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Mord am Fluss: Bocquillons vierter Fall (Claude Bocquillon Reihe)

Laurent Bach
E-Buch Text: 279 Seiten
Erschienen bei neobooks, 20.07.2017
ISBN 9783742780614
Genre: Sonstiges

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Eine Ahnung von Pan

Jobst Mahrenholz
Flexibler Einband: 212 Seiten
Erschienen bei Dead Soft Verlag, 26.06.2017
ISBN 9783960891147
Genre: Romane

Rezension:

Story:
Für den Dänen Ingar bedeutet der Schritt für mehrere Monate an seinem Buch „Der steinerne Pfad“ zu schreiben, eine große Veränderung – statt der hektischen Hauptstadt Kopenhagen erwartet ihn das raue Leben und die abgeschiedene Ruhe eines Dorfes in den italienischen Bergen, wo er auch die Herkunft seines Vaters auskundschaften will. Er bezieht eine Wohnung bei Maria Carrisi, die von den meisten Menschen gemieden wird und lernt ihren Enkel Zino kennen, der als wortkargen Einsiedler in einer Hütte lebt, sich um die Ziegen kümmert und Käse herstellt. Über sein Buch knüpft er schließlich Kontakt zu Zino, der mit der Zeit ein reges Interesse an Ingars Geschichte entwickelt und gerade der Romanfigur Lasse Leben einhaucht. Schon bald entwickelt sich zwischen den beiden ungleichen Männern mehr, doch Ingar hat Probleme sich gänzlich auf Zino einzustellen, denn er weiß, dass er irgendwann in seine Heimat zurückkehren muss.

Eigene Meinung:
Jobst Mahrenholz legt mit „Eine Ahnung von Pan“ seinen neusten Roman vor, der wie die meisten seiner anderen Werke im deadsoft Verlag erschienen ist. Wie für den Autor typisch erwartet den Leser eine stimmungsvolle Reise nach Italien und eine Geschichte, die stark auf die drei Hauptfiguren fokussiert und deren Leben Stück um Stück aus der Bahn wirft.

Der Däne Ingar lässt sein bisheriges Leben hinter sich, um in Italien zur Ruhe zu kommen und sich an ein Buch zu setzen, das ihm seit einer Weile auf der Seele brennt. Bei der schroffen, aber geradlinigen Maria findet er ein passendes Zuhause für knapp acht Monate, um zum einen an seinem Buch zu schreiben, zum anderen herauszufinden, wer sein Vater war, den er kaum kannte. In dieser Zeit lernt er auch Marias Enkel kennen – den wortkargen, humpelnden Zino, der schnell Einzug in seinen Roman findet und den er näher kennenlernt, als er beginnt dem Jungen sein Werk vorzulesen. Jobst Mahrenholz lässt sich viel Zeit die beiden ungleichen Männer zusammenzuführen – Ingar, der nur schwer in der Lage ist, Gefühle zu zeigen, und Zino, dessen Vergangenheit schwer auf seiner Seele lastet und ihn zu einem Einsiedler hat werden lassen. Es dauert, bis sie sich aufeinander einlassen und gerade Zino Vertrauen fasst und mehr von sich erzählt. Gleichzeitig erweckt er sein literarisches Pendant erst zum Leben, denn er gibt die passenden Impulse um Lasse aus „Der steinerne Pfad“ mit Leben zu füllen. Doch das Glück währt nur kurz, als Maria herausfindet, was sich zwischen Ingar und Zino abspielt und den jungen Autor zu einer Rückkehr nach Dänemark zwingt. Dort beendet er nicht nur sein Buch mit einem Knalleffekt, er sorgt ungewollt auch dafür, dass Zino eine Entscheidung trifft, die nicht nur Maria, sondern auch Ingar beeinflusst und das Leben aller drei auf den Kopf stellt. Dass der Autor zum Ende hektischer wird und gerade in den letzten Kapiteln viele Dinge auf einmal passieren, passt durchaus zur Geschichte, denn es spiegelt das Umdenken der Figuren wieder. Allerdings könnte es einigen doch ein wenig zu schnell gehen, zumal die Szenen bewusst kurz gehalten sind und Jobst Mahrenholz am Ende bewusst nicht alle offenen Fäden zu einem Ende bringt.

Wie nicht anders von Jobst Mahrenholz gewohnt, sind die Charaktere sehr authentisch und greifbar – sowohl Ingar, als auch Zino und Maria sind sehr realistische Figuren mit Ecken und Kanten. Sie reiben sich aneinander auf, ergänzen sich und müssen sich alle eingestehen Fehler gemacht zu haben, die nicht nur sie, sondern auch ihre Umwelt verändert haben. Ingar, der nicht in der Lage ist, Gefühle zu zeigen und sich lieber verschließt, anstatt eine Sache bis zum Ende durchzusetzen, ist kein typischer Held und auch nicht immer sympathisch. Er hat die Tendenz andere auszunutzen und braucht lange, um sich den Konsequenzen zu stellen und sein gesamtes Herz in eine Sache zu investieren. Zino wiederrum ist trotz seiner Ruhe und Schroffheit eine schillernde, gefühlsbetonte Persönlichkeit, die viel Zeit braucht, um aufzutauen und sich gegenüber anderen zu öffnen. Er ist ein bisschen der Motor des Romans, da er nicht nur Ingar und dessen Geschichte antreibt, sondern auch mit seinen Entscheidungen dafür sorgt, die gespannte Atmosphäre zum Kippen zu bringen.
Zu guter Letzt ist auch Maria eine der zentralen Hauptfiguren, die zwangsweise Teil der Ereignisse wird und selbst für viele Dinge die Verantwortung trägt. Auch sie trägt einige dunkle Facetten in sich, die erst mit der Zeit ans Licht kommen. Sie ist auf jeden Fall eine faszinierende, starke Frau, deren Leben mindestens so interessant ist wie das von Zino.

Stilistisch legt Jobst Mahrenholz ein gewohnt intensives, sehr stimmungsvolles Buch vor, bei dem jedes Wort und jeder Satz passt. Man hat das Gefühl jede Silbe wurde präzise ausgewählt, um das Buch sprachlich auf ein sehr hohes Niveau zu heben. Gerade Zinos Sätze und Antworten haben eine solche Wucht und Aussagekraft, dass sie lange nachhängen. Die Wortwechsel zwischen ihm und Ingar sind das Highlight des Buches, da sie unheimlich viel Dynamik haben und dem Leser die beiden Figuren ans Herz wachsen lassen. Der Autor hat auf jeden Fall etwas Besonderes geschaffen, nicht nur durch das Buch im Buch – die Figuren und ihre Dialoge untereinander sind unheimlich intensiv, ebenso die Beschreibungen der italienischen Berge und die des einfachen, ruhigen Lebens dort.

Fazit:
„Eine Ahnung von Pan“ ist ein wundervolles, stilistisch beeindruckendes Buch, das durch seine wunderbaren, sehr authentischen Figuren und eine angenehm leichten, langsamen Geschichte beeindruckt. Jobst Mahrenholz geht es nicht darum, zwei Männer zusammen zu bringen und ihnen ein Happy End zu ermöglichen, sondern darum, die Geschichte dreier grundverschiedener Figuren zu erzählen und sie auf behutsame Art und Weise weiterzuentwickeln. Wer Jobst Mahrenholz‘ Werke schätzt, wird auch an seinem neuen Buch nicht vorbeikommen – es lohnt sich und zeigt einmal mehr, wie wandlungsfähig und stilistisch sicher der Autor ist. Unbedingt lesen!

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Ein einziger Kuss

Levia Ortega
E-Buch Text: 276 Seiten
Erschienen bei null, 07.03.2016
ISBN B01CPZ83RO
Genre: Sonstiges

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Ein Strandhaus für zwei: Sandherzen I

Leann Porter
E-Buch Text: 141 Seiten
Erschienen bei null, 06.04.2017
ISBN B06Y47HRVX
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Von seinem Freund Lennert vor die Tür gesetzt, flüchtet sich Silas in das Strandhaus seines Kumpels Val, der mit seinem Partner für mehrere Wochen in Irland ist. Dort hofft er zur Ruhe zu kommen und sich von der harschen Trennung erholen zu können. Zu seinem Pech ist das pinke Strandhaus bereits an Daniel vermietet, einen Schriftsteller, der an seinem nächsten Thriller arbeitet. Dieser ist nicht nur trainiert und gutaussehend, er ist auch überhaupt nicht glücklich, dass er das Haus teilen muss. Trotz alledem kommen sich die beiden näher, bis plötzlich Daniels Sexbekannter Emilio vor der Tür steht und zu allem Überfluss auch noch Lennert auftaucht und Silas zurückgewinnen will …

Eigene Meinung:
Der lockerleichte Kurzroman „Ein Strandhaus für Zwei“ ist der erste Teil der „Sandherzen“-Reihe von Leann Porter. Die Autorin hat bereits mehrere Romane im Gay-Genre veröffentlicht, u.a. „Die Fährte der Wandler“, „Die Sturmfalken von Olbian“ und „Fleckenteufel & Drachentöter“ im deadsoft Verlag, aber auch den Kurzroman „Cooler als Caipirinha“ im Eigenverlag. Darüber hinaus ist sie mit einem anderen Pseudonym auch im (Hetero-)Liebesroman-Genre unterwegs.

Die Geschichte spielt an einem idyllischen Strand irgendwo in Deutschland und führt zwei vollkommen unterschiedliche Charaktere zusammen – den tollpatschigen Silas, der aufgrund seiner etwas molligen Figur Komplexe hat und eher mit Tieren umgehen kann, denn mit Menschen, und den durchtrainierten, aber liebenswerten Daniel, der seinen neuen Roman dringend beenden muss und sich in dem Haus die nötige Ruhe erhofft. Zu Beginn hat letzterer Probleme damit, Silas ein Dach über dem Kopf anzubieten, doch schnell kommen sich die beiden näher, denn sowohl Silas als auch Daniel sind am jeweils anderen interessiert. Wie die Handlung weitergeht ist im Grunde klar, denn das die beiden Männer auf die ein oder andere Art aneinander hängenbleiben, ist logisch. Dass mit Emilio und Lennert noch ein wenig zusätzlicher Zündstoff in die turbulente Geschichte findet, kann zumindest teilweise überraschen. Nichtsdestotrotz bleibt Leann Porter den Möglichkeiten des Gay Romance Genres treu und bietet einen unterhaltsamen Kurzroman, in den man schnell eintaucht und den man binnen weniger Stunden ausgelesen hat.

Ein großer Pluspunkt sind die liebenswerten Charaktere. Silas tollpatschige und unsichere Art schließt man ebenso schnell ins Herz, wie Daniel, der hin und her gerissen ist. Beide harmonieren toll miteinander und man fiebert förmlich mit, wenn die beiden zumindest kurzzeitig zusammenfinden. Schön ist auch, dass sich beide Hauptfiguren trotz der Kürze der Geschichte weiterentwickeln und einen Schritt nach vorn machen – gerade Silas wird selbstbewusster und geht gestärkt aus der Sache hervor.
Sympathisch ist auch Emilio, trotz seiner großen Klappe und der spitzen Kommentare. Über ihn würde man gerne mehr erfahren, denn er bietet Potenzial für eine eigene Geschichte. Im Vergleich dazu kann Lennert fast nur negative Punkte sammeln.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Leann Porter hat einen sehr schönen, sicheren Stil. Man merkt, dass sie eine versierte Autorin ist, die bereits mehrere Bücher veröffentlich hat. So sind sowohl die Beschreibungen, als auch die wechselnden Perspektiven zwischen Silas und Daniel stimmig. Auch die Dialoge können überzeugen, ebenso das erotische Intermezzo, das weder langatmig noch langweilig ist. Die Autorin versteht es zudem die Gefühle der beiden Hauptfiguren zu Papier zu bringen und dafür zu sorgen, dass der Leser Daniel und Silas stets nah ist und sie voll und ganz verstehen kann.

Fazit:
„Ein Strandhaus für Zwei“ ist ein wundervoller, stimmiger Kurzroman – perfekt für Zwischendurch. Der Leser ist immer nah bei den Charakteren, lernt ihre Gedanken und Gefühle kennen und fiebert mit ihnen dem Happy-End entgegen. Die Geschichte mag zwar ein wenig klischeehaft sein, doch das stört nur bedingt – Leann Porter weiß stilistisch zu fesseln und kennt die Zutaten für eine perfekte, kleine Urlaubslektüre. Wer lockerleichte Liebesgeschichten sucht oder den Stil der Autorin mag, sollte sich den ersten Teil von „Sandherzen“ nicht entgehen lassen. Zu empfehlen.

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We could be heroes

Laura Kuhn
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.03.2017
ISBN 9783551316912
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Seitdem Lou für ihre beste Freundin Natalie mehr als Freundschaft empfindet, ist ihr Leben das reinste Chaos. Ihre Versuche es zu verstecken, enden schließlich in einem alkoholgeschwängerten Kuss mitten auf der Tanzfläche einer Party. Erschrocken über ihre eigene Courage stimmt Lou kurz darauf dem Vorschlag ihres Vaters zu, einen Bauernhof zu kaufen und aufs Land zu ziehen. Dort hofft sie zur Ruhe zu kommen, trifft aber in ihrer neuen Schule auf die schüchterne Elia, in die sie sich auf den ersten Blick verliebt. Als sie herausfindet, dass ihr Bruder Tom dem Mädchen Nachhilfe gibt, scheint alles perfekt, um sie nach und nach kennenzulernen. Doch auch Tom verliebt sich in Elia und plötzlich fühlt sich Lou in einer Zwickmühle gefangen – sie will Elia, gleichzeitig aber auch ihren Bruder nicht verlieren …

Eigene Meinung:
Mit „We could be heroes“ legt die Autorin Laura Kuhn ihr Debüt vor. Das lesbische Jugendbuch belegte beim großen Autorenwettbewerb von Tolino Media und Carlsen Impress den ersten Platz und erschien im März 2017 im Print und eBook. Laut der Autorin ist das Buch leicht autobiografisch, da viele Szenen von ihrem eigenen Leben inspiriert sind. Von der Grundidee und dem inhaltlichen Rahmen her erinnert „We could be heroes“ stark an Anne Freytags „Den Mund voll ungesagter Dinge“.

Es braucht lange, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt und mehr passiert, als der ewig gleichförmig laufende Alltag eines Teenagers. Das mag natürlich realistisch und authentisch sein, sorgt jedoch dafür, dass sich der Anfang unheimlich in die Länge zieht, zumal Lou jemand ist, die sich treiben lässt und lieber wegläuft als sich Problemen zu stellen. Der Kauf des Bauernhofes ist zu Beginn noch das spannendste, ebenso der Umzug aufs Land – wenngleich es ein wenig seltsam ist, dass sowohl Tom als auch Lou gar keine Probleme damit haben, sich dort einzuleben. Beide nehmen die Änderungen in ihrem Leben fast schon gleichgültig hin, als sei es nichts Besonderes ihren Freundeskreis zu verlassen und irgendwo neu anzufangen. Irgendwie fehlt insgesamt der Tiefgang – auch bei Lous Familie. Ihr Vater wirkt eher wie ein Statist, der lediglich als Auslöser für den Umzug da ist, sich ansonsten aber kaum blicken lässt, Tom ist zwar wichtig, aber man kann sich ihn nur schwer vorstellen, da er zu perfekt ist. Er scheint keine Fehler zu haben, was mit der Zeit ein wenig nervt. Alles in allem hätte man aus der Geschichte mehr herausholen können, denn im Grunde passiert nicht mehr, außer einem Umzug und Lous erster großen Liebe, vor der sie die meiste Zeit davonläuft. Themen wir Coming-Out und sonstige Probleme werden nur ganz am Rande angesprochen und fallen nicht stärker ins Gewicht.

Die Charaktere sind realistisch und sehr authentisch – ganz besonders Lous Gedanken und Gefühle kann man nachvollziehen, wenngleich sie kein großer Sympathieträger ist. Sie mag zwar eher inaktiv sein und vor ihren Problemen davonlaufen, doch sie spiegelt die aktuelle Jugend sehr gut wieder. Im Gegenzug zu ihr ist Tom der totale Sonnyboy und den Augen seiner Schwester perfekt in allem was er tut. Mit der Zeit ist das jedoch ein wenig nervend, da er keine Fehler zu haben scheint. Elia kommt ein wenig blass daher, da man ihre Gedanken nur aus einigen seltsamen Einschüben kennt und sie nur selten zum Tragen kommt (was auch daran liegt, dass Lou ihr irgendwann aus dem Weg geht). Mit Ausnahme der Zwillinge Bianka und Tina, mit denen sich Lou in ihrer neuen Schule anfreundet (die beiden sind toll in Szene gesetzt!), bleiben die restlichen Charakter ungeheuer blass. Der Vater der Geschwister kommt kaum zum Tragen, andere Schüler und Lehrer noch weniger. Man erfährt kaum etwas über andere, weil Lou einerlei Interesse für andere zeigt.

Stilistisch ist „We could be heroes“ gelungen – Laura Kuhn hat einen lockerleichten, sehr authentischen Stil, der gut die heutige Jugend widerspiegelt. Er ist direkt und unverblümt, verzichtet auf viele Dialoge (was mitunter störend ist, da viele Gespräche zusammengefasst werden), und ausufernde Beschreibungen. Stattdessen wird vieles zusammengefasst und eher inaktiv dargestellt. Ganz besonders fällt das auf, als Lou und Elia eine Woche lang gemeinsam putzen – bis auf das Anfangsgespräch sind alle Dialoge nur zusammengefasst, was schade ist, denn dabei lernen sich die beiden überhaupt erst kennen.
Ein wenig verwirrend und nutzlos sind die kurzen Einschübe, die immer wieder Lous Geschichte unterbrechen und am Anfang wenig Sinn ergeben. Dass es Passagen aus Elias Sicht sind, wird zwar später klar, vieles wird jedoch nicht erklärt – gerade einige Punkte aus den ersten Einschüben. Das ist schade, denn im Grunde hätte man dieses Stilmittel auch weglassen können, ohne, dass man etwas verpasst. Es pumpt das Buch unnötig auf.

Fazit:

„We could be heroes“ ist ein leichter, sommerlicher, lesbischer Jugendroman für Zwischendurch, der nur bedingt überzeugen und mitreißen kann. Die Grundidee ist nicht schlecht, die Authentizität rettet die Geschichte an vielen Stellen, doch ansonsten plätschert die Handlung zu lange einfach vor sich hin ohne zum Punkt zu kommen. Lou ist nicht unbedingt eine starke Identifikationsfigur, doch sie ist und bleibt realistisch. Laura Kuhn kann auf jeden Fall schreiben und man kann gespannt sein, was die Autorin als nächstes liefert – hoffentlich wird es in ihren Büchern weiterhin queere Charaktere geben. Für ein Debüt ist „We could be heroes“ auf jeden Fall nicht schlecht, doch insgesamthätte man einfach mehr aus der Geschichte herausholen können …

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Sunset Park (Deutsch) (Fünf Stadtbezirke 2)

Santino Hassell
E-Buch Text: 276 Seiten
Erschienen bei Dreamspinner Press, 21.03.2017
ISBN 9781635337365
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Nachdem Nunzio und Michael nach etlichen Jahren endlich zusammengefunden haben, steht der nächste Schritt bevor – die beiden wollen zusammenziehen, was die Vermietung des elterlichen Hauses bedeutet. Für Michaels Bruder Raymond kommt das alles vollkommen unerwartet. Nicht nur hat er grad seinen Job in den Docks verloren, er will sich nicht nach einer Wohnung umsehen, die er allein nicht finanzieren kann. Glücklicherweise schlägt der schwule David vor, eine WG zu gründen, da er sich von seinem Freund getrennt hat und sowieso auf der Suche nach einer neuen Bleibe ist. Tatsächlich finden die beiden etwas, doch aus der reinen WG-Beziehung wird schnell mehr, als Raymond erstmals seine bisexuelle Neugier befriedigen will und David, der schon lange ein Auge auf Ray geworfen hat, sich bereit erklärt für Experimente zur Verfügung zu stehen …

Eigene Meinung:
Der Roman „Sunset Park“ ist der zweite Teil der „Five Boroughs“-Reihe von Santino Hassell und erschien im Dreamspinner Press Verlag. Während sich „Sutphin Boulevard“ dem älteren Bruder Michael annahm und seine Alkoholprobleme und die verkorkste Beziehung zu Nunzio thematisierte, setzt „Sunset Park“ Raymond ins Zentrum. Die Reihe hat inzwischen fünf Bände, Teil 1 bis 3 erschien bei Dreamspinner Press, ab Band 4 liegen die Bücher bei Riptide Publishing vor.


Die Geschichte dreht sich um Raymond und David, die unterschiedlicher nicht sein könnten – Raymond lebt in den Tag hinein, hängt am liebsten vor der Konsole, kifft und hat keine Ahnung, was er mit seinem Leben anfangen will. David ist Lehrer und Teamleiter an einer Schule und hat sich mal wieder von seinem Freund Caleb getrennt, der ihm zwar finanzielle und soziale Sicherheiten bietet, ihn aber einfach nicht glücklich macht. Als die beiden zusammenziehen, entwickelt sich schnell mehr aus ihrer Freundschaft, denn sowohl Raymond, als auch David sind an mehr interessiert. Für Raymond sind es die ersten Versuche mit einem Mann, hat er bisher doch seine bisexuelle Ader kaum ausgelebt, da es einfacher war, Frauen ins Bett zu kriegen. Zwischen den beiden entspinnt sich eine explosive Beziehung, die durch ein ewiges Auf und Ab gekennzeichnet ist, denn beide haben ihre Sorgen und Zweifel, ob es klug ist, den nächsten Schritt zu gehen.
Inhaltlich kommt „Sunset Park“ nicht ganz an den ersten Teil heran, da bei „Sutphin Boulevard“ die Thematik Alkoholismus und Entzug viel Raum eingenommen hat und auf eine sehr spannende Weise umgesetzt wurde. Nichtsdestotrotz ist auch die Fortsetzung spannend und liest sich schnell weg. Sehr schön ist einmal mehr der Einbau verschiedener Kulturen, gerade Raymonds puerto-ricanische Wurzeln sind sehr authentisch und nachvollziehbar dargestellt. Es ist toll Romane zu lesen, die durch untypische Figuren bestechen und die nicht dem bekannten Schema entsprechen.

Die Charaktere sind allesamt sehr authentisch und lebendig in Szene gesetzt – Raymond ist auf seine Art sympathisch, auch wenn man ihm hin und wieder in den Hintern treten will, da er den Hang hat schnell aufzugeben und sich treiben zu lassen. Zudem nimmt er kein Blatt vor den Mund, kennt keine Scham und ist entwaffnend offen. David auf der anderen Seite ist hin und hergerissen zwischen Raymond und seinem Ex Caleb. Mitunter springt er fast zu oft hin und her, doch auch ihn kann man verstehen – er will keine Fehler mehr machen und eine finale Entscheidung abwägen, bevor er sich in eine neue Beziehung stürzt.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Santino Hassell hat einen soliden, fesselnden Schreibstil, der sehr authentisch wirkt und sehr gut zu den erzählenden Charakteren, Raymond und David, passt. Er gibt den Figuren eine passende Stimme und lässt den Leser an den Gedanken und Gefühlen der beiden teilhaben. So kann man sich sowohl in Raymond, als auch in David hineinversetzen und erlebt die Ereignisse hautnah. Wie schon beim ersten Teil ist der Autor sehr direkt und explizit, was erotische Szenen anbelangt und nimmt, ähnlich wie Raymond, kein Blatt vor den Mund. Sehr gut gelungen sind auch die Beschreibungen der Stadt und der einzelnen Viertel, ebenso die kulturellen Gruppierungen, die allesamt ihr eigene Sprache haben. Die Atmosphäre passt einfach, was auch in der deutschen Übersetzung gelungen ist, die sich auf einem ähnlich hohen Niveau bewegt, wie die von „Sutphin Boulevard“. Bleibt zu hoffen, dass auch die folgenden Bücher ihren Weg nach Deutschland finden.

Fazit:
„Sunset Park“ ist eine gelungene Fortsetzung der „Five Boroughs“-Reihe und schließt nahtlos an „Sutphin Boulevard“ an, ohne die Geschichte um Michael und Nunzio direkt weiter zu erzählen. Die Figuren sind sympathisch, authentisch und in sich schlüssig, die Handlung zwar nicht so fesselnd, wie im ersten Band, doch durchweg unterhaltsam und mitreißend. Santino Hassell hat einen fesselnden Stil, der durch spanische Dialoge lebt und die Atmosphäre der Stadt und der Bewohner einfängt. Bleibt zu hoffen, dass es bald weitergeht. Unbedingt zu empfehlen.

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Wolfklinge - Die schwarze Kathedrale

Oliver Schwarz
E-Buch Text: 216 Seiten
Erschienen bei dead soft verlag, 30.05.2016
ISBN B01GE4HUBW
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Als der Wolfmann Thorun den jungen Magierschüler Falk vor einer öffentlichen Hinrichtung rettet und in Sicherheit bringt, ahnt er nicht, wie schnell er sich von diesem angezogen fühlt und in was für ein Chaos sie noch stolpern werden. Plötzliche Horden von Untoten fallen über die Stadt her und töten alles, was ihnen in den Weg kommt. Von einer sprechenden Krähe erfahren sie, dass die schwarze Kathedrale, die zwischen verschiedenen Dimensionen wandelt, auf dem Weg ist und ihre Welt in Schutt und Asche legen könnte. Laut Prophezeiung ist Thorun der Einzige ist, der das Unheil abwenden kann, denn die Kathedrale ist eng mit seinem Volk verbunden. Auch Falk entwickelt ungewöhnliche Kräfte, die für die Rettung der Welt unverzichtbar sind …

Eigene Meinung:
„Wolfklinge – Die schwarze Kathedrale“ ist das Debüt von Oliver Schwarz und spielt in einer Fantasy-Welt, in der auch zukünftige Bücher angesiedelt sein sollen. Der Roman erschien im deadsoft Verlag und zeichnet sich durch ein hohes Maß an flacher Erotik aus.

Die Geschichte ist leicht zusammengefasst: Zwei Männer, die den Untergang der Welt verhindern sollen, ohne dass sie dabei allzu oft darauf verzichten müssen, miteinander ins Bett zu steigen – was ihnen tatsächlich gelingt. Denn im Grunde machen Thorun und Falk fast nichts anderes! Da kann die Zombieapokalypse hereinbrechen und die Stadt mit Untoten füllen, die beiden finden doch noch irgendwo eine Möglichkeit um sich miteinander oder mit weiteren Männern zu vergnügen, ganz gleich ob sie gerade Zombies zerhackt haben oder auf der Flucht vor riesigen Monstern sind. Dass sie zu Beginn des Buches noch hetero waren und niemals auf die Idee gekommen sind, einen Mann interessant zu finden, spielt keine Rolle – urplötzlich finden sie jedes männliche Wesen toll, das ihren Weg kreuzt. Natürlich sind die anderen auch alle schwul (man fragt sich, ob es überhaupt Frauen gibt, oder wie sich die Menschen dieser Fantasywelt überhaupt fortpflanzen – Zellteilung vielleicht?) und machen begeistert beim nächsten flotten Dreier mit, denn die beiden Helden haben überhaupt kein Problem damit, sich den Partner zu teilen, wenn der andere Kerl gutaussehend und gut bestückt ist. Wahre Liebe macht das möglich – selbst wenn man sich gerade erst kennengelernt hat und man sich als Leser fragt, an welcher Stelle die beiden sich eigentlich ineinander verliebt haben. Extreme erotische Anziehung, okay, aber Liebe?
Zwischen all den zweifelhaft geschriebenen Sexszenen kommt dann die Rettung der Welt – auf eine denkbar undramatische und langweilige Art, dass man das Buch eigentlich nur noch frustriert in die Ecke werfen will. Zudem strotzt die Geschichte nur so vor Unlogik – Dinge, die gerade erklärt wurden, werden bereits zwei Seiten später anders dargestellt oder vollkommen negiert. Aber das ist im Grunde egal, denn die Handlung spielt bei den dauergeilen Hauptcharakteren eh keine Rolle mehr. Es ist schon bezeichnend und auf gewisser Weise bedauerlich, dass man durch das Glossar mehr von der Fantasywelt, den Riten und den Hintergründen erfährt, als durch das Lesen der Geschichte.

Die Figuren sind leider ebenfalls sehr flach und kaum verständlich. Im Grunde sind Thorun, Falk und alle männlichen Nebencharaktere nur an Sex interessiert, der Rest wird da schnell zur Nebensache. Selbst als die Zombies in die Stadt einfallen, während Thorun und Falk miteinander beschäftigt sind, findet Nils noch Zeit sich ihnen anzuschließen, bevor er sie vor der nahenden Gefahr warnt. Wirkliche Sympathien entwickelt man zu keinem Charakter – sie sind alle blass und unausgegoren, haben keinerlei Tiefgang und tragen wenig zur Handlung bei. Stattdessen lassen sie sich treiben und haben beim Weltuntergang nichts anderes im Kopf, als zu überlegen, wann und wo sie das nächste Mal miteinander ficken können.

Stilistisch hat der Autor noch etliche Kinderkrankheiten zu überwinden, ganz besonders Richtung Spannungsaufbau, Beschreibungen und Dialoge, denn im Grunde ist die gesamte Geschichte ungemein holprig geschrieben und vermag es nicht zu fesseln. Am schlimmsten sind die erotischen Szenen, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Solch platte, pornohafte Sexbeschreibungen kennt man normalerweise nur aus „Einhand-Büchern“ des Gmünder Verlags, die mit Begriffen wie „Prügel“, „Rute“ und „Lustsahne“ nur so um sich werfen.

Fazit:
„Wolfklinge – Die schwarze Kathedrale“ ist ein Buch, dass man im Grunde gar nicht empfehlen kann, denn es hapert an so ziemlich allem: einer fesselnden, logisch aufgebauten Geschichte, einer in sich schlüssigen Fantasywelt, aktiven, sympathischen Charakteren mit Stärken und Schwächen und einem ausgereiften Schreibstil. Stattdessen bekommt man Einhand-Lektüre in Reinform mit pornohaftem Sex und Figuren, die trotz Weltuntergang und Untotenattacke dauergeil sind. In Zusammenhang mit dem schlechten Stil und den unendlich vielen Sexszenen, kann ich „Wolfklinge“ leider nicht empfehlen – wer gut geschriebene schwule Fantasy sucht, sollte sich bei Autoren wie Chris P. Rolls, Raik Thorstad, C. S. Pacat, Lynn Flewelling und Tanja Meurer umsehen.

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lgbtqia, liebesroman, closer, outing, m/m

Closer: Mason & Jackson

Ina Taus
E-Buch Text
Erschienen bei Forever, 03.07.2017
ISBN 9783958182011
Genre: Liebesromane

Rezension:

Story:
Masons Leben ist perfekt – dank seines reichen Elternhauses lebt er ohne finanzielle Sorgen, auf seinen eingeschworenen Freundeskreis kann er sich immer verlassen und in Emily hat er seine große Liebe gefunden, mit der er bereits über die Zukunft nachdenkt. Das ändert sich als Jackson in die kleine Stadt zieht und Masons Gefühlswelt auf den Kopf stellt. Plötzlich ist er sich nicht mehr sicher, ob Emily wirklich die Richtige ist und ob er nicht auch auf Männer steht. Zu allem Überfluss erwidert Jackson Masons Gefühle und sorgt damit für ein Chaos, das Masons Freundeskreis erschüttert und etliche Änderungen mit sich bringt …

Eigene Meinung:
„Closer – Mason & Jackson“ stammt aus der Feder der Autorin Ina Taus, die sich mit diesem Roman erstmals in das Gay Romance Genre vorwagt. Ihr bisherigen Veröffentlichungen (#bandstories 1-3 erschienen bei Carlsen im.press) bewegen sich eher im Young Adult Genre und natürlich spielt auch darin die Liebe eine große Rolle.

Die Geschichte ist nicht unbedingt neu, jedoch sehr schön erzählt und aufgrund der vielen, wichtigen Nebenfiguren durchaus mal etwas anderes (auch wenn man zu Beginn Schwierigkeiten hat, die vielen Charaktere zu sortieren), denn Ina Taus beleuchtet nicht nur die Geschichte von Mason und Jackson, sondern nimmt sich auch Zeit für Masons (nicht gerade kleinen) Freundeskreis. Da man es mit Teenagern kurz vor ihrem Highschoolabschluss zu tun hat, sind Beziehungskrisen und Liebesprobleme vorprogrammiert und machen einen Großteil der Handlung aus. So ist Mason nicht der einzige, der an seinen neuen Gefühlen zu knabbern hat – auch dessen Freunde müssen sich mit Problemchen herumschlagen. Dennoch liegt der Fokus auf Mason, der sich Stück um Stück wandelt und schließlich von Emily löst, um sich mit seinen neuen Gefühlen für Jackson auseinander zu setzen. Ina Taus begegnet diesem Thema recht unspektakulär und verzichtet auf allzu viel Drama (auch im Bereich Coming-Out, was ganz angenehm ist) – Mason nimmt sein Interesse an Männer recht schnell hin und braucht recht wenig Zeit, um zu akzeptieren, dass er schwul oder bisexuell ist. Dieser Punkt geht dem ein oder anderen Leser vielleicht doch ein wenig schnell, denn irgendwie findet sich der Hauptcharakter zu schnell damit ab, doch nicht auf Frauen zu stehen. Auch sonst hat man das Gefühl, Mason geht sehr schnell sehr locker damit um, denn von seinem ersten Aufeinandertreffen mit Jackson bis hin zu seinem öffentlichen Coming-Out vergehen nur wenige Wochen.
Nichtsdestotrotz macht der Roman Spaß – er ist romantisch (aber nicht kitschig), witzig und bietet den Einblick in einen Freundeskreis, den kaum etwas auseinandertreiben kann. Angenehm ist auch, dass Ina Taus auf ausufernde, erotische Szenen verzichtet, die so gar nicht zur Atmosphäre der Geschichte gepasst hätten.

Die Figuren sind sehr sympathisch und gut nachvollziehbar. Gerade Mason und seine offene, lockere Art schließt man schnell ins Herz. Er ist ehrlich und loyal, steht zu seinen Freunden und versucht möglichst wenig Schaden anzurichten, als er erkennen muss, sich in Jackson zu verlieben. Natürlich gelingt ihm das nicht gänzlich, doch in Anbetracht der Umstände schlägt er sich wirklich gut. Jackson ist ebenfalls eine Figur, mit der man sich schnell identifizieren kann. Er ist witzig und charmant und man spürt beim Lesen, dass die Chemie zwischen ihm und Mason stimmt.
Die Nebenfiguren können ebenfalls überzeugen – Ina Taus beleuchtet sowohl die Mädchen, als auch die Jungs der Clique und widmet sich auch den Problemen der übrigen Pärchen. Es ist schön, dass sie nicht nur Mason und Jacksons Geschichte erzählt, sondern auch Emilys Weg fortsetzt und jeder Figur gerecht wird.

Stilistisch legt Ina Taus einen lockerleichten, flüssig geschriebenen Sommerroman vor, der vollkommen aus Masons Sicht geschrieben ist. Die Autorin hat ein Händchen für die Gedanken und Gefühle ihrer Figuren, Situationskomik und in sich stimmige Dialoge. Gerade Masons und Jacksons Gespräche sind toll, ebenso die Beschreibungen der Kleinstadt Naples in Florida. All das spiegelt die sommerliche Atmosphäre passend wieder und sorgt dafür, dass man die Geschichte von Mason und Jackson in einem Rutsch liest.

Fazit:
„Closer – Mason & Jackson“ ist die perfekte Sommerlektüre und für all diejenigen geeignet, die Beziehungskisten, Verstrickungen und Liebesgeschichten gepaart mit sympathischen Charakteren und einem flüssigen Schreibstil mögen. Ina Taus legt einen schönen Gay Romance vor, der sich fast von selbst liest und nur einige kleine Mankos hat (das schnelle Coming-Out, die große Akzeptanz seitens der Freunde und Familie – wobei das im Grunde schön ist und für die Realität wünschenswert wäre). Wer lockerleichte Gay Romance Geschichten mit Witz und stimmungsvollen Dialogen sucht, ist hier an der richtigen Adresse – zu empfehlen.

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

papagei, cambridge, mor, graupapagei, krimi

Gray

Leonie Swann
E-Buch Text: 380 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 15.05.2017
ISBN 9783641194307
Genre: Krimi und Thriller

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(230)

359 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 177 Rezensionen

mord, psychologie, krimi, manuskript, erinnerungen

Das Buch der Spiegel

E.O. Chirovici , Werner Schmitz , Silvia Morawetz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.02.2017
ISBN 9783442314492
Genre: Romane

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

fantasy, gay romance, dark fantas, homosexualität, gayromance

Shilsas - In den Nebeln: Gay Fantasy

Chris P. Rolls
E-Buch Text
Erschienen bei null, 01.10.2016
ISBN B01LZA96EQ
Genre: Sonstiges

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5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Der steinerne Garten (Hardcover-Ausgabe)

Jayden V. Reeves
Fester Einband: 612 Seiten
Erschienen bei Re Di Roma-Verlag, 27.02.2017
ISBN 9783961031498
Genre: Romane

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

wandlerstory, chris p. rolls, rezension

Failed: GayShifterFantasy

Chris P. Rolls
E-Buch Text: 181 Seiten
Erschienen bei null, 05.03.2017
ISBN B06XCMYL5S
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Als Kaninchengestaltwandler hat es Louis Bauer schwer sich in der Shifter-Community Respekt zu verschaffen und zu zeigen, was er wirklich kann. Während die Raubtiere und Fleischfresser die spannenden, gefährlichen Missionen abbekommen, muss sich Louis als Pflanzenfresser mit vorab-Ermittlungen, Diebstählen und Einbrüchen begnügen. Seitdem sein ehemaliger Partner und Liebhaber bei einer derartigen Mission einem Wolfswandler zum Opfer fiel, der sein Tier nicht unter Kontrolle hatte, hasst er kollektiv alle Raubtiere. Umso schwerer wird es für ihn, als er das Angebot bekommt, der geheimen Organisation „Failed“ bekommt, unerklärliche Fälle aufzuklären, die bis in die höchsten Ebenen der Shifter-Community reichen. IN diesem Zusammenhang bekommt er einen neuen Partnerzugeteilt: Cosmo. Dieser ist nicht nur ein Raubtier, er sieht auch noch teuflisch gut aus und bringt Louis gehörig aus dem Gleichgewicht …

Eigene Meinung:
Die Autorin Chris P. Rolls zählt zu den bekanntesten Autoren des Gay Romance Genres. Mit ihren teils sehr erotischen Büchern (u.a. der „Irgendwie“-Reihe, „Die Anderen“, „Mecklenburger Winter“ und „Shilsas“) hat sie sich eine breite Fanbase aufgebaut. „Failed“ ist ihr erster Versuch im populären Gestaltwandler-Genre und hebt sich allein durch die Tatsache, dass sie sich nicht nur auf die klassischen Raubtiere beschränkt, angenehm aus der breiten Masse heraus.

„Failed“ bietet eine gelungene Mischung aus Action, Spannung und Romantik. Die Geheimnisse und Taten des Pharmaziekonzerns „Better World“, die auch höchsten Ebenen der Shifter Force betreffen, die grausamen Testreihen, die Wandler weltweit in Gefahr bringen und ein paar größenwahnsinnige Gegner sorgen für Spannung und bieten einen tollen Einblick in Chris P. Rolls Welt. Es gibt nicht nur die klassischen Wölfe, Bären und Raubkatzen, die als Gestaltwandler unter uns wandeln, sondern nahezu jedes Tier – von der Maus bis hin zum Elefanten. Die Shifter-Community wird lediglich in Kategorien eingeteilt: Raubtiere/Fleischfresser (Kategorie 1), Allesfresser (Kategorie 2) und Pflanzenfresser (Kategorie 3). Natürlich sind die Raubtiere die Top-Agenten, die für gefährliche Einsätze in Betracht kommen, während die anderen Agenten lediglich die Vorarbeit leisten, was zu einer massiven Diskriminierung führt.
Die geheime Truppe Failed, die unter dem Kojoten Trevorian agiert und es sich zur Aufgabe gemacht hat, Fälle zu lösen, die hochrangige Shifter betreffen und von sonst niemandem übernommen werden können. Das Team besteht aus einer bunten Mischung Shifter, die eine Gemeinsamkeit haben: Sie sind Duowandler, sprich sie tragen mehrere Tiere in sich.

Die Geschichte wird durch einen ungewöhnlichen Hauptcharakter vorangetrieben, denn Louis Bauer mag ein Kaninchen sein, doch er weiß zu kämpfen und lässt sich von Raubtieren nicht ins Bockshorn jagen. Er ist scharfzüngig und nimmt kein Blatt vor den Mund, ganz besonders wenn es darum geht Agenten der Kategorie 3 (Pflanzenfresser) zu verteidigen oder auf die Missstände hinzuweisen, unter denen sie zu leiden haben. Zudem arbeitet er sehr unkonventionell und lässt die Regeln gern außen vor, wenn es darum geht sein Ziel zu erreichen. Mit dem ruhigen, eher introvertierten Cosmo, der ein ganz besonderer Wandler ist, hat Louis einen perfekten Partner gefunden. Aufgewachsen auf einer Insel, Opfer einiger unschöner Experimente, muss Cosmo erst einmal herausfinden, was das Leben zu bieten hat. Zudem hat er keinerlei praktische Erfahrungen – ein weiterer Grund weswegen Louis angeworben wird: er soll Cosmo anleiten und anlernen, nicht nur bei Missionen, sondern auch in anderen Dingen.
Auch die übrigen Figuren sind spannend und individuell, ganz besonders Trevorian, der viele Geheimnisse hat und nicht ganz das ist, was er zu sein scheint. Hoffentlich erfährt man in der Fortsetzung mehr – Band 2 soll bereits in den Startlöchern stehen. Dann erfährt man hoffentlich mehr über die anderen Teammitglieder und erlebt sie in Aktion, denn es ist schade, dass die übrigen Agenten von „Failed“ bei den Missionen nicht mitmischen.

Stilistisch bietet Chris P. Rolls gewohnt solide, gut geschriebene Kost. Man ist schnell in der Handlung und kann nur schwer unterbrechen, denn die Geschichte um Louis, Cosmo und ihren Freunden ist spannend und mitreißend. Die Dialoge sind toll umgesetzt, die Beschreibungen lassen die Orte lebendig werden und Fans expliziter Szenen kommen ebenfalls auf ihre Kosten, denn Louis und Cosmo können nur schwer die Finger voneinander lassen.

Fazit:
Mit „Failed“ legt Chris P. Rolls den gelungenen Auftakt einer unkonventionellen Gestaltwandler-Reihe vor, die durch tolle, sympathische Charaktere, eine spannende Rahmenhandlung und einen soliden, flüssigen Schreibstil besticht. Wer Gestaltwandler mag und das Thema nicht bierernst nimmt (sprich nur Raubtiere als Helden akzeptiert), sollte „Failed“ lesen. Es bietet eine vergnügliche Abwechslung zum üblichen Genre-Einheitsbrei und macht Lust auf mehr. Zu empfehlen.

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78 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

cavaliersreise, jugendbuch, mackenzi lee, homosexualität, lgbt

Cavaliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans

Mackenzi Lee
E-Buch Text: 496 Seiten
Erschienen bei Königskinder, 24.03.2017
ISBN 9783646929591
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Ein Jahr bleibt Henry Montague bis er nach und nach das Anwesen seines Vaters übernehmen und sich gemäß seines Standes verhalten soll. Für den jungen Gentleman eine Schreckensvision, der er sich nur zu gerne mittels Alkohol, Tändelei und Spielerei entzieht – zumeist in Begleitung seines dunkelhäutigen Freundes Percy für den er geheime, tiefe Gefühle hegt. Gemeinsam mit diesem und seiner Schwester Felicity begibt er sich auf Cavaliersreise durch Europa, doch schon die erste Station in Paris entwickelt sich zu einer Katastrophe. Monty sprengt nicht nur einen Ball in Versailles, er stiehlt auch ein geheimnisvolles Kästchen aus den Gemächern des Herzogs von Bourbon, an dem er sich auf diesem Weg für eine verbale Schmach rächen will. Dass sich hinter diesem Kästchen mehr verbirgt, wird Monty klar, als die Reisegruppe auf dem Weg nach Marseille von Wegelagerern angegriffen wird. Fortan sind Felicity, Percy und er auf der Flucht; und auf der Suche nach dem Geheimnis des Kästchens, das aus dem Besitz eines berühmten spanischen Alchemisten kommt. Dieser hat nach einem Allheilmittel geforscht hat und ist in Montys Augen die einzige Chance seinen Freund Percy von der Fallsucht zu heilen …

Eigene Meinung:
„Cavaliersreise“ ist das zweite historische Jugendbuch von Mackenzie Lee und der erste Roman, der in Deutschland erschienen ist. Bereits für ihr Debüt „This Monstrous Thing“ gewann mehrere Preise und machte die Autorin bekannt. Auch für ihr nächstes Jugendbuch „Semper Augustus“ sind queere Charaktere angekündigt (dieses Mal geht es jedoch in die lesbische Richtung), bleibt also zu hoffen, dass auch dieses Werk einen Weg nach Deutschland findet.

Die Geschichte spielt im 18 Jahrhundert, vor der französischen Revolution. Monty, sein bester Freund und seine geheime große Liebe Percy und die gewitzte Felicity, die am liebsten Ärztin werden möchte, brechen nach Europa auf, um die traditionelle Cavaliersreise zu begehen, eine knapp einjährige Reise durch Frankreich, Italien und Griechenland, um die Kultur kennenzulernen und gesellschaftliche Kontakte zu knüpfen. Für Monty ist dieses Jahr die letzte Zeit in Freiheit, die er mit Percy verbringen kann, bevor dieser zum Studium nach Holland aufbricht. Dass alles ganz anders kommt, wird schnell klar, denn ihr Hofmeister Lockwood hat strikte Anweisungen, Tändeleien, Alkohol und unschickliches Verhalten zu unterbinden. Dass es Monty dennoch gelingt sich in große Schwierigkeiten zu bringen, ebenfalls – wenngleich ihr folgendes Abenteuer alles in den Schatten stellt, was sich der junge Gentleman ausgemalt hat. Nicht nur erfährt er von Percys Krankheit, er kommt auch in den Besitz eines Geheimniskästchens, das den Schlüssel des Lazarus enthält, hinter dem der Herzog von Bourbon her ist.
Mackenzie Lee entspinnt eine spannende Abenteuergeschichte, in der sich die drei Charaktere weiterentwickeln und erwachsen werden müssen. Historisch gibt es einige kleine Ungenauigkeiten, ebenso unlogische Passagen gerade was den farbigen Percy und die forsche Felicity anbelangt, doch darüber kann man hinwegsehen, da das Buch ungemein spannend geschrieben ist und man mit den Helden mitfiebert. Sehr interessant ist die Arbeit des Alchemisten Mateu Robles, dessen geheimes Kästchen Monty stielt und das der Schlüssel zu einem unsagbar mächtigen Schatz ist. Neben dem Abenteuer, das die drei Helden bestehen müssen, quält sich Monty auch mit seiner Liebe zu Percy. Nicht nur hat er den Eindruck, diese würde nicht erwidert werden, seine Familie weiß um seine sodomitischen Anwandlungen, was Montys Vater mit aller Macht zu unterbinden versucht.

Die Charaktere sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Monty ist hierbei nicht unbedingt ein Sympathieträger, ist er doch (bedingt durch seine Herkunft) sehr egoistisch und ich-bezogen, feige und jemand der selten Verantwortung übernimmt. Er ist ein junger Mann voller Fehler, zumeist weiß er auch darum und schätzt sich selbst daher als Taugenichts und minderwertig ein. Es dauert, bis er sich ändert und zu einer eigenen Stärke findet. Percy ist wesentlich ruhiger als sein Freund, was auch in seiner dunklen Hautfarbe begründet liegt – er lebt zwar als Mündel eines niederen Lords halbwegs gut, doch er hat mit vielen Problemen zu kämpfen, zumal er an der Fallsucht leidet. Es ist ein wenig seltsam, dass ein Mann wie Montys Vater die Freundschaft der beiden jungen Männer akzeptiert, denn Percy wird zumeist eher für einen Diener gehalten. Die weibliche Heldin, Felicity, ist eine starke Figur, die die beiden Jungs locker in die Tasche steckt – sie ist belesen, willensstark und hat einen Blick für das wesentliche. Sie ist interessiert in Politik und Wissenschaft und sehnt sich danach studieren zu dürfen (was in der damaligen Zeit Frauen verboten war). Manchmal kommt sie fast zu taff daher, denn so belesen sie ist, mitunter weiß sie fast zu viel. Diese drei unterschiedlichen Figuren begleitet man auf ihrer Reise, erlebt mit ihnen Abenteuer in fernen Ländern und lüftet das ein oder andere Geheimnis.

Stilistisch ist „Cavaliersreise“ extrem gut und flüssig geschrieben. Sprachlich passt es zu der Zeit, in der es spielt und bietet einen tollen Einblick in die damaligen Städte und gesellschaftlichen Situationen. Monty ist der Erzähler der Geschichte, weswegen man ihn ganz besonders gut kennenlernt und seine Ängste und Probleme direkt mitbekommt. Mackenzie Lee hat ein Händchen für authentische, gut nachvollziehbare Figuren, Dialoge und Szenen. Man ist schnell in der Geschichte und ist hautnah dabei, wenn Monty mit seinen Gefühlen für Percy ringt, oder sich gegen Piraten und Wegelagerer zur Wehr setzt.

Fazit:
„Cavaliersreise“ ist ein wundervoller, historischer Jugendroman mit starken, authentischen Helden, einem spannenden Abenteuer und einer wunderschönen, sinnlichen Liebesgeschichte, die Lust auf mehr macht. Mackenzie Lee hat ein eingehendes Jugendbuch geschaffen, das trotz einiger kleiner historischer Ungenauigkeiten im Gedächtnis bleibt und lange nachklingt. Wer auf der Suche nach frischer, neuer Lektüre ist, die angenehm aus dem Rahmen fällt, sollte sich dieses gut geschriebene Juwel nicht entgehen lassen – unbedingt lesen.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Bulls Eye - Mitten ins Herz

Bianca Nias
E-Buch Text: 210 Seiten
Erschienen bei dead soft verlag, 15.12.2015
ISBN B019FU6HCA
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Der neunzehnjährige Wesley ist der aufstrebende Star des Dart-Sports und kann auf ein sehr bewegtes, Leben zurückblicken, das er vor allem von seinen Schattenseiten kennen gelernt hat. Sein Glück ist perfekt, als er während eines Turniers den Studenten Björn kennenlernt, sich in diesen verliebt und dieser Wesleys Gefühle aufrichtig erwidert werden. Als der Journalist Jens dem jungen Dart-Spieler vorschlägt, seine Beziehung öffentlich zu machen, ahnt niemand welche Probleme das Coming-Out nach sich zieht – nicht nur entpuppt sich sein Sponsor als äußerst homophob, ein dunkler Schatten aus Wesleys Vergangenheit wird auf ihn aufmerksam und droht das junge Glück zwischen ihm und Björn zu zerstören …

Eigene Meinung:

Die Autorin Bianca Nias ist vor allem durch ihre Gestaltwandler-Romane bekannt, von denen aktuell fünf Bände der „Bruns“-Reihe vorliegen (davon ist einer ein Hetero-Liebesroman), inklusive mehrerer Specials und Kurzgeschichte, sowie der Reihe „Navy Seals“. Mit „Bulls Eye – Mitten ins Herz“, erschienen im deadsoft Verlag, wagt sie sich an einen völlig realistischen Roman mit leichten Krimielementen am Ende und präsentiert dabei einen relativ unbekannten Sport, ist Dart hierzulande doch kaum geläufig.

Die Geschichte beginnt wie eine typische Liebesgeschichte – Wesley begegnet Björn, die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch und verlieben sich natürlich binnen weniger Stunden. Anschließend sind die beiden fast nur noch miteinander im Bett, von den einzelnen Dart-Spielen einmal abgesehen, an denen Wesley gegen bekannte Dart-Spieler antreten darf. Über die Hälfte des Buches passiert dementsprechend wenig, was durchaus für Langeweile sorgt und die Spannung nimmt. Wer erotische Szenen und eine ausführliche Beschreibung eines Dart-Spiels mag, dem wird das natürlich gefallen, denn die beiden jungen Männer lassen definitiv nichts anbrennen. Erst als es um Wesleys Vergangenheit geht, nimmt die Handlung an Fahrt auf und bekommt zum Ende hin leicht thrillerhafte Züge an.
Ein wenig störend ist auch die Tatsache, dass es zwischen den beiden so schnell geht – Wesley ist Björns erste Liebe und schon geht er in die Vollen. Auch Wesley spricht bereits nach wenigen Tagen von der großen Liebe, ist bereit sich zu outen und damit seine Karriere auf’s Spiel zu setzen. All das wirkt ein wenig zu hektisch und schnell, da sich die beiden im Grunde kaum kennen und Björn sehr schnell sein Studium unterbricht, um Wesley beizustehen. Das mag in dem Zusammenhang romantisch sein, realistisch ist es mit Sicherheit nur bedingt.

Die Figuren bleiben dem Leser leider recht fremd, obwohl sowohl Wesley als auch Björn eingehend vorgestellt und mit einer ausführlichen Vergangenheit ausgestattet wurden. Dennoch hat man beim Lesen das Gefühl, eine unsichtbare Mauer zwischen sich und den Helden der Geschichte zu haben, die man nicht überwinden kann. Gerade Björn bleibt seltsam blass und trägt zur Rahmenhandlung nur wenig bei. Er ist da und ist Wesleys Partner, aber ansonsten wirkt er fast wie ein Statist. Sein Leben ist fast schon klischeehaft aufgebaut – gutbürgerlich aufgewachsen, zwar geoutet, aber doch versteckt schwul und mit einer erzwungen liberalen Familie gesegnet. Außerdem entwickelt er kaum Eigendynamik, was sehr schade ist. Man hätte eine Menge aus ihm machen können, doch gerade seine Probleme lösen sich am Ende in Luft auf, ohne dass er überhaupt etwas tut. Wesley muss sich da schon mehr ins Zeug legen, um mit seiner Vergangenheit fertig zu werden. Dennoch hat man auch bei ihm den Eindruck, ihm nur schwer nahe zu kommen, obwohl die Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird. Vielleicht liegt das an seiner mitunter spröden Art, was gut zu jemandem mit seiner Vergangenheit passt.

Dafür sind die Nebenfiguren sehr sympathisch und laufen den beiden Hauptfiguren fast den Rang ab, allen voran Jens, der nichts anbrennen lässt und sich jedem gutaussehenden Kerl erfolgreich an den Hals wirft. Dass nahezu jeder Kerl in dem Roman schwul ist, befremdet dann aber doch ein wenig.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Bianca NIas hat einen sehr sicheren, soliden Schreibstil und sich im Vorfeld viel Gedanken über Dart und die Regeln gemacht. Man erfährt eine Menge über diesen Sport, wie gespielt wird und welche Regeln es gibt. Das ist durchaus spannend, denn es bringt dem Leser diese Sportart näher. Natürlich sind auch die erotischen Szenen sehr ansprechend verpackt – Fans von expliziter Literatur werden an „Bulls Eye“ ihre Freude haben, denn die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund. Auch die Beschreibungen und Dialoge sind passend umgesetzt – man kann sich die Orte und Personen gut vorstellen.

Fazit:

„Bulls Eye – Mitten ins Herz“ ist ein netter Roman für Zwischendurch, der gerade Fans erotischer Gay Romance gefallen dürfte. An Bianca Nias Gestaltwandler reicht er leider nicht heran – dazu ist die Geschichte im ersten Teil zu langatmig und zum Ende hin zu kurz abgehandelt. Auch die Figuren bleiben nicht so sehr in Erinnerung wie die Bruns und wirken bis auf Jens recht blass. Wen das nicht stört und wer Bianca Nias‘ Romane mag, sollte einen Blick in „Bulls Eye“ werfen.

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Eine Woche für die Ewigkeit

Nina LaCour , David Levithan
E-Buch Text: 288 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.03.2017
ISBN 9783646929027
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Ein ganzes Schuljahr lange sitzen Mark und Kate in Mathe nebeneinander – doch wirklich kennen tun sie sich nicht. Erst als die beiden zu Beginn der Pride Week San Franciscos in einer Gay Bar übereinander stolpern, ändert sich das, denn beide haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Kate ist auf der Flucht vor einem Date mit Violet, die sie schon ewig anhimmelt und zum ersten Mal treffen kann, Mark möchte seinen besten Freund Ryan für sich gewinnen, muss jedoch miterleben, wie dieser mit einem anderen Kerl anbandelt. Für beide bricht eine Woche voller Höhen und Tiefen an, die sie zusammenschweißt und ihnen zeigt, was wahre Freundschaft bedeutet …

Eigene Meinung:

„Eine Woche für die Ewigkeit“ stammt von Nina LaCour und David Levithan, die beide keine unbekannten Größen auf dem amerikanischen Jugendbuchmarkt sind. Ganz besonders David Levithan hat sich in das Herz tausender Leser geschrieben und ist gerade für seine Bücher „Two Boys Kissing“ und „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ bekannt, in denen er immer LGBT-Themen einbaut. Auch Nina LaCour ist in diesem Genre aktiv und hat bereits mehrere Jugendbücher geschrieben. Gemeinsam erschaffen sie ein gut lesbares, lockerleichtes Buch über Freundschaft, Liebe, Vertrauen und den Mut zur Veränderung …

Die Perspektive der Geschichte wechselt zwischen Kate und Mark, so dass man sich sehr gut in beide Figuren hineinversetzen kann – Kate ist in die junge Artistin Violet verliebt, die sich in San Francisco niederlässt und durchaus daran interessiert ist, das schüchterne Mädchen kennenzulernen. Dass diese kurz vor dem Ziel Panik bekommt und davonläuft sorgt für erste Turbulenzen, denn Kate tut sich schwer damit, etwas bis zum Ende durchzuziehen und dem Schicksal die Stirn zu bieten. Mark wiederrum ist in seinen besten Freund Ryan verliebt, dem er durchaus schon nähergekommen ist – allerdings nur im Geheimen. Ryan ahnt nichts von den Gefühlen seines Freundes und nutzt die Pride Week, um seinerseits Männer kennenzulernen und mit einem jungen Dichter anzubandeln. Für Mark eine sehr schwierige Situation, die ihn schier verzweifeln lässt.
All das passiert während der Pride Week, was ein recht kurzer Zeitrahmen ist, in dem sowohl Kates als auch Marks Leben auf den Kopf gestellt wird. Dementsprechend werden einige Themen fast ein wenig zu schnell abgehandelt, gerade Marks, der sich mit Ryans Entscheidung abfinden muss. Sicherlich bietet das Buch Platz für Spekulationen und auch eine Fortsetzung, doch insgesamt hätte man den Charakteren ein wenig mehr Zeit gewünscht, um sich zu entwickeln. Dennoch muss man an dieser Stelle hervorheben, dass es toll ist ein Jugendbuch mit einem lesbischen und einem schwulen Plot zu lesen – bisher hatte man entweder rein schwule oder rein lesbischen Geschichten angeboten bekommen.

Die Figuren sind gut durchdacht, handeln logisch und sind authentisch. Sowohl Kate mit ihrer Unsicherheit und den Barrieren, die sie sich selbst auferlegt, als auch Mark mit seinen Sorgen und Problemen kann man sehr gut nachvollziehen. Beide durchleben eine Wandlung, müssen sich selbst erkennen und wichtige Entscheidungen treffen, die sich auf ihr Leben auswirken. Dabei bauen sie aufeinander, denn sie begleiten einander durch die Höhen und Tiefen der Woche hindurch, obwohl sie sich im Grunde kaum kennen. Sie bauen eine intensive, offene Freundschaft zueinander auf und kommen einander näher, als den Menschen, die sie mehrere Jahre lang begleitet haben.
Auch die Nebenfiguren wirken sehr realistisch und in sich schlüssig – Violet mag man bereits nach wenigen Seiten, Ryan hat dafür länger zu kämpfen, doch man kann seine Beweggründe ebenfalls sehr gut nachvollziehen, als dieser sie endlich äußert. Kates Freundin Lehna versteht man ebenfalls erst zum Ende hin, denn bei ihr verhält es sich ähnlich wie mit Ryan.

Stilistisch gibt es an „Eine Woche für die Ewigkeit“ wenig zu bemängeln. Beide Autoren haben einen lockerleichten Stil, der dafür sorgt, dass man schnell in die Geschichte eintauchen kann. Man springt zwischen Mark und Kate hin und her, die die Ereignisse aus jeweils ihrer Sicht erzählen Dabei schreibt David Levithan natürlich die Kapitel aus Sicht des schwulen Mark, Nina LaCour übernimmt die Perspektive der lesbischen Kate. Die Kapitel lesen sich hierbei wie aus einem Guss, so dass man nicht stolpert oder ins Schwimmen kommt.

Fazit:
„Eine Woche für die Ewigkeit“ bietet lockerleichte Unterhaltung gewürzt mit Drama, Herzschmerz und wahrer Freundschaft. Nina LaCour und David Levithan haben ein lesenswertes Jugendbuch erschaffen, dass durch authentische Charaktere und einer jugendgerechten Sprache besticht. Die Geschichte wirkt zwar ein wenig kurz, weil sich alles innerhalb der Pride Week abspielt, doch der Roman weiß zu unterhalten und lässt den Leser mit den jungen Helden mitfiebern. Wer auf der Suche nach sommerlich leichter Jugendliteratur mit queeren Hauptfiguren ist, sollte sich „Eine Woche“ für die Ewigkeit nicht entgehen lassen. Zu empfehlen.

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(78)

189 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

london, magie, peter grant, krimi, fantasy

Der Galgen von Tyburn

Ben Aaronovitch , Christine Blum
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 05.05.2017
ISBN 9783423216685
Genre: Fantasy

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(100)

243 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 51 Rezensionen

fantasy, krimi, william ritter, jackaby, sherlock holmes

Jackaby

William Ritter , Dagmar Schmitz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 11.07.2016
ISBN 9783570310885
Genre: Jugendbuch

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(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Vancouver Love

Corinna Bach
E-Buch Text: 303 Seiten
Erschienen bei Forever, 03.04.2017
ISBN 9783958181090
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Eigentlich könnte zwischen Polizist Peter und dem First Native Jeremia alles in bester Ordnung sein, wäre da nicht Peters Unfähigkeit und Widerwillen eine wirkliche Beziehung einzugehen. Für Jeremia reicht die unverbindliche Freundschaft Plus jedoch nicht, will er sich mit Peter doch etwas Gemeinsames aufbauen. Just in dem Moment, als Jeremia sich von dem Polizisten trennt, stolpert dieser in das größte Problem seiner Karriere – die junge Native Mary, die er beim Taschendiebstahl erwischt hat, zeigt ihn wegen Vergewaltigung an. Für Peter bedeutet das Suspension und eine Menge Probleme. Da der Vergewaltiger ein Polizist war und Beweismittel verschwinden, ist Peter gezwungen auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei bekommt er Unterstützung von Jeremia, der sich nicht nur Mary helfen will, sondern Peter nicht vergessen kann …

Eigene Meinung:
Mit „Vancouver Love“ erscheint ein weiterer Teil der „Vancouver“-Reihe von Corinna Bach hinter der sich Brunhilde Witthaut verbirgt, die bereits mehrere Veröffentlichungen vorzuweisen hat. Der erste Roman der Reihe („Vancouver Dreams“) erschien noch im Sieben Verlag, Teil 2 („Vancouver Hope“) und 3 kamen bei Ullstein Forever als eBook heraus. Leser der ersten beiden Bände werden sowohl Liam und Zac, als auch Oliver und Ethan treffen, denn die Figuren tauchen am Rande von „Vancouver Love“ ebenfalls auf.

Die Geschichte dreht sich zum einen um die Beziehung zwischen Peter und Jeremia, die einander zwar lieben, jedoch eine unterschiedliche Auffassung von Beziehung haben und natürlich um Marys Anzeige und die Vergewaltigung. Hinzu kommen noch einige Nebenplots wie Peters streitsüchtiger Vater, der seinem Sohn das Leben zur Hölle macht und der Rassismus gegen Natives, der sich vor allem in Kleinigkeiten zeigt. Die Autorin verknüpft all diese Punkte zu einer gut durchdachten und ausgewogenen Handlung, die den Leser von der ersten Seite an fesselt. Gerade die Probleme der Natives sind sehr gut umgesetzt und weisen auf ein Thema hin, das leider noch immer aktuell ist (man muss sich nur mal die Hintergründe zum Highway of Tears ansehen …). Gut eingebaut wurden auch Peters traumatische Erlebnisse in seiner Kindheit in Bezug auf seine Unfähigkeit sich auf eine Beziehung mit Jeremia einzulassen. Nichtsdestotrotz muss man auf romantische und erotische Szenen nicht verzichten, denn Corinna Bach nimmt sich genügend Zeit, die beiden gänzlich unterschiedlichen Charaktere Stück um Stück wieder zusammenzuführen.

Ein großer Pluspunkt sind die lebendigen Charaktere – gerade Peter ist sehr gut ausarbeitet und gerade durch seine Fehler und Schwächen sehr sympathisch. Man kann sich sehr gut in ihn hineinversetzen und versteht, warum er Angst vor eine festen Bindung hat. Auch Jeremia steht ihm in nichts nach, wenngleich er ab und zu fast zu perfekt wirkt. Doch das passt, da er im Gegensatz zu Peter seine Mitte gefunden hat und nicht so leicht aus dem Konzept gebracht werden kann. Sein Kontakt zur Geisterwelt hilft ihm zudem dabei eine Entscheidung zu treffen, ebenso ist er, wie die meisten Natives, sehr naturverbunden. Mary tangiert irgendwo dazwischen – sie wirkt ziemlich haltlos und versucht als Native in der „Welt der Weißen“ zu überleben und sich selbst zu helfen (weswegen sie Peter letztendlich anzeigt). Sie ist haltlos, einsam, mitunter etwas biestig, aber sie hat dafür auch alle Gründe. Schön ist es bekannten Gesichtern zu begegnen, wobei nur Liam aus „Vancouver Dreams“ einen größeren Part einnimmt, da er Mary in seinem Jugendwohnheim aufnimmt.

Stilistisch gibt es nichts zu beanstanden – Corinna Bach hat einen sehr routinierten, flüssigen Stil. Man merkt, dass sie im Buchgeschäft ein alter Hase ist und schon etliche Veröffentlichungen vorzuweisen hat. So sind die Beschreibungen von Vancouver sehr lebendig und mitreißend (man hat durchaus das Gefühl durch die einzelnen Viertel zu wandern), ebenso die Darstellung und Dialoge der Charaktere. Die Erzählperspektive wechselt zwischen Peter und Jeremia, so dass man beide Hauptfiguren kennenlernen und sich mit ihnen identifizieren kann. Es macht Spaß Peter und Jeremia zu begleiten und gemeinsam mit ihnen auf Verbrecherjagd zu gehen.

Fazit:
„Vancouver Love“ ist ein schöner Gay Romance mit einer ordentlichen Portion Krimi (wenngleich der Fokus nicht so stark auf dem Fall liegt, wie man es bei ihren Gay Krimis („Claude Bocquillon“) gewöhnt ist. Nichtsdestotrotz macht die Geschichte von Peter und Jeremia Spaß und Lust auf mehr. Corinna Bach sind starke Persönlichkeiten gelungen, die den Leser schnell gefangen nehmen. In Kombination mit dem schönen Schreibstil erwartet den Leser eine ausgewogene Mischung aus Romantik und Krimi gewürzt mit einem guten Einblick in die Problematik First Nation. Wer Corinna Bachs Romane mag, sollte sich dieses Wer nicht entgehen lassen – sehr zu empfehlen.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

kinderbuch, crossdressing, mode, diversität, fußball

Kicker im Kleid

David Walliams , Dorothee Haentjes-Holländer , Quentin Blake
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 10.03.2017
ISBN 9783499217845
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Story:
Dennis unterscheidet sich kaum von normalen Jungen in seinem Alter – er geht zur Schule, hat viele Freunde und liebt Fußball. Er spielt sogar aktiv und ist einer der Besten der Schulmannschaft. Einzig sein anderes Hobby ist ein Geheimnis, denn weder sein Vater, noch seine Freunde haben dafür Verständnis: Dennis liebt Mode und Kleider. Jeden Monat kauft er sich die neue Vogue und ist von Kleidern, Stoffen und Schnitten fasziniert. In der älteren Lisa findet er unerwartet eine Vertraute, zumal diese selbst schneidert und Dennis irgendwann überredet, probeweise ein Kleid anzuziehen. Aus dem Versuch wird bald mehr, denn Dennis liebt es sich hübsch zu machen und Mädchenkleidung anzuziehen. Als die beiden auf die Idee kommen, Dennis im Kleid der Schule zu präsentieren, hat dies ungeahnte Folgen …


Eigene Meinung:
„Kicker im Kleid“ stammt von David Walliams, der in England kein Unbekannter ist und oft als Nachfolger von Roald Dahl gehandelt wird. Mehrere Kinderbücher stammen aus seiner Feder, u.a. „Gangsta Oma“, „Terror Tantchen“ und „Ratten Burger“. Die Illustrationen stammen von Quentin Blake, der die meisten Romane von Roald Dahl illustriert hat und dadurch bekannt geworden ist. Das vorliegende Kinderbuch erschien 2010 bereits beim Aufbau Verlag, Rowohlt hat „Kicker im Kleid“ 2017 neu aufgelegt.


Die Geschichte um den fußballverrückte und modeverliebten Dennis ist kindgerecht aufbereitet und behandelt bei weitem nicht das Thema Transgender. Dennis möchte kein Mädchen sein, er findet lediglich Spaß daran sich zu verkleiden und hübsch zu machen. Es macht ihm Spaß sich zu verkleiden und vertreibt die Langeweile, wenn er in Kleider schlüpft und sich von Lisa hübsch machen lässt. Für ihn ist es ein Hobby, ebenso wie das Fußballspielen. Daher ist „Kicker im Kleid“ kein wirklich queeres Buch, sondern widmet sich eher der Thematik Crossdressing, das in England eine lange Tradition hat. Themen wie Akzeptanz, Toleranz und Respekt werden in „Kicker im Kleid“ behandelt, ebenso der Mut für eine Sache einzustehen und auch mal aus gängigen Rollenklischees auszubrechen und zu sich selbst zu stehen.
Das macht das Kinderbuch zu einer lohnenswerten Anschaffung, ganz besonders, wenn man Kinder im passenden Alter hat. David Walliams legt ein gut gelungenes, gut lesbares Kinderbuch vor, das auf humorvolle, lockere Art und Weise mit dem Thema umgeht und eine positive Botschaft vermitteln will. Da kann man auch verschmerzen, dass die Lösung am Ende im Grunde zu einfach ist und sich nur schwer mit der Realität vereinbaren lässt.


Die Charaktere sind sehr sympathisch – gerade Dennis, der in vielen Punkten ein durchschnittlicher Junge ist und mit den typischen Problemen zu kämpfen hat: der Trennung seiner Eltern, der Trauer über den Weggang seiner Mutter und der Tatsache, dass er recht sensibel ist, dies aber selten gegenüber seinem Vater und seinem Bruder zeigen darf (getreu dem Motto: Jungs weinen nicht!). Dass er sich für Mode und Mädchenkleider interessiert macht ihn nur noch menschlicher und glaubwürdiger, denn David Walliams gelingt es diesen ungewöhnlichen Charakterzug nachvollziehbar und authentisch darzustellen und regt an einigen Stellen zum Nachdenken und Diskutieren an. Denn man versteht den Jungen, der sich fragt, warum Jungs keine Kleider tragen dürfen, auch wenn diese bequem und hübsch sind.
Auch die übrigen Charaktere sind sehr gut dargestellt, allen voran Lisa, die Dennis ermutigt und unterstützt, aber auch dessen Vater und Bruder, die ein wenig brauchen, um ihre Vorurteile beiseitezuschieben.


Stilistisch legt David Walliams ein gelungenes Kinderbuch vor, das durch einen prägnanten, sehr eindringlichen Stil besticht. Der Autor arbeitet mit kurzen, präzisen Sätzen und verzichtet komplett auf schmückendes Beiwerk. So findet man kaum Beschreibungen der Wohngegend, der Schule oder den einzelnen Figuren – stattdessen legt der Autor Wert auf Humor und kleine Hints, die Fans seiner Bücher sofort wiedererkennen. Auch kommt er immer wieder selbst zu Wort, wirft einen knappen Randkommentar ein oder erklärt in wenigen Worten eine Szene genauer. Dieses kurze Eingreifen seitens der Autors in die Handlung ist bei britischen Romanen keine Seltenheit – auch in Büchern wie „Lemony Snicket“ kommt der Autor immer wieder zu Wort.
Die Illustrationen mag man oder man mag sie nicht, denn Quentin Blake hat einen sehr eigenwilligen Stil: flüchtig, skizzenhaft und fast ein wenig schluderig. Dennoch bringt er die Szenen, die er mit Bildern unterlegt gut zur Geltung, denn der Leser erkennt auf einen Blick worum es geht.


Fazit:
„Kicker im Kleid“ ist ein gelungenes Kinderbuch, das eine wichtige Botschaft in unterhaltsamer Form verpackt und für Toleranz, Akzeptanz und Respekt wirbt, ohne mich erhobenem Zeigefinger daher zu kommen. Es ist kein wirklich queeres Buch, doch es streift die Transgender-Thematik und enthält durchaus einige Parallelen. David Walliams legt ein stilistisch stimmiges, lesenswertes Kinderbuch vor, das für Jungen und Mädchen gleichermaßen geeignet ist. Zu empfehlen.

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(200)

347 Bibliotheken, 12 Leser, 0 Gruppen, 95 Rezensionen

liebe, anne freytag, jugendbuch, homosexualität, den mund voll ungesagter dinge

Den Mund voll ungesagter Dinge

Anne Freytag
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 06.03.2017
ISBN 9783453271036
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Kurz vor dem Abitur muss sich die 17-jährige Sophie vollkommen neu orientieren: gemeinsam mit ihrem Vater zieht sie nach München, da dieser in Lena seine große Liebe gefunden hat. Plötzlich hat Sophie eine Mutter, zwei Brüder einen Hund und ein riesiges Zimmer in einem großen Haus. Für sie ein blanker Albtraum, da sie einfach nur zurück nach Hamburg und keine neue Familie haben will. Erst als sie das Nachbarsmädchen Alex kennenlernt, ändert sich nach und nach ihr Leben – ganz besonders, als aus der Freundschaft mehr wird und die beiden schließlich zwei unbeschwerte Wochen zusammen verbringen. Doch Alex hat einen Freund und ringt mit sich, den nächsten Schritt zu gehen, ebenso wie Sophie, die Angst davor hat, Alex vor die Wahl zu stellen …

Eigene Meinung:
Mit „Den Mund voll ungesagter Dinge“ wagt sich Anne Freytag nach dem hochgelobten und prämierten Jugendbuch „Mein bester letzter Sommer“ an eine lesbische Liebesgeschichte nebst den typischen jugendlichen Problemen. Unter Ally Taylor ist die Autorin auch im Erotik-Genre unterwegs und schreibt Romane für Erwachsene – unter Anne Freytag findet man eher Liebesgeschichten für jüngere Leser. Das vorliegende Buch erschien bei Heyne und ist eines der wenigen Jugendbücher großer Verlage, in denen es um die Liebe zwischen zwei Mädchen geht.

Die Geschichte bietet grundsätzlich nichts Neues und kommt mit den üblichen Bausteinen daher: Umzug in eine fremde Stadt, neue Familie, Schule und Mitschüler und daraus resultierend eine Menge Probleme. Sophie fühlt sich von ihrem Vater unverstanden, von ihrem Freund Lukas allein gelassen (dieser verliebte sich in eine junge Französin und zog nach Paris) und hadert mit ihrer neuen Familie, ganz gleich wie aufmerksam gerade ihre Mutter ist. Sie befindet sich in vielen Punkten im Umbruch, weswegen sie oftmals ein wenig launisch daherkommt und nicht immer Sympathieträgerin ist (wie sie sogar in einer Szene selbst feststellt). Als sie Alex kennenlernt und sich nach und nach mehr als Freundschaft zwischen den beiden Mädchen entspinnt, ist sie überfordert, stürzt sich aber in die geheime Beziehung, ohne die Probleme und Konsequenzen wirklich zu bedenken.
Anne Freytag legt ein wunderschönes, sensibles Jugendbuch vor und setzt zwei junge Mädchen ins Zentrum, die realistischer nicht sein könnten. Sie haben ihre Ecken und Kanten, sind keine strahlenden Heldinnen und machen sich keine Gedanken über ein Coming-Out. Genau dieser Punkt wird auf angenehme Art und Weise ausgeklammert, denn Sophie macht sich nur ganz am Rande Gedanken darüber, ob sie lesbisch ist, oder ob sie sich einfach nur zufällig in ein Mädchen verliebt hat. Es gibt kein endloses Hin und Her hinsichtlich der sexuellen Orientierung, sondern einfach nur eine Liebe zwischen zwei Mädchen, die sowohl Alex als auch Sophie auf Trab hält.

Die Autorin beschreibt Sophies Gedanken und Gefühle hautnah und lässt sich Zeit die beiden Mädchen zusammenzubringen. Dabei steht immer Sophie im Mittelpunkt, da man die Geschichte aus ihrer Perspektive liest. Man begleitet sie nach München, lernt ihre neue Familie kennen und erfährt nach und nach mehr über sie. Erst ganz am Ende bekommt man einen Einblick in Alex‘ Gedankenwelt – nüchtern, klar und direkt.

Die Figuren sind sehr authentisch und realistisch. Man kann sich sehr gut in sie hineinversetzen und sich leicht mit ihnen und ihren Problemen identifizieren. Die Tatsache, dass sie nicht perfekt sind und Sophie mitunter sehr zickig ist, sorgt dafür, dass sie dem Leser realer vorkommt, als sei sie aus Fleisch und Blut. Auch Alex ist nicht immer sympathisch, doch auch ihr kommt man sehr nah.
Die Nebenfiguren sind ebenfalls sympathisch, allen voran Lena, die das Gegenteil der bösen Stiefmutter ist und eine durch und durch angenehme Art hat, mit ihrer neuen Tochter umzugehen. Auch ihre Söhne sind klasse – man schließt sie schnell ins Herz. Clemens und Nik wirken sehr oberflächlich, als hätten sie nur Interesse daran, Sophie respektive Alex ins Bett zu kriegen. Leider fehlt ihnen ein wenig der Tiefgang, dabei gab es bei Clemens zumindest ein paar Andeutungen. Das ist fast ein wenig schade.

Die Autorin hat einen angenehmen, sehr stimmungsvollen Stil, der gut zu Sophie und ihren Gedanken passt. Ihr gelingt es, die Stimme der heutigen Jugend zu treffen und das Thema gleichzeitig auf bekannte und erfrischend neue Art und Weise zu präsentieren. Obwohl es eine Liebesgeschichte ist, ist „Den Mund voll ungesagter Dinge“ nicht kitschig, und die Autorin nimmt auch kein Blatt vor den Mund, als es zwischen den Mädchen expliziter zur Sache geht. Bleibt zu hoffen, dass sie sich irgendwann noch einmal in die queere Richtung wagt – sie hat eine tolle Sprache, um die Thematik für Jugendliche passend zu verpacken.

Fazit:
„Den Mund voll ungesagter Dinge“ ist ein tolles lesbisches Jugendbuch, das durch authentische, sehr realistische Charaktere, eine sehr intensive Liebesgeschichte und eine tolle sprachliche Umsetzung besticht. Wer auf der Suche nach einem lesbischen Jugendbuch ist, bekommt mit Anne Freytag zweitem Jugendbuch ein gelungenes Werk, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Bleibt zu hoffen, dass Verlage nachziehen und queeren Geschichten die Türen öffnen – es wäre wünschenswert mehr im Buchhandel mehr Bücher wie „Den Mund voll ungesagter Dinge“ zu finden. Sehr zu empfehlen.

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transsexualität, transgender, pubertät, transidentität, familie

Meine Mutter, sein Exmann und ich

T.A. Wegberg
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 10.03.2017
ISBN 9783499217593
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Für Joschka bricht eine Welt zusammen, als sich seine Mutter für eine geschlechtsanpassende Operation entscheidet und fortan als Frederik leben will. Während seine Schwester Liska die Entscheidung ihres neuen Vaters akzeptiert, fühlt sich Joschka im Stich gelassen. Kurzerhand zieht er zu seinem Vater und dessen neuer Frau, doch auch dort ist das Leben nicht nur rosig. Erst als Joschka dem stillen Sebastian näherkommt und herausfindet, dass dieser an einer seltenen Krankheit leidet, wird Joschka offener und beginnt sich Stück um Stück zu ändern …

Eigene Meinung:

Der Jugendroman „Meine Mutter, sein Exmann und ich“ stammt aus der Feder T. A. Wegbergs, der sowohl für seine Jugendbücher, als auch für seine Gay Romane bekannt geworden ist. Mit dem vorliegenden Roman wendet er sich erstmals der Thematik Transgender zu, die im Jugendbuchberich bisher nur selten vertreten ist.

Die Geschichte handelt von Joschkas langsamer Wandlung vom leicht homophoben, intoleranten und engstirnigen Jugendlichen zu jemanden, der offener und toleranter durchs Leben geht und im Laufe der Zeit erwachsen wird. Dass gelingt T. A. Wegberg mit ruhigen Tönen und verschiedenen Figuren, die sehr realistisch und authentisch wirken – allen voran Joschka selbst. Er entspricht dem heutigen Jugendlichen in seiner leicht stumpfen Art sehr gut, ganz besonders was seine vorgefasste Meinung anbelangt und seine Angst vor Ablehnung. Joschka richtet sein ganzes Leben nach seinen Freunden, Schulkameraden und fremden Menschen. Ihm ist es enorm wichtig, nicht aus der Reihe zu tanzen und von allen akzeptiert zu werden. Da nimmt er auch in Kauf seinen neuen Vater zu verletzen und diesem die Schuld an seinem verkorksten Leben zu geben, anstatt sich einen Spiegel vorzuhalten. Erst als er Sebastian näher kennenlernt und in der engagierten, toleranten Emma seine große Liebe findet, ändert er sich Stück um Stück. Dies ist sehr glaubhaft beschrieben, denn natürlich sind es nur kleine Dinge, die er bewegt, die sich für ihn aber wie große Schritte anfühlen. Dass Joschka noch einen weiten Weg zu gehen hat, steht außer Frage, doch die ersten Schritte sind am Ende des Buches gemacht.
Nichtsdestotrotz hätte der Autor einige Dinge vertiefen können. Allein die Tatsache, dass zwischen den Kapiteln zeitlich gesprungen wird und mitunter mehrere Wochen ausgeblendet werden, sorgt dafür, dass man immer wieder neu in die Geschichte eintauchen muss und viele Punkte nicht geklärt werden. Zu Beginn sind es eher kleine, unbedeutende Sachen, zum Beispiel die Kommentare und Aktionen von Joschkas Stiefmutter. Im Fortlauf der Handlung häufen sich einige Dinge und man wartet gezielt auf die Auflösung einiger offener Fäden, die jedoch fallen gelassen wurden, weil Joschka sie scheinbar selbst nicht mehr für wichtig erachtet. Ganz besonders die Tatsache, dass die Schlüsselszene zwischen Frederic und Joschka am Ende des Buches relativ kurz abgehandelt wird und die Probleme zwischen den beiden nur oberflächlich behandelt werden, ist extrem schade. Hier hätte man sich einfach eine detailliertere Darstellung und eine bessere Aufarbeitung gewünscht, gerade bei einer solch wichtigen Thematik wie Transsexualität.

Stilistisch hat T. A. Wegberg einen sehr stimmigen, jugendnahen Schreibstil, der der Zielgruppe die Gefühle und Gedanken gut näherbringt und dafür sorgt, dass man sich mit Joschkas Problemen auseinandersetzt. Auch die Beschreibungen von Berlin, inklusive der Buslinien und des Nahverkehrs sein gut eingebaut, so dass man die Stadt auf eine ganz andere Art und Weise kennenlernt. Der Autor weiß, wie man Dinge in Szene setzt und wie man einen Jugendlichen authentisch und realistisch darstellt, denn Joschka ist zu Beginn kein Sympathieträger und wirkt auch später noch stoffelig und wenig tolerant. Doch so sind viele der Jugendlichen heutzutage, so dass sich gerade diese mit T. A. Wegbergs Charakteren identifizieren dürften und mit Bedacht an die Thematik Transsexualität herangeführt werden, ohne mit Fachbegriffen und moralisch erhobenen Zeigefinger erschlagen zu werden.

Fazit:
„Meine Mutter, sein Exmann und ich“ ist ein gelungenes Jugendbuch von T. A. Wegberg, das die Thematik Transsexualität aufgreift und gut in Szene setzt ohne sich nur auf diese Thematik zu konzentrieren. An einigen Stellen wünscht man sich zwar mehr Tiefgang und eine detailliertere Ausarbeitung der Geschichte, doch die kurzen, sprunghaften Episoden passen gut zum Helden. Gerade Jugendliche, die im selben Alter wie Joschka sind, dürften sich gut mit ihm identifizieren können, da er (und seine Freunde) sehr authentisch wirken und die heutige Jugend widerspiegeln. Wer Jugendbücher aus dem Transgender-Bereich sucht, sollte sich „Meine Mutter, sein Exmann und ich“ auf jeden Fall näher ansehen.

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Golden Feather: Zeitreise ins Glück

Serena C. Evans
E-Buch Text: 77 Seiten
Erschienen bei null, 01.03.2016
ISBN B01C7IVZ5Q
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Im Nachtclub „Golden Feather“ erwachen die 20er Jahre jede Nacht zum Leben, was Gäste jeglicher Couleur anzieht – Fans des vergangenen Zeitalters und der offenherzigen Musik, queere Gäste und Liebhaber ungewöhnlicher Szenebars. So stolpert die unbedarfte Josephine eher zufällig in den Club und findet in der attraktiven, extrovertierten Sängerin Erin ihre erste große Liebe, was zu Beginn eher für Probleme als für ein Happy-End sorgt. Auch die taffe Barfrau Payton kommt im Club der jungen Alison näher, die sich dazu breitschlagen lässt, Payton Klavierunterricht zu geben. Selbst Sasha, die Besitzerin des Clubs und ein waschechter Workaholic hat die Chance auf das große Glück mit ihrer neuen Assistentin Yuna, was ihr jedoch einiges abverlangt, denn Sasha bleibt lieber unverbindlich, als sich auf Beziehungen einzulassen …

Eigene Meinung:

Mit „Golden Feather: Zeitreise ins Glück“ legt Serena C. Evans drei lesbischen Kurzgeschichten vor, die vor allem im gleichnamigen Club spielen und fast sie zu einem gut 80-seitigen Büchlein zusammen, das perfekt für Zwischendurch ist. Die Autorin ist im queeren Bereich keine Unbekannte – sie veröffentlicht sowohl im Gay als auch im Lesbian Romance Genre, was eher selten ist. Ihr Debüt im lesbischen Bereich („Heldinnen küssen besser“) erschien beim Main Verlag, ansonsten ist die Autorin eher im Selfpublishing unterwegs.

Die drei Geschichten sind unterhaltsam und bieten dem Leser sechs unterschiedliche Frauen, die allesamt mit ihren Leben zu kämpfen haben. Sehr schön ist die Tatsache, dass man den Charakteren immer wieder begegnet, selbst wenn der Fokus einer Kurzgeschichte auf einem anderen Pärchen liegt. So erfährt man mehr über die anderen Figuren und weiß, wie es mit ihnen weitergeht. Ein wenig schade ist es trotzdem, dass die Geschichten so kurz sind, denn die einzelnen Charaktere und Ereignisse bieten durchaus Luft für mehr – gerade über die Hintergründe des Nachtclubs und die unterschiedlichen Gäste hätte man gerne mehr erfahren. Hier wäre Potenzial für eine Fortsetzung im Episodenstil, denn in dem Club dürfte sich mehr ereignen, als dass was die Autorin bisher offenbart hat. So muss man sich leider recht schnell von den sympathischen Frauen und dem „Golden Feather“ verabschieden, sobald man die Kurzgeschichten ausgelesen hat.

Die Charaktere sind allesamt sympathisch – sei es die taffe Payton, die überdrehte Erin oder die arbeitssüchtige Sasha. Sie und ihre Partnerinnen wirken sehr lebendig und gut nachvollziehbar. Mitunter sind sie ein wenig stereotyp, gerade was die Zusammensatzung der Pärchen anbelangt (man weiß im Grunde schon vorher, wie die jeweiligen Partner sein werden, da sie sich immer als das Gegenteil der Protagonistin entpuppen). Dennoch machen die Kurzgeschichten Spaß und entführen den Leser auf angenehme Art und Weise in das schillernde Leben des Nachtclubs.

Stilistisch gibt es ebenfalls nichts zu beanstanden – Serena C. Evans hat einen schönen Schreibstil, der sich gut zum Thema und den Geschichten passt. Auch der Club und das pulsierende Nachtleben sind gut beschrieben, wenngleich es gerne etwas mehr hätte sein dürfen, um die Atmosphäre noch lebhafter und greifbarer zu gestalten.

Fazit:
„Golden Feather“ von Serena C. Evans ist eine gelungene Kurzgeschichtensammlung für Zwischendurch, die durch angenehmen Charaktere, die tolle, atmosphärische Welt des Nachtclubs und den angenehm lesbaren Schreibstil der Autorin besticht. Der Fokus liegt eindeutig auf der Liebe zwischen den unterschiedlichen Frauen, was ganz besonders Leser begeistern dürfte, die auf der Suche nach gut geschriebenen, lesbischen Liebesgeschichten sind. Wer in die Welt der 20er Jahre eintauchen will, ohne zu einem historischen Roman zu greifen, kommt ebenfalls auf seine Kosten – „Golden Feather“ lohnt sich und macht Lust auf mehr.

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Eis bricht langsam

Dima von Seelenburg
Buch
Erschienen bei Main Verlag, 23.03.2017
ISBN 9783959491228
Genre: Romane

Rezension:

Story:
Beim Ausräumen seines Kellers stolpert Aljoscha über eine alte Kiste, die mit einem E markiert ist. Darin sind Erinnerungsstücke enthalten, die sich um seine erste große Liebe Tobias drehen und den jungen Journalisten gedanklich in die beginnenden 90er Jahre und seine Jugend zurückführen. Er beginnt seine Schulzeit zu rekapitulieren, die Probleme, die seine Homosexualität mit sich brachte und das Glück, das er mit Tobias erlebt hat.

Eigene Meinung:
„Eis bricht langsam“ ist Dimas von Seelenburgs Debüt und erschein im Jugendbuchlabel des Main Verlags. Auf beeindruckende, fesselnde Weise entführt der Autor den Leser in die 90er Jahre zurück und lässt die Zeit der Kassettenrekorder, Bravomagazine und Röhrenfernseher lebendig werden. Gerade wenn man selbst in den 90er Jahren aufgewachsen ist, wird man an seine eigene Jugend erinnert – seien es die Songs, die für Aljoscha eine Rolle spielen oder die Beschreibungen der Umgebung und Jugendlichen.

Die Geschichte ist in zwei Zeitebenen angesiedelt – ein kleiner Teil spielt in der heutigen Zeit und präsentiert einen erwachsenen Aljoscha, der sich an seine Jugend zurückerinnert und versucht die Vergangenheit komplett Revue passieren zu lassen, der Hauptteil der Handlung spielt in den 90er Jahren, wo Aljoscha 14 beziehungsweise 16 Jahre alt ist. Auf sehr gefühlvolle und angenehme Art und Weise entführt der Autor den Leser in die Geschichte und lässt ihn Aljoscha und seine Freunde näher kennenlernen. Man ist hautnah dabei, als der junge Hauptcharakter sich erstmal mit dem Gedanken befasst schwul zu sein und sich nach und nach der Kioskbesitzerin Lotte anvertraut, die eine enorm wichtige Person in seinem Leben ist. Auch seine Familie lernt man kennen, die in ihrer Art angenehm aus dem Rahmen fallen und wesentlich moderner und toleranter eingestellt sind, als man es von anderen Familien gewohnt ist.
Natürlich steht die sich langsam entwickelte Beziehung zwischen Aljoscha und Tobias im Zentrum der Geschichte, denn die Liebe zwischen den beiden ist für den Hauptcharakter am wichtigsten. Für Aljoscha ist es die erste große Liebe, sprich für Tobias nimmt er alle Probleme in Kauf – Intoleranz, Beleidigungen und natürlich das Coming-Out vor seiner Familie und seinen Freunden. Auch die Schwierigkeiten, die auf die beiden jungen Teenager zurollen, als Tobias‘ Familie von ihrer Beziehung erfährt, ist eines der Hauptthemen von „Eis bricht langsam“. Dima von Seelenburg begleitet seinen Helden durch eine schwierige Zeit und lässt den Leser daran teilhaben.

Die Charaktere wirken authentisch und handeln in sich logisch. Man kann sich sehr gut mit Aljoscha und seinen Problemen identifizieren, da er ein sehr sympathischer Charakter ist. Auch die üblichen Figuren können überzeugen, allen voran Aljoschas beste Freundin Karolin, die Kioskbesitzerin Lotte und Aljoschas niederländische Mutter Inga, die auf herrlich unkomplizierte Art an Dinge herangeht und sich fernab der üblichen Konventionen bewegt. Auch sein Vater Oliver kann zum Ende hin etliche Pluspunkte sammeln, da ohne Kompromisse zu seinem schwulen Sohn steht und dem jungen Glück sogar den Weg ebnet. Zum Ende hin hat man alle Figuren ins Herz geschlossen und kann sie nur schwer ziehen lassen.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Dima von Seelenburg hat einen sehr schönen, sicheren Stil, der durch tolle Beschreibungen und stimmungsvolle Dialoge besticht. Die wechselnden Zeitebenen sind für den Leser kein größeres Problem, da der Autor die Szenen des erwachsenen Aljoscha in der Gegenwartsform geschrieben hat, für die jugendliche Sicht des Hauptcharakters die Vergangenheitsform gewählt hat. Einzig die Erinnerungen seines Vaters verwirren beim Lesen und sorgen dafür, dass man ein wenig durcheinander kommt, da sie optisch nicht kenntlich gemacht wurden und sie direkt im Dialog zwischen Aljoscha und seinem Vater eingebaut wurden. So kommt es zu einem Dialog im Dialog, was stilistisch ein wenig ungünstig ist – zum einen kann sich kaum einer an Dialoge erinnern, die über zwanzig Jahre zurückliegen, zum anderen fällt es dem Leser schwer aus dieser doppelten Dialogführung herauszukommen. Hier wäre ein anderes stilistisches Mittel passend gewesen, denn die Erinnerungen von Aljoschas Vater sind wichtig und gehören zum Buch.

Fazit:
Dima von Seelenburg legt ein beeindruckendes, gut lesbares Debüt vor, das nicht nur für Jugendliche geeignet ist, sondern an dem auch Leser ihren Spaß haben werden, die ihre Jugend in den 90er Jahren erlebt haben. Mit Aljoscha ist dem Autor ein sehr schöner, gut nachvollziehbarer Jugendlicher gelungen, der sich mit den typischen Problemen herumschlagen muss – erste Liebe, Coming-Out, Probleme mit Eltern und Freunden. Wirklich etwas Neues bietet „Eis bricht langsam“ nicht, aber das muss ein Jugendbuch, in dem es um einen schwulen Charakter geht auch nicht unbedingt. Dafür macht er die 90er Jahre lebendig und zeigt jugendlichen Lesern wie es damals war (ohne Handy und Internet). Allein das lässt sein Debüt aus der breiten Masse herausstechen und macht „Eis bricht langsam“ so empfehlenswert.

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anthologie, kurzgeschichten, geschlechterrolle, mädchen, freundschaft

Unicorns don't swim

Antje Wagner , Ingrid Annel , Antje Wagner , Juliette Bensch
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei AvivA, 16.03.2016
ISBN 9783932338823
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Herausgeberin Antje Wagner hat 20 Geschichten von 16 unterschiedlichen Autorinnen gesammelt und in dem im Aviva Verlag erschienenen Erzählband „Unicorns don’t swim“ vereint. Egal ob realistisch oder fantastisch, lockerleicht oder dramatisch – es geht um Mädchen, die mit ihrer Art und ihren Gedanken aus den typischen Geschlechterrollen herausfallen. In der Anthologie geht es ums Anderssein, Que(e)rdenken und Sich-Selbst-Entdecken, das Brechen von Konventionen und dem Schubladendenken der Gesellschaft. Und so abwechslungsreich die Geschichten auch sind, sie haben eine Botschaft, die sich wie ein roter Faden durch sämtliche Geschichte zieht – das Mädchen nicht immer den üblichen Klischees entsprechen müssen, sondern wesentlich vielseitiger und individueller sein können und dürfen.

Eigene Meinung:
Der Erzählband „Unicorns don’t swim“ erschien 2016 im Aviva Verlag unter der Schirmherrschaft der mehrfach ausgezeichneten Jugendbuch-Autorin Antje Wagner, von der zwei Kurzgeschichten stammen. Auch andere bekanntere Jugendbuchautorinnen wie Vera Kissel lassen es sich nicht nehmen, sich mit einer Geschichte zu beteiligen, ebenso Autorinnen, die mit ihren lesbischen Romanen auf sich aufmerksam gemacht haben. Für viele ist die Veröffentlichung in „Unicorns don’t swim“ jedoch der erste Schritt in die Öffentlichkeit.

Die Geschichten sind so bunt, queer und unterschiedlich, wie die Autorinnen, was dem Leser eine breite Palette ungewöhnlicher Geschichten beschert, die zum teils Nachdenken anregen, teils „nur“ unterhalten sollen. Dabei werden alle möglichen Themen behandelt – Liebe in allen Formen und Facetten, das Ausbrechen aus Konventionen, der Umgang mit Transidentitäten und kleine und große Familienprobleme. Die Autorinnen entführen den Leser in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in fantastische Parallelwelten und realistische Settings. Auch aktuelle Themen wie Flüchtlinge werden aufgegriffen und eingebaut. Die meiste Zeit bewegen sie sich jedoch abseits des Mainstreams, denn die Heldinnen der Geschichte entsprechen nicht den üblichen Klischees. Sie sind stark, vertreten ihr eigene Meinung, verlieben sich mitunter in Mädchen und müssen lernen mit ungewöhnlichen Familienproblemen umzugehen. Besonders hervorzuheben sind „Metamorphose“ von Tania Witte, „Baby“ von Vera Kiesel und „Hellhelden“ von Antonie Partheil, die mich auf ganz besondere Art und Weise gefesselt und zum Nachdenken angeregt haben, doch im Grunde ist jede Geschichte ein kleiner Schatz, der wunderbar zur Anthologie passt. Auch „Halbes Bett“, Auftakt eines Jugendromans von Ingrid Annel kann überzeugen, wenngleich es schade ist, dass es sich um keine abgeschlossene Geschichte handelt.

Stilistisch weisen die Erzählungen eine hohe Qualität aus. Natürlich hat jeder Autor seinen Stil und setzt sich mit der Thematik auf ganz eigene Art auseinander, doch der Kurzgeschichtenband bietet Abwechslung und gibt dem Leser die Möglichkeit, neue Autorinnen kennenzulernen, die man zukünftig im Auge behalten kann. Dies ist bei einer Anthologie immer der schönste Punkt, neben verschiedenen Geschichten und einer bunten Mischung – das Kennenlernen neuer Autoren, die man bis dahin nicht kannte.

Fazit:
„Unicorns don’t swim“ ist eine gelungene Anthologie, die durch mutige, ungewöhnliche Geschichten besticht, die sich auf vollkommen unterschiedliche Art mit dem Thema Mädchen, Frauen in allen Facetten beschäftigen. Den Autorinnen gelingt ein breiter Querschnitt außergewöhnlicher Heldinnen, die sich fernab der Klischees und gängigen Ideale bewegen und für sich selbst sprechen, handeln und leben. Unter Herausgeberin Antje Wagner versammeln sich talentierte Autorinnen, die mit ihren Geschichten aufrütteln, berühren und nachdenklich stimmen wollen und die Themen aufgegriffen haben, die zu Diskussionen anregen dürften. Für junge Mädchen und Frauen unbedingt zu empfehlen, ebenso für Leser, die gerne einen Blick über den Tellerrand riskieren wollen. Es lohnt sich!

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