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musterschreiben, witz, niveau

P.S.: Der Blitz soll Sie beim Scheißen treffen!: Musterschreiben für alle Lebenslagen

David Gromer , Erik Haffner
E-Buch Text: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 16.06.2017
ISBN 9783843715287
Genre: Humor

Rezension:

Beschwerden beim Vermieter oder bei den Kollegen sind ab und zu angebracht. Wenn in der Wohnung nichts stimmt, muss einfach ein Brief her, der dem Halsabschneider mal ordentlich sagt, wo es lang geht. Auch die Kollegen müssen wissen, dass es Kühlschränke gibt, die frische Lebensmittel erhalten sollen und nicht dazu da sind, Pilze und neue Kulturen zu züchten. Außerdem kann man bitte die Spülmaschine einschalten und am Ende auch ausräumen. Auch der Postbote bekommt sein Fett weg, denn wir wissen alle, wie sehnlichst wir auf unsere Pakete warten, zu Hause sind und am Abend doch eine Benachrichtigungskarte im Briefkasten finden, man sei nicht anzutreffen gewesen. Neben den normalen Briefen, gibt es auch Feedbackformulare, die zuweilen ganz amüsante Antwortmöglichkeiten bieten.

Man kann sich über vieles aufregen und die beiden Autoren haben viele alltägliche Lebensbereiche mit ihren Briefen abgedeckt. Leider wird es schnell langweilig und das stetige Motzen geht einem gehörig auf den Keks. Das Buch ist vielleicht ein netter Zeitvertreib, wenn man sich zu den passenden Gelegenheiten den passenden Musterbrief herausfischt und so mit Humor über den eigenen Ärger hinwegsehen kann. Ansonsten noch ein Geschenk mit Augenzwinkern für Choleriker, das war’s dann aber auch schon. An sich verspricht man sich mehr, wenn man das Buch zum ersten Mal in die Hand nimmt.

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ben tewaag, 313

313

Ben Tewaag
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Tag & Nacht, 23.01.2012
ISBN 9783442830046
Genre: Romane

Rezension:

Oli Stein war erfolgreich und stand mitten im Leben, doch dann kamen der Alkohol, die Drogen und die Gewalt, die ihn auf eine schiefe Bahn drängen. Letztendlich landet er im Gefängnis und wird herabgestuft zu einer Nummer, die auf sich allein gestellt ist …

Mit viel Einfühlungsvermögen erzählt Ben Tewaag eine schonungslose Geschichte. Die Worte sind einfach, die Sätze kurz, die Gefühle real. Der Leser verfolgt den Protagonisten auf seinen Weg in die JVA, durchlebt alle Gefühle hautnah, die Oli Stein empfindet. Da sind Hoffnung und Verzweiflung dicht beieinander. Die innere Mahnung, vorsichtig zu sein und genau darauf zu achten, mit wem man sich einlässt. Und bald schon bemerkt er, dass er sich vielleicht doch auf die falschen neuen Freunde eingelassen hat. Natürlich hat auch die Presse ein Interesse an Stein und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Journalisten einen Freigänger gefunden haben, der scheinbar aus dem Nähkästchen plaudert. Da noch ein Urteil aussteht, freut sich Stein zunächst zwischen schlechtem Essen und engen Zellen, dass er nur eine kurze Haftstrafe absitzen muss und nicht bei den ganz schweren Jungs sitzt. Doch alles kommt anders und ihm wird der genehmigte Ausgang verweigert. Durch das Urteil wird er mit sofortiger Wirkung verlegt und landet schließlich doch dort, wo er nicht hinkommen wollte. Innerlich quälen ihn Gedanken, Gefühle und Erinnerungen. Er macht aus dem Gefängnis heraus Schluss mit seiner Lebensgefährtin und muss sich diesem Schmerz stellen, da es hinter den verschlossenen Türen kaum Möglichkeiten zur Ablenkung gibt. Natürlich gibt es sie, die Gruppenbildung, die Gewalt und die Einsamkeit, die einen erdrückt, das schlechte Essen – und manchmal lernt man auch, wie gut ein einfacher Apfel schmecken kann.

Ben Tewaag hat mit 313 einen fesselnden Roman geschrieben und eigene Erfahrungen verarbeitet. Wenn man das Hörbuch vorzieht, kann man den Autor selbst sein Buch vorlesen lassen. Manchmal hört man das Lachen in der Stimme, manchmal auch eine dunkle Erinnerung. Mit dem Vorlesestil muss man klarkommen, das sei dazu gesagt. Wer auf wahre Stories steht, kann an diesem Buch nicht vorbei.

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massenmörder, hannove, altkleider

Der Werwolf von Hannover - Fritz Haarmann

Franziska Steinhauer
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 08.03.2017
ISBN 9783839220702
Genre: Biografien

Rezension:

Die Geschichte Fritz Haarmanns ist weitgehend bekannt. Fast einhundert Jahre ist es her, dass der Altkleiderhändler in Hannover junge Männer getötet, deren Leichen zerstückelt und die Reste verwertet hat. Von dem Kannibalismusvorfall waren viele aus der Stadt betroffen, hatte Haarmann sich doch als äußerst zuvorkommender und netter Mann präsentiert und Fleisch günstig verkauft oder verschenkt. Der Homosexuelle hatte Jungen in einschlägigen Vierteln aufgegriffen und mit dem Versprechen einer warmen Mahlzeit und Geld zu sich gelockt. Dort kam es zu sexuellen Handlungen und wenn die jungen Männer überlebten, gab es die versprochene Mahlzeit und etwas Geld oder auch neue, warme Kleidung. Haarmann hatte einen guten Ruf, bis zufällig alles aufflog. Steinhauerhat sich der Thematik angenommen und eine fiktive Geschichte mit zahlreichen Fakten vermischt. Im Grunde ist nur die Rahmenhandlung zweier junger Männer erfunden, um sich Haarmann und seiner Vorgehensweise zu nähern. Der Rest beruht auf Berichten und Vernehmungsprotokollen.

Haarmann ist im Volksmund nicht zuletzt wegen eines Liedes bekannt, das man leichtfertigt vor sich hinsingen konnte. Vor einigen Jahren verkörperte Götz George den Massenmörder in Der Totmacherin grandioser Weise. Die Einfältigkeit, die Stupidität und den Wahnsinn Haarmanns hat der Schauspieler gekonnt dargestellt. Auch im Buch wird die mangelnde Bildung durch abgedruckte Schriften des Hannoveraners deutlich.

Steinhauer hat mit viel Geschick nicht nur die Historie aufleben lassen, sondern den Schrecken, die Ungewissheit, die Angst und die Ohnmacht der Bevölkerung, vor allem aber der Angehörigen, die ihre Kinder vermissten und schließlich die grausame Realität erfuhren, dargestellt. Bei den Beschreibungen wird einem durchaus mal schlecht oder schwer ums Herz. Wenn die Eltern die Kleidungsstücke der Söhne identifizieren oder dem Mörder gegenüberstehen, lässt das den Leser nicht kalt. Ein fiktiver Presseclub stellt immer wieder dar, wie die Öffentlichkeit auf die Ermittlungen reagiert, wie die Medien berichten und was bei der Verhandlung geschieht.

Man kann Steinhauer für diese Aufarbeitung nur loben. Wahre Verbrechen geschickt in Kriminalromane verpackt, lesenswert und schockierend zugleich. Allgemein ist die Reihe „Wahre Verbrechen“ des Gmeiner Verlags eine uneingeschränkt empfehlenswerte Reihe für Leser, die damit umgehen können, dass die Untaten alle wirklich stattgefunden haben und ein Teil deutscher Kriminalgeschichte sind.

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jutta wölk, a. c. hurts, bestseller, short stories, gone mad

Gone Mad: Horror - Thriller - Hardcore - Erotik - Extrem - Überarbeitete Neuauflage 2017

A.C. Hurts , Jutta Wölk , Simone Trojahn
E-Buch Text: 253 Seiten
Erschienen bei REDRUM BOOKS, 26.07.2017
ISBN 9783959570428
Genre: Sonstiges

Rezension:

Zu Beginn dieser Geschichtensammlung wird gefragt, wie weit Hardcore Horror eigentlich gehen darf – und am Ende hat man für sich selbst sicherlich eine Antwort gefunden. Die Warnung sei aber vorweg gegeben: Gone Mad ist nichts für Zartbesaitete oder Soft-Hardcore-Fans. Es geht ziemlich rücksichtslos zu, eklig und grenzüberschreitend. Da werden Abgründe auf Papier gebannt, die man gerne verurteilen darf, die allerdings gar nicht so weltfremd sind, wie sich einige vielleicht einreden möchten. Aber beginnen wir bei der ersten Geschichte.

„Der Schlachter“ ist eine relativ harmlose Idee, die den Hardcoreleser mit einem schwachen, wissenden Lächeln zurücklässt. Klar ist alles sehr vorhersehbar, aber der Aufbau sorgt dann doch für Spannung und für reichlich ekelhafte Szenen.

„Marys Lover“ ist ebenfalls absehbar, aber nicht ohne einen gewissen Witz. Wer Marys Lover sind und warum sie sich promiskuitiv geben muss, trotz der Eifersucht ihres Partners, ist der kleine Kniff, der zwar wenig Hardcoreelemente hat, für Zartbesaitete aber immerhin ein Schocker sein dürfte.

Mit „Aufhören!“ hat Hurts Alltagshorror niedergeschrieben, den so mancher sehr gut nachempfinden kann. Zu viel darf man nicht verraten, sonst nimmt man der kurzen Sequenz ihre Kraft.

Ein bisschen schmutzig wird es bei „Dark Rose“. Die Idee finde ich wiederum ziemlich gut, die Umsetzung sehr gelungen. Hier gehen die schwachen Nerven dann endgültig spazieren. Die Perspektivenwechsel bieten einen guten Spannungsaufbau.

„Das lebende Buffet“ geht ein bisschen in Richtung der ersten Story. Natürlich wird es eklig, das ist ganz klar, aber das Lesevergnügen bleibt ungetrübt.

Ein bisschen zu Atmen kommen und sich entspannen, kann man bei „Lauf!“. Wieder nur eine kurze Sequenz, die aber aus dem Alltag gegriffen ist und bei der man sich viel denken kann, bis man die Auflösung geboten bekommt.

Wirklich mitgerissen hat mich „Die Bescherung“. Das liegt daran, dass der Leser erstmal auf eine etwas andere Spur gebracht wird und nicht so recht auf den Gedanken kommen kann, worum es geht. Mittendrin liest man gefühlt immer schneller, weil man endlich wissen möchte, wie es denn endet.

Geister der Vergangenheit begegnen dem „Kinderschreck“ und kreieren dabei keine wirklich neue Idee, aber doch eine coole Geschichte, die sich in die Reihen der großen Horrorautoren einreihen kann.

Wieder eine Alltagssequenz wird in „Faszination des Grauens“ dargestellt und diese Faszination werden einige sehr gut nachempfinden können.

„Dunkles Verlangen“ kann einem durchaus Gänsehaut, Grusel und ein bisschen Paranoia bescheren – oder auch einfach nur ein tolles Lesevergnügen.

Wenn es für einige bisher noch harmlos war, geht es nun ans Eingemachte und es gibt im Buch eine deutliche Warnung, dass man die nachfolgende Geschichte lieber überspringen sollte, wenn man Gewalt gegen Kinder nicht in der Literatur haben möchte. Das ist ganz legitim, verurteilen würde ich die Geschichte trotzdem nicht, denn Grausamkeiten und Abschreckendes kann man täglich in den Medien lesen und diese Dinge sind real, Hurts Geschichte eben nicht. Zudem sei gesagt, dass „Zum Fressen gern“ einige Anlehnungen an andere Hardcoregeschichten hat. Die Idee dahinter ist gut, die Ausarbeitung ebenfalls. Beschönigen muss man nichts, aber wer wirklich auf Hardcore steht, wird vor dieser Geschichte weder Halt machen noch das Krasseste, das er jemals gelesen hat, darin finden.

Kurz vor Weihnachten ist „Weihnachtsgeschenk“ sicherlich die richtige Alltagsgeschichte. Wieder kurz gehalten und perfekt ausgearbeitet, so dass der Leser auf eine vollkommen falsche Fährte gelockt wird.

„Der Angler“ ist faszinierend. Die Grundidee gefällt mir, es ist schon ein bisschen hart, für Fans der Saw-Reihe könnte es ganz ansprechend sein. Für mich eine der besten Geschichten des Buches. Übrigens eine geniale Vorlage für einen B-Movie!

Als Bonus hat Simone Trojahn ihre Kurzgeschichte „Hexensaft“ beigesteuert. Geschickt ausgearbeitet, weiß die Autorin sehr gut, wie man mit der Vorstellungskraft und der Ekelgrenze des Lesers spielt.

Ebenfalls ein Bonus ist Jutta Wölks „Böses Erwachen“. Ziemlich vorhersehbar, macht die Geschichte dennoch großen Spaß. Die Idee ist zwar nicht ganz neu, aber die Ausarbeitung bereitet hier ein wirkliches Lesevergnügen.

Als Fazit bleibt die Warnung des Beginns: Lasst die Finger von diesem Buch, wenn ihr keinen Hardcorehorror mögt. Mit wenigen Ausnahmen halte ich die Geschichten zwar für harmlos, wenn man gefestigter Hardcoreleser ist; wenn man nur auf Gruselhorror steht, gilt ein absolutes Finger weg! Mir hat Gone Mad sehr gut gefallen, die vielen verschiedenen Ideen bereiten ein richtiges Lesevergnügen, das nach mehr schreit – und wer sie noch nicht kennt, sollte sich an die Hardcoreromane von A.C. Hurts heranwagen.

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richard laymon, das auge, usa

Das Auge

Richard Laymon , Sven-Eric Wehmeyer
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.09.2017
ISBN 9783453677036
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Melanie hat Vorahnungen und sieht den Tod von Angehörigen voraus. Bei einem Konzert bricht sie zusammen und sieht einen Unfall, weiß aber nicht, ob ihr Vater oder ihre Schwester das Oper ist. Also macht sie sich mit ihrem Freund Bodie auf in die Heimat, um nach dem Rechten zu sehen. Dort angekommen, erfährt sie, dass ihr Vater nach einem Unfall mit Fahrerflucht im Krankenhaus liegt und auch ihre Schwester hat ein ernsthaftes Problem…

Von Richard Laymon ist man düstere Geschichten mit Sex und Blut gewöhnt. Gerne gibt es auch mal Monster, die den Protagonisten das Leben schwer machen. Das Auge ist anders und dabei fällt zunächst auf, dass die Sexszenen äußerst knapp geschildert und rar gesät sind. Diese Veränderung tut mal richtig gut und lässt für den Leser eine Konzentration auf das Wesentliche der Geschichte zu. Der Anfang ist holprig und fast schon langweilig. Hier muss man sich durchbeißen und darf nicht vorzeitig das Buch weglegen. Man erfährt schnell, dass Melanie mit ihren Vorahnungen nicht nur einer Spinnerei verfallen ist, sondern den Tod der Mutter vorausgesehen hat, diesen aber nicht verhindern konnte. Ihre Schwester Pen, die sich als Schriftstellerin verdingen möchte, macht Melanie das Leben schwer, ist sie doch hübscher und der Grund, weshalb Melanie von einigen Männer verlassen wurde. Bodie streitet ab, dass so etwas jemals geschehen könnte. Man verfolgt die Krankenbesuche, die Stiefmutter, das wachsende Misstrauen Melanies, dass ihr Vater betrogen wird. Melanie steigert sich immer mehr in ihre eigene Wahrheit hinein, spielt eine neuerliche Vision vor und verfolgt schließlich den mörderischen Plan, die Verantwortlichen für den Unfall des Vaters ausfindig zu machen und zur Strecke zu bringen. Im Grunde handelt das gesamte Buch nur davon, wie sich die Protagonistin immer weiter in ihre eigene Wahrheit hineinsteigert und allen anderen durch Misstrauen das Leben schwer macht und sie wegstößt. Das Ende – und das kommt wirklich erst auf der allerletzten Seite mit der Auflösung daher -, ist dennoch ein wenig absehbar, gibt der Geschichte aber dann doch einen Kick. Man wartet schließlich mit jeder Zeile darauf, dass das Buch wirklich mal spannend und endlich der typische Laymon herausgekehrt wird. Das tut man vergebens, aber die aufgebaute Spannung, die man eher unterschwellig bemerkt, führt dazu, dass man das Buch doch nicht weglegt.

Lange habe ich überlegt, ob das ein guter oder schlechter Laymon ist. Als Fazit bleibt, Das Auge ist anders als das meiste, das man vom Horrorautor kennt. Im Allgemeinen eher trivial und langweilig gestaltet und doch geschickt eine Spannung aufbauend und haltend, für die man den Autor doch bewundern muss. Zwar gefielen mir Romane wie Die Gang oder Der Keller erheblich besser, aber das soll das Können des neuesten Werkes nicht schmälern.

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horror, sonja rüthe, markus heitz, anthologie, aus dunklen federn

Aus dunklen Federn

Sonja Rüther , Markus Heitz , Thomas Finn , Sonja Rüther
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Briefgestöber, 28.10.2014
ISBN 9783981557466
Genre: Fantasy

Rezension:

Sonja Rüther hat eine Anthologie mit fesselnden Horrorgeschichten herausgegeben. Mit dabei sind „blutige Handschriften“ von Markus HeitzThomas FinnVincent Voss und einigen anderen. Die Geschichten selbst könnten unterschiedlicher nicht sein. Jeder Autor hat eine kleine Illustration als eine Art Titelblatt der Geschichte abgegeben, die teilweise bereits eine gute Einführung auf das ist, was den Leser erwartet. Ob das ein mystisches und blutiges Rapsfeld ist oder eine mutige Tour durch Leipzig, das Horrorherz geht einem wirklich auf.

Beginnend mit „Keine sieben Tage“, ist eine beklemmende Geschichte an den Anfang gesetzt worden, die erstmal ein paar Fragen aufwirft, bis man schließlich erfährt, worum es denn geht in dem kleinen Städtchen. Man könnte diese Story relativ langweilig empfinden, aber die Idee hat mir gefallen und unterm Strich kann man hier noch einmal über den Gevatter Tod nachdenken und darüber, dass er seine Auswahl nicht aus Fairnessgründen trifft.

„O Tannenbaum“ ist für Weihnachtshasser gedacht. Typische Familienszenarien sind eingefangen und vermutlich kennt jeder diese angespannte Stimmung, die Gereiztheit und den Wunsch, die Feiertage wären schon längst wieder vorbei. Dass der eigentliche Horror von einem Weihnachtsbaum und den wirbellosen Tierchen darin ausgeht, wird langsam klar und lässt einen mit einem mulmigen Gefühl auf die Pflanzen in der Wohnung schauen.

Mit „Exemplum“ ist eine gute Idee umgesetzt worden. Was machen eigentlich Schatten und Spiegelbilder? Sterben sie mit dem Menschen, zu dem sie gehören, sind sie eigenständig? Markus Heitz hat sich diese Frage gestellt und eine spannende Geschichte darum konstruiert. Hütet euch vor Schatten und Spiegeln!

Unterschwelliger Horror findet sich in „Alles ganz normal“ wieder. In meinen Augen lässt die Geschichte noch zu viel offen, aber Ängste und Gedanken der Protagonistin kann man sicherlich nachvollziehen. Dass es hierbei natürlich nicht ganz normal bleibt, ist klar.

Um einen Versager dreht sich „Bittere Wahrheit“. Der Stil ist gut gewählt, man kann förmlich den Protagonisten mit Wahnsinn in den Augen vor sich sehen.

Für den Nachrichtenstil von „Menschliches Versagen“ braucht man vielleicht etwas Geduld. Der Gedanke dahinter jedoch ist super und toll umgesetzt. Erinnert an das berühmte Zitat aus Jurassic Park: „Die Natur findet einen Weg!“ – und das tut sie. Tolle Idee.

Neben den Hauptgeschichten wurden auch Bonus-„Tracks“ hinzugefügt. Das beginnt schon mit einem kurzen Rummel am Anfang des Buches. Ein herrliches Horrorbild wird in literarischen Farben auf gerade mal einer Seite gemalt. Da lacht das Herzchen des Lesers.

Die Bonusgeschichten am Ende sind gut und runden die Anthologie wundervoll ab. „Destruenten“ lässt einen fast darum betteln, dass es hiervon ein ganzes, dickes Buch geben möge, um die Geschichte noch ausführlicher zu erfahren. Vielleicht fährt man danach nicht mehr so gerne U-Bahn…

Markus Heitz entführt mit „Fräulein Angstfrei“ zu Sehenswürdikeiten rund um Leipzig. Man erwartet vielleicht etwas mehr Grusel, aber die Idee ist gut und verbindet Märchen, Mythos und Horror.

Mit der abschließenden Geschichte „Walpurgia“ dürften Arachnophobiker ein kleinen Problem haben, aber perfekt gemacht, wird im Grunde erst mit dem letzten Satz der eigentliche Schocker aufgedeckt.

Aus dunklen Federn ist eine tolle Anthologie geworden, die Horrorfans sehr gut gefallen dürfte. Abwechslungsreiche Geschichten haben hier Einzug erhalten und entführen den Lesern zu unterschiedlichster Weise in dunkle Abgründe. Hiervon darf es sehr gerne Fortsetzung um Fortsetzung geben! Band zwei ist bereits erschienen.

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kurzgeschichten, vielseitig, genremix, anthologie

Postkartengeschichten: der Schreibgruppe-Prosa

A. Eiserlo , Dorothe Reimann , Ilse Campbell , Katharina Rambeaud
E-Buch Text: 89 Seiten
Erschienen bei null, 09.07.2016
ISBN B01I8HGLPY
Genre: Sonstiges

Rezension:

Kurze Geschichten für Zwischendurch, für die kurzen Wartezeiten, die kleinen Momente des Aufatmens. Die Schreibgruppe Prosa hat in dem kleinen Büchlein abwechslungsreiche, lustige, ernste und spannende Geschichten gesammelt, die auf eine Postkarte passen – oder eben in die kurzen Minuten. Mit viel Geschick und zwischen Kriminalfall, Liebe und Hass balancierend, haben völlig unterschiedliche Autoren die Seiten gefüllt. Natürlich gibt es immer die Geschichten, die mehr begeistern und dann wieder andere, die einem überhaupt nicht gefallen. Aber der Abwechslungsreichtum macht das Buch interessant für ganz unterschiedliche Leser. Und vielleicht findet die ein oder andere Kurzgeschichte auch ihren Weg auf eine Postkarte als lieber Gruß.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Das Erwachen des letzten Menschen

Nikodem Skrobisz , Leveret Pale
Flexibler Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 07.11.2016
ISBN 9783741298455
Genre: Romane

Rezension:

2137 und die Welt ist zweigeteilt in Gottmenschen und dem niederen Rest, der mit Drogen und virtueller Realität auf einem kontrollierbaren Zufriedenheitslevel gehalten wird, bis er stirbt. Nur einer, Edgar, hat plötzlich lichte Momente und fragt nach dem Sinn, nach Glück und nach Freiheit.

Das Erwachen des letzten Menschen ist eine Mischung aus düsterster Dystopie und erschreckender Parabel. Was zu Beginn der Lektüre wie eine fiktive Geschichte wirkt, über die man vielleicht einmal nachdenken kann, entpuppt sich schließlich als genaue und schockierende Beobachtung des Lebens und des Wandels der Gesellschaft. Für alles gibt es Roboter, Drogen, erfundene Realität. Freiheit, Denken, sogar Kunst sind eingeengt und abgeschafft. Der Mensch denkt überhaupt nicht mehr nach, sucht nicht mehr, fragt nicht nach Glück und schon gar nicht erst nach dem Sinn des Lebens. Er sieht sich als zufriedene Existenz, die bei der leisesten Aufwallung von Unzufriedenheit und Traurigkeit mit Drogen vollgepumpt wird, damit alles wieder in Watte gepackt ist. Der Protagonist entzieht sich diesen künstlichen Realitäten und den Drogen und erfährt auf drastische Weise, dass die Menschheit verloren ist und sich aus Bequemlichkeit in Unmündigkeit und Abhängigkeit begeben hat.

Nikodem Skrobisz hat ein Meisterwerk in diese kurze Novelle gepackt, die den Zeitgeist und das Ende der Menschheit, auf das die Gesellschaft zweifellos zusteuert, philosophisch und doch verständlich einfängt. Der junge Autor hat sich damit einen unbestreitbaren Platz unter Literaten und Philosophen gesichert.

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16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

thriller, kille, sex, hass, horror

Purer Hass

Wrath James White
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 23.08.2016
ISBN 9783865524539
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Malcolm und Reed waren Freunde, bis Verrat diese Freundschaft zerstört und einen jungen Mann zu einem Massenmörder macht, der erst Homosexuelle und dann Familie umbringt. Schließlich macht Malcolm sich auf, zum Ursprung zurückzukehren und den einstigen Verrat mit Blut und Leid zu rächen, denn der Hass in ihm ist groß und sehnt sich nach Rache…

Wer auf viel Blut und eine wirklich krasse Jagd wartet, sollte das Buch gar nicht erst anfangen. Aufgrund des Klappentextes erwartet man etwas anderes als die Geschichte, die dann schließlich erzählt wird. Um ehrlich zu sein, habe ich das Buch zweimal wieder angefangen, weil es mir zu langatmig und langweilig war. White verliert sich in Tiraden darüber, wie ungerecht die Welt ist und wie stark zwischen Schwarz und Weiß getrennt wird, welche Missstände natürlicherweise Hass hervorrufen und welche Vorurteile durch die Köpfe der Menschen rasen. Dabei bedient er so viele Klischees, dass man irgendwann nur noch genervt ist. Gefielen die bisherigen Studien, die White in seinen Büchern führte, ziemlich gut, wird es mittlerweile zum ewigen gleichen Gejammere, das nervt. Und das ist schade, denn White hat sehr wohl etwas zu sagen und in vielem sicherlich auch absolut recht. Verpackt in spannenden Geschichten, erreicht er so manchen Menschen damit. Irgendwann wird es aber zu viel. Und genau so, wie in der Rezension lange und breit darüber geschrieben wird, erscheint es im Roman und macht ihn langweilig. Die Polizeiarbeit ist nicht minder unspannend. Zwei rivalisierende Cops, die sich aus dem Weg gehen, jeder macht seinen Egotrip und achtet dabei nicht darauf, was man tut und was man definitiv nicht tut als Cop. Ich würde es als mangelnde Recherche oder als gezwungen konstruierte Szene ansehen, die aber viel zu schlecht und unglaubwürdig ist, als dass man sie hinnehmen könnte. Außerdem gibt es so viele Logikfehler, dass man irgendwann weinend das Buch in die Ecke pfeffert. CC entkommt gerade so und schrecklich geschunden dem Massenmörder, liegt im Krankenhaus und ihr Liebhaber, der zufällig der ermittelnde Beamte ist, besucht sie, ignoriert alle Sicherheitsvorkehrungen und vögelt mit ihr – äh … Logik? Wo hast Du Dich denn versteckt? Dann geht er natürlich gleich duschen und gibt dem Killer die ultimative Chance, beide zu töten, was sinnloserweise nicht geschieht.

Ist das Buch schlecht? Ist die Idee zu absurd? Nein, beides nicht. Die Idee ist ziemlich gut, die Umsetzung deutet auf viel Leidenschaft und einen passablen Schreibstil hin. Einzig diese Kleinigkeiten sind etwas, das mich als Leser furchtbar gestört hat – dabei schätze ich Whites Bücher ansonsten sehr. Für mich ist es das schlechteste Werk des Autors, auch wenn ich selbst diese Bewertung fast schon falsch empfinde, denn ohne diese Fehler, wie ich es einmal nennen möchte, wäre die Story wirklich klasse und hätte mehr als fünf Sterne verdient. So aber kann ich jedem White-Leser nur ans Herz legen, sich selbst eine Meinung zu bilden.

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

thriller

Aderlass

Marcus Sammet
Buch: 210 Seiten
Erschienen bei Traumstunden, 15.05.2013
ISBN 9783942514545
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

München hält den Atem an: Ein Serienkiller treibt sein Unwesen und lässt blasse Frauenleichen zurück. Die Kripo findet bald heraus, dass die Leichen keinen Tropfen Blut mehr enthalten, aber am Tatort ist nichts gefunden worden. Außerdem erhält sie Emails von Thomas Mattern, der sich vermeintlich zu den Taten bekennt, doch Mattern selbst weiß nichts davon…

Quer durch München geht die Jagd nach dem Mörder. Wer sich ein bisschen auskennt, weiß ziemlich genau, wo sich was abspielt und kann sich dadurch noch bildlicher vorstellen, was er da liest. Der Leser verfolgt in erster Linie Thomas Mattern, der sich zwischenzeitlich verliebt und auch noch in ganz andere Schwierigkeiten gerät, die mit dem Mörder gar nichts zu tun haben. Fast wie aus dem Lehrbuch ist der Krimi aufgebaut. Es gibt die Hauptgeschichte mit dem Kriminalfall, der alles überdeckt und bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Dann gibt es noch einen Nebenstrang, der auch wieder einen Kriminalfall enthält und in sich geschlossen ist – natürlich hat Mattern auch hier seine Rolle.

Die Geschichte ist einfach, man liest sie schnell und stört sich vielleicht daran, dass manches zu konstruiert abläuft. Man hätte sich mehr Darstellungen des Seelenlebens des Täters zusammen mit Vorgehen und Motivation gewünscht. Zwar folgt man kurz dem Täter, jedoch sind es wirklich kurze Sequenzen, die seine Motivation nicht darlegen und dadurch eher langweilig wirken.

Für eingefleischte Krimifans ist die Sterbe wohl-Reihe eher nichts, für Münchenkenner und Freunde der etwas sanfteren Krimis allerdings ein ganz guter Zeitvertreib.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Ein Blick in die Hölle - Buch 3: Festa Extrem

Wade H. Garrett
E-Buch Text
Erschienen bei Festa Verlag, 18.05.2017
ISBN B071ZB7XNH
Genre: Sonstiges

Rezension:

Seth Croker gilt als berüchtigter Todesengel, den die Polizei nicht fassen kann. Er hat zahlreiche Menschen verstümmelt und getötet – und quält noch mehr von ihnen seit Jahren irgendwo in einem Versteck. Dieses Mal hat er sich aber einen Partner gesucht, der Rache für seinen bestialisch ermordeten Hund möchte. Der Todesengel hat dem Opfer aber Gesellschaft mitgebracht und foltert in einem verlassenen Krankenhaus brutale Tierquäler…

Wer Tieren etwas zuleide tut, kommt meist ungestraft davon. In Wade H. Garretts neuem Teil der Ein Blick in die Hölle-Reihe lässt er seine Wut über die sinnlose Quälerei und Tötung von Tieren so richtig raus. Es beginnt alles mit dem Wilderer, der einen Sibirischen Tiger getötet hat, um seine Trophäensammlung zu erweitern. Im Grunde fehlt kaum noch etwas, das er nicht getötet hat und so nimmt er die Einladung zur Menschenjagd gerne an. Mit ihm befinden sich zu Beginn mehrere Menschen in einem Raum, die alle auf die ein oder andere Art Tiere gequält haben. Vom Abschneiden diverser Körperteile bis zu Hundekämpfen oder der Verbrennung bei lebendigem Leib ist alles dabei. Als Leser bekommt man eine ziemliche Wut auf die Täter und mag an den ein oder anderen jüngeren Medienbericht über Jäger denken, die Löwen, Tiger und Elefanten abschlachten. Da hilft einem auch kurz die Widmung des Buches auf die Sprünge: „In Gedenken an Cecil den Löwen“. Garrett lässt hier seine Abscheu vollkommen hemmungslos raus und das tut gut. So deutlich muss man das wirklich schreiben, denn dass die Täter für ihr Tun auch mal richtig zur Verantwortung gezogen werden, ist längst überfällig.

Aus den ersten beiden in Deutschland erschienen Bänden weiß man, wie brutal, gnadenlos und zerstörerisch der Todesengel vorgeht. Man erwartet endlose Qualen und ein langes Hinauszögern des Todes der Opfer. Ganz enttäuscht wird man auch dieses Mal nicht, jedoch muss man ehrlich sagen, dass das dritte Buch ein wenig an Kraft verloren hat. Ging es zuvor um möglichst unterschiedliche und grausame Foltermethoden, scheinen Garrett mittlerweile ein wenig die Ideen auszugehen. Zwar wechselt er auch hier bei den Opfern die Methoden durch, jedoch zieht sich ein krasses Interesse an sexuellen Handlungen und Misshandlungen durch die Geschichte, die mir bei den beiden Vorgängern nicht so deutlich aufgefallen ist. Das ist schade, weil es manchmal die Idee hinter dem Buch zu sehr überdeckt.

Grundsätzlich erfüllt einen das Buch fast schon ein wenig mit Genugtuung. Endlich werden mal die Tiere gerächt, die aus lauter Spaß an der Freude misshandelt und verstümmelt werden. Das ist eine Form der Gerechtigkeit, die in mancher Hinsicht schon lange überfällig zu sein scheint, wenn Tiere weiterhin als Dinge angesehen werden. Trotzdem ist es kein reines Folterhorrorbuch, denn Garrettlässt seinen Protagonisten durchaus für Viehhaltung und Fleischverzehr sprechen und argumentiert, worin der Unterschied besteht. Nichtsdestotrotz wird der Massentierhalter hingerichtet. Dass Seth zum ersten Mal nicht alleine arbeitet, sondern Kenneth an seiner Seite hat – der zwar Rache für seinen Hund möchte, jedoch von den anderen Opfern nichts wusste -, bringt einen neuen Gesprächspartner für Seth ins Spiel und zum ersten Mal auch einen potentiellen Gegner, der sich theoretisch gegen Seth stellen und ihn vernichten könnte.

Das Fazit fällt positiv aus. Die Thematik, Tierquälern mal einen schmerzhaften Spiegel vorzuhalten, ist gut gewählt, tagesaktuell und dürfte vielen aus der Seele sprechen. Inhaltlich sind die Foltermethoden nicht mehr ganz so abwechslungsreich und die starke Ausrichtung auf das Sexuelle nimmt ein bisschen die Extreme Horror Freude.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Der Hornbrecher: Festa Extrem

Edward Lee
E-Buch Text: 204 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 02.07.2017
ISBN B073PFRF5J
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dean Logan war in DeSmet ein absoluter Star und hält den Weltrekord im Hornbrechen. Dumm nur, dass er geheiratet hat, nach Seattle gezogen ist und dort unter dem Pantoffel seiner herrischen Frau steht. Als es in DeSmet zu mysteriösen Todesfällen kommt, Kinder entführt werden und schließlich auch noch sein Vater im Sterben liegt, macht er sich zusammen mit seinem Kumpel Ajax auf den Weg in die alte Heimat – und muss sich seinem alten Leben und einem Dämon stellen…

Edward Lee packt gerne mal alte Götter, Mythen, Dämonen und Legenden aus, um sie in die heutige Zeit zu transferieren und Horrorgeschichten um sie zu spinnen. Nichts anderes tut er auch in Der Hornbrecher. Pasiphae hat es ihm dieses Mal angetan und sein Protagonist muss sich ihr und dem von ihr erschaffenen Monster stellen. Als kleiner Exkurs: Die griechische Göttin Pasiphae war die Gemahlin von Minos und hat in einem Liebesakt mit dem Kretischen Stier, der eigentlich geopfert werden sollte, Minotauros gezeugt. Dessen Legende dürfte hinreichend bekannt sein.

Im Grunde ist manches ziemlich vorhersehbar, aber das macht nichts. Es geht um Sex, Blut und rohe Gewalt, hier und da ein paar eklige Szenen, die sich aber in Grenzen halten. Vielleicht kommt das Ende ein bisschen zu rasch und läuft ein bisschen zu glatt, aber es ist dennoch ein typischer Lee, der mal wieder in die Ekelkiste gegriffen hat. Nicht so eklig wie Monstersperma, und nicht so subtil wie Golem, bewegt sich Der Hornbrecher auf einem Grat zwischen den Werken Lees, wie ihn seine Fans kennen und größtenteils auch lieben.

In meinen Augen ist Der Hornbrecher mal wieder eines der besseren Werke der Festa Extrem Reihe, wenngleich es nicht zu den allerbesten zählt. Ein kleiner Lesegenuss, der hier und da sogar Humor versteckt hält.

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klarant verlag, klarant verla, michael jesko ermittelt, nordsee-thriller, töte dich

Töte Dich!

André Wegmann
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Klarant, 11.07.2017
ISBN 9783955736538
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dubiose Suizide rufen Privatermittler Michael Jesko auf den Plan, denn die Angehörigen glauben nicht daran, dass ihre Töchter sich wirklich selbst gerichtet haben. Jesko, der sich gerade emotional mit seiner Kollegin Kimi auseinandersetzen muss, macht sich auf die Suche nach den Gründen für die Freitode und stößt auf eine unglaubliche Geschichte.

André Wegmann war lange Zeit bekannt für seine Horrorgeschichten. Mittlerweile schreibt er Krimis rund um den Privatermittler Michael Jesko. Mit viel Fingerspitzengefühl zieht er den Leser in seine Romane hinein und baut unerlässlich Spannung auf. Zwischen dem Tatgeschehen und der Ermittlungsarbeit, die nicht immer einfach gestaltet ist, springt er hin und her. Dadurch wird die Lektüre niemals langweilig. In seinem aktuellen Roman hat er sich mit dem Thema Suizid beschäftigt und zeigt schnell, dass es nicht um den eigentlichen Freitod geht, sondern um die Monster, die andere dazu treiben. Oder doch nicht? Selbstzweifel und psychische Instabilität dominieren die Gedanken- und Gefühlswelt der Frauen, die sich dankbar einem scheinbar hilfsbereiten und verständnisvollen Fremden anvertrauen. Die innere Leere, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, all das sind Gefühle, die Wegmann mit knappen, aber ausreichenden Worten beschreibt, um zu zeigen, warum sich die Frauen selbst aufgeben und zu einem Punkt gelangt sind, der einen Suizid durchaus plausibel erscheinen lässt.

Was meinen Lesefluss gestört hat, waren die privaten Vergnügen von Jesko. Das interessiert einfach nicht und nimmt das Tempo aus dem Buch. Die kleine Liebesgeschichte, die schon wieder erkaltet ist und mehr Probleme als Freude mit sich gebracht hat, die zwischen Kimi und Jesko entstanden ist, ist noch verständlich. Es gibt wohl keinen Krimi, der seinen Ermittler nicht ein bisschen in die Liebeshölle schickt. Das gehört irgendwie dazu. Lange Aufenthalte an abgeschiedenen Orten, die friesische Traditionen erklären und nichts mit dem Fall zu tun haben, sind dagegen überflüssig.

Alles in allem ist der neue Teil der Jesko-Reihe ein spannender Krimi mit einem gut gewählten Thema. Es ist nicht zwingend erforderlich, Band 1 vorher gelesen zu haben, aber es hilft, um kleine Verbindungen herzustellen. Für Krimifans eine klare Empfehlung.

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BabyDoll: Ein bizarres, brutales Horrordrama

Shane McKenzie
E-Buch Text: 205 Seiten
Erschienen bei Festa, 10.07.2016
ISBN 9783865524270
Genre: Sonstiges

Rezension:

Natascha ist ein entstelltes Kind und wird daher von ihren Eltern eingesperrt und von der Außenwelt abgeschottet. Ihre Mutter verabscheut ihre mittlerweile zur jungen Frau herangereifte Tochter aufs Äußerste, ihr Vater zeigt etwas Liebe und hat dem Kind eine Puppe mit Porzellangesicht geschenkt, die schließlich zerbricht. Um schön zu sein, drückt sich Natascha die Scherben ins Gesicht, als ihr endlich die Flucht gelingt und sie sich auf den Weg macht, ihre Liebe zu finden und den ersten Kuss zu bekommen…

Die Grausamkeit und Lieblosigkeit, mit der Natascha behandelt wird, tut manchmal richtig weh. Egal, wie entstellt das Kind nun ist – und so ganz kommt das nie raus, denn es wird kein komplettes Bild von ihr gezeichnet -, so etwas verdient es einfach nicht. Der Vater steht unter der Fuchtel der Mutter, einem ausgedienten Fernsehstar. Natascha kann sexuelle Gesten nicht ertragen und muss sich übergeben, als sie ihre Eltern dabei erwischt. Sie flieht und trifft auf den kleinen Dealer Bruno, der von seinem Boss gejagt wird. Sie hilft ihm, er flieht vor ihr und bringt damit alle seine Freunde und auch seine Feinde in große Gefahr, denn Natascha ist ein Monster, das seine Kraft nicht einschätzen kann.

Fast schon liebevoll zeichnet McKenzie seine Charaktere und lässt die Gefühlswelt von Babydoll nachvollziehbar erscheinen. Zwischendurch ist man ganz bei Bruno und kann dessen missliche Lage hautnah miterleben. Dass die beiden schließlich aufeinander treffen, ist rasch klar, wie dieses Zusammentreffen jedoch ausgehen wird, absolut nicht. Aber im Grunde stellt der Horrorautor etwas ganz anderes in den Mittelpunkt: Den Schrei nach Liebe und Akzeptanz, der in einer oberflächlichen Welt leise verhallt und verlacht wird, in der es nur um Äußerlichkeiten geht. Fast schon könnte man Babydoll als eine Art Metapher für die Oberflächlichkeit, Arroganz und Kaltschnäuzigkeit der heutigen Gesellschaft sehen. Die Außenseiter werden ausgegrenzt, die Menschen beurteilen weder Anstrengungen noch wahre Leistungen oder gar ein gutes Herz, sondern nur Statussymbole und makelloses Aussehen. Nicht nur deshalb ist das Buch eine Leseempfehlung.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Eifel-Einstand (Kommissar Laubach Eifelkrimi)

Peter Splitt
E-Buch Text: 208 Seiten
Erschienen bei Machandel Verlag, 08.10.2016
ISBN 9783959590310
Genre: Sonstiges

Rezension:

Kurt Laubach wurde in die Eifel strafversetzt und gleich mit Leichenteilen konfrontiert. Nur Kopf und Hände fehlen und machen die Identifizierung schwer. Außerdem findet er einen Wildschweinkopf vor seiner Haustüre und kann sich zunächst keinen Reim darauf machen. Dann ist da noch Pia Beinknecht, die einen Hund überfahren haben will und plötzlich beschuldigt wird, einen Mann ermordet zu haben…

Krimis, die mit Strafversetzungen beginnen, sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Gerne findet man den neuen Kommissar in misslichen Lagen und als Fremden in kleinen Ortschaften wieder, in deren Gemeinschaft sich der Neue erst einmal beweisen muss. Hier ist das nicht so. Laubach ist einfach da, müde, betrunken und lustlos – im Übrigen scheinen auch die Kollegen nicht weiter interessiert zu sein an ihrer Arbeit. Die ganze Ermittlungsarbeit ist recht lieblos, von zig logischen Fehlern unterwandert, die den Leser hin und wieder wirklich stören. Da sind Fragen, die nicht gestellt werden, die aber auf der Hand liegen. Da sind Ergebnisse, die einfach nicht verwendet werden. Unverständlich ist vor allem die Szene, in der Pias Lebensgefährte Belford nach dem Hundeleichnam sucht, nachdem ein Nachbarsjunge vor seiner Haustüre stand – mit dem Bild eines Hundes, auf den Pias Beschreibung passt, ebenso wie mit dem Hinweis, dass der Hund zur fraglichen Zeit verschwunden ist. Als Belford den Hund findet und die Polizei alarmiert, muss er sich einige Fragen gefallen lassen, kommt aber nicht auf die Idee, von dem Jungen zu erzählen, der ihn überhaupt erst darauf gebracht hat und die Geschichte von Pia bestätigen könnte. Warum? Außerdem heißt Belford immer wieder mal Müller, was eine Unachtsamkeit ist und auf ein schlechtes oder fehlendes Lektorat – wie mehrere andere Fehler ebenfalls – schließen lässt.

Spannung gibt es schon, weil der Leser wissen möchte, was es mit den Toten auf sich hat. Jedoch wäre es spannender gewesen, wenn beide Fälle auch irgendwie miteinander verbunden gewesen wären, oder man zumindest einige Querverbindungen aufgebaut hätte. Die einzige Verbindung sind faule Ermittler, lieblose Figuren, die wenig Berechtigung haben, überhaupt eine Marke zu tragen.

Es ist schade, dass eine gute Idee so lieblos und fehlerhaft ausgearbeitet wurde. Die Ermittler sind langweilig und stochern sinnlos in nicht stattfindender Ermittlungsarbeit herum. Die Geschichte dahinter birgt etwas Spannung, das Buch an sich wirkt ein bisschen halbherzig, ist ganz nett für Zwischendurch, aber keine Leseempfehlung für wahre Krimifreunde.

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42 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

666, dämon, m.h. steinmetz, gothic, lucy

666

M.H. Steinmetz
E-Buch Text: 235 Seiten
Erschienen bei Papierverzierer Verlag, 27.08.2015
ISBN 9783959623131
Genre: Fantasy

Rezension:

Lucy ist mit ihrer Band Hell’s Abyss auf dem Weg nach oben. Sie hat viel durchgemacht und nun endlich auch den Erfolg verdient. Doch nach einem Auftritt erwacht sie in einem Hotelzimmer zusammen mit einer Leiche und kann sich an nichts erinnern. Die Blackouts häufen sich und die Morde ebenso…

So ein Gothicroman ist doch mal etwas anderes, dachte ich mir, als ich zu diesem Buch griff. Eigentlich erwartete ich einen spannenden Krimi, der sich in der Gothicwelt, der Schwarzen Szene, dem Mischmasch, das heute daraus geworden ist, bewegt. Ganz davon ab ist das Buch auch nicht. Es malt den düsteren Weg einer Szene, die – das muss man leider mal so aussprechen – heute gar nicht mehr in dieser Form existiert und sich fein selbst ausgelöscht hat. Emos, Gothics, die Welttraurigkeit, schwarze Klamotten und Schminke, die irgendwann so angesagt waren, dass der Trend die Szene kaputt gemacht hat. Gothic und Schwarze Szene sind heutzutage synonym verwendet, von der Musik ausgenutzt, um jedem eine Plattform zu bieten. Die „Alten“ haben die Szene längst verlassen und trauern ein bisschen dem nach, was sie einmal gewesen ist.

Warum diese Vorrede? Weil 666 zwar ein ganz guter Thriller ist, der seine Gruselelemente hat und auch mit der Spannung nicht spart, aber einen riesengroßen Fehler hat: Das Klischee. Der Autor selbst gibt sich als ehemaliges Mitglied der Schwarzen Szene aus, berichtet von Friedhöfen und Gläserrücken, es fehlt nur noch ein bisschen mehr Satanismus in seiner Beschreibung in der Danksagung. Natürlich spielt das Pentagramm eine wundervoll wichtige Rolle. Eigentlich erwartet man ein bisschen mehr Crowley und Möchtegernsatanismus. Ganz so weit geht es dann aber doch nicht in diesem Thriller. Dennoch finde ich die Klischeesau, die durch das literarische Dorf getrieben wird, abstoßend und die vom Autor selbst gelebte Schwarze Szene durch verbreitete Vorurteile verraten und falsch dargestellt. Nun macht ja jeder seine eigenen Erfahrungen, klar, aber wer in diese Szene geht, weil es „cool“ ist, weil er sich abheben will von der Masse und deshalb nur noch schwarze Klamotten anzieht – was heute kein Alleinstellungsmerkmal mehr ist – und sich auf den Weltschmerz besinnt, der durch die Emos zu einer lachhaften „Wir machen alles zu einem Problem und lassen das Leben an uns vorbeiziehen“-Nummer ohne Tiefgang verkommen ist, wer also deshalb da rein geht, der findet sich in diesem Buch verstanden und kann sich hervorragend mit Lucy identifizieren.

Das klingt alles ein wenig fies, das ist aber gar nicht mal so gemeint. Dennoch schlagen zwei Leserherzen in meiner Brust. Man muss Steinmetz zugestehen, dass der Thriller gelungen ist und die Spannung gut aufgebaut wird. Durch Szenenwechsel und die Erzählperspektive kann man gut mit dem Leser und seiner Vorstellungskraft spielen. Glaubt man zuerst noch an einen Rausch oder Drogen, wird der Leser bald in ein ganz anderes Szenario geschmissen, das die Erklärung für manche Ereignisse parat hat, ohne jedoch den ganzen Hintergrund sofort aufzudecken. Das bringt Spannung und sorgt dafür, dass man weiterlesen möchte, ja geradezu muss. Nicht nur, weil man natürlich wissen möchte, wie es ausgeht, sondern weil man auch hinter die ganzen Ereignisse dringen und den Grund dafür erfahren möchte. Wer also Lust auf einen düsteren Thriller mit leichten Horrorelementen hat, hat hier ein gutes Buch in der Hand.

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punk, philosophie, marx, freud, legal highs

Crackrauchende Hühner

Leveret Pale
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 29.03.2017
ISBN 9783741281495
Genre: Romane

Rezension:

Nathan ist ein Sonderling, mit dem kaum jemand aus seiner Klasse etwas zu tun hat. Auf einer Klassenfahrt muss Daniel das Zimmer mit ihm teilen und lernt Nathan besser kennen. Dieser entführt ihn in eine Welt voller Kratom, anderen Drogen, Philosophie und Einhörnern…

Crackrauchende Hühner ist bereits ein Titel, der entweder neugierig macht oder abstößt. Bei mir war es ersteres, die Lektüre selbst war irgendwas zwischen einem großen Fragezeichen und Faszination. Die Mischung aus philosophischer Diskussion und krassem Nihilismus erstaunt zuweilen. Man darf schließlich nicht vergessen, dass der Autor Jahrgang 1999 ist und damit kein alter Hase, dem man zwingend ein bisschen Weisheit und Wissen zutraut – oder eine ausgearbeitete philosophische Diskussion. Übrigens ist Hase ein gutes Stichwort, ist der Künstlername an das Weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland angelehnt. Das Buch lässt sich flüssig lesen und macht auch richtig Spaß, wenn man sich auf den Stil einlassen kann. Mit etwas Freude an Philosophie und vielleicht sogar einer eigenen nihilistischen Einstellung, hat man noch mehr Freude an der Geschichte, weil man in die Diskussionen richtig eintauchen kann. Eine gesunde Portion Humor sollte dabei auch nicht fehlen und alles darf man eben auch nicht so ernst nehmen. Der Schluss ist schizophren, wie er ärger nicht sein könnte.

Ein amüsantes und tiefgreifendes Buch, von dem man die Finger lassen muss, wenn man nicht bereit ist, sich auf eine etwas verrückte Geschichte einzulassen. Man kann durch die Lektüre auch seine eigene Sichtweise auf das Leben und die Welt ein bisschen zurechtrücken.

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Das Snuff-Haus: Festa Extrem

Edward Lee
E-Buch Text: 211 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 15.03.2017
ISBN B06XPHHQVL
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vor 30 Jahren spielte sich in dem verlassenen Haus ein grausames Verbrechen ab. Doch Journalist Melvin glaubt nicht an die Gruselgeschichten, die sich seitdem um das Haus ranken und fährt hin, zusammen mit seiner bildhübschen, freizügigen Stiefmutter ...

Vorweg muss man sagen: Wenn man Das Schwein nicht gelesen hat, braucht man den Nachfolger Das Snuff Haus gar nicht erst anzufangen. Es gibt zwar immer wieder kurze Rückblenden und Hinweise, was passiert sein soll, aber so ganz versteht man es halt doch nicht, weil einem einfach die Story fehlt. Wer sich aber an Das Schwein gewagt hat, der findet hierin eine Fortsetzung, die einen noch mal an den Schauplatz führt und neue Schrecken erwachen lässt. Es ist nicht unbedingt alles so, wie es scheint und Melvin, der schüchterne Journalist muss sehr bald hinterfragen, was real ist. Eigentlich kann vieles nicht real sein und doch sieht und erlebt er Dinge, die ihn anekeln und entsetzen - bis er sich fragt, ob er nicht fluchtartig das Haus verlassen sollte.

So ganz mag die Fortsetzung aber dennoch nicht gelingen. Obwohl Lee gekonnt den Ekelfaktor aufrecht erhält und auch ein bisschen Spannung aufbauen kann, fehlt die Seele der Geschichte. An manchen Stellen scheint es, als habe er in Eile ein Buch schreiben wollen und dies dann entsprechend halbherzig auch getan. Die Ausführungen, die Hinterlist fehlen, die man so sehr zu schätzen weiß, wenn man Lee mag. So ist das Fazit auch eindeutig: Nicht der beste Lee und auch nicht der beste Extrem-Band.

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jadefalken, roman, religion, holly loose, liebe

Das weiße Buch des Jadefalken

Holly Loose
Flexibler Einband: 214 Seiten
Erschienen bei Periplaneta, 01.12.2009
ISBN 9783940767097
Genre: Romane

Rezension:

Laura und Cingiz. Eine Liebesgeschichte gegen jede Vernunft, gegen Regeln und Normen - aber mit ganz viel Gefühl und offenen Herzen. Als Laura sich nach dem Krieg auf den Fremden einlässt und mit ihm durchbrennt in ein unbekanntes Land, lernt sie eine fremde Kultur kennen und flüchtet bald darauf wieder aus der Türkei nach Deutschland. Doch der Jadefalke lässt sie nicht los und ihr Herz wird immer ihm gehören ...

Holly Loose ist vor allem bekannt als Sänger der Formation Letzte Instanz. Mit sanfter Stimme schmettert er seine nachdenklichen und aufrüttelnden Texte ins Mikro und steht nach den Konzerten gerne noch bei den Fans. Ich selbst habe ihn als ruhigen, nachdenklichen Menschen mit unglaublicher Ausstrahlung und großem Herz kennen- und vor allem schätzen gelernt. Dass er auch Bücher schreibt, war mir weniger bewusst und als ich vor ein paar Jahren darauf stieß, scheute ich mich, Das weiße Buch des Jadefalken zu lesen. Manche Bücher brauchen Zeit und vor allem den richtigen Zeitpunkt, um gelesen zu werden. Nun habe ich mich an das Buch herangewagt, zu einem Zeitpunkt, als Holly Loose verkündet hatte, nie wieder aus diesem Buch vorzulesen. Das war nach dem berüchtigten Referendum in der Türkei, dessen Ergebnis ihn genauso wie viele andere getroffen hat.

In die Welt von Laura und Cingiz einzutauchen, empfiehlt sich. Man begibt sich mit Laura auf die Reise an der Seite des Fremden, spürt die Angst, die Ungewissheit, die Beklommenheit, ob es wirklich richtig gewesen ist, einfach so von zu Hause weg zu gehen, ohne Abschied, ohne Aussicht auf Rückkehr. Die junge Frau interessiert sich sehr für die Türkei und die dortige Kultur, versteht manches nicht sofort und muss sich umstellen, sich daran gewöhnen, dass es in Deutschland ein wenig liberaler zugeht. Doch glücklich ist sie nicht und schließlich verlässt sie Cingiz - doch ihr Herz bleibt zurück.

Nein, es wird nicht zu viel verraten, denn das Buch ist damit noch lange nicht zu Ende, nicht einmal die Hälfte hat man geschafft, wenn Laura der Türkei den Rücken kehrt. Loose schafft es ohne Umschweife, ohne Forderung und Besserwisserei, ein romantisches, ein stimmiges und liebenswertes Bild zweier Kulturen zu malen. Wortreich, mit viel Gefühl bringt er dem Leser eine Kultur näher, die damals wie heute so viele scheinbare Gegensätze zeigt, so viel Ablehnung und Abneigung hervorgerufen hat. Das weiße Buch des Jadefalken ist eine Liebeserklärung nicht zuletzt an die Liebe, aber vor allem an die Kulturen, an die Unterschiede und vor allem an die Gemeinsamkeiten, die so viele nicht sehen wollen.

Mittendrin gibt es einen Ausflug in die beiden Weltreligionen Christentum und Islam, die prägend für die Kultur von Deutschland und der Türkei gewesen sind. Durch sorgfältig ausgesuchte Suren und Bibelstellen wird deutlich, dass Koran und Bibel nicht weit voneinander entfernt sind, sich nicht gegeneinander ausspielen und vor allem: Dass keines der Bücher, keine der beiden Religionen hasserfüllter ist. Beide sind gleich in ihrem Denken, in ihren Worten und in ihrem Sinn. Dass es Abweichungen gibt, ist bekannt, aber es geht einmal nicht um die Unterschiede, sondern um die Gemeinsamkeiten.

Das weiße Buch des Jadefalken ist eine Liebeserklärung an die Völkerverständigung, den Frieden und die Nächstenliebe. Das Buch ist eine mitreißende, innerlich wärmende Geschichte, die zum Nachdenken anregt - und die man lesen sollte, um zu verstehen und sich dem Fremden hin zu öffnen. Nicht ohne die eigene Meinung, aber ohne unüberwindbare Mauern. Und genau aus diesem Grund, lieber Holly, darfst Du niemals damit aufhören, aus diesem Buch vorzulesen. Die Welt braucht Träumer und Geschichtenerzähler. Die Welt braucht Hoffnung.

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Onkelz - Box

Klaus Farin
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Hirnkost KG, 15.06.2017
ISBN 9783945398364
Genre: Sonstiges

Rezension:

Klaus Farin hat es wieder getan: Ein Buch über die Böhsen Onkelz geschrieben, naja, eigentlich zwei. Man kann sich fragen, ob man noch ein Buch über die Geschichte der Band braucht, noch mal die ersten zehn Jahre in dieser Gründlichkeit durchkauen muss. Farin beschreibt die Anfangsjahre aber noch einmal anders, als er das im Buch der Erinnerungen getan hat. Mittlerweile liegt das Hauptaugenmerk auf der Geschichte drumrum. Politik und Soziologie der 1980er und frühen 1990er Jahre werden verstärkt eingeflochten. Ob es gut tut, die Onkelz als rechts hingestellt zu sehen, ist fraglich. Ob es ganz der Realität entspricht, möchte ich immer noch anzweifeln - oder mittlerweile. Unbestritten ist, dass ein gewisser Ausländerhass vorhanden war, dass man dadurch gleich rechts ist, bedarf einer Diskussion. Mittlerweile ist bekannt, dass sich Stephan Weidner auch ähnlich geäußert hat und selbst mit ihm würde ich eine Diskussion darüber beginnen. Weitergehend wird im zweiten Band ein Soziogramm der Fans erstellt. Es sind sie Arbeiter, die Fans sind, die meist in den 1990er Jahren zur Band kamen, die hinter der Band stehen und doch ihre Kommerzialisierung und Kevin Russell nicht verstehen können. Aber, und das stellt Farin auch fest, die meisten Fans kennen das Debütalbum Der nette Mann gar nicht mehr und wissen auch wenig über die berüchtigten Demotapes. Für mich unverständlich, war ich doch so lange und erbittert auf der Suche nach dem netten Mann auf Vinyl, trauere ich immer noch über die Tatsache, dass die Debütsingle Kill the Hippies nur zweimal gepresst wurde, ein Exemplar ist verschollen, eines in Weidners Besitz. Eine unerreichbare Single, die man selbst als Bootleg nur schwer finden kann. Für mich war eigentlich klar, dass man die Demotapes kennt und auch die Geschichte der Band, die anscheinend gar nicht mehr so wichtig ist. Umso wichtiger ist der Kampf innerhalb der Band in den 2000er Jahren, der große Streit, die Spaltung. Es wird kurz erwähnt, dass der arrogante und egozentrische Stephan Weidner wie so oft alles im Alleingang entschied, dass er sich mit seinen Weggefährten verkrachte, dass er wie immer der einzige Mittelpunkt war. Die Sonne, um die sich alles dreht. Weidner, der sagt und schreibt, dementiert, festlegt, bestimmt - und sich mittlerweile so sehr zurückgezogen hat. Denn der Kontakt mit den Fans ist nicht vorhanden, wie Farin feststellt. Früher gab es sehr private und persönliche Meldungen von Stephan, mittlerweile meldet er sich kaum noch zu Wort, nichts Privates und Persönliches mehr, das den Familiengedanken, an den er sich doch stets so geklammert hatte, aufrecht erhalten würde. Wie Farin richtig feststellt, geht es immer nur um Stephan und Kevin, Gonzo wird wenig und teilweise negativ erwähnt, Pe fällt hinten runter. Was im Fragebogen an die Fans ein wichtiger Bestandteil war, wird im Buch gleichberechtigt mit allen anderen Ergebnissen dargestellt. Die Glaubwürdigkeit der Band, die mittlerweile keine PR mehr braucht, weil die Fans alleine die PR betreiben. Die Glaubwürdigkeit des Sängers, der demütiger sein müsste. Manche erwarten immer noch eine Erklärung, eine Entschuldigung auf der Bühne für den Unfall. Manche kreiden Kevin Russell an, was die BILD Zeitung schreibt, dass es nie eine Entschuldigung an die Opfer gegeben hätte. Es wird eine Kommerzialisierung angeprangert. Die Familiengeschichte zeigt Risse, Brüche.

Trotz allem ist es doch nur eine normale Band-Fan-Beziehung, die das Privatleben der Musiker verdeckt hält und auch die Möglichkeit der Kontaktaufnahme auf das absolute Minimum reduziert hat. Die vier müssen sich sicherlich schützen, es gibt viele Erfahrungen, viele Erlebnisse, es gibt das Alter und die Weisheit, ihre eigenen Familien, die des Schutzes bedürfen. Es gibt Dinge, die weder auf der Bühne noch im offiziellen Onkelz-Rahmen etwas zu suchen haben. Warum erwartet man eine Entschuldigung von Russell auf der Bühne, wo sie nicht hingehört? Warum erwartet man mehr Demut, wenn man Kevin auf der Bühne sieht, wo er agiert, wie er es soll, wo er meist den Mund hält und sich auf das Singen konzentriert, wo er einfach nur seinen verdammten Job macht? Warum wirft man Musikern Kommerz vor, wenn sie ihren Beruf ausüben und davon leben können? Das ist Sinn, Zweck und Ziel des Musikerberufs. Man kann immer kritisieren, verurteilen, schlechtreden - man kann dann aber auch konsequent sein und handeln und die Band exorzieren, wie Weidner einmal verlangte. Denn wenn die Böhsen Onkelz so schlecht, so kommerziell, so untrue geworden sind, warum kaufen die verurteilenden Fans dann noch ihre Platten, besuchen ihre Konzerte und Festivals und treiben sich in den Foren und Gruppen rum?

Klaus Farin hat die Geschichte der Band noch einmal erzählt und sich dabei hauptsächlich auf die ersten zehn Jahre beschränkt, auf die Thematik des Rechts-Seins und des gesungenen Ausländerhasses. Im Anschluss daran, hat er die Fans analysiert. Eine umfassendere Analyse wäre noch interessanter, aber wohl kaum möglich. Es ist ein gelungenes Doppelbuch, das für Fans und Kritiker gleichermaßen lesenswert ist. Hier zeigt sich, da viele Fans zu jung für diese Diskussionen um die Band sind, dass es wichtig ist, immer wieder die Geschichte der Böhsen Onkelz anzusprechen und aufzurollen, denn nur wer seine Geschichte kennt und versteht kann verhindern, dass sie sich wiederholt - und diesem Fall mit Argumenten für Gonzo, Kevin, Pe und Stephan und gegen Rechts sprechen.

Kleines Augenzwinkern zum Schluss: Auf Seite 44 stellt Farin fest, aus welchem Bundesland die Onkelzfans kommen. Dort zeigt sich der Wahlberliner überraschend mitfühlend mit den Bayern, indem er angibt "Bayern (inkl. Franken)". Man soll - als Bayer - dem lieben Gott ja für alles danken - auch für Franken. ;)

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krimi, düsseldorf, mord, polizei, thriller

Der Seele weißes Blut

Sabine Klewe
Flexibler Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.04.2012
ISBN 9783442474134
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Frau wird gesteinigt in einem Waldstück gefunden. Hauptkommissarin Lydia Louis soll den Fall bearbeiten und bekommt prompt einen Partner, Chris Salomon, an die Seite gesetzt, den sie weder braucht noch leiden kann. Als wenige Tage später ein zweiter Mord passiert, wird die Mordkommission immerhin personell aufgestockt, aber ein notgeiler Kollege und ein Frischling sind nicht gerade das, was man einen Hauptgewinn nennt. Es gibt keine Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen und die Uhr tickt.

Lydia Louis ist eine der unsympathischsten und überflüssigsten Protagonisten, die ich kennenlernen musste. Man kann seine Figuren ja mit Eigenheiten zeichnen, manches überspitzt darstellen, das gehört dazu. Aber eine unter permanentem PMS leidende, launische, zickige und vor allem erfolglose Möchtegernkommissarin ist irgendwo zu viel des Guten. Die Stimmungsschwankungen kann man überhaupt nicht nachvollziehen, sonst wäre es vielleicht noch ein Stück erträglicher. Louis keift, schnauzt rum, motzt gegen alles, hat was gegen ihren neuen Partner – eine Abneigung, die in jedem zweiten Krimi vorkommt und mittlerweile zum Kotzen langweilig ist, weil es so trivial ist. Außerdem weiß man nicht, warum sie etwas gegen den unbekannten Kommissar hat. Es gibt ein Versprechen, dass ihr irgendein Kollege warum auch immer gegeben hat, aber darauf wird nicht näher eingegangen. Man weiß nicht, warum Louis eine Therapie macht, warum sie sich durch die Betten hurt, warum sie ihren Kollegen nichts vom zweifachen Einbruch in ihre Wohnung erzählt – da es sich deutlich um den Täter des aktuelles Falls handelt, eine absolut hirnrissige Aktion, die wohl nur eingeflochten wurde, damit der Krimi aufgeht. Tut er nicht. Das Ende ist hingerotzt, vermutlich weil man zuvor schon so genervt ist, dass man sich das Ende geradezu herbeisehnt. Leider ein Happy End im Übrigen, denn nach der Nummer wünscht man sich geradezu, dass entweder Louis stirbt, oder sie so richtig eine vor den Latz geknallt bekommt.

Es fehlt an so vielem in diesem Buch. An sich eine gute Idee, ein gelungener Aufbau der Geschichte und ein Anstieg der Spannung. Die Verwicklungen, die nicht fehlen dürfen. Das passt alles. Wäre da nicht Louis, wären da nicht inhaltliche Schwächen und nicht nachvollziehbare Handlungen, die einem das Lesevergnügen gründlich verderben. Die Handelnden haben alle etwas Triviales an sich, ein bisschen so, als hätte man einen Pool an möglichen Eigenschaften, aus dem alle Krimiautoren schöpfen – und Klewe hat jedes dämliche Klischee verbraten.

Spannung kommt zwar auf, kann aber nicht über die Schwächen hinwegtrösten. Wenn man keine hohen Ansprüche an einen Krimi hat, ist es ein gutes Buch. Im Übrigen eine Reihe, auf die ich aber wegen der Protagonistin und der zu stümperhaften Andeutungen keine Lust habe.

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mord, essen, kirmes, true-crime, jungs

Der Kirmesmörder - Jürgen Bartsch

Regina Schleheck
Flexibler Einband: 244 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 03.08.2016
ISBN 9783839219393
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Nachkriegsdeutschland verschwinden immer wieder Kinder von Kirmesplätzen. Während das Land versucht, wieder auf die Beine zu kommen, hat Jürgen Bartsch, Adoptivsohn aus reichem Hause, andere Dinge im Kopf, als die Arbeit oder gar die Übernahme der väterlichen Metzgerei. Er fällt immer wieder negativ auf – und wird schließlich als Entführer und Mörder entlarvt.

Regina Schleheck hat sich mit der Geschichte von Jürgen Bartsch beschäftigt. Diese bereitet sie ganz geschickt auf, so dass alles andere als eine trockene Abhandlung der Ereignisse entstanden ist. Sie erzählt, wie der kleine Jürgen von seiner Mutter im Krankenhaus zurückgelassen wurde, der Vater ist unbekannt, das Kind fasziniert die Schwestern, die es sofort ins Herz geschlossen haben. Auch die kinderlose Metzgersgattin ist ganz vernarrt in den Buben und adoptiert ihn schließlich. Aus der Sicht einer Schwesternschülerin, die später in das Haus der Bartschs kommt, um sich um den Jungen zu kümmern – was die neue Mutter zu verhindern weiß -, aus Sicht von Schulkameraden, den Opfern und sogar eines Geistlichen wird der Fall geschildert. Dadurch bekommt man verschiedene Perspektiven geboten, die die Spannung steigern und einen umfassenden Einblick in das Leben Jürgens geben. Man erlebt ihn von außen, wie er auf andere wirkt, wie die Menschen auf ihn reagieren, auch diejenigen, die ihn gar nicht kennen und nur von den schrecklichen Verbrechen aus der Zeitung etwas wissen.

Man schwankt ein bisschen zwischen Mitgefühl und Abneigung, zumindest in den ersten Lebensjahren des Kindes, das sozial abgeschottet wurde. Die Gründe hierfür sind wenig bekannt, weshalb man nur spekulieren kann. Aber ein Weg ist vorgezeichnet. Dass Bartsch später Probleme haben wird, Anschluss und Freunde oder sogar eine Frau zu finden, ist wenig verwunderlich, darf er doch in seiner Kindheit keinen Kontakt zu Gleichaltrigen haben und auch nur ganz spärlich zu Fremden. Der Fall Jürgen Bartsch – und das wird während der Lektüre deutlich – hat Deutschland in mehrerlei Hinsicht geprägt. Die Rechtssprechung wurde natürlich tangiert, aber auch die Psychologie. Man interessierte sich plötzlich viel stärker für die Vergangenheit und das Seelenleben der Täter, man wollte wissen, warum Menschen zu Untaten fähig sind. Sogar Therapien sind daraus erarbeitet worden.

Der Kirmesmörder Jürgen Bartsch ist ein mitreißendes und zugleich schockierendes Buch. Wenn man sich immer wieder bewusst macht, dass es sich hierbei um einen wahren Fall handelt und nicht um reine Fiktion, wird das Grauen auf eine andere Ebene gehoben. Man kann nicht mehr einfach abschalten und das Buch weglegen, wenn es zu viel wird. Eine gelungene Aufarbeitung eines erschütternden Falls.

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western, horror, lovecraft, fred ink, grusel

Der Untergang von Godly Gulch: Eine Horrornovelle auf H. P. Lovecrafts Spuren

Fred Ink
Flexibler Einband: 142 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 29.04.2017
ISBN 9781544809519
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ben lebt am Rande der Westernstadt Godly Gulch, die seit vielen Jahren in Dürre und Elend ausharrt. Niemand darf den Ort verlassen, weil er dann den Zorn Gottes auf sich zieht – und das bedeutet den sicheren Tod. Als der Hunger und vor allem die Wasserknappheit zu groß werden, taucht ein Fremder auf und verspricht, die Stadt von Gott zu befreien …

Fred Ink ist bekannt für seine Horrornovellen, die an den großen H. P. Lovecraft angelehnt sind. Dabei hat er ein gutes Händchen dafür, die gleiche bedrohliche Stimmung aufkommen zu lassen. Immer wieder schwebt etwas über seinen Geschichten, das man nicht richtig greifen kann, aber jede Menge Spannung aufbaut. Wer Lovecraft gut kennt, sieht deutliche Anlehnungen an den großen Meister des Horrors und den Aufbau der Geschichten. Das schadet aber gar nicht. Das mulmige Gefühl, das Düstere und teilweise geradezu Hoffnungslose in den Novellen, lässt einen nicht mehr los. Natürlich sehnt man sich immer nach der Auflösung und einem Happy End – ob es dazu kommt, sei nicht verraten.

Der Untergang von Godly Gulch ist dabei eine Art Parabel, die zeigt, dass Macht und Ohnmacht immer einander bedingen. Es muss in der größten Not und Drangsal nur jemand auftauchen, der Besseres verspricht. Ben, der mit seiner Mutter auf einer Farm lebt und nichts von der Welt kennt, außer das kleine Godly Gulch und die ständige Bedrohung, folgt natürlich gerne. Erst am Ende erkennt er etwas Wichtiges:

„Wann immer Sie einem Menschen begegnen, der behauptet, er habe die Lösung für all Ihre Probleme; einem Menschen, der verkündet, er allein wäre in der Lage, die Dinge zum Besseren zu wenden und der es dabei nicht scheut, andere gegeneinander aufzuhetzen und zur Gewalt aufzurufen, so leisten Sie Widerstand!“

Es ist ein Statement, ein Fazit für Ben, aber gleichzeitig ein Fazit für die Gesellschaft und aktuelle Politik. Eine allgemein gültige Warnung. Im Grunde hat der Autor in den Untergang des kleinen Städtchens den Untergang großer Reiche gepackt und damit einen Blick auf die Weltgeschichte und die Anführer und Machthaber geworfen. In einfachen Worten und in einer packenden Novelle beschreibt Ink, wie man von einem Unterdrücker zum nächsten gereicht wird, weil man sich auflehnt – aber im falschen Maße. Hierin steckt mehr als nur ein kurzer Zeitvertreib, in dieser Novelle stecken Tiefe und ein wichtiger Aufruf.

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Kühe

Matthew Stokoe
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783865525284
Genre: Romane

Rezension:

Der sozial total abgeschottete Steven lebt mit seiner Mutter in einer engen, dreckigen Wohnung und wird von ihr drangsaliert. Er findet einen Job in einer Fleischfabrik und lernt dort viel über sich, Rollenverteilung, das Leben sowie das Führen und Folgen …

Kühe gilt als der extremste Roman, der je geschrieben wurde. Das würde ich nicht unterschreiben. Er hat seine ekligen Sequenzen, macht vor Sodomie nicht Halt und hat eine unterschwellige Ideologie bezüglich des Machtstrebens, aber extrem? Da sind die wahren Freunde des Extreme-Genres wahrlich anderes gewöhnt.

Worum geht es denn in Kühe? Eigentlich um Macht und Ohnmacht, ums Führen und Folgen, um die Anführer und Herdentiere, die Auflehnung gegen die Obrigkeiten. Man kann drei Gruppen herausfiltern, in denen sich das gleiche Machtspiel zuträgt: Die Wohnung von Steven, die er erst mit seiner Mutter – dem Muttertier – und dann mit seiner Freundin Lucy bewohnt. Die Fleischfabrik, in der er am Fleischwolf steht und vom Vorarbeiter Cripper in das Geheimnis von Tötung, Macht und Sodomie eingeführt wird. Die Welt unter der Stadt, in der eine Kuhherde lebt und auf Rache sinnt. In allen drei Bereichen versucht Steven seinen Platz zu finden und eine Machtposition einzunehmen. Es wird bald deutlich, wo Hemmschwellen überschritten werden, wie stark sich der Protagonist verändert – und doch bleibt er immer der gleiche, ohnmächtige junge Mann, der auf Dauer einfach kein Anführer sein kann. Er wird animalisch, muss immer innerhalb der Gruppen um seine Position kämpfen und auch leidvoll erfahren, dass man nicht alles beherrschen kann. Man kann ganz gut erkennen, dass Steven, wenn er irgendwo verliert oder versagt, in eine andere Gruppe geht, seine Enttäuschung und Wut mitnimmt, und sie in der anderen Gruppe als Macht versucht einzusetzen.

Die Sprache ist sehr einfach, man kann das Buch wörtlich nehmen oder einen Sinn daraus lesen, was Stokoe wirklich damit ausdrücken wollte, bleibt nebulös. Daher hält sich die Begeisterung auch in Grenzen. Geht es nur um das Extreme, ist das Buch schlichtweg eine Enttäuschung, weil es zu flach ist. Geht es ums Herrschen und eine etwaige Tiefe, muss man der Geschichte schon weit bessere Noten geben. Kühe wird keine Empfehlung, aber werft einen Blick auf die Leseprobe beim Festa Verlag und entscheidet, ob ihr mehr wollt oder eher nicht.

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thriller, horror, sex, bryan smith, mord

Todesgeil

Bryan Smith , Alexander Amberg
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 01.06.2012
ISBN 9783865521347
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Rob möchte eigentlich nur tanken und sein Leben weiterleben, doch dann wird ihm eine Waffe an den Kopf gehalten und er soll einem anderen Auto folgen. Dabei lernt er seine Entführerin kennen und wird immer stärker von ihr angezogen – schließlich gefällt ihm ihre knallharte, tödliche Lebensweise und er schließt sich ihr gerne an…

Bryan Smith, oder vielleicht sollte man besser sagen, dass es hier der Festa Verlag ist, schafft es immer wieder, spannende und mitreißende Klappentexte abzudrucken, die einen geradezu zwingen, das Buch zu kaufen. Leider kann er aber gar nicht halten, was er verspricht. Dabei muss ich gestehen, dass Smith mich persönlich gar nicht anspricht, wohl aber seine verdiente Fangemeinde hat und ein guter Horrorautor ist. Für mich nur nicht. Das dritte Smith-Buch, das ich abgebrochen habe, ist Todesgeil – und es wird mein letztes sein.

Was macht er denn, dass ich damit nicht klar komme? In meinen Augen gelingt es Smith nicht, stringent Spannung aufzubauen. Er hat mehrere Schauplätze und Protagonisten, die im Laufe der Geschichte alle eine Verbindung miteinander haben – das ist gut, nicht neu und gefällt mir normalerweise auch. Problematisch ist nur, dass Smith eine sehr langweilige Erzählart präsentiert, die nicht mitreißt und Höhepunkte komplett auslässt. Man erfährt zu wenig, es wird nicht spannend, es fehlt das Highlight des Kapitels, der Cliffhanger, der die Ausblendung und den Wechsel der Handelnden im folgenden Kapitel zu einer nervenaufreibenden Unterbrechung werden lässt. Stattdessen plätschert alles so trivial dahin und wird plötzlich mit Aktionen gespickt, die keine Grundlage haben, keine Begründung, keine Berechtigung. Warum werden plötzlich andere erschossen? Natürlich ist es eine Machtdemonstration, die zeigen soll, zu was die Protagonistin fähig ist. So weit, so unlogisch, denn die Tat an sich geschieht unmotiviert. Hier hätte es mehr Spannung, mehr Erklärung, mehr Verrücktheit und Psychopathie gebraucht – doch es kommt nichts.

Bryan Smith ist sicherlich kein schlechter Autor, nur für mich ist er unfertig, langweilig, lustlos. Dennoch spreche ich die Empfehlung für alle Liebhaber von krasseren Thrillern mit Horrorelementen aus, Smith eine Chance zu geben.

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