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steampunk, magie, band 3, gay, berlingtons geisterjäger

Berlingtons Geisterjäger 3 - Die Türme von London

Amalia Zeichnerin
E-Buch Text
Erschienen bei null, 30.03.2018
ISBN B07BTPF7W1
Genre: Sonstiges

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liebe, gay-crime, gay romance, krimi; thriller, erotik

Ein schweigsamer Gentleman (Historisch, Spannung) (London Sins 1)

K. J. Charles
E-Buch Text
Erschienen bei dp DIGITAL PUBLISHERS, 19.04.2018
ISBN 9783960872887
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Clem Talleyfer führt im Auftrag seines Bruders Eduard eine Pension im Herzen von London und kümmert sich um das Wohl seiner Gäste. Zu diesen gehört auch der trunksüchtige Lugtrout, der trotz seines unangenehmen Verhaltens auf Eduards Anweisungen hin kostenfrei in der Pension leben und unter keinen Umständen rausgeworfen werden darf. Zum Glück liebt auch der Tierpräperator Rowley Green in der Pension, für den Clem bald mehr empfindet und der seine Gefühle sogar erwidert. Während sich die beiden langsam näher kommen, beginnt eine Reihe schrecklicher Ereignisse, die die beiden untersuchen müssen – Logtrout wird tot auf der Schwelle der Pension gefunden, in Rowleys Geschäft wird eingebrochen und sie werden wiederholt von einem hünenhaften Schläger bedroht. Eher zufällig kommen sie den Hintergründen auf die Spur, was Clem vor ein Problem stellt, deutet doch alles auf seinen Bruder hin …

Eigene Meinung:
Mit „Ein schweigsamer Gentleman“ stellt dp DIGITAL PUBLISHERS den ersten Teil der „London Sins“-Trilogie von K. J. Charles vor. Zeitgleich ist es die erste deutsche Übersetzung der Autorin – ob die weiteren Bände der Reihe ebenfalls hierzulande erscheinen, wird sich zeigen. Wünschenswert wäre es, da der Band mit einem winzigen Cliffhanger endet, der neugierig auf die nächsten Bücher macht.

Inhaltlich hat das Buch einige Schwächen, die den Lesegenuss deutlich mindern. So bleibt trotz Krimi-Handlung die Spannung weiterstgehend auf der Strecke, denn man kann sich relativ schnell denken, wer hinter den Ereignissen steht und Clem und Rowley das Leben schwer macht. Auch sonst fehlt ein kontinuierlicher Spannungsbogen, insbesondere da Clem die ganze Sache ziemlich ausbremst und viele offensichtliche Tatsachen nicht wahrhaben will. Auch ist es schade, dass die Autorin viele gute Szenen verbaut, indem sie sie nicht ausschreibt, sondern ihr Augenmerk auf andere Dinge lenkt. Das ist sehr schade – in vielen Dingen wäre sie besser gefahren, wenn sie sich an die Regel „Show, don’t tell“ gehalten hätte.
Nichtsdestotrotz taucht man mühelos in das damalige London ein und lernt die verschiedenen Charaktere gerne kennen. Gerade bei den Hintergründen und den Begebenheiten um 1870 hat sich K. J. Charles viel Mühe gegeben – so sind die Beschreibungen von Rowleys Arbeit als Tierpräperator sehr detailliert, ebenso die des schwarzen Nebels von London und weiterer historischer Fakten, die das Ganze lebendig und authentisch machen. Hier merkt man, dass sie sich über die Begebenheiten informiert hat. Leider geht sie diesen Weg nicht bis zum Schluss, denn in einigen Fällen hat man den Eindruck, sie vergisst in welcher Zeit ihr Buch spielt und man hat plötzlich recht moderne Wörter in Gesprächen oder kleine Details, die nicht ganz in diese Zeit passen. Gerade bei den kleinen Dingen fehlt die historische Authentizität.

Die Charaktere wiederum sind sehr interessant – sowohl Clem als auch Rowley entsprechen nicht den typischen Stereotypen, sondern haben ihre ganz eigenen charakterlichen Stärken und Schwächen. Es ist spannend, die beiden im Laufe der Geschichte kennenzulernen – der unsichere Clem, der sich mit Menschenmassen schwertut und der viel Konzentration für seine Aufgaben aufwenden muss und der nur im Bett wirklich souverän wirkt; und der stille Rowley, der mit seiner unschönen Vergangenheit zu kämpfen hat und dessen Beruf ebenfalls nicht gänzlich anerkannt ist. Die beiden sind herrlich unperfekt und können allein deswegen schon überzeugen.
Leider bleiben die Nebenfiguren ein wenig blass – mit Ausnahme von Eduard, der eine wichtigere Rolle spielt. Das fällt nicht weiter störend auf, da sich die Autorin stark auf Clem, Rowley und ihre Beziehung konzentriert und natürlich auf den unsäglichen Kriminalfall.

Stilistisch legt K. J. Charles ein solides Debüt vor, bei dem man leider einige kleinere Schwächen in Kauf nehmen muss. Wie bereits erwähnt mangelt es an Spannung und einige Details sind historisch nicht ganz korrekt. Leider ist auch die deutsche Übersetzung nicht so gut gelungen – es schleichen sich immer wieder Fehler ein, Wörter fehlen oder stehen im Satz an der falschen Stelle, oder die Sätze an sich machen gar keinen Sinn mehr. Hier hätte ein (weiterer) Korrekturdurchgang sicherlich vieles ausmerzen können, um den Lesefluss zu verbessern.

Fazit:
„Ein schweigsamer Gentleman“ ist ein solider historischer Gay Romance, der durch ungewöhnliche Charaktere und teils tolle, authentische Beschreibungen besticht. Leider mangelt es dem Roman an Spannung und man ist dem Täter zu schnell auf der Spur, ebenso ist die deutsche Übersetzung nicht so gut gelungen. Nichtsdestotrotz sollten Fans historischer Romane einen Blick riskieren, ganz besonders wenn sie Lust auf erfrischend andersdenkende Charaktere haben und eine verbotene Beziehung im damaligen London. Am besten einen Bick in die Leseprobe werfen und selbst entscheiden …

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Nachtschatten 4: Kurzgeschichten

Juliane Seidel
E-Buch Text: 105 Seiten
Erschienen bei null, 03.05.2018
ISBN B07CVQVHPC
Genre: Sonstiges

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Nachtschatten - Gesamtausgabe

Juliane Seidel
E-Buch Text: 1.127 Seiten
Erschienen bei null, 04.05.2018
ISBN B07CMM1FK1
Genre: Sonstiges

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18 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

anziehung, begehren, beziehung, deutschland, 2.

Trusting You: Mike & Jeffrey

Sven Krüdenscheidt
E-Buch Text: 296 Seiten
Erschienen bei Forever, 02.04.2018
ISBN 9783958182639
Genre: Sonstiges

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

So beschissen schön ist nur das Leben

Shaun David Hutchinson , Ulrike Köbele , Christine Larsen
Fester Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Arena, 02.02.2018
ISBN 9783401604145
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Seit Monaten lebt Drew in einem unfertigen Teil des Roanoke General Hospitals, arbeitet schwarz in der Cafeteria und versucht Dem Tod zu entkommen, die ihn in jener schrecklichen Nacht, in der seine Familie gestorben ist, vergessen hat. Niemand weiß, wer er wirklich ist, denn Drew setzt alles daran, seine wahre Identität zu verschleiern – vor den Pflegern der Notaufnahmen, mit denen er befreundet ist, vor Lexi und Trevor, zwei krebskranke Jugendliche, die er regelmäßig besucht und vor seinem Chef Anton. Erst als eines Nachts der schwerverletzte Rusty eingeliefert wird, beginnt sich Drew zu ändern – er besucht den Schwerkranken heimlich auf der Intensivstation, beginnt ihm vorzulesen und erzählt ihm die Wahrheit über sich. Auch Rusty öffnet sich ihm gegenüber und schon bald verbindet die beiden jungen Männer mehr. Doch damit beginnen erst Drews Probleme, denn der Tod wird auf ihn aufmerksam und sein Lügenkonstrukt droht endgültig aufzufliegen …

Eigene Meinung:
„So beschissen schön ist nur das Leben“ ist ein Jugendbuch von Shaun David Hutchinson und erschien in deutscher Übersetzung im Arena Verlag. Das Buch begleitet den jungen Drew bei seiner ganz persönlichen Trauerbewältigung, nachdem er seine Familie verloren hat und dabei neue Hoffnung zu schöpfen versucht. Das Buch enthält eine 32-seitige Graphic Novel von Christine Larsen, die die Geschichte von Patient F erzählt – dem Comic, an dem Drew während seiner Zeit im Krankenhaus arbeitet und der einen Ausblick auf Drews Zukunft außerhalb des Krankenhauses gibt.

Die Geschichte besticht nur bedingt durch eine logische Grundhandlung, denn die Tatsache, dass Drew unbemerkt mehrere Monate in einem Krankenhaus lebt, ohne dass es jemand – Ärzte, Pfleger, Patienten – bemerkt, erscheint ein wenig an den Haaren herbeigezogen und wirkt an vielen Stellen unglaubwürdig. Das betrifft nicht nur die Grundgeschichte, sondern auch Drews teils sehr naives, junges Verhalten und seine Fixierung auf den Tod – im Grunde nur eine Sozialarbeiterin, die sich mit Todkranken unterhält und ihnen Beistand gibt. Sobald man diese Punkte als gegeben akzeptiert hat und sich auf die restliche Handlung konzentrieren kann, kann man jedoch tiefer ins Buch eintauchen und sich auf die eigentliche Geschichte einlassen – die Hintergründe zu Drews Leben, seine Freundschaften innerhalb der Klinik und seine besondere Bindung zu Rusty, der eines Nachts mit schweren Verbrennungen eingeliefert wird. Schnell wird Rusty zu einem Anker für Drew – er erzählt ihm von seiner Vergangenheit, seinen Ängsten und von seinem Comic „Patient F“, an dem er während seiner freien Zeit arbeitet. Zeitgleich erfährt er mehr von Rusty, der auf einer Party von Schulkameraden angezündet wurde, weil er schwul ist. Da Drew selbst homosexuell ist, fühlt er sich noch stärker mit dem Jungen verbunden und setzt alles daran, ihn vor dem Tod zu beschützen. Gleichzeitig drohen seine Lügen nach und nach aufzufliegen, insbesondere da die Sozialarbeiterin ihm auf die Schliche kommt und Drew mehr und mehr in eine Ecke drängt.

Die Charaktere sind gut gezeichnet – man lernt Drew sehr intensiv kennen und versteht seine Ängste, Probleme und Beweggründe. Er kommt mit dem Tod seiner Familie nicht zurecht und klammert sich an die Vorstellung, dass er den Ort nicht verlassen kann, an dem seine Eltern und seine Schwester gestorben sind – ansonsten würde ihr Tod erst real werden. Noch vor Rusty, der einen überraschend kleinen Teil der Handlung einnimmt, stehen Lexi und Trevor im Zentrum der Geschichte – die beiden krebskranken Jugendlichen schließt man sehr schnell ins Herz und fiebert mit ihnen mit. Sie geben Drew mehr als einmal einen Schubs in die richtige Richtung, ebenso wie er den beiden hilft und bemüht ist, sie aus ihrem Trott zu befreien.
Die Erwachsenen wirken manchmal ein wenig zu blass – insbesondere diejenigen, die Drew näher kennen. Es verwundert ein wenig, dass niemand auf die Idee kommt, zu fragen, warum er so viel Zeit im Krankenhaus verbringt.

Stilistisch legt Shaun David Hutchinson ein gut geschriebenes, sehr emotionales Jugendbuch vor, das gänzlich aus Drews Sicht erzählt wird. Daher lernt man den Teenager am besten kennen – gerade was seine Gedanken und Gefühle anbelangt, ist das Leser immer hautnah dabei. Sei es sein Kampf gegen den Tod, sein Wunsch seine Freunde zu beschützen oder seine langsam erwachenden Gefühle Rusty gegenüber – man baut eine emotionale Bindung zum Hauptcharakter auf und taucht immer wieder in seine Psyche ein, die durchaus verwirrend sein kann, wenn nicht sogar paranoid. Zudem spricht Shaun David Hutchinson einige wichtige Probleme unserer Zeit an – allen voran Mobbing in der Schule. Es ist sehr schade, dass dieses Thema nur am Rande vorkommt, doch da sich die Geschichte um Drews Weg zurück ins Leben dreht, ist es in Ordnung.

Fazit:
Mit „So beschissen schön ist nur das Leben“ ist Shaun David Hutchinson ein ungewöhnliches Jugendbuch gelungen, das von der Grundidee her zwar schön und fantasievoll ist, jedoch einer realistischen und glaubwürdigen Grundlage entbehrt. Wer sich daran nicht stört, bekommt ein einfühlsam geschriebenes Jugendbuch mit tiefgängigen Charakteren und einer Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Im Zweifelsfall reinlesen und selbst entscheiden -lohnenswert ist „So beschissen schön ist nur das Leben“ auf jeden Fall.

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comic, depression, freundschaft, hilfe, bi

Nullpunkt

Mo Kast
E-Buch Text: 347 Seiten
Erschienen bei null, 13.11.2017
ISBN 9781973227434
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Nach dem Tod seiner Großmutter, steht der 17-jährige Ennoah vollkommen allein da, denn seine Mutter ist nach Amerika ausgewandert als er klein war und seine einzige Bezugsperson Eddy hat eine Freundin gefunden und dementsprechend wenig Zeit für Ennoah. Seine Depressionen und die Tatsache, dass ihm das Leben entgleitet, sorgen dafür, dass er sich auf seinen Mitschüler Nico einlässt – einen selbstbewussten Punk aus gutem Haus. Obwohl die beiden vollkommen verschieden sind, kommen sie sich näher, doch Ennoah ist kein Partner, der viel Liebe zu geben hat und immer wieder die aufkeimende Beziehung auf eine harte Probe stellt – sei es wegen Eddy, seinem Hang alles schwarz zu sehen oder der Tatsache, dass er bi ist und keinerlei Probleme damit hat, sich Mädchen für eine Nacht zu angeln …

Eigene Meinung:
„Nullpunkt“ ist der Debütroman von Mo Kast und erschien im Eigenverlag. Sowohl das eBook als auch das Taschenbuch enthält Illustrationen der Autorin, die hauptberuflich als Grafikerin und Illustratorin tätig ist. Das Buch erschien ursprünglich auf diversen Online-Plattformen, wurde für die Veröffentlichung jedoch erweitert.

Die Geschichte wird vollkommen aus Ennoahs Sicht erzählt, einen depressiven jungen Mann, der Schwierigkeiten hat, sich im Leben zurecht zu finden. Das macht ihn nicht unbedingt zu einem Sympathieträger, denn Ennoah ist sehr egoistisch, egozentrisch und arrogant, ganz besonders Nico gegenüber. Nichtsdestotrotz kann man sich mit ihm identifizieren und nach den ersten Kapiteln fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Man will wissen, wie es Ennoah ergeht und ob er es schafft, aus seinen depressiven Phasen herauszukommen. Denn diese bestimmen immer wieder sein Denken und Handeln, was ihn teils phlegmatisch, teils vollkommen stoisch macht. Zudem ist er anderen Menschen gegenüber (außer Eddy, den er geradezu vergöttert und auf ungesunde Art idealisiert) sehr abweisend und harsch – was insbesondere Nico zu spüren bekommt, der durchaus auch verbalen Angriffen ausgesetzt ist.
Nichtsdestotrotz bietet der Roman einen guten Einblick in das Leben eines depressiven Jugendlichen, der versucht wieder auf die Beine zu kommen. Mo Kast hat ein Händchen für realistische Figuren und Begebenheiten – so ist zum Beispiel die Beziehung zwischen Ennoah und Nico nicht romantischer oder kitschig verbrämter Natur. Sie hat wenig mit den sanften, vorsichtigen Liebesgeschichten anderer queerer Jugendbücher gemein, denn die Autorin hat zwei sehr spröde, harte Jugendliche, die ihre Gefühle füreinander vollkommen anders ausleben, zumal man den Hauptcharakter fast als a-romantisch einstufen kann. Dass Ennoah sich teilweise durch Sex Bestätigung sucht und sich darüber identifiziert, ist ebenfalls ein Aspekt, den man selten in Jugendbüchern findet, der aber zu ihm passt. Das bedeutet nicht, dass das Buch durch explizite Szenen besticht – Mo Kast blendet lieber aus und überlässt die Erotik der Fantasie der Leser. Positiv ist auch, dass es in „Nullpunkt“ nicht um das Thema Coming-Out geht – Ennoah akzeptiert sein plötzliches Interesse an Nico ohne große Probleme und geht auch recht offen damit um.

Mit Ennoah bekommt man einen Antihelden präsentiert, der nichtsdestotrotz interessant und spannend beschrieben ist. Man fiebert mit ihm mit, bemitleidet und hasst ihn aber auch. Er ist definitiv kein einfacher junger Mann – Mo Kast hat einen sehr komplexen, aber auch schwierigen Hauptcharakter erschaffen, der im Gedächtnis bleibt. Nico ist das krasse Gegenteil von Ennoah, wenngleich der punkige Abiturient ebenfalls ein Außenseiter ist. Er ist relativ offen schwul, sehr willensstark und weiß genau, wohin er im Leben will. In gewisser Weise ergänzt er Ennoah, der jeglichen Halt verloren hat und eine solide Stütze wie Nico braucht.
Auch die übrigen Charaktere sind toll in Szene gesetzt, wenngleich es davon natürlich nur einige wenige gibt, was an Ennoah liegt, der ja nur wenig Kontakt zu anderen Menschen hat und viele von ihm beschrieben werden. Neben Nico kommt nur noch Eddy vor, und obwohl er auch Fehler macht, sind seine Handlungen gut nachvollziehbar.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln, Mo Kast hat einen sehr eindringlichen, intensiven Stil. Man begleitet Ennoah komplett durch das Buch, ist hautnah an seiner Seite und lernt seine Gedanken- und Gefühlswelt auf eine sehr direkte Art und Weise kennen. Dadurch erhält man natürlich eine, durch seinen Charakter geprägte, Sicht auf die Welt, seine Mitmenschen- und schüler, was bedeutet, dass viele Figuren negativ wirken und Ennoahs Welt zumeist grau oder tiefschwarz ist. Mo Kast hat einen sehr lebendigen Stil, an den man sich zu Beginn allerdings erst einmal gewöhnen muss, da er durchaus kleinere Anfängerfehler aufweist (z.B. Wort- und Gedankenwiederholungen). Nichtsdestotrotz ist „Nullpunkt“ ein ungewöhnlicher Jugendroman, der zum Nachdenken anregt und definitiv fernab der gängigen Klischees ist.

Fazit:
„Nullpunkt“ ist ein thematisch ungewöhnliches Jugendbuch, das durch einen nur bedingt sympathischen Charakter und einen soliden Schreibstil besticht. Mo Kast legt ein lesenswertes Debüt über einen Jugendlichen vor, der den Halt im Leben verliert und mit beginnenden Depressionen zu kämpfen hat. Die Beziehung zu Nico wird eher zweitrangig behandelt, ist aber dennoch wichtiger Bestandteil. In Kombination mit den tollen, sehr passenden Illustrationen der Autorin und der schönen Aufmachung des Taschenbuches, sollten Jugendbuchfans, die realistische, ernste Stoffe bevorzugen, einen Blick riskieren. Reinlesen!

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

actio, dämonen, elfen, familie, fantasy

Das Geheimnis der Flammenden Rose

Tina Alba
E-Buch Text: 277 Seiten
Erschienen bei Traumtänzer-Verlag Lysander Schretzlmeier, 13.10.2017
ISBN 9783947031047
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Das Bordell „Die Flammende Rose“ verspricht alles was das Herz begehrt – wunderschöne Frauen und Männer, exquisites Vergnügen und Träume aus 1001 Nacht. Auch der Halbelf Ilaro, Silberfuchs genannt, besucht das neue Etablissement, als er in der Stadt sein Winterlager aufschlägt und ist fasziniert von den Tänzern, der Ausstattung und den Besonderheiten der Flammenden Rose. Doch aus Vergnügen wird schon bald ernst, als der Tänzer Nadim nach einer Nacht mit Ilaro den Dämon Shayan beschwört und dabei einen Fehler macht – ungewollt bindet er die beiden aneinander, was eine Kette unschöner Ereignisse in Gang setzt und sowohl Ilaro, als auch dessen Freunde in Gefahr bringt …

Eigene Meinung:

Mit „Das Geheimnis der Flammenden Rose“ legt Tina Alba nach ihrer „Feuersänger“-Trilogie einen neuen, in sich abgeschlossenen Gay Fantasy-Roman vor, der im Traumtänzer Verlag erschienen ist und die Geschichte der Halbelfen Ilaro erzählt, der ungewollt an einen Dämon gebunden wird und sich mit den Folgen der Beschwörung herumschlagen muss. Die Autorin ist sowohl im Gay als auch im Fantasy Genre aktive und kann mehrere Veröffentlichungen vorweisen.

Die Geschichte ist zu Beginn sehr ausschweifend, was die farbenfrohen Beschreibungen und die Hintergründe der mittelalterlich anmutenden Welt betrifft – die Autorin lässt sich viel Zeit, die handelnden Figuren einzuführen und die Welt vorzustellen, in der die Geschichte spielt. Nach und nach lernt man den Silberfuchs Ilaro, einen wandernden Streuner, der nichts mehr liebt, als die Freiheit, die Besitzerin des Fischweibs Rasielle, Vennian, den Vetter des Fürsten, der auf der Suche nach Halbelfen ist, kennen, ebenso die Antagonisten, die in den geheimen Räumlichkeiten des Bordells ihre ganz eigenen Pläne verfolgen. Auch die Stadt Padana, in der das neue Bordell eröffnet hat und binnen kürzester Zeit zur besten Adresse für Vergnügungen alles Art avanciert, wird ausführlich beschrieben, so dass man beim Lesen alles bildlich vor Augen hat und sich gut in die Geschichte hineindenken kann. Zudem ist der Roman zu Beginn überraschend explizit, was die Erotik anbelangt – zumindest, wenn man andere Romane von Tina Alba kennt. Leider ergibt sich daraus das Problem, dass die Handlung etwas braucht, um an Fahrt zu gewinnen – so schön die Beschreibungen sind, so sehr wünscht man sich doch, dass die Geschichte endlich ereignisreicher wird und zum Punkt kommt. So muss man darauf fast bis zur Hälfte des Buches warten, bis es endlich spannender wird und die Figuren wirklich aktiv werden und sich dem eigentlichen Drahtzieher entgegen stellen. Das Ende wiederum hätte durchaus mehr Seiten und Inhalt vertragen können, denn irgendwie wirken die letzten Kapitel gehetzt, so als hätte die Autoren noch schnell die offenen Fäden zusammenführen wollen, um alle Fragen zu beantworten. In Anbetracht der ausführlichen Beschreibungen am Anfang, hätte der Geschichte am Ende ebenso viel Aufmerksamkeit gut getan.

Die Charaktere sind zwar sympathisch und wachsen einem ans Herz, bleiben dem Leser jedoch ein wenig fremd, was auch daran liegt, dass Ilaro, Rasielle und deren Freunde (ebenso wie die beiden Antagonisten) recht klischeebehaftet sind und nur selten aus den üblichen Bahnen ausbrechen. Auch Shayan bleibt sehr blass – man erfährt nichts über ihn, außer, dass er ein Dämon ist, der sich von sexueller Energie und Leidenschaft ernährt und Ilaro an seiner Seite braucht. Das ist ein wenig schade, denn es wäre Potenzial für mehr gewesen. Zudem laufen Vennian und Rasielle dem Halbelfen Ilaro schnell den Rang ab, was vor allem daran liegt, dass letzterer ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr aktiv ins Geschehen eingreifen kann – für einen Hauptcharakter fast ein K.O.-Kriterium.

Stilistisch legt Tina Alba einen gut geschriebenen, soliden Roman vor, der den Leser jedoch immer ein wenig auf Abstand hält und eine tiefe Bindung zu den Figuren erschwert. Nichtsdestotrotz sind die Beschreibungen sehr schön und stimmungsvoll, gerade wenn es um die Örtlichkeiten oder auch die expliziten Szenen geht. Insgesamt erinnert „Das Geheimnis der Flammenden Rose“ ein wenig an ältere Fantasy-Bücher, was den blumigen Schreibstil und den Aufbau der Handlung anbelangt. Das ist nicht negativ zu verstehen, doch es empfiehlt sich, vorab in die Leseprobe zu schnuppern, ob man mit Tina Alabas Worten und Beschreibungen zurecht kommt.

Fazit:
„Das Geheimnis der Flammenden Rose“ ist ein schöner, gut geschriebener Gay Fantasy, der ein wenig bei der Entwicklung der Figuren und am Ende schwächelt. Hier hätte Tina Alba mehr herausholen können, wenn man die Klischees ein wenig zur Seite geschoben hätte und die Geschichte mutiger angegangen wäre. Wen das nicht stört und wer einen soliden High Fantasy mit Elfen, Intrigen und Abenteuern lesen möchte, der sollte auf jeden Fall einen Blick in die Leseprobe werfen.

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

low fantasy, mittelalterliche zeit

Unter einem Banner

Elea Brandt
Flexibler Einband: 442 Seiten
Erschienen bei Dead Soft Verlag, 02.02.2018
ISBN 9783960891772
Genre: Fantasy

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Die unerklärliche Logik meines Lebens

Benjamin Alire Sáenz , Uwe-Michael Gutzschhahn
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Thienemann ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 19.09.2017
ISBN 9783522202367
Genre: Jugendbuch

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

gay romance, steampunk, amalia zeichneri, jack the ripper, magie

Berlingtons Geisterjäger 2 - Mördernächte

Amalia Zeichnerin
E-Buch Text: 329 Seiten
Erschienen bei null, 09.11.2017
ISBN B0773WCCLX
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Mehrere Monate sind seit den dramatischen Ereignissen in der Anderswelt vergangen, doch zur Ruhe kommt die Gruppe um Victor Berlington deswegen noch lange nicht, denn die Hexe Camur konnte von Fionas Großmutter nur ein Jahr verbannt werden. Es gilt neue Möglichkeiten zu erschließen, um eine Rückkehr des mächtigen Wesens zu verhindern – denn Camur könnte ganz London bedrohen. Während Fiona Rat und Unterstützung bei den Londoner Magiern und Hexen sucht und diese gemeinsam an einer Lösung arbeiten, beginnt in Whitechapel eine grausame Mordserie, die schon bald die ganze Stadt in Atem hält. Der amerikanische Privatdetektiv Eliott Breeches beschäftigt sich mit den schrecklichen Morden, da er selbst eins der Opfer gefunden hat und über ein seltsames Beweisstück gestolpert ist. Schon bald hat die Gruppe alle Hände voll zu tun, denn auch im privaten Bereich haben die Pärchen mit einigen Problemchen zu kämpfen …

Eigene Meinung:
Mit „Mördernächte“ führt Amalia Zeichnerin ihre historische Urban Fantasy-Reihe „Berlingtons Geisterjäger“ weiter und setzt grob am Ende des ersten Bandes „Anderswelt“ an. Kenntnisse des ersten Teiles sind nicht zwangsweise notwendig, um jedoch alle Zusammenhänge zu verstehen, sollte man den ersten Roman der Reihe gelesen haben. Die Geschichte in „Mördernächte“ endet weitestgehend offen und soll im nächsten Band fortgeführt werden.

Die Geschichte kommt dieses Mal wesentlich komplexer daher, denn Amalia Zeichnerin verfolgt mehrere Handlungsbögen parallel – teilweise gehören sie zum großen Ganzen und werden nur bedingt abgeschlossen (und im nächsten Band wieder aufgegriffen), teilweise werden sie im vorliegenden Buch beendet. Gerade die kleineren Themen, wie die Beziehungsprobleme zwischen Fiona und Nika, als auch der kurze Erpressungsversuch von Lord Berlington kommen zu einem Ende, wenngleich die Autorin diese Fäden erneut aufgreifen könnte. Auf jeden Fall sollte man am Ball bleiben, denn man muss sich viele Dinge merken und sollte den roten Faden nicht aus dem Blick verlieren. Das erfordert eine Menge Konzentration, doch es macht auch Spaß, mitzuverfolgen, wie alles ineinandergreift und die Charaktere nach und nach dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Nichtsdestotrotz ist man frühzeitig dem wahren Täter der Mordreihe auf der Spur, so dass einen die Enttarnung des Mörders nur bedingt überraschen kann. Vielleicht wäre es klüger gewesen, einige Szenen (und die Perspektiver einer bestimmten Person) außen vorzulassen, um die Spannung ein wenig länger aufrecht zu erhalten. Auch mag die Umsetzung des Falles „Jack the Ripper“ nicht unbedingt jedem gefallen – gerade Kenner des Falles könnten mit der offenen, teils fantastischen Auslegung der Thematik ihre Probleme haben. Dennoch macht das Buch Spaß und weiß zu fesseln – es ist in sich wesentlich schlüssiger und spannender, als „Anderswelt“, zumal viel mehr Handlungsfäden ineinandergreifen.

Auch die Charaktere können überzeugen – dieses Mal liegt der Schwerpunkt auf dem lesbischen Pärchen Fiona und Nika, denn die beiden Damen haben wesentlich mehr zu tun als Viktor und Alec (die gerade zu Beginn nur am Rande vorkommen und erst später für die Ereignisse wichtig werden). Ganz besonders blass bleibt dieses Mal Giselle, die gerade wenn es spannender wird, nicht mit von der Partie ist. Da sie im ersten Band eine wichtige Rolle eingenommen hat, fällt das aber nicht störend ins Gewicht – es ist schön, dass andere Figuren dieses Mal in den Vordergrund rücken. Das trifft auch auf Eliott Breeches zu, der gerade die Handlung rund um Jack the Ripper vorantreibt. Schön ist auch, dass einige Nebenfiguren stärker zum Tragen kommen und sich ein wenig besser etablieren.

Stilistisch legt Amalia Zeichnerin einen soliden Roman vor – im Vergleich zu „Anderswelt“ hat sie sich spürbar gesteigert. Wie schon im ersten Band erzählt sie aus wechselnden Perspektiven, so dass fast jedes Mitglied der Gruppe um Berlington zu Wort kommt – einzig Alec darf nicht aus seiner Sicht berichten, was schade ist, da er dadurch fast zu einem Nebencharakter wird, obwohl er für die Handlung sehr wichtig ist. Dennoch liest sich „Mördernächte“ flüssig und in sich rund. Ganz besonders schön sind die stimmungsvollen, atmosphärischen Beschreibungen des historischen Londons und die Liebe zu den Details – man merkt, dass die Autorin viel Zeit in die Recherche gesteckt hat, um trotz aller Fantastik ein realistisches Bild des alten Londons zu zeichnen. Auch die Dialoge sind sehr schön, einzig die Action und Erotik holpert manchmal ein wenig. Gerade letztere wirkt ein wenig hölzern was die Beschreibungen anbelangt.

Fazit:
Mit „Mördernächste“ führt Amalia Zeichnerin die Abenteuer von „Berlingtons Geisterjäger“ fort und bietet spannende Unterhaltung und eine gute Grundlage für weitere Geschichten mit Victor & Co. Gerade die verschiedenen Charaktere können punkten, ebenso die detaillierten Beschreibungen und die Atmosphäre des historischen Londons und die vielschichtigen Handlungsstränge. Bis auf einige kleinere Schnitzer ist „Mörderwelt“ ein gelungener historischer Urban Fantasy, der Lust auf mehr macht – hoffentlich lässt die Fortsetzung nicht allzu lange warten, denn nicht alle Fragen werden beantwortet.

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403 Bibliotheken, 22 Leser, 0 Gruppen, 90 Rezensionen

lügen, liebe, jugendbuch, highschool, one of us is lying

One of Us Is Lying

Karen M. McManus , Anja Galić
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei cbj, 26.02.2018
ISBN 9783570165126
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Fünf Highschoolschüler müssen nachsitzen, weil sie unerlaubt Handys mit in den Unterricht schmuggeln wollten – Bronwyn Rojan, Streberin und Tochter eines erfolgreichen Unternehmers; Addy Prentiss, hübsch, beliebt und seit Jahren mit einer Sportskanone aus dem Baseballteam zusammen; Cooper Clay, Baseballstar kurz vor dem Sprung in die Profiliga; Nathaniel Macauley, wegen Dealen auf Bewährung draußen und Sohn einer Drogensüchtigen und eines Alkoholikers und Simon Kelleher, gefürchteter und gehasster Betreiber der Klatsch-App „About That“, wo er die schmutzigen Geheimnisse seiner Mitschüler der Öffentlichkeit preisgibt. Kurze Zeit später ist Simon tot und schnell stehen die anderen vier unter Verdacht, ihn unter Zuhilfenahme eines mit Erdnussöl präparierten Bechers (Simon starb an einem allergischen Schock) getötet zu haben, denn jeder von ihnen hat ein Geheimnis, das Simon am Folgetag auf seiner App veröffentlichen wollte. Für die Vier beginnt ein Spießrutenlauf, bei dem nicht nur nach und nach ihre Geheimnisse ans Licht kommen und sie sich den Konsequenzen stellen müssen, sondern sie auch gezwungen sind, selbst auf die Suche nach der Wahrheit zu gehen …

Eigene Meinung:
„One of us is lying“ ist Karen M. McManus‘ Debüt und erschien 2017 in den USA. Binnen kürzester zeit stürmte er in die Bestsellerlisten und wurde in über 30 Länder verkauft. In Deutschland erschien er Anfang 2018 bei cbj.

Die Geschichte beginnt spannend, aber auch ein wenig klischeehaft, da die Autorin sehr stereotype Charaktere einführt. So sind Bronwyn, Addy, Cooper und Nate die typischen Highschoolschüler mit entsprechend typischen Problemen. Als Leser weiß man schnell, welche dunklen Geheimnisse die Jugendlichen haben, denn sie entsprechen ganz dem was man erwartet hat. So ist es recht schnell klar, was die Streberin Bronwyn getan hat, um in Chemie mit einer Bestnote hervorzugehen, ebenso wie man sich schon gedacht hat, dass der naive und gutmütige Cooper nun mal nichts mit Mädchen anfangen kann. Für Addy steht nach einem One-Night-Stand ihre Beziehung auf dem Spiel und Nates Drogendeals könnten ihn wieder ins Gefängnis bringen. Dennoch gelingt es der Autorin die Figuren trotz aller Stereotype angenehm und sympathisch in Szene zu setzen. Man kann sich mit dem der vier Schüler identifizieren und erlebt ihre Entwicklung mit, denn alle wachsen an den Ereignissen und lernen sich selbst und ihr Umfeld neu kennen. Zudem schwebt über allem die Frage, wer von ihnen lügt, denn außer ihnen gab es niemanden, der die Chance gehabt hat, Simon zu töten. So erhält die Autorin einen konsequent hohen Spannungsbogen, denn als Leser man kommt nicht umhin mitzufiebern und -zurätseln und eigene Theorien aufzubauen. Zum Ende hin gelingt es Karen M. McManus eine weitere Wendung einzubauen, die eine vollkommen unerwartete Lösung präsentiert und die Ereignisse aus einem anderen Licht präsentiert. Krimifans kommen daher auf jeden Fall auf ihre Kosten, zumindest wenn man kein Problem mit klischeehaften und stereotypen Charakteren (nicht negativ gemeint) hat. Positiv ist auch, dass die Autorin auf Themen wie Homophobie und Cybermobbing/Mobbing eingeht und auch die aggressive Pressearbeit und die einseitigen Polizeiermittlungen an den Pranger stellt.

Trotz aller Klischees schließt man die Figuren schnell ins Herz, so dass man Probleme hat, heraufzufinden, wer hinter den Ereignissen steckt. Man erlebt die Entwicklungen der verschiedenen Charaktere hautnah mit und erhält noch Einblicke in die zahlreichen Nebenfiguren, die mehr oder weniger von den Ereignissen betroffen sind – Eltern, Geschwister und Freunde. Hinzu kommen noch die Polizisten, die ihre Ermittlungen sehr stark auf Bronwyn, Addy, Cooper und Nate konzentrieren, aber auch die Journalisten, die über den Mordfall berichten und zusätzlich Öl ins Feuer gießen.

Stilistisch legt Karen M. McManus ein gut geschriebenes, spannendes Debüt vor, das abwechselnd aus vier Perspektiven erzählt wird und einen guten Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der heutigen Jugend gibt. Am Anfang könnten die wechselnden Perspektiven ein oder anderen Leser verwirren, doch es hilft sich mit den einzelnen Figuren zu identifizieren und verschiedene Blickwinkel auf die Geschichte zu bekommen. Es gelingt ihr auch, allen Handlungsträgern dasselbe Maß an Aufmerksamkeit zu schenken, so dass man nicht das Gefühl hat, sie hätte einen bestimmten Liebling. Stattdessen spürt man, dass ihr alle Charaktere am Herzen legen und sie sich um jeden einzelnen Gedanken gemacht hat. Auch die Beschreibungen der Umgebung und die Dialoge sind gelungen und erzeugen eine Sogwirkung, so dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann.

Fazit:
„One of us is lying“ ist ein gelungener, spannender Jugendthriller/Jugendkrimi, der trotz (oder gerade wegen) der stereotypen Charaktere überzeugen kann und durch eine fesselnde Handlung, logische Figuren mit nachvollziehbaren Problemen und einen tollen Schreibstil besticht. Der Vergleich „Breakfast Club“ meets „Pretty Little Liars“ passt perfekt, denn es geht um Liebe, Freundschaft und Feindschaft, Mord, Intrigen und die Suche nach dem wahren Täter. Wer auf der Suche nach einem spannenden Jugendbuch ist, sollte sich „One of us is lying“ nicht entgehen lassen – unbedingt zu empfehlen.

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147 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 61 Rezensionen

fantasy, magie, jugendbuch, die magie der lüge, liebe

Die Magie der Lüge

Nicole Gozdek
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2017
ISBN 9783492704380
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Mit Hilfe ihrer Wahrheitsmagie und ihres Partners Londurs schlägt sich Anderta Passario als Diebin, Erpresserin und Betrügerin durchs Leben. Sie ist zufrieden damit, beständig auf Reisen zu sein und in der Welt herumzukommen. Das ändert sich jedoch eines Tages urplötzlich, denn statt Londurs liegt ein fremdes Kind in ihrem Bett – für sie vollkommen falsch, da Kinder abseits der Gesellschaft in Schulen als Nummern großgezogen werden, bis sie ihren wahren Namen erfahren und damit ihre eigene Namensmagie entfalten. Als sie bemerkt, dass sich die gesamte Welt verändert hat und nur sie weiß, wie es eigentlich sein sollte, macht sie sich auf die Suche nach dem Schuldigen, denn sie sehnt sich nach der Wirklichkeit zurück, die sie kennt. Unweigerlich stößt sie auch Tirasan Passario, ihren Bruder, der bereits an den Folgen seines Machtausbruchs zu knabbern hat. Zudem spinnen düstere Gestalten im Hintergrund ihre Intrigen, in die Anderta und ihre Freunde sich immer tiefer verstricken …

Eigene Meinung:
Mit „Die Magie der Lüge“ führt Nicole Gozdek die Geschichte aus ihrem preisgekrönten Debüt „Die Magie der Namen“ fort und beantwortet etliche Fragen, die im ersten Band der Reihe nicht oder nur unzureichend beantwortet wurden. Die Geschichte wird dieses Mal allerdings nicht aus Tirasans Sicht geschildert, stattdessen werden mit Anderta und ihren Freunden neue Figuren eingeführt, die ihre eigene Geschichte zu erzählen haben. Tirasan und Rustan tauchen natürlich ebenfalls auf, bleiben jedoch eher im Hintergrund.

Die Handlung setzt ungefähr zeitgleich zu den Ereignissen aus „Die Magie der Namen“ an – der Leser lernt Anderta, ihren Partner und ihr Leben als Diebin und Betrügerin kennen und begleitet sie auf ihren Reisen durch die Welt. Dank der Beschreibungen erinnert man sich schnell an die Zusammenhänge und Hintergründe der Geschichte und ist gespannt, wie die Autorin die offenen Punkte – gerade die Beziehung zwischen Tirasan und Rustan – aufklärt. Das erschwert jedoch den Zugang zu Anderta, da man auf Tirasan und Rustan wartet, die im ersten Band die Hauptfiguren waren. Dementsprechend zieht sich der Anfang des Buches in die Länge und man ist fast erleichtert, als sich endlich die Realität ändert und Anderta sich mit der neuen Wirklichkeit auseinandersetzen muss. Als schließlich Tirasan und Rustan zur Gruppe stoßen und zwangsweise zu Verbündeten werden, da Andertas Sohn Sanjan entführt wird, nimmt die Handlung endlich an Fahrt auf.
Die Geschichte an sich ist durchaus spannend, kann jedoch nicht so sehr fesseln wie in Band 1, in welchem die Namensmagie etwas erfrischend Neues und Ungewohntes war und die Intrigen wesentlich besser in Szene gesetzt waren. Auch die Tatsache, dass das Beziehungsgeflecht der Charaktere ein wenig konstruiert wirkt, erschwert das Lesen ein wenig, zumal Tirasan und sein bester Freund Rustan der eigentlichen Hauptfigur immer wieder den Rang ablaufen. Es wäre besser gewesen, auch dieses Buch aus Tirasans Sicht zu erzählen, da man ihn kennt und sowohl seine Gefühle als auch sein innerer Konflikt wesentlich spannender sind als Andertas, deren einziger Beweggrund ist, die andere Realität zurückzuholen, und die sich wenig um die anderen und deren Meinungen schert.

Das ist auch der Grund, weswegen man mit ihr als Hauptfigur am Anfang Probleme hat: Sie ist sehr egoistisch und nicht unbedingt ein Sympathieträger. Im Gegensatz dazu ist Londurs eine angenehm vielschichtige Figur. Er hat mit den Vorurteilen der Menschen zu kämpfen und will sich nicht dem beugen, was ihm aufgrund seiner Namendynastie auferlegt wird. Andertas ehemaliger Geliebter Frislan bleibt leider recht blass, ebenso Sanjan, der durchaus Potenzial für mehr in sich gehabt hat – aber da er noch ein Kind ist, ist das verständlich.
Tirasan und Rustan spielen nach dem ersten Drittel eine große Rolle, auch auf ihre Beziehung wird viel wert gelegt. Damit gleicht die Autorin auch das unschöne Ende des ersten Bandes aus, in welchem Tirasan die Gefühle seines Freundes Rustans manipuliert und dafür sorgt, dass dieser seine Liebe zu Tirasan vergisst – was vielen Lesern aufgrund des homophoben Untertons unangenehm auffiel. Allein aus diesem Grund wäre es jedoch besser gewesen, denselben Handlungsträger wie im ersten Band zu wählen.

Stilistisch legt Nicole Gozdek ein einfaches, aber gut geschriebenes Buch vor, in das man schnell eintaucht, das aber durchaus mehr Beschreibungen und Konsistenz hätte vertragen können. Es handelt sich immerhin um eine Fantasywelt, und eine solche lebt von ausführlichen Beschreibungen und Details, um eine passende Atmosphäre zu erschaffen. So toll die Idee mit der Namensmagie ist, die Welt sollte aus mehr bestehen als den Namensdynastien, dessen Vertretern und den damit verbundenen Stärken und Schwächen. So bleiben die Darstellungen der Landschaft und der Dörfer und Städte sehr vage, die darin lebenden Menschen eher schablonenhaft. Es fehlt die Lebendigkeit, die eine Fantasywelt haben sollte. Zudem sollte man sich nicht zu sehr an der beiliegenden Karte orientieren, da diese den Leser mitunter verwirrt, wenn Wege beschrieben werden. Nichtsdestotrotz werden Figuren und ihre Gedanken und Gefühle gut dargestellt, auch die Dialoge sind passend und stimmungsvoll. Wer leichte Lektüre und einen sehr auf die Figuren ausgerichteten Schreibstil mag, dem wird „Die Magie der Lüge“ gefallen.

Fazit:
Der zweite Teil kann inhaltlich leider nicht ganz überzeugen und kommt schwächer daher als Nicole Gozdeks Debüt „Die Magie der Namen“. Das liegt vor allem daran, dass mit Anderta eine schwierige Hauptfigur eingeführt wird, die nicht ansatzweise so sympathisch ist wie Tirasan. Auch die Geschichte wirkt an einigen Stellen stark konstruiert, dafür greift die Autorin die Beziehung zwischen Tirasan und Rustan auf und führt dieses zentrale Handlungselement zu einem zufriedenstellenden Ende. Dennoch hätte man mehr aus der Grundidee machen können – „Die Magie der Lüge“ hatte Potenzial nach oben. Wer den ersten Band bereits mochte und wer wissen will wie die Geschichte weitergeht, wird dennoch nicht an „Die Magie der Lüge“ vorbeikommen. Nicole Gozdek bietet auf jeden Fall angenehme Lesestunden und Antworten auf einige Fragen …

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

Mehr als Freundschaft

Katharina B. Gross
Flexibler Einband: 228 Seiten
Erschienen bei Dead Soft Verlag, 15.03.2018
ISBN 9783960891796
Genre: Romane

Rezension:

Story:
Zwischen Marco und Nils könnte alles perfekt sein – sie sind schwer verliebt, harmonieren perfekt miteinander und können sich aufeinander verlassen. Allerdings sind sie für ihre Clique nur gute Freunde, denn Nils ist nur innerhalb seiner Familie geoutet (und hat darüber hinaus noch einige schlechte Erfahrungen gemacht), Marco hat noch niemandem gesagt, dass er mit Frauen wenig anfangen kann. Dementsprechend halten sie ihre Beziehung geheim, was mit der Zeit ganz besonders Marco zusetzt, der sich endlich öffentlich zu Nils bekennen möchte. Ganz besonders, als seine Freunde ihn mit Sarah verkuppeln wollen, möchte er frei heraus sagen, zu wem er gehört. Leider sieht Nils das anders – seine schlechten Erfahrungen sorgen dafür, dass er sich nicht offenbaren will, was mehr und mehr einen Keil zwischen die beiden treibt …

Eigene Meinung:
Mit „Mehr als Freundschaft“ legt Katharina B. Gross einen weiteren Gay Romance vor – die Autorin hat in den letzten Monaten mehrere Romane auf den Markt gebracht und sich unter den Fans einen Namen gemacht. Die Geschichte um Nils und Marco erschien im deadsoft Verlag und ist in sich abgeschlossen.

Handlungstechnisch wartet die Autorin mit wenig Neuem auf – im Gegenteil. Sowohl die Geschichte, als auch die Charaktere sind ungemein stereotyp geraten, so dass man binnen weniger Seiten weiß, wie das Ganze endet und welche Zwischenepisoden vorkommen müssen: so ist zum Beispiel der Kuss zwischen Sarah und Marco, der von Nils gesehen wird, in dieser Form schon gefühlt hundertmal in Gay Romance Geschichten vorgekommen. Auch die folgenden Ereignisse und Reaktionen der Figuren sind schon so oft in derartigen Büchern aufgearbeitet worden, was Vielleser des Genres langweilen dürfte. Es fehlt an etwas Neuem oder Spannenden, etwas was „Mehr als Freundschaft“ aus der breiten Masse der Gay Romance Veröffentlichungen herausheben könnte. Selbst die erotischen Szenen können nicht so richtig überzeugen – sie wirken fast ein wenig obligatorisch, weil sie einfach dabei sein müssen. So bleibt es leider auch nicht im Gedächtnis der Leser, gerade wenn man schon einige ähnliche Geschichten gelesen hat. Schade – man hätte das Thema durchaus ein wenig abwechslungsreicher gestalten können, zum Beispiel mit einem wirklichen Konflikt (Nils‘ Arbeitskollege Klaus fällt nur bedingt darunter), der zumindest ein wenig mehr Schwung in die Geschichte gebracht hätte, oder einer Aufarbeitung von Nils‘ unschönen Erinnerungen aus seiner Vergangenheit. Da wäre durchaus Potenzial für mehr gewesen.
Wer jedoch keine Probleme mit einer lockerleichten Liebesgeschichte ohne viel Drama und ewigem Hin und Her hat, der bekommt mit "Mehr als Freundschaft" durchaus eine schöne Liebesgeschichte mit viel Zucker und Gefühl. Gerade Leser, die ins Genre Gay Romance einsteigen wollen, sind mit "Mehr als Freundschaft" an der richtigen Adresse, denn Katharina B. Gross gelingt es durchaus die Liebe zwischen Marco und Nils zu porträtieren.

Die Figuren bleiben leider recht blass, da auch sie die typischen Klischees bedienen und nicht so wirklich aus den Stereotypen herausbrechen. So richtig nachvollziehen kann man Nils mit seiner Abneigung sich zu Outen nicht, denn seine Ängste wirken an einigen Stellen übertrieben. Er ist dadurch ziemlich feige, was ihn nicht unbedingt sympathisch macht. Marco braucht fast zu lange, um ihm endlich seine Meinung zu sagen und seine Wünsche zu äußern.
Leider können auch die Nebenfiguren nicht so recht punkten –sie handeln genauso, wie man es sich im Vorfeld schon gedacht hat und nehmen die ihnen zugedachten Rollen und Positionen ein. Das macht sie leider recht massenkonform und ebenso blass, wie die beiden Hauptcharaktere.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Katharine B. Gross hat einen angenehm lesbaren, lockerleichten und sicheren Stil, der gut zur Geschichte und den Figuren passt und dafür sorgt, dass man schnell durch die Seiten fliegt. Die Geschichte wird abwechselnd aus Marcos und Nils‘ Sicht erzählt, so dass man beide Charaktere kennenlernt und sich mit ihnen identifizieren kann. Auch die Dialoge, als auch die Beschreibungen der Gefühle und die erotischen Szenen sind stimmungsvoll in Szene gesetzt und können stilistisch überzeugen.

Fazit:
„Mehr als Freundschaft“ ist ein typischer Gay Romance, dem es leider nicht gelingt aus der breiten Masse anderer Veröffentlichungen hervorzustechen, da er die meisten genretypischen Klischees und Charakterkonstellationen bedient. Trotz Katharina B. Gross‘ flüssigem, leichten Schreibstil zieht sich die Geschichte, da sie nichts Neues bietet und Vielleser nicht wirklich zu fesseln weiß. Wer erstmals in das Thema Gay Romance schnuppern will ist wiederum mit „Mehr als Freundschaft“ gut bedient, alteingesessene Fans werden in dem Roman wenig Neues entdecken. Schwache 3 Sterne.

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jackaby, william ritter, jackaby-reihe, die verschwundenen knochen, mystery

JACKABY - Die verschwundenen Knochen

William Ritter , Dagmar Schmitz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 09.01.2018
ISBN 9783570311622
Genre: Jugendbuch

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Rebeccas Küsse

Ulrike Voss
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei konkursbuch, 16.10.2016
ISBN 9783887696689
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Story:
Julia und Gudrun sind seit Jahren ein Paar – sie leben und arbeiten zusammen und verbringen viel Zeit miteinander. Leider blieben dabei die Leidenschaft und die erotische Spannung vollkommen auf der Strecke, was ganz besonders Julia zusetzt, die wesentlich öfters ihre sexuellen Gelüste ausleben möchte. So ist sie auch für eine sehr freizügige Chatanfrage einer unbekannten Frau offen, die sie über Facebook erhält. Schnell wird aus den erotischen Dialogen mehr und als sie Rebecca schließlich kennenlernt, steht Julia zwischen den Stühlen – einerseits entwickelt sie Gefühle für Rebecca, zumal diese sie auch endlich im Bett zufriedenstellen kann, andererseits liebt sie noch immer die stille und ruhige Gudrun, mit der sie schon so lange zusammen ist.

Eigene Meinung:
Ulrike Voss ist kein ungeschriebenes Blatt, wenn es um erotische, lesbische Literatur geht – „Rebeccas Küsse“ ist bereits ihre vierte Veröffentlichung bei konkursbuch. Wie auch ihre bisherigen Bücher und Geschichten geht es im vorliegenden Roman heiß zur Sache, denn die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund, was nicht unbedingt jedermanns Geschmack ist.

Zu Beginn der Geschichte lernt man Julia und Gudrun kennen, die seit Jahren ein Paar sind, sich jedoch im Laufe der Zeit in eine Beziehung verrannt haben, die beide nicht unbedingt glücklich macht. Statt gemeinsam an sich und ihrer Beziehung zu arbeiten, leben sie nebeneinander her, wenngleich sie eine Menge füreinander empfunden. Da Gudrung imemr weniger Lust auf traute Zweisamkeit und Sex hat, flüchtet sich Julia in den erotischen Chat mit Rebecca, die sie eines Tages auf Facebook anschreibt. Schnell wird Rebecca zum Dreh- und Angelpunkt ihrer erotischen Fantasien und wird die Person, die Julia sich im Bett wünscht. Die erotischen Gespräche münden in einem Treffen in der Realität, was Julia noch mehr aus der Bahn wirft, denn selbst wenn Rebecca nicht dem entspricht, was sie sich vorgestellt hat, beginnt sie doch eine Affäre mit der fremden Frau, die ihr nur wenig von sich verrät. Da Julia sich aber auch zu Gudrun hingezogen fühlt, steht sie bald vor einem Problem …
Die Autorin versucht auf sehr stille, ruhige Art und Weise die Themen Beziehungskrise, neue Liebe und Online-Dating miteinander zu verknüpfen. Sie greift dabei auch spannende, interessante Themen auf, die gut zur Geschichte passen und sehr gefühlvoll in Szene gesetzt werden – z.B. Julias Zwiespalt zwischen zwei Frauen zu stehen und die Beziehungskrise von Julia und Gudrun, die sich sehr schleichend bemerkbar macht. Allerdings wird vieles von den übermäßig viele erotischen Szenen überdeckt, die einfach zu viel gewesen sind. Die Hälfte des Buches machen die Frauen nichts anderes, als übereinander herzufallen und die Nächte von einem Höhepunkt zum nächsten zu wandeln. Mit der Zeit ist es einfach zu viel, da es die Geschichte ausbremst und den Leser ungemein ermüdet. Man hat das Gefühl, für Julia ist nichts mehr wichtig, außer sich von Rebecca flachlegen zu lassen – wenn sie arbeitet, wenn sie Auto fährt, wenn sie einen Film sieht: fast immer ist sie erregt. Das tut der Geschichte und auch den Charakteren nicht gut. Das merkt man ganz besonders am Ende, das nicht so recht passen mag und zu gekünstelt wirkt, um wirklich glaubwürdig zu sein.

Die Figuren sind authentisch und realistisch, bleiben dem Leser jedoch fern. Insbesondere Julia schafft es nicht Sympathien zu sammeln, da sie sich innerhalb der Geschichte nicht weiterentwickelt. Sie ist unselbstständig, macht den Mund nicht auf (nicht mal, als es wirklich notwendig ist) und scheint zu 90% notgeil zu sein, denn alles worum sich ihre Gedanken zu drehen scheinen ist, wie sie möglichst unbemerkt mit Rebecca zusammen sein kann (teils auch zum Reden, die meiste Zeit jedoch um sich zu vergnügen). Auch die übrigen Figuren gewinnen keinen Tiefgang . Gudrun bleibt wahnsinnig blass (dennoch hat man schon früh den Verdacht, wohin sie sich im Laufe der Geschichte bewegt), Rebecca ist ein wenig spannender, wirkt jedoch seltsam konstruiert. Die übrigen Nebenfiguren kommen kaum zum Tragen, so dass man sie schnell vergisst, sobald man das Buch beendet hat.

Stilistisch legt Ulrike Voss gehobene Literatur vor, die man mögen muss. Sie hat die Art eher fern der Figuren zu schreiben, so dass man sich schwer mit ihnen identifizieren kann. Zudem dreht sich bei ihr alles um Sex, wozu sie mitunter derbe Wörter nutzt und wirklich detailliert beschreibt, wie die Frauen miteinander umgehen. Ausführliche Dialoge und sonstige Beschreibungen sucht man leider vergeblich, viele Sachen werden nur zusammengefasst – man muss diesen einfachen, schlichten Stil gespickt mit expliziten Erotikszenen einfach mögen, ansonsten wird man mit „Rebeccas Küsse“ nicht glücklich.

Fazit:
„Rebeccas Küsse“ ist definitiv Geschmackssache und nicht für jeden Leser geeignet. Wer es romantisch mag und wer die handelnden Figuren intensiv kennenlernen will, der ist mit Ulrike Voss‘ Roman an der falschen Adresse. Hier geht es expliziter und direkter zur Sache – mitunter so sehr, dass man die sich wiederholenden Erotikszenen überblättert, um die eigentliche Geschichte weiterzuverfolgen. Viel sollte man hierbei auch nicht erwarten, denn sonderlich tiefgründig werden die interessanteren Themen leider nicht behandelt. Sehr schade … im Bedarfsfall reinschnuppern und selbst entscheiden, ob das Buch stilistisch und thematisch überzeugen kann.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Wie ein Kartenhaus im Sturm

Elena Losian
Flexibler Einband
Erschienen bei Main Verlag, 09.06.2017
ISBN 9783959491419
Genre: Romane

Rezension:

Story:
Aus Hass wird Liebe – eigentlich kann der punkige Phil den neu zugezogenen Julian nicht ausstehen, doch nach kurzer Zeit wird dieser ein Teil seiner Clique. Es bleibt Phil nichts anderes übrig, als sich mit dem emo-haften Jungen zu arrangieren und schon bald lernen sich die beiden besser kennen. Er erfährt, dass Julians Elternhaus mehr als zerrüttet ist und Julian seinen Schmerz damit kompensiert, indem er sich ritzt. Schon bald hat Phil Julians Vertrauen gewonnen und nach einer Weile sogar mehr, denn zwischen den beiden ungleichen Jungs entspinnt sich mehr. Allerdings fällt es beiden nicht leicht diese neuen Gefühle zuzulassen, zumal sich der stumme Falco ebenfalls in Julian verguckt hat und der Meinung ist, dass die beiden nicht zueinander passen. Bei der Abschlussfahrt nach Spanien kommt es zu mehr als einer Katastrophe, denn Falco gelingt es die beiden jungen Männer auseinander zu treiben, und Julian lässt sich für eine Nacht mit der Eisprinzessin Olli ein – mit weitreichenden Folgen, neun Monate später …

Eigene Meinung:
Wer Elena Losians Debüt „Eisprinz und Herzbube“ kennt, dem werden Juli und Phil nicht unbekannt sein, schließlich hatten die beiden in dem ersten Roman des Autors bereits eine wichtige Rolle inne. Nun erschien endlich (auf Wunsch vieler Fans) die Geschichte der beiden und offenbart, wie die beiden zusammengekommen und welche Höhen und Tiefen sie miteinander durchlebt haben. Aufgrund des Umfangs erschien „Wie ein Kartenhaus im Sturm“ in zwei Bänden, die beide sowohl als eBook, als auch im Taschenbuch-Format beim Main Verlag erschienen sind.

Die Geschichte zwischen Phil und Julian wird sehr ausführlich dargestellt, da sich der Autor eine Menge Zeit nimmt, die beiden Figuren und natürlich die vielen Nebencharaktere und Freunde der beiden vorzustellen und die Beziehung der beiden langsam und gefühlvoll auszubauen. Natürlich dürfen die typischen Themen Eifersucht, Unsicherheit, Coming-Out und Freundschaft nicht fehlen – der Autor lässt wirklich nichts aus und verpasst seinen Figuren immer wieder Tiefschläge und Höhenflüge, die letztendlich dafür sorgen, dass sich Phil und Julian weiterentwickeln. Im Grunde begleitet man sie ungefähr anderthalb Jahre lang, zum Ende hin gibt Elena Losian einen kurzen Ausblick in die Zukunft der beiden. Wer Phil und Julian schon bei „Eisprinz und Herzbube“ ins Herz geschlossen hat, dem wird die ausführliche Geschichte auf jeden Fall gefallen, auch wenn sie manchmal ein wenig überdramatisiert und ein wenig zu kitschig ist. Es macht Spaß die beiden zu begleiten und sie besser kennenzulernen, ebenso ihre Freunde, die allesamt ein eigenes Profil haben und dreidimensional sind. Ein wenig überraschend ist die Tatsache, dass die Homosexualität keinerlei Probleme für die übrigen Menschen darstellt – immerhin spielt das Buch vorwiegend in den 90er Jahren, wo eine solche Offenheit nicht unbedingt vorhanden war. Das kann man jedoch auch positiv werden, denn der Autor zieht eine lockere, romantische Liebesgeschichte, dem dramatischen, harten Coming-Out und all den gesellschaftlichen Konsequenzen vor, was besser zu einem Jugendbuch dieser Art passt.

Die Figuren sind sehr sympathisch – als Leser schließt man jeden einzelnen ins Herz. Sei es Phil oder Julian, man kann beide gut verstehen und ist in der Lage ihre Aktionen und Handlungen, ebenso ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen. Sie haben schon einiges zu überstehen, da jeder an seinen eigenen Problemen zu knabbern hat und ihnen auch innerhalb des Freundeskreises nicht nur Sympathien entgegenschlagen, insbesondere seitens Falco, der Julian lieber für sich gewinnen will. Ein wenig seltsam ist auch, dass man so viele schwule Pärchen auf einem Haufen hat – gerade am Ende fällt einem das auf. Nichtsdestotrotz reifen die Charaktere an den Ereignissen und werden mit der Zeit erwachsen.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Elena Losian hat einen lockeren, sehr einnehmenden Stil, der immer nah an den handelnden Figuren bleibt. Er erzählt die Geschichte aus Sicht von Phil, Julian und Falco, wobei letzterer nur sporadisch zu Wort kommt – vorwiegend wechseln sich Phil und Julian ab. Dementsprechend baut man zu den beiden die größte Bindung auf. Auch die Beschreibungen und Dialoge sind gelungen, zudem gelingt es dem Autor mit Witz und Humor zu schreiben, was den Leser immer wieder Schmunzeln lässt. Auf jeden Fall liest sich „Wie ein Kartenhaus im Sturm“ fast von selbst und lässt den Leser mit einem angenehmen, glücklichen Gefühl zurück.

Fazit:

„Wie ein Kartenhaus im Sturm“ ist ein gelungener Spin-Off von „Eisprinz und Herzbube“ und ein Muss für alle Fans von Elena Losians Debüt. Es macht Spaß die beiden Hauptfiguren durch die Höhen und Tiefen ihrer Beziehung zu begleiten, auch wenn die Handlung zwischendurch ein wenig überdramatisiert wirkt und viel dadurch verursacht wird, dass Phil und Julian nicht miteinander reden. Nichtsdestotrotz sind die liebevoll ausgearbeitetem Charaktere und der flüssige Schreibstil ein Plus und bringen die Handlung voran. Wer gefühlvolle, lockerleichte Jugendbücher mag und bereits das Debüt des Autors mochte, sollte zugreifen. Es lohnt sich.

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Wie ein Kartenhaus im Sturm

Elena Losian
Flexibler Einband
Erschienen bei Main Verlag, 02.06.2017
ISBN 9783959491396
Genre: Romane

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Der erste Stein

Krzysztof Charamsa , Michael Jacobs
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 25.04.2017
ISBN 9783570103272
Genre: Sachbücher

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john green, schlaft gut, ihr fiesen gedanken, freundschaft, jugendbuch, johngreen

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

John Green , Sophie Zeitz
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 10.11.2017
ISBN 9783446259034
Genre: Jugendbuch

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Midsummer Night's Love. Heimlich verliebt

Julia Kathrin Knoll
E-Buch Text
Erschienen bei Impress, 02.06.2016
ISBN 9783646602524
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Story:
Eine Reihe schrecklicher Ereignisse trieb Ryan Garcia zur Flucht nach Montreal, wo er sich in einem Restaurant vom sprichwörtlichen Tellerwäscher zum Leiter hocharbeitete und sich damit zumindest seinen Traum von einer Karriere als Koch erfüllte. In dem fröhlichen, sonnigen Josh findet er sogar einen Partner, der sich allmählich durch seinen Schutzwall arbeitet, dem es aber nicht gelingt komplett zu dem jungen Mann durchzudringen. Ryan gelingt es einfach nicht, mit seiner ersten großen Liebe Liam abzuschließen, der ein klaffendes Loch in Ryans Herzen hinterlassen hat. Als Josh seinen Partner schließlich verlässt und Ryan zurück in seine Heimatstadt fährt, bleibt Ryan nichts anderes übrig, als sich der Vergangenheit zu stellen, dem Sommer in dem er mit Liam zusammenkam und in dem seine Mutter auf tragische Weise ums Leben kam …

Eigene Meinung:
Julia Kathrin Knoll legt mit „Midsummer Night’s Love“ ihren ersten Gay Romance Roman vor, der im Impress Verlag als eBook herauskam, im Eigenverlag erschien 2014 ein weiterer Boys Love Roman. Zudem brachte Carlsen Impress Julia Kathrin Knolls Urban Fantasy Reihe „Elfenblüte“ als eBook auf den Markt.

Die Geschichte im Ryan und sein verkorkstes Leben wird in 5 Akten erzählt (passend zum Theaterstück „Sommernachtstraum“, das eine größere Rolle spielt). Die Autorin wechselt hierbei zwischen Vergangenheit und Gegenwart und präsentiert nach und nach was in Liams Schulzeit passiert ist und welche Ereignisse ihn so sehr beeinflusst haben, dass er sich kaum jemandem gegenüber öffnen kann. Der Handlungsstrang mit Liam nimmt auch den Löwenteil der Geschichte ein – die Autorin nimmt sich zu Beginn viel Zeit Ryan und Liam einzuführen und die beiden zusammenzuführen. Dabei haben beide Jungen mit etlichen Problemen zu kämpfen – Ryan lebt zwar in einem sehr liberalen Haus und hat keinerlei Probleme mit seiner Homosexualität, hat jedoch mit dem Tod seines ersten Freundes zu kämpfen, der aufgrund seiner erzkonservativen Familie nur einen Ausweg sah. Liam lebt in einer ebenso strengen Familie, zumal sein Vater auch noch Bürgermeister der Stadt ist und immer mal wieder gewalttätig wird. Zudem hat er sich auch noch einen sadistischen Partner angelacht, von dem er nicht so leicht loskommt. Dementsprechend wackelig ist ihre Beziehung, zumal Liam alles dran setzt, sie geheim zu halten.
All das wird von der Autorin sehr ausführlich dargestellt, so dass man sich gut in die Charaktere hineinversetzen und ihre Beweggründe verstehen kann. Schade ist es jedoch, dass gerade die Ereignisse, die in einer Katastrophe endeten recht schnell abgehandelt wurden, teils sogar nur zusammenfassend erklärt wurden. Hier wäre es schön gewesen, den Handlungselementen ebenso viel Platz einzuräumen, wie den Ereignissen am Anfang – auch um die Figuren noch besser zu beleuchten und ihnen mehr Tiefe zu geben. Stattdessen kommt die Auflösung recht schnell und lässt den Leser fast enttäuscht zurück.

Die Figuren sind gut in Szene gesetzt und handeln durchweg logisch, wenngleich Julia Kathrin Knoll ihren beiden Helden mehr Tiefgang hätte geben können – gerade zum Ende hin. Ein wenig schade ist auch, dass Josh aus dem gegenwärtigen Handlungsstrang nur am Rande vorkommt und nur wenig Charakter entwickelt. Es wäre wirklich schön gewesen, wenn man Josh besser kennengelernt hätte und sich mit der Handlung in der Gegenwart besser hätte identifizieren können.
Nichtsdestotrotz bleiben die Figuren in Erinnerung, ganz besonders Ines Garcia, Ryans Mutter – sie ist ein ungemein schillernder Charakter, der perfekt zu Ryans Chaos passt. Auch Ryans beste Freundin kann punkten – man kann sie gut verstehen und ist ganz an ihrer Seite, wenn sie wütend auf Ryan ist. Dieser verhält sich mitunter nämlich ziemlich arschig und ist manchmal nicht unbedingt ein Sympathieträger, ebenso wenig Liam. Doch da beide gegen ihre Dämonen zu kämpfen haben, kann man ihre Aktionen verstehen.

Stilistisch legt Julia Kathrin Knoll einen solide geschriebenen, gut lesbaren Roman vor, der sprachlich zur Geschichte und den Figuren passt. Es gelingt der Autorin, ihren Figuren eigene Facetten zu geben und gerade die Nebenfiguren gut in Szene zu setzen. Auch die Dialoge, die Beschreibungen von Ryans Gefühlen und den Handlungsorten sind gut gelungen. Es gibt keine spürbaren Längen, im Gegenteil – zum Ende hin wirkt es, als hätte die Autorin hetzen müssen, oder sie wollte eine bestimmte Seitenzahl nicht überschreiten.
Erotikszenen werden nur leicht angedeutet oder abgeblendet, was gut zur Stimmung des Romans passt – ausführliche Sexszenen hätten hier einfach nicht gepasst.

Fazit:
„Midsummer Night’s Love“ ist ein schöner Gay Romance mit kleineren Schwächen, der durch interessante Figuren und einen angenehmen Schreibstil punkten kann. Julia Kathrin Knoll erzählt eine bittersüße Liebesgeschichte, die zum Ende hin ein wenig gehetzt daherkommt und deutlich mehr Zeit gebraucht hätte, anstatt eine Zusammenfassung der Ereignisse. Nichtsdestotrotz kann man einen Blick hineinwerfen, wenn man dramatische Liebesgeschichten mag und kein Problem mit etwas schroffen Figuren hat. Schwache 4 Sternchen – im Zweifelsfall reinlesen …

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

inbetween, kurzgeschichten, schwul, lesbische geschichte, gay romance

Die andere Seite des Regenbogens - Queere Geschichten voller Farbe

Svea Lundberg
E-Buch Text: 206 Seiten
Erschienen bei Traumtänzer-Verlag Lysander Schretzlmeier, 28.10.2017
ISBN 9783947031122
Genre: Sonstiges

Rezension:

Inhalt:
Ob ein Topf voll Gold, die Liebe des Lebens, die Brücke ins nächste Leben oder das queere Symbol schlechthin – jeder sieht in einem Regenbogen etwas anderes. Zwanzig Autor*innen haben sich im Rahmen einer Ausschreibung an unterschiedliche Interpretationen gewagt und eine bunte Anthologie hervorgebracht, die das Thema von allen möglichen Facetten beleuchtet. Dabei kommen schwule, lesbische und transgender Charaktere zu ihrem Recht, ebenso findet man Fantasy und Sci-Fi Geschichten neben alltäglichen Dramen und lockerleichten Liebesgeschichten.

Folgende Geschichten sind dabei:
Coming Home von Leann Porter
Arcobaleno von Elea Brandt
Ein Bruchstück Himmel von Annette Juretzki
I’ll be in Scotland afore Ye von Elian Mayes
Inbetween – Und zwischen uns der Regenbogen von Svea Lundberg
Lichtweber von Ellis Weiss
Zehn Jahre siebzehnter September von Dima von Seelenburg
Meaningless von Fini Vav
Leprechaun von J. L. Carlton
Farbtupfer von Ray Celar
Abendlicht von Josephine Awgustow
Freunde fürs Leben von Elisa Schwarz
Flo, seine Männergeschichten, Hugo und ich von Carmilla DeWinter
Nächtliche Begierde von Màili Cavanagh
Mensch in der Maschine von Nora Benzko
Der nördlichste aller Regenbögen von Suka Noitchi
In den Fängen eines Konzertflügels von Anna-Katharina Höpflinger
Farbperspektiven von Charlotte Florack
Vom Suchen und Finden von Clover Beck
Alle Farben des Regenbogens von Lena M. Brand
Vergiss mein nicht von Carmilla DeWinter

Eigene Meinung:
Die Anthologie „Die andere Seite des Regenbogens“ wurde von Svea Lundberg herausgegeben und erschien im Traumtänzer Verlag. Zwanzig Autor*innen sind aus der Ausschreibung hervorgegangen und präsentieren verschiedene, queere Charaktere in allen Lebenslagen. Nichtsdestotrotz überwiegt der schwule Anteil, denn die meisten Autor*innen haben sich dem Thema mit homosexuellen Männern angenähert. Leider fällt dies ein wenig störend ins Gewicht, wenn man eine queere Anthologie erwartet, die alle Facetten wiedergespiegelt. So gibt es insgesamt nur vier lesbische Kurzgeschichten, je eine präsentiert einen intersexuellen und einen asexuellen Charakter. Dem gegenüber stehen 15 schwule Geschichten, was deutlich macht, wie unausgewogen die Anthologie ist. Der Herausgeberin kann daraus kein Vorwurf gemacht werden – wahrscheinlich wurden kaum Beiträge eingereicht, die außerhalb des schwulen Genres liegen, was schade ist, da die Anthologie damit eher Leser schwuler Geschichten ansprechen dürfte.

Die Kurzgeschichten sind Geschmackssache – es gibt eine Menge toller, sehr stimmungsvoller Beiträge, die das Thema vollkommen unterschiedlich aufgreifen und eine wirklich interessante Mischung bieten. Ganz besonders gelungen sind die beiden Beiträge von Carmilla DeWinter: die lesbische Kurzgeschichte „Vergiss mein nicht“ und „Flo, seine Männergeschichten, Hugo und ich“, in dem sich die asexuelle Annika vorstellt. Auch der Beitrag „Mensch in der Maschine“ von Nora Bendzko ist sehr gut gelungen und definitiv etwas anderes, siedelt sie die Geschichte doch in der fernen Zukunft an, bringt das Thema KI zur Sprache und führt den Intersexuellen Eva ein. Im schwulen Bereich stechen die Kurzgeschichten „Ein Bruchstück Himmel“ von Annette Juretzki (der Beitrag ist ein Spin-Off ihrer Sci-Fi-Reihe „Sternenbrand“ kann aber unabhängig davon gelesen werden), „Zehn Jahre siebzehnter September“ von Dima von Seelenburg und „Farbperspektiven“ von Charlotte Florack positiv hervor. Doch auch die übrigen Beiträge sind gut gelungen – mal romantisch, mal dramatisch, mal mit Happy End, mal ohne. Ein wenig schade ist, dass die lesbischen Kurzgeschichten sehr dramatisch und blutig sind und durchweg kein positives Ende nehmen. Es wäre schön gewesen, wenn es hier ein positiveres Signal gegeben hätte.

Stilistisch bietet sich dem Leser ein ebenso bunter Mix, wie inhaltlich – was auch dazu führt, dass man mitunter schwer in die einzelnen Kurzgeschichten eintauchen kann. So kann es auch sein, dass man sich mit einer Perspektive auseinandersetzen muss, die einem gar nicht zusagt oder mit der man Schwierigkeiten hat. Auch mag nicht jedem gefallen, dass es sich bei einigen Geschichten um Spin-Offs, Pre-/Sequels zu bereits erschienenen Büchern handelt. An dieser Stelle muss aber betont werden, dass die Beiträge separat gelesen werden können und man kein Vorwissen mitbringen muss, um die Handlung zu verstehen.

Fazit:
„Die andere Seite des Regenbogens“ ist eine gelungene Anthologie mit kleinen Schwächen, gerade hinsichtlich der Ausgeglichenheit der Beiträge. So bunt gemischt und unterschiedlich die Beiträge auch sind, es mangelt dennoch an Abwechslung innerhalb des queeren Spektrums. Die schwulen Charaktere überwiegen stark, was schade ist, wenn man bedenkt, dass alle Facetten abgebildet werden sollen. Wen das nicht stört, der bekommt einen guten Mix in allen Richtungen: man hat bekannte Autor*innen und Neulinge dabei; Fantasy, Drama und Liebesgeschichten; und verschiedene Stilrichtungen. Wer es bunt mag, dem wird „Die andere Seite des Regenbogens“ auf jeden Fall gefallen …

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Marek - Ein Zuhause finden

J. Walther
E-Buch Text: 100 Seiten
Erschienen bei HJW, 19.01.2018
ISBN B0791LJGLN
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Mareks Leben besteht daraus umherzuziehen und alte Häuser und Gebäude in Stand zu setzen. So lange ihn ein Objekt interessiert, ist er mit Eifer dabei, die kleinen Details und Besonderheiten der Gebäude herauszuarbeiten. Dabei arbeitet er allein, bis ihm eines Tages der Besitzer einer Villa den Innenarchitekten Tomek vor die Nase setzt. Zunächst ist Marek überhaupt nicht begeistert, doch schnell wird klar, dass sie beide auf einer Wellenlänge liegen und sich etwas zwischen den beiden mehr entspinnt. Für Marek bedeuten das Veränderungen, denn bisher ist er vor Beziehungen immer davongelaufen …

Eigene Meinung:
„Marek – Ein Zuhause finden“ ist ein Spin-Off von Jana Walthers Debüt „Benjamins Gärten“ und gehört zu den Romanen und Kurzromanen, die sich um Benjamin und dessen Freunde und Bekannte drehen. Mit dem vorliegenden Kurzroman greift die Autorin die Geschichte von Marek auf, der in den Büchern zumeist eine Nebenrolle hatte und den man in „Benjamins Gärten“ nur bedingt positiv in Erinnerung hatte.

Der Kurzroman umfasst gerade einmal 110 Seiten und war ursprünglich als Kurzgeschichte geplant – dementsprechend schnell schreitet die Handlung gerade am Anfang der Geschichte voran. Die beiden Männer lernen sich kennen und sich schon kurz darauf los miteinander verbandelt. Auch Mareks plötzliche Reise nach Mallorca, weil Tomek dort ein neues Objekt hat, wirkt ein wenig hastig, doch wer Jana Walthers Bücher kennt, weiß, dass sie einen schnörkellosen, direkten Weg bevorzugt und sich nicht mit zu viel Vorgeplänkel aufhält. Umso schöner und ausführlicher sind dafür die Landschaftsbeschreibungen Mallorcas und die wachsende Beziehung der beiden Männer. An diesem Punkt hat man das Gefühl, dass die Autorin in der Geschichte angekommen ist und den Figuren mehr Raum zum Entfalten gibt – sie lässt sich Zeit, gestattet den Figuren mehr Luft zum Atmen und streut auch ein paar Probleme ein, damit sich die Geschichte und die Figuren weiterentwickeln. Wer es zudem erotischer mag, wird bei „Marek – Ein Zuhause finden“ ebenfalls auf seine Kosten kommen, ebenso Leser, die auf ein Wiedersehen mit altbekannten Charakteren hoffen. So haben Benjamin, David und Anna einen kurzen Auftritt, ebenso werden Christoph und Phillip am Rande erwähnt. Für den Leser ist es schön, dass man ihnen noch einmal begegnet, wenngleich es auch ein Abschied ist, denn laut der Autorin sind keine weiteren Bücher in diesem Kontinuum geplant. Damit ist Mareks Geschichte leider die letzte Erzählung, die Jana Walther uns zu diesen Figuren schenkt.

Marek und Tomek sind angenehme, sehr sympathische Charaktere – hat man Marek in den Ereignissen in „Benjamins Gärten“ eher negativ in Erinnerung, kommt er in „Marek – Ein Zuhasue finden“ einen positiven Anstrich. An einigen Stellen wirkt er fast ein wenig unbedarft und sprunghaft, und scheint nur wenig mit dem in sich gefestigten Mann gemein zu haben, den man in „Benjamins Gärten“ kennengelernt hat, doch das erklärt sich im Laufe der Geschichte. Tomek ist ein perfekter Gegenpol zu Marek – sie haben dieselben Interessen und passen gut zueinander.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Jana Walther hat einen sehr angenehmen, poetischen Stil, der ihre Bücher aus der breiten Masse heraushebt. Gerade die bildhaften Beschreibungen sind wundervoll und lassen Mallorca und die Gebäude für den Leser lebendig werden. Auch die Dialoge sind passend und vollkommen schnörkellos _ Marek und Tomek scheinen nur die Dinge zu sagen, die wirklich relevant sind. Wer klare, leise und unspektakuläre Geschichten mag, wird mit Jana Walthers Büchern nichts falsch machen – sie hat ein Händchen für authentische, realistische Figuren und Geschichten, die weder kitschig noch übertrieben dramatisch sind.

Fazit:
„Marek – Ein Zuhause finden“ ist eine wundervolle Ergänzung zu der Buchreihe, die Jana Walther um „Benjamins Gärten“ herum aufgebaut hat. Bis auf den Anfang der Geschichte, in dem die Handlung zu schnell voranschreitet, geht es eher ruhig und bedacht zur Sache, so dass man eine Menge Zeit hat, die Charaktere kennenzulernen und die wachsende Beziehung zwischen Marek und Tomek mitzuerleben. Wer Jana Walthers Stil mag und von den Charakteren um Benjamin und David nicht genug bekommen kann, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren und sich Mareks Geschichte nicht entgehen lassen. Doch auch für Neueinsteiger ist die sinnliche, gefühlvolle Erzählung geeignet – sie ist in sich abgeschlossen und kann auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Zu empfehlen.

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science fiction, aliens, space opera, kein kitsch, freunde

Blau

Annette Juretzki
E-Buch Text: 287 Seiten
Erschienen bei Traumtänzer-Verlag Lysander Schretzlmeier, 01.12.2017
ISBN 9783947031108
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Story:
Seitdem die Phantome vor 150 Jahren eine Spur der Vernichtung durch die Galaxis gezogen haben und danach verschwunden sind, bereiten sich die verschiedenen Rassen und Lebensformen auf eine erneute Invasion vor. Dazu gehört auch rare Informationen über den Feind zu sammeln, denn es ist nur wenig über die Phantome und ihre Technologie bekannt. Als Söldner unter der Führung von Jonas Brand den rückständigen Planeten Vissa aufspüren, finden sie nicht nur alte Technologie der Phantome, sondern auch Menschen, die diese als Götter anbeten. Der junge Vissaner Xenen versucht die nahende Katastrophe zwischen den Söldnern und seiner Familie abzuwenden und findet sich nach einigen Zwischenfällen und Missverständnissen schwerverletzt an Bord von Jonas‘ Raumschiff wieder. Dort lernt er nicht nur die unterschiedlichsten Rassen des Universums kennen (denn die Mannschaft ist ein wild zusammengewürfelter Haufen), sondern auch den Ghitaner Zeyn, der sich Xenen gegenüber vollkommen anders verhält, als die übrigen Mannschaftsmitglieder. Schon bald steht er zwischen den beiden ungleichen Männern, denn er entwickelt zu beiden Gefühle. Und als wäre das nicht genug gibt es an Bord einen Verräter, der es auf Xenens Leben abgesehen hat und alles daran setzt die Geheimnisse der Phantome zu schützen. Die ungleiche Gruppe stolpert von einem Desaster ins nächste, entdeckte dabei aber auch die unglaublichen Wahrheiten und Hintergründe der Phantome, der Kriege und der Rassen selbst …

Eigene Meinung:
Die beiden Bücher „Blind“ und Blau“ stammen aus der Feder Annette Juretzkis und erschienen 2017 im Traumtänzer Verlag. Im Grunde handelt es sich bei den Romanen um ein knapp 900 Seiten starkes Buch, das den Titel „Sternenbrand“ trägt und aufgrund des Umfangs gesplittet wurde. Da die Handlung kontinuierlich fortgesetzt wird, müssen die beiden Bücher auf jeden Fall der Reihe nach, am besten am Stück gelesen werden.

Die Geschichte ist spannend und unheimlich komplex – Annette Juretzki hat eine komplett logische, in sich schlüssige Handlung entwickelt, die von Anfang bis Ende ineinandergreift. Jedes kleine Detail wird erklärt, teilweise auch hunderte Seiten später, was davon zeugt, wie gut durchdacht „Sternenbrand“ ist. Das betrifft sowohl das Raumschiff und die Rassen, als auch die technischen, mathematischen und medizinischen Details. Die Autorin hat sich auf jeden Fall Gedanken gemacht und viel Zeit in die Entwicklung der Geschichte gesteckt. Das Ergebnis ist eine überaus komplexe Hintergrundhandlung inklusive diverser Nebenplots, die den Leser zunehmend in den Bann ziehen. Es ist faszinierend, wie die einzelnen Szenen ineinandergreifen und nach und nach die Geheimnisse der Figuren und der Hintergründe enthüllen. So hält sich ein kontinuierlich hoher Spannungsbogen, denn es wird niemals langweilig. Ganz gleich ob sich Jonas Brand und Zeyn in den Haaren liegen, da sie an Dinge vollkommen unterschiedlich herangehen, der naive, gutgläubige Xenen das Raumschiff und die Geheimnisse des Universums erforscht oder sich die Mannschaft aufgrund ihrer Unterschiede bekämpfen – es greift alles wie ein Zahnrad ineinander, so dass ein Ereignis in das nächste mündet. Annette Juretzki hat auf jeden Fall einen faszinierenden, fesselnden Sci-Fi-Roman erschaffen, der Fans des Genres auf jeden Fall überzeugen wird. Die homoerotische Komponente hält sich stark im Hintergrund – der Fokus liegt deutlich auf der Entwicklung der Charaktere und dem Voranschreiten der Handlung. Das ist ein weiterer Pluspunkt, denn stark romantisierte, erotische Szenen hätten nicht gepasst.

Ein weiterer Pluspunkt sind die gut ausgearbeiteten, in sich schlüssigen Charaktere. Die Autorin hat ein Händchen für authentische, logische Charaktere, die die Handlung auf ihre Art vorantreiben. Dabei verzichtet sie darauf, die Figuren zu Verbiegen, sondern arbeitet gezielt die jeweiligen Stärken und Schwächen heraus und nutzt diese um die Geschichte voranzutreiben. Dabei entwickelt sie faszinierende, einzigartige Geschöpfe, wie die Ghitaner, ein wildes, kriegerisches Volk mit stark gefurchter, fast steinartiger Haut, der auch Zeyn angehört. Mit seinem temperamentvollen, teilweise aber auch zerstörerischen Naturell ist er fast das komplette Gegenteil zu Xenen, der zwar neugierig, aber gleichermaßen friedlich gesinnt ist. Jonas Brand wiederrum mag der Kapitän der Keora sein, doch er ist ein Frischling, was hin und wieder zu Fehlentscheidungen führt. Dennoch sind seine Handlungen logisch und wirken nie unnatürlich.
Auch die Nebencharaktere können überzeugen und haben Tiefgang, obwohl man nur wenig über deren Vergangenheit erfährt. Sie tragen alle etwas zur Handlung bei und sind für die Weiterentwicklung wichtig.

Stilistisch legt Annette Juretzki ein beeindruckendes, gut geschriebenes Debüt vor, das durch tolle Beschreibungen, spannende Dialoge und eine hervorragende Recherche besticht. Seien es die medizinischen Besonderheiten der Rassen, die mathematischen Zusammenfassung der Technik und die Darstellung der unterschiedlichen Wesen – die Autorin schafft es den Leser zu fesseln und mit jeder Seite mehr an die Handlung zu binden. Einzig die Actionszenen wirken manchmal ein wenig unübersichtlich, was dafür sorgt, dass man sie mitunter ein wenig schwerer nachvollziehen kann. Das hemmt das Lesevergnügen allerdings nicht – man taucht problemfrei in die Welt von Xenen, Zeyn und Jonas (aus deren Sicht die Geschichte abwechselnd erzählt wird) ein und kann die Bücher wahrlich nicht aus der Hand legen. So fragt man sich am Ende wie es weitergeht, denn es ist Potenzial für mehr da. Bleibt zu hoffen, dass Annette Juretzki die Abenteuer der Keora irgendwann fortführt und man erneut Zeit mit den liebgewonnenen Charakteren verbringen kann.

Fazit:
Die beiden Romane von „Sternenbrand“ erzählen eine tolle, faszinierende und komplexe Science-Fiction-Geschichte, die durch Logik, Spannung und einzigartige Charaktere besticht. Annette Juretzkis solider Stil passt wunderbar zu der in sich logischen Handlung und den verschiedenen, vielschichtigen Figuren, denn es gelingt ihr jedem von ihnen eine eigene Stimme zu verleihen und die unterschiedlichen Persönlichkeiten nicht zu verbiegen. Wer auf der Suche nach queerer Sci-Fi ist, sollte bei „Blind“ und Blau“ auf jeden Fall zuschlagen – die Bücher sind einfach nur empfehlenswert.

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fantasy, krimi, liebesroman, phantastisch, skurril

BRÏN

Sameena Jehanzeb
Flexibler Einband: 428 Seiten
Erschienen bei Butze Verlag, 15.08.2017
ISBN 9783940611574
Genre: Fantasy

Rezension:

Story:
Die Edana, das Oberhaupt der Welt BRÏN wird bei einem Besuch auf der Erde (Terra) ermordet. Für ihre getreue Shi Kamika, Wächterin der Winde auf BRÏN, kommt der Tod der Frau einer Katastrophe gleich. Auch für die übrigen Shi und die Bevölkerung der magischen Welt BRÏN ist der Tod ihrer Edana eine Katastrophe, denn nur sie ist in der Lage das Schutzschild um den Planeten zu erneuern und die Welt vor den schattenhaften Skrae zu schützen. Glücklicherweise scheint die Macht der Edana bereits zu der hochnäsigen, arroganten Sofia übergegangen zu sein, ein einfaches, terranisches Zimmermädchen, das die Edana als Letzte lebend gesehen hat – jetzt gilt es, das Mädchen auf ihre Aufgabe vorzubereiten.
Um BRÏN zu schützen werden alle Portale zur Erde geschlossen – dennoch kommt Juno noch in die Welt der Edana und Shi, ebenso gelingt einem Mann der Übergang, der im 19. Jahrhundert für eine der schlimmste Mordserien verantwortlich ist. Während sich Juno auf BRÏN einlebt und sich mit Kamika anfreundet, beginnt eine grausame Mordserie, der vorwiegend gestrandete Terranerinnen zum Opfer fallen …

Eigene Meinung:
Mit „BRÏN“ legt Sameena Jehanzeb ihr Debüt vor, das 2017 im Butze Verlag erschien, der sich erstmals in das Fantasygenre vorwagt. Als Grafikdesignerin hat die Autorin den Buchumschlag gestaltet, der sehr gut die einzelnen Handlungselemente einfängt und einen Vorgeschmack auf den Inhalt gibt. Die Geschichten um BRÏN soll zudem in nächster Zeit fortgeführt werden, denn die Autorin plant weitere Romane, die in ihrer Welt spielen.

Der Einstieg in die Geschichte fällt nicht gerade leicht, da es zu Beginn sehr durcheinander geht und man eine Weile braucht um einen Überblick über die verschiedenen Figuren und die Erzählebenen zu bekommen. Auch BRÏN – eine Welt, die von Magie durchtränkt ist und gänzlich anders funktioniert als die Erde – und dessen Bewohner wirken am Anfang noch ein wenig fremd, so dass man braucht, um sich mit den Figuren und den Handlungsbögen zu identifizieren, was für einige Längen im ersten Teil des Buches sorgt. Doch spätestens ab der Hälfte hat man einen guten Überblick und kann sich auf die Geschichte konzentrieren, die ein Mix aus Fantasy, Romantik und Krimi ist, was mal gut ineinandergreift, mal weniger gut. Nicht jedem mag die Einflechtung von Jack the Ripper gefallen – gerade denjenigen, die sich intensiv mit dem Serienmörder beschäftigt haben, könnten die Erklärungen der Autorin negativ auffallen. Darüber hinaus gibt es an einigen Stellen s kleinere und größere Logiklücken, die den Lesefluss hemmen, die zum Ende hin jedoch überwiegend aufgelöst werden und die gesamten Ereignisse in einem vollkommen anderen Licht präsentieren. Sameena Jehanzeb gelingt nämlich ein wahrlich genialer Dreh am Ende, der die Geschichte ungemein aufwertet und mit dem der Leser überhaupt nicht gerechnet hat. Ein paar Punkte bleiben zwar ungeklärt und damit auch in sich nicht vollständig schlüssig, doch darüber kann man hinwegsehen. Auch ist die Liebesgeschichte ein wenig vorhersehbar, denn es ist relativ schnell klar, in wen Juno sich verguckt, während sie sich in BRÏN einlebt. Angenehm ist jedoch, dass sich die Beziehung zwischen den beiden Frauen langsam entwickelt und nicht der Schwerpunkt der Geschichte ist – die anderen Handlungselemente stehen klar im Vordergrund.

Sameena Jehanzeb hat eine Vielzahl verschiedener Charaktere erschaffen, die durchaus lebendig und liebenswert sind. So kann man sich gut mit der sanften, offenen Juno anfreunden, ebenso mit der forschen, kämpferischen Kamika. Auch die übrigen Shi fallen positiv ins Gewicht und sind sehr sympathisch. Allerdings sind die guten wirklich auffallend gut, da sie alle im Grunde keine Makel aufweisen, was sie einfach zu perfekt macht. Im Gegenzug dazu scheint Sofia nur negative Charaktereigenschaften abbekommen zu haben – an ihr ist nichts Positives, so dass man ihr überhaupt keine Chance gibt. Diese extreme Schwarz/Weiß-Sicht mag nicht jedermanns Sache sein, da sie doch stark polarisiert und die Figuren unglaubwürdig macht – niemand ist nur gut oder nur böse.

Stilistisch legt Sameena Jehanzeb ein beeindruckendes, sprachgewandtes Debüt vor, da sie einen Hang zu ausufernden Beschreibungen hat, mit der sie ihre Fantasywelt beschreibt. Der Leser wird mittels wechselnder Perspektiven durch „BRÏN“ geführt – zumeist erlebt man die Ereignisse aus Kamikas oder Junos Sicht, aber auch Jack und Sofia kommen zu Wort.
Die Autorin wird manchmal ein bisschen zu ausführlich, was für Längen sorgt, doch insgesamt lässt sie das Buch gut lesen. Auch die Dialoge sind toll umgesetzt, ebenso die Actionszenen und auch die humoristischen Einlagen, denn die Autorin hat ein Gespür dafür. Dem gegenüber stehen die blutigen Mordszenen von Jack (die ebenfalls ausführlich beschrieben werden) – da hätte man auch abblenden können.

Fazit:
„BRÏN“ ist ein gelungener, lesbischer Fantasyroman, der den Leser in eine vollkommen andere Welt entführt und durch eine komplexe Handlung und einen schönen Schreibstil besticht. Die Geschichte ist manchmal etwas zu langatmig und unlogisch, auch die Schwarz/Weiß-Charaktere können nur bedingt überzeugen, doch die Wendung am Schluss entschädigt dafür. Wer ungewöhnliche Fantasy mag und zu Beginn ein wenig Durchhaltevermögen beweist, bekommt einen schönen Fantasyroman, der durchaus Lust auf mehr macht – vier schwache Sternchen von mir.

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