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29 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

italien, mittelalter

Der Name der Rose

Umberto Eco
Flexibler Einband
Erschienen bei dtv, 01.01.1986
ISBN B004VZW97C
Genre: Historische Romane

Rezension:


Inhalt

Der junge Benediktiner-Novize Adson von Melk reist mit dem Franziskaner William von Baskerville in eine Abtei, in der William einen Auftrag vom Kaiser zu erfüllen hat. Dort angekommen, wird William zusätzlich vom Abt beauftragt, einen Mord an einem der Mönche aufzuklären.
Und während William noch damit beschäftigt ist, die Geheimnisse der Abtei zu entdecken, sterben weitere Menschen.


Meinung

Ich wurde vorgewarnt, "Der Name der Rose" sei schrecklich langweilig und langatmig. Entsprechend skeptisch begann ich dann auch mit der Lektüre und muss zum Teil leider gestehen, dass sich die Warnung bewahrheitet hat, kann zum Teil aber glücklicherweise auch sagen, dass sich die Lektüre trotzdem gelohnt hat.

Es gibt zwei Dinge, auf die man zukünftige Leser*innen dieses Buches vorbereiten sollte:
Erstens wird man mit einer beachtlichen Menge an historischem Kontext gefüttert, da Ecos Wissen um die Kirche im Mittelalter dem eines Geschichtsprofessors alle Ehre macht.

Zweitens sollte man sich - was in Anbetracht der Tatsache, dass das Buch von Mönchen handelt und in einer Abtei spielt, vielleicht nicht überraschend ist - auf ausgedehnte religiöse Diskussionen und detaillierte Beschreibungen diverser kirchlicher Persönlichkeiten, Praktiken und Glaubensgrundsätze und ausführliche Hassreden auf "Ketzergruppen" gefasst machen.

Diese Massen an Informationen und komplexen Zusammenhängen bekommt man leider auch nicht behutsam und verständlich Stück für Stück nähergebracht, sondern hauptsächlich in sehr langen Absätzen und Dialogen, die kaum etwas anderes enthalten und die Handlung wenig voranbringen.
Zusammen mit Umberto Ecos Hang zu Monologen und Aufzählungen, die zum Teil ungelogen eine halbe Seite lang sind (teilweise in einem einzigen Satz), und seitenlangen Beschreibungen von Gefühlen, Träumen und Gebäuden (Einmal wird beispielsweise eine Kirche über sieben Seiten hinweg beschrieben) sorgte all das schnell dafür, dass ich die Urteile vieler, die das Buch als langweilig empfanden, nachvollziehen konnte. Zumal ich mich weder für das Mittelalter noch die katholische Kirche zu dieser Zeit sonderlich erwärmen kann und mich nicht gut mit diesen Themen auskenne, sodass es mir zum Teil schwer fiel zu folgen.

Zusätzlich wird das Lesen erschwert durch eine Vielzahl an Fachbegriffen und eine Menge lateinischer Begriffe, Sätze und Zitate, die zwar alle im Anhang erklärt werden, die ich aber irgendwann einfach übersprang, da es mir zu viel Aufwand war, ständig nach hinten zu blättern, nur um weitere kirchenspezifische Ansichten zu verstehen.
Oft war für mich nicht erkennbar, wieso Eco an diesen Stellen Latein verwendete (teilweise wurden normale, gesprochen Sätze zur Hälfte in Latein geschrieben - bei reinen Zitaten hätte ich es ja noch verstanden) und wieso er es nicht wenigstens mit Fußnoten übersetzen konnte, da es sich oft nur um wenige Wörter handelt und dies viel weniger Aufwand beim Lesen gewesen wäre.

Ebenfalls nicht erschlossen hat sich mir das Vorwort, in dem Eco die (vermutlich fiktive) Geschichte erzählt, wie er die angeblichen Original-Notizen von Adson von Melk (des Erzählers) gefunden und übersetzt hat. Der Prolog handelt von vielen Schwierigkeiten, die ihm auf der Suche nach Informationem über Adson und seine Erlebnisse begegneten, tut aber zur eigentlichen Geschichte absolut nichts zur Sache und wirkt vor allem deshalb so sinnlos, da die gesamte Geschichte und die meisten beteiligten Personen ohnehin fiktiv sind. Im Vorwort so zu tun, als handele es sich um ein Sachbuch, erschien mir daher unnötig.

Doch obwohl ich stellenweise sehr mit den Längen des Romans zu kämpfen hatte, konnte er mich in anderer Hinsicht doch faszinieren.
Zum einen gibt Eco durch sein fundiertes Fachwissen einen spannenden, teils schockierenden Einblick in das Leben im Mittelalter, insbesondere in Kirchenkreisen. Man erfährt einiges über die grausame Inquisition, die Diskrimierung und Vorurteile, die Frauen (insbesondere in der Kirche) erfuhren, und den Kampf von Wissenschaft und Vernunft gegen die strikten Regeln der Kirche und den unerschütterlichen Glauben, dass Gottes Wege unergründlich seien.

Zum anderen entwickelt sich neben der politischen Handlung auch eine Art Krimi, denn obwohl William wegen eines politischen Auftrags die Abtei aufsucht, wird er dort sofort beauftragt, einen Mord zu untersuchen, der dem Ruf der Abtei in besagten politischen Angelegenheiten schaden könnten. Bald bleibt es nicht nur bei einem Mord und William und Adson decken nach und nach verschiedene, Zusammenhänge auf, die die Leben und Geheimnisse diverser Mönche zu betreffen scheinen. Bis zum letzten Kapitel wird man gekonnt im Dunkeln gelassen und kann lediglich miträtseln und ein paar eigene Schlüsse ziehen, auch wenn ich auf die Auflösung am Ende selbst nie gekommen wäre.
Am Ende ergeben all die Morde und Geheimnisse ein dichtes aber sinnvolles Netz. Der letztendliche Auslöser, der am Ende aufgedeckt wird, kam mir dann aber doch ein wenig zu unbedeutend vor, als dass dafür so viel Aufwand betrieben und gemordet werden müsste.

Die Figur des William von Baskerville, Adsons Mentor und zweite Hauptfigur des Romans, war es jedoch, was das Buch trotz der Längen teilweise zu einem wahren Vergnügen für mich machte.
Der Name Baskerville könnte gut eine Anspielung auf Arthur Conan Doyles Sherlock-Holmes-Geschichten sein, denn William besitzt eine ähnliche Kombinationsgabe und einen gewissen Charme des verschrobenen Genies.
Der ehemalige Inquisitor ist seiner Zeit in seinen Ansichten zum Teil weit voraus und wirkt in seinem Gebrauch von Vernunft und seinem Glauben an die Wissenschaft höchst modern - ein spannendes Beispiel dafür, wie sich Glaube und Wissenschaft verbinden lassen.
Zudem ist William frech, schlagfertig und gut darin, die Logik anderer zu verdrehen, was unter anderem für sehr witzige Dialoge mit den sonst oft so humorlosen Kirchenmännern sorgt.


Fazit

"Der Name der Rose" ist definitiv ein Buch, auf das man sich einlassen muss, denn es enthält eine Menge, teils in lange Absätze und Monologe verpackte, Informationen über die Politik und Kirche des Mittelalters und sein Tempo leidet unter der Vorliebe des Autors für ewig lange Aufzählungen und lateinische Zitate.
Man lernt jedoch auch viele interessante, teils schockierende Dinge über die Zeit, in der der Roman spielt, und kann miträtseln bei einer verworrenen und spannenden Krimihandlung. Zudem ist William von Baskerville, eine der Hauptfiguren, überaus sympathisch, humorvoll und angenehm vernünftig und von seinen Ansichten her modern im Vergleich zu vielen seiner Kollegen.
Ich vergebe 3,5 Sterne.

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

Das Schwert des Sommers

Rick Riordan , Gabriele Haefs , Nicolás Artajo
Audio CD
Erschienen bei Silberfisch, 28.07.2016
ISBN 9783867422857
Genre: Jugendbuch

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Der Studi-Survival-Guide

Martin Krengel
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Uni-Edition, 01.08.2010
ISBN 9783937151793
Genre: Sachbücher

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180 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

neurologie, psychologie, neuropsychologie, sachbuch, krankheit

Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte

Oliver Sacks , Dirk van Gunsteren , Jan Rieckhoff , Peter Wippermann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.10.1990
ISBN 9783499187803
Genre: Sachbücher

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

rose, akademie, dhampir, hörbuch, vampir

Blutsschwestern

Richelle Mead , Michaela Link , Marie Bierstedt , Marie Bierstedt
Audio CD
Erschienen bei Argon, 05.10.2010
ISBN 9783839810491
Genre: Fantasy

Rezension:


Inhalt

Rose und Lissa sind seit Jahren beste Freundinnen, doch sie verbindet noch etwas anderes. Lissa gehört zu den Moroi, ein altes Vampirgeschlecht, dessen Existenz bedroht ist, da sie von den untoten Vampiren Strigoi gejagt werden. Um sie zu schützen, werden ihnen Wächter zur Seite gestellt, die zu den Dhampiren - halb Mensch, halb Moroi - gehören. Rose ist eine von ihnen und Lissas Wächterin.
Vor zwei Jahren floh sie mit Lissa aus ihrer gemeinsamen Schule und beide lebten lange unerkannt unter Menschen. Doch dann werden sie von den Wächtern der Schule gefunden und zurückgebracht.
Und dort beginnt Lissa ihre Vergangenheit wieder einzuholen. Das Ereignis, das sie damals zur Flucht bewegte, kann nicht einfach vergessen werden.



Meinung


"Vampire Academy" war vor Jahren, als ich mit dem Bloggen begann, der absolute Renner und ich habe mir schon vor Jahren vorgenommen, einmal in die Reihe reinzulesen. Nun bin ich endlich zumindest dazu gekommen, das Hörbuch zu hören.


Als Hörbuch eignet sich "Blutsschwestern" wunderbar zum zwischendurch und nebenbei hören, denn die Geschichte ist nicht allzu anspruchsvoll und man kann ihr gut folgen, auch ohne sich allzu sehr konzentrieren zu müssen. Lediglich die vielen Erklärungen über die Moroi, die Dhampire, die Strigoi und ihre Welt erfordern ein gutes Gedächtnis.

Marie Bierstedt ist eine meiner liebsten Hörbuchsprecherinnen, denn sie hat eine angenehme, warme und ruhige Stimme, die gut zur Erzählerin Rose passt und mit der sie auch allen anderen Figuren ihre ganz eigene Stimme und ihren Charakter verleiht.
Sie liest genau richtig bewegt und lebendig, um das Hören interessant zu machen, ohne übertrieben zu wirken.


Die Idee(n) hinter "Vampire Academy" hebt sich ein wenig, wenn auch nicht großartig, von anderen Jugendbüchern desselben Genres ab.
Die vampirische Klassengesellschaft fand ich hier ganz interessant, genau wie das Prinzip des Bandes und die Gaben, die die Moroi haben.
Erfrischend war auch, dass die "Auserwählte", die besonders Wichtige mit den besonderen Kräften, nicht die Hauptfigur ist, sondern deren beste Freundin.
Trotzdem bekommt man gut mit, wie sehr ihre gesellschaftliche Stellung und ihre Kräfte Lissa belasten, was ebenfalls angenehm ungewöhnlich zu lesen war und mir sehr realistisch erschien.
Zum Teil überrascht auch die Auflösung des Buches und einige seiner Charaktere.


In andere Hinsicht ist der erste Band der "Vampire Academy" dann aber absolut durchschnittlich.
Neben der Handlung gibt es viel Highschool-Drama mit einer Schulzicke, Gerede darüber, welche Typen am heißesten und begehrenswertesten sind, und viel Geknutsche und Gedanken an Sex. Typisch Teenager vielleicht, zum Teil aber auch sehr klischeehaft, oberflächlich und für mich nicht interessant, da mir die Figuren nicht sympathisch genug waren, um mich für ihr Privatleben zu begeistern.
Auch die beiden Liebesgeschichten sind von der ersten Minute an vorhersehbar und konnten mich aufgrund der flachen Figuren und ausgelutschten Storyelemente nicht berühren.
Das Konzept einer Art Auserwählten mit seltenen, besonderen Fähigkeiten ist ebenfalls nicht gerade neu und auf dem Geheimnis in dieser Richtung wurde zu sehr rumgeritten, als dass man es nicht sofort hätte erraten können.


Probleme hatte ich auch mit der Hauptfigur Rose und ihrer Art, die Geschichte zu erzählen.
Rose ist tough und hat immer einen coolen Spruch auf den Lippen, was Spaß macht zu lesen, und ist gleichzeitig authentisch, da sie ihr Temperament nicht immer kontrollieren kann.
Manchmal findet sie sich selbst aber auch zu toll und ihre Reaktionen und Antworten wirken einfach zu gezwungen, zu gewollt "cool", rebellisch und jugendlich. Zudem ist sie extrem oberflächlich und beschäftigt sich fast ständig damit, welche Jungs und Männer in ihrer Nähe gut aussehen und welche nicht. Auch ihrer besten Freundin Lissa gegenüber verhält sie sich nicht immer korrekt und meint oft, obwohl sie im selben Alter sind, besser zu wissen, was gut für Lissa ist.
Lissa ist da schon ein wenig spannender mit ihrer ruhigen, zunächst recht farblosen Art, über die man im Laufe des Buches mehr erfährt und die eine interessante, teils seltsam anmutende Wandlung durchmacht.
Wirklich sympathisch war allerdings auch sie mir nicht, was auch für die anderen, zum Großteil sehr durchschnittlichen und wenig originellen Figuren gilt.
Tatsächlich können sogar vor allem die Antagonist*innen am ehesten ein wenig überraschen.
Was die Entwicklung der Figuren angeht, erwarte ich von den Folgebänden auf jeden Fall mehr.


Fazit

Der erste Band der "Vampire Academy"-Reihe kann mit einigen interessanten Ideen und Figuren aufwarten, nutzt sein Potential aber nicht allzu gut und langweilt zum Teil mit gewollter "Jugendlichkeit", Oberflächlichkeit, Klischees und vorhersehbaren Entwicklungen. Ich vergebe 3 Sterne und weiß noch nicht, ob ich weiterlesen werde.

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690 Bibliotheken, 12 Leser, 5 Gruppen, 33 Rezensionen

fantasy, stephen king, der dunkle turm, revolvermann, schwarz

Schwarz

Stephen King , Joachim Körber
Fester Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 23.02.2005
ISBN 9783453012134
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Inhalt

Roland, der letzte Revolvermann, durchstreift die Wüste auf der Suche nach dem Mann in Schwarz, dem er das Geheimnis des Dunklen Turms entlocken will.



Meinung

Mein erstes Buch von Stephen King war ausgerechnet keiner der Horror-Romane, für die er bekannt ist, sondern der Auftakt zur weniger bekannten "Der Dunkle Turm"-Reihe, den man wohl eher als Fantasy bezeichnen kann.


Das Wort "Auftakt" beschreibt die Geschichte allerdings auch ziemlich gut, denn das ganze, nicht allzu dicke Buch wirkt wie eine große Einführung in die Welt, die Hauptfigur und das Thema der Reihe; eher wie ein langer Prolog als ein eigenständiges Buch.
Daher fiel es mir auch recht schwer, eine Inhaltsangabe zu diesem Buch zu schreiben, da nicht wirklich viel passiert, was man als Handlung bezeichnen könnte.
In der Gegenwart reist Roland allein durch die Wüste, immer dem Mann in Schwarz hinterher, von dem man das ganze Buch über weder erfährt, wer er ist, noch woher Roland ihn kennt. Zweimal trifft er auf Menschen: einer dient offenbar nur zur Einführung eines Flashbacks, den anderen - einen kleinen Jungen, der scheinbar mit dem Mann in Schwarz zu tun hat - nimmt er mit auf seine Reise.
Ansonsten besteht das Buch größtenteils aus Rückblicken auf Rolands Vergangenheit, die ein wenig über die Revolvermänner und ihre Leben verraten und in denen viele Menschen und Ereignisse aus Rolands Leben erwähnt werden, wobei fast immer offengelassen wird, was mit ihnen passiert ist bzw. wie sie ausgingen.
Selbst die Auflösung des aktuellen Konflikts am Ende, bildet im Grunde nur wieder den Auftakt zu neuen Geheimnissen und dem eigentlichen Sinn von Rolands Reise, die das Erreichen des Dunklen Turms zu sein scheint. Ich habe mich nach der Lektüre kein bisschen schlauer gefühlt als zuvor und habe das Gefühl, dass man die ganze Reihe gelesen haben muss, um sie wirklich beurteilen zu können.

Durch die vielen Flashbacks, so spannend sie inhaltlich auch sind, wird das Buch häufig auch auf verwirrende Weise verschachtelt, wenn Roland zB jemanden von seiner Reise nach Tull erzählt, während der er eine Frau traf, die ihm wiederum von vergangenen Ereignissen berichtete, sodass man am Ende zwei Binnenhandlungen erhält.
Auch irritiert der Schreibstil durch zum Teil sehr drastische und in meinen Augen oft unnötige Gewaltbeschreibungen (beispielsweise das Zerquetschen von Eingeweiden, während jemand von einem Auto überrollt wird) und ständige Erwähnungen von Sex, Lust und Genitalien - auch in den unpassendsten Momenten (beispielsweise mitten in einem blutigen Kampf).

Das bedeutet allerdings nicht, dass ich den ersten Band schlecht fand.
Hat man sich erstmal an den altmodischen und etwas ungewöhnlichen Schreibstil gewöhnt, liest sich das Buch ziemlich schnell, nicht zuletzt weil King es trotz der eher dünnen Handlung versteht, in den Flashbacks durch geheimnisvolle Andeutungen und Kampfszenen Spannung zu erzeugen.
Auch die düstere Atmosphäre und die vielversprechende Welt und Hauptfigur machen Lust auf mehr. Die Welt scheint eine Art Mischung aus Fantasy und Zukunftsvision zu sein, in der die Menschen bestimmte technische Errungenschaften bereits kennen, andere ihnen jedoch (wieder) fremd sind, sodass man nicht genau weiß, wie unsere Welt und Gegenwart, die ebenfalls Erwähnung finden, mit dieser verknüpft sind.
Rolands scheinbar Ereignisreiches Leben macht ebenfalls neugierig und es bleibt zu hoffen, dass man darüber in den kommenden Bänden noch mehr erfährt und auch die Handlung der Gegenwart in den folgenden Büchern etwas mehr aufdreht.



Fazit

Bei "Schwarz" handelt es sich um den geheimnisvollen und vielversprechenden Auftakt einer Fantasy-Reihe, der allein für sich jedoch nur immer neue Geheimnisse und keine Antworten bereithält, sodass er am Ende nur wie ein großer Prolog für eine viel längere Geschichte wirkt. Ich vergebe 3 Sterne, werde aber auf jeden Fall weiterlesen, weil Stephen King mich mit diesem Buch neugierig gemacht hat.

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72 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 25 Rezensionen

nasa, rassentrennung, emanzipation, usa, gleichberechtigung

Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen

Margot Lee Shetterly , Michael Windgassen
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 02.01.2017
ISBN 9783959670845
Genre: Biografien

Rezension:


Inhalt


"Hidden Figures" ist das Ergebnis jahrelanger Recherchen der Autorin zu den sogenannten "schwarzen Computern" - farbigen Mathematikerinnen, die seit den 40er-Jahren für die NACA bzw. später NASA arbeiteten. Dabei konzentriert sich das Buch vor allem auf das Leben von Katherine Goble, Dorothy Vaughan und Mary Jackson, spricht aber auch viele Entwicklungen in der Raumfahrt und dem Kampf gegen Rassentrennung an.


Meinung

Genau wie der darauf basierende Film reizte mich "Hidden Figures" wegen der spannenden Themen-Mischung. Die Geschichten intelligenter, erfolgreicher Frauen, die sich gegen Vorurteile durchsetzen, sprechen mich immer sehr an und die in den USA viel zu lange vorherrschende Rassentrennung finde ich nach wie vor sehr erschreckend und lese immer wieder gerne von den Menschen, die sich gehen die vorherrschende Diskriminierung wehrten. Gewürzt wird die Mischung dann noch mit Informationen über die amerikanische Flugindustrie und die Raumfahrt, über die ich nicht besonders viel wusste, die aber ebenfalls sehr spannend klangen.

Informativ und interessant ist "Hidden Figures" wirklich. Sogar so, dass mir trotz wahnsinnig vieler Zahlen, Namen, Daten und Fachbegriffe nie langweilig wurde und sich das Buch sehr leicht lesen lies. Das liegt wohl zu großen Teilen auch an der Leidenschaft der Autorin für dieses Thema, die auf jeder Seite zu spüren und dadurch wirklich ansteckend ist.
Wie begeistert und motiviert Margot Lee Shetterly das Thema ihres Buches anging, lässt sich auch an dem seitenlangen Quellenverzeichnis erkennen, das zeigt, dass sie sich viele Stunden durch die Archive der NASA gewühlt hat und etliche Interviews mit den Personen selbst oder Freunden, Verwandten und Kollegen geführt hat. Beinahe jede Aussage, die sie in ihrem Buch trifft, ist mit einer Fußnote gekennzeichnet, die auf die entsprechende Quelle verweist, sodass man weiß, dass auch die vielen Informationen über das Privatleben der erwähnten Personen und Interna zuverlässigen Quellen entstammen und nicht dazugedichtet wurden.
Die zahlreichen Details, die eingebaut wurden, lassen die Ereignisse, auch wenn sie schon Jahrzehnte zurückliegen, alle sehr lebendig wirken.

Spannend ist auch der recht analytische, wissenschaftliche Blick, den das Buch auf dem Umgang farbiger Menschen mit der Rassentrennung wirft.
Auf der einen Seite beschreibt Margot Lee Shetterly die Bürgerrechtsaktivist*innen, auf der anderen Seite erzählt sie aber auch, dass Katherine beispielsweise sich nie aktiv gegen die Benachteiligung einsetzte, sondern sie einfach ignorierte und die meisten ihrer Kollegen in ihr nur eine gute Wissenschaftlerin sahen und sich nicht daran störten, dass sie über viele Regeln der Rassentrennung einfach hinwegsah. Diesen recht entspannten und mehr wissenschaftlichen als sozialpolitischen Ansatz an die Problematik fand ich sehr spannend, da er zeigt, dass es auch damals schon Menschen gab, die andere einfach aufgrund ihres Verhaltens und ihrer Leistung und nicht Aufgrund ihrer Hautfarbe beurteilten.
Gleichzeitig beweist er aber auch, dass viele Fortschritte in Sachen Rechte der Farbigen aus reinem Pragmatismus und weniger aus Überzeugung entstanden, da man beispielsweise schwarze Mathematikerinnen ursprünglich nur einstellte, weil man nicht genügend weiße fand.

Die Begeisterung der Autorin für ihre Themen ist aber gleichzeitig auch Grundlage des in meinen Augen größten Schwachpunkts des Buches. Zu viel wollte Margot Lee Shetterly auf einmal einbauen, zu viele Personen und Ereignisse sollten noch Erwähnung finden, dieses und jenes benötigte noch eine Erklärung als Grundlage und viele Ereignisse waren eng mit anderen verwoben, deren Geschichte man wiederum kurz erläutern musste. So kommt es, dass sie sehr oft zwischen Themen, Jahren und den Lebensgeschichten verschiedener Personen hin und her springt, auf einer Seite noch Dorothys Familienleben beschreibt, auf der nächsten auf einmal von Bürgerrechtsaktivisten und kurz danach vom Personalbüro des Langley Research Centers erzählt. Als Leserin konnte ich leider das gesamte Buch hindurch kein Konzept und keinen roten Faden erkennen und obwohl mich die Themen sehr interessiert haben, verwirrten mich die Themensprünge doch sehr. Das fand ich schade, denn wer so viele Jahre in die Arbeit an einem Buch steckt, hätte sich ruhig auch etwas mehr Gedanken über ein Konzept machen können.

Durch die wahnsinnig vielen Informationen, die alle auf einmal in das Buch gequetscht wurden, war ich manchmal auch überfordert von den vielen Namen, die ich kennen, und Sachverhalten, die ich verstehen sollte.
Viele Details erschienen mir allerdings auch recht überflüssig, beispielsweise die Beschreibung des guten Aussehens eines Matheprofessors oder die des Schmucks auf der Hochzeit von Katherines Schwägerin.


Fazit

"Hidden Figures" beeindruckt durch die unglaublich detaillierte Recherche der Autorin, deren Werk man anmerkt, mit wieviel Begeisterung sie sich ihm gewidmet hat. Die drei angesprochenen Themen sind allesamt sehr spannend und lebendig und interessant beschrieben.
Teilweise verliert die Autorin sich jedoch auch in unnötigen Details und baut zu viele Themensprünge und unübersichtlich viele Namen und Daten ein, sodass es schwerfällt zu folgen und darin ein System zu sehen. Ich kann daher nur knapp 3 Sterne vergeben.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

amie kaufman, meagan spooner, these broken stars

These Broken Stars

Amie Kaufman
Fester Einband
Erschienen bei Disney Press, 10.12.2013
ISBN B00I1CXNLC
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt

Major Tarver Merendsen, der als Kriegsheld gefeiert wird, und Lilac LaRoux, Tochter des reichsten und mächtigsten Mannes im Universum, befinden sich beide auf einer Reise auf dem riesigen Raumschiff Icarus. Obwohl die beiden in völlig verschiedenen Welten leben, überleben ausgerechnet sie beide den mysteriösen Absturz des Raumschiffes und stranden zu zweit auf einem verlassenen Planeten, auf dem seltsame Dinge vor sich gehen.
Während Lilac nichts weiter als nach Hause will und Tarver mit ihrer arroganten Art auf die Nerven geht, versucht dieser verzweifelt, ihrer beider Überleben zu sichern. Und während die beiden auf der Suche nach Hilfe den Planeten durchkämmen, kommen sie sich näher, als sie gedacht hätten, denn beide haben sie unter ihrer sorgsam bewahrten Fassade ihr Päckchen zu tragen.



Meinung

"These Broken Stars" habe ich mir tatsächlich nur gewünscht, weil es unter Blogger*innen so gefeiert wurde, und nach dem Lesen hat sich meine Befürchtung bestätigt, dass Jugendbücher einfach nichts mehr für mich sind, egal wie gerne ich die Blogger*innen mag, die sie empfehlen.

Das soll nicht heißen, dass das Buch schlecht gewesen wäre!
Ich mochte den kurzweiligen Schreibstil, die zum Teil humorvollen Dialoge und den Aufbau, bei dem die abwechselnd von Lilac und Tarver erzählten Kapitel immer wieder von kleinen Dialogfetzen unterbrochen werden, in denen Tarver offenbar von einem Vorgesetzten zu den Vorfällen befragt wird. Zum Teil ist der Widerspruch zwischen dem, was Tarver erzählt, und dem, was wirklich passiert ist, ganz unterhaltsam, zum Teil machen die Andeutungen des Vorgesetzten auch neugierig auf das, was passieren wird.

Man merkt auch, dass sich die beiden Autorinnen extrem viel Mühe bei der Erschaffung Ihres Science-Fictions-Universums gemacht haben. Seien es die Gesellschaft, die technischen Erfindungen, das politische System - überall sind kleine Details und tolle Ideen versteckt, die neugierig auf das Universum und seine Geheimnisse machen. Wie im Anhang vermerkt ist, haben die Autorinnen für ihre Recherchen auch viele Wissenschaftler*innen zu Rate gezogen und auf Bitte ihres Verlegers, doch ein paar Hintergrundinformationen zu der Welt zusammenzustellen, in der das Buch spielt, beinahe ein neues Buch nur mit Erklärungen geschrieben. Man erkennt durchaus das Herzblut, das in dieser Geschichte steckt.

Positiv überrascht war ich auch von einer Wendung in der Handlung und einer Enthüllung, mit der ich wirklich nicht gerechnet hätte und die ich sehr gelungen und originell fand.

Leider ist aber vieles in "These Broken Stars" auch absolut nicht neu, allen voran die Charaktere und ihre Beziehung zu einander.
Lilac und Tarver sind so bemüht unterschiedlich, wie man es bereits aus diversen Jugendbüchern, vor allem Dystopien, kennt. Zwar repräsentiert hier nicht eine Person das System und die andere die "Rebellen", wie man es zB von "Legend" kennt, (das kommt erst im zweiten Teil), dafür gibt es aber den Kontrast zwischen arm und reich, unerfahren und abgebrüht, verwöhnt und abgehärtet, etc. Leider ist dieses beliebte Element nichts Neues für irgendeine*n Jugendbuchleser*in und für mich stellte es absolut keine Überraschung dar, dass Lilac sich natürlich im Laufe der Zeit als tougher herausstellt, als sie vorher wirkte, dass sie doch nicht so arrogant ist, wie sie erst rüberkam, und dass natürlich auch der tapfere Kriegsheld Tarver einen weichen Kern hat und beide eine ach so dramatische Vergangenheit haben, die sie beide als gebrochene Seelen zusammenfinden lässt. Selbst die Elemente, die den Figuren mehr Tiefe verleihen sollten, haben sie in meinen Augen zu noch größeren Stereotypen gemacht, was dafür sorgte, dass mich nichts an ihrer Geschichte wirklich berühren konnte.
Hinzu kommt, dass sich beide vor allem anfangs nervtötend kindisch verhalten. So gibt sich Lilac beispielsweise absichtlich arrogant, um Tarver auf Abstand zu halten, beschwert sich dann aber, dass er sie nicht leiden kann. Allgemein war sie mit ihrem anfangs ständigen Wechsel zwischen zickig und naiv zu mutig und sorgend extrem widersprüchlich.

Am allermeisten genervt hat mich die zu erwartende, aber enorm erzwungen wirkende Liebesgeschichte, die ebenfalls von Anfang an klar zu erkennen war, aber mit immerwährenden inneren Kämpfen zwischen "Oh, sie lächelt mich an! Ich mag sie" und "Aber ich bin doch eh der letzte, den sie wollen würde." unendlich lange herausgezögert wird, wobei der Selbstbetrug der beiden einfach nur pubertär wirkt.
Ich will damit nicht sagen, dass es unrealistisch wäre, dass man jemandem näherkommt, mit dem man wochenlang auf einem verlassenen Planeten gestrandet ist, aber muss es denn wirklich immer eine Liebesgeschichte sein, in der sich die beiden schon nach zwei Wochen ewige Treue schwören? Kann man nicht auch einfach nur gut befreundet sein? Man muss dazu sagen, dass die Autorinnen sich große Mühe gegeben haben, die Liebesgeschichte nicht zu voreilig zu entwickeln, aber das ändert leider nichts an der Klischeehaftigkeit des Handlungsstrangs, bei dem sich zwei Menschen erst überhaupt nicht leiden können und dann durch dramaaatische Ereignisse plötzlich ein Paar werden.
Ich hätte mit diesem Element an sich wohl leben können, wäre es nicht der Hauptaspekt des ganzen Buches gewesen. Zwischen langatmigen Beschreibungen der endlosen Wanderungen über den Planeten passiert nun mal bis ins letzte Drittel nicht viel, außer dass sich Tarver und Lilac mit einander beschäftigen müssen, und das machte diesen Teil des Buches für mich sehr zäh und unbefriedigend.
Erst am Ende, als die Handlung dann wieder an Tempo aufnimmt und spannendere Dinge passieren, machte mir das Lesen wieder Spaß.


Fazit

"These Broken Stars" spielt in einem durchaus faszinierenden und gut durchdachten Universum, in das die beiden Autorinnen offensichtlich viel an bewundernswerter Arbeit gesteckt haben. Das originelle Ende mit unerwarteter Wendung kann die langatmige erste Hälfte jedoch nur zum Teil wieder ausgleichen und die Figuren enttäuschen leider durch absolut stereotype Charaktere und Biografien. Die Liebesgeschichte zwischen Lilac und Tarver folgt einem sehr ausgelutschten Muster und konnte mich leider nicht berühren.
Ich kann nur 3 Sterne vergeben.

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108 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

forensik, mark benecke, wissenschaft, kriminalbiologie, biologie

Mordmethoden

Mark Benecke
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 25.11.2011
ISBN 9783404605453
Genre: Sachbücher

Rezension:


Inhalt

Mark Benecke, der, wie er auf Radio 1 immer angekündigt wird, "berühmteste Kriminalbiologe der Welt", widmet sich in diesem Buch wieder seiner Arbeit. Er berichtet von Fällen, in denen er Kriminalbiologie zur Auflösung beigetragen hat, und beschreibt verschiedene Tätigkeitsfelder und Methoden seiner Berufsgruppe.



Meinung

Ich bin ein großer Fan von Mark Benecke und seiner faszinierenden Arbeit, doch mit diesem Buch konnte er mich leider ganz und gar nicht überzeugen.

Das Buch ist in verschiedene große Themengebiet eingeteilt, die sich wiederum aus verschiedenen Abschnitten zusammensetzen.
Während beim Kapitel "Spuren" der Zusammenhang zu Beneckes Beruf noch recht deutlich ist und man merkt, dass der Autor viel Erfahrung auf dem Gebiet hat, wirken andere Kapitel eher dünn besetzt.
In "Tödliche Verbrechen, teils tödliche Strafen" beispielsweise will Benecke sich unter anderem der Frage widmen, welche Täter eine Todesstrafe verdienen, kommt jedoch nie wirklich zu einer Antwort geschweige denn zu wirklichen Überlegungen. Über 40 Seiten geht es beispielsweise um den Fall Bernardo/Homolka. Das Leben und dir Persönlichkeiten der Täter werden ausführlich beschrieben, ebenso wie ihre Taten und die Gründe, wieso beide so lange nicht gefasst wurden. Die Frage, ob die beiden dafür die Todesstrafe verdient hätten, wird dagegen nicht, wie angekündigt, diskutiert.
Ich kann es Mark Benecke nicht verdenken, dass er keine Fragen beantworten möchte, die sich mehr mit Moral als mit Fakten befassen, aber dann war der Untertitel dieses Abschnittes ("Wer verdient die Todesstrafe?") einfach ungünstig gewählt. Zudem stellt sich die Frage, worauf genau er mit der Beschreibung dieser Verbrechen hinauswollte, denn sicherlich dienten sie nicht nur dazu, die Neugier von von Gewalt faszinierten Lesern zu befriedigen.
Auch Kapitel wie "Auf Ehre und Gewissen" hätte man entweder mit mehr Fakten (in diesem Fall psychologischen) anreichern oder lieber weglassen sollen, um sich mehr auf Kriminalbiologie zu konzentrieren. Denn in der Kriminalbiologie geht es ja gerade darum, nicht aufgrund emotionaler Gründe über die Täter zu urteilen, sondern durch Spuren reine Fakten darzustellen und den Ermittlern zu überlassen, was sie daraus machen. Das Motiv des Täters dagegen interessiert eher die forensische Psychologie (das Fachgebiet von Beneckes Exfrau), aber diese wird zu wenig mit einbezogen, um das Kapitel wirklich gehaltvoll zu machen.

Teilweise war ich einfach verwirrt, ob dieses Buch ein eher allgemeines über verschiedene Aspekte von Verbrechen und Verbrechensbekämpfung sein soll, auf die dafür nicht so genau und wissenschaftlich eingegangen wird, oder ob es um Beneckes Arbeit gehen soll. Ersteren Ansatz würde ich bei jemandem, der Experte auf einem der Gebiete ist, für eher ungünstig halten, da er ihm die Möglichkeit nimmt, seine ganze Expertise zu beweisen. Letzterer Ansatz wurde jedoch scheinbar nicht gewählt, denn sonst könnte ich mir die vielen Kapitel, die mit Kriminal_biologie_ nichts oder nicht viel zu tun haben und mehr aus Fallbeschreibungen als aus Infos zu den Ermittlungen bestehen, nicht erklären.

Auch innerhalb der einzelnen Kapitel wirkt das Buch oft unstrukturiert und steckt voller Themensprünge.
Innerhalb des Kapitels über die Entführung von Charles Lindbergh Junior beispielsweise beschreibt Benecke erst ausführlich alle Indizien, die an der Schuld des verurteilten Täters Zweifel aufkommen lassen, um dann auf einmal eine 180-Grad-Wende zu machen und zu erklären, es sei offensichtlich, dass nur der Verurteilte der Täter gewesen sein könne. Dabei verzichtet er leider oft auf den Konjunktiv oder andere Kennzeichnungen, dass es sich um seine Meinung und nicht um Tatsachen handelt, obwohl mindestens eine der beiden Ansichten Spekulation sein muss, da nicht beide gleichzeitig wahr sein können. Auf Ungereimtheiten, die es trotz scheinbarer Beweise gegen den Verurteilten noch gibt und die er vorher selbst noch als Unschuldsbeweis aufgezählt hat, geht Benecke nicht mehr ein.
Zudem befolgt er die "Doyle'sche Regel", deren Bedeutung er vorher extra herausstellt, in seinem Urteil selbst nicht.

Unterbrochen werden die einzelnen Kapitel oft von grau hinterlegten Einschüben, die Hintergrundinformationen oder Beispielfälle zur Vertiefung bieten. Diese stören den Lesefluss allerdings enorm, da man sich entweder entscheiden muss, sie zuerst oder zuletzt zu lesen oder das Lesen des eigentlichen Abschnitts dafür zu unterbrechen.

Als höchst irritierend empfand ich auch, das Benecke im Buch von sich selbst in der dritten Person spricht, sich also "der Autor" nennt, auf der anderen Seite aber aber auch bestimmte Meinungen konkret als "Unsinn" bewertet (und nicht als "Der Autor hält dies für unsinnig) und somit die Grenze zwischen Fakten und Meinung des Autors wieder verschwimmen.


Fazit

Mark Beneckes Beruf des Kriminalbiologen ist durchaus faszinierend und es ist immer wieder spannend, etwas über dessen Aufgabengebiete und beispielhafte Fälle zu lernen. Gerade von einem Wissenschaftler hätte ich deshalb aber mehr Fokus auf das eigene Fachgebiet oder immerhin mehr Fakten und weniger reine Beschreibungen von Fällen erwartet. Zwar geht es in einigen Kapiteln um die Aufgaben von Kriminalbiologen und es wird auch wunderbar erklärt, wie diese zur Aufklärung von Fällen beitragen. Andere Kapitel jedoch wirken recht oberflächlich, der Bezug zu Benecke bleibt unklar und bei einigen Fallbeschreibungen erschloss sich mir nicht, wozu genau sie dienen sollten.
Auch wirkt das Buch oft recht unstrukturiert und Einschübe inmitten der Kapitel stören den Lesefluss. Ich kann nur 2 Sterne vergeben.

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science fiction, liebe, these broken stars, fantasy, meagan spooner

These Broken Stars

Amie Kaufman
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Disney Publishing Worldwide, 23.01.2014
ISBN 9781423171027
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt

Major Tarver Merendsen, der als Kriegsheld gefeiert wird, und Lilac LaRoux, Tochter des reichsten und mächtigsten Mannes im Universum, befinden sich beide auf einer Reise auf dem riesigen Raumschiff Icarus. Obwohl die beiden in völlig verschiedenen Welten leben, überleben ausgerechnet sie beide den mysteriösen Absturz des Raumschiffes und stranden zu zweit auf einem verlassenen Planeten, auf dem seltsame Dinge vor sich gehen.
Während Lilac nichts weiter als nach Hause will und Tarver mit ihrer arroganten Art auf die Nerven geht, versucht dieser verzweifelt, ihrer beider Überleben zu sichern. Und während die beiden auf der Suche nach Hilfe den Planeten durchkämmen, kommen sie sich näher, als sie gedacht hätten, denn beide haben sie unter ihrer sorgsam bewahrten Fassade ihr Päckchen zu tragen.



Meinung

"These Broken Stars" habe ich mir tatsächlich nur gewünscht, weil es unter Blogger*innen so gefeiert wurde, und nach dem Lesen hat sich meine Befürchtung bestätigt, dass Jugendbücher einfach nichts mehr für mich sind, egal wie gerne ich die Blogger*innen mag, die sie empfehlen.

Das soll nicht heißen, dass das Buch schlecht gewesen wäre!
Ich mochte den kurzweiligen Schreibstil, die zum Teil humorvollen Dialoge und den Aufbau, bei dem die abwechselnd von Lilac und Tarver erzählten Kapitel immer wieder von kleinen Dialogfetzen unterbrochen werden, in denen Tarver offenbar von einem Vorgesetzten zu den Vorfällen befragt wird. Zum Teil ist der Widerspruch zwischen dem, was Tarver erzählt, und dem, was wirklich passiert ist, ganz unterhaltsam, zum Teil machen die Andeutungen des Vorgesetzten auch neugierig auf das, was passieren wird.

Man merkt auch, dass sich die beiden Autorinnen extrem viel Mühe bei der Erschaffung Ihres Science-Fictions-Universums gemacht haben. Seien es die Gesellschaft, die technischen Erfindungen, das politische System - überall sind kleine Details und tolle Ideen versteckt, die neugierig auf das Universum und seine Geheimnisse machen. Wie im Anhang vermerkt ist, haben die Autorinnen für ihre Recherchen auch viele Wissenschaftler*innen zu Rate gezogen und auf Bitte ihres Verlegers, doch ein paar Hintergrundinformationen zu der Welt zusammenzustellen, in der das Buch spielt, beinahe ein neues Buch nur mit Erklärungen geschrieben. Man erkennt durchaus das Herzblut, das in dieser Geschichte steckt.

Positiv überrascht war ich auch von einer Wendung in der Handlung und einer Enthüllung, mit der ich wirklich nicht gerechnet hätte und die ich sehr gelungen und originell fand.

Leider ist aber vieles in "These Broken Stars" auch absolut nicht neu, allen voran die Charaktere und ihre Beziehung zu einander.
Lilac und Tarver sind so bemüht unterschiedlich, wie man es bereits aus diversen Jugendbüchern, vor allem Dystopien, kennt. Zwar repräsentiert hier nicht eine Person das System und die andere die "Rebellen", wie man es zB von "Legend" kennt, (das kommt erst im zweiten Teil), dafür gibt es aber den Kontrast zwischen arm und reich, unerfahren und abgebrüht, verwöhnt und abgehärtet, etc. Leider ist dieses beliebte Element nichts Neues für irgendeine*n Jugendbuchleser*in und für mich stellte es absolut keine Überraschung dar, dass Lilac sich natürlich im Laufe der Zeit als tougher herausstellt, als sie vorher wirkte, dass sie doch nicht so arrogant ist, wie sie erst rüberkam, und dass natürlich auch der tapfere Kriegsheld Tarver einen weichen Kern hat und beide eine ach so dramatische Vergangenheit haben, die sie beide als gebrochene Seelen zusammenfinden lässt. Selbst die Elemente, die den Figuren mehr Tiefe verleihen sollten, haben sie in meinen Augen zu noch größeren Stereotypen gemacht, was dafür sorgte, dass mich nichts an ihrer Geschichte wirklich berühren konnte.
Hinzu kommt, dass sich beide vor allem anfangs nervtötend kindisch verhalten. So gibt sich Lilac beispielsweise absichtlich arrogant, um Tarver auf Abstand zu halten, beschwert sich dann aber, dass er sie nicht leiden kann. Allgemein war sie mit ihrem anfangs ständigen Wechsel zwischen zickig und naiv zu mutig und sorgend extrem widersprüchlich.

Am allermeisten genervt hat mich die zu erwartende, aber enorm erzwungen wirkende Liebesgeschichte, die ebenfalls von Anfang an klar zu erkennen war, aber mit immerwährenden inneren Kämpfen zwischen "Oh, sie lächelt mich an! Ich mag sie" und "Aber ich bin doch eh der letzte, den sie wollen würde." unendlich lange herausgezögert wird, wobei der Selbstbetrug der beiden einfach nur pubertär wirkt.
Ich will damit nicht sagen, dass es unrealistisch wäre, dass man jemandem näherkommt, mit dem man wochenlang auf einem verlassenen Planeten gestrandet ist, aber muss es denn wirklich immer eine Liebesgeschichte sein, in der sich die beiden schon nach zwei Wochen ewige Treue schwören? Kann man nicht auch einfach nur gut befreundet sein? Man muss dazu sagen, dass die Autorinnen sich große Mühe gegeben haben, die Liebesgeschichte nicht zu voreilig zu entwickeln, aber das ändert leider nichts an der Klischeehaftigkeit des Handlungsstrangs, bei dem sich zwei Menschen erst überhaupt nicht leiden können und dann durch dramaaatische Ereignisse plötzlich ein Paar werden.
Ich hätte mit diesem Element an sich wohl leben können, wäre es nicht der Hauptaspekt des ganzen Buches gewesen. Zwischen langatmigen Beschreibungen der endlosen Wanderungen über den Planeten passiert nun mal bis ins letzte Drittel nicht viel, außer dass sich Tarver und Lilac mit einander beschäftigen müssen, und das machte diesen Teil des Buches für mich sehr zäh und unbefriedigend.
Erst am Ende, als die Handlung dann wieder an Tempo aufnimmt und spannendere Dinge passieren, machte mir das Lesen wieder Spaß.


Fazit

"These Broken Stars" spielt in einem durchaus faszinierenden und gut durchdachten Universum, in das die beiden Autorinnen offensichtlich viel an bewundernswerter Arbeit gesteckt haben. Das originelle Ende mit unerwarteter Wendung kann die langatmige erste Hälfte jedoch nur zum Teil wieder ausgleichen und die Figuren enttäuschen leider durch absolut stereotype Charaktere und Biografien. Die Liebesgeschichte zwischen Lilac und Tarver folgt einem sehr ausgelutschten Muster und konnte mich leider nicht berühren.
Ich kann nur 3 Sterne vergeben.

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science fiction, liebe, these broken stars, fantasy, meagan spooner

These Broken Stars

Amie Kaufman
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Disney Publishing Worldwide, 23.01.2014
ISBN 9781423171027
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt

Major Tarver Merendsen, der als Kriegsheld gefeiert wird, und Lilac LaRoux, Tochter des reichsten und mächtigsten Mannes im Universum, befinden sich beide auf einer Reise auf dem riesigen Raumschiff Icarus. Obwohl die beiden in völlig verschiedenen Welten leben, überleben ausgerechnet sie beide den mysteriösen Absturz des Raumschiffes und stranden zu zweit auf einem verlassenen Planeten, auf dem seltsame Dinge vor sich gehen.
Während Lilac nichts weiter als nach Hause will und Tarver mit ihrer arroganten Art auf die Nerven geht, versucht dieser verzweifelt, ihrer beider Überleben zu sichern. Und während die beiden auf der Suche nach Hilfe den Planeten durchkämmen, kommen sie sich näher, als sie gedacht hätten, denn beide haben sie unter ihrer sorgsam bewahrten Fassade ihr Päckchen zu tragen.



Meinung

"These Broken Stars" habe ich mir tatsächlich nur gewünscht, weil es unter Blogger*innen so gefeiert wurde, und nach dem Lesen hat sich meine Befürchtung bestätigt, dass Jugendbücher einfach nichts mehr für mich sind, egal wie gerne ich die Blogger*innen mag, die sie empfehlen.

Das soll nicht heißen, dass das Buch schlecht gewesen wäre!
Ich mochte den kurzweiligen Schreibstil, die zum Teil humorvollen Dialoge und den Aufbau, bei dem die abwechselnd von Lilac und Tarver erzählten Kapitel immer wieder von kleinen Dialogfetzen unterbrochen werden, in denen Tarver offenbar von einem Vorgesetzten zu den Vorfällen befragt wird. Zum Teil ist der Widerspruch zwischen dem, was Tarver erzählt, und dem, was wirklich passiert ist, ganz unterhaltsam, zum Teil machen die Andeutungen des Vorgesetzten auch neugierig auf das, was passieren wird.

Man merkt auch, dass sich die beiden Autorinnen extrem viel Mühe bei der Erschaffung Ihres Science-Fictions-Universums gemacht haben. Seien es die Gesellschaft, die technischen Erfindungen, das politische System - überall sind kleine Details und tolle Ideen versteckt, die neugierig auf das Universum und seine Geheimnisse machen. Wie im Anhang vermerkt ist, haben die Autorinnen für ihre Recherchen auch viele Wissenschaftler*innen zu Rate gezogen und auf Bitte ihres Verlegers, doch ein paar Hintergrundinformationen zu der Welt zusammenzustellen, in der das Buch spielt, beinahe ein neues Buch nur mit Erklärungen geschrieben. Man erkennt durchaus das Herzblut, das in dieser Geschichte steckt.

Positiv überrascht war ich auch von einer Wendung in der Handlung und einer Enthüllung, mit der ich wirklich nicht gerechnet hätte und die ich sehr gelungen und originell fand.

Leider ist aber vieles in "These Broken Stars" auch absolut nicht neu, allen voran die Charaktere und ihre Beziehung zu einander.
Lilac und Tarver sind so bemüht unterschiedlich, wie man es bereits aus diversen Jugendbüchern, vor allem Dystopien, kennt. Zwar repräsentiert hier nicht eine Person das System und die andere die "Rebellen", wie man es zB von "Legend" kennt, (das kommt erst im zweiten Teil), dafür gibt es aber den Kontrast zwischen arm und reich, unerfahren und abgebrüht, verwöhnt und abgehärtet, etc. Leider ist dieses beliebte Element nichts Neues für irgendeine*n Jugendbuchleser*in und für mich stellte es absolut keine Überraschung dar, dass Lilac sich natürlich im Laufe der Zeit als tougher herausstellt, als sie vorher wirkte, dass sie doch nicht so arrogant ist, wie sie erst rüberkam, und dass natürlich auch der tapfere Kriegsheld Tarver einen weichen Kern hat und beide eine ach so dramatische Vergangenheit haben, die sie beide als gebrochene Seelen zusammenfinden lässt. Selbst die Elemente, die den Figuren mehr Tiefe verleihen sollten, haben sie in meinen Augen zu noch größeren Stereotypen gemacht, was dafür sorgte, dass mich nichts an ihrer Geschichte wirklich berühren konnte.
Hinzu kommt, dass sich beide vor allem anfangs nervtötend kindisch verhalten. So gibt sich Lilac beispielsweise absichtlich arrogant, um Tarver auf Abstand zu halten, beschwert sich dann aber, dass er sie nicht leiden kann. Allgemein war sie mit ihrem anfangs ständigen Wechsel zwischen zickig und naiv zu mutig und sorgend extrem widersprüchlich.

Am allermeisten genervt hat mich die zu erwartende, aber enorm erzwungen wirkende Liebesgeschichte, die ebenfalls von Anfang an klar zu erkennen war, aber mit immerwährenden inneren Kämpfen zwischen "Oh, sie lächelt mich an! Ich mag sie" und "Aber ich bin doch eh der letzte, den sie wollen würde." unendlich lange herausgezögert wird, wobei der Selbstbetrug der beiden einfach nur pubertär wirkt.
Ich will damit nicht sagen, dass es unrealistisch wäre, dass man jemandem näherkommt, mit dem man wochenlang auf einem verlassenen Planeten gestrandet ist, aber muss es denn wirklich immer eine Liebesgeschichte sein, in der sich die beiden schon nach zwei Wochen ewige Treue schwören? Kann man nicht auch einfach nur gut befreundet sein? Man muss dazu sagen, dass die Autorinnen sich große Mühe gegeben haben, die Liebesgeschichte nicht zu voreilig zu entwickeln, aber das ändert leider nichts an der Klischeehaftigkeit des Handlungsstrangs, bei dem sich zwei Menschen erst überhaupt nicht leiden können und dann durch dramaaatische Ereignisse plötzlich ein Paar werden.
Ich hätte mit diesem Element an sich wohl leben können, wäre es nicht der Hauptaspekt des ganzen Buches gewesen. Zwischen langatmigen Beschreibungen der endlosen Wanderungen über den Planeten passiert nun mal bis ins letzte Drittel nicht viel, außer dass sich Tarver und Lilac mit einander beschäftigen müssen, und das machte diesen Teil des Buches für mich sehr zäh und unbefriedigend.
Erst am Ende, als die Handlung dann wieder an Tempo aufnimmt und spannendere Dinge passieren, machte mir das Lesen wieder Spaß.


Fazit

"These Broken Stars" spielt in einem durchaus faszinierenden und gut durchdachten Universum, in das die beiden Autorinnen offensichtlich viel an bewundernswerter Arbeit gesteckt haben. Das originelle Ende mit unerwarteter Wendung kann die langatmige erste Hälfte jedoch nur zum Teil wieder ausgleichen und die Figuren enttäuschen leider durch absolut stereotype Charaktere und Biografien. Die Liebesgeschichte zwischen Lilac und Tarver folgt einem sehr ausgelutschten Muster und konnte mich leider nicht berühren.
Ich kann nur 3 Sterne vergeben.

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

jane austen, ratgeber, zitate, mode, stolz und vorurteil

Jane Austens Ratgeber für moderne Lebenskrisen

Rebecca Smith
Flexibler Einband
Erschienen bei Lambert Schneider, 01.07.2016
ISBN 9783650401632
Genre: Sachbücher

Rezension:


Inhalt

Mithilfe vieler Zitate aus den Romanen aber auch den Briefen Jane Austens und ihren detaillierten Recherchen zum Leben der Autorin, beantwortet Rebecca Smith in diesem Buch Fragen zu allen möglichen Themen, die frau betreffen: Liebe, Freundschaft, Familie, Arbeit, etc.



Meinung

Als erklärter Jane-Austen-Fan reizte mich die die dieses Buches sehr, denn allein durch ihren Humor, der in ihren Romanen durchklingt, halte ich die Autorin für eine sehr interessante und unterhaltsame Person. Was Jane also zu "modernen Lebenskrisen" zu sagen gehabt hätte, interessierte mich.
Allerdings muss ich gleich vorweg sagen, dass ich das Buch auch nur Jane-Austen-Fans empfehlen würde, denn als wirklicher Ratgeber taugt es leider nichts.

Man merkt wirklich, dass die Autorin Rebecca Smith mit Herz und Seele bei der Sache war, als sie für dieses Buch recherchierte. Sie scheint jede noch so unbedeutende Figur, jede noch so unauffällige Passage von Janes Romanen und jede noch so kleine Zeile ihrer Briefe zu kennen und weiß ohne Zweifel eine Menge über das Leben der Autorin.
Das führte bei mir zum einen dazu, dass ich große Lust bekam, die Austen-Romane noch einmal zu lesen, denn Smith schreibt so begeistert und detailliert über die Figuren und ihre Erlebnisse, als hätte es sie wirklich gegeben.
Zum anderen lernte ich eine Menge über das Leben Jane Austens, über das ich bislang wenig wusste, und es ist spannend zu sehen, welche Parallelen aber auch welche Unterschiede zwischen Jane und ihren Figuren und zwischen Jane und modernen Frauen existieren.
Auch Jane Austens Humor, der häufig zitiert wird, amüsierte mich sehr.
Ich ziehe definitiv meinen Hut vor den Recherchen der Autorin, die Jahre gedauert haben müssen.

Wie bereits erwähnt, hat das Buch als der Ratgeber, der es immerhin laut Titel ist, aber sehr deutliche Schwächen.
Man merkt, dass der Fokus auf der Person Jane Austen und weniger auf dem Genre Ratgeber lag.
Die Themen bzw. Fragen scheinen eher von Jane Austens Leben und Werk abgeleitet zu sein als aus üblichen "modernen Lebenskrisen", weshalb einige Fragen in ihrer Übertragung auf unser Jahrhundert sehr gezwungen wirkten. Bei anderen Fragen wiederum waren es die Antworten, in denen offenbar sehr angestrengt versucht wurde, irgendetwas von Jane zu finden, das mit diesem eher modernen Thema zu tun hat, beispielsweise die Frage, ob man lieber etwas von der Welt sehen oder gleich arbeiten gehen sollte.
Auch geht es viel um Oberflächlichkeiten wie den schlechten Modegeschmack der Freundin oder des Vaters. Solche Fragen wirkten für mich eher lächerlich als wie echte "Lebenskrisen".
Die Antworten auf die Fragen sind häufig eher ein Um-den-heißen-Brei-herumreden und lange Auszüge aus den Romanen und Briefen oder Absätze, die das Leben zu Jane Austens Zeiten beschreiben, aber wenig mit dem heutigen Leben und der eigentlichen Frage zu tun haben.
Schwierig fand ich auch, dass Rebecca Smith häufig vom Verhalten von Austens Heldinnen auf das schließt, was Jane Austen den Leserinnen empfehlen würde. Da Jane aber beispielsweise von ihrer Figur Emma wusste, dass niemand außer ihr sie würde leiden können, ist anzunehmen, dass Jane nicht unbedingt immer das Verhalten ihrer Heldinnen guthieß.

Als sehr seltsam empfand ich, dass die Überschrift, die jede Frage noch einmal hat, oft überhaupt nicht zur eigentlichen Frage und dementsprechend auch nicht zur Antwort passte. Das warf die Frage auf, wieso überhaupt jede einzelne Frage noch einmal eine eigene Überschrift brauchte.

Zwei Dinge störten mich außerdem an der deutschen Übersetzung sehr.
Zum einen der für Austen-Fans unverzeihliche Fauxpas "Mr. D'Arcy" im Klappentext und zum anderen die Tatsache, dass nach eingeschobenen Nebensätzen, nach denen ein "und" folgte, grundsätzlich kein Komma gesetzt wurde, obwohl das laut Duden ganz klar vorgeschrieben ist und man es zudem sogar an der Pause hört, die man beim Sprechen des Satzes machen würde.



Fazit

Für Fans von Jane Austen und ihren Romanen lohnt sich "Jane Austens Ratgeber für moderne Lebenskrisen" definitiv, denn das Buch ist das Ergebnis großartiger Recherchearbeit und steckt voller liebevoll zusammengetragener Details und Analysen von Janes Romanen und Briefen und voller interessanter Informationen über das Leben der Autorin.
Als Ratgeber taugt es ansonsten allerdings nicht viel, denn die Fragen wirken oft eher erzwungen und werden kaum beantwortet, da viel mehr über Jane und ihr Leben geschrieben wird, was nicht immer auf die heutige Zeit übertragbar ist.
Die Autorin hätte meiner Meinung nach gut daran getan, eine Biografie statt eines Ratgebers zu schreiben.
Ich vergebe knappe 3 Sterne.

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48 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

linus geschke, zodiac, köln, die akte zodiac, thriller

Die Akte Zodiac 4

Linus Geschke
E-Buch Text: 81 Seiten
Erschienen bei Edel Elements, 07.10.2016
ISBN 9783955308216
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Hinweis: Bei diesem Buch handelt es sich um einen Vierteiler, wobei ich in dieser Rezension alle vier Folgen zusammen bespreche.



Inhalt

Ein Liebespaar wird auf einem Parkplatz ermordet; die Polizei tappt auch nach Tagen noch im Dunkeln. Dann klinkt sich Fallanalytiker Marco Brock in die Ermittlungen ein und hat eine vielversprechende Theorie:
Die Tat könnte mit einem anderen Doppelmord zusammenhängen und beide ähneln auf verblüffende Weise einem alten, über 40 Jahre alten Fall. Und wenn Brocks Theorie stimmt, werden noch mehr Menschen sterben.


Meinung


Wer mich kennt, kennt auch meine vielleicht etwas morbide Faszination für Serienkiller, insbesondere ihre Psyche, die ich mit einigen der Figuren dieses Thrillers teile.
Daher war ich schon von der Inhaltsangabe der "Akte Zodiac" angefixt, als mir der Verlag die vierteilige eBook-Reihe als Rezensionsexemplar anbot. Der Fall eines Täters, der die Morde eines der bekanntesten Serienkiller nachstellt, klang vielversprechend.
Leider wurden meine Erwartungen nur zu einem kleinen Teil erfüllt.

Anfangs hatte ich große Schwierigkeiten, mich an Linus Geschkes Schreibstil zu gewöhnen. Teilweise wirkte er etwas plump und abgehackt, teilweise störte ich mich an Beschreibungen, die meiner Meinung nach unpassend und für die entsprechende Szene unnötig waren. Zum Beispiel war es mir völlig egal, welche Kleidung die Opfer zur Tatzeit trugen, da dies weder für die Ermittlungen relevant war noch etwas über die Personen aussagte. Auch die Beschreibung, wie sich nach dem Tod die Blase einer Person unkontrolliert entleert, kam mir bei einem sonst recht knapp beschriebenen Mord sehr fehl am Platz vor.
Hinzu kommen einige Fehler bei der Zusammenschreibung, die man mit der einfachen Faustregel "Was man zusammen spricht, schreibt man meist auch zusammen", hätte verhindern können.
Meine Probleme mit dem Schreibstil legten sich mit zunehmender Spannung jedoch, sodass ich sie am Ende ganz vergessen hatte.

Durch verschiedene Perspektiven wird in dem Buch gekonnt Spannung aufgebaut. Einerseits erfahren die Leser*innen, was die Ermittler tun, denn die meisten Szenen sind aus der Sicht der Polizistin Eva Lendt und des Fallanalytikers Marco Brock geschrieben. Dazu kommt ab und an noch eine Gruppe Jugendlicher, die sich sehr mit Serienkillern auskennen und sich bei ihren Recherchen auf dünnes Eis bewegen, und natürlich der Täter, aus dessen Sicht man auch einige Situationen beschrieben bekommt, sodass man oft mehr weiß als die Ermittelnden.
Gerade gegen Ende wird das Buch dadurch extrem packend, weil man auch als Leser*in teilweise im Dunkeln gelassen wird und nur Bruchstücke zugeworfen bekommt, von denen man sich wünschen würde, die Figuren würden sie endlich miteinander teilen und endlich auf die Lösung kommen.

Außerdem werden zwischendurch noch sehr detailliert und gut recherchierte Passagen eingestreut, die die Morde des echten Zodiac-Killers, des Vorbilds des jetzigen Mörders, beschreiben und anhand derer die Ermittelnden versuchen, Parallelen zu den aktuellen Morden zu finden und die Motivation beider Täter zu ergründen.
Dieses Puzzlespiel und die vielen Informationen über das noch immer ungelöste Geheimnis des echten Zodiacs sind mindestens genauso interessant wie die eigentliche Geschichte.

Die Auflösung nach dem spannenden Showdown konnte mich zum Teil dann wirklich überraschen, auch wenn ich andere Elemente der Handlung vorhergesehen hatte. Linus Geschke hat hier gegen geschickt falsche Fährten gelegt, sodass ich mit der wahren Identität des Killers absolut nicht gerechnet hätte.
Andere Aspekte des Endes stießen mir jedoch sauer auf, nicht zuletzt die letzte große Aktion der Ermittelnden, die mehr an eine actionreiche Krimiserie erinnerte als an etwas, was so in der Realität ablaufen würde.

Auch hat der Autor schon lange vorher eine falsche Fährte gelegt, die viel zu offensichtlich war, als dass man darauf reinfallen könnte, und die generell zu einem Handlungsteil gehörte, den ich nicht wirklich interessant fand.
Generell werden immer wieder Szenen eingestreut, die betont dramatisch beschrieben werden, um den Leser wohl mit den Figuren zittern zu lassen, die dann aber entweder gar nicht mehr erwähnt werden oder sich als viel harmloser und langweiliger herausstellen, als sie anfangs präsentiert wurden.

Das ist allgemein in meinen Augen ein großes Problem des Buches. Die Passagen über die Ermittlungen in der Gegenwart und die Parallelen Fälle aus der Vergangenheit sind äußerst spannend. Doch hinzu kommen leider private Problemchen der Ermittler, die für mich leider überhaupt nichts zu deren Person beitrugen, und große Abschnitte über die serienkillerbegeisterten Jugendlichen, die ich persönlich für die Handlung absolut nicht gebraucht hätte, vor allem nicht das "Liebesdrama", das dort eine Rolle spielt.


Am meisten habe ich mich aber an den Figuren gestört und das konnte leider auch das spannende Ende nicht mehr wettmachen.
Die wohl vielschichtigste Figur neben dem Killer selbst ist Brock, der als absolutes Ekelpaket eingeführt wird. Er ist extrem von sich selbst überzeugt, legt dauernd eine Frau nach der anderen flach, ohne sich um deren Gefühle zu kümmern, und versteht partout nicht, wie Eva einen solchen Kotzbrocken nicht mögen kann. Besonders letzteres spricht für mich doch sehr dafür, dass der ach so talentierte Psychologe selbst eine Persönlichkeitsstörung hat. Das allein wäre ja noch gar nicht so unrealistisch, doch dann hat Brock auch noch eine dramatische Vergangenheit, die seinen ekelhaften Charakter erklären soll, und die war mir dann doch zu viel des Guten, insbesondere, wie sie im Verlauf der Geschichte immer wieder auf absurde Weise aufgegriffen wird.
Eva und ihr Kollege Oliver dagegen sind einfach nur langweilig. Eva erzählt große Teile der Geschichte und trotzdem lernt man sie kaum richtig kennen, außer vielleicht die Tatsache, dass sie lange keine Beziehung mehr hatte und sich nach einem Mann sehnt, was neben den Ermittlungen den Großteil ihrer Gedanken einzunehmen scheint.

Generell gibt es scheinbar kaum eine Figur in diesem Buch, die nicht die ganze Zeit Sex im Kopf hat. In jeder noch so unpassenden Situation bekommt man zu lesen, dass die Person jetzt gerne Sex hätte, dass die Person lange keinen Sex mehr hatte oder dass sie hofft, dass sie bald Sex haben werde. Selbst, wenn echte, liebevolle Gefühle beschrieben werden sollen, geht es meistens darum, dass eine Person wunderschön sei oder jemand sich vorstellt, die andere Person läge nackt neben ihm im Bett. Besonders die wenigen Frauen werden auf ihr Aussehen und ihr Verhältnis zu Männern reduziert.
Sex dominiert die Gedanken von Ermittelnden, Opfern, den Nebenfiguren und dem Täter, während wirkliche, romantische Gefühle so gut wie gar nicht beschrieben werden, selbst wenn davon die Rede ist.


Für einen Thriller, in dem Serienmörder per Profiling systematisch analysiert und charakterisiert werden, ist der Täter in diesem Buch ebenfalls enttäuschend wirr dargestellt, sowohl was Motive als auch was die Tatausführungen betrifft. Und das, obwohl - oder gerade weil - wir einige Absätze aus seiner Sicht zu lesen bekommen.
Mal sieht er sich als moralischen Helden, als Verteidiger der Sitten, der es "den ganzen Schlampen" zeigen will. Das ist zwar auch eines der Motive, die man dem echten Zodiac zuschreiben könnte, erklärt aber einiges an seinem Verhalten nicht; vor allem, wieso er sich so auf den Zodiac fixiert, dessen Motivation nie ergründet wurde, statt als "eigenständiger" Serienmörder "ein Zeichen zu setzen".
Andere Male wird mehrfach seine Bewunderung für den Zodiac-Killer betont, sowie sein Wunsch, so wie dieser zu sein. Dabei stellte sich mir wiederum die Frage, warum genau er wie jemand sein möchte, dessen Identität und Motivation nie aufgeklärt wurde. Der Grund für seine Fixierung wird nie wirklich erklärt.

Zudem werfen seine Kopien der Zodiac-Taten einige Fragen auf: Die Ermittlungen ergeben, dass große Parallelen sowohl zwischen den Tatorten als auch den Opfern des "alten" und des "neuen" Zodiac-Killers bestehen. Während es beim Zodiac-Killer jedoch möglich war, dass er seine Opfer beobachtete und ihnen dann an an zufällig einander ähnelnde Orte folgte, an denen sie allein waren, stellt sich bei dem Copycat Killer, um den es in diesem Buch geht, die Frage, wie er es bitte geschafft haben soll, zufälligerweise auch noch in halbwegs ähnlichen Zeiträumen ähnliche Opfer zu finden, die sich dann auch noch an ähnliche Tatorte begaben. Zufälligerweise passen beide Aspekte bei seinen Morden, was mir doch sehr unrealistisch erschien, im Buch aber niemanden zu wundern schien.
Teilweise wirkte es, als hätte der Autor hier verzweifelt versucht, Parallelen zu den Zodiac-Morden herzustellen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie es dazu überhaupt kommen konnte und ob das überhaupt realistisch wäre.


Eine weitere Sache idt mir bezüglich der Figuren aufgefallen, auch wenn ich sie nicht direkt als Kritikpunkt anbringen kann:
Von über 20 Namen, die in diesem Buch erwähnt werden, klingen alle extrem urdeutsch. Und genau das fand ich ehrlich gesagt seltsam: "Die Akte Zodiac" spielt in Köln, einer Großstadt. Ich wohne selbst in einer solchen Großstadt und habe dort und auch sonst irgendwo noch nie eine größere Personengruppe gefunden, in der ausnahmslos jede*r einen deutschen Nachnamen hat. Laut Wikipedia haben in Köln ebenfalls 36,8% der Einwohner*innen Migrationshintergrund. Selbst, wenn man argumentiert, dass Serientäter sich meist Opfer aus der gleichen sozialen Schicht suchen, gibt es auch unter Weißen noch genug Menschen mit beispielsweise russischen oder polnischen Namen. Und das kann man als Täter schließlich nicht jedem einfach so ansehen, mal abgesehen davon, dass es für seine Motivation unerheblich wäre, welche Nationalität seine Opfer haben.
Auch unter den Beamten, Bekannten der Beamten und unter den Jugendlichen, die ebenfalls erwähnt werden, gibt es ausnahmslos deutsche Namen. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Diversität gewünscht, die eher der heutigen Realität in deutschen Großstädten entspricht (unerheblich, ob man das nun befürwortet oder nicht).


Eine Frage stellt sich mir schließlich noch: Wieso genau musste man dieses Buch in vier Teile aufteilen, die man ohnehin nicht unabhängig von einander lesen kann?


Fazit

"Die Akte Zodiac" beeindruckt durch einen faszinierenden Ansatz und sehr gut Recherchen zu den Morden des berühmten Zodiac-Killers, einem echten Serienmörder. Das Buch ist durch verschiedene, gut zusammengesetzte Perspektiven bis zum Schluss sehr spannend und die Auflösung überraschend.
Leider ziehen sich auch für die Geschichte meiner Meinung nach nicht notwendige Handlungsstränge durch das Buch, es gibt immer wieder in meinen Augen überflüssige und zu detailliert beschriebene Szenen und die Figuren bleiben alle sehr blass und scheinen nichts als Sex im Kopf zu haben. Insbesondere die Motivation des Täters konnte mich nicht überzeugen.
Daher kann ich nur sehr knappe 3 Sterne vergeben.

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158 Bibliotheken, 2 Leser, 7 Gruppen, 9 Rezensionen

dracula, klassiker, vampire, vampir, bram stoker

Dracula

Bram Stoker , Andreas Nohl ,
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.02.2014
ISBN 9783423142991
Genre: Klassiker

Rezension:

Hinweis. Diese Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe.



Inhalt

Der Rechtsanwalt Jonathan Harker reist im Auftrag seines Chefs nach Rumänien zu dem Grafen Dracula, der in London ein Haus zu kaufen wünscht. Zwar ist der Graf äußerst höflich, doch nach und nach wird er Jonathan auch unheimlich, bis dieser erkennt, dass er in eine Falle getappt ist. Eine tödliche Falle.

Einige Zeit später besucht Jonathans Verlobte Mina ihre gute Freundin Lucy, der es nicht gut zu gehen scheint. Sie schlafwandelt, hat Albträume und wird zunehmend blasser und schwächer. Verzweifelt versucht der mit Lucy befreundete Arzt John Seward, die Ursache für dieses medizinische Phänomen zu finden und ruft sogar seinen Freund, den überaus talentierten Doktor Van Helsing zur Hilfe.


Meinung


Für die düsteren Herbsttage hatte ich mir endlich einen Klassiker vorgenommen, den ich schon lange einmal lesen wollte: "Dracula", der zwar nicht der erste, wohl aber der bekannteste Vampirroman ist.
Und ich wurde wahrlich nicht enttäuscht, wenn auch das ein oder andere mal überrascht.

Das Buch ist aufgemacht als eine Sammlung von Tagebucheinträgen, Briefen und einigen wenigen Zeitungsartikeln. Dadurch bekommen wir neben den drei Figuren, die die Geschichte hauptsächlich erzählen (Jonathan, Dr. Seward und Mina), auch ab und zu noch andere Hinweise, die den Hauptfiguren zunächst noch unbekannt sind.
Doch alleine durch die drei großen "Hauptperspektiven" gelingt es Bram Stoker fabelhaft, Spannung aufzubauen und seiner Leserschaft Stück für Stück das Unheil zu verdeutlichen, das seine Figuren erwarten wird.
So reist man zunächst mit Jonathan nach Transsilvanien, wo man den Grafen das erste Mal trifft, doch bald schon verlagert sich die Handlung nach England, wo sich mysteriöse Dinge abspielen, die Jonathan vielleicht erklären könnte, wüsste er davon. Doch da diese Handlung zunächst unabhängig von der anderen verläuft, ahnen die anderen Figuren tragischerweise noch nicht das, was die Leserschaft bereits vermutet.
Als Leser*in ist man oft den Figuren ein Stück voraus und ahnt schon, was auf sie zukommt, doch am Ende, als dann alle Figuren in etwa auf dem gleichen Wissensstand, wird man auch noch einmal richtig auf die Folter gespannt und kann mir den Charakteren mitfiebern.
Dennoch ist das Buch leider auch ab und zu von sehr langatmigen Stellen durchzogen, in denen beispielsweise Van Helsing Monologe hält oder die Figuren sich auf etwas vorbereiten. Umso überraschender kommt da das doch recht abrupte Ende, das mir etwas zu knapp gehalten war.

Unterstützt wird dieser gelungene Spannungsaufbau durch den stimmungsvollen und unheimlichen Schreibstil Bram Stokers. Der Autor versteht es, düstere Orte und gruselige Personen wie den Grafen so anschaulich zu beschreiben, dass man sich wunderbar in die Figuren und ihre Ängste hineinversetzen kann.
Auch als erfahrene Englisch-Leserin hat mich der Roman jedoch manchmal sprachlich "erschlagen", denn in Kombination mit der altmodischen Sprache und einigen ungewohnten Dialekten und Akzenten der Figuren konnten die ausführlichen Beschreibungen und Monologe mich ab und zu etwas überfordern.
Übertreiben tut Stoker es meinem Gefühl nach dafür aber mit emotionalen Situationen, denn das Buch strotzt auch nur so vor Zuneigungsbekundungen Gefühl jeder Figur gegenüber jeder anderen und ständig bricht jemand für Rührung oder Angst in Tränen aus. Selbst die "stärken Männer" sind bei Stoker extrem emotional, was für diese Zeit wohl eher ungewöhnlich gewesen sein durfte.

Die Figuren des Romans sind eine weitere große Stärke, denn sie sind alle sehr verschieden und interessant, wobei leider nicht alle Nebenfiguren so ausführlich vorgestellt werden wie andere.
Besonders positiv überrascht war ich von der Figur der Mina, einer selbstbewussten, mutigen und intelligenten Frau, die für viele Teile der Handlung sehr wichtig ist und von den männlichen Figuren dafür auch sehr wertgeschätzt wird.
Auch der kauzige Van Helsing mit seinen klugen Theorien, in die er nur selten jemanden einweiht, seinem breiten Fachwissen und seinem Hang zu komplizierten Monologen sticht natürlich heraus, und man kann gar nicht anders als seine schräge Art liebzugewinnen.
John Seward und Jonathan Harker, die zusammen mit Mina die größten Teile der Geschichte erzählen, sind da schon etwas unauffälliger, aber ebenso sympathische, mutige und intelligente Figuren, die man, nicht zuletzt aufgrund ihrer weichen Herzen, liebgewinnt.

Fasziniert war ich von den vielen Mythen um Vampire, die Bram Stoker hier zusammenträgt, wobei ich mir oft nicht sicher war, wobei es sich tatsächlich um alte - Van Helsings Behauptungen nach bis in die Antike zurückverfolgbare - Legenden handelte und wann Stoker seine eigene Fantasie mit einfließen ließ.
Einige Merkmale eines Vampirs kannte ich natürlich aus vielen anderen, modernen Geschichten, beispielsweise die Nachtaktivität, die Abscheu vor Kruzifixen und Knoblauch, die Verwandlung in Fledermäuse, das fehlende Spiegelbild und die Tatsache, dass sie mit einem Pflock durchs Herz getötet werden müssen.
Stokers Graf Dracula besitzt aber noch eine Menge zusätzliche Eigenschaften, die mir neu waren. So kann er zum Beispiel Wölfe, Ratten und Nebel kontrollieren, kein fließendes Wasser überqueren und Häuser nur dann betreten, wenn er dazu eingeladen wird.
Die Figur des Dracula überrascht immer wieder und es ist spannend mit anzusehen, wie er sich mit den anderen Figuren einen Wettstreit in Sachen Planung und Intelligenz liefert und man bis zum Schluss nicht sicher sein kann, wer hier wem einen Schritt voraus ist.

Schmunzeln kann man als moderne Leser hier auch bei einigen historisch bedingten Inkorrektheiten.
So bekommt eine Figur im Laufe des Buches beispielsweise als eine Art letzte Notfallmedizin von vier verschiedenen Leuten Bluttransfusionen, um danach sofort wieder kräftiger und gesünder zu werden. In Wahrheit wäre die Chance vermutlich hoch gewesen, dass sie stirbt, weil ihr mindestens einmal die falsche Blutgruppe verabreicht wurde.
Ein anderes Mal nimmt Doktor Seward an, eine Fledermaus sei gegen die Scheibe geflogen, weil das Licht sie verwirrt habe, wobei man heute jedoch weiß, dass Fledermäuse sich mit Ultraschall orientieren.


Fazit

"Dracula" ist ein sehr gelungener und unheimlicher Vampirroman, in dem gekonnt konstant Spannung aufgebaut wird und der durch sympathische und authentische Figuren und einen atmosphärischen Schreibstil begeistern kann.
Ab und zu liest sich das Buch jedoch auch recht kompliziert und langatmig und das Ende kam dafür eindeutig zu abrupt.
Ich vergebe 4 Sterne.

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208 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

kunst, zwillinge, liebe, jugendbuch, young adult

Ich gebe dir die Sonne

Jandy Nelson , Catrin Frischer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei cbt, 21.11.2016
ISBN 9783570164594
Genre: Jugendbuch

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124 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

harry potter, beasts, magic, jk rowling, drehbuch

Fantastic Beasts and Where to Find Them

Joanne K. Rowling
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Little, Brown, 18.11.2016
ISBN 9781408708989
Genre: Jugendbuch

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Edgar Allan Poe - Die besten Geschichten

Edgar Allan Poe
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Anaconda Verlag, 30.06.2016
ISBN 9783730604175
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hinweis: Meine Rezension bezieht sich nicht auf diese Ausgabe, sondern auf den Sammelband "Unheimliche Geschichten" aus dem Anaconda-Verlag (ISBN: 978-3-86647-721-6), den ich auf Lovelybooks leider nicht finden konnte.


Inhalt

Eine Sammlung mehrerer kürzerer und einer recht langen (unvollendeten) Erzählung Edgar Allan Poes.


Meinung

Von Poe hatte ich bisher als dem Meister der schaurigen Kurzgeschichten gehört und freute mich daher auf eine kurzweilige und unheimliche Halloween-Lektüre. Leider war diese Sammlung für mich eine absolute Enttäuschung.

Man kann Poe ein gewisses Talent natürlich nicht absprechen. Zwar muss man sich zunächst an einige Eigenarten seines Schreibstils gewöhnen (z.B. die Ich-Perspektive und die Tatsache, dass er die Texte stets so gestaltet, als habe sein Erzähler sie tatsächlich erlebt, weshalb er z.B. Jahreszahlen und Namen oft nur abgekürzt nennt und immer wieder den Wahrheitsgehalt des Wiedergegebenen betont), doch er beherrscht definitiv auch die Kunst des Spannungsaufbaus durch seinen düsteren, atmosphärischen und wahrlich unheimlichen Schreibstil. Er schreibt recht bildgewaltig und arbeitet mit vielen Beschreibungen, die den Leser gut zu fesseln und in die Atmosphäre hineinzuversetzen vermögen.

Nur gehört zu dem Aufbauen von Spannung eben auch, sie gekonnt wieder aufzulösen, was Poe meiner Meinung nach jedoch kaum gelingt.
Einige Geschichten ("Unterhaltung mit einer Mumie", "Morella", "Das Geheimnis um Marie Rogêt"") weisen schlicht keinen Spannungsbogen auf; andere ("Die Tatsachen im Fall Valdemar", "Lebendig begraben", "Eine Flaschenpost") enden viel zu abrupt und ohne das Geschehen genauer zu erklären. In wieder anderen ("Das verräterische Herz", "Der schwarze Kater") kommt es zwar zu einem gut gestalteten Höhepunkt des Konfliktes, jedoch wird das Verhalten der Figuren überhaupt nicht oder nur durch diffuse Ahnungen und instinktive Gefühle erklärt, was mir persönlich nicht gereicht hat, um die Handlung überzeugend zu finden.
Am schlimmsten sind aber diejenigen Texte, die enden, bevor überhaupt irgendwas aufgeklärt werden kann ("Das Geheimnis um Marie Rogêt", "Die Erzählung des Arthur Gordon Pym").
In der Erzählung um Marie Rogêt, die einen damals aktuellen Mordfall auffällig gleicht (wobei diese Ähnlichkeit zwar erwähnt, aber weder vom Autor noch im Nachwort erklärt wird), referiert ein Bekannter des Erzählers beispielsweise seitenlang über seine Theorie zu dem Fall, woraufhin der Text mit der Anmerkung endet, den Rest der Geschichte könne sich der Leser ja sicherlich denken, ohne dass aufgeklärt würde, ob all die schönen Theorien stimmen.

Den größten Teil des Buches nimmt "Die Erzählung des Arthur Gordon Pym" ein, die über 200 Seiten umfasst. Auch diese ist wieder aufgemacht, als handele es sich um ein reales Erlebnis, das von Poe und später Pym niedergeschrieben wurde.
Pym gerät darin in Seenot und erlebt das ein oder andere Abenteuer, doch leider vermag die Erzählung kein bisschen Spannung aufzubauen, da Poe von Zeitraffung offenbar noch nie etwas gehört hat. Seitenlang muss der Leser die Beschreibungen von Hunger, Durst und immer wiederkehrenden Stürmen über sich ergehen lassen, was anfangs noch interessant, irgendwann aber eher nervig ist, weil sich stets die gleichen Situationen wiederholen und ja ohnehin klar ist, dass Pym überlebt hat.
Zudem schweift der Erzähler andauernd vom Thema ab und referiert Absätze lang über das Nistverhalten von Pinguinen und Albatrossen oder von der richtigen Ladung im Stauraum eines Schiffs.
Besonders ironisch ist die Aussage des Erzählers, er wende sich mit dieser Geschichte an Leser, die noch nie zur See gefahren sind. Vielleicht war das damals Allgemeinbildung, aber ich zumindest habe von den vielen Fachbegriffen rund um Segelschiffe kaum einen verstanden und Beschreibungen von Zerstörungen durch Stürme wirken leider nicht halb so beeindruckend, wenn man keine Ahnung hat, was genau jetzt eigentlich zerstört wurde.
Die Länge der Erzählung trägt auch keinesfalls dazu bei, dass irgendeine Figur ausführlicher charakterisiert und so irgendwelche Emotionen im Leser hervorzurufen würde.
Auch diese Erzählung endet leider mitten in der Geschichte und nur die Tatsache, dass Pym sie selbst erzählt, sagt dem Leser, dass er seine Abenteuer überlebt hat.
Für mich zumindest wurde diese lange Erzählung, in der trotzdem viel zu wenig passiert, mit der Zeit zur Qual.



Fazit

Edgar Allan Poe schreibt teilweise wirklich fantastisch düster und beweist das Talent, unheimliche Atmosphären für seine Geschichten zu kreieren. Leider werden viele seiner Erzählungen, so sie denn überhaupt einen Spannungsbogen aufweisen, nicht konsequent zu Ende geführt und das Verhalten der Figuren bleibt oft unverständlich.
Die letzte Erzählung, die beinahe die Hälfte dieses Buches einnimmt, ist extrem langatmig und dann auch noch unvollendet, weshalb das Ende des Buches eher Qual als Lesevergnügen ist.
Ich vergebe 2 Sterne.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

psychatrie, kriminalität, forensiischer psychater, mörder, tathergang

Jeder Mensch hat seinen Abgrund

Norbert Nedopil
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 26.09.2016
ISBN 9783442314423
Genre: Sachbücher

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23 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

biografie, oslo, anders breivig, norwegen, attentat

Einer von uns

Åsne Seierstad , Frank Zuber , Nora Pröfrock
Fester Einband: 543 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 28.04.2016
ISBN 9783036957401
Genre: Sachbücher

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33 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

rechtsmedizin, tödliches wunder, tod auf knopfdruck, jessica, tatwaffe feuer

Dem Tod auf der Spur

Michael Tsokos , Veit Etzold , Lothar Strüh
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 04.11.2009
ISBN 9783548373478
Genre: Sachbücher

Rezension:


Inhalt

Das erste Buch des mittlerweile recht bekannten Rechtsmediziners Michael Tsokos: Anhand einer Auswahl von Fällen erläutert Tsokos hier die Aufgaben, Methoden und die Bedeutung der Rechtsmedizin bei der Aufklärung von Kriminalfällen und liefert auch interessante Fakten zu den jeweiligen Todesarten, ihrer Häufigkeit und den Schlüssen, die man daraus ziehen kann.



Meinung

"Dem Tod auf der Spur" ist nicht mein erstes Buch von Michael Tsokos aber das erste, das er geschrieben hat.
In einem Vorwort erläutert er zunächst seine Beweggründe, dieses Buch zu schreiben, erzählt von den vielen falschen Bildern, die die Menschen durch die Medien von Rechtsmedizinern vermittelt bekommen, und erklärt die Bedeutung dieses Fachgebietes.
Die Intention des Buches ist also, den Lesern einen Einblick in den wahren Alltag von Gerichtsmedizinern zu ermöglichen und mit Klischees aufzuräumen, was wirklich interessant ist, sofern man sich mehr für das Thema interessiert als nur für die blutigen Obduktionsbilder aus Fernsehserien.
Tsokos erklärt zum Beispiel auch, dass der Begriff Pathologe oft fälschlicherweise als Synonym für Gerichtsmediziner verwendet wird, obwohl Pathologen ein ganz anderes Fachgebiet haben.

Anschließend stellt er verschiedene Todesfälle vor, die er während seinen Jahren als Rechtsmediziner bereits untersucht hat. Hier versucht er nicht nur, den Lesern den Zustand der Leiche möglichst sachlich zu beschreiben und dabei Fachbegriffe zu erklären, sondern erläutert auch, welchen Beitrag die Obduktion zur Klärung des Falls beitrug (während der Fokus hier aber tatsächlich auf der Obduktion liegt und der Rest der Ermittlungen nur angeschnitten wird), und liefert weitere Fakten rund um die jeweilige Todesart; beispielsweise nennt er im Falle einer Leiche in einer ausgebrannten Wohnung Zahlen dazu, wie häufig ein solcher Todesfall ein Unfall, Suizid, Vertuschung von Mord oder Mord war. Diese Hintergrundinformationen sind vor allem interessant, um zu erfahren, dass Rechtsmediziner eben nicht jeden Tag mit spektakulären und blutigen Morden zu tun haben.

Denn wer hier auf blutige und möglichst grausige Beschreibungen von Mord und Totschlag hofft, der sollte lieber zu einem Thriller greifen als zu diesem Buch. Michael Tsokos macht in "Dem Tod auf der Spur" alleine durch die Auswahl der geschilderten Fälle deutlich, dass Rechtsmediziner durchaus nicht nur offensichtliche Mordfälle untersuchen, sondern bei jedem unnatürlichen Tod (auch ungeklärten, Unfällen oder Suizid) herangezogen werden. Daher haben sie weitaus häufiger mit Suizidenten oder Unfallopfern zu tun als mit den Mordopfern, die man aus Krimiserien kennt. Das mag zunächst unaufregend klingen, doch Tsokos macht deutlich, wie dramatisch beispielsweise auch die hohe Zahl der Suizidenten ist und wie verzweifelt Menschen sein müssen, um mit den beschriebenen, teilweise sehr extremen Methoden ihr Leben beenden zu wollen.
Interessant sind außerdem die beiden Kapitel, die sich den Möglichkeiten der modernen Rechtsmedizin widmen, sogar jahrzehnte alte Fälle heutzutage noch aufzuklären.

Trotzdem hatte ich, nicht zuletzt weil ich bereits ein weiteres Buch von Michael Tsokos kenne, das Gefühl, dass in diesem Buch nicht die ganze Bandbreite der Rechtsmedizin abgedeckt wurde. So lässt der Autor z.B. völlig außer Acht, dass die Rechtsmedizin auch lebende Opfer von Verbrechen untersucht, um den Täter zu finden, worauf er in seinem dritten Buch, "Die Klaviatur des Todes", eingeht. Dabei wäre gerade das in meinen Augen auch noch ein interessanter Fakt gewesen, der in den gängigen Rechtsmedizinerklischees kaum vorkommt.

Teilweise empfand ich Tsokos' Erläuterungen an den Kapitelenden, wenn der eigentliche Fall abgeschlossen war und er zu den Hintergrundinformationen kam, auch als etwas langatmig und - ebenso wie Teile der Einleitung - mit einigen Wiederholungen gefüllt, die wirkten, als hätte er die Kapitel ein wenig strecken wollen, weil der Fall selbst nicht genug Stoff für ein langes Kapitel bot.



Fazit


Ein informatives und empfehlenswertes Buch für alle, die sich mit dem Thema Rechtsmedizin, wie sie wirklich praktiziert wird und nicht, wie sie in Medien dargestellt wird, auseinandersetzen möchten. Der Autor beschreibt anschaulich aber sachlich und verständlich einige Fälle, erklärt die Bedeutung der Rechtsmedizin für die Aufklärung von Todesfällen und baut viele interessante Fakten und Zahlen ein. Trotzdem ist "Dem Tod auf der Spur" meiner Meinung nach nicht so empfehlenswert wie "Die Klaviatur des Todes", da es einige langatmige Stellen enthält und dafür einen wichtigen Aspekt außer acht lässt. Ich vergebe 3,5 Sterne.

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678 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 121 Rezensionen

einsamkeit, liebe, verlust, familie, benedict wells

Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells
Fester Einband: 355 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257069587
Genre: Romane

Rezension:


Inhalt


Im Jahr 2014 erwacht Jules nach einem Motorradunfall im Krankenhaus.
Während er im Bett liegt und sich von seinen Verletzungen erholt, schweifen seine Gedanken ab, bis zu seiner Kindheit in den 80ern, seiner Jugend, den ersten Jahren als Erwachsener. Er erinnert sich an wunderschöne und schrecklich schmerzhafte Erlebnisse, an neue Freundschaften und an getrennte Wege, an aus den Augen verlorene Leidenschaften und philosophiert über das Leben und seinen Platz darin.


Meinung

Schon den Inhalt dieses Buches zusammenzufassen fiel mir schwer, doch eine Rezension zu schreiben erscheint mir wie ein Ding der Unmöglichkeit, denn "Vom Ende der Einsamkeit" liest man nicht wie normale Bücher, man fühlt es, man lebt es.

Von Beginn an wird deutlich, dass der Roman keine einfache, chronologisch erzählte Lebensgeschichte des Protagonisten ist. Es gibt nicht unbedingt einen roten Faden oder ein bestimmtes Ziel, das Jules verfolgt, indem er sich erinnert. Vielmehr sind die beschriebenen Blitzlichter seines Lebens, die von seiner Kindheit ab dem Jahr 1980 bis ins Jahr 2014 reichen, Momente, die ihn als Menschen verändert und seine Persönlichkeit geprägt haben, seien es glückliche Momente mit Familie und Freunden, die Suche nach dem Sinn und dem Platz im Leben, Verlust und Finden einer großen Liebe oder tragische Schicksalsschläge.

Und da er sich vor allem an Momente erinnert, die für ihn von emotionaler Bedeutung sind, ist der Roman auch für den Leser von der ersten Seite an gefüllt mit Gefühlen verschiedenster Art, die Benedict Wells auf eine einfühlsame, poetische und doch niemals schwülstige, teilweise auch grausam direkte Art und Weise transportiert.
In Jules' Leben mögen diese Erlebnisse mit einigen Jahren Abstand stattgefunden haben, für den Leser geschehen sie jedoch innerhalb weniger Stunden, wodurch die Lektüre des Romans zu einer emotionalen Achterbahnfahrt wird.

"Vom Ende der Einsamkeit" ist wohl das Buch, bei dessen Lektüre ich am häufigsten Tränen in den Augen hatte. Und das lag nicht unbedingt daran, dass es durchgehend dramatisch gewesen wäre, sondern einfach daran, dass der Autor ein unglaubliches Talent dafür hat, tief ins Innere seiner Figuren zu blicken und Emotionen und ihre Hintergründe zu beschreiben, die man teilweise von sich selbst kennt, aber noch nie so anschaulich beschrieben gesehen hat.
So habe ich zwar auch mit den Figuren gelacht und hatte Freudentränen in den Augen, doch selbstverständlich ist der Roman auch herzzerreißend grausam - und realistisch. Er handelt von Freundschaft, Liebe und Familie, aber auch von dem Tod geliebter Menschen, der Art, wie jeder einzelne unterschiedlich damit umgeht und wie solche Ereignisse einen Menschen für immer prägen und sich in seinen späteren zwischenmenschlichen Beziehungen widerspiegeln. Und gerade durch den unterschiedlichen Umgang von Menschen mit tragischen Ereignissen sind in diesem Buch auch viele einzigartige und absolut authentische Figuren entstanden, jede von ihnen auf die ein oder andere Art verletzlich und verletzend, aber auch überaus liebenswert.
Und so ist der Roman auch, wenn man als Leser ein vielleicht nicht ganz so dramatisches Leben hatte wie Jules, auch sehr lehrreich, denn er zeigt uns, wie alles und jeder, der uns im Leben begegnet, uns prägen, wie unterschiedlich Menschen damit umgehen und weshalb wir trotz allen tragischen Momenten, aus den Augen verlorenen Lieben und scheinbar ziellosen Phasen immer weiterleben sollten, da das Leben wunderschön und voller Überraschungen ist.

Einen Haken hatte jedoch leider auch dieser wunderbare Roman für mich.
Dadurch, dass Jules von den Ereignissen aus der Sicht seines älteren Ichs im Jahr 2014 berichtet, macht er häufiger, wenn er in seinen Erinnerungen in der Zeit zurückreist, Andeutungen darüber, was später passieren wird. Sätze wie "Niemand hatte den Streit kommen sehen." oder die Bemerkung, es werde bald zu einem Unglück oder einem anderen tragischen Ereignis kommen oder er habe diese und diese Person damals nicht wirklich verstanden, fallen häufiger und wirken manchmal rückwirkend etwas kryptischer und mysteriöser als notwendig. Dabei ist es absolut nicht nötig, in einem so emotionsgeladenen Roman wie diesem noch eine künstliche Spannung aufzubauen.


Fazit

Es fällt schwer zu beschrieben, was dieser Roman mit mir gemacht hat. Er hat mich mitgenommen auf eine emotionale Reise durch das Leben eines ganz normalen Mannes, der und dessen Freunde und Familie einen dennoch so viel zum Thema Verlust, Schmerz, Liebe und Hoffnung lehren können. Ein so kluges und einfühlsames Buch habe ich langen nicht mehr gelesen. Ich vergebe 4,5 Sterne.

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

psychologie, schwangerschaftsdepression, unbewusstes, spielzimmer, tiefe seelische ängste

Betty

Anneliese Ude-Pestel
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.1998
ISBN 9783423360197
Genre: Sachbücher

Rezension:


Inhalt

In "Betty" berichtet die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Anneliese Ude-Pestel von der beinahe zweijährigen Therapie der zu Beginn der Behandlung sechsjährigen Betty. Das Mädchen leidet unter anderem unter starken Angstgefühlen und Aggressionen gegen sich selbst und gegen ihren kleinen Bruder; die verzweifelten Eltern wissen nicht mehr weiter.
Mithilfe von Protokollen der Sitzungen und der Elterngespräche aber auch durch Zeichnungen der kleinen Betty vermittelt die Autorin anschaulich den Therapieprozess.


Meinung

Als anschauliches, in einfachen Worten verfasstest und zumindest anfangs ausführlich erklärtes Beispiel für eine Kinderpsychotherapie ist "Betty" eine empfehlenswerte Lektüre für jeden, der gerne etwas über Kindertherapie erfahren und sich nicht mit trockenen Fachbüchern herumschlagen möchte.
Die Autorin führt in das Thema ein, indem sie Bettys Therapie vom ersten Elterngespräch bis zum letzten Brief der Eltern beschreibt und lediglich ab und zu erklärende Kommentare zu ihrem Verhalten oder den Gründen für Bettys abgibt. Dadurch erfährt der Leser, während er die Beschreibungen von Bettys Sitzungen (in denen sie meist spielt oder sich anderweitig kreativ auslebt und dabei durch ihr Verhalten einiges über sich preisgibt) liest, wichtige Dinge über frühkindliche Entwicklungsphasen, diagnostische Methoden (wie man z.B. anhand der von Betty gemalten Bilder Aufschluss über ihr Seelenleben erhält) und therapeutische Wege, einem Kind zu helfen, seine inneren Konflikte besser zu verstehen.
Selbstverständlich handelt es sich hier nicht um eine Anleitung zur Therapie und aus Anneliese Ude-Pestels Verhalten spricht oftmals ihre Erfahrung, sodass sie viele Dinge auch intuitiv tut und dem Leser nicht erklärt, woher sie jetzt wusste, dass genau diese Reaktion von ihrer Seite Betty guttun würde.

Bettys Geschichte ist erschreckend, nicht nur, weil es verstörend ist, zu sehen, dass ein sechsjähriges Kind beinahe 1500 Zeichnungen von Geistern, Monstern, Toten und Blut gemalt hat und von seinen eigenen Gefühlen oftmals völlig überwältigt wird und verzweifelt und hilflos reagiert. Erschreckend ist vor allem zu lesen, dass Betty nicht aus der klischeehaften Familie kommt, die man vielleicht erwartet, wenn man von einem schwer gestörten Kind hört: gewalttätig, vernachlässigend, lieblos, missbräuchlich. Bettys Eltern sind oberflächlich gesehen Bilderbucheltern, die mit ihrem jüngeren Sohn absolut liebevoll umgehen und sich nichts sehnlicher wünschen, als ihre kleine Tochter ebenfalls bedingungslos lieben zu können.
Doch schon nach dem ersten Elterngespräch wird klar, dass auch die Mutter frühe Kindheitsprobleme noch nicht verarbeitet hat und diese teilweise auf Betty überträgt.
Dies ist ein ganz wichtiger Punkt, der sich in Bettys Verhalten immer wieder widerspiegelt, von der Autorin jedoch in der zweiten Hälfte des Buches kaum noch aufgegriffen wird, was mich sehr enttäuscht hat, meinte sie doch vorher noch, eine Änderung des Verhaltens des Kindes könne nur erfolgen, wenn auch die Eltern ihr Verhalten ändern. Am Ende des Buches hat Betty plötzlich ein sehr herzliches Verhältnis mit ihrer Mutter, obwohl nach dem letzten beschriebenen Muttergespräch noch keine wirkliche Veränderung zu spüren war. Dort hätte ich mir mehr Informationen gewünscht.

Das Buch liest sich leicht, da es hauptsächlich Gespräche zwischen der Therapeutin und Betty wiedergibt, die aus naheliegenden Gründen in einfacher Sprache gehalten sind. Ab und an sind neben diesen Sitzungsprotokollen Telefongespräche mit Betty oder Elterngespräche eingeflochten.
Auch die Erklärungen der Autorin zu ihrem und Bettys Verhalten sind einfach und verständlich und nicht von unverständlichen Fachbegriffen überflutet.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Sprache dennoch, denn das Buch ist immerhin auch schon 40 Jahre alt und die meisten Kinder würden sich heutzutage sicher nicht mehr so ausdrücken wie Betty.
Wie bereits beim Verhalten der Eltern haben mir allgemein im letzten Drittel des Buches viele Schritte in Bettys Entwicklung gefehlt. Die Autorin weist darauf hin, dass die Lücken zwischen den im Buch beschriebenen Sitzungen nun größer werden, da sich die Stunden zu ähneln begannen, doch für mich schritt Bettys Entwicklung gerade in dieser Zeit enorm vorwärts und ich hätte mir eine kleinschrittigere Beschreibung gewünscht, um diesen Prozess besser nachvollziehen zu können. Bei einem Buch, das nur 170 Seiten umfasst, hätte das sicherlich auch nicht geschadet.


Fazit

"Betty" ist ein spannender, informativer und gut zu lesender Bericht einer Kinderpsychotherapie und ein guter Einstieg in das Thema, wenn man sich nicht mit treckenden Fachbüchern quälen will.
Leider lässt der Informationsgehalt meiner Meinung nach am Ende deutlich nach, da wichtige Schritte in Bettys Entwicklung nicht ins Buch eingebaut wurden, sodass für den Leser ein lückenhaftes Bild entsteht.
Ich vergebe 3,5 Sterne.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

book of lies, piper, teri terry, zwillinge, wow

Book of Lies

Teri Terry
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Orchard Books, 24.03.2016
ISBN 9781408334287
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt

Auf der Beerdigung ihrer Mutter treffen Piper und Quinn das erste mal auf einander: Zwillingsschwestern, die sich noch nie gesehen haben. Eine von ihnen ist in einem behüteten Umfeld von ihrer liebenden Mutter aufgezogen worden, die andere von ihrer Großmutter in einem kleinen Haus in Dartmoor vor der Welt versteckt worden, in dem Glauben, gefährlich zu sein.
Doch als die Schwestern sich gemeinsam auf die Suche nach ihren Familiengeheimnissen machen, wird schnell klar, dass nichts ist, wie es scheint, und dass in ihnen ein düsteres Erbe schlummert.



Meinung

Da ich ein großer Fan von Teri Terrys "Gelöscht"-Trilogie bin, habe ich mir ihren neuen Roman "Book of Lies" relativ schnell bestellt, dann aber enttäuschend lange gebraucht, um ihn endlich auszulesen. Und das hat seinen Grund fast ausschließlich bei den Protagonistinnen, mit denen ich so meine Probleme hatte.

Als erstes sollte man sich, sofern man die anderen Bücher der Autorin kennt, bewusst machen, dass es sich bei "Book of Lies" um einen anderen Typ Buch handelt: Zwar ist es auch ein Jugendbuch, jedoch keine Dystopie, sondern eine Art Fantasy-Mystery-Thriller.
Während ich die dystopische Gesellschaftsstruktur in "Gelöscht" beeindruckend gut durchdacht und nachvollziehbar fand, hatte ich mit den Erklärungen zu den Geheimnissen in "Book of Lies" so meine Probleme. Zum Beispiel fielen bei der Auflösung am Ende viele Erklärungen weg, die nötig gewesen wären, um die Handlungen der Figuren nachzuvollziehen, und auch anfangs kam es schon zu Erklärungen, die ich nicht völlig nachvollziehbar fand. So erfährt Piper zum Beispiel von ihrem Vater, dass sie nie offiziell den Namen Hughes, unter dem ihre Mutter lebte, erhalten hat, was für die Geschichte wichtig war, für mich aber die Frage aufwarf, wie ein Mensch nicht wissen kann, welchen Nachnamen er auf offiziellen Dokumenten trägt. Hat Piper etwa bis zu ihrem 18. Lebensjahr nie ihren Ausweis gesehen?

Die Hintergrundgeschichte von "Book of Lies" ist wirklich faszinierend und weicht vom altbekannten Konzept der kryptischen Prophezeiungen und jahrhundertealten Flüche, deren Entstehungsgeschichte niemand mehr kennt, ab. Der Grund und die Art wie die beiden Hauptfiguren hier durch ihrer Familiengeschichte in etwas hineingezogen werden, an dem sie selbst keine Schuld tragen, ist kreativ und die Geschichte dazu und die Moral, die man daraus ziehen kann, recht spannend.

Spannend ist auch, dass man Piper und Quinn das ganze Buch hindurch kaum je richtig zu durchschauen vermag, obwohl die Geschichte abwechseln aus der Perspektive der beiden erzählt wird. Zunächst erscheint Quinn als die Fremde, der Eindringling in Pipers behütetem Leben und man ist ihr gegenüber misstrauisch eingestellt. Doch dann zeigt auch Piper nach und nach ihre unsympathische und manipulative Seite und man bekommt mehr und mehr Mitleid mit Quinn, die als Kind nie wirkliche Wärme, Nähe und Liebe erfahren hat.
Der Roman bietet definitiv so einige Überraschungen in Bezug auf die Geschichte und die Intentionen der Figuren, sowohl der Protagonistinnen als auch der Nebenfiguren.

Genau das hat es für mich aber teilweise auch sehr anstrengend gemacht, "Book of Lies" am Stück durchzulesen, denn ich hatte so meine Probleme mit beiden Hauptfiguren, sei es, weil ich sie teilweise als Störfaktor, als zu naiv oder als hinterhältig empfunden habe. Da die Nebenfiguren bis auf zwei auch eher zu kurz kamen, hatte ich von meiner schwankenden Einstellung zu den Protagonistinnen wenig Ablenkung, weshalb ich beim Lesen öfter eine Pause brauchte.


Fazit

Hinter "Book of Lies" steckt eine interessante und originelle Grundidee, die die beiden Hauptfiguren des Romans teilweise unberechenbar macht, was zu einem sehr gelungenen Spannungsaufbau beiträgt. Leider hatte ich mit den teilweise unausstehlichen Figuren sowie einigen in meinen Augen nicht zufriedenstellend erklärten Punkten so meine Probleme, sodass ich nur 3,5 Sterne vergeben kann.

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135 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 90 Rezensionen

liebe, nerd, liebesroman, monika peetz, traumfrau

Ausgerechnet wir

Monika Peetz
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.09.2016
ISBN 9783462049398
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt

Tom ist 29 Jahre alt und liebt Mathematik. Auch in Liebesdingen vertraut er den Zahlen so sehr, dass er sich bei "Eins plus 1" anmeldet, einer Partnervermittlungsagentur, die angeblich auf mathematischen Grundlagen berechnet, welcher potentielle Partner am besten zu einem passt. Und tatsächlich bekommt Tom bald ein Ergebnis: Lisa, Übereinstimmung: 94%.
Blöd nur, dass bei der ersten Verabredung mit Lisa nur deren Mutter auftaucht, die ihre Tochter bei "Eins plus 1" angemeldet hat.
Noch ungünstiger, dass Tom Lisa später im beruflichen Kontext kennenlernt: als seine Konkurrentin um einen Job.
Haben die Zahlen unrecht gehabt? Oder kann Tom Lisa mithilfe der "Jeden Tag eine gute Tat"-Taktik seines Ex-Schwagers Joshi doch noch überzeugen?



Meinung


Ich mag männliche Figuren, die schüchtern und gefühlvoll sind und kann etwas lebensfernen, aber liebenswerten Nerds als Hauptfigur einiges abgewinnen, weshalb ich mich auf "Ausgerechnet Wir" gefreut habe.

Tom ist auch tatsächlich sehr liebenswert, gerade durch seine unbeholfene Art und sein Talent, immer wieder in peinliche Situationen zu geraten.
Auch der Rest der Figuren ist größtenteils eine angenehme Mischung schräger, aber sympathischer Figuren, beispielsweise Toms experimentierfreudige Nichte Florentine und sein sorgloser Ex-Schwager Joshi.

Das ist aber leider auch schon alles Positive, was ich über das Buch zu sagen habe, denn ansonsten konnte es mich leider ganz und gar nicht begeistern.
Das fängt schon damit an, dass Lisa, Toms Angebetete, unfassbar arrogant, hinterhältig und unsympathisch ist und ich es sehr traurig fand, dass Tom sich von ihrer hat herumschubsen und beleidigen lassen und ihr trotzdem weiter hinterhergerannt ist.

Auch die Handlung hat mir, je weiter sie fortschritt, immer weniger zugesagt, da sie zunehmend abgedreht, übertrieben und unrealistisch wurde. Tom stolpert von einer aberwitzigen Situation in die nächste, es gibt einfach zu viele Zufälle und zu vieles passiert auf einmal. Daher fand ich auch, dass die Lösung für die meisten Figuren am Ende zu überstürzt und zu gewollt wirkte.

Zudem hatte ich nicht das Gefühl, dass Tom eine wirkliche Entwicklung durchmacht. Er gewinnt zwar in einem Aspekt an Selbstbewusstsein, lernt ansonsten aber absolut nichts aus seinen Fehlern, sagt bis auf einmal niemandem die Meinung und lässt sich weiterhin von einigen Figuren wie Dreck behandeln, was ich echt enttäuschend fand.


Fazit

Hinter "Ausgerechnet wir" stecken eine süße Idee und ein liebenswerter Protagonist, die Handlung selbst jedoch ist aberwitzig und die meisten Entwicklungen wirken zu gezwungen, wohingegen die, die logisch erschienen, nicht passieren. Ich kann leider nur 2 Sterne vergeben.

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26 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

gefängnis, strutters, simon mayo, thriller, blame

Blame

Simon Mayo
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Corgi Childrens, 07.07.2016
ISBN 9780552569071
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt

In nicht allzu ferner Zukunft, nach einer erneuten Wirtschaftskrise, hat sich ein neues Gesetz über den Globus, auch über fast ganz Europa, verbreitet: ein Gesetz zu "Erbverbrechen", das regelt, dass die Angehörigen von Straftätern, die der Justiz entkamen, für die Verbrechen ihrer Verwandten zur Rechenschaft gezogen werden.
Aufgrund dieses Gesetzes sind Ant und ihr kleiner Bruder Mattie gemeinsam mit ihren Pflegeeltern im Familiengefängnis Spike untergebracht. Ant sorgt dort durch ihre rebellische Art immer wieder für Aufruhr, doch bald kommt etwas auf sie zu, dem auch Ants Kampfgeist möglicherweise nicht gewachsen ist: Unruhen brechen in den Gefängnissen rund um Spike aus. Unruhen, die sich auch auf Spike auswirken und Ant und ihren Freunden die Flucht ermöglichen könnten.


Meinung

"Blame" ist definitiv eines der spannendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Es beginnt bereits mit einer Szene, die einen in Atem hält, und auch danach stolpern Ant und der Leser von einer scheinbar ausweglosen Situation in die nächste, sodass man das Buch kaum zur Seite legen kann, was wohl auch daran liegt, dass viele Kapitel mit einem fiesen Cliffhanger enden. Simon Mayo versteht definitiv etwas von Spannungsaufbau.

Die Figuren werden nicht unnötig bis in alle Einzelheiten analysiert und es fehlt dem Geflecht an Charakteren angenehmerweise an jeglicher Form von künstlichem Drama durch Elemente wie gezwungen wirkende Liebesbeziehungen, die in Jugendbüchern sonst ja sehr häufig zu finden sind.
Dennoch ist die Dynamik zwischen den Figuren interessant, da sie meist unter Stress stehen und Schuldzuweisungen und die Frage, wer wem etwas zu sagen hat, eine Rolle spielen.
Ant ist eine sympathische Heldin mit Mut und Kampfgeist, die jedoch auch sehr hitzköpfig ist und nicht immer die richtigen Entscheidungen trifft bzw. diese oft nicht bedenkt. Trotzdem fiebert man mit ihr mit, da die meisten ihrer Taten aus Liebe zu Ihrer Familie und dem Wunsch, ihren Bruder zu beschützen, geschehen.
Ihr Bruder Mattie ist ein sehr angenehmes Gegenstück zu ihr, denn er ist eher ruhig und besonnen und für sein Alter sehr intelligent.
Eher platt wirkt dagegen der Antagonist des Buches, dessen Motive zum Ende hin leider nur sehr plump aufgelöst werden.


Das Szenario, das Simon Mayo in "Blame" entwirft, ist gleichzeitig faszinierend und erschreckend, weil es auf den ersten Blick zwar unverständlich, mit der Zeit jedoch immer nachvollziehbarer wirkt. In der Geschichte der Menschheit hat man schon immer gerne nach Sündenböcken für die eigenen Probleme gesucht. Warum sollten also nicht tatsächlich, nach den Juden, Farbigen und Moslems, irgendwann die Verwandten entkommener Verbrecher die vermeintlich Schuldigen sein?

Völlig durchdacht wirkt die Idee jedoch leider nicht, denn es bleiben einige Fragen zu diesem Konzept offen und vor allem wird die Frage, ob die eingesperrten "Erbverbrecher" tatsächlich schuldig sind, im Buch nur angeschnitten. Die Handlung selbst dreht sich hauptsächlich um das mögliche Ausbrechen aus dem Gefängnis und den Wunsch nach Rache an dem sadistischen Assessor Grey. Dieser wird immer mehr zum Ziel der Aufmerksamkeit der Hauptfiguren und man bekommt den Eindruck, als meinten Ant und ihre Freunde, wenn sie nur Grey zu Fall bringen würden, würde alles gut, wodurch die Kritik am eigentlichen System in den Hintergrund gerät. Dies ist sehr schade, da "Blame" viel Potential für die Diskussion moralischer Fragen gehabt hätte, mindestens die der Schuld, die ja dem Buch seinen Titel gibt.
Auf der anderen Seite ist es natürlich auch irgendwie realistisch, dass Jugendliche zunächst einmal nicht das große Ganze, sondern kleinere, persönliche Ziele vor Augen haben. Doch auch in dieser Hinsicht bleiben am Ende leider einige Fragen über die Motivation der Figuren, das Warum und das Wie unbeantwortet. Gelungen ist jedoch, dass das Ende in Bezug auf die rechtliche Situation der "Erbverbrecher" angemessen offen bleibt, da ja nur realistisch ist, dass ein paar Menschen nicht die ganze Welt umkrempeln können.


Fazit

"Blame" ist eines der spannendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe, denn es fesselt von der ersten bis zur letzen Seite. Zudem kann es mit einem faszinierenden Szenario und sympathischen Figuren, mit denen man gut mitfiebern kann, überzeugen. Leider wird das eigentliche Thema des Buches, Schuld, nur begrenzt tatsächlich behandelt, und am Ende bleiben zu viele Fragen offen. Ich vergebe 4 Sterne.

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