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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

"thriller":w=1

Der Kreis des Bösen

Rhena Weiss
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 20.08.2018
ISBN 9783442485796
Genre: Krimi und Thriller

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(80)

121 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 77 Rezensionen

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Ein Teil von ihr

Karin Slaughter , Fred Kinzel
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 01.08.2018
ISBN 9783959672146
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Andreas einunddreißigster Geburtstag verändert ihr Leben. Als sie mit ihrer Mutter in einem Diner sitzt, kommt ein Mann, läuft Amok und tötet zwei Menschen. Dann will er Andrea töten, doch ihre Mutter stellt sich in den Weg und sagt „Erschieß mich“ - am Ende ist der Mann tot. Laura, Andreas Mutter, hat ihm die Kehle durchgeschnitten. Auf einem Handyvideo, das einer der anderen Diner-Besucher gemacht hat, sieht Andrea Entschlossenheit in Lauras Blick. Nachdem die Polizei sie vernommen hat, sagt Laura zu Andrea, dass sie sofort weggehen soll. In einen anderen Bundesstaat. Sie darf erst wieder kommen, wenn Gras über die Sache gewachsen ist. Andrea gehorcht und fragt sich, wer ihre Mutter eigentlich ist. Auf ihrer Reise lernt sie die andere Seite ihrer Mutter kennen und kann es nicht fassen …

Die Welt ist eine Bühne, wir sind die Schauspieler und schlüpfen in verschiedente Rollen. Wir spielen Ärzte, Verkäufer, Vater, Mutter oder Blogger – doch wer sind wir wirklich? Unseren Eltern treten wir anders gegenüber als unseren Chefs. Privat versus Professionell. Verschiedene Rollen. Karin Slaughter spielt in „Ein Teil von ihr“ mit diesem Thema und bedient sich dabei einer extremen Welt.

Andrea ist wie oben geschrieben einunddreißig. Sie hat Theaterwissenschaft in New York studiert, hatte eine Affäre mit einem ihrer Professoren, der ihr eine Stelle in der Nähe des Broadways besorgt hat; den Brettern, die ihre Welt bedeuten – bedeutet haben. Nach sechs Jahren New York ging sie nach Belle Island, was am anderen Ende der USA liegt. Ihre Mutter hatte Krebs, was der Grund für ihren Umzug war. Den Krebs hat Laura überlebt, doch Andrea blieb und arbeitet heute in der Notrufzentrale der örtlichen Polizei. Das was ihr bis jetzt über Andrea gelesen habt, könnt ihr sofort wieder vergessen, weil es in der restlichen Geschichte überhaupt keine Rolle spielt. Was wichtig ist, ist, wie Andrea den Rauswurf ihrer Mutter verarbeitet, wie sie damit umgeht und was sie daraus macht. Andrea ist ziemlich nah am Wasser gebaut und bekommt kaum den Mund auf, wenn sie Informationen bekommen will – was allerdings auch eine traumatische Reaktion vom Amoklauf sein könnte, wir wissen es nicht. Andrea ist vielleicht die Protagonistin, die Hauptcharakterin ist aber zweifelsohne ihre Mutter, obwohl diese nur zu Beginn und am Ende der Geschichte auftritt.

Zwischendurch schickt uns die Geschichte immer wieder zurück ins Jahr 1986, wo eine anarchistische Zelle die Welt verändern will. Wie das in die restliche Geschichte passt, kann man zu Beginn nicht ahnen, später wird dieser Erzählstrang aber wesentlich besser als der über Andrea.

Karin Slaughter steht schon länger auf der Liste jener Autoren, die ich lesen wollte. Bei „Die gute Tochter“ war ich kurz davor, es mir zu besorgen, doch dann kam ein anderes Buch dazwischen – jetzt war es aber soweit. Und schon der Einstieg ist irre rasant, bereits im ersten von gar nicht mal so vielen, dafür unverschämt langen Kapiteln, fließt das Blut in Strömen – aber was erwartet man anderes als ein Gemetzel beim Namen Slaughter? Eben. Was mir auch gut gefallen hat, war die Perspektive. Wir nehmen nämlich nicht die Rolle der Mutter, sondern die der Tochter ein – denn Andrea ist bezüglich ihrer Mutter ja komplett ahnungslos. Und so deckt sie nach und nach ihre Geschichte auf und macht dabei selber einen Wandel von der verschüchterten Andrea zur selbstbewussten durch. Andrea wird übrigens durchgehend Andy genannt. Den Grund dafür kann man nach und nach erahnen

Nach den ersten Kapiteln, die, wie geschrieben, irre rasant sind, gestattet uns Slaughter eine Verschnaufpause, denn wir reisen zweiunddreißig Jahre zurück. Dort ist es zunächst emotional und später nimmt die Zeitreise auch noch politische Züge an. Später nimmt die Handlung aber wieder an Fahrt auf. Insgesamt finde ich Slaughters Schreibstil sehr gut, zwischendurch bringt sie uns sogar zum lachen.

Das Einzige, was mich wirklich gestört hat, war die Kapitellänge. Teilweise gehen sie wirklich über vierzig, fünfzig Seiten, noch dazu ohne Absätze – eine halbe Stunde hinsetzen und ein paar Kapitel lesen ist nicht drin. Aber das ist wohl Slaughters Stil. Man muss sich wirklich Zeit nehmen oder sehr schnell lesen. Gegen Ende könnten ein paar Logikfehler drin sein, aber da bin ich mir nicht hundertprozentig sicher. Andrea bekommt am Ende einiges erzählt, von dem ich mir nicht sicher bin, ob sie – aufgrund fehlendem Vorwissen – alles nachvollziehen kann. Es wirkt eher wie ein Service für die Leser.

Alles in allem ist „Ein Teil von ihr“ ein sehr gutes Buch und es wird nicht mein letzter Slaughter gewesen sein – ich habe im wahrsten Sinne des Wortes Blut geleckt.

Tl;dr: „Ein Teil von ihr" von Karin Slaughter ist ein rasanter und mitunter ziemlich brutaler und blutiger Thriller, dessen Hauptcharakter von der ersten bis zur letzten Seite zwar ständig über allem schwebt, aber nur selten in der Geschichte auftritt. Die Protagonistin hingegen ist eine verschüchterte – möglicherweise traumatisierte – Frau, die nach und nach die Vergangenheit ihrer Mutter aufdeckt und dabei selber einen Wandel durchlebt.

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(24)

34 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

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Perfect Girlfriend - Du weißt, du liebst mich.: Roman

Karen Hamilton
E-Buch Text
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 01.06.2018
ISBN 9783641211677
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wäre es nicht schön, in die Köpfe von anderen zu sehen? Vermutlich nicht. Wir würden Abgründe sehen, die wir nicht sehen wollten; Perversionen, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Und schon gar nicht wollen wir, dass andere Leute in unseren Kopf sehen können – denn vielleicht haben wir ja selber Abgründe, die wir selber gar nicht für so schlimm halten. Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung. Karen Hamilton lässt uns in „Perfect Girlfriend“ in den Kopf ihrer Pro- oder Antagonistin – was, das muss jeder selbst entscheiden – blicken und lässt uns an deren Leben teilhaben.

Juliette heißt mit erstem Namen Elizabeth, doch damit ihr Plan funktioniert, benutzt sie als Flugbegleiterin ihren Zweitnamen. Und ihr Plan, der ganz präzise und minutiös geplant ist, besagt, dass sie ein Jahr nach der Trennung von Nate, wieder mit ihm zusammen sein wird. Nicht früher, nicht später. Dann hatte er ja wohl genug Freiraum und dann ist sie wieder an der Reihe. Juliette – oder Elizabeth – checkt immer den Facebook-Status von Nate – oder den von Bella. Mit Bella ist sie in die Schule gegangen und hat stets zu ihr aufgeschaut. Zu der Schönen, die immer die Hauptrollen im Schultheater bekommen hat. Juliette wollte immer mit ihr befreundet sein und ein Stückchen ihres Fames abhaben. Doch Bella hat sie nie be-, sondern immer verachtet – sobald sie wieder mit Nate zusammen ist, hat Bella gar keine andere Wahl mehr.

Wir tauchen also in die Psyche eines wirklich, wirklich kranken Menschen ein. Nicht nur, dass Juliette in Nate vernarrt ist und nicht mal ansatzweise daran denkt, sich einen anderen zu suchen. Sie  überprüft ihn auch permanent auf Facebook und verbringt auch noch regelmäßig unerlaubt Zeit in seiner Wohnung  , wenn er seiner Arbeit als Pilot nachgeht. Dann kommt noch dazu, dass sie seit ihrer Schulzeit Bella nacheifert, einer Philanthropin, die ständig auf wohltätigen Events herumhängt oder sie selber organisiert – was sie ebenfalls von Facebook weiß. Schnell fragt man sich, ob es tatsächlich Nate ist, den sie will, oder ob er nicht nur Mittel zum Zweck ist, um in eine gesellschaftlich höhere Schicht aufzusteigen.

Denn Juliette kommt aus einer unteren Schicht, ihre Mutter – die relativ früh im Buch stirbt – hat sich regelmäßig die Kante gegeben. Und ihr jüngerer Bruder, William, ist tragisch ertrunken, woran sich Juliette die Schuld gibt, weil sie auf ihn aufpassen sollte. Das erfahren wir bereits im Prolog und der Unfall liegt mehr als ihr halbes Leben zurück. Damals war sie zehn, heute ist sie Ende zwanzig. Da bekommt man ein Gefühl für die Psyche von Juliette, denn das, und die ständige Zurückweisung von Bella an der Schule – so etwas prägt einen Menschen und da ist so eine Entwicklung zumindest vage nachvollziehbar. Juliette will die Anerkennung, die sie von ihrer Mutter nie bekommen hat, und die Sicherheit, die sie ihrem Bruder damals nicht geben konnte – beides sucht sie bei Nate und Bella.

Aber natürlich agiert sie reichlich verrückt, um ihr Ziel zu erreichen, da muss man nichts beschönigen, und Karen Hamilton treibt es auch auf die Spitze und das ist das Salz in der Suppe – wenn ein Plan nicht funktioniert, drückt sie Juliette den nächsten, noch extremeren Plan in die Hand, und das macht das Buch auch so bemerkenswert, so gut. Dass sie uns ihre Geschichte auch noch aus erster Hand erzählt, der Leser also die Rolle von Juliette einnimmt, macht das Ganze noch extremer und zeitweise rollt man nur mehr mit den Augen und denkt sich „weist mal bitte wer diesen Trampel ein?!“.

Dadurch, dass Hamilton selber Flugbegleiterin war, erfährt man natürlich einiges an Hintergrundwissen zum Beruf und teilweise auch einige Funfacts.

Aber das mit Abstand schwächste an dem Buch sind ausgerechnet die Flug-Passagen, die ich großteils nur langweilig fand. Dazu kommt, dass ich doch so hundert bis hundertfünfzig Seiten benötigt habe, bis ich in der Story drin war. Das Ende ist ebenfalls etwas seltsam – als hätte Hamilton all ihre Ideen abgearbeitet und dann gesagt „so, fertig". Man kann es aber sicher auch anders interpretieren. Alles in allem ist „Perfect Girlfriend" aber ein ziemlich anständiges Debüt.

Tl;dr „Perfect Girlfriend“ von Karen Hamilton führt uns in eine Welt, die man nicht sehen will. Aber trotzdem will man wissen, wie dieses Buch endet. Mit einem Hauptcharakter, bei dem man von Anfang an merkt, dass er ein größeres psychisches Problem hat, welches ich zumindest ansatzweise nachvollziehen konnte, was die Autorin aber auch maßlos und geschickt auf die Spitze treibt. Das Ende und einiges davor fand ich aber schwach.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Gnädig ist der Tod

Gerhard Langer
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.07.2018
ISBN 9783442487196
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Oberstleutnant ist in Österreich der zweithöchster Dienstgrad bei der Verwendungsgruppe E 1 „Leitende Beamte“ in der Exekutive. Höher ist nur der Oberst, der nonchalant mit „Obst“ abgekürzt wird. Oberleutnant wird mit „Obstlt“ abgekürzt, was hingegen so klingt, als hätte man zu viel gegärtes Obst konsumiert und wäre an der Aussprache des Wortes „Oberstleutnant“ gescheitert. Was uns zu unserem Protagonisten führt, der früher mal ein schwerwiegenderes Alkoholproblem hatte, bevor er von einem Fall buchstäblich gerettet wurde, der ihn bis heute verfolgt. Michael Winter ist Oberstleutnant bei der Wiener Polizei. Im Prolog vernimmt er gerade eine zweifache Mörderin – der Fall findet jedoch nur am Rande der Handlung statt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Mord eines ehemaligen Politikers, der wortwörtlich ausgeblutet wurde; neben der Leiche wurde eine Tasse mit Blut abgestellt.

Der erste Satz des Buches klingt wie ein Statement, macht direkt Lust auf mehr – erst nach đem Prolog kommt die Ernüchterung, dass Winter den Fall abgibt und es um einen ganz anderen Fall geht. Das ist zwar schade, aber der neue Fall ist nicht minder brisant. Es wird sehr politisch, mehr als ich erwartet hätte – als ehemaligen Politikwissenschaft-Studenten holte mich das aber ab. Dazu kommt, dass Langer einen schnörkellosen Schreibstil hat und nicht mit Kraftausdrücken geizt, was ich erfrischend finde, weil es eher der Wiener Mentalität entspricht als wenn man solche Wörter ausspart. Die Sprache ist allerdings komplett hochdeutsch, da handhabt er es wie sein Autorenkollege Andreas Gruber, dessen Bücher teilweise auch in Wien spielen. Die Lokalkolorit entspricht eher der von Beate Maxian, allerdings hält im Gegensatz zu Maxian etwas zurück – als Wiener erkennt man Straßen und Orte, wenn man nicht aus Wien kommt, macht es aber auch nichts.

In der Danksagung findet sich der bekannte Satz „Alle Handlungen und Personen sind frei erfunden“ - der hat meistens auch seine Berechtigung, nur Langer nehme ich ihn nicht ganz ab. Denn bei den Personen – allen voran dem Opfer – habe ich einige Parallelen zu einer realen Person aus dem öffentlichen Leben entdeckt; er ist übrigens nicht der einzige Charakter bei dem es so ist. Auch die Tageszeitungen haben nur einen geringfügig anderen Namen als ihre realen Pendants. In einem Interview habe ich diesbezüglich nachgehakt.

Beim Plot ist Langer allerdings wesentlich kreativer und er lässt seinem Protagonisten genügend Freiraum, um über den Tellerrand zu blicken, was vermutlich auch Langers Naturell als Akademiker entspricht – zwischendurch merkt man auch immer wieder theologische Einflüsse. Es ist jedoch bei weitem nicht so, dass man mit Religion erschlagen wird. Genau so wie beim Showdown niemand erschlagen wird. Dieser kommt völlig ohne Peng, Klatsch und anderem Brimborium aus und geht sehr sachlich und zivilisiert über die Bühne, was mich an „In deinem Namen“ von Harlan Coben erinnern ließ. Alles in allem ein solides Krimi-Debüt, das Lust auf mehr macht.

Langer erfindet das Rad allerdings nicht neu. Klar, manches hat man in dieser Ausprägung von den bekannteren Österreichern oder anderen Autoren noch nicht gesehen, zum Beispiel die vielen Kraftausdrücke – aber Langer wird damit keine Revolution anstoßen. Dennoch liest sich das Buch sehr gut.

Tl;dr: „Gnädig ist der Tod“ von Gerhard Langer ist ein äußerst politischer Krimi, der durch einen guten und schnörkellosen Schreibstil besticht und nicht mit Kraftausdrücken geizt. Der Hauptcharakter ist, wie der ganze Krimi, ziemlich solide und macht Lust auf mehr. Der Satz „Alle Handlungen und Personen sind frei erfunden“ im Nachwort klingt aber eher wie eine Phrase, den nehme ich ihm nicht ganz ab.

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81 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

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Final Girls

Riley Sager , Christine Blum , Todd Ritter
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 31.05.2018
ISBN 9783423217309
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Final Girls“ wurde mir vom dtv-Verlag zugeschickt – einfach so. Brechstangen-Marketing? Keine Ahnung. Jedenfalls war es mit keinem Gewinnspiel verbunden, was die Sache doch ziemlich sympathisch machte. Den Autor kannte ich nicht, natürlich, Riley Sager ist ein Pseudonym und „Final Girls“ ist sein Debüt. Bei einer kurzen Recherche stieß ich auf einen Artikel, in dem er mit JP Delaney verglichen wurde – beide schrieben über starke Frauen. Offensichtlich ist es der neue Shit wenn Männer solche Bücher schreiben – Riley Sager wollte es gegen Ende aber etwas zu sehr.

Quincy Carpenter ist Backbloggerin – das ist wie ein Buchblog, nur leckerer. Sie bäckt seit ihrer Kindheit, heute verdient sie ihr Geld damit, obwohl sie eigentlich genug davon hat. Für ein Interview bekam sie hunderttausend Dollar und kaufte sich eine Wohnung in einem reicheren Viertel in Manhattan. Quincy ist ein Final Girl, Final Girls werden Frauen in Horrorstreifen genannt, die ein Massaker überlebt haben – und das hat sie, nur war ihr Horrorstreifen die Realität. Vor zehn Jahren war sie mit Freunden in einer Hütte, die Pine Cottage genannt wurde – immer noch wird –, wo die Jugendlichen den Geburtstag von Quincys Freundin feierten. Dort wurden alle erstochen. Doch sie hat das Massaker überlebt und überwunden. Glaubt sie. Bis Samantha auftaucht, ebenfalls ein Final Girl. Sie will die Erinnerungen, die Quincy verdrängt hat, wiederbeleben. Das macht sie mit diversen Tests wie einem Spaziergang im Central Park um ein Uhr morgens. Oder sie füllt Quincy mit Alkohol ab und zwingt sie, Seinen Namen zu sagen – doch Quincy nennt ihn nur Er, wie eine gott-artige Figur, die über allem schwebt.

Man ist eigentlich direkt in der Geschichte, die Stimmung ist gut und passt zum Setting. Schon recht früh lenkt Sager den Leser in eine bestimmte Richtung um dann wieder davon abzukehren – doch die Stelle bleibt im Kopf und wird später relevant. Danach plätschert die Handlung lange dahin, ohne jedoch langweilig zu werden – das macht Sager geschickt. Noch nie war ein Kennenlernen – eben jenes zwischen Quincy und Samantha – interessanter. Sager baut immer wieder Elemente ein, die den Leser am Buch halten. Dennoch weiß man nie, wo er mit der Geschichte hinwill, es gibt anfangs kein direktes Ziel. Man wird zwar dazu gebracht, Samantha mit ihrer geheimnisvollen und schmallippigen Art zu misstrauen, aber das kann es nicht gewesen sein?!

Gerade bei Samantha tobt sich Sager aus, sie ist vermutlich der maskulinste Charakter in diesem Buch. Sie ist hart und tough, schlichtet Streits und riskiert selbst eine Anklage. Solche Sachen eben. Quincy hingegen ist sehr feminin mit ihrem Backblog; die, die sich nicht traut, ihrem Freund Jeff – der übrigens mehr Statist als Charakter ist – zu sagen, dass er beim Sex mal härter rangehen soll, und somit nie ein Happy End hat.

Immer wieder gibt es Rückblenden zu eben jenem Massaker in Pine Cottage vor zehn Jahren, wo sie ihre beste Freundin Janelle dazu nötigt, endlich mal Sex zu haben und ihr ein Zimmer mit Craig zuteilt – oh ja, da bekommt man direkt Bock auf Sex. Das Setting im Pine Cottage erinnert schwer an den Film bzw. (mich eher, weil ich den Film nie gesehen habe) an das PC-Spiel „Friday the 13th", das vor ein paar Jahren erschien, was die Sache sehr atmosphärisch macht.

Nun zum nicht so Guten: zu Beginn dachte ich, dass Quincy, Samantha und Lisa (ebenfalls ein Final Girl) das selbe Massaker überlebt haben, denn es ist nicht ganz ersichtlich, dass es nicht so ist (oder ich hab nicht aufgepasst, das kommt vor). Bei der Auflösung – die nebenbei bemerkt auch einem Toten Hosen Song aus den 90ern entsprungen sein könnte – macht es sich Sager aber viel zu einfach was die Charaktere betrifft. Das wirkt an den Haaren herbeigezogen und – wie oben geschrieben – etwas zu gewollt. Das hat die Stimmung dann doch etwas getrübt.

Tl;dr: In „Final Girls“ von Riley Sager herrscht eine gute Stimmung, sowohl in der Hauptstory als auch in den Rückblenden, die Sager einflechtet. Die Charaktere sind stimmig und konträr. Alles in allem macht das Buch Bock – bis auf das Ende, das ziemlich an den Haaren herbeigezogen wirkt und bei dem es sich Sager hinsichtlich der Charaktere zu einfach macht.

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61 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Girl Unknown - Schwester? Tochter? Freundin? Feindin?

Karen Perry , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 23.05.2018
ISBN 9783651025516
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer denkt, dass Karen Perry eine Autorin ist, der denkt wie ich – und liegt ebenfalls falsch. Es ist ein Autorenduo und besteht aus Karen Gillece und Paul Perry. „Girl Unknown“ ist ihr drittes gemeinsames Buch, auf das ich mich schon lange gefreut habe, weil ich in den letzten Monaten ein Faible für solche Settings entwickelt habe – weg von den hard boiled Krimis, hin zu den Thrillern, deren Spannung eher psychologischer Natur sind. Ich kannte Gillece und Perry davor nicht, aber mit „Girl Unknown“ haben sie mich überzeugt.

David ist Dozent für Geschichte an der UCD, der University College Dublin, und spätestens jetzt wissen wir auch, wo die Geschichte spielt. David ist Mitte vierzig und mit Caroline verheiratet, mit der er zwei Kinder hat, Holly und Robbie, sie elf, er fünfzehn. David ist mit Leidenschaft Akademiker und hofft, dass er bald einen eigenen Lehrstuhl bekommt. Als er von seiner späten Vaterschaft erfährt, ist er kurz verwirrt, später aber glücklich. Die Mutter kannte er vor einem halben Leben von der Uni in Nordirland, wo er einige Zeit war. Er lässt zwar einen Vaterschaftstest machen, aber eigentlich ist ihm das Ergebnis egal – er hat Zoë sofort ins Herz geschlossen.

Caroline hat das mitnichten – nicht nur weil sie nicht ihre leibliche Mutter ist, sondern weil sie ihr nicht traut. Als sie Zoë auf der Uni konfrontiert, ist das junge Mädchen flapsig und keineswegs unsicher, noch weniger schüchtern. Aber sie kann David gegenüber nichts sagen, weil ihre Ehe nach einer Affäre, die sie vor einem Jahr hatte, noch immer auf tönernen Füßen steht.

Es beginnt mit dem Prolog, in dem man einer Möwe begegnet und der auf den ersten Blick unbedeutend ist. Später kann man ihm jedoch den „Foreshadowing“-Stempel aufdrücken. Dann kommt Kapitel eins und schon werden wir vom Flügel der Möwe in die Geschichte gestoßen – die Möwe fliegt weiter, weil das Fliegen ihre Natur ist. Und der Leser liest weiter, weil – ihr ahnt es – das Lesen eben seine Natur ist. Und so lesen wir und lesen und können nicht mehr aufhören, ergötzen uns an dieser feingliedrigen Konstruktion dieser grandiosen Geschichte. Immer wieder wechseln mit jedem Kapitel die zwei Ich-Erzähler David und Caroline und erzählen uns im Nachhinein, wie sie das Leben mit der plötzlich aufgetauchten Tochter Zoë erlebt haben. Alles dreht sich in der Geschichte um Zoë, diese optisch engelhafte Erscheinung mit ihren blonden Locken und der zarten Figur – eine Harfe in die Hand und sie kann zur Geburt Jesu erscheinen.

Aber sie ist alles andere als engelhaft, oh, ist sie gerissen wie sie alle gegeneinander aufhetzt, Vater, Mutter, Tochter, Sohn. Und genau das ist das Salz in dieser Buchstabensuppe von der man noch und noch einen Nachschlag will. In Zoë steckt Schwarz und Weiß, Yin und Yang, Dr. Jekyll und Mrs. Hyde; und als Leser will man nur noch wissen, wie es endet, also blättert man Seite um Seite weiter, wühlt sich durch diese knisternde Spannung, versucht Zoës Intrigen zu durchschauen und scheitert doch daran.

Das klingt alles sehr einseitig, sehr undifferenziert, aber ich bin noch nicht fertig. Denn eines hat das Lesen anfangs doch etwas verlangsamt: nämlich die von Karen Gillece verfassten Kapitel über Caroline, in der sie uns von ihrem Familienleben und ihrer Affäre erzählt – so zäh diese anfangs im Gegensatz zu Davids Kapitel sind, so wichtig sind sie für den weiteren Verlauf der Geschichte. Und was mir auch gefehlt hat, war eine Erklärung zu Zoës Verhalten - man kann als Leser zwar mutmaßen, aber die Wenigsten von uns werden eine psychologische Ausbildung haben, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Was soll ich sagen? Das Buch ist einfach verdammt gut. Kudos an Gillece und Perry, die meine Erwartungen mehr als erfüllt haben.

Tl;dr: „Girl Unknown“ von Karen Perry ist ein irrsinnig packender Psychothriller, den man, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen will. Mit einer irrsinnig gut konstruierten Geschichte und einem Mädchen, das es faustdick hinter den Ohren hat, die das Salz in der Suppe ist.

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Die Saat des Killers

Paul Cleave , Anke Kreutzer
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.06.2018
ISBN 9783453439245
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Stell dir vor, du bekommst ein Herz transplantiert, und hast danach ständig Lust auf ein Bier, obwohl du vor der Transplantation keinen Alkohol getrunken hast. Oder du bekommst eine neue Niere und willst danach Autorennen fahren, obwohl du nie den Führerschein gemacht hast. Es gibt die Theorie, dass in Körperzellen Erinnerungen gespeichert werden können. Die Theorie ist umstritten – aber nicht in der Welt der Literatur, denn Paul Cleave hat die Theorie zur Grundlage seines neuestem Buch gemacht.

Joshua ist 16 und geht auf eine Blindenschule. Sein Leben ist schwarz und das ist auch methaphorisch gemeint – denn er glaubt, dass seine Familie unter einen Fluch leidet. Seine Eltern sind beide tot, deshalb wohnt er bei seiner Tante und seinem Onkel. Da seine Eltern schon sehr lange tot sind, nennt er sie Mom und Dad. Doch jetzt schlägt der Familienfluch wieder zu und macht ihn abermals zum Halbwaisen – doch diesmal hinterlässt ihm sein zweiter etwas; nämlich seine Augen. Und so erfährt Joshua endlich, wie seine Mutter aussieht, wie Farben aussehen, er lernt lesen und will bald Autofahren lernen – doch er hat merkwürdige Träume und weiß nicht, was er davon halten, wie er damit umgehen soll.

Zum zweiten Mal nach „Zerschnitten“ wählt Paul Cleave ein medizinisches Thema. Im Mittelpunkt des Buches steht das zelluläre Gedächtnis, das medizinisch umstritten ist. Das bestätigt auch der Wikipedia-Eintrag darüber, der sehr kurz ist. Dass in dem Buch Augen transplantiert werden und blinde Menschen sehend machen, führt uns dann vollends in die Welt der Fabelwesen, denn zum Thema Augentransplantation gibt Google nichts her. Aber die Idee an sich und die Umsetzung ist grandios. Alleine wie Cleave den Protagonisten Joshua beschreibt, wenn er vom Blinden zum Sehenden wird, wirkt grandios recherchiert. Wenn er beschreibt, wie Joshua plötzlich nicht mehr nur von Formen und Gerüchen träumt, sondern von Menschen, Farben, Gegenständen – oder wie er das Fernsehen entdeckt und die Hörbücher links liegen lässt; da kann einem schon die Gänsehaut kommen, weil allein die Vorstellung, dass es so etwas geben könnte, wunderschön ist.

Zunächst lässt sich Cleave etwas Zeit mit dem Aufbau, führt neben Joshua unter anderem noch den Antagonisten Vincent ein, der der beste Freund von Simon Bower war, der nun tot ist – getötet von Joshuas Onkel-Vater Ben. Vincent heckt nun einen Plan aus, wie er nach dessen Leben trachten könnte. Das ist anfangs etwas zäh, weil Vincent davor das Leben von Simon aufarbeiten muss und dabei merkt, dass dieser ein ziemlich böser Bube war, was Vincent nicht klar war – aber nach ein paar Kapitel liest sich das Buch ziemlich flüssig und es macht ziemlich Spaß. Später stößt dann noch Olilia zum restlichen Ensemble hinzu, die sich wirklich sehr rührend Joshua – oder wie sie ihn nennt: „Junge, der früher mal blind war“ – annimmt.

Gegen Ende gibt es dann eine Sequenz, bei der ich fünf Minuten Abstand vom Buch brauchte, weil sie einerseits so schrecklich ist, und andererseits, weil es das, was darin passiert, wirklich geben könnte. Da kann man schon mal anfangen, an der Menschheit zu zweifeln. Und eigentlich wäre das für mich das perfekte Ende gewesen, denn das hätte – vermutlich nicht nur bei mir – einen enormen Nachhall hinterlassen.

Aber es geht weiter und damit verschlimmbessert Cleave das Ende leider etwas. Beim Showdown tritt der Protagonist für meine Begriffe für einen 16-jährigen viel zu souverän auf und auch generell übertreibt es Cleave etwas. Dazu kommt, dass man von ein paar Figuren nach dem Showdown überhaupt nicht mehr erfährt, was aus ihnen wurde – das macht die sonst wirklich großartige Geschichte leider etwas madig.

Tl;dr: „Die Saat des Killers“ von Paul Cleave ist ein mitreißender Thriller über ein strittiges medizinisches Thema und der Frage, ob in menschlichen Zellen Erinnerungen gespeichert werden können. Der Autor beantwortet diese sehr deutlich anhand eines grundsympathischen Protagonisten, der nach einer Augentransplantation zum ersten Mal sehen kann. Hintenraus übertreibt es Cleave allerdings etwas und macht die sonst großartige Geschichte leider etwas kaputt.

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192 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 106 Rezensionen

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The Wife Between Us

Greer Hendricks , Sarah Pekkanen , Alice Jakubeit
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 15.05.2018
ISBN 9783499291173
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nellie ist 27 und Erzieherin bzw. Kellnerin. Bald tritt sie vor den Altar um den erfolgreichen – mit Betonung auf „reich“ - Hedgefond- Manager Richard zu heiraten und mit ihm in die Vorstadt zu ziehen. Das ist so unspektakulär wie langweilig – wenn da nicht Vanessa wäre, die die Hochzeit mit aller Gewalt verhindern will. Sie terrorisiert Nellie mit dubiosen Anrufen, säuft wie ein Loch und hofft, dass es ihre Tante, bei der sie seit der Scheidung von Richard wohnt, nicht bemerkt. Ihre Mutter starb vor ein paar Jahren und der Tod ihres Vaters ist noch länger her. Nellie kommt von den beiden wesentlich besser weg, denn ganz ehrlich – keiner mag alkoholsüchtige Trullas, die die jüngere und hübschere Nachfolgers ihres Ex' nachstellt. Da nützt es auch nichts, wenn sie noch so viele Psychologie-Podcasts hört, denn offenbar verhindern diese ihr frustriertes Handeln nicht.

Richard hingegen ist Vollwaise nachdem seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Die Erziehung übernahm danach seine Schwester Maureen. Doch das nützt nichts, denn man merkt von Anfang an, dass mit dem Hedgefond-Manager ebenfalls etwas nicht stimmt.

Man ist eigentlich sofort in der Geschichte drin. Ich bin – wie ich schon öfter geschrieben habe – kein großer Freund von Prologen, aber der in „The Wife Between Us“ gibt gleich das Tempo vor – und das ist enorm. Wenn nicht gerade Fußball WM gewesen wäre, während ich das Buch las, wäre ich in Windeseile durch gewesen – aber manchmal muss man eben Prioritäten setzen. Aber selbst dann macht es nichts, wenn man ein paar Tage nicht gelesen hat. Man ist sofort wieder drin in dieser schaurig-schönen Stimmung, die das Autorenduo hier aufbaut.

Das Buch ist in zwei Teile untergliedert, und gerade am Ende des ersten saß ich erstmal fünf Minuten da und musste mich wieder ordnen, denn am Ende stellen Hendricks und Pekkanen einfach mal alles auf den Kopf, und ich so: „Wie? Was? W.. aber d… was ist jetzt passiert?“ - kurz: ich war sprach-, fassungslos und überwältigt. Wie die Autorinnen den Leser an der Nase herumführen ist im positivsten Sinne bemerkenswert. Der zweite Teil ist ein Mix aus Retrospektive und Gegenwartsgeschichte und ein Psychothriller par excellence – wirklich herausragend konstruiert. Der Epilog hält eine ähnlich große Überraschung wie das Ende des ersten Teils bereit – hier wird die Geschichte dann komplett rund. Aber…

… aber viel Neues findet man im Plot nicht, das muss auch festgehalten werden. Nicht alles was glänzt ist Gold. Man erkennt dann doch einige Parallelen zu anderen Büchern dieses Genres. Zum Beispiel zu JP Delaneys „The Girl Before“, oder zu – ja, ich weiß, das wird bei mir in jeder dritten Rezension genannt, und nein, der btb-Verlag zahlt mir nichts dafür (warum eigentlich nicht?) ;) - Anna Georges „Was ich getan habe“, oder zu Chevy Stevenses „Ich beobachte dich“. Dennoch haben die zwei das toll gemacht – chapeau!

Tl;dr: Greer Hendricks und Sarah Pekkanen haben mit „The Wife Between Us“ einen herausragenden Psychothriller konstruiert, bei dem man sich vor allem nach dem ersten von zwei Teilen einmal neu sammeln muss, weil man kurzfristig die Welt nicht mehr versteht. Allerdings findet man einige Elemente, die man aus anderen Büchern dieses Genres schon kennt.

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41 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

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Der Bote

Ingar Johnsrud , Daniela Stilzebach
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 14.05.2018
ISBN 9783764505882
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Manche Bücher bleiben einem nachhaltig im Gedächtnis, manchmal sogar, wenn man sie gar nicht so gut fand. Und das ist ein besonderes Qualitätsmerkmal. Mir erging es so mit „Der Hirte“, dem ersten von drei Teilen der Fredrik-Beier-Reihe. Ich fand ihn nicht sonderlich gut und habe ihn dementsprechend bewertet. Aber doch blieb etwas Positives im Gedächtnis – die Charaktere, die Stimmung und dieser außergewöhnliche Schreibstil mit dem ich zeitweise ziemlich überfordert war. Das waren die Gründe, warum ich mir den zweiten Teil - „Der Bote“ - jetzt dann doch vornahm.

Fredrik Beier kommt gerade aus dem Krankenhaus. Er wollte sich umbringen, warum, weiß er nicht, er hat die Erinnerung daran verloren. Er nahm eine Überdosis Schmerzmittel und spülte sie mit Alkohol hinunter, danach legte er sich vors Haus seiner Ex-Frau Alice. Er hat überlebt – sein Privatleben nicht. So ziemlich alle sind sauer auf ihn, vor allem seine Lebensgefährtin Bettina, die überhaupt nicht verstehen kann, warum er das getan hat, aber noch weniger, warum er sich ausgerechnet vor das Haus seiner Ex gelegt hat. Sein Sohn Jacob verkriecht sich indes in seinem Zimmer und spielt Brahms auf seiner Bratsche. Aber Life goes on, die Kriminellen nehmen keine Rücksicht auf ihn und so verkriecht sich Beier in seinen Beruf als Mordermittler. Kafa Iqbal, seiner Kollegin, geht er seit der Explosion auf Solro allerdings aus dem Weg. Doch nun müssen sie wieder an einem Strang ziehen, denn die Leiche aus der Kanalisation, die er und sein Kollege Andreas Figueras gefunden haben, hängt unmittelbar mit jener Leiche, die Kafa gefunden hat, zusammen.

Ich habe mich tatsächlich auf „Der Bote“ gefreut, das hätte ich nach „Der Hirte“ nicht gedacht. Aber man ist direkt wieder drin, der Schreibstil ist – zumindest zunächst – flott und packend – es war für mich wie heimkommen. Alles ist am richtigen Platz, oder auf einem vier besseren, und diese angenehme Schwere fand ich auch wieder vor. Mit einem schwerst depressiven Fredrik Beier, bei dem man sich fragen kann, warum er in seinem Job überhaupt eine Waffe tragen darf. Und Kafa, die orientalische Schönheit, die mit ihrer toughen Art den ein oder anderen männlichen Kollegen alt aussehen lässt. Sowie Andreas, der diesmal als besonderer Kotzbrocken auftritt – aber diese Meinung teile ich mit einigen anderen.

„Der Bote“ spielt anderthalb Jahre nach „Der Hirte“ und ist wesentlich politischer als sein Vorgänger, vor allem militärpolitischer. Was den Aufbau betrifft sieht die Geschichte genau so aus wie der erste Teil der Trilogie. Wir haben kurze, knackige Kapitel und zwischendurch immer wieder Rückblenden – die Rückblenden führen uns diesmal aber nicht so weit in die Vergangenheit. Auch diesmal haben mich die Rückblenden eher überfordert, weil man anfangs so gar nicht einschätzen kann, wie diese zum Rest der Geschichte passen – aber natürlich wird am Ende alles immer klarer. Johnsrud macht auch diesmal wieder einige Fässer auf, behandelt einige Themen – Religion, Militär, Politik, Geschichte und etliche andere –, aber diesmal werden sie wesentlich stimmiger behandelt als im „Hirten“ – zumindest wirkt es so. Und die Atmosphäre gefällt mir noch besser als bei Teil eins, die hat mich sehr an die US-Serie „The Americans“ erinnert, die in der Zeit des Kalten Krieges spielt – und genau dieses Thema spielt in „Der Bote“ eine Hauptrolle. Sonst habe ich diesmal aber keinerlei Anleihen an diversen Serien entdeckt. Vor allem das Ende ließ mich mit offenem Mund zurück – das wird definitiv noch eine Rolle spielen und ist für mich ein Grund, den dritten Teil auch zu lesen. Ich freue mich.

Was mir dennoch abermals Kopfzerbrechen bereitet hat, war diese verworrene Konstruktion der Geschichte, die es mir nicht immer einfach gemacht hat, alles nachzuvollziehen. Aber das gehört offenbar zu Johnsruds Schreibstil und macht ihn vermutlich so erfolgreich – zumindest in seiner Heimat Norwegen. Bei den Figuren hätte er allerdings etwas präziser sein können was deren Profil betrifft – vor allem bei den Rückblenden habe ich ein paar Charaktere verwechselt bzw. bin ich erst gegen Ende  darauf gekommen, dass das zwei unterschiedliche sind.

Tl;dr: „Der Bote“ von Ingar Johnsrud ist ein facetten- und themenreicher Thriller, der diesmal für meine Begriffe wesentlich stimmiger ist als dessen Vorgänger. Die Charaktere entwickeln sich weiter und Johnsrud sorgt mit der schweren Stimmung und einer Kalter-Krieg-Atmospäre dafür, dass man sich in dem Buch wohlfühlt – wenn man es gerne so hat.

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112 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

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Missing - Niemand sagt die ganze Wahrheit

Claire Douglas , Ivana Marinovic
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Penguin, 11.06.2018
ISBN 9783328101697
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Buchblogger unter uns, die regelmäßig oder nur zeitweise Rezensionsexemplare anfordern, werden es kennen: Immer wieder landet irgendein Buch, das man nie angefordert hat, von irgendeinem Verlag im Briefkasten, oder eine Rundmail preist ein Buch an, das man schon vor dem Release als Rezensionsexemplar anfordern kann. Zu neunzig Prozent lassen mich solche Bücher oder Mails kalt. Mit „Missing“, von dem ich via Mail erfahren habe, war ein Gewinnspiel verbunden, bei dem man eine Penguin-Kaffeebechern gewinnen konnte, wenn man die Rezension am Releasetag (11. Mai 2018) auf möglichst vielen Seiten (Amazon, Lovelybooks, etc.) veröffentlichte. Auch das ließ mich kalt. Dennoch habe ich das Buch angefordert, die Rezension dazu aber weit nach dem Release veröffentlicht. Und das Buch ließ mich alles andere als kalt.

Frankie, die eigentlich Francesca heißt, ist eine von zwei Ich-Erzählerinnen. Sie kommt aus einem gut situierten Hause, denn ihre Familie besitzt mehrere Hotels und sie arbeitet selber als Hotelmanagerin in einem davon in London. Sie ist um die vierzig und mit Mike zusammen. Mike hat ihre Küche eingebaut und lebt ein völlig normales Leben. Frankie war mir von Anfang an unsympathisch – sie benutzt häufig Notlügen, hat ein veritables Alkoholproblem und weiß nicht, was sie will. Als sie in ihre alte Heimat Oldcliffe-on-sea zurückkehrt, nimmt sie eine Ration Wein mit und trinkt täglich eine Flasche davon – nach drei Tagen ist die Ration aufgebraucht. Sie mag Mike wegen seiner bodenständigen Art und dennoch trennt sie sich im Suff von ihm via SMS. Sie wünscht sich, dass er um sie kämpft und als er es tut, passt es ihr doch nicht – als Leser mag man mit ihr verzweifeln, das hat zeitweise schon borderlinesche Züge.

Und dann ist da noch Sophie, deren Erzählstrang achtzehn Jahre zuvor spielt. Sophie ist eigentlich grundsympathisch, sie kommt aus einfachen Verhältnissen und hat eine ziemlich heftige Vergangenheit. Frankie hat sie eher zufällig kennengelernt, als ihre Lehrerin sie einfach neben sie gesetzt hat. Frankie und Sophie kannten sich, seit sie sieben waren – und ihr zwei Jahre älterer Bruder Daniel steht mindestens seitdem auf Frankie. Aber Frankie wollte ihn einige Jahre später, als Jungs interessant wurden, nicht. Heute, einige Jahre später will sie ihn, oder auch nicht – wie gesagt, man mag mit ihr verzweifeln.

Erste Sätze sind bei einem Buch immens wichtig, sie sollen die Stimmung im Buch vermitteln. Manchen Autoren gelingt das gut, manchen weniger gut. Claire Douglas ist der erste Satz verdammt gut gelungen, ich war sofort in der Story drin. Ich gebe euch mal den ersten Satz: „An einem tristen Nachmittag, kurz nach dem Mittagessen, erfuhr ich endlich, dass du tot bist“ - und Stimmung. Das „du“ in dem Satz ist wichtig, denn damit ist nicht der Leser gemeint (Leser sind selten tot), sondern Sophie. Der Leser nimmt also quasi die Rolle von der Toten Sophie ein. Zumindest in Frankies Strang. Sophie erzählt in ihrem Strang über ihr Liebesleben, ihre Liebe zu Büchern und was sie sonst noch erlebt. Sophies Erzählstrang ist zunächst ziemlich unspektakulär, wird aber hintenraus immer spannender.

In der Geschichte geht es zunächst gar nicht um die Eruierung von Sophies Tod, vielmehr nimmt der geheimnisvolle Jason eine prominente Rolle ein, und der Leser weiß lange nicht, was es mit ihm auf sich hat – irgendwann erfährt man es, aber am Ende spielt das dann doch nur eine periphere Rolle. Am Ende spielt nämlich doch Sophies Tod die größte Rolle, und der weitgehend blasse Daniel – Sophies Bruder – nimmt eine immer größere Rolle ein und avanciert am Ende zum heimlichen Star der Geschichte.

Ich würde das Buch Genre-technisch nicht wie am Cover beschrieben als Thriller bezeichnen, eher als Liebesroman mit Thriller-Elementen, denn Liebe ist dann doch das vorherrschende Thema – allerdings ohne kitschig zu sein.

Etwas theatralisch fand ich das Apartment von Frankie, dessen Fenster ausgerechnet auf das Grand Pier, jenes Pier, an dem Sophie gestorben ist, gerichtet ist. Und auch die Spuk-Einlagen, wie Babygeschrei in der Nacht oder ein Gesicht am Fenster, das aussieht wie Sophies, fand ich etwas drüber, selbst wenn am Ende alles aufgeklärt wird. Alles in allem ist „Missing“ aber ein ziemlich gutes Buch mit einer guten Stimmung und mit einem Ende, bei dem man sich denkt: „Mind = blown“. Zwar kein Kaffeebecher für mich, dafür aber ein paar gute Stunden.

Tl;dr: „Missing" von Claire Douglas ist ein irrsinnig interessantes und intensives Leseerlebnis, ein Buch, bei dem man mit dem ersten Satz in der Story ist und nicht mehr raus will, weil sie so packend ist. Eine Geschichte über zwei beste Freundinnen, über Liebe, Verlust und Drohungen. Gespickt mit Grusel, der zunächst redundant wirkt, nach der Auflösung aber doch zur Geschichte passt.

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

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Die rote Frau

Alex Beer
Fester Einband
Erschienen bei Limes, 21.05.2018
ISBN 9783809026761
Genre: Historische Romane

Rezension:

Alex Beer hat mit „Der zweite Reiter“ den Erfolg bekommen, den sie unter ihrem bürgerlichen Namen und einer zeitgenössischeren Serie vergeblich gesucht hat. Das Feuilleton hat das erste Buch um August Emmerich gefeiert, Beer hat einen der wichtigsten Literaturpreise Österreichs gewonnen und auch mich hat sie begeistert. Nicht nur, weil es in meiner Heimatstadt spielt, sondern auch zu einer absolut interessanten Zeit – einer völlig vernachlässigten Zeit, wie Beer dem Krimisofa in einem Interview verriet. Jetzt kam der Zweite Teil heraus, der mich allerdings nicht mehr so euphorisch zurückließ.

August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter haben es in die „Leib und Leben“-Abteilung geschafft – jene Abteilung, in die Emmerich schon vor seinem letzten Fall wollte. Winter ist noch von seinen schweren Verletzungen gezeichnet, die er im „zweiten Reiter“ erlitten hatte und kann nur einen Arm nutzen. Aber mehr als Protokolle abzutippen, haben die zwei, die vom Rest der Abteilung geschnitten und hinter ihren Rücken „Krüppelbrigade“ genannt werden, ohnehin nicht zu tun. Emmerich hingegen ist vom Heroin, das er im ersten Teil gegen seine Knieschmerzen genommen hat, losgekommen. Da er von seiner Luise ausziehen musste, weil ihr Mann es wider Erwarten aus der russischen Kriegsgefangenschaft heim geschafft hat, wohnt Emmerich jetzt in einem der neuen und von der Presse gefeierten Männerlogierhäusern. Anstatt einen Mordfall zu untersuchen, müssen die zwei sich den Fall der angeblich verfluchten Schauspielerin Rita Haidrich ansehen – eine weitere Schikane ihrer Vorgesetzten. Doch über diesen Fall stoßen die zwei auf den Fall des ermordeten Wiener Stadtrats Fürst, den die restliche Abteilung bearbeitet und die auch schnell einen Täter verhaftet. Aber Emmerich ist sicher, das es der falsche ist.

Manchmal frage ich mich, ob man ein Buch nicht so gut findet, weil man in der falschen Stimmung ist, einen harten Tag hatte und deshalb nicht richtig in die Geschichte reinkommt – genau so erging es mir bei „Die rote Frau“, das ich erst gegen Ende richtig gut fand. Auch fragte ich mich, was die Sache mit dem Fluch am Anfang sollte, die so gar nicht in die Geschichte passen will – am Ende war ich dann aber schlauer, denn beim hervorragenden und historisch interessanten Showdown löst sich alles auf. Die Charaktere von Emmerich und Winter haben sich weiterentwickelt und die zwei sind sich gegenseitig wesentlich loyaler als zu Beginn von „Der zweite Reiter“, obwohl „Die rote Frau“ nicht mal ein halbes Jahr danach spielt.

Obwohl es ein völlig anderes und wesentlich politischeres Buch ist als „Der zweite Reiter“, gibt es einige ähnliche Abläufe. Zum Beispiel hat Emmerich im ersten Teil der Serie sein lädiertes Knie verheimlicht – diesmal verheimlicht er, dass er in einem Männerlogierhaus in einer drei Quadratmeter Kabine haust. Oder dass die zwei Protagonisten über einen Fall zu einen Mordfall kommen – das gab es im ersten Teil schon. Dort war es der Schleichhändler, den sie dingfest machen solltest und über den sie dann zu einem Mordfall kamen. Aber das ist wohl der Preis, den man zahlt, wenn man eine Serie schreibt.

Teilweise macht Beer es sich beim Plot zu einfach: da findet Emmerich, der kein Latein kann, ein Heft, das in  reinstem Latein geschrieben ist – „Na kloa, do kenn i wen, der mir des übersetzt" (überspitzt zitiert). Oder Emmerich wird schwer verletzt, kann sich aber keine ärztlich Behandlung leisten – Winter schickt ihn zum Hausarzt seiner Oma, der macht's gratis. Und was mir leider sauer aufstößt, ist die Vermischung von Deutschem und Wiener Dialekt. Da findet ein regelrechtes Meet & Greet zwischen „die Faxen dicke“ und „Heast Oida“ statt und das geht leider auf Kosten der sonst so hohen und abermals herausragend recherchierten Authentizität. Denn ich glaube nicht, dass es in Wien 1920 gängig war, „die Faxen dicke" oder „klauen" zu sagen. Und falls doch – mea culpa.

Tl;dr: „Die rote Frau“ von Alex Beer kann nicht ganz mit dem Auftakt der Serie mithalten, besticht aber abermals mit historisch interessanten Fakten und einem trickreichen und loyalen August Emmerich. Vor allem der Showdown wird einige überraschen, sodass man am Ende aufstehen und applaudieren möchte.

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81 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

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In deinem Namen

Harlan Coben , Gunnar Kwisinski
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.06.2018
ISBN 9783442205448
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Harlan Coben nimmt in der Liste meiner Lieblingsautoren mittlerweile eine besondere Rolle ein. Früher habe ich ihn jahrelang ignoriert, wenn ich ein Buch von ihm nicht prickelnd fand. Heute warte ich sehnsüchtig auf sein neuestes., auch wenn ich sein letztes nicht so gut fand. Coben hat seinen eigenen Stil und immer ein ähnliches Thema, das das Fundament seiner Bücher bilden. Er hat eine ruhige Erzählweise und die Bücher haben nie martialische Titel, weil in seinen Büchern selten Blut fließt. Für sein aktuelles Werk müsste man eigentlich zwei verschiedene Bewertungen für zwei verschiedene Lesegruppen abgeben – aber dazu weiter unten mehr. Sehen wir uns zunächst die Geschichte näher an.

Napoleon Dumas hat, wie man am Vornamen erkennen kann, französische Wurzeln. Sein Vater starb an Lungenkrebs, was ihn einerseits zum Raucher werden ließ und andererseits zum Missionar, denn er sagt jedem, den er rauchend sieht, dass er damit aufhören soll. Das ist nicht konsequent, aber selbstlos. Nap, wie er von allen genannt wird, ist vor fünfzehn Jahren der Boden unter den Füßen weggezogen worden – einerseits starb sein Zwillingsbruder und bester Freund Leo und andererseits verschwand seine Freundin Maura. Als einzige Menschen, die ihm was bedeuten, blieben seine beste Freundin Ellie und sein Mentor Augie. Naps Charakter wirkt deprimiert, so als hätte er keinen Spaß im Leben, aber dadurch, dass wir im Buch nur ein paar Tage mit ihm verbringen, wissen wir nicht, ob dem wirklich so ist. Jedenfalls ist er Gerechtigkeitsfanatiker, der auch vor Selbstjustiz nicht zurückschreckt, wie man bereits im ersten Kapitel sieht, wo er einen Typen mit einem Baseballschläger traktiert. Das ist auch so ziemlich das einzige Mal in dem Buch, wo Nap Emotionen zeigt.

Wie oben geschrieben, müssten in dieser Rezension zwei verschiedene Bewertungen her – eine für jene Leute, die „In ewiger Schuld“ – Cobens Buch, das 2017 erschien – gelesen, und jene, die es nicht gelesen haben. Ich fand „In ewiger Schuld“ großartig, aber „In deinem Namen“ weist leider einige Parallelen mit dem Vorgänger auf. Wenn man „In ewiger Schuld" gelesen hat – und das habe ich –, fällt die Bewertung deshalb, auch wenn es schwer fällt, eher mittelprächtig aus,. Denn es wirkt, als hätte Coben „In ewiger Schuld“ genommen, ein paar Namen ausgetauscht, die Handlung etwas abgeändert und ein anderes Ende genommen. Der Hauptcharakter ist meiner Meinung nach nahezu exakt der selbe wie in „In ewiger Schuld", nur dass er ein Mann ist und Napoleon statt Maya heißt. Okay, und er ist Cop statt Pilotin, aber das ist völlig sekundär, weil er der Spur von Maura ohnehin inoffiziell nachgeht.

Eines ist noch anders: es gibt den Conspiracy Club, dem sein Bruder, Maura, der oben in der Einleitung erwähnte Rex und noch ein paar andere damals in der High School angehörten. Dieser ging dem Geheimnis der Nike-Raketenbasis nach, die hinter der Schule im Wald steht und nichts mit Turnschuhen zu tun hat. Aber auch „In ewiger Schuld“ hatte eine sehr ausgeprägte militärpolitische Komponente, nur dass ihr Coben diesmal einen persönlichen Anstrich verpasst hat, wie man es dem Vorwort entnehmen kann..

Die Geschichte ist an Naps toten Zwillingsbruder gerichtet, der Leser nimmt also gewissermaßen Leos Rolle ein, was ich dann doch ziemlich genial finde. Auch den trockenen Humor, den Napoleon hat und der immer wieder aufblitzt, finde ich großartig. Es gibt weit weniger Dialoge wie in manch anderen Coben-Büchern, was die Handlung zeitweise etwas langatmig macht. Aber ab zirka der Hälfte zieht die Geschichte an Tempo an und am Ende erwartet uns ein ruhiger und sachlicher Showdown, wobei ich mich am Ende gefragt habe, ob es nun ein Happy End ist oder nicht. Ich konnte diese Frage bis heute nicht beantworten, was dann doch wieder etwas Positives ist, weil man länger über das Buch nachdenkt. Alles in allem lässt mich das Buch dennoch mit gemischten Gefühlen zurück. Vielleicht habe ich auch irgendetwas übersehen und „In ewiger Schuld" und „In deinem Namen" hängen sogar über fünf Ecken zusammen, aber irgendwie glaube ich das nicht. Für sich betrachtet hat das Buch eine kohärente, gut konstruierte Geschichte mit einer düsteren bis depressiven Stimmung. Die offensichtlichen Parallelen mit „In ewiger Schuld" hinterlassen aber einen faden Beigeschmack. Werde ich deshalb jetzt aufhören, Coben zu lesen? Nope. Werde ich dem nächsten Coben wieder entgegenfiebern? Aber hallo!

Tl;dr: „In deinem Namen“ von Harlan Coben hinterlässt mich mit gemischten Gefühlen und müsste eigentlich mit zwei verschiedenen Bewertungen rezensiert werden. Das Buch hat einiges von seinem Vorgänger „In ewiger Schuld“, aber in abgewandelter Form und mit anderem Ausgang.

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129 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

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DNA

Yrsa Sigurdardottir , Anika Wolff
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei btb, 09.10.2017
ISBN 9783442715756
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Island ist ein faszinierendes Land. Hoch oben im Norden Europas mit etwas mehr als 300.000 Einwohnern wurde das Land vor Hunderten von Jahren von Wikingern besiedelt. Heute sind die Wikinger ausgestorben und Island übt sich etwa in Sportarten wie Fußball – 2016 hat das Nationalteam die Europameisterschaft gerockt. Das ist, als ob der Karlsruher SC Erfolge bei der Champions League feiern würde (also eigentlich unmöglich). Etwas heikel ist das Daten in Island, denn nahezu alle Menschen sind miteinander verwandt und aufgrund der komplizierten Nachnamen-Struktur (die Nachnamen leiten sich vom Vornamen einer der Eltern ab), ist es nicht ganz so einfach, etwaige Verwandte zu eruieren. Um inzestuöse Zustände zu verhindern, gibt es eine eigene App, mit der man die Verwandtschaftsverhältnisse des jeweiligen Dating-Partners  prüfen kann – womit wir auch schon bei „DNA“ von Yrsa Sigurdadóttir wären, wo die Familie eine geradezu namensgebende Rolle spielt.

Huldar ist eigentlich normaler Ermittler in der Mordkommission von Reykjavik; dass er plötzlich Ermittlungsleiter wird, ist wie eine unbefleckte Empfängnis. Nicht nur einmal bereut der Neo-Chef, der Beförderung zugestimmt zu haben – dann kommt noch dazu, dass er Freyja bei den Ermittlungen begegnet, mit der er einen One-Night-Stand hatte und ihr dabei erzählt hat, dass er eigentlich Tischler sei und Jónas hieß. Deshalb, aber auch, weil er auch noch Sex mit der Frau seines Kollegen Rikarður hatte, nagt das schlechte Gewisse ziemlich an ihm. Denn sein Sexleben ist alles andere als gezügelt, weshalb er sich Hoffnungen darauf macht, ob ihm Freyja nicht doch noch eine Chance geben könnte. Jetzt weiß sie ja, wer er wirklich ist. Vorher muss er aber den Fall mit dem grausamen Mord lösen. Er hätte nie gedacht, dass man mit einem einfachen Haushaltsgerät wie einem Staubsauger morden könnte.

Skandinavische Autoren sind bekannt für ihre grausamen und kreativen Morde in ihren Büchern, dafür muss man nur einen Mankell oder Nesbø gelesen haben. Yrsa Sigurdadóttir, ihres Zeichens die erfolgreichste Thriller-Autorin Islands, schlägt in die selbe Kerbe. „DNA“ kommt zwar völlig ohne Blut aus, ist bei den Morden aber umso abartiger. Neben Huldar gibt es noch einige andere Charaktere, die in der Geschichte vorkommen – wenn ich jeden einzelnen hier ausführen würde, wäre die Rezension aber dreimal so lange. Einige davon bekommen von Sigurdadóttir viel Platz eingeräumt, weshalb man immer den Überblick behält. Vor allem bekommt man mit, was die Charaktere denken – und sie denken viel. Generell lässt sich die Autorin viel Zeit mit der Einführung der Charaktere, Freyja wird zum Beispiel erst nach der Hälfte näher vorgestellt. Dass einiges davon überflüssig ist, was Sigurdadóttir uns über die Charaktere erzählt, muss ich nicht extra erwähnen. In der Tat habe ich mich erst an den ausschweifenden Erzählstil gewöhnen müssen, obwohl ich Sigurdadóttir davor schon kannte, es aber ungefähr zwei Ewigkeiten her ist, dass ich etwas von ihr gelesen habe. Aber man gewöhnt sich daran und irgendwann macht diese Erzählweise sogar Spaß.

Das „Kommissar Huldar und Psychologin Freyja“ im Titel deutet darauf hin, dass die zwei gemeinsam ermitteln – dem ist aber mitnichten so, Freyja ist nicht mal in der Ermittlung involviert und arbeitet auch bei einer anderen Institution – ob das beim Nachfolger „SOG“ auch so ist, kann ich nicht sagen, vermute es aber. Was ich sagen kann, ist, dass die Befragung der kleinen Margrét, die Tochter des ersten Opfers, den Kern der Geschichte bildet. Um diesen baut Sigurdadóttir die Handlung auf.

Und das ist vermutlich auch der größte Schwachpunkt des Buches. Dadurch, dass die Befragung von Margrét lange Zeit das spannendste im Buch ist, kommt einem – oder zumindest mir – alles andere weitgehend als redundant vor. Auch ist im Buch lange Zeit die Rede von diversen IDs, auf die oben erwähnter Karl stößt und von denen nie genau erklärt ist, was das eigentlich ist. Selbst eine Google-Suche hat mir da nicht weitergeholfen. Dennoch hat dieses Buch etwas, das es mich weiterlesen ließ und ich war am Ende froh, wieder einmal etwas von Sigurdadóttir gelesen zu haben.

Tl;dr: „DNA“ von Yrsa Sigurdadóttir schlägt in die Kerbe von Mankell und anderen skandinavischen Autoren und inszeniert in „DNA" besonders grausame, gleichwohl unblutige Morde. Die Autorin hat eine sehr ausschweifende Erzählweise und lässt sich mit der Einführung der Charaktere teilweise sehr viel Zeit. Nach und nach wird es aber immer spannender.

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Finale

Steen Langstrup , Wolfgang Thon
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.05.2018
ISBN 9783453438941
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kennt ihr Steen Langstrup? Vermutlich nicht, vermutlich kennen ihn im deutschsprachigen Raum nur Dänemark-Experten. Steen Langstrup ist Horror-Autor, und „Finale“ kam in Dänemark bereits 2011 heraus, sieben Jahre später sollen dem Buch mit einer Verfilmung Bilder verliehen werden. Aber nach lesen des Buches will ich nicht wissen, wie das Ganze bebildert aussieht, die Bilder in meinem Kopf haben mir genügt. Eines steht nämlich fest: „Finale“ ist nichts für schwache Nerven.

Agnes ist Studentin der Anthropologie, ihre Magisterarbeit widmet sie den Buschmännern in Botswana. Ihr Freund Benjamin ist Arzt und hofft auf eine Stelle im Staatskrankenhaus. Man merkt, dass Agnes gebildet ist und vermutlich aus einer höheren Gesellschaftsschicht kommt, oder zumindest vor hat, mit Benjamin dort anzukommen. Wenn er den Job bekommt, müsste sie nicht mehr in der Tankstelle arbeiten und sich nicht mehr mit Leuten wie der Tussi Belinda abgeben. Am Ende des Tages wird sie jedoch andere Sorgen haben.

Belinda ist eine andere Kategorie, sie ist Anfang 20 und steht auf Jackass-Humor, dem Agnes gar nichts abgewinnen kann, weshalb Belinda Agnes langweilig findet. Das sagt sie ihr nicht, denkt es aber. Ihre Mutter macht Belinda gerade die Hölle heiß, weil sie ihr droht, sie hinauszuwerfen, wenn sie ihren Freund Christoffer nicht in den Wind schießt. Sie versteht die Welt nicht mehr, so schlimm ist Christoffer doch gar nicht – okay, er ist vorbestraft, aber er hat bei dem Verbrechen gar nichts getan, außer seine Clique dabei gefilmt.

Das sind die zwei Hauptcharaktere in „Finale“, recht viel mehr Charaktere gibt es in dem Buch auch nicht – und selbst die zwei sind jetzt nicht das Allerwichtigste. Im Vordergrund steht die Atmosphäre, die Spannung, der Grusel. Denn davon gibt es massenhaft. Es ist nicht schwer, in die Geschichte hineinzukommen; man wird hineingeworfen und kommt dann nicht mehr raus, will auch gar nicht, man liest sich durch die sehr kurzen Kapitel und plötzlich hat man das Buch ausgelesen. Gleich zu Beginn findet extremes Foreshadowing statt – wenn man es dem Klappentext nicht entnommen hätte, man wüsste innerhalb weniger Seiten, dass etwas passieren wird.

Aber es dauert seine Zeit, Langstrup baut die Geschichte geschickt auf, setzt zunächst auf Grusel mit Luftpumpen, um dem Leser danach aber mal so richtig die Fresse zu polieren. Denn es wird brutal, verdammt brutal und blutig. So blutig, dass die Seiten fast nach Metall riechen. Auch wenn am Cover „Thriller" steht, ist es viel zu brutal für dieses Genre. Aber es gibt auch abgesehen von der Brutalität einiges zum Nachdenken, Langstrup setzt nicht nur auf Snuff, vor allem das Ende wird einige ratlos zurücklassen.  So wie der Originaltitel, der übersetzt „Alles, was sie wollte, verstand sie nicht" - darüber lässt sich schon nachdenken.

Neben dem Haupterzählstrang gibt es noch einen zweiten, beide Münden später in einen, ohne dass man es merkt – auch hier erkennt man das Genie von Langstrup, denn so nahtlos habe ich das noch nicht erlebt. Bei dem Finale, das im offiziellen Klappentext erwähnt wird und am Rande der Handlung stattfindet, erfährt man übrigens nie, um welches Finale es sich handelt – Fußball liegt zwar nahe, in dem Buch kommt aber kein einziges Mal das Wort „Fußball“ vor; genau so verhält es sich beim Wort „Weltmeisterschaft“.  Zugegeben, der Plot ist nicht der anspruchsvollste und die Charaktere nicht die tiefgründigsten, aber beides ist auch eher sekundär. „Finale" macht definitiv Spaß, wenn man das nötige Rüstzeug mitbringt.

Tl;dr: „Finale" von Steen Langstrup ist gruselig und entwickelt sich später zum Snuff in Textform. Es ist brutal, gnadenlos und nichts für schwache Nerven, macht aber dennoch Spaß wenn man auf Bücher solcher Art steht. Langstrup jagt den Leser mit seinem Schreibstil durchs ohnehin dünne Buch, dessen Ende etwas abrupt kommt.

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192 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 70 Rezensionen

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Ich beobachte dich

Chevy Stevens , Maria Poets
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 25.04.2018
ISBN 9783651025523
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In Chevy Stevens‘ Bücher stehen immer starke Frauen im Mittelpunkt. Frauen, die flüchten – vor Männern oder ihrer Vergangenheit. Manchmal beides. In ihren letzten zwei Büchern - „That Night“ und „Those Girls“ - hat sie ins Coming of Age Genre gewechselt. Es waren Geschichten, die mich zum Fan von ihr werden ließ, weil es Geschichten waren, die unter die Haut gingen, bei denen man als Leser mitgelitten hat und die anders waren, als andere Thriller. Deshalb habe ich ihr neues Buch, „Ich beobachte dich“ sehnlichst erwartet – um dann zu erleben, dass es doch nur more of the same ist.

Lindsey ist Ende dreißig und lebt in der kanadischen Kleinstadt Dogwood Bay mit ihrer Tochter Sophie zusammen. Lindsey hat eine Geschichte, die man nicht unbedingt selbst erlebt haben will. Ein Leben wie in einem Gefängnis, mit einem manipulativen, alkoholsüchtigen Kontrollfreak als Gefängniswärter – nur dass dieser ihr Mann ist, den sie aus freien Stücken geheiratet hat. Heute sitzt ihr – mittlerweile Ex – Mann im Gefängnis, nachdem er eine Frau bei einem Autounfall getötet hat – oder besser gesagt bis heute. Denn er wurde nach zehn Jahre gerade freigelassen, und Lindsey hat Angst, dass es wieder genau so werden könnte wie damals.

Sophie spielt mindestens eine genau so große Rolle wie Lindsey. Sie kennt Andrew als ihren liebenswerten Vater und hat ihn nie böse erlebt. Also beschließt die heute siebzehnjährige im Zuge eines Schulprojektes, Kontakt zu ihm aufzunehmen und schickt ihm neben Briefen auch eine Zeichnung, denn Sophie ist künstlerisch veranlagt. Nebenbei lernt sie Jared kennen, dem in der Schule alle Mädchen hinterherrennen – bis auf sie, denn er rennt vielmehr ihr nach.

Es ist dann doch irgendwie Coming of Age, was Stevens hier geschrieben hat, denn die Kapitel um Sophie sind ähnlich wichtig wie die um Lindsey, die sich immer abwechseln und uns die Geschichte jeweils aus der ersten Person näherbringen. Es sind zumeist flotte und spannende Kapitel, manchmal lässt uns die Kanadierin aber auch mal durchschnaufen und das verarbeiten, was wir gerade gelesen haben. Das Buch besteht aus drei Teilen, die alle bis auf einen im Präsens gehalten sind. Vor allem im ersten gibt es häufige Zeitsprünge zwischen Lindseys Vergangenheit und Gegenwart; in der Vergangenheit wird uns das ganze Martyrium, das Lindsey durchstehen musste, nähergebracht – in der Gegenwart erleben wir eine Lindsey, die in ihrer Selbsthilfegruppe ist oder Selbstverteidigung trainiert. Sie hat zwar einen Freund – Greg –, aber der wirkt in der gesamten Geschichte wie ein Fremdkörper.

Wie geschrieben ist die Idee für das Buch alles andere als neu – wenngleich wichtig. Häusliche Gewalt haben wir zuletzt unter anderem bei „Was ich getan habe“ von Anna George erlebt, es wird nur um den stalking-Aspekt erweitert. Dazu kommt, dass die Geschichte so durchschaubar wie ein Glas Wasser ist und selbst die Hälfte aller Plot-Twists erwartbar sind. Ich hatte nach „That Night“ und „Those Girls“, die beide ihr eigenes Thema und ihren eigenen Stil hatten, sehr große Erwartungen an „Ich beobachte dich“ – aber die wurden nicht mal im Ansatz erfüllt. Leider kam dann doch ein völlig uninspiriertes Buch heraus. Am Ende lässt Stevens auch etliche Fragen offen, die den Eindruck vermitteln, als hätte sie sich in ihrer eigenen Idee verrannt. Schade. Da wurde einiges Potential verbrannt.

Tl;dr: „Ich beobachte dich“ von Chevy Stevens bringt ein wichtiges feministisches Thema mit einer starken Message aufs Tapet, das als Unterhaltungsmedium zwar ein Stück weit zu unterhalten weiß, aber letztendlich doch nur more of the same mitbringt. Dazu ist die Geschichte durchschaubar und die Plot-Twists erwartbar.

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ESCAPE - Wenn die Angst dich einholt

Nina Laurin , Alice Jakubeit
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur, 03.04.2018
ISBN 9783426654101
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In den hiesigen Gefilden war Nina Laurin bis jetzt unbekannt – klar, „Escape“ ist hierzulande auch ihr erster Roman. Im nordamerikanischen Raum und in Kanada, ihrem Heimatland, kommt bereits ihr zweites Buch heraus. Wenn Laurin gerade keine Bücher schreibt, dann schreibt sie auf ihrem Blog – über ihre Bücher, oder generell übers Schreiben. Dass sie (endlich) einen Vertrag bei einem Buchverlag hat, betitelte sie darin etwa nicht in manischer Manier mit einem „Yaay, I did it!!“, sondern nüchtern mit „The 'I Have A Book Deal!' Post“. Und genau so liest sich auch „Escape“ - und trotzdem geht das Buch unter die Haut.

Lainey Moreno hat einiges durchgemacht, und das merkt man ihr an. Lainey ist 23 und vor zehn Jahren hat sie es nach dreijähriger Gefangenschaft zurück in die Freiheit geschafft. Seitdem ist sie nicht nur in psychiatrischer Behandlung, sondern auch medikamentenabhängig, denn sie nimmt wesentlich mehr als die verschriebenen Dosen – und trinkt auch mal gerne einen über den Durst. Mit Menschen kann sie nicht viel anfangen und tritt ihnen oft ungeschickt und schmallippig gegenüber. Aber wer mag es ihr verdenken, nachdem sie drei Jahre lang nur einen gesehen hat und von dem nur seinen Schwanz in Erinnerung hat, der sie penetrierte.Jetzt ist eben jenes Mädchen verschwunden, das wie ihr zehnjähriges Ich aussieht – natürlich ihre Tochter, ein Abschiedsgeschenk des Entführers, das sie nach der Geburt zur Adoption freigegeben hat. Jetzt setzt sie alles daran, sie zu finden; wegen ihrer Tochter, aber vor allem, um Licht ins Dunkel ihrer eigenen Entführung zu bringen, denn der Täter von damals wurde nie gefasst.

Die Protagonistin von Nina Laurins Debüt ist nicht sympathisch, keineswegs. Sie nimmt Drogen, ist launenhaft und weiß nicht so wirklich mit ihren Gefühlen umzugehen, verwechselt Liebe mit Dankbarkeit. Obwohl man als Leser in ihrem Kopf ist, bleibt sie unnahbar, obwohl man ihr Handeln mitbekommt, versteht man es nicht immer – fast ist es so, als lebe sie in ihrer eigenen Welt. Aber man ist als Leser zu keinem Zeitpunkt böse auf sie, und wenn doch, dann hat man doch auch Verständnis. Für ihr Denken und Handeln. Das liegt nicht nur an der Geschichte, die uns Laurin erzählt, sondern vor allem an der Atmosphäre, die darin herrscht. Denn die ist von Anfang an so dicht, dass man manchmal nicht weiterlesen kann, weil sie einen sonst erdrückt. Das spricht vor allem für die Authentizität, aber auch für die kreative Leistung von Nina Laurin. Dass die Geschichte in der ersten Person im Präsens erzählt wird, tut ihr übriges dazu.

Es gibt nur einen Erzählstrang, vom Opfer bekommt man nichts mit, und irgendwie doch. Denn Lainey wird erneut zum Opfer, wird dem ganzen Martyrium in ihrem Kopf erneut ausgesetzt – diesmal entscheidet sie sich aber proaktiv dafür, weil sie sich damals erhofft hat, dass man sich für sie genau so einsetzt. Dass ein anderer Mensch, obendrein ihre Tochter, das durchmachen muss, was sie durchgemacht hat, will sie nicht zulassen – da steckt natürlich auch eine Menge Justizkritik von Laurin drin.

Obwohl man als Leser in Laineys Kopf steckt, weiß man nicht sicher, ob man auch wirklich alles mitbekommt. In einer Szene leert sie ihr Konto, um sich von dem Geld Drogen zu kaufen, in einer anderen, späteren, Szene, hat sie plötzlich Geld für ein Motel. Ganz nachvollziehbar ist die Geschichte also nicht immer. Die Liebesgeschichte, die zwischendurch immer wieder aufblitzt wirkt ebenfalls etwas deplatziert und passt weder in den Kontext, noch zur düsteren Stimmung der Geschichte; andererseits aber sehr wohl zu dem Gefühlsdurcheinander von Lainey.

Der Showdown ist spektakulär, auch wenn der Täter, der am Ende demaskiert wird, genau die Person ist, die man von Anfang an verdächtigt. Dennoch hält das Ende ein paar kleine Plot-Twists bereit, mit denen man nicht unbedingt rechnet.

Tl;dr: „Escape“ von Nina Laurin ist ein Psychothriller mit einer dichten Atmosphäre und einer so hohen Authentizität, dass man nicht immer weiterlesen kann, obwohl man will. Die Protagonistin ist aufgrund ihrer Geschichte nicht die sympathischste, aber man kann ihre Macken und ihr teilweise ungeschicktes soziales Agieren stets nachvollziehen. Alles in allem ist „Escape“ ein mehr als solides Debüt und Nina Laurin wird einen Platz auf meiner Watchlist einnehmen.

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

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Das Ende

Richard Laymon , Marcel Häußler
Flexibler Einband: 356 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.03.2018
ISBN 9783453677142
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Laymon war Kult und ist auch posthum Kult. Er hat Bücher in der Frequenz veröffentlicht wie andere ihre Unterhose wechseln, und dabei ist den Wenigsten aufgefallen, dass er sich mit seinen Büchern nur über das Horror-Genre lustig macht. Doch mit „Das Ende" ging Richard Laymon neue Wege – entfernt sich vom Horror und baut neue Elemente ein, die es so bei ihm noch nicht gab. Das könnte Laymon-Afficionados verstören – oder man lässt sich darauf ein und genießt.

Rusty Hodges ist, wie oben geschrieben, der Sherrif von Sierra County, das in Kalifornien liegt und tatsächlich existiert. Ich konnte nicht herausfinden, wie viele Einwohner Sierra County hat, im Buch wirkt es wie ein kleines Kaff. Über Hodges erfährt man nicht viel, außer, dass er verheiratet ist und einen Sohn hat, der mit Mary Hodges verheiratet ist, die von allen nur Pac genannt wird, weil sie glühender Fan der Football-Mannschaft Green Bay Packers ist – Football spielt in dem Buch allerdings nicht mal ansatzweise eine Rolle. Pac und Rusty ermitteln in dem Fall der kopflosen Frau, denn Pac ist Debuty – warum ihr Mann, der ebenfalls Polizist ist, nicht ebenfalls ermittelt, wird nicht erwähnt. Generell tritt er nur als Randfigur auf.

Wir haben hier also einen bodenständigen Ermittlungsthriller, was für sich genommen schon ein Novum bei Laymon ist, das – wenn überhaupt – relativ selten vorkommt. Laymon steht ansonsten eher für Coming-of-age Horror-Splatter-Geschichten, wo gerne mal übersinnliche Dinge oder Figuren auftreten. „Das Ende“ ist vergleichbar mit der Promise-Falls-Trilogie von Linwood Barclay, zumindest ist mir das beim Lesen in den Sinn gekommen. Die Geschichte spielt an einem Tag in den 1990ern und macht trotz des relativ banalen Settings irre Spaß und lässt sich ziemlich zügig weglesen, denn der altbekannte laymonsche Schreibstil ist auch hier vorhanden.

Ebenfalls vorhanden ist die explizite Freizügigkeit, die in diesem Genre ein Trademark von Laymon war und ist. Dabei sind auch Sexszenen immanent – neu ist (für mich zumindest), dass es auch gleichgeschlechtliche Sexszenen gibt, was ich sehr erfrischend finde, weil man merkt, dass sich Laymon auch hier weiterentwickelt hat und mit der Zeit gegangen ist.

Was weniger erfrischend ist, sind die Charaktere, die samt und sonders blass und generisch sind, was ebenfalls neu bei Laymon ist, denn sonst hat man als Leser bei Laymon immer mitbekommen, wie die Figuren ticken und was sie denken – legendär sind die inneren Monologe in diversen anderen Büchern von Laymon, die hier nur sehr reduziert stattfinden.

Tl;dr: „Das Ende“ von Richard Laymon ist ein bodenständiger Ermittlungsthriller ohne übersinnlichem Schnickschnack, der trotzdem Spaß macht und sich schnell liest. Bei den Sexszenen gibt es nun auch welche mit gleichgeschlechtlichen Paaren, was sehr erfrischend ist. Die Charaktere sind allerdings völlig und Laymon-untypisch blass.

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Das Inselhaus

Leonora Christina Skov , Nora Pröfrock
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei btb, 09.01.2018
ISBN 9783442714247
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das btb im Namen des btb Verlages steht für „besondere Taschenbücher", und besonders sind sie wirklich, das hat man schon bei „Was ich getan habe“ gemerkt. Nicht immer steht das, was im Klappentext der Bücher geschrieben wird, im Vordergrund – dafür viel mehr die Charaktere. So ist es auch beim „Inselhaus“, der kein Haudrauf-Thriller ist, sondern sich sehr langsam und subtil aufbaut. Auf diversen Shoppingportalen – allen voran das mit dem A vorne und dem N hinten – wurde das Buch ziemlich runtergeschrieben. Doch so schlecht ist es gar nicht.

Wir reisen also mit sieben Charaktere im Gepäck auf die fiktive Insel Stormø, und jeder dieser sieben Charaktere hat seine ganz persönliche Geschichte in der Tasche, die uns erzählt wird. Da ist zum Beispiel Robin, die Reisejournalistin, die wir bereits im ungenannten Prolog, der nach der Zeit auf Stormø spielt, kennenlernen. Oder der Wissenschaftler Kevin, dessen Freundin schwanger ist – mit einem Kind, das er nie wollte und bei dem die Möglichkeit besteht, dass es behindert ist. Oder Greta, die Duftexpertin, die ausnehmend zynisch und mindestens genau so unsympathisch ist. Diese und weitere vier Leute werden wegen ihrer „herausragenden Leistungen zur Freude Dänemarks“ ins Haus auf Stormø eingeladen. Wobei man sich als Leser recht schnell fragt, welche Leistung es ist, wenn man als Autor ein paar hundert Bücher verkauft hat oder inwiefern es zur Freude Dänemarks beiträgt, wenn man noch an der Leistung arbeitet. Es wird also recht schnell klar, dass dieses Label die reinste Farce ist.

Letztlich sollte man nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt und tunlichst sein Geschäft im Keller verrichten. Beides machen die sieben oder eben nicht, denn Steine hat jeder von ihnen in der Vergangenheit schon geworfen, weshalb sie es auf Stormø nicht mehr müssen – das erledigt auf der Insel schon wer anderer. Man merkt aber, dass die Geschichte eines jeden einzelnen Charakters interessant ist. Dass Leonora Christina Skov einen guten und einnehmenden Schreibstil hat, macht die Sache nur noch besser. Einen Hauptcharakter gibt es auf den ersten Blick jedoch nicht, wir springen immer von einem der sieben Charaktere zum nächsten, was anfangs ziemlich lähmend sein kann, weil man vielleicht nicht die Lebensgeschichte eines jeden einzelnen erzählt bekommen will, und man sich fragt, wann wir denn endlich zum Teil, der auf dem Klappentext steht, kommen. Aber den sollte man in den ersten 200 Seiten ausblenden – erst dann können wir den Thriller in dem Buch erahnen. Wobei es gesamt betrachtet dann doch mehr ein Drama als sonst etwas ist, das bestätigt auch das Fehlen eines jeglichen Showdowns. Hintenraus wird es noch ziemlich psychologisch und der Nachhall dessen war bei mir enorm.

Negativ anlasten kann man dem Buch, dass es eigentlich keine Innovationen bereithält und dass natürlich von Anfang an klar ist, dass es auf der Insel weder Handy- noch Internetempfang gibt und die Fähre, die die sieben zur Insel gebracht hat, erst zu einer unbekannten Zeit wieder kommt – das alles hat man zuletzt bei Jonas Winners „Murder Park“ gelesen. Auch der Täter, also jener Mensch, der die sieben auf die Insel eingeladen hat, ist am Ende alles andere als eine Überraschung.

Tl;dr: „Das Inselhaus“ von Leonora Christina Skov ist eine gut erzählte Geschichte mit interessanten Charakteren, die alle ihre ganz eigene Geschichte mit auf die Insel nehmen. Bis zuletzt ist das Buch eher dem Drama- als dem Thriller-Genre zuzuordnen und hält auch keinerlei Innovationen bereit – dafür gräbt die Geschichte bei jedem Charakter ziemlich tief.

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drogen, erpressung, gewalt, krebs, mafia, thriller, thriller-roman

Mit einem Bein im Grab

J.A. Konrath
E-Buch Text
Erschienen bei Edition M, 06.03.2018
ISBN 9781503956544
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

J. A. Konrath kennt man auch unter dem Namen Jack Kilborn, unter dem er Horrorgeschichten veröffentlicht. Unter J. A. Konrath veröffentlicht er Thriller wie die Jack-Daniels-Reihe. Jetzt erst wurde die Phineas-Troutt-Trilogie veröffentlicht bzw. deren erster Teil „Mit einem Bein im Grab“. „Erst“ deshalb, weil die Trilogie weit vor den Büchern rund um die Mordermittlerin Jaqueline „Jack“ Daniels entstand, nämlich 1994. Damals war Konrath zarte 24 Jahre alt, aber seine Bücher fanden damals keinen Verleger. Ich habe einige die Jack Daniels gelesen, bis mich der ewig gleiche Ablauf der Geschichten zu nerven begann. Die Troutt-Trilogie ist ein Spin-off der Jack-Daniels-Reihe, in der sowohl Jack Daniels als auch Harry McGlade vorkommen – dennoch merkt man einige erhebliche Unterschiede zur Jack-Daniels-Reihe.

Phineas Troutt ist eigentlich ein Krimineller, er löst Probleme auf seine Art, und die ist selten legal. Doch mittlerweile spielt das keine Rolle mehr für ihn, denn er ist so gut wie tot. Troutt hat Bauchspeicheldrüsenkrebs, den er liebevoll Earl getauft hat und mit dem er gerne mal – weniger liebevoll – spricht. Die Chemotherapie hat er abgebrochen, stattdessen lebt er ein Lotterleben mit Alkohol, Koks und Nutten. Früher war er Türsteher, Rausschmeißer und Yogatrainer; heute nennt er sich „Problemlöser“ und tut genau das – Probleme lösen. Jetzt soll er das von Bipasha Kapoor, die einfach nur Pasha genannt wird, lösen. Doch alleine gegen die Mafia zu kämpfen ist unmöglich, weshalb er sich Verstärkung holt; unter anderem Harry McGlade, der größten Nervensäge, die ich je in der Kriminalliteratur gesehen habe. McGlade war regelmäßig bei der Jack-Daniels-Reihe dabei und müsste eigentlich nicht mehr arbeiten – der Typ hat Geld wie Heu und obendrein eine Fernsehserie über sein Leben. Auch Jack Daniels, mit der McGlade früher zusammengearbeitet hat, ist mit dabei, fungiert aber eher als Randerscheinung.

Es ist schon eine interessante Erfahrung, die ich mit den Büchern von J. A. Konrath mache. Die Jack Daniels Reihe hat mich irgendwann nur mehr gelangweilt und den Auftakt zur Troutt-Trilogie wollte ich nach vierzig Seiten gleich wieder abbrechen – doch ich zog durch und wurde verdammt positiv überrascht. So sehr, dass ich die letzten hundertzwanzig Seiten fast an einem Stück las. Die Unterschiede der zwei Serien sind immens und vor allem Phineas Troutts Krebserkrankung gibt dem Buch die Tiefe, die der Daniels-Reihe fehlt.

Nicht fehlen darf aber der Humor, für den Konraths Bücher bekannt sind und zwischen vulgär und sarkastisch schwankt. Für den Vulgären ist vor allem Harry McGlade zuständig und zeitweise wird einem das als Leser zu viel und man rollt irgendwann nur mehr mit den Augen – aber das zeigt nur, wie gut diese Figur gezeichnet ist; sie bleibt dem Leser im Kopf. Neben dem Humor wird auch noch knisternde Romantik geboten. So hat das Buch für beide Geschlechter etwas – für Männer den Untenrum-Humor und für Frauen etwas fürs Herz. Oder andersrum, je nachdem, wie die Präferenzen gelagert sind.

Was man definitiv hervorheben muss, ist der Charakter des Phineas Troutt, dessen Einstellung einerseits – aufgrund seiner Erkrankung – lethargisch ist, andererseits will er die Probleme anderer Leute lösen; und macht dies genau so, wie es zu seiner Lethargie passt – nämlich so, als hätte er nichts mehr zu verlieren.

Dennoch fehlt mir etwas, das mir bei allen Konraths gefehlt hat – nämlich das gewisse Etwas. Das merkt man am ehesten an der Atmosphäre, die irgendwie nicht aufkommen will, weil die Stimmung ständig zwischen todernst und superlustig schwankt.

Tl;dr: „Mit einem Bein im Grab“ von J. A. Konrath ist ein flotter, humorvoller und tiefsinniger Auftakt zur Phineas-Troutt-Trilogie. Der Spin-off der Jack-Daniels-Reihe hat genau die Tiefgründigkeit, die der Daniels-Reihe fehlt. Neben Jack Daniels hat auch Harry McGlade seinen Auftritt, der für deftigen Humor sorgt – zum Ausgleich gibt es dafür knisternde Romantik.

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96 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

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Der zweite Reiter

Alex Beer
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Limes, 27.03.2017
ISBN 9783809026754
Genre: Historische Romane

Rezension:

Um gleich mal über den Elefanten im Raum zu sprechen, der so unscheinbar ist, dass man ihn leicht übersehen kann: hinter Alex Beer verbirgt sich eine Frau, und zwar Daniela Larcher. Larcher ist Krimiautorin beim Fischer Verlag: Dort schreibt sie zeitgenössische Krimis, die in Wien spielen. Mit einem von diesen war sie 2015 für den Leo-Perutz-Preis nominiert, einer der wichtigsten österreichischen Literaturpreisen. Beim Limes Verlag probierte sie nun etwas anderes – sie lässt ihre neue Krimireihe rund um August Emmerich ebenfalls in Wien spielen, aber nicht in der Gegenwart, sondern unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg. Und prompt war sie nicht nur für den Leo-Perutz-Preis nominiert, sondern gewann ihn 2017 auch – und das völlig zurecht.

Der Protagonist des ersten – und allen weiteren – Teilen der neuen Serie heißt August Emmerich. Emmerich ist Mitte 30 und Rayonsinspektor erster Klasse im Polizeiagentenkorps. Seit er im Krieg war, hat er einen Granatsplitter im Bein stecken, der ausgerechnet jetzt beginnt, ihm Beschwerden zu bereiten. Er hofft natürlich inständig, dass die Verletzung niemandem auffällt, sonst würde er zum Innendienst verdonnert – doch damit würde er auch die Zulage verlieren, die er so dringend für seine Lebensgefährtin und deren drei Kinder benötigt. Ansonsten ist Emmerich ein gerissener, schlagfertiger und überaus sympathischer Protagonist, der bei seiner Arbeit nicht immer den legalsten Weg wählt.

Ihm zur Seite steht Ferdinand Winter, der aus großbürgerlichem Haus stammt und bis vor kurzem im Dienste des Kaisers war. Doch da es keinen Kaiser mehr in Österreich gibt und das Land auf einen Bruchteil des Kaiserreichs zusammengeschrumpft ist, musste er sich neue Arbeit suchen. Winter wohnt mit seiner Großmutter, die noch immer dem Kaiser und dem k.u.k.-Reich nachtrauert, zusammen und ist ein nervöser Bursche, den Emmerich anfangs so gar nicht leiden kann. Doch nach und nach wachsen die zwei zusammen und ergänzen sich immer mehr.

Ich bin eigentlich kein großer Freund von historischen Krimis, aber dieses Setting hat es mir angetan. Der Erste Weltkrieg ist ohnehin ein außerordentlich interessantes Thema, aber die Nachwehen dessen, noch dazu so akkurat nachgezeichnet – das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal für sich, das dieses Buch anbietet. Aber es sind nicht nur die Nachwehen, es ist auch das Stadtbild mit teilweise veralteten Straßen- und Brückennamen, das Gesellschaftsbild mit der extremen Kluft zwischen arm und reich, die Architektur mit den Gründerzeithäusern und den neuen, vom Kaiser verhassten, Bauten – im Endeffekt wirkt das, was Beer hier vorlegt, wie eine Liebeserklärung an Wien (es ist wesentlich mehr, siehe Interview morgen).

Dazu kommt, dass „Der zweite Reiter“ sich so schnell liest, dass man innerhalb weniger Stunden durch ist; es gibt keinerlei Leerläufe oder Atempausen – es passiert einfach immer etwas. Egal, ob wieder eine Leiche auftaucht oder Beer das Privatleben von Emmerich um hundertachzig Grad auf den Kopf stellt. Abgerundet wird das ganze mit kantigen Charakteren, die allesamt ein klares Profil haben. Gegen Ende setzt Beer auch das Stilmittel des Cliffhangers ein, was endgültig dazu führt, dass man nicht mehr zu lesen aufhören will.

Ich habe lange nach etwas gesucht, das ich dem Buch als negativ anlasten kann, aber meine Notizen geben diesbezüglich nichts her. Eventuell könnte man ankreiden, dass Emmerich bei seinen teils sehr riskanten Manövern etwas zu viel Glück hat – aber das muss letztlich jeder selbst beurteilen. Von mir gibt es jedenfalls eine mehr als klare Leseempfehlung, auch an Leute, die nichts mit Wien am Hut haben – das war eines der besten Bücher, das ich in diesem Jahr gelesen habe und ich bin jetzt schon ein Riesenfan dieser Serie, dessen zweiter Teil am 21. Mai erscheint.

Tl;dr: „Der zweite Reiter" von Alex Beer ist ein sehr akkurat recherchierter Krimi, der im Wien von 1919 spielt. Der Auftakt zur August-Emmerich-Reihe ist so gut und so flüssig geschrieben, dass man innerhalb weniger Stunden durch ist. Die Charaktere haben alle ein sehr klares Profil und keiner davon ist langweilig. Klare Leseempfehlung.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Tod in der Kaisergruft

Beate Maxian
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.03.2018
ISBN 9783442484720
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Beate Maxian hat im letzten Dreivierteljahr gleich drei Bücher herausgebracht, wesentlich mehr als sonst. Normalerweise war man es gewohnt, dass einmal im Jahr ein neuer Sarah-Pauli-Teil herauskommt, seit Juli letzten Jahres sind gleich zwei erschienen – und mit „Die Frau im hellblauen Kleid“, das im November erschien, auch noch ihr erster Roman abseits des Krimi-Genres. Beate Maxian hat definitiv Spaß am schreiben, das merkt man auch bei „Tod in der Kaisergruft“, welches man kaum aus der Hand legen will.

Sarah Pauli ist mittlerweile im Chronik-Ressort des Wiener Boten angekommen und fühlt sich wohl. Auch mit ihrer Kollegin Patricia kommt sie mittlerweile gut zurecht, auch wenn diese von einer Stelle im Lifestyle-Ressort träumt. Als Sarah zur Kaisergruft fährt, wo gerade eine Geiselnahme oder ein Amoklauf stattfindet, stößt sie auf allerhand Journalisten. Am nächsten Tag stehen die üblichen reißerischen Geschichten in den Konkurrenzblättern des Wiener Boten. Doch Sarah gräbt tiefer, will Hintergründe zum Fall herausfinden, so wie sie es immer will. Also recherchiert sie, interviewt sie, bis sie tatsächlich mehr herausfindet als alle anderen.

In weiteren Erzählsträngen lernen wir Isabella Schönegg-Bach und Maria Baldauf kennen. Erstere ist die Chefin des Familienunternehmens Modewelt Schönegg und eine ziemlich konservative Frau. So konservativ, dass sie am liebsten Schönegg von Bach genannt werden würde, denn so hieße sie tatsächlich, wenn das adelige „von“ in Österreich nicht seit 1919 verboten wäre. Generell lässt sich Schönegg-Bach recht wenig sagen und scheint auch ziemlich humorbefreit zu sein.
Maria Baldauf ist die Mutter des Amokläufers und hat ihren Sohn scheinbar in Watte gepackt. Über ihn lässt sie nichts kommen, denn er ist laut ihrer Aussage ein guter Junge, der nichts böses tut und zum Tatzeitpunkt bei einem Vorstellungsgespräch im Unternehmen, in dem auch ihr Freund Otto arbeitet, ist. Deshalb backt sie ja auch gerade einen Kuchen für ihn.

Tatsächlich weiß man bei „Tod in der Kaisergruft“ ziemlich schnell, wer der Täter ist. Das ist bei Maxian genau so neu wie der Tathergang, nämlich sowohl Amoklauf als auch Geiselnahme gab es in der Pauli-Reihe noch nicht. Wobei bis zuletzt nicht klar ist, ob es nun ein Amoklauf oder eine Geiselnahme ist, denn im Grunde könnte es beides sein. Was allerdings von Anfang an klar ist, ist, dass das Buch irrsinnig rasant geschrieben ist und alle drei Erzählstränge gleichermaßen interessant sind – der von Frau Baldauf sowieso, aber der von Schönegg-Bach ebenfalls, obwohl Mode jetzt nicht unbedingt mein größtes Hobby ist – aber diese spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stehen eher familieninterne Machtspiele, die allerdings sehr subtil ausgetragen werden.

Maxian wirft immer wieder mal einen Blick zurück auf die Geschichten der einzelnen Charaktere der Stammbesetzung. Das hilft Leuten, die noch keinen der mittlerweile acht Teile der Serie gelesen haben – verrät aber auch nicht alles, sodass diese ermutigt werden, auch die anderen Teile zu lesen (es lohnt sich). Im Gegensatz zu „Die Prater-Morde“ wartet der aktuelle Teil wieder mit dem Herzstück der Serie auf: einer Fülle von Aberglaube, Bräuche und Symbolik.

Negativ ankreiden kann man der Geschichte eigentlich nur, dass sie relativ leicht zu durchschauen ist, auch wenn Maxian immer wieder ein paar Ablenkungsmanöver startet – zünden wollen diese aber nicht wirklich.

Tl;dr: „Tod in der Kaisergruft" von Beate Maxian ist ein kurzweiliger und spannender Pageturner, den man kaum aus der Hand legen kann. Mit vielen interessanten Charakteren und einem Szenario, das es in der Sarah-Pauli-Reihe noch nicht gab. Außerdem versorgt uns Maxian diesmal wieder mit massenhaft Aberglaube, Symbolik  und Brauchtümern.

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

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Der Reporter

John Katzenbach , Anke Kreutzer , Eberhard Kreutzer
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.02.2018
ISBN 9783426518847
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Einzelbewertung:

Plot: 3/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 3/5
Showdown: 2/5

John Katzenbach ist schon lange im Geschäft. Bevor er komplett auf die Schriftstellerei umsattelte, war er Gerichtsreporter in Miami. Sein Vater war unter Lyndon B. Johnson ein Jahr lange US-Justizminister und seine Mutter Psychoanalytikerin. Für das Buch sind diese Eckdaten durchaus relevant. Katzenbach findet bei mir eher einen Platz in der zweiten Reihe der Lieblingsautoren – ich habe einige seiner Bücher gelesen, aber nicht alle haben mich überzeugt. So auch die Neuauflage von „Der Reporter“, das eigentlich Katzenbachs Debüt ist, aber auf Deutsch erst nach „Das Auge“ („The Traveler“) 1988 unter dem Titel „Das mörderische Paradies“ erschien.

Wir schlüpfen im Buch in die Rolle von Malcolm Anderson, einem Mitzwanziger, der beim hiesigen „Journal“ als Reporter arbeitet. Der Fall des sogenannten „Nummermörder“ sollte sein bis dato größter Coup werden, denn er steht in regelmäßigen Kontakt mit dem Mörder, der Andersons journalistische Arbeit schätzt und ihn deshalb auserkoren hat. Ab Seite siebzig beginnt das Buch eigentlich erst so richtig, denn da ruft der Mörder zum ersten Mal an und reißt die Geschichte an sich. Er ernennt Anderson zu seinem Pressesprecher – doch Anderson ist wesentlich mehr für den Mörder; er ist Sprachrohr, Therapeut und Komplize für ihn. Der Mörder will die Aufmerksamkeit, er genießt sie geradezu. Und Anderson freut sich, dass er der Auserwählte ist, bei jedem Anruf hofft er, dass es der Mörder ist, er entwickelt nahezu einen pawlowschen Reflex, wenn das Telefon läutet.

Katzenbach zeigt uns in diesem Buch die Welt des Journalismus in den 1970er Jahre. Wie hart umkämpft der Markt war, wie empathielos teilweise agiert wurde, um ja die beste Story, die größte Schlagzeile zu bekommen. Und wenn ich 1970er Jahre schriebe, meinte ich die 1980er, die 1990er, die 2000er – die Gegenwart. Denn die journalistische Welt sieht heute nicht viel anders, was das Buch in diesem Bereich zeitlos macht.

Weniger zeitlos sind die zahllosen Ergüsse über den Vietnamkrieg, denn davon finden sich massenhaft im „Reporter“, und hier wurde, gepaart mit ewig-, ja teilweise seitenlangen Monologen, es dann irgendwann auch langatmig und mühsam. Aber hier erkennt man vermutlich auch Katzenbachs Handschrift als Gerichtsreporter, denn der ohnehin introvertiert und kaum fassbare Charakter des Malcolm Anderson lässt bei der Recherche die Leute einfach reden und nimmt alles hin, ohne irgendetwas zu hinterfragen. Anderson zeigt bis auf eine Situation auch null Emotionen – wenn ich den schlechtesten Aspekt in dem Buch benennen müsste, wäre es ganz klar der Charakter Malcolm Anderson; so kalt wie dieser kann kein normaler Mensch sein. Vielleicht war diese Charakterzeichnung aber auch genau so von Katzenbach gewollt.

Aber man muss das immer dahingehend betrachten, dass „Der Reporter“ Katzenbachs Debüt war, und die Idee ist einfach grandios. Man kann auch ganz genau erahnen, wie er bei seinen Eltern in psychoanalytischen und juristischen Dingen recherchiert hat, und das finde ich eigentlich wunderschön. Und es ist ja nicht so, dass sich Katzenbach nicht weiterentwickelt hätte. „Der Patient“ ist genau so ein grandioses Buch wie „Das Tribunal“ oder zahlreiche andere seiner Bücher.

Tl;dr: „Der Reporter“ von John Katzenbach hat eine grandiose Idee, die in großen Teilen auch sehr gut umgesetzt ist. Nach siebzig Seiten reißt der Mörder die Story an sich und führt uns durch eine atemberaubende Geschichte, die allerdings auch ihre Schwächen hat – unter anderem seitenlange Monologe und der Protagonist ist völlig farblos. Dennoch war „Der Reporter" ein solides  Debüt vom mittlerweiligen Bestsellerautor John Katzenbach.

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45 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

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You will pay - Tödliche Botschaft

Lisa Jackson , Kristina Lake-Zapp
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Knaur, 12.01.2018
ISBN 9783426654286
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Einzelbewertung:

Plot: 3/5
Atmosphäre: 5/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 2/5
Showdown: 2/5

Wir alle können uns an das Gefühl erinnern, als man zum ersten Mal ohne Eltern wegfuhr. Ob mit der Schulklasse eine Woche auf den Bauernhof oder mit Freunden nach Mallorca oder sonst wohin – zum ersten Mal bekam man eine Vorstellung vom Begriff „Freiheit“. Lisa Jackson gibt uns dieses Gefühl in „You will pay“ zumindest ansatzweise zurück – bis zu dem Punkt, an dem es dann unschön wird.

Averille ist eine verschlafene und vor allem fiktive Stadt im US-Küstenstaat Oregon. In ihr hat Reverend Dalton das Sagen – zumindest glaubt er das. Er veranstaltet jedes Jahr ein mehrmonatiges Sommercamp, an dem neun- bis elfjährige Kinder teilnehmen, die von Teenagern zwischen fünfzehn und neunzehn betreut werden. Vor zwanzig Jahren war „betreuen“ aber lediglich ein relativer Begriff, denn die Betreuer haben sich primär selbst betreut, vor allem mit Drogen und Sex. Gleich zu Beginn bekommt man nicht nur mit, wie sich eine der Betreuerinnen umbringen will, und eine andere eine Fehlgeburt erleidet – beide verschwinden danach auch noch spurlos.

Bis zu dem Zeitpunkt, als ein Wilderer von Averille menschliche Knochen in eben jener Höhle findet, in der sich die Teenager jede Nacht trafen – nur sind seither zwanzig Jahre vergangen und der Sohn von Reverend Dalton, Lucas Dalton, der damals ebenfalls im Camp war, ist mittlerweile Detective in der hiesigen Mordkommission und untersucht den Fall jetzt mit seiner Partnerin Maggie.

Währenddessen machen sich die insgesamt sieben Betreuerinnen jetzt auf nach Averille, um eine Aussage zu machen – aber vor allem, um ihre Gemeinschaftslüge von damals aufzufrischen und damit dann zur Polizei zu gehen. Die Anführerin von damals ist Jo-Beth, eine karrieregeile und selbstverliebte Anwältin. Sie hat die Verschwörung damals geschmiedet und will sichergehen, dass sich alle anderen auch noch daran erinnern.

Mit dem Verschwinden von Elle und Monica innerhalb der ersten vierzig Seiten, hat Lisa Jackson – die mir nebenbei bemerkt davor völlig fremd war – nicht nur einen ziemlich guten Einstieg gemeistert, sondern auch direkt einen Spannungsbogen gezogen. Man ist direkt in der Geschichte drin und will am liebsten gleich bis zum Ende durchlesen. Doch bis dahin sind nicht nur fast fünfhundert Seiten zu gehen, sondern auch einige Stolpersteine zu bewältigen, die später näher beleuchtet werden. Nachdem wir zu Beginn zwanzig Jahre in die Vergangenheit reisen, kommt man nach besagten vierzig Seiten in die Gegenwart – ab dann wechselt man immer zwischen damals und heute. Vor allem der damals-Strang hat diese dichte Klassenfahrt-Atmosphäre, wobei der Strang rund um Lucas Dalton ebenfalls interessant ist. Denn dadurch, dass er damals ebenfalls bei besagtem Camp war, ist es nicht nur eine Ermittlung, sondern eine Ermittlung plus.

Vor allem Religion nimmt eine Zeit lang breiten Raum in der Geschichte ein. Ob die nächtlichen Exzesse der Jugendlichen eine Message aussenden oder nur als Kontrast dienen sollen, muss jeder selbst herausfinden. Meine Interpretation geht dahin, dass Jackson damit christliche Doppelmoral anprangern will. Romantik nimmt mindestens genau so viel Raum ein, was mich aber überhaupt nicht gestört hat, weil es nun mal Jacksons Stil ist. Abgesehen davon passt es perfekt in den Kontext, und Jackson übertreibt es auch nicht, sondern stellt die Hauptstory immer in den Vordergrund.

Jackson gibt der Handlung Zeit, sich zu entfalten, denn sie räumt ihr mehr als die Hälfte der fünfhundert Seiten dafür ein, alle Personen – allen voran den sieben Betreuerinnen – in die Geschichte einzuführen, wobei allerdings leider einige Unnötigkeiten entstehen, die völlig bedeutungslos sind. Manche der sieben Betreuerinnen spielen keine große Rolle, werden aber genau so breit eingeführt wie alle anderen. Natürlich verstehe ich den Sinn, das zu tun, weil es zur Spannung beiträgt, aber durch diese ausschweifende Erzählweise entstehen leider auch gerne Längen. Erst im letzten Viertel nimmt die Geschichte an Fahrt auf, wobei ein Teil der Auflösung leider völlig random und an den Haaren herbeigezogen ist – ein anderer Teil davon ist ziemlich leicht durchschaubar; und der Showdown ist leider völlig uninspieriert. Dennoch habe ich nie daran gedacht, das Buch abzubrechen, auch wenn ich mich oft zum weiterlesen zwingen musste. Und obwohl einiges dagegen spricht, vergebe ich vier von fünf Punkte – die Atmosphäre ist einfach grandios.

Tl;dr: „You will pay“ von Lisa Jackson ist ein facettenreicher Thriller mit einer großteils wirklich großartigen Atmosphäre, die an Klassenfahrten erinnert. Es gibt etliche Erzählstränge, da es auch einige Charaktere gibt, die Jackson breit in die Geschichte einführt, was einige Längen entstehen lässt, da vieles unnötig und redundant ist. Die Auflösung ist teilweise an den Haaren herbeigezogen und leicht durchschaubar.

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Suizid

Dean Koontz , Wulf Bergner
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 20.12.2017
ISBN 9783959671781
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Einzelbewertung:

Plot: 4/5
Atmosphäre: 5/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 5/5
Showdown: 4/5

Dean Koontz‘ Bücher sind einzigartig. Kaum fängt man an, sie zu lesen, will man nicht mehr aufhören. Mein erster Koontz war „Irrsinn“ und ab dann habe ich diesen rasanten Schreibstil geliebt; es folgten etliche andere, die meisten davon mit einem Insekt am Cover. Mein letztes war „Frankenstein – Das Gesicht“, welches mich gar nicht begeistert hat, weshalb ich danach eine Koontz-Pause eingelegt habe, die nach sechs Jahren nun mit „Suizid“ sein Ende gefunden hat - und ich bereue nichts.

Jane Hawk ist Ende 20, bildhübsch, und toughe FBI-Agentin. Sie liebt ihren Sohn Trevor über alles; bevor er stirbt, würde lieber sie sterben wollen. Während sie quer durch die USA tingelt, passen gute Freunde von ihr auf Trevor auf, denn sie kann ihn nicht auf ihre Mission mitnehmen, auch wenn sie das am liebsten tun würde. Jane schläft in Motels, am besten alle zwei Tage in einem anderen, weil die Gefahr besteht, dass ihre Widersacher sie ausfindig machen könnten. Wobei schlafen bei ihr ohnehin ein relativer Begriff ist, denn sie schläft nicht viel, auch wenn sie das zu Fehlern verleitet, weshalb sie sich zeitweise mit Alkohol zum schlafen zwingen muss. Der Charakter von Jane ist unnahbar, nicht wirklich greifbar und weder sympathisch, noch unsympathisch. Fast wirkt Jane wie ein seelen- und gefühlloser Android, was perfekt zur Atmosphäre passt.

„Suizid“ ist der erste Teil der Jane-Hawk-Reihe und ab der ersten Seite ist man in der Geschichte drin. Den Selbstmord von Nick bekommt man als Leser nicht mit, da die Geschichte einige Monate danach beginnt; man bekommt ihn aber nacherzählt. Ab der ersten Seite umgibt einem eine Atmosphäre, an die man sich erst gewöhnen muss, denn sie ist nicht nur dicht, sondern auch verdammt düster, sodass sie einen bedrückt. Die Atmosphäre würde eher zu einem männlichen Protagonisten passen, aber Jane steht sie mindestens genau so gut, denn sie agiert nicht wirklich weiblich – fast hat man das Gefühl, Koontz hatte beim Schreiben einen Mann vor den Augen gehabt, dem er einen Frauennamen gegeben hat. Trotz der düsteren Atmosphäre wird nicht nur Jane durch die USA gejagt, sondern auch der Leser durchs Buch.

Am Rande der Geschichte bekommt man mit, dass in Philadelphia ein Terroranschlag verübt wurde, bei dem - analog zu 9/11 - ein Flugzeug auf einem Highway zum Absturz gebracht wurde und etliche Menschenleben gekostet hat. Obwohl er nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat, nimmt der Terroranschlag zumindest am Anfang eine relativ große Rolle ein. Später schlägt die Handlung eine Richtung ein, die an Marc Elsbergs „HELIX“ erinnern, was überaus interessant ist.

Im Prinzip hat „Suizid“ nur einen Erzählstrang, nämlich der um Jane Hawk. Aber zwischendurch nimmt der Leser immer wieder andere Perspektiven ein, etwa die des mutmaßlichen Antagonisten. Erst recht spät gesellt sich dann doch ein zweiter Strang dazu. Etwaige Liebes- oder gar Sexszenen erspart uns Koontz zum Glück - sie würden auch weder zur Atmosphäre, noch in den Kontext passen.

Den einzigen Kritikpunkt ist kein wirklicher, weil es Koontz‘ Stil ist, dass abgesehen vom Hauptcharakter nahezu alle Charaktere in seinen Büchern blass sind. Das trifft auch auf „Suizid“ zu. Das kann allerdings problematisch werden, wenn sie später doch noch eine größere Rolle einnehmen.

Tl;dr: „Suizid“ von Dean Koontz ist ein rasanter Thriller, der eine äußerst düstere Atmosphäre hat, an die man sich erst gewöhnen muss. Der erste Teil der Jane-Hawk-Reihe hat eine irrsinnig toughe Protagonistin, die ihre Rolle voll und ganz auszufüllen weiß, und die weder sympathisch noch unsympathisch ist. Später schlägt „Suizid“ eine Richtung ein, die an „HELIX“ von Marc Elsberg erinnern.

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Todesreigen

Andreas Gruber
Flexibler Einband: 540 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.08.2017
ISBN 9783442483136
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Einzelbewertung:

Plot: 5/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 5/5
Showdown: 5/5

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Wenn Andreas Gruber nicht gerade Bücher schreibt, unterhält er seine Fans auf Facebook mit Erdnussaufstrich-Tests oder mit Fotos, auf denen er mit Beate Maxian auf einer Veranstaltung Lambada tanzt. Gruber ist vermutlich einer der greifbarsten Bestseller-Autoren, die es im deutschsprachigen Raum gibt. Aber wenn er Bücher schreibt, dann sind sie gut, nein, ausgezeichnet. So wie sein aktueller Thriller „Todesreigen“, der viel zu lange darauf warten musste, von mir gelesen zu werden. Das ist offiziell der Auftakt zur zweiten Maarten-Sneijder-Trilogie, aber die Handlung schließt eigentlich nahtlos ans „Todesmärchen" an. Es wäre empfehlenswert, die drei Vorgänger auch zu lesen – schon alleine, um die Figur Maarten S. Sneijder umfassend zu begreifen.

Maarten Sneijder ist vom BKA suspendiert worden und dank Sabine Nemez nur knapp einer Haftstrafe entgangen. Statt Verbrecher zu jagen, unterrichtet er jetzt an der Uni und verlangt dafür horrende Summen. Aber das kann er sich leisten, denn er ist ein Genie sondergleichen, das immer ein süßlicher Duft umgibt, von dem man nicht weiß, ob es Vanilletee oder Marihuana ist. In der Rezension zum „Todesmärchen“ schrieb ich, dass Sneijder fast schon altersmilde sei; das ist in „Todesreigen“ – zum Glück! – wieder anders. Er ist nicht nur wesentlich präsenter, sondern auch wieder genau so bissig wie in alten Zeiten.

Bei Sabine Nemez, die von Maarten Sneijder ausgebildet wurde, merkt man hingegen immer mehr, dass sie die ein oder andere Eigenschaft von Sneijder übernommen hat – nur ein misanthroper Kotzbrocken ist sie noch nicht. Das ist irrsinnig interessant, denn sie hat sich seit dem ersten Teil immens weiterentwickelt. Sie darf in diesem Teil Sneijders Unterricht an der BKA-Akademie übernehmen. Als sie vom Präsidenten des BKA zu einem Selbstmordfall beordert wird, merkt sie sofort, dass da wesentlich mehr dahintersteckt.

„Todesreigen“ besteht aus insgesamt sechs Teilen und mehreren Strängen. Einer dieser Stränge begleitet Hardy, der gerade nach 20 Jahren aus der Haft entlassen wurde. Sein Erzählstrang spielt wenige Tage vor der Hauptstory. Hardy ist um die 50 und hat eine gehörlose Bekannte, die er schon aus Kindestagen kennt und von der er weiß, dass sie ihn mindestens genau so lange liebt. Der Ex-Häftling ist belesen und macht einen alles andere als unsympathischen Eindruck – allerdings hat er eine Agenda, und die zieht eine blutige Spur nach sich. Jeder dieser Erzählstränge ist gleichermaßen spannend – anders als beim „Todesmärchen“, wo ich lieber mehr von Sneijder als von der Gefängnisinsel gelesen hätte.

Das Grundgerüst hat man bei „Todesreigen" schnell durchschaut, denn man bekommt ziemlich viele Puzzleteile präsentiert – wie diese zu den Feinarbeiten passen, wie die kleinen Zahnräder ineinander greifen, ist dann aber weniger leicht herauszubekommen. Und so hab ich bei der Auflösung des riesigen Geflechts nicht nur ein WTF mit den Lippen geformt. Was sich Gruber hier ausgedacht, und es um sieben Ecken gesponnen hat ist schlichtweg genial. Solche Tüfteleien liebe ich und ich bewundere jeden, der den Aufwand auf sich nimmt, um so etwas zu konstruieren und zu Papier zu bringen.

Auch ist „Todesreigen" zwischendurch immer wieder emotional, das fängt bei Sabine Nemez an, die sich Sorgen um den suspendierten Sneijder und andere Menschen macht – aber auch Sneijder selbst, der latente Emotionen zeigt, auch wenn sie sich nicht anmerken lässt. Möglicherweise ist es sogar Grubers emotionalstes Buch, was nicht nur daran liegt, dass Sabine wesentlich mehr durchmachen muss, als in jedem anderen Teil – was auch zu meinem einzigen Kritikpunkt führt: Dass Sabine tough ist, ist nichts neues, aber was sie in „Todesreigen“ durchmachen muss, ist unmenschlich und vielleicht etwas zu sehr an diverse Actionfilme orientiert. Auch wenn das Buch von vorne bis hinten packend ist und mehr als zu gefallen weiß.

Tl;dr: „Todesreigen“ von Andreas Gruber ist ein verdammt gut konstruierter Thriller, dessen Auflösung einen ziemlich erstaunt zurück lässt und in dem die Überfigur der Serie, Maarten S. Sneijder, wieder präsenter und bissiger als im „Todesmärchen“ ist. Weiters ist es vielleicht Grubers emotionalstes Werk und als Leser leidet man mit dem ein oder anderen Charakter ziemlich mit.

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