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43 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

fantasy, fliegen, irrlicht, magie, irrlichtfeuer

Irrlichtfeuer

Julia Lange
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783426519431
Genre: Fantasy

Rezension:

"Was ist mit deinen Ausflügen nach Rothentor?"
"So schwer es mir auch fällt, ich werde damit aufhören müssen. Eine Gattin meines Standes kann sich nicht mehr heimlich in Männerkleidung fortschleichen."
Ein humorloses Lächeln hing auf seinen Lippen. "Du wirst es nicht schaffen."
"Ich muss." Sie war froh, dass sie es nicht musste - jedenfalls nicht länger als ein paar Tage. Schon jetzt würde sie am liebsten losstürmen und ihre Schwingen anlegen.
Sie sah auf den Muff, in dem sich ihre Hände verkrampft hatten. "Es tut mir Leid", flüsterte sie. Einer der wenigen Sätze, die sie genau so meinte.
Von Sora kam keine Antwort.
Sie blickte auf. Er war weg. Nur die Spuren seiner nackten Füße waren im Schnee zurückgeblieben.

--

INHALT:
Die junge Alba leidet an einer Krankheit, die ihr immer mehr die Kraft aus dem Körper entzieht. Lange hat sie nicht mehr zu leben und jetzt schon schwinden immer wieder ihre Lebensgeister. Doch bevor sie die Welt verlässt, will sie eines getan haben: Fliegen. Daher werkelt sie unermüdlich an ihren selbst gebauten Schwingen - und als sie unverhofft in den Besitz von Irrlicht, der Energiequelle der Stadt, kommt, scheint ihr Traum in greifbare Nähe zu rücken. Allerdings hat sie nicht damit gerechnet, dass sie durch ihre Taten in die Gefahr geraten würde, von zwielichtigen Gestalten als Spielball genutzt zu werden...

MEINE MEINUNG:
Julia Lange hat in ihrem Debüt "Irrlichtfeuer" eine neuartige Fantasy-Welt geschaffen, die mit der Mischung aus altbekannten und frischen Details überzeugen kann. Zwar ist die Gesellschaft und auch die Struktur des Stadtstaats Ijsstedt stark altertümlich angehaucht, die Technologie und besonders die durch Irrlicht gewonnene Elektrik geben dem aber einen ganz neuen Anstrich. Erzählt wird die Geschichte aus vier verschiedenen Sichten, wobei die Figuren etwa gleich oft zu Wort kommen, auch wenn das Augenmerk deutlich auf Alba liegt. Der Schreibstil ist einem Fantasy-Roman angemessen sehr detailreich und beschreibend - gut gefällt aber besonders der gelungene Bruch im Stil je nachdem, ob jemand aus der Unter- oder der Oberschicht erzählt.

Alba ist eine recht willensstarke Heldin, die von einem mitreißenden Traum getrieben wird und einem durch ihre körperliche Schwäche sehr echt erscheint. Allerdings geht mit ihrem Wunsch auch ein gewisser Egoismus einher: Ihr ist so gut wie nichts anderes wichtig. Sie stammt aus der Oberschicht und ist es deshalb nicht anders gewohnt, aber ich fand es doch recht schade, dass sich kaum eine Wandlung ergibt, sondern sie sich bis zum Schluss nicht wirklich für die Belange insbesondere der ärmeren Menschen interessiert. Da gefiel mir das Irrlichtkind Kass besser. Er ist eines von jenen Straßenkindern, das durch einen Unfall viele Jahre zuvor magische Kräfte erhalten hat - und er hasst die damit einhergehenden Pflichten. Er versucht sich aus den Fängen zu befreien, womit er einem sehr sympathisch wird. Interessante Figuren sind aber vor allem der Graf Karel, der versucht, sein Gebiet sauber zu halten, und sein Sohn Rafael, der sich vollkommen in eine Sache verrennt und damit immer weiter in die Dunkelheit abrutscht.

Das Grundgerüst des Romans ist erst einmal nicht neu: Es gibt arm, es gibt reich und es gibt die Revolutionäre, die dies ändern wollen. Dazwischen tummeln sich zwielichtige Gestalten, geborene Anführer und Menschen, die einfach nur ihr Leben leben wollen. Was der Geschichte jedoch das Besondere verleiht, ist das Irrlicht, Segen und Fluch zugleich. Die normalen Bürger leben in Gefahr und arbeiten dafür, während es nur den oberen Schichten zusteht. Dieser Konflikt wird immer wieder angerissen - allerdings geht er in den anderen Problemen der Protagonistin Alba ständig unter. Diese interessiert sich nämlich ganz einfach nicht dafür, sondern einzig und allein für ihren Wunsch nach dem Fliegen. Natürlich muss hier nicht moralisch der Zeigefinger erhoben werden - ein wirkliches Umdenken hätte ich mir aber schon gewünscht.

Stattdessen tut sie nur notgedrungen mal etwas in die richtige Richtung, die restliche Arbeit verrichten im Grunde die anderen Figuren. Immerhin hat Julia Lange mit Rafael Carrasco einen so spannenden Charakter erschaffen, dass man trotzdem gern dran bleibt. Die Art, wie er immer weiter in die Abgründe abdriftet, ist absolut großartig porträtiert. Leider tritt davon abgesehen vieles auf der Stelle und wären nicht einige überraschende Enthüllungen gewesen - das Ganze hätte sich enorm gezogen. Zum Glück zieht das Tempo zum Ende hin wieder an, und während man zwischenzeitlich noch gedacht hatte, es gebe zu viele offene Fäden für einen zufriedenstellenden Schluss, zeigt die Autorin doch noch ihr gesamtes Talent - und führt alles zu einem großen Ganzen zusammen.

FAZIT:
Julia Lange verwebt in "Irrlichtfeuer" gekonnt neue und alte Ideen und präsentiert damit einen Fantasy-Roman der sich durchaus sehen lassen kann - auch wenn mir persönlich die Protagonistin nicht wirklich zugesagt hat. Abgesehen von einigen Längen bietet das Buch aber sehr originelle Lesestunden. Knappe 3,5 Punkte!

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Tags: aufstand, fliegen, gefahr, irrlicht, revolution, schatten   (6)
 

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53 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

mobbing, drama, liebe, young adult, familie

Holding Up the Universe

Jennifer Niven
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Penguin, 06.10.2016
ISBN 9780141357058
Genre: Jugendbuch

Rezension:

It is my job in life, apparently, to teach gawking, laughing girls lessons about kindness. If you had told me when I was seven or eight that this was something I'd be taking on, that I would never get a break from it no matter how good I felt about myself, I would have said Thank you, but if it's all the same I'll take another job, please. What else do you have for me?
I know what you're thinking--if you hate it so much and it's such a burden, just lose the weight, and then that job will go away. But I'm comfortable where I am. I may lose more weight. I may not. But why should what I weigh impact other people? I mean, unless I'm sitting on them, who cares?

--

INHALT:
Libby Strout war einst die dickste Teenagerin Amerikas und musste mit einem Kran aus ihrem Haus gerettet werden. Nun, 3 Jahre später, hat sie die Hälfte ihres Gewichts verloren und fest vor, wieder zur Schule zu gehen. Doch dort interessiert ihre Mitschüler nicht ihr Fortschritt, sondern ihre noch immer vorhandene Körperfülle. Sie wird gemobbt und nur wenige Freunde halten zu ihr. Dann trifft sie auf Jack Masselin - gutaussehend, beliebt und umgeben von idiotischen Kumpels. Die Beiden haben keinen guten Start, kommen sich dann aber immer näher, fühlen sie sich doch gleichwohl als Außenseiter. Denn auch Jack hat ein Geheimnis: Er kann keine Gesichter erkennen. Nur bei Libby weiß er immer, woran er ist.

MEINE MEINUNG:
Jennifer Niven hat letztes (bzw. in der deutschen Übersetzung dieses) Jahr viele Leser mit "All die verdammt perfekten Tage" begeistern können. Die Mischung aus mitreißender Liebesgeschichte und intensiven, mutigen Themen ist ihr großartig gelungen. Und auch "Holding Up the Universe" kann beides ziemlich gut in sich vereinen. Erzählt wird der Roman - wie auch der letzte - abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten, wobei die Kapitel sehr kurz gehalten sind und einen so dazu antreiben, immer weiter zu lesen. Der Schreibstil ist flüssig und lebt von den vielen wunderschönen Beschreibungen der Gefühlswelt der Figuren.

Libby ist eine wunderbare Protagonistin, die man sich so viel öfter in Jugendbüchern wünschen würde: Trotz ihres Gewichts ist sie mutig, willensstark und selbstbewusst, womit sie zeigt, dass nicht nur schlanke Frauen ein Recht darauf haben, zu zeigen, wer sie sind. Libby kann sehr gut tanzen und laufen wie eine Gazelle - wenn das nicht mal vollständig den Klischees widerspricht! Jack Masselin ist zur Hälfte afro-amerikanisch, daher eher dunkelhäutig und besitzt vor allem einen riesigen Afro, um sich selbst wiedererkennen zu können. Er gibt teilweise zu viel auf die Meinung anderer und verliert sich öfter selbst in seiner Angst vor Entdeckung, aber er steht auch früh zu Libby und entwickelt sich stark weiter. Und auch die Nebenfiguren können überzeugen: Die hübsche, herzensgute Bailey; die ebenfalls übergewichtige Iris, die durch Libby Selbstvertrauen fasst; oder der idiotische Kam, der durchaus auch seine lichten Momente hat. Es gibt viele Charaktere, die man ins Herz schließt und gerne begleitet.

Libby und Jack haben eine unverkennbare Chemie zusammen und es ist toll zu erleben, wie sich zwischen ihnen erstes Vertrauen und dann eine Freundschaft entwickelt. Mir wäre es lieber gewesen, dass es dabei auch geblieben wäre - denn die Liebesgeschichte wirkt ein wenig zu hastig und überstürzt, so niedlich die beiden auch sind. Ein kleiner Ausblick auf eine solche Entwicklung hätte durchaus gereicht. Trotzdem ist es schön zu sehen, wie sie sich gegenseitig Halt geben und dazu bringen, sich selbst zu vertrauen. Beide müssen mutig sein und schwere Entscheidungen treffen - wobei die Autorin beinahe immer sehr sensibel und glaubwürdig die Gedankengänge darstellt. Insbesondere aber die oftmals witzigen, nur selten kitschigen Dialoge wissen zu begeistern und machen das Lesen so unterhaltsam. Der Schluss ist etwas knapp, insgesamt aber noch zufriedenstellend, weil man ganz einfach auf ein Happy End gehofft hatte.

FAZIT:
Wie schon mit ihrem vorherigen Roman gelingt es Jennifer Niven auch mit "Holding Up the Universe", einen durchgehend zu berühren und zu fesseln. Die Charaktere sind starke Persönlichkeiten, die man so nicht oft in Jugendbüchern findet. Nur die Romantik und auch den Kitsch habe ich teilweise als unnötig empfunden. Gute 4 Punkte!  

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Tags: dick, freundschaft, mobbing, schule, selbstbewusstsein   (5)
 

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195 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 75 Rezensionen

familie, liebe, anna mcpartlin, roman, irgendwo im glück

Irgendwo im Glück

Anna McPartlin , Sabine Längsfeld
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 26.08.2016
ISBN 9783499272233
Genre: Romane

Rezension:

"Du solltest jetzt gehen", sagte Maisie und es klang wie ein Befehl, keine Bitte.
"Maisie?" Er machte eine Bewegung, wollte sie berühren, aber sie wich zurück.
Sie will dich auch nicht hier haben, Fred Brennan.
"Okay, ich melde mich", sagte er und Bridie spürte seine Verletztheit und seine Besorgnis. Sie blieb ganz still, dachte nach, grub, so tief sie konnte, in ihrer Erinnerung.
Was ist passiert? Es ist da, es versteckt sich da irgendwo. Ich kann seinen Schatten sehen. Was habe ich gemacht? Was hat er gemacht?
--

INHALT:
Maisie Bean hatte es in ihrem Leben nicht leicht: Ihr gewalttätiger Ehemann hat sie und ihre Kinder regelmäßig in Gefahr gebracht und jetzt, wo er endlich weg ist, kann ihre Familie zwar wieder Freude empfinden - dafür leidet aber ihre Mutter mittlerweile an Alzheimer und das Geld reicht vorne und hinten nicht. Trotzdem scheint sich alles zum Besseren zu wenden, als sie das erste Date seit vielen Jahren hat und glaubt, endlich etwas für einen Mann empfinden zu können. Bis ihr Sohn Jeremy verschwindet und eine Hetzjagd der Journalisten auf ihre Familie entbrennt. Gerüchte werden gestreut und Lügen verbreitet, und Maisie muss all ihre Kraft sammeln, um sich dem entgegen zu stellen.

MEINE MEINUNG:
Anna McPartlin hat ein Händchen dafür, Romane voller Lebensfreude und Witz zu schreiben, dabei aber ebenso stark in die Tiefe zu gehen, wie sie die Leser unterhält. Trotz der oft traurigen und erschreckenden Themen - Verlust, Krankheit, Gewalt - gelingt es ihr, trotzdem immer die Liebe zum Leben zu vermitteln und die Wichtigkeit von Hoffnung und Verzeihen herauszustellen. Genau das ist auch bei "Irgendwo im Glück" der Fall, das wie schon der vorhergegangene Bestseller vom lebendigen Stil und den authentischen Figuren lebt. Erzählt wird das Ganze aus verschiedenen Sichten: Am Häufigsten kommt Maisie zu Wort, dazwischen aber auch ihre Mutter, ihre Kinder und der Polizist Fred.

Maisie ist eine starke, intensive Frau, mit der man sich sehr schnell identifizieren kann. Sie liebt ihre Familie über alles und auch, wenn es ihr mit den beiden Kindern manchmal etwas zu viel wird, würde sie alles für sie tun. Ihr Sohn Jeremy ist ein absolut gutherziger Junge, weit ruhiger als die drei Frauen in seinem Leben, aber ebenso willensstark. Die Verletzlichkeit aufgrund eines Geheimnisses, das er immer mit sich herum trägt, macht ihn aber auch sehr menschlich. Die aufbrausende Tochter Valerie und die verwirrte Mutter Bridie sind ebenso ausdrucksstarke Persönlichkeiten wie Polizist Fred Brennan, der sich rührend um die Familie kümmert. Alle Charaktere wissen mit ihrer Einzigartigkeit zu überzeugen und entlocken einem immer wieder ein Lächeln.

Tatsächlich geht die Geschichte viel langsamer voran, als man sich das vom Klappentext her vorstellen würde und sie dreht deutlich mehr um den Zusammenhalt der Familie als um das Verschwinden selbst. Die Autorin zeigt jedoch sehr deutlich und dennoch sensibel den Schmerz und die Furcht, die man in einer solchen Situation empfindet. Und obwohl es viel mehr um das Innenleben der Charaktere geht, auch in Jeremys Rückblicken lange die Vorgeschichte erzählt wird, bis es zum eigentlichen Verschwinden kommt, fesselt der Roman die meiste Zeit über ungemein. Die Atmosphäre, die Dialoge und ganz besonders die Gefühle werden toll transportiert - sodass am Ende mit Sicherheit kein Auge trocken bleibt. Die Auflösung ist nicht wirklich überraschend, aber gut umgesetzt. Nur die Botschaft des Ganzen, die im Epilog deutlich gemacht wird, wirkt ein wenig zu mahnend und wurde vorher zu wenig angesprochen, um wirklich ihre Wirkung entfalten zu können. Das allerdings ist Meckern auf hohem Niveau.

FAZIT:
Mit "Irgendwo im Glück" legt Anna McPartlin erneut einen ergreifenden, fesselnden und tiefgehenden Roman vor, der wichtige Themen anspricht und dabei nie kitschig wird. Die übergreifende Botschaft hätte etwas deutlicher mit der Geschichte verwoben werden können, aber auch so ist das Buch absolut lesenswert. Sehr gute 4 Punkte!

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Tags: familie, gewalt, hoffnung, suche, verschwinden   (5)
 

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

gefängnis, strutters, simon mayo, thriller, blame

Blame

Simon Mayo
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Corgi Childrens, 07.07.2016
ISBN 9780552569071
Genre: Jugendbuch

Rezension:

MacMillan rammed his finger onto the sensor - the lights stayed red. "My God, they've locked us out," he muttered.
Ant took his hand and wiped his index finger on her shirt. "Too much sweat and blood," she said. "Try again."
He placed his finger on the pad again. There was a heart-stopping pause, then the light turned green and the door swung open. As soon as the gap was wide enough, they squeezed through.
Ninety seconds to Spike. It was Ant who led the way, glancing back to make sure MacMillan was keeping up. He ran with one hand pressed to his side. He looked wiped out, his face white, eyes bloodshot.
What happened to you?

--

INHALT:

Die ökonomische Krise, die die Welt in naher Zukunft im eisernen Griff hat, hat die Regierungen vieler Länder dazu gebracht, den Rufen verzweifelter Bürger zu folgen: Danach, Verwandte von Verbrechern für deren Taten büßen zu lassen. Auch in England wurde ein solches Gefängnis eröffnet, Spike - und die junge Ant und ihr Bruder Mattie sind gemeinsam mit ihren Stiefeltern Insassen dort. Spike ist mit zwei anderen Gefängnissen verbunden - in denen die eingebuchteten Kriminellen äußerst unzufrieden sind. So unzufrieden, dass ein enormer Aufstand ausbricht, der die Wärter völlig überfordert. Gleichzeitig bietet er Ant und ihrer Familie aber auch die lang ersehnte Chance zur Flucht...

MEINE MEINUNG:

Simon Mayo verfolgt in "Blame" ein äußerst interessantes und vor allem neues Thema: Das Absitzen von Gefängnisstrafen in Vertretung für Familienmitglieder - als Ausgleich für das gute Leben, das durch die Verbrechen geführt wurde. Die leidende Bevölkerung hatte diese Änderung gefordert, ohne Gedanken an moralische Grundsätze. Eine Idee mit einigem an Zündstoff für existenzielle und vor allem tief gehende Fragen. Leider nutzt der Autor sie aber nur, um einen Action-Thriller daraus zu stricken. Prinzipiell nicht schlecht, wird es doch nicht langweilig. Leider verliert der Roman dadurch aber auch alles an emotionaler Wucht.

Ant ist die meiste Zeit über eine Kick-Ass-Heldin, die weiß, was sie will und zu allem bereit ist, um das System zu stürzen. Gleichzeitig ist sie aber auch unfassbar wütend, auf alles und jeden, und bricht regelmäßig - unnötige - Streits vom Zaun, was stark an den Nerven zerrt. Mattie ist mit seiner ruhigen, nachdenklichen Art zwar ein wenig klischeehaft, aber trotzdem eindeutig der Sympathie-Träger der Geschichte und eine Figur, die man gern selbst beschützen würde. Den Stiefbruder der beiden, Max, kann man anfangs aufgrund seiner Wut auf sie und seine Entscheidung, zur Universität zu gehen, statt um seine Eltern zu kämpfen, nur schwer einschätzen. Er entwickelt sich aber zum Glück zum durchsetzungsfähigen Kämpfer. Der Rest der Charaktere ist leider überwiegend sehr eindimensional, insbesondere der Gefängnisleiter Grey, den man schnell durchschaut und der nichts anderes kann als böse und grausam zu sein.

Dafür, dass mir die Grundlage des Romans und auch der Beginn so gefallen haben, wurde ich, je mehr Seiten ist las, umso stärker enttäuscht. Es wirkt so, als hätte Simon Mayo ganz einfach ein spannungsgeladenes Buch voller Verfolgungsjagden und blutiger Kämpfe schreiben wollen, und sich das Gedankenspiel nur als Auslöser ausgesucht, nicht jedoch als zentralen Aspekt des Romans. Es wird nur angerissen, wie es überhaupt zu den Familien-Gefängnissen gekommen ist, Deutschland wird als einziges Land glorifiziert, das aus seiner Geschichte gelernt hat (was ja nett klingt, aber doch sehr weit hergeholt ist) und moralische Fragen werden kaum welche gestellt. Es geht nie wirklich darum, den Menschen ins Bewusstsein zu rufen, dass das neue System falsch ist, sondern einzig und allein um die Freiheit einiger weniger Insassen.

Die Geschichte ist mitreißend und lässt einen selten zur Ruhe kommen, aber das lenkt ganz einfach nicht von den Logiklücken ab: Dass aufständische Kriminelle statt Privilegien oder Freilassung zu fordern, nur an Ant herankommen wollen etwa; oder dass den ungefährlichen "struttern" (Bezeichnung für diejenigen, die die Strafen ihrer Verwandten absitzen) ein schmerzhafter Riemen umgelegt wird, den gefährlichen Mördern oder Räubern aber nicht. Bis zum Ende werden keine tiefgreifenden Elemente der Thematik behandelt, bis zum Schluss geht es einzig und allein darum, den Gefängnisleiter zu entmachten, nicht um eine Lösung für das große Ganze. So bleibt auch der Schluss seltsam offen, ohne rechte Aussicht auf Veränderungen. Letztendlich erscheint einem das Ganze damit irgendwie ziellos.

FAZIT:
Ein anderer Autor hätte aus der Idee von "Blame" eventuell einen die Gesellschaft in Frage stellenden und kritischen Roman gemacht - Simon Mayo war aber eher auf einen Action-Thriller aus. Den liefert er, keine Frage, dabei blieben für mich aber zu viele wichtige Dinge auf der Strecke. So reicht es nur für 2,5 Punkte.

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Tags: aufstand, ausbruch, gefängnis, gewalt, logiklöcher, strutters   (6)
 

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88 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

entführung, familie, roman, usa, verzweiflung

Justins Heimkehr

Bret Anthony Johnston , Sylvia Spatz
Fester Einband: 424 Seiten
Erschienen bei Beck, C H, 21.07.2016
ISBN 9783406697425
Genre: Romane

Rezension:

Sie konnten nicht anders, die mussten einander berühren, einander spüren. Garcia und der Deputy verließen diskret den Raum. Laura umfasste das Gesicht ihres Sohnes, dann zog sie ihn heftig an sich. Eric schien es, als schlitterte sie einen Hang hinab und suchte mit ihren Händen verzweifelt nach festem Halt. Ihre Finger zwirbelten Justins T-Shirt. Eric hielt die beiden mit seinen Armen umfangen. Laura sagte etwas wie: "Wir haben nie aufgegeben." Justin nickte. Er presste sein Gesicht gegen die Schulter seines Vaters. Eric fühlte, wie etwas in ihm losgetreten wurde, eine Gefühlslawine, die ihn mitzureißen drohte, doch er bezwang sie: Es schien ihm unverzeihlich, seinem Sohn und seiner Frau gegenüber etwas anderes zu zeigen als eine entschlossene Haltung.

INHALT:
Vier Jahre ist es her, dass der ältere Sohn der Campbells, Justin, verschwunden ist. In diesen vier Jahren hat die Familie nie die Suche aufgegeben, aber die einzelnen Familienmitglieder haben sich auch voneinander entfernt. Sie scheinen langsam, aber sicher daran zu zerbrechen. Bis Justin gefunden wird, ganz in der Nähe, nur von ihnen getrennt durch seinen bedrohlichen Entführer. Mit offenen Armen empfängt ihn seine Familie wieder bei sich und gibt alles, um ihm ein Leben wie zuvor zu ermöglichen. Doch der Schatten des Entführers schwebt über ihnen - denn dieser hat vor, auf "nicht schuldig" zu plädieren...

MEINE MEINUNG:
Bret Anthony Johnston konzentriert sich in seinem Roman, anders als man das von Werken mit diesem Thema gewohnt ist, weniger auf das Verbrechen an sich, als auf die Auswirkungen auf die betroffene Familie. "Justins Heimkehr" schildert detailreich, realistisch und emotional auslaugend das Schicksal von vier Personen, deren ganzes Leben durch die Entführung eines Familienmitglieds auf den Kopf gestellt wurde - und es nun wieder wird, als er wieder auftaucht. Der Schreibstil ist wunderschön und unglaublich bildreich in den Beschreibungen - dadurch teilweise aber auch sehr ermüdend. In vielen Szenen scheint es ein wenig, als würde oder wolle der Autor nicht zum Punkt kommen, was die Geschichte deutlich in die Länge zieht.

Erzählt wird das Ganze meist kapitelweise aus der Sicht einer der Figuren: Da ist die Mutter Laura, verletzlich und gebrochen, die sich nur mit ehrenamtlicher Tätigkeit aufrecht hält und sich dabei ertappt, wie sie aufgibt. Als Justin zurückkehrt, findet sie wieder einiges an Stärke, ihre Gedanken drehen sich aber oft im Kreis, wodurch sie sich lange nicht weiter entwickelt. Der Vater Eric ist ziemlich ängstlich in seinem Auftreten und kann sich nicht wirklich durchsetzen - das gehört zu seinem Charakter und ändert sich auch nicht grundlegend. Auch er gewinnt jedoch an Zuversicht und Willenskraft, die ihn letztendlich durchaus Dinge durchziehen lassen. Sein Vater Cecil ist das Gegenteil von ihm: raubeinig und von grimmiger Entschlossenheit würde er am liebsten alles auf eigene Faust regeln. Leider kam er mir persönlich nicht wirklich nah, wirkte zu abweisend und schemenhaft. Am sympathischsten ist ganz eindeutig Justins jüngerer Bruder Griff, ein Kerl von beispielhafter Güte und Vertrauen, der seine Familie so sehr liebt, dass es ihm nichts ausmacht, zurückzustecken. Insbesondere wenn er mit seiner leidenschaftlichen und schlauen Freundin Fiona zusammen ist, bereitet er einem große Freude.

Die gesamte Handlung kommt allerdings sehr schleppend voran, und das ist mein größter Kritikpunkt - gleichzeitig aber auch ein sehr persönlicher. Ich bin selten ein Fan von langsamen Erzählungen und hier war ich es eindeutig nicht. Der Stil ist großartig, keine Frage, und doch habe ich den Roman oft aus der Hand gelegt und musste mich dann überwinden, ihn weiterzulesen - weil sich so vieles im Kreis dreht, weil sich der Alltag nicht wirklich entwickelt, weil die Figuren alle in ihren eigenen Schleifen festhängen. Das ist sicherlich das, was der Autor porträtieren wollte: Diese Schwierigkeiten beim Wieder-Eingliedern nach einem solchen Verlust, das langsame Zusammenfinden und das sich stückweise aufbauende Vertrauen. Darüber vergisst er aber für ein solches Thema ebenso wichtige Details: Wie etwa den Täter und sein Motiv, sowie das Verbrechen selbst. Diese Dinge kommen ganz einfach zu kurz. Zum Ende hin zieht die Spannung zwar an, den Grund dafür fand ich jedoch nicht ganz ausgereift. Der Schluss aber ist gerade so offen, dass er einen zum intensiven Nachdenken einlädt, und damit perfekt - was den Kritikpunkt zumindest wieder wettmacht.

FAZIT:
"Justins Heimkehr" ist ein sehr ruhiger, auf die Charaktere und ihre Probleme konzentrierter Roman, der vieles andere außen vor lässt. Das kann und wird Fans solcher Erzählungen gefallen - mir hat ganz eindeutig die Spannung gefehlt. Weil Bret Anthony Johnston das Schicksal der Familie aber dennoch so realistisch und berührend dargestellt hat, gibt es von mir gute 3 Punkte.

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Tags: entführung, familie, geheimnis, leid, suche   (5)
 

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117 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 39 Rezensionen

liebe, zweiter weltkrieg, krieg, winterhonig, verlust

Winterhonig

Daniela Ohms
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.04.2016
ISBN 9783426653975
Genre: Romane

Rezension:

Von weitem erhob sich schließlich das dumpfe Dröhnen der amerikanischen Bomber. Allein an diesem Geräusch konnte Mathilda hören, wie tief sie flogen, doch der Hochnebel versperrte jede Sicht. Nur vage konnte sie abschätzen, wie nah die Flieger bereits herangekommen waren, bevor sie die dunklen Schemen im Hochnebel ausmachte. Unter den Flugzeugen wackelte etwas, klobige Dinger, die mit einer eirigen Bewegung herunterfielen.
Bomben!
Noch bei diesem Gedanken folgte die erste Detonation.

--

INHALT:
Es ist der Sommer 1938, als Mathilda und Karl sich ineinander verlieben, nachdem sie lange befreundet waren - und es ist ebenjener Sommer, in dem er sie verlässt. Karl meldet sich freiwillig für die Wehrmacht und lässt Mathilda mit den Schrecken und Entbehrungen des Krieges zuhause zurück. Sie weiß nicht, dass es neben den fünf Jahren Altersunterschied noch etwas gibt, das ihre Liebe unmöglich macht - denn Karl hütet ein Geheimnis, das ihn zu Zeiten des Nationalsozialismus das Leben kosten könnte. So bangen beide umeinander, weit entfernt und nur verbunden durch verbotene Briefe, die sie sich schreiben. Und durch den Winterhonig, den er ihr einmal geschenkt hat und der sie immer an ihn erinnert.

MEINE MEINUNG:
Eigentlich dachte ich immer, um einen Historie-Roman zu mögen, muss man ein Fan des Genres sein - und das bin ich definitiv nicht. Eher versuche ich, diese Sparte nach Kräften zu ignorieren. Nach "Winterhonig" weiß ich nun aber, dass das vielleicht gar nicht notwendig ist, denn es kommt auf das Gesamtpaket an und das stimmt hier definitiv. Daniela Ohms besitzt einen wunderbaren, einnehmenden und detailreichen Schreibstil, der einen nicht nur das bäuerliche Leben der 40er kennen lernen lässt, sondern einen auch erschreckend realistisch in den Krieg entführt. Erzählt wird die Geschichte sowohl aus der personalen Sicht der Protagonistin als auch des Protagonisten, durchsetzt von den Briefen, die sie sich schreiben. Auch von Briefen innerhalb von Romanen halte ich normal gar nichts - hier fügt sich das aber wunderbar passend ein.

Mathilda ist eine Hauptfigur, die man sehr schnell in sein Herz schließt und gern auf ihrem schwierigen, entbehrungsreichen Weg begleitet. Als jüngstes von 10 Kindern hat sie es nicht einfach, wird teilweise sogar schlecht behandelt - und ist trotzdem ein offenherziges, liebevolles junges Mädchen. Abgesehen davon, dass sie ein bisschen zu viel weint, kann man sich vollständig mit ihr identifizieren. Auch Karl ist ein Sympathieträger mit seiner ruhigen, nachdenklichen Art und seiner immer währenden Hilfsbereitschaft. Die Faszination aller Mädchen kann man durchaus nachvollziehen. Aber auch an unterschiedlichen Nebenfiguren mangelt es nicht: Mathildas etwas grober und überforderter Vater, ihr wunderbar sanfter Bruder Joseph oder auch die freundliche und unterstützende Gutsbesitzerin Viktoria, sie alle zeichnen sich durch ihre ganz besonderen Eigenschaften aus. Und auch historische Persönlichkeiten kommen vor: So lernt man zum Beispiel die Brüder Boeselager in Aktion kennen, die auch in Wirklichkeit am Widerstand beteiligt waren.

"Winterhonig" spielt zur Zeit des 2. Weltkrieges und hat diesen daher natürlich auch zu einem großen Teil zum Thema. Aber der Roman handelt nicht nur von den Soldaten, ihren Kämpfen und ihren Toten, sondern auch von den Menschen, die nicht aktiv im Krieg sind - und diesen dennoch auf die ein oder andere Weise miterleben. Die Autorin macht auf einfühlsame Weise sehr deutlich, was für eine schwere Zeit das für jeden Bürger ist, der nicht vollkommen in Hitlers Fantasien aufgeht - und es gelingt ihr auch ebenso sensibel, das Ganze aus der Sicht eines Soldaten zu beschreiben, der für sein Überleben töten musste. Die Geschehnisse sind grausam und auch das nationalsozialistische Gedankengut spielt selbstverständlich eine Rolle, wenn Mathildas Familie davon auch weitestgehend unberührt bleibt. Es gibt viele Tote und viel Leid - und gerade deshalb ist es wohl auch gut, dass sich die Autorin dafür entschieden hat, dem Ganzen mit einer Liebesgeschichte einen zentralen und schöneren Faden zu geben.

Die Romantik ist weder kitschig noch steht sie zu stark im Vordergrund. Stattdessen entwickelt sie sich sehr langsam und wird immer wieder durch Rückblicke in Mathildas Kindheit näher beleuchtet - denn Karl und Mathilda kennen sich schon lange und anfangs war das nur eine unschuldige Freundschaft zwischen einem Kind und einem Jugendlichen. Die Art und Weise, wie die beiden miteinander umgehen, ist berührend und mitreißend, sowohl in jungen Jahren als auch später in denen voller Liebe und Leidenschaft. Natürlich ahnt man Karls Geheimnis, das schon im Klappentext angedeutet wird, auch wenn es sich dann doch ein wenig von den Vermutungen abhebt. Letztendlich geht es auch viel weniger um das Rätsel als um das Leben und Überleben selbst und die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft trotz der Schwierigkeiten. Bis zum Ende fesselt die Geschichte durchgehend und lässt auch danach noch eine Weile nicht los - denn nachdem man Mathilda und Karl über so eine lange Zeitspanne begleitet hat, mag man sie kaum noch loslassen. Und genau das macht ein gutes Buch aus.

FAZIT:
"Winterhonig" ist ein historischer Roman und damit einer, um den ich normal einen Bogen gemacht hätte. Wem es ähnlich ergeht, der sollte sich das vielleicht noch einmal überlegen - denn Daniela Ohms erzählt die (teilweise wahre) Geschichte so lebendig, einfühlsam und mitreißend, dass man nur begeistert sein kann. Unbedingt ausprobieren! 4,5 Punkte, hier aufgerundet auf 5.

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Tags: 2.weltkrieg, bauernhof, krieg, liebe, soldat, tod, verlust   (7)
 

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(21)

47 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

roboter, aliens, science fiction, politik, wissenschaft

Sleeping Giants

Sylvain Neuvel
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Michael Joseph, 21.04.2016
ISBN 9780718181680
Genre: Science-Fiction

Rezension:

- He has a file?
- Your hairdresser has a file and you see him once a month. Vincent Couture is a foreign national on US soil, with direct access to top-secret-level information on a daily basis. He has several files, very large ones.
- You have a file on my hairdresser?
- Yes. He really needs to file his taxes.

INHALT:
Die junge Rose stiehlt sich eines Abends aus dem Haus, um ihr neues Fahrrad zu fahren - als sich unter ihr die Erde auftut und sie in diesem eine riesige Hand aus verschiedenen seltenen Materialen entdeckt. Das Artefakt wird ein paar Jahre ohne wirkliche Erkenntnisse untersucht und dann in einem Lagerhaus vergessen. Doch nun, 17 Jahre später, leitet dieselbe Rose, nun promovierte Doktorin, ein Team von Wissenschaftlern, um Herkunft und Zweck der Hand zu erforschen. Es wird schnell klar, dass das Körperteil nicht das einzige sein kann, das irgendwo unter der Erde liegt - und dass die Fundstücke nicht von Menschen geschaffen wurden. Doch welche Motivation könnten mögliche Außerirdische haben?

MEINE MEINUNG:
Romane, die als Stilmittel dokumentarisch angehauchte Stilmittel wie Interviews oder Logbuch-Einträge nutzen, sind gerade im Kommen und erfreuen sich großer Beliebtheit. "Sleeping Giants" nutzt dabei vor allem Gespräche, in denen der Fragensteller immer der gleiche bleibt und einen so durch jeden der Dialoge führt. Durch diese Art der Erzählung ist man während der Geschehnisse zwar nicht direkt dabei, durch die eindrücklichen Wiedergaben der einzelnen Befragten hat man jedoch nie das Gefühl, etwas zu verpassen. Dass die Identität des Interviewers nicht gelüftet wird, befeuert die Fantasie außerdem noch zusätzlich.

Überraschenderweise gelingt es Sylvian Neuvels trotz dieser gewählten Romanform äußerst gut, seine Charaktere lebendig zu gestalten. Da ist Dr. Rose Franklin, eine engagierte und begeisterungsfähige Wissenschaftlerin, die sich zwar mit moralischen Fragen konfrontiert sieht, aber immer weiß, wie wichtig es ist, die Geheimnisse zu lüften. Kara, vorher Pilotin des Militärs und nun im Team der Wissenschaftler, wird einem mit ihrer sarkastischen und willensstarken Art sofort sympathisch, ebenso wie der liebevolle, aber stark eifersüchtige Ryan. Und auch der Linguist Vincent kann überzeugen, nachdem man sich an sein anfänglich übergroßes Ego gewöhnt hat. Am interessantesten ist aber definitiv der Interviewer, der die ganze Zeit über sehr geheimnisvoll bleibt und mit seiner skrupellosen Art fasziniert - über den man aber immer wieder kleinere Details erfährt und dem man so im Laufe der Handlung immer näher kommt.

Die ganze Geschichte ist nicht nur originell und neuartig, sondern auch außerordentlich spannungsreich umgesetzt. Es vergeht kaum ein Kapitel, in dem man nicht gebannt den Erzählungen folgt und der Enthüllung entgegenfiebert, was es mit den Körperteilen und den Symbolen darauf auf sich hat. Unterteilt in 5 Parts endet jeder davon mit einem Cliffhanger, der einem keine Ruhe lässt und sofort weiterlesen lässt - und auch dazwischen gibt es immer wieder große Überraschungen und Wendungen. Abgesehen davon sind auch die wissenschaftlichen Fakten großartig eingewoben, ohne einen zu überfordern oder zu langweilen, und der trockene Humor sorgt immer wieder für ein wenig Auflockerung. Letztendlich werden in diesem 1. Band noch nicht viele Fragen beantwortet, eher stellen sich sogar noch mehr. Gerade das ist es aber auch, was die unbändige Neugier auf den Nachfolger weckt, die einen mit Sicherheit überkommt.

FAZIT:
Sylvian Neuvels "Sleeping Giants" ist fantastische Science Fiction mit einer interessanten, gut umgesetzten Erzählweise und so gut wie nie abnehmender Spannung. Auf die Enthüllungen des 2. Teils darf man gespannt sein! Gute 4,5 Punkte.

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Tags: interview, roboter, wissenschaft   (3)
 

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254 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 58 Rezensionen

fantasy, jugendbuch, bettina belitz, liebe, krieger

Die Diamantkrieger-Saga - Damirs Schwur

Bettina Belitz
Fester Einband: 450 Seiten
Erschienen bei cbt, 22.02.2016
ISBN 9783570164174
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Möchtest du mehr darüber erfahren?"
Ich hatte mich schon zum Gehen gewandt, als seine Worte mich mitten in der Bewegung stoppen ließen.
"Worüber?", fragte ich emotionslos, obwohl mein Herz zuckte, als wolle es laut "Ja!" rufen. Doch ich bekam keine Antwort.
Erst, als ich auf meinem Rad durch die überraschend milde Abendluft jagte, realisierte ich, dass ich ihn nicht nach seinem Namen gefragt hatte.
Und er mich nicht nach meinem.

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INHALT:
Um über die Runden zu kommen und die Pflege für ihre kranke Großmutter bezahlen zu können, arbeitet die 17-jährige Sara nachts als Diebin für Diamanten - denn schon von klein auf kann sie diese hören und ist daher eine der Besten in ihrem Job. Doch als sie nach einem ihrer Coups dem gut aussehenden, schweigsamen Damir begegnet, beginnt sich ihre Welt auf den Kopf zu stellen. Ihr Körper und ihre Wahrnehmung verändern sich, immer wieder hat sie Visionen einer anderen Zeit und die Menschen reagieren seltsam auf sie. Aber erst, als sich die Ereignisse zu überschlagen beginnen, realisiert Sara, in welch großer Gefahr sie nun schwebt...

MEINE MEINUNG:
Bettina Belitz schreibt außergewöhnliche Romane, die man mag oder nicht - dazwischen gibt es selten etwas. Auch der Auftakt ihrer neuen Diamantkriegersaga, "Damirs Schwur", ist originelle Fantasy, getragen vom bildlichen, großartigen Schreibstil. Doch die Geschichte, erzählt aus der Ich-Perspektive von Sara, ist sehr geheimnisvoll und durch die wenigen Erklärungen teilweise schwammig und auch seltsam esoterisch angehaucht, was durchaus erst einmal sehr ungewöhnlich und manchmal auch abschreckend anmutet.

Sara ist eine Protagonistin, die auf den ersten 100 Seiten und auch danach immer mal wieder sehr zu überzeugen weiß: Tough, mutig und kämpferisch ist sie eine Protagonistin, die sich nichts sagen lässt und dennoch weiß, wann es wichtig ist, zurückzustecken. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto unsicherer wird sie jedoch, denkt sich immer wieder neue Verschwörungstheorien aus und verrennt sich vollkommen in unlogischen Gedankengängen, die irgendwann anfangen zu nerven. Titelgeber des Bandes, Damir, lernt man dafür so gut wie gar nicht kennen, er spricht kaum und wenn, dann nur in kryptischen Andeutungen, was recht anstrengend ist. Er erhält keinen Charakter, was eventuell gewollt ist - wodurch man ihm aber auch nicht nahe kommt. Interessante Persönlichkeiten sind dagegen Saras grausame Mutter Jaga, der gefährliche, oft irre Hehler Kratos und ganz besonders der fürsorgliche, freundliche Anwalt Herr Goldwasser, der im Grunde der Einzige ist, der Sara endlich mal Informationen bieten will.

Das erste Viertel war für mich definitiv der beste Teil des Romans: Saras Diebstähle, ihr elegantes Eindringen in Häuser, die Beschreibung der Unterwelt - das alles ist sehr intensiv, mitreißend und glaubwürdig. Auch wenn die restliche Welt eher vage bleibt, weil die Autorin nicht genau benennt, wo die Geschichte spielt, hat man doch bald das Gefühl, sich ebenfalls in dieser schmutzigen, brutalen Stadt zu befinden. Es spielt sich wohl alles in der Zukunft ab, vielleicht ein paar Jahrzehnte weiter von uns aus gesehen, auch das wird jedoch nie ganz deutlich. Das ist leider ein Problem, was sich durch die gesamte Geschichte zieht: Es ist alles so vage, Informationen über Hintergründe und auch über das, was mit Sara passiert, gibt es kaum. Oft fragt man sich auch, warum sich die Strippenzieher so vehement dagegen wehren, ihr mehr zu offenbaren, denn das bringt das Mädchen nur noch mehr in Gefahr.

Besonders als Sara sich in ihrer Paranoia und ihren Schuldzuweisungen suhlt, begeht sie einen Fehler nach dem anderen (während der Leser ihr immer bereits voraus ist) - doch selbst aus extrem lebensgefährlichen Situationen wird sie sehr spät gerettet, was mir ihre Gegenüber nicht wirklich sympathischer gemacht hat. Und sogar die Informationen, die sie zum Ende hin endlich erhält, bleiben kryptisch und geben dem Leser nur wenige Vorstellungen darüber, was wirklich vor sich geht. Dafür ist der Schluss aber gut gewählt und passt endlich wieder zu der starken Protagonistin, die man zum Anfang des Bandes kennen gelernt hat. Da darf man gespannt sein, was die Autorin für den nächsten Teil bereit hält.

FAZIT:
"Damirs Schwur" ist wunderbar geschrieben und fesselt über weite Teile - aber der Inhalt kam bei mir oft nicht so richtig an. Alles ist sehr kryptisch gehalten, was sowohl die Protagonistin als auch den Leser zur Weißglut treibt, vor allem, weil man oft so viel mehr weiß als sie. Mit mehr Informationen könnte Band 2 aber definitiv überzeugender werden. Knappe 3 Punkte.

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Tags: diamant, diebstahl, geheimnis, krieger, unterwelt   (5)
 

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155 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 86 Rezensionen

spanien, geburtstag, familie, spanischer bürgerkrieg, enkel

Albertos verlorener Geburtstag

Diana Rosie , Gabriela Schönberger
Fester Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.02.2016
ISBN 9783426653937
Genre: Romane

Rezension:

Der Gedanke an die Reise erfüllte ihn mit einer Vorfreude, die er seit vielen Jahren nicht mehr empfunden hatte.
"Na, falls du deinen Geburtstag findest, hoffe ich nicht, dass du nachträglich auch noch Geschenke für die vielen verpassten Jahre erwartest!"
Alberto lächelte herzlich. Es war das erste Mal seit Juan Carlos' Unfall, dass die Gesichtszüge seiner Tochter sich ein wenig entspannten und die Verzweiflung aus ihren Augen wich. Wenn es Tino Freude machte, ihn zu begleiten, wäre diese Reise vielleicht ein Gewinn für sie beide.

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INHALT:
Als sein Schwiegersohn Juan Carlos einen schweren Unfall hat, erklärt sich Alberto bereit, für einige Zeit seinen Enkel Tino bei sich aufzunehmen, um der Mutter die Gelegenheit zu geben, sich vollkommen um ihren Mann zu kümmern. In einem Gespräch über die Vergangenheit erfährt Tino, dass sein Großvater seinen eigenen Geburtstag nicht kennt und ist entsetzt. Er ist überzeugt davon, dass sie das Datum suchen müssen, und schließlich stimmt Alberto zu. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise in dessen Kindheit, die einige Überraschungen für sie bereit hält.

MEINE MEINUNG:

CHARAKTERE
Alberto ist ein liebenswürdiger, friedfertiger alter Mann, der sich um seine Familie sorgt und möchte, dass es all seinen Lieben gut geht. Er ist kein Mensch der großen Worte, aber auch ohne viel zu sagen, kann er viel ausdrücken, was ihn so besonders macht. Sein Enkel Tino ist ein quirliger Junge, der in Sachen Freundlichkeit und Lebenslust definitiv nach seinem Großvater schlägt. Beide zusammen sind ein tolles Gespann. Auf ihrer Reise treffen sie auch einen Capitan, einen jungen Priester und mehrere alte Bekannte - sie alle sind unterschiedliche Persönlichkeiten und kommen teilweise auch selbst zu Wort, sind aber etwas zu stark schwarz-weiß gehalten.

STORY
Dass es für Tino so wichtig ist, dass sein Großvater seinen Geburtstag findet, mutet anfangs etwas seltsam an - es ist aber auch verständlich, will der Junge sich doch von dem Schicksal ablenken, das seine kleine Familie in festem Griff hält. Die Reise der Protagonisten ist fesselnd und mit den wunderbaren Naturbeschreibungen und vielen interessanten Begegnungen toll zu lesen. Einzig und allein die vielen Zufälle störten mich, dass ihnen nämlich an jedem Punkt ihrer Unternehmung ein wichtiger Hinweis in die Arme fällt, der ihnen weiterhilft. Das alles geht völlig ohne Probleme, ein Gutsbesitzer gibt ihnen sogar einfach eine Adresse - das fand ich teilweise nicht mehr ganz glaubwürdig. Dafür gibt es aber zum Ende hin einige interessante Wendungen, die ziemlich gut umgesetzt werden und den Kritikpunkt zum Teil wieder wett machen.

UMSETZUNG
Schön ist auch, dass man in jedem zweiten Kapitel etwas über vielen unterschiedlichen Menschen erfährt, die auf irgendeine Weise zu Albertos Leben damals beigetragen haben: Die Leiterin des Waisenhauses, ein beschützender Soldat oder auch eine alte Kindheitsfreundin, sie alle kommen in der Ich-Perspektive für ein Kapitel zu Wort, treiben so die Geschichte voran und porträtieren ungeschönt den damaligen spanischen Bürgerkrieg, der das Land zerrissen hat. Mir hätte es zwar besser gefallen, wenn Alberto der Ich-Erzähler gewesen wäre, dann wäre allerdings der letztendliche Schluss so nicht möglich gewesen. Auf der einen Seite fand ich diesen wirklich schön und atmosphärisch, andererseits aber auch ein wenig zu melodramatisch - teilweise hatte ich das Gefühl, die Autorin wolle extra nochmal auf die Tränendrüse drücken, auch wenn ihr das zugegeben durchaus gelungen ist.

FAZIT:
"Albertos verlorener Geburtstag" ist ein oft berührender Roman um eine Reise auf der Suche nach der Vergangenheit, wobei Alberto und Tino zwei sehr sympathische Protagonisten sind. Diana Rosie hat eine schöne Geschichte geschaffen, die sich auch intensiv mit dem spanischen Bürgerkrieg und seinen schwerwiegenden Konsequenzen auseinandersetzt. Dafür gute 3,5 Punkte, hier aufgerundet auf 4.

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Tags: bürgerkrieg, enkel, geburtstag, reise, spanien, suche, waisenhaus   (7)
 

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307 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 68 Rezensionen

liebe, anima, kim kestner, teufel, engel

Anima - Schwarze Seele, weißes Herz

Kim Kestner
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Arena, 10.02.2016
ISBN 9783401602523
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Eyota murmelte etwas in der Sprache ihrer Vorfahren. Ich verstand die Worte nicht, merkte jedoch, wie beunruhigt sie war. "Du machst mir Angst. Wir haben über Gott und die Welt geredet. Hier war und ist niemand. Jetzt komm schon. Das Wasser hat höchstens fünf Grad."
Ein Schauer überzog meinen Rücken. Nicht nur wegen der Kälte. Ich war mir sicher gewesen, auch Eyota hätte ihn gesehen. Sie hatte mich doch erst auf ihn aufmerksam gemacht. Wir hatten doch über ihn geredet!
Irgendetwas stimmte nicht. Entweder mit ihr oder mit mir. Willenlos ließ ich mich aus dem Wasser ziehen.

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INHALT:
Wie jedes Jahr verbringt Abby den Sommer mit ihrer Familie im Nationalpark Acadia, der wie eine zweite Heimat für sie ist. Doch dieses Mal ist alles anders: Nachdem der Neuankömmling Juspinn als Magier angestellt wird, beginnen sich die sonst so freundlichen Menschen zu verändern; Hass, Neid und Betrug spalten die Gemeinschaft. Abby ahnt bald, dass dies etwas mit Juspinn zu tun hat, aber auch sie kann sich seiner Anziehung nicht erwehren. Und sie ahnt nicht, wie gefährlich ihre Gefühle für ihn sind...

MEINE MEINUNG:
"Anima" ist Kim Kestners erster gedruckter Roman, nachdem sie zuvor eine Trilogie im Imprint "Impress" des Carlsen-Verlages veröffentlichte. Ihr neuer Roman ist wieder Fantasy und verspricht, mit Gut und Böse zu spielen und infrage zu stellen, inwiefern das eine ohne das andere existieren kann. Erzählt wird die Geschichte fast ausschließlich aus der Ich-Perspektive von Abby, manchmal kommt auch Juspinn zu Wort. Die Beschreibungen der Natur sind wunderschön und mitreißend, die Dialoge wirken aber teil ein wenig holprig und unnatürlich.

Abby war ein für mich relativ schwieriger Charakter, weil sie so perfekt ist. Sie hat die reinste Seele von allen, will grundsätzlich nur helfen und kann in niemandem etwas Übles sehen. Sie hat zwar einen eigenen Willen, lässt sich diesen aber insbesondere von Juspinn häufig ausreden. Dafür hat sie mir in den Momenten, in denen sie ihm die Stirn bot, aber besonders gefallen. Mit Juspinn dagegen bin ich gar nicht klar gekommen - und das lag nicht nur an seiner Unfreundlichkeit. Er ist zusätzlich auch noch extrem von sich überzeugt und ein schrecklicher Besserwisser - jedes Mal, wenn er Abby tadelt, weil sie sich in irgendeiner Weise wiederholt, wollte ich schier aus der Haut fahren. Interessant dagegen fand ich seine böse, undurchsichtige und gefühlskalte Schwester Maria, die einem mit ihrer Art immer wieder Schauer über den Rücken jagt. Und die Nebenfiguren lernt man zwar größtenteils nur während ihrer Veränderung zum Schlechten kennen, von diesen konnte ich mich jedoch mit Abbys Freundin Eyota am meisten identifizieren, von der ich auch gern mehr erfahren hätte.

Eigentlich hätte das alles so gut sein können: Das Geheimnis, das Juspinn umgibt und das offensichtlich starke negative Auswirkungen auf Menschen hat, der Kampf von Gut und Böse, und die Liebesgeschichte zwischen einer reinen und einer verdorbenen Seele. Aber gerade letzterer Aspekt beginnt schnell zu nerven, denn wie man das von Jugendbüchern gewohnt ist, beginnt die Protagonistin dem Love-Interest schnell permanent hinterher zu laufen. Der Grund dafür wird zwar erklärt, das hilft einem aber trotzdem nicht, die Anziehung besser zu verstehen, denn diese ist größtenteils einfach nicht spürbar. Das mag auch daran liegen, dass Juspinn so unsympathisch und Abby so naiv ist, bei mir kamen die Gefühle jedenfalls einfach nicht an.

Hinzu kommt, dass ich persönlich nicht mit einer Geschichte gerechnet habe, in der es so "religiös" zugeht - das sage ich so schwammig, um nicht zu spoilern, was hinter den Geheimnissen steckt. Ich bin Atheistin und lese daher auch Bücher, in denen es um Engel geht, oftmals bewusst nicht. Denn obwohl Abby, die ja Tochter des Reverends ist, oft betont, wie aufgeschlossen doch alle sind, gibt es eben doch die ein oder andere Szene, besonders zum Ende hin, die mir in dem Bereich zu viel war. Davon abgesehen ist aber immerhin der Showdown aufregend und überraschend, sodass man zumindest am Ende noch einmal richtig mitgerissen wird, auch wenn der Schluss vorhersehbar ist. Und wer dem Göttlichen nicht unbedingt abgeneigt ist, wird hier vielleicht auch mehr Freude haben.

FAZIT:
Mein Hauptproblem mit Kim Kestners "Anima" war zum einen die Liebesgeschichte, die durch die Figuren nicht bei mir ankam, und zum anderen die Religiosität, die ich so nicht erwartet hatte. Sie dominiert den Inhalt nicht, aber Erklärungen und Geschehnisse konnte ich so einfach nicht nachvollziehen und verstehen, weil ich nicht daran glaube. Mit diesem Vorwissen wäre möglicherweise anders an den Roman herangegangen - so gibt es leider nur knappe 2,5 Punkte, hier abgerundet auf 2.

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Tags: böse, gott, gut, magie   (4)
 

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

thriller, entführung, englisch, england, the widow

The Widow

Fiona Barton
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Bantam Press, 14.01.2016
ISBN 9780593076224
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

I wanted to believe him. I loved Glen. He was my world. I was his, he said. We were each other's.
And the idea of me being guilty of pushing him to look at those horrible photos grew in my head, crowding out the questions about Glen. Of course, I didn't find out about his 'addiction' until after the police came knocking on our door that Easter Saturday, and then it was too late to say or do anything.
I had to keep his secrets as well as mine.

--

INHALT:
Jean und Glen führen seit zwanzig Jahren ein ruhiges Eheleben, das bis auf seine Computersucht völlig normal verläuft. Bis eines Tages die Polizei vor der Tür steht und Jean den wahren Grund für Glens "Nonsens" erfährt, wie sie es nennt: Er wird beschuldigt, sich nicht nur Kinderpornos angeschaut, sondern auch ein kleines Mädchen entführt und getötet zu haben. Doch anstatt sich abzuwenden, hält Jean weiterhin zu ihrem Mann, über Jahre der Gerichtsverhandlungen und Anschuldigungen hinweg. Und erst als er schließlich durch einen Unfall stirbt, ist sie bereit, die Geschichte aus ihrer Sicht zu erzählen.

MEINE MEINUNG:
Als ein psychologischer Thriller wird Fiona Bartons "The Widow" angepriesen, für Fans von "Gone Girl" oder "The Girl on the Train". Kein Wunder, dass sich der Rowohlt Verlag bereits die Rechte gesichert hat; "Die Witwe" erscheint noch im Mai diesen Jahres. Doch durch die Vermarktung und Beschreibungen werden vollkommen falsche Hoffnungen geweckt, denn das Buch ist in keinster Weise ein Thriller. Eher einer Charakterstudie ähnlich wird das Bild einer manipulativen Ehe, schlechter Ermittlungsarbeit und grausamer Medienhetze aufgezeigt. Das könnte interessant sein - wenn man sich nicht etwas völlig anderes vorgestellt hätte.

Bis auf den relativ austauschbaren dickköpfigen und gutmütigen Detektiv Sparkes und teilweise die engagierte, intelligente Reporterin Kate gibt es keine Identifikationsfigur. Stattdessen sind die Figuren undurchschaubar, unsympathisch und teilweise regelrecht hassenswert - wie eben Glen, dessen abgebrühte und zugleich manipulative Art einen sowohl unangenehm berührt als auch fasziniert. Auch die völlige Abhängigkeit von Jean, die durch ihren unerfüllten Kinderwunsch so einige Probleme entwickelt hat, ist erschreckend zu beobachten. Figuren muss man nicht mögen, damit sie glaubwürdig sind, hier tragen diese unterschiedlichen, unausstehlichen Persönlichkeiten sogar zur Atmosphäre bei. Gleichzeitig fällt es einem aber auch schwer, weiterzulesen, weil es keinen wirklichen Bezugspunkt gibt.

Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich aus den wechselnden Sichten der Witwe, der Reporterin und des Detektivs, in einzelnen Kapiteln kommen aber auch die Mutter des entführten Mädchens und sogar einmal der verdächtigte Ehemann zu Wort. Durch diese verschiedenen Perspektiven erwartet man einiges an Spannung, die jedoch nie aufkommt. Statt dass es sich wirklich darum dreht, was die Witwe weiß und nun erzählt, geht es lange Zeit nur um die schlampige Ermittlungsarbeit der Polizisten, die Hinweisen teilweise erst Jahre später nachgehen und horrende Fehler machen. Die Handlung tritt Ewigkeiten auf der Stelle, und auch wenn die Medienjagd noch so erschreckend ist, diese reicht nicht, um zu fesseln. Die größte Enttäuschung erwartet einen aber am Ende: Ohne jegliche Überraschung oder auch nur einen winzigen Twist wird alles vor einem ausgebreitet, es ist alles so, wie man es von Anfang an geahnt hat. Und damit lädt auch dieser Schluss nur dazu ein, das Ganze sehr schnell wieder zu vergessen.

FAZIT:
Wer hier einen spannenden, nervenaufreibenden Thriller erwartet, ist bei "The Widow" völlig falsch - allenfalls als sehr langatmigen Roman mit Krimi-Elementen kann man Fiona Bartons Erstlingswerk beschreiben. Die Frau ist Journalistin und beschreibt die Kniffe der Medien daher sehr gekonnt, der Rest funktioniert aber fast gar nicht. 2 Punkte.

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Tags: ehe, entführung, medien, mord, verbrechen   (5)
 

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283 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 128 Rezensionen

thriller, berlin, zelle, jonas winner, familie

Die Zelle

Jonas Winner
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 11.01.2016
ISBN 9783426512760
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es war wie ein Blitz, der mich traf. Mein Blick ging an ihr vorbei in die Nische, die jetzt von dem Vorhang entblößt war, in die Kälte und Nacktheit der Nische, zu dem Werkzeug, dem Stahl, dem Gummi, den Schläuchen und Klammern. Ich weiß noch, dass es war, als ob die Mauer, an die ich mich gepresst hatte, mir eine geballte Faust in die Magengrube rammen würde. Ihr Gesicht, das Gesicht des Mädchens, war jetzt nass von Tränen, es war wie eine Pfütze, es war auseinandergeflossen. Kannst du es sehen?, schien ihr Blick sagen zu wollen, das ist es, das ist die Wahrheit.
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INHALT:
Der elfjährige Sam zieht während der Sommerferien mit seiner Familie nach Berlin und muss dort in Ermangelung an Freunden die heißen Wochen mehr oder weniger allein verbringen. Er langweilt sich und folgt deshalb eines Tages seinem Vater, als dieser im Luftschutzbunker der Villa verschwindet. Und dort findet er etwas Schreckliches: Ein junges Mädchen, eingesperrt in einer Gummizelle, verängstigt und gequält. Sam weiß nicht, was er tun soll, und schläft eine Nacht über diese Entdeckung - doch als er am nächsten Morgen wiederkommt, ist das Mädchen verschwunden. Und er ist überzeugt davon, dass sein Vater etwas damit zu tun hat...

MEINE MEINUNG:
Jonas Winner hat das geschafft, was sich viele selbstverlegende Autoren wünschen: Mit seinem Debüt ist er bekannt geworden und nun bei einem großen Verlag unter Vertrag - und von seinen Werken haben die meisten Thriller-Fans mit Sicherheit bereits gehört. "Die Zelle" ist nun sein neuestes Buch, das sich nicht nur Kindesentführung und -missbrauch annimmt, sondern auch einer verstörten Kinderseele und einer zerbrochenen Familie. Erzählt wird die Geschichte bis auf den letzten Teil und drei eingeschobene Kapitel aus der Ich-Perspektive des jungen Sam selbst, wodurch man sich in seine von Entsetzen und Angst geprägten Gedanken und Gefühle sehr gut hineinversetzen kann.

Sam ist eigentlich ein recht normaler Junge, verspielt und liebebedürftig, unsicher und etwas übersensibel. Nachdem er allerdings die schreckliche Entdeckung im Bunker gemacht hat, wird er fahrig und schreckhaft, kreisen seine Gedanken wild und nicht immer trifft er die besten Entscheidungen - was man in einer solchen Situation aber vollkommen verstehen kann. Dass hinter alldem allerdings noch mehr steckt, erfährt man erst viel später. Durch die Augen des jungen Protagonisten betrachtet man, genau wie er, den Vater sehr misstrauisch und nimmt ihn als zwielichtig und unangenehm wahr. Er ist schwer zu durchschauen und hat durchaus eine brutale Seite. Auch die anderen Figuren, wenn sie auch viel seltener vorkommen, sind interessant gezeichnet - vor allem die überforderte und müde Mutter und der eifersüchtige, besitzergreifende Bruder Linus. Einige Nebenfiguren wie Sams spätere Freundin Marina bleiben etwas blass, dies fällt jedoch nicht stark ins Gewicht.

Anfangs gibt es eine kleine Einführung, aber es dauert nur wenige Seiten, bis Sam bereits seine grausame Entdeckung macht. Von da an lässt sowohl ihn als auch den Leser der Schrecken nicht mehr los und die Fragen rotieren im Kopf: Ist es wirklich der Vater, der diese Untat begangen hat - und vergiftet wirklich die Villa mit der schlimmen Vergangenheit die gesamte Atmosphäre innerhalb der Familie? Die Situation spitzt sich zu, als Sam seinem Vater immer vorsichtiger begegnet und dieser Verdacht schöpft. Und obwohl der Junge regelmäßig versucht, mit den anderen Familienmitgliedern zu reden, hört ihm niemand zu, was ihn letztendlich zu einer verzweifelten Tat treibt. Die Spannung bleibt dabei konstant hoch und das Rätsel lässt einen nicht mehr los.

Je weiter die Geschichte voran schreitet, desto unsicherer wird man auch, ob man bisher mit den eigenen Vermutungen richtig gelegen hat - und so verwirft man immer wieder Theorien und denkt sich neue, sobald sich ein neues Detail offenbart. Die Lösung letztendlich ist dann ganz anders als erwartet, sehr überraschend, aber auch passend - doch die Gestaltung passte für mich nicht wirklich. Denn dass alle Hinweise, die auf die Wahrheit hinführen, zufällig durch eine Aufnahme ans Licht kommen, erschien mir doch ein wenig weit hergeholt. Nach der langen und intensiven Hinführung ließ mich das ein wenig enttäuscht zurück - was dem spannenden Thriller im Großen und Ganzen aber dennoch kaum einen Abbruch tut.

FAZIT:
Jonas Winners neuer Thriller "Die Zelle" ist grausam, heftig und mitreißend - mit der schwierigen, an den Nerven zerrenden Thematik muss man aber zurecht kommen. Die ganze Geschichte ist sehr spannend und toll geschrieben, die Weise, auf die die Ausführung präsentiert wird, gefiel mir aber weniger. Insgesamt jedoch trotzdem ein lesenswerter Roman für Fans des Genres. 4 Punkte!

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Tags: familie, kindesmissbrauch, kindesmisshandlung, mord, zelle   (5)
 

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664 Bibliotheken, 15 Leser, 2 Gruppen, 159 Rezensionen

selbstmord, liebe, suizid, depression, jennifer niven

All die verdammt perfekten Tage

Jennifer Niven ,
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Limes, 28.12.2015
ISBN 9783809026570
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich schlinge die Bettdecke um mich, so eng ich kann, ziehe sie über meinen Kopf, damit ich mein Zimmer nicht mehr sehe, und lege mich - eingewickelt wie eine Mumie - aufs Bett. So kann ich die Wärme und das Licht bei mir behalten, damit sie mir nicht entwischen. Ich schiebe eine Hand durch die Öffnung und hole mir ein Buch. Dann noch eins. Was wäre, wenn das Leben so sein könnte? Nur die schönen Teile, nichts von den Schrecken, nicht einmal die geringste, irritierende Kleinigkeit. Was, wenn wir das Schlechte ausschneiden und nur das Gute behalten könnten? Das ist es, was ich mit Violet machen will: Ich will ihr das Gute geben und das Schlechte von ihr fernhalten, damit wir nur von Schönheit umgeben sind.
--

INHALT:

Auf dem Glockenturm ihrer Schule begegnen sich Violet Markey und Theodore Finch, die bisher nie etwas miteinander zu tun hatten und aus völlig verschiedenen Welten stammen: Sie kommt aus einer guten Familie und ist eine der beliebtesten Schülerinnen, er ist das Problemkind und gilt als Freak. Verbunden sind sie jedoch in ihrem Schmerz über Ereignisse in ihrem Leben. Und so retten sie sich gegenseitig vor dem Sprung in die Tiefe und können fortan nicht mehr ohne einander. Doch während er ihr hilft, ins Leben zurückzufinden, verliert er immer wieder seine Balance...

MEINE MEINUNG:

Ein Roman über bipolare Störungen, Schuldgefühle und Suizidgedanken - das klingt erst einmal abschreckend, bedrückend und traurig. Teilweise ist es das auch, natürlich, denn die Themen sind wichtig und erfordern einiges an Sensibilität. Jennifer Niven gelingt es in ihrem Roman "All die verdammt perfekten Tage" jedoch auf besondere Weise, die düsteren Aspekte mit viel Licht und Fröhlichkeit zu verbinden, ohne dabei den Fokus aus den Augen zu verlieren. So ist nicht nur ein berührendes Werk entstanden, sondern auch ein sehr liebenswertes. Erzählt wird es abwechselnd aus der Ich-Perspektive der beiden Hauptfiguren, deren Denkweise man so sehr gut kennen lernt.

Finch ist ein Protagonist, den man von der ersten Seite an ins Herz schließt - nicht nur wegen seiner witzigen, frechen Art, sondern auch wegen seiner Verletzlichkeit und dem Wunsch, denjenigen, die er liebt, zu helfen. Man freut sich mit ihm über die kleinsten Dinge, leidet aber auch genauso wie er in seinen dunklen Phasen. Sich mit Violet zu identifizieren ist anfangs etwas schwieriger, weil sie stark in ihrem Schmerz über den Tod ihrer Schwester gefangen ist und da auch nicht herausgeholt werden will. Doch die Probleme mit ihr legen sich nach kurzer Zeit, als klar wird, dass sie nicht so klischeehaft ist wie sie sich gibt, und auch sie durchaus witzig sein kann. Andere Figuren wie Finchs und Violets Familien oder ihre Freunde kommen leider viel zu selten vor, können dafür aber mit ihrer Unterschiedlichkeit punkten.

Nach dem ersten dramatischen Kennenlernen der beiden Protagonisten und ihrer Annäherung, erweckt die Geschichte anfangs den Anschein einer relativ normalen Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen, abgesehen davon, dass Finch offener und deutlicher als jeder andere Violets Probleme mit dem Tod ihrer Schwester anspricht. Über lange Zeit versucht hauptsächlich er ihr zu helfen, und es wird einem ganz warm ums Herz, als sie beginnt, ihm zu vertrauen und sich zu öffnen. Über Finchs lebenslustige und zärtliche, aber auch ehrliche Art droht man immer wieder zu vergessen, dass auch er mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat - obwohl diese sich an seinen Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen und sich selbst immer wieder deutlich zeigen. Es ist einfach der schöne Gedanke, dass die beiden sich gegenseitig retten, der der nicht nur den Leser, sondern wohl auch die beiden blendet.

Mit der Zeit wird aber immer deutlicher, dass das allein nicht genügt, und Finch dringend professionelle Hilfe braucht. Es ist dramatisch zu beobachten, wie es Violet immer besser geht, während sich seine Spirale stetig abwärts dreht. Mit erschreckender Authentizität beschreibt Niven dieses Umschlagen der Stimmungen, das so typisch ist für biopolare Störungen, und das so gefährlich sein kann, sowohl in den manischen, als auch in den depressiven Phasen. Mit ihrer Entscheidung zum Ende hin macht sie da auch konsequent weiter, und nicht jedem wird das gefallen. Es kommt auch tatsächlich ein wenig plötzlich, führt Finchs Charakter und seine Art, Dinge anzugehen, aber auch sehr glaubwürdig weiter. So ist der Schluss ziemlich dramatisch und schwer zu verkraften, gibt aber auf besondere Weise auch Hoffnung - nämlich darauf, durch die Auseinandersetzung mit Problemen letztendlich stärker zu werden.

FAZIT:
Jennifer Nivens "All die verdammt perfekten Tage" setzt sich mit bipolaren Störungen und Schuldgefühlen auseinander und nimmt sich beiden Themen sensibel wie auch ehrlich an - ohne dabei zu ernst und zu bedrückend zu werden. Es ist nicht alles perfekt, aber es kommt schon recht nah dran. 4,5 Punkte!

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(160)

323 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 65 Rezensionen

lynn raven, magie, windfire, djinn, fantasy

Windfire

Lynn Raven
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei cbt, 14.12.2015
ISBN 9783570161029
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ein Zwang. Hierherzukommen. Und noch weiter. Er hatte Jesse nichts davon gesagt. Auch wenn sie ihm zumindest die Kopfschmerzen anmerkte. Aber der Rest... "Komm." Es fühlte sich an wie ein Fehler. Und er konnte nichts dagegen tun.
Abrupt richtete er sich ein wenig mehr auf. Jesse sah zu ihm auf. Überrascht. "Hoffen wir einfach, dass wir auch als Touristen durchgehen und zwischen denen da unten nicht weiter auffallen." Solange sie sich auf Petra zubewegten, hielt sich die Qual in seinem Kopf in Grenzen. Zumindest war es bisher so gewesen. Er streckte ihr die Hand hin. Hitze und Kälte zugleich schoss in sein Blut, als sie sie ergriff, Haut Haut berührte. "Komm." Es fühlte sich an wie ein Fehler.

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INHALT:
Die junge Jesse hat drei Jobs, um sich und ihren krebskranken Bruder Danny durch zu bringen. Aber das Geld reicht einfach nicht und so hat sie vor einigen Tagen schweren Herzens ein altes Amulett ihrer Mutter versetzt. Bald denkt sie vor lauter Stress nicht mehr daran - bis plötzlich der gut aussehende, hitzige Shane vor ihr steht und genau dieses Amulett von ihr verlangt. Sie stimmt zu, ihm auf der Suche danach zu helfen, und gemeinsam kommen sie dem Geheimnis des Erbstücks auf die Spur. Doch das bringt sie auch in Gefahr...

MEINE MEINUNG:
Lynn Raven ist eine der deutschen Fantasy-Autorinnen, die mit ihren außergewöhnlichen Romanen immer wieder zu begeistern weiß. Eigentlich. Denn "Windfire" fehlt trotz der zauberhaften Aufmachung die Magie - obwohl die Geschichte von Djinn und Windhexen handelt, kommt weder richtiges Feuer, noch ein wirklich originelles Lüftchen auf. Und nicht mal der Stil weiß dieses Mal richtig zu überzeugen: Noch mehr als sonst übertreibt sie es mit ihren Parenthesen und Auslassungspunkten, und abgesehen von den wie immer wunderschönen Beschreibungen wirkt alles zu jugendlich und größtenteils zu abgehackt. Erzählt wird das Ganze abwechselnd aus der Sicht von Jesse (Ich-Perspektive) und Shane (Er-Perspektive), was einen Einblick in beide Figuren ermöglicht. Ab und zu gibt es auch Kapitel aus der Sicht einiger Bösewichte, bis zum Ende wird deren Sinn und Zweck aber nicht wirklich klar.

Jesse müsste einem aufgrund ihrer Bereitschaft, alles für ihren Bruder zu tun, eigentlich sympathisch sein - doch die meiste Zeit über ist das ihre einzige gute Eigenschaft. Ansonsten ist sie fast immer zickig, launisch und eingebildet, kein Wunder also, dass Shane sie "Ms Zimtzicke" nennt. Er ist dagegen etwas sympathischer, zeigt vor allem seine Hilfsbereitschaft, bleibt aber bis auf seine Dickköpfigkeit ansonsten eher blass. Die Nebenfiguren kommen ansonsten einfach zu wenig vor, um eine wirklich gute Ausarbeitung zu erfahren und bleiben so eher blass - das enttäuscht besonders, wenn man an die sonst großartigen Charaktere in Ravens Büchern denkt.

Kurz nach der Einführung beider Figuren inklusive ihrer Motive und Vorgeschichten erwartet den Leser ihr erstes feuriges Zusammentreffen, das viel für den Rest des Romans verspricht - und dieses Versprechen dann nicht halten kann. Bis auf eine sehr spannende Verfolgungsjagd im Auto plätschern die ersten 200 Seiten vor sich hin, es passiert wenig bis auf die stereotype geheimnisvolle Anziehung zwischen den Protagonisten und ein in dem Moment völlig unpassendes Fotoshooting. Erst als sich Shane und Jesse gemeinsam auf die Suche nach Antworten machen und sich damit endlich auf die lang ersehnte Reise begeben, wird es endlich wieder interessanter.

Die Liebesgeschichte konnte mich persönlich gar nicht mitreißen, weil einfach keine wirklichen Gründe dafür genannt werden, außer dass sich die gegensätzlichen Elemente anziehen und beide gut aussehen - eine wirkliche Chemie fehlt. Immerhin bleibt das Rätselraten um die Bedeutung des Amuletts und die Drahtzieher hinter den Angriffen auf die beiden, sodass die Romanze zum Glück sowieso größtenteils im Hintergrund bleibt. Doch nach all den verschiedenen Strängen und verwirrenden Einblicken in die Gedanken der Gegner wirkt das Ende, als hätte die Autorin weder Zeit noch Lust gehabt, das alles sinnvoll zu einem Ende zu bringen. Viel zu wenig wird geklärt, vor allem im Bezug auf die Motive der Gegner und wer die überhaupt sind. Als wäre hier noch ein weiterer Band geplant, von dem aber nirgends die Rede ist. Da bleibt nach dem packenden Showdown zum Schluss ein fader Geschmack.

FAZIT:
Lynn Ravens neuer Roman ist irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. "Windfire" beginnt interessant, lässt dann stark nach und fesselt erst ab der Hälfte wieder - nur um dann viele Fragen ungeklärt zu lassen. Es fehlt einfach der Zauber, den man sonst von den Büchern der Autorin gewohnt ist. Hier kann ich nicht mehr als knappe 3 Punkte vergeben.

  (1)
Tags: amulett, djinn, reise, suche, windhexe   (5)
 

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51 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

tanzen, regenbogentänzer, freundschaft, traum, psych

Regenbogentänzer

Nicole Walter
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2015
ISBN 9783426515501
Genre: Romane

Rezension:

Sie übergab Frau Lipowsky zweieinhalb Monatsmieten, weil sie noch ein wenig Geld fürs Essen und die Bank brauchte, und sagte ihrem Spiegelbild beim Zähneputzen, dass sie es liebte. Ihr Spiegelbild fand es zunächst peinlich, dann war es nur noch irgendwie verlegen, und irgendwann lachte es sie einfach aus. Ein schönes Gefühl, den Tag mit einem Lächeln zu beginnen. Und vielleicht würde ihr Spiegelbild die Liebeserklärung eines Tages sogar annehmen, und irgendwann würde es möglicherweise sogar anfangen, ihr zu glauben.
--

INHALT:
Milena ist eigentlich Tänzerin - und musste ihren Traum nun aufgrund körperlicher Beschwerden aufgeben. Sie fällt in ein tiefes Loch, denn sie wird nie wieder auf einer Bühne auftreten, nie wieder ein Engagement erhalten. Auf der Suche nach einem neuen Job, bei der ihr das Arbeitsamt nicht weiterhilft, begegnet sie auf einer Brücke Alphonse, einem verwirrt scheinenden, aber freundlichen älteren Herrn. Er lebt im Regenbogenhaus für Menschen mit psychischer Störung, und als Milena ihn dorthin zurück bringt, erhält sie die Chance auf einen Teilzeitjob als Tanzlehrerin. Doch die Arbeit mit den Patienten ist gar nicht mal so einfach, und auch ihre Vergangenheit macht ihr schwer zu schaffen...

MEINE MEINUNG:
Nicole Walters "Regenbogentänzer" besticht von außen vor allem durch die kunterbunte Aufmachung, die sehr gut zu den vielen seltsamen wie auch liebenswerten Persönlichkeiten passt, die das Buch zu bieten hat - und ebenso zu den vielen unterschiedlichen, schönen wie traurigen, Ereignissen. Der Stil ist sehr beschreibend, teilweise auch blumig, dabei aber meistens noch im angenehmen Rahmen des Detailreichtums. An die teilweise spektakulär wirren bzw. bizarren Dialoge und auch an einige besondere Gedankengänge der Protagonistin muss man sich allerdings erst gewöhnen, weswegen der Einstieg ein wenig schwer fällt. Im Laufe der Handlung lernt man beides aber irgendwie zu mögen, weil es in genau dieser Form sehr zur Art der Geschichte passt.

Milena ist anfangs eine relativ schwierige Protagonistin: Verbittert durch das Ende ihrer Tanz-Karriere und voreingenommen gegenüber vielen Menschen ist sie einem anfangs wenig sympathisch. Durch den Kontakt mit den Bewohnern des Regenbogenhauses beginnt sie sich jedoch zu öffnen - und auch durch ihren traurigen Hintergrund beginnt man bald, sie ins Herz zu schließen. Das ist jedoch nicht nur bei ihr der Fall: Alle Figuren haben ihre Höhen und Tiefen, viele Ecken und viele Kanten. Da ist der Psychiater Phil Friedmann, der ihr oft eine Schulter zum Anlehnen bietet und sie dann wieder unwirsch abfertigt, oder der gut aussehende Patient Christopher, der in seinen lichten Momenten großartig sein kann und dann wieder hasserfüllt und gemein, oder auch die Nachbarin Anna, die immer nur über sich selbst spricht und doch für Milena da ist. Die Persönlichkeiten sind fast alle sehr skurril, wirken im Kontext nach einer Aufwärmphase aber klasse.

Zu großen Teilen ist Milenas Geschichte wie aus dem Leben gegriffen: Sie muss sich mit dem Arbeitsamt herumschlagen und dem aus ihrer Arbeitssituation resultierenden Geldmangel, ebenso wie mit ihrer anstrengenden Nachbarin Anna. Viele Erlebnisse meint man so oder so ähnlich schon öfter erlebt zu haben, was das Buch realistisch macht. Gleichzeitig wird dem Ganzen durch das Regenbogenhaus auch eine etwas absurdere Note verliehen - aber nur durch die Dialoge und einige Situationen, nicht nur die Bewohner, deren Leiden einfühlsam und glaubwürdig dargestellt werden. Die Autorin verbindet diese teilweise argen, traurigen Störungen jedoch immer wieder mit einigem Humor und Wortwitz, sodass es nie zu erdrückend wird.

Ein paar Kritikpunkte gibt es jedoch auch: Manchmal ist das Hin und Her in Milenas Gedankengängen doch etwas schwierig nachzuvollziehen, und die nach 150 Seiten aufkommende Liebesgeschichte ist zwar gänzlich anders als erwartet, ergibt sich jedoch auch zu schnell. Außerdem konnte ich wenig damit angefangen, dass nach einem Gespräch oft Seiten später Sätze zu den Dialogen hinzu gedichtet werden, die man als Leser gar nicht miterlebt hat, was die Erzählung so teilweise etwas sprunghaft wirken lässt. Dafür bleibt es bis zum Ende fast durchgehend spannend, und entgegen aller Erwartungen ist der Schluss dann keine perfekte Auflösung für alle, was gut zum restlichen Buch passt - und einem die Möglichkeit bietet, die Geschichte selbst weiter zu spinnen.

FAZIT:
Nicole Walters Roman ist sehr besonders, sowohl vom Inhalt als auch von den Charakteren her - und braucht daher etwas Anlaufzeit. Je weiter die Seiten voranschreiten, desto lieber gewinnt man beides aber. "Regenbogentänzer" ist immer wieder ein wenig traurig, immer wieder ein bisschen erschreckend, aber oft auch schön und fröhlich. Lesenswert! 4 Punkte.

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Tags: freundschaft, psychische störungen, tanz, tanzen   (4)
 

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1.091 Bibliotheken, 20 Leser, 1 Gruppe, 196 Rezensionen

liebe, colleen hoover, love and confess, tod, auburn

Love and Confess

Colleen Hoover ,
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.11.2015
ISBN 9783423740128
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Na gut, wenn du es schwörst." Sie hält mir die Tür auf. "Aber ich warne dich trotzdem - nur für den Fall. Ich kann mindestens so laut schreien wie Jamie Lee Curtis in Halloween."
Sie zeigt mir, wo das Bad ist. Sobald ich die Tür hinter mir zugemacht habe, stütze ich mich aufs Waschbecken und starre kopfschüttelnd in den Spiegel. Ich versuche, mir zu sagen, dass alles Zufall ist: dass sie heute vor meiner Tür stand. Dass sie meine Bilder anscheinend gut findet. Dass wir beide mit zweitem Namen Mason heißen.
Aber...es könnte auch Schicksal sein.

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INHALT:
Frisch nach Dallas gezogen, weiß die junge Auburn in dieser fremden Stadt nicht viel mit sich anzufangen - vor allem, weil sie ihre erste große Liebe fünf Jahre zuvor hier zurücklassen musste, weswegen der Ort für sie mit großem Schmerz verbunden ist. Doch dann begegnet sie Owen und alles verändert sich: Zärtlich, freundlich und hilfsbereit gelingt es ihm, ihr das Herz zu stehlen. Doch seine Geheimnisse und ihre Abhängigkeit von einem anderen Mann drohen, ihre Liebe zu zerstören...

MEINE MEINUNG:

Colleen Hoover ist wohl eine der beliebtesten Autorinnen für Liebesromane und konnte auch mich schon mit einigen ihrer herzergreifenden Geschichten überzeugen. "Love and Confess" besitzt mal wieder ein recht ähnliches Prinzip, aber auch einige originelle Details. Erzählt wird das Ganze abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Auburn und Owen, der Schreibstil ist jugendlich und angenehm, die Dialoge wirken aber manchmal ein wenig holprig. Ein tolles Element sind die Geständnisse, die die Autorin vorher bei ihren Lesern gesammelt hat und die manchmal sogar in wunderschönen Bildern festgehalten wurden. Dieses Element kam mir persönlich aber deutlich zu selten vor.

Auburn ist eine liebenswerte Protagonistin, die sich allerdings vieles von anderen vorschreiben lässt und erst zum Ende hin mehr Willensstärke zeigt. Im Anbetracht ihrer Vergangenheit und ihres Kampfes für eine ganz bestimmte Person in ihrem Leben, ist das aber durchaus nachzuvollziehen. Owen ist ebenso ein Charakter, den man sehr schnell sehr gern hat, weil er sich so rührend um Auburn und auch um seinen Vater kümmert. Er ist allerdings auch ein wenig besitzergreifend, besonders in einer ganz bestimmten Szene, was mich doch etwas abgestoßen hat. Emory, Auburns Mitbewohnerin und eine sehr interessante, spezielle Persönlichkeit, wurde meiner Meinung nach leider viel zu wenig Spielraum gegeben, und die Charakterisierung von Trey, dem Bruder von Auburns erster Liebe, ist äußerst klischeehaft und teilweise auch nicht wirklich glaubhaft.

Nach einem intensiven Prolog, in dem bereits Auburns Vorgeschichte geklärt wird, läuft die Geschichte größtenteils nach dem üblichen Schema ab: Zwei Menschen treffen sich, lernen sich kennen, verlieben sich und stellen dann fest, dass sie aufgrund von Geheimnissen und Problemen nicht zusammen sein können. Geheimnisse und Probleme, die natürlich erst nach vielen Seiten geklärt werden. Neben den Geständnissen ist hier also nicht großartig viel Neues zu erwarten. Trotzdem gelingt es Colleen Hoover, einen durch die schön transportierten Emotionen zu fesseln und mit den beiden Protagonisten mitfiebern zu lassen - denn die Chemie ist definitiv vorhanden.

Ein paar kleinere Überraschungen und Wendungen gibt es durchaus - eine sogar noch vor der Hälfte des Buches. Diese gibt dem Ganzen den besonderen Touch, weil eine solche Enthüllung für einen Young Adult-Roman eher unüblich ist. Bis die vielen Probleme gelöst werden, dauert es danach allerdings noch ziemlich lange und teilweise wird hierbei auch ein wenig auf der Stelle getreten. Die Lösung ist letztendlich dann sinnvoll, aber auch ein wenig weit hergeholt und vor allem nicht wirklich unerwartet, weil sie sich schon vorher abgezeichnet hat. Letztendlich wird so jedoch ein zufriedenstellendes und vor allem schönes Ende ermöglicht, dass einen mit einem Lächeln zurücklässt - besonders durch den Epilog, der auch das letzte Rätsel noch löst.

FAZIT:
Colleen Hoovers "Love and Confess" konnte mich nicht ganz so beeindrucken wie ihre anderen Romane, weil das Schema doch recht bekannt ist. Einige originelle Details und die liebenswerten Protagonisten lassen einen aber dennoch größtenteils mitfiebern. Gute 3,5 Punkte, hier aufgerundet auf 4.

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Tags: abhängigkeit, anwalt, drogen, liebe   (4)
 

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65 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

superkräfte, superhelden, epic, waser, manhatter

Firefight: Roman

Brandon Sanderson
E-Buch Text: 500 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 26.10.2015
ISBN 9783641165826
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Ah, da bist du ja, Jon. Das ging ja wirklich schnell."
Die ruhige Bemerkung ließ mich beinahe bis zu den Sternen auffahren. Ich drehte mich um und richtete das Gewehr aus.
Neben dem Prof stand auf einmal eine ältere schwarze Frau mit runzliger Haut und weißem Haar, das sie zu einem Knoten zusammengebunden hatte. Um den Hals trug sie ein modisches Tuch, das trotzdem irgendwie großmütterlich wirkte. Über Bluse und Hosen hatte sie sich eine weiße Jacke angezogen.
Regalia, die Herrscherin von Manhattan, war da drüben direkt vor mir erschienen.
Ich jagte ihr eine Kugel durch den Kopf.

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INHALT:
Steelheart ist tot und Newcago eigentlich frei von seiner tyrannischen Herrschaft, doch die Rächer haben keine Zeit zu ruhen - denn immer wieder kommen neue Epics in die Stadt, um sie zu vernichten. Bald wird klar, dass diese Angriffe von Regalia ausgehen, die die Gewalt über Manhattan besitzt, und dass diese die Rächer aus irgendeinem Grund zu sich locken will. Um herauszufinden, was sie plant, stoßen David, der Prof und Tia zur dort ansässigen Rächerzelle. Die ganze Aktion wird problematisch, als zusätzlich der gefährliche Obliteration auftaucht, um alles in Schutt und Asche zu zerlegen. Und als David dann auch noch Firefight wiedertrifft, für die sein Herz schlägt, ist das Chaos perfekt...

MEINE MEINUNG:
Brandon Sandersons völlig anderer Blick auf Superhelden hat uns 2013 (bzw. 2014 in der Übersetzung) einen großartigen Fantasy-Auftakt geliefert. Nach den schwerwiegenden Ereignissen und Enthüllungen zum Ende hin, schließt "Firefight" nun nur kurze Zeit später daran an. Protagonist David berichtet selbstverständlich wieder aus der Ich-Perspektive und beglückt die Leser mit seinen eigenwilligen Vergleichen und Metaphern, auch wenn diese selbst für seine Belange manchmal aus dem Ruder laufen. Der Schreibstil ist sehr flüssig, und besonders die Dialoge können mit ihrer realistischen Ungezwungenheit völlig überzeugen.

David ist nicht mehr ganz so naiv wie zu Beginn von "Steelheart", hat seinen Glauben an das Gute im Menschen aber nie abgelegt - was ihn so menschlich macht. Er versucht, in allen das Beste zu sehen und hadert mit Schuldgefühlen, die man absolut nachvollziehen kann. Nachdem man Megan im Vorgänger größtenteils als unfreundliche Zicke kennen gelernt hat, darf sie hier nun eine weichere Seite zeigen, die man durchaus sehr gern an ihr sieht. Der Prof ist wieder wunderbar einschüchternd und undurchschaubar, Tia pragmatisch wie eh und je. Bei den Neuzugängen ist besonders Regalia ein richtig guter Charakter: Schwer einzuschätzen und in ihren Motiven den Umständen entsprechend irgendwie verständlich, können sich ihre vielen Facetten durchaus sehen lassen. Ebenso verhält es sich mit den drei neuen Rächern Val, Exel und Missy, die sich von misstrauisch über seltsam bis zu tollpatschig sehr voneinander abheben.

Nach Steelheart im 1. Teil geht es nun gleich um drei große Epics - Regalia, Obliteration und Firefight nämlich. Letztere ist zurecht auch Titelgeberin, den sie ist diejenige, die den Ausschlag gibt dafür, dass David sich fragt, ob alle Epics böse sein müssen. Nach seinen Rachegelüsten zuvor sind es nun seine Zweifel, die ihn antreiben und die ihn verschiedenen Theorien nachgehen lassen, um Licht ins Dunkel zu bringen. So kann er selbst schon ein Rätsel der Epics lösen und kommt im Verlaufe der Handlung auch den anderen immer näher. Denn man könnte im Grunde fast sagen, dass es im Buch tatsächlich um vier Epics geht - und den letzteren lernt er auf ganz besondere Weise kennen, die Antworten bereithält, aber auch weitere Fragen aufwirft. Es ist also jetzt schon abzusehen, dass es im finalen Band nicht langweilig werden wird.

Zwischenzeitlich gibt es ein paar etwas zu langatmige Momente mit etwas zu viel Geplänkel, ansonsten jedoch folgt eine actionreiche Szene auf die andere, und durch die unterschwellige Bedrohung, die nie nachlässt, ist man auch als Leser immer auf der Hut. Ein bisschen Romantik gibt es, diese hält sich jedoch sehr stark in Grenzen und untergräbt so nie die eigentliche Geschichte. Die Geschehnisse zum Ende hin sind dann besonders schockierend, weil man so nicht damit gerechnet hätte, aber sie sind auch einleuchtend - denn so ist jetzt schon klar, gegen welchen alles abverlangenden Gegner sich die Rächer im letzten Band wappnen müssen (neben dem Titel gebenden natürlich). Und eins ist dabei unvermeidbar: Auch für den Leser wird das ein haarsträubender Kampf.

FAZIT:
"Firefight" ist nicht ganz so spannend wie der Vorgänger, kommt an diesen aber sehr nah heran. Durchdachte Figuren, eine originelle Geschichten und viele unerwartete Wendungen lassen es einem recht selten langweilig werden - Autor Brandon Sanderson kann einfach erzählen. Da bleibt am Ende nur noch die Vorfreue auf "Calamity". Knappe 4,5 Punkte!

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Tags: epic, rächer, superhelden, zerstörung   (4)
 

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148 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

liebe, sienna, austin, familie, vergangenheit

Zwischen uns nur der Himmel

Laura Johnston ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.10.2015
ISBN 9783423716475
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Als ich gerade wieder untertauchen will, überkommt es mich. Ich kann es nicht aufhalten.
Nicht fallen. Nicht fallen.
Das Blut schießt durch meine Adern. Ich mache kehrt und versuche, an Land zu kommen, während meine Beine langsam schlaff und gefühllos werden. Ein kalter Hauch fegt über mich hinweg, helles Licht blendet meine Augen. Ich kann nichts sehen. Ich mache einen zitterigen Schritt nach vorne, dann zwei, kämpfe mich weiter in Richtung Strand, bevor ich das Bewusstsein verliere.
Aber ich schaffe es nicht rechtzeitig.

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INHALT:
Ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters kehrt Sienna mit ihrer Mutter und ihrem Bruder an den Ort zurück, an dem sie als heile Familie immer Urlaub gemacht haben - trotz des Schmerzes, den es für sie alle bedeutet. Doch dann lernt sie eines Tages Austin kennen und alles ändert sich. Sie verliebt sich Hals über Kopf in diesen jungen Mann, der ihr in der schweren Zeit so viel Halt gibt. Aber er kommt aus einer völlig anderen Welt, was ihrer Mutter ein Dorn im Auge ist. Und außerdem ist da noch ihr eigentlicher Freund Kyle, den sie nicht so einfach loslassen kann.

MEINE MEINUNG:
Ein Urlaubsflirt, eine sommerliche Kulisse und eine familiäre Krise, das alles klingt nach guten Zutaten für die perfekte Lektüre an warmen Tagen. "Zwischen uns nur der Himmel" verspricht vom Klappentext her eine beinahe unmögliche Liebe mit "einer gewaltigen Menge an Problemen". Diese gewaltige Menge gibt es, jedes einzelne davon wird aber wie von Zauberhand gelöst und unmöglich ist diese Liebe schon mal gar nicht. Vielleicht schürt der Verlag ein paar falsche Erwartungen, wahrscheinlicher aber noch liegt es tatsächlich am einfallslosen Inhalt: Autorin Laura Johnston hat hier jedenfalls eine enorme Fehlleistung von Roman hingelegt.

Das beginnt schon bei Protagonistin Sienna. Anfangs kann man ihren Schmerz und ihre Abschottung von ihrer Familie aufgrund des Todes ihres Vaters noch verstehen. Doch nach ihrem Zusammentreffen mit Austin lernt man sie hauptsächlich als naive Egoistin kennen, die es allen recht machen und gleichzeitig alles für sich haben will. Sie trifft nicht nachvollziehbare Entscheidungen und behandelt eigentlich jeden schlecht, sodass ich bald keinerlei Sympathie mehr empfunden habe. Austin ist da eine sehr viel nettere, rücksichtsvollere Person - allerdings ist er auch zu perfekt, besitzt außer einem gewissen Maß an Aggressivität keine Ecken und Kanten, kann stattdessen er aber fast alles. Die sonstigen Nebenfiguren tauchen nur sporadisch auf und sind komplett schwarz-weiß gezeichnet: Der böse Freund, die verständnislose Mutter, der liebe Kumpel in der Friendzone oder auch die nur für ein Telefongespräch eingeführte beste Freundin. Klischeehafter geht es nicht.

Und genauso geht es auch im Roman weiter. Das alles hat man schon mal gelesen: Die heldenhafte Rettung vor ein paar Angreifern (übrigens 2); Jugendliebe, die unter keinem guten Stern steht, garniert mit den traumatischen Ereignissen eines Unfalls und ein paar kleineren Geheimnissen (die allerdings keine wirklichen Geheimnisse sind). Laura Johnston versucht krampfhaft, ihre Geschichte interessanter zu gestalten, indem sie einige neuere Details einbaut, doch das geht nach hinten los: Denn auf diese Weise hat sie letztendlich so viele Themen im Buch, dass sie keines wirklich zufriedenstellend bearbeitet. Da ist der Bruder mit ADHS und bipolarer Störung, der aber nur durch seine sehr wortgewandte Sprache wirklich auffällt; der tote Vater, an den aber nicht oft gedacht wird; das Problem, dass sich Sienna bereits in einer Beziehung befindet, das einfach übergangen wird; oder auch ihre Ohnmachtsanfälle, die irgendwann mir nichts, dir nichts verschwinden. Gerade dieses Verschwinden der Probleme ist sowieso das Markenzeichen des Buches - es gibt insgesamt bestimmt 10 einzelne Erschwernisse für die Liebesgeschichte, die jedoch grundsätzlich alle immer in wenigen Seiten oder gar Sätzen abgehandelt werden.

Kommen wir aber zum größten Kritikpunkt an der Geschichte, den ich einfach nennen muss: Dem Fremdgehen. Denn über 300 der 400 Seiten trennt sich Protagonistin Sienna, die als so gut und rein und lieb dargestellt wird, nicht von ihrem Freund, sondern turtelt einfach sowohl mit ihm als auch mit Austin - für mich ein klares No-Go, das mich immer wieder extrem wütend gemacht hat, vor allem, weil niemals klar der Fehler eingestanden wird. Davon abgesehen plätschert die Geschichte so vor sich hin, kitschige Szenen wechseln sich mit langweiligen Dialogen ab, und zwischendurch gibt es noch ein paar dramatische, aber sehr uninspirierte und grundsätzlich sehr leicht gelöste Ereignisse. Bis zum Schluss gibt es nichts Originelles, nichts Authentisches zu lesen, stattdessen wird ein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende herbeigezaubert, das mich genauso wenig überzeugen konnte wie der Rest.

FAZIT:
Laura Johnstons "Zwischen uns nur der Himmel" ist ein Buch, das ich wirklich niemandem empfehlen mag. Nichts stimmt: Weder die Charaktere, noch die Story, noch die Themen. Da kann und will ich nicht mehr als 1 Punkt geben.

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Tags: familie, fremdgehen, ohnmacht, probleme, tod, urlaubsflirt, urlaubsliebe   (7)
 

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42 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

sharon bolton, falkland inseln, thriller, krimis, trauer

Böse Lügen

Sharon Bolton ,
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Manhattan, 19.10.2015
ISBN 9783442547654
Genre: Romane

Rezension:  
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581 Bibliotheken, 25 Leser, 0 Gruppen, 122 Rezensionen

pandemie, dystopie, überleben, apokalypse, shakespeare

Das Licht der letzten Tage

Emily St. John Mandel ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.09.2015
ISBN 9783492060226
Genre: Science-Fiction

Rezension:

In der Lobby sammelten sich die Leute an der Bar und stießen an. "Auf Arthur", sagten sie. Sie tranken noch eine Weile, dann gingen sie alle ihrer Wege, hinaus in den Sturm.
Von allen Personen, die in dieser Nacht in der Bar gewesen waren, war der Barkeeper derjenige, der noch am längsten leben sollte. Er starb drei Wochen später auf der Straße, über die er die Stadt verlassen wollte.


INHALT:
An dem Tag, an dem die Georgische Grippe Kanada erreicht, sind die Leben von Jeevan, Kirsten und Clark auf eine Weise verbunden, von der sie nichts ahnen und die sie nie erkennen. 20 Jahre später ist die Welt keine, wie sie einmal war: 99% der Menschheit ist tot, die Übrigen müssen täglich um ihr Überleben kämpfen. Während Kirsten einer fahrenden Symphonie angehört, lebt Clark auf einem Flughafen und Jeevan in einer neu gegründeten Kommune. Doch sie haben eines gemeinsam: Sie alle wollen nicht aufgeben, im Glauben daran, dass die Welt einmal wieder so schön werden kann wie früher.

MEINE MEINUNG:
Emily St. John Mandel hat mit ihrem Roman "Das Licht der letzten Tage" etwas ganz Besonderes geschaffen: Er spielt einerseits in einer Endzeit, in der ein Großteil der Weltbevölkerung tot ist und der Rest ums Überleben kämpft, und andererseits Tage, Wochen, gar Jahrzehnte vor dem Ausbruch der tödlichen Krankheit. Das ist eine Mischung, die man so nicht kennt, die anders ist, manchmal ein wenig langatmig, die so aber auch außergewöhnliche Charakterentwicklungen beschreibt. Alle berichtenden Figuren haben auf die ein oder andere Weise mit dem Schauspieler Arthur zu tun, der der zentrale Angelpunkt ist. Teilweise gibt es aber auch Abschnitte aus einer allwissenden Perspektive, die einige Hintergründe, vor allem bezüglich der Toten, näher beleuchtet.

Kirsten ist wohl die Protagonistin des Buches, denn sie hat als Erzählerin die meisten Kapitel. Während des Ausbruchs noch ein verwöhntes, ignorantes Kind, hat sie sich durch die Schrecken zu einer mutigen, starken jungen Frau entwickelt - die aber noch immer einen Hang zum Egoismus hat. Jeevans Geschichte erlebt man größtenteils in der Zeit während und nach der Krankheit, als er sich in dieser neuen Welt durchschlägt. Er ist anfangs relativ ängstlich, was ihn sehr sympathisch macht, weil man sich gut mit ihm identifizieren kann, aber mit den Jahren wächst auch er an den Erlebnissen. Clark ist dann derjenige, der relativ spät deutlicher beleuchtet wird und dem ein bisschen die Kanten fehlen. Aufgrund seiner gutmütigen Art schließt man ihn aber dennoch ins Herz. In den Erzählungen der Zeit vor dem Zusammenbruch erfährt man viel über Arthur, seine Frauen und sein Leben, in denen danach geht es insbesondere um die fahrende Symphonie und auch den gefährlichen Propheten - der im späteren Verlauf auch eine Backstory erhält, die äußerst spannend ist.

Neben den großartigen Figuren versteht es die Autorin auch meisterhaft, die Panik der ersten Tage und Wochen der Krankheit zu porträtieren, ebenso wie das Abfinden damit und das neue Leben aller übrigen Menschen. Ihre zerstörte Welt ist atmosphärisch und schaurig, in die sie durch tolle Dialoge und die Stücke von Shakespeare aber immer wieder Licht hinein bringt. Hinzu kommt noch der Nebenstrang um einen Comic, der sich wunderbar auf die Endzeit übertragen lässt und ebenfalls eine Geschichte erhält. Das ist sowieso ein Part, der nicht zu wünschen übrig lässt: Fast jede auftauchenden Figur, die irgendwo mit Arthur zu tun hatte, erhält ein Motiv, einen Hintergrund, einen Sinn. Alles wird erklärt, nichts offen gelassen, auch nicht, wie es teilweise zu den Gegenständen kommt, die die Charaktere besitzen. Diese Konsequenz beeindruckt immer wieder sehr stark.

Zugegeben, trotzdem hätte es nicht ganz so viele Kapitel geben müssen, die in der normalen Welt spielen. Nicht jede Station von Arthurs Leben hätte beleuchtet werden müssen, nicht jede seiner Frauen, nicht jede Facette von Clarks Arbeit. Manchmal sind diese Parts zu lang und ermüden, bevor es wieder zum spannenden Teil in der Endzeit kommt. Und auch wer der Prophet ist, habe ich schnell erraten können, hier wären ein paar weniger Hinweise vielleicht besser gewesen. Nichtsdestotrotz ist dies die Geschichte einer Pandemie, wie ich sie noch nicht gelesen habe: Voller Schmerz, Leid und Tod, aber auch mit so viel Hoffnung und Schönheit, dass man manchmal fast vergisst, was für eine Welt das ist. Auch der Lichtschimmer zum Schluss lässt da froh wie auch nachdenklich zurück - da hätte man fast Lust auf einen 2. Band.

FAZIT:
Mit "Das Licht der letzten Tage" ist Emily St. John Mandel etwas ganz Besonderes gelungen. Es ist eine Endzeit-Geschichte, die aber auch viel vor dem Ausbruch der verheerenden Krankheit spielt, und damit Zusammenhänge und Figuren großartig beleuchtet - manchmal auch fast zu viel. Das stört aufgrund der Originalität aber kaum. Gute 4 Punkte!

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141 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 64 Rezensionen

gargoyles, dämonen, liebe, fantasy, jugendbuch

Dark Elements - Steinerne Schwingen

Jennifer L. Armentrout
E-Buch Text
Erschienen bei HarperCollins ya!, 01.10.2015
ISBN 9783959679824
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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143 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 39 Rezensionen

fantasy, london, dystopie, seher, wächter

The Bone Season - Die Denkerfürsten

Samantha Shannon ,
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 14.09.2015
ISBN 9783827012302
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Arcturus Mesarthim entstammte der Welt hinter dem Schleier, während ich ein Kind der Straße war. Falls die Ranthen dahinterkamen, dass etwas zwischen uns lief, würde die fragile, gerade erst geschmiedete Allianz zerbrechen. Aber selbst von hier aus spürte ich seine warme, unverrückbare Präsenz, das Pulsieren seines Geistes, die verlockende Dunkelheit seiner Traumlandschaft, wie eine von Rauch verhüllte Flamme...Und plötzlich begriff ich, dass nichts davon meinen Entschluss ändern konnte. Ich wollte ihn noch immer bei mir haben, genau wie in dem Moment, als ich den Zug bestiegen hatte, der mich in die Freiheit brachte.
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INHALT:
Paige ist mit einigen anderen Sehern aus Sheol I, wo sie von den gefährlichen Rephaim festgehalten wurden, entkommen. Doch zurück in London, ihrer Heimat, ist es nicht weniger gefährlich: Sie gilt nun als gefährliche Verbrecherin und wird von den Behörden gejagt. Sie weiß, dass sie sich wehren muss, denn unter der Führung der Rephaim wird alles nur noch schlimmer werden. Doch dafür braucht sie erneut die Hilfe des Wächters, zu dem sie in der Zeit ihrer Gefangenschaft zarte Gefühle entwickelt hat, von dem sie aber nicht weiß, woran sie bei ihm ist...

MEINE MEINUNG:
Samantha Shannon hat 2013 mit dem Auftakt ihrer geplanten 7-teiligen Reihe "The Bone Season" ein faszinierendes Fantasy-Debüt hingelegt. Nun folgt mit "Die Denkerfürsten" auch der 2. Band auf Deutsch und kann gleich von Anfang an punkten: Denn wo der Vorgänger anfangs ein wenig zäh war durch starkes Infodumping, wird man jetzt direkt in die Handlung hineingeworfen. Nach 2 Jahren ist das erst einmal ungewohnt, bald jedoch findet man sich wieder vollständig in dieser dystopisch angehauchten Urban-Fantasy-Welt wieder. Das liegt nicht zuletzt auch am atemberaubend schönen und packenden Stil, der alles wunderbar greifbar macht.

Paige ist noch immer die starke und gewissenhafte Protagonistin, die wir zuvor kennen und lieben gelernt haben. Ihre Art, für ihre Lieben einzustehen, verbunden mit ihrem Kampfgeist, machen sie sehr sympathisch, auch wenn sie etwas länger braucht, um die Augen nicht mehr vor dem zu verschließen, was abläuft. Im Anbetracht ihrer Vergangenheit ist das jedoch durchaus zu verstehen. Der Wächter taucht ein wenig später auf, nimmt dann jedoch mit seiner unvergleichlichen Präsenz und der Mischung aus Gefühlskälte und menschlicher Leidenschaft sofort wieder seinen angestammten Platz im Herzen ein. Die Nebenfiguren wissen aber ebenso zu überzeugen: Paiges ehemalige Liebe Nick, der immer zu ihr steht; der geheimnisvolle und schwer durchschaubare Jaxon; und die anderen guten Rephaim, die immer von einer Aura des Misstrauens umgeben sind, sie alle machen die Geschichte so interessant und abwechslungsreich - vor allem, weil man selten weiß, wer nun auf welcher Seite steht.

Nachdem man in Band 1 hauptsächlich Sheol I kennengelernt hat, das von den Rephaim persönlich kontrolliert wurde, ist Paige nun zurück in London, in dem Scion seine Machenschaften ausübt - letztendlich aber natürlich ebenfalls unter Führung der grausamen, übernatürlichen Wesen. Nach der düsteren Welt der Unterdrückung und emotionalen Gewalt, ist Paige nun eigentlich wieder bei ihren Freunden, muss aber bald feststellen, dass es nicht so ist wie erwartet. So lassen Intrigen und Morde unter den Denkerfürsten, sowie eine fieberhafte Suche nach ihr die gesamte Handlung nie langweilig werden. Stattdessen ist man mit der Heldin die gesamte Zeit über auf der atemlosen Suche nach der Wahrheit und einem Ausweg aus dem Wahnsinn: Der Ermordung von ihresgleichen, nur um den Rephaim zu dienen.

Teilweise muten die Geschehnisse und Taten an wie solche im Dritten Reich - Hass und Angst für das Fremde werden geschürt, Menschen getötet, Propaganda verbreitet. Ein erschreckendes Bild, das dabei aber immer glaubwürdig bleibt. Die vielen Begriffe, von Amaurotiker bis Rhabdomant, können zwischendurch verwirrend sein, da hilft aber zum Glück das Glossar hinten im Buch weiter. Am Schluss wartet dann, wie schon im vorhergegangenen Teil, ein fieser Cliffhanger - der dieses Mal deutlich mehr in der Luft hängen lässt, gleichzeitig aber auch unfassbar gut ist. Nun heißt es warten auf Band 3, der auf Englisch nächstes Jahr erscheinen soll - und das wird nicht einfach.

FAZIT:
"The Bone Season: Die Denkerfürsten" hat mir noch besser gefallen als Band 1, weil der Anfang weniger zäh ist. Das Worldbuilding ist aber noch genauso großartig, ebenso wie die facettenreichen Charaktere. Ein epischer Fantasyroman voller Originalität - sehr gute 4,5 Punkte!

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Tags: fantasy, london, scion, seherin, wächter, widernatürliche   (6)
 

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todesstrafe, serienmörder, black eyed susans, schock, penguin

Black Eyed Susans

Julia Heaberlin
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Penguin Books Ltd (UK), 13.08.2015
ISBN 9781405921282
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Charlie thinks it was the pizza deliveryman," Effie says, "but I thought he had a stealthy air about him. We both know you can't be too careful."
My mind is basking in a warm cocoon of relief when this registers. Is Effie hinting at what we never talk about? Is she, too, on high alert for my monster?
"You know who I think it was?," Effie asks.
I shake my head, numbly pondering all the things she might say that I don't want Charlie to hear.
"I think," she says, "it was the digger snatcher."

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INHALT:
Vor vielen Jahren ist Tessa das Opfer eines Serienmörders geworden - hat aber wider Erwarten überlebt, und durch ihre Aussage wurde ein Mann des Verbrechens für schuldig befunden. Doch nun, über ein Jahrzehnt später, gibt es plötzlich neue Hinweise und Tessa zweifelt an sich selbst. Sie kann sich an nichts aus dieser Nacht erinnern, woher also soll sie sicher sein, dass derjenige hinter Gittern auch der Richtige ist? Sie beschließt, bei den neuen Ermittlungen zu helfen, muss dabei aber schon bald um ihr Leben und das ihrer Tochter fürchten...

MEINE MEINUNG:
Julia Heaberlins "Black Eyed Susans" wird dieses Jahr in einem Zuge mit Bestseller-Thrillern wie "Gone Girl" und "Girl on the Train" genannt - und kann von der Story und den undurchsichtigen Figuren her durchaus mit den beiden anderen Romanen mithalten. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Tessa, wobei die Kapitel abwechselnd die Zeit nach der Entführung und die Gegenwart zum Inhalt haben. Der Stil ist sehr komplex in Wortwahl und Satzbau, und insbesondere für Englisch-Anfänger sicherlich etwas schwieriger, aber nach einer Einlesezeit ist das für das Verständnis kein Problem mehr.

Es gibt zwei Tessas, die man kennen lernt: Einmal das erschütterte, verschlossene und wütende Mädchen, kurz nachdem es in einem Grab gefunden wurde, und einmal die etwas paranoide, aber ansonsten sehr rationale und fürsorgliche Frau viele Jahre später. Beide haben ihre Ecken und Kanten, gerade ihre Unterschiedlichkeit macht es aber so interessant, sie die Entwicklung von einer zur anderen anzuschauen. Tochter Charlie ist eine Teenagerin, die früh erwachsen werden musste und daher eine gesunde Portion Mut besitzt, allerdings zum Glück nicht leichtsinnig ist. Spannende Figuren sind auch die verwirrte, aber liebe Nachbarin Effie und der sympathische, gutmütige Bill. Viele der Figuren, insbesondere Tessas Therapeut und ihre Kindheitsfreundin Lydia, sind schwer einzuordnen und üben somit eine nicht geringe Faszination aus.

Statt auf Spannung, überraschende Wendungen und Action wird sich hier größtenteils auf die Figurenentwicklung und Tessas Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit konzentriert, die überaus interessant ist - so erinnert der Fall der "Black Eyed Susans" (wie die getöteten Mädchen genannt werden) doch immer wieder an einem bekannte reale Verbrechen, vor allem vom Medienrummel her. Die Atmosphäre ist dabei dicht und zieht einen schnell in die Geschichte hinein, die sehr ruhige Erzählweise mit über lange Zeit wenig neuen Erkenntnisse nimmt aber auch viel an Dramatik heraus. Insbesondere Tessas Gespräche mit ihrem Therapeuten im ersten Teil des Buches fand ich oft wenig zielführend und eher langatmig.

Im letzten Drittel nimmt das Ganze dann allerdings richtig an Fahrt auf. Endlich gibt es neue Hinweise, die Arbeit geht voran und Enthüllungen halten einen immer wieder in Atem. Das Frage nach dem tatsächlichen Täter bleibt bis kurz vor Ende erhalten und wird dann mit einem großen Knall beantwortet. Eine Überraschung gibt es, die Auflösung selbst ist aber nicht nur vorhersehbar, sondern auch noch sehr klischeehaft, wodurch eine Enttäuschung vorprogrammiert ist. Der Schluss gibt immerhin einen interessanten Ausblick auf die Zukunft, einige Dinge, insbesondere die Motive, bleiben aber noch offen - und nach der vielen Geheimniskrämerei lässt das doch ein klein wenig unbefriedigt zurück.

FAZIT:
Julia Heaberlins "Black Eyed Susans" nutzt geschickt Vergangenheit und Gegenwart, um das schlimme Schicksal der Protagonistin zu verdeutlichen. Diese muss sich mit ihren Erinnerungen an ein schreckliches Ereignis auseinandersetzen und gleichzeitig damit, mit ihrer Aussage vor Jahren möglicherweise den falschen Mann zum Tode verurteilt zu haben - ein spannender Konflikt, der durch zu wenig Ereignisse und eine eher stereotype Auflösung aber leider an Reiz verliert. Gute 3 Punkte.

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Tags: entführung, ermittlung, serienmörder, vergangenheitsbewältigung   (4)
 

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dystopie, fantasy, liebe, amy ewing, das juwel

Das Juwel - Die Gabe

Amy Ewing ,
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 20.08.2015
ISBN 9783841421043
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Anflug eines Lächelns umspielt ihre Lippen. Sie zieht die blaue Flüssigkeit aus der Ampulle in der Spritze auf und dreht meinen Arm, um eine Vene in meiner Ellenbeuge zu finden. Als die Nadel meine Haut durchbohrt, zucke ich zusammen - Spritzen gehörten zu unserem Leben in Southgate, aber ich habe mich nie daran gewöhnt. "Du bist ein kluges Mädchen. Vielleicht klug genug, um hier zu überleben."
Ihre Worte lassen nichts Gutes ahnen, aber als die blaue Flüssigkeit durch meine Adern fließt, werden meine Beine schwer, und die Augenlider fallen mir zu. Bevor ich die Frau fragen kann, was sie damit meint, werde ich wieder von Dunkelheit verschluckt und falle in einen Schlaf.

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INHALT:
Die junge Violet ist etwas Besonderes - geboren im Sumpf, dem ärmsten Viertel der Ewigen Stadt, ist sie gemeinsam mit einigen anderen Mädchen dazu auserkoren worden, ein neues Leben zu führen. Denn sie besitzt besondere Fähigkeiten und kann einer adligen Dame daher einen Dienst erweisen: Ihr Kind zu gebären. Mädchen wie sie werden seit Jahrzehnten von den im Reichtum lebenden Menschen als Leihmütter genutzt - und Violet hasst diese Aussicht, doch sie kann sich nicht wehren. Bis sie sich verliebt und immer stärker den Wunsch in sich verspürt, für ihr eigenes Leben zu kämpfen...

MEINE MEINUNG:
Amy Ewings erster Band der "Juwel"-Reihe fasziniert mit der grausamen und originellen Idee, die neuen Schwung in das Genre der Dystopien/Fantasy bringt. Mädchen, die dazu gezwungen werden, Kinder anderer Leute auszutragen und dabei gehalten werden wie Haustiere: Eine schreckliche Vorstellung. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive eines sogenannten "Surrogats" (wie die jungen Frauen genannt werden), wodurch man die Ängste und Gedanken hautnah miterlebt.

Leider ist eine Identifikation mit der Protagonistin aber denkbar schwierig: Sie ist selbstverständlich wunderschön, klug und ganz besonders. Von den letzten beiden Eigenschaften merkt man bis auf ihre atemberaubenden Fähigkeiten allerdings eher wenig - hauptsächlich jammert sie, obwohl sie alles bekommt, lästert über andere Frauen, die genauso aufgetakelt sind wie sie, und trifft dumme Entscheidungen. Zu ihr passt daher sehr gut der Love-Interest Ash, ebenfalls nicht besonders intelligent, dafür aber sehr gut aussehend - und unangemessen aufbrausend in den seltsamsten Momenten. Dagegen ist die Gräfin, bei der sie unterkommt, sehr viel spannender: Undurchsichtig, manchmal grausam und manchmal gut, ist sie ein Charakter, der einen immer wieder überrascht. Eine weitere gut gestaltete Figur ist die stumme Annabelle, die mit ihrer lebenslustigen Art die Sympathien sammelt, und der wilde Garnet, der allerdings viel zu selten auftaucht.

Die Idee selbst ist gut, wenn man davon absieht, dass die Protagonistin wie immer an einem Ort gefangen ist, von dem sie so schnell nicht weg kommt. Ihre permanenten Ängste vor der Schwangerschaft und den Behandlungen durch den Adel sind greifbar und recht gut dargestellt. Bis zu etwa Seite 220 ist es hauptsächlich eine Geschichte um das Überleben, voller verständlicher Sorgen, mit ein bisschen langweiligem Hofgeplänkel und einigen Intrigen. Dann jedoch scheint der Autorin schlagartig eingefallen zu sein, dass ja noch gar keine Romantik vorkam - und innerhalb von 30 Seiten ist die Protagonistin unsterblich verliebt, völlig fasziniert und zu keinem klaren Gedanken mehr fähig. Sie nimmt jede Gefahr in Kauf und läuft sogar nachts zu ihrem Geliebten, weil sie ihn unbedingt haben muss - Kitsch ist für diesen Herzschmerz gar kein Ausdruck und Antilopen können nicht schneller laufen als sich diese Romanze entwickelt hat.

Ab diesem Zeitpunkt geht es also nur noch bergab. Die Hauptfigur kommt auf famose Ideen, die ihr größtenteils Ärger einbringen - und das, obwohl sie es deutlich besser hat als viele ihrer Genossinnen. Außerdem wäre es schön gewesen, tatsächlich noch etwas mehr über die Hintergründe dieser Welt zu erfahren (ist diese nun dystopisch oder doch phantastisch?) sowie über die der Kinderzeugung, die so gut wie gar nicht erklärt wird. Dafür überzeugt das Ende, nicht nur durch eine Entscheidung von Violet, sondern auch durch den kleinen Cliffhanger, den ich mir persönlich schon länger erhofft hatte. Aufgelöst wird dieser wohl in Band 2, der im Original noch dieses Jahr erscheinen soll.

FAZIT:
Amy Ewing verarbeitet in "Die Gabe" eine interessante Idee und schafft es, einen in der ersten Hälfte des Buches durchaus gut zu unterhalten. Dann jedoch beginnt die Liebesgeschichte, die nicht nur extrem kitschig ist, sondern auch viel zu viel Raum einnimmt. Darunter leidet die gesamte Geschichte, die von da an größtenteils bergab geht. Verschenktes Potenzial! Von mir gibt es dafür 2 Punkte.

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Tags: fähigkeiten, kitsch, leihmutter, liebe   (4)
 

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glück, trauer, familie, verlust, 7

Glück ist eine Gleichung mit 7

Holly Goldberg Sloan ,
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 27.07.2015
ISBN 9783446245532
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zu Hause ging ich in die Küche und mixte mir einen Drink aus heißem Wasser, einem Esslöffel Honig (von meinem Bienenstock auf der Terrasse) und einem Esslöffel Essig (hergestellt aus sauren Äpfeln, braunem Zucker und destilliertem Wasser).
Während ich an dem würzigen Getränk nippte, spürte ich deutlich, dass dieser Tag, trotz der entlaufenen Katze, bisher ein Triumph gewesen war.
Dass ich eine Freundin hatte - obendrein eine, die älter war und auf die High School ging -, würde mir die Tür in eine neue Welt öffnen.
An diesem Nachmittag traf ich eine Entscheidung.
Ich würde alles über entlaufene Katzen und Vietnam lernen.
Es kam mir vor, als wäre ich über eine Mauer gesprungen, gegen die ich viel zu lange bloß angerannt war.

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INHALT:
Willow Chance ist neugierig und voller Tatendrang, aufgrund ihrer Intelligenz und Angewohnheiten aber auch sehr einsam. Das ändert sich, als sie einige besondere Menschen kennen lernt: Den Sozialbetreuer Duke, die Familie Nguyen und den Taxifahrer Jairo. Das Leben all dieser Personen berührt und verändert sie. Doch als ihre Adoptiveltern plötzlich bei einem Autounfall ums Leben kommen, liegt es an ihren neuen Bekanntschaften, ihr durch diese schwere Zeit zu helfen.

MEINE MEINUNG:
"Glück ist eine Gleichung mit 7" ist ein sehr besonderes Buch mit einer sehr besonderen Protagonistin. Autorin Holly Goldberg Sloan versteht es mit ihrem sehr einfachen, abgehackten und prägnanten Schreibstil, Willows Gedanken und Gefühle klar darzustellen. Abwechselnd dazu gibt es auch immer wieder Kapitel aus den Sichten anderer Figuren, sodass man sich auch mit diesen identifizieren kann. Dass der Tod der Eltern bereits im Klappentext erwähnt wird, mag zuerst komisch anmuten, hat aber auch seinen Sinn: Denn es geht nicht um diesen einen Schicksalsschlag, sondern viel mehr darum, wie das Mädchen zum Glück zurückfindet.

Willow ist hochintelligent und gibt ihr Wissen auch gerne und oft preis. Dabei wirkt sie jedoch in keinster Weise arrogant oder besserwisserisch, weil ihre Kenntnisse für sie etwas ganz natürliches sind - ebenso wie das Zählen in Siebener-Schritten oder das Lernen von Sprachen. Der Schicksalsschlag verändert sie natürlich, dennoch verliert sie nie ihre bezaubernd lebendige Art. Auch die anderen Charaktere wissen mit ihren vielfältigen Charakterzügen immer wieder zu begeistern - Sozialarbeiter Dell ist zu Anfang das Gegenteil eines Sympathieträgers, kehrt dann aber seine guten Seiten heraus; Pattie und Mai Nguyen sind sehr energisch, wollen aber nur das Beste; und Taxifahrer Jairo findet nach langer Ungewissheit endlich Glück. Am Interessantesten ist aber wohl Quang-ha mit seiner grummeligen Art, der seine netten Züge aber dennoch oft nicht verbergen kann.

Der Roman ist definitiv nicht auf Spannung ausgelegt und schon gar nicht auf überraschende Wendungen. Und trotzdem gelingt es der Autorin, die Geschichte so fesselnd zu gestalten, dass man sogar die Beschreibungen der Anpflanzung eines Gartens mit Freude verfolgt. Das liegt sicherlich zu einem großen Teil an den Dialogen, die oftmals einfach nur umwerfend komisch sind, ebenso aber auch an den wunderschönen Zitaten, die einem immer wieder ins Auge springen. Beinahe auf jeder Seite findet man einen Satz oder einen Gedanken, den man so in ein Poesiealbum übernehmen könnte.

Die Traurigkeit der Situation berührt einen neben all der Situationskomik jedoch auch. Zu sehen, wie Willow sich aufgrund der Trauer verändert, wie die anderen aber auch alles geben, um für sie da zu sein, ist sehr ergreifend. Das Ende tritt dann natürlich auch genauso ein, wie man das erwartet - was insgesamt der Zielgruppe angemessen und sehr hübsch ist. Andererseits geht doch auch alles ziemlich einfach vonstatten, und es gibt mindestens eine Wendung, die ob der Vorgeschichte wenig glaubwürdig wirkt. Die Glücksgefühle, die man zum Schluss erfährt, wiegen das jedoch wieder auf.

FAZIT:
Holly Goldberg Sloan gelingt es mit einer wunderbaren Protagonistin, tollen Nebencharakteren und einer sehr berührenden Geschichte, den Leser trotz weniger Überraschungen sehr zu fesseln. Nur das Ende ist leider sehr kitschig und auch übertrieben problemlos gestaltet worden. Nichtsdestotrotz kann dieses Buch, lässt man sich drauf ein, sehr, sehr glücklich machen. 4 Punkte!

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Tags: autounfall, garten, glück, schmerz, trauer, umgang mit dem tod   (6)
 
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