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Die Philosophie des Radfahrens

J. Ilundáin-Agurruza , M. W. Austin , Peter Reichenbach
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 15.01.2017
ISBN 9783518467435
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der Inhalt des gut 200 Seiten starkes Buches „Die Philosophie des Radfahrens“  umfasst 15 Essais über das Radfahren, die zugleich so etwas wie ein philosophisches Kompendium des Radfahrens sind. Denn die Autoren um die Herausgeber Jesús Ilundáin-Agurruza, Michael W. Austin und Peter Reichenbach behandeln ganz unterschiedliche philosophische Aspekte des Radfahrens und des Radsports wie den Bewegungsaspekt, die politische Dimension des Radfahrens, die metaphysische Komponente oder die Rolle der Technik. Betrachtet werden aber auch emanzipatorische Überlegungen zum Radfahren, der Wettkampfaspekt und die Verwendung leistungssteigernder Mittel (Doping). Fast alle Autoren haben einen akademischen Hintergrund und sind nicht nur begeisterte Radfahrer, sondern lehren auch als Philosophiedozenten an Hochschulen. Die einzelnen Artikel weisen daher oft Bezüge zu philosophischen Denkschulen auf. Zitiert werden u.a. Nietzsche, Thoreau und Dewey, aber auch Klassiker wie Aristoteles, Epiktet und Marc Aurel, um nur einige zu nennen.

 

So stellt etwa Steven D. Hales in seinem Beitrag sechs Regeln für das Radfahren auf, die das Leben selbst lernt. Wer diese beachtet, hat nach seiner Einschätzung die Chance sich selbst kennenzulernen, also den Leitspruch des Orakels von Delphi zu verwirklichen. Das dabei natürlich an erster Stelle das Training steht, ist klar. Interessant ist aber die fünfte Lektion: „Erwarte das Unerwartete“. Radfahren hat etwas mit Fatalismus zu tun. Für Steen Nepper Larsen vereint das Radfahren die Kategorien Raum und Zeit: Denn mit der Länge der Strecke und der damit verbundenen körperlichen Anstrengung werde aus dem „Hier und Jetzt“, das man auf der Zeitleiste an einem bestimmten Zeitpunkt ablesen könne, ein „ausgedehnter Moment“: „Die Zeit fällt aus den Angeln und erreicht einen Zustand der Vollkommenheit.“ Und für die Ex-Radsportlerin Heather L. Reid ist das Wichtigste, „dass ich das, was ich erreicht habe, selbst erreicht habe“. Dabei komme es nicht nur auf Muskelkraft an, sondern auch auf Klugheit. So sei der wichtigste Umgang mit Bergen, die für jeden echten Pedaleur die Krönung sind, der „Respekt“ vor ihnen. Wie wahr!

 

Die Philosophie des Radfahrens ist ein Buch für alle Freunde des Radsports, die selbst schon hinreichende Selbsterfahrungen auf dem Zweirad gemacht haben und nach einem Sinn und einer Bestätigung für ihr Tun suchen.

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Passion Rennrad

Gerard Brown , Graeme Fife
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Delius Klasing, 10.10.2016
ISBN 9783667107244
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Marken, Macher und Maschinen“, so lautet der Untertitel des Buches „Passion Rennrad“, dass der Velofotograf Gerard Brown und der Radsportreporter Graeme Fife zum Thema Rennrad herausgebracht haben. Vielleicht könnte man dem Untertitel des 224 Seiten starken und mit über 400 Farbfotos reich bebilderten Bandes aber noch das Prädikat „Typen“ hinzufügen, denn unter den Machern der vorgestellten 31 Marken gibt es jede Menge davon. Was sie charakterisiert, ist nicht kalte Perfektion, sondern Liebe und Hingabe zum Produkt. Was ihre Arbeit ausmacht, ist Wissen und Augenmaß. Das sieht man auch ihren Rädern an, in denen viel Herzblut und Detailkenntnis steckt. Beispielsweise lässt der Rahmenbauer Jason Rourke seine Kunden noch einmal aufs Rad steigen, bevor er diesem den letzten Schliff gibt: „Messvorrichtungen? Man kann Knochen nicht messen“, so Rourke. Bei Rahmenbauern wie ihm, Ira Ryan, Tony Pereira, Ben Serotta, Eric Estlund oder dem puristischen Richard Sachs, spielen Materialkenntnis, Handwerkskunst und jahrelange Erfahrung eine zentrale Rolle.

Ein Denkmal setzen die Autoren aber nicht nur diesen bekannten Rahmenbauern, sondern auch legendären Fahrradteileherstellern wie den Sattelexperten Brooks und Selle Italia, den Stahlschmieden Reynolds und Columbus oder auch den Laufrad- und Mantelspezialisten Mavic und Continental und einigen anderen mehr. Ob handgefertigt oder maschinell erstellt, auch bei diesen Marken wird die Handwerkskunst bis heute hochgehalten. Das merkt man allen Protagonisten an, seien es nun die Firmengründer und Chefs selbst oder ihre Entwickler und Arbeiter. Die Atmosphäre in den Werkstätten und Produktionshallen kommt in den toll fotografierten Bildern „rüber“. Deshalb kann ich das schön fotografierte und spannend recherchierte Buch „Passion Rennrad“ von Gerard Brown und Graeme Fife für den Start in die neue Radsaison 2018 empfehlen.

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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1517

Heinz Schilling
Fester Einband: 364 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 24.05.2017
ISBN 9783406700699
Genre: Sachbücher

Rezension:

500 Jahre Reformationsgeschichte liegen hinter uns. Martin Luthers Thesenanschlag in der Schlosskirche zu Wittenberg veränderte die Welt auf einen Schlag und leitete die Neuzeit ein. Das zumindest war noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts die herrschende Meinung in der westlichen und vor allem der protestantisch geprägten Geschichtsschreibung, für die zum Beispiel Adolf von Harnack stand. Doch inzwischen ist das eurozentrische Geschichtsbild einer umfassenderen Sichtweise gewichen. Wie wir inzwischen wissen, haben auch andere Hochkulturen wesentliche „Impulse“ zur Neuzeit beigesteuert, wie Heinz Schilling in „1517 – Weltgeschichte eines Jahres“ anmerkt.

 

Der emeritierte Professor für die Europäische Geschichte der frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin führt den Leser auf eine Zeitreise in das frühe 16. Jahrhundert. Dabei gelingt es Schilling selbst in der Kürze der Darstellung – der eigentliche Inhalt umfasst gerade einmal 308 Seiten – detailreich die Welt von damals zu skizzieren. So wird der Leser beispielsweise genauso in die ausgeklügelten Thronfolgevorgänge am spanisch-habsburgischen Hof in Madrid um Karl V. eingeweiht (dem einen großen Gegenspieler Luthers), wie in die Vorgänge um den osmanischen Herrscher Sultan Selim I., der zu Beginn des Jahres 1517 die Macht der Mamluken brach und damit dem Osmanischen Reich die Vorherrschaft in der muslimischen Welt sicherte. Beide Großmächte, d.h. das Haus Habsburg und das Osmanische Reich, standen sich fortan im 16. Jahrhundert feindlich. Schilling öffnet dem Leser in seinem Buch also den Blick auf das Europa und die Welt am Vorabend der Reformation. Und das durchaus auch in die weiteren „äußeren“ Aspekte des menschlichen Lebens von damals wie den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Veränderungen der Zeit.

 

Ganz entscheidenden Einfluss auf die Welt zu Beginn der Neuzeit sieht der Autor zudem im Einfluss des neuen Weltwissens, zumindest auf die Eliten von damals. Amerika wurde entdeckt, Reisen an den chinesischen Hof wurden unternommen sowie Entdeckungsfahrten nach Afrika und Asien.

 

Aber auch die „Innerlichkeit“ war von Bedeutung. Die Welt besann sich wieder auf das Wissen und die Kunst der Antike, d.h. die Renaissance aus Italien „schwabte“ immer stärker nach Nordeuropa: Universitäten wurden gegründet, neue Wissenschaften sollten bald entstehen und mit dem Buchdruck war auch eine wichtige Voraussetzung für die Verbreitung der Reformation auf den Weg gebracht.

 

Doch trotz aller Fortschritte zeigt Schilling auch, dass sich Aberglauben und Misstrauen hartnäckig hielten. Beispielsweise gegenüber dem Judentum, auch wenn sich einzelne Gelehrte wie der württembergische Humanist Johannes Reuchlin für die Anerkennung der jüdischen Kultur einsetzten. Aber auch Hexenverfolgungen und Geisterschlachten spielten nach wie vor eine große Rolle. Was sich in Erzählungen wie der „Geisterschlacht von Bergamo“ und den Gemälden und Holzschnitten von Bosch und Dürer zeigte.

 

Schließlich sollte vor allem der Medici-Papst und Renaissance-Fürst Leo X., der zwar auf der einen Seite die bildenden Künste durch den Neubau von St. Peter förderte, auf der anderen Seite mit seinem Ablasshandel aber Widerspruch von Humanisten wie Erasmus von Rotterdam und dem Erzbischof von Toledo, Francisco Jiménez de Cisneros (einer von mehreren spanischen Reformern), oder Rittern wie Ulrich von Hutten erntete. Heinz Schilling zeigt im letzten Abschnitt seines Buches schließlich, warum gerade der Wittenberger Mönch und Professor Luther sich mit seinen Thesen zum Reformator aufschwingen konnte: „Keiner der spanischen Bibelwissenschaftler war in ähnlicher Weise ein existentiell um Wahrheit Ringender wie der Wittenberger Mönch.“ So stieg er und nicht sie zum Gegenspieler von Ablass-Papst Leo X. und Karl V. auf. Und seine Lehre traf in der Bevölkerung auf offene Ohren, denn trotz aller Kritik an der Kirche waren die Menschen im frühen 16. Jahrhundert noch sehr gläubig. Die Furcht vor dem Fegefeuer, die vor allem bei einem plötzlichen Tod jedem Menschen drohte, war sehr wach und so versprach Luthers „gnädiger Gott“ auch Rettung ohne Läuterung im Fegefeuer und ohne Ablass.

 

Heinz Schillings Buch über das Jahr 1517 – auch nach den Reformationsfeierlichkeiten 2017 – ist ein profundes und spannendes Werk, um sich die Zeit vor der Reformation, und die Einflüsse auf diese, besser vorstellen zu können. Spannend geschrieben und klar gegliedert, führt es den Leser und die Leserin in eine interessante und aus heutiger Sicht fast versunkene Welt. In eine Zeit, in der die Menschen noch mit Inbrunst gläubig waren und sich mit Leib und Seele vor dem Martyrium des Fegefeuers fürchteten.

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debüt, sportgeschichten

Die unsichtbare Meile

David Coventry , Volker Oldenburg
Fester Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 16.05.2017
ISBN 9783458177012
Genre: Romane

Rezension:

David Coventry erzählt in seinem Roman „Die unsichtbare Meile“ (erschienen im Insel Verlag: Berlin, 2017) die Geschichte von fünf Rennradfahrern aus Neuseeland und Australien, die im Jahr 1928 als Außenseiter bei der Tour de France mitfahren: Dem ersten neuseeländischen Tour-Teilnehmer Harry Watson, seinen drei australischen Kompagnons Hubert Opperman, Percy Osborn und Ernie Bainbridge, die es wirklich gab, und dem fiktiven ebenfalls neuseeländischen Ich-Erzähler des Romans. Die Handlung des Romans wird aber nicht nur vom Renngeschehen bestimmt, sondern auch von der persönlichen Geschichte des Titelhelden. Durch diese Konstellation nimmt der 10 Jahre zuvor beendete Erste Weltkrieg eine zentrale Rolle im Roman ein. Das geschieht in Rückblenden und Erinnerungen des Ich-Erzählers von dessen Bruder Thomas, der Flieger im Ersten Weltkrieg war, und dessen Schwester Marya, die an den Folgen der Spanischen Grippe gestorben ist, sowie seiner Geliebten Celia, die als Lehrerin in Belgien die Gräueltaten der deutschen Armee miterlebt hat.

 

Wer sich auf die Kraft der Bilder einlässt, die Coventry immer wieder heraufbeschwört, dürfte begeistert sein von der „Unsichtbaren Meile“. Der Sound seiner Sprache macht für mich jedenfalls die Handlungssprünge aus den Rückblenden und Perspektivwechseln der Erzählung wett. Coventrys Roman ist für mich eine Hommage an das Rennradfahren und die Helden eines Sports, dessen Mythos in der harten und entbehrungsreichen Zeit der 20er Jahre entstanden ist. Es ist ein Werk, für jeden ambitionierten Rennradfahrer mit Interesse an guter Literatur und alle Leser, die dieser harten Zeit nachspüren und wie die Rennfahrer im Roman das Treiben und den Lärm der Welt hinter sich lassen möchten: „Wir fahren in eine Stille, die nur wir erzeugen können.“

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Frau Hoppes erster Schultag

Axel Scheffler , Agnès Bertron , Salah Naoura , Axel Scheffler
Flexibler Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Julius Beltz GmbH & Co. KG, 21.08.2018
ISBN 9783407761767
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Der erste Schultag ist nicht nur für Erstklässler aufregend, sondern auch für frischgebackene Lehrerinnen. Zumindest die braunäugige Hasendame Henriette Hoppe ist schrecklich nervös vor ihrem ersten Tag als Lehrerin. Grüffelo-Macher Axel Scheffler und Texterin Agnès Bertron gelingt mit ihrem Bilderbuch „Frau Hoppes erster Schultag“ – erschienen im Verlag Belz & Gelberg – ein interessanter Perspektivwechsel für die Einschulung. Kinder erfahren so, dass auch Erwachsene ganz schön Lampenfieber vor einem neuen Lebensabschnitt haben.

 

Bei Frau Hoppe geht aber auch wirklich alles drunter & drüber. Sie verwechselt den Ort ihrer Schule, weiß überhaupt nicht, was sie anziehen soll und verschläft fast den ersten Schultag. Wäre nicht der freundliche Postbote gewesen, wäre sie sogar im Nachthemd in die Schule geradelt. Doch dort angekommen, wird Frau Hoppe immer souveräner und meistert alle Unwägbarkeiten. Denn einige Dinge laufen natürlich anders, als sie sich das vorgestellt hat. Wie beispielsweise die erste Malstunde, in der sie von den Kindern lernt, wie kreativ Malen tatsächlich sein kann. Aber das gehört eben auch zum neuen Schulalltag.

 

„Frau Hoppes erster Schultag“ wird vom Verlag Beltz & Gelberg für Kinder ab vier Jahren empfohlen. Mit dem Wechsel der Perspektive lernen sie, dass auch aus der Sicht von Lehrern und Lehrerinnen nicht alles wie geplant läuft. Es gibt eben auch Dinge, die nicht vorhersehbar sind. Und dass man mit diesen Dingen umgehen kann, lehrt das kleine Buch ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Die Illustrationen sind toll gemacht, der Text ist kurz und spannend geschrieben.

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geist des kommunismus, gerd koenen, ideologie, kommunismus, kommunistische partei chinas, oktoberrevolution, rot, sozialismus

Die Farbe Rot

Gerd Koenen
Fester Einband: 1.133 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 28.11.2017
ISBN 9783406714269
Genre: Sachbücher

Rezension:

Im Jahr 2017 jähren sich zwei große historische Ereignisse, die die Entwicklung der Menschheit maßgeblich geprägt haben: 500 Jahre Reformation und 100 Jahre Oktoberrevolution. Zu letzterem Ereignis erschien am 19. September 2017, „Die Farbe Rot“ von Gerd Koenen im Verlag C.H.Beck. Wie im Untertitel genannt, zeichnet der Autor darin „Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“ nach. Koenen schlägt mit seiner Monographie einen großen Bogen von der Antike bis zur Gegenwart des Jahres 2017. Er präsentiert auf über 1.000 Seiten nicht nur die Entstehung der Arbeiterbewegung während der industriellen Revolution, sondern auch die Ideen, Theorien und Entwicklungen, die schon viel früher im Altertum sowie im religiösen Mittelalter aufkeimten, sich während der Renaissance und Aufklärung weiterentwickelten und in der Französischen Revolution ihren ersten Höhepunkt fanden. Koenen schildert natürlich auch die Vorstellungen und Ideen der Frühsozialisten sowie von Marx und Engels, aus denen dann die ersten Gewerkschaften und sozialistischen Parteien und der Marxismus entstanden sind. Einen großen Raum widmet der Autor schließlich dem („real existierenden") Sozialismus, der – entgegen den Voraussagen von Marx und Engels – nicht in den ökonomisch weiter entwickelten Ländern Westeuropas und Amerikas entstanden ist, sondern von Russland ausging.

Die Geschichte des Kommunismus ist eine Geschichte voller Freud und Leid, von Siegen und Niederlagen, von Erkenntnissen und Verwirrungen sowie von Hoffnungen und Enttäuschungen. Das macht Koenen schon im Prolog zu seinem Buch deutlich: „Rot ist die Farbe, die dich mit allen andern Menschen ‚kommunistisch‘ verbindet. Gerade deshalb ist sie aber auch die Farbe der äußersten Gegensätze und der tiefsten Trennungen.“ Der Titel „Die Farbe Rot“ ist also gut gewählt. Der Historiker und Schriftsteller Gerd Koenen kennt den Kommunismus wie kaum ein zweiter aus eigener Erfahrung und Anschauung. Er war u.a. Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) und des Kommunistischen Bundes Westdeutschlands (KBW), engagierte sich aber auch für die polnische Bürger- und Gewerkschaftsbewegung „Solidarność“ und war wissenschaftlicher Mitarbeiter von Lew Kopelew. Von 1988 bis 1990 arbeitete er als Redakteur des Stadtmagazins „PflasterStrand“ von Daniel Cohn-Bendit in Frankfurt. Für sein Buch „Der Russland-Komplex“ erhielt der Autor den Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung. Diese Sachkenntnis merkt man der mitreißenden Lektüre sofort an. Ich halte „Die Farbe Rot“ auf jeden Fall für einen hervorragenden Einstieg in die Geschichte des Kommunismus. Mit Nachwort, umfangreichem Anmerkungsapparat, Personenverzeichnis und 42 s/w Abbildungen lässt das im Verlag C.H.Beck erschienene, gebundene Buch auch von der editorischen Seite keine Wünsche offen. Es ist zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution eine wichtige Lektüre zum Verständnis des Kommunismus.

 


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Eine allgemeine Theorie des Vergessens

José Eduardo Agualusa , Michael Kegler
Fester Einband: 197 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 21.07.2017
ISBN 9783406713408
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman „Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ von José Eduardo Agualusa, der am 21. Juli 2017 im C.H.Beck Verlag erschienen ist, erzählt die unglaubliche und fantastische Geschichte von Ludovica Fernandes Mano.

Im Zentrum des Romans steht die Geschichte der Angolanerin Ludovica, die, wie der Autor, von portugiesischer Abstammung ist. Da Ludo schon als Kind ängstlich war, zog sie nach dem Tod ihrer Eltern zu ihrer Schwester Odete und wohnt schon kurze Zeit später mit Odete, deren Mann Orlando und ihrem Hund Fantasma im „Haus der Beneideten“ – ganz oben im elften Stock eines eleganten Wohnhauses in der angolanischen Hauptstadt Luanda, in einer Wohnung, die mit einer großen Dachterasse ausgestattet ist und über eine umfangreiche Bibliothek verfügt. Hier erlebt sie hautnah die Ereignisse am Vorabend der Revolution mit und erschießt nach dem plötzlichen Verschwinden von Odete und Orlando einen von drei Einbrechern vor ihrer Türe. Verunsichert und auf sich allein gestellt, mauert Ludo schließlich den Zugang zu ihrer Wohnung mit Steinen und Zement zu, die Orlando zuvor für ein neues Beet auf der Terrasse angeschafft hat. In diesem Beet vergräbt sie anschließend den Einbrecher. Doch wie konnte sie völlig abgeschottet von der Außenwelt überleben? Indem sich Ludo zunächst von den Lebensmittelvorräten ernährt, die Odete und Orlando vor ihrem Verschwinden angelegt haben sowie von dem Mais, den Bohnen und den Bananen, die auf der Terrasse wachsen. Schließlich gelingt es ihr Tauben zu fangen sowie einen Hahn und ein Huhn vom Nachbarbalkon, mit denen sie eine Hühnerzucht beginnt.

Den eigentlichen Inhalt des Romans entspinnt Agualusa aber über die Notizen und Gedanken, die Ludo im Laufe der Zeit auf den Wänden ihrer Wohnung notiert und den Geschichten der weiteren Helden des Romans, die im Umfeld von Ludovica auftauchen oder eine indirekte Rolle spielen.

Da ist der bereits genannte Schwager Orlando, der der Revolution gegenüber gar nicht abgeneigt ist, sich aber nicht für deren Ziele einsetzen will. Er arbeitet für eine angolanische Diamantengesellschaft und möchte sich mit seiner Frau Odete, Ludos Schwester, zuletzt doch noch nach Portugal absetzen. Dafür bringt er sich in den Besitz von Diamanten seines Unternehmens. Dann ist da Jeremias Carrasco, ein portugiesischer Söldner, der gegen die MPLA kämpft, Orlando beim Diamantenraub behilflich ist und schließlich von den Soldaten Magno Moreira Montes erschossen wird, die ihn vor der Wohnung Ludos aufgegriffen haben, in der er (zurecht) die versteckten Diamanten Orlandos vermutet hatte. Monte selbst ist Geheimoffizier im Dienste der MPLA und tritt im Roman nicht nur als Widersacher von Jeremias auf, der wiederum seine Erschießung auf wundersame Weise und durch die Pflege der Krankenschwester Madalena überlebt, sondern auch von kleiner Soba (Arnaldo Cruz), der den Fraktionisten, also in Ungnade gefallenen Linksabweichlern der Revolution zuzuordnen ist. Soba schießt schließlich vor lauter Hunger mit einer Zwille die Brieftaube „Amor“ vom Himmel, in deren Magen er zwei Diamanten findet, mit denen Ludo zuvor die Brieftaube auf ihrer Dachterrasse geködert und gefangen hat; die Taube aber wieder fliegen ließ, weil sie an einem Fuß die Nachricht einer Liebesbotschaft samt Treffpunkt enthielt und Ludo Mitleid mit der Empfängerin hatte (Maria Clara, Montes Frau, wie sich noch herausstellen sollte). Neben diesen Helden tauchen noch viele weitere auf, wie der Journalist Daniel Benchimol, der, in der später durch die MPLA eingeleiteten Phase der Entspannung, verschwundene Personen sucht, selbst auf einer Todesliste Montes steht, dem Tod aber durch einen einfachen Zufall entgeht. Benchimol sucht Ludo im Auftrag einer Person, die hier aber noch nicht vorweggenommen werden soll, um nicht zu viel vom spannenden Finale des Romans zu verraten, an dessen Ende sich die wichtigsten Protagonisten noch einmal vor der Wohnungstür Ludos treffen werden. Von den vielen weiteren Personen muss aber noch der kleine Sabalu (Estevão Capitango) erwähnt werden, ein Straßenjunge, der in Ludos verschlossene Welt eindringt und ihr in doppelter Weise das Leben rettet, indem er sie nach einem Sturz mit Medizin versorgt und die Mauer vor ihrer Wohnung mit den Worten einreißt: „Drüben, auf der anderen Seite der Mauer, ist die Welt.“ Alles verstanden? Keine Bange, denn Agualusa versteht es meisterlich, die Handlungsfäden und Geschichten der einzelnen Personen seines Romans zu einem absolut spannenden Finale zusammenzusetzen!

Den Hintergrund des Romans bildet die Machtergreifung der MPLA in Angola im Jahr 1975 ab. Es folgt der Bürgerkrieg zwischen der MPLA-Regierung und kubanischen Hilfstruppen auf der einen Seite sowie der FNLA (Frente Nacional de Libertação de Angola), der UNITA (União Nacional para a Independência Total de Angola) und ausländischen Söldnern auf der anderen Seite sowie die spätere Phasen der Entspannung und des neugeschaffenen Mehrparteiensystems in Angola ab den 90er Jahren.

Agualusa kommt es in seinem Roman aber nicht auf die äußeren Ereignisse der angolanischen Revolution an, sondern vielmehr auf die Verletzungen und Narben, die die Revolution und vor allem die anfängliche Zeit der Unterdrückung hinterlassen haben – und das nicht nur bei den Menschen, die in Städten leben, sondern auch bei Himbas, den Kuvales und den Mucubal, den Nomaden- und Hirtenvölkern Angolas. So lässt der Autor ausschließlich die Helden seines Romans aus seiner personellen Erzählperspektive selbst zu Wort kommen, erzählt raffiniert und gekonnt in Vor- und Rückblenden deren jeweilige Geschichte und verrät dadurch vielleicht auch etwas von seiner eigenen Meinung, beispielsweise indem er Madalena folgende Worte in den Mund legt: „Mich interessiert nur die Revolution, die mit einem vernünftigen Essen beginnt.“ Ludo selbst lässt er zu Sabalu sagen: „Das Paradies ist unser Platz im Herzen der anderen“ oder am Ende des Romans zu Jeremias (der am Verschwinden von Odete und Orlando mitschuldig ist): „Man kann Fehler nicht wiedergutmachen. Vielleicht muss man sie einfach vergessen. Wir sollten das Vergessen üben.“ Damit spielt José Eduardo Agualusa wohl auf die Rolle der Vergebung an, ohne die eine Gesellschaft, die Phasen des gegenseitigen Terrors und der Gewalt durchgemacht hat, wahrscheinlich nicht zu einem friedlichem Neubeginn kommen kann. Dadurch gewinnt der Inhalt des Romans eine universale Aussagekraft und Gültigkeit auch für andere Bürgerkriegsländer - wie zum Beispiel für Kolumbien, das nach dem Frieden von Regierung und Sendero Luminoso („Leuchtender Pfad“) ebenfalls noch seinen Weg zwischen Vergessen und Vergebung sucht.

Agualusas Roman ist ein starkes Plädoyer dafür, wie eine zerrüttete und gespaltene Gesellschaft wieder zusammenwachsen kann. Und er findet dafür in seinem Roman (seiner "Theorie des Vergessens") den richtigen Ton, denn letztlich wird keiner seiner Helden (komplett) an den Pranger gestellt - auch nicht der Geheimoffizier Monte. Seine Theorie untermauert er eindringlich nicht nur am Beispiel der Menschen Angolas, die exemplarisch für viele andere in seinem Roman auftreten, sondern auch an der ganz individuellen Gewalterfahrung Ludos selbst, die am Ende des Romans enthüllt wird, hier aber ebenfalls nicht vorweggenommen werden soll. Ludo findet über das Vergessen, was ihr und ihrem Land zugestoßen ist, wieder Gefallen am Leben und am Licht, auch wenn ihr Sehvermögen (wohl aufgrund einer nicht weiter bezeichneten altersbedingten Makuladegeneration) nachlässt. Aber mit Sabalu hat sie jemanden an ihrer Seite, der ihr vorliest und der eine gute Zukunft verheißt – für sie und für Angola.

Der Sprachstil, den Agualusa für seinen Roman gefunden hat, kann man vielleicht in Anlehnung an Gabriel García Márquez („magischer Realismus“) als „fantastischen Realismus“ bezeichnen. Für „Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ ist der Autor übrigens erst vor kurzem mit dem hochdotierten „International Dublin Literary Award“ ausgezeichnet worden.

Der Verlag C.H.Beck hat den Roman von Agualusa wunderschön gestaltet: So sind in den Innenseiten der Buchdeckel alle Orte der Handlung in farbigen Landkarten von Angola und Portugal verzeichnet. Auf dem Umschlagmotiv tauchen zudem zwei weitere fantastische Protagonisten des Romans auf: Ein Zwergflusspferd und ein Huhn. Die Übersetzung aus dem Portugiesischen kommt von Michael Kegler, der zuletzt mit dem Straelener Übersetzerpreis und den Hermann Hesse-Preis der Stadt Calw ausgezeichnet wurde. Außerdem findet sich am Ende des Buches ein Glossar mit den Ortschaften sowie mit den Begriffen und Personen der Handlung. Damit verleiht der Verlag dem erzählerischen Meisterwerk von José Eduardo Agualusa den passenden Rahmen. „Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ ist ein aufregender, wertvoller und wirklich toller Roman! 

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Tags: angolanische literatur, c.h.beck, eine allgemeine theorie des vergessens, josé eduardo agualusa, portugiesische literatu, roman   (6)
 

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Lob des Fahrrads

Marc Augé , Michael Bischoff , Philip Waechter
Fester Einband: 104 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 24.03.2017
ISBN 9783406690280
Genre: Sachbücher

Rezension:

Schon ein Jahr vor dem runden Geburtstag des Fahrrads, es wurde am 12. Juni 2017 200 Jahre alt, brachte der Verlag C.H.Beck das „Lob des Fahrrads“ des französischen Anthropologen Marc Augé heraus. Wenige Tage nach dem großen Fest und kurz vor dem Start der 104. Tour de France in Düsseldorf verdient das kleine Büchlein Augés daher noch einmal eine besondere Aufmerksamkeit. 

Dem Begründer der Ethnologie des Nahen und langjährigen Präsidenten der renommierten Pariser École des Hautes Ètudes en Sciences Sociales geht es nicht um den technischen oder historischen Aspekt des Fahrrads, sondern um die Philosophie und die gesellschaftlichen Auswirkungen des Radfahrens. Augé stellt in seinem Buch „Lob des Fahrrads“ die Verbindung vom Rad zu uns selbst her, denn im Fahrrad entdecken wir uns wieder und erinnern uns an unsere eigene Kindheit. Das Rad vermittelt uns ein Gefühl der Freiheit, erwachsen aus der Eroberung des Raumes und der Überwindung der eigenen Grenzen. Für den Autor ist das Radfahren ein Mythos, der viel mit der Zeit zu tun hat, in der man Kind und Jugendlicher war. Neben diesem Mythos beschreibt er in Teil zwei seines Buches aber auch die Krise des Radfahrens sowie den Ausweg aus dieser Krise. Im dritten und letzten Abschnitt folgt dann seine Utopie.

Der Mythos

„Ein Mythos gewinnt an Stärke, wenn er in der Erfahrung derer, denen er erzählt wird, ein Echo findet.“ Dieser Satz Augés leuchtet uns spätestens dann ein, wenn wir uns an unsere eigenen ersten Erfolge auf dem Rad erinnern. Das Gefühl von Freiheit, als wir zum ersten Mal das Gleichgewicht auf dem Rad halten konnten und uns selbständig („autonom“) fortbewegten. Das Gefühl der Überwindung von Raum und Zeit, wenn wir unseren Tritt gefunden haben (Augé spricht vom „Gefühl“). Und die „Erfahrung von Ewigkeit“, die aus dem Wissen um die Dauer einer einzelnen Etappe als auch der zurückliegenden Jahre entstanden ist. Gestützt und verstärkt wird der Mythos für Augé durch die Helden unserer Kindheit und Jugend. Bei ihm waren das der Radrennfahrer Fausto Coppi und die Helden aus de Sicas Film „Fahrraddiebe“ und Tatis „Schützenfest“. Zum Mythos Fahrrad zählt für Augé aber auch die „Entdeckung der anderen“. Radfahren verbindet und ist kommunikativ. Zudem sieht der Autor in der solidarischen Gemeinschaft der Radfahrer ein heilsames Gegenmittel zur Smartphone-Kultur unserer Tage.

Die Krise

Marc Augé behandelt in seinem Buch aber auch die untrüglichen Zeichen der Krise des Fahrradfahrens, die er am systematischen Doping und der Kommerzialisierung festmacht. Der „jump“, d.h. die plötzliche, fast übermenschliche Leistungsexplosion von Radfahrern (bekannt wurde er durch Charly Gaul), erscheint seither in einem ganz anderen Licht und wird modernen Rennradfahrern im Zeitalter von Amphetamin- und Eigenblut-Doping erst recht nicht mehr abgenommen. Die Zweifel an der tatsächlichen Leistung der Radfahrer sind da und kratzten am Mythos vergangener Tage. Zudem hat der Kommerz den modernen Rennfahrer für Augé zu einem „Sandwich-Man“ degradiert, also zu einem „bloßen Werbeträger“. Zur Krise trägt für Augé aber auch die moderne Großstadt bei, „in der das Lokale das Äußere geworden ist“ – also in erster Linie zum gewollten Anziehungspunkt für Touristen und zum Verkehrsknotenpunkt für Stadtplaner.

Die Vision

In seiner Vision zeichnet Augé schon einmal eine Stadt in der das Motto heißt: „Vélo liberté“, also Freiheit für das Fahrrad. Das sähe dann so aus, dass der Lieferverkehr zwischen 5 und 9 Uhr morgens erledigt sein müsse. Sonderfahrrechte gäbe es nur noch für die Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr sowie für Krankenwägen. Pendler von außen müssten ihre Autos in Parkhäusern an den Rändern der Städte abstellen. Auf der anderen Seite wären dann öffentliche Verleihsysteme wie das Vélib‘ in Paris genauso feste Bestandteile der Innenstädte wie zigtausende individuell gestaltete Privat-Bikes, Rikschas und E-Bikes. Außerdem werde von Avantgarde-Städten ein „Pedaleffekt“ ausgehen, d.h. ein Sog entstehen, in deren Folge immer mehr Metropolen dem Rad einen Vorrang vor dem Auto einräumen. Das Rad würde auch die „Beziehung vieler Menschen zu den Medien“ verändern und „der Amateursport an die Stelle der Telerealität treten“. Das käme wiederum dem Selbstbewusstsein und Identitätsgefühl der Bürger zugute – nach dem Motto: „Ich radle, also bin ich“. 

Ein Buch für mehr Humanität

Ich habe das Buch „Lob des Fahrrads“ von Marc Augé mit großem Genuss gelesen und mich in vielen Schilderungen selbst wiederentdeckt. Gleich zu Beginn nimmt einen der Autor mit auf eine Zeitreise in die eigene Kindheit. Sein plastischer und kurzweiliger Erzählstil beschwört Bilder und Gefühle herauf, an die sich die meisten Leser noch erinnern dürften. Sein Buch ist ein wirkliches Plädoyer für mehr Selbstverantwortung, mehr Autonomie und mehr Freiheit. Wir müssen es einfach nur tun, d.h. das Rad aus dem Keller oder der Garage holen, aufsitzen und losfahren. Dann gewinnen wir wieder die eigene Realität zurück. Außerdem ist Radfahren natürlich das effizienteste, gesündeste (ein Aspekt, der in Augès Buch etwas zu kurz gekommen ist) und demokratischste Fortbewegungsmittel, das man sich nur vorstellen kann. Ich stimme Augé daher unbedingt zu, wenn er am Ende feststellt, dass das Radfahren ein Humanismus sei. Dem Autor und dem sehr schön gestalteten Buch aus dem Verlag C.H.Beck (gebunden, mit Schutzumschlag und mit 12 Illustrationen von Philip Waecher) wünsche ich sehr viele Leser, die sich vom Inhalt anstecken und motivieren lassen. Für jeden echten Radfahrer ist es auf jeden Fall eine tolle Geschenkidee!

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Sturmhöhe

Emily Brontë , Wolfgang Schlüter , Wolfgang Schlüter
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 09.05.2016
ISBN 9783446250666
Genre: Klassiker

Rezension:

Yorkshire, England. Wir sind im Jahr 1801. Mr. Lockwood, der neue Pächter des Herrenhauses Thrushcross Grange, macht seinen Antrittsbesuch auf dem einsamen Gutshof Wuthering Heights (übersetzt als „Sturmhöhe“). Doch weder der mürrische Verpächter „Heathcliff“, noch der verdrießliche Diener Joseph bereiten ihm einen freundlichen Empfang. Ganz zu schweigen von den zähnefletschenden Hunden, deren schnappenden Mäulern er nur knapp entgeht. Beim zweiten Besuch, lernt er die schnippische und arrogant erscheinende Catherine Heathcliff kennen und den eigenartigen Hareton Earnshaw, zwei weitere, junge Hausbewohner. Vor allem aber macht er in der Nacht – ein Schneesturm zwingt ihn zur Übernachtung auf Wuthering Heights – die Bekanntschaft mit dem Geist der verstorbenen Catherine Linton, die ihm in einem Alptraum erscheint. Aufgewühlt von seinen Erfahrungen, der alptraumhaften Erscheinung von Catherine Linton  und der seltsamen Reaktion von Heathcliff („,Komm doch, Cathy. Ach komm – nur einmal wieder!‘“), lassen ihn seine neuen Eindrücke nicht mehr los und er bittet Nelly Dean (Ellen) ihm mehr von Heathcliff und den anderen Personen zu erzählen, die er kennengelernt hat.

Über den Erzählungen von Ellen entspinnt sich schließlich die ganze Familiengeschichte der Earnshaws und Lintons, die über die Hochzeit von Catherine und Edgar miteinander auf tragische Weise verbunden sind. Die Zeitspanne der Handlung reicht von der Geburt Hindley Earnshaws, im Jahr 1757, bis in das Jahr 1802 und erzählt die Ereignisse der Familien über drei Generationen hinweg.

Im Mittelpunkt des Romans steht die verhängnisvolle Dreiecksgeschichte zwischen Heathcliff – einem Findelkind, das Mr. Earnshaw, der Vater von Hindley  und Catherine Earnshaw (der späteren Mrs. Linton), von einer Reise aus Liverpool mit nach Hause bringt –, Catherine Earnshaw und Edgar Linton.

Catherine und Heathcliff sind von ähnlichem Charakter und fühlen sich zueinander hingezogen. Dies wird noch verstärkt durch die Repressionen, die ihr älterer Bruder (bzw. Stiefbruder) Hindley auf die beiden ausübt. Doch in einer Schlüsselszene des Buches beichtet Catherine der Haushälterin Nelly, dass es für sie ein „Abstieg“ wäre, wenn sie sich für Heathcliff entscheiden würde. Danach nimmt die Tragödie ihren Lauf.

Emily Brontës Roman „Sturmhöhe“ entfesselt von Anfang an einen regelrechten Sturm dunkler Leidenschaften. Hier brodelt es nur so von Liebe, Hass, Gewalt und Vergeltung. Die Handlung ist schlüssig, genau komponiert und spannend geschrieben. Die Charaktere aller Protagonisten sind scharf gezeichnet. Wobei besonders Heathcliff – der Name heißt übersetzt Heideklippe oder Heidefels – herausragt. Dieser düstere Held, der während des gesamten Romans stets präsent ist (selbst in seiner Abwesenheit), verkörpert mit seiner rasenden Leidenschaft, Eifersucht und Rache geradezu den Archetypus eines negativen (Byronschen) Helden, der nicht für irgendein übergeordnetes, idealistischen Ziel kämpft, sondern für seine eigene Sache. Ihm ist (fast) jedes Mittel recht, um an sein Ziel zu gelangen.

Die vorliegende Ausgabe des Carl Hanser Verlages besticht als Dünndruckausgabe, in schönes Leinen gebunden, mit zwei Lesebändchen, einem ausführlichen, aber nicht ausufernden Anmerkungs-Apparat sowie einem hervorragenden Nachwort und einer Übersetzung, die den Originalton Brontës zum Ziel hat – also die harte Sprache der Autorin nicht beschönigt!

Der Roman „Wuthering Heights“ (Originaltitel) von Emily Brontë kommt für mich nicht nur wie ein Sturm daher, sondern wie ein Orkan! Ein großartiges Buch über Liebe, Eifersucht und Rache!

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Heule Eule

Paul Friester , Philippe Goossens
Fester Einband: 28 Seiten
Erschienen bei Hueber Verlag, 01.08.2016
ISBN 9783196495966
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Eine kleine Eule sitzt im Wald und weint ganz fürchterlich. So beginnt die „Heule Eule“ von Paul Friester und Philippe Goossens, die erstmals 2004 im NordSüd Verlag erschienen ist. Von dem Lärm aufgeschreckt, schauen die anderen Tiere des Waldes dann nach, was das für ein Geheule ist. Es könnte ja ein Wolf sein. Aber nein, es ist nur eine kleine Eule. Sie muss irgendwie ganz traurig sein, denn sie hört gar nicht mehr auf zu weinen. Da hilft kein Nachfragen, keine Einladung zum Spielen, kein Essen, keine Strenge, kein Verständnis und auch kein Wiegen. Aber am Schluss geht doch alles gut aus. So wie das halt mit kleinen Babys ist, die mal ordentlich weinen müssen.

Die "Heule Eule" ist ein sehr schönes kleines Buch (mit Hard-Cover 32 Seiten), das Philippe Goossens toll illustriert hat. Paul Friesters Text dürfte am Schluss für den einen oder anderen Leser auch eine neue Erkenntnis bieten: Nämlich, dass kleine Kinder einfach mal nur so Weinen müssen. Und der Kummer mit einer festen Umarmung ganz schnell wie verflogen ist.

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Der alte Mann und das Meer

Ernest Hemingway , Werner Schmitz , ,
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.03.2014
ISBN 9783499267673
Genre: Klassiker

Rezension:

Santiago ist alt und einsam und seit 84 Tagen "salao" (glücklos). Doch am 85 Tag beißt ein riesiger Blue Marlin an, mit dem der alte Mann drei Tage und zwei Nächte lang kämpft. Ein Kampf von wahrhaft biblischen Ausmaßen, der fast die Kräfte des Fischers übersteigt. Und der Moment seines größten Erfolges ist zugleich der Beginn seiner größten Niederlage, denn aus der Wunde des harpunierten Marlins tritt Blut aus ...

 

"Der alte Mann und das Meer" ist Hemingways spätes Meisterwerk, für das er mit dem Pulitzerpreis und dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Es ist für mich eine der gelungensten Darstellungen des existenziellen Daseinskampfes des Menschen. Santiago muss nicht nur den großen Fisch besiegen (die Kreatur), er muss auch Schmerzen und Müdigkeit überwinden (sich selbst) und Meer und Haien trotzen (der Natur). Und wie Hemingway diesen Kampf schildert geht unter die Haut. Der Leser spürt regelrecht, dass nichts zwischen ihm (Santiago) und dem Fisch ist, als ein dünnes Stück Schnur.

 

Am Ende der Novelle liegt Santiago zwar zerschlagen und müde in seiner Hütte und äußert Manolin gegenüber sein Gefühl, dass etwas in seiner Brust kaputtgegangen sei. Als er aber wieder eingeschlafen ist, träumt er von den Löwen. Sinnbild für die Kraft und Majestät der Natur. Ein versöhnliches und zuversichtliches Ende, trotz der Niederlage. Zu diesem Eindruck trägt auch sein junger Freund Manolin bei, der ihm die Treue hält und für die Zukunft Gutes erwarten lässt. Für mich steht fest: „Der alte Mann und das Meer“ ist ein Klassiker des 20. Jahrhunderts, den man unbedingt gelesen haben sollte. Der Rowohlt Verlag bietet hierfür eine schöne Neuausgabe an - mit einer neuen Übersetzung aus dem Englischen von Werner Schmitz.

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