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apollo, rick riordan, percy jackson, mythologie, götter

Die Abenteuer des Apollo - Das verborgene Orakel

Rick Riordan , Gabriele Haefs
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 31.08.2017
ISBN 9783551556882
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Hinweis:


Bei "Die Abenteuer des Apollo" handelt es sich bereits um Rick Riordans dritte Reihe über die griechischen (und römischen) Götter. Obwohl sich das Buch auch ohne Vorkenntnisse lesen lässt, würde ich es nicht empfehlen, da es Informationen über die Handlung der anderen beiden Reihen enthält, die chronologisch früher spielen. 






Inhalt 


Der Gott Apollo wurde - wieder einmal - von Zeus bestraft, indem er sterblich gemacht und auf die Erde verbannt wurde. Der erste Mensch, dem er in New York begegnet, ist das verwahrloste Mädchen Meg, die sich als äußerst starke Halbgöttin entpuppt. Und blöderweise ist es auch die vorlaute, eigensinnige Meg, der Apollo fortan dienen soll, um seine Schuld in Zeus' Augen zu begleichen. 
Apollo bringt Meg ins Camp Half Blood und erfährt dort, dass das Orakel von Delphi noch immer in der Gewalt seines alten Feindes Python ist. Und wie sich herausstellt, steckt dahinter noch viel mehr: ein mächtiger Feind, der schon seit Langem im Hintergrund seine Fäden spinnt.






Meinung 


Nachdem ich vom ersten Band der "Magnus Chase"-Reihe über nordische Götter nicht wirklich überzeugt war, kehrte ich mit "Das verborgene Orakel" wieder in die Welt der griechischen Mythologie zurück, die mich in "Percy Jackson" so begeistert hatte. Auch wenn ich es im Nachhinein bereue, die "Helden des Olymp"-Reihe nicht dazwischen gelesen zu haben, konnte mich dieses Buch wieder vollkommen überzeugen, da es in meinen Augen wieder dem typischen Stil und Humor von Rick Riordan betrifft, den ich in "Magnus" vermisst hatte.


Apollo fiel mir schon in der "Percy Jackson"-Reihe auf, weil er einfach unglaublich lustig ist. Nicht auf subtile, intelligente Art (Wie die anderen Bücher von RR, die ich bisher gelesen habe, ist auch dies ein Middle Grade Buch.), sondern weil er unglaublich arrogant ist - für einen Gott vermutlich passend - und daher oft unfreiwillig  komisch, weil er es für selbstverständlich hält, dass alle anderen ihn genauso toll finden wie er sich. Da Apollo die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, kommt dieser Humor in diesem Buch natürlich noch viel mehr rüber als in den Büchern, in denen er nur Nebenfigur war.
Erstaunlicherweise hat Rick Riordan aber sogar versucht, seiner Figur noch etwas Tiefe zu verleihen, denn Apollo macht im Laufe des Buches eine (für ein Buch für eine so junge Zielgruppe erstaunliche) Wandlung durch, lernt Sterblichen auf Augenhöhe zu begegnen, für ihre Hilfe dankbar zu sein, sich seine Fehler einzugestehen und verspürt sogar so etwas wie Zuneigung für andere Figuren, womit er vorher kaum gerechnet hätte.


Auch die Handlung hat mich positiv überrascht, denn sie ist für diese Art von Buch erstaunlich überraschend und gut ausgearbeitet. Die neuen Antagonisten, die Riordan langsam einführt, wirken zwar ein wenig gezwungen, als hätte man die der letzten beiden Reihen in ihrer Bösartigkeit noch übertreffen wollen, die Idee dahinter ist aber auch faszinierend. Auch wenn die Bösewichte nur den üblichen Weltherrschaftsplan zu verfolgen scheinen, gibt es eine interessante Entwicklung zwischen den Figuren gegen Ende hin.


Nebenbei erfährt man selbstverständlich auch wieder eine Menge über die griechische Mythologie, diesmal sogar aus der Sicht eines Gottes höchstpersönlich. Wie Apollo sich über die Legenden über sich selbst und in seinen Augen völlig falsch verstandene und weitergegebene Dinge auslässt, ist wieder einmal sehr unterhaltsam, ebenso wie die Verbindung von griechischer Mythologie und moderner Zeit. So vermutet Apollo beispielsweise, das Zeus seinen Fall vom Olymp sicher auf Snapchat filmen und posten würde. 




„Ihr könnt mir glauben, in viertausend Jahren habe ich seltsame Dinge beobachtet. [...] Ich habe gesehen, wie Menschen sich in Schlangen und Ameisen in Menschen verwandelten und wie ansonsten absolut vernünftige Leute Macarena tanzten.“
- S. 72




Auch Figuren aus der „Percy Jackson“- und der „Helden des Olymp“-Reihe trifft man wieder und erfährt einiges darüber, wie es ihnen ergangen ist. Für Fans der vorherigen Reihen ist das natürlich ein besonderes Schmankerl, aber da alles Nötige erklärt wird, ist es keine zwingende Voraussetzung, die anderen beiden Reihen gelesen zu haben. Sollte man dies aber in Erwägung ziehen, würde ich empfehlen, die anderen beiden Reihen vor „Apollo“ zu lesen, da dieses Buch doch sehr viel über den Ausgang der anderen verrät. 






Fazit 


„Das verborgene Orakel“ hat mich wirklich sehr gut unterhalten. Der Gott Apollo ist ein überaus unterhaltsamer Protagonist mit einem (teilweise eher unfreiwilligen) Sinn für Humor, gegen Ende hin aber auch einer erstaunlichen Prise Tiefe. Auch die, teilweise schon bekannten, Nebenfiguren sind liebenswert und nicht uninteressant und der Konflikt der Reihe, den Riordan in diesem Buch entwickelt, hat auf jeden Fall Potential. 
Für Fans von Riordans moderner Mythologie definitiv empfehlenswert!



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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

fantasy, magie, gestaltenwandler, spannung, hexen

Black Heart: Ein Märchen von Gut und Böse

Kim Leopold
E-Buch Text: 102 Seiten
Erschienen bei Independently Published, 31.10.2017
ISBN B075Z7W7PV
Genre: Fantasy

Rezension:

Inhalt

2018, München: Zwei geheimnisvolle Männer finden einen Hinweis, der zum Aufenthaltsort einer mächtigen Hexe führen könnte.

2018, Düsseldorf: Louisa von Stein wird kurz vor ihrem 18. Geburtstag einem geheimnisvollen Freund der Familie vorgestellt und kurz darauf in unerwartete Ereignisse verstrickt.

1768, Norwegen: Als Freyas Mutter als Hexe verbrannt wird, entwickelt die junge Frau plötzlich ungeahnte Kräfte und begegnet einem geheimnisvollen Mann, der mehr über sie und ihre Fähigkeiten zu wissen scheint.

Meinung
"Black Heart 1: Ein Märchen von Gut und Böse" ist der Auftakt zu einer eBook-Serie, deren Teile monatlich und in bestimmten Abständen auch als Print-Sammelausgabe erscheinen sollen. Es handelt sich um eine Urban-Fantasy-Geschichte mit (bislang) drei Handlungssträngen, die alle auf eine gewisse Art und Weise verbunden sind.

Da ich bisher alle Bücher von Kim Leopold gelesen habe, war klar, dass für mich auch am Auftakt zu "Black Heart" kein Weg vorbeiführen würde. Zusätzlich hatte ich dann auch noch die große Ehre, das Buch als Testleserin noch vor der Veröffentlichung zu lesen.Dass ich von "Ein Märchen von Gut und Böse" so angetan bin, liegt jedoch nicht daran, sondern schlicht an der Qualität des Buches.


Als Teil einer eBook-Serie ist dieses Buch natürlich nicht sonderlich dick, sondern enthält nur knapp 100 Seiten. Dementsprechend darf man noch nicht allzu viele Erklärungen und Auflösungen erwarten und lernt auch die Figuren erst eher oberflächlich kennen.Meiner Meinung nach ist es Kim Leopold allerdings gut gelungen, genau die richtige Mischung aus Spannung und notwendigen Erklärungen einzubauen, sodass man sich mit dem Buch nicht verloren fühlt, sich aber auch nicht durch endlose Einführungen in die Thematik langweilt.

Obwohl drei Handlungsstränge für ein so kurzes Büchlein vielleicht etwas viel erscheinen, hatte ich beim Lesen nie das Gefühl, durcheinanderzukommen oder zu viele Informationen auf einmal zu bekommen. Im Gegenteil: Alle drei Geschichten faszinierten mich und immer, wenn ein Kapitel vorbei war, war ich enttäuscht, dass ich nicht weiterlesen konnte, wurde aber gleich danach vom nächsten Handlungsstrang gepackt. Wenn ich dieses Gefühl beim Lesen habe, hat die Autorin in meinen Augen mit den verschiedenen Perspektiven alles richtig gemacht.  Spannend ist auch, dass im Laufe dieses ersten Teils klar wird, dass alle Handlungsstränge miteinander verbunden sind, man aber noch viele Fragen zu den Zusammenhängen offen hat.

Die Urban Fantasy-Aspekte erscheinen mir bisher per se nicht neu, sind aber auf interessante Art ausgelegt und münden, soweit ich es bisher beurteilen kann, nicht in den üblichen Einheitsbrei, sondern haben Potential. Ich will allerdings an dieser Stelle nicht zu viel darüber verraten, worum es geht, da einige Dinge erst später aufgedeckt werden. Erwähnt sei nur, dass Hexen nicht die einzigen magischen Wesen sind, die eine Rolle spielen.Man bekommt auf den wenigen Seiten auf jeden Fall den Eindruck, dass die Autorin sich eine Menge bei den von ihr geschaffenen Figuren und Wesen gedacht hat und dass da noch einiges an Informationen, Ideen und spanenden Zusammenhängen auf uns zukommt.

Über die meisten Figuren erfährt man auf den wenigen Seiten noch nicht allzu viel, sodass ich noch kaum beurteilen kann, ob sie authentisch und vielschichtig sind. Sagen kann ich bisher nur, dass mir Louisa mit ihrer unkonventionellen, witzigen Art sehr sympathisch ist und ich Alexander faszinierend finde. Der letzte Satz dieses Teils, der nochmal eine große Bombe platzen lässt, gibt auch einen Vorgeschmack darauf, dass die Figurenkonstellationen und ihre Entwicklungen in den kommenden Teilen sehr spannend werden könnten.

In Bezug auf die Figuren finde ich auch erwähnenswert, dass Freya - die Hauptfigur eines der Handlungsstränge - blind ist und es (obwohl ich natürlich nicht weiß, wie sich Blindheit anfühlt) der Autorin meiner Meinung nach gut gelungen ist, authentisch und verständlich darzustellen, wie sich das anfühlt. Beispielsweise beschreibt sie viel, was Freya fühlt, hört oder riecht und vergisst nicht zu erwähnen, dass sie z.B. nicht weiß, wie bestimmte Farben aussehen, was mir sehr realistisch vorkam.


Fazit


"Black Heart 1: Ein Märchen von Gut und Böse" bildet den Auftakt zu einer vielversprechenden Urban-Fantasy-eBook-Serie und überzeugt durch drei spannende Handlungsstränge, interessante Figuren und Ideen und Zusammenhänge mit einer Menge Potential für eine gute und spannende Geschichte.
Empfehlenswert für alle, die gerne Urban Fantasy abseits des reinen Romantasy lesen und Geschichten aus mehreren Perspektiven und mit mehr als einer Hauptfigur zu schätzen wissen.

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pastor, meredith winter, ladythriller, blutpsalm, liebe

Blutpsalm

Meredith Winter
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Sommerburg Verlag, 01.09.2017
ISBN 9783981872217
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt

Sommerburg ist ein beschaulicher kleiner Ort, in der jeder Mensch jeden gut zu kennen und es keine Geheimnisse zu geben scheint. Bis eines Tages eine Mordserie den Ort erschüttert und sich der junge Pastor in eine Prostituierte verliebt, die mit den Taten in Verbindung zu stehen scheint.


Meinung

Ich lese wirklich wirklich selten Krimis oder Thriller, aber die Autorin schrieb mir so eine nette Mail, dass ich mich dann doch entschied, "Blutpsalm" zu lesen und hier vorzustellen. 

Auf goodreads wird das Ganze als Liebeskrimi bezeichnet, der Autorin zufolge schreibt sie in den Genres Ladythriller bzw. Romantic Suspense. Wie auch immer man es nun nennen möchte - aus den Bezeichnungen geht auf jeden Fall hervor, dass es sich bei "Blutpsalm" zur Hälfte um einen Liebesroman, zur Hälfte um eine Geschichte über eine Mordserie handelt. Diese Mischung reizte mich, weil ich mir von der Thriller- bzw. Krimihandlung erhoffte, dass sie ein Abdriften der Liebesgeschichte in Kitsch verhindern würde und von der Liebesgeschichte, dass das Buch trotz der grausamen Morde, um die es geht, noch etwas fürs Herz bieten würde. Außerdem interessiere ich mich sehr für Geschichten über Serienmorde.

Vielversprechend ist auch das Setting des Romans. In der Anonymität der Großstadt morden ist eine Sache, aber in einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft - das weckt spanende Dynamiken, vor allem, wenn sich dann jemand entgegen der ungeschriebenen Dorfgesetze verhält und somit Misstrauen auf sich lenkt. Oder wenn die Person, die in Wahrheit schuldig ist, gar nicht erst verdächtigt wird. Genau so passiert es auch in Sommerburg, was ich sehr spannend fand.

Ebenfalls gelungen ist die Verstrickung der beiden Hauptfiguren - dem Pastor Jonathan und der Prostituierten Marlene -, die keine typischen Krimi-Ermittler*innen sind, ja, mit den Ermittlungen eigentlich gar nichts zu tun haben, in die Ereignisse, da in einem so kleinen Ort alle Menschen irgendwie miteinander verbunden sind. Und nicht zuletzt, da die ermordeten Männer allesamt Marlenes Kunden waren. Die Autorin versteht es, einen lange Zeit über die Identität der mordenden Person im Dunkeln, einen aber auch stets um die Hauptfiguren fürchten zu lassen, nicht zuletzt durch etliche gruselige Andeutungen. Überrascht hat mich zunächst, dass sie das Geheimnis dann etwa in der Mitte des Buches selbst lüftet. Zunächst befürchtete ich, dass das dem Buch die Spannung nehmen würde, aber es entwickelt sich daraufhin eine ganz andere, ebenso perfide Dynamik zwischen den Figuren, die ebenfalls spannend ist. Insgesamt hatte ich das Bedürfnis, das Buch am Stück durchzulesen, da der Spannungsbogen sehr gelungen war.

Was man der Autorin ebenfalls lassen muss: Erotische Szenen schreiben liegt ihr. Dazu sollte allerdings auch erwähnt sein, dass gefühlt die Hälfte des Buches aus ebensolchen Szenen besteht. Das ist per se nichts Schlechtes, jedoch nicht das, was ich von "Romantic Suspense" erwartet hätte, da Erotik für mich nicht zwangsläufig gleichbedeutend ist mit Liebe/Romantik und ich mir zu  Teil etwas weniger Intimitäten und etwas mehr Handlung gewünscht hätte.

Etwas enttäuscht war ich davon, wie schnell die Beziehung zwischen Jonathan und Marlene sich entwickelt, vor allem deshalb, weil beide zuvor so dargestellt wurden, als wären sie überhaupt nicht der Typ für eine solche Beziehung. Die Vorstellung, dass zwei auf ihre Art kaputte Menschen zueinanderfinden und einander Halt geben, ist zwar romantisch, hätte aber durchaus mehr Zeit einnehmen können als eine knappe Woche/50 Seiten. Das hätte die Figuren und ihre Gefühle um ein Vielfaches authentischer erscheinen lassen, beispielsweise die Tatsache, dass Jonathan, bis zur Hochzeit nicht einmal eine Frau küssen wollte, auf einmal mit einer rummacht und alle seine Prinzipien bricht. Durch die Hektik, die das Buch besonders am Anfang aufweist, habe ich manchmal nicht verstanden, wieso Jonathan, der in seinem Leben doch vielen Frauen begegnet sein muss, sich ausgerechnet von Marlene so aus der Fassung bringen lässt. Allgemein hätten dem Roman gute 100 Seiten mehr meiner Meinung nach gutgetan, um viele Entwicklungen verständlicher und realistischer zu gestalten, denn Potential haben die beiden Figuren, vor allem Jonathan mit seiner interessanten Vergangenheit.  Etwas genervt war ich auch von dem ständigen Hin und Her zwischen den beiden, das vielleicht ebenfalls authentischer gewirkt hätte, wenn man etwas mehr Einblick in ihre Leben und ihre Persönlichkeiten bekommen hätte und nicht alles innerhalb weniger Wochen spielen würde.

Dem Teil der Handlung, der sich mit den Serienmorden beschäftigt, hätte meiner Ansicht nach auch ein Einblick in die Ermittlungen gutgetan. Zwar sind die beiden Hauptfiguren daran nicht beteiligt, doch da die Autorin in der Erzählweise mitunter auch aus der Sicht von Nebenfiguren erzählt, wäre es durchaus machbar gewesen, ein wenig über die Polizeiarbeit zu berichten. Den Fall klären Jonathan und Marlene mehr oder weniger absichtlich auf, da sie mit reingezogene werden, aber war die Polizei noch nicht auf einen Zusammenhang zwischen den Morden gekommen? Immerhin war an den Leichen dieselbe Visitenkarte gefunden worden. Konnte anhand der Tötungsart (z.B. Einstichwinkel, Waffe, die Tatsache, dass keine Abwehrverletzungen existierten) kein Profil erstellt werden? Suchte niemand nach Verbindungen zwischen den Opfern? Über all das erfährt man gar nichts, was ich ein bisschen schade fand. Zumal die Begründung, die die Polizei am Ende für die langsamen Ermittlungen gibt, nicht sehr glaubhaft ist. Auch hier hätte ich mir von dem Buch einfach ein paar Seiten mehr gewünscht.

Allgemein leidet auch "Blutpsalm" wieder darunter, dass man es mir mit Serienmorden nur sehr schwer recht machen kann, da ich mich bereits viel damit befasst habe. Deshalb sind die folgenden Kritikpunkte wohlmöglich nur ein sehr spezielles Problem von mir. Die Tötungsart und die Serienmorde an sich passten, wenn man sich verurteilte (Serien-)Mörder*innen und die forensischen Analysen zu Vorgehen und Motiven anguckt, nicht zu der Person, die letztendlich als schuldig offenbart wurde. Auch der angegebene der Grund für die Taten kam mir eher wie eine billige Lösung vor und könnte zudem zu einer weiteren Stigmatisierung der Personen führen, die von demselben Problem betroffen sind (und - wie übrigens die meisten Betroffenen - keine Menschen töten). Die Motive der Person ließen sich zudem nicht mit ihren Taten vereinbaren und es wurde nur unzureichend erklärt, wie sie das für sich tut. Außerdem scheint sie die magische Angewohnheit zu besitzen, durch Wände zu gehen. Zumindest betritt sie ab und an mal Häuser, ohne dass erklärt wird, wie sie hereingekommen ist, was vermutlich den Gruselfaktor stärken soll. Auch wie sie die angeblich so gut geheimgehaltene Liste von Marlenes Freiern in die Finger bekommen hat, um diese systematisch zu ermorden, wird nicht erklärt. Irritiert war ich ebenfalls davon, wie oft betont wurde, wie hässlich und unattraktiv die Person sei, da sich mir der Zusammenhang zu ihren Morden nicht erschlossen hat.


Fazit


"Blutpsalm" mischt mit Thriller und Liebesroman auf interessante Weise zwei Genres, die ich zunächst für unvereinbar gehalten hätte. Die Dynamik einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft, in der es plötzlich zu Morden kommt, war als Setting eine gute Wahl und sehr spannend, ebenso wie der Hauptcharakter durchaus Potenzial hat. Allerdings hätte ich mir für das Buch mehr Seiten gewünscht, da es mir an Informationen über die Ermittlungen fehlte und sich die Beziehung der Hauptfiguren in meinen Augen viel zu schnell entwickelte. Auch die Auflösung der Thriller-Handlung konnte mich nicht wirklich überzeugen und man sollte darauf gefasst sein, dass vor allem intimen Momenten zwischen den Hauptfiguren sehr viel Zeit gewidmet wird - wenn auch auf gelungene Weise.




Empfehlenswert? Wenn man auf Erotik mit einer Prise Mord steht

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306 Bibliotheken, 15 Leser, 3 Gruppen, 58 Rezensionen

mythologie, rick riordan, götter, nordische mythologie, magnus chase

Magnus Chase - Das Schwert des Sommers

Rick Riordan , Gabriele Haefs
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.07.2016
ISBN 9783551556684
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt


Seit dem Tod seiner Mutter lebt der 16-jährige Magnus Chase auf der Straße - bis er von seinem Onkel Randolph aufgefordert wird, einen wichtigen Gegenstand aus dem Charles River  zu bergen. Zu Magnus' Erstaunen entpuppt sich dieser als seit langem verschollenes Schwert, das ein wütender Feuerriese ihm streitig machen will. Im darauffolgenden Kampf stirbt Magnus - und findet sich kurz darauf in Walhalla wieder, dem Ort, an den tapfere Halbgötter nach ihrem Tod gelangen. Magnus erfährt, dass er der Sohn des Gottes Frey ist, doch ihm bleibt nicht viel Zeit, sich mit seinem Tod und seinen neuen Familienverhältnissen zu arrangieren, denn das Reich der Götter ist in großer Gefahr.


Meinung

Nachdem ich früher großer Fan der "Percy Jackson"-Reihe des Autors war, da er die griechische Mythologie so unterhaltsam und kreativ in Form eines Urban Fantasy-Jugendromans umsetzte, wollte ich auch gerne mal in eine seiner anderen Reihen reinschauen.
Vielleicht liegt es daran, dass ich mittlerweile älter geworden bin, aber wirklich umhauen konnte "Magnus Chase - Das Schwert des Sommers" mich nicht.

Der erste Band um Magnus Chase folgt einem ähnlichen Prinzip wie der erste Percy Jackson Band: Magnus, ein junger Außenseiter, erfährt, dass er ein Halbgott ist - im Gegensatz zu Percy allerdings ein nordischer und kein griechischer - und kommt an einen Ort, an dem sich andere Halbgötter aufhalten. Das Leben dort bleibt aber nicht lange ruhig, denn eine Bedrohung kommt auf Walhalla zu und Magnus und seine Freunde müssen die Welt der Götter retten.
Übrigens hat Magnus auch eine Verbindung zu "Percy Jackson" und "Helden des Olymp" (Rick Riordans Reihen über griechische bzw. römische Götter): Er ist der Cousin von Annabeth Chase, Percys bester Freundin. Über die anderen Reihen spoilert "Magnus Chase" allerdings nicht, sodass man die Reihe problemlos alleine lesen kann.

Wie immer hat mir der Ideenreichtum von Rick Riordan wirklich gut gefallen. Wie er die Götter (beispielsweise Thor, den er herrlich veralbert) und diverse Fabelwesen darstellt, ist äußerst amüsant und dennoch lehrreich, vor allem wenn man sich - wie ich - noch nicht so viel mit nordischer Mythologie auseinandergesetzt hat. Auf die ein oder andere Weise lernt man auch hier wieder Sagen kennen, wenn auch in einer zum Teil sehr modernen Interpretation.

Auch der Humor ist immer noch der alte, denn Magnus erzählt die Geschichte recht locker und salopp, wie es zu einem Teenager vermutlich auch passen würde was dafür sorgt, dass man sie als gute Unterhaltung schnell weglesen kann und sie auch für Kinder (vermutlich die eigentliche Zielgruppe) gut geeignet ist. Wirklich übermäßig witzig fand ich in diesem Buch allerdings keine Szene. Da erinnere ich mich an deutlich gelungenere aus anderen Büchern des Autors.

Die Figur Magnus bleibt eher blass. Er ist der typische junge Held, der plötzlich so ziemlich alles kann und die Welt rettet, auch wenn ihm mit dem Tod seiner Mutter noch eine dramatische Vergangenheit angedichtet wurde, die mich jedoch nicht so richtig berühren konnte.
Da hatten selbst seine alten Freunde Hearth und Blitzen etwas mehr Tiefe, wobei das Buch auch insgesamt nicht sonderlich viel Wert auf Charaktere und deren Entwicklung legt. Auch in dieser Hinsicht ist es dann einfach doch eher Kinderbuch.
Immerhin wird im Falle einer der Figuren die wichtige Botschaft vermittelt, dass jeder Mensch, auch wenn er anders ist als seine Familie und die Gesellschaft, in der er aufwächst, etwas Besonderes und wertvoll ist. Sicherlich eine schöne Aussage, auch für die jüngeren Leser*innen.

Auch die Handlung konnte mich nicht wirklich mitreißen. Ich hatte das Gefühl, dass es keinen richtigen, runden Spannungsbogen gab, sondern die Geschichte mehr aus kleinen Etappen besteht. Am Anfang werden Magnus' Tod und seine Ankunft in Walhalla beschrieben. Anschließend wird der Konflikt schnell eingeführt und von da an rennen Magnus und seine Freunde von einer Aufgabe zur nächsten, ohne einen wirklichen Plan zu haben. Sie folgen einem Hinweis zu einer Person, die ihnen aber erst hilft, wenn sie eine bestimmte Aufgabe erfüllt haben, und werden dann zur nächsten Person geschickt, bei der dasselbe passiert.
Am Ende geht dafür alles Schlag auf Schlag und es kommt zu einem großen Showdown, der mir für das sonst eher gemächliche Tempo des Buches zu schnell ging und zu brutal war.


Fazit

Die Reihe um Magnus Chase hat definitiv Potential, denn die nordische Mythologie ist nicht weniger interessant und bietet nicht weniger Stoff für faszinierende und amüsante Figuren als die griechische, in der Rick Riordan sein Können bereits öfter bewiesen hat. Durch den lockeren Schreibstil und die vielen tollen Ideen liest sich das Buch gut weg. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass es in Sachen Anspruch und Charakterzeichnung eher ein Kinderbuch ist. Insgesamt hätte ich mir auch einen runderen Spannungsbogen gewünscht.

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parallelwelten, his dark materials, jugendbuch, lieblingsbuch, philip pullman

Northern Lights: His Dark Materials 1

Philip Pullman
E-Buch Text: 416 Seiten
Erschienen bei RHCP Digital, 05.03.2015
ISBN 9781448196876
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt

Das Mädchen Lyra lebt als Waisenkind im Jordan College in Oxford. Eines Tages beobachtet sie unerlaubt ihren Onkel, den geheimnisvollen Lord Asriel, dabei, wie er den Professoren im College von dubiosen wissenschaftlichen Experimenten erzählt und Geld für eine weitere Expedition im Norden sammelt.
Als plötzlich im ganzen Land Kinder verschwinden, auch Lyras bester Freund Roger, und Lyra von der faszinierenden Mrs. Coulter aufgenommenen wird und auf eine Expedition Richtung Norden mitgenommen werden soll, nimmt das Abenteuer seinen Lauf.


Hinweis: Da ich das Buch auf Englisch gelesen habe, fehlen mir für einige Fantasiebegriffe die deutschen Wörter, weshalb ich stattdessen die englischen verwenden oder die Wörter selbst übersetzen werde.


Meinung

"Northern Lights", in Deutschland besser bekannt unter dem Titel "The Golden Compass", ist der erste von drei Teilen der "His Dark Marterials"-Reihe von Philip Pullman. Eigentlich stellen alle Bände ein einziges, zusammenhängendes Buch da, wurden jedoch meist als drei separate Romane verkaufte. Meiner Meinung nach merkt man jedoch deutlich, dass sie eigentlich zusammengehören, und es lohnt sich, sich alle drei auf einmal oder gleich einen Sammelband zu kaufen.

Pullman wirft einen sofort mitten in die Geschichte hinein, indem man Lyra dabei ertappt, wie sie sich verbotenerweise in ein den Erwachsenen vorbehaltenes Zimmer schleicht. Was sie dort zu hören bekommt, ist der Auftakt zu einem großen Abenteuer.
Dieser rasante Einstieg sorgt einerseits dafür, dass die Geschichte von Anfang an spannend ist. Man ist direkt mitten dabei und fiebert mit Lyra mit. Gleichzeitig sind viele neue Informationen aber auch erst einmal verwirrend, denn man muss sich erst in der Welt von Northern Lights zurechtfinden und bekommt erst nach und nach mit, wie sich diese von unserer unterscheidet.
Dieser Prozess ist zum Teil verwirrend, zum Beispiel wenn von Anfang an von den Dæmons gesprochen wird, ohne dass zunächst erklärt wird, was genau sie sind und warum jeder Mensch einen hat.
Zum Teil macht der Prozess aber auch Spaß, da es immer wieder Neues zu entdecken gibt: die gepanzerten Bären, die Hexen, die Eigenheiten von Menschen und ihren Dæmons, die geografischen und namentlichen Unterschiede von Lyras im Vergleich zu unserer Welt.

Mit Lyra hat Pullman eine sympathische, wenn auch meinem Empfinden nach zu sehr auf Kinder zugeschnittene Protagonistin gewählt. Lyra fällt schon zu Beginn des Buches dadurch auf, dass sie sich nicht gerne an Regeln hält und den Vorstellungen von Erwachsenen beugt, sondern sehr abenteuerlustig ist und ihren eigenen Kopf hat. Sie scheut sich auch nicht vor Streitereien und Kämpfen mit anderen Kindern, ist aber sehr loyal gegenüber ihren Freund*innen und setzt sich für andere ein, wenn es drauf ankommt. Letzteres kommt im Buch auch immer wieder zur Sprache, zum Beispiel dann, wenn es darum geht ihren besten Freund Roger zu retten.
Damit weist Lyra die typischen Charaktezüge eines Kinderbuchcharakters auf, mit dem man Kindern zeigen will, dass auch junge Menschen zu Held*innen werden und - überspitzt gesagt - die Welt retten können. Allerdings fehlt es ihr meiner Meinung nach an anderen Feinheiten, vor allem menschlichen Fehlern.

Abgesehen von Lyra spielen zwar eine ganze Menge andere Figuren eine Rolle, werden aber alle nicht ausführlich genug vorgestellt, dass sie tiefgründig charakterisiert werden könnten. Somit bleiben sie eher blass als die Antagonistin, der freundliche Helfer oder der tapfere Krieger. Ich hoffe, dass dieser Makel im zweiten Teil noch ein wenig ausgebessert wird.

Die Idee hinter "Northern Lights" ist spannend und noch nicht von Anfang an komplett zu durchschauen, was das Buch besonders reizvoll macht. Ähnlich wie Lyra stolpert man beim Lesen von ihren persönlichen Themen und Problemen (Sie möchte ihren Onkel nach Norden begleiten und später ihren Freund Roger befreien.) hin zu viel größeren Konflikten, mit denen man zunächst gar nicht gerechnet hätte und die große Schlachten und Krieg vorausahnen lassen. Dadurch wird man auch behutsam und verständlich in die zum Teil komplexen Ideen und Hintergründe des Buches eingeführt und nach und nach von Pullmans faszinierenden Ideen eingenommen.

Während man der Handlung selbst relativ leicht folgen kann, da Lyra selbst nur eine Etappe nach der anderen denkt und keine ausgeklügelten Pläne für ihre Rettungsmission entwirft, stellen sich die Verhältnisse und Einstellungen der Figuren einander gegenüber als immer komplexer raus, denn die Verschwörung, die Lyra unbeabsichtigt aufdeckt, ist politisch verworren. Wer hat vor wem Angst, muss sich von wem etwas sagen lassen, hat mit wem einen Deal geschlossen? - Alles das wird zum Teil erst nach und nach offensichtlich und es ist spannend zu rätseln, ob eine Figur wirklich loyal oder nur für eine Zeit gekauft ist. Gleichzeitig wirkt die Geschichte damit noch nicht zu kompliziert und die Erklärungen nicht zu trocken, sodass ich das Buch weiterhin auch für Kinder empfehlen könnte.

Die Auflösung und damit die Erklärung für viele der Geschehnisse und Andeutungen kam für mich relativ überraschend, zeigt aber letztendlich auch, dass "Northern Lights" im Grunde ein einziger Auftakt zu einem viel größeren Konflikt ist, der erst am Ende des Buches in Gänze offenbart wird. Das Ende ist daher etwas fies, macht aber definitiv Lust auf den zweiten Teil "The Subtle Knife".

Obwohl die Idee hinter dem Buch und die Verbindung einzelner Themen zu einem großen Konflikt gelungen sind, mangelte es für meinen Geschmack des Öfteren an durchgehender Spannung. Es gibt immer mal wieder rasante Verfolgungen oder informative Gespräche, doch die Handlung dümpelt auch regelmäßig wieder für ein paar Seiten herum, als hätte Pullman versucht, mehrere kleine Spannungsbögen hintereinander anstelle eines großen zu setzen.

Sprachlich ist anzumerken, dass große Teile des Buches in einem speziellen Slang geschrieben sind, unter anderem da Lyra viel Zeit mit den Gyptians verbringt und ihre spezielle Art zu sprechen adaptiert. Dies beinhaltet unter anderem das für mich bisher noch unverständliche Setzen eines "a" vor jedem Verb ("He's a-coming") und andere grammatikalische Besonderheiten, die nicht dem standardmäßigen British English entsprechen. Dessen sollte man sich bewusst sein, besonders wenn man mit der englischen Grammatiken nicht komplett sicher ist.


Fazit

Der Auftakt zu Pullmans "His Dark Marterials" wirft einen sofort mitten hinein in eine bunte, komplexe Geschichte, die einen eine spannende Welt nach und nach entdecken lässt und Lust auf mehr macht. Die Heldin war mir zwar sympathisch, jedoch zu perfekt und zu sehr auf Kinder gemünzt, und es fehlte mir an einem durchgehenden Spannungsbogen.

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kimleopold, vergissmeinnich

How to be happy 3: Vergissmeinnicht

Kim Leopold
Flexibler Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Amrun Verlag, 28.09.2017
ISBN 9783958695535
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt

Toby und Liz sind seit Jahren unzertrennlich. Und schon seit einer Weile fühlt sie mehr für ihn als nur Freundschaft. Doch als eine verhängnisvolle Nacht alles zwischen ihnen ändert und Toby für ein Jahr nach Deutschland ziehen muss, beginnt für Liz eine Zeit voller neuer Herausforderungen: Sie muss sich über ihre Gefühle für Toby klarwerden, doch dann ist da auch ihr YouTube-Kanal, der ihr immer mehr (nicht immer positive) Aufmerksamkeit einbringt, und der schwer durchschaubare Maddox, dessen Bekanntschaft sie macht.


Hinweis: "Vergissmeinnicht" kann zwar unabhängig von den anderen zwei Bänden gelesen werden, verrät aber zumindest das Ende von "Liliennächte" und "Ascheblüte", weshalb ich dazu raten würde, es und meine Rezension nur zu lesen, wenn man die anderen beiden Bücher gelesen hat.



Meinung

Nachdem ich bereits die ersten beiden Bände von Kim Leopolds #howtobehappy-Reihe verschlungen habe, war klar, dass ich mir auch "Vergissmeinnicht" gleich nach dem Erscheinen zulegen musste. Und wie zu erwarten hat mich auch dieser Band nicht enttäuscht.

"Vergissmeinnicht" erzählt die Geschichte von Toby, Jamies kleinem Bruder, und Liz, die man ebenfalls aus "Liliennächte" bereits kennt, und spielt etwa drei Jahre nach dem ersten Band. Die Handlung setzt kurz vor Jamies und Lilys Hochzeit ein. Natürlich spielt besagte Hochzeit eine Rolle, sodass wir neben dem Traumpaar aus Band 1 auch Cami und Ash als Gäste wiedertreffen.
Die beschriebene Altersgruppe ist etwas jünger als die aus "Ascheblüte", denn Liz und Toby sind gerade 16.

Der Einstieg in "Vergissmeinnicht" fiel mir leicht, denn Toby ist mir schon in "Liliennächte" ans Herz gewachsen und auch mit Liz, die die Geschichte alleine erzählt, wurde ich schnell warm. Besonders liebenswert und authentisch fand ich, wie nahe die beiden sich stehen und wie offensichtlich es für alle außer sie ist, dass sie etwas für einander empfinden. Es zerriss mir im übertragenen Sinne fast das Herz mit anzusehen, wie beide sich nicht trauen, einander ihre Gefühle zu gestehen, weil sie die Freundschaft nicht gefährden wollen.
Ich konnte hier wunderbar mitfühlen, was ich wieder einmal dem gelungenen Schreibstil und der Charakterentwicklung der Autorin zuschreiben würde.

Und weil Liz und Toby und einander ihre Gefühle nicht eingestehen wollen und zum Teil auch noch pubertär und störrisch sind, kommt es, wie es kommen muss, und ein "Ausrutscher" führt zu Missverständnissen, die zunächst eine Kluft zwischen die beiden schlagen. Auch wenn ich beide gerne geschüttelt und ihnen die Augen geöffnet hätte, fand ich auch diese Entwicklung nachvollziehbar.
Ein bisschen gefehlt hat mir allerdings die Erklärung, wieso Toby eigentlich nach Deutschland ziehen muss.

Angenehm fand ich, dass die Beziehung/Freundschaft von Liz und Toby zwar eine durchgehende Rolle spielt, jedoch nicht die komplette Handlung einnimmt, was ich logisch finde, da Liz' Leben nicht ausschließlich aus ihrem besten Freund besteht.

Neben ihren Sorgen um ihr Verhältnis zu Toby macht Liz im Buch die Bekanntschaft des Youtubers Maddox, eine sehr faszinierende Persönlichkeit, über den ich gerne noch mehr erfahren hätte. Seine freche, unverblümte Art amüsiert, doch auch er hat seine Dämonen und es ist rührend mit anzusehen, wie er und Liz sich näherkommen.

Mit der wachsenden Aufmerksamkeit, die Liz für ihren YouTube-Kanal über Mode und Make-up bekommt, wächst natürlich auch die Anzahl der kritischen Kommentare und das Thema Druck und Schönheitsideale durch (soziale) Medien spielt ebenfalls eine große Rolle in "Vergissmeinnicht". Dieser Aspekt des Romans hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn das Thema betrifft aktuell viele Menschen, vor allem Frauen* und nicht nur Jugendliche, und Liz' Beispiel zeigt anschaulich, wie es einen kaputtmachen kann, wenn man versucht, den Ansprüchen aller anderen zu genügen. Dabei wirkt die Geschichte jedoch keinesfalls belehrend, sondern man wird mit Liz, die am Anfang noch ein natürliches Interesse an einem gesunden Körper und vielleicht ein klein wenig Eitelkeit zeigt, unauffällig immer weiter in den Strom der Schönheitsideale hineingezogen und merkt genau wie sie erst zu spät, wann es zu viel ist.

Eine weitere wichtige Rolle spielt Liz' Beziehung zu ihren Eltern, vor allem ihrem Vater, die unter ihren verschobenen Prioritäten (Social Media statt Schule) und generell den typischen Streitigkeiten zwischen Jugendlichen und Eltern leidet, was ich ebenfalls sehr authentisch fand.

Durch all das zieht sich als roter Faden Toby und obwohl er den Großteil des Buches nicht physisch anwesend ist, hat er sich bald zu einer meiner Lieblingsfiguren der Reihe entwickelt. Er ist in seiner fürsorglichen Art und der tiefen Verbundenheit zu Liz, durch die er immer wieder die richtigen Worte für sie findet, einfach nur liebenswert.
Generell rührte mich die Beziehung der beiden das ganze Buch über sehr und am Ende wieder einmal fast zu Tränen ;).

Leider konnten mich nicht alle Figuren so begeistern wie Toby, Liz und Maddox. Während ich Liz' kleinen Bruder noch sehr süß fand, kamen mir ihre beste Freundin Roxy und deren Stiefbruder eher blass vor.
Schade fand ich ebenfalls, dass mir am Ende des Buches dann auf einmal zu viel Drama zusammenkam und dann schließlich alles sehr schnell ging. Auch auf ein sehr klischeehaftes Element in der Beziehung von Liz und Toby, das man so schon oft gesehen hat und dass dann auch viel zu leicht aufgelöst wird, hätte ich gut verzichten können.


Fazit

Auch der dritte Teil der #howtobehappy-Reihe konnte mich wieder durch herzallerliebste Hauptfiguren, eine rührende Geschichte und ein wichtiges Thema überzeugen.
Ähnlich wie bei den anderen Bänden kam mir am Ende aber wieder etwas zu viel Drama zusammen, einige Entwicklungen gingen mir zu schnell und auf ein bestimmtes Klischee hätte ich gut verzichten können.
Trotzdem gilt wie immer: Ich will mehr!

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

konflikt, hass, rettung der menschheit, verbotene liebe, dämonen

Diatar: Kind des Lichts (Die Mondiar-Trilogie 1)

Ina Linger
E-Buch Text
Erschienen bei null, 22.12.2016
ISBN B01N0TTA5L
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt

Die Völker der Diatar, die im Tageslicht leben, und der Monandor, die die Nacht bevorzugen, sind seit Langem verfeindet und liefern sich erbitterte Kämpfe, die viele von ihnen das Leben kosten.
Jaro, ein angesehener Diatar-Krieger, wurde schon einmal wie ein Aussätziger behandelt, weil er mit einer Monandor Kontakt hatte. Dabei hat Risa ihn damals gerettet. Und er weiß, dass sie nicht so ein Monster ist wie die anderen Monandor.
Jahre später wird Jaro im Kampf verletzt und wieder ist es Risa, die ihm das Leben rettet und ihn gesund pflegt. Diesmal hat sie eine Bitte an ihn. Sie braucht seine Hilfe, um ihrer beider Völker vor einer Katastrophe zu retten.


Meinung

Ich habe "Diatar - Kinder des Lichts" als Rezensionsexemplar erhalten und obwohl ich es natürlich immer lieber mag, wenn mir Bücher, die ich von den Autor*innen persönlich bekommen habe, gefallen, hatte ich am Anfang große Schwierigkeiten mit dem Einstieg. Dies änderte sich später zum Glück, sodass ich die Lektüre am Ende doch genießen konnte.


Der Anfang ist recht rasant, es wird wenig erklärt, aber vieles angedeutet, das teilweise das ganze Buch über nicht wirklich beschrieben wird. Somit war ich zunächst ziemlich verwirrt, zumal die Trennung zwischen Rückblicken und Gegenwart auch nicht immer deutlich ist.
Auch an den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen: Verbindungen von Hauptsätzen durch Kommata statt durch Konjunktionen, eine in meinen Augen pathetische, teils schwülstige Wortwahl. Die Beschreibungen der Freundschaft von Jaro und Risa war mir in Sachen Kitsch etwas zu viel des Guten.

Mit den Figuren warmzuwerden fiel mir schwer und die Grundidee von der Feindschaft zweier Völker, die beigelegt werden soll, war nicht wirklich neu, ebenso wie die Gründe für ihre Feindschaft, die mir etwas zu einfach gestrickt waren.
Auch war ich etwas genervt von Jaro, der für mich offensichtliche Zusammenhänge nicht erkannte und über Dinge überrascht war, auf die man meiner Meinung nach mit logischem Denken hätte kommen können (wobei man das immer noch mit dem blinden Hass auf die Monandor erklären kann, der bei den Diatar geschürt wird). Sein Verhalten hat sich mit sich nicht immer erschlossen, beispielsweise, warum er seine offensichtlich starken Kräfte nicht öfter einsetzt.

Hinzu kam, dass mir etwa das erste Drittel ziemlich schleppend vorkam. Jaros Heilungsprozess verläuft langsam, ebenso die Rückblicke auf seine Verletzung von vor vielen Jahren, als Risa ihn das erste Mal rettete. Die Anziehung zwischen ihm und Risa ist von der ersten Minute an spürbar und es ist relativ vorhersehbar, wie sich die
Beziehung zwischen den beiden entwickeln wird.


Mit der Zeit gefiel mir die Geschichte jedoch immer besser.
Mir gefielen die vielen kleinen Weisheiten, die in der Geschichte versteckt sind, wenn Jaro die Augen darüber geöffnet werden, wieviel der Feindschaft zwischen den Völkern auf Missverständnissen und absichtlich geschürtem Hass beruht. Einiges davon kann man auch gut auf gegenwärtige, reale Konflikte übertragen, und aus dem Buch wird deutlich, wie wichtig es in solchen Situationen ist, auch die Perspektive der anderen einzunehmen.
Ähnlich verhält es sich mit den unterschiedlichen Sitten und Gebräuchen bei den Monandor und den Diatar. Ein und dieselbe Sache (beispielsweise Sex) interpretieren Risa und Jaro komplett unterschiedlich und sind mit völlig anderen Regeln in Bezug darauf aufgewachsen. Auch dieses Detail appelliert an die Leser*innen, sich für andere Sichtweisen zu öffnen.

Auch an Spannung nimmt das Buch ab dem zweiten Drittel deutlich zu. Die Geschichte nimmt an Fahrt auf, als der Konflikt allmählich klar wird, und entwickelt sich nicht so vorhersehbar, wie man es vielleicht befürchten könnte. Das Ende konnte mich sogar durchaus überraschen und neugierig auf den zweiten Band machen.
Spanender werden auch die Rückblicke, die Jaros Leben bei den Diatar, seine Beziehung zu anderen Stammesmitgliedern und die Konflikte innerhalb des Stammes zeigen, die den Diatar ein wenig den Zauber der "Guten" nehmen, als die sie zunächst - da die Geschichte aus Jaros Perspektive erzählt wird - dargestellt werden. Auch in dieser Hinsicht bin ich neugierig auf Band zwei, dessen Titel zumindest so klingt, als würde er das Leben der Monandor genauer beleuchten.

Genug Stoff an Konflikten und offenen Fragen gibt es für den zweiten Teil auf jeden Fall und ich bin zuversichtlich, dass dieser das Potential von Ina Lingers Ideen noch besser wird ausschöpfen können.


Eine Sache gibt es noch, die ich sehr schade fand: Das Buch enthält eine auffällige Anzahl an dass/das Fehlern, die meiner Meinung nach in einem lektorierten und korrigierten Buch nicht mehr angemessen sind (bei über 10 auf nicht einmal 250 Seiten habe ich aufgehört zu zählen).



Fazit

"Diatar - Kinder des Lichts" bot für mich einen eher zähen Einstieg, da ich mich an den Schreibstil, die Figuren und die vielen, teils verwirrenden Rückblicke erst gewöhnen musste. Später nimmt die Geschichte aber deutlich an Fahrt auf, offenbart viele kluge Botschaften und macht neugierig auf Band zwei.

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109 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

freundschaft, sommerbuch, sommer, familie, strand

Dreizehn Wünsche für einen Sommer

Morgan Matson , Edith Beleites
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei cbj, 09.05.2016
ISBN 9783570403341
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt

Es hätte der perfekte Sommer werden können, doch dann verschwindet Emilys beste Freundin Sloane. Sie geht nicht ans Telefon, antwortet nicht auf SMS. Nur eine Liste bleibt Emily von ihr. Eine Liste mit 13 Dingen, die sie erledigen soll: etwas klauen, einen Fremden küssen, nackt baden - Dinge, die Emily nie freiwillig tun würde. Einige Aufgaben scheinen ihr unmöglich, doch dann bekommt sie unerwartet Hilfe von Frank Porter, seinerseits Musterschüler und beliebtester Junge der Schule.



Meinung

Nachdem ich Morgan Matsons "Amy On The Summer Road", ein sehr süßes Sommerbuch, recht gerne mochte, wollte ich auch ihre anderen Bücher lesen, zumal auch "Dreizehn Wünsche für einen Sommer" hochgelobt wird.
Leider hat mich dieser Roman jedoch sehr enttäuscht.


Das fängt schon mit der Grundidee an: Sloane ist seit zwei Jahren Emilys beste Freundin, bis sie plötzlich verschwindet (was später immerhin erklärt wird) und ihr nur eine Liste hinterlässt (was nie so richtig erklärt wird). Man lernt durch Flashbacks über die letzten zwei Jahre jedoch einiges über die Freundschaft der beiden und keine dieser Szenen konnte mir begreiflich machen, wieso Emily so gerne mit Sloane befreundet war und was an ihrer Beziehung gut sein sollte.

Sloane ist das typische coole, beliebte Mädchen, nach der sich alle umdrehen und deren Freundin immer in ihrem Schatten steht - und weder sie noch Emily scheint das zu stören, was mir beide sehr unsympathisch gemacht hat.
Emily begnügt sich damit, sich hinter Sloane zu verstecken, sie für sich reden und denken zu lassen und unsichtbar zu sein. Mehrmals erwähnt sie sogar, dass es sie nie gestört hat, dass sie immer nur "Sloanes Freundin" ist und nie als eigenständige Person wahrgenommen wird, und sagt, sie sei mit Sloane interessanter. Das kam mir ziemlich traurig und charakterlos vor. Natürlich gibt es schüchterne Menschen und auch ich kenne das Gefühl, wenn man sich besser fühlt, wenn andere das Gespräch beginnen und man sich dann einklinkt, aber bei Emily war das schon wirklich extrem und wirkte fast schon ungesund.

Selbst in Momenten, in denen sie etwas an Sloane stört (zum Beispiel, als diese sie wegen ihres neuen Freundes vernachlässigt oder als Sloane sie zu etwas drängen will, was sie nicht will), spricht sie sie nie darauf an und verzeiht ihr alles sofort wieder. Besonders in einem Flashback wird klar, dass sie alles dafür tun würde, dass Sloane sie cool findet. Was für eine ungesunde, einseitige Freundschaft! In einem Flashback erklärt Emily zwar, dass sie bei Sloane zum ersten Mal sie selbst sein konnte, aber so wirkt es überhaupt nicht.

Als Sloane zu Beginn des Buches verschwindet, spürt man förmlich ihre Entzugserscheinungen. Sie beschreibt, dass sie Dinge gar nicht genießen kann, wenn sie Sloane nicht sofort davon erzählen kann; dass sie sich fühlt, als hätte sie sie nie erlebt.
Selbst, als sie die Liste abzuarbeiten beginnt und damit endlich einmal etwas ohne Sloane tut, tut sie es anfangs nur wegen Sloane und sieht nur einen Sinn darin, weil Sloane ihr diese Aufgaben gegeben hat.

Leider ist es auch nicht so, als wäre der Punkt dieses Buches, dass Emily ihre Freundschaft mit Sloane reflektiert und merkt, wie ungesund, einseitig und schädlich sie zwei Jahre lang war. Sie merkt zwar, dass sie wegen Sloane kein eigenständiger Mensch geworden ist, scheint daran aber nichts Schlimmes zu finden. Zwar macht sie eine Entwicklung zu einem selbstbewussteren Menschen mit mehr, gesünderen Freundschaften durch, aber diese fehlende Reflexion hat sie mir als Charakter verdorben.

Fast noch schlimmer fand ich, dass Sloane diese ungesunde, einseitige Abhängigkeit ebenfalls nie aufgefallen zu sein oder sie zumindest nicht gestört zu haben scheint. Wenn Emily ihr mal widerspricht, reagiert sie ungehalten; wenn sie merkt, dass Emily sich nicht wohlfühlt, sieht sie darüber hinweg, wenn es ihr grad so besser in den Kram passt. Die Liste, die sie Emily schreibt, hätte sie wunderbar dazu nutzen können, ihr die Augen zu öffnen und ihr beizubringen, ein eigenständigerer Mensch zu werden, aber obwohl die Liste das zum Teil bewirkt, scheint es nicht Sloanes Intention gewesen zu sein.



Abseits dieser Grundlage ist "Dreizehn Wünsche für einen Sommer" eine süße Sommergeschichte mit ein paar ernsten thematischen Einwürfen.
Einige der Figuren sind niedlich und liebenswert, beispielsweise Emilys Bruder Beckett oder Franks Kumpel Collins, und es gibt ein paar wirklich süße Momente und authentische Dialoge. Das Buch liest sich dadurch schnell weg und gibt einem ein angenehmes Sommergefühl.

Angenehm fand ich, dass der Junge, für den sich die Hauptfigur interessiert, in diesem Fall kein umschwärmter Aufreißer-Sunnyboy sondern eher ein kleiner Muster-Schwiegersohn war. Trotzdem blieb Frank genau wie Emily für mich leider eher platt.
Auch fand ich es realistisch, dass Emily nicht alle Aufgaben sofort schafft und genau so abarbeitet, wie sie es sich vorgestellt hat. Zum Teil konnte es mich sogar überraschen, wie sie die Punkte letztendlich abhakte.

Ebenfalls toll fand ich, dass auch hier wie bei "Amy..." Musik für die Hauptfiguren wieder eine große Rolle spielte und in das Buch immer wieder Playlists eingebaut sind, die von den Figuren erstellt wurden.
Für Fans von "Amy..." steckt sogar eine kleine Anspielung auf Amy und Roger in dem Roman.

Insgesamt ist die Geschichte aber leider sehr vorhersehbar, insbesondere der in meinen Augen absolut unnötige, klischeehafte Konflikt am Ende, der nur daraus resultiert, das Emily pubertär-störrisch meint, alles zu wissen und sich niemandes Erklärung anhören zu müssen.
Mit großartigen Überraschungen kann das Buch nicht aufwarten und zwei Konflikte mit wichtigen Nebenfiguren bleiben nach dem recht abrupten Ende ungelöst, jedoch nicht auf eine Weise, die gewollt realistisch wirkte, sondern eher so als hätte die Autorin sie einfach vergessen.


Fazit

"Dreizehn Wünsche für einen Sommer" hätte das Potential für einen süßen Sommer-Jugend-Liebesroman gehabt, dieses jedoch in meinen Augen durch die Glorifizierung einer ungesunden, einseitigen Freundschaft, größtenteils platte Figuren und eine vorhersehbare Geschichte verschenkt.
Süß ist das Buch immer noch und es lässt sich als seichte Unterhaltung angenehm zwischendurch lesen, aber ich kann es nicht wärmstens weiterempfehlen wie "Amy On The Summer Road", ein anderes Buch der Autorin.
2,5 Sterne

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Vollstrecker der Königin - Drei Tropfen Dunkelheit

Angelika Diem
Flexibler Einband: 292 Seiten
Erschienen bei Machandel-Verlag, 23.03.2017
ISBN 9783959590495
Genre: Fantasy

Rezension:


Inhalt

Um sich endgültig als als Vollstreckerin zu beweisen und ihre Ausbildung abzuschließen, braucht Caitlynn den positiven Bericht eines erfahrenen Vollstreckers. Als auf Schloss Maesinar, einer Charisma-Schule, eine Lehrerin ermordet wird, wird Caitlynn dorthin ausgesandt, um den Fall gemeinsam mit dem Vollstrecker Belard aufzuklären.
Doch dieser scheint weder von ihr noch von sorgfältigen Ermittlungen viel zu halten und eher darauf erpicht zu sein, den Fall so schnell wie möglich zu lösen. Caitlynn ist entsetzt, wie viele Details er übersieht und wievielen Spuren er nicht nachgeht, doch sie kann es sich nicht leisten, sich gegen ihn zu stellen und seine Meinung von ihr zu verderben. Doch dann geht Belard einen Schritt zu weit.


Meinung

"Drei Tropfen Dunkelheit" ist der zweite Band der "Vollstrecker der Königin-Reihe, zu der noch der erste Band (die Novelle "Der Baeldin-Mord") und ein Buch mit Kurzgeschichten über Caitlynns Vergangenheit ("Das grüne Tuch") gehören. Meinem Gefühl nach kann man diesen Band aber auch lesen, ohne den ersten zu kennen, da es hier mehr Anspielungen auf Caitlynns ältere Vergangenheit als auf ihren letzten Fall gibt. Eventuell wäre es eher sinnvoll, "Das grüne Tuch" vorher gelesen zu haben, was ich definitiv noch nachholen werde.

Wie bereits in "Der Baeldin-Mord" hat mir auch hier die Welt, die Angelika Diem geschaffen hat, ausgesprochen gut gefallen, zumal man in diesem längeren Buch noch besser darin eintauchen kann. Die Art, auf die hier eine Art Magie praktiziert wird - das Charisma -, das Konzept der Türme, die je nach Farbe in einem anderen Spezialgebiet ausbilden, die Tatsache, dass es eine Göttin gibt und die Anspielungen auf vergangene Ereignisse, die deutlich machen, dass die Autorin sich für ihre Welt auch eine komplexe Geschichte ausgedacht hat - das alles ist in meinen Augen schon beeindruckend genug, um das Buch weiterzuempfehlen.

Ungewöhnlich wird das Buch auch durch die Mischung aus gut durchdachter Fantasygeschichte und Kriminalroman, denn auch diesmal ist Caitlynn wieder in einen mysteriösen Mordfall verwickelt. Ich fand es sehr gelungen, wie nach und nach diverse Geheimnisse der Schlossbewohner*innen aufgedeckt und der Verdacht auf verschiedene Personen gelenkt wurde, bis der Fall schließlich auf recht überraschende Weise aufgelöst wird.

Dabei ist es erstaunlich, wie gut es der Autorin trotz der großen Vielfalt an Personen gelingt, diese in nur wenigen Auftritten sehr anschaulich zu charakterisieren. Trotzdem wird man gerade über die Figuren, die wohl in weiteren Bänden noch eine Rolle spielen könnten, noch soweit im Unklaren gelassen, dass man gerne weitere Bücher über Caitlynn und ihre Abenteuer lesen würde.
Generell machten gerade die vielen geheimnisvollen Andeutungen über Caitlynn, ihre Vergangenheit und ihre Beziehung zu bestimmten Figuren (ihre Schwester, ihr Bruder, Alban) absolut neugierig und es gefiel mir, dass in dieser Hinsicht Fragen offengelassen wurden.
Was ich gerade aufgrund der Originalität der anderen Figuren so schade fand, war, dass Caitlynn mir recht glatt und viel zu perfekt vorkam. Sie hat ein extrem starkes Charisma, mit dem sie wunderbar umgehen kann, ist klug, kann kämpfen, lässt sich nicht unterkriegen - Das alles macht sie zwar sympathisch, doch ein paar menschliche Fehler hätten ihr durchaus gutgetan. In dieser Hinsicht hätten weitere Bände der Reihe definitiv noch Entwicklungspotential.

Woran ich mich auch immer noch nicht ganz gewöhnen konnte, waren die Namen der Berufe, die stets mit Bindestrichen verbunden sind: Vollstreckerin-der-Gerechtigkeit, Hüter-des-Geheimeissens, Wächterin-der-Wege. Nach wie vor finde ich diese Schreibweise unschön zu lesen und nicht wirklich nachvollziehbar, zumal Bezeichnungen wie Erste Herrin normal geschrieben sind und dadurch nicht weniger eindrucksvoll wirken. An einer Stelle hat wohl auch die Autorin selbst die Bindestriche vergessen und Wächterin der Wege getrennt geschrieben (S. 146).
Dass es vorne im Buch eine Karte gibt, hat mir gut gefallen. Leider ist diese sehr verpixelt und man kann nur den größeren, durch eine Lupe hervorgehobenen Teil erkennen. Selbst diese ist allerdings sehr grob, sodass man viele der erwähnten Orte dort nicht finden kann, sodass sich mir der Sinn der Karte für die Lektüre nicht immer erschlossen hat.



Fazit

Bei "Der Tropfen Dunkelheit" handelt es sich um eine gelungene Mischung aus Fantasy und Krimi, die in einer gut durchdachten und überaus faszinierenden Welt spielt. Die verschiedenen Figuren und die gelungene Krimihandlung, die durch ihre diversen Geheimnisse entsteht, haben mir gut gefallen, ebenso wie die vielen offenen Fragen, die Lust auf mehr machen.
Nur die Protagonistin Caitlynn war mir leider, wenn auch sympathisch, zu glatt und zu perfekt.

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strand, meer, liebe, sardinien, zukunft

Herz über Board: Mein Sommer mit Jonah

Sina Müller
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Amrun Verlag, 30.06.2016
ISBN 9783958691988
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt

Nachdem Lin ihre beste Freundin Yvi und ihren Freund David zusammen im Bett erwischt hat, flüchtet sie kurzerhand als Animateurin in einen Camping-Club auf Sardinien. Ans Meer, in die Sonne, weit weg von allen Sorgen, von David und allgemein von Menschen, die ihr das Herz brechen.
Doch sie hat nicht mit Jonah gerechnet, ihrem überaus attraktiven Kollegen auf Sardinien, der zu allem Übel auch noch den Ruf eines wahren Casanovas innehat.



Meinung

Ich bin gerade in Stimmung für Liebesgeschichten und besonders im Sommer (und ganz besonders bei dem miesen Regenwetter, das hier aktuell herrscht) lese ich gerne Bücher, die eine sommerliche, leichte Liebesgeschichte versprechen. Ich habe nichts Tiefgründiges von "Herz über Board" erwartet, sondern einfach gute Unterhaltung.
Leider hat mich das Buch in dieser Hinsicht sehr enttäuscht und ging mir zum Ende hin nur noch auf die Nerven, auch wenn es mit leidtut, das hier so hart auszusprechen. Ich hoffe, dass ich meine Kritikpunkte hier halbwegs verständlich rüberbringen kann.


Um mit dem Positiven zu beginnen: Sina Müller versteht es, ihre Leser*innen auf das Sardinien zu entführen, einen den Sand förmlich zwischen den Zehen spüren und das Salz auf den Lippen schmecken zu lassen. Mehr als einmal verspürte ich beim Lesen Fernweh und überlegte, ob ein Job wie Lins nicht auch etwas für mich wäre.
Ebenfalls spürbar ist den ganzen Roman durch die Liebe zur Musik, wie sie von Lin und Jonah gelebt wird. Durch Lin, angehende Musicaldarstellerin, die die Geschichte erzählt, bekommt man mit, wie sehr Musik helfen kann, mit Schmerzen umzugehen, und wie Musik zwei Menschen verbinden kann. Die Beschreibungen in Bezug auf das Singen und gemeinsame Musizieren konnte ich gut nachvollziehen und sie haben mir sehr gut gefallen.

Auch die bunte Mischung an Nebenfiguren gefiel mir gut. Kirsten, Lins eher schüchterne Animationskollegin im Kids Club, kam zwar nicht viel vor, was auf mich aber authentisch wirkte, da sie als eher schüchtern beschrieben wird. Lola, Lins quirlige Kollegin/Freundin ging mir manchmal zwar gehörig auf die Nerven, war mir im Grunde aber auch sympathisch, was ich als gutes Zeichen in Bezug auf die Authentizität der Figur werte. Sebi, Peter, Maria und Polo bleiben alle halbwegs blass (In einem eher kurzen Buch ist ja auch nicht für alles Platz.), aber trotzdem durchaus sympathisch.



Den Großteil des Buches macht aber, wie der (Unter-)Titel schon erahnen lässt, die Geschichte von Lin und Jonah aus und die hat mich leider extrem genervt.

Das fing schon damit an, dass Jonah von Anfang als absolut gutaussehend, anziehend, geheimnisvoll und faszinierend beschrieben wird, ohne dass ich je so richtig nachvollziehen konnte, was an ihm denn jetzt so toll sein soll. Aber er ist auf jeden Fall anders als alle Männer, die Lin je getroffen hat, und bringt sie schon in den ersten zwei Minuten völlig durcheinander.
Und auch in Lin scheint Jonah etwas Besonderes zu sehen, denn er verhält sich ihr gegenüber auch total ungewöhnlich, was - da das Buch nur aus ihrer Perspektive geschrieben ist - nie genauer erklärt wird.

Von da an mutiert Lin immer mehr zum Schoßhündchen. Anfangs ist sie noch halbwegs schlagfertig und versucht, Jonah gegenüber selbstbewusst zu sein, was ich sehr begrüßt habe, auch wenn ich mir hier spritzigere Dialoge gewünscht hätte.
Doch sobald Jonah auch nur ansatzweise Interesse an ihr zeigt, ist es um sie geschehen. Ihr Herz explodiert fast, wenn sie ihn sieht, sie kann sich in seiner Nähe auf nichts konzentrieren - So weit bei starker Verliebtheit vielleicht noch normal, obwohl dies, soweit ich es mitbekommen habe, durch nichts als seine angeblich so geheimnisvolle Ausstrahlung, seine blauen Augen und seine tollen Muskeln erklärt wird.

Dass Lin aber schon nach wenigen Tagen andauernd rumjammert, sie würde es keine paar Stunden ohne ihn aushalten (und das obwohl sie gleichzeitig immer zweifelt, da er ja den Ruf eines Womanizers hat), und ziemlich schnell anfängt von Sehnsucht und sogar Liebe zu sprechen, fand ich wirklich traurig, da sie ihn zu diesem Zeitpunkt immer noch kaum kennt. Für meinen Geschmack fehlte es Lin häufig viel zu sehr an Selbstbewusstsein und vor allem Selbstachtung.
Ironischerweisem ist sich Lin sogar bewusst und Jonah weist sie auch darauf hin, dass er seine Freiräume braucht, und trotzdem jammert sie sogar ihn selbst voll, wenn er tatsächlich den Tag über arbeiten muss und sie sich deshalb nicht treffen können, und ist beleidigt, wenn er ihr (die er seit vielleicht zwei Wochen kennt) nicht erzählt, wo er abends hingeht, wenn er nicht bei ihr ist. So viel zum Thema "Ich will auf keinen Fall klammern."

Auch sie zieht beispielsweise die "Was findet er nur an mir? Ich bin doch total langweilig."-Nummer ab, die mir bei Buchfiguren immer total auf die Nerven geht.
Und tatsächlich rechtfertigt sie sein zum Teil verletzendes Verhalten ihr gegenüber damit, dass er ja auch eine schwere Vergangenheit hatte, und will ihn deshalb "nicht aufgeben". Als wäre sie dazu da, Jonahs Probleme zu lösen. Das "Sich selbst von Bad Boys, die einem  nicht guttun, abhängig machen" finde ich immer eine sehr fatale Botschaft, gerade in Jugendbüchern.

Lins Verhalten und ihre Gefühle und Gedanken ihm gegenüber sind generell völlig sprunghaft, aber nicht auf eine für mich nachvollziehbare Art.
Obwohl sie sich vorgenommen hat, keinem Mann mehr so schnell zu vertrauen, und weiß, dass Jonah den Ruf eines Herzensbrechers hat, verliebt sie sich aus für mich völlig unverständlichen Gründen Hals über Kopf in ihn, was sie mit haufenweise überaus kitschigen Beschreibungen andauernd betont.
Doch obwohl sie immer wieder erzählt, wie unglaublich geborgen und sicher sie sich bei ihm fühlt, bringt sie die winzigste Kleinigkeit, die auch nur entfernt andeuten könnte, dass Jonah doch nichts von ihr will, sofort zum Heulen, statt dass sie ihn darauf anspricht. Wodurch sich dann wieder die Frage stellt, wieso sie sich jemandem, dem sie so offensichtlich nicht vertraut, so verzweifelt an den Hals wirft.

In einer anderen, späteren Situation bringt er eine völlig unmögliche Bemerkung, die Lin auch zurecht auf die Palme bringt, aber klären die dieses Thema nochmal abschließend? Pustekuchen! Zwei Tage später ist es schon wieder verziehen, obwohl sie deswegen zunächst zurecht wütend auf Jonah war.
Am Ende gibt es dann eine Szene, in der Lin sich vornimmt, etwas mit Jonah zu klären, doch als er das dann keine halbe Stunde später tun will, ist für sie plötzlich nicht mehr der richtige Zeitpunkt.

Generell fehlte mir bei Lins und Jonahs Beziehung komplett die Substanz. Dass er äußerlich attraktiv ist und ihn die geheimnisvolle Bad Boy-Aura umgibt, hat man schnell verstanden, und ich war auch noch halbwegs interessiert an den schlechten Erfahrungen, die ihn dazu gebracht haben, sich ebenfalls nach Sardinien zu flüchten. Außer ihrer Liebe zur Musik fehlte es aber leider sowohl Lin als auch Jonah in meinen Augen an irgendwelchen einprägsamen Charaktereigenschaften, die mir die beiden sympathischer und es mir verständlicher gemacht hätten, was die beiden aneinander finden. Insbesondere was Jonah an Lin findet, blieb mir das Buch über völlig schleierhaft. Außer natürlich dass sie gut aussieht, was er ihr auch sagt.
Hinzu kommt, dass die ganze Beziehung der beiden in meinen Augen einfach viel zu schnell ging, zumindest gemessen daran, welche Bedeutung ihr von Lin beigemessen wird.


Jonah bleibt als Charakter auch relativ blass. Seine geheimnisvolle Hintergrundgeschichte (die er natürlich haben muss, weil Männer ohne dramatische Hintergrundgeschichte langweilig sind) erfährt man noch und durch einige Kapitel aus seiner Sicht erfährt man etwas mehr über seine vorherigen Sommer auf Sardinien. Die Erklärung für seine "Wer kann mit den meisten Frauen schlafen?"-Wette ist jedoch eher mau und dadurch, dass es keine Kapitel aus seiner Sicht in der Gegenwart gibt, blieb es mir auch völlig schleierhaft, was er an Lin toll findet.
Für meinen Geschmack spielt er sich auch zu oft als starker Mann und Beschützer auf und tut so, als sei er für Lin verantwortlich, obwohl sie genau wie er erwachsen ist. Und Lin scheint damit nicht mal ein Problem zu haben, denn auch sie sagt an einer Stelle, jetzt sei Jonah nicht mehr für sie verantwortlich - als wäre er es vorher gewesen. Auch diese Darstellung von Beziehungen finde ich nicht mehr zeitgemäß und schwierig, wenn sie von den Figuren nicht wenigstens kritisch reflektiert wird.

Auch Lin fand ich leider eher langweilig. Alle Erwähnungen ihrer Musicalausbildung und die Szenen, in denen sie singt, mochte ich sehr gerne, doch außer singen und Jonah anschmachten oder ihm hinterhertrauern macht sie meinem Gefühl nach leider auch nicht viel und schon gar nichts, was Jonahs Interesse an ihr erklären könnte.


Insgesamt war mir das Buch leider für meinen Geschmack auch zu kitschig. Meinem Gefühl nach bestand es zu 80% aus schwülstigen Beschreibungen von Lins großer Liebe und Sehnsucht nach Jonah und ihren Schmerzen, wenn er nicht da ist, und und und und nur zu 20% aus wirklicher Handlung, die die Figuren oder ihre Beziehung weiterentwickelt hätte. Einige der Beschreibungen waren mir persönlich auch einfach zu viel des Guten (zB spürt Lin Jonah an eine Stelle tief in ihrer Seele) und irgendwann hatte ich auch das Gefühl, dass die Autorin sich bei den Beschreibungen wiederholt.
Oft beschreibt Lin ihre Gefühle auch spontan auf so ausführliche und gut formulierte Art, dass ich immer wieder den Eindruck hatte, dass Menschen so niemals reden sondern höchstens ihre Gefühle im Nachhinein so beschreiben würden.
Unangenehm fand ich auch das Einbauen einiger englischer Wörter in Sätze, in denen man auch ein völlig normales deutsches Wort hätte gebrauchen können. Ich habe zumindest noch nie jemanden über "Girls" reden oder "einen Joke machen" hören. Wenn das jugendlich sein soll, bin ich mit meinen 19 Jahren wohl schon zu alt dafür.



Fazit

Ich hatte von "Herz über Board" eine sommerlich-leichte Liebesgeschichte erwartet und zumindest das traumhafte Setting auf Sardinien und die liebenswerten Nebenfiguren erfüllten diese Erwartung auch. Die dominierende Liebesgeschichte des Buches fand ich jedoch leider kein bisschen nachvollziehbar und sie ging mir
viel zu schnell. Die Hauptfigur war mir zu weinerlich und unselbstständig und hängte sich für meinen Geschmack viel zu schnell an einen Mann, dessen Qualitäten (abgesehen von seinem Aussehen) ich beim besten Willen nicht erkennen konnte.
Leider kann ich deshalb nur 2 Sterne vergeben, auch wenn mir das für die Autorin, die ich sehr sympathisch fand, leidtut.

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

trauer, verlag, bücher, liebe, liebesgeschichte

Love on Paper

Katrin Bongard
E-Buch Text: 285 Seiten
Erschienen bei Red Bug Books, 12.02.2017
ISBN 9783943799958
Genre: Sonstiges

Rezension:


Inhalt

Maya arbeitet als Volontärin im Lektorat eines Verlags. Erst kürzlich hat sie ihre Mutter verloren und eigentlich keine Nerven für den oft eher stumpfsinnigen Einheitsbrei, der in ihrem Imprint verlegt wird. Doch dann bekommt sie durch Zufall ein Manuskript in die Hände, das anders ist als alles, was sie bisher gelesen hat. Der Text ist ungewöhnlich, emotional, intensiv, berührend und trifft Maya direkt ins Herz. Sie möchte die Autorin unbedingt kennenlernen, doch das erweist sich als schwieriger als gedacht.


Meinung


Bücher über Bücher reizen mich immer, weil ich es spannend finde, wie andere die Liebe zum Lesen beschreiben. Und eine Liebesgeschichte, die sich über Bücher entwickelt, klang umso reizvoller, zumal ich die Bücher von Katrin Bongard generell gerne lese. Daher freute ich mich sehr über das Angebot von Red Bug Books, "Love On Paper" testlesen zu können.

Wenn diesem Roman eines gelingt, dann ist es, die Liebe zur Literatur spürbar zu machen und einen, auch wenn man schon eine Leseratte ist, damit anzustecken. Mayas Begeisterung für Fitzgerald, ihre und Simons Gespräche über Fitzgerald und Hemingway oder die Szenen mit ihrer ehemaligen Literaturprofessorin - all diese Leidenschaft sorgte dafür, dass ich als nächstes wohl mal meine ungelesenen Fitzgerald-Romane herauskramen und mir endlich einen Hemingway zulegen muss.
Doch auch Mayas Gefühle beim Lesen des geheimnisvollen Manuskripts, das atemlose Die-Ganze-Nacht-Durchlesen, das wohl jeder Bücherwurm schon erlebt hat - man kann die Bibliophie, die Katrin Bongard selbst sicher auch kennt, förmlich spüren und sich auf diese Weise wunderbar in die Figuren hineinversetzen.

Die Annäherung von Maya und Simon ("die Autorin" des geheimnisvollen Manuskripts) ist wirklich originell, denn hier geht es nicht wie in vielen anderen New Adult-Büchern darum, dass jemand sofort durch sein Äußeres, seine Ausstrahlung fasziniert. Maya lernt Simon auf eine völlig andere, intimere Art kennen, indem sie durch sein Manuskript seine geheimsten Gedanken und schmerzhaftesten Gefühle miterlebt. Beide haben sie vor nicht allzu langer Zeit einen wichtigen Menschen verloren und sie kann ihn sehr gut verstehen, ihm das jedoch nicht mitteilen, da er von ihr ja nichts weiß. Ein Konflikt, der irgendwann unausweichlich und nicht gerade überraschend aufgelöst werden muss, und doch hat mich die zarte Geschichte von Maya und Simon faszinieren und berühren können.
Besonders die Rolle der Literatur in dieser Geschichte hat mir gefallen. Wer wünscht sich nicht, einen Menschen zu treffen, der mit einem, was die Literaturliebe angeht, auf einer Wellenlänge ist und einem neue Perspektiven eröffnen kann?

Doch auch die Nebenfiguren des Buches sind herzallerliebst und für einen so kurzen Roman erstaunlich gut ausgearbeitet. Mayas Bruder Luis habe ich mit seiner frechen und doch so verletzlichen Art am meisten ins Herz geschlossen. Auch Mayas Vater, der unter dem Tod seiner Frau ebenso leidet wie seine Kinder, aber auf andere Art damit umgeht, kam mir sehr authentisch vor und ich hatte oft Mitleid mit ihm.
Simons Familie hätte ich gerne noch näher kennengelernt, denn auf den ersten Blick kamen sie mir alle ein bisschen zu perfekt vor, um war zu sein, ebenso wie Mayas quirlige Freundin Ruby. Ihren exzentrische Kumpel Konrad und den Barkeeper/Kellner Nils fand ich ebenfalls sehr sympathisch.
Bei so vielen liebenswerten Figuren machte das Lesen einfach Spaß.

Mit dem Thema Trauer und Verlust wird in "Love On Paper" auf zwei verschiedene Arten umgegangen.
Durch Maya und ihre Familie erfahren wir, wie schwer das Leben in einer Familie ist, wenn eines ihrer Mitglieder plötzlich herausgerissen wurde. Ich selber habe so etwas zum Glück noch nicht erlebt, kann es mir durch Mayas Beschreibungen und die Szenen im Roman jetzt gut vorstellen: die Hilflosigkeit, der Wunsch, sich manchmal einfach nur vor der Welt zu verstecken und der Wunsch, trotzdem weiterzumachen, wenn nicht für einen selbst, dann wenigstens für die anderen.
Simon dagegen hat seine Trauer literarisch verarbeitet und die Ausschnitte aus seinem Buch, das Maya zu lesen bekommt, haben mich ebenfalls sehr berührt. Faszinierend fand ich vor allem, wie Katrin Bongard innerhalb eines Buches auf zwei so verschiedene Arten schreiben kann, die mich beide sehr begeistert konnten. Gäbe es "Du fehlst" als eigenes Buch - ich würde es lesen.

Gelungen fand ich auch, dass das Ende keineswegs in Kitsch ausartet sondern genauso zart und bittersüß ist wie der Rest der Geschichte.


Das einzige Manko des Romans war für mich - Und eigentlich ist das auch schon wieder ein Kompliment -, dass er für meinen Geschmack zu kurz war. Natürlich habe ich den Figuren ein Happy End gewünscht, doch ich mochte die langsame Annäherung zwischen Maya und Simon sowie Maya und ihren anderen Familienmitgliedern, die sich nach dem Tod ihrer Mutter/Frau erst wieder zusammenraufen müssen. Ich denke, ich hätte viele Entwicklungen als authentischer empfunden, wenn man sich etwas mehr Zeit dafür genommen hätte.
Was ich auch ein bisschen schade fand, war, dass sich einige Schreibfehler in das Buch eingeschlichen haben, die zwar den Lesefluuss nicht großartig störten, bei einem Buch, das vorher sicher durchs Korrektorat gegangen ist, aber nicht hätten sein müssen.


Fazit

Bei "Love On Paper" handelt es sich um eine sehr lesenswertes Buch, das sich auf einfühlsame und poetische Art mit Trauer, Verlust, Liebe und Literatur auseinandersetzt. Die Figuren sind liebenswert und es macht Spaß, ihre zarten (Wieder-)Annäherungen untereinander und die inspirierenden Gespräche über Literatur mitzuverfolgen. Ich vergebe 4,5 Sterne und empfehle das Buch all jenen, die ungewöhnliche Liebesgeschichten mögen und Literatur lieben.

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drogen, liebe, ink rebels, studium, julia dibbern

Wenn ich dich nicht erfunden hätte

Julia Dibbern
E-Buch Text: 168 Seiten
Erschienen bei null, 01.01.2017
ISBN B01M6B53T6
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt

Leo ist 18 und gerade von zuhause ausgezogen, nach Hamburg, fürs Studium. Doch mit ihrer gemieteten Wohnung läuft alles schief und plötzlich findet sie sich in einer neuen Wohnung wieder, bei Loris, der ihr so seltsam vertraut vorkommt. Leo fühlt sich zu Loris hingezogen, doch er versteckt etwas vor ihr: die Tatsache, dass er ihr nicht guttun würde.


Meinung

Es ist verdammt schwer, "Wenn ich dich nicht erfunden hätte" zu bewerten, beschreiben oder zu erklären, wieso es so empfehlenswert ist. Und gleichzeitig möchte ich genau das unbedingt schaffen, damit dieses Buch nicht untergeht in den vielen anderen Jugendbüchern, denen es auf den ersten Blick vermeintlich ähnelt. Denn das hätte es nicht verdient, auch wenn ich es nicht perfekt fand.

Der Roman beginnt wie viele andere Jugendbücher auch: mit dem netten Mädchen von nebenan als Protagonistin, die mit ihrem neuen Leben etwas überfordert ist, und dem geheimnisvollen Bad Boy als Retter, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt.
Doch ab da ist dann auch schon alles anders, als ich es von anderen Jugendbüchern kannte.

Das fängt schon damit an, dass die beiden Hauptfiguren, insbesondere Loris, unberechenbar sind.
Man hält Leo erst für ein schüchternes Mauerblümchen, doch dann entpuppt sie sich als erstaunlich schlagfertig und willensstark, was in Kombination mit dem charismatischen Loris zum Teil zu äußerst unterhaltsamen Dialogen führt. Obwohl Loris selbst sehr genau weiß, was er will, schafft sie es oft, sich ihm entgegenzustellen und seinen Spielchen nicht nachzugeben.
Gleichzeitig hat sie aber auch extrem schwache Momente, in denen sie Loris plötzlich hilflos ausgeliefert zu sein scheint und man sie einfach nur schütteln und anschreien möchte, weil sie gefühlt alles mit sich machen lässt - was andererseits aber auch realistisch ist, denn frisch verliebte Menschen tun oft (unbewusst) alles, um der anderen Person zu gefallen und ihr nahe zu sein.
Diese beiden Seiten von Leo passten für mich oft jedoch nicht wirklich zusammen.
Generell konnte ich sie als Figur schwer einschätzen und bin mir auch einige Tage nach dem Lesen nicht sicher, ob sie authentisch oder inkonsequent entwickelt ist. Zum Beispiel passte die Tatsache, dass sie jahrelang für denselben Typen geschwärmt hat, ohne ihn anzusprechen, für mich nicht zu ihrem plötzlich so offenen Verhalten Loris gegenüber.

Loris ist da nicht weniger undurchschaubar und bleibt durch viele Andeutungen über seine "dunklen Seiten" und Geheimnisse anfangs noch recht undurchsichtig.
Durch die Kapitel aus seiner Sicht erfährt man zwar von seinem "weichen Kern", der konfliktreichen Beziehung zu seinen Eltern, der Tatsache, dass es ihm oft sehr schlecht geht und findet heraus, dass er Leo mag.
Doch oft ist Loris auch einfach nur - auf gut Deutsch - ein Arschloch. Er provoziert, er manipuliert, er akzeptiert kein "Nein" und nimmt sich, was er will, wann er will, und lässt es genauso schnell wieder fallen, wenn es ihm nicht mehr passt. Gleichzeitig sind ihm die Bedürfnisse anderer Menschen scheinbar völlig egal, selbst die von Menschen, denen er etwas bedeutet. Bezeichnend für ihn sind zum Beispiel Szenen wie diese:
"Lass das!" Leo drückte ihn weg.
"Warum? Ich will das."

Er war mir das ganze Buch hindurch durchweg unsympathisch, vor allem, weil er Leo größtenteils nur als sexuelles Objekt zu sehen scheint; ein Mädchen, mit der er gerne spielt, die aber für andere Dinge wieder fallenlassen kann, wenn es ihm passt.
Das machte es mir schwer, diesen Loris mit den wenigen Dingen, die man über seine verletzlichen Seiten erfährt, zusammenzubringen, und ich hätte mir noch mehr Informationen darüber gewünscht, was ihn sich wann wie ein Arschloch verhalten lässt, obwohl er sicher nicht als eins geboren ist. So kam er mir oft etwas zu einseitig vor und wies eine seltsame Mischung aus Emotionalität und Oberflächlichkeit auf, deren Übergänge für mich nicht verständlich waren. Ich hätte mit entweder mehr oder keine Kapitel aus seiner Perspektive gewünscht.

Ein besonderer Aspekt dieses Buches, der im Original-Klappentext Erwähnung findet, ist die Tatsache, dass Loris den Hauptfiguren aus Leos Geschichten extrem ähnelt, was einer der Gründe ist, wieso sie sich so schnell zu ihm hingezogen fühlt. Dieses Element und auch die Erklärung dafür fand ich sehr kreativ, aber nicht hundertprozentig ausgereift umgesetzt, weil man sich lange nicht sicher ist, ob es sich um ein Fantasy-Element handelt und was es mit der restlichen Geschichte zu tun hat.

So unberechenbar wie die beiden Hauptfiguren ist auch ihre "Beziehung", auch wenn man diese nicht als Beziehung im herkömmlichen Jugendbuch-Sinne sehen kann.
Während Loris' Faszination für Leo in meinen Augen schwach bis gar nicht erklärt wurde, kann man Leos Interesse an ihm trotz seiner etlichen unsympathischen Eigenschaften gut nachvollziehen. Loris versprüht den typischen Bad Boy-Charme, aber auf eine vielschichtigere Weise als die 08/15 Bad Boys in anderen Jugendbüchern. Man versteht schnell, wie Leo auf seine manipulative reinfallen kann.
Ein Kompliment muss ich der Autorin auch für die erotischen Szenen machen, die die körperliche Anziehung zwischen den beiden beschreiben. Obwohl sie niemals explizit sind, ist das Knistern zwischen den beiden für die Leser*innen deutlich spürbar.

Teilweise entwickelte sich die Beziehung der beiden in meinen Augen aber auch viel zu schnell und dadurch unverständlich, schon angefangen bei dem etwas überstürzten und unrealistischen Einzug. Während ich dann die körperliche Anziehung zumindest von Leos Seite her durchaus nachvollziehen konnte, blieb für mich oft unklar, was die beiden (vor allem sie an ihm) charakterlich aneinander fanden. Zudem kam mir Leo, die eigentlich recht klug ist, oft unfassbar naiv vor, wenn sie bei einem Mann wie Loris so schnell denkt, er sei ihr Freund, obwohl sie nie darüber gesprochen haben. Auch das Wort "Liebe" nimmt sie viel zu schnell in den Mund.
Erfrischend fand ich dagegen, wie schnell es zwischen den beiden körperlich wird. Es passte für mich zwar nicht zu der eher romantisch veranlagten Leo, war für ein Jugendbuch aber mal eine ungewöhnliche Abwechslung.

Aufgrund der so widersprüchlichen und komplexen Beziehung der beiden war "Wenn ich dich nicht erfunden hätte" für mich oft sehr anstrengend zu lesen, was jedoch auch ein Kompliment für Julia Dibberns Talent als Autorin ist.
Mit Leo zusammen fühlte ich mich zu Loris hingezogen und obwohl ich genau wie sie rational wusste, wenn er unverzeihliche Dinge getan hatte, wünschte ich mir trotzdem immer wieder, er würde sich ändern und die beiden würden zu einander finden, genau wie Leo ihm einerseits sagt, er sei ein Arschloch, und trotzdem wieder zu ihm zurückkommt.
Gleichzeitig machte es mich extrem wütend, wieviel Leo mit sich machen lässt, wie selten sie Probleme anspricht und wie leicht sie sich mit Floskeln abspeisen lässt, selbst wenn es um sehr ernste Themen geht.
Dadurch nimmt dieser Roman in jedem Fall sehr mit und wird zu einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Zusätzlich zu der ungesunden Beziehung der beiden kommt in der zweiten Hälfte des Buches noch ein sehr wichtiges, ernstes Thema hinzu, das hier von einer ungewöhnlichen und sehr interessanten Seite beleuchtet wird. Obwohl ich mangels Erfahrung nicht beurteilen kann, wie authentisch es dargestellt wurde, faszinierte mich die Thematik und die Art, wie sie behandelt wurde, ungemein.
Da ich jedoch nicht zu viel verraten will, kann ich an dieser Stelle nicht genauer darauf eingehen.

Der Clou an "Wenn ich dich nicht erfunden hätte", der das Buch so besonders macht, ist der, dass es nicht wie leider viele andere Jugendbücher mit frauenverachtendem Touch das Bad Boy-Gehabe und die manipulativen und selbstsüchtigen Seiten der männlichen Hauptfigur romantisiert. Zwar zeigt der Roman die oberflächliche Anziehungskraft solcher Charaktere auf und macht verständlich, wieso viele Frauen auf solche Männer reinfallen und sie "retten" wollen, verdeutlicht aber auch, was für einen Schaden eine so toxische Beziehung anrichten kann und wie wichtig es ist, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Eine solche Botschaft würde ich mir von viel mehr Jugendbüchern mit ähnlichen Figuren wünschen.
In diesem Zusammenhang ging mir eine sehr wichtige Entwicklung am Ende leider viel zu schnell und ich konnte nicht nachvollziehen, was genau die betreffende Figur zu dieser Entscheidung und die andere zu ihrer Reaktion darauf gebracht hat.

Ein kurzes Wort möchte ich noch zum Schreibstil verlieren, an den ich mich erstmal gewöhnen musste, da er auf mich sehr gehetzt und abgehackt wirkte, mit schnellen und abrupten Szenenwechseln. Durch den Sog der Geschichte tritt das allerdings schnell in den Hintergrund, ebenso wie die Tatsache, dass die meisten Nebenfiguren auf mich eher blass wirkten.


Fazit

"Wenn ich dich nicht erfunden hätte" ist ein sehr ungewöhnliches, bewegendes Buch mit einem ernsten Thema, das ich so bisher noch in keinem Jugendbuch behandelt gesehen habe. Die Thematik und insbesondere die Botschaft sind sehr wichtig und so anders als alles, was ich bisher gelesen habe, dass ich das Buch jedem Menschen, der auch gerne mal Jugendbücher mit härteren Tobak liest, ans Herz legen kann.
Da mir die Persönlichkeiten der Figuren und die Motive für ihre Handlungen nicht immer ganz einleuchteten, kann ich trotzdem nur 4 Sterne vergeben.

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Wenn ich dich nicht erfunden hätte

Julia Dibbern
Flexibler Einband: 354 Seiten
Erschienen bei ink rebels, 17.01.2017
ISBN 9783958692794
Genre: Romane

Rezension:


Inhalt

Leo ist 18 und gerade von zuhause ausgezogen, nach Hamburg, fürs Studium. Doch mit ihrer gemieteten Wohnung läuft alles schief und plötzlich findet sie sich in einer neuen Wohnung wieder, bei Loris, der ihr so seltsam vertraut vorkommt. Leo fühlt sich zu Loris hingezogen, doch er versteckt etwas vor ihr: die Tatsache, dass er ihr nicht guttun würde.


Meinung

Es ist verdammt schwer, "Wenn ich dich nicht erfunden hätte" zu bewerten, beschreiben oder zu erklären, wieso es so empfehlenswert ist. Und gleichzeitig möchte ich genau das unbedingt schaffen, damit dieses Buch nicht untergeht in den vielen anderen Jugendbüchern, denen es auf den ersten Blick vermeintlich ähnelt. Denn das hätte es nicht verdient, auch wenn ich es nicht perfekt fand.

Der Roman beginnt wie viele andere Jugendbücher auch: mit dem netten Mädchen von nebenan als Protagonistin, die mit ihrem neuen Leben etwas überfordert ist, und dem geheimnisvollen Bad Boy als Retter, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt.
Doch ab da ist dann auch schon alles anders, als ich es von anderen Jugendbüchern kannte.

Das fängt schon damit an, dass die beiden Hauptfiguren, insbesondere Loris, unberechenbar sind.
Man hält Leo erst für ein schüchternes Mauerblümchen, doch dann entpuppt sie sich als erstaunlich schlagfertig und willensstark, was in Kombination mit dem charismatischen Loris zum Teil zu äußerst unterhaltsamen Dialogen führt. Obwohl Loris selbst sehr genau weiß, was er will, schafft sie es oft, sich ihm entgegenzustellen und seinen Spielchen nicht nachzugeben.
Gleichzeitig hat sie aber auch extrem schwache Momente, in denen sie Loris plötzlich hilflos ausgeliefert zu sein scheint und man sie einfach nur schütteln und anschreien möchte, weil sie gefühlt alles mit sich machen lässt - was andererseits aber auch realistisch ist, denn frisch verliebte Menschen tun oft (unbewusst) alles, um der anderen Person zu gefallen und ihr nahe zu sein.
Diese beiden Seiten von Leo passten für mich oft jedoch nicht wirklich zusammen.
Generell konnte ich sie als Figur schwer einschätzen und bin mir auch einige Tage nach dem Lesen nicht sicher, ob sie authentisch oder inkonsequent entwickelt ist. Zum Beispiel passte die Tatsache, dass sie jahrelang für denselben Typen geschwärmt hat, ohne ihn anzusprechen, für mich nicht zu ihrem plötzlich so offenen Verhalten Loris gegenüber.

Loris ist da nicht weniger undurchschaubar und bleibt durch viele Andeutungen über seine "dunklen Seiten" und Geheimnisse anfangs noch recht undurchsichtig.
Durch die Kapitel aus seiner Sicht erfährt man zwar von seinem "weichen Kern", der konfliktreichen Beziehung zu seinen Eltern, der Tatsache, dass es ihm oft sehr schlecht geht und findet heraus, dass er Leo mag.
Doch oft ist Loris auch einfach nur - auf gut Deutsch - ein Arschloch. Er provoziert, er manipuliert, er akzeptiert kein "Nein" und nimmt sich, was er will, wann er will, und lässt es genauso schnell wieder fallen, wenn es ihm nicht mehr passt. Gleichzeitig sind ihm die Bedürfnisse anderer Menschen scheinbar völlig egal, selbst die von Menschen, denen er etwas bedeutet. Bezeichnend für ihn sind zum Beispiel Szenen wie diese:
"Lass das!" Leo drückte ihn weg.
"Warum? Ich will das."

Er war mir das ganze Buch hindurch durchweg unsympathisch, vor allem, weil er Leo größtenteils nur als sexuelles Objekt zu sehen scheint; ein Mädchen, mit der er gerne spielt, die aber für andere Dinge wieder fallenlassen kann, wenn es ihm passt.
Das machte es mir schwer, diesen Loris mit den wenigen Dingen, die man über seine verletzlichen Seiten erfährt, zusammenzubringen, und ich hätte mir noch mehr Informationen darüber gewünscht, was ihn sich wann wie ein Arschloch verhalten lässt, obwohl er sicher nicht als eins geboren ist. So kam er mir oft etwas zu einseitig vor und wies eine seltsame Mischung aus Emotionalität und Oberflächlichkeit auf, deren Übergänge für mich nicht verständlich waren. Ich hätte mit entweder mehr oder keine Kapitel aus seiner Perspektive gewünscht.

Ein besonderer Aspekt dieses Buches, der im Original-Klappentext Erwähnung findet, ist die Tatsache, dass Loris den Hauptfiguren aus Leos Geschichten extrem ähnelt, was einer der Gründe ist, wieso sie sich so schnell zu ihm hingezogen fühlt. Dieses Element und auch die Erklärung dafür fand ich sehr kreativ, aber nicht hundertprozentig ausgereift umgesetzt, weil man sich lange nicht sicher ist, ob es sich um ein Fantasy-Element handelt und was es mit der restlichen Geschichte zu tun hat.

So unberechenbar wie die beiden Hauptfiguren ist auch ihre "Beziehung", auch wenn man diese nicht als Beziehung im herkömmlichen Jugendbuch-Sinne sehen kann.
Während Loris' Faszination für Leo in meinen Augen schwach bis gar nicht erklärt wurde, kann man Leos Interesse an ihm trotz seiner etlichen unsympathischen Eigenschaften gut nachvollziehen. Loris versprüht den typischen Bad Boy-Charme, aber auf eine vielschichtigere Weise als die 08/15 Bad Boys in anderen Jugendbüchern. Man versteht schnell, wie Leo auf seine manipulative reinfallen kann.
Ein Kompliment muss ich der Autorin auch für die erotischen Szenen machen, die die körperliche Anziehung zwischen den beiden beschreiben. Obwohl sie niemals explizit sind, ist das Knistern zwischen den beiden für die Leser*innen deutlich spürbar.

Teilweise entwickelte sich die Beziehung der beiden in meinen Augen aber auch viel zu schnell und dadurch unverständlich, schon angefangen bei dem etwas überstürzten und unrealistischen Einzug. Während ich dann die körperliche Anziehung zumindest von Leos Seite her durchaus nachvollziehen konnte, blieb für mich oft unklar, was die beiden (vor allem sie an ihm) charakterlich aneinander fanden. Zudem kam mir Leo, die eigentlich recht klug ist, oft unfassbar naiv vor, wenn sie bei einem Mann wie Loris so schnell denkt, er sei ihr Freund, obwohl sie nie darüber gesprochen haben. Auch das Wort "Liebe" nimmt sie viel zu schnell in den Mund.
Erfrischend fand ich dagegen, wie schnell es zwischen den beiden körperlich wird. Es passte für mich zwar nicht zu der eher romantisch veranlagten Leo, war für ein Jugendbuch aber mal eine ungewöhnliche Abwechslung.

Aufgrund der so widersprüchlichen und komplexen Beziehung der beiden war "Wenn ich dich nicht erfunden hätte" für mich oft sehr anstrengend zu lesen, was jedoch auch ein Kompliment für Julia Dibberns Talent als Autorin ist.
Mit Leo zusammen fühlte ich mich zu Loris hingezogen und obwohl ich genau wie sie rational wusste, wenn er unverzeihliche Dinge getan hatte, wünschte ich mir trotzdem immer wieder, er würde sich ändern und die beiden würden zu einander finden, genau wie Leo ihm einerseits sagt, er sei ein Arschloch, und trotzdem wieder zu ihm zurückkommt.
Gleichzeitig machte es mich extrem wütend, wieviel Leo mit sich machen lässt, wie selten sie Probleme anspricht und wie leicht sie sich mit Floskeln abspeisen lässt, selbst wenn es um sehr ernste Themen geht.
Dadurch nimmt dieser Roman in jedem Fall sehr mit und wird zu einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Zusätzlich zu der ungesunden Beziehung der beiden kommt in der zweiten Hälfte des Buches noch ein sehr wichtiges, ernstes Thema hinzu, das hier von einer ungewöhnlichen und sehr interessanten Seite beleuchtet wird. Obwohl ich mangels Erfahrung nicht beurteilen kann, wie authentisch es dargestellt wurde, faszinierte mich die Thematik und die Art, wie sie behandelt wurde, ungemein.
Da ich jedoch nicht zu viel verraten will, kann ich an dieser Stelle nicht genauer darauf eingehen.

Der Clou an "Wenn ich dich nicht erfunden hätte", der das Buch so besonders macht, ist der, dass es nicht wie leider viele andere Jugendbücher mit frauenverachtendem Touch das Bad Boy-Gehabe und die manipulativen und selbstsüchtigen Seiten der männlichen Hauptfigur romantisiert. Zwar zeigt der Roman die oberflächliche Anziehungskraft solcher Charaktere auf und macht verständlich, wieso viele Frauen auf solche Männer reinfallen und sie "retten" wollen, verdeutlicht aber auch, was für einen Schaden eine so toxische Beziehung anrichten kann und wie wichtig es ist, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Eine solche Botschaft würde ich mir von viel mehr Jugendbüchern mit ähnlichen Figuren wünschen.
In diesem Zusammenhang ging mir eine sehr wichtige Entwicklung am Ende leider viel zu schnell und ich konnte nicht nachvollziehen, was genau die betreffende Figur zu dieser Entscheidung und die andere zu ihrer Reaktion darauf gebracht hat.

Ein kurzes Wort möchte ich noch zum Schreibstil verlieren, an den ich mich erstmal gewöhnen musste, da er auf mich sehr gehetzt und abgehackt wirkte, mit schnellen und abrupten Szenenwechseln. Durch den Sog der Geschichte tritt das allerdings schnell in den Hintergrund, ebenso wie die Tatsache, dass die meisten Nebenfiguren auf mich eher blass wirkten.


Fazit

"Wenn ich dich nicht erfunden hätte" ist ein sehr ungewöhnliches, bewegendes Buch mit einem ernsten Thema, das ich so bisher noch in keinem Jugendbuch behandelt gesehen habe. Die Thematik und insbesondere die Botschaft sind sehr wichtig und so anders als alles, was ich bisher gelesen habe, dass ich das Buch jedem Menschen, der auch gerne mal Jugendbücher mit härteren Tobak liest, ans Herz legen kann.
Da mir die Persönlichkeiten der Figuren und die Motive für ihre Handlungen nicht immer ganz einleuchteten, kann ich trotzdem nur 4 Sterne vergeben.

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384 Bibliotheken, 14 Leser, 2 Gruppen, 181 Rezensionen

magie, aurafeuer, fantasy, das erbe der macht, urban fantasy

Das Erbe der Macht - Aurafeuer

Andreas Suchanek
E-Buch Text
Erschienen bei Greenlight Press, 30.09.2016
ISBN 9783958342170
Genre: Fantasy

Rezension:


Inhalt


Seit 160 Jahren trennt der Wall die Welt der Magie von der der Menschen. Ein Schutz, der seinen Preis hat, weshalb die Schattenkämpfer alles dafür tun, ihn zu zerstören, während die Lichtkämpfer die Barriere aufrechterhalten und die nicht-magischen Menschen (Nimags) schützen wollen.
Als Mark, Jens bester Freund und Lichtkämpfer ihres Teams, getötet wird, wählt seine Magie mit Alex einen ungewöhnlichen Nachfolger. Und dieses Ereignis offenbart Geheimnisse und löst unvorhergesehene Entwicklungen aus, die für die Lichtkämpfer und ihre Vorhaben mehr als gefährlich werden könnten.


Meinung

Bei "Das Erbe der Macht" handelt es sich um eine eBook-Serie aus recht kurzen einzelnen Teilen, die alle drei Bände in einem Sammelband als Hardcover zusammengefasst werden. Man darf hier also nicht einen vollständigen, in sich abgeschlossenen Roman erwarten, sondern muss darauf vorbereitet sein, dass man, ähnlich wie bei einer Fernsehserie, die Informationen über die Hintergründe und Figuren nur häppchenweise über die einzelnen Bände verteilt zur Verfügung gestellt bekommt.

Der Einstieg in die Reihe ist durchaus rasant und genauso bleibt sie auf den knapp 100 Seiten auch, auf denen einem kaum eine Atempause gelassen wird. Mord, Entführungen, Befreiungsaktion es, Rachepläne - langweilig wird es in "Aurafeuer" definitiv nicht.
Die Handlung wartet, kaum dass man sich einigermaßen zurechtgefunden hat, mit einigen Knallern auf, sodass man auf jeden Fall neugierig auf die Folgebände wird.
Hinzu kommt eine schnelle Einführung in die Welt der Magie, wie Andreas Suchanek sie sich erschaffen hat, die faszinierend wirkt und über die ich gerne mehr erfahren würde. Es sind einige originelle Ideen dabei und auch einige Anspielungen und Veränderungen bekannter Konzepte, wie zB die Interpretation eines Zauberstabs (sehr gelungen) oder das Einbauen bekannter historischer Persönlichkeiten (Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll.).

Die Charaktere kamen auf den wenigen Seiten für meinen Geschmack jedoch noch zu kurz. Auch wenn ich zB das völlig selbstverständliche Einbauen eines homosexuellen Paares (So sollte das sein!) sehr begrüße und eine schlagfertige, witzige Protagonistin sehr zu schätzen weiß, blieben mir die meisten Figuren, vor allem die Antagonist*innen, einfach noch zu blass, was bei einer so kurzen Geschichte kaum verwunderlich ist. Hier setze ich auf die Folgebände, für die es noch einiges an Potential gibt.

Zudem wird man in diesem Buch noch ziemlich überrumpelt und überfordert mit neuen Begriffen und Konzepten, an die man sich erst gewöhnen muss. Dadurch, dass die Geschichte so kurz ist, hat man dazu aber kaum Zeit und es kommt viel Neues auf wenige Seiten. Dass es am Ende des Buches ein Lexikon mit diesen gibt, ist mir erst aufgefallen, als ich mit dem Lesen schon fertig war.

Gewöhnen musste ich mich auch erst an den Schreibstil, der mir irgendwie... kantig vorkam. Es ist schwer zu beschreiben, was ich daran nicht mochte, aber ohnehin reine Geschmacksache, denn formal falsch war er nicht.

Was mir jedoch tierisch auf die Nerven ging war die Tatsache, dass Alex, eine der Hauptfiguren, junge Frauen, die er aufreißen will, ständig als "Girls" bezeichnet. Ich war mir nicht sicher, ob der Autor den Begriff selbst verwenden würde oder ihn lediglich seinem Protagonisten in den Mund legt, um zu zeigen, wie betont cool und machohaft er ist.


Fazit

Insgesamt konnte mich "Aurafeuer" auf jeden Fall für die "Das Erbe der Macht"-Reihe interessieren, denn die zugrundeliegenden Fantasy-Elemente finde ich interessant, die Handlung beginnt vielversprechend. Da mir die Charaktere in diesem Band jedoch noch zu kurz kommen und ich von dem vielen Neuen leicht überfordert war, bekommt der erste Band nur 3 Sterne von mir.

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glück, freundschaft, reisen, liebe, roadtrip

How to be happy 2: Ascheblüte

Kim Leopold
Flexibler Einband: 470 Seiten
Erschienen bei Amrun Verlag, 20.05.2017
ISBN 9783958695528
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt

Vor zwei Jahren ist Ashton Parker wieder einmal vor seinen Problemen davongelaufen, diesmal nach Toronto. Seine Erlebnisse hat er in einem Buch verarbeitet, das zum Bestseller wurde, doch seitdem verkriecht er sich in seiner Wohnung und versteckt sich vor dem Leben.
Camille Dubois braucht ihren Job beim Verlag mehr als alles andere. Doch ihr Chef will sie nur unter der Bedingung einstellen, dass sie Ashton Parker dazu bringt, ein zweites Buch zu schreiben.
Als Ash, der sich von der ambitionierten, jungen Frau gleichzeitig angezogen und bedrängt fühlt, wieder einmal davonlaufen will, folgt Cami ihm kurzerhand bis nach Irland.


Meinung

"Liliennächte", das Debut der Autorin und der erste Band der "How to be happy"-Reihe, hat mir schon gut gefallen, doch in "Ascheblüte" hat sich Kim Leopold meiner Meinung nach noch einmal gesteigert.
Dieser zweite Band erzählt die Geschichte einer Nebenfigur aus "Liliennächte" weiter, sodass er auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann. Aufgrund einiger Anspielungen auf Band 1 und der Vorwegnahme einiger Ereignisse aus diesem würde ich jedoch empfehlen, die Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen.
Diese Rezension enthält deshalb auch einen kleine Spoiler über "Liliennächte"!

"Ascheblüte" spielt zwei Jahre nach den Ereignissen in "Liliennächte". Ash ist mittlerweile gefeierter Autor, lebt aber recht zurückgezogen und einsam. Sein einziger Freund ist ein Barkeeper namens Joey, zu Jamie und Lily hat er den Kontakt abgebrochen. Noch immer wird er verfolgt von den Erinnerungen an die Frauen, die er geliebt und auf die eine oder andere Weise verloren hat.
Es tut unglaublich weh den Ash, den man in "Liliennächte" schon kennen und lieben lernen konnte, so einsam und verletzlich zu erleben. Gleichzeitig kann man ihn verstehen, so oft, wie er schon verletzt wurde.
Doch als Ash auf Cami trifft, entdeckt man wieder seine liebevolle, fürsorgliche Seite: den Ash, der hilflose Menschen nicht einfach vor seiner Tür stehen lässt; dessen Herz dahinschmilzt, wenn jemand Hilfe braucht. Diesen Gefühlen nachzugeben ist für ihn jedoch nicht einfach, da er nach der Sache mit Rose ein tiefes, nur allzu verständliches Misstrauen gegen Frauen hegt, die ihm zu nahe kommen.
Dieser Zwiespalt zwischen dem Wunsch, nie wieder verletzt zu werden, und dem Bedürfnis, verletzten Menschen zu helfen, macht Ash unglaublich menschlich und sympathisch, auch wenn man ihn für seine Sturheit und Selbstverleugnung gerne manchmal schütteln würde.

Auch Camille (Cami), die als Figur neu in die Reihe eingeführt wird, hat Erfahrungen mit dem Davonlaufen, doch im Gegensatz zu Ash versteckt sie sich nicht vor ihren Problemen, sondern ist eine Kämpferin. Sie ist erfrischenderweise nicht das brave Märchen von nebenan wie viele andere Protagonistinnen, sondern kann durchaus abenteuerlustig und aufmüpfig sein, wodurch sie allerdings auch schon schwere Fehler begangen hat.
Wenn es um ihren Traumjob geht, den sie nicht nur für ihr finanzielles sondern auch für ihr privates Glück braucht, lässt sie sich nicht so leicht abwimmeln. Denn Cami hat es schon schwer genug mit ihrem Mann Mick, den sie viel zu früh geheiratet hat und der, seit er seinen Job verloren hat, anfängt, seinen Frust an ihr auszulassen.

Das Thema häusliche Gewalt geht die Autorin hier sensibel und realistisch an, denn sie beschreibt sehr eindringlich, wie schwer es fallen kann, sich von einem geliebten Menschen zu lösen, selbst wenn dieser einem nicht guttut. Cami sucht die Fehler bei sich, gibt sich die Schuld für Micks Verhalten und kann nicht glauben, was aus ihren Mann geworden ist, in den sie einst so verliebt war. So schmerzhaft dies beim Lesen ist, so realistisch ist es leider doch.
Gerade, weil man für dieses Thema gar nicht genug sensibilisiert sein kann, hätte ich mir gewünscht, dass der Prozess der Erkenntnis, dass sich niemand unter keinen Umständen misshandeln lassen muss, noch etwas genauer behandelt worden wäre. Für mich war zum Teil etwas unklar, ab wann genau Cami zu dieser Erkenntnis kommt und sich vornimmt, sich von Mick abzunabeln.

Insgesamt ist auch Cami eine sehr interessante und liebenswerte Figur, denn auch sie hat schwere seelische Verletzungen erlitten und es fällt ihr schwer, anderen zu vertrauen.
Man kann sich denken, welches Gefühlschaos dabei herauskommt, wenn zwei solcher Menschen aufeinandertreffen, wie es in "Ascheblüte" der Fall ist. Einerseits sind Cami und Ash das, was der jeweils andere braucht, andererseits sind sie beide noch nicht bereit für einander.
Besonders gut gefallen hat mir, dass Kim Leopold das ganze Buch über ihren Figuren treu bleibt, auch wenn das die Geschichte nicht immer so leicht macht, wie man es sich als Leser*in für die Figuren wünschen würde.
So zieht sich die Tatsache, dass weder Cami noch Ash sich mehr von jemand anderem abhängig machen wollen, durch das ganze Buch, was nur verständlich ist angesichts der Tatsache, wie sehr beide verletzt wurden.
Dadurch entgeht "Ascheblüte" auch der Gefahr, der viele andere Liebesroman erliegen und erzählt hier nicht die Geschichte der atmen, verletzten Frau, die durch den einen Mann wieder ins Leben zurückfindet. Stattdessen geht es um zwei Menschen, die beide ihre starken und verletzlichen Seiten haben und erkennen müssen, dass man diese verletzlichen Seiten nicht immer von der Welt feenhaften kann.
Auch idealisiert "Ascheblüte" nicht die Idee der einen großen Liebe, sondern zeigt auf berührende Weise, dass Neuanfänge und eine neue Liebe immer möglich sind, wenn man sich erlaubt, sich von der Vergangenheit zu lösen.

Auch mit interessanten und sympathischen Nebenfiguren kann "Ascheblüte" genau wie sein Vorgänger wieder aufwarten. Wir lernen neue und alte Bekannte kennen und werden äußerst neugierig gemacht auf deren Abenteuer, die zum Teil im vierten Band der Reihe eine Rolle spielen werden.
Das Auftauchen einer Figur aus Band 1 schließt auch einen dort entstandenen Konflikt mit Ash ab, der mir besonders zu schaffen gemacht hatte.
Auch das Bild der nicht perfekten, aber dafür liebevollen Familien und Freundeskreise, das man bereits aus "Liliennächte" kennt, wird hier weitergeführt und wirkt weiterhin sehr authentisch.

In manchen Punkten macht es sich "Ascheblüte" dann aber doch zu leicht, wenn es um die Entwicklung der Geschichte geht, und wie schon bei "Liliennächte" hätte ich mir einfach 100 Seiten mehr für die Geschichte gewünscht.
Zum Beispiel hätte Ash meinem Empfinden nach noch länger abweisend zu Cami sein können, da er ja auf keinen Fall will, das sie durch seine weiche Schale dringt. Als sie ihm nach Irland folgt, akzeptiert er sie für meinen Geschmack zu schnell, auch wenn es natürlich das ist, was man sich als Leser*in letztendlich wünscht ;).
Generell ist der ganze Spontanflug nach Irland vielleicht etwas zu spontan, obwohl ich das natürlich nicht beurteilen kann, da ich es noch nie selbst ausprobiert habe :D.
Auch eine weiterer Konflikt am Endes des Buches, über den ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten möchte, wurde für meinen Geschmack viel zu leicht gelöst, dafür, dass er schon lange Zeit besteht.

Obwohl Drama bei zwei so vom Leben gezeichneten Figuren wie Ash und Cami natürlich vorprogrammiert ist, war es für meinen Geschmack manchmal auch zu viel des Guten, gerade wenn dann zu der Sache mit der häuslichen Gewalt noch Camis Familiengeschichte kommt (auch wenn natürlich beides irgendwie zusammenhängt).
Auf einen bestimmten Moment gegen Ende des Buches sowie die Reaktion darauf, die ich leider schon aus zu vielen anderen Büchern als den letzten dramatischen Moment vor der Auflösung kenne, hätte ich auch gut verzichten können, auch wenn ich zum Teil nachvollziehen konnte, dass es zu der betreffenden Figur passte.

Die ersten Begegnungen zwischen Ash und Cami fand ich zum Teil auch problematisch. Einerseits bringen sie die weiche, mitfühlende und hilfsbereite Seite von Ash zum Vorschein, die ich sehr gerne mag und von der man durch Rose schon weiß, dass sie sein Schwachpunkt ist. Andrerseits konzentriert sich seine Faszination für Cami anfangs auch sehr auf ihr Aussehen und ihre Hilflosigkeit und zu wenig auf sie als Person, was ich etwas schade fand.
Die Tatsache jedoch, dass Camille sich Mühe gibt, nicht hilflos zu wirken sondern stark zu sein, macht das zum Teil wieder wett.




Fazit

"Ascheblüte", in meinen Augen noch ein wenig stärker als sein Vorgänger "Liliennächte", erzählt liebevoll eine herzerwärmende und -zerreißende Geschichte von Verlust und Vertrauensbrüchen und bleibt dabei durch die Botschaft, dass Liebe es immer wert ist, gewagt zu werden, dem Reihentitel "How to be happy" treu.
Sowohl die Haupt- als auch die meisten Nebenfiguren muss man einfach gernhaben und kann nicht anders, als mit ihnen zu leiden und sich zu freuen.
Wie auch "Liliennächte" hätte "Ascheblüte" meiner Meinung nach gerne gut 100 Seiten länger sein und sich so einigen Entwicklungen ausführlicher widmen und dafür auf bestimmte Aspekte verzichten können.
Von mir gibt es sehr gute 4 Sterne und eine Empfehlung an alle Fans von Liebesromanen mit ernstem Kern.

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feminismus, frauenrechtsbewegung, moderner feminismus, jugend, frauenrechte

Stand Up! - Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene

Julia Korbik
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Rogner & Bernhard, 06.05.2014
ISBN 9783954030446
Genre: Sachbücher

Rezension:


Inhalt

Was ist eigentlich Feminismus und warum brauchen wir ihn? Wieso hat er so ein schlechtes Image und ist an den Vorurteilen von Männerhass & Co etwas dran? Wie unterschiedlich wird Feminismis zum Teil interpretiert?
Diesen und vielen weiteren Fragen geht Julia Korbik in "Stand Up" auf dem Grund und gibt nebenbei jede Menge Lesetipps für weiterführende Bücher, Webseiten und Blogs.


Meinung

"Feminismus" - fast schon ein Schimpfwort, könnte man meinen, wenn man hört, wie dieser Begriff mitunter ausgesprochen und womit er assoziiert wird. Tatsächlich begegnet man, wenn man sich als Feminist*in bezeichnet, des Öfteren Vorurteilen, beispielsweise, dass man Männer hassen und diskriminieren würde, oder dass man als Frau nicht Feministin sein und sich gleichzeitig schminken/körperbetonte Kleidung tragen/... dürfte.
Ein Grund mehr, jedem Menschen Bücher wie "Stand up" ans Herz zu legen, die in peppiger Aufmachung und klaren Worten verdeutlichen, worum es beim Feminismus geht - Gleichheit der Geschlechter - und wieso das Konzept, obwohl Frauenrechtler*innen schon so viel erreicht haben, noch immer eine große Bedeutung hat.

"Stand up" eignet sich wunderbar als Einführung in das Thema für jeden Menschen, der sich noch nicht genauer damit befasst hat, denn es deckt auf rund 400 Seiten die wichtigsten Bereiche des Themenkomplexes Feminismis ab, ohne dabei zu wissenschaftlich zu werden oder zu sehr ins Detail zu gehen. Behandelt werden neben den "Basics" wie der Bedeutung des Begriffs und der Entwicklung des Feminismus auch Bereiche des Lebens, in denen der Feminismus noch viel zu kämpfen hat: Politik, der Umgang mit dem weiblichen Körper, (Pop-)Kultur.

Durch die alltagsnahen Beispiele wird einem deutlich, wie sehr Sexismus und eine andere Behandlung der Frau auch uns, die wir vergleichsweise privilegiert in Deutschland leben und viele Rechte genießen, noch betreffen.
Besonders hängengeblieben ist bei mir, wie oft man doch eigentlich Alltagssexismus einfach hin- oder schon gar nicht mehr wahrnimmt, weil er, obwohl Frauen bei uns auf dem Papier dieselben Rechte haben wie Männer, trotzdem zum Teil noch selbstverständlich ist.

"Stand up" bezieht sich hierbei verständlicherweise hauptsächlich auf die Situation von Frauen, räumt aber dennoch mit einigen Klischees auf, die Männer betreffen. Männer werden in diesem Buch nicht, wie es Feminist*innen oft nachgesagt wird, verallgemeinernd als sexistisch oder diskriminierend dargestellt, im Gegenteil: Einige werden sogar in den Portraits, die das Buch durchziehen, als Feministen vorgestellt. Besonders wenn es um das Thema Familie geht, wird deutlich, dass auch das männliche Rollenbild für die Betroffenen Einschränkungen bietet, die es zu durchbrechen gilt.

Auch als Person, die sich bereits viel mit Feminismus beschäftigt hat, kann man das Buch gut lesen. Zwar werden einen viele Inhalte nicht mehr überraschen, doch viele der erwähnten Feminist*innen und deren Aktionen, Bücher und Webseiten/Blogs kannte ich persönlich noch nicht, sodass das Buch auf viele Anregungen zum weiteren Lesen und Recherchieren bietet.

Generell empfand ich besonders die "feministischen Portraits", die Vorstellungen von anderen Büchern, Forschung und Webseiten zu dem Thema und viele der Zitate anderer Feminist*innen als sehr inspirierend.
Ein großes Lob gibt es auch für die Grafiken, die hier nicht nur bestimmte Sachverhalten mit Diagrammen illustrieren, sondern auch auf ansprechende und freche Weise feministische Botschaften und einprägsame "Slogans" rüberbringen.

Zwei kleine Mankos weist das Buch in meinen Augen trotzdem auf:
Zum einen finde ich es ein wenig befremdlich, die auf pink und Weiblichkeit getrimmte Industrie anzuprangern, in Grafiken Frauen aber andererseits mit rosa und in Piktogrammen mit Kleidern zu repräsentieren.
Zum anderen fehlte mir die Diskussion des Genders, des "sozialen Geschlechts", das im Feminismus meiner Meinung nach mittlerweile ebenfalls ein großes Thema sind sollte. Zwar erklärt Julia Korbik den Begriff und grenzt ihn vom biologischen Geschlecht ("sex") ab und zitiert auch einige Feminist*innen, die die Gender Gap* verwenden, doch selbst geht sie nicht viel genauer auf das Thema ein. Dabei gehört für mich zu der Erkenntnis, dass das "soziale", "gefühlte" Geschlecht sich vom biologischen unterscheiden kann und nicht zwingen davon sondern auch von anderen Einflüssen (vor allem der Gesellschaft) bestimmt wird, auch die Erkenntnis, dass die "sozialen Geschlechter" daher auch vielfältiger, flexibler und nicht so leicht in weiblich oder männlich einzuteilen sind.
Aber vielleicht ist das für ein Buch, das erstmal lediglich einen Überblick schafft, auch zu viel verlangt, schon so tief in die Materie einzudringen.


Fazit

"Stand up" ist eine lohnenswerte Lektüre sowohl für Neulinge als auch für "alte Hasen" im Feminismus. Das Buch gibt einen knackigen, leicht verständlichen Überblick über das Thema und regt mit Portraits, Literatur- und Internettipps zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema an. Von mir gibt es solide 4 Sterne.


*bei mir das *, das all die Menschen repräsentieren soll, die sich weder (nur) dem weiblichen noch (nur) dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

familie, wg, rezension, freundschaft, umzug

How to be happy 1: Liliennächte

Kim Leopold
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei Amrun Verlag, 20.05.2017
ISBN 9783958695511
Genre: Liebesromane

Rezension:


Inhalt


Nach dem Tod ihrer Mutter zieht die 19-jährige Lilian nach New York, wo ihr Vater wohnt, den sie nie kennengelernt hat. Zu ihrem Entsetzen muss sie dort feststellen, dass ihre zwei vermeintlichen Mitbewohnerinnen Ash und Jamie eigentlich zwei Kerle sind, und zwar ziemlich sympathische.
Während sie noch versucht, sich ihrem entfremdeten Vater anzunähern und mehr über Ashs und Jamies geheimnisvolle Mitbewohnerin zu erfahren, mit der sie so oft verwechselt wird, steckt Lily auch schon mitten im bunten New Yorker Leben mit all seinen Herausforderungen und Gefühlsachterbahnen.


Meinung

Von "Liliennächte" hatte ich schon gehört, als es noch ein Blogroman war und "Love, Kiss, Cliff" hieß. Doch damals habe ich die Geschichte nicht wirklich verfolgt und jetzt erst durch die wunderschöne Neuauflage im Amrûn Verlag wiederentdeckt. Da es das eBook zu diesem Anlass zu einem unschlagbaren Preis gab, habe ich mich diesmal endlich an den Erstling der lieben Kim gewagt, die mir schon als Bloggerin immer so sympathisch war.

Kim Leopolds Reihe heißt zurecht "How To Be Happy", denn dieser erste Band zauberte mir mehr als einmal ein Lächeln aufs Gesicht oder brachte mich mitten in der Bahn zum Kichern. Die Geschichte wird oft mit einer solchen Leichtigkeit erzählt und die Figuren sind alle so liebenswert, dass man kaum anders kann, als sie alle gern zu haben. Vor allem die Beziehungen (freundschaftlich, familiär) zwischen den Figuren sind zum Teil wirklich herzerwärmend.
Tatsächlich war ich schon nach wenigen Seiten so von der Geschichte eingenommen, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte zu lesen und das Buch ziemlich schnell verschlungen habe, obwohl ich dafür eigentlich keine Zeit hatte ;).

Gleichzeitig vergisst die Autorin nicht, ihren Figuren auch Tiefe zu verleihen, indem sie von ihren Träumen, Ängsten und Geheimnissen erzählt. Die Verarbeitung großer Verluste und Träume, die man zugunsten von anderen zurückstellt, finden in "Liliennächte" ebenso ihren Platz wie neue Freundschaften, romantische Momente und längst notwendige Aussprachen. Gegen Ende hin verliert "Liliennächte" sonein wenig von seiner Leichtigkeit zugunsten von mehr Tiefe, was keinesfalls eine schlechte Entwicklung ist.

Dabei hätte der Roman von mir aus gerne noch ein paar Seiten mehr haben können, denn insbesondere am Anfang und am Ende folgten viele Ereignisse (neue Freundschaften, der Status "beste Freunde", Flirts, Versöhnungen) sehr schnell aufeinander und laufen etwas zu reibungslos ab, für die man sich in meinen Augen mehr Zeit hätte lassen können. Andere Nebenfiguren dagegen "verschwinden" einfach ohne Erklärung, nachdem sie ihren Zweck für die Handlung erfüllt haben.
Teilweise wunderte mich in diesen Momenten auch das Verhalten der Hauptfigur und ich war froh, dass auch Lily selbst manchmal anmerkte, dass ihr bestimmte Entwicklungen zu schnell gingen.

Zum Teil merkt man dem Buch noch den Charakter eines Episodenromans an, was mitunter ganz unterhaltsam ist. So wird beispielsweise dieselbe Erklärung (Toby ist Jamies Bruder) kurz hintereinander zweimal geliefert (In der Zeit, die zwischen zwei Blogroman-Episoden vergeht, hätte man sowas noch vergessen können.) und es werden romantische Gefühle für mehrere Männer angedeutet, bis sich herauskristallisiert, wer "der Auserwählte" ist. Das macht die Handlung einerseits spannender, andererseits irritierte mich Lilys Verhalten und die Tatsache, dass sie diese ungewöhnliche Zwiegespaltenheit selten thematisiert, auch.

Auch kommt die Autorin mit immer wieder neuen, wirklich überraschenden Entwicklungen daher, was ich von dem Buch zunächst gar nicht erwartet hätte. Das artet zum Teil aber auch in Ereignissen aus, die mir ein bisschen zu an den Haaren herbeigezogen werden (Stichworte: Verschwinden, Bestechung).

Der Schreibstil des Romans ist im Allgemeinen sehr angenehm und leicht zu lesen, wirkt aber noch nicht ganz ausgereift. So stolperte ich zum Beispiel häufiger über Beschreibungen, die mir unnötig detailliert erschienen (Lily packt ihre Sachen, nimmt ihre Handtasche, geht ins Bad, putzt sich die Zähne und geht dann aus dem Haus.), doch solche Kleinigkeiten schmälerten das Leseerlebnis natürlich nicht wirklich.

Man darf sich natürlich nichts vormachen: "Liliennächte"' ist nicht die originellste und neuartigste Geschichte, die je geschrieben wurde, und viele Elemente (Tod der Mutter, Schuldgefühle, strenger Vater) kennt man bereits aus vielen anderen Romanen. Was jedoch zählt ist, dass es Kim Leopold gelungen ist, diese Bausteine mit ihren ganz eigenen Ideen zu einer Geschichte zu vereinen, die zu lesen einfach Freude bereitet.



Fazit

Mit "Liliennächte"' hat Kim Leopold einen wirklich süßen Roman geschrieben, der mir mehr als einmal ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat. Die Figuren und ihre Beziehungen zu einander musste man einfach liebhaben, sodass man auch über einige Klischees hinwegsehen kann. Etwas schade fand ich, dass sich viele Entwicklungen für meinen Geschmack zu schnell vollziehen, wodurch das Verhalten der Figuren zum Teil unglaubwürdig wirkt. Hier hätten dem Buch 100 Seiten mehr sicher gutgetan. Ich vergebe sehr gute 3,5 Sterne und eine Leseempfehlung für jeden, der auf der Suche nach einem Roman ist, der glücklich macht (und Suchtpotential hat).

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2.021 Bibliotheken, 29 Leser, 4 Gruppen, 185 Rezensionen

fantasy, maggie stiefvater, liebe, jugendbuch, magie

Wen der Rabe ruft

Maggie Stiefvater , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei script5, 09.10.2013
ISBN 9783839001530
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Inhalt

Blue Sargent hat als einzige aus ihrer Wahrsagerinnenfamille keine hellseherischen Kräfte. Stattdessen verstärkt sie die Energie für andere, weshalb sie ihrer Mutter oft bei Sitzungen assistiert. Doch am Markustag, an dem ihre Mutter alljährlich auf dem Friedhof den Seelen derer begegnet, die im folgenden Jahr sterben werden, sieht plötzlich auch Blue einen Geist. Und dafür gibt es nur zwei Erklärungen: Entweder ist dieser Gansey ihre große Liebe oder sie wird an seinem Tod schuld sein.
Gansey und seine Freunde Noah, Ronan und Adam können eine Wahrsagerin gut gebrauchen, denn sie sind auf der Suche nach einer Ley-Linie, einer sagenumwobenen Energieader, die ausgerechnet durch das Städtchen Henrietta fließen soll. Als die vier Blue begegnen, bildet sich ein ungewöhnliches Team.


Meinung

Es fällt mir verdammt schwer, die Handlung von "Wen der Rabe ruft" zu beschreiben, ohne zu viel zu verraten oder den Eindruck zu erwecken, das Buch sei klischeehaft und vorhersehbar, denn das ist es definitiv nicht.
In dem Punkt hat der Verlag meiner Meinung nach auch keine gute Arbeit in der Wahl des Klappentextes geleistet, denn die Information, dass eine Prophezeiung besagt, Blues große Liebe werde sterben, wenn sie ihn küsst, klingt nach schlechtem Märchen und nicht sehr originell, dabei ist der Auftakt dieser Reihe alles andere als das.

Wie schon mit ihrem Einzelband "Rot wie das Meer" faszinierte mich Maggie Stiefvater auch in diesem Buch wieder mit ihren tollen Ideen für Fantasy-Elemente. Auch "Wen der Rabe ruft" erzählt wieder eine ungewöhnliche Geschichte, denn über Hellsehen habe ich im Bereich Fantasy-Jugendbuch bisher noch nicht viel gelesen und von den Legenden um die Ley-Linien, die hier eine große Rolle spielen, hatte ich noch nie gehört. Wieder hat Maggie Stiefvater hier eine spannende Legende ausgebuddelt und in einem tollen Roman verarbeitet und es macht Spaß, immer mehr über die Ley-Linien und den verschollenen König Glendower zu lernen.

Hinzu kommt, dass auch die Figuren des Buches zu großen Teilen sehr ungewöhnlich sind, was vor allem dadurch gut zur Geltung kommt, dass die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt wird.
Blue war für mich noch ein wenig farblos als die betont alternative Außenseiterin, aber auch nicht unsympathisch. Mit ihr gibt es kein künstliches Drama über die Prophezeiung, keine absichtlich herbeigeführten Missverständnisse, die ihre Beziehung zu anderen Figuren erschweren. Sie ist einfach neugierig und mutig, was sie eigentlich recht sympathisch macht.
Gansey ist ein sehr spezieller Charakter mit einer wirklich spannenden Geschichte und einem ungewöhnlichen Hintergrund, dessen verschrobene Art, gutes Herz und häufige Unfähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, ihn auf eine gewisse Art sehr niedlich machen.
Doch auch seine Freunde Ronan und Adam sind interessante Figuren, vor allem Adam mit seiner ruhigen, verletzlichen Art, der unter einem sehr bewegenden inneren Konflikt leidet.
Das allerbeste an den Figuren ist aber die Art, wie sie zu einander in Beziehungen stehen, und die Tatsache, dass sich ebendiese Beziehungen absolut nicht so entwickeln, wie ich es erwartet (und befürchtet) hatte. Alle Figuren überraschen mit ihren Handlungen immer wieder, was "Wen der Rabe ruft" für mich sehr abwechslungsreich gemacht hat.

Dasselbe gilt auch für die Handlung, die mit mindestens einer wirklich gelungenen Überraschung aufwarten kann, mit der ich nicht gerechnet hatte.
Das Ende des Buches ist zwar zum Teil abgeschlossen, sorgt aber mit einer sehr unerwarteten Wendung im allerletzten Satz dafür, dass ich nun unbedingt weiterlesen möchte, was ich allein wegen der spannenden Idee ohnehin getan hätte.


Fazit

"Wen der Rabe ruft" hat mich absolut positiv überrascht und definitiv überzeugt. Die kurzweilige und abwechslungsreiche Geschichte basiert auf einer originellen und spannenden Idee und die Figuren weisen Tiefe und spannende Geschichten auf. Dieser erste Band macht definitiv Lust auf mehr. Von mir gibt es 4,5 Sterne.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

england, love, elizabeth gaskell, passion, family

North and South

Elizabeth Gaskell
Flexibler Einband: 594 Seiten
Erschienen bei HarperCollins UK, 20.03.2012
ISBN 9780007902255
Genre: Romane

Rezension:


Inhalt

Als ihr Vater, ein Pastor, die Arbeit für die Kirche nicht mehr mit seinem Glauben vereinbaren kann, seinen Beruf aufgibt und vom ländlichen Süden Englands in die Industriestadt Milton im Norden zieht, ist die junge Margaret Hale schockiert.
Es fällt ihr schwer, sich an die raue, schmutzige neue Heimat zu gewöhnen und die Schicksale der Fabrikarbeiter, die in schlechten Verhältnissen leben und für besseres Gehalt streiken, nehmen sie sehr mit.
Gleichzeitig kommt sie über ihren Vater, der in Milton nun als Privatlehrer arbeitet, mit John Thornton, einem Miltoner Fabrikbesitzer, in Kontakt, mit dem sie aufgrund seiner kühlen, rationalen Art des Öfteren aneinandergerät.


Meinung

Jemand auf "Goodreads" bezeichnete "North & South" scherzhaft als "Stolz und Vorurteil für Sozialisten" und ganz so abwegig ist die Beschreibung tatsächlich nicht.
Genau wie Jane Austens bekanntester Roman weist auch dieses Werk eine sympathische Heldin auf, die nicht auf den Mund gefallen ist, zum Teil jedoch von ihren eigenen starren Denkmustern eingeschränkt ist, weshalb sie unter anderem gegen Mr. Thornton von Anfang an Vorurteile hegt. Das macht Margaret zu einer sehr authentischen Protagonistin, denn sie hat ein gutes Herz und ist klug und mitunter überaus mutig , zum Teil aber auch noch recht kindlich und naiv.

Ähnlich wie bei Elizabeth und Mr. Darcy fallen die ersten Begegnungen zwischen den beiden aufgrund ihrer grundverschiedenen Persönlichkeiten nicht besonders angenehm aus und die Beziehung der beiden bleibt lange angespannt und voll von Missverständnissen, die dem Leser durch den häufigen Perspektivenwechsel schmerzhaft deutlich werden. Gleichzeitig entwickeln sich Thornton und Margaret auch gerade wegen ihrer Bekanntschaft weiter und lernen viel über sich selbst und ihre Art, die Welt zu sehen, was äußerst spannend zu beobachten ist.

Die anderen Figuren bekommen deutlich weniger Aufmerksamkeit, sind aber trotzdem recht ausführlich charakterisiert und sehr verschieden. Im Gegensatz zu Jane Austen überlässt Elizabeth Gaskell es ihren Leser*innen, über den Charakter ihrer Figuren selbst zu urteilen, und viele von ihnen kann man weder als grundsätzlich  sympathisch noch als grundsätzlich unsympathisch abstempeln, da sie sehr facettenreich sind.

Als "Stolz und Vorurteil für Sozialisten" wurde "North & South" wohl aufgrund des sozialpolitischen Aspekts des Romans bezeichnet, der eine große Rolle spielt.
Margaret versteht nicht viel von Wirtschaft, hat aber eine sehr genaue Vorstellung davon, wie ein Mensch leben können sollte und empört sich daher sofort über die Lebensumstände der Miltoner Unterschicht. Sie freundet sich mit Bessy Higgins an, einer jungen Frau, die unter anderem aufgrund ihrer Arbeit in einer der Baumwollfabriken schwer krank ist und deren Vater Nicholas einer der führenden Köpfe der Gewerkschaft ist.
Die andere Seite der Medaille bekommt man als Leser*in durch John Thornton gezeigt, der sich selbst aus ärmlichen Verhältnissen hochgearbeitet hat und nun seine Fabrik mit strenger Hand und (Weit-)Blick auf die Wirtschaft führt. Er versucht unter anderem Margaret zu erklären, wieso er es sich nicht leisten kann, die Löhne der Arbeiter*innen zu erhöhten, und solche und ähnliche Diskussionen entbrennen des Öfteren zwischen Figuren des Buches, unter anderem auch zwischen Nicholas Higgins und Margarets Vater.
Auch wenn speziell die Verarbeitung von Baumwolle in Europa kein Thema mehr ist, sind die grundsätzlichen Spannungen zwischen Wirtschaft und der Situation der einzelnen Menschen noch immer aktuell und die Diskussionen im Buch daher noch immer sehr spannend.

Worauf man gefasst sein sollte, wenn man zu "North & South" greift, ist, dass sich die Geschichte grundsätzlich eher langsam entwickelt. Teilweise wird eine Weile nur der Alltag der Menschen, ihre Beziehung untereinander oder ein einziges Gespräch beschrieben. Fans von Jane Austen kennen dieses mitunter behäbige Tempo bereits.

Das Ende hingehen wirkt dann auf einmal sehr abrupt mit Ereignissen, von denen eines das nächste jagt. Die Autorin erklärt dies im Vorwort damit, dass ihr Buch als Episodenroman in Zeitschriften (?) erschien und ihr Verlag irgendwann auf ein Ende drängte, sodass sie es schneller herbeiführen musste, als ihr lieb war.

Fazit

Die Geschichte in "North & South" entwickelt sich eher langsam, beeindruckt dafür aber durch eine gelungene Mischung aus sozialkritischen Themen und tollen, tiefgründigen Charakterentwicklungen. Der Gefahr, in Kitsch abzudriften, entgeht die Autorin dabei geschickt. Wer sich an den ruhigen Stil des Buches gewöhnen kann, wird in diesem Roman sicher eine tolle Lektüre finden. Ich vergebe 4 Sterne.

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7 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Little Women (Collins Classics)

Louisa May Alcott
E-Buch Text: 340 Seiten
Erschienen bei HarperPress, 17.05.2010
ISBN 9780007382644
Genre: Sonstiges

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112 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

sommer, adriana popescu, ein sommer und vier tage, liebe, italien

Ein Sommer und vier Tage

Adriana Popescu
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 13.03.2017
ISBN 9783570403372
Genre: Jugendbuch

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

truecrime

Die Schuldigen

Hanna Ziegert , Nora Ziegert
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Penguin, 13.06.2017
ISBN 9783328101048
Genre: Sachbücher

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29 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

italien, mittelalter

Der Name der Rose

Umberto Eco
Flexibler Einband
Erschienen bei dtv, 01.01.1986
ISBN B004VZW97C
Genre: Historische Romane

Rezension:


Inhalt

Der junge Benediktiner-Novize Adson von Melk reist mit dem Franziskaner William von Baskerville in eine Abtei, in der William einen Auftrag vom Kaiser zu erfüllen hat. Dort angekommen, wird William zusätzlich vom Abt beauftragt, einen Mord an einem der Mönche aufzuklären.
Und während William noch damit beschäftigt ist, die Geheimnisse der Abtei zu entdecken, sterben weitere Menschen.


Meinung

Ich wurde vorgewarnt, "Der Name der Rose" sei schrecklich langweilig und langatmig. Entsprechend skeptisch begann ich dann auch mit der Lektüre und muss zum Teil leider gestehen, dass sich die Warnung bewahrheitet hat, kann zum Teil aber glücklicherweise auch sagen, dass sich die Lektüre trotzdem gelohnt hat.

Es gibt zwei Dinge, auf die man zukünftige Leser*innen dieses Buches vorbereiten sollte:
Erstens wird man mit einer beachtlichen Menge an historischem Kontext gefüttert, da Ecos Wissen um die Kirche im Mittelalter dem eines Geschichtsprofessors alle Ehre macht.

Zweitens sollte man sich - was in Anbetracht der Tatsache, dass das Buch von Mönchen handelt und in einer Abtei spielt, vielleicht nicht überraschend ist - auf ausgedehnte religiöse Diskussionen und detaillierte Beschreibungen diverser kirchlicher Persönlichkeiten, Praktiken und Glaubensgrundsätze und ausführliche Hassreden auf "Ketzergruppen" gefasst machen.

Diese Massen an Informationen und komplexen Zusammenhängen bekommt man leider auch nicht behutsam und verständlich Stück für Stück nähergebracht, sondern hauptsächlich in sehr langen Absätzen und Dialogen, die kaum etwas anderes enthalten und die Handlung wenig voranbringen.
Zusammen mit Umberto Ecos Hang zu Monologen und Aufzählungen, die zum Teil ungelogen eine halbe Seite lang sind (teilweise in einem einzigen Satz), und seitenlangen Beschreibungen von Gefühlen, Träumen und Gebäuden (Einmal wird beispielsweise eine Kirche über sieben Seiten hinweg beschrieben) sorgte all das schnell dafür, dass ich die Urteile vieler, die das Buch als langweilig empfanden, nachvollziehen konnte. Zumal ich mich weder für das Mittelalter noch die katholische Kirche zu dieser Zeit sonderlich erwärmen kann und mich nicht gut mit diesen Themen auskenne, sodass es mir zum Teil schwer fiel zu folgen.

Zusätzlich wird das Lesen erschwert durch eine Vielzahl an Fachbegriffen und eine Menge lateinischer Begriffe, Sätze und Zitate, die zwar alle im Anhang erklärt werden, die ich aber irgendwann einfach übersprang, da es mir zu viel Aufwand war, ständig nach hinten zu blättern, nur um weitere kirchenspezifische Ansichten zu verstehen.
Oft war für mich nicht erkennbar, wieso Eco an diesen Stellen Latein verwendete (teilweise wurden normale, gesprochen Sätze zur Hälfte in Latein geschrieben - bei reinen Zitaten hätte ich es ja noch verstanden) und wieso er es nicht wenigstens mit Fußnoten übersetzen konnte, da es sich oft nur um wenige Wörter handelt und dies viel weniger Aufwand beim Lesen gewesen wäre.

Ebenfalls nicht erschlossen hat sich mir das Vorwort, in dem Eco die (vermutlich fiktive) Geschichte erzählt, wie er die angeblichen Original-Notizen von Adson von Melk (des Erzählers) gefunden und übersetzt hat. Der Prolog handelt von vielen Schwierigkeiten, die ihm auf der Suche nach Informationem über Adson und seine Erlebnisse begegneten, tut aber zur eigentlichen Geschichte absolut nichts zur Sache und wirkt vor allem deshalb so sinnlos, da die gesamte Geschichte und die meisten beteiligten Personen ohnehin fiktiv sind. Im Vorwort so zu tun, als handele es sich um ein Sachbuch, erschien mir daher unnötig.

Doch obwohl ich stellenweise sehr mit den Längen des Romans zu kämpfen hatte, konnte er mich in anderer Hinsicht doch faszinieren.
Zum einen gibt Eco durch sein fundiertes Fachwissen einen spannenden, teils schockierenden Einblick in das Leben im Mittelalter, insbesondere in Kirchenkreisen. Man erfährt einiges über die grausame Inquisition, die Diskrimierung und Vorurteile, die Frauen (insbesondere in der Kirche) erfuhren, und den Kampf von Wissenschaft und Vernunft gegen die strikten Regeln der Kirche und den unerschütterlichen Glauben, dass Gottes Wege unergründlich seien.

Zum anderen entwickelt sich neben der politischen Handlung auch eine Art Krimi, denn obwohl William wegen eines politischen Auftrags die Abtei aufsucht, wird er dort sofort beauftragt, einen Mord zu untersuchen, der dem Ruf der Abtei in besagten politischen Angelegenheiten schaden könnten. Bald bleibt es nicht nur bei einem Mord und William und Adson decken nach und nach verschiedene, Zusammenhänge auf, die die Leben und Geheimnisse diverser Mönche zu betreffen scheinen. Bis zum letzten Kapitel wird man gekonnt im Dunkeln gelassen und kann lediglich miträtseln und ein paar eigene Schlüsse ziehen, auch wenn ich auf die Auflösung am Ende selbst nie gekommen wäre.
Am Ende ergeben all die Morde und Geheimnisse ein dichtes aber sinnvolles Netz. Der letztendliche Auslöser, der am Ende aufgedeckt wird, kam mir dann aber doch ein wenig zu unbedeutend vor, als dass dafür so viel Aufwand betrieben und gemordet werden müsste.

Die Figur des William von Baskerville, Adsons Mentor und zweite Hauptfigur des Romans, war es jedoch, was das Buch trotz der Längen teilweise zu einem wahren Vergnügen für mich machte.
Der Name Baskerville könnte gut eine Anspielung auf Arthur Conan Doyles Sherlock-Holmes-Geschichten sein, denn William besitzt eine ähnliche Kombinationsgabe und einen gewissen Charme des verschrobenen Genies.
Der ehemalige Inquisitor ist seiner Zeit in seinen Ansichten zum Teil weit voraus und wirkt in seinem Gebrauch von Vernunft und seinem Glauben an die Wissenschaft höchst modern - ein spannendes Beispiel dafür, wie sich Glaube und Wissenschaft verbinden lassen.
Zudem ist William frech, schlagfertig und gut darin, die Logik anderer zu verdrehen, was unter anderem für sehr witzige Dialoge mit den sonst oft so humorlosen Kirchenmännern sorgt.


Fazit

"Der Name der Rose" ist definitiv ein Buch, auf das man sich einlassen muss, denn es enthält eine Menge, teils in lange Absätze und Monologe verpackte, Informationen über die Politik und Kirche des Mittelalters und sein Tempo leidet unter der Vorliebe des Autors für ewig lange Aufzählungen und lateinische Zitate.
Man lernt jedoch auch viele interessante, teils schockierende Dinge über die Zeit, in der der Roman spielt, und kann miträtseln bei einer verworrenen und spannenden Krimihandlung. Zudem ist William von Baskerville, eine der Hauptfiguren, überaus sympathisch, humorvoll und angenehm vernünftig und von seinen Ansichten her modern im Vergleich zu vielen seiner Kollegen.
Ich vergebe 3,5 Sterne.

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

Das Schwert des Sommers

Rick Riordan , Gabriele Haefs , Nicolás Artajo
Audio CD
Erschienen bei Silberfisch, 28.07.2016
ISBN 9783867422857
Genre: Jugendbuch

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5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Studi-Survival-Guide

Martin Krengel
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Uni-Edition, 01.08.2010
ISBN 9783937151793
Genre: Sachbücher

Rezension:


Inhalt

Martin Krengel hat mit dem "Studi-Survival-Guide" das Buch geschrieben, das er in seinem Studium selbst gerne gehabt hätte. Er befasst sich in 12 Kapiteln mit verschiedenen Aspekten des Studierendenlebens und Tipps, wie man diese möglichst effizient und zielführend gestalten kann. Die Frage nach den eigenen Zielen, die richtige Zeitplanung (sowohl lang- als auch kurzfristig) und auch die physische Ordnung am Arbeitsplatz sind zum Beispiel Themen des Buches.


Meinung

Wenn Martin Krengel beschreibt, wie überfordert er selbst zu Beginn seines Studiums war, kann das fast schon beruhigend wirken und sein Buch wie die potentielle Erlösung für alle neuen und verlorenen Studierenden wirken lassen. Nach eigenen Aussagen kam dem Autor sein Studium am Anfang schrecklich schwer vor, er hatte Zweifel an seiner Studienfachwahl und das Gefühl, all seine Kommiliton*innen wären organisierter und erfolgreicher als er.
Da Krengel jedoch auch nicht müde wird, seine mittlerweile zahlreichen Erfolge zu betonen, erfährt man also auch schnell, dass er scheinbar die Lösung für all diese Probleme gefunden hat.
Probleme, die ich selbst habe, weshalb das Buch ideal für mich wirkte.

Bücher über Zeitmanagement gibt es viele, doch ein Buch, das speziell auf die Organisation des Unilebens zugeschnitten ist, erscheint mir noch um einiges nützlicher. Martin Krengel überträgt hier nützliche Prinzipien geschickt auf den Unikontext, sodass man sich als Student*in besser vorstellen kann, wie man die Tipps und Tricks speziell für die eigenen Bedürfnisse anwenden kann. Neben eigenen Erfahrungen greift er auf bewährte Techniken anderer wie zB die Eisenhower-Matrix zurück, die er aber basierend auf seinen eigenen Erfahrungen genau an studentische Bedürfnisse anpasst. Auch gibt er für die einzelnen Strategien Beispiele aus seinem Leben oder teilt die Erfahrungen von Freunden und Bekannten mit seinen Leser*innen, was die Tipps gleich glaubwürdiger und nützlicher erscheinen lässt.

Strukturiert ist das Buch in mehrere große Oberabschnitte, die sich je einem Thema widmen, und insgesamt 12 Kapitel, die die Oberthemen noch einmal sinnvoll unterteilen. Innerhalb der Kapitel verweist Krengel bei bestimmten Begriffen oder Techniken auch auf andere Kapitel. Auf diese Weise kann man das Buch entweder am Stück lesen oder als Nachschlagewerk für bestimmte "Baustellen" verwenden. Krengel selbst schlägt vor, sich ein Jahr Zeit zu nehmen und die Kapitel des Buches Stück für Stück durchzuarbeiten, und hat dafür am Ende des Buches auch einen beispielhaften Plan, das "Survival-Diplom" erstellt.

Das Design des Buches ist auf den ersten Blick vielleicht überraschend grün (Denn Grün ist nicht nur die Akzentfarbe sondern häufig auch die Hintergrundfarbe für zB Infokästen.), aber sehr übersichtlich und gut sortiert, mit kleinen Zeichnungen, Grafiken und Tabellen. Neben dem eigentlichen Input gibt es immer wieder kleine Texte aus Krengels eigenen Erfahrungen (durch kursive Schrift gekennzeichnet) und Übungen und Fragen, mit denen die Leser*innen ihr eigenes Verhalten reflektieren und ihre "Baustellen" identifizieren können.

Nicht alle Tipps und Übungen kamen mir gleich sinnvoll und nützlich vor, aber im Großen und Ganzen konnte ich einige gute Tipps und Pläne aus dem "Studi-Survival-Guide" mitnehmen, die ich mir vorgenommen habe in den nächsten Monaten einmal strukturiert umzusetzen.

Doch nicht immer war das Buch ganz so auf den Punkt, wie ich es mir gewünscht hätte. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass Martin Krengel viel um dem heißen Brei herumredet und Floskeln und unpassende Vergleiche anbringt, statt wirkliche Lösungen zu liefern. Manchmal hätte ich mir auch konkretere Beispiele, gerne auch auf ein spezielles Studienfach bezogen, gewünscht, die dann eventuell nützlicher gewesen wären als allgemeinere, unkonkrete. Einige Beispiele aus seinem eigenen Studentenleben enthielten für meinen Geschmack auch recht wenig Substanz für das Buch und wirkten mehr wie eine Selbstdarstellung.
Auch hätten in einer der späteren Auflagen Schreibfehler und Fehler im Design beim erneuten Lektorat korrigiert werden können, auch wenn das natürlich beim Lesen kaum stört.


Fazit

"Der Studi-Survival-Guide" ist ein absolut nützliches Buch für alle, die mit der Organisation und den Herausforderungen im Studium erstmal überfordert sind. Hier werden Techniken zum Setzen realistischer aber ambitionierter Ziele, Zeitmanagementtechniken und Tipps fürs Durchhaltevermögen vereint, gespickt mit den eigenen Erfahrungen des Autors und anderen (ehemaligen) Studierenden. Manchmal wird für meinen Geschmack zu viel um den heißem Brei herumgeredet und mit unpassenden Vergleichen gearbeitet. Von mir gibt es 4 Sterne.

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