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54 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

meerjungfrau, london, imogen hermes gowar, bordell, 18. jahrhundert

Die letzte Reise der Meerjungfrau

Imogen Hermes Gowar , Angela Koonen
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 29.03.2018
ISBN 9783431040821
Genre: Romane

Rezension:

"Fragen Sie Ihre Frau, Sir", sagt der Makler. "Sie wird das vollkommen verstehen."
Aber Mr. Hancock versteht schon selbst. Seine Frau - ja, sie gehört ihm. Das Haus, ja, in Kürze ebenfalls. Das Kind, von dem er träumte, könnte eines Tages leibhaftig vor ihm stehen. Aber wenn die Grotte ebenfalls ihm gehören wird, sollte er dies als besonderes Zeichen verstehen. Ein langsames, verwundertes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus, als er beregift, dass ihm das Haus mit der Grotte aus einem einzigen Grund gewährt wurde: Er wird auch eine Meerjungfrau bekommen.

--

INHALT:
Als der Kapitän seines Schiffes statt mit der gewünschten Ladung mit einer toten Meerjungfrau zurück kommt, ist der Kaufmann Jonah Hancock erst einmal zutiefst verärgert. Doch Not macht erfinderisch, und so stellt er das Fabelwesen zur Ansicht aus - ohne mit dem kommenden Ansturm zu rechnen. Schließlich wird ihm eine unglaubliche Summe für die Sirene geboten, und plötzlich ist er ein gemachter Mann. Nun hat er alles, was er sich wünschen kann - aber zu seinem Glück fehlt ihm noch eine richtige Familie. Angelica Neal, Kurtisane von Stand, ist die Frau seines Herzens. Doch um sie für sich zu gewinnen, muss er ihr eine lebende Meerjungfrau schenken...

MEINE MEINUNG:
Das London des 18. Jahrhunderts - was für ein Schauplatz für einen Roman über Meerjungfrauen. Ist "Die letzte Reise der Meerjungfrau" überhaupt ein Buch über Meerjungfrauen? Es wird nicht ganz deutlich, mehr ist es wohl ein Gesellschaftsroman mit ganz leichten phantastischen Zügen. Klar ist aber, dass Debüt-Autorin Imogen Hermes Gowar einen unglaublich atmosphärischen Stil hat, der diese Stadt mit ihrer Atmosphäre, ihren Besonderheiten und ihren unterschiedlichen Bewohner auf eine so eindrückliche Weise zum Leben erweckt, wie man es selten erlebt. Erzählt wird hauptsächlich die Geschichte von Kaufmann Jonah Hanock und seiner Angebeteten Angelica Neal, aber auch Hancocks Nichte Sukie, die junge Prostituierte Polly und die Kupplerin Mrs. Chappell kommen zwischendurch zu Wort.

Es wird relativ schnell deutlich, dass von den beiden Protagonisten Angelica klar die stärkere ist. Zwar ist sie von ihrem Leben als Edelkurtisante verwöhnt und sie weiß wenig über das Führen eines Haushalts, ist sogar schon glatt arrogant in ihrer Unwissenheit - aber sie kennt es auch nicht anders und kämpft sich, als es wirklich drauf ankommt, mit deutlicher Willenskraft durch. Jonah Hancock hat dafür ein gutes Herz, macht sich ungern Feinde und greift und nur selten mal wirklich durch. Er lässt sich oft von anderen vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat, aber seine Güte lassen einen üft über seine Schwäche hinwegsehen. Sympathieträger ist jedoch eindeutig die quirlige und für ihr Alter trotzdem sehr reife Nichte Sukie. Allen Frauen des Buches ist gemein, dass sie - ob auf gute oder schlechte Weise - für ihr eigenes Leben kämpfen, und dass sie dennoch in den Erwartungen anderer Menschen und ihren eigenen Zwängen gefangen sind - so ist die Situation der gejagten und gefangenen Meerjungfrau wohl eine Allegorie auf eben jene Zustände, könnte man sagen.

Denn diese Nixe kommt viel weniger im Roman vor, als man das bei dem Titel vermuten könnte. Sie ist eher der Auslöser für alle Geschehnisse: Dass sich Angelica und Mr. Hanock kennen lernen, dass sie eine Meerjungfrau verlangt und dass er versucht, ihr diese zu beschaffen. Besonders im Mittelteil wird das Buch eindeutig ein Gesellschaftsroman, der aber durch einige Überraschungen begeistern kann. Erst zum Ende kommen wieder phantastische Elemente auf, die dafür wunderbar genutzt werden: Die Stimmung ist melancholisch, geradezu düster, hat aber ihren ganz eigenen Reiz. Es wird mit den eigenen Erwartungen gespielt, was teilweise anstrengend, aber auch mal etwas ganz anderes ist. Nur das Ende gerät dafür, dass alles zuvor so aussschweifend behandelt wurde, ein wenig zu kurz, vor allem weil zuvor ausführlich beschriebene Handlungsstränge einfach fallen gelassen werden - da hätten ruhig 30 Seiten des Beginns für den Schluss verwendet werden dürfen.

FAZIT:
"Die letzte Reise der Meerjungfrau" ist kein Fantasy-Roman und ganz anders als erwartet, aber er besitzt dafür eine besondere Atmosphäre und viele sehr unterschiedliche Charaktere. Allerdings war mir das Ganze zu Beginn zu langatmig, um dann am Ende zu kurz abgehandelt zu werden. Wer jedoch Lust auf einen Gesellschaftsroman mit phantastischen Elementen hat, die mehr eine Allegorie auf die Realität sind, ist hier gut beraten. 3,5 Punkte, aufgerundet auf 4.

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Tags: bordell, ehe, gesellschaft, kurtisane, liebe, london, meerjungfrau, melancholie, suche   (9)
 

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(31)

83 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

science fiction, andy weir, artemis, mond, jazz bashara

Artemis

Andy Weir , Jürgen Langowski
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 05.03.2018
ISBN 9783453271678
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Ich stieß die Luke auf und stürzte hinein. Alles verschwamm mir vor den Augen, ich schnappte hektisch nach Luft. Mit einem Tritt verschloss ich die Luke, griff nach dem Notvorrat und riss den Sicherungsstift heraus.
Der Verschluss flog weg, und die Luft strömte in die kleine Kammer. Es ging so schnell, dass die Hälfte kondensierte und als Dampf in der Schleuse schwebte, weil die rasche Ausdehnung mit einer starken Abkühlung einherging. Beinahe ohnmächtig sank ich zu Boden.

--

INHALT:

Jazz Bashara lebt in der einzigen Stadt auf dem Mond, Artemis, und hält sich bei den teuren Lebensbedingungen einigermaßen über Wasser, indem sie kleinere kriminelle Tätigkeiten ausführt. Ihr Ziel ist es, mit den anderen EVA-Meistern Ausflüge auf der Mondoberfläche ausführen zu dürfen, aber dafür braucht sie Geld für einen anständigen Raumanzug. Als ihr für einen Coup eine Million geboten wird, scheinen alle Sorgen vergessen, und sie nimmt das Angebot ohne zu zögern an. Doch der Plan geht nicht auf: Sie wird entdeckt und ihr Auftraggeber ermordet. Und nun sind die Täter hinter ihr her...

MEINE MEINUNG:
Zuerst im Selbstverlag erschienen, 2014 von einem Verlag gekauft, zum Bestseller geworden und von Ridley Scott verfilmt - das ist die Erfolgsgeschichte von Andy Weirs Debüt "Der Marsianer". Nach langen Jahren des Wartens legt er nun mit "Artemis" einen neuen Science Fiction- Roman vor, der wieder auf einem fremden Planeten spielt, dieses Mal auf dem Mond. Es wird versucht, vieles anders zu machen: Statt einem Überlebenskampf in unwirtlicher Umgebung geht es nun um einen fehlgeschlagenen Coup, statt eines männlichen Protagonisten haben wir eine weibliche Hauptfigur, und wir begleiten eine Riege von diversen Charakteren. Und doch scheint der Autor sein bestimmtes Schema nicht ablegen zu können, was irgendwann sehr anstrengend wird.

Jazz Bashara ist Muslimin, sie ist intelligent und gewitzt - und sie ist definitiv eigentlich ein Mann. Es ist schön, dass männliche Autoren einen anderen Blickwinkel einnehmen wollen und dass ein Sci-Fi-Roman aus eben diesem erzählt wird, aber hier tritt wieder der klassische Fall davon ein, dass ein Mann meint, aus der Sicht einer Frau schreiben zu können und gnadenlos daneben liegt.Die pubertären Witze haben bei Mark Watney funktioniert, aber sie tun es nicht bei Jazz, ihre ewige Reduktion auf ihren ach so vielen Sex nervt, und kaum eine Frau würde von sich denken, dass sie im T-Shirt eines Mannes schon "sehr sexy" aussieht. Dementsprechend ist für weibliche Leser eine Identifikation definitivsehr schwierig. Auch der Rest der Figuren ist von Diversität geprägt, aber gefühlt eher um genau dieser Diversität willen - bei Dale zum Beispiel, der offen schwul ist, was man daran merkt, dass er immer und immer wieder darauf hinweist. Charaktere sind Andy Weirs Schwäche, und das wird hier sehr deutlich.

Seine Stärke, die technischen und wissenschaftlichen Informationen und Details nämlich, spielt er dafür wieder aus - die Erklärungen sind anschaulich, die sich daraus ergebenden Handlungsstränge größtenteils interessant. Wenn man mal von der recht langatmigen ersten Hälfte absieht, in der beinahe nichts passiert. Erst nach dem Mord wird es spannender, als Jazz um ihr Leben fürchten und daher einen guten neuen Plan aushecken muss. Trotzdem gibt es immer wieder Längen, denn dieser Plan hat sehr viel, und ich meine wirklich sehr viel, mit Schweißen zu tun. Wo im Debüt des Autors jedes Kapitel mit einem fiesen Cliffhanger endete, treibt einen hier nicht so wirklich viel zum Weiterlesen an, und das ändert sich leider auch zu selten. Dafür gibt es einfach zu wenige neue Elemente und zu wenige Charaktere, die man wirklich ins Herz schließt. Es bleibt zu hoffen, dass Weir sich in seinem nächsten Roman wieder an seine Stärken hält.

FAZIT:
In "Artemis" versucht Bestseller-Autor, löblicherweise mehr Diversität bei seinen Figuren unterzubringen, vergisst darüber aber das Innenleben eben dieser. Zudem hat die Geschichte so einige Längen, wodurch an vielen Stellen kein richtiges Lesevergnügen aufkommen mag. 2,5 Punkte dafür, abgerundet auf 2.

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Tags: flucht, kriminell, mond, mord, plan   (5)
 

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(22)

80 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

frauen, elektrizität, gabe, feminismus, dystopie

Die Gabe

Naomi Alderman , Sabine Thiele
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.02.2018
ISBN 9783453319110
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Wir schicken Elektrizität durch geregelte Schaltkreise und Schalter, doch sie will die Form eines lebenden Wesens annehmen, eines Farnkrautes, eines nackten Zweiges. Der Blitz schlägt in der Mitte ein, das Licht strebt nach außen.
Diese Form wächst in uns allen, unser innerer Baum aus Nerven und Blutgefäßen, inklusive Stamm und aller Äste. Die Signale werden von unseren Fingerspitzen über die Wirbelsäule ins Gehirn geleitet. Wir sind elektrisch. Die Gabe, diese einzigartige Kraft, lebt in uns, wie sie es auch in der Natur tut. Meine Kinder, alles, was hier geschieht, befindet sich im Einklang mit dem Gesetz der Natur.

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INHALT:
Bei manchen hat es sich schon länger angekündigt, bei anderen kam es ganz plötzlich und unerwartet: Junge Mädchen auf der ganzen Welt entwickeln auf einmal etwas, das bald "Die Gabe" genannt wird: Es ist ihnen möglich, Elektrizität mit ihren Fingern auszusenden, anderen Schmerzen zuzufügen, sie zu töten. Teilweise können die Mädchen es auch an erwachsene Frauen weitergeben, und damit kehrt sich nun das Altbekannte um: Jetzt sind die Männer das schwache Geschlecht und haben sich den Frauen unterzuordnen. Doch im Umschwung lassen Krieg und Gewalt nicht lange auf sich warten. Die Frauen, getrieben von Macht und Hass, scheinen die Welt nicht gerechter zu machen...

MEINE MEINUNG:

"Die Gabe" verfolgt ein Gedankenexperiment, das so interessant ist und so wichtig bei all den Geschlechterkämpfen, dass mich der Ideenreichtum schier umhaut. Gepriesen als neues "The Handmaid's Tale", von Margaret Atwood selbst gelobt - ein Roman also, der nicht nur unterhalten, sondern vor allem zum Nachdenken anregen will. Dafür gibt es auch verschiedene Perspektiven: eine skrupellose Politikerin; ein misshandeltes Mädchen, das als Gottheit verehrt wird; die Tochter eines Verbrechers; und ein nigerianischer Reporter, der von Anfang an dabei ist. Die Perspektiven sind allerdings leider etwas inkonsistent, teilweise sehr unterschiedlich im Spannungslevel - und auch der Stil verändert sich außer in den Dialogen recht wenig.

Bezeichnend ist, dass es keinen weiblichen Sympathieträger gibt. Bezeichnend besonders im Anbetracht dessen, was Frauen in der Vergangenheit erlebt haben und wie sie dies hier nun dagegen eintauschen, selbst Übel zu verbreiten. Natürlich schwelt im unterdrückten Geschlecht der Wunsch, auch selbst einmal Macht zu haben - aber diese Entwicklung zu brutalen Unterdrückern geht hier doch sehr schnell, und gegensätzliche Stimmen gibt es kaum. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie Margot als Politikerin ihre Kraft für den Aufstieg benutzt, gleichzeitig bringt sie die Geschichte aber auch wenig voran. Ausreißerin Allie verfolgt ihren eigenen Plan und nutzt dafür den religiösen Wahn, aber sie macht lange keine Entwicklung durch. Nur Roxy und Tunde, erstere getrieben von Rache und Verrat, letzterer von dem Wunsch, jemand zu sein, konnten mich in ihren Kapiteln eigentlich immer fesseln.

Insgesamt ist "Die Gabe" schwierig zu bewerten, vor allem als ein Buch, das mehr sein will als eine Dystopie. Es wirft sehr interessante Fragen auf und besitzt ein Szenario, das erschreckend ist - denn egal, welches Geschlecht die Macht besitzt, es wird nicht gerecht sein. Brutalität, Vergewaltigung, Verfolgung sind das Ergebnis, was teilweise schwer zu verkraften ist. Gleichzeitig bietet der Roman aber nicht einmal im Ansatz eine Lösung, es wird alles nur schlimmer, und dann fehlt auch noch der richtige Höhepunkt, der Umschwung, das Ergebnis. Eingebettet als Geschichtsroman eines Mannes in einer eben solchen von Frauen regierten Welt, funktioniert das nicht komplett. Zum Schluss fehlt einfach ein Knall, und das ist schade.

FAZIT:
Naomi Aldermans Idee ist so genial wie anders, weswegen "Die Gabe" trotz einiger Kritikpunkte ein Buch ist, was man gelesen haben sollte. Denn eine Herrschaft durch Frauen würde nicht automatisch alle Probleme lösen. Letztendlich fehlt aber einfach ein befriedigendes Ende. Knappe 3,5 Punkte.

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Tags: elektrizität, gewalt, hass, krieg, macht   (5)
 

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(124)

187 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 124 Rezensionen

trauer, selbstmord, verlust, familie, abby fabiaschi

Für immer ist die längste Zeit

Abby Fabiaschi , Barbara Christ
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 21.03.2018
ISBN 9783810524799
Genre: Romane

Rezension:

Ich räuspere mich. "Weißt du, Eve, man sagt, die Zeit, die wir jetzt gerade durchmachen, nach der Beerdigung, wenn alle anderen weitergegangen sind, das ist die schwerste Zeit der Trauer."
"Ja, ach, ich finde, das ist kompletter Blödsinn", antwortet sie. Als ich auflache, fasst sie den Mut, weiterzusprechen. "Jeder Tag ist anders beschissen. Es wird nie aufhören."
Ich weiß nicht, ob es das Richtige ist, aber ich nicke zustimmend. Wie kann ich so tun, als hätte all das auch positive Seiten? Einzuräumen, dass alles beschissen ist, ist schon mal ein Fortschritt, denn immerhin sind wir uns einig.

--

INHALT:
Die liebende Ehefrau und Mutter Maddy ist tot - vollkommen überraschend, womit sie ihre mitten in der Pubertät steckende Tochter und ihren immer zu viel arbeitenden Mann in eine tiefe Krise stürzt. Und dabei muss sie auch noch zusehen, denn sie ist nicht in den Himmel gelangt, sondern schwebt über der Welt. Ist das das Fegefeuer? Mitansehen zu müssen, wie sich ihre Familie gegenseitig zerfleischt, weil beide das Gefühl haben, mehr hätten tun zu können? Doch sie besitzt ein wenig Einfluss, wie sie feststellt. Und so beschließt sie, ihrem Mann eine neue Frau zu suchen und die Familie dadurch wieder zu kitten...

MEINE MEINUNG:

Tod, Verlust, Trauer und Vergebung - wichtige Themen, die die Menschen beschäftigen und immer wieder gern in Büchern aufgegriffen werden. Auch Abby Fabiaschi macht sich in "Für immer ist die längste Zeit" daran, diesen emotionalen Regungen nachzugehen. Sie erzählt ihre Geschichte aus drei Perspektiven: Die der toten Maddy, die ihrer Tochter Eve und die ihres Mannes Brady. Insbesondere die ersten beiden sind sich aber extrem ähnlich, was nach einer Pause beim Lesen schnell zur Verwirrung führen kann. Der Schreibstil ist dafür jedoch sehr angenehm und ruhig, durchsetzt von spritzigen Dialogen und schönen Beschreibungen.

Die drei Protagonisten sind einem größtenteils sehr sympathisch und vor allem ihre jeweilige Trauer - individuell ausgelebt - wird sehr realistisch dargestellt. Maddy vermisst ihre Familie, tut aber alles, um diese wieder auf den rechten Weg zu bringen. Eve ist ein zickiger Teenager und muss erst entdecken, was alles in ihr steckt. Und Brady will sich ein neues Ziel setzen, um seine Wutanfälle besser kontrollieren zu können. Besonders letzterer macht eine intensive Wandlung durch, die mir gut gefallen hat. Am spritzigsten und spannendsten ist aber dennoch Rory, die Frau, die Maddy als neue Ehefrau auserkoren hat, und die sich diesem Plan doch irgendwie recht stark widersetzt. Sie ist eine leidenschaftliche, humorvolle Person, die man nur ins Herz schließen kann.

Die ersten 100 Seiten sind beeindruckend sensibel und realistisch geschrieben: Die Hinterbliebenen leben aneinander vorbei, beide mit ihren eigenen Sorgen und Schuldgefühlen beschäftigt, während Maddy im Jenseits (oder kurz davor) alles daran setzt, ihre Familie wieder glücklich zu sehen. Danach tritt das Ganze aber erst einmal auf der Stelle, niemand kommt so recht voran und bis die von Maddy auserkorene Frau mal in das Leben von Kind und Mann tritt, sind etwa 150 Seiten vergangen. Zudem will die Autorin unbedingt bis zum Ende ein Geheimnis aus den Umständen des Todes machen, was seltsam ist, wo doch die Verstorbene selbst aus der Ich-Perspektive erzählt und ganz leicht Licht ins Dunkel bringen könnte. So wirkt das Ende, obwohl es einige tolle Weiterentwicklungen der Figuren gibt, relativ gehetzt und auch nicht ganz nachvollziehbar - insbesondere der Epilog, in dem noch einmal alte Figuren ausgegraben werden. Eine Kürzung im Mittelteil und dafür ein verlängerter Schluss hätten dem Ganzen wahrscheinlich gut getan.

FAZIT:
Abby Fabiaschi geht mit dem Thema Tod und Trauerbewältigung weitestgehend sensibel und realistisch um und die Entwicklung der Figuren ist schön mitanzusehen. Die zweite Hälfte weist aber Längen auf und die Heimlichtuerei um den Tod der Protagonistin ist anstrengend. Da hatte ich mir doch ein durchdachteres Ende erhofft. Letztendlich also gute 3 Punkte.

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Tags: jenseits, tod, trauer, trauerbewältigiung, verlust, wut   (6)
 

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(17)

54 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

fantasy, flucht, freundschaft, glaube, blut

Wächter und Wölfe - Das Ende des Friedens

Anna Stephens , Michaela Link
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 15.01.2018
ISBN 9783734161308
Genre: Fantasy

Rezension:

Liris ist tot, und die Gesegnete ist bei dem Leichnam. Die Adlerhöhe hat keinen König mehr. Die Adlerhöhe ist verwundbar.
"Gosfath, Gott des Blutes, Dunkle Dame des Todes, ich danke Euch", flüsterte Corvus. "Ich schwöre, mich dieser Gelegenheit, die Ihr mir geboten habt, würdig zu erweisen. Alles, was ich tue, tue ich zu Euren Ehren." Einer der Häuptlinge drehte sich beim Klang seiner Stimme um, und sein Mund stand vor Staunen weit offen.
"Meine Füße sind auf dem Pfad", vollendete Corvus das Gebet. Er machte drei Schritte vorwärts, hob sein Schwert und begann zu töten. Der König war tot. Lang lebe der König.

--

INHALT:
Der rilporischen Sklavin Rillirin gelingt nach Jahren der Gefangenschaft überraschend die Flucht vor den grausamen Mirak - doch ihre Überlebenschancen stehen denkbar schlecht. Der Seher Dom allerdings eine eine Prophezeiung, die ihre Wichtigkeit herausstelt, und rettet sie in letzter Sekunde vor ihren Verfolgern. Zum Glück, denn Rillirin hat so bedeutende wie erschreckende Informationen: Die Mirak planen einen Krieg und sie werden schon bald in die Städte Rilpors einmarschieren, um ihre verehrten Roten Götter - blutrünstige, folternde Herrscher - zurück in die Welt der Menschen zu holen. Und sollte ihnen das gelingen, würde die Erde in Blut versinken...

MEINE MEINUNG:
Anna Stephens' Debüt ist eindeutig der Dark Fantasy zuzuordnen und macht diesem Subgenre alle Ehre: Die Welt in "Wächter und Wölfe" ist unbarmherzig, blutig und brutal, auf schwache Gemüter könnten die ausführlichen Kriegsszenen abschreckend wirken. Gerade diese sind aber hier absolut realistisch - nichts mit kuscheligen Kämpfen und ein paar Toten. Etwas anstrengend sind die vielen Perspektiven, von denen es die Hälfte (und damit immer noch fünf) ebenfalls getan hätten. So kommen immer wieder eher uninteressantere Figuren zu Wort, und auch wenn die Kapitel meist kurz sind, nimmt einem das zwischenzeitlich den Lesespaß.

Am besten ausgearbeitet sind definitiv die Sklavin Rillirin, der Seher Dom, der Soldat Crys und die Wölfin Gilda und damit sind ihre Kapitel auch die spannendsten - sie alle beweisen auf unterschiedlichste Weise Stärke. Rillirin etwa, indem sie sich von der ängstlichen ehemaligen Gefangenen zur tatkräftigen Helferin verändert, oder Gilda, die in ihrer Güte und ihrem Glauben nie am Guten im Menschen zweifelt. Die Autorin konzentriert sich also intensiv auf das Innenleben der Figuren, was ein positiver Aspekt ist - vergisst aber dafür ungewöhnlicherweise komplett die Äußerlichkeiten. Es ist kaum möglich, sich eine Vorstellung von den Charakteren zu machen, weil man einfach so gut wie nichts über ihr Aussehen erfährt.

Ein ähnliches Problem hat auch das Worldbuilding, das man zwar bald besser kennen lernt und in den Grundzügen stimmig ist, ansonsten aber wenig ausgestaltet wird. Städte, Dörfer, das alles bleibt blass, was enttäuscht. Dafür gibt es viele andere Momente, in denen die Autorin ihre Stärken präsentiert: Den wuchtigen Kampfszenen etwa. Die ersten 170 Seiten plätschern noch etwas dahin, aber nach einem sehr überraschenden Plot Twist gibt es kein Halten mehr und vor allem keine einzige ruhige Minute - sowohl für die Protagonisten als auch den Leser. Es geht Schlag auf Schlag, eine Schlacht folgt auf die nächste und die Gegner scheinen immer einen Schritt voraus zu sein. Es ist eigentlich unmöglich, das Buch am Ende zuzuklappen und nicht direkt wissen zu wollen, wie es weitergeht. Band 2, der im Original noch 2018 erscheinen soll, wird bei der ausweglos erscheinenden Situation sicherlich einiges zu bieten haben - ich jedenfalls freue mich drauf.

FAZIT:
Wer harten Kämpfen und einem düsteren Weltentwurf eher weniger abgewinnen kann, wird mit Anna Stephens' Auftakt der "Wächter und Wölfe"-Trilogie nicht glücklich werden. Fans des Genres, die auf der Suche nach etwas Neuem sind, dürften aber wie ich begeistert sein von der vielen Action und dem hohen Spannungslevel. Teilweise bleiben die Figuren noch ein wenig blass und vor allem sind es ein paar zu viele, das trübt aber nicht meine Vorfreude auf Band 2. Knappe 4 Punkte!

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Tags: blut, flucht, glaube, götter, hass, kampf, krieg, tod   (8)
 

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64 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

thriller, ermittlung, flucht, heyne-verlag, entführung

Ich bin nicht tot

Anne Frasier , Anu Katariina Lindemann
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.11.2017
ISBN 9783453439061
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Ich habe heute Nacht einen Menschen getötet", sagte sie. "Ich habe jemanden umgebracht, um zu dir zurückkehren zu können." Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und rannte davon.
Ihr ehemaliger Freund mit dem Namen, an den sie sich eben erst erinnert hatte, rief etwas hinter ihr her, aber sie lief einfach weiter. Zurück in die Dunkelheit. Und Gott mochte ihr beistehen, aber für ein paar kurze Augenblicke dachte sie tatsächlich darüber nach, zu dem Keller zurückzukehren - zu dem Verlies und zu dem toten Mann, bei dem sie sich fast schon wünschte, ihn nicht erschossen zu haben.--

INHALT:
Nach drei Jahren in Gefangenschaft ist es Detective Jude Fontaine gelungen, ihren Entführer und Peiniger zu überwältigen und sich in Sicherheit zu bringen. Doch zurück in der Wirklichkeit merkt sie schnell, dass sie auch hier keine Ruhe und Geborgenheit zu erwarten hat. Alles hat sich verändert, auch sie selbst. Doch sie ist fest entschlossen, zu ihrem Job als Polizistin zurückzukehren - gegen den Willen ihres neuen Partners Uriah Ashby, der sie für nicht zurechnungsfähig hält. Als sie zu einem neuen Fall gerufen werden, stellt sich jedoch heraus, dass Jude erstaunliche Fähigkeiten entwickelt hat: Sie kann Menschen lesen, was ihnen die entscheidenden Hinweise auf den Täter liefern könnte...

MEINE MEINUNG:
Im Genre der Thriller noch etwas Neues zu finden, erweist sich mittlerweile als relativ schwierig. "Ich bin nicht tot" nimmt als Ausgangsszenario eine Entführung, macht daraus dann aber etwas ganz anderes: Denn als Leser lernt man die Protagonistin nur im bereits gebrochenen Zustand nach den drei Jahren des Martyriums kennen, was so spannend wie erschreckend ist. Der Schreibstil ist teilweise etwas distanziert, aber lebendig in der Sprache und dadurch mitreißend, aber auch schonungslos.

Jude Fontaine ist sicherlich keine einfache Hauptfigur - bei dem, was sie erleiden musste, überrascht das nicht. Teilweise erscheint sie ein wenig zu tough, aber ihre Verletzlichkeit und das schlimme Trauma schimmern immer wieder durch. Ihre Willenskraft ist ein starker Charakterzug, der von der trotzdem vorhandenen Empathie für Opfer nur noch untermalt wird. Ihr Kollege und Partner Uriah Ashby hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen und traut ihr anfangs nicht. Er taut mit der Zeit auf, aber ein paar seiner Entscheidungen sind nur schwer nachzuvollziehen. Die Nebenfiguren bleiben leider ein bisschen blass und besonders der Täter entspricht durchaus dem Klischee, aber darüber lässt sich hinwegsehen.

Denn spannend ist das Ganze allemal. Neben den Morden an jungen Mädchen, die Jude und Uriah aufklären müssen - und die gut mit vergangenen Fällen verwoben werden - ist Jude auch auf der Suche nach dem Haus, in dem sie die drei Jahre festgehalten wurde, um endlich abschließen zu können. Leser sollten nicht zimperlich sein, denn einige Geschehnisse sind durchaus ziemlich brutal, und auch das, was der Protagonistin angetan wurde, lässt nicht kalt. Einige Verbindungen zum Ende hin konnte ich früh erahnen, andere wiederum haben mich überraschen können, sodass auch der Schluss größtenteils rund wirkt. Der Roman ist ein Einzelband - aber einem zweiten Teil wäre zumindest ich nicht abgeneigt.

FAZIT:
Anne Frasiers "Ich bin nicht tot" ist ein packender und teils durchaus brutaler Thriller, der mit den beiden Hauptfiguren und den Verbindungen zwischen einzelnen Fällen punkten kann. Ein paar Schwächen fallen da nicht stark ins Gewicht. Gute 4 Punkte!

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Tags: entführung, ermittlung, flucht, mädchen, mord, partner, suche   (7)
 

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93 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

weihnachten, liebe, familie, bäckerei, kleinstadt

Weihnachten in Briar Creek

Olivia Miles , Yvonne Eglinger
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei LYX, 29.09.2017
ISBN 9783736305298
Genre: Liebesromane

Rezension:

[Sie] eilte [...] die Main Street hinauf zu ihrer Bäckerei und suchte im Vorübergehen die Straßen und Schaufenster nach dem Mann ab, der vorhin in sie hereingerasselt war. Der Zusammenstoß hatte sie dermaßen überrascht und verärgert, dass alles nur so an ihr vorbeirauschte, aber jetzt glaubte sie sich an sein breites Lächeln zu erinnern, die Lachfältchen um seine haselnussbraunen Augen, an das markante Kinn und die schöne, gerade Nase.
Sie hätte ihn jederzeit wiedererkannt, und plötzlich hoffte sie, dass sie ihm wirklich noch einmal begegnen würde. Um sich zu entschuldigen...und vielleicht auch, um herauszufinden, ob er über Weihnachten in der Stadt blieb.

--

INHALT:
Es ist Winter in Briar Creek und damit hält auch der Weihnachtszauber Einzug. Die junge Kara hat vor wenigen Monaten ihre eigene Bäckerei eröffnet, und auch wenn sie diese Jahreszeit liebt, hat sie aufgrund der vielen Arbeit doch kaum Zeit, um sie wirklich zu genießen. Ganz anders ergeht es Nate, der für zwei Wochen seine Tante besucht: Er hat frei, für Weihnachten aber so gar nichts übrig und würde dem Trubel am liebsten aus dem Weg gehen. So gegensätzlich wie die beiden sind, sprühen doch schon bei der ersten Begegnung die Funken zwischen ihnen. Ob Weihnachtsbäckerin und Weihnachtsmuffel einen Weg zueinander finden werden?

MEINE MEINUNG:
In der Weihnachtszeit überkommt es auch mich: Da habe ich mal Lust auf eine locker-leichte Liebesgeschichte, die so richtig in winterlich-festliche Stimmung versetzt. "Weihnachten in Briar Creek" ist der letzte Band einer fünfteiligen Reihe und verspricht genau das. Ich bin komplett ohne Vorkenntnisse an den Roman herangegangen, was aber kein Problem ist, weil jeder davon von zwei anderen Protagonisten handelt. Erzählt wird das Ganze abwechselnd aus den Perspektiven der Turteltauben, der Schreibstil ist besonders in den Beschreibungen der Winterlandschaft zauberhaft - aber mehrmalige Wiederholungen einzelner Gegebenheiten sowie Unstimmigkeiten in den Beschreibungen (da ist der Teint erst blass, später dunkel) stören den Lesefluss.

Dafür hat die Autorin mit Kara aber eine wunderbar sympathische und liebenswerte Protagonistin geschaffen, die nach einer Vergangenheit als Wirbelwind, der nicht wusste, was das Leben bringen soll, zu sich selbst gefunden hat. Sie verfolgt ihren Traum von der eigenen Bäckerei eisern, wird aber selbstverständlich auch von Zweifeln geplagt. Nate ist schon eher von sich überzeugt, denn als erfolgreicher Geschäftsmann meint er, alles im Leben erreicht zu haben. Dass dem eventuell nicht so ist, stellt er erst in Briar Creek fest. Er ist ein netter Kerl, zieht aber oft voreilige Schlüsse und sein Weihnachts-"Trauma" fand ich recht weit hergeholt. Für die amüsantesten Momente sorgen definitiv die unterschiedlichen Stadtbewohner, die zum großen Teil natürlich einem gewissen Klischee entsprechen (die quirlige Schwester, die kuppelnde Tante, etc), aber auch immer wieder für Frische sorgen.

Dieser Roman ist eine Weihnachts-Romanze, damit habe ich gerechnet, und daher war ich positiv überrascht, wie viel Zeit sich mit der Liebesgeschichte gelassen wird - so können sich die Gefühle langsam entwickeln, Leser mit beiden Figuren warm werden und nichts wirkt überhastet. Gleichzeitig wird aber auch der "Konflikt" (dass Nate eigentlich in Boston lebt) arg ausgewalzt, was zu Wiederholungen und Längen führt. Zudem werden sehr unpassend noch kleinere Sequenzen aus der Perspektive von Karas Schwester eingestreut, die so gar keinen Mehrwert für die eigentliche Geschichte haben und dann am Schluss plötzlich ganz einfach fallen gelassen werden. Sowieso ist die Auflösung des ganzen Liebesdramas viel zu knapp und kommt sehr überraschend, ohne den Weg dorthin wirklich auszugestalten, was ein wenig enttäuscht. Nach Schnee sehnt man sich nach dem unvermeidlichen wie schönen Happy End aber trotzdem irgendwie.

FAZIT:
"Weihnachten in Briar Creek" ist, das sagen Titel und Cover schon ganz deutlich, eine winterliche Romanze mit einer Prise Kitsch und ganz viel Zärtlichkeit. Tatsächlich entwickelt sich die Liebesgeschichte angenehm langsam und bleibt so glaubwürdig - die Dramen waren mir dann aber doch ein wenig zu viel und das Ende wurde mir viel zu kurz abgehandelt. Insgesamt knappe 3,5 Punkte.

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Tags: familie, feiertage, gemeinschaft, konflikt, liebe, schnee, weihnachten, wettbewerb   (8)
 

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(65)

189 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

fantasy, geister, königin, sarah beth durst, die blutkönigin

Die Blutkönigin

Sarah Beth Durst , Michaela Link
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 30.10.2017
ISBN 9783764531881
Genre: Fantasy

Rezension:

"Warum?", fragte Daleina. "Warum hilfst du mir?"
Sie zuckte mit den Schultern und vermied es, Daleina in die Augen zu sehen. "Während des ganzen Unterrichts bist du die Einzige gewesen, die es gewagt hat, eine Frage zu stellen, die Einzige, der das Lernen wichtiger war, als ein abgerichteter Affe von denen zu sein und blöde Examen zu bestehen. Offen gesagt, ich brauche jemanden zum Reden, und du bist die Einzige, die zumindest ein Fünkchen Grips im Kopf zu haben scheint."
Daleina musterte sie. Sie ist einsam, ging es ihr durch den Kopf. "Danke."
"Sicher, angesichts deines Mangels an Talent wird dir bestimmt nur ein kurzes Leben beschieden sein, aber ich werde deine Gesellschaft genießen, bis zu in Fetzen gerissen wirst."
Daleina wiederholte: "Danke", etwas weniger dankbar. Dann schlossen sie sich den anderen Schülerinnen an, um zu hören, wer bestanden hatte und wer durchgefallen war.

--

INHALT:
Das Land Renthia ist von Geistern bevölkert, die nur zwei Dinge im Sinn haben: Erschaffen und Zerstören. Um diese beiden Ziele in Einklang zu bringen, braucht jedes Königreich eine Königin, die die Geister kontrolliert. Nur Frauen besitzen die Gabe, sie zu befehligen - und als die junge Daleina aus dem Königreich Aratay ihre Familie vor einem Geister-Angriff bewahrt, wird deutlich, dass auch sie mit dieser Fähigkeit gesegnet ist. Und sie ist eine der Auserwählten, die eine der Akademien für Thronanwärterinnen besuchen dürfen. Allerdings ist sie ganz eindeutig nicht die Beste und so stehen ihre Chancen, jemals Königin zu werden, denkbar schlecht. Jedenfalls bis sie von einem Meister erwählt wird, der sie ausbilden will: Es ist Ven, der vor Jahren von der amtierenden Königin verraten wurde...

MEINE MEINUNG:
Es ist lange her, dass ich das letzte Buch von Sarah Beth Durst gelesen habe - aber ihr bildlicher Schreibstil und ihre phantastischen wie originellen Ideen sind mir im Gedächtnis geblieben. Sie schreibt keine konventionellen Fantasy-Romane, die nach bewährtem Schema ablaufen, und das wird auch in "Die Blutkönigin" schnell deutlich. High Fantasy für junge Leser hat oft einen faden Beigeschmack, weil sich statt auf das Worldbuilding mehr auf die Liebesgeschichte konzentriert wird. Zum Glück ist das hier nicht der Fall: Der packende Schreibstil zieht einen schnell in eine Geschichte voller Überraschungen und großartiger Ideen. Und mit der jungen Daleina und ihrem Mentor Ven gibt es zwei Protagonisten, die man sehr gern begleitet.

Daleina ist bei weitem nicht diese "besondere" Hauptfigur, die alles kann und von jedem bewundert wird. Im Gegenteil - sie ist die wahrscheinlich am wenigsten talentierte Kandidatin. Doch was sie nicht an Fähigkeiten vorweisen kann, macht sie durch Intelligenz, Mut und Persönlichkeit wett. Sie hat Fehler, aber sie versucht immer, Gutes zu bewirken, und das macht sie sehr sympathisch. Meister Ven ist ein tief enttäuschter Mann, der seiner Vergangenheit mit der Königin nachhängt, ihr aber auch des Öfteren die Stirn zu bieten vermag. Er ist streng und unnachgiebig, aber mit seiner fürsorglichen Art dennoch etwas wie ein Ziehvater. Durch die Tatsache, dass nur Frauen Oberhaupt der Königreiche von Renthia werden können, sind die Charaktere zum größten Teil weiblich - eine tolle Abwechslung. Zugegeben, Daleinas Freundinnen konnte ich nicht alle auseinander halten, das ist zum Teil aber auch der Fülle geschuldet. Und Zickenkrieg sucht man vergebens: Selbst die talentierte und hochnäsige Merecot ist insofern keine Konkurrenz für Daleina als dass sie einander trotzdem helfen - auch ungewöhnliche Freundschaften werden geschlossen, was wunderbar zu lesen ist.

Mit den Geistern, die die Welt instand halten und gleichzeitig die Menschen töten wollen, hat die Autorin ein abstraktes Konstrukt entworfen, das sie großartig erklärt. Noch viel besser gefällt aber ihre Welt: Denn die Bewohner Aratays leben in den Bäumen, in den Kronen und Ästen werden Häuser gebaut, verbunden sind einzelne Städte durch Brücken und Seildrähte - eine wunderbare Idee, die eine besondere Naturverbundenheit porträtiert. Der Leser begleitet Daleina während ihrer Ausbildung in der Akademie und bei Meister Ven, wobei sie dem Tod mehr als einmal knapp entkommen muss. Das Leben mit und unter Geistern ist gefährlich, und so ist es kein Wunder, dass man sich mehr als einmal von liebgewonnenen Figuren verabschieden muss. Es gibt eine kleine Liebesgeschichte, die aber nur einen Bruchteil der Handlung einnimmt (fast schon wieder zu kühl wirkt), ansonsten wird sich komplett auf Daleina und ihr Ziel konzentriert. Ein paar kleinere Längen im Mittelteil werden zum Glück immer wieder von actionreichen Szenen aufgelockert - und der Schluss ist erschreckend, überraschend und absolut konsequent. Band 2 handelt von einer anderen Protagonistin und man darf gespannt sein, wie die Geschichte weiter gesponnen wird.

FAZIT:
Sarah Beth Durst hat sich in "Die Blutkönigin" eine umwerfende Welt erdacht, die einen schnell in ihren Bann zieht. Viele neue Ideen und starke wie liebenswerte Frauen runden das Bild ab. Bis auf ein paar kleinere Längen ein echtes Lesevergnügen. Sehr gute 4 Punkte!

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Tags: ausbildung, bäume, gefahr, geister, kampf, königin, tod   (7)
 

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479 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 93 Rezensionen

drachen, fantasy, iskari, kristen ciccarelli, liebe

Iskari - Der Sturm naht

Kristen Ciccarelli , Astrid Finke
Fester Einband
Erschienen bei Heyne, 02.10.2017
ISBN 9783453271234
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Abrupt wandte sie sich von dem Ausblick ab und hob die Säbel auf. Sie spürte den Blick ihrer Cousine im Rücken. Dieses Mal sprach Safira die Frage, die ihr auf der Zunge lag, nicht aus. Das hieß jedoch nicht, dass Asha sie nicht hörte.
"Sobald es vorbei ist, erzähle ich dir alles", sagte sie deshalb. "Versprochen."
Safira würde ihr Geheimnis nicht verraten. Daran hegte sie nicht den geringsten Zweifel. Aber wenn der Drachenkönig herausfand, dass Safira von den verbotenen Handlungen seiner Tochter gewusst hatte, wäre das ihr Ende. Asha durfte ihre Cousine nicht in eine Lage bringen, die noch mehr Gnade vom König erforderte - denn mehr Gnade konnte er ihr einfach nicht gewähren.
Je weniger Safira wusste, desto besser war sie geschützt.

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INHALT:
Asha, Tochter des Königs, leidet unter schrecklichen Schuldgefühlen: Als Kind hat sie mit verbotenen Geschichten den gefährlichsten aller Drachen, Kozu, herbei gelockt, der mit seinen Flammen viele Menschen getötet und ihren eigenen Körper zu einem Drittel verbrannt hat. Von den Bewohnern des Königreichs wird sie daher gefürchtet und gehasst. Um ihre Tat wieder gut zu machen hat sie sich einer großen Aufgabe verschrieben: Alle noch übrigen Drachen zu töten und die Gefahr damit zu bannen. Sie ist auf dem besten Wege, ihr Ziel zu erreichen, aber immer wieder kommen ihr ihre Sorgen über die bevorstehende Vermählung mit dem grausamen Jarek in die Quere. Doch dann bietet ihr Vater ihr einen Ausweg: Wenn sie Kozu tötet, sagt er die Hochzeit ab. Asha weiß, dass dies ihre einzige Chance ist. Aber nachdem sie sich mit dem Sklaven Torwin verbündet hat, kommen ihr Zweifel an der Mission und an allem, was sie geglaubt hat zu wissen...

MEINE MEINUNG:
High Fantasy ist auch im Jugendbuchbereich immer mehr auf dem Vormarsch, enttäuscht aber oft durch unausgereiftes Worldbuilding und ein zu großes Augenmerk auf die Liebesgeschichte. Nicht so "Der Sturm naht", Band 1 der "Iskari"-Trilogie von Kristen Ciccarelli, deren von Drachen bevölkerte und von alten Geschichten und Bräuchen bestimmte Welt einen schnell in den Bann zieht. Und das, obwohl ich persönlich Drachen normal sterbenslangweilig finde. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, voller wunderbarer Details, und insbesondere die eingewobenen alten Sagen, die die Welt ein wenig erklären, wissen zu begeistern.

Asha ist nicht unbedingt eine einfache Protagonistin. Aufgewachsen unter dem Einfluss ihres Vaters, der alle alten Bräuche auslöschen will, und überzeugt von ihrer Schuld, sträubt sich sich gegen jeden aufkommenden Zweifel. Das wird zwischenzeitlich anstrengend, ist aber nichtsdestotrotz verständlich und vor allem macht sie auf diese Weise eine sehr glaubwürdige Entwicklung durch. Love-Interest Torwin, Sklave ihres Verlobten, erscheint dagegen erst einmal blass und lange ohne eigene Ambitionen und Wünsche. Auch zum Ende hin hat er noch Merkmale des typischen Manic Pixie Dream Boys, aber aufgrund seiner liebevollen Art und weil er sich nicht alles gefallen lässt, schließt man ihn dennoch ins Herz. Während Kommandant Jarek ein relativ klischeehafter Fiesling ist, können Nebencharaktere wie Ashas starke und kämpferische Cousine oder ihr zart wirkender, aber Pläne schmiedender Bruder punkten, sodass der Roman von einer Riege lebendiger und fast durchweg gut charakterisierter Figuren bevölkert wird.

Nach einem starken Beginn, der Asha in Aktion während eines Kampfes mit einem Drachen zeigt, wird der Leser erst einmal in die Welt und ihre Eigenheiten eingeführt. Bis sich die Protagonistin tatsächlich mit dem Sklaven Torwin verbündet und einigen Geheimnissen auf die Spur kommt, dauert es so seine Zeit, aber spätestens ab der Hälfte zieht das Tempo richtig an. Die Charaktere sind eigentlich permanent unterwegs und schmieden Pläne oder geraten in Gefahr, sodass keine Langeweile aufkommt. Romantik ist vorhanden, entwickelt sich aber wunderbar langsam, wodurch sie die Geschichte perfekt unterschützt, anstatt sie zu verdrängen. Einige Entwicklungen konnte man schon früh vorhersagen, aber Schreibstil und Dialoge machen das wieder wett. Das Ende ist in sich recht geschlossen, lässt aber noch Stränge für die folgenden Bände offen - die sicherlich erneut einiges zu bieten haben.

FAZIT:
Ich bin kein Fan von Drachen und trotzdem mochte ich den ersten Band der "Iskari"-Trilogie sehr gerne - das sagt einiges aus. Kristen Ciccarelli hat keine völlig neue, aber dafür eine schöne und mitreißende Geschichte erschaffen. Ich freue mich schon darauf, im September kommenden Jahres wieder mit Asha auf die Reise gehen zu können. Sehr gute 4 Punkte!

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Tags: drachen, fluch, flucht, geheimnis, wahrheit   (5)
 

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147 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

zwangsstörung, freundschaft, john green, zwangsgedanken, erste liebe

Turtles All the Way Down

John Green
Fester Einband
Erschienen bei Penguin, 10.10.2017
ISBN 9780241335437
Genre: Jugendbuch

Rezension:

She told me she wanted to see me in ten days. You can kind of measure how crazy you are based on how soon they want to see you back. Last year, for a while, I'd been at eight weeks. Now, less than two.
On the walk from her office to Harold, I looked up the case report. That woman, she did have a fever. I told myself to feel relieved, and maybe I did for a little while, but by the time I got home, I could hear the whisper starting up again, that something was definitely wrong with my stomach since the gnawing ache wouldn't go away.
I think, You will never be free from this.
I think, You don't pick your thoughts.
I think, You are dying, and there are bugs inside of you that will eat through your skin.
I think and I think and I think.
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INHALT:
Die junge Aza ist eigentlich viel zu sehr mit sich selbst und ihren Zwangsstörungen beschäftigt, um sich Gedanken um den verschwundenen Milliardärr Russell Pickett zu machen. Doch ihre beste Freundin Daisy möchte unbedingt die Belohnung von hunderttausend Dollar einstreichen, und da sie weiß, dass Aza einmal mit Picketts Sohn Davis befreundet war, überredet sie sie zu einem Ausflug. Tatsächlich entdecken die beiden auch eine kleine Spur - vor allem aber entdeckt Aza alte Gefühle für Davis wieder. Aber als ihre Angstzustände schlimmer werden, fragt sie sich, ob sie für solch eine Beziehung überhaupt bereit ist...

MEINE MEINUNG:
Lange mussten wir auf John Greens neuen Roman warten - fünf Jahre, um genau zu sein. Es ist schwierig, nach einem solchen Erfolg wie es der letzte einer war, wieder anzuknüpfen, aber mit "Turtles All the Way Down" ist ihm das durchaus gut gelungen. Erneut erzählt er eine Geschichte aus der Sicht eines jungen Mädchens und erneut funktioniert das überraschend gut. Fans seines metaphorischen, lyrischen und manchmal etwas geschwollenen Stils kommen auch hier wieder auf ihre Kosten; wer ihn nicht mag, lässt besser die Finger davon. Die Dialoge sind gewohnt spritzig, ein bisschen abstrus und mal berührend, mal urkomisch - ganz John Green also.

Aza ist eine Protagonistin, die sich stark von anderen abhebt. Sie ist kein liebenswürdiges junges Mädchen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Stattdessen hat sie viel schwerwiegendere Probleme, denn ihre Angstzustände und Zwangsstörungen bestimmen einen Großteil ihres Lebens - weswegen sie unbewusst und ungewollt egoistisch handelt, da sie ihre Sorgen ganz einfach nicht abstellen kann. Sie ist trotzdem sympathisch und versucht sich zu ändern, auch wenn das nicht so einfach funktioniert. Ihre beste Freundin Daisy ist diejenige, die mit ihrer frischen und wilden Art nicht nur für die witzigsten Momente sorgt, sondern sie ist auch Azas Stützpfeiler. Sie ist immer für ihre Freundin da, nimmt aber auch nicht alles einfach so hin. Und dann ist da noch Davis: Deutlich weniger ein Manic Pixie Dream Boy ohne eigene Ambitionen als es noch Augustus war (so sehr ich ihn auch mochte). Er kümmert sich um seinen Bruder und möchte nur einmal nicht wegen seines Geldes, sondern wegen seiner Persönlichkeit gesehen werden, weswegen man ihn sehr schnell sehr gut leiden kann.

Das Buch beginnt und endet großartig - wir begleiten Aza auf ihrer Reise durch ihre Gedanken, bei dem Versuch, eine normale Beziehung zu führen und den richtigen Weg für sich zu finden. Aufhänger für all das ist das Verschwinden des Milliardärs und das ist auch das größte Problem: Es ist eben nur ein Aufhänger. Es gibt eigentlich keine wirklichen Versuche, Davis' Vater überhaupt zu finden. Das ist prinzipiell nicht schlimm, weil es genug andere Themen gibt, die auch gut behandelt werden - nur wird dadurch dieser kleine Kriminalfall sehr in den Hintergrund gedrängt und erschien mir vor allem am Schluss nur noch wenig plausibel. Dafür merkt man deutlich, wie viel Ahnung der Autor vom Thema Zwangsstörungen hat, denn Azas Probleme werden sehr sensibel und vor allem erschreckend realistisch geschildert. Es passiert gar nicht so viel, aber durch die wunderschöne Erzählweise - inklusive, natürlich, einer Menge toller Zitate - vergehen die Seiten wie im Fluge. Ein für den Autor typisches Ende rundet das Ganze ab, und auch, wenn das Ganze nicht perfekt war, hat es sich für die Reise mit Aza doch auf jeden Fall gelohnt.

FAZIT: 
Die Wartezeit auf John Greens neuen Roman hat sich gelohnt. "Turtles All the Way Down" beschäftigt sich nicht nur mit der ersten Liebe, sondern dem wichtigen und bisher nur selten repräsentierten Thema der Zwangsstörungen. Allerdings wird die Ausgangssituation für alle Ereignisse nur geringfügig behandelt, was ich schade fand. 4 Punkte! 

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Tags: angstzustände, erste liebe, freundschaft., suche, verlust, verschwinden, zwangsstörung   (7)
 

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leigh bardugo, fantasy, das lied der krähen, grischa, krähen

Das Lied der Krähen

Leigh Bardugo , Michelle Gyo
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.10.2017
ISBN 9783426654439
Genre: Fantasy

Rezension:

"Wir kommen von Norden, wie geplant", sagte Kaz.
Jesper ließ den Kopf gegen den Schiffsrumpf sinken und sah zum Himmel. "Fein. Aber wenn Pekka Rollins uns alle umbringt, dann werde ich Wylans Geist dazu bringen, meinem Geist beizubringen, wie man Flöte spielt, nur damit ich euren Geistern so richtig auf den Geist gehen kann."
Brekkers Lippen zuckten. "Dann heuere ich Matthias' Geist an, um deinem Geist in den Arsch zu treten."
"Mein Geist wird keinen Umgang mit deinem Geist haben", antwortete Matthias steif, und dann fragte er sich, ob die Seeluft sein Hirn langsam auflöste.

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INHALT:
Ketterdam ist nicht nur eine lebendige Hafenstadt voller Touristen und Kaufmänner, sie ist auch Brutstätte für allerlei zwielichtige Personen, die vor allem darauf aus sind, anderen ihr Geld abzuknöpfen. Kaz Brekker gehört zu eben diesen zwielichtigen Personen und ist der Anführer der Bande der Dregs, die sich mit ihrer Gewieftheit bereits einen Namen gemacht hat. Als er eines Tages einen überaus lukrativen, aber auch eigentlich unmöglichen Auftrag erhält, ist sein Ehrgeiz geweckt. Gemeinsam mit fünf sehr unterschiedlichen Helfern entwirft er einen Plan, um in das am Besten bewachte Gefängnis überhaupt einzubrechen. Sie alle verfolgen ihre ganz eigenen Ziele, müssen aber trotzdem zusammen halten, wollen sie überleben. Das allerdings ist deutlich leichter gesagt als getan...

MEINE MEINUNG:
Ich bin nicht die Erste, aber ganz sicher auch nicht die Letzte, die sich ein eigenes Bild machen musste vom "Lied der Krähen", das in die Buchwelt eingeschlagen hat wie selten ein Fantasy-Roman zuvor. Die "Grischa"-Reihe von Leigh Bardugo, die im selben Universum spielt, habe ich nicht gelesen, aber zum Glück kann die "Glory or Grave"-Dilogie auch ohne Vorwissen richtig Spaß machen. Erzählt wird sie aus insgesamt fünf Perspektiven, wobei Bandenführer Kaz jedoch am Häufigsten zu Wort kommt. Diese Art der Erzählung hätte bei anderen schnell verwirrend sein können, die Autorin meistert sie aber beeindruckend gut. Der Schreibstil ist wunderbar bildlich, voller Gerüche und Geschmäcker und Gefühle, was dazu beiträgt, dass einen die Atmosphäre schnell gefangen nimmt. Am meisten überzeugen können aber die sehr glaubwürdigen, mal schlagfertig-witzigen, mal gefühlvollen, mal von Zorn getriebenen Dialoge, die einen die Charaktere auch außerhalb ihrer eigenen Perspektiven gut kennen lernen lassen.

Nachdem in letzter Zeit in Fantasy-Romanen aufopferungsvolle, immerzu verliebte und damit sehr langweilige Figuren auf dem Vormarsch zu sein scheinen, sind die verschiedenen, oft ambivalenten Figuren hier eine echte Erfrischung. Es gelingt das Kunsstück, dass man die Charaktere im einen Moment nicht leiden kann, nur um sie kurz darauf zu lieben, weil sie so menschlich sind: Der egoistische, gefährlich lebende Kaz Brekker, der ein altes Trauma mit sich herumschleppt; der spielsüchtige Adrenalinjunkie Jesper; die unglaublich leise und doch so starke Inej; der auf Rache sinnende Hexenjäger Matthias; und die magisch begabte, von Schuldgefühlen geplagte Nina. Der sechste Hauptcharakter, Bombenbauer und Kaufmannssohn Wylan, kommt nicht selbst zu Wort, aber durch die Augen der anderen hat man nichtsdestotrotz das Gefühl, ihn zu kennen. Diese unterschiedlichen Protagonisten mit ihren Geheimnissen und dunklen Vergangenheiten sind das, was das Buch so besonders macht, auch wenn für Nebenfiguren dann schon fast kein Platz mehr ist. Einzig und allein gestört hat mich, dass alle Personen so unfassbar jung sind, was ihren vielen Taten und Errungenschaften manchmal die Glaubwürdigkeit nimmt.

Anfangs brauchte das Buch für mich einige Zeit, um seine volle Wirkung zu entfalten - Ketterdam ist düster und dreckig und sehr komplex, und nicht nur muss man sich in dieser Stadt zurechtfinden, sondern auch mit den Gegebenheiten. Das bessert sich aber irgendwann und spätestens, wenn man die Figuren zu verstehen beginnt und sich an sie bindet - ob man will oder nicht -, kommt man kaum noch zur Ruhe. Trotz vieler Rückblicke wird es nie langweilig, denn gerade durch das Verständnis für Motive und Hintergründe kann man auch jeweilige Entscheidungen besser nachvollziehen. Richtig großartig wird es dann aber auf den letzten 200 Seiten, als der Coup, den die Sechs durchführen wollen, in vollem Gange ist und es nicht nur zu so einigen brenzligen Situationen kommt, sondern auch zu großen Überraschungen, die atemlos zurücklassen. Dabei hofft und bangt man gemeinsam mit den Figuren, nicht nur wenn es ums Überleben geht, sondern auch im Bezug auf die ein oder anderen tieferen Gefühle. Es gibt langsam schwelende und dennoch sehr intensive Romantik, die sich nie in den Vordergrund drängt und gerade deswegen so überzeugend ist. Der Schluss ist actionreich, unerwartet und lässt einem mit dem Gefühl zurück, dass Band 2 noch viel epischer wird - und wenn man den Kritiken glauben darf, trügt dieser Eindruck nicht.

FAZIT:
Epische Fantasy mit durchdachten Figuren, die einem trotz - oder gerade wegen - ihrer Ecken und Kanten ans Herz wachen, das ist "Das Lied der Krähen". Die ideenreiche Geschichte mit viel Action brauchte bei mir etwas Anlaufzeit, konnte mich dann aber überzeugen. Band 2, "Crooked Kingdom" gibt es im Original bereits - und wird hoffentlich auch bald übersetzt. Sehr gute 4 Punkte.

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Tags: dieb, einbruch, gefängnis, phantom, plan   (5)
 

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609 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 131 Rezensionen

fantasy, magie, liebe, worte, amy harmon

Bird and Sword

Amy Harmon , Corinna Wieja
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei LYX, 26.10.2017
ISBN 9783736305489
Genre: Fantasy

Rezension:

Corvyn kniete neben mir nieder und stöhnte entsetzt auf. Ich hob meinen Kopf von Larks Ohr und schaute ihm in die grauen Augen, in denen Tränen der Angst standen. Ich musste ihm Stärke geben und dafür sorgen, dass er glaubte, und sei es nur, damit er selbst überlebte. Ich konzentrierte mich auf das, was gesagt werden musste. Die Macht meiner Worte ergoss sich auf die Pflastersteine. "Verbirg ihre Worte, Corvyn. Denn wenn sie stirbt ... wenn ihr auch nur ein Haar gekrümmt wird, dann wird dir dasselbe Schicksal blühen."
Seine Augen weiteten sich vor Schreck, als sich meine schlossen und die Worte und die Welt um mich herum verstummten.
--

INHALT:
Seit dem Tod ihrer Mutter ist die junge Lark nicht mehr in der Lage, zu sprechen oder ihre Magie zu wirken. Das ist auch besser so in einem Land, in dem Magische bestraft werden. So wächst Lark bei ihrem lieblosen Vater auf und fühlt sich wie in einem goldenen Käfig. Im Hintergrund tobt ein Krieg, doch davon bekommt sie kaum etwa mit - bis sie eines Tages Besuch von König Tiras erhalten, der Lark in Geiselhaft nimmt, um ihren Vater an dessen Kriegspflichten zu erinnern. Die dickköpfige Lark und der geheimnisvolle Tiras kommen anfangs nicht gut miteinander aus, doch bald finden sie Gemeinsamkeiten, entwickeln sogar Zuneigung füreinander. Als der Krieg sich ausweitet und Lark ihre Gabe neu entdeckt, scheint es, als wären sie gemeinsam die Einzigen, die die Gefahr aufhalten können.

MEINE MEINUNG:

Amy Harmon ist eigentlich eher für ihre - durchaus in die Tiefe gehenden - Liebesromane bekannt, wagt sich mit "Bird & Sword" aber nun ins Genre der Fantasy vor. Man bemerkt jedoch sehr schnell, dass sie zwar interessante phantastische Ideen hatte, das Hauptaugenmerk aber entschieden auf die Romantik gelegt hat. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Lark, die über einen Großteil des Buches hinweg nur ohne (gesprochene) Worte mit anderen Charakteren kommunizieren kann, was sehr interessant zu lesen ist.

Lark ist anfangs eine sehr starke Protagonistin, die sich trotz ihrer Stummheit zu helfen weiß, die sich nichts sagen lässt und vor Wissensdurst nur so strotzt. Letzteres ändert sich nicht, ihre Neugier behält sie bei, doch in Anwesenheit von Tiras verwandelt sich sich im Laufe der Handlung immer wieder in ein nichtsnutziges Prinzesschen. Dass ihr Traumprinz ihr mehrmals mitteilt, dass sie ihm "von Nutzen" ist und lernen soll, "ihm zu Gefallen zu sein", stört sie zwar, aber anstatt sich ihm entgegen zu stellen, lässt sie so mit sich umgehen. Tiras hat mir das auch nicht unbedingt sympathisch gemacht - auf den letzten 100 Seiten macht er zwar eine positive Entwicklung durch, sein sexistisches Macho-Gehabe fand ich aber dennoch so gar nicht attraktiv. Der misstrauische und sich selbst verleugnende Kjell und der liebevolle Troll Boojohni sind eindeutig die interessantesten Figuren, erhalten aber viel zu wenig Aufmerksamkeit. Andere Charaktere, insbesondere Frauen, sind ansonsten, wie so oft, leider nur Beiwerk, maximal Konkurrentinnen, damit auch ja niemand Lark das Rampenlicht stiehlt.

Leider hat "Bird & Sword" genau das Problem, was auch viele andere High Fantasy-Romane in letzter Zeit haben: Es ist einfach keine wirkliche High Fantasy, sondern mehr ein schwaches Gerüst, das um die Liebesgeschichte herum gebaut wurde. Informationen zum Königreich gibt es so gut wie gar keine, weil sich Lark zuerst die ganze Zeit bei ihrem Vater und dann in Tiras' Schloss aufhält. Irgendwo herrscht Krieg, aber die Kampfszenen, die wir miterleben dürfen, werden sehr schnell abgehandelt, damit sich der König - der enorm viel Zeit hat - wieder Lark widmen kann, um ihr beispielsweise Lesen beizubringen. Larks Entwicklung ist spannend und ihre Gabe durchaus faszinierend, allerdings wird nicht erklärt, warum sie so anders ist als die anderen magischen Fähigkeiten der Bevölkerung. Am Schlimmsten sind aber die Logikfehler, die so einfach hätten vermieden werden können: Etwa ein Mordanschlag auf den König, der nie aufgeklärt wird, oder dass sich eine Gegenspielerin mit dem großen Antagonisten verbünden konnte, obwohl niemand wusste, wer er ist. Einem Lektorat hätten all diese kleinen Schnitzer eigentlich auffallen müssen. Der Showdown wird erneut nur sehr kurz behandelt, der große Bösewicht auf wenigen Seiten getötet und danach ist alles gut - bei der Ausgangssituation hätte man mehr erwarten können.

FAZIT:
Amy Harmon kann schreiben, das beweist sie auch hier - nur reicht das betriebene Worldbuilding bei langem nicht aus, um glaubwürdige High Fantasy zu verfassen. Viele Figuren bleiben blass, es gibt so einige Logiklücken, die immer wieder den Lesefluss stören, und es wird deutlich mehr Wert auf Romantik als die eigentliche Geschichte gelegt. Enttäuschend. Schwache 3 Punkte.

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Tags: kampf, krie, verwandlung, worte   (4)
 

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fuchsnacht, fuchsdoppel, füchse, gefahr, julia mayer

Fuchsnacht

Julia Mayer
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 27.08.2017
ISBN 9783959910750
Genre: Fantasy

Rezension:

Peter Pan nimmt meine Hand und führt mich fort ind das Land, in dem Träume blühen und in dem niemand jemals erwachsen werden muss. Ich sehe die wiegenden Kronen der Bäume unter mir hinweg ziehen, als wäre ich ein Adler, der seine weiten Schwingen ausbreitet. Endlich legt sich die Nacht wie eine Decke über mich und wickelt mich in einen Kokon.
Zum ersten Mal in meinem Leben lauern in der rabenschwarzen Nacht weder Schnäbel noch Krallen, die sich in mein Fleisch bohren. Samtweich treibe ich im Nichts. Jeder Funke Erwartung und Druck fällt von mir ab, meine Knochen lösen sich auf, mein Körper zerfließt in tausend Staubkörner. Nichts spielt mehr eine Rolle - friedvolle Gleichtgültigkeit hält in mir Einzug.
Sterben ist zu leicht. Es ist das Leben, das unendlich viel wiegt.

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INHALT:
Emil ist ein schmächtiger Teenager von 15 Jahren ohne Freunde und mit einem psychisch kranken Vater, um den er sich kümmern muss. Als wäre das nicht schon schlimm genug, versuchen sich auch noch sein Onkel und seine Tante in sein Leben einzumischen. Eines Tages hält er es nicht mehr aus und beschließt, wegzulaufen und seine Mutter zu suchen, die die Familie vor vielen Jahren im Stich gelassen hat. Doch in einer U-Bahn-Unterführung kommt es zu einem tragischen Unfall, und Emil stirbt. Nicht für lange allerdings - denn er erwacht als Fuchsdoppel: Bei Nacht ist er Mensch, tagsüber ein Fuchs. Mit dieser neuen Realität muss er sich erst einmal abfinden. Neue Freunde, ebenfalls Fuchsdoppel, helfen ihm dabei. Aber als einer von ihnen verschwindet, wird deutlich, dass im Dunkeln eine unbekannte Bedrohung lauert...

MEINE MEINUNG:
In Julia Mayers erstem Buch rund um die Tierdoppel, damals noch bei Amazons CreateSpace erschienen, ging es um Rehe. "Fuchsnacht" hat nun ein Zuhause im Drachenmond-Verlag gefunden, und dieses Zuhause kann sich sehen lassen. Dieser Band rund um die Fuchsdoppel kann komplett unabhängig gelesen werden, trotzdem würde ich jedem auch die berührende Geschichte aus "Rehruf" ans Herz legen. Deutlich wird jedoch von Anfang an, dass sich der Schreibstil der Autorin seit 2015 weiter entwickelt hat - die Formulierungen sind noch etwas sauberer geworden und die Dialoge glaubwürdiger. Die Beschreibungen und Geschehnisse sind oftmals so traurig und bedrückend wie im Vorgänger, aber es gibt auch lichte Momente.

Emil ist als männlicher Protagonist ein ungewöhnlich schwacher Charakter. Er ist noch sehr jung, was man ihm auch anmerkt, und er hat es nicht leicht mit seinem psychisch kranken Vater und dem gewalttätigen Onkel. Seine Unsicherheiten sind daher durchaus nachzuvollziehen. Allerdings hat er mir trotzdem zu viel geweint - selbst nachdem er seine Stärke gefunden und angefangen hat, für sich zu kämpfen, bricht er extrem oft in Tränen aus. Dafür konnten mich die anderen drei Fuchsdoppel, mit denen er sich anfreundet, sehr begeistern: Timon ist anfangs nicht begeistert davon, einen Frischling durchzufüttern, zeigt aber bald seine weiche Seite. Kara ist wunderbar liebevoll und eine echte Sympathieträgerin. Biggers bleibt zwar blass, weil er so schweigsam ist, aber wer gut kochen kann, den mag ich sowieso.

Obwohl "Fuchsnacht" ein Fantasy-Roman ist, geht es auch sehr viel um zwischenmenschliche Probleme und wie schon im Vorgänger um Verlust und Tod. Die erste Hälfte dreht sich überwiegend um Emils Versuch, sich mit dem neuen Leben anzufreunden und um seine erste Liebe - eine homosexuelle, die sehr sensibel und gefühlvoll aufbereitet wird. Danach jedoch wird das Buch überraschend düster und teilweise schon geradezu brutal, denn nicht alle Fuchsdoppel haben nur Gutes im Sinn. Das Motiv der Gegenspieler ist mir nicht recht klar gewesen, aber nichtsdestotrotz entsteht eine bedrückende Atmosphäre, die nicht loslässt. Zwei größere Kontinuitätsfehler (in denen beispielsweise davon gesprochen wird, in zwei Stunden ginge die Sonne auf, nur um dann noch eine vierstündige Fahrt plus mehrere Stunden Schlaf bis dahin verstreichen zu lassen) und ein paar Logiklücken stören ein wenig den Lesefluss, aber die Pluspunkte überwiegen. Am Ende ist nicht alles gut, was sehr realistisch wirkt und zur Geschichte passt - auch wenn ich mir vielleicht ein paar mehr Lichtblicke gewünscht hätte.

FAZIT:
Julia Mayers zweiter Roman ihrer Fuchsdoppel-Reihe dreht sich nun um einen männlichen Protagonisten, der es in seinem Leben bisher nicht einfach hatte - und auf den auch nach seiner Verwandlung zum Tierdoppel noch einige Gefahren warten. "Fuchsnacht" wird zum Ende hin überraschend düster, verpackt dies aber zumeist glaubwürdig und fesselnd. Knappe 4 Punkte.

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Tags: füchse, gefahr, tierdoppel, verwandlung   (4)
 

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

suche, geheimnis, weitere leichen, wahrheit

Cainsville – Zeit der Schatten

Kelley Armstrong , Frauke Meier
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.09.2017
ISBN 9783453318588
Genre: Fantasy

Rezension:

Ich hielt mich ein paar Schritte hinter ihm und bereitete mich auf den Anblick vor. Auf keinen Fall wollte ich vor seiner Nase zusammenzucken.
Er erreichte die Fahrerseite. Blieb stehen. Runzelte die Stirn. Hob die Sonnenbrille. Senkte sie wieder. Schaute mich an.
"Haben Sie...?" Seine Stimme verlor sich, und er schüttelte den Kopf. "Natürlich nicht."
Ich ging um den Wagen herum zu der Stelle gleich neben der Fahrertür, an der er sich aufgebaut hatte. Die Leiche...
Die Leiche war verschwunden.
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INHALT:
Seit die wohlhabende und angesehene Olivia Taylor-Jones erfahren hat, dass sie mit Nachnamen eigentlich Larsen heißt und die Tochter zweier berüchtigter Serienmörder ist, ist nichts mehr wie es war. Dass sie vor Kurzem herausgefunden hat, dass eines der ermordeten Pärchen nicht auf das Konto ihrer leiblichen Eltern geht, gibt ihr Hoffnung - aber wie wahrscheinlich ist es, dass sie auch die anderen Fälle aufklären kann? Als sie eines Tages die Leiche einer jungen Frau in ihrem Auto entdeckt, die kurz darauf wieder verschwunden ist, wird ihr klar, dass sie erneut in großer Gefahr schwebt. Und wieder ist sie auf die Hilfe ihres Anwalts Gabriel angewiesen, bei dem sie nie weiß, wann er sie erneut verraten wird...

MEINE MEINUNG:
Der erste Band aus Kelley Armstrongs "Cainsville"-Reihe hat richtig viel Spaß gemacht und auch "Zeit der Schatten" steht dem in nichts nach. Mysteriöse Vorkommnisse, geheimnisvolle Figuren und bedeutungsschwangere Omen sind große Bestandteile dieser Romane, die sich um das ehemalige High Society-Girl Olivia drehen, die nun auf der Suche nach der Wahrheit ist. Erzählt wird die Geschichte weiterhin aus ihrer Ich-Perspektive und ab und zu kommen auch ein paar Dorfbewohner zu Wort, diese Kapitel wurden hier aber gegenüber dem Vorgänger stark reduziert, was ich ein wenig schade fand. Der Schreibstil aber ist genauso fesselnd wie zuvor: Flüssig, allerdings nicht flapsig, und gespickt von sehr amüsanten und glaubwürdigen Dialogen.

Wer die Charaktere in Band 1 mochte, dem wird es hier genauso ergehen. Denn an dieser Front ändert sich kaum etwas, außer dass der junge Rocker Ricky nun einen offiziellen Part in der Dreiecks-Liebesgeschichte einnimmt, die allerdings bisher nur Indizien für Gefühle zwischen Gabriel und Olivia aufweist (was sehr erfrischend und gleichzeitig unendlich nervtötend ist). Die Bewohner Cainsvilles verhalten sich hier noch ungewöhnlicher als zuvor und es wird bald deutlich, dass diese nicht nur die friedfertigen älteren Personen sind, die sie vorgeben zu sein. Olivia trifft zwar immer noch ab und an dumme Entscheidungen, bietet aber mit ihrer sympathischen Dickköpfigkeit und ihrer Intelligenz auch starkes Identifikationspotenzial, sodass man sie gern bei den Nachforschungen begleitet.

"Zeit der Schatten" ist Band 2 von 5 und bietet damit erstmals auch ein paar Antworten - nicht viele und kryptische noch dazu, aber wir kommen dem Kernpunkt näher. Obwohl ein großer Gegenspieler fehlt und die Autorin sich teilweise ein wenig zu stark darauf konzentriert, die Romantik zu etablieren, lernt man auch bald, dass beides durchaus einen Zweck hat. Zwischenzeitlich war mir insbesondere das Hin und Her zwischen Olivia und Gabriel zu viel, aber davon abgesehen reißt der Roman auch dann mit, wenn es seitenlang nur Dialoge gibt. Action sollte man nicht unbedingt erwarten, aber die geheimnisvolle Atmosphäre fesselt dennoch. Nur der Schluss driftet an der ein oder anderen Stelle zu sehr ins Abstruse ab und die Auflösung konnte man sich bereits vorher denken. Das ändert aber nichts daran, dass erneut genug Fragen aufgeworfen wurden, um einem den Nachfolger so richtig schmackhaft zu machen.

FAZIT:
"Cainsville" ist eine Reihe der mysteriösen Geschehnisse und unterhaltsamen Gespräche - Überraschungen gibt es zwar einige, Action oder gar Kämpfe braucht man aber weiterhin nicht erwarten. Das ist jedoch nicht schlimm, denn Kelley Armstrong zieht mit Schreibstil und Charakteren total in den Bann. "Zeit der Schatten" bereitet auf Großes vor, das hoffentlich in Band 3 passiert. Gute 4 Punkte!

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Tags: geheimnis, suche, wahrheit, weitere leichen   (4)
 

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85 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

freundschaft, spreewald, sommer, erste liebe, liebe

Kieselsommer

Anika Beer
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 24.07.2017
ISBN 9783570157732
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mats schüttelte sich. Er hatte keine Zeit, zu lange darüber nachzudenken. Es fiel ihm bemerkenswert schwer, seinen Körper zur Mitarbeit zu überreden. Aber wenn er jetzt nicht versuchte, ins Haus zu gelangen - wer wusste schon, wann sich die nächste Gelegenheit bieten würde? Also huschte er auf raschen Sohlen hinüber zur Veranda.
Wahrscheinlich hätte er überrascht sein sollen, als er den schmalen Spalt sah, wo die Tür nicht ganz ins Schloss geschoben worden war. Vielleicht auch erleichtert, ein zweites Mal so unverschämtes Glück zu haben. Aber nach dem Blick des Mädchens nur Sekunden zuvor gelang ihm nichts von beidem. Im Gegenteil, er war sich jetzt ganz sicher: Sie hatte ihn tatsächlich bemerkt.
Und sie hatte die Tür für ihn offen gelassen.

--

INHALT:

Ella und Tilda sind seit drei Jahren beste Freundinnen und nun steht ihr erster gemeinsamer Urlaub an. Selten haben sich beide auf etwas so sehr gefreut wie auf diese zwei Wochen allein. Doch dann kommt alles anders: An ihrem ersten gemeinsamen Abend wünscht sich Ella, endlich ihrer großen Liebe zu begegnen - und am nächsten Tag treffen die beiden Mädchen auf Mats. Sofort besteht eine Verbindung zwischen ihm und Ella. Eine Verbindung, von der sich Tilda bald nach außen gedrängt fühlt. Das sollte doch ein Mädels-Urlaub werden? Beide Freundinnen versuchen, es einander recht zu machen, doch ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse kommen ihnen dabei immer wieder in die Quere...

MEINE MEINUNG:
Anika Beers Debüt vor fünf Jahren habe ich wahnsinnig gern gelesen und seitdem ihren Werdegang zumindest verfolgt. Mit "Kieselsommer" ist nun ein sommerlicher Jugendroman erschienen, der eine Geschichte rund um Freundschaft und die erste Liebe verspricht. Genau das wird auch geboten, allerdings gänzlich anders als ich das erwartet hatte. Der Konflikt zwischen den Mädchen wird zwar im Klappentext benannt, dass sich insbesondere die eine aber so absurd daneben benehmen würde, hätte ich nicht vermutet. Da macht auch der locker-leichte Schreibstil nicht viel wett, ebenso wenig wie der stetige Wechsel der Perspektive, durch den man zwar Einblick ins das Innenleben jeder der Figuren bekommt, der sie aber auch nicht sympathischer macht.

Tilda ist durchaus noch eine Protagonistin, mit der man sich einigermaßen identifizieren kann: Sie ist fröhlich, willensstark und würde so gut wie alles für ihre Freundin tun. Dass in ihr als drittes Rad am Wagen immer mal wieder Eifersucht aufkeimt, ist zu verstehen. Nicht zu verstehen ist Ellas unmögliches Verhalten. Dadurch, dass sie früher gemobbt wurde - was nie in mehr als einem Halbsatz erwähnt wird -, ist sie sehr unsicher und schüchtern, traut sich selbst nichts zu. Das ist aber keine Entschuldigung dafür, ihre beste Freundin, die ihr so sehr geholfen hat, einfach sofort links liegen zu lassen, sobald ein Kerl in ihrem Leben auftaucht. Sie heult ständig und wird unangebracht eifersüchtig in den unwahrscheinlichsten Momenten - mit diesem Mädchen konnte ich einfach gar nichts anfangen. Und auch Mats war mir nicht sonderlich sympathisch. Zwar versucht er den Freundinnen ab und zu ein wenig Freiraum zu geben, aber er drängt sich dennoch ungefragt zwischen sie und reißt alles an sich. Er scheint als charmant und witzig angelegt zu sein, kam bei mir aber nur als großspurig und selbstverliebt an.

Ich hasse Insta-Love und "Kieselsommer" ist das perfekte Beispiel dafür, warum. Ella lässt einfach, ohne nachzudenken, einen fremden Jungen in ihr Ferienhaus einsteigen, weil seine Zeichnungen sie so berührt haben - und nachdem sie sich zum ersten Mal getroffen haben, sind sie nicht mehr zu halten. Nach wenigen Seiten spricht Ella bereits davon, er sei der Eine und sie hätte immer auf ihn gewartet - wer soll denn das glauben? Natürlich verhält sich auch Tilda nicht ganz richtig, indem sie sich so intensiv gegen die Beziehung wehrt, aber es ist schließlich ihr Urlaub, nicht der von Mats und Ella. Das Verhalten der Figuren und die kitschige, nervtötende Liebesgeschichte haben mich über weite Strecken nur wütend gemacht. Natürlich entsteht aus dem Ganzen ein Lerneffekt - aber aufgrund der Kürze kommt auch dieser nicht wirklich beim Leser an, sodass ich am Ende nur enttäuscht zurückblieb.

FAZIT:
Auf der Suche nach einer sommerlich-leichten Geschichte über Freundschaft und die erste Liebe habe ich mit "Kieselsommer" leider daneben gegriffen. Während sich die Charaktere fast ausschließlich total schlecht benehmen, kam bei mir einfach keine Freude, kein Wohlgefühl auf. Hinzu kommt ein übler Fall von "Liebe auf den ersten Blick", der auch den Rest zunichte macht. Vielleicht eher für jüngere Leser geeignet. Sehr knappe 2 Punkte.

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Tags: erste liebe, freundschaft, instalove, liebe, urlaub   (5)
 

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287 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 146 Rezensionen

fantasy, aditi khorana, jugendbuch, amrita am ende beginnt der anfang, märchen

Amrita. Am Ende beginnt der Anfang

Aditi Khorana , Peter Klöss
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Dressler, 21.08.2017
ISBN 9783791500560
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Auf ein Nicken meines Vaters trat ich vor, griff nach dem Riegel auf dem Deckel und öffnete ihn.
In der Kiste bewegte sich etwas. Erschrocken wich ich zurück. Sikander konnte kaum mehr an sich halten, so viel Spaß bereitete ihm das Ganze.
Vorsichtig trat ich wieder näher. Die Kreatur in der Kiste wand sich. Haut, Haare, Fingernägel, ein Mund - es war ein Mensch! Erst als sie zu mir heraufblinzelte, bemerkte ich, dass es ein Mädchen war. Ein Mädchen in meinem Alter.

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INHALT:
Die 16-jährige Amrita ist die Prinzessin des Königreiches Shalingar und führt ein ruhiges, sorgenfreies Leben - bis eines Tages der Kaiser von Makadon, ein unbarmherziger Eroberer namens Sikander, mit seiner Delegation anreist. Amrita ist ihm versprochen, doch schnell ist ihr klar, dass sie diesen grausamen Mann niemals heiraten kann. Schreckliche Dinge geschehen und sie sieht nur einen Ausweg: Flucht. Gemeinsam mit der Seherin Thala macht sie sich auf die Suche nach der Bibliothek des Seins, um ihr Schicksal zu verändern. Dabei begegnet sie nicht nur einigen Gefahren - sie findet auch sich selbst.


MEINE MEINUNG:
Orientalisch angehauchte High Fantasy, eine selbstbestimmte Protagonistin und die Suche nach einer geheimnisvollen Bibliothek, mit deren Hilfe man Leben umschreiben kann - was kann es Besseres geben? "Amrita" sollte all das und noch mehr vereinen und tatsächlich hat Aditi Khorana einen dazu passenden sehr bildlichen, teilweise metaphorischen und vor allem atmosphärischen Schreibstil. Nur sind 320 Seiten für einen solchen Roman einfach viel zu wenig, sodass so gut wie gar keine Tiefe aufkommt.

Amrita ist leider auch keine besonders starke Protagonistin. Sie weint und jammert viel und sie versteht die einfachsten Dinge nicht - zum Beispiel, als sie bemerkt, dass ihr Dolch ein Schlüssel ist, obwohl ihr zuvor explizit gesagt wurde, dass der Dolch ein Schlüssel ist. Die Seherin Thala ist da schon deutlich interessanter: Abhängig von der Droge Chamak und gebrochen durch die jahrelange Gefangenschaft in Makadon ist sie verständlicherweise wütend - aber nichtsdestotrotz kümmert sie sich immer um Amrita, was diese immerhin zum Ende hin auch erwidert. Sikander ist ein sehr klischeehafter Bösewicht: Eher schmächtig und hässlich versucht er seine Komplexe durch Macht wett zu machen. Zum Ende hin erhält er ein paar mehr Facetten, aber kaum neue Tiefe. Ganz schwach charakterisiert sind allerdings insbesondere die beiden Jungen des Liebes-Dreiecks. Die Romantik spielt keine so große Rolle wie befürchtet, aber dafür, dass sich Amrita zu beiden hingezogen fühlt, dem einen sogar die Liebe erklärt, sind beide ausnehmend blass und zeichnen sich insbesondere durch schwülstige Aussagen aus.

Obwohl sich mit dem Setting und den Ideen so viele Möglichkeiten bieten, hetzt die Autorin durch die Seiten, als hätte sie schnell fertig werden wollen. Es bleibt kaum Zeit dafür, dass Amrita nach der Flucht aus dem Palast ihrer "großen Liebe" nachtrauert, bevor sie auch schon dem nächsten jungen Mann begegnet, ihre wahre Identität nimmt sie relativ problemlos an und jede potenziell gefährliche Situation wird mit ein bisschen Dialog abgehandelt. So kommt überhaupt keine Spannung auf, denn man muss sich um die Figuren ja keine Sorgen machen - sie schaffen sowieso alles mit Leichtigkeit. Erst auf den letzten knapp 100 Seiten wird es interessanter, weil sich die Geschichte ab diesem Punkt anders entwickelt als zu Beginn erwartet. Überraschungen bleiben dennoch aus, bis zum Schluss ist fast alles vorherzusehen. Da hätte viel mehr herausgeholt werden können.

FAZIT:
"Amrita" vereint viele tolle Ideen und besitzt ein wunderschönes, farbenfrohes Setting. Aditi Khorana hetzt allerdings so stark durch ihre Geschichte, dass kaum Zeit für die Figuren und so etwas wie Tiefe bleibt. Die Protagonistin hat mich genervt und die Liebesgeschichte ist unglaubwürdig, sodass nur wenig Positives überbleibt. Dafür gibt es von mir nur ganz knappe 2,5 Punkte, abgerundet auf 2.

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künstliche intelligenz, bolivien, heartware, jenny-mai nuyen, internet

Heartware

Jenny-Mai Nuyen
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.07.2017
ISBN 9783499267079
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Nacht neigte sich dem Ende zu. Sie kauerten auf dem Bett, und Wills Schluchzen ging in einen tiefen Schlafatem über. Eli aber blieb wach. Bis zu dem Augenblick hatte er das Gefühl gehabt, Will gleite ihm davon. Auf eine unbegreifliche Weise war sie ihm fern gewesen. Jetzt schien sie wieder da zu sein, so unmittelbar wie ihr träumender Körper. Das, was sich nun fern anfühlte, war er selbst.
Der nächste Tag war ihr letzter bei Senora Pudin. Sie mieteten ein Auto, kauften eine Leiter, Drähte und Schraubenzieher, eine Tragetasche und Isoliermaterial. Bevor sie losfuhren, versteckten sie zwei Löffel zwischen Bettgestellt und Matratze.
"Damit unsere Liebe an einem Ort zurückleibt", sagte sie.
Wie oft er später daran denken musste. Wie sehr sich ihre Aussage mit der Zeit verfinsterte, leuchtendem Silber gleich, das altert.

--

INHALT:

Vor Jahren wurde Adam Eli von seiner großen Liebe Willenya Curuvija verraten. Er ist für sie ins Gefängnis gegangen und versucht nun, seine Vergangenheit und auch sie zu vergessen, aber es will ihm nicht recht gelingen. Dann erhält er eines Tages eine Mail, die ihn aus der Bahn wirft, denn sie dreht sich um Will. Er soll sie suchen, weil sie etwas so Wichtiges gestohlen hat, dass sie damit die gesamte Welt verändern könnte. Doch sie wird auch von anderen gesucht, die daruch zwangsläufig auch auf seine Spur kommen. Und bald befindet sich Eli auf der Flucht, nur in Begleitung der undurchschaubaren und eventuell gegen ihn arbeitenden Detektivin Mariel...

MEINE MEINUNG:
An Jenny-Mai Nuyens ganz frühe Fantasy-Werke denke ich gern zurück - auch wenn mich viele ihrer späteren Romane nicht mehr genauso mitreißen konnten. Mit "Heartware" wagt sie sich nun erstmals in das Genre der Thriller vor, was mir bei anderen Autoren oft gar nicht gefällt, hier aber wunderbar funktioniert. Die Themen rund um künstliche Intelligenzen, die Machenschaften der Wirtschaftsmächte und die Überwachung der Menschheit sind brandaktuell und werden erschreckend realistisch dargestellt, sodass sich schnell ein fulminanter Sog ergibt. Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven von Adam Eli, seiner unfreiwilligen Begleiterin Mariel Marigny und Y, die viele andere Sichten unter sich vereint, was durchaus Sinn ergibt.

Keine der Figuren des Romans ist so richtig glücklich. Das beginnt schon mit Adam Eli, der nach all den Jahren noch immer seiner Jugendliebe Will nachtrauert und keinen Frieden mit sich, mit ihr und mit ihrer verlorenen Beziehung geschlossen hat. Er ist sehr intelligent und findet für fast alles eine Lösung, aber weil er sich so sehr in seine Sehnsucht verrennt, denkt er oftmals nicht klar - was ihn nicht unbedingt unsympathisch macht, ihn jedoch manchmal ein bisschen zu sehr leiden lässt. Will selbst taucht größtenteils in Rückblicken auf und ist ganz klar ein gebrochenes, zerbrechliches Mädchen, das viele Ecken und Kanten hat, die sie nicht unbedingt zu einem guten Menschen machen. Das ist aber auch nicht notwendig, denn gerade durch ihre Undurchschaubarkeit gewinnt sie an Intensität. Nebenfiguren wie die manipulative und kokette Marigny oder auch die düsteren, skrupellosen Agenten Beckblum, Nakamoto und Dussardier tragen dazu bei, ein Gewirr aus Fragen und verschiedenen Handlungsfäden aufzuwerfen, die kunstvoll verwoben werden.

Nuyen gelingt es, wichtige, spannende Fragen aufzuwerfen, ohne die Antworten darauf dem Leser vorwegzunehmen: Wie weit sollte man für die Liebe gehen? Was ist man bereit, auf dem Weg zum eigenen Ziel zu opfern? Und darf man über das Schicksal der Welt entscheiden? Technische Details über Aktienmärkte, Computer und Wirtschaft sind so gut und verständlich in die Handlung eingebaut, dass einem nichts entgeht - und trotzdem fügen sich die einzelnen Elemente erst zum Ende hin zu einem großen Ganzen zusammen. Zwischenzeitlich gibt es durchaus ein paar Längen, besonders im Mittelteil, der sich bei vielen Dialogen und nur wenig Handlungsfortschritt etwas zieht. Das jedoch machen die rasanten letzten 100 Seiten wieder wett. Die Charaktere und ihre Ambitionen sind kaum zu durchschauen, weshalb auch der Ausgang des Buches lange offen bleibt. Am Schluss wird nicht alles geklärt und nicht jeder findet seinen Seelenfrieden, was realistisch ist - aber die Hoffnung, dass es vielleicht, eines Tages, doch gut werden könnte, bleibt.

FAZIT:
"Heartware" ist ein größtenteils rasanter Thriller, der aber auch dramatische Züge besitzt und insbesondere von den intensiven, sehr ambivalenten Charakteren lebt. Zwischenzeitlich haben sich ein paar Längen eingeschlichen und das ein oder andere Mal wurde mir der Leidensdruck der Figuren zu groß, gefesselt war ich aber fast durchgehend. 4 Punkte.

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Tags: bolivien, bootcamp, reise, suche   (4)
 

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rassismus, angie thomas, the hate u give, jugendbuch, ghetto

The Hate U Give

Angie Thomas , Henriette Zeltner
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei cbj, 24.07.2017
ISBN 9783570164822
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Nein, nein, nein" ist alles, was ich sagen kann. So als wäre ich erst ein Jahr alt und könnte noch kein anderes Wort. Ich weiß nicht, wie ich neben ihm auf dem Boden lande. Meine Mom hat mal gesagt, wenn jemand angeschossen wird, dann versuch, die Blutung zu stoppen, aber da ist so viel Blut. Zu viel Blut.
"Nein, nein, nein."
Khalil rührt sich nicht. Sagt kein Wort. Er sieht mich nicht einmal an. Sein Körper verkrampft sich und dann ist er tot. Ich hoffe, er sieht Gott.
Jemand anders schreit.
Ich blinzle gegen meine Tränen an. Der Polizeibeamte Hundertfünfzehn schreit mich an und zielt mit derselben Waffe auf mich, mit der er gerade meinen Freund getötet hat.
Ich hebe die Hände.

--

INHALT:
Die 16-jährige Starr lebt in Garden Heights, einem als Ghetto verschrienen Schwarzen-Viertel, aber sie geht auf eine Privatschule, die fast nur von Weißen besucht wird. Sie lebt in zwei Welten und weiß nicht, wie sie sie in Einklang bringen soll. Als sie eines Abends mit ihrem besten Freund Khalil auf dem Rückweg von einer Party von einem Polizist angehalten wird, eskaliert die Situation - und Khalil wird erschossen. Auf den Schock und die Trauer folgen bald Verunsicherung und Wut. Denn einerseits will sie darüber reden, den Menschen deutlich machen, wie falsch das war - und andererseits will sie ihre Identität schützen und vor ihren Mitschülern nicht wie ein Ghetto-Mädchen da stehen. Bald muss sie sich entscheiden, was ihr wichtiger ist und wovor sie mehr Angst hat...

MEINE MEINUNG:
Dass die USA in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg an Polizeigewalt erlebt haben, ist kein Geheimnis. 2016 wurden in Amerika in nur neun Monaten 706 Personen durch Cops getötet. Statistiken zufolge waren davon etwa ein Viertel Afroamerikaner - bei nur 13% Anteil an der Bevölkerung. Der Kontinent hat ein Rassismus- und ein Waffenproblem. Kein Wunder also, dass es die "Black Lives Matter"-Bewegung gibt, dass die Stimmen immer lauter werden. Gerade deswegen ist "The Hate U Give" ein so wichtiges, brisantes Buch mit einer Frage, die uns alle angeht: Ist für den Staat das Leben eines weißen Polizisten wichtiger als das eines Afroamerikaners?

Protagonistin in Angie Thomas' Roman ist Starr, eine junge Schwarze, die zwar aus Garden Heights stammt, aber ein vergleichsweise privilegiertes Leben führt. Ein Großteil ihres Freundeskreises besteht aus Weißen, auch ihr Freund ist hellhäutig. Damit ist sie hin- und hergerissen - einerseits fühlt sie sich den Leuten ihrer Hautfarbe und ihres Wohnorts zugehörig, andererseits will sie an ihrer Schule und vor ihren Freunden nicht als das Ghetto-Mädchen dastehen. Sie hat das Gefühl, nicht sie selbst sein zu können, was sehr gut nachvollziehbar ist. Ihren Freund Khalil lernt man nur kurz kennen, aber es wird schnell deutlich, was er für einen Einfluss auf ihr Leben hatte und wie nahe sich die beiden standen. Und auch die anderen Figuren sind toll ausgearbeitet: Starrs liebevolle, manchmal etwas zu beschützerische Familie; ihre zickige und aufbrausende Freundin Kenya, die sich auch nur nach Normalität sehnt; oder eben ihr zärtlicher, verständnisvoller Freund Chris, der sich wunderbar vom in Jugendbüchern vorherrschenden Bad Boy-Stereotyp abhebt.

Es ist nicht richtig, was in diesem Buch passiert, und das Traurige dabei ist, dass genau die Realität widerspiegelt. Menschen werden auf offener Straße erschossen, immer wieder sind es unbewaffnete Afroamerikaner, und obwohl die Bevölkerung aufbegehrt, wird der betreffende Polizist nicht verurteilt. Starr versucht, das zu verhindern, traut sich aber lange nicht, wirklich über das Erlebte zu sprechen. Ihre Zweifel und ihre Angst sind besonders im Anbetracht der Gefahr durch Gangs in ihrem Viertel sehr gut verständlich, dass sie sich aber auch ihrer Familie und den wichtigsten Menschen in ihrem Leben nicht öffnet, erschien mir nicht immer glaubwürdig. Trotzdem habe ich bei ihrem Zwiespalt immer mitgefühlt, ich war genauso wütend und hoffnungslos wie sie, konnte aber auch ab und zu das Glück der kleinen Dinge empfinden. Nur die teils meiner Meinung nach etwas holprige Übersetzung hat mich manchmal stutzen lassen - zum Beispiel wird mal "No, Sir" gesagt, mal "Nein, Sir" und statt "Freund" wird immer vom "Boyfriend" gesprochen. Das ändert aber nichts daran, dass das Buch mit seiner Botschaft fesselt und berührt - und hoffentlich, hoffentlich etwas in den Köpfen der Leser bewegt.

FAZIT:

"The Hate U Give" ist ein ebenso wichtiges wie gutes Buch. Zwar hat mir die Übersetzung an einigen Stellen nicht gefallen, der Inhalt jedoch konnte mich mitreißen und berühren - und nicht selten war ich einfach wütend über die Zustände. Damit ist das Ziel wohl erreicht worden. Sehr gute 4,5 Punkte.

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Tags: polizist, rassismus, schuld, tod, trauer   (5)
 

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69 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

omen, geheimnis, mystik, rätsel, serienmörder

Cainsville - Dunkles Omen

Kelley Armstrong , Frauke Meier
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2017
ISBN 9783453318571
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Namen werden Ihnen wahrscheinlich nichts sagen.
Na klar. Niemand, der im Mittleren Westen lebte, hatte je von Pamela und Todd Larsen gehört.
Eheleute. Serienmörder.
Ich war die Tochter zweier Soziopathen.
Voller Entsetzen starrte ich meinen Laptop an. Ja, ich wusste zwar, wer die Larsens waren, aber viel mehr auch nicht. Das sollte ich ändern.
Aber wozu?
Sie waren Mörder. Verurteilte Serienmörder. Wollte ich mich wirklich mit Details ihrer Taten herumquälen? Oder hoffte ich vielleicht, dass es gar nicht so schlimm war, wie ich gehört hatte?
Oh, sie haben nur sechs Leute umgebracht, nicht acht, wie ich gedacht hatte. Na, das ist ja dann gar nicht so schlimm.

--

INHALT:
Olivia Taylor-Jones führt ein Leben, wie es besser nicht sein könnte: Sie ist schön, sie ist reich, sie ist beliebt und auf dem besten Wege, Ehefrau eines zukünftigen Senators zu werden. Bis sie eines Tages erfährt, dass sie adoptiert wurde - und ihre wahren Eltern das Serienkiller-Ehepaar Pamela und Todd Larsen ist. Zurückgewiesen von ihrer bisherigen Familie und zu stolz, deren Geld zu nehmen, sucht sie verzweifelt einen Job und landet dabei im kleinen Örtchen Cainsville. Cainsville, das viele Geheimnisse hütet, ebenso wie Gefahren. Und das irgendetwas mit der Geschichte ihrer Eltern zu tun zu haben scheint...

MEINE MEINUNG:
Kelley Armstrong ist vor allem für ihre Urban Fantasy-Romane bekannt, von denen viele auch bei uns erschienen sind. Mit den Büchern rund um das Örtchen Cainsville wagt sie sich nun seit 2013 an die Mystery-Thriller heran, die vor allem den Thrill bieten, aber mit geheimnisvollen Vorkommnissen auch immer wieder auf Übernatürliches hindeuten. Erzählt werden alle vier im Original bisher erschienen Teile aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Olivia, was aber immer wieder durch kurze und oft sehr mysteriöse personale Kapitel anderer Figuren unterbrochen wird. Diese schaffen nicht nur eine ganz eigene Atmosphäre, sie geben oft auch schon Hinweise und Erklärungen, ohne jedoch zu viel vorweg zu nehmen.

Olivia ist entgegen des ersten Eindrucks, den man von dem reichen Mädchen aus gutem Hause hat, eine ziemlich toughe Protagonistin mit eigenem Willen und einem ziemlichen Dickkopf, wodurch sie einem schnell sympathisch wird. Der Anwalt Gabriel, der ihr nicht wirklich uneigennützig hilft, mehr über sich und ihre Familie herauszufinden, ist besonders zu Beginn ein ziemlicher Mistkerl, der aber nie verheimlicht, was er ist: Egoistisch und materialistisch. Dass auch er Gefühle hat, kann er jedoch nicht verheimlichen. Und auch die Nebenfiguren stehen den Hauptcharakteren in nichts nach: Ob nun die griesgrämige Vermieterin Olivias, ein freundliches Ehepaar, das deutlich mehr weiß als es sagt, oder die leibliche Mutter Pamela, bei der man sich wie Olivia nicht sicher sein kann, ob sie die Wahrheit sagt - sie alle lassen die Geschichte sehr lebendig werden und bestechen durch ihre glaubhafte Darstellung.

Mit Cainsville hat Kelley Armstrong einen ebenso beschaulichen und niedlichen wie geheimnisvollen und eventuell auch gefährlichen Ort geschaffen. Die Einwohner passen aufeinander auf und helfen sich gegenseitig, aber sie verbergen auch Dinge. Man weiß nie, woran man bei ihnen ist, was wunderbar zu der sowieso schon teilweise schaurigen Stimmung beiträgt. Olivia macht sich derweil mithilfe des Anwalts Gabriel auf eine lebensgefährliche Spurensuche: Denn mit dem Versuch, ihre leiblichen Eltern von den schrecklichen Morden zu entlasten, macht sie sich viele Feinde. Nicht nur die Presse ist hinter ihr her, auch fällt ihr auf dem Weg zur Wahrheit immer mal wieder eine Leiche vor die Füße. Und nicht nur das - die Omen, die sie sieht und die sie erst für Humbug hält, bewahrheiten sich immer öfter und machen nicht nur ihr Angst, sondern auch dem Leser. Zum Schluss wird das Ganze etwas zu abstrus, ist dafür aber auch sehr aufregend und hält sich gerade noch im Rahmen. Auf die Antworten, die uns in Band 2 erwarten, bin ich jedenfalls schon gespannt.

FAZIT:
"Dunkles Omen" ist der atmosphärische und schaurige erste Band der "Cainsville"-Reihe rund um den Versuch, vier Jahrzehnte zurückliegende Doppelmorde aufzuklären. Der Schreibstil ist fesselnd, die Geschichte originell und geheimnisvoll. Band 2, "Zeit der Schatten" erscheint im September auf Deutsch und verspricht neue Fragen und neue gruselige Ereignisse. Gute 4 Punkte!

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Tags: gefahr, geheimnis, omen, rätsel, serienmörder, tod   (6)
 

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nachtblumen, liebe, carina bartsch, sylt, trauma

Nachtblumen

Carina Bartsch
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.06.2017
ISBN 9783499291081
Genre: Liebesromane

Rezension:

Erneut schielte ich über meine Schulter und beobachtete Collin, der das Zeichnen wieder aufgenommen hatte. Ich erinnerte mich an jenes Gespräch auf der Aussichtsplattform, als er dachte, ich würde ihn aushorchen und die erschlichenen Informationen im Anschluss an Vanessa weitertratschen. Er sprach davon, dass er eine glückliche Kindheit gehabt hätte, in der es ihm an nichts fehlte. Wenn das tatsächlich der Fall war, fragte ich mich, warum hatte er dann so große Ahnung vom Kämpfen?
Stille breitete sich zwischen uns aus, als wäre sie unser treuester Begleiter. Collin und ich waren nie allein, sie war immer dabei. Ich lauschte in die Ferne, hörte den Wind und das Meer und hinter mir das Flüstern von Collins Bleistiftmine auf dem Papier.


INHALT:
Jana, die bisher in Heimen und betreutem Wohnen untergebracht war, erhält die Chance ihres Lebens: Sie darf auf Sylt eine Ausbildungsstelle in einem Architekturbüro antreten und dafür im Haus ihres Chefs unterkommen, gemeinsam mit vier weiteren jungen Menschen. Die Eingewöhnung fällt ihr schwer und ihre Ängste bestimmen auch ihr neues Leben. Erst langsam gelingt es ihr, sich zu öffnen und Vertrauen zu fassen. Und dann ist da noch der unnahbare Collin, der ihr Herz flattern lässt - sie aber nur selten an sich heranlässt. Jana muss entscheiden, ob sie alles riskiert, um ihm ihre Zuneigung zu zeigen, oder ob sie lieber auf sicherem Boden bleibt und ihn dadurch eventuell verliert...

MEINE MEINUNG:
Carina Bartsch hat mit ihrer Dilogie um Emely und Elyas vor zwei Jahren einen vollen Erfolg gelandet, von der mir insbesondere Band 2 sehr gut gefallen hat. Um "Nachtblumen" kam ich dementsprechend quasi nicht herum. Der einnehmende, gefühlvolle Stil und die Erzählung aus der Ich-Perspektive sind geblieben, ansonsten hat sich jedoch viel geändert: Die Geschichte ist deutlich ruhiger und geht mehr in die Tiefe. Gleichzeitig tritt die Handlung aber auch vor allem im ersten Drittel stark auf der Stelle und hätte teilweise wohl gekürzt werden können.

Jana ist mit ihrer ängstlichen und zurückhaltenden Art zu Beginn eine sehr anstrengende Protagonistin, vor allem, weil sie dazu neigt, Dinge in sich hineinzufressen. Anstatt auf die Leute, die ihr Vertrauen und Sicherheit bieten, zuzugehen, versteckt sie sich in ihrem Schneckenhaus und macht ihre eigenen Fortschritte immer wieder zunichte. Das erklärt sich zwar mit ihrer Geschichte, die in Therapiesitzungen und Gesprächen aufgedeckt wird, und sie macht eine stetige Entwicklung durch - diese geht aber so langsam vonstatten, dass es zwischenzeitlich frustriert. Love-Interest Collin ist nicht unbedingt der Traumprinz, den ich mir für Jana gewünscht hätte, denn mit seiner arg abweisenden und alle für dumm haltenden Art konnte ich wenig anfangen. Über die erste Hälfte spricht er kaum, gibt nichts von sich preis, weswegen es schwierig ist, ihn kennen zu lernen. Auch er hat eine schwerwiegende Vergangenheit und Fehler machen menschlich, aber ich konnte ihn nicht immer verstehen. Schade fand ich insbesondere jedoch, dass die Nebenfiguren so wenig Entwicklung erfahren bzw. diese eher im Hintergrund passiert, wodurch sie teilweise wie Beiwerk wirken.

Trotz der nur langsam voranschreitenden Handlungen und der kleinen Probleme, die ich also mit den Figuren hatte, war ich beinahe durchgehend gefesselt. Carina Bartsch hat so einen bildlichen und mitreißenden Stil, dass es schwierig ist, sich von ihren Worten loszureißen. Die Liebesgeschichte hat mich zwar nicht komplett überzeugen können, vor allem weil Jana Collin viel zu oft und viel zu viel nachläuft, ihre Emotionen habe ich aber dennoch immer nachempfinden können. Vor allem setzt sich die Autorin aber auf glaubwürdige und, ganz wichtig, sensible Weise mit Krankheit, Verlust und psychischen Problemen auseinander. Die Liebesgeschichte kommt ohne Kitsch, aber nicht ohne Schmerz aus, und für alle Charaktere ist es schwer, ihre alten Verhaltensweisen loszuwerden. Damit weiß der Roman bis zur letzten Seite zu fesseln und vor allem immer wieder zu berühren - besonders am Ende, das einen runden und schönen Abschluss bietet.

FAZIT:
Carina Bartschs neuer Roman "Nachtblumen" ist ganz anders als ihre erste Dilogie, und doch in Sachen Schreibstil und Spannung genauso wunderbar zu lesen. Zwischenzeitlich gibt es einige Längen und nicht immer kam ich mit den Charakteren klar - dennoch war ich fast durchgehend gefesselt und insbesondere vom realistischen Umgang mit familiären und psychischen Problemen berührt. 4 Punkte!

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Tags: ausbildung, erste liebe, konflikte, probleme, wohnheim   (5)
 

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51 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

fantasy, auguren, begabte, das erbe der seher, magier

Das Erbe der Seher

James Islington , Ruggero Leo
Flexibler Einband: 784 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2017
ISBN 9783426520956
Genre: Fantasy

Rezension:

Der Atem des Meisters hing faulig in der Luft. Er lachte, ein scheußlicher Laut voller Verachtung. "Du kannst nicht entkommen. Du kannst mir nicht entkommen."
Zum ersten Mal seit Jahren lächelte Tal. "Du irrst dich. Diesmal gehe ich an einen Ort, an den Aarkein Devaed mir nicht folgen kann."
Er trat einen Schritt zurück, über den Rand der Klippe. Und fiel.
Der Schatten glitt vor, sah zu, wie Tal durch das Tor stürzte, unerreichbar für ihn. Der wirbelnde Ring aus blauem Feuer flackerte kurz weiß auf, dann war er verschwunden und nichts deutete mehr darauf hin, dass es ihn überhaupt gegeben hatte.
Das Wesen starrte auf die Stelle hinab. Die Wellen wogten sichtlich schwächer, als hätte etwas sie beruhigt.
Da begriff der Schatten.
"Das Wasser der Erneuerung", zischte er.
Sein Geschrei erfüllte die Welt.

--

INHALT:
Der junge Davian ist Schüler einer Schule für Begabte, einer der letzten im Land. Er und seinesgleichen werden gefürchtet wie gehasst und unterstehen seit einem Umbruch vor Jahrzehnten den sogenannten Grundsätzen, die es ihnen verbieten, ihre Macht zu missbrauchen. Davor müsste Davian eigentlich sowieso keine Angst haben - egal, wie viel er übt, er kann seine Kräfte nicht einsetzen. Doch dann erfährt er den Grund dafür: Er ist ein Augur, ein Seher, mit besonderen Fähigkeiten, was ihn in große Gefahr bringt. Also flieht er gemeinsam mit seinem besten Freund Werr, um die Wahrheit über sich herauszufinden. Neue Gefährten stehen ihnen dabei zur Seite, aber gejagt von Feinden wissen sie nicht, wem sie eigentlich trauen können...

MEINE MEINUNG:

James Islington beschloss, Autor zu werden, nachdem er Bücher von Patrick Rothfuss und Brandon Sanderson gelesen hatte - und "Das Erbe der Seher" ist das Ergebnis, Band 1 seiner eigenen Fantasy-Trilogie. Die Einflüsse kann man an einigen Stellen erahnen und die Welt braucht ihre Zeit, um eine eigene Dynamik zu entwickeln, aber nichtsdestotrotz ist dies der Beginn einer sehr vielversprechenden Reihe. Der Schreibstil ist größtenteils sehr flüssig und versehen mit wunderbar bildlichen Beschreibungen, ohne zu ermüden, und insbesondere die Dialoge können in ihrem Realismus überzeugen.

Mit Davian gibt es den etwas stereotypen unsicheren Protagonisten, wie so oft ein Waisenkind und mit ihm nicht bekannten Fähigkeiten gesegnet, die über das Schicksal der Welt entscheiden könnten. Er ist allerdings, zum Glück, nicht der mächtigste aller Charaktere und erhält dadurch auch die Chance, Fehler zu machen. Sein gewitzter und fähiger bester Freund Werr und die süße Asha, die immer an ihn glaubt und eine unglaubliche Willenskraft an den Tag legt, sind da dennoch schon etwas weniger klischeehaft. Besonders überzeugen können jedoch die Nebenfiguren, die sich oft schwer in die Karten schauen lassen und sehr unterschiedliche Persönlichkeiten an den Tag legen. Selten lässt sich sicher festmachen, wer nun auf der Seite der Protagonisten steht und wer im Geheimen gegen sie arbeitet. Allerdings tauchen im Laufe der fast 800 Seiten auch ziemlich viele Namen auf und nicht immer konnte ich diese wirklich gut auseinander halten. Eventuell hätte hier etwas gespart werden können.

Wie von High Fantasy gewohnt, gibt es gleichzeitig verschiedene Handlungsstränge, die lange parallel verlaufen und sich schließlich kreuzen. Ungewohnt ist hier jedoch, dass die Charaktere zwischendurch auch wieder getrennt werden - und sich einer von ihnen teilweise sogar auf einer anderen Zeitebene aufhält, was dem Ganzen eine ordentliche Portion Frische verleiht. Mit der Zeit offenbaren sich auch immer mehr originelle Details, die James Islingtons Welt zu einer ganz eigenen machen und eine besondere, zumeist düstere, Atmosphäre schaffen. Insbesondere die Fähigkeiten der Auguren und Begabten sind faszinierend und dementsprechend wissen auch die Kampfszenen zu überzeugen. Auf den letzten 200 Seiten wird dann auch alles aufgefahren, was gute Fantasy ausmacht: Viel Action, viele Tote und so einige Überraschungen. Bis zum Schluss kommt man daher kaum zu Atem und wo Fragen geklärt werden, werden auch direkt neue aufgeworfen. Damit steht einem sehr spannenden 2. Band nichts im Wege.

FAZIT:
Nicht alles ist gänzlich neu in James Islingtons Erstling "Das Erbe der Seher", doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr Originalität hält auch Einzug. Großartige Kämpfe, glaubwürdige Dialoge und viele gut ausgearbeitete Figuren entführen einen in eine Geschichte, die in Band 2 ihr gesamtes Potenzial entfalten könnte. 4 Punkte.

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Tags: administration, auguren, begabte, reise, schule   (5)
 

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142 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

freundschaft, dtv, familie, gefängnis, liebe

Anything for Love

Sarah Dessen , Michaela Kolodziejcok
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 05.05.2017
ISBN 9783423717229
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Wenn du ihn nicht besuchen gehen willst, dann lass es bleiben", sagte sie. "Sag deiner Mutter einfach, du bist noch nicht so weit."
"Ich weiß nicht, ob ich das jemals sein werde. Ich habe meinen Bruder immer geliebt, weißt du", sagte ich. "Aber im Moment hasse ich ihn richtig."
Irgendwo auf dem Schulhof lachte jemand. Zwei Mädchen in Hockeytrikots schlenderten an uns vorbei, die eine hatte ihr Telefon am Ohr, die andere wickelte einen Kaugummi aus. Glückliche, normale Menschen, die ein glückliches, normales Leben führten in einer Welt, die alles andere war als glücklich und normal. Hatte man dies einmal begriffen, hatte man einmal etwas erlebt, das einem das klarmachte, konnte man es nicht mehr vergessen. Wie ein Gesicht. Oder einen Namen. Und egal, wie man zu dieser Erkenntnis gelangt: Ist sie einem erstmal bewusst, dann wird man sie nie wieder los.

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INHALT:
Sydney stand schon immer im Schatten ihres Bruders: In der Kindheit aufgrund seiner einnehmenden Art, mit der er jeden um den Finger wickeln konnte. Und in der Jugend, als seine Probleme und Vergehen immer mehr in den Vordergrund rückten - bis er schließlich betrunken einen Jungen anfuhr und dafür ins Gefängnis musste. Jetzt ist zwar nur noch Sydney ihren Eltern geblieben, aber trotzdem dreht sich alles nur um ihren Bruder und sie fühlt sich mehr und mehr wie unsichtbar. Bis sie nach dem ersten Tag an der neuen Schule eine Pizzeria betritt und dort auf Layla und Mac trifft, die sie fast sofort in ihre Gruppe aufnehmen. Layla wird schnell zu ihrer engsten Vertrauten. Und Mac scheint sie als Erster wirklich zu sehen. Doch im Hintergrund brodeln die Probleme und Sydney ist sich nicht sicher, ob sie ihr neues Leben mit dem alten vereinbaren kann...

MEINE MEINUNG:
Sarah Dessen ist ein Garant für Bücher zum Wohlfühlen, zum Eintauchen in eine wunderbare Liebesgeschichte, gespickt mit ein bisschen Drama, aber vor allem ganz viel Realismus. Genau so verhält es sich auch mit "Anything for Love", dessen Originaltitel "Saint Anything" allerdings einen deutlich besseren Bezug zum Inhalt herstellt. Wie immer ist der Schreibstil ruhig und ganz und gar unaufgeregt - trotzdem schafft er jedoch eine Atmosphäre, die einen sehr schnell an die Seiten fesselt. Die übliche Ich-Perspektive wird auch hier eingesetzt und verschafft einem einen perfekten Einblick in die Gedankenwelt der Protagonistin.

Man kann Sydneys Gefühle und ihren Wunsch, es allen Recht zu machen, durchaus nachvollziehen. Sie steht klar an zweiter Stelle und zeigt dafür im Anbetracht der Lage auch Verständnis - wenn auch etwas zu viel. Oft schluckt sie ihren Ärger nur hinunter und bleibt weiter passiv, tut selbst kaum etwas, um ihrem Glück näher zu kommen. Dass sie immer wieder einsteckt und nicht einmal wirklich der Auslöser für die Veränderungen zum Ende hin ist, ist manchmal doch schwer zu verstehen. Die Charakterstärke, die ihr fehlt, zeigt dagegen ihre neue Freundin Layla. Sie ist zwar etwas naiv, aber ihre quierlige, wunderbar fröhliche Art macht sie zu einer echten Sympathieträgerin. Love-Interest Mac ist, wie immer in den Büchern der Autorin und dennoch absolut erfrischend bei den vielen Bad Boys, ein ganz normaler Kerl. Er sieht gut aus, ja, aber er ist auch höflich, zärtlich und vor allem immer auf das Wohl anderer bedacht. Er ist allerdings schon etwas zu langweilig geraten, was auch daran liegen mag, dass er über die erste Hälfte des Buches relativ wenig sagt.

Besonders schön an Dessens neuestem Roman ist, wie stark die Freundschaft im Vordergrund steht. Zwar entwickelt Sidney im Laufe der ersten 200 Seiten zarte Gefühle für Mac, aber erst nach über der Hälfte nimmt die Romanze Fahrt auf. Bis dahin haben die Figuren die Chance, eine eigene Dynamik untereinander zu entwickeln, was perfekt gelingt. Besonders Lylas ganz unterschiedliche Freunde bilden eine geniale Truppe, die oft zum Lachen bringt. Der Handlungsstrang rund um Sydneys übervorsichtige Mutter, die die Schuld ihres Sohnes einfach verdrängt, wird derweil ein bisschen zu stark ausgewalzt und hätte wohl auch ein wenig gekürzt werden können. So verliert die Geschichte zwischenzeitlich ein wenig an Schwung. Nichtsdestotrotz begleitet einen durchgehend ein Gefühl von sommerlicher Leichtigkeit, das einen auch am Schluss zufrieden seufzen lässt. Für mich das ultimative Dessen-Geräusch, das zwingend auf jeden ihrer Romane folgt.

FAZIT:
Man kann sagen was man will über Sarah Dessens Bücher, schreiben kann die Frau. Im Genre der Liebesromane sind Innovationen nur begrenzt möglich und so kennt man auch hier das Schema zum Teil - was aber nicht heißt, dass es langweilig wird. Der Schreibstil reißt von Beginn an mit und die Charaktere schließt man wieder einmal direkt ins Herz. Meine Sommer-Empfehlung! Gute 4 Punkte.

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Tags: familie, freundschaft, gefängnis, schule, unfall, verlieben   (6)
 

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magie, fantasy, london, vier farben der magie, v. e. schwab

Vier Farben der Magie

Victoria Schwab , Petra Huber
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 27.04.2017
ISBN 9783596296323
Genre: Fantasy

Rezension:

Kell setzte die Schneide auf die Außenseite seines Unterarms. Einen Schnitt hatte er sich heute bereits zugefügt, um die Tür zu öffnen, durch die er vorher getreten war. Nun zog er die Klinge ein zweites Mal über den Arm, woraufhin rubinrotes Blut aus der Wunde quoll. Er steckte das Messer zurück in die Scheide, berührte den Schnitt mit den Fingern und erneuerte den Kreis und die Linie. Anschließend zog Kell den Ärmel über die Wunde - er würde die Schnitte behandeln, sobald er wieder zu Hause war - und warf einen letzten Blick auf den vor sich hinbrabbelnden König; erst dann legte er seine Hand auf das Zeichen an der Wand.
Ein magisches Summen erklang.
"As Tascen", sagte Kell. Durschreite.
Ein Beben durchlief die gemusterte Tapete, dann gab sie unter seiner Berührung nach. Kell machte einen Schritt und trat durch die Wand.

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INHALT:
Der junge Magier Kell kennt vier verschiedene Welten, die eines gemeinsam haben: Eine Stadt namens London. Doch jedes London ist ganz unterschiedlich. Das, aus dem er stammt, das rote, pulsiert vor Magie und Leben. Das graue London besitzt im Gegensatz dazu beinahe gar keine Magie mehr. Im weißen London herrschen Grausamkeit und Unterdrückung. Und im schwarzen London wurde alles Leben von der Magie vernichtet. Als Antari kann Kell von einer Welt in die andere springen und ist damit einer von wenigen, die die Verbindung zwischen den Städten aufrecht erhalten können. Dann fällt ihm eines Tages ein Gegenstand aus dem schwarzen London in die Hände, und ohne sich der Gefahr bewusst zu sein, nimmt er ihn mit ins rote London. Und setzt damit eine Kettenreaktion in Gang, die seinen Heimatort ins Verderben zu stürzen droht...

MEINE MEINUNG:
Victoria Schwabs hochgelobte Trilogie um die vier verschiedenen magischen Londons ist mit "Vier Farben der Magie" nun auch in Deutschland angekommen. Ihre geschaffenen Welten sind besonders, keine Frage, und die Idee weiß von Anfang an zu faszinieren. Es dauert jedoch seine Zeit, bevor die eigentliche Geschichte Fahrt aufnimmt. Bis dahin ist Kell mit lauter kleinen Botengängen beschäftigt, die einem wohl die verschiedenen Londons vorstellen sollen, sich aber auch ziemlich in die Länge ziehen. Der Schreibstil ist bildlich, wirkt aber auch teilweise sehr distanziert, wenn es um die Emotionen der Figuren geht.

Kell ist abgesehen von seinen magischen Fähigkeiten kein allzu spannender Protagonist. Er ist von sich selbst überzeugt, aber oft unvorsichtig, und seine Motivation sind hauptsächlich seine Vergangenheit und sein Ziehbruder Rhy. Die junge Diebin Lila, von der er eines Tages im Grauen London bestohlen wird, besitzt da schon mehr Charakter, auch wenn ihre Handlungen nicht immer komplett nachzuvollziehen sind. Sie ist verständlicherweise neugierig auf die Welt der Magie und stößt andere Menschen, geprägt von ihrem Leben auf der Straße, oft zurück. Mit der Zeit beginnt sie aber auch teilweise sich zu öffnen. Leider hat die Autorin die Angewohnheit, die spannendsten Nebenfiguren mit großen Potenzial zu töten, sodass das Spektrum an Charakteren bald sehr ausgedünnt erscheint.

Obwohl die Geschichte an vielen Stellen außergewöhnlich ist und die vielen Ideen zu begeistern wissen, hat mich das Ganze doch nicht mitgenommen und ich kann nicht einmal den Finger darauf legen, was genau an der Atmosphäre das Problem war. Inhaltlich jedenfalls hatte ich mehr erwartet. Die Storyline ist, schaut man hinter den Schleier, letztendlich doch eher altbekannt und vor allem schnell durchschaut. Die Strippenzieher sind durch und durch böse, der andere, extrem undurchschaubare Antari kommt viel zu wenig vor. Die Kämpfe, die Kell und Lila bestreiten müssen, sind spannend, blutig und großartig geschrieben, aber sie täuschen nicht über die teilweise doch schwache Story hinweg. Zum Ende hin wird es allerdings dafür richtig fesselnd und einige wichtige Fragen werden beantwortet. Zwar bleiben noch einige für den Folgeband ungeklärt, dennoch scheint die Reihe fast schon episodisch aufgebaut zu sein, weil sich in Teil 2 offensichtlich ein neues Problem heraus kristallisieren muss. Wie das funktionieren kann, wird sich zeigen.

FAZIT:

"Vier Farben der Magie" hat mich leider nicht so begeistert wie viele andere Leser. Irgendwie konnten mich die Figuren nicht recht mitnehmen auf ihre Reise, die originell wirkte, aber an vielen Stellen nicht wirklich überraschen konnte. Eventuell versuche ich in Band 2 noch einmal, den Zauber zu finden. 3 Punkte.

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Tags: diebin, gefahr, london, magie, weltenwandler   (5)
 

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1.736 Bibliotheken, 57 Leser, 3 Gruppen, 321 Rezensionen

fantasy, prinz, prinzessin, der kuss der lüge, attentäter

Die Chroniken der Verbliebenen - Der Kuss der Lüge

Mary E. Pearson ,
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ONE, 16.02.2017
ISBN 9783846600368
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Was soll ich ausrichten..."
Ich hörte nicht mehr, was er danach noch sagte, denn die trappelnden Pferdehufe stampften alle ausgesprochenen und unausgesprochenen Argumente in Grund und Boden. Einer Entscheidung folgend, die nie mehr ungeschehen zu machen war, die tausend Träume beendete und einen einzigen gebar, galoppierte ich mit Pauline an meiner Seite auf die Deckung des Waldes zu. Ich sah nicht ein einziges Mal zurück.

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INHALT:
Um den Frieden zwischen ihrem und dem angrenzenden Königreich zu sichern, soll die junge Lia einen ihr vollkommen unbekannten Mann heiraten - was ihr gar nicht gefällt. Kurzentschlossen flieht sie daher in ein Hafenstädtchen weit entfernt von ihrer Heimat, wo sie von nun an als Aushilfe in einem Gasthaus arbeitet. Sie ist das harte Leben nicht gewöhnt, aber alles ist ihr lieber als diese Hochzeit aus Pflicht statt aus Liebe. Eines Tages kehren in der Gaststätte zwei Männer ein: Gutaussehend, hilfsbereit, einer düster, einer freundlich. Lia fühlt sich zu beiden hingezogen. Was sie nicht weiß: Einer ist der Prinz, den sie nicht heiraten wollte. Und der andere ein Attentäter, gekommen, um sie zu töten...

MEINE MEINUNG:
Mit dem von der Autorin erschaffenen Königreich Morrighan ist "Der Kuss der Liebe" eigentlich High Fantasy: Länder, die miteinander im Clinch liegen, Reisen zu weit entfernten Orten, eine epische Liebe - das alles sind Markenzeichen des Genres. Im Deutschen wird das Ganze allerdings als Romantasy angepriesen. Hätte ich das mal vorher gewusst! Erzählt wird die Geschichte größtenteils aus der Ich-Perspektive von Lia, ab und zu kommen auch der Prinz und der Attentäter zu Wort. Die Autorin versucht sich hier in einem Verwirrspiel, welcher der Männer nun wer ist, das manchen nerven könnte. Der Schreibstil ist vor allem in den Dialogen oft plump, die Beschreibungen sind zu Anfang sehr poetisch, später eher eintönig. Einzig die Hintergründe des Königreichs sind interessant zu lesen.

Es gibt 17-jährige, die ein gewisses Verantwortungsbewusstsein haben und es gibt andere völlig ohne ein Gefühl dafür. Lia gehört zu Letzteren. Natürlich ist sie jung und will sich nicht bevormunden lassen, weshalb sie durch ihre Flucht in gewisser Weise für sich einsteht - trotzdem hätte ihr klar sein können, was für Konsequenzen ihr Handeln haben wird. Sie verhält sich oft sehr unbedacht und kopflos, denn obwohl sie nicht gefunden werden will, posaunt sie ihre Stellung mehr oder weniger offen heraus. Sie ist mutig, aber leider nicht besonders schlau. Das zeigt sich auch ein wenig in ihrer Männerwahl. Dadurch, dass man von den beiden Kerlen lange nicht weiß, wer wer ist, ist es schwer, sie zu charakterisieren. Um ehrlich zu sein, waren mir die Unterschiede nicht einmal besonders klar, außer dass Rafe geheimnisvoller zu sein scheint. Die Grenzen zwischen ihnen verschwimmen, für niemanden habe ich wirklich Sympathien gehegt. Die einzigen wirklich überzeugenden Figuren sind die Gasthof-Besitzerin Berdi und die Vagabundin Dihara, beide wirklich starke Frauen voller Wissen und Hilfsbereitschaft.

Wer wie ich den Fehler begeht High Fantasy zu erwarten, wird wahrscheinlich ebenso enttäuscht werden. Von einem Roman dieses Genres erwarte ich vor allem eines: Fantasy. Tatsächlich ist aber auf 550 von 560 Seiten keine Spur von Magie oder auch nur irgendetwas Phantastischem zu finden. Es passiert einen Großteil des Buches über einfach nichts. Lia flieht auf unglaubwürdig problemlose Weise und verbringt dann ein Drittel des Romans damit zu kellnern und mal mit dem einen Mann zu flirten, mal mit dem anderen. Die Liebesgeschichte drängt sich damit so stark in den Vordergrund, dass alles andere untergeht. Es geht nichts voran, es werden keine Fragen beantwortet und Action kann man schon gar nicht erwarten. Erst auf den letzten 150 Seiten geschieht etwas und Lia scheint sogar ein leichtes Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln, aber selbst in dieser gefährlichen Situation lässt es sich die Autorin nicht nehmen, das Liebes-Dreieck weiter anzuheizen. Bis zum Schluss gibt es keine Antworten, stattdessen endet dieser Band mit einem Cliffhanger. Das lässt zwar Spannung aufkommen - befriedigt aber in keinster Weise.


FAZIT:

"Der Kuss der Lüge" ist Romantasy in seiner liebestollsten Ausführung. Das Drumherum mit dem Königreich und der ominösen Gabe der sogenannten Ersten Tochter hätte nicht sein müssen, denn Mary E. Pearson führt diese Ideen sowieso nicht weiter aus, sondern konzentriert sich auf die Liebesgeschichte. Ich hatte mir wenigstens einen Hauch Fantasy versprochen, wurde aber bitter enttäuscht. Sehr, sehr knappe 2 Punkte.

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Tags: attentäter, flucht, liebesdreieck, prinz, prinzessin, verräter   (6)
 

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fantasy, young elites, marie lu, jugendbuch, die gemeinschaft der dolche

Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche

Marie Lu , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Loewe, 16.01.2017
ISBN 9783785583531
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Er streift den Handschuh wieder über und der verstörende Anblick weicht dem von schwarzem, blutbeflecktem Leder. Von Macht.
"Trage deine Makel mit Stolz", sagt er sanft. "Es sind Zeichen - dafür, dass du etwas Besonderes bist. Und wenn du eine von uns wirst, werde ich dich lehren, sie einzusetzen wie ein Mörder sein Messer." Seine Augen werden schmal. Sein dünnes Lächeln wirkt plötzlich gefährlich. "So. Und nun sag mir, kleine Wölfin. Willst du all jene, die dich gequält haben, bestrafen oder nicht?"
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INHALT:
Vor einigen Jahren ging das sogenannte Blutfieber unter den Menschen um - und während es die erkrankten Erwachsenen tötete, ließ es Kinder meistens entstellt zurück. Diese werden nun "Malfettos" genannt, gefürchtet und gehasst. Die junge Adelina ist eine von ihnen, was ihr Vater sie jeden Tag wieder spüren lässt. Als er sie eines Tages verkaufen will, flieht sie und gerät der Inquisition in die Hände. Vor dem sicheren Tod rettet sie eine Gruppe junger Malfettos, die mit besonderen Gaben ausgestattet sind und sich "die Dolche" nennen. Sie haben vor, auch ihre Fähigkeiten hervorzubringen. Doch in Adelina schwelt der Hass auf alles und jeden, und so bringt sie nicht nur sich in Gefahr, sondern auch die anderen...

MEINE MEINUNG:
Marie Lu konnte sich mit ihrer "Legend"-Trilogie eine große Fanbase aufbauen, hatte mich damals aber bereits mit dem 1. Band verloren. Ihre neue Reihe um die "Young Elites" geht nun jedoch in eine völlig andere Richtung: Angesiedelt in einer düsteren und brutalen Welt wartet sie mit einer schwierigen Protagonistin auf - und einem schwachen Worldbuilding, das mir einiges an Lesefreude genommen hat. Da kommt auch der bildliche, oft etwas abgehackte Schreibstil nicht wirklich gegen an - vor allem, weil dieser auch noch durch die erste recht langweilige und ergebnislose Hälfte untergraben wird.

Adelina ist eine Protagonistin, die man so selten in Jugendbüchern finden. Sie ist schon keine Antiheldin mehr, denn eigentlich ist sie nur "anti". Voller Hass und Angst zieht sie ihre Kräfte aus den düstersten Winkeln ihrer Seele, misstraut jedem, schwelgt immer wieder in ihrer Wut. Sie will durchaus Gutes tun, doch ihr Inneres liegt in Scherben, die sie nicht wieder zusammensetzen kann. Leider überrascht sie zwischenzeitlich mit einer absurden Naivität und Dummheit, die so gar nicht zu ihrem sonstigen Wesen passen. Die Dolche, bei denen sie Unterschlupf findet und die sie ihre Gabe lehren wollen, heben sich allerdings gar nicht mal so sehr ab. Auch sie begehen Morde und verbreiten Schrecken, sehen sich selbst aber als Friedensbringer und verurteilen Adelina doch für ihre Art. Das macht sie nicht unbedingt sympathisch. Besonders Love-Interest Enzo fand ich überraschend langweilig in seiner klischeehaften Zwiespältigkeit.

Inhaltlich geht es mindestens so düster zu wie in Adelinas Gedankenwelt, was dem geneigten Leser gefallen kann. Teilweise erinnern die Zustände in dieser italienisch angehauchten High Fantasy-Welt an die im Dritten Reich: Die Ausgrenzungen und Beschimpfungen der Malfettos sind an der Tagesordnung und sogar vor Verbrennungen wird nicht zurückgeschreckt. Die Autorin zeichnet hier ein erschreckendes und bedrückendes Bild. Und auch die Fähigkeiten der Begabten sind gut ausgearbeitet - insbesondere Adelinas Gabe der Illusion ist etwas Besonderes und ihr Lernen, das mit einem Abdriften in noch dunkleres Gefilde verbunden ist, ist toll zu beobachten. Nur leider wirkt der Rest nicht richtig ausgearbeitet, insbesondere die ominösen Schauplätze mit ihren Eigenheiten erscheinen wie hingeworfen. Warum fliegen riesige Rochen am Himmel? Und weshalb in aller Welt gibt es drei Monde? Erklärungen dafür gibt es keine, was ernüchtert. Dafür reißt der Schluss ziemlich vieles wieder raus: Erschreckend, überraschend und erbarmungslos werden hier viele Fortschritte wieder zunichte gemacht, sodass Band 2 spannend beginnen dürfte.

FAZIT:
Ich scheine kein großer Fan mehr von Marie Lus Geschichten zu werden - auch ihre neue Reihe konnte mich beim ersten Band nicht vollständig von sich überzeugen. Die düstere Protagonistin und der geringere Schwerpunkt auf der Liebesgeschichte haben allerdings dazu geführt, dass mir "Die Gemeinschaft der Dolche" besser gefallen hat als "Legend". Eventuell wird da ja im 2. Band auch noch eins draufgesetzt. Knappe 3,5 Punkte.

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Tags: blutfieber, gabe, gewalt, tod, verrat   (5)
 
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