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Es geschah nebenan

Joyce Egginton
Flexibler Einband: 430 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 02.05.2006
ISBN 9783453645103
Genre: Biografien

Rezension:

Was mich so nachhaltig an das Buch gebunden hat, war nicht nur die Thematik, sondern auch die Art und Weise wie es aufgebaut ist. Es beginnt mit dem entscheidenden und letzten Mord an Tami Lynne, für den Marybeth am Ende auch verurteilt wird. Wir lernen sie, genau wie ihre neue Freundin Cynthia, neu kennen und arbeiten uns von der Schale, bis nahe zum Kern vor. Das fesselt von der ersten bis zur letzten Buchseite und lässt einen auch danach nicht so ohne weiteres los.

Das Buch ist in vier große Abschnitte gegliedert und folgerichtig aufgebaut. Das erleichtert das Verstehen dieser Tragödie und bildet den roten Faden, der den Leser auch sicher durch die vielen Interviews von Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, den Behördenmitarbeitern, der Polizei und dem medizinischen Personal führt. Anhand dieser kurzen Aufzählung wird schon deutlich, dass sich die Autorin große Mühe bei der Betrachtung des Ganzen gegeben hat. Ihr kam es definitiv nicht darauf an abzuurteilen, sondern die Umgebung zu erfassen, in der neun Kinder ihr Leben ließen.

Auch wenn die Autorin über die meiste Zeit sehr sachlich bleibt, sind die Gespräche mit den Betroffenen stark emotional geprägt, was an mir nicht vorbei ging. Manches Mal muss man sich auch selber dazu anhalten, nicht alles gleich als Fakt aufzufassen – denn am Ende gab es nicht nur die realistische Beschreibung von Marybeth, sondern auch eine menge Tratsch und Klatsch, worauf die Autorin an wenigen Stellen auch hinweist.

Insgesamt gelingt es ihr gut, dieses soziale Gefüge an den Leser zu bringen. Mithilfe der Ärzte und den Autopsieberichten, zeichnet sie ein recht genaues Bild von den Taten. Was nicht im einzelnen beschrieben ist, setzt sich in der eigenen Fantasie mühelos zusammen. Daher stimme ich absolut darin überein, dass kein Krimi spannender und aufwühlender sein könnte, als dieser Bericht. Denn auch wenn das Ergebnis, die Verurteilung von Marybeth, bereits feststeht, ist es so aufgebaut, dass man sich in die jeweils aktuellen Geschehnisse hineinversetzt und wie ‚live‘ miterlebt. Durch diesen Erzählstil und die tadellos eingefügten Augenzeugenberichte, kommt man gar nicht umhin, dieselben Emotionen zu durchleben, wie die Personen zur damaligen Zeit.

Was mir persönlich gut gefallen hat ist die Tatsache, dass Marybeth auch psychologisch beleuchtet wird und sie nicht nur als Monster in Erscheinung tritt. Die fehlende psychologische Behandlung nach dem Tod ihres Vaters und des dritten Kindes, hat nach Einschätzung aller Experten, eine folgenschwere Kettenreaktion ausgelöst. Der Selbsthass, die Minderwertigkeitskomplexe und die angedeutete traumatische Kindheit von ihr, werden soweit möglich mit bedacht und ergeben am Ende ein stimmiges Bild von der Person Marybeth Tinning. Etwas schwierig ist sicherlich die Tatsache, dass Marybeth selber nichts zu diesem Buch beigetragen hat und auch ihre Mutter, die durchaus vom gestörten (und evtl. vom Missbrauch zerstörten) Verhältnis zum Vater hätte berichten können, sich bedeckt hielt. Klar wird nur, dass sie eine sehr ambivalente Beziehung zu ihren Eltern und insbesondere zu ihrem Vater hatte. Die Möglichkeit, dass sie mit ihrem einzigen Schwangerschaftsabbruch, dass Kind ihres Vaters wegmachen ließ (damals noch illegal), wird vorsichtig in Erwägung gezogen, eine handfeste Aussage gibt es dazu nicht.

Sehr gut dargestellt ist auch das Versagen des ganzen Systems und im Nachhinein kann man wirklich nicht sagen, was hätte anders laufen müssen, damit Marybeth ihre Kinder nicht hätte umbringen können. Angefangen vom Ehemann, dem Krankenhauspersonal/ der Ärzteschaft, der Missbrauchsstelle für Kinder über die Polizei/ Staatsanwaltschaft über die Familie/ Verwandte und Bekannte – einfach alle haben zu wenig miteinander kommuniziert und die Fälle immer losgelöst voneinander betrachtet. Auch sehr wichtig fand ich die Anmerkung der Autorin, dass Marybeth nie ernst genommen worden ist. Ihre auffälligen Verhaltensweisen haben die meisten mal genervt und mal gutmütig ungeduldig zur Kenntnis genommen, dass ein tiefliegendes Problem dahinter steckte, hat niemand sehen können/ wollen. Und obwohl man heute in psychologischer Sicht schon sehr viel weiter ist als zu jener Zeit, geschieht das noch viel zu oft. Daher kann man auch diese tragische Geschichte wieder als mahnendes Beispiel dafür nehmen, dass es sich lohnt genauer hinzusehen und nicht selbstverständlich die einfachste Lösung anzunehmen, nur weil es bequemer ist. In diesem Fall, hätte es vielen Kindern das Leben gerettet.

Am Ende des Buches war ich, wie die Geschworenen, sehr ausgelaugt und geschafft. Trotz des Urteils stellt sich keine wirkliche Erleichterung ein. Wie könnte sie auch, wenn am Ende so viele Babys betrauert werden müssen. Als Leser kommt man zu dicht an die Abläufe heran, als dass es möglich wäre, sich dieser Dramatik zu entziehen. Dieses Buch übertrifft nicht den Horror-Roman weil es besonders grausam ist, sondern weil es real ist. Und sich das bewusst zu machen, ist Horror genug.

Joyce Egginton gelingt ein sehr vielschichtiges und bemüht alle Aspekte beleuchtendes Buch, was die Geschehnisse der 14 Jahre nicht nur zusammenfasst, sondern auch die Missstände der damaligen Zeit toll aufarbeitet.

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Aus der Dunkelkammer des Bösen: Neue Berichte vom bekanntesten Kriminalbiologen der Welt

Mark Benecke , Lydia Benecke
E-Buch Text: 412 Seiten
Erschienen bei Lübbe Digital, 11.11.2011
ISBN B00611PUZ2
Genre: Sachbücher

Rezension:

In „Aus der Dunkelkammer des Bösen“ werden verschiedene Themenkomplexe und Untersuchungen dargestellt und forensisch sowie psychologisch aufgearbeitet. Soweit ich das beurteilen kann, entsprechen die Erkenntnisse den allgemein vorherrschenden, wissenschaftlichen Standards. Schwer verständlich ist es allerdings nicht, da es für ein breites Publikum verfasst worden ist. Auf allzu hochgegriffene Begriffe und Erklärungen ist hier Abstand genommen worden. Ob Absicht oder nicht, die Erklärungen klingen manchmal etwas wiederholend (zur besseren Verständlichkeit der Ergebnisse?).

So die Untersuchungen nicht von Beneckes persönlich durchgeführt worden sind, oder die Erkenntnisse nicht aus eigener Recherche stammen, sind sehr interessante Gesprächspartner zur Stelle, die das Buch inhaltlich toll unterstützen und Teilaspekte der aufgegriffenen Themen verständlich machen.

Die Formulierungen kann man durchaus als sachlich aber auch deutlich beschreiben. Hier wird nichts beschönigt oder um den heißen Brei herumgeredet, die Täteranalysen sehr tiefgehend und ehrlich bewertet. Diese Kombination ist zur Abwechselung mal sehr angenehm und der oftmals verbreitete, sensationsgeile Klatsch den man häufig in der Boulevardpresse findet, kommt hier so gar nicht zum Tragen und wird, soweit es möglich ist, auch vorsichtig kritisiert. Man merkt dem Buch also deutlich seine wissenschaftlichen Quellen an und so sollte es bei einem Sachbuch auch sein.

Etwas befremdlich erschien mir das Themenhopping. Der Wechsel zu anderen Bereichen verliert sich manchmal ein wenig, sodass ich schon einige Male das Gefühl hatte, ins Tausendste abgerutscht zu sein. Das Wiederaufgreifen der eigentlichen Thematik kommt dann an der ein oder anderen Stelle etwas plötzlich. Über die Länge des Buches habe ich mich an die etwas eigenwillige Art gewöhnt. Zumindest muss ich an dieser Stelle dazu erwähnen, dass so eine große Informationsvielfalt zustande kam und eine tiefer gehende Betrachtung der Geschehnisse möglich war. Konsequent wäre es allerdings gewesen, wenn man sich entweder für eine kapitelübergreifende Gestaltung entschieden hätte oder dagegen. Die Gedankensprünge wären dann definitiv besser einzuordnen gewesen.

Außer der Reihe tanzt ein wenig das erste Kapitel „Hitlers Zähne“, da es so gar nicht zu den anderen passen mag. Es liest sich auch am zähflüssigsten und worauf der Fokus liegt, kann man am Ende nicht so einfach beantworten. Als sehr stark habe ich wiederum das abschließende Fazit daraus empfunden. Daher mein Tipp: Das Kapitel unbedingt bis zum Ende lesen! Denn die persönliche Verantwortung eines jeden, wird meines Erachtens nach doch zu oft in den Hintergrund gerückt.

Was mir an diesem Werk besonders gut gefallen hat, ist die Frage nach dem ‚Warum?‘. Nicht um den Mörder besonders gut dastehen zu lassen, damit dieser eine möglichst milde Strafe bekommt (wie es ja manchmal unterstellt wird), sondern um zu verdeutlichen, welch große Bedeutung diese Betrachtungsweise für die Gewaltprävention hat. Das Fazit des Gesamtwerkes, dass mit der Tat, alle vorigen Instanzen versagt haben, ist eindringlich und rührt an dem festen Gedankenmodel, dass man einfach nur die ‚Monster‘ einsperren müsste oder besonders hohe Strafen verhängen muss, damit die teilweise schrecklichen Taten nicht geschehen. Und genau das unterscheidet dieses Buch auf eine sehr angenehme Art von den Stammtischforderungen oder polemischen Forderungen aus der Klatsch-Presse. Wer ein ‚Mehr‘ an Prävention möchte, muss auch ein ‚Mehr‘ in das ‚Warum?‘ stecken. Sehr deutlich wird das auch im Kapitel „Pädophilie“, welches sachlich und doch eindringlich aufgebaut ist. An diesem Beispiel wird anschaulich aufgezeigt, woran es oft hakt und wo man ansetzen könnte. Der Abschluss dieses Buches, greift darauf dann auch noch mal zurück und schließt es wunderbar ab. Dieser Gesamtfokus auf die Prävention gefällt mir außerordentlich gut und zeigt, ohne erhobenen Zeigefinger auf, woran man noch arbeiten muss. Dass eine nicht unbedeutende finanzielle Zuwendung dafür notwendig ist, kann man sich an einer Hand abzählen.

Was mich wieder nachhaltig berührt, und mich schon nach seiner Veranstaltung sehr nachdenklich gemacht hat, ist die manchmal etwas zu blinde Justitia (um die Worte des Buches aufzugreifen). Es ist eine Sache, sich Fehlurteile in der Theorie auszumalen, eine andere, wenn die Menschen hinter solchen (eventuellen) Fehlleistungen der Justiz in allen Details beschrieben werden. Im Buch wird es nicht ganz so ausführlich bearbeitet, wirft aber trotzdem genügend Fragen auf. Zusammen mit der Vorstellung „Mord im geschlossenen Raum“, kommt man nicht umhin zu hinterfragen, warum es keine Wege aus dieser Falle gibt. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu ausführlich erläutern, wie es dazu kommen kann, wobei Ursache die falsche Grundannahme ist, aber wer sich damit eingehender beschäftigen möchte, ist mit dem genannten Infotainment und dem Buch gut beraten. Das Ganze ist sehr umfangreich, dafür aber nicht minder schockierend. Diese Kritik am System ist aus meiner Sicht durchaus angebracht. Aber auch hier: Es wird anhand eines Beispieles erläutert, der erhobene Zeigefinger fehlt (angenehmerweise).

Auch wenn das Buch überwiegend sachlich gehalten ist, geben manche Interviews dem Werk eine recht emotionale Note, was das Leid hinter manchen Taten bzw. Tataufarbeitungen greifbar macht. Mir persönlich hat das gut gefallen, da es dem Verständnis der Themen in meinen Augen zuträglich ist.

Abschließend kann ich sagen, dass mir das Buch gut gefallen hat, etwas besser sortiert hätte es aber sein dürfen. Wer Mark Benecke schon einmal live erlebt hat, wird feststellen, dass er das fast genauso hintereinander weg von sich gegeben haben könnte. Erzählt ist das durchaus spannend, schriftlich dagegen manchmal irritierend (insbesondere der Wechsel von forensischer zu plötzlich psychologischer Betrachtung und zurück). Nichts desto trotz macht es Lust auf mehr, die Querverweise sind dahingehend geschickt gestreut, und die wichtigsten Konsequenzen toll ausgearbeitet. Wer sich also eingehender auch mit  Täteranalyse beschäftigen möchte, aus Interesse, zu Präventionszwecken oder vielleicht auch um eine Romanfigur glaubhaft darstellen zu können und ihr Tiefe zu geben, ist mit diesem Buch gut beraten. Die wichtigsten (tatrelevanten) psychischen Störungen sind jedenfalls mit enthalten und an Beispielen erklärt.

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Mordspuren

Mark Benecke
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Lübbe, 01.07.2009
ISBN 9783404606184
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wie der Titel schon verrät, werden im vorliegenden Buch vor allem die Spuren an einem Tatort beleuchtet, wofür mehr oder weniger bekannte Kriminalfälle ausgewählt worden sind. Benecke typisch passiert das mit vielen Querverweisen und einer ordentlichen Hintergrundrecherche zu den Verbrechen und den Verbrechern.

Es unterscheidet sich dabei in der Tat sehr von „Aus der Dunkelkammer des Bösen“. Auf die Psyche der Täter wird nicht explizit eingegangen, die Täteraussagen stehen größtenteils für sich, dafür sind die Fallschilderungen um einiges sachlicher. Genau diese Sachlichkeit trägt aber an der ein oder anderen Stelle maßgeblich zum Gruselfaktor bei. Wie im Vorwort so schön gesagt, bewegt man sich als Leser am Rand des Randes, extra aufpuschen muss man die Taten dafür wirklich nicht, denn sie sind schon in ihrer simpelsten Beschreibung erschütternd genug.

Allerdings wird man sanft in das Buch eingeleitet, die Beschreibung wie es zum Vampirglauben in Europa kam, sind äußerst interessant und spannend zu lesen. Wenn ich einen persönlichen Lieblingsabschnitt angeben müsste, dann genau diesen. Die Verwicklungen sind toll dargestellt und am Ende dieses Kapitels, braucht sich wohl niemand mehr die Frage zu stellen, woher dieser Aberglaube und die tiefe Faszination herrühren mag. Die extrem sachliche Aufarbeitung gefiel mir dabei ganz besonders. Wieder ohne Zeigefinger oder Besserwisserei. Einfach schnörkellos und glaubhaft.

Was allerdings auch in diesem Buch auffällt, ist die manchmal etwas sehr weitläufige Art von den Taten zu berichten. Natürlich erhalte ich als Leser dadurch eine menge Informationen, allerdings ermüdet diese Form der „Berichterstattung“ auch schnell. Daher mein Tipp: In Ruhe nacheinander lesen, dabei aber vielleicht die Hauptkapitel am Stück. Gerade das 3. Kapitel ist sonst schwer erfassbar, da vor allem Briefe von einem Serientäter enthalten sind, die weitgehend unkommentiert für sich stehen. Um alle nötigen Informationen daraus zu erhalten, sollte man mit einem wachen Geist rangehen.

Die Kapitel in sich hätten für mich auch etwas ‚griffiger‘ sein können, wann ein Teilthema abgeschlossen und ein anderes begonnen wird, ist häufig nicht ganz ersichtlich und hat mich hier und da etwas verwirrt. Was mir besonders aufgefallen ist, auch wenn es im Vorwort extra erwähnt und erläutert wird, ist die Vielzahl an Berichten von Dritten, die an geeigneten Stellen zitiert werden. Diese Zitate füllen ganze Unterkapitel, wodurch man sich immer wieder auf den jeweiligen Erzählstil einstellen muss (und das ist einigermaßen anstrengend!). Darüber war ich tatsächlich etwas enttäuscht, denn ich hätte mir dazu öfter eine begleitende Bemerkung gewünscht, bzw. eigene Schilderungen statt der ewig langen Zitate bevorzugt.

Die inhaltliche Tiefe kann ich sicherlich nicht bemängeln, wie oben erwähnt, wird das meiste haarklein dargelegt. Das aktiv geforderte Mitdenken der Leserschaft kann daher gut gelingen und hat mich immer wieder in eine sehr nachdenkliche Stimmung versetzt. Die grauen Zellen müssen tatsächlich auf Hochdruck arbeiten, wenn man nicht nur den Anspruch hat sich berieseln zu lassen. Einzelne Aspekte/ Kapitel werde ich mir aus diesem Grund später noch mal vornehmen, für mich war es nicht möglich, alles sofort greifbar zu erfassen. Ich werde die Informationen einfach erst einmal sacken lassen (müssen).

Der Leser bekommt für sein Geld ein wirklich detailtiefes Buch, welches über viele Stunden für aktive Unterhaltung sorgt. Zartbesaiteten kann ich es aber nicht empfehlen. Auch wenn durchaus Fälle dabei sind, die sich weit weg vom Grauen bewegen, so befindet man sich trotzdem oft genug am ‚Rand des Randes‘, was eine menge Stoff für unruhige Nächte geben kann.

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Dem Täter auf der Spur

Mark Benecke
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 17.01.2006
ISBN 9783404605620
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich irgendwann einmal freiwillig mit Käfern, Larven und Maden beschäftigen würde, aber wer Beneckes Bücher kennt (und liebt), weiß auch, dass er so ziemlich alles interessant und wissenswert gestalten kann. Noch etwas tiefer in die Materie einzutauchen, wieder bestätigt zu finden, dass nicht alles wie in Hollywood funktioniert und abseits des allgemeinen Vernehmens nach, diese komplizierte Arbeit verständlich aufgearbeitet zu bekommen, hat mich sehr begeistert.

Dieses Buch fand ich, im Gegensatz zu den bereits gelesenen und hier vorgestellten, strukturierter aufgebaut. Inhaltlich fiel es mir dadurch deutlich leichter, den Ausführungen zu folgen, obwohl diese nicht immer ganz leicht dargeboten werden. Ich bezweifle jedenfalls, dass auch Kinder (ich beziehe mich hier auf das Vorwort) dem hätten folgen können. Es ist anspruchsvoll, deshalb aber nicht dröge oder überbordend fachsprachlich, nur sollte man keine Unterhaltungslektüre erwarten.

Gerade der erste Teil (über die Kriminalbiologie) ist anschaulich bebildert und es wird an diesen erklärt und gezeigt. Die Fälle werden erst nach einer kleinen Einführung präsentiert, was ungemein zum Verständnis der Vorgänge beiträgt und einen sehr detaillierten Blick in die sehr schwierige Arbeit zulässt.

Der zweite Teil zur DNA Typisierung war der für mich anspruchsvollere, nichtsdestotrotz unheimlich faszinierend und wissenswert. Die Entwicklung, ebenso wie die Vorgehensweise in den verschiedenen Ländern der Welt, die finanziellen Aspekte, der Nutzen und die Aufklärung über den Informationsgehalt nichtcodierter DNA haben mich ganz vereinnahmt und gefesselt.

Im dritten Teil wird die Kriminalbiologie im Angesicht der Geschichte betrachtet. Wer ein Buch sucht, um sämtlichen Rassestuss an Stammtischen zum Schweigen zu bringen – hier ist es! Auf den Punkt gebracht, faktenbasiert und ohne Schmuck, denn „Glauben“ und „Meinen“ ist keine Wissenschaft. Was mir hier wieder etwas schwer fiel, aber das ist auch persönliche Präferenz, waren die vielen, eingearbeiteten Zitate. Mit so etwas werde ich nicht richtig warm, auch wenn ich einige davon als unbedingt notwendig erachte, um anhand dieser genau erläutern zu können.

Ein wenig seltsam fand ich die Distanz von Erzähler und Autor. Es liest sich wie ein Bericht von Mark Benecke und trotzdem wird an einigen Stellen von „der Autor“ gesprochen. In der dritten Person von sich selber zu sprechen mutet mir zumindest etwas komisch an. Allerdings finden sich diese Stellen nur ca. 3 – 4 Mal im Buch, es ist also absolut zu verschmerzen und eher als ein verwirrtes Augenbrauenheben zu betrachten.

Insgesamt ist das ein tolles Buch und ich habe schon jetzt Angst meinen nächsten Thriller zu lesen. Mir fällt nach Lektüre dieser Art immer wieder auf, wie sehr Recherchefehler beim Lesevergnügen ins Gewicht fallen, eben weil sich diese klar benennen lassen und nicht nur ein diffuses „klingt unplausibel“-Gefühl vorhanden ist. Aber das ist natürlich grundsätzlich nicht das Problem eines Mark Benecke, sondern eines der Thriller- und Krimiautoren. Ich möchte das Wissen aus diesem Buch jedenfalls nicht missen, ich bin sehr froh es gelesen zu haben. Vielen Dank.

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