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Brut des Teufels: Thriller

Stephen Leather
E-Buch Text: 481 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 16.10.2012
ISBN 9783641084202
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Heute möchte ich Euch die Werke eines Schriftstellers näher bringen, der mir besonders am Herzen liegt, weil er es geschafft hat, mich von der ersten Seite an zu begeistern. Nach seinem ersten Roman „Höllennacht“ (der übrigens gleichzeitig der Auftakt der Jack Nightingale-Triologie ist) war ich Stephen Leather komplett verfallen. Der Schreibstil, die Figuren, die Story – Leather hat einfach meinen Geschmack getroffen. Nun gibt es jedoch immer ein kleines Problem bei Romanserien: wenn einen schon Band I vom Hocker gerissen hat, wie sollen dies die nachfolgenden Geschichten dann noch toppen? Oder steht es von vorn herein fest, dass die Story nur mehr an Qualität einbüßen kann? Ob „Brut des Teufels“ mich überzeugen konnte oder ob Leather seinen Superhero-Status verloren hat, könnt ihr in der folgenden Rezension nachlesen.

Inhalt: Während Jack Nightingale in Band I, „Höllennacht“ um seine Seele kämpfen musste (sein Vater hat diese bei seiner Geburt an den Teufel verkauft … ja, er hatte es wirklich nicht leicht!), versucht Nightingale nun in Band II, „Brut des Teufels“, die Seele seiner Schwester zu retten. Dummerweise kennt Nightingale seine Schwester nicht und hat keine Ahnung wo sie sich aufhält. Während er alles daran setzt, das verschollene Familienmitglied aufzuspüren, muss er einen Weg finden, die Seele seiner Schwester zurückzubekommen, denn sonst wird sie auf ewig in den Abgründen der Hölle brennen.

Die Figur Jack Nightingale ist purer Sex! Soll heißen: Wenn dieser Mann real wäre, wäre ich ihm komplett verfallen. Gutaussehend, tough und immer einen coolen Spruch auf Lager, das ist Jack Nightingale. Aber bitte, glaubt jetzt nicht, dass er ein Saubermann ist; Nightingale gönnt sich gern mal einen Drink, wobei ihm die Uhrzeit dabei relativ egal ist. Ohne seine Zigaretten könnte er wohl nur schwer leben und Respekt vor dem Gesetz hat der ehemalige Polizist so gar nicht. Nightingale zieht sein Ding durch und macht sich dabei nicht immer Freunde. Ein weiterer sehr wichtiger Charakter in „Brut des Teufels“ ist Nightingales charmante Assistentin Jenny. Die junge Frau unterstützt ihren Boss wo sie nur kann und schafft es sogar manchmal (wenn auch nicht allzu oft), ihn von der einen oder anderen Dummheit abzuhalten. Die übrigen Protagonisten haben ebenso ihre Ecken und Kanten – eine 0815-Figur findet man in diesem Roman äußerst selten.

Die Geschichte an sich hat der Autor sehr gut durchdacht – auch wenn es hin und wieder kleine Unstimmigkeiten gibt. Wenn die Geschichte ansonsten schön „rund“ ist, habe ich aber kein Problem damit, wenn der eine oder andere kleine Denkfehler vorkommt. Vielmehr finde ich es absolut schade, wenn Leser Geschichten zerpflücken, weil gewisse Dinge nicht 100%ig zusammenpassen. Da kann schon sehr viel Leselust verloren gehen, wenn man sich ständig auf die Plausibilität eines Romans konzentriert und sich nicht in die Geschichte hineinfallen lässt. Aber dies ist meine Meinung – dies soll natürlich jeder Leser handhaben, wie er will.

„Brut des Teufels“ ist keineswegs ein Horrorroman, aber auch kein reiner Thriller – die Definition fällt mir ehrlich gesagt bei diesem Buch relativ schwer, weil in die Story so viele verschiedene Elemente einfließen, dass eine eindeutige Einteilung in ein Genre schwer fällt. Einerseits gibt es den Ex-Polizisten, der nun Privatdetektiv ist – andererseits begegnen dem Leser so viele übernatürliche Wesen, dass „Brut des Teufels“ beinahe schon ein Mysterythriller ist. Wobei ich sagen muss, dass die Spezifizierung des Romanes eigentlich unwichtig ist, denn es zählt ja lediglich, was die Geschichte hergibt und nicht, als was sie uns verkauft wird.

Blut, Mord und Totschlag kommen vor – wer sich jedoch nun auf umherfliegende Gedärme freuen sollte, wird leider, leider enttäuscht werden. Wenn Euch aber Séancen, Teufelsanbetungen, Seelen-Verhandlungen mit Dämonen und/oder Teufeln und eine Menge Spannung reichen, solltet Ihr mit „Brut des Teufels“ jede Menge Spaß haben und gut beraten sein. Diese Story gepaart mit Leathers unnachahmlichem Humor garantiert ein außergewöhnliches Leseerlebnis, das süchtig nach der Figur Jack Nightingale und seinen Geschichten macht. Ich hoffe, dass Euch der Roman genauso gut gefällt wie mir und Ihr dabei ebenso oft schmunzeln und lachen müsst, wie Eure Comtesse es musste.

Weitere Rezensionen und Beiträge findet Ihr auf dem Blut & Beuschel-Blog unter www.blutundbeuschel.com.

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kannibalismus, thriller, horror, gewalt, wüste

Das Loch

Richard Laymon , Marcel Häußler
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.09.2012
ISBN 9783453676268
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Was macht Ihr als erstes, wenn Ihr ein neues Buch in Händen haltet? Das Cover betrachten, den Plot lesen oder doch lieber daran riechen? Gut, daran riechen mag etwas eigenartig sein, aber ich finde es immer wieder genial, den Duft des neuen Romanes in sich aufzusaugen (und damit meine ich jetzt „neu“ im Sinne von „neu für mich“, denn auch ältere und gebrauchte Bücher können einen ganz außergewöhnlichen und tollen Geruch verströmen). Ja ich weiß, der Geruch hat an sich nichts mit dem Schriftsteller zu tun, aber dennoch bin ich der felsenfesten Meinung, dass Romane bestimmter Autoren einen ganz speziellen Eigengeruch haben.

Nehmen wir zum Beispiel die Bücher von Richard Laymon; diese riechen besonders gut und ich grinse jedes Mal wie Jason Voorhees an einem Freitag den 13. wenn ich endlich einen neuen Laymon in Händen halten und beschnuppern darf. Ob sich Richard Laymons Roman „Das Loch“ genauso gut liest, wie er riecht, könnt Ihr in der folgenden Rezension nachlesen.

Inhalt: Norman hält sich immer an die Regeln, aber kaum vergisst er einmal das Auto abzuschließen, hat er prompt einen Typen namens Duke am Hals, der ihn nötigt, ihn mitzunehmen. Aus zwei mach drei – bald ist auch die nächste Anhalterin, Boots, mit von der Partie und schon kann der Spaß losgehen: Duke und Boots sind zwei sexbesessene Irre, die eine Spur der Verwüstung hinter sich herziehen. Zuerst will Norman die beiden Psychopathen schnellstmöglich loswerden, bald aber steckt er selbst bis zum Hals in Schwierigkeiten und ist auf die Hilfe der zwei Wahnsinnigen angewiesen.

Fast zeitgleich bricht für die junge Lehrerin Pamela eine Welt zusammen: ihr Ehemann wurde getötet, ihr gesamtes Hab und Gut zerstört und als wäre das nicht schon schlimm genug, wurde sie auch noch von einem alten Bekannten entführt, der davon überzeugt ist, dass Pamela die Frau seines Lebens ist. Pamela scheint dem Psychopathen ausgeliefert zu sein, bis sie unerwartet Hilfe bekommt …

Wie Ihr sehen könnt, wird die Geschichte anfangs aufgeteilt, erst mit der Zeit laufen die beiden Erzählstränge zusammen. Diese Vereinigung ist Laymon in „Das Loch“ meiner Meinung gut gelungen, die Stories wurde einigermaßen logisch miteinander verbunden und das Zusammentreffen der beiden Hauptprotagonisten war relativ plausibel.

Der Buchtitel „Das Loch“ wurde meiner Meinung etwas unglücklich gewählt, da besagtes Loch zwar eine Rolle im Roman spielt, jedoch nicht unbedingt maßgeblich für die Geschichte ist (den Originaltitel „Into the Fire“ finde ich übrigens genauso unpassend). Das Cover wurde von Heyne wieder äußerst ansprechend und sehr „Laymon-typisch“ gestaltet, das Buch riecht somit nicht nur gut, sondern sieht auch gut aus.

Die Protagonisten sind – wie immer – sehr exzentrisch und haben ihren ganz eigenen Charme. Sie geben dem Leser immer wieder Anlass über Dialoge oder Situationen zu schmunzeln und lassen ihn nicht selten ungläubig den Kopf schütteln. Aber egal ob man das Verhalten der Figuren nun belächelt oder sich darüber wundert, es macht einfach Spaß sich mit ihnen zu befassen und sie auf ihrer Reise zu begleiten.

Wer Richard Laymon kennt, der weiß, was er von seinen Romanen erwarten darf: viel Action, Sex und Gewalt. „Das Loch“ bietet nichts, was der Leser nicht schon mal in einem anderen Buch von Laymon erlebt haben könnte, es gibt keinerlei großartige Überraschungen und wer sich jetzt „das ultimative Leseerlebnis“ erwartet, wird definitiv enttäuscht werden.

Man könnte eventuell sogar sagen „kennt man eine Geschichte von Richard Laymon, kennt man alle“ – aber soll ich euch etwas sagen? Dies stört mich nicht im Geringsten – ganz im Gegenteil, weil Laymon ohnehin nicht für seine gefinkelte Schreibweise oder für ständige Twists in den Stories bekannt ist. Laymon steht viel mehr für Beständigkeit, vergleichbar mit einem Lieblingsrestaurant, das zwar nichts besonderes sein mag, einem jedoch genau das gibt, was man braucht und einen vollkommen glücklich macht.

Laymons Muster ist fast immer dasselbe: Wir haben einen Protagonisten und/oder eine Protagonistin, die, nun ja, nicht für ihre Gewieftheit bekannt sind, dann gibt es meistens einen Bösewicht (natürlich – was wäre denn ein Slasher-Roman ohne den Psychopathen …) und eine durch und durch unlogische Geschichte. Das mag nun für den einen oder anderen langweilig klingen, jedoch kann ich Euch beruhigen, denn an einer Geschichte von Richard Laymon ist nichts fade oder uninteressant, denn Laymon ist Kult – entweder man liebt ihn oder man verabscheut ihn, ein Mittelmaß lässt sich kaum finden.

Auch wenn der Name „Richard Laymon“ für Splatter steht, ist er in Sachen Grausamkeit kaum mit den Jungautoren von heute vergleichbar. Ja, Laymons Geschichten sind derb und auch manchmal sehr ekelig, wenn ich mir jedoch im Vergleich dazu zum Beispiel eine Geschichte vom „Slasher-König“ Bryan Smith ansehe, wirkt eine Story von Richard Laymon fast wie ein Kindergeburtstag. Man muss aber natürlich bedenken, dass Laymons Romane in den 80er- und 90er-Jahren geschrieben wurden und zu dieser Zeit war es durchaus nicht üblich, Sex und Gewalt so offenherzig darzustellen. Es versteht sich von selbst, dass Richard Laymon es damals nicht leicht hatte – und umso höher muss man es ihm anrechnen, dass er sich nicht beirren ließ und sein Ding durchgezogen hat: mehr als 30 Romane und über 60 Kurzgeschichten gehen auf Laymons Konto und begeistern nach wie vor seine Fans.

Sollte sich manch einer nun vielleicht fragen, warum er Laymons Romane überhaupt lesen sollte, wenn sie weder außergewöhnlich, noch sonst in irgendeiner Weise herausragend sind, ist die Antwort ganz einfach: Richard Laymons Geschichten haben etwas, das so manchen Büchern fehlt, sie haben Charakter und einen enormen Unterhaltungswert. Laymons Romane sind ganz großes Kino, mit so viel Tempo, dass man die Bücher nur ungern aus den Händen legen möchte, mit so viel Sex, dass man immer wieder ungläubig den Kopf schütteln und schmunzeln muss, mit so viel Blut, dass der Leser im wahrsten Sinne des Wortes manchmal einfach nur mehr „rot“ sieht und mit Dialogen, die von schwarzem Humor nur so triefen – das ist Richard Laymon, das ist Kult und das ist genau der Grund, warum ich „Das Loch“ uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

Weitere Rezensionen und Artikel findet Ihr auf dem Blut & Beuschel-Blog.

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horror, jahrmarkt, prag, grusel, mord

Kutná Hora - Kreaturen des Zorns

André Wegmann
E-Buch Text: 90 Seiten
Erschienen bei null, 18.04.2012
ISBN B007VRK81Q
Genre: Sonstiges

Rezension:

Was sind für Euch die drei besten Locations für Gruselromane? Ganz spontan und ohne diese Frage zu sehr zu zerpflücken, kommen mir in den Sinn: alte (Spuk)Häuser, dunkle Wälder und verlassene Jahrmärkte. André Wegmann, der Autor von “Kutná Hora – Kreaturen des Zorns“, hat wohl einen ähnlichen Geschmack wenn es um unheimliche Schauplätze geht, denn sonst hätte er nicht einen – vermeintlich – verwaisten Jahrmarkt als Kulisse gewählt. Ob Wegmann mich das Gruseln lehrte und ob mich “Kutná Hora” gut unterhalten hat, könnt Ihr in nachfolgender Buchbesprechung nachlesen.

Inhalt: Randy und seine Freundin Torrie machen zusammen mit ihrem Terrier Timmy Urlaub in Tschechien. Bei einem Picknick auf einer ruhigen Wiese in der Nähe von Prag genießen die Verliebten das herrliche Wetter und die idyllische Umgebung – bis Timmy, scheinbar von etwas aufgeschreckt, bellend in den nahegelegenen Wald läuft. Als der kleine Terrier nicht zurück kommt, beschließt das Paar, ihm zu folgen – nicht wissend, dass im Wald das Grauen wartet …

Bei Novellen wie “Kutná Hora” ist es enorm wichtig, dass der Leser ohne Umschweife und so schnell wie nur irgend möglich in die Geschichte gesogen wird. Lange Einführungen sind auch bei Romanen in „Normallänge“ äußerst mühsam, aber hier hat der Autor in den 300 Folgeseiten die Möglichkeit, den Leser zu entschädigen, und ihn das lange Gerede am Anfang vergessen zu lassen. Bei einer Novelle funktioniert dies anders, immerhin hat der Schriftsteller nur um die 100 Seiten zur Verfügung, um den Leser von sich zu überzeugen. Wegmann war dies durchaus bewusst, so scheint es, denn er hat kaum eine Seite verschwendet. Sofort findet man sich mitten in der Story wieder, und es geht Schlag auf Schlag – ein Highlight jagt das nächste. Verschnaufen darf der Leser erst am Ende der Geschichte und selbst da hat Wegmann noch die eine oder andere Überraschung parat.

Die Charaktere wurden vom Autor grob gezeichnet, da er das Augenmerk auf die Handlung gelegt hat. Man lernt die Hauptfiguren gerade gut genug kennen, um sie sympathisch zu finden und ihnen bei ihrem Kampf gegen das Böse die Daumen zu drücken sowie mit ihnen mitzufiebern. Viel mehr Beziehung zu den Protagonisten braucht es meiner Meinung in einer Novelle nicht, da lediglich die Geschichte darunter leiden würde.

Ich habe in meiner „Lese-Karriere“ ja schon über die eine oder andere irre Szenerie gelesen und auch in puncto „Tötungstechniken“ war ich der Meinung, dass ich in den ganzen Splatter-Romanen ziemlich alles schon mal hatte – umso überraschter war ich, als ich in “Kutná Hora” über etwas gestolpert bin, das mir vollkommen neu war, mir zugegebenermaßen aus diesem Grund auch sehr imponierte und mich – ich gebs ja zu … – vor allem ziemlich amüsierte.

Die Geschichte ist durch und durch strange. Die Ideen sind teilweise so krank, dass ich tatsächlich darüber schmunzeln musste. Was manch einer vielleicht „absurd“ nennen würde, unterhält mich ausgezeichnet, denn Horror ist oftmals erst dann Horror, wenn die Grenze zum Wahnsinn überschritten wird und man sich als Leser nicht entscheiden kann, ob man lachen oder dem Buch einfach nur den Vermerk „irre“ aufdrücken soll. Naja, was soll ich sagen, ich gestehe, ich liebe solche kranken Schinken einfach und deshalb hat mich “Kutná Hora” auch ausgezeichnet unterhalten.

Zusammenfassend kann ich das Werk Freunden des brutalen Horrors absolut empfehlen. Thrill, irre Figuren und Splatter machen diese Geschichte aus – einmal damit begonnen lässt einen diese Story nicht mehr los und garantiert somit ein absolut spezielles Leseerlebnis.

Weitere Rezensionen und Artikel findet Ihr auf dem Blut & Beuschel-Blog!

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horror, geister, bier, eisenbahn, bürgerkrieg

Haus der bösen Lust

Edward Lee
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 01.06.2012
ISBN 9783865521491
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ihr kennt bestimmt folgendes Szenario: Ein Buch (beliebig abzuändern auf Film, CD, etc.) erscheint endlich, nachdem Ihr Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre darauf gewartet habt! Ihr freut Euch natürlich wie verrückt, aber dann gibt's die ersten Bewertungen und die sind leider eher mittelmäßig. Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit diesem "Problem" umzugehen. Entweder Ihr kümmert Euch nicht um andere Meinungen und lest einfach drauf los oder aber Ihr zögert den Lesebeginn etwas raus, weil Ihr Euch ein klein bisschen betrogen fühlt. Um ganz ehrlich zu sein, gehöre ich zu der zweiten Gruppe. Natürlich wirken Bücher auf jeden anderes, aber dennoch dämpft es die Lesefreude etwas, wenn die Kritiken nicht so bombastisch ausfallen wie man sich dies erwartet hatte.

So habe ich nun etwas zugewartet, bis ich mich (natürlich mit gemischten Gefühlen) auf meinen allerersten Edward Lee gestürzt hab. Ich war auf das Schlimmste gefasst und hab mich auf elendslange, langweilige Ausführungen eingestellt, aber bekommen hab ich etwas, mit dem ich so gar nicht gerechnet habe - vielleicht mag das für Euch maßlos übertrieben und extra dramatisch klingen, aber das ist nun mal mein Zugang, und ja, mir ist klar, dass sich dies ein ganz kleines bisschen wahnsinnig anhören muss, aber was soll ich sagen, ich hab nie behauptet, dass ich diesbezüglich normal" bin (sonst würde ich wohl auch nicht solche Geschichten lesen ...).

Kurzum: Ich hatte eine Meinung von diesem Roman im Kopf, musste mir im Nachhinein jedoch eingestehen, dass ich vollkommen falsch damit lag - mehr dazu könnt Ihr in der nachfolgenden Rezension lesen.

Die Suche nach einem wahrlich außergewöhnlichen Bier führt Justin Collier nach Tennessee in den Ort Gast". Am Ziel angekommen, checkt Collier in einer netten, kleinen Pension ein und merkt promt, dass er ungeheuer scharf ist. Nicht nur die 60-jährige Pensionseigentümerin hat es ihm angetan, auch deren Tochter Lottie wirkt eine ungeheure Anziehungskraft auf ihn aus. Doch nicht nur die Damen in der Pension erwecken Colliers Libido zu neuem Leben, auch die anderen Frauen in Gast würde er am liebsten auf der Stelle vernaschen. Als er jedoch im Zuge seines Aufenthaltes in Gast mehr über die Geschichte des kleinen Ortes erfährt, wird ihm bewusst, dass das entflammen seiner Lust keineswegs natürliche Ursachen hat, denn Gast ist ein ganz besonderes Städtchen, dessen blutige und perverse Vergangenheit bis in die Gegenwart reicht.

Neben der Story rund um Collier (die in der Gegenwart spielt) gibt es eine zweite Zeitebene, zu der Lee immer wieder wechselt. Genauer gesagt geht es um die Zeit vor und während des Sezessionskrieges (= Amerikanischer Bürgerkrieg, 1861 bis 1865). Diese beiden Zeitebenen haben mich nicht gestört, ganz im Gegenteil - ich fand die Zeitsprünge durchaus interessant und spannend zu lesen, vor allem weil die Geschehnisse von damals ja der Grund dafür sind, warum Gast heute der Ort ist, der er nun mal ist.

Als ich damals die ersten Rezensionen und Meinungen zum Roman gelesen habe, hatte ich folgendes Bild im Kopf: Sex, viel Sex und wenn es ausnahmsweise gerade mal keinen Sex gibt, wird Bier gebraut (was natürlich auch in allen Einzelheiten beschrieben wird). Gut, wie Ihr wisst, hab ich nichts gegen Passagen mit viel Fleischeslust, ABER da ich mich relativ schnell langweile, hätte es dennoch passieren können (was heißt, es hätte passieren können" - es wäre definitiv so gewesen ...), dass ich mich spätestens nach 100 Seiten so dermaßen gelangweilt hätte, dass der Roman mich nicht befriedigt hätte (dieses Wortspiel musste jetzt einfach sein). Und jetzt stellt Euch mal vor, wie schnell mich Ausführungen über den Bierbrauvorgang genervt hätten ... nicht auszudenken. Glücklicherweise sind meine Befürchtungen nicht eingetroffen. Es gab natürlich viel Sex und es wurde auch das eine oder andere Wort über Bier gewechselt, aber nichts davon war zu extrem oder wurde zu sehr breitgetreten.

Ich hab zwar bis zu diesem Roman noch nichts von Lee gelesen, jedoch ist der Gute bekannt dafür, dass er sich kein Blatt vor den Mund nimmt und gerne mal die eine oder andere Gewaltszene sehr detailliert beschreibt. Nun, auch im vorliegenden Roman schmeißt er dem Leser ein paar richtig harte Brocken hin. Verglichen mit anderen Romanen gab es in der Geschichte zwar relativ wenige Gewaltszenen, die, die es jedoch gab, hatten es absolut in sich.

Nun, wer jetzt glauben sollte, dass die Geschichte mit etwas Brutalität, Sex und Bier erzählt ist, der irrt. Lee hat zusätzlich zu den gängigen Horrorromanelementen (Gewalt und Sex) der Story etwas Mystisches und Übernatürliches angeheftet. Ich gebe ehrlich zu, dass ich Gruselromane liebe, nur leider gibt es viel zu wenige davon, was definitiv eine Marktlücke ist. Rohe Gewalt und Sex findet man in vielen Romanen, aber das "gewisse Etwas", das einem Gänsehaut über den Körper laufen lässt, ist eher selten. Die Gruselkomponente alleine reicht ja nicht, der Autor muss die Stimmung richtig transportieren, sonst ist es nicht mehr als eine 0815-Geistergeschichte.

Worauf ich hinaus will (ihr ahnt es bestimmt bereits) ist, dass Edward Lee es geschafft hat, dass ich beim Lesen teilweise tatsächlich ein mulmiges Gefühl hatte, weil er bestimmte Passagen mit solch düsterer Überzeugung erzählt hat. Dafür gibt es einen riesen Pluspunkt, weil ich erstens nicht mit einem mystischen Element in der Geschichte gerechnet habe und mich zweitens wirklich ab und an gegruselt habe.

Die Figuren hat Lee allesamt sehr interessant und außergewöhnlich gezeichnet. Normalos" gibt es im Roman kaum. Justin Collier ist hier noch - trotz permanenter Geilheit - die durchschnittlichste Person von allen. Ob alle Figuren in der Geschichte notwendig" sind, sei dahingestellt, jedoch trägt jede Persönlichkeit ihren Teil bei und hilft dabei, die Story richtig schön abzurunden.

Das Haus der bösen Lust" lebt von dem düsteren Geheimnis, auf dessen Fährte der Leser gebracht wird, nicht von Spannung oder Action; und genau das ist der Clou, denn eigentlich bin ich eine Liebhaberin von schnellen Geschichten. Dass mich eine Erzählung fesseln konnte, die verhältnismäßig eigentlich eher spannungsarm ist, spricht a) für den Schriftsteller und b) für die Geschichte an sich, was mich, nun ja, doch sehr beeindruckt hat.

Täuscht Euch jedoch bitte nicht: Edward Lee ist keineswegs immer so handzahm". Solch subtiler Horror, wie man ihn in Das Haus der bösen Lust" findet, ist bei ihm eher selten. Vielmehr ist er als obszöner Provokateur und führender Autor des Extreme Horror" (Zitat Festa Verlag) bekannt. Dem Roman Bighead" zum Beispiel, der vor kurzem ebenfalls im Festa Verlag erschienen ist, wurde das sehr aussagekräftige Prädikat most disturbing book" verliehen - das bedarf wohl keiner weiteren Erklärung.

Der Roman Das Haus der bösen Lust" hat mich in seiner Gesamtheit überzeugt. Geniale Geschichte, außergewöhnliche Protagonisten, viel Sex und zum Drüberstreuen der eine oder andere Einblick in den Abgrund der menschlichen Seele. Edward Lee versteht es zweifellos, seine Leser zu fesseln und macht definitiv Lust auf mehr!

Weitere Rezensionen und Artikel findet Ihr unter www.blutundbeuschel.com.

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