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Navy Seals - Wild Forces

Bianca Nias
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Bianca Nias, 23.03.2017
ISBN 9783000555848
Genre: Fantasy

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Nackt über Berlin

Axel Ranisch
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 23.02.2018
ISBN 9783961010134
Genre: Romane

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Wicker King

Kayla Ancrum , Uwe-Michael Gutzschhahn
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 21.09.2018
ISBN 9783423762335
Genre: Jugendbuch

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düster, fabelwesen, meerjungfrau, romantisch, urban fantasy

Das Herz der Meerjungfrau

Nana Chiu
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei tensual publishing, 15.03.2018
ISBN 9783946408154
Genre: Fantasy

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Mut verleiht Flügel

Günter von Lonski
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Fuchs, Monika, 13.06.2017
ISBN 9783947066049
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Björn ist 15 und anders als die anderen Jungs in seinem Alter – sein Herz schlägt für Mode und Design anstatt für Fußball, Mädchen findet er nicht halb so interessant wie die anderen und durch seine schüchterne Art wird er schnell in die Defensive gedrängt. Gerade gegen seinen Vater, der gleichzeitig auch Trainer des Fußballteams ist, hat Björn keine Chance. Das ändert sich, als er eines Tages plötzlich im Stadtsee neben seines Spiegelbild Geo Chavez sieht, einen Flugpionier, dem 1910 in seinem Aeroplan die Überquerung der Alpen gelang. Danach taucht Chavez immer wieder auf, berichtet von seinen Abenteuern und macht Björn auf seine Art Mut, zu sich selbst zu stehen. Unterstützung bekommt Björn auch von Mell, die seine beste Freundin wird und Sven, der Björns Gefühlswelt gehörig durcheinander bringt …

Eigene Meinung:

Das 160-seitige Jugendbuch „Mut verleiht Flügel“ von Günter von Lonski erschien im Sommer 2017 beim Monika Fuchs Verlag und handelt von Freundschaft, Mut und Selbstvertrauen. Günter von Lonski ist bereits seit mehreren Jahrzehnten als Schriftsteller aktiv – schreibt vorwiegend Kinder/Jugendbücher und Krimis, aber auch Drehbücher und Theaterstücke. Anlässlich der Veröffentlichung von „Mut verleiht Flügel“ brachte der Monika Fuchs Verlag zeitgleich den Tatsachenbericht „Im Aeroplan über die Alpen: Geo Chavez’ Simplonflug“ von Paul Willi Bierbaum neu heraus, der ursprünglich 1918 erschienen ist und die Ereignisse rund um die Alpenüberquerung von Geo Chavez schildert.Die Geschichte um den 15-jährigen Björn behandelt hauptschlich die Themen Freundschaft, Selbstfindung und den Mut zu sich selbst zu stehen – in Björns Fall steht der „Kampf“ gegen seinen Vater an oberster Stelle, denn für diesen sind sportliche Leistungen, insbesondere im Fußball, neben den schulischen am Wichtigsten. Dass Björn weder in dem einen noch in dem anderen wirklich gut ist, bekommt der Mann gar nicht mit, ebenso wenig, dass Björn sehr in sich gekehrt ist und eigentlich ganz andere Ziele im Leben hat. Eine wichtige Bezugsperson für den jungen Teenager wird Mell, ein toughes Mädchen, das Fußball spielen kann und Björn bei seinem Traum unterstützen will. Sven spielt eine eher untergeordnete Rolle, da ihm nur am Rande Beachtung geschenkt wird und Björn sich nicht unbedingt korrekt gegenüber ihm verhält.

Insgesamt ist die Geschichte sehr klischeebeladen – sowohl inhaltlich auch was die Charaktere betrifft: der schüchterne Junge, der kein Fußball spielen, sondern Modedesigner werden will ist natürlich schwul (zumindest klingt das am Rande durch), das toughe Mädchen, das ihm als beste Freundin zur Seite steht, der böse Vater, der wenig für die wahren Wünsche seines Sohnes übrig hat und Sven, der lieber Süßigkeiten herstellt. Die Sache mit Chavez und sein wiederholtes Auftauchen in spiegelnden Flächen ist leider auch nicht so spannend umgesetzt, wie man sich erhofft hat, denn im Grunde hilft er Björn nur bedingt, sondern erzählt eher, wie er zum Piloten wurde und was ihn bewegt hat, die Alpen zu überfliegen. Den Mut, sich seinem Vater zu stellen, entwickelt Björn mehr durch Mell und die Tatsache, dass er an einem Modedesign-Wettbewerb teilnehmen will.

Sehr schade ist auch, dass die Homosexualität im Grunde keine Rolle für die Geschichte spielt – einerseits ist es okay, wenn das Thema nicht unnötig ausgewalzt, andererseits fragt man sich bei einem Jugendbuch wie „Mut verleiht Flügel“ warum der Autor diese Sache überhaupt aufgenommen hat. Weder hat man das Gefühl, dass Björn sich wirklich für Sven interessiert (insbesondere so, wie er ihn zum Ende hin behandelt – da wird er dem Leser extrem unsympathisch), noch wird die Sache in irgendeiner Form aufgeklärt oder aufgegriffen. Es gibt nicht einmal ein wirkliches Ende für Björn und Sven, denn hier fehlt das klärende Gespräch vollkommen – man bleibt bei dem Thema vollkommen in der Luft hängen, weiß weder ob die beiden sich aufraffen, noch ob sie sich danach ignorieren. Auch Björns Aussprache mit seinem Vater ist alles andere als befriedigend, denn das Gespräch wird auf eine Seite zusammengefasst, anstatt wirklich in den Dialog zu gehen. Hier verschenkt der Autor alle Möglichkeiten, dem Buch Tiefe zu geben, zumal das Happy Ende wirklich schnell herbeigeführt wird (was alles andere als glaubwürdig wirkt).

Die Charaktere wirken leider sehr blass und klischeebeladen – man weiß schon ganz am Anfang, wer welche Position einnimmt und wie dieser in bestimmten Situationen handelt. Wirklich niemand bricht aus der ihm zugedachten Rolle heraus, nicht einmal Björn, obwohl er sich durch Chavez ändert und Mut findet, zu sich selbst zu stehen. Zudem wirken die Hauptcharaktere nicht wie 15-Jährige, sondern wesentlich jünger, was an ihren Handlungen und Reaktionen liegt. Auch die Erwachsenen können da nicht ausgleichen – gerade Björns Vater fällt durch seine Aart negativ auf.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Günter von Lonski hat einen recht einfachen, aber durchaus gut lesbaren Schreibstil, der für die Altersgruppe durchaus passend ist. Die Beschreibungen der Stadt und einzelner Szenen sind schön, bei den Dialogen hätte man jedoch mehr ins Detail gehen können, auch um diese zu vertiefen. Interessant sind die Passagen aus „Im Aeroplan über die Alpen: Geo Chavez’ Simplonflug“ von Paul Willi Bierbaum (Björn begegnet nicht nur Chavez, er liest auch das Buch), die mit in die Erzählung einfließen.

Fazit:
Insgesamt kann „Mut verleiht Flügel“ leider nicht überzeugen – Figuren und Geschichte sind zu klischeebeladen und wirken unausgegoren, Probleme werden nicht wirklich aufgearbeitet und gelöst und die Figuren wirken leider nicht sonderlich realistisch. Viele Aspekte werden mit in die Geschichte eingeflochten (das Thema Homosexualität, Mobbing und Geo Chavez), jedoch nicht wirklich gut umgesetzt – hier wäre weniger mehr gewesen, oder ein umfangreicheres Buch, um die einzelnen Themen auch wirklich passend zu beleuchten. So hinterlässt das Buch von Günter von Lonski leider ein unbefriedigendes Gefühl, denn nichts scheint wirklich zu einem Ende geführt worden zu sein. Schade – 1,5 Sternchen.

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Im Aeroplan über die Alpen: Geo Chavez’ Simplonflug

Paul Willi Bierbaum
Flexibler Einband: 136 Seiten
Erschienen bei Fuchs, Monika, 19.06.2017
ISBN 9783947066056
Genre: Sonstiges

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Glitzernde Nächte

Julia E. Dietz
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Himmelstürmer, 02.02.2018
ISBN 9783863616786
Genre: Romane

Rezension:

Story:
Timos Leben als schwuler Teenager in einer Kleinstadt ist nicht leicht, insbesondere da er seinen konservativen und strengen Eltern nur schwer gerecht wird. Einzig sein bester Freunde Sebastian ist für ihn da und jemand, mit dem er über alles reden kann. Das ändert sich als Lennart aus Berlin in das kleine Städtchen kommt und Timos Leben gehörig auf den Kopf stellt. Die beiden beginnen trotz oder gerade wegen des Prüfungsstresses und ihren alltäglichen Problemen eine Affäre miteinander, die zunächst rein sexuell ist – bis Timo sich wirklich verliebt und damit Lennart ungewollt von sich stößt, da dieser gar kein Interesse an einer Beziehung hat …

Eigene Meinung:
„Glitzernde Nächte“ ist das Debüt von Julia E. Dietz und erschien in der „Junge Liebe“-Reihe des Männerschwarm Verlags. Die Geschichte um Timo und Lennart ist in der heutigen Zeit angesiedelt und passt vom Genre her in den Young Adult Bereich. Der Roman ist vergleichbar mit „Jetzt sind wir jung“ von Julian Mars.

Die Geschichte umfasst ungefähr ein Jahr im Leben der Jugendlichen Time und Lennart, die beide ihr Päckchen zu tragen haben – Timo leidet unter seinem strengen Vater, der genaue Pläne hat, was die Zukunft seines Sohnes betrifft und für offene Gespräche weniger zu haben ist; Lennart hat nach einigen Drogenexzessen, die ihn schlussendlich auch ins Krankenhaus brachten, von seiner Mutter eine letzte Chance erhalten, um sich zu fangen und seine Schule zu beenden. Beide sind bis zu einem gewissen Grad gebrochen, müssen mit sich und ihrer Sexualität klarkommen und haben gegen Wiederstände zu kämpfen, um einen Platz im Leben zu finden. Julia E. Dietz greift verschiedene Probleme Jugendlicher auf und verknüpft sie zu einem authentischen Bild der heutigen Jugend – Drogen, Prüfungsstress, Angst vor der Zukunft, erste Liebe und natürlich die sexuellen Erfahrungen, die Timo als junger Schwuler in entsprechenden Clubs und mit One Night Stands sammelt. Dabei geht es hin und wieder alles andere als kitschig oder sonderlich liebevoll zur Sache, sondern oftmals schmutzig und direkt. So gibt es etliche explizite Szenen (jedoch ohne, dass die Autorin diese künstlich aufbläht und über mehrere Seiten ausdehnt), auch in den Dialogen sind die Jungs sehr direkt und nennen die Dinge beim Namen. Wer romantische Gay Romance Romane oder die lockeren, amerikanischen LGBT-Jugendbücher gewöhnt ist, der wird mit „Glitzernde Nächte“ nicht unbedingt etwas anfangen können, da das Buch anders, weil wesentlich direkter, ist.

Die Figuren wirken sehr authentisch und sind gut nachvollziehbar in Szene gesetzt. Timos Probleme sind stets logisch und wirken ins sich schlüssig, ebenso seine Handlungen und Reaktionen. Manchmal ist er ein wenig zu inaktiv, doch die Autorin bringt glaubhaft rüber, warum sich Timo so verhält. Für Lennart braucht man mehr Zeit, denn er ist gerade am Anfang schwerer zu greifen – man erfährt erst zum Ende der Geschichte, was ihm in Berlin wiederfahren ist und wo seine eigentlichen Probleme liegen. Nichtsdestotrotz fehlt den beiden manchmal ein wenig die Tiefe, ganz besonders allerdings Sebastian, der die Rolle als sympathischer, verständnisvoller Freund zwar perfekt ausfüllt, über den man jedoch relativ wenig erfährt (außer, dass er jedes Mädchen um den Finger wickelt, was ihm über den Weg läuft). Auch die übrigen Charaktere kommen mitunter ein wenig kurz – die Mitschüler in Timos und Lennarts Klasse, Lennarts Arbeitskollegin Nina und mitunter auch Timos Eltern.

Stilistisch legt Julia E. Dietz ein beeindruckendes Debüt vor, das vor allem durch eine direkte, unverblümte Sprache besticht. Sie bewegt sich fernab der üblichen Gay Romance Bahnen, da sie zwar eine Liebesgeschichte einbaut, diese jedoch weder kitschig, noch sonderlich romantisch umgesetzt sind, sondern vielmehr sehr realistisch und authentisch. Ein wenig verwirrend ist die Tatsache, dass sie für Timos Perspektive die Ich-Perspektive gewählt hat, während sie Lennarts Part aus der 3. Person heraus erzählt. Das sorgt dafür, dass man bei einem Wechseln hin und wieder ins Stolpern gerät. Zudem haben sich gerade bei Lennart Perspektivfehler eingeschlichen (Sprung zu einer anderen Person), die beim Lesen verwirren. Ansonsten gibt es wenig zu bemängeln, Dialoge und Beschreibungen sind gelungen – die Autorin findet das passende Maß, schreibt nicht zu viel und nicht zu wenig und beherrscht auf jeden Fall ihr Handwerk.

Fazit:
„Glitzernde Nächte“ ist ein gelungener Young Adult Roman, der aufgrund der expliziten Szenen nicht ganz als Coming-of-Age Jugendbuch durchgeht und eher für erwachsener Leser geeignet ist. Julia E. Dietz hat ein Händchen für authentische, realistische Charaktere, scheut sich nicht vor schmutzigen Szenen und nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht die Probleme der heutigen Jugend anzusprechen. Die Geschichte ist gut geschrieben, kommt gänzlich ohne Kitsch und Glitzer aus und ist härterer Toback als so manch andere Bücher dieses Genres – was nicht negativ auszulegen ist. Wer nach Büchern sucht, die nicht ins romantische Gay Romance Genre passen oder durchaus auch härter und schmutziger sind, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren.

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Navy Seals - Wild Forces (Volume II)

Bianca Nias
Flexibler Einband: 330 Seiten
Erschienen bei Bianca Nias, 20.04.2017
ISBN 9783000562228
Genre: Fantasy

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Ferris@Bruns_LLC

Bianca Nias
Flexibler Einband: 356 Seiten
Erschienen bei Dead Soft Verlag, 07.11.2017
ISBN 9783960891574
Genre: Fantasy

Rezension:

Story:
Das Leben des jungen Wolfwandlers Ferris gerät aus den Fugen, als er seinen Job als freier Mitarbeiter der Hochschule verliert und die seltsamen Wildtierbewegungen in Kanada nicht mehr dokumentieren kann. Zudem hat einer seiner besten Freunde geheiratet und ist nach Deutschland gezogen, weswegen ihm nur noch der stille, introvertierte Bärenwandler Roderik bleibt, den er trotz gemeinsamer Kindheit nicht ansatzweise so gut kennt, wie er dachte. Rod verhält sich mit jedem Tag seltsamer und abweisender und nur mit viel Geduld entlockt Ferris seinem alten Freund sein Geheimnis: Rod ist schwul und zu allem Überfluss seit jeher in Ferris verliebt. Für diesen ein Schock, gleichzeitig aber auch ein Geständnis, das Ferris Neugier weckt, denn gänzlich kalt lässt Roderik ihn dann doch nicht …

Eigene Meinung:

Mit „Ferris@Bruns_LLC: Problembär“ legt Bianca Nias einen weiteren Teil ihrer erfolgreichen Gay Gestaltwandler-Reihe vor. Die Geschichte knüpft lose an „Keyla@Bruns_LLC“ an, dem einzigen Band, in dem ein Hetero-Pärchen im Zentrum steht und in dem man Ferris und Rod das erste Mal kennenlernt. Zudem ist es von Vorteil auch die „Navy Seals: Wild Forces“ Reihe der Autorin zu kennen, denn die Figuren dieser Reihe tauchen im vorliegenden Buch auf und spielen bedingt eine wichtige Rolle. IM Gegensatz zu den Navy Seals, die im Selbst Verlag herausgekommen sind, erschien „Ferris@Bruns_LLC: Problembär“ im deadsoft Verlag.

Der Großteil der Geschichte handelt von der Freundschaft und wachsenden Beziehung zwischen Ferris und Rod und den Problemen, die die beiden haben. So ist Ferris zu Beginn jemand, der keine hübsche Frau von der Bettkante stößt und keine Chance verstreichen lässt, sich weibliche Begleitung für die Nacht zu suchen. Er ist offen, frech und sagt, was ihm durch den Kopf geht. Roderik ist das genaue Gegenteil – sehr ruhig, in sich gekehrt und schweigsam. Dementsprechend dauert es ewig, bin Rod seinem Freund seine Gefühle gesteht, natürlich nicht ohne vorab alles daran zu setzen, sein Geheimnis zu bewahren und seinen Problemen mit Ferris irgendwie Herr zu werden. Dieses Hin und Her nimmt gut die erste Hälfte ein, denn Bianca Nias lässt sich viel Zeit, die beiden Männer einander näher zu bringen und sich gegenseitig zu entdecken. Natürlich finden sie letztendlich zueinander – was im Nachhinein fast ein wenig zu schnell geht, wenn man bedenkt, dass Ferris im Grunde auf Frauen steht und sich scheinbar plötzlich ohne Probleme auf einen Mann einstellen kann. Er wirkt nicht wirklich bisexuell (was er ja sein müsste), sondern scheint binnen weniger Tage von einem Hetero zu einem Schwulen zu werden, was nur schwer nachvollziehbar ist.

Sehr spannend wird es im zweiten Drittel, da die Autorin dann endlich die Rahmenhandlung der „Bruns“-Reihe mit einbaut und alte Freunde und Feinde auftauchen lässt. Denn natürlich hat Ferris‘ Entdeckung der Wildtierwanderungen einen düsteren Hintergrund, der Ferris und Rod auf die Spur der Handlanger von Shirkou Soran führt, der seit jeher Gegner der Familie Bruns ist.

Die beiden Hauptfiguren sind wie gesagt sehr unterschiedlich, aber Gegensätze ziehen sich bekanntlich an (auch wenn die erwähnte Wandlung bei Ferris trotz allem Hin und Her zu abrupt ist). Die Dynamik zwischen Ferris und Rod machen ein Großteil der Geschichte aus und dürften gerade Gay Romance Fans begeistern – es knistert spürbar zwischen den Beiden und auch Fans von Erotik kommen nicht zu kurz, denn natürlich dürfen explizierte Szene nicht fehlen.
Die übrigen Charaktere kennt man aus den anderen Büchern der Autorin – sie baut sowohl Figuren aus der „Bruns“-Reihe als auch aus den „Navy Seals“ ein. Fans der Reihe treffen daher auf alte Bekannte, die in den vorherigen Büchern eine Rolle spielten. Dabei sollte man die anderen Bände der beiden Reihen chronologisch zum Erscheinungsdatum lesen, ansonsten spoilert man sich ein wenig, was die Pärchen und Handlungen anbelangt.

Stilistisch legt Bianca Nias ein solide geschriebenes, gut lesbares Buch vor. Man spürt, dass sie ein alter Hase ist und weiß, wie sie Charaktere in Szene setzen muss. Sie hat ein Händchen für Beschreibungen und Dialoge, auch die Erotikszenen sind ansprechend geschrieben, ebenso die Einblicke in die Gefühlswelten von Ferris und Rod – beide kommen zu Wort und dürfen ihren Teil der Geschichte erzählen. So lernt man beide Charaktere kennen und kann sich gut mit ihnen identifizieren.

Fazit:
„Ferris@Bruns_LLC: Problembär“ ist eine gelungene Fortsetzung der (eigentlich abgeschlossenen) „Bruns“-Reihe gelungen, die den Leser einmal mehr in die Welt der Gestaltwandler entführt. Die Geschichte um Rod und Ferris mag zwar ein wenig schnell gehen und gerade am Anfang vermisst man eine actionhaltige Handlung, dafür kommen jedoch Gay Romance Fans vollkommen auf ihre Kosten. Wer die Konstellation „Friends to Lovers“ mag, wird an diesem Band nicht vorbeikommen, es empfiehlt sich jedoch vorab die anderen Romane der Autorin zu lesen, gerade weil im letzten Drittel des Buches der Bogen zu früheren Ereignissen und Büchern gespannt wird. Denn selbst wenn die Bände für sich allein stehen können, bauen sie aufeinander auf. Fans der Autorin werden sowieso nicht an der Geschichte von Ferris und Rod vorbeikommen – alle anderen sollten zumindest in den ersten Band der „Bruns“-Reihe schnuppern, gerade wenn man Gestaltwandler mag.

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Eine riskante Mission

Verena Rank
Flexibler Einband: 452 Seiten
Erschienen bei Dead Soft Verlag, 01.06.2018
ISBN 9783960892199
Genre: Romane

Rezension:

Story:
Für Josh geht ein Traum in Erfüllung, als er das Angebot bekommt in einer Auffangstation für Schimpansen in Nigeria zu arbeiten – schon immer wollte er Menschenaffen helfen und diese außergewöhnlichen Tiere retten. Einzig seine Homosexualität muss er geheim halten, denn in dem afrikanischen Land werden schwule Männer schwer bestraft. Als er dem attraktiven Tierarzt Matt begegnet, mit dem er fortan zusammenarbeitet, bekommt er zunehmend Probleme – insbesondere als dieser sich nach einiger Zeit auf ihn einlässt. Die unbeschwerte Zeit, die Josh und Matt gemeinsam erleben, währt nur kurz, denn schon bald werden sie angezeigt und während Josh in London ist, wird Matt von der nigerianischen Polizei festgenommen …

Eigene Meinung:
Mit dem 450 Seiten starken Roman „Eine riskante Mission“ legt die Autorin Verena Rank ihren neusten Roman vor und entführt den Leser teilweise nach Afrika – eine spannende Idee, denn die meisten Gay Romane spielen eher im europäischen Raum. Der in sich abgeschlossene Einzelband erschien im deadsoft Verlag.

Die Geschichte um Josh und seine neue Arbeit in der Auffangstation für Schimpansen bietet Viellesern eine angenehme Abwechslung, denn es gibt nicht viele Romane, die in Afrika spielen. Sehr gut gelungen ist in diesem Zusammenhang das erste Drittel des Romans, in dem die Arbeit der Mitarbeiter der Auffangstation genauer beleuchtet wird und man einen guten Einblick in die dortigen Zustände bekommt. Verena Rank hat sich auf jeden Fall informiert, um die vielfältige Arbeit der Tierschützer zu beleuchten und lebendig zu machen. Man ist hautnah mit dabei, wenn die einzelnen Teams Tiere vor Wilderern retten oder aus der Gefangenschaft befreien. Leider verlagert die Autorin ab der Hälfte das Gewicht des Buches fast gänzlich auf die Beziehung zwischen Josh und Matt, denn es ist logisch, dass ihre zarte Liebe den nigerianischen Mitarbeitern der Auffangstation nicht verborgen bleibt und es zur Anzeige kommt. Dadurch wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt, denn natürlich hinterlässt die Gefangenschaft Spuren bei Matt. Zudem verlagert sich die Handlung wieder nach London, denn Josh darf nicht mehr nach Nigeria reisen, wenn er nicht verhaftet werden will. Dadurch büßt die Handlung eine Menge Spannung ein, denn ab diesem Zeitpunkt steht nur noch die Liebe zwischen Josh und Matt, kombiniert mit viel Drama und Herzschmerz im Zentrum – von den Menschenaffen liest man leider gar nichts mehr. Das ist schade, denn die Schimpansen und die Arbeit der Tierschützer waren wirklich faszinierend. Auch ist die Wahl, die Ereignisse nur aus Joshs Sicht zu erzählen, ein wenig unglücklich – die Geschichte wäre gewiss interessanter und dreidimensionaler gewesen, wenn sie teilweise auch von Matt erzählt worden wäre (gerade Matts Gefangenschaft hätte man so eindringlicher beschreiben können).

Die Figuren sind sympathisch, allerdings lernt man nur Josh näher kennen – er ist der einzige, der den Leser emotional wirklich berührt. Matt bleibt ein wenig blass, da man seine Gedanken und Gefühl quasi nur aus zweiter Hand erfährt und Josh von Anfang an ein sehr verklärtes Bild von ihm hat. Angenehm und sympathisch sind auch die übrigen Nebencharaktere, allen voran Valentina, die mit Matt und Josh zusammenarbeitet. Auch Joshs Familie ist sehr sympathisch, da sie vollkommen hinter Josh stehen und ihn in allen Punkten unterstützen.

Stilistisch legt Verena Rank ein solide geschriebenes Buch vor, das sich schnell lesen lässt und einen rasch gefangen nimmt. Gerade am Anfang kann man den Roman schwer aus der Hand legen. Sie hat ein Händchen für ihre Figuren, Dialoge und Beschreibungen und weiß durchaus zu fesseln. Leider nehmen zum Ende hin sowohl die dramatischen als auch die kitschig-romantischen und erotischen Szenen überhand. Nichts gegen Erotik, wenn sie wohldosiert ist – bei „Eine riskante Mission“ wurde es am Ende fast schon zu viel, denn gefühlt machen Josh und Matt nichts anders. Das ist schade, denn als Leser habe ich stellenweise überblättert, um zur eigentlichen Handlung zurückzukommen.

Fazit:
„Eine riskante Mission“ ist ein spannender Einzelband, mit einem starken, fesselnden ersten Drittel und tollen Beschreibungen rund um die Arbeit der Auffangstation punkten kann. Auch die Tatsache, dass der Roman in Nigeria spielt, ist etwas erfrischend Neues und kann überzeugen. Leider rutscht das Buch spätestens ab der Hälfte in die bekannten dramatischen Gay Romance Bahnen ab und konzentriert sich fast ausschließlich auf Joshs und Matts Beziehung. Hier hätte Verena Rank mehr rausholen können, wenn sie Joshs Leidenschaft für Schimpansen nicht gänzlich außen vorgelassen hätte. Nichtsdestotrotz ist „Eine riskante Mission“ aufgrund des flüssigen Schreibstils und der tollen Beschreibungen lesenswert, sprich man sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren – gerade wenn man es dramatischer und erotischer mag.

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No Return 3: Gebrochene Herzen

Jennifer Wolf
E-Buch Text: 282 Seiten
Erschienen bei Impress, 02.08.2018
ISBN 9783646604351
Genre: Liebesromane

Rezension:

Story:
Die Boyband WrongTurn kann sich über mangelndes Interesse seitens ihrer Fans und der Presse nicht beklagen – wohin sie auch gehen, kreischende Mädchen, Paparazzi und Journalisten sind nicht weit. Insbesondere seitdem Tony und Drew sich offiziell zueinander bekannt haben und offen ihre Liebe feiern. Auch das Herz des Bandmitglieds Shanes schlägt für einen Mann – Florian Müller, den er während einer Tour in Deutschland kennengelernt hat. Doch die beiden stammen aus vollkommen verschiedenen Welten, denn Florian/Fay hat einige dunkle Flecken in seiner Vergangenheit und will unbedingt auf eigenen Beinen stehen, während Shane alles daran setzt, Fay für sich zu gewinnen. Das stellt die beiden ungleichen Männer vor etliche Herausforderungen, denn für Fay ist der Rummel etwas ganz Neues …

Eigene Meinung:
Mit „Gebrochene Herzen“ legt Jennifer Wolf den dritten Band der Reihe vor und beleuchtet die Geschichte von Shane und Florian – was sich viele Leser der ersten beiden Bände gewünscht haben, in denen die beiden nur am Rande vorkamen. Die Geschichte endet leider nicht mit diesem Band, sondern wird im Oktober mit dem Roman „Gefährlicher Ruhm“ fortgesetzt.

Die Geschichte verläuft in bekannten Bahnen, denn sie beginnt natürlich mit dem ersten Aufeinandertreffen der beiden im Hotel – was den Lesern bekannt sein dürfte. Auch die folgenden Szenen sind mitunter nichts Neues, denn man kennt sie teilweise schon aus den ersten beiden Teilen der Reihe. Nichtsdestotrotz erfährt der Leser ein bisschen mehr, denn die Zwischenszenen werden endlich gefüllt und man ist nah bei Shane und Florian, während sie sich ineinander verlieben. Dieser Part ist auch vollkommen okay, wenn man zuckersüße Liebesgeschichten mag und kein Problem damit hat, dass es wirklich schnell geht, denn die beiden Männer kommen sich wirklich sehr schnell näher und finden einen Weg zusammen zu sein. Das sorgt leider dafür, dass sich der Mittelteil ein wenig zieht, da wirklich kaum noch Probleme auf sie warten – die Fans sind begeistert von Fay und haben keinerlei Probleme mit ihm und Shanes Eltern nehmen Fay als neues Familienmitglied in ihre Reihen auf. Das ist schön und wirklich angenehm, allerdings auch ein wenig unspannend. Es geht einfach zu schnell und unproblematisch, so dass der erzwungene, dramatische Cliffhanger am Ende einfach nur vollkommen deplatziert wirkt. Man hat wirklich den Eindruck, dass da vom Verlag der Auftrag einer weiteren Duologie im Raum stand, also musste man am Ende noch schnell eine passende Szene schreiben, um einen weiteren Teil zu rechtfertigen. Das hinterlässt einen seltsamen Beigeschmack, da so ziemlich nichts auf diese Wendung hingedeutet hat und die Reaktionen der Charaktere arg übertrieben sind. Da wäre es schöner gewesen, die Geschichte als Einzelband zu konzipieren und diese Punkte schon im vorliegenden Buch abzuhandeln, anstatt das Ganze auf einen zweiten Band auszudehnen.

Die Figuren sind sympathisch, verhalten sich jedoch arg kitschig und klischeehaft – ganz besonders Shane, den man so gar nicht mehr wiedererkennt. Sicherlich verändert die Liebe einen Menschen, doch das ist schon recht auffällig. Nichtsdestotrotz schließt man den Chaoten ins Herz, gerade wenn er mit seiner Familie zusammen ist (die Shane mitunter den Rang abläuft). Auch Florian ist ein interessanter Charakter, wirkt jedoch aufgrund seiner Vergangenheit ein wenig 08/15 – zumal sie nur bedingt zum Tragen kommt. Vielleicht ändert sich das ja in Band 2 (immerhin ist diese der Hauptgrund für den Cliffhanger am Ende), aber man hätte durchaus mehr davon in „Gebrochene Herzen“ einbauen können.
Die übrigen Figuren sind angenehm und können überzeugen – es ist ein wenig schade, dass die übrigen Bandmitglieder wirklich nur am Rand vorkommen. Selbst von Tony und Drew erfährt man nur wenig Neues.

Stilistisch legt Jennifer Wolf einmal mehr einen lockerleichten, solide geschriebenen Roman vor, der unterhalten kann und einige schöne Lesestunden beschert. Sie hat ein Händchen für ihre Figuren und Beschreibungen; auch Dialoge sind toll umgesetzt. Sehr gut gelungen sind auch die Beschreibungen des Bandalltags und des damit verbundenen Stresses (Fans, Presse, Medienrummel, etc.). Man kann all das sehr gut nachvollziehen und gut mit den Charakteren mitfiebern.

Fazit:
„Gebrochene Herzen“ ist eine solide Fortsetzung der „No Return“-Reihe, reicht jedoch inhaltlich nicht ganz an die ersten beiden Bände heran – dafür ist die Story zu dünn, bisweilen sogar zu kitschig und das unnötige Ausdehnen der Geschichte auf einen vierten Band einfach nur nervig. Nichtdestotrotz werden Fans der Reihe ihren Spaß haben, mit Shane und Fay mitfiebern und im Oktober zum vierten Band greifen, in dem die Geschichte der beiden fortgeführt wird. Wer „No Return“ mag, der wird um diesen Band nicht herum kommen – Jennifer Wolf legt einen lockerleicht geschrieben, manchmal etwas klischeehaften Roman vor, der sich fast von selbst liest. Wem allzu kitschige Gay Romance nicht liegt, sollte vielleicht doch im Vorfeld reinlesen und (am besten mit Band 1) antesten, ob die Geschichte und die Charaktere gefallen.

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Maiden Voyage (Promised Land Tales Book 2)

Jaimee Poipoi , Adam Reynolds , Chaz Harris
E-Buch Text: 37 Seiten
Erschienen bei null, 26.06.2018
ISBN 9780473434939
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Als Rus Vater stirbt und ihr lediglich eine geheimnisvolle Karte hinterlässt, ist sie fest entschlossen, herauszufinden, wer sie ist. Auf der Suche nach einem Kapitän, der sie zu der Inselgruppe bringt, die auf der Karte eingezeichnet ist, trifft sie auf Freya, eine junge Kapitänin, die als einzige bereit ist, ihr zu helfen. Allerdings warnt sie Ru vor den Inseln auf der Karte, da diese von einer bösen Königin regiert werden. Nichtsdestotrotz machen sie sich auf den Weg und müssen sich schon bald Kapitän Crow und seinen Piraten entgegenstellen. Diese wurden von der bösen Königin Neva geschickt, um sie aufzuhalten, denn Ru ist mehr als ein einfaches Fischermädchen. Sie ist die einzige, die die Schreckensherrschaft der bösen Königin beenden und den Bann lösen kann …

Eigene Meinung:

Nach dem erfolgreichen Kinderbuch „Promised Land“ war es nur eine Frage der Zeit bis Adam Reynolds und Chaz Harris ein weiteres Projekt in Angriff nehmen würden. Im Oktober 2017 starteten sie einmal mehr eine Crowdfunding Kampagne – dieses Mal sollte das Projekt „Maiden Voyage“ realisiert werden, in dem ein lesbisches Pärchen im Zentrum steht. Einmal mehr erhielt das Projekt breite Unterstützung und konnte mit Hilfe der Illustratorin Christine Luiten und Jaimee Poipoi, einer weiteren Autorin, realisiert werden. Seit Juni 2018 ist „Maiden Voyage“ überall erhältlich.

„Maiden Voyage“ besticht, wie schon „Promised Land“, durch eine sehr komplexe und fantasievolle Handlung, die sich angenehm von anderen Bilder/Kinderbüchern des Genres abhebt – insgesamt ist dieses Buch eines der wenigen lesbischen Bilderbücher, die es auf dem Markt gibt. Man fiebert mit Ru und Freya mit, die sich natürlich auf ihrer langen Reise näherkommen und bald mehr als Freunde werden. Natürlich müssen sie sich ähnlichen Herausforderungen stellen wie Leo und Jack – auch sie haben es mit einem bösen, magisch begabten Gegner zu tun, der ein ganzes Land bedroht. Dabei müssen sie aufeinander vertrauen, denn sie können die böse Königin Neva nur gemeinsam besiegen. Unterstützung finden sie in den Piraten und Freyas Kater, der seine ganz eigenen Wege geht, um den Mädchen zu helfen.
Die Charaktere sind sehr liebeswert gestaltet – man schließt sowohl Ru als auch Freya schnell ins Herz und erlebt ihre Abenteuer hautnah. Gerade Kinder ab 5 Jahren dürfte die Abenteuergeschichte gefallen, denn sie bietet mehr als ein kurzweiliges Vergnügen. Die Autoren bemühen sich um eine schöne Rahmenhandlung, in der die Liebe zwischen Ru und Freya eher in den Hintergrund rückt und der Kampf gegen das Böse im Zentrum steht. Diese Herangehensweise ist durch und durch positiv, da das Thema LGBT wie etwas vollkommen Normales behandelt wird (was es schließlich auch ist), das keine gesteigerte Aufmerksamkeit und zusätzliche Erklärungen benötigt. „Maiden Voyage“ bringt dadurch die Botschaft viel besser rüber, als manch anderes Kinderbuch.

Einmal mehr besticht das Kinderbuch durch sehr schöne, kindgerechte Illustrationen. Wie schon in „Promised Land“ bieten Christine Luitens Illustrationen den perfekten Rahmen, um die Geschichte von Ru und Freya zu erzählen. Der disneyhafte, farbenfrohe Stil mit den liebenswerten Figuren und den detailverliebten Hintergründen ist auf die Zielgruppe zugeschnitten und dürfte jungen Lesern auf jeden Fall gefallen.

Das Kinderbuch liegt aktuell nur in englischer Sprache vor – es ist davon auszugehen, dass auch Übersetzungen in andere Sprachen geplant sind, wie schon bei „Promised Land“ geschehen – dann aber mit großer Wahrscheinlichkeit nur als eBook. Liebhaber von gedruckten Büchern werden auf die englischen Ausgaben zurückgreifen müssen, die nur im Import aus Australien zu beziehen sind.

Fazit:
„Maiden Voyage“ ist eine gelungene Ergänzung der queeren Kinderbücher von Adam Reynolds und Chaz Harris. Wie schon mit „Promised Land“ legen die Autoren zusammen mit Jaimee Poipoi ein wundervolles, kindgerechtes Abenteuerbuch vor, in dem zwei junge Frauen die Helden sind und das sich perfekt zum Vorlesen und für Erstleser eignet. Christine Luiten liefert einen passenden Rahmen und überzeugt mit schönen, farbenfrohen Illustrationen. Wer auf der Suche nach lesbischen Kinderbüchern ist, wird um „Maiden Voyage“ nicht herumkommen – es ist eines der wenigen, die es in diesem Bereich überhaupt gibt. Sehr zu empfehlen.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das Gelobte Königreich (German): Promised Land

Adam Reynolds , Chaz Harris
E-Buch Text: 37 Seiten
Erschienen bei null, 24.05.2017
ISBN 9780473399467
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Den Farmjungen Jack und den Prinzen Leo trennen Welten. Nichtsdestotrotz freunden sie sich an, als sie sich im Wald begegnen und ihre Kindheit und Jugend gemeinsam verbringen. Leo flieht dabei vor dem Mann, der seine Mutter unter einem magischen Bann gefangen hält und darauf sinnt die Königin des Landes zu heiraten; Jack ist, bis auf ein Geheimnis, das er und seine Mutter hüten, ein normaler Junge. Bald schon wird aus ihrer Freundschaft mehr und ihre Liebe auf eine harte Probe gestellt, als die Hochzeit zwischen Königin Elena und dem bösen Magier ansteht und dieser seine wahren Absichten offenbart – er will den Zauberwald mit all seinen Mächten in seine Gewalt bringen, den Jack und seine Mutter schützen …

Eigene Meinung:
Das farbig illustrierte Kinderbuch „Promised Land“ erschien 2016 im Anschluss einer äußerst erfolgreichen Crowdfunding Kampagne. Geschrieben wurde es von Adam Reynolds und Chaz Harris, die Illustrationen wurden von Christine Luiten beigesteuert. Das Buch erhielt weltweit positives Feedback, teils auch von bekannten Autoren und Schauspielern und ist als eBook in mehreren Sprachen erhältlich. Aufgrund des Erfolges erschien 2018 das Kinderbuch „Maiden Voyage“, das ein lesbisches Pärchen ins Zentrum stellt.

Die Geschichte ist überraschend komplex für ein Bilder/Kinderbuch, denn es geht bei weitem nicht nur um die beiden jungen Männer, die im Laufe der Geschichte ihre Liebe füreinander entdecken, sondern auch um den Zauberwald, den bösen Magier und den Kampf gegen diesen. Zudem stehen nicht nur die beiden Jungs im Zentrum, sondern auch die Königin und Jacks Mutter, da diese wichtige Handlungsträger sind. Sie sind starke Frauen, die sich nicht so schnell unterkriegen lassen und zu dem stehen, an das sie glauben. Dadurch stehen sie Jack und Leo manchmal ein wenig die Show, doch auch die beiden sind sehr sympathisch und passen gut zusammen, da sie füreinander einstehen und ihre Liebe zueinander im Laufe der Geschichte immer stärker wird.
Alles in allem bietet „Promised Land“ eine fantasievolle Geschichte in einer Fantasy-Welt, die Kinder ab 5 Jahren und Erstleser begeistern dürfte, da sie unterhaltsam ist und einfach mehr bietet als so manch anderes LGBT Bilder/Kinderbuch. Die Liebesgeschichte der beiden jungen Männer bildet eher einen Nebenplot, denn im Zentrum steht der Kampf gegen den bösen Magier und die Rettung des Königreichs. Das ist durch und durch positiv, denn die Einbindung von LGBT in eine kindgerechte Geschichte ist wesentlich schöner, als wenn es nur um das Thema Homosexualität gegangen wäre.

Sehr schön sind auch die Illustrationen, die ein wenig an die aktuellen Arbeiten von Disney erinnern – Christine Luiten hat einen kindgerechten Stil, der die Charaktere sehr farbenfroh und liebenswert zum Leben erweckt. Die vollflächigen Illustrationen mit den aufwendigen Hintergründen tragen maßgeblich dazu bei, die Geschichte zu transportieren und runden das Kinderbuch perfekt ab.

Einziges Manko ist, dass es das Buch in gedruckter Form leider nur in englischer Sprache gibt – eine deutsche Printausgabe ist leider nicht geplant. Daher muss man sich entweder mit einem eBook zufrieden geben, oder man greift zur englischen Ausgabe, die im Import aus Australien jedoch recht teuer ist.

Fazit:
„Mit „Promised Land“ legen Adam Reynolds und Chaz Harris ein schönes Kinderbuch vor, das eine tolle Geschichte erzählt und sich perfekt zum Vorlesen eignet. Die Illustrationen von Christine Luiten passen gut zur Geschichte und den Figuren und geben der Fantasy-Geschichte einen passenden Rahmen. Wer auf der Suche nach guten Kinderbüchern mit LGBT-Content ist, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren – es lohnt sich!

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Hyde

Antje Wagner
Fester Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Julius Beltz GmbH & Co. KG, 10.07.2018
ISBN 9783407754356
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Die junge Tischlerin Katrina ist auf der Walz und hangelt sich von Auftrag zu Auftrag, von kleinem Jobs zu Gelegenheitsarbeiten. Das bisschen Geld, was sie verdient, legt sie in ihre Kriegskasse, denn sie ist auf Rachefeldzug. Als sie zufällig in dem abgelegenen, verlassenen Haus Waldkauz landet und kurz entschlossen den Job der Verwalterin annimmt, ahnt sie nicht, dass sich nach und nach ihr Leben verändern wird. Nicht nur erinnert sie das Haus, das sie zu Restaurieren beginnt, an ihr Leben in Hyde – dem Ort, an dem sie und ihre Zwillingsschwester Zoe mit ihrem Vater aufgewachsen sind – unerklärliche Dinge passieren: Stufen knarren, Schritte sind zu hören, eiskalte Felder bewegen sich durch die Gänge. Zudem gibt es einen Raum, den sie nicht betreten kann und darf. Nach und nach kommt sie dem Geheimnis des Hauses auf die Spur und muss sich zeitgleich ihrer Vergangenheit stellen.

Eigene Meinung:
Mit „Hyde“ legt die bekannte und mehrfach ausgezeichnete Jugendbuchautorin Antje Wagner ihr neustes Jugendbuch für junge Erwachsene vor. Wie von ihren anderen Büchern gewohnt, ist die leicht thrillerhafte Geschichte von fantastischen Elementen durchsetzt, denn die Erklärungen zum Ende hin bewegen sich fernab der Realität.

Die Geschichte ist sehr verworren, da sie zeitlich auf mehreren Ebenen spielt – zum einen begleitet man Katrina auf ihrer Walz, bei ihrer Anstellung im Kartoffelparadies, einer heruntergekommenen Raststätte in der sie kurze Zeit als Kellnerin arbeitet und schließlich als Verwalterin des Waldkauz‘; zum anderen erlebt man hautnah ihre Vergangenheit, erfährt wie sie aufgewachsen ist und welches Geheimnis ihr eigenes Leben verbirgt. Antje Wagner hat sich zwei sehr starke Handlungsstränge zurechtgelegt, die beide für sich gesehen sehr spannend und inhaltsstark sind, denn sie bieten Potenzial für jeweils ein eigenständiges Buch. In Kombination ist es fast schon zu viel, insbesondere da die Autorin innerhalb der Kapitel sehr oft zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin- und herspringt. Manchmal bestehen die jeweiligen Abschnitte nur aus wenigen Sätzen, manchmal wenigstens ein paar Seiten. Aus diesem Grund baut sich leider fast keine Spannung auf, denn kaum hat man sich beispielsweise in die Geschichte hineingedacht und ist von den Ereignissen des Hauses Waldkauz fasziniert, wird man herausgerissen und ist plötzlich wieder in der Vergangenheit von Katrina. Diese ist natürlich nicht unspannend, sondern birgt gänzlich eigene Geheimnisse und Gefahren, doch gerade am Anfang stören diese Wechsel den Lesefluss unheimlich. Kaum ist Spannung da, wird diese gebrochen und man fühlt sich um die Erklärungen betrogen. Auch ist der Anfang im Kartoffelparadies zu lang, weil im Grunde nur wenig passiert und auch diese Ereignisse innerhalb einer wechselnden Rückblende erzählt werden, anstatt chronologisch. Das macht gerade den Einstieg sehr zäh und langweilig.

Zum Ende hin wird das glücklicherweise besser, da dann beide Plots sehr spannend sind und man sowohl wissen möchte, was in der Vergangenheit von Katrina vorgefallen ist, als auch hinter die Geheimnisse von Haus Waldkauz kommen möchte. Zum Ende hin wirken die Erklärungen zwar arg konstruiert und nicht gänzlich schlüssig, aber es bleibt spannend und mysteriös.

Der Hauptcharakter Katrina ist außergewöhnlich, denn sie ist eine sehr starke Persönlichkeit, die sich so gar nicht mit anderen Jugendbuchfiguren vergleichen lässt. Bedingt durch ihre Kindheit hat sie eine Menge ungewöhnliches Wissen angesammelt, gerade was die Pflanzen und Tiere, das Überleben in der Natur und ihre Affinität für Holz und das Arbeiten damit. Teilweise wirkt sie fast ein wenig zu belesen, denn man hat das Gefühl, es gibt nichts, was sie nicht kann – dabei ist sie gerade einmal volljährig. Auch scheint sie keinerlei Angst zu haben, zumindest sind ihr Reaktionen auf die Dinge, die im Waldkauz passieren, schon ein wenig seltsam.
Außer ihr gibt es leider nur wenige Nebenfiguren, die wirklich wichtig sind und von denen man mehr erfährt – von Katrinas Schwester Zoe, ihrem Vater und einigen Charakteren aus Katrinas Vergangenheit einmal abgesehen. Gerade in dem Plot, der in der Gegenwart spielt, gibt es niemanden, der wirklich stärker ins Gewicht fällt und den man tiefgehender kennenlernt. Zwar fasst Katrina Vertrauen zu Josefine, einer Wahrsagerin, doch warum das passiert, weiß man nicht so genau.

Wer auf einen queeren (Neben-)Plot hofft, wird dieses Mal leider enttäuscht – Katrina ist zwar anders als andere junge Frauen, aber man kann keinerlei queere Elemente in der Handlung entdecken.

Stilistisch legt Antje Wagner die Messlatte hoch, denn das gesamte Buch ist sprachlich auf sehr hohem Niveau – seien es die Beschreibungen, die Dialoge oder die Hintergründe, die Autorin versteht ihr Handwerk und schreibt fesselnd, emotional und sehr bildlich. Man kann sich gut in Katrina hineinversetzen, ist hautnah dabei, als sie Haus Waldkauz restauriert und durchlebt mit ihr ihre Vergangenheit. Antje Wagner hat zu Recht unzählige Preise und Stipendien gewonnen, denn sie versteht es realistische Geschichten mit unheimlichen, fantastischen Elementen auszuschmücken, ohne dass diese übertrieben wirken – wenngleich das Ende in „Hyde“ ein wenig seltsam daherkommt und nicht ganz an ihre anderen Bücher heranreicht. Nichtsdestotrotz ist „Hyde“ sehr fesselnd geschrieben und bietet etwas erfrischend Neues.

Fazit:
„Hyde“ ist ein stilistisch sehr gut geschriebenes Jugendbuch, das mit einer tollen, ungewöhnlichen Heldin und grundsätzlich spannenden Grundhandlungen punkten kann. Leider nehmen die vielen Zeitsprünge und Handlungswechsel der Geschichte spürbar die Dynamik und Atmosphäre, so dass gerade der Anfang des Romans sehr langatmig ist und auch im Verlauf des Buches einiges an Spannung verloren geht. In Kombination mit dem etwas seltsamen Ende und der Auflösung des großen Geheimnisses, ist „Hyde“ daher nicht so gut, wie andere Bücher der Autorin. Wer Antje Wagners Romane mag, sollte nichtsdestotrotz einen Blick in „Hyde“ werfen und sich selbst ein Urteil bilden.

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Im Herzen der Gewalt

Édouard Louis , Hinrich Schmidt-Henkel
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972429
Genre: Romane

Rezension:

Story:
Es ist Heiligabend, als Édouard auf der Pariser Place de la République den jungen Immigranten Reda kennenlernt und spontan zu sich nach Hause einlädt. Zwischen den beiden entspinnt sich eine zarte Romanze, die jedoch im Laufe der Nacht umschlägt und in Gewalt endet: Reda raubt Édouard aus, bedroht ihn mit einer Waffe und vergewaltigt ihn. Für letzteren beginnt eine wahre Odyssee – geprägt von Polizeibeamten, Ärzten und Untersuchungen, die alle an der Nacht rühren, die Édouard am liebsten vergessen will …

Eigene Meinung:
Mit “Das Ende von Eddy” gelang dem französischen Shootingstar Édouard Louis eine Sensation – der autobiografische Debütroman über seine Kindheit in einem nordfranzösischen Dorf und seine Flucht aus den festgefahrenen Verhältnissen, den dort vorherrschenden Homophobie und dem Rassismus machte ihn über Nacht bekannt. Das Buch wurde in 30 Länder übersetzt, mehrfach ausgezeichnet und war die Inspiration des Films “Marvin”. Auch in seinem zweiten Roman “Im Herzen der Gewalt” verarbeitet der Autor ein autobiografisches Ereignis, das sein Leben von Grund auf veränderte: eine Vergewaltigung und ein Nahtoderlebnis.

Die Geschichte wird dabei nicht direkt aus seiner Sicht erzählt, sondern von seiner Schwester Reda, die ihrem Mann von den Ereignissen des Heiligabends und den Tagen und Wochen danach berichtet. Édouard selbst steht als stummer Beobachter an der Tür und belauscht die Unterhaltung, die natürlich von den Gefühlen und Gedanken seiner Schwester durchsetzt ist – so schweift Clara immer wieder ab und fügt zusätzliche Anekdoten und Kommentare ein, die sich meist auf Édouards Kindheit und Jugend beziehen und die stark von dem unterschwelligen Rassismus des kleinen Ortes geprägt sind. Dadurch erfährt der Leser mehr von den Menschen, vor denen Édouard einst geflohen ist – und zu denen er, paradoxerweise, nach den schrecklichen Ereignissen zurückkehrt.

Neben dieser Erzählerstimme, fügt Édouard seine eigenen Gedanken hinzu, teils berichtigt er seine Schwester Clara in Gedanken, teils führt er die Erzählung weiter aus und gibt dem Leser zusätzliche Einblicke zu dem, was er erlebt hat: zur Begegnung mit Reda, ihrer Zweisamkeit und dem plötzlichen Umschlagen der Atmosphäre, als Édouard sein Handy sucht und Reda als Dieb enttarnt. Dabei greift er mitunter in der Handlung vor, webt bereits die Gespräche mit der Polizei und den Ärzten ein, was dafür sorgt, dass die Geschichte zu Beginn sehr konfus wirkt und man als Leser zwischendurch den Überblick verliert. Édouard Louis verweigert sich einer chronologischen Berichterstattung, sondern erzählt die Ereignisse so, wie sie ihm richtig erscheinen und wie er sie erzählen muss, um sie selbst verarbeiten zu können, denn das scheint eines der Ziele des Autors zu sein: der Versuch mit der Gewalt klarzukommen, die ihm am Heiligabend und in den Tagen danach wiederfahren ist. Dabei bezieht sich die Gewalt nicht nur auf die Ereignisse mit Reda, sondern auch auf das, was Édouard Louis in den folgenden Tagen passiert – die Begegnungen mit Polizisten und Beamten, Ärzten und Psychologen, denen er immer wieder erzählen muss, was passiert ist, bis er sich „seiner eigenen Geschichte beraubt“ fühlt und kaum mehr den Eindruck hat, selbst Entscheidungen zu treffen. Zudem wird er mit dem Rassismus der Institutionen konfrontiert und muss erkennen, dass dieses Erlebnis ihn selbst zu einem Rassisten macht, denn er hat zunehmend Angst vor Männern, die nicht dem typisch europäischen Bild entsprechen. Da er in “Das Ende von Eddy” vor ebensolchen Ansichten geflohen ist, wirkt dieses Eingeständnis doppelt so schwer und regt zum Nachdenken an.

Stilistisch legt Édouard Louis große Literatur vor, für die man sich Zeit nehmen muss, denn sie ist nichts für zwischendurch. Als Leser muss man bereit sein, sich auf das Buch einzulassen, auf die Geschichte und die Ereignisse; auf die mitunter chaotische Erzählstruktur und die endlosen Schachtelsätze. Hat man erst einmal den Zugang zum Buch gefunden, taucht man tief in Édouard Louis‘ Erzählung ein, erlebt das Auf und Ab der Geschichte, aber auch der Gefühlswelt des Autors und erhascht einen tiefen Einblick in die menschliche Natur. Édouard Louis – bzw. im Deutschen sein Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel – weiß dabei mit Worten umzugehen, sein Roman bewegt sich sprachlich auf hohem Niveau und ist wie sein Debüt “Das Ende von Eddy” ein empfehlenswertes Buch.

Fazit:
“Im Herzen der Gewalt” bietet keine leichte Lektüre und ist aufgrund der ernsten Thematik nicht für jeden Leser geeignet. Wer jedoch Édouard Louis‘ Debüt mochte und die Art wie er autobiografische Erlebnisse in seinen Romanen verarbeitet, dem wird sein zweites Werk ebenfalls gefallen, ist es doch noch persönlicher und tiefgehender als “Das Ende von Eddy”. Der Autor berichtet auf sprachlich hohem Niveau von Gewalt in allen Facetten, von der Machtlosigkeit gegenüber den staatlichen Institutionen und den Gedanken, Gefühlen und Ängsten, mit denen sich Opfer in den Wochen nach einer solch schrecklichen Tat herumschlagen müssen. Édouard Louis ist einmal mehr ein Roman gelungen, der berührt und der lange nachhallt.

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206 Bibliotheken, 5 Leser, 4 Gruppen, 59 Rezensionen

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Vakuum

Antje Wagner
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher, 01.09.2012
ISBN 9783827054371
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Tamara, Kora, Alissa, Leon und Hannes erleben am 17. August um 15:07 Uhr das Undenkbare – die Zeit bleibt stehen und alle Menschen, Tiere und Lebewesen sind verschwunden. Sie sind die einzigen, die sich in einer Art Vakuum befinden und gemeinsam herausfinden müssen, was passiert ist. Dass die fünf Jugendliche eine Verbindung zueinander haben, wird nach und nach klar, denn sie alle haben ein dunkles Geheimnis in ihrer Vergangenheit, das ihr Leben maßgeblich beeinflusst. Zudem müssen sie zusammenhalten, als ein gefährlicher Nebel Jagd auf sie macht, der sogar in der Lage ist, sie zu töten, wenn er sie erwischt …

Eigene Meinung:
Mit ihren ungewöhnlichen Jugendbüchern hat sich Antje Wagner deutschlandweit einen Namen gemacht und bereits mehrere Preise und Auszeichnungen erhalten. Auch „Vakuum“ wurde mehrfach (Leipziger Lesekompass 2013) ausgezeichnet, zudem ist eine Verfilmung des Romans von Grown Up Films in Vorbereitung, die jüngst auch die Graphic Novel „Endzeit“ verfilmten.

Die Geschichte wird aus Sicht der fünf Jugendlichen erzählt und beginnt (wie man es von Antje Wagner gewohnt ist) relativ harmlos. Die Protagonisten leben ein ruhiges, normales Leben – vielleicht von Kora abgesehen, die in der Jugendvollzugsanstalt sitzt und versucht den Gefängnisalltag zu überstehen. Jeder von ihnen hat einen dunklen Fleck in seiner/ihrer Vergangenheit, der ihr Leben maßgeblich beeinflusst und jedem von ihnen zu schaffen macht. Antje Wagner lässt sich viel Zeit, ihre Hauptakteure vorzustellen und jeder Figur einen eigenen, individuellen Anstrich zu verleihen, natürlich ohne die eigentliche Probleme der Jugendlichen direkt beim Namen zu nennen – vielmehr ergeht sie sich in dezenten Andeutungen (aus das ist bei ihren anderen Jugendbüchern ein beliebtes Stilmittel der Autorin). Dies sorgt allerdings dafür, dass sich gerade die ersten 150 Seiten in die Länge ziehen und man wirklich Mühe hat, am Ball zu bleiben, denn es dauert lange, bis sie einer nach dem anderen in das Vakuum stolpern und noch länger, bis sie einander finden. Erst dann baut sich wirklich Spannung auf und das Buch entwickelt eine Sogwirkung, so dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann. Antje Wagner baut subtile Horror- und Mysteryelemente ein, die ein wenig an Stephen King und seine Mystery-Romane erinnern. Man ist hautnah bei den Charakteren, erlebt mit ihnen die Auswirkungen des tödlichen Nebels und erfährt nach und nach, welche dunklen Geheimnisse sie hüten. Zudem flechtet die Autorin geschickt kleinen Hinweise und Dinge ein, denen man zu Beginn kaum Bedeutung beigemessen hat. Das Buch endet mit einem Knalleffekt und einer Erklärung, die man so garantiert nicht erwartet hat und die den lahmen Anfang vergessen macht.

Die Charaktere sind sehr authentisch und lebendig, wenngleich sie ein wenig stereotyp wirken, wenn man andere Bücher der Autorin kennt. So erinnert gerade der Anfang mit Kora stark an Milana und die ersten Seiten von „Schattengesicht“, denn das Setting ist ähnlich. Auch bei Alissa und Tamara hat man den Eindruck anderen Charaktere aus den Büchern der Autorin wiederzusehen, was auch daran liegt, dass wie in anderen Romanen immer auf ein Ereignis aus der Vergangenheit hingewiesen wird, die Charaktere es jedoch nie aussprechen – immer wird es beiseitegeschoben und dem Leser damit vorenthalten.
Nichtsdestotrotz sind die fünf Jugendlichen sehr individuell gestaltet, haben ihre Stärken und Schwächen und bilden sehr starke Persönlichkeiten, die nur gemeinsam das Rätsel lösen und dem Nebel entkommen können. Der Leser findet ohne Probleme eine Figur, mit der er sich identifizieren kann. Für alle, die nach dem queeren Element des Romans suchen – eine wichtige Nebenfigur lebt mit zwei Müttern zusammen.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Antje Wagner versteht ihr Handwerk und hat einen sehr schönen, sprachgewaltigen Schreibstil. Sie versteht es, Jugendliche glaubhaft darzustellen, ebenso den subtilen Horror einzuflechten und mitreißende Dialoge zu schreiben. Es ist bewundernswert, wie realistisch selbst die unheimlichen Mystery-Elemente wirken, denn man ist stets so nach am Geschehen, dass man glaubt, so etwas könnte jederzeit und überall geschehen. Die Autorin hat einen großen Sprachschatz und weiß, wie sie ihre Figuren in Szene setzen muss – immerhin wird aus Sicht jedes Hauptcharakters geschrieben und jeder von ihnen hat seine eigene Stimme. Allein aus diesem Grund ist „Vakuum“ lesenswert.

Fazit:
„Vakuum“ ist ein gelungenes, sehr spannendes Jugendbuch voller spannender Wendungen und unerwarteter Lösungen. Die Charaktere sind sehr authentisch und lebendig, haben ihre eigene Stimme und führen den Leser glaubhaft durch den Nebel der Ereignisse, so dass man den subtilen Horror fast schon real spürt (und Nebel fortan mit anderen Augen sieht). Auch stilistisch kann Antje Wagner punkten, denn sie verfügt über einen großen Wortschatz, der sich in den Dialogen und Beschreibungen niederschlägt. Einzig der Anfang ist ein wenig schleppend und unspannend geraten – hier hätte man viele Dinge abkürzen können und mit der eigentlichen Handlung früher starten können. Nichtsdestotrotz zu empfehlen – auf jeden Fall reinschauen, gerade wenn man die Jugendbücher von Antje Wagner mag.

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88 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Geister auf der Metropolitan Line

Ben Aaronovitch , Christine Blum
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 31.05.2018
ISBN 9783423217330
Genre: Fantasy

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Clean

Juno Dawson , Christel Kröning
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.06.2018
ISBN 9783551583826
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Lexi Volkov hat alles was man sich wünschen kann – als reiche Hotelerbin hat sie Geld im Überfluss, ihre Leben dreht sich um Partys, ausgedehnte Shopping-Touren und angesagte Restaurants. Dass sie hin und wieder kokst und andere Drogen einwirft, ist ihrer Meinung doch normal – jeder tut es schließlich. Dass sie ein Problem hat, wird erst deutlich, als ihr Bruder sie in halbtotem Zustand auf der privaten Entzugsklinik Clarity abliefert und sie dort dem 70-Tage-Programm unterzogen werden soll, inklusive Therapien und intensiven Gesprächen, teils mit Doktor Goldstein, teils mit den anderen jungen Leuten, die jeder gegen ihre eigene Problemen kämpfen: Drogen, Zwangsneurosen, Alkohol, Essprobleme. Lexi begibt sich in Behandlung und findet in ihren Mitinsassen Freunde, doch so leicht ist es nicht aus dem Teufelskreis herauszukommen, besonders gedanklich und gefühlstechnisch nicht …

Eigene Meinung:
Mit „Clean“ legt die bekannte Autorin Juno Dawson ihr neustes Jugendbuch vor. Sie hat mit ihren spannenden Jugendromanen und Sachbüchern nicht nur mehrere Preise gewonnen, ihre Werke wurden auch in viele Sprachen übersetzt. Zudem liegen ihr LGBTIQ-Charaktere und eine erhöhte Sichtbarkeit, so dass in all ihren Büchern queere Charaktere vorkommen, bei „Clean“ ist es das Transmädchen Kendall.

Mit der Geschichte wagt sich die Autorin an das schwierige Thema Sucht, Suchterkrankung und Entzug, mit allen unschönen Ereignissen, die damit in Zusammenhang stehen. Dementsprechend hart und authentisch ist die Geschichte um Lexi, die sich für zwei Monate bei der Clarity-Klinik in Behandlung begibt – zunächst nicht freiwillig, später wird sie jedoch innerhalb der Einzel- und Gruppentherapie immer offener. Sehr gut gelungen ist Lexis Vergangenheit und ihre persönliche Einstellung zum Geld, der Macht und der Position, die sie von Geburt an begleitet – hier hat Juno Dawson sich sehr gut in ihre Hauptfigur hineingedacht und zeigt, dass Lexi zwar ein verwöhntes It-Girl ist, jedoch ihre ganz eigenen Probleme hat, eben weil sie sich um nichts Sorgen machen muss und sie keinerlei Maß kennt. Da ist der Teufelskreislauf Partys, Alkohol und Drogen fast schon obligatorisch. Auch die Beschreibungen und die Einblicke in Lexis Gedanken- und Gefühlswelt während des Entzugs können überzeugen, denn man ist immer hautnah bei Lexi und den Problemen, die sie hat, sei es am Anfang, als sie auf Entzug gesetzt wird, oder später, wenn ihre Vergangenheit beleuchtet wird und die Punkte, die sie überhaupt in diese Abhängigkeit getrieben haben. Zeitgleich wirkt die Klinik ein wenig unrealistisch – sie ist natürlich nur für reiche Jugendliche gedacht, was bedeutet, dass die Patienten in Suiten leben, von einem 5-Sterne-Koch verköstigt werden und auch sonst allen erdenklichen Luxus genießen. Auch wirken Lexis Mitinsassen wie ein Querschnitt gängiger Abhängigkeiten: Ess/Magersucht, Sexsucht, Drogensucht, Zwangsneurose, Alkoholiker. Die Klinik scheint alles zu behandeln, insofern sich die Familien der Patienten einen Aufenthalt leisten können. Inwiefern das realistisch ist, kann ich schwer einschätzen, aber es gibt auch Einblicke in andere Krankheitsbilder.
Ein wenig eindimensional ist die Love-Story, auf die die Autorin natürlich nicht verzichten wollte. Sie wirkt ein wenig plakativ, doch sie hat durchaus ihre Daseinsberechtigung, weil Lexi an Brady reift und ihn wie einen Spiegel braucht, um sich und ihre Handlungen besser reflektieren zu können.

Die Charaktere wirken sehr plastisch und handeln in sich schlüssig. Zu Beginn wirkt Lexi noch ziemlich eindimensional, doch im Laufe der Geschichte entwickelt sie mehr Tiefgang und offenbart unerwartete Facetten. Auch die übrigen Figuren sind gut in Szene gesetzt, kommen jedoch nur am Rande vor und sind dementsprechend nicht immer dreidimensional. Neben Lexi lernt man Brady und Kendall am Besten kennen, wenngleich sich Juno Dawson darum bemüht, jedem gerecht zu werden und gerade am Ende aufklärt, was aus Lexis Freunden geworden ist. Ein bisschen Würze bringt das Straßenmädchen Sasha in die Geschichte, die als Sonderfall ebenfalls in Clarity behandelt wird und die andere Seite des Luxus repräsentiert – wie ein Mahnmal.

Stilistisch legt Juno Dawson ein beeindruckendes Buch vor, das gänzlich aus Lexis Perspektive geschrieben ist. Man ist hautnah bei ihr, was bedeutet, dass die Sätze und Betrachtungen sehr verwaschen und ungerichtet sind, wenn sie high ist und erst dann klarer werden, wenn Lexi von einem Trip runterkommt. Die Autorin bemüht sich um offene, schonungslose Worte und nimmt kein Blatt vor den Mund, um die Auswirkungen einer Suchterkrankung zu präsentieren. Sehr gut gelungen sind auch die Szenebeschreibungen und Lexis Welt, die Partys, der Umgang mit Drogen und die Probleme, die daraus resultieren. Juno Dawson legt ein intensives Jugendbuch vor, das perfekt für Diskussionen und als Klassenlektüre geeignet ist.

Fazit:
„Clean“ ist ein intensives, schonungsloses und ehrliches Jugendbuch, das bis auf kleine Schwächen vollkommen überzeugen kann. Juno Dawson überzeugt durch authentische, gut nachvollziehbare Charaktere, eine ins sich logische Handlung und einen passenden, direkten Schreibstil, der perfekt zu Lexi und ihren Problemen passt. Der Leser ist immer hautnah am Geschehen und kann sich gut mit der Protagonistin identifizieren. Lediglich die Klinik wirkt an einigen Stellen ein wenig unglaubwürdig mit ihren Suiten, dem Luxus und der perfekten Atmosphäre. Darüber kann man jedoch hinwegsehen und sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren. Es lohnt sich.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken

Eric Bell , André Mumot
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 25.04.2018
ISBN 9783737354882
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Story:
Der zwölfjährige, introvertierte Alan hat es nicht leicht – in der Schule ist er ein Außenseiter und hängt vorwiegend mit dem durchgeknallten Zack und dem übergewichtigen Besserwisser Madison herum; sein Vater ist kalt, boshaft und sehr darauf bedacht nach außen hin perfekt zu wirken, und sein älterer Bruder Nathan hasst Alan und lässt keine Gelegenheit aus ich zu schikanieren. Zu allem Überfluss muss Alan sich eingestehen, dass er schwul ist, als er sich in seinen Klassenkameraden Connor verguckt. Als Nathan davon Wind bekommt, erpresst er Alan und zwingt ich zu einem gemeinsamen Spiel – Alan muss sieben schier unmögliche Aufgaben bewältigen, ansonsten will Nathan jedem von Alans Homosexualität erzählen. Um nicht zwangsgeoutet zu werden, setzt Alan alles daran, die Aufgaben zu bewältigen – und erkennt dabei, dass er nicht nur treue Freunde hat, sondern endlich zu sich selbst stehen muss …

Eigene Meinung:
Bei dem Kinderbuch „Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken“ handelt es sich um das Debüt von Eric Bellund erschien 2017 unter dem Titel „Alan Cole Is Not a Coward“ in den USA. Die Geschichte um Alan wird im Herbst 2018 in dem Buch „Alan Cole Doensn’t Dance“ fortgesetzt und soll direkt an den ersten Teil anschließen – bleibt zu hoffen, dass auch dieses Buch vom Fischer Verlag übersetzt wird.

Im Zentrum der Geschichte steht der zwölfjährige, künstlerisch begabt Alan Cole, der in sehr zerrütteten Familienverhältnissen lebt und nur selten aus sich herausgeht. Er bleibt zumeist stumm, hält sich und seine wahren Gedanken und Gefühle zurück und lässt die meisten Dinge klaglos über sich ergehen. Sei es sein Vater, der niemanden zu lieben scheint und sein Heim mit verbaler Gewalt und Kälte beherrscht oder sein älterer Bruder Nathan, der Alan zu verachten scheint, seinen Zorn und seine Aggressionen an ihm auslässt und ihn auch körperlich angeht – Alan duckt sich weg und hofft, dass man ihn einfach in Ruhe lässt. Dass er homosexuell ist, macht die Sache nicht besser, denn nichts fürchtet er mehr, als geoutet zu werden. Trotz der teilweise erschreckenden Grundlage, die der Autor für seinen Hauptcharakter festgelegt hat, verströmt die Geschichte eine positive, aufmunternde Atmosphäre, was vor allem an der Veränderung liegt, die Alan durchläuft. Innerhalb einer Woche reift er spürbar, entwickelt sich weiter und findet endlich Selbstvertrauen, Freunde und den Mut, zu sich selbst zu stehen. Eric Bell versteht es, wichtige Themen – (Selbst)Akzeptanz, Gewalt in Familien, Freundschaft und Vielseitigkeit – miteinander zu verbinden und trotz aller brutaler Momente kindgerecht zu vermitteln. Er regt mit seinem Debüt zum Diskutieren über häusliche Gewalt, Mobbing, Homosexualität an – etwas, was man durchaus schon mit Kindern ab 11 Jahren (Altersempfehlung des Verlags) tun kann.

Die Charaktere sind sehr gut in Szene gesetzt und wirken authentisch und in sich schlüssig. Alan ist ein stiller, zurückhaltender Junge, der ungern im Mittelpunkt steht und kein Problem damit hat, am „Wackeltisch“ bei den Außenseitern zu sitzen. Er findet während des Spiels gegen seinen Bruder Nathan immer mehr zu sich selbst und entwickelt eine Stärke, die man ihm am Anfang nicht zugetraut hätte. Schön ist, dass er diese positive Entwicklung auch auf seine Freunde überdreht – Madison beginnt ebenfalls aus sich herauszugehen und sich aufgrund seines Aussehens fertig machen zu lassen und Zack offenbart wie loyal und ehrlich er im Grunde ist – denn er ist der Einzige, der immer er selbst ist, ganz gleich was andere sagen.
Auch die übrigen Figuren sind gut umgesetzt – sei es Alans Vater, dem man nur wenig Sympathien entgegenbringen kann oder Nathan, der wirklich furchtbar hasserfüllt ist. Eric Bell führt zwar Gründe an, warum die beiden so sind, wie sie sind, doch hier hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht – gerade was Nathan betrifft. Vielleicht baut der Autor dies in Band 2 ja weiter aus und gibt mehr Einblicke in die Hintergründe der Familie.

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Eric Bell hat einen sehr schönen, lebhaften und humorvollen Schreibstil, der sich gut lesen lässt. Auch Kinder sollten damit keine Probleme haben, denn der Autor verpackt die Themen kindgerecht und lockert vieles durch Alans Gedanken auf, die sich mal ernst, mal humorvoll mit den Ereignissen beschäftigen. Gleichzeitig nimmt Eric Bell kein Blatt vor den Mund, wenn es um Alans Probleme mit seinem Bruder und seinem Vater geht – er beschreibt offen und direkt, was Alan alles über sich ergehen lassen muss. Das ist für Kinder natürlich harter Tobak, doch gleichzeitig eine passende Basis für gemeinsame Gespräche über derartig ernste Themen.

Fazit:
„Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken“ ist ein Kinder- und Jugendbuch, das in vielfacher Hinsicht aus der breiten Masse hervorsticht und eine Menge ernster, wichtiger Themen behandelt, die man durchaus auch einem 11-jährigen Kind vorsetzen kann. Eric Bell erzählt eine bittersüße Geschichte über Akzeptanz, Mut und Freundschaft, schafft sympathische, authentische Charaktere, die man gerne begleitet und bleibt trotz aller schrecklicher Ereignisse mutmachend und aufbauend. Eric Bell ist mit seiner angenehmen, humorvollen Sprache ein wahres Kunststück gelungen, denn kaum einem gelingt es solch schwierige Themen wirklich kindgerecht und mit der notwendigen Sensibilität zu verpacken. „Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken“ ist auf jeden Fall zu empfehlen – gerade, weil es im Kinderbuchbereich nur sehr wenige Bücher gibt, die das Thema Homosexualität aufgreifen und behandeln.

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(46)

74 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

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Der Schein

Ella Blix
Fester Einband: 472 Seiten
Erschienen bei Arena, 19.01.2018
ISBN 9783401604138
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Story:
Alina steht ein halbes Jahr Horror und Abgeschiedenheit auf der abgelegenen Ostseeinsel Griffiun bevor, da ihr Vater kurzfristig einen Forschungsauftrag in den USA bekommt – für ihn ein Traum, für Alina ein Albtraum, immerhin darf sie die Zeit auf dem Inselinternat Hoge Zand verbringen. Schnell findet sie in den Lonelies neue Freunde und stößt inmitten des verbotenen Naturschutzgebietes im nördlichen Teil der Insel auf ein seltsames Mädchen namens Tinka, das mehr als nur ein Geheimnis hat. Zudem sichtet sie ein seltsames Geisterschiff am Nordstrand und findet heraus, dass in den letzten Jahrhunderten immer wieder Menschen verschwanden oder unheilbar Kranke plötzlich auf wundersame Weise geheilt wurden. Als sie der Wahrheit näherkommt, muss Alina feststellen, dass ihre eigene Vergangenheit eng mit den sonderbaren Vorfällen verbunden ist und sie eine Entdeckung macht, die alles in Frage stellt, was sie jemals für wahr gehalten hat …

Eigene Meinung:
Mit dem Jugendroman „Der Schein“ präsentieren die Autorinnen Antje Wagner und Tania Witte alias Ella Blix ihr erstes gemeinsames Projekt. Erstere ist im Jugendbuch keine Unbekannte – Antje Wagner ist für ihre ungewöhnlichen, sehr authentischen Jugendbücher bekannt und konnte bereits etliche Preise gewinnen. Tania Witte hat bisher eine queere Trilogie im Querverlag herausgebracht, ebenso mehrere Kurzgeschichten in Anthologien.

Die Geschichte erinnert am Anfang stark an Antje Wagner „Unland“, die von den Grundlagen her ähnlich abläuft – ein Mädchen kommt in eine neue Umgebung (Heim/Schule), lernt neue Leute kennen (Heimkinder/Lonelies) und lebt in Sichtweite eines Ortes, den sie unter keinen Umständen betreten darf (Unland/Naturschutzgebiet). Sie beobachtet mehrfach seltsame Vorfälle und will herausfinden, was sich hinter allem verbirgt. Glücklicherweise geht „Der Schein“ irgendwann eigene Wege und hat vollkommen andere, die es zu entdecken gibt. Für Vielleser und Erwachsene ist recht früh klar, in welche Richtung die Geschichte geht, was es mit Tinka auf sich hat und was sich hinter. den seltsamen Ereignissen verbirgt. Gerade wenn man auch im fantastischen Bereich unterwegs ist, bietet die Auflösung keine Überraschungen mehr, vielmehr bestätigt sie nahezu alle Vermutungen. Für die jugendliche Zielgruppe dürften die Hinweise jedoch nicht ganz so offensichtlich sein (gerade weil die Autorinnen eine sehr realistische und authentische Rahmenhandlung aufbauen, in denen sich jugendliche Leser problemfrei wiederfinden), so dass die Auflösung durchaus eine Überraschung sein könnte. Positiv ist auch, dass die Autorinnen versuchen mit den typischen Klischees zu brechen und alles daran setzen, außergewöhnliche Figuren zu erschaffen, die fernab der gängigen Schubladen liegen. Hin und wieder betonen sie diesen Aspekt zwar zu sehr, doch insgesamt ist es schön, dass sowohl die Haupt- als auch die Nebenfiguren alles andere als stereotyp sind.

Das macht alle Figuren wunderbar sympathisch und lebendig, und sorgt dafür, dass man sich wirklich gut in die Geschichte hineindenken kann. Man ist hautnah bei Alina, aus dessen Sicht alles erzählt wird und erlebt mit ihr die ersten Tage auf Hoge Zand und die folgenden Ereignisse. Sie wirkt am Anfang ein wenig spröde, doch mit der Zeit lernt man sie besser kennen und kommt gut mit ihr als Heldin zurecht. Wirklich schillernd sind einige der Nebenfiguren allen voran Gigi, der herrlich aus dem Rahmen fällt und fernab aller Klischees ist, ebenso die toughe Cara, Alinas Zimmergenossin und all die anderen Lonelies. Hervorzuheben ist die Tatsache, dass die beiden Autorinnen durchaus queere Charaktere einbauen oder zumindest solche, die in keine Schublade passen. Das macht dieses Buch auf vielfache Art besonders, da es jugendlichen Lesern eine Möglichkeit gibt, mit diesem Thema in Berührung zu kommen, ohne dass es einen Löwenanteil der Handlung einnimmt.

Stilistisch ist „Der Schein“ auf jeden Fall gelungen – Antje Wagner und Tania Witte haben einen tollen Stil, der sich eng an die Sprache der heutigen Jugend orientiert und für die Zielgruppe perfekt geeignet ist. Das macht sich sowohl in den Dialogen, als auch in den Handlungen der Figuren bemerkbar. Sehr gelungen sind auch die Beschreibungen der Insel und die vielen kleinen Ideen, mit denen die Autorinnen die Handlung vorantreiben und kleine Hinweise streuen. Hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass die beiden das Buch wirklich zusammengeschrieben habe – sprich nicht wie man es zumeist von Autoren-Duos kennt von Kapitel zu Kapitel wechselnd, sondern jeden Satz, jeden Dialog zusammen (eine Autorin hat einen Teil in Rohform vorgeschrieben, die andere hat diesen Part überarbeitet und fortgeführt – und umgekehrt). Dadurch wirkt das Buch wie aus einem Guss und wirkt als hätte es nur eine Person geschrieben. Das macht den Roman stilistisch zu etwas Besonderem.

Fazit:
„Der Schein“ ist ein gelungenes Jugendbuch, das durch sehr lebendige Charaktere und einen wirklich gut lesbaren, flüssigen Stil besticht. Die Geschichte ist für Vielleser und Erwachsene ein wenig vorhersehbar und erinnert zu Beginn stark an Antje Wagners „Unland“, geht später jedoch eigene Wege und vermag gerade jugendliche Leser durchaus zu überraschen. Wer die Bücher von Antje Wagner und Tania Witte mag, oder generell auf unkonventionelle, nicht-stereotype Jugendbücher steht, sollte dem Roman auf jeden Fall eine Chance geben. Gerade Jugendliche sollten sich dieses Buch nicht entgehen lassen – es bietet tolle Lesestunden, regt zum Nachdenken an und ist anders, als die meisten Jugendromane, die es aktuell zu kaufen gibt. Reinlesen!

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

Feuererbe: Lee und Caldwell 1

Celia Jansson
E-Buch Text
Erschienen bei null, 29.04.2018
ISBN B07CRPJFNM
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Jessie Wheelers Welt steht Kopf, als er eines abends in einer Bar erstmals mit dem übernatürlichen in Berührung kommt – in Form eines Feuerkreises am Himmel. Nur kurze Zeit später lernt er den Magier Allan Lee kennen, der ihm schon in der Bar aufgefallen ist, und mit ihm eine geheime Agency, die sich um die Belange übernatürlicher Wesen beschäftigt – Fae, Vampire, Werwesen, Dämonen und andere Kreaturen aus Mythen und Legenden. Nach und nach beginnt er hinter den Glamour zu blicken, der alles Übernatürliche verschleiert und erfährt, dass er selbst ein Feuerelementar ist – einer der mächtigsten seit Jahren. Unglücklicherweise ist seine Macht versiegelt, was einen wahnsinnigen Serienmörder, der bereits etliche Elementare getötet hat, nicht davon abhält, Jagd auf ihn zu machen. Unweigerlich wird Jessie mit in die Angelegenheit gezogen und kommt dabei Allan unwillkürlich näher …

Eigene Meinung:
„Mit „Feuererbe“ wagt Celia Jansson erstmals einen Schritt ins Fantasy-Genre und legt den Auftaktband ihrer Urban Fantasy Reihe „Lee und Caldwell“ vor. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, bietet jedoch Potenzial für weitere Bände, denn einige Punkte bleiben ungeklärt, ebenso bietet die Welt des Übernatürlichen eine Menge Möglichkeiten für weitere Romane.

Die Geschichte schreitet sehr schnell voran und wirkt stark gehetzt – gerade zum Ende hin hat man das Gefühl, die Autorin wollte einfach nur schnell fertig werden, was man am großen Finale merkt, das unheimlich abgehetzt und unspektakulär daherkommt und schon vorbei ist, kaum das es angefangen hat. Das lässt den Leser doch ein wenig unzufrieden zurück, insbesondere, da man auch im Vorfeld das Gefühl hatte, alles wird nur kurz angerissen. Die Geschichte wirkt dadurch irgendwie unausgegoren, so als würden erklärende und spannungssteigernde Teile zwischen einzelnen Szenen fehlen. Celia Jansson hätte definitiv ausführlicher werden sollen – in den Beschreibungen der Umgebung (dass die Geschichte in London spielt nimmt man kaum wahr) und der einzelnen Figuren (gerade die übernatürlichen Kreaturen hätte man ein wenig plastischer beschreiben können), der Charakterentwicklung und dem Spannungsaufbau. Die Hektik spürt man leider auch zwischen Allan und Jessie – die Beziehung der beiden bleibt dem Leser fremd, man kann sie in weiten Teilen nicht nachvollziehen. Das ist schade, da die beiden ein interessantes Paar sind, das viele Probleme zu bewältigen hat. Doch diese werden so gar nicht angerissen oder sind plötzlich geklärt, obwohl sie nicht einmal darüber gesprochen haben.
Ein großes Problem sind auch die Logiklücken und die kleinen Unstimmigkeiten im Handlungsverlauf, die irritieren. Gerade bei den Kämpfen verliert man schnell den Überblick, ebenso wenn die Figuren fliehen. Auch hier häufen sich die Fehler im letzten Drittel – man merkt einfach, dass die Geschichte in kürzester Zeit beendet wurde.
Positiv hervorzuheben ist die Welt, die die Autorin aufgebaut hat mit all den Wesen und den kleinen und großen Streitigkeiten untereinander. Auch die Hintergründe des Glamours sind toll – da kann man eine Menge rausholen, wenn man sich genügend Zeit lässt und der Geschichte mehr Raum zum Entfalten gibt.

Die Charaktere sind durchaus interessant und haben Potenzial, doch sie bleiben dem Leser leider fremd und seltsam distanziert. Dadurch berührt einen auch die Liebesgeschichte zwischen Jessie und Lee nicht wirklich, zumal die Probleme, die die beiden teilweise haben wirklich nicht notwendig sind, wenn sie auch mal richtig miteinander reden würden. Allerdings ist das kaum möglich, da die Figuren ziemlich durch die Ereignisse gehetzt werden und oftmals nur reagieren können, anstatt wirklich aktiv Einfluss aufs Geschehen zu nehmen. Gerade Jessie wirkt lange Zeit sehr passiv, da er nur wenig unternehmen kann und erst zum Ende hin sein Schicksal selbst in die Hand nimmt. Allan ist da schon aktiver und wesentlich greifbarer.

Stilistisch ist Celia Jansson Geschmackssache, da sie einen distanzierten, fast schon kühlen Stil hat, der dafür sorgt, dass man sich nur schwer auf die Geschichte einlassen kann. Das bedeutet nicht, dass sie nicht schreiben kann – sie weiß, wie man eine Geschichte aufbaut, Actionszenen beschreibt und verschiedene Figuren in Szene setzt, doch irgendwie springt der Funke nicht rüber, so dass man die meiste Zeit außen vor bleibt, anstatt mit den Charakteren mitzufiebern. Das ist schade, gerade weil die Geschichte wechselnd aus Jessies und Allans Sicht geschildert wird und man diese wirklich gut kennenlernen sollte. Leider mangelt es an Beschreibungen ihrer Gefühlswelten (über ihre Gefühle füreinander hinaus), so dass man nicht weiß, was sie in den jeweiligen Situationen empfinden.
Leider schleichen sich zum Ende hin vermehrt Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler ein, die den Lesefluss doch ein wenig behindern – vielleicht kann man da nochmal einen Korrekturdurchgang starten.

Fazit:
„Feuererbe“ bietet einen interessanten Urban Fantasy-Auftakt, dessen Potenzial leider nicht gänzlich ausgeschöpft wird. Dem Roman merkt man die Hektik an, mit der er entstanden ist, denn viele Szenen hätten mehr Beschreibung und mehr Zwischensequenzen vertragen können. Auch die Figuren bleiben dem Leser fremd, was schade ist, denn von den Hintergründen her sind sie durchaus interessant und bieten eine Menge Möglichkeiten, aus der breiten Masse hervorzustechen – vielleicht wird das ja in den Folgebänden ausgebaut. Wer Urban Fantasy mag, sollte vorab einen Blick in die Leseprobe werfen, ob ihm Celia Janssons Stil gefällt oder nicht.

Von meiner Seite leider nur 2,5 Sterne.

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

fantasy, high fantasy, kämpfe, rayon lasair, rayson lasair, rebellen, ritter, schlüssel

Sieben Schlüssel - Das Erbe der Rebellen

Rayon Lasair
E-Buch Text
Erschienen bei null, 04.05.2016
ISBN B01F7KMBMM
Genre: Sonstiges

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Failed 3: GayShifterFantasy

Chris P. Rolls
E-Buch Text
Erschienen bei null, 05.06.2018
ISBN B07DGP8Y5H
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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11 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 6 Rezensionen

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Berlingtons Geisterjäger 3 - Die Türme von London

Amalia Zeichnerin
E-Buch Text
Erschienen bei null, 30.03.2018
ISBN B07BTPF7W1
Genre: Sonstiges

Rezension:

Story:
Nachdem Berlington und seine Freunde die wahre Natur der Mordserie von Jack the Ripper aufgeklärt haben, steht die nächste Bedrohung an – die Anderswelthexe Carmun bedroht London und plant die Stadt in ihre Gewalt zu bringen. Während die Gruppe alles daran setzt, Vorkehrungen für den bevorstehenden Kampf zu treffen, bekommen sie unerwartet Hilfe einer geheimen, königlichen Organisation, die sich mit Magie und Übernatürlichem auseinandersetzt. Mit neuen Verbündeten stellen sie sich Carmun, die in London bereits ihre Truppen zusammengezogen hat und den finalen Schlag gegen die Königin und das Empire plant …

Eigene Meinung:
Mit „Die Türme von London“ beendet Amalia Zeichnerin zum einen die Geschichte, die sie in „Mördernächte“ begonnen hat, zum anderen ihre Trilogie „Berlingtons Geisterjäger“. Es werden nahezu alle offenen Fragen beantwortet, wenngleich es durchaus Möglichkeiten gäbe, die Reihe um Berlington und seine treuen Freunde fortzusetzen.

Die Geschichte setzt nahtlos an „Mördernächte“ an, es empfiehlt sich also mindestens Band 2 der Urban Fantasy Reihe zu kennen – Amalia Zeichnerin führt den Kampf gegen Carmun, ihre Getreuen und die Andersweltwesen dem Finale entgegen und sorgt für eine Menge Spannung und Action. Es geht hoch her, gerade was die Kämpfe und die vielen magischen Gegenmaßnahmen anbelangt. Wie schon in „Mördernächte“ werden gerade Nebenfiguren immer wichtige für das Geschehen – sei es der Magier Wenthworth, der mehr als jeder andere auf Rache gegen Carmun aus ist, oder die vielen magisch Begabten, die die Gruppe um Berlington unterstützen, sie alle sind wichtig für die Handlung, denn jeder von ihnen ist wichtig, um die Bedrohung durch Carmun abzuwenden. Glücklicherweise können dieses mal die nicht-magischen Menschen ein wenig mehr unternehmen, denn die Kämpfe finden nicht nur im magischen Umfeld statt. Leider wirken die Beschreibungen der Kampfhandlungen sehr verworren und sind in einigen Punkten nicht nachvollziehbar. Wie jemand mitten im Kampf noch mitbekommen kann, wie es seinen Gefährten ergeht, ist mir schleierhaft (zumeist kann man sich in so einer Situation nur auf sich selbst konzentrieren), ebenso ist nicht nachvollziehbar, wie jemand mit gebrochener Nase noch zu einer langen Verfolgung ansetzen kann. Auch werden einige Handlungsbögen nicht bis zum Ende gebracht, z.B. die Erpressung von Lord Berlington und sein Rauswurf aus dem Club, ebenso wartet man vergeblich auf den Mord an Mary Jane Kelly, das letzte Opfer des Rippers. Dafür offenbart die Autorin noch einige letzte Geheimnisse, gerade um die irische Hexe Fiona

Die Charaktere sind interessant und facettenreich, allerdings kommen im dritten Band so viele Figuren zum Tragen, dass die meisten Figuren untergehen und nur grob ausgearbeitet werden. Das sorgt auch dafür, dass man die vielen Magier und ihre Fähigkeiten nur schwer auseinanderhalten kann, denn bei dieser Fülle an verschiedenen Charakteren ist es für den Leser fast unmöglich den Überblick zu behalten. Schade ist nach wie vor, dass der Künstler Alec als einzige Hauptfigur keine eigene Stimme bekommt, denn nie wird die Handlung aus seiner Sicht beschrieben. Er hätte es verdient, zumindest einmal zu Wort zu kommen.

Stilistisch legt Amalia Zeichnerin ein gut geschriebenes und solide recherchiertes Werk vor, denn man spürt auf jeder Seite, wieviel Zeit sie sich genommen hat, um die örtlichen Begebenheiten und die historischen Details zu recherchieren und mit den fantastischen Elementen der Geschichte zu verknüpfen. Im Gegensatz zu den vorherigen Büchern hat die Autorin dieses Mal einige Bilder zur Untermalung, teils auch Grundrisse von wichtigen Gebäuden an passender Stelle eingebaut, um dem Leser ein besseres Bild vermitteln zu können. Dementsprechend stimmungsvoll und durch die Bilder zusätzlich authentisch sind die Beschreibungen der Hintergründe und historischen Begebenheiten, ebenso die Dialoge und feinen Hinweise auf gesellschaftliche Regeln und Gesetze. Ein wenig hölzern sind leider die Beschreibungen der Kampf- und Actionszenen, die viel zu runtererzählt wirken, ohne dass der Leser wirklich das Gefühl hat dabei zu sein, was vor allem daran liegt, dass jede Aktion der Figuren hintereinander weg beschrieben wird, obwohl man die Szenerie eigentlich aus Sicht eines Charakters erleben sollte. Dadurch verlieren die Kämpfe an Schwung und wirken sehr durcheinander. Leider schleichen sich auch immer wieder Rechtschreibfehler und überflüssige Wörter ein, die das Lesevergnügen ein wenig mindern.

Fazit:

„Die Türme von London“ bieten trotz einiger Schwächen ein gelungenes Finale von „Berlingtons Geisterjäger“, das durch eine gut recherchierte und sehr komplexe Handlung und ein passendes Ende für den Kampf gegen Carmun punkten kann. Einzig die Charaktere büßen aufgrund der schieren Masse an aktiv handelnden Figuren etwas ein, da weniger Raum für die eigentlichen Hauptakteure bleibt. Auch die Kämpfe können nicht immer überzeugen, was schade ist – denn der Urban Fantasy lebt nun einmal von der Action und den sich überschlagenden Ereignissen. Nichtsdestotrotz ist Amalia Zeichnerins Roman ein Muss für Leser der Reihe, die gerade Fans von historischen Phantastik, Steampunk und Mystery ansprechen dürfte. Schwache 4 Sterne.

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

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Ein schweigsamer Gentleman

K. J. Charles
E-Buch Text: 279 Seiten
Erschienen bei dp DIGITAL PUBLISHERS, 19.04.2018
ISBN 9783960872887
Genre: Liebesromane

Rezension:

Story:
Clem Talleyfer führt im Auftrag seines Bruders Eduard eine Pension im Herzen von London und kümmert sich um das Wohl seiner Gäste. Zu diesen gehört auch der trunksüchtige Lugtrout, der trotz seines unangenehmen Verhaltens auf Eduards Anweisungen hin kostenfrei in der Pension leben und unter keinen Umständen rausgeworfen werden darf. Zum Glück liebt auch der Tierpräperator Rowley Green in der Pension, für den Clem bald mehr empfindet und der seine Gefühle sogar erwidert. Während sich die beiden langsam näher kommen, beginnt eine Reihe schrecklicher Ereignisse, die die beiden untersuchen müssen – Logtrout wird tot auf der Schwelle der Pension gefunden, in Rowleys Geschäft wird eingebrochen und sie werden wiederholt von einem hünenhaften Schläger bedroht. Eher zufällig kommen sie den Hintergründen auf die Spur, was Clem vor ein Problem stellt, deutet doch alles auf seinen Bruder hin …

Eigene Meinung:
Mit „Ein schweigsamer Gentleman“ stellt dp DIGITAL PUBLISHERS den ersten Teil der „London Sins“-Trilogie von K. J. Charles vor. Zeitgleich ist es die erste deutsche Übersetzung der Autorin – ob die weiteren Bände der Reihe ebenfalls hierzulande erscheinen, wird sich zeigen. Wünschenswert wäre es, da der Band mit einem winzigen Cliffhanger endet, der neugierig auf die nächsten Bücher macht.

Inhaltlich hat das Buch einige Schwächen, die den Lesegenuss deutlich mindern. So bleibt trotz Krimi-Handlung die Spannung weiterstgehend auf der Strecke, denn man kann sich relativ schnell denken, wer hinter den Ereignissen steht und Clem und Rowley das Leben schwer macht. Auch sonst fehlt ein kontinuierlicher Spannungsbogen, insbesondere da Clem die ganze Sache ziemlich ausbremst und viele offensichtliche Tatsachen nicht wahrhaben will. Auch ist es schade, dass die Autorin viele gute Szenen verbaut, indem sie sie nicht ausschreibt, sondern ihr Augenmerk auf andere Dinge lenkt. Das ist sehr schade – in vielen Dingen wäre sie besser gefahren, wenn sie sich an die Regel „Show, don’t tell“ gehalten hätte.
Nichtsdestotrotz taucht man mühelos in das damalige London ein und lernt die verschiedenen Charaktere gerne kennen. Gerade bei den Hintergründen und den Begebenheiten um 1870 hat sich K. J. Charles viel Mühe gegeben – so sind die Beschreibungen von Rowleys Arbeit als Tierpräperator sehr detailliert, ebenso die des schwarzen Nebels von London und weiterer historischer Fakten, die das Ganze lebendig und authentisch machen. Hier merkt man, dass sie sich über die Begebenheiten informiert hat. Leider geht sie diesen Weg nicht bis zum Schluss, denn in einigen Fällen hat man den Eindruck, sie vergisst in welcher Zeit ihr Buch spielt und man hat plötzlich recht moderne Wörter in Gesprächen oder kleine Details, die nicht ganz in diese Zeit passen. Gerade bei den kleinen Dingen fehlt die historische Authentizität.

Die Charaktere wiederum sind sehr interessant – sowohl Clem als auch Rowley entsprechen nicht den typischen Stereotypen, sondern haben ihre ganz eigenen charakterlichen Stärken und Schwächen. Es ist spannend, die beiden im Laufe der Geschichte kennenzulernen – der unsichere Clem, der sich mit Menschenmassen schwertut und der viel Konzentration für seine Aufgaben aufwenden muss und der nur im Bett wirklich souverän wirkt; und der stille Rowley, der mit seiner unschönen Vergangenheit zu kämpfen hat und dessen Beruf ebenfalls nicht gänzlich anerkannt ist. Die beiden sind herrlich unperfekt und können allein deswegen schon überzeugen.
Leider bleiben die Nebenfiguren ein wenig blass – mit Ausnahme von Eduard, der eine wichtigere Rolle spielt. Das fällt nicht weiter störend auf, da sich die Autorin stark auf Clem, Rowley und ihre Beziehung konzentriert und natürlich auf den unsäglichen Kriminalfall.

Stilistisch legt K. J. Charles ein solides Debüt vor, bei dem man leider einige kleinere Schwächen in Kauf nehmen muss. Wie bereits erwähnt mangelt es an Spannung und einige Details sind historisch nicht ganz korrekt. Leider ist auch die deutsche Übersetzung nicht so gut gelungen – es schleichen sich immer wieder Fehler ein, Wörter fehlen oder stehen im Satz an der falschen Stelle, oder die Sätze an sich machen gar keinen Sinn mehr. Hier hätte ein (weiterer) Korrekturdurchgang sicherlich vieles ausmerzen können, um den Lesefluss zu verbessern.

Fazit:
„Ein schweigsamer Gentleman“ ist ein solider historischer Gay Romance, der durch ungewöhnliche Charaktere und teils tolle, authentische Beschreibungen besticht. Leider mangelt es dem Roman an Spannung und man ist dem Täter zu schnell auf der Spur, ebenso ist die deutsche Übersetzung nicht so gut gelungen. Nichtsdestotrotz sollten Fans historischer Romane einen Blick riskieren, ganz besonders wenn sie Lust auf erfrischend andersdenkende Charaktere haben und eine verbotene Beziehung im damaligen London. Am besten einen Bick in die Leseprobe werfen und selbst entscheiden …

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