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Das Snuff-Haus: Festa Extrem

Edward Lee
E-Buch Text: 211 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 15.03.2017
ISBN B06XPHHQVL
Genre: Sonstiges

Rezension:

Vor 30 Jahren spielte sich in dem verlassenen Haus ein grausames Verbrechen ab. Doch Journalist Melvin glaubt nicht an die Gruselgeschichten, die sich seitdem um das Haus ranken und fährt hin, zusammen mit seiner bildhübschen, freizügigen Stiefmutter ...

Vorweg muss man sagen: Wenn man Das Schwein nicht gelesen hat, braucht man den Nachfolger Das Snuff Haus gar nicht erst anzufangen. Es gibt zwar immer wieder kurze Rückblenden und Hinweise, was passiert sein soll, aber so ganz versteht man es halt doch nicht, weil einem einfach die Story fehlt. Wer sich aber an Das Schwein gewagt hat, der findet hierin eine Fortsetzung, die einen noch mal an den Schauplatz führt und neue Schrecken erwachen lässt. Es ist nicht unbedingt alles so, wie es scheint und Melvin, der schüchterne Journalist muss sehr bald hinterfragen, was real ist. Eigentlich kann vieles nicht real sein und doch sieht und erlebt er Dinge, die ihn anekeln und entsetzen - bis er sich fragt, ob er nicht fluchtartig das Haus verlassen sollte.

So ganz mag die Fortsetzung aber dennoch nicht gelingen. Obwohl Lee gekonnt den Ekelfaktor aufrecht erhält und auch ein bisschen Spannung aufbauen kann, fehlt die Seele der Geschichte. An manchen Stellen scheint es, als habe er in Eile ein Buch schreiben wollen und dies dann entsprechend halbherzig auch getan. Die Ausführungen, die Hinterlist fehlen, die man so sehr zu schätzen weiß, wenn man Lee mag. So ist das Fazit auch eindeutig: Nicht der beste Lee und auch nicht der beste Extrem-Band.

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jadefalken, roman, religion, holly loose, liebe

Das weiße Buch des Jadefalken

Holly Loose
Flexibler Einband: 214 Seiten
Erschienen bei Periplaneta, 01.12.2009
ISBN 9783940767097
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Laura und Cingiz. Eine Liebesgeschichte gegen jede Vernunft, gegen Regeln und Normen - aber mit ganz viel Gefühl und offenen Herzen. Als Laura sich nach dem Krieg auf den Fremden einlässt und mit ihm durchbrennt in ein unbekanntes Land, lernt sie eine fremde Kultur kennen und flüchtet bald darauf wieder aus der Türkei nach Deutschland. Doch der Jadefalke lässt sie nicht los und ihr Herz wird immer ihm gehören ...

Holly Loose ist vor allem bekannt als Sänger der Formation Letzte Instanz. Mit sanfter Stimme schmettert er seine nachdenklichen und aufrüttelnden Texte ins Mikro und steht nach den Konzerten gerne noch bei den Fans. Ich selbst habe ihn als ruhigen, nachdenklichen Menschen mit unglaublicher Ausstrahlung und großem Herz kennen- und vor allem schätzen gelernt. Dass er auch Bücher schreibt, war mir weniger bewusst und als ich vor ein paar Jahren darauf stieß, scheute ich mich, Das weiße Buch des Jadefalken zu lesen. Manche Bücher brauchen Zeit und vor allem den richtigen Zeitpunkt, um gelesen zu werden. Nun habe ich mich an das Buch herangewagt, zu einem Zeitpunkt, als Holly Loose verkündet hatte, nie wieder aus diesem Buch vorzulesen. Das war nach dem berüchtigten Referendum in der Türkei, dessen Ergebnis ihn genauso wie viele andere getroffen hat.

In die Welt von Laura und Cingiz einzutauchen, empfiehlt sich. Man begibt sich mit Laura auf die Reise an der Seite des Fremden, spürt die Angst, die Ungewissheit, die Beklommenheit, ob es wirklich richtig gewesen ist, einfach so von zu Hause weg zu gehen, ohne Abschied, ohne Aussicht auf Rückkehr. Die junge Frau interessiert sich sehr für die Türkei und die dortige Kultur, versteht manches nicht sofort und muss sich umstellen, sich daran gewöhnen, dass es in Deutschland ein wenig liberaler zugeht. Doch glücklich ist sie nicht und schließlich verlässt sie Cingiz - doch ihr Herz bleibt zurück.

Nein, es wird nicht zu viel verraten, denn das Buch ist damit noch lange nicht zu Ende, nicht einmal die Hälfte hat man geschafft, wenn Laura der Türkei den Rücken kehrt. Loose schafft es ohne Umschweife, ohne Forderung und Besserwisserei, ein romantisches, ein stimmiges und liebenswertes Bild zweier Kulturen zu malen. Wortreich, mit viel Gefühl bringt er dem Leser eine Kultur näher, die damals wie heute so viele scheinbare Gegensätze zeigt, so viel Ablehnung und Abneigung hervorgerufen hat. Das weiße Buch des Jadefalken ist eine Liebeserklärung nicht zuletzt an die Liebe, aber vor allem an die Kulturen, an die Unterschiede und vor allem an die Gemeinsamkeiten, die so viele nicht sehen wollen.

Mittendrin gibt es einen Ausflug in die beiden Weltreligionen Christentum und Islam, die prägend für die Kultur von Deutschland und der Türkei gewesen sind. Durch sorgfältig ausgesuchte Suren und Bibelstellen wird deutlich, dass Koran und Bibel nicht weit voneinander entfernt sind, sich nicht gegeneinander ausspielen und vor allem: Dass keines der Bücher, keine der beiden Religionen hasserfüllter ist. Beide sind gleich in ihrem Denken, in ihren Worten und in ihrem Sinn. Dass es Abweichungen gibt, ist bekannt, aber es geht einmal nicht um die Unterschiede, sondern um die Gemeinsamkeiten.

Das weiße Buch des Jadefalken ist eine Liebeserklärung an die Völkerverständigung, den Frieden und die Nächstenliebe. Das Buch ist eine mitreißende, innerlich wärmende Geschichte, die zum Nachdenken anregt - und die man lesen sollte, um zu verstehen und sich dem Fremden hin zu öffnen. Nicht ohne die eigene Meinung, aber ohne unüberwindbare Mauern. Und genau aus diesem Grund, lieber Holly, darfst Du niemals damit aufhören, aus diesem Buch vorzulesen. Die Welt braucht Träumer und Geschichtenerzähler. Die Welt braucht Hoffnung.

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Onkelz - Box

Klaus Farin
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Hirnkost KG, 15.06.2017
ISBN 9783945398364
Genre: Sonstiges

Rezension:

Klaus Farin hat es wieder getan: Ein Buch über die Böhsen Onkelz geschrieben, naja, eigentlich zwei. Man kann sich fragen, ob man noch ein Buch über die Geschichte der Band braucht, noch mal die ersten zehn Jahre in dieser Gründlichkeit durchkauen muss. Farin beschreibt die Anfangsjahre aber noch einmal anders, als er das im Buch der Erinnerungen getan hat. Mittlerweile liegt das Hauptaugenmerk auf der Geschichte drumrum. Politik und Soziologie der 1980er und frühen 1990er Jahre werden verstärkt eingeflochten. Ob es gut tut, die Onkelz als rechts hingestellt zu sehen, ist fraglich. Ob es ganz der Realität entspricht, möchte ich immer noch anzweifeln - oder mittlerweile. Unbestritten ist, dass ein gewisser Ausländerhass vorhanden war, dass man dadurch gleich rechts ist, bedarf einer Diskussion. Mittlerweile ist bekannt, dass sich Stephan Weidner auch ähnlich geäußert hat und selbst mit ihm würde ich eine Diskussion darüber beginnen. Weitergehend wird im zweiten Band ein Soziogramm der Fans erstellt. Es sind sie Arbeiter, die Fans sind, die meist in den 1990er Jahren zur Band kamen, die hinter der Band stehen und doch ihre Kommerzialisierung und Kevin Russell nicht verstehen können. Aber, und das stellt Farin auch fest, die meisten Fans kennen das Debütalbum Der nette Mann gar nicht mehr und wissen auch wenig über die berüchtigten Demotapes. Für mich unverständlich, war ich doch so lange und erbittert auf der Suche nach dem netten Mann auf Vinyl, trauere ich immer noch über die Tatsache, dass die Debütsingle Kill the Hippies nur zweimal gepresst wurde, ein Exemplar ist verschollen, eines in Weidners Besitz. Eine unerreichbare Single, die man selbst als Bootleg nur schwer finden kann. Für mich war eigentlich klar, dass man die Demotapes kennt und auch die Geschichte der Band, die anscheinend gar nicht mehr so wichtig ist. Umso wichtiger ist der Kampf innerhalb der Band in den 2000er Jahren, der große Streit, die Spaltung. Es wird kurz erwähnt, dass der arrogante und egozentrische Stephan Weidner wie so oft alles im Alleingang entschied, dass er sich mit seinen Weggefährten verkrachte, dass er wie immer der einzige Mittelpunkt war. Die Sonne, um die sich alles dreht. Weidner, der sagt und schreibt, dementiert, festlegt, bestimmt - und sich mittlerweile so sehr zurückgezogen hat. Denn der Kontakt mit den Fans ist nicht vorhanden, wie Farin feststellt. Früher gab es sehr private und persönliche Meldungen von Stephan, mittlerweile meldet er sich kaum noch zu Wort, nichts Privates und Persönliches mehr, das den Familiengedanken, an den er sich doch stets so geklammert hatte, aufrecht erhalten würde. Wie Farin richtig feststellt, geht es immer nur um Stephan und Kevin, Gonzo wird wenig und teilweise negativ erwähnt, Pe fällt hinten runter. Was im Fragebogen an die Fans ein wichtiger Bestandteil war, wird im Buch gleichberechtigt mit allen anderen Ergebnissen dargestellt. Die Glaubwürdigkeit der Band, die mittlerweile keine PR mehr braucht, weil die Fans alleine die PR betreiben. Die Glaubwürdigkeit des Sängers, der demütiger sein müsste. Manche erwarten immer noch eine Erklärung, eine Entschuldigung auf der Bühne für den Unfall. Manche kreiden Kevin Russell an, was die BILD Zeitung schreibt, dass es nie eine Entschuldigung an die Opfer gegeben hätte. Es wird eine Kommerzialisierung angeprangert. Die Familiengeschichte zeigt Risse, Brüche.

Trotz allem ist es doch nur eine normale Band-Fan-Beziehung, die das Privatleben der Musiker verdeckt hält und auch die Möglichkeit der Kontaktaufnahme auf das absolute Minimum reduziert hat. Die vier müssen sich sicherlich schützen, es gibt viele Erfahrungen, viele Erlebnisse, es gibt das Alter und die Weisheit, ihre eigenen Familien, die des Schutzes bedürfen. Es gibt Dinge, die weder auf der Bühne noch im offiziellen Onkelz-Rahmen etwas zu suchen haben. Warum erwartet man eine Entschuldigung von Russell auf der Bühne, wo sie nicht hingehört? Warum erwartet man mehr Demut, wenn man Kevin auf der Bühne sieht, wo er agiert, wie er es soll, wo er meist den Mund hält und sich auf das Singen konzentriert, wo er einfach nur seinen verdammten Job macht? Warum wirft man Musikern Kommerz vor, wenn sie ihren Beruf ausüben und davon leben können? Das ist Sinn, Zweck und Ziel des Musikerberufs. Man kann immer kritisieren, verurteilen, schlechtreden - man kann dann aber auch konsequent sein und handeln und die Band exorzieren, wie Weidner einmal verlangte. Denn wenn die Böhsen Onkelz so schlecht, so kommerziell, so untrue geworden sind, warum kaufen die verurteilenden Fans dann noch ihre Platten, besuchen ihre Konzerte und Festivals und treiben sich in den Foren und Gruppen rum?

Klaus Farin hat die Geschichte der Band noch einmal erzählt und sich dabei hauptsächlich auf die ersten zehn Jahre beschränkt, auf die Thematik des Rechts-Seins und des gesungenen Ausländerhasses. Im Anschluss daran, hat er die Fans analysiert. Eine umfassendere Analyse wäre noch interessanter, aber wohl kaum möglich. Es ist ein gelungenes Doppelbuch, das für Fans und Kritiker gleichermaßen lesenswert ist. Hier zeigt sich, da viele Fans zu jung für diese Diskussionen um die Band sind, dass es wichtig ist, immer wieder die Geschichte der Böhsen Onkelz anzusprechen und aufzurollen, denn nur wer seine Geschichte kennt und versteht kann verhindern, dass sie sich wiederholt - und diesem Fall mit Argumenten für Gonzo, Kevin, Pe und Stephan und gegen Rechts sprechen.

Kleines Augenzwinkern zum Schluss: Auf Seite 44 stellt Farin fest, aus welchem Bundesland die Onkelzfans kommen. Dort zeigt sich der Wahlberliner überraschend mitfühlend mit den Bayern, indem er angibt "Bayern (inkl. Franken)". Man soll - als Bayer - dem lieben Gott ja für alles danken - auch für Franken. ;)

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krimi, düsseldorf, mord, polizei, thriller

Der Seele weißes Blut

Sabine Klewe
Flexibler Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.04.2012
ISBN 9783442474134
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Frau wird gesteinigt in einem Waldstück gefunden. Hauptkommissarin Lydia Louis soll den Fall bearbeiten und bekommt prompt einen Partner, Chris Salomon, an die Seite gesetzt, den sie weder braucht noch leiden kann. Als wenige Tage später ein zweiter Mord passiert, wird die Mordkommission immerhin personell aufgestockt, aber ein notgeiler Kollege und ein Frischling sind nicht gerade das, was man einen Hauptgewinn nennt. Es gibt keine Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen und die Uhr tickt.

Lydia Louis ist eine der unsympathischsten und überflüssigsten Protagonisten, die ich kennenlernen musste. Man kann seine Figuren ja mit Eigenheiten zeichnen, manches überspitzt darstellen, das gehört dazu. Aber eine unter permanentem PMS leidende, launische, zickige und vor allem erfolglose Möchtegernkommissarin ist irgendwo zu viel des Guten. Die Stimmungsschwankungen kann man überhaupt nicht nachvollziehen, sonst wäre es vielleicht noch ein Stück erträglicher. Louis keift, schnauzt rum, motzt gegen alles, hat was gegen ihren neuen Partner – eine Abneigung, die in jedem zweiten Krimi vorkommt und mittlerweile zum Kotzen langweilig ist, weil es so trivial ist. Außerdem weiß man nicht, warum sie etwas gegen den unbekannten Kommissar hat. Es gibt ein Versprechen, dass ihr irgendein Kollege warum auch immer gegeben hat, aber darauf wird nicht näher eingegangen. Man weiß nicht, warum Louis eine Therapie macht, warum sie sich durch die Betten hurt, warum sie ihren Kollegen nichts vom zweifachen Einbruch in ihre Wohnung erzählt – da es sich deutlich um den Täter des aktuelles Falls handelt, eine absolut hirnrissige Aktion, die wohl nur eingeflochten wurde, damit der Krimi aufgeht. Tut er nicht. Das Ende ist hingerotzt, vermutlich weil man zuvor schon so genervt ist, dass man sich das Ende geradezu herbeisehnt. Leider ein Happy End im Übrigen, denn nach der Nummer wünscht man sich geradezu, dass entweder Louis stirbt, oder sie so richtig eine vor den Latz geknallt bekommt.

Es fehlt an so vielem in diesem Buch. An sich eine gute Idee, ein gelungener Aufbau der Geschichte und ein Anstieg der Spannung. Die Verwicklungen, die nicht fehlen dürfen. Das passt alles. Wäre da nicht Louis, wären da nicht inhaltliche Schwächen und nicht nachvollziehbare Handlungen, die einem das Lesevergnügen gründlich verderben. Die Handelnden haben alle etwas Triviales an sich, ein bisschen so, als hätte man einen Pool an möglichen Eigenschaften, aus dem alle Krimiautoren schöpfen – und Klewe hat jedes dämliche Klischee verbraten.

Spannung kommt zwar auf, kann aber nicht über die Schwächen hinwegtrösten. Wenn man keine hohen Ansprüche an einen Krimi hat, ist es ein gutes Buch. Im Übrigen eine Reihe, auf die ich aber wegen der Protagonistin und der zu stümperhaften Andeutungen keine Lust habe.

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mord, essen, kirmes, true-crime, jungs

Der Kirmesmörder - Jürgen Bartsch

Regina Schleheck
Flexibler Einband: 244 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 03.08.2016
ISBN 9783839219393
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Nachkriegsdeutschland verschwinden immer wieder Kinder von Kirmesplätzen. Während das Land versucht, wieder auf die Beine zu kommen, hat Jürgen Bartsch, Adoptivsohn aus reichem Hause, andere Dinge im Kopf, als die Arbeit oder gar die Übernahme der väterlichen Metzgerei. Er fällt immer wieder negativ auf – und wird schließlich als Entführer und Mörder entlarvt.

Regina Schleheck hat sich mit der Geschichte von Jürgen Bartsch beschäftigt. Diese bereitet sie ganz geschickt auf, so dass alles andere als eine trockene Abhandlung der Ereignisse entstanden ist. Sie erzählt, wie der kleine Jürgen von seiner Mutter im Krankenhaus zurückgelassen wurde, der Vater ist unbekannt, das Kind fasziniert die Schwestern, die es sofort ins Herz geschlossen haben. Auch die kinderlose Metzgersgattin ist ganz vernarrt in den Buben und adoptiert ihn schließlich. Aus der Sicht einer Schwesternschülerin, die später in das Haus der Bartschs kommt, um sich um den Jungen zu kümmern – was die neue Mutter zu verhindern weiß -, aus Sicht von Schulkameraden, den Opfern und sogar eines Geistlichen wird der Fall geschildert. Dadurch bekommt man verschiedene Perspektiven geboten, die die Spannung steigern und einen umfassenden Einblick in das Leben Jürgens geben. Man erlebt ihn von außen, wie er auf andere wirkt, wie die Menschen auf ihn reagieren, auch diejenigen, die ihn gar nicht kennen und nur von den schrecklichen Verbrechen aus der Zeitung etwas wissen.

Man schwankt ein bisschen zwischen Mitgefühl und Abneigung, zumindest in den ersten Lebensjahren des Kindes, das sozial abgeschottet wurde. Die Gründe hierfür sind wenig bekannt, weshalb man nur spekulieren kann. Aber ein Weg ist vorgezeichnet. Dass Bartsch später Probleme haben wird, Anschluss und Freunde oder sogar eine Frau zu finden, ist wenig verwunderlich, darf er doch in seiner Kindheit keinen Kontakt zu Gleichaltrigen haben und auch nur ganz spärlich zu Fremden. Der Fall Jürgen Bartsch – und das wird während der Lektüre deutlich – hat Deutschland in mehrerlei Hinsicht geprägt. Die Rechtssprechung wurde natürlich tangiert, aber auch die Psychologie. Man interessierte sich plötzlich viel stärker für die Vergangenheit und das Seelenleben der Täter, man wollte wissen, warum Menschen zu Untaten fähig sind. Sogar Therapien sind daraus erarbeitet worden.

Der Kirmesmörder Jürgen Bartsch ist ein mitreißendes und zugleich schockierendes Buch. Wenn man sich immer wieder bewusst macht, dass es sich hierbei um einen wahren Fall handelt und nicht um reine Fiktion, wird das Grauen auf eine andere Ebene gehoben. Man kann nicht mehr einfach abschalten und das Buch weglegen, wenn es zu viel wird. Eine gelungene Aufarbeitung eines erschütternden Falls.

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western, horror, lovecraft, fred ink, grusel

Der Untergang von Godly Gulch: Eine Horrornovelle auf H. P. Lovecrafts Spuren

Fred Ink
Flexibler Einband: 142 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 29.04.2017
ISBN 9781544809519
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ben lebt am Rande der Westernstadt Godly Gulch, die seit vielen Jahren in Dürre und Elend ausharrt. Niemand darf den Ort verlassen, weil er dann den Zorn Gottes auf sich zieht – und das bedeutet den sicheren Tod. Als der Hunger und vor allem die Wasserknappheit zu groß werden, taucht ein Fremder auf und verspricht, die Stadt von Gott zu befreien …

Fred Ink ist bekannt für seine Horrornovellen, die an den großen H. P. Lovecraft angelehnt sind. Dabei hat er ein gutes Händchen dafür, die gleiche bedrohliche Stimmung aufkommen zu lassen. Immer wieder schwebt etwas über seinen Geschichten, das man nicht richtig greifen kann, aber jede Menge Spannung aufbaut. Wer Lovecraft gut kennt, sieht deutliche Anlehnungen an den großen Meister des Horrors und den Aufbau der Geschichten. Das schadet aber gar nicht. Das mulmige Gefühl, das Düstere und teilweise geradezu Hoffnungslose in den Novellen, lässt einen nicht mehr los. Natürlich sehnt man sich immer nach der Auflösung und einem Happy End – ob es dazu kommt, sei nicht verraten.

Der Untergang von Godly Gulch ist dabei eine Art Parabel, die zeigt, dass Macht und Ohnmacht immer einander bedingen. Es muss in der größten Not und Drangsal nur jemand auftauchen, der Besseres verspricht. Ben, der mit seiner Mutter auf einer Farm lebt und nichts von der Welt kennt, außer das kleine Godly Gulch und die ständige Bedrohung, folgt natürlich gerne. Erst am Ende erkennt er etwas Wichtiges:

„Wann immer Sie einem Menschen begegnen, der behauptet, er habe die Lösung für all Ihre Probleme; einem Menschen, der verkündet, er allein wäre in der Lage, die Dinge zum Besseren zu wenden und der es dabei nicht scheut, andere gegeneinander aufzuhetzen und zur Gewalt aufzurufen, so leisten Sie Widerstand!“

Es ist ein Statement, ein Fazit für Ben, aber gleichzeitig ein Fazit für die Gesellschaft und aktuelle Politik. Eine allgemein gültige Warnung. Im Grunde hat der Autor in den Untergang des kleinen Städtchens den Untergang großer Reiche gepackt und damit einen Blick auf die Weltgeschichte und die Anführer und Machthaber geworfen. In einfachen Worten und in einer packenden Novelle beschreibt Ink, wie man von einem Unterdrücker zum nächsten gereicht wird, weil man sich auflehnt – aber im falschen Maße. Hierin steckt mehr als nur ein kurzer Zeitvertreib, in dieser Novelle stecken Tiefe und ein wichtiger Aufruf.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Kühe

Matthew Stokoe
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783865525284
Genre: Romane

Rezension:

Der sozial total abgeschottete Steven lebt mit seiner Mutter in einer engen, dreckigen Wohnung und wird von ihr drangsaliert. Er findet einen Job in einer Fleischfabrik und lernt dort viel über sich, Rollenverteilung, das Leben sowie das Führen und Folgen …

Kühe gilt als der extremste Roman, der je geschrieben wurde. Das würde ich nicht unterschreiben. Er hat seine ekligen Sequenzen, macht vor Sodomie nicht Halt und hat eine unterschwellige Ideologie bezüglich des Machtstrebens, aber extrem? Da sind die wahren Freunde des Extreme-Genres wahrlich anderes gewöhnt.

Worum geht es denn in Kühe? Eigentlich um Macht und Ohnmacht, ums Führen und Folgen, um die Anführer und Herdentiere, die Auflehnung gegen die Obrigkeiten. Man kann drei Gruppen herausfiltern, in denen sich das gleiche Machtspiel zuträgt: Die Wohnung von Steven, die er erst mit seiner Mutter – dem Muttertier – und dann mit seiner Freundin Lucy bewohnt. Die Fleischfabrik, in der er am Fleischwolf steht und vom Vorarbeiter Cripper in das Geheimnis von Tötung, Macht und Sodomie eingeführt wird. Die Welt unter der Stadt, in der eine Kuhherde lebt und auf Rache sinnt. In allen drei Bereichen versucht Steven seinen Platz zu finden und eine Machtposition einzunehmen. Es wird bald deutlich, wo Hemmschwellen überschritten werden, wie stark sich der Protagonist verändert – und doch bleibt er immer der gleiche, ohnmächtige junge Mann, der auf Dauer einfach kein Anführer sein kann. Er wird animalisch, muss immer innerhalb der Gruppen um seine Position kämpfen und auch leidvoll erfahren, dass man nicht alles beherrschen kann. Man kann ganz gut erkennen, dass Steven, wenn er irgendwo verliert oder versagt, in eine andere Gruppe geht, seine Enttäuschung und Wut mitnimmt, und sie in der anderen Gruppe als Macht versucht einzusetzen.

Die Sprache ist sehr einfach, man kann das Buch wörtlich nehmen oder einen Sinn daraus lesen, was Stokoe wirklich damit ausdrücken wollte, bleibt nebulös. Daher hält sich die Begeisterung auch in Grenzen. Geht es nur um das Extreme, ist das Buch schlichtweg eine Enttäuschung, weil es zu flach ist. Geht es ums Herrschen und eine etwaige Tiefe, muss man der Geschichte schon weit bessere Noten geben. Kühe wird keine Empfehlung, aber werft einen Blick auf die Leseprobe beim Festa Verlag und entscheidet, ob ihr mehr wollt oder eher nicht.

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87 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

thriller, horror, sex, bryan smith, mord

Todesgeil

Bryan Smith , Alexander Amberg
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 01.06.2012
ISBN 9783865521347
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Rob möchte eigentlich nur tanken und sein Leben weiterleben, doch dann wird ihm eine Waffe an den Kopf gehalten und er soll einem anderen Auto folgen. Dabei lernt er seine Entführerin kennen und wird immer stärker von ihr angezogen – schließlich gefällt ihm ihre knallharte, tödliche Lebensweise und er schließt sich ihr gerne an…

Bryan Smith, oder vielleicht sollte man besser sagen, dass es hier der Festa Verlag ist, schafft es immer wieder, spannende und mitreißende Klappentexte abzudrucken, die einen geradezu zwingen, das Buch zu kaufen. Leider kann er aber gar nicht halten, was er verspricht. Dabei muss ich gestehen, dass Smith mich persönlich gar nicht anspricht, wohl aber seine verdiente Fangemeinde hat und ein guter Horrorautor ist. Für mich nur nicht. Das dritte Smith-Buch, das ich abgebrochen habe, ist Todesgeil – und es wird mein letztes sein.

Was macht er denn, dass ich damit nicht klar komme? In meinen Augen gelingt es Smith nicht, stringent Spannung aufzubauen. Er hat mehrere Schauplätze und Protagonisten, die im Laufe der Geschichte alle eine Verbindung miteinander haben – das ist gut, nicht neu und gefällt mir normalerweise auch. Problematisch ist nur, dass Smith eine sehr langweilige Erzählart präsentiert, die nicht mitreißt und Höhepunkte komplett auslässt. Man erfährt zu wenig, es wird nicht spannend, es fehlt das Highlight des Kapitels, der Cliffhanger, der die Ausblendung und den Wechsel der Handelnden im folgenden Kapitel zu einer nervenaufreibenden Unterbrechung werden lässt. Stattdessen plätschert alles so trivial dahin und wird plötzlich mit Aktionen gespickt, die keine Grundlage haben, keine Begründung, keine Berechtigung. Warum werden plötzlich andere erschossen? Natürlich ist es eine Machtdemonstration, die zeigen soll, zu was die Protagonistin fähig ist. So weit, so unlogisch, denn die Tat an sich geschieht unmotiviert. Hier hätte es mehr Spannung, mehr Erklärung, mehr Verrücktheit und Psychopathie gebraucht – doch es kommt nichts.

Bryan Smith ist sicherlich kein schlechter Autor, nur für mich ist er unfertig, langweilig, lustlos. Dennoch spreche ich die Empfehlung für alle Liebhaber von krasseren Thrillern mit Horrorelementen aus, Smith eine Chance zu geben.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Verloren im Leben

Karin Pfolz , Verena Grüneweg , Karin Pfolz
Buch: 220 Seiten
Erschienen bei Karina-Verlag, 15.01.2015
ISBN 9783903056022
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Böse steckt in jedem von uns, es muss nur hervorgelockt werden. Kishara und Pamina finden sich unversehens in einem Irrgarten von Neid, Hass, Überlebenswillen und Rache wider ...

Die Beschreibung ist etwas dürftig, aber man darf gar nicht zu viel vorwegnehmen, sonst funktioniert das Buch nicht mehr. Die beiden Autorinnen Karin Pfolz und Verena Grüneweg haben in ihrem ersten gemeinsamen Thriller Verloren ... im Leben ein Experiment gewagt. Sie kannten sich nicht und haben sich die Kapitel immer hin- und hergeschickt. Daraus entstand ein Thriller, der spannend ist und deutliche Zuordnungen der Protagonistinnen zu beiden Autorinnen zulässt.

Seitens der Autoren ist es eine Herausforderung, auf diese Weise ein Buch zu schreiben, der man sich gerne mal stellt und am Ende schaut, ob eine stringente Geschichte entstanden ist. Das haben Pfolz und Grüneweg geschafft. Aber können sie auch überzeugen? Ja und nein. Zu Beginn muss man sich durchbeißen. Kishara lebt in der Gegenwart, Pamina in der Vergangenheit. Man fragt sich bald, ist es dieselbe Person, die zu unterschiedlichen Zeiten agiert? Sind es zwei Personen, deren Geschichte irgendwann zusammengeführt wird? Der Zusammenhang wird irgendwann, zwischen umständlichen Sätzen und langatmigen Erklärungen deutlich. Die dunklen Seiten des Inneren beider Frauen tritt auch endlich hervor und man wird stellenweise wirklich gefesselt.

Alles in allem sind der Thriller und die Idee dahinter gut. Die Umsetzung würde ich als nicht hundertprozentig gelungen einstufen. Man merkt, dass kein Konzept zugrunde lag und beide einfach drauflos geschrieben haben, was nicht zwingend negativ ist. Allerdings wird manche Szene unnötig aufgebauscht und in die Länge gezogen. Das stört den Lesefluss und ist teilweise sehr anstrengend.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Tödlicher Bestseller

Karin Pfolz , Verena Grueneweg
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Karina-Verlag, 01.04.2016
ISBN 9783903056732
Genre: Romane

Rezension:

Christine möchte endlich raus aus ihrem spartanischen Leben und mit der Schreiberei Geld verdienen. Doch wie wird das neue Manuskript zum Bestseller? Christine ist bereit, weit zu gehen, um an die Spitze zu gelangen, doch irgendwann überschreitet sie eine Grenze ...

Das Autorinnenduo Karin Pfolz und Verena Grüneweg haben mit Tödlicher Bestseller ein weiteres spannendes Buch geschrieben. Wie bei anderen Zusammenarbeiten, wird auch in diesem Thriller ständig die Perspektive gewechselt. Das soll vielleicht Spannung aufbauen, könnte auch die ein oder andere Szene aus verschiedenen Blickwinkeln beschreiben, wirkt aber manchmal sehr verstörend und sorgt nicht gerade für einen durchgängigen Lesefluss. Die Idee ist gut, aus der hätte man mehr machen können, vielleicht stört mich auch einfach der Perspektivenwechsel, den ich in diesem Fall nicht gerade für das beste Mittel halte. Das entschleunigt, das wirft zu viele Fragen auf, das stoppt hier und da ganz gewaltig die aufgebaute Spannung. Auch läuft manches zu glatt. Dadurch wirkt die Geschichte zu fiktiv, zu konstruiert. Es fehlt die wirkliche Gefahr, die richtig Spannung reinbringt. Alles geht zu einfach, und natürlich steht Christine schnell an der absoluten Spitze der Bestsellerlisten und hat den perfekten Krimi geschrieben und ... gähn. Es gibt keine Entwicklung, kein: Du fängst an, Du hast Schwierigkeiten, Du landest einen Hit und lässt Dich feiern und baust darauf auf. Nein, Christine ist ganz oben, kann sich gar nicht mehr steigern. Das nimmt den Spaß.

Tödlicher Bestseller ist ein Thriller, an dem man dranbleiben muss. Er hat seine Momente, ist durchaus spannend mit einer guten Idee.

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

krimi, alpenkrimi, serie, qualzüchtungen, ungarn

Scharfe Hunde

Nicola Förg
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 01.03.2017
ISBN 9783866124189
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine tote Oma, ein toter niederländischer Tourist und ein toter Unternehmer. Was haben diese drei Personen miteinander zu tun? Und warum ist die CoolCard so verhasst, die doch eigentlich nur die Region beleben und Touristen anziehen soll? Irmi Mangold tappt im Dunkeln, bis sie auf einen Tiertransporter stößt und sich plötzlich mit der grausamen Realität des Hundewelpenhandels auseinandersetzen muss.

Nicola Förg liebt Tiere über alles. Das wird nicht nur in jedem ihrer Romane deutlich, das merkt man auch, wenn man sie einmal persönlich auf einer Lesung erlebt. Eine lebensfrohe Frau, die sich den Tieren scheinbar näher fühlt als den Menschen - und ja, das macht sie sympathisch! Ihr neuer Alpenkrimi Scharfe Hunde beschäftigt sich mit einem Thema, das einem wirklich im Herzen wehtut: Hundewelpenhandel. Dabei hat Förg viel Recherche betrieben und sich auch entsprechend mit Tierschützern und Organisationen kurzgeschlossen. Hierbei geht es um mehr als um einen fiktiven Mord und ein Lesevergnügen, hierbei geht es um einen Aufschrei an uns alle: Tiere sind Lebewesen, die genauso fühlen wie wir Menschen! Zugegeben, es gibt Passagen im Buch, da möchte ich gerne mit ihr diskutieren, beispielsweise wenn es um Zoo Zajak in Duisburg geht, der von einigen verhasst, von anderen geliebt ist. Ich sehe ihn nicht als den bösen Tierquäler, als der er dargestellt wird, ganz im Gegenteil. Auch der moralische Zeigefinger nervt irgendwann. Förg hat sich auf "Geiz ist geil" eingeschossen und auf gefühlt jeder zweiten Seite wird das Thema aufgegriffen und verteufelt. Ach ja, und warum denn nicht mal eben über tausend Euro für einen Hund ausgeben? Hier kann und will ich der Autorin nicht folgen, denn das würde ich auch nicht einsehen. Die angebliche Schutzgebühr ist vielfach nichts als Geldmacherei. Es ist egal, ob ich einen Hund für zehn Euro oder für 1.000 Euro kaufe. Es ist nur wichtig, wo er herkommt, ob er gesund ist und es ihm gut geht.  Dass er nicht von Zuchtfarmen aus dem Osten stammt, krank, zu früh von der Mutter weggerissen mit dem einzigen Zweck, Geld zu machen. Sicherlich, und hier stimme ich absolut zu, muss man sich der Verantwortung für ein Tier, das man sich holt, vorher bewusst sein und sich auch fragen, ob man mit den Konsequenzen zurecht kommt: Tierarztkosten, Futter, Auslauf, was ist mit Urlaub etc. Außerdem ist ein Tier nicht perfekt. Es ist ein Lebewesen und liebenswert, weil es ist, wie es ist. Da stört keine Macke, kein kürzeres Bein, kein fehlender Zahn. Das Lebewesen ist kein perfektes Dekostück, das man sofort wieder wegschmeißen kann, wenn es nicht mehr zur Einrichtung passt.

Diesen moralischen Zeigefinger muss man Förg zugestehen und hier spricht sie sicherlich vielen aus der Seele. Es ist das Hauptthema des neuen Buches und man muss sich bitte darauf einlassen. Der Krimiteil kommt aber auch nicht zu kurz, da man erst mal die Toten hat, dann einen Zusammenhang erkennen muss, es kommen noch einige Gefahren und Verwicklungen hinzu, die dann wirklich aus einem Roman einen Krimi machen. Scharfe Hunde ist der typische Förg-Stil, es geht also eigentlich um ein anderes Thema, der Mord ist nur das schmückende Beiwerk. Trotzdem ein wahrer Lesespaß, der einem schon mal Tränchen abringen kann, wenn man von den Tieren liest - auch wenn es für mich nichts Neues war und ich als Reptilienhalterin das Thema mit Schlangen sehr gut kenne.

Scharfe Hunde ist der achte Band der Reihe um Kommissarin Mangold. Wieder ein ernstes Thema, das Nicola Förg hier aufgegriffen hat und im Schutze des Alpenkrimis der breiteren Masse zugänglich machen will. Ein ernstes Lesevergnügen.

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klassiker, glasperlenspiel, hermann hesse, deutsche literatur, roman

Das Glasperlenspiel

Hermann Hesse
Flexibler Einband: 920 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 18.06.2012
ISBN 9783518463574
Genre: Klassiker

Rezension:

Das Leben des Magister Ludi Josef Knecht wird wie eine Biografie recht nüchtern beschrieben. Knecht ist Schüler, dann Gesandter und schließlich Lehrmeister, der sich ganz der Wissenschaft und vor allem dem hochgeistigen Glasperlenspiel hingegeben hat. Obwohl er in Kastalien in klosterähnlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und dort bis nach seiner Studienzeit verblieb - später auch dahin zurückkehrte - ist Knecht relativ weltoffen. So wird er auch in ein katholisches Kloster entsandt, um dort für gute Stimmung zu sorgen und den Orden Kastalien gegenüber aufgeschlossener werden zu lassen. Doch Josef Knecht zweifelt immer wieder, diskutiert und versucht letztendlich vergebens, seine Ordensbrüder und den wichtigen Führungskreis davon zu überzeugen, dass man sich der Welt gegenüber öffnen muss, und nicht als kleine Enklave abgeschottet als Elite leben kann. Schließlich verlässt er Kastalien und widmet sich dem Sohn seines alten Widersachers, dem stets weltlichen Plinio Designori. Bei einem Bad in einem Bergsee kommt Knecht ums Leben.

Das Glasperlenspiel. Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften. Ein langer Titel für das letzte Werk Hermann Hesses. Der Autor, daraus kann man keinen Hehl machen, mag ein schwieriger Mensch gewesen sein, aber ein großer Literat, der seine eigenen Jünger hatte, die er vor allem in den 1970er Jahren, nach seinem Tod, begeistern konnte. Hesse ist nicht nur einer der deutschen Autoren, von dem man etwas gehört und bestenfalls gelesen haben muss - meist ist das Der Steppenwolf -, er spaltet seine Leser gerne in zwei Lager: Diejenigen, die ihn nicht verstehen, und diejenigen, die als Hessianer so etwas wie einen geistigen Führer in ihm und seinen Werken sehen.

Das Glasperlenspiel gilt als eines seiner schwersten Werke. So habe ich es auch kennengelernt und mich lange vor der Lektüre gedrückt. Ein Fehler, wie ich nun feststellen musste. In seinem letzten Roman steckt vieles: Wissenschaft, Philosophie, Mathematik, Religion, Gesellschaftskritik, Phantasie. Wer sich mit Hesse beschäftigt, kommt nicht um drei Dinge herum: Philosophie, Religion und Musik. So ist es auch hier. Viele Querverweise zu Weltreligionen und Anschauungen kann man wiederfinden, wer damit nichts anfangen kann, dem hilft heutzutage Google schnell weiter. Beispielsweise stößt man auf das I Ging, das Buch der Wandlungen, dessen grobe Kenntnis bereits weiterhilft.

Wie immer sind zahlreiche Parallelen zu Hesses Leben zu erkennen. Er selbst war Rebell, lehnte sich gegen das Diktat des Elternhauses auf, brach das Studium der Theologie ab und hatte zeitlebens ein eigenwilliges Verhältnis zur Theologie, die er jedoch nie ganz ablehnte. Wer Hesses Werk ein bisschen kennt, findet immer wieder zwischen den einzelnen Romanen Verknüpfungen und Ideologien, die sich durchziehen. Vor allem die Rebellion, die oben schon angesprochen wurde, findet sich immer wieder. Ein bisschen fühlt man sich an Narziß und Goldmund erinnert, wobei man Knecht in beide Rollen pressen kann, das rebellische, suchende Herz jedoch ist eindeutig Goldmund zuzuschreiben. Auch Emil Sinclair kann in die Erinnerung rücken, das Suchende bleibt halt doch immer in den Romanen übrig.

Je mehr ich versuche, das Glasperlenspiel in eine Rezension zu quetschen, desto mehr fällt mir auf, dass es nicht geht. Das Buch ist lesenswert in meinen Augen, verlangt dem Lesenden einiges ab und regt ihn zu eigenen Nachforschungen an, wenn er nicht purer Konsument ist, sondern gerne in die Tiefe geht. Andererseits kann man Hermann Hesse nicht rezensieren, ohne einen Blick auf sein Leben und auf seine Werke zu lenken, ohne Verbindungen zu suchen und immer wieder zu finden. Man kommt nicht an philosophischen Lehren vorbei und springt gleichzeitig immer wieder zu anderen, jüngeren Autoren, bei denen Parallelen zu finden sind. Von daher muss auch ich lernen, mich kurz zu fassen und mich nicht in Details zu verlieren.

Das Glasperlenspiel. Ein wundervolles Buch, eine spannende Geschichte, die tiefer geht und weiterführt. Kratzt man an der Oberfläche, so kann man sich fragen, ob es wirklich realistisch und möglich ist, alle Wissenschaften miteinander zu verbinden, Musik als mathematische Formel darzustellen, Sprache oder Thesen im Glasperlenspiel (sei es der Einfachheit halber einmal als eine Art Abakus gedacht) zu veranschaulichen. Oder bleibt dies eine phantastische Welt, die erschaffen wurde, um den Leser zu fesseln - oder um ihn auf eine ganz andere Spur zu bringen, ihm selbst die Augen zu öffnen und ihn sehen zu lassen? Hesse schreibt: "Die Wahrheit wird gelebt, nicht doziert" - und wenn es nur dies ist, das man aus dem Buch mitnimmt, so kann man bereits hier hinterfragen, was der Nobelpreisträger damit gemeint hat oder ob er gar den biblischen Büchern gleich sein eigenes Evangelium verfasst hat, mit Wahrheiten, mit Lehrsätzen, mit Anfechtungen und der Hoffnung auf das Gute?

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kribbeln, mörder, mädchen, kaputt machen, psychogramm

"Ich musste sie kaputt machen."

Stephan Harbort
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.10.2013
ISBN 9783548374796
Genre: Sachbücher

Rezension:

Joachim Kroll versetzt zwei Jahrzehnte lang den Raum Duisburg in Angst und Schrecken. Seinem unbefriedigten Trieben folgend, tötet er junge Frauen und Mädchen, vergeht sich an ihnen und bleibt jahrelang unerkannt. Dafür werden andere verdächtigt oder sogar verurteilt. Durch einen – aus seiner Sicht – Fehler, wird er schließlich des Mordes überführt – und gesteht noch acht weitere Taten. Viele bleiben jedoch unentdeckt. 
Stephan Harbort hat den Fall unter die Lupe genommen und beschreibt die Morde, den Täter Kroll, sein Denken, sein zerstörtes Inneres, seine Ängste und Sehnsüchte. Bei der Lektüre begleitet man Kroll auf seinem Lebensweg, erlebt die Morde mit, auch wenn grausame Details oftmals nur angedeutet, aber nicht ausgeführt werden. Immer wieder wendet man den Blick aber auch auf die Medien und die Bevölkerung, stellenweise sogar auf die Ermittlungen, die meistens ins Leere laufen. Harbort gibt einen tiefen Einblick in eine dunkle Geschichte und schafft dabei den Spagat zwischen Spannung und Sachlichkeit. „Ich musste sie kaputte machen“ ist kein reißerisches Werk, das um Aufmerksamkeit buhlt. Aber es verliert sich auch nicht in sachlichen Darstellungen, ist nicht gespickt von zig Fachbegriffen, die einem die Lesefreude nehmen. Denn sachliche Berichte über Verbrechen gibt es schon genug. 
Auch wenn es wirklich schwere und schwer verdauliche Kost ist, das Buch liest sich gut und flüssig. Man macht sich die Schrecken durchaus bewusst, aber es ist nicht reißerisch, nicht im BILD-Stil und erspart dem Leser die Details. Mit viel Recherche sind aus Zeitungsberichten und Akten alle Informationen herausgearbeitet worden, die eine zusammenhängende Geschichte erstehen lassen. Der Leser hat vielleicht an manchen Stellen Mitleid mit dem Täter, das dürfte sich aber recht bald legen. Auf jeden Fall aber bekommt er einen guten Einblick in das Seelenleben des Krolls, während der Erzählung seiner Lebensgeschichte nicht namentlich genannt wird.  Diese Anonymisierung zeigt auch, dass es jeder sein kann. Dass ein Verbrechen, ein Täter für viele steht. 
Harbort ist ein erschreckendes aber lesenswertes Buch gelungen, das ein Stück deutsche Kriminalgeschichte aufrollt und für alle zugänglich macht. Besonders empfehlenswert ist die Lektüre für Krimifans – nur ist es keine fiktive Geschichte.

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phantastische literatur

Der Golem

Gustav Meyrink
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.2012
ISBN 9783423140744
Genre: Klassiker

Rezension:

Der Erzähler schläft beim Lesen ein und träumt davon, der Gemmenschneider Athanasius Pernath zu sein. Dieser lebt im Prager Ghetto Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Fremder taucht bei ihm auf und lässt einen Folianten zurück mit dem Auftrag, das "I" des Kapitels Ibbur (Seelenschwängerung) zu restaurieren. Danach ist nichts mehr wie zuvor, denn Pernath wird in Intrigen verwickelt und kann nicht immer zwischen Halluzination und Wirklichkeit unterscheiden. Schließlich taucht der Golem wieder auf, der früher bereits das Viertel in Angst und Schrecken versetzt hatte. Pernath gerät unter Mordverdacht und verstrickt sich noch weiter in seine unsteuerbaren Traumwelt.

Der Golem ist ein Klassiker der phantastischen Literatur und schwer zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten. Nun kann man sich fragen, ob man bei solch alten und bekannten Werken überhaupt die Spannung nehmen kann, aber auch Rezensionen über diese Bücher sollen ja zur Lektüre ermutigen. Gustav Meyrink hat mit dem Golem ein Genre bedient, das man heutzutage als festen Bestandteil jeder Buchhandlung finden kann, was zu Zeiten der Entstehung, ca. 1913, nicht der Fall gewesen ist. Phantastische Literatur war aber bereits damals ein Begriff und keinesfalls ein Novum. Wer auf den Grusel der neueren Bücher hofft, wird allerdings enttäuscht. Meyrink setzt sich mit anderen Dingen auseinander und macht grandiose Ausflüge in die Philosophie und religiöse Anschauungen. Vielleicht macht das Buch dem ein oder anderen Leser auch Lust, sich ein bisschen mehr mit Ibbur, Kabbala und dem Judentum zu beschäftigen. Wenn man sich alleine auf die Spuren des Golem-Mythos begibt, findet man viel weiterführende Literatur und Hinweise.

Zurück zum Buch. Man muss sich natürlich etwas an die Sprache gewöhnen, die sich von der meisten Literatur des 21. Jahrhunderts unterscheidet. Gleichzeitig hilft sie aber auch, dass man wegkommt von der heutigen Zeit, von Internet und der Vernetzung, und sich viel einfacher in das Prag um 1890 rum einfinden kann. Hat man das aber getan, kann man sich wunderbar von der Geschichte um Pernath und seine Halluzinationen fesseln lassen, hat Phantastik und einen spannenden Krimi in einem.

Man sollte sich auch mal etwas auf ältere Literatur einlassen, die keineswegs überholt ist. Man denke nur an Edward LeeGolem oder auch an andere Literatur, die sich mit dem Wesen aus Lehm befasst. Wer das Buch nicht mag, es wurde auch verfilmt.

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füße, thrille, hände, zwillinge, thriller

Axt

Marcus Sammet
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Schindler-Verlag, 09.07.2016
ISBN 9783939571087
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Unter der Donnersberger Brücke in München wird eine fast tote Frau mit abgetrennten Händen und Füßen gefunden. Kommissar Sperber und Bünder nehmen sich der Sache an und bald schon treffen sie auf einen alten Bekannten, den Auftragskiller Max Herrmann. Dieser ist eigentlich nur zur Beerdigung seines Vater nach München gekommen, streitet sich aber mit Freundin Ines, einer ehemaligen Polizistin, die ihn stehenlässt und bald darauf entführt wird. Es beginnt eine hektische Suche, in der jede Minute zählt ...


Marcus Sammet hat im fünften Band seiner Sterbe wohl...-Reihe noch mal alle Register gezogen. Es geht um Mord, Verstümmelung, Bandenkriege und ein Katz und Maus Spiel zwischen der Polizei und dem gesuchten Serienkiller Herrmann. Nun kommt es, wie es kommen muss, der Grat zwischen Serienmörder und Profikiller ist sehr schmal, aber der Leser muss ihn gedanklich beschreiten. Immer wieder versteht er, warum Herrmann entsprechend handelt und kann sich gut in die Situation und den Protagonisten, der um das Leben seiner Freundin kämpft, einfühlen. Das ist gut, aber man stellt sich irgendwann die moralische Frage: Was unterscheidet ihn vom Mörderpaar, das in diesem Krimi Frauen verstümmelt und tötet? Eigentlich nichts. Vielleicht kann man ihm moralisches Handeln unterstellen, weil er ja die Bösen eliminiert, aber misst man dann nicht mit zweierlei Maß? Auch die Kommissare sind immer wieder hin- und hergerissen, stehen schließlich selbst in Herrmanns Schuld, der einen Gefallen einfordert. Das moralische Dilemma wird angesprochen, aber nur sporadisch und halbherzig gelöst. Dennoch schafft es Sammet, dass der Leser dann doch auf der Seite des Profikillers ist und seinen Weg verstehen kann. Würde man nicht selbst auch zum bestialischen Mörder werden, wenn einem das Liebste genommen würde?


Sammet beschreibt ein München anhand von Straßennamen. Die Wege können einfach nachgefahren werden, manchmal fragt man sich, ob das denn wirklich nötig ist, in dieser Ausführlichkeit zu beschreiben, wo wer gerade warum hinfährt. Protagonist A fährt von B nach C, das ist doch auch in anderen Büchern ausreichend, oder? Als Münchner freut man sich natürlich, dass man einiges wiedererkennt und so noch mal viel tiefer in das Geschehen eindringen kann.


Irgendwann geht es gar nicht mehr um die beiden Verstümmler und die Toten, da geht es um asiatische Mafiabosse, die Kronzeugen eliminieren wollen. Man fragt sich, ob das denn wirklich sein muss und der ganze Fall nicht zu sehr konstruiert ist, sollte sich aber durchbeißen, denn diese Kapitel haben im Gesamtzusammenhang dann doch einen Sinn. 


Axt ist ein guter Thriller, der mitreißt und Lust auf mehr macht, wenn man die ersten vier Teile nicht gelesen hat. 

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Perverse Schweine: Festa Extrem

Matt Shaw
E-Buch Text: 180 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 12.12.2016
ISBN B01MRX2FXT
Genre: Sonstiges

Rezension:

Matt Shaw ist ein Englischer Extreme-Horror-Autor, der nun endlich auch in der Festa-Reihe seinen Platz gefunden hat. Mit Perverse Schweine hat er ein gutes Debüt geliefert, das man zwar in drei Sätzen erzählen könnte, das aber von der ersten bis zur allerletzten Seite fesselt.

Man bekommt die Geschichte aus der Sicht des namenlosen Protagonisten erzählt, der das Geschehen gespickt mit Gedanken und Gefühlen schildert. Irgendwann springt die Beklemmung, die er empfinden muss, auf den Leser über. Was ist passiert und wird die ersehnte Rettung wirklich kommen? Die Frage ist schließlich auch: Wenn eine Atombombe gezündet wird, wer überlebt und wie lange wird es dauern, bis diese Überlebenden sich formiert haben und Suchtrupps in die verseuchten Gebiete schicken? Falls sie das tun.

Ein bisschen kommt man ins Überlegen: Draußen ist Wald, es ist alles grün, viele Tiere gibt es nicht, ab und zu mal Insekten, aber mehr sieht die Familie nicht. Ist das denn ein Atomunfall? Was dem Protagonisten seltsam vorkommt, ist die Sonne, die von einem klaren Himmel herab scheint. Kein verseuchter Regen, keine Staubwolke, die über Jahre die Erde bedeckt.

Reden wir nicht lange drumrum: Zwei Frauen, zwei Männer, kein Kontakt zu anderen Menschen, keine Informationen, ob es Überlebende gibt, eine Gemeinschaft, Rettung, die Lebensmittel sind aufgebraucht. Was passiert? Das Unvermeidliche. Man geht auf Nahrungssuche, was reichlich schiefgeht. Vater und Sohn stoßen auf seltsame Wesen, auf Mutanten, die sich brutal ihren Weg freifressen und sich auf den Vater stürzen, der nur mit Glück entkommen kann. Sie sind also nicht alleine, so die Erkenntnis, aber was sie gefunden haben, beruhigt sie überhaupt nicht. Als der Hunger größer wird, will der Sohn dann noch einmal los, schließlich gibt es keinen anderen Ausweg, als irgendwo außerhalb des mittlerweile verbarrikadierten Hauses Nahrung zu suchen. Doch er stößt auf einen anderen Menschen, der genauso hilflos ist wie die Familie und ebenso Hunger hat. Noch ein Maul zu stopfen, wenn man selbst nichts mehr hat, ist schwer, doch den Protagonisten stört das nicht, denn er ist so optimistisch, dass er denkt, einen Ausweg zu finden. Und Wasser ist ohnehin genügend da, da die Wasserversorgung nicht unterbrochen ist.

Es geht um Sex und Kannibalismus, um Menschenfleisch, roh aus den lebenden oder frischtoten Körpern herausgerissen und verzehrt. Die Geschichte ist stimmig, was ich nicht gedacht hätte. Aber selbst brennende Fragen, die sich bei der Lektüre ergeben, beantwortet Shaw. Damit fasziniert er mich als Leserin, denn es hätte mich nichts mehr gestört, als wenn zwei, drei gravierende Fragen unbeantwortet geblieben wären, nur damit die Story irgendwie existieren kann. Sicherlich bleibt das Ende offen und der Phantasie des Lesers überlassen, aber was hinter der Hütte, dem Wald und der Familie steckt, ist eine gut inszenierte Idee, mit der Shaw brillieren kann.

Absolut nichts für schwache Nerven, wie es immer heißt, nichts für Menschen, die ein bisschen paranoid sind – da könnte diese Lektüre echt heftig werden. Ein bisschen klar kommen muss man mit den ständigen Sprüngen zwischen dem Jetzt und dem Damals.

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musik, subkultur, fans, biografie, onkelz

Buch der Erinnerungen

Klaus Farin , Conny Agel
Fester Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Archiv der Jugendkulturen Verlag KG, 01.03.2009
ISBN 9783940213266
Genre: Sachbücher

Rezension:


Klaus Farin, seines Zeichens weder ein unbeschriebenes Blatt noch ein Unbekannter, wenn es um Jugendkultur geht. Nun hat er sich vor einem Jahrzehnt einer der umstrittensten deutschen Bands gewidmet und deren Fans zu Wort kommen lassen.


Wie könnte es anders sein? Auch dieses Buch über die Böhsen Onkelz trägt den Titel eines Songs. Buch der Erinnerung ist vom Album Heilige Lieder von 1992. Nun ist es auch der Titel eines Buches geworden und das hat es in sich. Im Vergleich zur Danke für Nichts Rezension, die mir ein bisschen schwerer gefallen ist und mich persönlich berührt hat, hat dieses Buch Abneigung bei mir ausgelöst. Zuerst wollte ich es gar nicht lesen und es stand als Flohmarktfund unbeachtet im Regal bei all den anderen Musikbüchern. Mich hat die Aufmachung nicht überzeugt und nein, ich wollte die Fans nicht hören. Gekauft wurde später die signierte Ausgabe, nicht auf dem Flohmarkt, sondern First Hand.


Das hat einen ganz bestimmten Grund: Welcher Autor, der ein positives Werk über eine umstrittene Band verfasst, lässt denn die Hater mal zu Wort kommen? Keiner - und Pressestimmen zählen nicht. Natürlich gibt es also ein Buch der Lobhymnen der Fans auf die Onkelz. Die Seiten sind zweigeteilt, links kommen die Fans zu Wort, rechts Farin, der die Geschichte der Gruppe in knappen Worten aufrollt. Die Fans erzählen frei Schnauze, wie sie zu den Onkelz kamen und warum sie blieben, was ihnen die Idole gaben und was sie so verdammt anziehend macht. Es sind schöne Geschichten, unvergessliche Erlebnisse, Erinnerungen, die ein Fremder gar nicht nachvollziehen kann. Fotos von den Fans, mit den Fans, mit den Onkelz - ein Kritiker würde hier böse Zungen sprechen lassen.


Und warum eigentlich auch nicht? Natürlich mag der Schelm sofort denken: Klar, die Mädels stehen auf den Weidner, dessen Sexappeal sogar die Queen umhauen könnte. Außerdem ist Kevin der böse Bube und Frauen bevorzugen immer die Arschlöcher. Gonzo ist einfach knuffig und Pe hat dieses Verschwiegene an sich, das ihn interessant macht. Die männlichen Fans nehmen sich die Saufgelage und Schlägereien als positives Beispiel und wollen den Idolen nacheifern, wenn es um Härte und die Anzahl der flachgelegten Frauen geht. Es ist ganz logisch, dass keiner etwas Negatives über seine Lieblingsband sagt und dieses pseudoromantische Gewäsch von Familie, Zusammenhalt und Aufgehobensein ist irgendwie eine nette Story um eine Band, die - nun ja, die ihren Erfolg in allererster Linie gar nicht mal ihrem musikalischen Können verdankt. (Darüber können wir gerne jederzeit diskutieren!)


Das mag alles gar nicht mal so falsch sein. Richtig ist aber auch, und das steht dann am Ende doch im Vordergrund, dass die Fans eine ganze Menge zu sagen haben und eben nicht nur einen auf heile Welt machen - auch nicht, wenn es um BO geht. Die Familie existiert nun mal und wer das für dummes Gerede und eine Harmonisierung der Band-Fan-Beziehung hält, der muss sich auch mal die Mühe machen, die Band und ihre Fans live zu erleben. Das ist eine Familie und egal, wie groß das Konzert ist, es ist ein Familientreffen. Im Buch der Erinnerung haben die Fans ihre Seelen geöffnet und geschildert, warum die Böhsen Onkelz so eine Anziehungskraft ausüben. Sie fühlen sich verstanden, und genau das sagt auch Jenny, deren Zitat sogar auf dem Backcover abgedruckt wurde:


"[...] das scheiß doofe Leben, ist manchmal so aussichtslos, so einsam, so kalt und hässlich [...] Und dieser Mensch hat die Gabe, Texte darüber zu schreiben."


Genau das ist es wohl, was viele empfinden. Stephan Weidner fühlt, was er schreibt, und Kevin Russell kann es nachempfinden und schreit die Texte dann heraus. Diese Familie fühlt sich verstanden und viele haben ihre Geschichte, die genauso einsam, gewalttätig, grausam und verzweifelt ist, wie die Biographien ihrer Onkelz. Die sind eben anders als andere Bands, ehrlicher, mit ausgeprägter Fannähe, die einen an allem gerne teilhaben lassen. In diesem Werk scheint es einmal umgekehrt zu sein. Andy erzählt, wie gut er nachvollziehen kann, was BO durchmachen. Er hatte es als Aussteiger der rechten Szene immer schwer und kämpfte um Anerkennung. Madeleine und Kerstin finden viele andere Bands wegen der Eintönigkeit der Songtexte zum Kotzen. Joya weiß genau, dass man mit den Onkelz nicht viele Freunde hat, außer eben die Onkelzfamilie. Alle anderen stempeln einen nur ab. Es wird einmal aufgezeigt, dass es hier nicht um Politik geht, was der Band immer wieder vorgeworfen wird, auch 35 Jahre nach zwei Songs, die Weidner wohl lieber nicht geschrieben hätte. Es geht um etwas ganz anderes, was Kritiker einmal anerkennen und begreifen müssen, was sie recherchieren, erfahren und geistig erfassen müssen.


Gleichzeitig zeichnet Farin den Weg der Band nach, abgespeckt und vor allem immer ein Augenmerk auf die dunklen Seiten gelegt, auf die Hater, auf die Indizierungen, auf die "bösen" Texte, auf die Lügenpresse. 


Nun, Buch der Erinnerungen hat durchaus seine Berechtigung und ist eine gute Sammlung von Fanzitaten und Erinnerungen. Ohne einen Zensurstreifen über die Texte zu legen, bringt Farin sowohl die Texte der indizierten Platte Der nette Mann, als auch die Auszüge des Schreibens der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (brachte man nicht in dieser Ausführlichkeit in Danke für Nichts), die begründen, warum die Scheibe überhaupt indiziert wurde. Dabei wird eine gewisse Absurdität deutlich, die weit über das hinausgeht, was man in den meisten Rückblicken auf die Bandgeschichte erfährt. Manchmal muss man sich geradezu fragen, wessen Töchterchen von Stephan Weidner entjungfert wurde, dass der gestrenge Papi bei der BPjS so scharf und grundlagenlos gegen den netten Mann vorging. (Auch das ist eine schöne Diskussion. Eigentlich geht es doch gar nicht um BO, sondern nur um Weidner, denn es sind seine Texte, seine Worte, seine vermeintlichen Verfehlungen - und Achtung, liebe Kritiker, ihr macht ihn hier zum Märtyrer, was ihr gar nicht wollt.) Kurze Interviews werden abgedruckt, die Einstellung zu Politik, der rechten Szene und einigen anderen Themen wird deutlich dargestellt. Farin stellt eben die Meinung der Band noch einmal dar und zeichnet einen guten Überblick über eine doch eigentlich bekannte Bandgeschichte. 


Es ist ein ganz gutes Buch, dennoch kann ich mich nicht ganz den Lobeshymnen auf den Bewertungsportalen anschließen. Vielmehr scheint es von Fans für Fans zu sein, sie zu verstehen und so manchem außerhalb der Familie näher zu bringen, was die Onkelz für ihre Anhänger so wertvoll macht. Mal ein schöner Gegenpol zu den sonstigen medialen Schlägen gegen die Frankfurter, aber mir fehlt etwas, ohne genau greifen zu können, was es ist. Sehr positiv ist der Anhang mit Veröffentlichungen und Konzerten. Sehr gute Arbeit!

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böhse onkelz, musik, biographie, biografie, rock

Böhse Onkelz - Danke für nichts

Edmund Hartsch
Flexibler Einband: 276 Seiten
Erschienen bei 3 R Entertainment AG
ISBN 9783000017438
Genre: Sachbücher

Rezension:


Der erste Gedanke war: Wenn diese Biographie als einzige im BO-Shop verkauft wird, müssen BO damit einverstanden sein - und vielleicht entsprechend "manipuliert" haben. Warum kommt eigentlich sofort ein negativer Gedanke, wenn man an das Quartett denkt? Ist man so weit indoktriniert von den Massenmedien und den "Hatern", dass man an BO kein gutes Haar mehr lassen kann? Vielleicht. Ich jedoch wollte etwas über die vier lesen, noch eine Biographie, noch ein paar Infos, noch ein paar Lügen und Wahrheiten. Wer sich auf die Suche nach der Geschichte der Frankfurter macht, hat entweder das Glück, einen oder alle vier einmal selbst zu treffen und mit ihnen zu sprechen, oder bombt sich voll mit Artikeln, Büchern, Kommentaren, Meinungen und Infos und bildet sich eine eigene Meinung.


"Danke für nichts" beginnt am Anfang, bei Tex Weidner, Stephans Vater, dessen Lebensweg sich gar nicht so sehr von dem seines Sohnes unterscheidet (nein, nicht die Puff- und Knastgeschichten, aber die Ausschweifungen, die Art, die Autorität, die Arroganz). Danach wird man in die Leben von Stephan und Kevin geschmissen, muss sich mit kalten Elternhäusern voller Abneigung, Gewalt und Alkohol konfrontiert sehen, die irgendwann vieles erklären, wenn nicht gar alles. Der Weg von Kevin und Stephan, später auch der von Gonzo, ist vorgezeichnet, das hätte gar nicht viel anders kommen können, so meint man. Pe allerdings ist ein bisschen außen vor, zwar ein Außenseiter, aber kein extrovertierter, saufender Schläger, sondern der stille Beobachter, der erst gar nicht so recht in die Gruppe passen möchte.


Hartsch nimmt wenige Blätter vor den Mund. Er erzählt vom Schmerz, von Tränen, von Enttäuschungen, von Schlägerein, Drogen und Alkoholexzessen. Von der enttäuschten Liebe, von den Gönnern, von den wertlosen Managern. Vom eigenen Versagen der Band, von eigenen Träumen und Hoffnungen - und wieder von den Enttäuschungen. "Danke für nichts" ist gespickt mit vielsagenden Bildern und leeren Promofotos, mit Erinnerungen, die eine Band mit den Lesern teilt, vielleicht in der Hoffnung, endlich verstanden zu werden.
Die Biographie möchte keinen der vier in Schutz nehmen und als Lichtgestalt darstellen - naja, vielleicht doch, aber dazu später -, dieses Buch rotzt dem Leser vier Leben und einen Werdegang hin, den dieser erstmal schlucken muss.


Auffällig und vielleicht auch bezeichnend für BO und den Erfolg der Band ist, dass die Biographie sehr viel von Stephan erzählt, von seinem Vater, seiner Schwester Monica (Carmen bleibt außen vor und wird nur am Rande als geboren erwähnt), seiner ersten Frau Pia, von seinen Gefühlen, seinen Saufgelagen, seinen Schlägerein, seiner Band ... Nun kann man Stephan als arroganten Wich*** betrachten, der sich hier nur noch mehr profilieren möchte. Das steht ja jedem frei. Man kann aber auch ein bisschen weiterlesen und -denken und diesen Weidner von einer anderen Seite kennenlernen (als nicht BO-Fan, als Fan mag das anders sein). Von einer nachdenklichen, sensiblen Seite, von der kämpferischen Seite, von der Seite des kleinen Jungen, der Zuneigung und Anerkennung gesucht hat, der ein Zuhause und Akzeptanz brauchte, mehr nicht. Je weiter man liest, desto mehr versteht man die Texte, versteht manche Aussagen der Band, versteht auch, was die Trennung 2005 bedeutet haben muss.


Ebenso kann man plötzlich Kevin anders betrachten. Seine Geschichte macht nichts ungeschehen oder ungesagt, aber sie verdeutlicht den Menschen Kevin Russell, der auch eine Biographie hat, die stellenweise mehr als deutlich beschreibt und erklärt, warum er geworden ist, wie er ist.
Gonzo und Pe sind die beiden, die ein bisschen zurück und unbeachtet bleiben. Immer wieder gibt es kurze Einwürfe, dass sie auch mal etwas erlebt haben und dabei waren, aber ihre Gedanken und Gefühle treten hinter den starken Persönlichkeiten Stephan Weidner und Kevin Russell weit zurück. Da muss man sich andere Literatur suchen, um sich den beiden ein bisschen zu nähern.


Die Biographie ist aussagekräftig und lässt sich großteils flüssig lesen. Ob die Veröffentlichung im Eigenverlag die beste Idee war, darüber kann man streiten. Ich persönlich möchte hier und da gerne mal den Rotstift zur Hand nehmen, nicht nur wegen der Flüchtigkeitsfehler, auch einfach, um ein bisschen zu strukturieren oder die Sätze flüssiger zu machen. Hier und da werden Fragen aufgeworfen, die einfach nicht beantwortet werden. Trotzdem ist es eine gelungene Biographie, sehr offen und persönlich gestaltet, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen und die dunklen Seiten zu verschweigen. Wenn Stephan jemandem auf die Fresse gehauen hat, dann wird das auch genauso geschrieben. Wenn Kevin sich H reingezogen hat, steht das deutlich auf den Seiten. Diese Blöße muss man sich auch geben, wenn das (neben anderen) Kritikpunkte sind, die der Band immer wieder vorgeworfen werden. Man hätte als offizielle Biographie auch vieles verschweigen können. Aber das haben die vier wohl nicht im Sinn gehabt.
Was fehlt? Wie es weiterging! Es ist definitiv Zeit, die Biographie zu erweitern - bzw. einen zweiten Band herauszubringen und die erste vielleicht noch einmal zu überarbeiten (ein schöner Ghostwriterjob im Übrigen ;) )


Fazit: Eine offene, ehrliche und sehr persönliche Biographie, die gar nicht oder nur ganz wenig geschönt ist, und leider Gonzo und Pe ein bisschen vernachlässigt.

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Waldfrüchtchen

Sophie E. Parker
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei epubli, 22.01.2014
ISBN 9783844274882
Genre: Romane

Rezension:

Sophie E. Parker hat in einem kleinen Buch Kurzgeschichten und Gedanken zusammengefasst. Dabei beginnt sie mit einem Kurzkrimi, der in einer Schrebergartenkolonie lokalisiert ist. Mit einigen Wendungen, ist am Ende dann aber doch klar, wer der Mörder ist. Auf wenigen Seiten muss man auch ein bisschen damit haushalten, was man geschehen lässt.

Die Titelgeschichte ist da schon länger und spielt an verschiedenen Orten. Eine Liebesgeschichte, die stellenweise ein paar Fragen ob der Handlungen der Protagonisten aufwirft. Vielleicht hätte man hieraus eine längere Story machen sollen, denn Spaß macht sie schon und man möchte hier und da doch etwas mehr erfahren.

Schöne Beobachtungen vom Leben auf dem Campingplatz, die gleichzeitig einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der Autorin geben. Ob man das nun nachempfinden kann, steht auf einem anderen Blatt.

Auch Beobachtungen zum Thema Schneefalls an Weihnachten sind ganz nette, kurze Gedanken.

Zusammengefasst ist Waldfrüchtchen eine Kurzgeschichtensammlung, die man schnell durchgelesen hat. Es stecken viele gute Ansätze und Gedanken drinnen, Minuspunkt ist für mich, dass ich die ersten beiden Geschichten gerne ausführlicher gehabt hätte, denn da steckt Potential drin.

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hermes, glückskekse, glückskeks, komödie, taxi fahren

Der ganz und gar seltsame Glueckskeks, das Taxi und die Nazi-Oma

Christoph Stark
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 15.07.2016
ISBN 9781535288798
Genre: Humor

Rezension:

Klingt das verwirrend? Gut. Denn genauso ist das Buch. Die Geschichte wandelt zwischen unterschiedlichen Schauplätzen und man muss hin und wieder mal ein bisschen springen. Autor Christoph Stark wandelt zwischen Himmel, Erde und Hölle, springt munter in den Zeiten und politischen Ansichten hin und her, macht dabei auch vor religiösen Anschauungen nicht Halt, und versucht, das Ganze mit einer Prise ironischem Witz zu würzen. So ganz gelingt es nicht immer. An manchen Stellen wirken die Amüsements zu übertrieben. An anderen bedarf es vielleicht etwas mehr Worte, damit der Leser das auch witzig findet. Trotzdem ist der Roman ein ganz lustiger Zeitvertreib, auf den man sich einlassen muss - was manchmal echt schwer fällt. Vereinzelt erinnert das Buch an Storys wie Greg Siscos One Night Stan's. Auf jeden Fall: Viel Spaß bei der Lektüre!

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düsseldorf, peter kürten, susann brenner, deutsch, blut trinken

Der Vampir vom Niederrhein - Peter Kürten

Susann Brennero
Flexibler Einband: 315 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 03.08.2016
ISBN 9783839219379
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Februar 1929: Die kleine Rosalie wird ermordet aufgefunden. Düsseldorf ist geschockt und beginnt eine waghalsige Suche nach dem Mörder. Der Journalist Kron ist ein Nachbar von Rosalies Familie und schwört ihren Eltern, dass er den Mörder finden wird. Bald freundet er sich mit dem ermittelnden Kommissar Bergmann an. Doch es folgen mehr Morde und keiner findet einen Hinweis auf den Mörder.

Der biografische Roman berichtet von der Zeit zwischen Februar 1929 und Mai 1930, in der schreckliche Morde und Überfälle in Düsseldorf geschahen. Dabei folgt der Leser dem Journalisten Kron, der sich selbst ein bisschen als Ermittler betätigt und alles daran setzt, den Mörder zu finden. In den ohnehin unruhigen Zeiten ist die Suche erschwert. Zwischen Bürgerwehren und den aufstrebenden Mächten muss Kron Acht geben, dass er nicht selbst in Verdacht gerät und ein Opfer der Lynchjustiz auf den Straßen wird. Auch seine Beziehung beginnt unter der Besessenheit zu leiden. Aber Kron macht weiter. Wenn man aufmerksam liest, kann man vielleicht hier und da einen Hinweis auf den Täter finden. Es ist spannend, wie die Autorin das Buch aufgebaut hat. Eine Stadt sucht einen Mörder, der ein Phantom ist. Kron gibt ihm den Spitznamen "Vampir von Düsseldorf", dessen Bekanntheit schnell globales Ausmaß erreicht. Man folgt dem Journalisten auf seinen holprigen Wegen, fiebert mit, fragt sich irgendwann, ob der Mörder überhaupt gefunden wird - was verwunderlich ist, da es sich um einen biografischen Roman handelt und man natürlich weiß, dass die Fälle schließlich aufgeklärt werden konnten. Dennoch fesselt einen die Geschichte und man kann das Buch nur sehr schwer aus der Hand legen. Geschockt kann man von den Taten sein, es trifft eben Kinder, die sich nicht wehren können, das nimmt einen bei der Lektüre schon mit.

Ein gutes, lesenswertes Buch für Krimifans und alle, die wahre Geschichten in Romanform mögen. 

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Stirb, du Bastard! Stirb!: Festa Extrem

Jan Kozlowski
E-Buch Text
Erschienen bei Festa, 15.11.2016
ISBN B01MYNABU2
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Krankenschwester Claire ist vor fast zwanzig Jahren von zu Hause weggelaufen und hat alles hinter sich gelassen. Nur der Erinnerung an ihren Vater kann sie nicht entkommen. Der hatte sie und andere Mädchen jahrelang sexuell missbraucht. Nun hat ihre alte Freundin und Leidensgenossin Olivia sie ausfindig gemacht und fleht sie an, zurückzukehren - dabei hat sie einen perfiden Racheplan ausgearbeitet...

Man kann das Buch in wenigen Sätzen komplett erzählen und nimmt damit nicht sonderlich viel weg. Zu Beginn wird Claire in ihrem aktuellen Leben beschrieben und stellt sich als mutige junge Frau heraus. Als sie jedoch zurück in ihr altes Leben kehren soll, merkt der Leser schnell, dass sich hinter dieser Fassade eine zerbrochene Kinderseele versteckt, die zu viel durchleben und ertragen musste. Zuerst wehrt sich Claire, bei Olivias Plan mitzuwirken, was vollkommen nachvollziehbar ist. Aber es ist nicht ganz nachvollziehbar, warum sie doch bleibt und sich auf einen Besuch bei ihrem Vater einlässt. Man fragt sich bald, warum sie für die Suche der Beweise nicht einfach eingebrochen ist, ihr Vater ist schließlich gerade in einer Klinik. Lässt man sich darauf ein, kommt bald das nächste Fragezeichen - und so geht es weiter. Man kann nicht unbedingt die Schritte von Claire nachvollziehen, gerade bei ihrer Vergangenheit. Gespickt sind diese unlogischen Schritte mit wahnsinnigen Längen zwischendurch, kleinen Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen und überhaupt ... mir fehlt es ein bisschen an dem typischen Extreme Horror, der sehr kurz kommt und fast nur angeschnitten wird. Das "Schlimmste" sind eine Horde Kakerlaken und das kann keinen Extreme Horror Leser wirklich schocken.

Alles in allem ist das Buch eine nette kleine Rache-Story, bei der mir persönlich der Pfiff und die wirkliche Rache fehlen. Ganz nett sind die unerwarteten Wendungen, die es aber auch nicht rausreißen.

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kurzgeschichten, horror, schwarzer humor, splatter, gewalt

Jacks magische Bohnen

Brian Keene , Markus Mäurer , Mark Freier
Buch: 180 Seiten
Erschienen bei Atlantis Verlag Guido Latz, 01.11.2012
ISBN 9783864020384
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Brian Keene hat genügend Fans, die sich um dieses Büchlein reißen. Fünf Kurzgeschichten des Horrorautors in einem Band, die es in sich haben - und größtenteils vergriffen sind bzw. waren. Dabei geht es um Blut, Brutalität, Mörder und jede Menge Abgründe der menschlichen Seele.

Bereits die erste Novelle Jacks magische Bohnen lässt den Leser in eine brutale Welt eintauchen, aus der es anscheinend kein Entrinnen gibt. Blut spritzt, Gehirnmasse klebt an den Wänden und Gedärme verteilen sich auf dem Fußboden. Ein Lesegenuss für jeden Extreme-Horror-Fan. Nicht nur Fans von Richard Laymon werden hier Parallelen finden, Keene spricht diese auch selbst an. Wer die Novelle mag, sollte sich mal an Laymons Der Regen wagen.

Ohne Dich ist die Eskalation einer Beziehung, die eigentlich schon längst am Ende ist, ohne wirklich beendet zu werden. Den Ausweg des Protagonisten muss man natürlich ein bisschen absonderlicher gestalten.

I am an Exit und This is not an Exit sind zwei zusammenhängende Geschichten. Man wünscht sich schnell einen kompletten Roman mit dem Exitmörder und Keene Fans sind hier auch nicht enttäuscht worden. Die beiden Kurzgeschichten sind Momentaufnahmen, die nicht zu viel verraten und dem ein oder anderen vielleicht etwas zu kurz sein könnten.

Abschluss bildet Der King in: Gelb. Eine gute Idee, die aufgrund der Kürze schnell umgesetzt ist. Ein bisschen erinnert sie an den großen Meister Graham Masterton, der mit Der Horrorspiegel  eine ähnliche Idee niedergeschrieben hat.

Jacks magische Bohnen ist eine tolle Kurzgeschichtensammlung, die schnell durchgelesen ist und Extreme-Horror-Lesern wirklich Spaß machen wird.

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richard laymon, horror, das ufer, heyne verlag, richardlaymo

Das Ufer

Richard Laymon , Kristof Hahn
Flexibler Einband
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453676473
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Leigh wurde vor neunzehn Jahren bei einer tödlichen Sommerromanze schwanger. Mittlerweile ist ihre Tochter achtzehn Jahre alt und das Leben der beiden scheint perfekt zu sein. Bis Deana von einem Wahnsinnigen verfolgt wird und sich auch Leigh in wachsender Gefahr befindet. Wäre da nicht Mace, ein Polizeibeamter, der ihr Sicherheit vermittelt, aber vielleicht doch nicht der ist, der er zu sein vorgibt...

Richard Laymon ist bekannt für spannende Thriller, die einem gerne das Blut in den Adern gefrieren lassen. Das Ufer sollte da keine Ausnahme machen, so denkt man, aber leider wird man enttäuscht. Immer wieder gibt es unstimmige und krasse Brüche in der Geschichte, die einem irgendwann den Spaß verderben. Das wäre vielleicht akzeptabel, wenn ein solcher Bruch zwischen zwei Kapitel stattfände, aber nicht innerhalb ein und desselben. Über weite Strecken passiert leider gar nichts in dem Buch und man langweilt sich. Es müsste doch endlich mal spannend werden! Aber es geht immer nur verworren um Deana und ihre neue Liebe, nachdem die alte getötet wurde. Und manchmal um Leighs Spitzenrestaurant, das einen irgendwann gar nicht mehr interessiert. Krasse Logikfehler scheinen so gar nicht zum eigentlich Horrormeister zu passen, aber er begeht sie, damit die Geschichte fortfahren kann. Plötzlich stehen Tote auch wieder auf, kommen zum Drohen und verschwinden dann irgendwie sofort wieder, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen, werden von der Polizei in Gewahrsam genommen und ... Der Leser bleibt mit einem großen Fragezeichen im Kopf zurück. Selbst als es auf den letzten hundert Seiten so etwas wie spannend wird, ist das nur ein schwacher Trost und weitab von dem, was man von Laymon kennt und gewohnt ist. Sind hier mehrere Geschichten ineinander verwoben worden? Oder war das eine Rohfassung, die er nicht mehr nachbearbeitet hat? Leider eines der schlechtesten Bücher von ihm.

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liebe, freunde, mystisch, geheimnisse, teenie roman

Ich träum von dir...

Ellen Sommer
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei Sommer, Ellen, 01.06.2016
ISBN 9783000523052
Genre: Fantasy

Rezension:

Chris und Lille sind nach einigen Irrungen und Wirrungen endlich ein Paar geworden. Nun könnte alles perfekt sein, würden da nicht grausame Erinnerungen an einen Unfall wie ein Damoklesschwert über den beiden schweben.

Ellen Sommer hat ihrer Reihe Voll erwischt einen lesenswerten zweiten Band hinzugefügt. Zwar ist dieser Band gespickt mit Hinweisen auf den ersten, jedoch kann man ihn ohne weiteres auch lesen und alles nachvollziehen, wenn man Band 1 (noch) nicht kennt.

Die Protagonisten Lille und Chris sind endlich ein Paar geworden. Die Beziehung startet recht gut, wird aber bald überschattet von Alpträumen und einem dunklen Geheimnis, das Chris mit sich herumschleppt. Gemeinsam werden sie auf eine harte Probe gestellt und müssen an ihrer Beziehung und sich selbst arbeiten.

Ellen Sommer kann sich gut in die Teenager einfühlen und vermittelt dem Leser deren Gefühlswelt mit stimmigen Bildern. Die Perspektive wechselt immer zwischen Lille und Chris, so dass man die Gedanken beider recht gut nachvollziehen kann und auch der oder andere Schritt, der gemacht wird, deutlicher erklärt wird. Stellenweise muss man als erwachsener Leser, der lange aus diesem Alter heraus ist, schmunzeln, weil man sich ertappt fühlt. So war man auch mal, oder? 

Alles in allem ein gutes Buch für junge Leser, die ihre erste Liebe und deren Schwierigkeiten erfahren - und die sich in eine romantische Geschichte fallen lassen möchten.

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