein nichtsnutziges Prinzesschen. Dass ihr Traumprinz ihr mehrmals mitteilt, dass sie ihm "von Nutzen" ist und lernen soll, "ihm zu Gefallen zu sein", stört sie zwar, aber anstatt sich ihm entgegen zu stellen, lässt sie so mit sich umgehen. Tiras hat mir das auch nicht unbedingt sympathisch gemacht - auf den letzten 100 Seiten macht er zwar eine positive Entwicklung durch, sein sexistisches Macho-Gehabe fand ich aber dennoch so gar nicht attraktiv. Der misstrauische und sich selbst verleugnende Kjell und der liebevolle Troll Boojohni sind eindeutig die interessantesten Figuren, erhalten aber viel zu wenig Aufmerksamkeit. Andere Charaktere, insbesondere Frauen, sind ansonsten, wie so oft, leider nur Beiwerk, maximal Konkurrentinnen, damit auch ja niemand Lark das Rampenlicht stiehlt.

Leider hat "Bird & Sword" genau das Problem, was auch viele andere High Fantasy-Romane in letzter Zeit haben: Es ist einfach keine wirkliche High Fantasy, sondern mehr ein schwaches Gerüst, das um die Liebesgeschichte herum gebaut wurde. Informationen zum Königreich gibt es so gut wie gar keine, weil sich Lark zuerst die ganze Zeit bei ihrem Vater und dann in Tiras' Schloss aufhält. Irgendwo herrscht Krieg, aber die Kampfszenen, die wir miterleben dürfen, werden sehr schnell abgehandelt, damit sich der König - der enorm viel Zeit hat - wieder Lark widmen kann, um ihr beispielsweise Lesen beizubringen. Larks Entwicklung ist spannend und ihre Gabe durchaus faszinierend, allerdings wird nicht erklärt, warum sie so anders ist als die anderen magischen Fähigkeiten der Bevölkerung. Am Schlimmsten sind aber die Logikfehler, die so einfach hätten vermieden werden können: Etwa ein Mordanschlag auf den König, der nie aufgeklärt wird, oder dass sich eine Gegenspielerin mit dem großen Antagonisten verbünden konnte, obwohl niemand wusste, wer er ist. Einem Lektorat hätten all diese kleinen Schnitzer eigentlich auffallen müssen. Der Showdown wird erneut nur sehr kurz behandelt, der große Bösewicht auf wenigen Seiten getötet und danach ist alles gut - bei der Ausgangssituation hätte man mehr erwarten können.

FAZIT:
Amy Harmon kann schreiben, das beweist sie auch hier - nur reicht das betriebene Worldbuilding bei langem nicht aus, um glaubwürdige High Fantasy zu verfassen. Viele Figuren bleiben blass, es gibt so einige Logiklücken, die immer wieder den Lesefluss stören, und es wird deutlich mehr Wert auf Romantik als die eigentliche Geschichte gelegt. Enttäuschend. Schwache 3 Punkte.

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Tags: kampf, krie, verwandlung, worte   (4)
 

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36 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

emil, fuchsdoppel, füchse, fuchsnacht, gefahr, julia mayer, tierdoppel, verwandlung

Fuchsnacht

Julia Mayer
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 27.08.2017
ISBN 9783959910750
Genre: Fantasy

Rezension:

Peter Pan nimmt meine Hand und führt mich fort ind das Land, in dem Träume blühen und in dem niemand jemals erwachsen werden muss. Ich sehe die wiegenden Kronen der Bäume unter mir hinweg ziehen, als wäre ich ein Adler, der seine weiten Schwingen ausbreitet. Endlich legt sich die Nacht wie eine Decke über mich und wickelt mich in einen Kokon.
Zum ersten Mal in meinem Leben lauern in der rabenschwarzen Nacht weder Schnäbel noch Krallen, die sich in mein Fleisch bohren. Samtweich treibe ich im Nichts. Jeder Funke Erwartung und Druck fällt von mir ab, meine Knochen lösen sich auf, mein Körper zerfließt in tausend Staubkörner. Nichts spielt mehr eine Rolle - friedvolle Gleichtgültigkeit hält in mir Einzug.
Sterben ist zu leicht. Es ist das Leben, das unendlich viel wiegt.

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INHALT:
Emil ist ein schmächtiger Teenager von 15 Jahren ohne Freunde und mit einem psychisch kranken Vater, um den er sich kümmern muss. Als wäre das nicht schon schlimm genug, versuchen sich auch noch sein Onkel und seine Tante in sein Leben einzumischen. Eines Tages hält er es nicht mehr aus und beschließt, wegzulaufen und seine Mutter zu suchen, die die Familie vor vielen Jahren im Stich gelassen hat. Doch in einer U-Bahn-Unterführung kommt es zu einem tragischen Unfall, und Emil stirbt. Nicht für lange allerdings - denn er erwacht als Fuchsdoppel: Bei Nacht ist er Mensch, tagsüber ein Fuchs. Mit dieser neuen Realität muss er sich erst einmal abfinden. Neue Freunde, ebenfalls Fuchsdoppel, helfen ihm dabei. Aber als einer von ihnen verschwindet, wird deutlich, dass im Dunkeln eine unbekannte Bedrohung lauert...

MEINE MEINUNG:
In Julia Mayers erstem Buch rund um die Tierdoppel, damals noch bei Amazons CreateSpace erschienen, ging es um Rehe. "Fuchsnacht" hat nun ein Zuhause im Drachenmond-Verlag gefunden, und dieses Zuhause kann sich sehen lassen. Dieser Band rund um die Fuchsdoppel kann komplett unabhängig gelesen werden, trotzdem würde ich jedem auch die berührende Geschichte aus "Rehruf" ans Herz legen. Deutlich wird jedoch von Anfang an, dass sich der Schreibstil der Autorin seit 2015 weiter entwickelt hat - die Formulierungen sind noch etwas sauberer geworden und die Dialoge glaubwürdiger. Die Beschreibungen und Geschehnisse sind oftmals so traurig und bedrückend wie im Vorgänger, aber es gibt auch lichte Momente.

Emil ist als männlicher Protagonist ein ungewöhnlich schwacher Charakter. Er ist noch sehr jung, was man ihm auch anmerkt, und er hat es nicht leicht mit seinem psychisch kranken Vater und dem gewalttätigen Onkel. Seine Unsicherheiten sind daher durchaus nachzuvollziehen. Allerdings hat er mir trotzdem zu viel geweint - selbst nachdem er seine Stärke gefunden und angefangen hat, für sich zu kämpfen, bricht er extrem oft in Tränen aus. Dafür konnten mich die anderen drei Fuchsdoppel, mit denen er sich anfreundet, sehr begeistern: Timon ist anfangs nicht begeistert davon, einen Frischling durchzufüttern, zeigt aber bald seine weiche Seite. Kara ist wunderbar liebevoll und eine echte Sympathieträgerin. Biggers bleibt zwar blass, weil er so schweigsam ist, aber wer gut kochen kann, den mag ich sowieso.

Obwohl "Fuchsnacht" ein Fantasy-Roman ist, geht es auch sehr viel um zwischenmenschliche Probleme und wie schon im Vorgänger um Verlust und Tod. Die erste Hälfte dreht sich überwiegend um Emils Versuch, sich mit dem neuen Leben anzufreunden und um seine erste Liebe - eine homosexuelle, die sehr sensibel und gefühlvoll aufbereitet wird. Danach jedoch wird das Buch überraschend düster und teilweise schon geradezu brutal, denn nicht alle Fuchsdoppel haben nur Gutes im Sinn. Das Motiv der Gegenspieler ist mir nicht recht klar gewesen, aber nichtsdestotrotz entsteht eine bedrückende Atmosphäre, die nicht loslässt. Zwei größere Kontinuitätsfehler (in denen beispielsweise davon gesprochen wird, in zwei Stunden ginge die Sonne auf, nur um dann noch eine vierstündige Fahrt plus mehrere Stunden Schlaf bis dahin verstreichen zu lassen) und ein paar Logiklücken stören ein wenig den Lesefluss, aber die Pluspunkte überwiegen. Am Ende ist nicht alles gut, was sehr realistisch wirkt und zur Geschichte passt - auch wenn ich mir vielleicht ein paar mehr Lichtblicke gewünscht hätte.

FAZIT:
Julia Mayers zweiter Roman ihrer Fuchsdoppel-Reihe dreht sich nun um einen männlichen Protagonisten, der es in seinem Leben bisher nicht einfach hatte - und auf den auch nach seiner Verwandlung zum Tierdoppel noch einige Gefahren warten. "Fuchsnacht" wird zum Ende hin überraschend düster, verpackt dies aber zumeist glaubwürdig und fesselnd. Knappe 4 Punkte.

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Tags: füchse, gefahr, tierdoppel, verwandlung   (4)
 

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

geheimnis, mystery thriller, suche, wahrheit, weitere leichen

Cainsville – Zeit der Schatten

Kelley Armstrong , Frauke Meier
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.09.2017
ISBN 9783453318588
Genre: Fantasy

Rezension:

Ich hielt mich ein paar Schritte hinter ihm und bereitete mich auf den Anblick vor. Auf keinen Fall wollte ich vor seiner Nase zusammenzucken.
Er erreichte die Fahrerseite. Blieb stehen. Runzelte die Stirn. Hob die Sonnenbrille. Senkte sie wieder. Schaute mich an.
"Haben Sie...?" Seine Stimme verlor sich, und er schüttelte den Kopf. "Natürlich nicht."
Ich ging um den Wagen herum zu der Stelle gleich neben der Fahrertür, an der er sich aufgebaut hatte. Die Leiche...
Die Leiche war verschwunden.
--

INHALT:
Seit die wohlhabende und angesehene Olivia Taylor-Jones erfahren hat, dass sie mit Nachnamen eigentlich Larsen heißt und die Tochter zweier berüchtigter Serienmörder ist, ist nichts mehr wie es war. Dass sie vor Kurzem herausgefunden hat, dass eines der ermordeten Pärchen nicht auf das Konto ihrer leiblichen Eltern geht, gibt ihr Hoffnung - aber wie wahrscheinlich ist es, dass sie auch die anderen Fälle aufklären kann? Als sie eines Tages die Leiche einer jungen Frau in ihrem Auto entdeckt, die kurz darauf wieder verschwunden ist, wird ihr klar, dass sie erneut in großer Gefahr schwebt. Und wieder ist sie auf die Hilfe ihres Anwalts Gabriel angewiesen, bei dem sie nie weiß, wann er sie erneut verraten wird...

MEINE MEINUNG:
Der erste Band aus Kelley Armstrongs "Cainsville"-Reihe hat richtig viel Spaß gemacht und auch "Zeit der Schatten" steht dem in nichts nach. Mysteriöse Vorkommnisse, geheimnisvolle Figuren und bedeutungsschwangere Omen sind große Bestandteile dieser Romane, die sich um das ehemalige High Society-Girl Olivia drehen, die nun auf der Suche nach der Wahrheit ist. Erzählt wird die Geschichte weiterhin aus ihrer Ich-Perspektive und ab und zu kommen auch ein paar Dorfbewohner zu Wort, diese Kapitel wurden hier aber gegenüber dem Vorgänger stark reduziert, was ich ein wenig schade fand. Der Schreibstil aber ist genauso fesselnd wie zuvor: Flüssig, allerdings nicht flapsig, und gespickt von sehr amüsanten und glaubwürdigen Dialogen.

Wer die Charaktere in Band 1 mochte, dem wird es hier genauso ergehen. Denn an dieser Front ändert sich kaum etwas, außer dass der junge Rocker Ricky nun einen offiziellen Part in der Dreiecks-Liebesgeschichte einnimmt, die allerdings bisher nur Indizien für Gefühle zwischen Gabriel und Olivia aufweist (was sehr erfrischend und gleichzeitig unendlich nervtötend ist). Die Bewohner Cainsvilles verhalten sich hier noch ungewöhnlicher als zuvor und es wird bald deutlich, dass diese nicht nur die friedfertigen älteren Personen sind, die sie vorgeben zu sein. Olivia trifft zwar immer noch ab und an dumme Entscheidungen, bietet aber mit ihrer sympathischen Dickköpfigkeit und ihrer Intelligenz auch starkes Identifikationspotenzial, sodass man sie gern bei den Nachforschungen begleitet.

"Zeit der Schatten" ist Band 2 von 5 und bietet damit erstmals auch ein paar Antworten - nicht viele und kryptische noch dazu, aber wir kommen dem Kernpunkt näher. Obwohl ein großer Gegenspieler fehlt und die Autorin sich teilweise ein wenig zu stark darauf konzentriert, die Romantik zu etablieren, lernt man auch bald, dass beides durchaus einen Zweck hat. Zwischenzeitlich war mir insbesondere das Hin und Her zwischen Olivia und Gabriel zu viel, aber davon abgesehen reißt der Roman auch dann mit, wenn es seitenlang nur Dialoge gibt. Action sollte man nicht unbedingt erwarten, aber die geheimnisvolle Atmosphäre fesselt dennoch. Nur der Schluss driftet an der ein oder anderen Stelle zu sehr ins Abstruse ab und die Auflösung konnte man sich bereits vorher denken. Das ändert aber nichts daran, dass erneut genug Fragen aufgeworfen wurden, um einem den Nachfolger so richtig schmackhaft zu machen.

FAZIT:
"Cainsville" ist eine Reihe der mysteriösen Geschehnisse und unterhaltsamen Gespräche - Überraschungen gibt es zwar einige, Action oder gar Kämpfe braucht man aber weiterhin nicht erwarten. Das ist jedoch nicht schlimm, denn Kelley Armstrong zieht mit Schreibstil und Charakteren total in den Bann. "Zeit der Schatten" bereitet auf Großes vor, das hoffentlich in Band 3 passiert. Gute 4 Punkte!

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Tags: geheimnis, suche, wahrheit, weitere leichen   (4)
 

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86 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

2017, eifersucht, erste liebe, freundschaft, jugendbuch, kieselsommer, liebe, schicksal, sommer, sommerferien, spreewald, themen, urlaub, verlieben, wald

Kieselsommer

Anika Beer
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 24.07.2017
ISBN 9783570157732
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mats schüttelte sich. Er hatte keine Zeit, zu lange darüber nachzudenken. Es fiel ihm bemerkenswert schwer, seinen Körper zur Mitarbeit zu überreden. Aber wenn er jetzt nicht versuchte, ins Haus zu gelangen - wer wusste schon, wann sich die nächste Gelegenheit bieten würde? Also huschte er auf raschen Sohlen hinüber zur Veranda.
Wahrscheinlich hätte er überrascht sein sollen, als er den schmalen Spalt sah, wo die Tür nicht ganz ins Schloss geschoben worden war. Vielleicht auch erleichtert, ein zweites Mal so unverschämtes Glück zu haben. Aber nach dem Blick des Mädchens nur Sekunden zuvor gelang ihm nichts von beidem. Im Gegenteil, er war sich jetzt ganz sicher: Sie hatte ihn tatsächlich bemerkt.
Und sie hatte die Tür für ihn offen gelassen.

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INHALT:

Ella und Tilda sind seit drei Jahren beste Freundinnen und nun steht ihr erster gemeinsamer Urlaub an. Selten haben sich beide auf etwas so sehr gefreut wie auf diese zwei Wochen allein. Doch dann kommt alles anders: An ihrem ersten gemeinsamen Abend wünscht sich Ella, endlich ihrer großen Liebe zu begegnen - und am nächsten Tag treffen die beiden Mädchen auf Mats. Sofort besteht eine Verbindung zwischen ihm und Ella. Eine Verbindung, von der sich Tilda bald nach außen gedrängt fühlt. Das sollte doch ein Mädels-Urlaub werden? Beide Freundinnen versuchen, es einander recht zu machen, doch ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse kommen ihnen dabei immer wieder in die Quere...

MEINE MEINUNG:
Anika Beers Debüt vor fünf Jahren habe ich wahnsinnig gern gelesen und seitdem ihren Werdegang zumindest verfolgt. Mit "Kieselsommer" ist nun ein sommerlicher Jugendroman erschienen, der eine Geschichte rund um Freundschaft und die erste Liebe verspricht. Genau das wird auch geboten, allerdings gänzlich anders als ich das erwartet hatte. Der Konflikt zwischen den Mädchen wird zwar im Klappentext benannt, dass sich insbesondere die eine aber so absurd daneben benehmen würde, hätte ich nicht vermutet. Da macht auch der locker-leichte Schreibstil nicht viel wett, ebenso wenig wie der stetige Wechsel der Perspektive, durch den man zwar Einblick ins das Innenleben jeder der Figuren bekommt, der sie aber auch nicht sympathischer macht.

Tilda ist durchaus noch eine Protagonistin, mit der man sich einigermaßen identifizieren kann: Sie ist fröhlich, willensstark und würde so gut wie alles für ihre Freundin tun. Dass in ihr als drittes Rad am Wagen immer mal wieder Eifersucht aufkeimt, ist zu verstehen. Nicht zu verstehen ist Ellas unmögliches Verhalten. Dadurch, dass sie früher gemobbt wurde - was nie in mehr als einem Halbsatz erwähnt wird -, ist sie sehr unsicher und schüchtern, traut sich selbst nichts zu. Das ist aber keine Entschuldigung dafür, ihre beste Freundin, die ihr so sehr geholfen hat, einfach sofort links liegen zu lassen, sobald ein Kerl in ihrem Leben auftaucht. Sie heult ständig und wird unangebracht eifersüchtig in den unwahrscheinlichsten Momenten - mit diesem Mädchen konnte ich einfach gar nichts anfangen. Und auch Mats war mir nicht sonderlich sympathisch. Zwar versucht er den Freundinnen ab und zu ein wenig Freiraum zu geben, aber er drängt sich dennoch ungefragt zwischen sie und reißt alles an sich. Er scheint als charmant und witzig angelegt zu sein, kam bei mir aber nur als großspurig und selbstverliebt an.

Ich hasse Insta-Love und "Kieselsommer" ist das perfekte Beispiel dafür, warum. Ella lässt einfach, ohne nachzudenken, einen fremden Jungen in ihr Ferienhaus einsteigen, weil seine Zeichnungen sie so berührt haben - und nachdem sie sich zum ersten Mal getroffen haben, sind sie nicht mehr zu halten. Nach wenigen Seiten spricht Ella bereits davon, er sei der Eine und sie hätte immer auf ihn gewartet - wer soll denn das glauben? Natürlich verhält sich auch Tilda nicht ganz richtig, indem sie sich so intensiv gegen die Beziehung wehrt, aber es ist schließlich ihr Urlaub, nicht der von Mats und Ella. Das Verhalten der Figuren und die kitschige, nervtötende Liebesgeschichte haben mich über weite Strecken nur wütend gemacht. Natürlich entsteht aus dem Ganzen ein Lerneffekt - aber aufgrund der Kürze kommt auch dieser nicht wirklich beim Leser an, sodass ich am Ende nur enttäuscht zurückblieb.

FAZIT:
Auf der Suche nach einer sommerlich-leichten Geschichte über Freundschaft und die erste Liebe habe ich mit "Kieselsommer" leider daneben gegriffen. Während sich die Charaktere fast ausschließlich total schlecht benehmen, kam bei mir einfach keine Freude, kein Wohlgefühl auf. Hinzu kommt ein übler Fall von "Liebe auf den ersten Blick", der auch den Rest zunichte macht. Vielleicht eher für jüngere Leser geeignet. Sehr knappe 2 Punkte.

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Tags: erste liebe, freundschaft, instalove, liebe, urlaub   (5)
 

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293 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 147 Rezensionen

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Amrita. Am Ende beginnt der Anfang

Aditi Khorana , Peter Klöss
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Dressler, 21.08.2017
ISBN 9783791500560
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Auf ein Nicken meines Vaters trat ich vor, griff nach dem Riegel auf dem Deckel und öffnete ihn.
In der Kiste bewegte sich etwas. Erschrocken wich ich zurück. Sikander konnte kaum mehr an sich halten, so viel Spaß bereitete ihm das Ganze.
Vorsichtig trat ich wieder näher. Die Kreatur in der Kiste wand sich. Haut, Haare, Fingernägel, ein Mund - es war ein Mensch! Erst als sie zu mir heraufblinzelte, bemerkte ich, dass es ein Mädchen war. Ein Mädchen in meinem Alter.

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INHALT:
Die 16-jährige Amrita ist die Prinzessin des Königreiches Shalingar und führt ein ruhiges, sorgenfreies Leben - bis eines Tages der Kaiser von Makadon, ein unbarmherziger Eroberer namens Sikander, mit seiner Delegation anreist. Amrita ist ihm versprochen, doch schnell ist ihr klar, dass sie diesen grausamen Mann niemals heiraten kann. Schreckliche Dinge geschehen und sie sieht nur einen Ausweg: Flucht. Gemeinsam mit der Seherin Thala macht sie sich auf die Suche nach der Bibliothek des Seins, um ihr Schicksal zu verändern. Dabei begegnet sie nicht nur einigen Gefahren - sie findet auch sich selbst.


MEINE MEINUNG:
Orientalisch angehauchte High Fantasy, eine selbstbestimmte Protagonistin und die Suche nach einer geheimnisvollen Bibliothek, mit deren Hilfe man Leben umschreiben kann - was kann es Besseres geben? "Amrita" sollte all das und noch mehr vereinen und tatsächlich hat Aditi Khorana einen dazu passenden sehr bildlichen, teilweise metaphorischen und vor allem atmosphärischen Schreibstil. Nur sind 320 Seiten für einen solchen Roman einfach viel zu wenig, sodass so gut wie gar keine Tiefe aufkommt.

Amrita ist leider auch keine besonders starke Protagonistin. Sie weint und jammert viel und sie versteht die einfachsten Dinge nicht - zum Beispiel, als sie bemerkt, dass ihr Dolch ein Schlüssel ist, obwohl ihr zuvor explizit gesagt wurde, dass der Dolch ein Schlüssel ist. Die Seherin Thala ist da schon deutlich interessanter: Abhängig von der Droge Chamak und gebrochen durch die jahrelange Gefangenschaft in Makadon ist sie verständlicherweise wütend - aber nichtsdestotrotz kümmert sie sich immer um Amrita, was diese immerhin zum Ende hin auch erwidert. Sikander ist ein sehr klischeehafter Bösewicht: Eher schmächtig und hässlich versucht er seine Komplexe durch Macht wett zu machen. Zum Ende hin erhält er ein paar mehr Facetten, aber kaum neue Tiefe. Ganz schwach charakterisiert sind allerdings insbesondere die beiden Jungen des Liebes-Dreiecks. Die Romantik spielt keine so große Rolle wie befürchtet, aber dafür, dass sich Amrita zu beiden hingezogen fühlt, dem einen sogar die Liebe erklärt, sind beide ausnehmend blass und zeichnen sich insbesondere durch schwülstige Aussagen aus.

Obwohl sich mit dem Setting und den Ideen so viele Möglichkeiten bieten, hetzt die Autorin durch die Seiten, als hätte sie schnell fertig werden wollen. Es bleibt kaum Zeit dafür, dass Amrita nach der Flucht aus dem Palast ihrer "großen Liebe" nachtrauert, bevor sie auch schon dem nächsten jungen Mann begegnet, ihre wahre Identität nimmt sie relativ problemlos an und jede potenziell gefährliche Situation wird mit ein bisschen Dialog abgehandelt. So kommt überhaupt keine Spannung auf, denn man muss sich um die Figuren ja keine Sorgen machen - sie schaffen sowieso alles mit Leichtigkeit. Erst auf den letzten knapp 100 Seiten wird es interessanter, weil sich die Geschichte ab diesem Punkt anders entwickelt als zu Beginn erwartet. Überraschungen bleiben dennoch aus, bis zum Schluss ist fast alles vorherzusehen. Da hätte viel mehr herausgeholt werden können.

FAZIT:
"Amrita" vereint viele tolle Ideen und besitzt ein wunderschönes, farbenfrohes Setting. Aditi Khorana hetzt allerdings so stark durch ihre Geschichte, dass kaum Zeit für die Figuren und so etwas wie Tiefe bleibt. Die Protagonistin hat mich genervt und die Liebesgeschichte ist unglaubwürdig, sodass nur wenig Positives überbleibt. Dafür gibt es von mir nur ganz knappe 2,5 Punkte, abgerundet auf 2.

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75 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

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Heartware

Jenny-Mai Nuyen
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.07.2017
ISBN 9783499267079
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Nacht neigte sich dem Ende zu. Sie kauerten auf dem Bett, und Wills Schluchzen ging in einen tiefen Schlafatem über. Eli aber blieb wach. Bis zu dem Augenblick hatte er das Gefühl gehabt, Will gleite ihm davon. Auf eine unbegreifliche Weise war sie ihm fern gewesen. Jetzt schien sie wieder da zu sein, so unmittelbar wie ihr träumender Körper. Das, was sich nun fern anfühlte, war er selbst.
Der nächste Tag war ihr letzter bei Senora Pudin. Sie mieteten ein Auto, kauften eine Leiter, Drähte und Schraubenzieher, eine Tragetasche und Isoliermaterial. Bevor sie losfuhren, versteckten sie zwei Löffel zwischen Bettgestellt und Matratze.
"Damit unsere Liebe an einem Ort zurückleibt", sagte sie.
Wie oft er später daran denken musste. Wie sehr sich ihre Aussage mit der Zeit verfinsterte, leuchtendem Silber gleich, das altert.

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INHALT:

Vor Jahren wurde Adam Eli von seiner großen Liebe Willenya Curuvija verraten. Er ist für sie ins Gefängnis gegangen und versucht nun, seine Vergangenheit und auch sie zu vergessen, aber es will ihm nicht recht gelingen. Dann erhält er eines Tages eine Mail, die ihn aus der Bahn wirft, denn sie dreht sich um Will. Er soll sie suchen, weil sie etwas so Wichtiges gestohlen hat, dass sie damit die gesamte Welt verändern könnte. Doch sie wird auch von anderen gesucht, die daruch zwangsläufig auch auf seine Spur kommen. Und bald befindet sich Eli auf der Flucht, nur in Begleitung der undurchschaubaren und eventuell gegen ihn arbeitenden Detektivin Mariel...

MEINE MEINUNG:
An Jenny-Mai Nuyens ganz frühe Fantasy-Werke denke ich gern zurück - auch wenn mich viele ihrer späteren Romane nicht mehr genauso mitreißen konnten. Mit "Heartware" wagt sie sich nun erstmals in das Genre der Thriller vor, was mir bei anderen Autoren oft gar nicht gefällt, hier aber wunderbar funktioniert. Die Themen rund um künstliche Intelligenzen, die Machenschaften der Wirtschaftsmächte und die Überwachung der Menschheit sind brandaktuell und werden erschreckend realistisch dargestellt, sodass sich schnell ein fulminanter Sog ergibt. Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven von Adam Eli, seiner unfreiwilligen Begleiterin Mariel Marigny und Y, die viele andere Sichten unter sich vereint, was durchaus Sinn ergibt.

Keine der Figuren des Romans ist so richtig glücklich. Das beginnt schon mit Adam Eli, der nach all den Jahren noch immer seiner Jugendliebe Will nachtrauert und keinen Frieden mit sich, mit ihr und mit ihrer verlorenen Beziehung geschlossen hat. Er ist sehr intelligent und findet für fast alles eine Lösung, aber weil er sich so sehr in seine Sehnsucht verrennt, denkt er oftmals nicht klar - was ihn nicht unbedingt unsympathisch macht, ihn jedoch manchmal ein bisschen zu sehr leiden lässt. Will selbst taucht größtenteils in Rückblicken auf und ist ganz klar ein gebrochenes, zerbrechliches Mädchen, das viele Ecken und Kanten hat, die sie nicht unbedingt zu einem guten Menschen machen. Das ist aber auch nicht notwendig, denn gerade durch ihre Undurchschaubarkeit gewinnt sie an Intensität. Nebenfiguren wie die manipulative und kokette Marigny oder auch die düsteren, skrupellosen Agenten Beckblum, Nakamoto und Dussardier tragen dazu bei, ein Gewirr aus Fragen und verschiedenen Handlungsfäden aufzuwerfen, die kunstvoll verwoben werden.

Nuyen gelingt es, wichtige, spannende Fragen aufzuwerfen, ohne die Antworten darauf dem Leser vorwegzunehmen: Wie weit sollte man für die Liebe gehen? Was ist man bereit, auf dem Weg zum eigenen Ziel zu opfern? Und darf man über das Schicksal der Welt entscheiden? Technische Details über Aktienmärkte, Computer und Wirtschaft sind so gut und verständlich in die Handlung eingebaut, dass einem nichts entgeht - und trotzdem fügen sich die einzelnen Elemente erst zum Ende hin zu einem großen Ganzen zusammen. Zwischenzeitlich gibt es durchaus ein paar Längen, besonders im Mittelteil, der sich bei vielen Dialogen und nur wenig Handlungsfortschritt etwas zieht. Das jedoch machen die rasanten letzten 100 Seiten wieder wett. Die Charaktere und ihre Ambitionen sind kaum zu durchschauen, weshalb auch der Ausgang des Buches lange offen bleibt. Am Schluss wird nicht alles geklärt und nicht jeder findet seinen Seelenfrieden, was realistisch ist - aber die Hoffnung, dass es vielleicht, eines Tages, doch gut werden könnte, bleibt.

FAZIT:
"Heartware" ist ein größtenteils rasanter Thriller, der aber auch dramatische Züge besitzt und insbesondere von den intensiven, sehr ambivalenten Charakteren lebt. Zwischenzeitlich haben sich ein paar Längen eingeschlichen und das ein oder andere Mal wurde mir der Leidensdruck der Figuren zu groß, gefesselt war ich aber fast durchgehend. 4 Punkte.

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Tags: bolivien, bootcamp, reise, suche   (4)
 

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561 Bibliotheken, 21 Leser, 4 Gruppen, 121 Rezensionen

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The Hate U Give

Angie Thomas , Henriette Zeltner
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei cbj, 24.07.2017
ISBN 9783570164822
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Nein, nein, nein" ist alles, was ich sagen kann. So als wäre ich erst ein Jahr alt und könnte noch kein anderes Wort. Ich weiß nicht, wie ich neben ihm auf dem Boden lande. Meine Mom hat mal gesagt, wenn jemand angeschossen wird, dann versuch, die Blutung zu stoppen, aber da ist so viel Blut. Zu viel Blut.
"Nein, nein, nein."
Khalil rührt sich nicht. Sagt kein Wort. Er sieht mich nicht einmal an. Sein Körper verkrampft sich und dann ist er tot. Ich hoffe, er sieht Gott.
Jemand anders schreit.
Ich blinzle gegen meine Tränen an. Der Polizeibeamte Hundertfünfzehn schreit mich an und zielt mit derselben Waffe auf mich, mit der er gerade meinen Freund getötet hat.
Ich hebe die Hände.

--

INHALT:
Die 16-jährige Starr lebt in Garden Heights, einem als Ghetto verschrienen Schwarzen-Viertel, aber sie geht auf eine Privatschule, die fast nur von Weißen besucht wird. Sie lebt in zwei Welten und weiß nicht, wie sie sie in Einklang bringen soll. Als sie eines Abends mit ihrem besten Freund Khalil auf dem Rückweg von einer Party von einem Polizist angehalten wird, eskaliert die Situation - und Khalil wird erschossen. Auf den Schock und die Trauer folgen bald Verunsicherung und Wut. Denn einerseits will sie darüber reden, den Menschen deutlich machen, wie falsch das war - und andererseits will sie ihre Identität schützen und vor ihren Mitschülern nicht wie ein Ghetto-Mädchen da stehen. Bald muss sie sich entscheiden, was ihr wichtiger ist und wovor sie mehr Angst hat...

MEINE MEINUNG:
Dass die USA in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg an Polizeigewalt erlebt haben, ist kein Geheimnis. 2016 wurden in Amerika in nur neun Monaten 706 Personen durch Cops getötet. Statistiken zufolge waren davon etwa ein Viertel Afroamerikaner - bei nur 13% Anteil an der Bevölkerung. Der Kontinent hat ein Rassismus- und ein Waffenproblem. Kein Wunder also, dass es die "Black Lives Matter"-Bewegung gibt, dass die Stimmen immer lauter werden. Gerade deswegen ist "The Hate U Give" ein so wichtiges, brisantes Buch mit einer Frage, die uns alle angeht: Ist für den Staat das Leben eines weißen Polizisten wichtiger als das eines Afroamerikaners?

Protagonistin in Angie Thomas' Roman ist Starr, eine junge Schwarze, die zwar aus Garden Heights stammt, aber ein vergleichsweise privilegiertes Leben führt. Ein Großteil ihres Freundeskreises besteht aus Weißen, auch ihr Freund ist hellhäutig. Damit ist sie hin- und hergerissen - einerseits fühlt sie sich den Leuten ihrer Hautfarbe und ihres Wohnorts zugehörig, andererseits will sie an ihrer Schule und vor ihren Freunden nicht als das Ghetto-Mädchen dastehen. Sie hat das Gefühl, nicht sie selbst sein zu können, was sehr gut nachvollziehbar ist. Ihren Freund Khalil lernt man nur kurz kennen, aber es wird schnell deutlich, was er für einen Einfluss auf ihr Leben hatte und wie nahe sich die beiden standen. Und auch die anderen Figuren sind toll ausgearbeitet: Starrs liebevolle, manchmal etwas zu beschützerische Familie; ihre zickige und aufbrausende Freundin Kenya, die sich auch nur nach Normalität sehnt; oder eben ihr zärtlicher, verständnisvoller Freund Chris, der sich wunderbar vom in Jugendbüchern vorherrschenden Bad Boy-Stereotyp abhebt.

Es ist nicht richtig, was in diesem Buch passiert, und das Traurige dabei ist, dass genau die Realität widerspiegelt. Menschen werden auf offener Straße erschossen, immer wieder sind es unbewaffnete Afroamerikaner, und obwohl die Bevölkerung aufbegehrt, wird der betreffende Polizist nicht verurteilt. Starr versucht, das zu verhindern, traut sich aber lange nicht, wirklich über das Erlebte zu sprechen. Ihre Zweifel und ihre Angst sind besonders im Anbetracht der Gefahr durch Gangs in ihrem Viertel sehr gut verständlich, dass sie sich aber auch ihrer Familie und den wichtigsten Menschen in ihrem Leben nicht öffnet, erschien mir nicht immer glaubwürdig. Trotzdem habe ich bei ihrem Zwiespalt immer mitgefühlt, ich war genauso wütend und hoffnungslos wie sie, konnte aber auch ab und zu das Glück der kleinen Dinge empfinden. Nur die teils meiner Meinung nach etwas holprige Übersetzung hat mich manchmal stutzen lassen - zum Beispiel wird mal "No, Sir" gesagt, mal "Nein, Sir" und statt "Freund" wird immer vom "Boyfriend" gesprochen. Das ändert aber nichts daran, dass das Buch mit seiner Botschaft fesselt und berührt - und hoffentlich, hoffentlich etwas in den Köpfen der Leser bewegt.

FAZIT:

"The Hate U Give" ist ein ebenso wichtiges wie gutes Buch. Zwar hat mir die Übersetzung an einigen Stellen nicht gefallen, der Inhalt jedoch konnte mich mitreißen und berühren - und nicht selten war ich einfach wütend über die Zustände. Damit ist das Ziel wohl erreicht worden. Sehr gute 4,5 Punkte.

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Tags: polizist, rassismus, schuld, tod, trauer   (5)
 

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72 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

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Cainsville - Dunkles Omen

Kelley Armstrong , Frauke Meier
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2017
ISBN 9783453318571
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Namen werden Ihnen wahrscheinlich nichts sagen.
Na klar. Niemand, der im Mittleren Westen lebte, hatte je von Pamela und Todd Larsen gehört.
Eheleute. Serienmörder.
Ich war die Tochter zweier Soziopathen.
Voller Entsetzen starrte ich meinen Laptop an. Ja, ich wusste zwar, wer die Larsens waren, aber viel mehr auch nicht. Das sollte ich ändern.
Aber wozu?
Sie waren Mörder. Verurteilte Serienmörder. Wollte ich mich wirklich mit Details ihrer Taten herumquälen? Oder hoffte ich vielleicht, dass es gar nicht so schlimm war, wie ich gehört hatte?
Oh, sie haben nur sechs Leute umgebracht, nicht acht, wie ich gedacht hatte. Na, das ist ja dann gar nicht so schlimm.

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INHALT:
Olivia Taylor-Jones führt ein Leben, wie es besser nicht sein könnte: Sie ist schön, sie ist reich, sie ist beliebt und auf dem besten Wege, Ehefrau eines zukünftigen Senators zu werden. Bis sie eines Tages erfährt, dass sie adoptiert wurde - und ihre wahren Eltern das Serienkiller-Ehepaar Pamela und Todd Larsen ist. Zurückgewiesen von ihrer bisherigen Familie und zu stolz, deren Geld zu nehmen, sucht sie verzweifelt einen Job und landet dabei im kleinen Örtchen Cainsville. Cainsville, das viele Geheimnisse hütet, ebenso wie Gefahren. Und das irgendetwas mit der Geschichte ihrer Eltern zu tun zu haben scheint...

MEINE MEINUNG:
Kelley Armstrong ist vor allem für ihre Urban Fantasy-Romane bekannt, von denen viele auch bei uns erschienen sind. Mit den Büchern rund um das Örtchen Cainsville wagt sie sich nun seit 2013 an die Mystery-Thriller heran, die vor allem den Thrill bieten, aber mit geheimnisvollen Vorkommnissen auch immer wieder auf Übernatürliches hindeuten. Erzählt werden alle vier im Original bisher erschienen Teile aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Olivia, was aber immer wieder durch kurze und oft sehr mysteriöse personale Kapitel anderer Figuren unterbrochen wird. Diese schaffen nicht nur eine ganz eigene Atmosphäre, sie geben oft auch schon Hinweise und Erklärungen, ohne jedoch zu viel vorweg zu nehmen.

Olivia ist entgegen des ersten Eindrucks, den man von dem reichen Mädchen aus gutem Hause hat, eine ziemlich toughe Protagonistin mit eigenem Willen und einem ziemlichen Dickkopf, wodurch sie einem schnell sympathisch wird. Der Anwalt Gabriel, der ihr nicht wirklich uneigennützig hilft, mehr über sich und ihre Familie herauszufinden, ist besonders zu Beginn ein ziemlicher Mistkerl, der aber nie verheimlicht, was er ist: Egoistisch und materialistisch. Dass auch er Gefühle hat, kann er jedoch nicht verheimlichen. Und auch die Nebenfiguren stehen den Hauptcharakteren in nichts nach: Ob nun die griesgrämige Vermieterin Olivias, ein freundliches Ehepaar, das deutlich mehr weiß als es sagt, oder die leibliche Mutter Pamela, bei der man sich wie Olivia nicht sicher sein kann, ob sie die Wahrheit sagt - sie alle lassen die Geschichte sehr lebendig werden und bestechen durch ihre glaubhafte Darstellung.

Mit Cainsville hat Kelley Armstrong einen ebenso beschaulichen und niedlichen wie geheimnisvollen und eventuell auch gefährlichen Ort geschaffen. Die Einwohner passen aufeinander auf und helfen sich gegenseitig, aber sie verbergen auch Dinge. Man weiß nie, woran man bei ihnen ist, was wunderbar zu der sowieso schon teilweise schaurigen Stimmung beiträgt. Olivia macht sich derweil mithilfe des Anwalts Gabriel auf eine lebensgefährliche Spurensuche: Denn mit dem Versuch, ihre leiblichen Eltern von den schrecklichen Morden zu entlasten, macht sie sich viele Feinde. Nicht nur die Presse ist hinter ihr her, auch fällt ihr auf dem Weg zur Wahrheit immer mal wieder eine Leiche vor die Füße. Und nicht nur das - die Omen, die sie sieht und die sie erst für Humbug hält, bewahrheiten sich immer öfter und machen nicht nur ihr Angst, sondern auch dem Leser. Zum Schluss wird das Ganze etwas zu abstrus, ist dafür aber auch sehr aufregend und hält sich gerade noch im Rahmen. Auf die Antworten, die uns in Band 2 erwarten, bin ich jedenfalls schon gespannt.

FAZIT:
"Dunkles Omen" ist der atmosphärische und schaurige erste Band der "Cainsville"-Reihe rund um den Versuch, vier Jahrzehnte zurückliegende Doppelmorde aufzuklären. Der Schreibstil ist fesselnd, die Geschichte originell und geheimnisvoll. Band 2, "Zeit der Schatten" erscheint im September auf Deutsch und verspricht neue Fragen und neue gruselige Ereignisse. Gute 4 Punkte!

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Tags: gefahr, geheimnis, omen, rätsel, serienmörder, tod   (6)
 
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