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44 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

liebe, jugend, familie, poetisch, kuns

Ich gebe dir die Sonne

Jandy Nelson , Catrin Frischer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei cbt, 21.11.2016
ISBN 9783570164594
Genre: Jugendbuch

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Edgar Allan Poe - Die besten Geschichten

Edgar Allan Poe
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Anaconda Verlag, 30.06.2016
ISBN 9783730604175
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hinweis: Meine Rezension bezieht sich nicht auf diese Ausgabe, sondern auf den Sammelband "Unheimliche Geschichten" aus dem Anaconda-Verlag (ISBN: 978-3-86647-721-6), den ich auf Lovelybooks leider nicht finden konnte.


Inhalt

Eine Sammlung mehrerer kürzerer und einer recht langen (unvollendeten) Erzählung Edgar Allan Poes.


Meinung

Von Poe hatte ich bisher als dem Meister der schaurigen Kurzgeschichten gehört und freute mich daher auf eine kurzweilige und unheimliche Halloween-Lektüre. Leider war diese Sammlung für mich eine absolute Enttäuschung.

Man kann Poe ein gewisses Talent natürlich nicht absprechen. Zwar muss man sich zunächst an einige Eigenarten seines Schreibstils gewöhnen (z.B. die Ich-Perspektive und die Tatsache, dass er die Texte stets so gestaltet, als habe sein Erzähler sie tatsächlich erlebt, weshalb er z.B. Jahreszahlen und Namen oft nur abgekürzt nennt und immer wieder den Wahrheitsgehalt des Wiedergegebenen betont), doch er beherrscht definitiv auch die Kunst des Spannungsaufbaus durch seinen düsteren, atmosphärischen und wahrlich unheimlichen Schreibstil. Er schreibt recht bildgewaltig und arbeitet mit vielen Beschreibungen, die den Leser gut zu fesseln und in die Atmosphäre hineinzuversetzen vermögen.

Nur gehört zu dem Aufbauen von Spannung eben auch, sie gekonnt wieder aufzulösen, was Poe meiner Meinung nach jedoch kaum gelingt.
Einige Geschichten ("Unterhaltung mit einer Mumie", "Morella", "Das Geheimnis um Marie Rogêt"") weisen schlicht keinen Spannungsbogen auf; andere ("Die Tatsachen im Fall Valdemar", "Lebendig begraben", "Eine Flaschenpost") enden viel zu abrupt und ohne das Geschehen genauer zu erklären. In wieder anderen ("Das verräterische Herz", "Der schwarze Kater") kommt es zwar zu einem gut gestalteten Höhepunkt des Konfliktes, jedoch wird das Verhalten der Figuren überhaupt nicht oder nur durch diffuse Ahnungen und instinktive Gefühle erklärt, was mir persönlich nicht gereicht hat, um die Handlung überzeugend zu finden.
Am schlimmsten sind aber diejenigen Texte, die enden, bevor überhaupt irgendwas aufgeklärt werden kann ("Das Geheimnis um Marie Rogêt", "Die Erzählung des Arthur Gordon Pym").
In der Erzählung um Marie Rogêt, die einen damals aktuellen Mordfall auffällig gleicht (wobei diese Ähnlichkeit zwar erwähnt, aber weder vom Autor noch im Nachwort erklärt wird), referiert ein Bekannter des Erzählers beispielsweise seitenlang über seine Theorie zu dem Fall, woraufhin der Text mit der Anmerkung endet, den Rest der Geschichte könne sich der Leser ja sicherlich denken, ohne dass aufgeklärt würde, ob all die schönen Theorien stimmen.

Den größten Teil des Buches nimmt "Die Erzählung des Arthur Gordon Pym" ein, die über 200 Seiten umfasst. Auch diese ist wieder aufgemacht, als handele es sich um ein reales Erlebnis, das von Poe und später Pym niedergeschrieben wurde.
Pym gerät darin in Seenot und erlebt das ein oder andere Abenteuer, doch leider vermag die Erzählung kein bisschen Spannung aufzubauen, da Poe von Zeitraffung offenbar noch nie etwas gehört hat. Seitenlang muss der Leser die Beschreibungen von Hunger, Durst und immer wiederkehrenden Stürmen über sich ergehen lassen, was anfangs noch interessant, irgendwann aber eher nervig ist, weil sich stets die gleichen Situationen wiederholen und ja ohnehin klar ist, dass Pym überlebt hat.
Zudem schweift der Erzähler andauernd vom Thema ab und referiert Absätze lang über das Nistverhalten von Pinguinen und Albatrossen oder von der richtigen Ladung im Stauraum eines Schiffs.
Besonders ironisch ist die Aussage des Erzählers, er wende sich mit dieser Geschichte an Leser, die noch nie zur See gefahren sind. Vielleicht war das damals Allgemeinbildung, aber ich zumindest habe von den vielen Fachbegriffen rund um Segelschiffe kaum einen verstanden und Beschreibungen von Zerstörungen durch Stürme wirken leider nicht halb so beeindruckend, wenn man keine Ahnung hat, was genau jetzt eigentlich zerstört wurde.
Die Länge der Erzählung trägt auch keinesfalls dazu bei, dass irgendeine Figur ausführlicher charakterisiert und so irgendwelche Emotionen im Leser hervorzurufen würde.
Auch diese Erzählung endet leider mitten in der Geschichte und nur die Tatsache, dass Pym sie selbst erzählt, sagt dem Leser, dass er seine Abenteuer überlebt hat.
Für mich zumindest wurde diese lange Erzählung, in der trotzdem viel zu wenig passiert, mit der Zeit zur Qual.



Fazit

Edgar Allan Poe schreibt teilweise wirklich fantastisch düster und beweist das Talent, unheimliche Atmosphären für seine Geschichten zu kreieren. Leider werden viele seiner Erzählungen, so sie denn überhaupt einen Spannungsbogen aufweisen, nicht konsequent zu Ende geführt und das Verhalten der Figuren bleibt oft unverständlich.
Die letzte Erzählung, die beinahe die Hälfte dieses Buches einnimmt, ist extrem langatmig und dann auch noch unvollendet, weshalb das Ende des Buches eher Qual als Lesevergnügen ist.
Ich vergebe 2 Sterne.

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Jeder Mensch hat seinen Abgrund

Norbert Nedopil
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 26.09.2016
ISBN 9783442314423
Genre: Sachbücher

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21 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

biografie, oslo, anders breivig, norwegen, attentat

Einer von uns

Åsne Seierstad , Frank Zuber , Nora Pröfrock
Fester Einband: 543 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 28.04.2016
ISBN 9783036957401
Genre: Sachbücher

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

rechtsmedizin, tödliches wunder, tod auf knopfdruck, jessica, tatwaffe feuer

Dem Tod auf der Spur

Michael Tsokos , Veit Etzold , Lothar Strüh
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 04.11.2009
ISBN 9783548373478
Genre: Sachbücher

Rezension:


Inhalt

Das erste Buch des mittlerweile recht bekannten Rechtsmediziners Michael Tsokos: Anhand einer Auswahl von Fällen erläutert Tsokos hier die Aufgaben, Methoden und die Bedeutung der Rechtsmedizin bei der Aufklärung von Kriminalfällen und liefert auch interessante Fakten zu den jeweiligen Todesarten, ihrer Häufigkeit und den Schlüssen, die man daraus ziehen kann.



Meinung

"Dem Tod auf der Spur" ist nicht mein erstes Buch von Michael Tsokos aber das erste, das er geschrieben hat.
In einem Vorwort erläutert er zunächst seine Beweggründe, dieses Buch zu schreiben, erzählt von den vielen falschen Bildern, die die Menschen durch die Medien von Rechtsmedizinern vermittelt bekommen, und erklärt die Bedeutung dieses Fachgebietes.
Die Intention des Buches ist also, den Lesern einen Einblick in den wahren Alltag von Gerichtsmedizinern zu ermöglichen und mit Klischees aufzuräumen, was wirklich interessant ist, sofern man sich mehr für das Thema interessiert als nur für die blutigen Obduktionsbilder aus Fernsehserien.
Tsokos erklärt zum Beispiel auch, dass der Begriff Pathologe oft fälschlicherweise als Synonym für Gerichtsmediziner verwendet wird, obwohl Pathologen ein ganz anderes Fachgebiet haben.

Anschließend stellt er verschiedene Todesfälle vor, die er während seinen Jahren als Rechtsmediziner bereits untersucht hat. Hier versucht er nicht nur, den Lesern den Zustand der Leiche möglichst sachlich zu beschreiben und dabei Fachbegriffe zu erklären, sondern erläutert auch, welchen Beitrag die Obduktion zur Klärung des Falls beitrug (während der Fokus hier aber tatsächlich auf der Obduktion liegt und der Rest der Ermittlungen nur angeschnitten wird), und liefert weitere Fakten rund um die jeweilige Todesart; beispielsweise nennt er im Falle einer Leiche in einer ausgebrannten Wohnung Zahlen dazu, wie häufig ein solcher Todesfall ein Unfall, Suizid, Vertuschung von Mord oder Mord war. Diese Hintergrundinformationen sind vor allem interessant, um zu erfahren, dass Rechtsmediziner eben nicht jeden Tag mit spektakulären und blutigen Morden zu tun haben.

Denn wer hier auf blutige und möglichst grausige Beschreibungen von Mord und Totschlag hofft, der sollte lieber zu einem Thriller greifen als zu diesem Buch. Michael Tsokos macht in "Dem Tod auf der Spur" alleine durch die Auswahl der geschilderten Fälle deutlich, dass Rechtsmediziner durchaus nicht nur offensichtliche Mordfälle untersuchen, sondern bei jedem unnatürlichen Tod (auch ungeklärten, Unfällen oder Suizid) herangezogen werden. Daher haben sie weitaus häufiger mit Suizidenten oder Unfallopfern zu tun als mit den Mordopfern, die man aus Krimiserien kennt. Das mag zunächst unaufregend klingen, doch Tsokos macht deutlich, wie dramatisch beispielsweise auch die hohe Zahl der Suizidenten ist und wie verzweifelt Menschen sein müssen, um mit den beschriebenen, teilweise sehr extremen Methoden ihr Leben beenden zu wollen.
Interessant sind außerdem die beiden Kapitel, die sich den Möglichkeiten der modernen Rechtsmedizin widmen, sogar jahrzehnte alte Fälle heutzutage noch aufzuklären.

Trotzdem hatte ich, nicht zuletzt weil ich bereits ein weiteres Buch von Michael Tsokos kenne, das Gefühl, dass in diesem Buch nicht die ganze Bandbreite der Rechtsmedizin abgedeckt wurde. So lässt der Autor z.B. völlig außer Acht, dass die Rechtsmedizin auch lebende Opfer von Verbrechen untersucht, um den Täter zu finden, worauf er in seinem dritten Buch, "Die Klaviatur des Todes", eingeht. Dabei wäre gerade das in meinen Augen auch noch ein interessanter Fakt gewesen, der in den gängigen Rechtsmedizinerklischees kaum vorkommt.

Teilweise empfand ich Tsokos' Erläuterungen an den Kapitelenden, wenn der eigentliche Fall abgeschlossen war und er zu den Hintergrundinformationen kam, auch als etwas langatmig und - ebenso wie Teile der Einleitung - mit einigen Wiederholungen gefüllt, die wirkten, als hätte er die Kapitel ein wenig strecken wollen, weil der Fall selbst nicht genug Stoff für ein langes Kapitel bot.



Fazit


Ein informatives und empfehlenswertes Buch für alle, die sich mit dem Thema Rechtsmedizin, wie sie wirklich praktiziert wird und nicht, wie sie in Medien dargestellt wird, auseinandersetzen möchten. Der Autor beschreibt anschaulich aber sachlich und verständlich einige Fälle, erklärt die Bedeutung der Rechtsmedizin für die Aufklärung von Todesfällen und baut viele interessante Fakten und Zahlen ein. Trotzdem ist "Dem Tod auf der Spur" meiner Meinung nach nicht so empfehlenswert wie "Die Klaviatur des Todes", da es einige langatmige Stellen enthält und dafür einen wichtigen Aspekt außer acht lässt. Ich vergebe 3,5 Sterne.

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514 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 108 Rezensionen

einsamkeit, liebe, verlust, tod, familie

Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells
Fester Einband: 355 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257069587
Genre: Romane

Rezension:


Inhalt


Im Jahr 2014 erwacht Jules nach einem Motorradunfall im Krankenhaus.
Während er im Bett liegt und sich von seinen Verletzungen erholt, schweifen seine Gedanken ab, bis zu seiner Kindheit in den 80ern, seiner Jugend, den ersten Jahren als Erwachsener. Er erinnert sich an wunderschöne und schrecklich schmerzhafte Erlebnisse, an neue Freundschaften und an getrennte Wege, an aus den Augen verlorene Leidenschaften und philosophiert über das Leben und seinen Platz darin.


Meinung

Schon den Inhalt dieses Buches zusammenzufassen fiel mir schwer, doch eine Rezension zu schreiben erscheint mir wie ein Ding der Unmöglichkeit, denn "Vom Ende der Einsamkeit" liest man nicht wie normale Bücher, man fühlt es, man lebt es.

Von Beginn an wird deutlich, dass der Roman keine einfache, chronologisch erzählte Lebensgeschichte des Protagonisten ist. Es gibt nicht unbedingt einen roten Faden oder ein bestimmtes Ziel, das Jules verfolgt, indem er sich erinnert. Vielmehr sind die beschriebenen Blitzlichter seines Lebens, die von seiner Kindheit ab dem Jahr 1980 bis ins Jahr 2014 reichen, Momente, die ihn als Menschen verändert und seine Persönlichkeit geprägt haben, seien es glückliche Momente mit Familie und Freunden, die Suche nach dem Sinn und dem Platz im Leben, Verlust und Finden einer großen Liebe oder tragische Schicksalsschläge.

Und da er sich vor allem an Momente erinnert, die für ihn von emotionaler Bedeutung sind, ist der Roman auch für den Leser von der ersten Seite an gefüllt mit Gefühlen verschiedenster Art, die Benedict Wells auf eine einfühlsame, poetische und doch niemals schwülstige, teilweise auch grausam direkte Art und Weise transportiert.
In Jules' Leben mögen diese Erlebnisse mit einigen Jahren Abstand stattgefunden haben, für den Leser geschehen sie jedoch innerhalb weniger Stunden, wodurch die Lektüre des Romans zu einer emotionalen Achterbahnfahrt wird.

"Vom Ende der Einsamkeit" ist wohl das Buch, bei dessen Lektüre ich am häufigsten Tränen in den Augen hatte. Und das lag nicht unbedingt daran, dass es durchgehend dramatisch gewesen wäre, sondern einfach daran, dass der Autor ein unglaubliches Talent dafür hat, tief ins Innere seiner Figuren zu blicken und Emotionen und ihre Hintergründe zu beschreiben, die man teilweise von sich selbst kennt, aber noch nie so anschaulich beschrieben gesehen hat.
So habe ich zwar auch mit den Figuren gelacht und hatte Freudentränen in den Augen, doch selbstverständlich ist der Roman auch herzzerreißend grausam - und realistisch. Er handelt von Freundschaft, Liebe und Familie, aber auch von dem Tod geliebter Menschen, der Art, wie jeder einzelne unterschiedlich damit umgeht und wie solche Ereignisse einen Menschen für immer prägen und sich in seinen späteren zwischenmenschlichen Beziehungen widerspiegeln. Und gerade durch den unterschiedlichen Umgang von Menschen mit tragischen Ereignissen sind in diesem Buch auch viele einzigartige und absolut authentische Figuren entstanden, jede von ihnen auf die ein oder andere Art verletzlich und verletzend, aber auch überaus liebenswert.
Und so ist der Roman auch, wenn man als Leser ein vielleicht nicht ganz so dramatisches Leben hatte wie Jules, auch sehr lehrreich, denn er zeigt uns, wie alles und jeder, der uns im Leben begegnet, uns prägen, wie unterschiedlich Menschen damit umgehen und weshalb wir trotz allen tragischen Momenten, aus den Augen verlorenen Lieben und scheinbar ziellosen Phasen immer weiterleben sollten, da das Leben wunderschön und voller Überraschungen ist.

Einen Haken hatte jedoch leider auch dieser wunderbare Roman für mich.
Dadurch, dass Jules von den Ereignissen aus der Sicht seines älteren Ichs im Jahr 2014 berichtet, macht er häufiger, wenn er in seinen Erinnerungen in der Zeit zurückreist, Andeutungen darüber, was später passieren wird. Sätze wie "Niemand hatte den Streit kommen sehen." oder die Bemerkung, es werde bald zu einem Unglück oder einem anderen tragischen Ereignis kommen oder er habe diese und diese Person damals nicht wirklich verstanden, fallen häufiger und wirken manchmal rückwirkend etwas kryptischer und mysteriöser als notwendig. Dabei ist es absolut nicht nötig, in einem so emotionsgeladenen Roman wie diesem noch eine künstliche Spannung aufzubauen.


Fazit

Es fällt schwer zu beschrieben, was dieser Roman mit mir gemacht hat. Er hat mich mitgenommen auf eine emotionale Reise durch das Leben eines ganz normalen Mannes, der und dessen Freunde und Familie einen dennoch so viel zum Thema Verlust, Schmerz, Liebe und Hoffnung lehren können. Ein so kluges und einfühlsames Buch habe ich langen nicht mehr gelesen. Ich vergebe 4,5 Sterne.

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

psychologie, schwangerschaftsdepression, unbewusstes, spielzimmer, tiefe seelische ängste

Betty

Anneliese Ude-Pestel
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.1998
ISBN 9783423360197
Genre: Sachbücher

Rezension:


Inhalt

In "Betty" berichtet die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Anneliese Ude-Pestel von der beinahe zweijährigen Therapie der zu Beginn der Behandlung sechsjährigen Betty. Das Mädchen leidet unter anderem unter starken Angstgefühlen und Aggressionen gegen sich selbst und gegen ihren kleinen Bruder; die verzweifelten Eltern wissen nicht mehr weiter.
Mithilfe von Protokollen der Sitzungen und der Elterngespräche aber auch durch Zeichnungen der kleinen Betty vermittelt die Autorin anschaulich den Therapieprozess.


Meinung

Als anschauliches, in einfachen Worten verfasstest und zumindest anfangs ausführlich erklärtes Beispiel für eine Kinderpsychotherapie ist "Betty" eine empfehlenswerte Lektüre für jeden, der gerne etwas über Kindertherapie erfahren und sich nicht mit trockenen Fachbüchern herumschlagen möchte.
Die Autorin führt in das Thema ein, indem sie Bettys Therapie vom ersten Elterngespräch bis zum letzten Brief der Eltern beschreibt und lediglich ab und zu erklärende Kommentare zu ihrem Verhalten oder den Gründen für Bettys abgibt. Dadurch erfährt der Leser, während er die Beschreibungen von Bettys Sitzungen (in denen sie meist spielt oder sich anderweitig kreativ auslebt und dabei durch ihr Verhalten einiges über sich preisgibt) liest, wichtige Dinge über frühkindliche Entwicklungsphasen, diagnostische Methoden (wie man z.B. anhand der von Betty gemalten Bilder Aufschluss über ihr Seelenleben erhält) und therapeutische Wege, einem Kind zu helfen, seine inneren Konflikte besser zu verstehen.
Selbstverständlich handelt es sich hier nicht um eine Anleitung zur Therapie und aus Anneliese Ude-Pestels Verhalten spricht oftmals ihre Erfahrung, sodass sie viele Dinge auch intuitiv tut und dem Leser nicht erklärt, woher sie jetzt wusste, dass genau diese Reaktion von ihrer Seite Betty guttun würde.

Bettys Geschichte ist erschreckend, nicht nur, weil es verstörend ist, zu sehen, dass ein sechsjähriges Kind beinahe 1500 Zeichnungen von Geistern, Monstern, Toten und Blut gemalt hat und von seinen eigenen Gefühlen oftmals völlig überwältigt wird und verzweifelt und hilflos reagiert. Erschreckend ist vor allem zu lesen, dass Betty nicht aus der klischeehaften Familie kommt, die man vielleicht erwartet, wenn man von einem schwer gestörten Kind hört: gewalttätig, vernachlässigend, lieblos, missbräuchlich. Bettys Eltern sind oberflächlich gesehen Bilderbucheltern, die mit ihrem jüngeren Sohn absolut liebevoll umgehen und sich nichts sehnlicher wünschen, als ihre kleine Tochter ebenfalls bedingungslos lieben zu können.
Doch schon nach dem ersten Elterngespräch wird klar, dass auch die Mutter frühe Kindheitsprobleme noch nicht verarbeitet hat und diese teilweise auf Betty überträgt.
Dies ist ein ganz wichtiger Punkt, der sich in Bettys Verhalten immer wieder widerspiegelt, von der Autorin jedoch in der zweiten Hälfte des Buches kaum noch aufgegriffen wird, was mich sehr enttäuscht hat, meinte sie doch vorher noch, eine Änderung des Verhaltens des Kindes könne nur erfolgen, wenn auch die Eltern ihr Verhalten ändern. Am Ende des Buches hat Betty plötzlich ein sehr herzliches Verhältnis mit ihrer Mutter, obwohl nach dem letzten beschriebenen Muttergespräch noch keine wirkliche Veränderung zu spüren war. Dort hätte ich mir mehr Informationen gewünscht.

Das Buch liest sich leicht, da es hauptsächlich Gespräche zwischen der Therapeutin und Betty wiedergibt, die aus naheliegenden Gründen in einfacher Sprache gehalten sind. Ab und an sind neben diesen Sitzungsprotokollen Telefongespräche mit Betty oder Elterngespräche eingeflochten.
Auch die Erklärungen der Autorin zu ihrem und Bettys Verhalten sind einfach und verständlich und nicht von unverständlichen Fachbegriffen überflutet.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Sprache dennoch, denn das Buch ist immerhin auch schon 40 Jahre alt und die meisten Kinder würden sich heutzutage sicher nicht mehr so ausdrücken wie Betty.
Wie bereits beim Verhalten der Eltern haben mir allgemein im letzten Drittel des Buches viele Schritte in Bettys Entwicklung gefehlt. Die Autorin weist darauf hin, dass die Lücken zwischen den im Buch beschriebenen Sitzungen nun größer werden, da sich die Stunden zu ähneln begannen, doch für mich schritt Bettys Entwicklung gerade in dieser Zeit enorm vorwärts und ich hätte mir eine kleinschrittigere Beschreibung gewünscht, um diesen Prozess besser nachvollziehen zu können. Bei einem Buch, das nur 170 Seiten umfasst, hätte das sicherlich auch nicht geschadet.


Fazit

"Betty" ist ein spannender, informativer und gut zu lesender Bericht einer Kinderpsychotherapie und ein guter Einstieg in das Thema, wenn man sich nicht mit treckenden Fachbüchern quälen will.
Leider lässt der Informationsgehalt meiner Meinung nach am Ende deutlich nach, da wichtige Schritte in Bettys Entwicklung nicht ins Buch eingebaut wurden, sodass für den Leser ein lückenhaftes Bild entsteht.
Ich vergebe 3,5 Sterne.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

book of lies, piper, teri terry, zwillinge, wow

Book of Lies

Teri Terry
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Orchard Books, 24.03.2016
ISBN 9781408334287
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt

Auf der Beerdigung ihrer Mutter treffen Piper und Quinn das erste mal auf einander: Zwillingsschwestern, die sich noch nie gesehen haben. Eine von ihnen ist in einem behüteten Umfeld von ihrer liebenden Mutter aufgezogen worden, die andere von ihrer Großmutter in einem kleinen Haus in Dartmoor vor der Welt versteckt worden, in dem Glauben, gefährlich zu sein.
Doch als die Schwestern sich gemeinsam auf die Suche nach ihren Familiengeheimnissen machen, wird schnell klar, dass nichts ist, wie es scheint, und dass in ihnen ein düsteres Erbe schlummert.



Meinung

Da ich ein großer Fan von Teri Terrys "Gelöscht"-Trilogie bin, habe ich mir ihren neuen Roman "Book of Lies" relativ schnell bestellt, dann aber enttäuschend lange gebraucht, um ihn endlich auszulesen. Und das hat seinen Grund fast ausschließlich bei den Protagonistinnen, mit denen ich so meine Probleme hatte.

Als erstes sollte man sich, sofern man die anderen Bücher der Autorin kennt, bewusst machen, dass es sich bei "Book of Lies" um einen anderen Typ Buch handelt: Zwar ist es auch ein Jugendbuch, jedoch keine Dystopie, sondern eine Art Fantasy-Mystery-Thriller.
Während ich die dystopische Gesellschaftsstruktur in "Gelöscht" beeindruckend gut durchdacht und nachvollziehbar fand, hatte ich mit den Erklärungen zu den Geheimnissen in "Book of Lies" so meine Probleme. Zum Beispiel fielen bei der Auflösung am Ende viele Erklärungen weg, die nötig gewesen wären, um die Handlungen der Figuren nachzuvollziehen, und auch anfangs kam es schon zu Erklärungen, die ich nicht völlig nachvollziehbar fand. So erfährt Piper zum Beispiel von ihrem Vater, dass sie nie offiziell den Namen Hughes, unter dem ihre Mutter lebte, erhalten hat, was für die Geschichte wichtig war, für mich aber die Frage aufwarf, wie ein Mensch nicht wissen kann, welchen Nachnamen er auf offiziellen Dokumenten trägt. Hat Piper etwa bis zu ihrem 18. Lebensjahr nie ihren Ausweis gesehen?

Die Hintergrundgeschichte von "Book of Lies" ist wirklich faszinierend und weicht vom altbekannten Konzept der kryptischen Prophezeiungen und jahrhundertealten Flüche, deren Entstehungsgeschichte niemand mehr kennt, ab. Der Grund und die Art wie die beiden Hauptfiguren hier durch ihrer Familiengeschichte in etwas hineingezogen werden, an dem sie selbst keine Schuld tragen, ist kreativ und die Geschichte dazu und die Moral, die man daraus ziehen kann, recht spannend.

Spannend ist auch, dass man Piper und Quinn das ganze Buch hindurch kaum je richtig zu durchschauen vermag, obwohl die Geschichte abwechseln aus der Perspektive der beiden erzählt wird. Zunächst erscheint Quinn als die Fremde, der Eindringling in Pipers behütetem Leben und man ist ihr gegenüber misstrauisch eingestellt. Doch dann zeigt auch Piper nach und nach ihre unsympathische und manipulative Seite und man bekommt mehr und mehr Mitleid mit Quinn, die als Kind nie wirkliche Wärme, Nähe und Liebe erfahren hat.
Der Roman bietet definitiv so einige Überraschungen in Bezug auf die Geschichte und die Intentionen der Figuren, sowohl der Protagonistinnen als auch der Nebenfiguren.

Genau das hat es für mich aber teilweise auch sehr anstrengend gemacht, "Book of Lies" am Stück durchzulesen, denn ich hatte so meine Probleme mit beiden Hauptfiguren, sei es, weil ich sie teilweise als Störfaktor, als zu naiv oder als hinterhältig empfunden habe. Da die Nebenfiguren bis auf zwei auch eher zu kurz kamen, hatte ich von meiner schwankenden Einstellung zu den Protagonistinnen wenig Ablenkung, weshalb ich beim Lesen öfter eine Pause brauchte.


Fazit

Hinter "Book of Lies" steckt eine interessante und originelle Grundidee, die die beiden Hauptfiguren des Romans teilweise unberechenbar macht, was zu einem sehr gelungenen Spannungsaufbau beiträgt. Leider hatte ich mit den teilweise unausstehlichen Figuren sowie einigen in meinen Augen nicht zufriedenstellend erklärten Punkten so meine Probleme, sodass ich nur 3,5 Sterne vergeben kann.

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118 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 84 Rezensionen

liebe, nerd, liebesroman, monika peetz, traumfrau

Ausgerechnet wir

Monika Peetz
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.09.2016
ISBN 9783462049398
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt

Tom ist 29 Jahre alt und liebt Mathematik. Auch in Liebesdingen vertraut er den Zahlen so sehr, dass er sich bei "Eins plus 1" anmeldet, einer Partnervermittlungsagentur, die angeblich auf mathematischen Grundlagen berechnet, welcher potentielle Partner am besten zu einem passt. Und tatsächlich bekommt Tom bald ein Ergebnis: Lisa, Übereinstimmung: 94%.
Blöd nur, dass bei der ersten Verabredung mit Lisa nur deren Mutter auftaucht, die ihre Tochter bei "Eins plus 1" angemeldet hat.
Noch ungünstiger, dass Tom Lisa später im beruflichen Kontext kennenlernt: als seine Konkurrentin um einen Job.
Haben die Zahlen unrecht gehabt? Oder kann Tom Lisa mithilfe der "Jeden Tag eine gute Tat"-Taktik seines Ex-Schwagers Joshi doch noch überzeugen?



Meinung


Ich mag männliche Figuren, die schüchtern und gefühlvoll sind und kann etwas lebensfernen, aber liebenswerten Nerds als Hauptfigur einiges abgewinnen, weshalb ich mich auf "Ausgerechnet Wir" gefreut habe.

Tom ist auch tatsächlich sehr liebenswert, gerade durch seine unbeholfene Art und sein Talent, immer wieder in peinliche Situationen zu geraten.
Auch der Rest der Figuren ist größtenteils eine angenehme Mischung schräger, aber sympathischer Figuren, beispielsweise Toms experimentierfreudige Nichte Florentine und sein sorgloser Ex-Schwager Joshi.

Das ist aber leider auch schon alles Positive, was ich über das Buch zu sagen habe, denn ansonsten konnte es mich leider ganz und gar nicht begeistern.
Das fängt schon damit an, dass Lisa, Toms Angebetete, unfassbar arrogant, hinterhältig und unsympathisch ist und ich es sehr traurig fand, dass Tom sich von ihrer hat herumschubsen und beleidigen lassen und ihr trotzdem weiter hinterhergerannt ist.

Auch die Handlung hat mir, je weiter sie fortschritt, immer weniger zugesagt, da sie zunehmend abgedreht, übertrieben und unrealistisch wurde. Tom stolpert von einer aberwitzigen Situation in die nächste, es gibt einfach zu viele Zufälle und zu vieles passiert auf einmal. Daher fand ich auch, dass die Lösung für die meisten Figuren am Ende zu überstürzt und zu gewollt wirkte.

Zudem hatte ich nicht das Gefühl, dass Tom eine wirkliche Entwicklung durchmacht. Er gewinnt zwar in einem Aspekt an Selbstbewusstsein, lernt ansonsten aber absolut nichts aus seinen Fehlern, sagt bis auf einmal niemandem die Meinung und lässt sich weiterhin von einigen Figuren wie Dreck behandeln, was ich echt enttäuschend fand.


Fazit

Hinter "Ausgerechnet wir" stecken eine süße Idee und ein liebenswerter Protagonist, die Handlung selbst jedoch ist aberwitzig und die meisten Entwicklungen wirken zu gezwungen, wohingegen die, die logisch erschienen, nicht passieren. Ich kann leider nur 2 Sterne vergeben.

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

gefängnis, strutters, simon mayo, thriller, blame

Blame

Simon Mayo
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Corgi Childrens, 07.07.2016
ISBN 9780552569071
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt

In nicht allzu ferner Zukunft, nach einer erneuten Wirtschaftskrise, hat sich ein neues Gesetz über den Globus, auch über fast ganz Europa, verbreitet: ein Gesetz zu "Erbverbrechen", das regelt, dass die Angehörigen von Straftätern, die der Justiz entkamen, für die Verbrechen ihrer Verwandten zur Rechenschaft gezogen werden.
Aufgrund dieses Gesetzes sind Ant und ihr kleiner Bruder Mattie gemeinsam mit ihren Pflegeeltern im Familiengefängnis Spike untergebracht. Ant sorgt dort durch ihre rebellische Art immer wieder für Aufruhr, doch bald kommt etwas auf sie zu, dem auch Ants Kampfgeist möglicherweise nicht gewachsen ist: Unruhen brechen in den Gefängnissen rund um Spike aus. Unruhen, die sich auch auf Spike auswirken und Ant und ihren Freunden die Flucht ermöglichen könnten.


Meinung

"Blame" ist definitiv eines der spannendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Es beginnt bereits mit einer Szene, die einen in Atem hält, und auch danach stolpern Ant und der Leser von einer scheinbar ausweglosen Situation in die nächste, sodass man das Buch kaum zur Seite legen kann, was wohl auch daran liegt, dass viele Kapitel mit einem fiesen Cliffhanger enden. Simon Mayo versteht definitiv etwas von Spannungsaufbau.

Die Figuren werden nicht unnötig bis in alle Einzelheiten analysiert und es fehlt dem Geflecht an Charakteren angenehmerweise an jeglicher Form von künstlichem Drama durch Elemente wie gezwungen wirkende Liebesbeziehungen, die in Jugendbüchern sonst ja sehr häufig zu finden sind.
Dennoch ist die Dynamik zwischen den Figuren interessant, da sie meist unter Stress stehen und Schuldzuweisungen und die Frage, wer wem etwas zu sagen hat, eine Rolle spielen.
Ant ist eine sympathische Heldin mit Mut und Kampfgeist, die jedoch auch sehr hitzköpfig ist und nicht immer die richtigen Entscheidungen trifft bzw. diese oft nicht bedenkt. Trotzdem fiebert man mit ihr mit, da die meisten ihrer Taten aus Liebe zu Ihrer Familie und dem Wunsch, ihren Bruder zu beschützen, geschehen.
Ihr Bruder Mattie ist ein sehr angenehmes Gegenstück zu ihr, denn er ist eher ruhig und besonnen und für sein Alter sehr intelligent.
Eher platt wirkt dagegen der Antagonist des Buches, dessen Motive zum Ende hin leider nur sehr plump aufgelöst werden.


Das Szenario, das Simon Mayo in "Blame" entwirft, ist gleichzeitig faszinierend und erschreckend, weil es auf den ersten Blick zwar unverständlich, mit der Zeit jedoch immer nachvollziehbarer wirkt. In der Geschichte der Menschheit hat man schon immer gerne nach Sündenböcken für die eigenen Probleme gesucht. Warum sollten also nicht tatsächlich, nach den Juden, Farbigen und Moslems, irgendwann die Verwandten entkommener Verbrecher die vermeintlich Schuldigen sein?

Völlig durchdacht wirkt die Idee jedoch leider nicht, denn es bleiben einige Fragen zu diesem Konzept offen und vor allem wird die Frage, ob die eingesperrten "Erbverbrecher" tatsächlich schuldig sind, im Buch nur angeschnitten. Die Handlung selbst dreht sich hauptsächlich um das mögliche Ausbrechen aus dem Gefängnis und den Wunsch nach Rache an dem sadistischen Assessor Grey. Dieser wird immer mehr zum Ziel der Aufmerksamkeit der Hauptfiguren und man bekommt den Eindruck, als meinten Ant und ihre Freunde, wenn sie nur Grey zu Fall bringen würden, würde alles gut, wodurch die Kritik am eigentlichen System in den Hintergrund gerät. Dies ist sehr schade, da "Blame" viel Potential für die Diskussion moralischer Fragen gehabt hätte, mindestens die der Schuld, die ja dem Buch seinen Titel gibt.
Auf der anderen Seite ist es natürlich auch irgendwie realistisch, dass Jugendliche zunächst einmal nicht das große Ganze, sondern kleinere, persönliche Ziele vor Augen haben. Doch auch in dieser Hinsicht bleiben am Ende leider einige Fragen über die Motivation der Figuren, das Warum und das Wie unbeantwortet. Gelungen ist jedoch, dass das Ende in Bezug auf die rechtliche Situation der "Erbverbrecher" angemessen offen bleibt, da ja nur realistisch ist, dass ein paar Menschen nicht die ganze Welt umkrempeln können.


Fazit

"Blame" ist eines der spannendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe, denn es fesselt von der ersten bis zur letzen Seite. Zudem kann es mit einem faszinierenden Szenario und sympathischen Figuren, mit denen man gut mitfiebern kann, überzeugen. Leider wird das eigentliche Thema des Buches, Schuld, nur begrenzt tatsächlich behandelt, und am Ende bleiben zu viele Fragen offen. Ich vergebe 4 Sterne.

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82 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 8 Rezensionen

tod, kloster, liebe, durchschnittlich, auftragsmörderin

Mortal Heart - Das Erbe der Seherin

Robin LaFevers , Michaela Link
Flexibler Einband: 550 Seiten
Erschienen bei cbj, 09.02.2015
ISBN 9783570401804
Genre: Jugendbuch

Rezension:



Inhalt


Seit sie ein Baby war, trainiert Annith im Kloster dafür, endlich auf eine Mission als Assassinin ausgesandt zu werden. Sie hat schon ihre Freundinnen Ismae und Sybella, die beide nach ihr ins Kloster kamen, gehen sehen und ist überzeugt, dass sie als nächstes ausgewählt wird.
Doch dann belauscht sie ein Gespräch der Äbtissin, das deren Absicht beweist, Annith stattdessen zur Seherin zu machen, was bedeuten würde, dass sie das Kloster nie mehr verlassen wird.
Als dann auch noch eine nicht fertig ausgebildete Novizin an ihrer statt ausgesandt wird, muss Annith handeln. Kurzerhand bricht sie aus dem Kloster aus, um die Äbtissin in Guérande zur Rede zu stellen, was sich als gar nicht so einfach erweist.


Meinung


Ich war sehr begeistert von "Grave Mercy" und "Dark Triumph", den beiden Vorgängern von "Mortal Heart", und auch der Abschluss der Trilogie konnte mich wieder überzeugen.

Wieder einmal ist die Hauptfigur eine kämpferische und mutige junge Frau, hinter deren Fassade dennoch etwas Zerbrechlichkeit steckt. Annith hat eine sehr interessante Geschichte, die vor allem am Ende durch eine Auflösung ganz anders gestaltet wird, als man erwartet hätte (auch wenn ich diese Auflösung gerade deshalb erwartet hatte, weil sie zunächst so abwegig erschien). Sie ist stark und mutig, doch auch durch ihre Vergangenheit im Kloster und die letzte, sadistisch Äbtissin gezeichnet. In Bezug auf ihr Schicksal ist sie sehr von Selbstzweifel geplagt und durchläuft während des Buches die schwierige Phase, in der sie hin und hergerissen ist zwischen den Wünschen des Klosters und ihren eigenen. "Mortal Heart" behandelt hier Themen wie Loyalität, die Frage, wieviel man anderen schuldig ist, und die Suche nach dem eigenen Weg im Leben.

Doch auch der historische Teil der Geschichte mit den politischen Intrigen rund um die Herzogin der Bretagne wird in "Mortal Heart" weitergesponnen und schließlich auch aufgelöst. Hier verwebt die Autorin geschickt historische Fakten (Denn viele der Personen, beispielsweise Herzogin Anne oder Graf d'Albret, gab es wirklich.) mit ihren eigenen Ideen, wobei Ismae, Sybella und Annith sowie diverse Fantasy-Elemente letztendlich zur Lösung des Konflikts beitragen. Diese Mischung aus eigenen Ideen und historischen Fakten ist wie auch in den letzten beiden Bänden gekonnt gemacht und hat mir sehr gut gefallen.

Doch auch die Liebesgeschichte darf natürlich nicht zu kurz kommen, doch ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich die ersten beiden Bände gelesen habe, als ich noch jünger war, aber diesmal konnte sie mich nicht ganz so sehr überzeugen. Zwar fand ich die Wahl, wer Anniths Geliebter wird, sehr interessant, doch ihre Gefühle für ihn konnte ich nie so ganz nachvollziehen. Auf mich wirkten sie eher gezwungen, als hätte die Autorin auch für Annith unbedingt einen dunkeln, geheimnisvollen und von seiner Vergangenheit geplagten Liebhaber finden wollen.

Toll fand ich dagegen, dass man in diesem Band viel mehr Einblicke in die Welt des Klosters und die der Neun (der alten Götter) bekommt. Annith ist im Gegensatz zu Ismae und Sybella dort aufgewachsen und kümmert sich, nachdem ihre Freundinnen das Kloster verlassen haben, um die neuen Novizinnen und verbringt generell während des Buches mehr Zeit dort als die beiden anderen. Durch ihre Erinnerungen erfährt man auch mehr über die ehemalige und die Geschichte der aktuellen Äbtissin.
Auch die Anhängerinnen anderer Gottheiten lernt man in diesem Buch kennen.
Von dem Kult um die alten Götter war ich auch diesmal wieder sehr fasziniert und ich habe mich gefreut, in diesem Buch mehr über die Legenden zu erfahren.

Ein Wiedersehen mit Ismae und Sybella rundet die Reihe ab, denn so erfährt man am Ende des Buches auch, was das Schicksal für die beiden bereithält.


Fazit

"Mortal Heart" ist ein sehr gelungener Abschluss der "His Fair Assassin"-Reihe. Die Hauptfigur ist wieder eine vielschichtige und starke junge Frau, der historische Konflikt um die Herzogin der Bretagne wird durch eine interessante Kombination aus historischen Fakten und Fantasie der Autorin gelöst und man bekommt interessante, tiefere Einblicke in die Welt der alten Götter und deren Anhänger. Mit Annith als Hauptfigur werden interessant Themen behandelt, lediglich die Liebesgeschichte wirkte auf mich etwas gezwungen und ab und an war das Buch etwas langatmig. Ich vergebe 4 Sterne.

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1.256 Bibliotheken, 17 Leser, 3 Gruppen, 274 Rezensionen

liebe, unfall, tod, freundschaft, dani atkins

Die Achse meiner Welt

Dani Atkins , Birgit Moosmüller , Dr. Birgit Moosmüller
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.08.2014
ISBN 9783426515396
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt


Rachel ist 18, als ein furchtbarer Unfall ihr Leben für immer verändert: Ihr bester Freund Jimmy stirbt, als er ihr das Leben rettet. Sie selbst wird schwer verletzt und kommt über Jimmys Tod nie hinweg.
Fünf Jahre später hat Rachel alle ihre Träume aufgegeben, ihre Beziehung zu ihrem früheren Freund Matt zerbrechen lassen und verkriecht sich in einer kleinen Wohnung in London. Als sie anlässlich der Hochzeit ihrer besten Freundin Sarah zurück in ihre Heimatstadt fährt, bricht sie an Jimmys Grab zusammen.

Als Rachel im Krankenhaus wieder erwacht, hat sich ihr Leben komplett verändert. Nicht nur ist sie eine erfolgreiche Journalistin und verlobt mit Matt, ihr Vater stirbt auch nicht mehr an Krebs und Jimmy ist quicklebendig.
Ist sie tot? Verrückt geworden? Oder steckt sie in einer Art Parallelwelt?



Meinung

"Die Achse meiner Welt" ist angeblich ein Buch über die erste Liebe und zweite Chancen, aber von den Sprüchen, mit denen das Buch angepriesen wird, sollte man sich nicht täuschen lassen, denn es ist definitiv anders, als man es sich vorgestellt hat.

Dabei ist der Ansatz selbst ziemlich interessant - die Frage, was man machen würde, wenn man die Chance bekäme, sein Leben nochmal mit einer veränderten, eventuell besseren Vergangenheit zu leben. Rachel hat eine schreckliche und traumatisierende Vergangenheit und wacht plötzlich in einem Leben auf, in dem es all das nicht gegeben hat. Dabei thematisiert der Roman auch die Frage, ob denn tatsächlich alles für Rachel so gut gekommen wäre, wäre Jimmy damals nicht bei dem Unfall gestorben. Die Antwort ist natürlich nein, auch Rachels anderes Leben ist nicht perfekt und das merkt sie auch in kurzer Zeit.

Leider setzt sich Rachel im Buch mit diesen philosophischen Fragen nur bedingt auseinander, da sie 90% der Zeit in ihrem "zweiten Leben" damit verbringt, nicht glauben zu wollen, dass sie auf einmal ein anderes Leben lebt. Das ist natürlich absolut realistisch, auf Dauer aber auch enorm anstrengend und sorgt außerdem dafür, dass "Die Achse meiner Welt" großes Potenzial verschenkt und hauptsächlich die Geschichte davon ist, wie Rachel ihr neues Leben in den Griff bekommt, ohne dass sie sich je über diese Chance freut oder darüber nachdenkt, warum sie die letzten fünf Jahre ihres ersten Lebens weggeworfen hat, obwohl Jimmy sein eigenes Leben dafür geopfert hat.

Das hat mich am Roman ehrlich gesagt sehr wütend gemacht, denn es geht viel um Rachels ach so große Gefühle für Jimmy, doch darüber, dass er sein Leben geopfert hat, damit sie leben und nicht in einer Ecke versauern kann, denkt sie scheinbar nie nach.
Was zwischenmenschliche Gefühle betrifft ist Rachel generell schrecklich naiv und selbstbezogen und ging mir damit schnell auf die Nerven.

Der Rest der Handlung, die größtenteils in Rachels neuem, zweiten Leben spielt, ist auch bis auf die kleine aber feine Auflösung am Ende sehr vorhersehbar und die Figuren sind, bis auf die nervige Rachel, allesamt Stereotypen, vor allem der zu sehr von sich selbst überzeugte Matt, die egoistische und schamlose Cathy und der fehlerlose Sonnenschein Jimmy. Letzter hat es mir dennoch irgendwie angetan und dafür gesorgt, dass ich die Geschichte um ihn und Rachel fast gerne gelesen habe.
Das Ende der Geschichte in diesem zweiten Leben gibt auch dann jedem Leserherz, das für Kitsch anfällig ist, was es begehrt, und obwohl es vorhersehbar war, fand ich es berührend und süß und literarisch schön gestaltet.

Doch dann ist da ja noch die Auflösung der Frage, wieso Rachel auf einmal in einem anderen Leben aufgewacht ist. Diese wurde schon ab und an angedeutet, kam dann aber doch überraschend und vor allem überraschend dramatisch, was meiner Meinung nach den ganzen kitschigen Teil des Buches zerreißt, mal abgesehen davon, dass sie - dafür, dass sie sich scheinbar ohne Fantasy- und Science-Fiction-Elemente erklären lassen soll - ziemlich unlogisch ist. Die letztendliche Wendung ist im Gegensatz zu anderen möglichen, die im Laufe des Romans angedeutet werden, ziemlich deprimierend, wenn auch realistisch (nur nicht die Erklärung für diese Wendung).
Gerade dadurch lässt sich aber auch sagen, dass "Die Achse meiner Welt" definitiv kein Buch für Leser ist, die eine angenehme, romantische Lektüre suchen. Wer dagegen auf Drama, zerstörte Hoffnungen und gnadenlosen Realismus steht, ist hier zwar, was das Ende betrifft, richtig, muss sich aber vorher durch seitenweise Kitsch und Vorhersehbarkeit kämpfen.
Generell habe ich beim Lesen den Eindruck gewonnen, dass die Autorin selbst nicht wusste, was für eine Art von Buch sie schreiben wollte: ein deprimierendes Drama oder ein hoffnungsfrohes Buch über zweite Chancen und die große Liebe. Und so ist das Ergebnis leider keins von beidem sondern eine sehr unangenehme Mischung geworden.



Fazit

"Die Achse meiner Welt" hat großes philosophisches Potential und eine an sich gute und realistische, wenn auch schlecht erklärte Auflösung, doch zwischendurch wird das Potential durch eine nervige, naive und selbstbezogene Hauptfigur, fehlende Reflexionen wichtiger Fragen und jede Menge Kitsch leider stark gestört, wodurch das Buch letzten Endes weder als Drama noch als Liebesroman etwas taugt. Wenigstens ist es leicht zu lesen. Ich vergebe 2 Sterne.

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

psychologie, irrationalität, verhaltensökonomie, entscheidungen, wirtschaft

Denken hilft zwar, nützt aber nichts

Dan Ariely , Gabrielle Gockel , Maria Zybak
Flexibler Einband: 443 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.03.2010
ISBN 9783426780350
Genre: Sachbücher

Rezension:


Inhalt

Warum haben wir das Bedürfnis, sofort zuzugreifen, sobald es etwas gratis gibt? Wie beeinflussen unsere Erwartungen unseren Eindruck dessen, was wir bekommen? Warum tun wir bestimmte Sachen lieber umsonst als gegen schlechte Bezahlung?
Auf diese und viele andere Fragen liefert Verhaltensökonom Dan Ariely in diesem Buch Antworten.


Meinung

Zu diesem Buch habe ich in der Bibliothek ursprünglich nur wegen des lustigen Titels gegriffen, jedoch schnell gemerkt, dass auch der Inhalt sehr interessant ist.

Dan Ariely ist Verhaltensökonom, untersucht also, wann sich Menschen wie verhalten. Das kann vor allem für die Wirtschaft interessant sein, denn Ariely weist zB. häufig nach, wie manipulierbar Menschen sind bzw. wie sie manipuliert werden. Doch auch zum Entlarven von Wirtschafts- und Werbetricks und zum Verständnis des eigenen Verhaltens und der eigenen Fehler kann seine Forschung verhelfen.
Seine Hauptthese in diesem Buch besagt dabei, dass Menschen sich nicht nur häufig irrational verhalten, sondern auch vorhersehbar irrational.

Ariely widmet sich in jedem Kapitel einem Thema, das er meist durch anschauliche Beispiele einleitet, die häufig auf den eigenen Alltag bezogen werden können. Jede seiner Thesen unterstützt er dabei durch eine von ihm oder seinen Mitarbeitern durchgeführte Studie, die zwar meistens an Studenten durchgeführt wurden, die er dann aber auch auf größere, vor allem wirtschaftliche Zusammenhänge überträgt.
Anschließend gibt Ariely oft Tipps, wie man sich die Erkenntnis, dass man irrational handelt, zunutze machen und für einen selbst besser handeln kann.

Der Fokus, wie man besonders im Anhang, der ein Extra-Kapitel zur Finanzkrise beinhaltet, merkt, liegt bei Ariely auf der Wirtschaft, sei es die Frage, wieso Banken ihre Kunden ausnehmen oder betrügen oder die, ob Manager tatsächlich besser arbeiten, wenn sie höhere Gehälter bekommen.
In seinem letzten Kapitel beantwortet er hier viele Fragen zur Finanzkrise und stellt Thesen auf, wie solche wirtschaftlichen Katastrophen in Zukunft verhindert werden könnten.

Fazit

Arielys Buch ist in jedem Fall lesenswert, sowohl für Leser, die sich für Wirtschaft und Finanzen interessieren, als auch für solche, die einfach nur gerne mehr über ihr eigenes Verhalten und dessen Vorhersehbarkeit lernen würden.
Manchmal hätte ich mit mehr Erwähnungen von Studien von anderen Wissenschaftlern mit größeren und breiter gefächerten Versuchsgruppen zur Untermauerung von Arielys Thesen gewünscht, aber insgesamt vergebe ich gerne 4,5 Sterne.

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77 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

fantasy, magie, rainbow rowell, vampire, jugendbuch

Carry On

Rainbow Rowell
E-Buch Text: 528 Seiten
Erschienen bei Macmillan, 08.10.2015
ISBN 9781447266976
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt

Simon Snow, Zaubereischüler in Watford, ist der Auserwählte - Der Zauberer, der die Welt der Magier vor der bösartigen Kreatur namens Humdrum retten soll, die Orte im ganzen Land ihrer Magie beraubt. Ungünstigerweise kann Simon kaum einen Zauber ausführen, ohne dass etwas explodiert, und wenn er wütend wird, zündet er oft aus versehen alles rund um sich herum an.
Da hilft es nicht gerade, dass Simon zusätzlich zum Humdrum in seinem letzten Schuljahr auch noch Probleme mit seiner Freundin Agatha bekommt, die in jemand anderen verliebt zu sein scheint, sein Mitbewohner und Erzfeind Baz einfach nicht auftaucht und sicher etwas ausheckt und schließlich auch noch der Schleier zwischen Leben und Tod immer dünner wird und eine Tote mit einer mysteriösen Botschaft zu ihm kommt.


Meinung

Wer Rainbow Rowells "Fangirl" gelesen hat, dem dürfte Simon Snow als Held der gleichnamigen Reihe der (fiktiven) Autorin Gemma T. Leslie bekannt sein, von der Cath (die Hauptfigur aus "Fangirl") sehr begeistert ist. Diese Reihe existiert zwar nicht wirklich, doch Fans sowie die Autorin selbst waren so angetan von den Ausschnitten aus der Simon-Snow-Reihe und Caths Fanfictions dazu, dass Rainbow Rowell Simon nun ein eigenes Buch gewidmet hat, das in Simons achtem Schuljahr, also theoretisch nach mindestens 6 Büchern, ansetzt.
Ich muss zugeben, dass ich zunächst etwas skeptisch war. Simon Snow wies von dem, was ich in "Fangirl" gelesen hatte, einige Parallelen zu Harry Potter auf und klang wie ein billiger Abklatsch, den die Autorin nur erfunden hatte, da sie die echten Harry-Potter-Bücher nicht verwenden durfte.
Doch ich muss sagen, ich wurde mehr als positiv überrascht.

Ja, es gibt Parallelen zu Harry Potter: eine Zaubererschule, an der man mit 11 Jahren aufgenommen wird; ein Held, der üblicherweise mit seinen zwei besten Freunden unterwegs ist und auserwählt ist, Großes zu leisten; ein mächtiger, häufig mysteriös wirkender Schulleiter, der für den Helden als Mentor dient, ihm aber auch nicht alle seine Pläne mitteilt; ein Erzfeind, der zu den alteingesessenen Magierfamilien gehört und dem Helden das Leben schwermacht, etc.
Fairerweise muss man dazu aber zwei Dinge anmerken, bevor man das Buch - wie es offenbar einige Leser getan haben - weglegt und in einer Rezension niedermacht:
1.) - Und das sage ich als großer Harry-Potter-Fan - hat J. K. Rowling auch selbst Elemente verwendet, die bereits woanders vorhanden waren. Das Konzept des Auserwählten ist beispielsweise nicht sehr neu, Antagonisten kannten auch die alten Griechen schon usw.
2.) bricht Rainbow Rowell besonders gegen Ende des Buches mit vielen Klischees, mit denen sie vorher gespielt hat. So bricht das Dreiergespann gleich zu Anfang des Buches mehr oder weniger auseinander und auch die Prophezeiung, die Simon zum Auserwählten macht, wird am Ende ganz anders ausgelegt, als man gedacht hätte. Da gibt es tatsächlich neben vorhersehbaren auch überraschende Wendungen, von denen ich ehrlich begeistert war.
Man sollte dieses Buch also besser nicht gleich als Plagiat abstempeln, bevor man es nicht zu Ende gelesen hat.

Allgemein wird man das Gefühl nicht los, dass Rainbow Rowell, die ja eigentlich eher für zeitgenössische Jugendromane bekannt ist, in "Carry On" Fantasyromane im Allgemeinen etwas auf die Schippe nimmt - nicht nur durch das gekonnte Brechen mit Klischees, sondern auch durch die magische Welt, die sie erschafft, in der z.B. nicht jeder Zauberer mit einem Zauberstab, sondern beispielsweise auch mit seiner Gürtelschnalle zaubern kann, und in der Filmtitel ("Some like it hot"), Lieder ("Bohemian Rhapsody") und Kinderlieder ("Twinkle, twinkle, little star") Zaubersprüche sind.
Allgemein ist "Carry On" ein sehr humorvolles Buch, auch durch die Dialoge der Charaktere.

Letztere sind ohnehin absolut liebenswert, allen voran Simon, der mehr als unperfekte Held der Geschichte, aber auch seine beste, extrem kluge und eigensinnige Freundin Penelope und sein Erzfeind und Mitbewohner, der Vampir Baz, der, wie man als Leser im Laufe der Geschichte erfährt, sein ganz eigenes Päckchen zu tragen hat. Dass das Buch aus verschiedenen Perspektiven (Simon, Penelope, Bazz, Agatha aber auch drei anderen, wichtigen, aber seltener vorkommenden Personen) geschrieben ist, macht es leichter, sich in alle Figuren hineinzuversetzen. Hier hat mich vor allem Agatha überrascht, die aus der Sicht anderer auf mich immer arrogant gewirkt hat, in der aber auch deutlich mehr steckt, als man erst denkt.

Ein Highlight - wenn auch, wenn man "Fangirl" gelesen hat, vorhersehbar und in ihren Grundlagen nicht ganz nachvollziehbar beschrieben - war für mich auch die Liebesgeschichte, denn die betreffenden Figuren waren einfach nur süß zusammen.

Doch wie bereits bemerkt wird das Buch zum Ende hin noch ziemlich überraschend und spannend und nicht mit allen Teilen der Auflösung hätte ich so gerechnet. Man kann sagen, dass Rainbow Rowell hier die perfekte Mischung aus (fast) Happy End, Überraschung und Realismus geschaffen hat.


Fazit

Ich bin absolut positiv überrascht und begeistert. Trotz einiger Parallelen zu einschlägigen Fantasy-Romanen kann "Carry On" auch durch Originalität und einem humorvollen Blick auf das Fantasy-Genre überzeugen. Die Figuren sind liebenswert und interessant, der Schreibstil humorvoll und gegen Ende wird es noch einmal richtig spannend. Lediglich die Liebesgeschichte erschien mir nicht ganz plausibel und ganz so viele Parallelen zu Harry Potter waren nicht nötig. Ich vergebe 4,5 Sterne.

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108 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

transgender, kinderbuch, ängste, mädchen, geschlecht

George

Alex Gino , Alexandra Ernst
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 25.08.2016
ISBN 9783737340328
Genre: Kinderbuch

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195 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

liebe, krankheit, geheimnisse, villa, irmgard kramer

Am Ende der Welt traf ich Noah

Irmgard Kramer
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Loewe, 27.07.2015
ISBN 9783785581278
Genre: Jugendbuch

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Wolke 7 ist auch nur Nebel

Mara Andeck , Andy Matern , Maximiliane Häcke , Laura Maire
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.03.2016
ISBN 9783785752661
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt


Moya, 18, glaubt nicht an die große Liebe. Vielmehr, findet sie, ist Liebe eine Illusion, die man von klein auf vorgegaukelt bekommt; eine gesellschaftliche Norm, der man zu entsprechen versucht; ein rein biochemischer Prozess.
Ihre beste Freundin Lena, gerade frisch verlassen von Patrick, ist da anderer Meinung. Sie ist es auch, die Moya zum "LoveTest" anmeldet, einer wissenschaftlichen Studie zum Thema Liebe.
Und mit ihrer ungewöhnlichen Einstellung wird Moya ungewollt zum Star des Experiments, das in einer Fernsehshow gipfelt, in der sie verkuppelt werden soll.



Meinung


Mara Andecks verrückt-charmante Reihe um Lilia habe ich begeistert verschlungen und so war es klar, dass ich früher oder später auch zu "Wolke 7 ist auch nur Nebel" greifen würde - allein wegen des wieder absolut herrlichen Titels.


Auch in diesem Buch verbindet Mara Andeck wieder geschickt Wissenschaft und Liebesgeschichte, indem sie Moya drei Wissenschaftlern aussetzt, die mithilfe ihrer Theorien versuchen, sie zu verkuppeln. Diese Wissenschaftler und ihre Tests alleine sind schon sehr unterhaltsam, vor allem in Kombination mit Moyas nüchterner und trockener Art, die Geschehnisse zu kommentieren.
Hier brilliert Sprecherin Maximilane Häcke, die die von Moya erzählten Teile der Geschichte liest, sowohl was Moyas Kommentare als auch was die Imitation der einzelnen Wissenschaftler betrifft.


Die Figuren, obgleich alle nicht allzu tiefgründig, sind ein sympathischer und verrückter Haufen und für die Kürze des Buches erstaunlich gut ausgearbeitet.
Vor allem Moya ist als Charakter sehr interessant, nicht zuletzt wegen ihrer nüchternen Ansicht in Sachen Liebe. Da gibt es zum Beispiel am Anfang des Buches einen Dialog mit der frisch verlassenen Lena, in der Moya mit ihrer analytischen Art ziemlich ins Fettnäpfchen tritt. Und das ist nicht das letzte Mal, dass sie in peinliche, für den Leser jedoch sehr amüsante Situationen gerät. Doch insgesamt hätte ich mir mehr Szenen gewünscht, die mich wirklich zum Lachen bringen.


Das Buch ist locker und jugendlich geschrieben, ohne zu gewollt wirkenden Slang zu beinhalten, und wird dadurch aufgelockert, dass neben Moya auch Lena und Luke (mit jeweils anderen Sprechern) Teile der Geschichte erzählen. Auch sachlich vorgetragene Ausschnitte aus dem Konzept von "LoveTest" werden eingebaut.
Im Gegensatz zu Moyas und Lukes Abschnitten folgen Lenas einer unabhängigen Handlung, die meiner Meinung nach etwas zu kurz kam, sodass man die Entwicklungen nicht wirklich nachvollziehen konnte. Generell wurde mir Lena auch nicht so sympathisch wie Moya, denn ich empfand sie als weinerlich und naiv und ihre Wandlung als zu schnell.


Auch die Geschichte von Moya ist zu Teilen vorhersehbar und entwickelt sich etwas zu schnell, ist jedoch auch zuckersüß und hält eine tolle Moral bereit: Man kann Liebe eben doch nicht komplett wissenschaftlich erklären und schon gar nicht erzwingen.
Die Hörbuchversion von "Wolke 7 ist auch nur Nebel" ist sehr zu empfehlen. Besonders Sprecherin Maximilane Häcke ist in ihrer Rolle einfach brillant und die Unterschiede zwischen den Figuren sowie der Kontrast zu den Ausschnitten aus dem Konzept von "LoveTest" kommen hier gut rüber. Trotzdem bin ich von Laura Maire, die Lenas Parts liest und mir immer etwas lethargisch vorkam, und von Maximilian Artajo (Luke), der oft aggressiv und genervt klang, nicht ganz so begeistert.


Fazit


"Wolke 7 ist auch nur Nebel" ist genauso erfrischend und süß, wie der Titel vermuten lässt. Die Geschichte, die voller liebenswerter Figuren steckt, ist eine originelle Mischung aus Wissenschaft und Liebesgeschichte mit einigem Potential zum Lachen. Leider waren mir jedoch nicht alle Personen sympathisch und einige Entwicklungen zu schnell und vorhersehbar. Auch habe ich mich bei anderen Büchern der Autorin schon mehr amüsiert.
Die Hauptsprecherin des Hörbuchs,Maximiliane Häcke, macht ihre Sache war großartig, doch die anderen Sprecher haben mich nicht umgehauen.
Insgesamt vergebe ich 3,5 Sterne (4,5 für die Leistung der Sprecher).

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90 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

großfamilie, kindesmissbrauch, erste liebe, familiendrama

Sternenhimmeltage

Trish Doller , Ann Lecker
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 01.07.2016
ISBN 9783551314390
Genre: Jugendbuch

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257 Bibliotheken, 16 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

liebe, missbrauch, jessica koch, wahre geschichte, schicksal

Dem Horizont so nah

Jessica Koch , any.way
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 29.07.2016
ISBN 9783499290862
Genre: Romane

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157 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

klassiker, englisch, coming of age, j.d. salinger, der fänger im roggen

The Catcher in the Rye

J. D. Salinger
Flexibler Einband: 277 Seiten
Erschienen bei Little Brown & Co, 29.04.2011
ISBN 9780316769174
Genre: Romane

Rezension:



Inhalt




Der 16-jährige Holden ist mal wieder von einer seiner Schulen geflogen und beschließt nach einem Streit spontan, diese noch vor Beginn der Ferien zu verlassen. Nach Hause kann er jedoch nicht, da er nicht will, dass seine Mutter sofort von seinen Verweis erfährt.
Daher treibt er sich noch einige Tage in New York rum.



Meinung


Grob gesagt lege ich bei Büchern auf drei Punkte besonders wert: Handlung, Charaktere und Schreibstil. "The Catcher in The Rye" ("Der Fänger im Roggen") hat es in meinen Augen geschafft, in allen dreien zu versagen.


Schon auf den ersten Seiten fällt der Schreibstil ins Auge, der von Umgangssprache und ungewöhnlichen Sprechmustern geprägt ist. Holden, der die Geschichte erzählt, spricht in einem ziemlich rohen, unstrukturierten Slang. Er zieht beispielsweise mehrere Wörter zu einem zusammen ("whatsaname" statt "what's her name"), was beim Lesen oft schwer zu entziffern ist, wenn man noch nicht dran gewöhnt ist, oder wiederholt bestimmte, inhaltsleere Formulierungen mehrmals pro Seite (zB. hängt er "and all" oder "or something" an viele Sätze ran oder relativiert Aussagen mit "sort of", unabhängig davon, ob es passend ist oder nicht).
Zudem nennt er ausnahmslos jede Person, über die er redet, "old", völlig egal ob es sich um seinen "alten" Lehrer, seinen "alter" Schulkameraden oder seine "alte" kleine Schwester handelt.
Die Formulierung "that kills me" taucht ebenfalls häufig in verschiedenen Kontexten auf, sowohl wenn etwas Holden aufregt, als auch wenn er es toll findet. Andere Dinge machen ihn stets "depressiv" - eine Formulierung, die ebenfalls leicht ihre Wirkung verliert, da er sie inflationär verwendet.
Insgesamt ist das Buch durch diesen Schreibstil extrem anstrengend zu lesen, da das Auge immer über die ständigen Wortwiederholungen und Stillosigkeiten stolpert, sodass man sich kaum auf den Inhalt konzentrieren kann. Authentizität hin oder her, das war wirklich nicht angenehm zu lesen und es wundert mich, dass Englisch das einzige Fach ist, in dem Holden nicht durchgefallen ist.


Auch Beleidigungen gehören zu seinem absoluten Lieblings-Repertoire, denn Holden kann scheinbar nichts und niemanden leiden. Selbst wenn er jemanden als "ganz in Ordnung" beschreibt, relativiert er diese Aussage sofort wieder, indem er irgendetwas Negatives zu berichten findet. Zudem ist offenbar jede Person aus seinem Bekanntenkreis und auch alle anderen Menschen, die er trifft, "phony", also heuchlerisch. Das ist vor allem insofern ironisch, dass er sich trotzdem mit ihnen abgibt und sie nie offen kritisiert, was ihn selbst zum Heuchler macht. Doch sich selbst und seine Handlungen reflektiert Holden eigentlich nie.
Seine negative, sprunghafte und unentschlossene Art macht es schwer, ihm auch nur ein Fünkchen Sympathie entgegenzubringen, was bei mir dazu führte, dass ich auch kaum noch Lust verspürte, mir etwas über seine Erlebnisse und Gedanken durchzulesen.
Das vermutlich einzig halbwegs sympathische an diesem Protagonisten ist, dass man schnell merkt, dass er mit seinen eigenen Gefühlen nicht umgehen und diese nicht wirklich deuten kann - ein Problem, dass viele Jugendliche in der Pubertät haben.
Trotz allem stellt sich mir die Frage, wieso "The Catcher in the Rye" gemeinhin als einer der ersten, guten "Coming of Age"-Romane bezeichnet wird, denn zum Glück kenne ich zumindest keinen einzigen Teenager, der sich so verhält wie Holden. Er ist definitiv kein Maßstab und kein Vorbild oder auch nur eine Identifikationsfigur für Jugendliche, die mit dem Erwachsenwerden zu kämpfen haben.


Das allein hat das Lesen für mich schon sehr schwer gemacht, doch die "Handlung" gab mir den Rest. Das Buch spielt an wenigen Tagen und ist nicht sehr dick, aber dennoch ist J. D. Salinger die zweifelhafte Kunst geglückt, so gut wie gar keine Handlung einzubauen. Holden läuft viel herum, trifft mehr oder weniger freiwillig einige Menschen und ansonsten raucht und trinkt er hauptsächlich und schweift in Erinnerungen oder lenkt vom Thema ab. Durch letzteres wird der Leser immer wieder aus der Bahn geworfen, weil Holden plötzlich mitten in der Erzählung zu einem ehemaligen Klassenkameraden oder Ähnlichem bschweift.
Man kann weder einen Spannungsbogen noch eine Entwicklung erkennen und bei seinen Erzählungen, wie es zu dem gekommen ist, was er im "Prolog" und "Epilog" erlebt, lässt Holden genau diesen Punkt aus. Man kämpft sich durch drei Tage seines Lebens um am Ende nicht zu wissen, warum er tut, was er tut, oder was er danach tun wird.



Fazit

Auf die Gefahr hin, igorant oder ungebildet zu wirken: "Der Fänger im Roggen" gehört zu den schlechtesten Büchern, die ich je gelesen habe. Der Schreibstil ist durch den vielen Slang und die ständig wiederholten Formulierungen extrem anstrengend zu lesen, die Hauptfigur unfassbar unsympathisch und es passiert so gut wie nichts, da Holden, statt eine Geschichte zu erzählen, viel zu viel abschweift. Am Ende weiß man nicht, was der Sinn dieses Buches war. Dafür kann ich nur einen Stern vergeben.

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319 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 16 Rezensionen

freundschaft, jeans, liebe, sommer, familie

Eine für vier

Ann Brashares , Cornelia Krutz-Arnold
Flexibler Einband: 318 Seiten
Erschienen bei cbt, 01.04.2005
ISBN 9783570301791
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt

Carmen, Lena, Tibby und Bridget kennen sich seit ihrer Geburt und sind trotz ihrer sehr verschiedenen Persönlichkeiten die besten Freundinnen überhaupt. Beinahe jeden Tag ihres Lebens haben sie bisher miteinander verbracht, doch dieses Jahr, im Sommer, in dem sie alle 16 werden, wird alles anders, denn sie werden diese zwei Monate zum ersten Mal getrennt verbringen.
Die einzige Zeugin ihrer Abenteuer ist die Jeans auf Reisen, eine Jeans, die auf magische Weise ihnen allen passt.
Und während die vier Mädchen über Briefe in Kontakt bleiben, erlebt die Jeans mit, wie Lena bei ihrer Familie in Griechenland verkuppelt werden soll; wie Carmen feststellen muss, dass ihr Vater, den sie besucht, mittlerweile verlobt ist und mit neuer Frau und Stiefkindern zusammenwohnt; wie Tibby, die allein zuhause bleibt, eine ungewöhnliche Freundin findet und wie Bridget sich vornimmt, ihren Trainer im Fußballcamp zu verführen.


Meinung

Die fünfbändige Reihe um die vier Mädels und ihre Jeans habe ich mit etwa zwölf verschlungen und fand sie wegen ihrer Einfachheit und doch Tiefgründigkeit und Authentizität wunderschön.
Nun mache ich mich daran, die Reihe noch einmal zu lesen und wurde bei Band eins wieder nicht enttäuscht.

Im Stil eines Episodenfilms erzählt "Eine für vier" vom ersten Sommer, den Carmen, Lena, Tibby und Bridget getrennt verbringen. In ziemlich kurzen Abschnitten springt man von einem Mädchen zum anderen, teilweise durch Briefe zwischen den Vieren verbunden.
Dabei behandelt jede Geschichte ein anderes Thema, das junge Mädchen beschäftigen könnte, und deckt somit eine relativ große Bandbreite ab:
Carmen muss sich mit Veränderungen in ihrer Familie auseinandersetzen, wie sie wohl vielen Scheidungskindern begegnen können.
Bridget schlägt ein wenig über die Stränge und lernt eine wertvolle Lektion, ohne dass diese auf den Leser wie ein erhobener Zeigefinger wirkt.
Tibby lernt einen ganz besonderen Menschen kennen, durch den sie sich mit der Kostbarkeit des Lebens und dem Tod auseinandersetzen muss
und Lena lernt, dass nicht alle Jungs so oberflächlich sind, wie sie es bisher erlebt hat.
Das alles sind wichtige Themen, die auf locker-leichte, aber dennoch berührende und intelligente Weise vermittelt werden.

Die Figuren, vor allem die vier Hauptfiguren aber auch einige der Nebenfiguren, die teilweise erstaunlich ausführlich charakterisiert sind, sind mir während des Buches wieder sehr ans Herz gewachsen. Dabei gefällt mir besonders, dass die vier Mädels sehr verschieden sind, aber trotzdem keinen Jugendbuch-Stereotypen entsprechen. Jede hat ihren eigenen Charakter mit Stärken und Schwächen, ohne dabei klischeehaft zu wirken.

Das Ende des Buches bringt für jedes der Mädchen neue Erkenntnisse, ohne dabei zu kitschig und zu perfekt zu sein.
Man hat viel Spaß beim Lesen und freut sich und leidet mit den Mädchen, man fühlt sich am Ende aber nicht belehrt, sondern hat das Gefühl, wirklich nur Episoden aus dem Leben dieser Mädchen kennengelernt zu haben.
Ich vergebe 4,5 Sterne für diese leichte, aber tiefgründige Sommerlektüre.

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fremdsprachen, motivation, lernen, sachbuch

Fluent in 3 Months

Benny Lewis
E-Buch Text: 259 Seiten
Erschienen bei Collins, 11.03.2014
ISBN 9780007556755
Genre: Sonstiges

Rezension:

Inhalt

Der irische Blogger Benny Lewis behauptet von sich selbst, sieben Sprachen fließend zu sprechen und viele weitere auf den verschiedensten Niveaus zu beherrschen.
In diesem Buch beschreibt er seinen Ansatz zum Erfolgreichen Erlernen einer Fremdsprache, wobei er sich vor allem auf seinen Ansatz "Von Tag 1 an sprechen" konzentriert.




Meinung


Ich habe mir dieses Buch zugelegt, nachdem ich zuvor mit "Fluent Forever" von Gabriel Wyner angefangen habe - einem Buch, das ebenfalls vom Sprachenlernen handelt.
Doch im Vergleich dazu hat mir "Fluent in 3 Months" leider gar nicht zugesagt, da ich das Buch insgesamt als nicht hilfreich für mich empfand.

Was man auf jeden Fall wissen sollte, bevor man mit dem Buch beginnt: Es handelt sich hier wirklich hauptsächlich und den von Benny Lewis erdachten und auf ihn persönlich zugeschnittenen Lernansatz. Lewis hat eine genaue Vorstellung davon, wie gutes Sprachenlernen aussieht, ohne das jemals anders zu begründen als mit seinen eigenen Erfahrungen. Dabei bedenkt er zwar, dass nicht jeder Mensch gleich lernt, stellt aber trotzdem viele seiner Meinungen als ultimative Fakten da oder tritt sie trotzdem weiter breit, obwohl sie vielleicht nur für ihn oder einen winzigen Anteil aller Sprachenlerner relevant sind. Wissenschaftliche Erklärungen, zB. für die Funktionsweise seiner Merkstrategien, liefert er nie, obwohl diese den Leser vielleicht davon überzeugen könnten, dass seine Methoden auch bei anderen Menschen anwendbar sind.

Lewis vertritt sehr radikale Ansichten, wie man Fremdsprachen am besten erlernen sollte, nämlich indem man vom ersten Tag des Lernens an spricht, selbst wenn man eigentlich noch keine Sätze bilden kann. Das mag ja zum Teil ein ganz nützlicher Tipp sein, da sich viele Menschen lange nicht trauen, die Sprache tatsächlich zu sprechen, obwohl man durch Anwendung am schnellsten sicher wird.
Jedoch finde ich es sehr zweifelhaft, ob es tatsächlich empfehlenswert ist, anfangs ganze Gesprächsmuster und mögliche Antworten auswendigzulernen und sich erst der Grammatik zu widmen, wenn man schon halbwegs flüssig spricht. Denn wie soll man bitte flüssig sprechen und eigene Sätze bilden können, wenn man nicht einmal Verben konjugieren kann oder sich Regeln wie zB der bewusst ist, dass im Italienischen Präpositionen und Artikel manchmal zu neuen Wörtern verschmelzen? So wird man nicht nur andere nicht verstehen, sondern es auch selbst schwerer haben, richtige Sätze zu formen.
Nach Lewis' Ansatz würde man die Sprache erlernen wie ein Baby, das einfach nachplappert, was es versteht, oder die Wörter brabbelt, die es meint aufgeschnappt zu haben. Natürlich lernen Babys letzten Endes auch so, jedoch brauchen sie Jahre, bis sie sich gut ausdrücken können, und Lewis' zufolge soll uns das ja nur wenige Monate kosten.
Hier wird vor allem klar, dass Lewis' sich gegen den traditionellen Lernansatz des irischen Schulsystems (oder zumindest dem seiner früheren Schulen) wendet, wo er offenbar nur Theorie pauken musste und die Sprache nicht anwenden konnte. Da er persönlich damit nicht klargekommen ist (während er das System aber als grundsätzlich schlecht darstellt), hat er einen komplett anderen Ansatz entwickelt, ohne in Betracht zu ziehen, dass ein Kompromiss aus Theorie und Praxis vielleicht effektiver sein könnte. Wieder einmal geht es nur um seine Meinung basierend auf seinen Erfahrungen, ohne allgemeine Erklärungen und Begründungen dafür.
Ich selbst habe Fremdsprachen in der Schule jedenfalls sehr gut durch eine Kombination aus Theorie und Praxis von Anfang an gelernt.

Nervig ist ebenfalls Lewis' auffällig selbstdarstellerischer Ansatz. Einerseits ist es natürlich gut und lässt das Buch glaubhafter wirken, dass er seine Ansätze mit Beispielen unterlegt, andererseits betont er für meinen Geschmack einfach zu oft, was er alles kann und gelernt hat, wie unfassbar leicht ungarische Grammatik für ihn gewesen sei und dass er in der Lage gewesen sei, an einem einzigen Abend sieben sprachen flüssig zu sprechen. Vieles davon wirkt einfach übertrieben, angeberisch und lässt den Leser vor allem leicht vergessen, dass Lewis sich dem Sprachenlernen Vollzeit bzw. mehrere Stunden am Tag widmet (was für die meisten ja wohl eher kein realistisches Ziel ist) und daher natürlich viel schneller Erfolge erzielt. So eine Betonung des eigenen Könnens ist meiner Meinung nach eher kontraproduktiv, wenn man seine Leser zum Lernen animieren will, da man so unweigerlich dafür sorgt, dass die Leser sich mit dem Autor vergleichen und frustrieren, weil sie nicht so schnell lernen.

Doch natürlich enthält "Fluent In 3 Months" - vor allem in späteren Kapiteln - auch einige nützliche Tipps. Während es im zweiten Kapitel zunächst eine halbe Ewigkeit (teilweise auch etwas zu lang) darum geht, die Leser zu motivieren, gibt Lewis in den späteren Abschnitten praktische Tipps zum Lernen und Merken von Vokabeln, zu der Frage, wo und wie man am besten Kontakt zu Muttersprachlern aufnehmen kann, zu realistischen Zielen, die man sich zur Motivation und zur Kontrolle setzen sollte und auch dazu, wie man sein Sprachniveau von "halbwegs flüssig über alltägliche Themen reden können" aufwärts perfektionieren kann.
Hier profitiert der Leser definitiv von Lewis' vieler Erfahrung und auch Lewis' wirkt deutlich bodenständiger und realistischer als in den Anfangskapiteln, wo seine Motivation eher zur Angeberei ausuferte.
Immer wieder wird der Leser auch auf links zu anderen Websites oder ausführlicheren Erklärungen auf Lewis' Website verwiesen, wo Lewis' beispielsweise gutes Lernmaterial für die verschiedensten Sprachen und Tipps zum erlernen spezieller Sprachen zusammengestellt hat.

Positiv ist auch zu sehen, dass Lewis' seine Leser immer wieder motiviert, indem er betont, wie leicht das Sprachenlernen sein kann, wenn man genug Leidenschaft dafür aufbringt. Er räumt mit sämtlichen klischeehaften Ausreden, die man eventuell bringen könnte, auf und zeigt, dass man nicht hochbegabt oder ein Sprachengenie sein muss, um ein Polyglott zu werden.



Fazit

"Fluent In 3 Months" als schlechtes Buch zu bezeichnen wäre unfair, aber es ist definitiv kein Buch, dass ich Lesern ans Herz legen würde, die mithilfe eines solchen Buches eine Fremdsprache lernen wollen. Ja, Benny Lewis liefert einige hilfreiche Tipps, präsentiert gute Quellen für Lernmaterial und veranschaulicht seine Tipps mit Beispielen. Doch er ist auch ziemlich viel damit beschäftigt, seine eigenen Erfolge breitzutreten, das Schulsystem, indem er zuerst Sprachen gelernt hat, zu verteufeln und einen sehr radikalen und nicht unbedingt für jeden geeigneten Ansatz zu verfolgen und häufig als den einzig richtigen darzustellen. Einen Kompromiss zwischen Theorie und Praxis sieht er kaum vor, was ich persönlich für sehr zweifelhaft halte. Als Begründung für alle gewagten Thesen setzt er seine eigenen Erfahrungen ein, ohne auf die Vielfältigkeit seiner Leser einzugehen, die vielleicht nicht so lernen können wie er.
Vielleicht könnte Lewis' Ansatz für einige der Richtige sein, doch er ist mir zu engstirnig, um ihn allgemein empfehlen zu können. Ich vergebe ganz knappe 3 Sterne.

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england, krieg, erster weltkrieg, liebe, frauen

Der letzte Sommer

Helen Simonson , Michaela Grabinger
Fester Einband: 540 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 19.07.2016
ISBN 9783832198268
Genre: Romane

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schurken, bösewichte, antagonisten, mr. hyde, frankenstein

Das Buch der Schurken

Martin Thomas Pesl , Kristof Kepler
Fester Einband: 244 Seiten
Erschienen bei Edition Atelier, 04.03.2016
ISBN 9783903005150
Genre: Sachbücher

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Made You Up

Francesca Zappia
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei GREENWILLOW, 19.05.2015
ISBN 9780062290106
Genre: Jugendbuch

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