Laberladen

Laberladens Bibliothek

46 Bücher, 45 Rezensionen

Zu Laberladens Profil
Filtern nach
46 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(132)

195 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 119 Rezensionen

thriller, serienkiller, berlin, spannung, psychopath

Targa - Der Moment, bevor du stirbst

B. C. Schiller
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Penguin, 10.07.2017
ISBN 9783328101512
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auf zwei Sterne wollte ich dann doch nicht rungtergehen, aber das Gesamturteil ist schon in der unteren Region der Drei-Sterne-Wertung angesiedelt.

Darum geht’s:

Die Polizei ist sich ziemlich sicher, dass Falk Sandmann mehrere Frauen auf dem Gewissen hat, doch man kann ihm nichts nachweisen. Die letzte Möglichkeit ist, Targa Hendricks einzusetzen, die sich in Falks Nähe begibt und ihn glauben lässt, sie könne so skrupellos morden wie er. Kann sie den Psychopathen überzeugen, dass sie auf seiner Seite ist und er gefahrlos die Maske fallen lassen kann?

So fand ich’s:

Die beiden Kontrahenten sind uns von Anfang an bekannt. Targa Hendricks ist Undercover-Ermittlerin und dass Falk Sandman der Frauenmörder ist, wissen wir auch sicher – wir begleiten ihn bei seinen Morden. Sogar sein Motiv liegt von vorne herein auf der Hand, denn er betreibt einen Blog, auf dem er die letzten Worte Sterbender verewigt und er scheint besessen von dem Augenblick des Sterbens zu sein.

Dieser Thriller lebt also nicht wie die meisten anderen davon, herauszufinden, wer der Mörder ist und was ihn zu seinen Taten bewegt, sondern die Inhaltsangabe verspricht ein Psychoduell darum, ob Targa die eiskalte Killerin glaubhaft vorspielen kann oder ob Falk sie durchschaut. Ich habe mir ein gegenseitiges Abtasten, Versteckspiele, Taktieren und Schauspieleinlagen erhofft, aber nicht in dem Ausmaß bekommen, wie ich mir das vorgestellt habe.

Leider konnte ich niemals die Distanz zur Erzählung überbrücken. Die Schilderungen packten mich zu keiner Zeit emotional. Ich habe nur mäßig neugierig weitergelesen in der Hoffnung, dass sich das doch noch ändert.

Für meinen Geschmack erzählt das Buch auf eine viel zu nüchterne und distanzerte Weise über schlimme Dinge. Es handelt von einem besessenen Mann und einer Frau, die ihre innere Mitte noch nicht gefunden hat. Dabei versucht uns das Buch einzureden, diese Personen wären emotionslos, doch sie sind es nicht, nur die Erzählung über sie ist es. Sandman ist gefangen in seiner fixen Idee, die letzten Worte Sterbender hören und dokumentieren zu müssen, wobei ich das einfach mal als Tatsache hinnehmen musste, denn es wurde mir nicht nahegebracht, wie es zu dieser merkwürdigen Fixierung kam. Targa ist verbissen, traurig, irritiert, liebt ihren Hund, ihren Freund und dessen Sohn und ist voller Rachegelüste, aber nicht im Entferntesten enotionslos. Dieses Buch kokettiert zwar damit, dass Targa keine Emotionen empfinden könnte, doch auch wenn mir das regelmäßig erzählt wurde, konnte ich es an ihr nicht feststellen, es bestätigt sich in Targas Verhalten und Gedanken überhaupt nicht. Sowohl Sandman als auch Targa blieben mir fremd und damit wurden die Möglichkeiten, die sich durch die an und für sich spannende Auswahl der Haupt-Charaktere eröffneten, in meinen Augen verschenkt.

Und am Ende bleiben wir auch etwas ratlos mit einem Cliffhanger, offenem Mund und den Schlussworten „Fortsetzung folgt“ zurück.

Insgesamt fand ich die Story zu lauwarm, zu konstruiert und nicht packend genug erzählt. Die Figuren waren zwar exotisch, aber die Charaktere waren für mich nicht greifbar, schlüssig und nachvollziehbar, deshalb blieb eine emotionale Distanz zum Buch. So ganz hat mich der Start in eine neue Serie trotz routinierten Schreibstils nicht überzeugt.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

DNA

Yrsa Sigurdardottir , Anika Wolff
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei btb, 09.10.2017
ISBN 9783442715756
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darum geht’s:

Eine junge Mutter wird in ihrem eigenen Haus zu Tode gefoltert, die kleine Tochter bleibt unterm Bett unentdeckt. Eine Nachricht des Täters, die nur aus Zahlen besteht, können die Polizisten nicht entschlüsseln. Umso wichtiger ist, was das Kind gesehen hat. Als das Mädchen unter Aufsicht der Psychologin Freyja befragt werden soll, erlebt Kommissar Huldar eine unangenehme Überraschung, denn er kennt die Psychologin schon – er hat sich nach einem One Night Stand heimlich aus ihrem Schlafzimmer geschlichen und nie wieder gemeldet, nachdem er ihr eine falsche Identität vorgelogen hatte. Nun muss er mit ihr zusammenarbeiten.

So fand ich’s:

Ein actiongeladener Thriller mit hohem Tempo und Helden a la James Bond ist „DNA“ nun wirklich nicht. Dafür sind die beiden Hauptpersonen, der Polizist Huldar und die Psychologin Freyja, auch gar nicht geeignet. Huldar ist eher Ermittler-Nachwuchs, der nur dadurch in die erste Reihe gespült wurde, weil die erfahreneren Kollegen in Misskredit geraten sind. Da er noch nie eine Mordermittlung geleitet hat, ist seine Weste weiß, aber die Verantwortung ist neu für ihn und er muss sich erst in die Rolle hineinfinden. Freyja hat sich erst kürzlich von ihrem Lebensgefährten getrennt und hütet erst einmal Wohnung und den Hund ihres Bruders, so lange er im Gefängnis ist. Ihren Platz im Leben scheint sie noch nicht gefunden zu haben, allerdings wirkt sie in ihrem Job sehr engagiert und kompetent. Und zwischen den beiden Protagonisten hängt dieser One Night Stand, bei dem Huldar eine falsche Identität vorgegeben hat und sich Freija mehr erhoffte, immer noch in der Luft.

Die Autorin schafft es, die handelnden Personen lebendig werden zu lassen, nicht nur in dem, was sie tun, sondern auch ihr Gefühlsleben wird nachvollziehbar und greifbar gemacht. Das führt zu einem eher ruhigen Erzählton, aber ihre sehr genaue Beobachtung der Menschen und ihre Fähigkeit, sie alle individuell und allzu menschlich vor dem inneren Auge der Leser erscheinen zu lassen, hat mir sehr gut gefallen. Für manche Fans von eher actionreicheren Thrillern mag besonders der erste Teil vielleicht etwas zu ruhig sein, doch mich hat die Geschichte mit den menschlichen Aspekten richtig gut unterhalten. Und im Laufe der Erzählung zieht die Spannung auch weiter an.

Das Thema Eltern / Kinder taucht in Varianten immer wieder im Buch auf und mehr als eine Person erzählt ihre Familiengeschichte, die selten genug harmonisch perfekt verlaufen ist.

Die Morde sind grausam und skurril, aber nicht blutig. Man tappt lange im Dunkeln und obwohl ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wie die Personen wohl zusammenhängen, wer der Täter ist und was ihn motiviert, bin ich nicht annähernd drauf gekommen. Die Auflösung hat mir vor Überraschung den Mund offen stehen lassen, weil ich damit nun wirklich nicht gerechnet hatte, obwohl sie schlüssig und auch glaubwürdig war.

Ganz besonders hat mir gefallen, wie deutlich man merkte, dass das Buch in Island spielt. Die Besonderheiten einer so kleinen Gemeinschaft, die insgesamt nur aus ca. 340.000 Menschen besteht und in der man üblicher Weise mit dem Vornamen auskommt, wurden immer wieder eingestreut und erzeugten eine besondere Atmosphäre.

Der nächster Band „Sog“ erscheint am 18. September und auch diesen zweiten gemeinsamen Fall für Huldar und Freija werde ich sicher schnellstens lesen, denn sowohl die beiden Personen als auch die Art und Weise, wie die Autorin sie lebendig werden lässt und einen packen kann, hat mich komplett überzeugt.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(51)

109 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

amisch, painters mill, linda castillo, new york, undercover

Böse Seelen

Linda Castillo , Helga Augustin
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 27.07.2017
ISBN 9783596298013
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darum geht’s:

Ein junges Mädchen wird erfroren im Wald gefunden. Sie war Amish und sowohl ihre Familie als auch die ganze Gemeinde hat der „englischen“ Polizei nichts zu sagen, denn wie üblich vertrauen sie der Gerichtsbarkeit außerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft nicht. Polizeichefin Kate Burkholder wird gebeten, sich under cover in die Amishgemeinde einzuschleichen, um mehr herauszufinden. Denn sie als ehemalige Amish kennt sich mit den Sitten und Gebräuchen aus und wird hoffentlich genug Vertrauen aufbauen, um jemanden zum reden zu bringen.

So fand ich’s:

In diesem Band spielen die Kollegen von Kate, die Bewohner von Painters Mill und Umgebung und auch ihr Freund John Tomasetti so gut wie keine Rolle. Kate ist ganz auf sich alleine gestellt, einige hundert Kilometer von ihrer Heimat entfernt und in einen Fall verwickelt, der zusehends brisanter wird.

Der Bischof der Gemeinde steht im Ruf, nicht besonders modern und nachsichtig zu sein, sondern ein strenges Regime zu führen. Auf das vermeintlich neue Gemeindemitglied Kate macht er einen charismatischen Eindruck und auch die anderen Bewohner des Ortes scheinen große Stücke auf ihn zu halten.

Während Kate versucht, hinter die Kulissen zu schauen, lebt sie das Leben einer amishen Witwe. Kindheitserinnerungen kommen zurück und sie beginnt, sich in der liebevollen Gemeinschaft der Amish wohlzufühlen. Dieser Aspekt hat mir sehr gut gefallen, denn er zeigt sehr gut das Zusammenleben in der Amish-Gemeinde. Doch die wohlwollende Freundlichkeit existiert nur an der Oberfläche. Sehr schnell bekommt man ein mulmiges Gefühl, denn viele Leute scheinen etwas zu verbergen und nicht frei reden zu wollen, nicht einmal in der vermeintlich sicheren Umgebung ihrer Gemeinde.

„Böse Seelen“ hat mich relativ schnell gepackt und mit der ungewöhnlichen under cover-Situation und der geheimnisvollen Spannung richtig mitgerissen. Natürlich legt Kate auch in diesem Band ihr grenzenloses Selbstvertrauen nicht ab und begibt sich alleine in grenzwertige Situationen. Dass sie aus den Erfahrungen früherer Bände nichts lernt, liegt einfach daran, dass diese Eigenschaft zwingend zu ihrem Charakter gehört und inzwischen habe ich mich damit angefreundet, dass man sie nicht zurückhalten kann, auch wenn es dumm ist, immer mitten ins Geschehen zu rennen. Für die Leser ist das natürlich sehr spannend zu lesen. Außerdem gab es ein paar Überraschungen, mit denen ich so nicht gerechnet hatte.

Wunderbar spannende Unterhaltung und eine klasse Fortsetzung einer meiner Lieblingsreihen. Nun heißt es warten auf Episode Nummer 9.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(22)

78 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

schweden, segelcamp, krimi, mobbing, prozess

Mörderisches Ufer

Viveca Sten , Dagmar Lendt
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 06.04.2017
ISBN 9783462047370
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darum geht’s:

Es ist Urlaubszeit und der 11jährige Benjamin Dufva wird von seinem Vater ins Segelcamp geschickt. Dort hat er aber nicht besonders viel Spaß, denn er gehört zu den kleinsten und wird gehänselt. Als ein Mädchen aus seiner Gruppe verschwindet, wird Polizist Thomas Andreasson ins Camp geschickt, um bei der Suche zu helfen. Doch das bleibt nicht das einzige, was in diesem Sommercamp schief läuft.
Benjamins Vater hat seine eigenen Probleme. Er muss gegen seinen ehemaligen Geschäftspartner Winnermann vor Gericht aussagen, der die gemeinsame Firma in den Konkurs getrieben und auch Dufvas wirtschaftliche Existenz zerstört hat. Deshalb hat sich Dufva der Staatsanwältin Nora Linde als Hauptbelastungszeuge angeboten.

So fand ich’s:

Benjamin ist klein und ängstlich und hat nicht viel Ahnung vom Segeln. Deshalb kommt für ihn der Spaß am Sommercamp auch zu kurz. Im Gegenteil, er wird zum perfekten Opfer jugendlicher Mobber, denn Isak, der zuständige Betreuer, kämpft mit seinen eigenen Problemen und bemerkt nicht, wie es um Benjamin steht. Zudem treibt sich noch ein erwachsener Segler in der Gegend herum, der Ausschau hält nach Kindern, denen er sich unbemerkt nähern kann.

Die Atmosphäre im Segelcamp fand ich greifbar und sehr realistisch beschrieben. Auch die Gruppendynamik zwischen den Kindern, die Tonangeber, die Wegschauer und die Mitläufer und ganz besonders die beiden Jugendlichen, die den schüchternen Benjamin ständig piesacken, sind mitten aus dem Leben gegriffen. Dabei gibt es keinen ausgesprochenen Bösewicht, sondern nur junge Menschen mit ihren vielen Facetten, Stärken und auch Unzulänglichkeiten. Besonders dieser Handlungsstrang sorgt für eine nachdenkliche und manchmal bedrückende Stimmung.

Aber auch die Erwachsenen haben keinen entspannten Sommer. Benjamins Vater Christian und sein ehemaliger Geschäftspartner und bester Freund hassen sich inzwischen abgrundtief, denn Niklas Winnermann hat eine riesige Geldsumme unterschlagen und damit ihre Firma in den Ruin getrieben. Gerade jetzt startet die Gerichtsverhandlung, in der sich Nora als Staatsanwältin profilieren und für eine Beförderung empfehlen soll. Die Szenen aus dem Gerichtssaal haben mir sehr gut gefallen, denn sie zeigen Nora bei ihrer spannenden Arbeit und gerade dieser Fall ist verzwickter als man auf den ersten Blick glaubt.

Polizist Thomas Andreasson übernimmt die Suche nach Benjamin. Dass ein Kind verschwunden ist, lässt ihn sich ganz besonders engagieren. Auch wenn es privat mit seiner Frau Pernilla im Moment nicht besonders harmonisch läuft, bereut er offensichtlich nicht, wieder in den Polizeidienst zurückgekehrt zu sein, denn diese Arbeit hält er für wichtig und macht sie mit ganzem Herzen.

Auf 451 Seiten verteilen sich 144 kurze Kapitel. Entsprechend oft schwenkt die Erzählperspektive zwischen den Hauptakteuren hin und her. Gestört hat mich das nicht, im Gegenteil, denn wir bekommen gleichzeitig die verschiedenen Handlungsstränge präsentiert, die alle gleich wichtig sind und zwingend zusammen gehören. Von anfangs gemächlicher Sommeratmospähre kurz vor Mittsommer spitzt sich die Spannung sowohl auf der Seglerinsel als auch im Gerichtsverfahren allmählich immer mehr zu und ehe man sich versieht, ist man gefangen von der Geschichte.

Besonders der menschliche Faktor hat hier großes Gewicht. Es gibt keinen übermächtigen, allwissenden Bösewicht, sondern nur Menschen, die sich allzu menschlich verhalten, die Fehler machen und mit den Konsequenzen zu kämpfen haben. Und das gilt nicht nur für den Kriminalfall, sondern auch für die Geschehnisse im Privatleben der befreundeten Hauptpersonen Nora und Thomas und ebenso für die Nebencharaktere.

Und wieder schafft es Viveca Sten, die Schärengärten um Stockholm so einladend zu beschreiben, dass man sofort dorthin reisen und sich selbst einen Eindruck machen möchte. In diese malerische Inselwelt wird eine vielschichtige Geschichte aus Verbrechen und menschlichen Schwächen gesetzt, untermalt vom ebenso wichtigen Privatleben der Hauptpersonen Nora und Thomas, die wieder einmal genau meinen Lesegeschmack getroffen hat.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

leo tops aries, erotik, short story, m/m, leo loves aries

Leo Tops Aries

Anyta Sunday
E-Buch Text: 27 Seiten
Erschienen bei null, 22.12.2016
ISBN B01NBNNI67
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Leo loves Aries“ hat mich komplett überzeugt und prima unterhalten und wem die sexuelle Spannung wegen Theos langer Ahnungslosigkeit zu kurz kommt, der kann sich über die kostenlose Kurzgeschichte „Leo Tops Aries“ freuen, die vor sexueller Spannung nur so sprüht.

  (2)
Tags: anyta sunday, leo loves aries, leo tops aries   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

lgbtqia, anyta suna, young adult, reihenauftakt, m/m

Leo Loves Aries

Anyta Sunday
E-Buch Text: 278 Seiten
Erschienen bei Anyta Sunday, 04.12.2016
ISBN 9783000550430
Genre: Sonstiges

Rezension:

Darum geht’s:

Theo und seine blinde Zwillingsschwester Leone wohnen zusammen. Und sie befinden sich auch der gleichen Situation, denn sie wurden beide von ihren Partnern verlassen, weil die sich ausgerechnet ineinander verliebt haben. Ihre Mutter schickt ihnen regelmäßig das Horoskop für ihr Sternzeichen Löwe. Das kündigt eine neue Person in ihrem Leben an und möglicherweise eine wunderbare neue Freundschaft. Also fassen sie den Entschluss, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, nach vorne zu schauen und für die Hochzeit ihrer beiden ehemaligen Partner neue eigene Dates zu finden.

So fand ich’s:

Die erste Person, die neu in das Leben der Zwillinge tritt, ist Jamie. Theos Tutor in Wirtschaftswissenschaften aus dem letzten Semster soll ihm auch dieses Jahr helfen und als sich zufällig herausstellt, dass Jamie ein Zimmer sucht und die Zwillinge eines zu vergeben haben, sind sie sich schnell einig.

Theo erzählt uns diese Geschichte und ich mochte ihn von Anfang an. Er hat einen respektlosen Humor und lässt viele Dinge schleifen, aber für seine blinde Schwester Leone tut er alles. Er liebt es, sich mit Jamie zu kabbeln, der gut dagegenhalten kann. In Theos Vorstellung wird aus Jamie und Leone ein Paar und er und Jamie werden beste Freunde.

Jamie ist  zielstrebig und gut organisiert. Er scheint alles zu können und jede Menge Prinzipien zu haben, und doch steigt er regelmäßig auf Theos Neckereien ein und offenbart viel Humor, was ihn nicht ganz so verbissen wirken lässt. Außerdem ist er fürsorglich und rücksichtsvoll und nimmt Theos Macken gelassen hin. Er war eindeutig mein Lieblingscharakter in dieser Erzählung.

Diese Liebesgeschichte köchelt auf ganz kleiner Flamme sehr lange vor sich hin, ohne dass es einem langweilig wird. Ganz behutsam aber zielstrebig schleicht sich Jamie in Theos Herz. Zuerst als jemand mit dem man sich gegenseitig aufziehen kann, dann als guter Freund und irgendwann, nach ganz langer Zeit, merkt Theo und letztlich auch der Leser, dass da die ganze Zeit schon was anderes war. Obwohl die beiden zusammen wohnen und eigentlich Leone nicht sehen kann, ist Theo der Blindeste in der ganzen Geschichte, weil er viele Dinge nicht wahrnimmt. Bisher hat er sich nur für Frauen interssiert und deshalb erklärt er sich seine Reaktionen auf Jamie immer irgendwie anders – oder ignoriert sie gleich ganz. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – kommt die Entwicklung zu Jamie hin glaubhaft rüber, denn sie braucht ihre Zeit.

Leone hat einen großen Part an der Geschichte und ist ebenso liebenswert wie Theo und Jamie. Ganz nebenbei bekommen wir mit, wie sie darum kämpft, auch ohne Augenlicht selbständig zu bleiben. Sie meistert ihr Leben hervorragend und mit viel Herz und sensibler Wahrnehmung. Und natürlich kümmert sie sich auch um ihr eigenes Happy End.

Ich mochte die Personen, ich mochte den Erzählton mit Humor und doch viel Gefühl, und ich mochte die realistische Handlung aus dem Leben ganz normaler Menschen, die mich doch die ganze Zeit bei der Stange gehalten hat. Zusätzlich gefielen mir die liebevollen Details wie z. B. die Kapitelanfänge mit einer tollen Grafik und einem Zitat von einer der Personen aus dem Roman.

„Leo loves Aries“ hat mich komplett überzeugt und prima unterhalten und wem die sexuelle Spannung wegen Theos langer Ahnungslosigkeit zu kurz kommt, der kann sich über die kostenlose Kurzgeschichte „Leo Tops Aries“ freuen, die vor sexueller Spannung nur so sprüht.

  (0)
Tags: anyta suna   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(169)

294 Bibliotheken, 23 Leser, 0 Gruppen, 128 Rezensionen

thriller, jonas winner, murder park, vergnügungspark, freizeitpark

Murder Park

Jonas Winner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2017
ISBN 9783453421769
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darum geht’s:

Nachdem dort drei Frauen ermordet wurden, ist der Vergnügungspark auf Zodiac Island vor 20 Jahren geschlossen worden. Nun soll er wieder eröffnet werden und ausgewählte Personen dürfen zu einem Pressewochenende vorab auf die Insel, um den neu konzipierten „Murder Park“ kennenzulernen. Aber wieder scheint einiges schief zu laufen – und dann gibt es einen Toten. Da die Telefone im Sturm ausgefallen sind und die Fähre erst am Montag wieder die Insel anläuft, sind die Besucher für das Wochenende auf sich alleine gestellt, mitten unter ihnen ein Mörder.

So fand ich’s:

Selten ist mir die Bewertung eines Buches so schwer gefallen wie in diesem Fall. Es gab Dinge, die mir gut gefallen haben, anderes hat mich gestört und das Buch war auch nicht so, wie ich es erwartet habe. Dieser Mix löst sich nur schwer in ein griffiges Fazit auf. Deshalb betrachte ich mir am besten die einzelnen Komponenten.

Der Erzähler Paul
Der Journalist Paul Greenblatt erzählt uns aus seiner Sicht die aktuellen Geschehnisse auf der Insel. Er scheint mutig, intelligent und ein guter Beobachter – und damit ein perfekter Erzähler – zu sein, aber trotzdem konnte ich mir manche Dinge, die er erlebt oder die Umgebung, in der eine Szene spielt, oft nur sehr schlecht bildlich vorstellen. Außerdem hat Paul Charakterzüge, die ihn nicht durchweg sympathisch machen.

Aktuelle Ereignisse und Gesprächsaufzeichnungen
Abwechselnd zu den Episoden auf der Insel sind Interviews des Psychiaters Sheldon Lazarus mit allen Teilnehmern dieses Wochenendtrips eingestreut. Diese Kombination aus Handlung im Jetzt und näheres Kennenlernen einer einzelnen Person durch die Interviews fand ich eigentlich eine tolle Idee. Denn was wir in den Interviews erfahren, ist wichtig und lässt das, was im Murder Park aktuell passiert, teilweise in ganz neuem Licht erscheinen. Nur führten die eher trockenen Gesprächsaufzeichnungen zu Unterbrechung der Handlung auf der Insel und damit zu keiner Steigerung der Spannung, sondern ließen sie eher sinken.

Kennenlernen der einzelnen Teilnehmer
Die 12 Personen, die das Wochenende im halb fertigen neuen Vergnügungsresort verbringen, treffen alle ziemlich gleichzeitig aufeinander und auch auf den Leser. Sie werden nur kurz vorgestellt, denn wesentlich mehr Informationen bekommen wir in den einzelnen Interviews. Dass erst im Laufe der Erzählung wichtige Zusammenhänge sichtbar werden, ergibt so machen Aha-Effekt. Weil die Interviews aber erst nach und nach eingestreut waren, fiel es mir lange schwer, manchen Namen einen Charakter zuzuordnen. Ich musste regelmäßig zum Personenverzeichnis am Ende des Buches blättern und das Stichwort „Hauswart“ oder „Tontechniker“ reichte zwar dann schon zur Orientierung, doch das Lesen wurde immer wieder unterbrochen, besonders wenn mehrere Personen miteinander agierten.

Viele neue Erklärungsversuche
Je nachdem, von wem wir die Dinge erfuhren, wurde vieles unterschiedlich dargestellt. Das gehörte zum Konzept der Verwirrung dazu, doch weil ich z. B. nicht einmal festnageln konnte, was dieser neu errichtete Themenpark bezwecken sollte, war das eher frustrierend. Eine gruselig/historische Aufarbeitung der Verbrechen Jeff Bohners? Kulisse für einen skurrilen Themen-Freizeitpark? Ein Krimi-Spiel auf einer einsamen Insel? Action-Partnerbörse für abenteuerlustige Singles? Aufarbeitung der Vergangenheit? Alles zusammen? Nichts davon? Jede dieser Ideen wäre für sich schon alleine ausreichend gewesen, doch weil sie alle im Raum standen, war das Ganze für mich überladen und wirkte tatsächlich ein bisschen unausgegoren.

Andere Erwartungen
Ich hatte eine gewisse Vorstellung davon, wie die Ereignisse auf der Insel ablaufen würden, die nur teilweise erfüllt wurde. Statt der erwarteten actionreichen Versteckspiele und Verfolgungsjagden bekam ich eher grüblerische Überlegungen, zwar schon gespickt mit überraschender Handlung, aber bei weitem nicht in dem Ausmaß, das ich erwartet hatte. Die früheren Erlebnisse der einzelnen Teilnehmer schienen eine weit größere Rolle zu spielen als das, was im Murder Park gegenwärtig passiert, denn das war für meinen Geschmack manchmal schon recht knapp gefasst oder zu bedächtig erzählt. Die Vergangenheit hatte zwar mehr zu bieten, als man ursprünglich glaubte, denn jeder brachte so seine Geheimnisse mit auf die Insel, aber die Aufdeckung passierte für meinen Geschmack zu unspektakulär.

Die Frage danach, wer auf der Insel des Murder Park die neuen Morde begeht und aus welchem Grund und die Art und Weise, wie die Story langsam aufgerollt wurde, hat mich insgesamt aber doch gut unterhalten.

Die Auflösung
Und schließlich konnte mich das Ende trotz ausführlicher (und schon fast ein bisschen zu langatmiger) Erläuterung nicht überzeugen. Zwar wurde alles aufgelöst und begründet, die Motivation der Personen war für mich aber nicht unbedingt nachvollziehbar. Und genau hingeschaut blieben auch ein paar Zufälle zuviel übrig, z. B. wie die Zusammensetzung des Teilnehmerkreises so perfekt passte (ohne zu spoilern kann ich hier leider nicht mehr erklären).

Nun doch ein Fazit
Die Idee hinter dem Buch gefiel mir sehr gut, genauso wie der Aufbau, neben einer aktuellen Handlung auch wichtige Hintergundinformationen für den Leser in Form von Interviws einzusteuen. Auch wenn ich mehr Action und Katz- und Maus-Spiel erwartet hätte, war die Geschichte solide erzählt und rätselhaft genug, um dranzubleiben. Leider ist bei mir der Funke nicht wirklich übergesprungen und das Buch hat es nicht geschafft, mich über schön lesbare Unterhaltung hinaus wirklich zu packen und zu faszinieren.

  (2)
Tags: jonas winner, murder par   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

serie, schwul, schrott, new york, liebe

Wenn Dich der Falsche richtig liebt

Annette Czerny
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 14.06.2013
ISBN 9783732247608
Genre: Romane

Rezension:

Darum geht’s:

Alice ist PR-Agentin in Berlin. Als ihre beste Freundin Jenny sie heimlich zum Casting für eine US-Serie anmeldet, wird ihr Kindheitstraum wahr, denn sie bekommt die Rolle und zieht nach New York. Schon aus der Ferne hat sie für Neal Black, den Star der Serie, geschwärmt und aus der Nähe sieht er noch besser aus und ist noch charmanter. Leider halten sich hartnäckig die Gerüchte, er wäre schwul und hätte kein Interesse an der Damenwelt.

So fand ich’s:

Ich nehme mal gleich das Fazit vorweg: Ich war entsetzt und enttäuscht darüber, was ich für mein Geld bekommen habe – und weil ich das Gefühl hatte, die Autorin hat dieses Projekt nicht ernst genommen, habe auch ich mich öffentlich (auf Twitter unter dem Hashtag #BBFliest) darüber lustig gemacht. Meine nachfolgend geäußerte Meinung zum Buch meine ich aber durchaus ernst.

Rechtschreibung und Grammatik

Vermutlich hatte ich noch kein einziges fehlerfreies Buch in der Hand. Selbst nach mehrmaligem Lesen durch hoch qualifizierte Personen und auch in der x-ten Auflage findet sich irgendwo noch ein vergessener Buchstabe oder ein fehlendes Komma. Das ist nicht weiter schlimm und ich lebe gut damit. Wahrscheinlich kann man auch in jedem meiner Blogartikel noch Fehler finden. Es sollte jeder doch Eindruck entstanden sein, man habe sich redlich bemüht, Fehler zu vermeiden.

Bei „Wenn dich der Falsche richtig liebt!“ sieht die Sache ganz anders aus. Mir scheint, dieser Text wurde runtergetippt und veröffentlicht, ohne ihn auch nur ein zweites Mal durchzulesen. Ich fand wohl gefühlt in jedem zweiten Satz einen oder auch mal mehrere Fehler. Ich habe immer mal passagenweise in der eBook-Version die Fehler gezählt und dann hochgerechnet und kam auf eine Zahl von 1.500 bis 2.000 Fehlern in diesem 194 Druckseiten dünnen Büchlein. Akzeptabel? Finde ich nicht. Wenn auf jeder der 194 Seiten nur ein Fehler gewesen wäre, dann wären das für mein Empfinden schon zu viele. So war es ein Vielfaches davon und das hat es deutlich schwieriger gemacht, den Text zu lesen. Ums mal deutlich zu sagen: Es war eine Qual.

Die Kommasetzung ist katastrophal, denn an den Stellen, an denen welche sein müssten, sind selten welche. Dafür finden sie sich völlig willkürlich an unpassenden Stellen mitten im Satz, was mich zu spontanen Lachanfällen veranlasst hat. Die Einleitung eines Nebensatzes mit einem Komma und „dass“ klappt in den wenigsten Fällen. Meistens fehlt das Komma und ein s.

Groß- und Kleinschreibung passiert scheinbar aus dem Bauch heraus. Es fehlen manchmal Worte mitten im Satz, Bezüge stimmen nicht, es wird immer mal an unpassenden Stellen aus der Vergangenheits- in die Gegenwartsform gewechselt, und es gibt Wortverwechslungen, die mich teilweise haben schallend Lachen lassen.

Übrigens wurde die große Fehlerdichte bereits 2013 in mehreren Amazon-Rezensionen kritisiert. Ich habe die Autorin angeschrieben und sie gefragt, wieso sie das in den letzten 4 Jahren nicht schon mal angepackt und behoben hat. Denn solche rein handwerklichen Fehler sind ein Ärgernis für den Leser, der schließlich gutes Geld für das Buch bezahlt hat und eine minderwertig ausgeführte Arbeit bekommt. Leider bisher ohne Antwort. Vielleicht wäre jetzt die Gelegenheit zu einer bereinigten Neuauflage?

Ausdruck und Stil

Es wird eine eher einfache Sprache verwendet, was für einen Liebesroman nicht ungewöhnlich ist. Leider ergibt das aber in Kombination mit hölzernen Formulierungen und steifen Dialogen eine Mischung, die sich nur sehr zäh und ohne großes Vergnügen lesen lässt. Ein Spiel mit Worten findet nicht statt. Die Erzählung wechselt abrupt von unnötigerweise detailverliebt zu harschen Zeitsprüngen. Insgesamt wirkt der Text nüchtern und laienhaft formuliert. Auch hier hätte eine Überarbeitung bzw. ein Lektorat gut getan. Für meinen persönlichen Geschmack zeigt die Autorin zu wenig erzählerisches Talent, um in dieser Branche bestehen zu können. Positiv hervorstechen kann sie schon gar nicht.

Die Charaktere

Die Hauptperson Alice bleibt einem die ganze Zeit über fremd. Sie hat so wenig Individualität, dass man weder Sympathie noch Abneigung entwickelt, sondern sie ist beliebig und austauschbar. Und bei den anderen Personen ist das sogar noch ausgeprägter, denn die haben noch weniger Präsenz als Alice.

Als z. B. Alice das Land verlässt, um in eine aufregende neue Zukunft zu starten, erfahren wir die Flugnummer, die Uhrzeit und mit welcher Wartezeit bei der Zwischenlandung sie nach New York kommt. Dass sie sich über das Einreiseformular von der Stewardess aufklären lässt wird ebenso erwähnt wie die Tatsache, dass 15 Einreiseschalter bei der Immigration geöffnet waren. Wie es Alice damit geht, dass sie Freundeskreis, Wohnung und ihr Heimatland für unbestimmte Zeit aufgegeben hat und mutterseelenallein in einem fremden Land künftig einen Beruf ausübt, der für sie völliges Neuland ist – tja, davon erfährt man leider nichts. Ängstlich? Unsicher? Oder rotzfrech, abenteuerlustig und voller Vorfreude? Irgendetwas dazwischen? Weiß man nicht, aber zum Glück bekommen wir folgende Info über das Rockefeller Center, in dem ihr neuer Arbeitgeber sein Büro hat:

Mal abgesehen davon, dass das Rockefeller Center sicher nicht zum zwölfthöchsten Gebäude zählt, sondern es IST, klingt das Ganze doch sehr seelenlos und verdächtig wie aus einem Reiseführer abgeschrieben.

Das Gefühlsleben von Alice bleibt insgesamt im Dunkeln und sie auf so großer Distanz zum Leser, dass man sie sofort wieder vergessen hat, sobald man das Buch zuschlägt.

Die Handlung (Vorsicht Inhalts-Spoiler)

Alice verliebt sich in Neal und er sich in sie. Fertig. Da das natürlich nicht mal ein schmales Bändchen mit weniger als 200 Seiten füllt, braucht es irgendwelche Gefahren oder Probleme, die ein Happy End der beiden zu verhindern drohen. Vorgesehen dafür ist in diesem Fall die Tatsache, dass Neal das Gerücht, er sei schwul, nie dementiert hat. Außerdem wohnt ein tatsächlich schwuler Freund in Neals Wohnung in Kalifornien, weil Neal sowieso die meiste Zeit in New York dreht. Daraus schließt Alice, dass Neal für sie nicht zu haben ist.

Freundin Jenny hat schon im Vorfeld von Deutschland aus den Verdacht, dass Neal dieses Gerücht ganz recht kommt, um die weiblichen Fans in Schach zu halten und er eigentlich gar nicht schwul ist. Neal selbst lässt einfach das Gerücht stehen, unterstützt den Eindruck, er sei schwul, aber auch aktiv überhaupt nicht. Im Gegenteil, er flirtet nach allen Regeln der Kunst mit Alice und als die beiden Gefühle für einander entwickelt haben, sagt er ihr auch ganz direkt, dass er nicht schwul ist. Doch Alice macht trotzdem Schluss und sucht sich einen anderen Begleiter, weil … ja, wieso eigentlich? Erst eine Presseerklärung und ein dramatisches Ereignis öffnen ihr die Augen. Mir leider nicht. Ich hab das ganze Drama komplett als unnötig empfunden und verstehe bis jetzt nicht, wo das Problem lag. Am Ende klärt sich auch alles in Minutenschnelle auf. Eine eigentliche Handlung gibt es nach meinem Dafürhalten nicht.

Außerdem kommt die ganze Geschichte, wie es Alice nach New York verschlägt, ebenfalls nicht besonders realistisch rüber.

Soweit ich weiß, gibt es Schauspielagenturen, die deutsche Künstler in den USA vertreten und die bei Interesse einige Kandidaten in die Staaten zum Casting reisen lassen. Dass eine US-Produktionsfirma ein völlig offenes Casting für jedermann in Berlin veranstaltet, halte ich für nicht sehr wahrscheinlich. Entweder sucht man Statisten, dann ist der Aufwand eines Auslandscastings zu groß. Oder man braucht jemanden für eine größere Rolle, dann wird man niemanden von der Straße nehmen, sondern man hat sich in Deutschland schon etablierte Schauspieler in verschiedenen Rollen angesehen und spricht die gezielt an. Alice dagegen bekommt völlig ohne Erfahrung eine Rolle, die ihr sofort einen Zweijahresvertrag bringt mit einem Gehalt, das ihr bisheriges Einkommen verdreifacht und einer 90 Quadratmeter großen Wohnung direkt am Central Park, an deren Miete die Produktionsfirma sich auch beteiligt. Dieser rosarote Kleinmädchenwunschtraum wird einem ganz platt als Tatsache serviert.

Fazit

Eine Handlung war kaum vorhanden, die Figuren hölzern und unrealistisch und weder die erzählerische Kunst noch die handwerkliche sprachliche Umsetzung haben mir gefallen. Nachdem mich kein Aspekt dieses Buches überzeugen konnte, war es für mich ein kompletter Reinfall.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

scheidung, liebe, familie, lüneburger heide, hotel

Die Herzensammlerin

Brigitte Kanitz
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 19.06.2017
ISBN 9783734102929
Genre: Liebesromane

Rezension:

Darum geht’s:

Laura betreibt ein kleines Hotel und ihr Mann Ralf ist erfolgreicher Scheidungsanwalt, deshalb haben sie das Hotel unter das Motto „Happy Scheidung“ gestellt. Doch am liebsten möchte Laura, dass alle glücklich sind und Harmonie herrscht. Deshalb schafft sie es mit ihrer sonnigen Art und ihrem Optimismus, so manches scheidungswillige Paar wieder zusammenzubringen. Bis ihre Harmonieblase platzt, als ihr Mann still und heimlich abhaut.

So fand ich’s:

Die Gästezimmer im familieneigenen Jagdschlösschen vermietet Laura an Scheidungswillige. Ihrer Schwiegermutter steht sie im Hofladen zur Seite. Oma Theodora kommt auch im hohen Alter noch auf seltsame Ideen. Lauras Schwester Nina braucht ihre finanzielle Hilfe, denn sie studiert noch. Und Lauras Teenager-Tochter Merle ist gerade in einer ganz schwierigen Phase. Und obwohl Laura wenig Zeit für ihren Mann Ralf hat, ist sie der Meinung, eine glückliche Ehe zu führen und alles um sie herum im Griff zu haben. Bis sich Ralf eines Tages ohne Abschied ins Ausland absetzt und das Lauras ganzes Weltbild ins Wanken bringt.

Wieder mal spielt sich die Handlung in der Lüneburger Heide ab und die handfesten, trinkfreudigen Heidjer blitzen auch trotz einem „von“ im Namen Oma Theodoras durch. Diese Region und ihre herzlichen, aber auch direkten Menschen spielen bei Brigitte Kanitz immer eine große Rolle und sie stellt sie so liebevoll vor, dass ich am liebsten sofort meine Koffer packen und einen Kurzurlaub in der Lüneburger Heide machen möchte. Das hat sie auch diesmal wieder geschafft.

Laura ist herzlich, fleissig und sorgt für alle, aber für sich selbst zuletzt. Das macht sie in ihrer Familie und Umgebung sehr beliebt, aber ihr eigenes Glück bleibt ein bisschen auf der Strecke. Ich fand sie oft zu geduldig und nachsichtig und sie hätte ihre eigenen Bedürfnisse gerne selbst mehr und früher in den Vordergrund stellen können. Schließlich hat sie sich etwas mehr Romantik in ihrem Leben redlich verdient. Zum Glück dauert es auch nicht lange, bis sich Verehrer für sie einfinden.

Auch wenn dieses Buch wieder mit leichter Hand geschrieben scheint und locker erzählt wird, gibt es doch einen ernsten Kern. Es ist nicht ganz so humorvoll wie die anderen Bücher von Brigitte Kanitz, auch wenn wieder skurrile Nebendarsteller immer mal für ein Schmunzeln sorgen. Dieser nachdenkliche Aspekt hat mir einerseits gut gefallen, denn er wirkte harmonisch in die Handlung eingewoben, sehr realistisch und hat die Stimmung nicht wirklich gedrückt. Andererseits nahm er etwas von dem gewohnt humorvollen Schwung aus der Handlung und ließ sie für meinen persönlichen Geschmack zu ruhig werden. Trotz dieses manchmal etwas ernsteren Touches überwiegt doch die fluffig-leichte Unterhaltung, die für Strandkorb oder Liegewiese perfekt geeignet ist.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(71)

134 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 35 Rezensionen

nordsee, thriller, serienmörder, serienkiller, meer

Der Jungfrauenmacher

Derek Meister
Flexibler Einband: 413 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 15.06.2015
ISBN 9783734100604
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darum geht’s:

Mit der angespülten Frauenleiche am Strand ist Knut Jansen, der Leiter der örtlichen Polizeidienststelle, erst einmal überfordert und muss seine Kollegin über Funk bitten, das Handbuch mit den einschlägigen Verfahrensweisen herauszukramen und zum Tatort zu bringen. Doch von dem LKA-Schnösel will Knut sich den Fall auch nicht aus der Hand nehmen lassen. Da kommt ihm die fesche Profilerin aus den USA gerade recht, die in die Provinzstadt an der Nordsee zurückgekehrt ist, um das Erbe ihres verstorbenen Vaters anzutreten. Sie soll ihm helfen und ihr Spezialwissen einbringen. Zögernd stimmt Helen Henning zu.

So fand ich’s:

Knut Jansen ist kein alleskönnender Superheld und das fand ich sehr erfrischend. Er wurde von seinem Vater und Vorgänger auf den Posten des Dienststellenleiters gehoben und musste sich bisher mit Strafzetteln und Taschendieben beschäftigen. Dass er beim Anblick seiner ersten Leiche erst einmal nicht das Prozedere parat hat, ist da nur allzu verständlich. Doch als das LKA seinen kleinen Ort überrollt und ihm den Fall aus der Hand nehmen will, erwacht sein Ehrgeiz. Nach leichten Anlaufschwierigkeiten stürzt er sich aber mit viel Eifer in die Ermittlungen.

Helen Henning ist die beste Ermittlerin, die man sich für diesen Fall vorstellen kann, denn sie hat in den USA schon mehrere Serienmörder zur Strecke gebracht. Dass sie nicht ganz unbelastet ist und eigentlich genug private Probleme hat, denn auf das Erbe des Vaters haben auch Helens Mutter und Schwester ein Auge geworfen, macht Helen menschlich. Und doch bleibt sie ein bisschen blass, denn man kann kaum hinter ihre Fasade schauen. Das fand ich schade, denn sie scheint mir eine sehr spannende Figur zu sein.

Die weltgewandte und bestens geschulte Verbrecherjägerin und der Dorfpolizist mit genauem Wissen um die Bevölkerung und die örtlichen Besonderheiten bilden nicht unbedingt ein harmonisches Team, aber ein interessantes. Sie ergänzen sich, reiben sich aber auch aneinander, und arbeiten zusammen, weil beide den Mädchenmörder fassen wollen.

Drum herum finden sich Knuts Kollegen, der pensionierte Polizeichef Thor und gleichzeitig Knuts Vater, der LKA-Schnösel Maas, der zu Knuts Ärger viel besser mit Helen harmoniert und auf dessen Flirtversuche sie viel wohlwollender reagiert als auf Knuts Bemühungen, es gibt die Bewohner des kleinen Ortes und nicht zuletzt die Familien der verschwundenen Mädchen, die einen Kreis von gelungenen Nebenfiguren bilden und das Geschehen verdichten und bereichern. Selbst der Täter darf ab und zu seine Perspektive beisteuern.

Der Krimi wirkt mit leichter Hand geschrieben und lässt sich enstprechend flüssig weglesen. Derek Meister bringt die Nordseeatmosphäre mit Strand, Meer und Touristen genauso gut rüber wie die Stimmung nach dem heftigen Sturm, der gleich zu Beginn des Buches wütet. Die Handlung ist gut konstruiert und die Auflösung hat mich absolut überzeugt.

Mich nervte nur wieder mal der Klappentext. Wahrscheinlich bin ich inzwischen zu empfindlich bei dem, was auf der Buchrückseite steht. Aber dass da eine Info  enthüllt wird, die im Buch selbst erst auf Seite 287 (von 413) von den Ermittlern erkannt wird, finde ich nicht gut. Okay, es war keine extrem wichtige Info. Aber der Autor hat sich sicher etwas dabei gedacht, das erst so weit hinten im Buch aufzudecken. Wie gut, dass ich inzwischen die Buchrücken und Klappentexte erst lese, nachdem ich das Buch beendet habe.

Abgesehen davon hat mich dieser Krimi mit seinen interessanten Figuren und der gut durchdachten Handlung prima unterhalten und ich freue mich schon auf den zweiten Teil mit Knut Jansen und Helen Henning.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(29)

44 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

dystopie, drogen, krimi, heyne, roboter

Junktown

Matthias Oden
E-Buch Text: 450 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 09.05.2017
ISBN 9783641197179
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Ich hätte gerne mehr über diese "schöne neue Welt" erfahren, das kam ein bisschen zu kurz für meinen Geschmack - sonst wären das 5 Punkte geworden.

Darum geht’s:

Für die Bewohner von Junktown ist es Pflicht, ständig Drogen zu konsumieren. Umso wichtiger sind Maschinen, die die Arbeit erledigen. Diese Maschinenwesen sind gleichberechtigte Einwohner und deshalb wird es auch als Mord angesehen, als eine maschinelle „Brutmutter“ getötet wird und ihre 800 ungeborenen Kinder damit ebenfalls nicht überleben können. Solomon Cain, Inspektor der Geheimen Maschinenpolizei, wird mit den Ermittlungen beauftragt.

So fand ich’s:

Was für eine Welt, die Matthias Oden erschaffen hat. Auf den ersten Blick eine scheinbar traumhafte Zukunftsvision, in der es nicht nur legal ist, sämtliche Drogen zu konsumieren, sondern in der es sogar erwartet wird. Doch bei näherem Hinsehen erscheint das gar nicht mehr so paradiesisch und nicht umsonst sind alle scharf auf einen ABS, einen Abstinenzberechtigungsschein, der es einem erlaubt, mal für einen Tag auf Drogenkonsum zu verzichten. Neben den „Weichen“, den Menschen aus Fleisch und Blut, gibt es auch HMWs, die höheren Maschinenwesen, denen ein Sozialleben und eine Persönlichkeit zugesprochen werden. Und eine dieser HMWs, die mit 800 Föten schwangere Brutmutter BM17, wurde ermordet.

Mit ganz viel Liebe zum Detail und gespickt mit Anspielungen auf Begriffe (früher) real existierender Gesellschaftssysteme (z. B. das Auto namens Tripbant) hat mich die dystopische Zukunftsvision von Matthias Oden begeistert. Es wurden ganz viele neue Begriffe erfunden, die zum Teil deutlich aussagten, was dahinter steckte, bei denen man aber auch teilweise mit seiner Fantasie alleingelassen wurde. Obwohl ich als Krimifan natürlich den Mordfall grundsätzlich für am wichtigsten halte, hätte ich doch noch gerne viel mehr über diese Welt erfahren. Man wird hineingeworfen und muss sich nach und nach die Informationen zusammen sammeln, während Solomon Cain versucht, den Mordfall aufzuklären. Und am Ende bekommt man doch nur einen oberflächlichen Einblick, der nicht alle meine Fragen zu dieser neuen Gesellschaftsform und wie es dazu kam, beantwortet hat.

Cain ist ein alter Hase bei den Ermittlern, nach außen hin ein hoch angesehenes Mitglied der Gesellschaft, ein „Alter Kämpfer“ und Witwer einer „Goldenen Schützin“, die sich zur Ehre des Staates den goldenen Schuss gesetzt hat. Doch den Tod seiner Frau hat er nie verkraftet und rettet sich in einen Zynismus, der immer besser zu dem System passt, in dem er lebt, je mehr man hinter die Kulissen schaut. Cain fühlt sich zu alt und ist verbittert – und doch kann er es nicht lassen, den Mordfall ernst zu nehmen und sich mit all seinem Wissen und seiner Erfahrung zu engagieren. Der anfangs ganz eindeutige Mordfall wird immer undurchsichtiger, und je mehr Cain gräbt, desto mehr Widerstand wird ihm entgegengebracht.

Matthias Oden schafft eine sehr ungewöhnliche Welt, die dicht gewebt und in sich schlüssig ist und setzt einen spannenden und intelligenten Kriminalfall hinein. In düsteren Bildern wird ein menschenverachtendes System gezeigt, in dem Cain versucht, über die Runden zu kommen und diesen Mordfall zu lösen. Manches wirkt auf den ersten Blick skurril, und doch bleibt einem oft genug das Schmunzeln im Hals stecken, wenn man Zeit hat, ein bisschen darüber nachzudenken, welches Zukunftsbild Oden da zeigt.

Wer abseits vom 08/15 Krimi etwas durch und durch Ungewöhnliches lesen möchte und nicht vor einer düsteren Welt zurückschreckt, dem kann ich „Junktown“ nur wärmstens empfehlen.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

cornwall, familie, geheimnisse, erbe, italien

Meine Cousine Rachel

Daphne du Maurier , Brigitte Heinrich , Christel Dormagen
Flexibler Einband: 415 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 15.01.2017
ISBN 9783458361978
Genre: Klassiker

Rezension:

Darum geht’s:

Sein Vetter Ambrose ist für den jungen Philipp wie ein Vater, denn der Waise wurde von Ambrose großgezogen. Als Ambrose aus gesundheitlichen Gründen den Winter in Italien verbringt, vermisst ihn Philipp zwar, freut sich aber doch, dass er dort auf ihre gemeinsame Cousine Rachel getroffen ist und sich mit ihr gut versteht. Doch die Nachrichten aus Italien werden immer verstörender und als sich Philipp besorgt auf die Reise zu Ambrose macht, trifft er ihn nicht mehr lebend an.

So fand ich’s:

Wann genau die Handlung des Buches spielt, wird nicht genannt. Es scheint irgendwann im 19. Jahrhundert zu sein, in einer Zeit, in der man mit Kutschen unterwegs ist und Kaminfeuer und Kerzen benutzt werden. Nachdem eine Verfilmung in diesem Sommer in die deutschen Kinos kommt, habe ich die Gelegenheit genutzt, um diesen Klassiker zu lesen.

Philipp ist wie eine jüngere Kopie seines Vetters Ambrose. Sowohl äußerlich als auch in den etwas verschrobenen aber liebenswerten Ansichten ähneln sich die beiden Männer, die wohlhabend auf einem Gutshof in Cornwall leben. Als Ambrose in Italien auf die entfernte Cousine Rachel trifft, kann Philipp nur aus den seltenen Briefen erraten, was sich dort wohl abspielt. Als er sich beunruhigt auf den Weg nach Florenz macht, ist es schon zu spät. Er findet nur eine leere Villa und ein Grab seines Vetters vor. Und er hat einen Verdacht gegen Rachel.

Daphne Du Maurier lässt sich Zeit mit ihrer Geschichte. Die Atmosphäre darf sich in aller Ruhe entfalten. Philipp ist zwar schon fast 25, aber er hat sein Dorf nie verlassen. Weltgewandtheit und Menschenkenntnis sucht man bei ihm vergeblich, er ist naiv und ein verwöhntes Kind.

Cousine Rachel dagegen ist und bleibt undurchschaubar. Man erwischt sie nie dabei, direkt zu manipulieren oder etwas zu fordern. Die Reaktionen auf sie scheinen von den anderen Menschen selbst zu kommen, denn Rachel fordert nie etwas, auch wenn sie davon profitiert. Sie wickelt Philipp um den Finger – oder ist sie tatsächlich so sympathisch, wie der junge Mann es glauben möchte und nur ein Opfer dummer Zufälle? Oder hat Philipps Jugendfreundin Louise Recht und Rachel ist eine Mörderin? Rachel kann durch ihr bodenständiges und vernünftiges Verhalten alle Zweifel zerstreuen, bevor sie wieder neuen Anlass bekommen, um an anderer Stelle wieder aufzuflammen.

Die Stimmung ist geheimnisvoll und eher ruhig, aber diese subtile Spannung hat mich gepackt und auf ihre leise Art und Weise sehr gut unterhalten.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(367)

716 Bibliotheken, 14 Leser, 5 Gruppen, 36 Rezensionen

fantasy, der dunkle turm, stephen king, revolvermann, schwarz

Schwarz

Stephen King , Joachim Körber
Fester Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 23.02.2005
ISBN 9783453012134
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darum geht’s:

„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“ Dieser berühmte erste Satz fasst tatsächlich schon ganz gut zusammen, worum es in diesem Buch geht. Roland ist der letzte Revolvermann, der durch eine unwirtliche Endzeit-Landschaft den Mann in Schwarz verfolgt. Während seiner Reise trifft er auf verschiedene Menschen, bei denen er einige Zeit verbringt und der Junge Jake, der ihn eine Weile begleitet, wächst Roland ans Herz. Wir erfahren etwas über Rolands Vergangenheit und auch ein bisschen davon, was er mit dem Mann in Schwarz zu tun hat.

Ein Cowboy-Roadmovie der mystischen Art und der Start in das Epos des Dunklen Turmes.

So fand ich’s:

Schon bei der Auswahl des Buches hatte ich etwas mehr zu überlegen, als das normalerweise der Fall ist. Nehme ich die zerfledderte Ausgabe, die ich 1989 / 1990 gelesen habe, nochmal zur Hand, oder doch lieber die überarbeitete Version? Oder versuche ich es mal mit dem englischen Original?

Nachdem ich zwischen allen drei Ausgaben hin und her gewechselt habe und anfangs mit der überarbeiteten Version so meine Probleme hatte, bin ich dann doch bei der deutschen Neuausgabe hängen geblieben. Ich habe einige Änderungen darin bedauert, manche hinzugefügte Anspielungen auf spätere Ereignisse begrüßt, aber je weiter ich gelesen habe, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass die angepasste Version zum großen Ganzen der kompletten Saga passt, und das gab den Ausschlag. Sie hält sich an das, was King selbst angepasst und geändert hat und das Wort des Autors ist das, was ich lesen möchte. Lesern, die sich zum erten Mal mit der Dunkle-Turm-Reihe beschäftigen möchten, empfehle ich also die aktuelle Ausgabe, entweder auf deutsch oder englisch.

Da ich die komplette Reihe schon kenne, habe ich diesen ersten Band vielleicht ein bisschen nostalgisch verklärt mit Fan-Augen gelesen. Die kleinen Anspielungen auf spätere Ereignisse in den Folgebänden hat eine wohlige Vorfreude darauf geweckt. Wer die Reihe zum ersten Mal liest, wird die Anspielungen einfach nicht bemerken und sich dadurch nicht gestört fühlen.

Über Rolands ganzer Welt liegt eine Atmosphäre des Verfalls, sie wird bevölkert von Mutanten und mystischen Wesen. Dass es noch andere Welten gibt, zeigt Jake, denn der Junge wird aus dem 20. Jahrhundert, wie wir es kennen, in Rolands Welt katapultiert. Manche Dinge, die Roland fremd erscheinen, sind für Jake  – und für uns – alltäglich, mit wieder anderen Dingen ist Roland vertraut und Jake findet sie seltsam. Diese Vermischung lässt von einem ganz gewöhnlichen U-Bahnhof bis zu fantastischen Orakelwesen alles möglich erscheinen. Man bekommt keine lange und ausführliche Einführung in diese Welt. Man muss sie sich selbst zusammenreimen und bekommt nur zögerlich Informationen. Das liegt daran, dass auch Roland und Jake nicht viel wissen, sondern auf Gerüchte, Überlieferungen und die eigene Kombinationsgabe angewiesen sind. Nicht einmal auf die Naturgesetze scheint man sich mehr verlassen zu können, denn z. B. die Zeit scheint nicht mehr linear zu laufen. Wir müssen alle miteinander abwarten, wie die Welt sich am  nächsten Tag präsentiert und diese Unsicherheit macht den Schauplatz für Rolands Verfolgungsjagd einmalig.

Wer astreinen Horror a la Stephen King erwartet, dem sei gesagt, dass diese Reihe eher ein Fantasy-Epos ist und kaum Horror-Elemente enthält.

Roland ist ein sehr spannender Charakter. Er scheint ungeheuer zielstrebig zu sein und nicht viele Kompromisse zu machen. Wenn er ein Ziel verfolgt, dann geht er stur und stoisch seinen Weg, was ihn nicht immer und unbedingt sympathisch macht. Ein paar Einblicke in seine Vergangenheit und die Begegnung mit dem aufgeweckten Jungen Jake lassen allerdings erahnen, dass Roland komplizierter ist, als man anfangs denkt.

„Schwarz“ ist im Grunde nicht mehr als eine Einleitung. Eine Episode. Wir haben noch nicht einmal ganz umrissen, wo die Handlung der „Dunkle Turm“-Reihe spielt, wer darin vorkommt, und vielleicht nur ein Gefühl dafür, worum es geht. Stephen King hat das Buch als junger Mann geschrieben und selbst nur grob gewusst, wohin ihn und uns diese Geschichte führen wird. Daran hat auch die Überarbeitung und Glättung nichts Grundsätzliches geändert. Da ich aber weiß, welches üppige Epos uns erwartet, hat „Schwarz“ wieder mein Interesse geweckt an Roland und seiner Reise zum dunklen Turm.

Weiter geht’s mit dem zweiten Band mit dem Titel „Drei“.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(107)

177 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

transgender, kinderbuch, alex gino, transidentität, mut

George

Alex Gino , Alexandra Ernst
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 25.08.2016
ISBN 9783737340328
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Schlamassel inbegriffen (Verliebte Partner 1)

Mary Calmes
E-Buch Text: 335 Seiten
Erschienen bei Dreamspinner Press, 25.04.2017
ISBN 9781635338577
Genre: Sonstiges

Rezension:

Darum geht’s:

Die Deputy US Marshals Miro Jones und Ian Doyle sind Partner und beste Freunde. Sie teilen den gleichen flapsigen Humor, die gleiche Kaltblütigkeit in gefährlichen Situationen und den Drang, nicht nur die Arbeitszeit, sondern auch möglichst viel Freizeit mit dem jeweils anderen zu verbringen. Ian ist wortkarg, launisch und hat eine zu kurze Zündschnur – nur in Miros Gegenwart scheint er sich überhaupt zivilisiert zu benehmen. Und Miro hat ein noch viel größeres Problem – er ist unsterblich in seinen total heterosexuellen Partner Ian verknallt.

So fand ich’s:

Miro und Ian haben einen gefährlichen Job. Sie begleiten und beschützen wichtige Zeugen, hinter denen Verbrecher her sind, und bei diesen Jobs geraten beide ständig in Gefahr. Zusätzlich ist Ian auch noch Elitesoldat, der ab und zu plötzlich zu geheimen Einsätzen abberufen wird. Überhaupt scheinen sie Narben und Verwundungen zu sammeln wie andere Leute Mückenstiche, was für den Leser ein Actionfeuerwerk gleich von Beginn der Geschichte an bietet.

Miro ist der Ich-Erzähler, der uns mit cooler Gelassenheit durch die gefährlichen Situationen führt. Wenn es um seinen Partner Ian geht, verliert er allerdings sofort seine Souveränität, denn an Ian hat  Miro schon lange sein Herz verloren. Diese Liebe hält er für aussichtslos, da Ian ausschließlich an Frauen interessiert ist, und behält seine Gefühle für sich. Für die Leser ist es zwar offensichtlich, dass Miro und Ian perfekt zusammenpassen, sich wie ein altes Ehepaar kabbeln, umeinander besorgt sind und aufeinander aufpassen, die Nähe des anderen suchen, dass man sich wundert, wieso sie tatsächlich nicht schon lange ein Paar sind. Doch bis die beiden endlich auch in dieser Beziehung zueinander finden, dauert es eine ganze Weile. Miro wagt nicht zu hoffen und Ian ist ein komplizierter Mensch, doch als endlich alles klar ist zwischen ihnen, ist mit einem Klick alles perfekt – wenn sie nicht mitten in einem gefährlichen Einsatz wären.

Drum herum gibt es Kollegen, die ebenso an ihren jeweiligen Partnern hängen und insgesamt eine verschworene Gemeinschaft bilden, Miros Clan von vier Freundinnen, die alle klischeehaft gleichermaßen süß und furchteinflößend grimmig sein können und mehr als einen Bewacher-Job mit interessanten Schutzbefohlenen, die ein lebendiges und spannendes Umfeld für die Liebesgeschichte bieten.

Das Gleichgewicht zwischen actiongeladener Spannung und zuerst zögerlicher, dann leidenschaftlicher Liebesgeschichte, unterlegt mit spöttischem Humor, fand ich sehr ausgewogen und absolut unterhaltsam. Und da bereits zwei weitere Bände mit Miro und Ian im englischen Original existieren, weiß ich nicht, ob ich für diese beiden Bände auf eine Übersetzung warten kann, oder ob ich nicht gleich schon mal ins Original hineinschnuppern muss.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

serie, alice quentin, krimi, reihe, fortsetzung

Grabeskind

Kate Rhodes , Uta Hege
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 02.12.2016
ISBN 9783548288413
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darum geht’s:

Die Mutter von Jude Shelley ist überzeugt, dass man nicht gut genug beim Verbrechen an ihrer Tochter, seit dem sie mit entstelltem Gesicht und schwer verletzt im Krankenhaus liegt, ermittelt hat. Und da ihr Mann ein hochrangiger Minister ist, hat sie Einfluss genug, neue Ermittlungen zu veranlassen. Alice wird hinzugezogen und ausgerechnet in diesem Moment wird ein Priester auf die gleiche Weise überfallen und ermordet, sein Gesicht genauso entstellt wie das von Jude.

So fand ich’s:

Auch wenn Alice Quentin immer vernünftiger und normaler wird und ihre verrückten Ideen und Phobien nur noch sehr gemäßigt zutage treten, ist sie mir im Laufe ihrer inzwischen 4 Bände umfassenden Reihe ans Herz gewachsen. Für durchgeknallte Aufregung sorgt schließlich auch ihr psychisch kranker Bruder Will, ihre bunt-wilde Freundin Lola und ihre nervige Mutter. Und da wäre noch Ermittler Burns, der zwar verheiratet ist, aber bei Alice trotzdem für schweres Herzklopfen sorgt.

Dann gibt es noch London als Alices Wohnort und Kulisse für die Verbrechen, mit denen sie sich als Psychologin und Beraterin für die Polizei beschäftigen muss. Die Stadt spielt eine nicht ganz kleine Rolle und es macht Spaß, sich die bekannten Sehenswürdigkeiten entlang der Themse ins Gedächtnis zu rufen und die Großstadtatmosphäre, die Kate Rhodes erschafft, auf sich wirken zu lassen.

Alice hat es mit der schwer entstellten und traumatisierten Jude zu tun, deren ganze Familie unter dem Verbrechen leidet und sich der Polizei gegenüber verschlossen hat. Dass der Mörder wieder zuschlägt und neuen Opfern das Gesicht zerschneidet und sie dann in der Themse versenkt, setzt die Ermittler unter großen Druck. Für Alice eine Zwickmühle, denn für langsames und einfühlsames Vorgehen ist kaum Zeit. Alice will die Vorgehensweise des Täters entschlüsseln und sucht Rat bei Fachleuten und gleichzeitig befragt sie verschiedene Leute, die aus den unterschiedlichsten Gründen unwillig und nicht hilfsbereit sind.

Ich war bis zu Ende ahnunglos und konnte nicht erraten, wer der Täter ist, auch wenn ich verschiedene Verdächige hatte und die Auflösung logisch und folgerichtig war. Die Story hielt mich mit Spannung und den dramatischen Schicksalen der Opfer von Anfang bis Ende bei der Stange. Die Sprache war thrillertypisch flott und direkt. Mir hat dieser Band rundherum gefallen, für mich war er sogar der beste Band der Serie.

Nun freue ich mich schon auf die Übersetzung des 5. Bandes „Blood Symmetry“, den es im englischsprachigen Original schon seit Mitte 2016 zu lesen gibt.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(272)

436 Bibliotheken, 14 Leser, 2 Gruppen, 205 Rezensionen

thriller, london, ragdoll, serienmörder, mord

Ragdoll - Dein letzter Tag

Daniel Cole , Conny Lösch
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 27.03.2017
ISBN 9783548289199
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(942)

1.565 Bibliotheken, 28 Leser, 1 Gruppe, 392 Rezensionen

erin watt, paper princess, liebe, erotik, new adult

Paper Princess

Erin Watt , Lene Kubis
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2017
ISBN 9783492060714
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Darum geht’s:

Ella ist gerade mal 17 und muss sich ganz alleine durchschlagen. Tagsüber geht sie zur Schule, abends verdient sie ihr Geld damit, leicht bekleidet in einem Club zu tanzen. Als ein Fremder auftaucht und behauptet, ihr Vormund zu sein, will sie am liebsten davonlaufen, doch ehe sie sich versieht, hat der Fremde sie in seine Villa verschleppt und seinen fünf Söhnen als neue Schwester vorgestellt.

So fand ich’s:

Ich habe mich wieder an ein Buch herangewagt, bei dem ich schon Zweifel hatte, ob es mir gefallen würde. Und doch habe ich mich bemüht, neutral heranzugehen und der Geschichte eine Chance zu geben. Da ich etwas mehr als üblich auf den Inhalt eingehen werde, hier eine Warnung – der nachfolgende Text enthält Spoiler und wer nicht zu viel über den Inhalt des Buches wissen möchte, sollte erst weiterlesen, wenn er das Buch selbst schon gelesen hat.

Selten ist mir eine Rezension so schwer gefallen wie diese hier. Nicht, weil mir nichts zum Buch eingefallen wäre. Im Gegenteil! Ich habe Seiten über Seiten Beispiele aufgelistet und Szenen hinterfragt und immer wieder festgestellt, dass ich jede einzelne davon in meiner Rezension haben möchte, um sie als schlechtes Beispiel aufzuführen. Weil ich einfach nicht glauben konnte, dass die vielen begeisterten Leser die Masse an Absurditäten übersehen und zu einem positiven Urteil kommen konnten. Und das hat jedes Mal den Rahmen einer Rezension gesprengt und dazu geführt, dass ich oft noch einmal von vorne beginnen musste.

Ellas Mutter ist eine schlechte Mutter, auch wenn Ella sie sehr geliebt hat. Sie beschert ihrer Tochter unnötiger Weise eine harte Kindheit, weil sie aus unerfindlichen Gründen lieber ihre Zeit mit Drogendealern und Mafiakontakten, zu allem Übel auch noch mit Grapschern (ja, Mehrzahl!), die ihre kleine Tochter sexuell belästigen, in bitterer Armut verbringt, als Kontakt zu dem Kindsvater aufzunehmen und die Chance zu haben, ein bisschen (auch finanzielle) Hilfe zu bekommen. Und die Ella damit auch und vor allem die Chance nimmt, ihren Vater kennenzulernen, der wohl ein Schürzenjäger, aber ansonsten kein schlechter Kerl gewesen zu sein scheint. Leider wird dieser Aspekt nicht weiter verfolgt, sondern verläuft im Sande und soll wohl nur den Eindruck erwecken, dass es Ella schwer hatte. Wer sich hierzu tiefere Gedanken machen wollte, bleibt ratlos zurück.

Die Royals, Ellas neue Pflegefamilie, bestehen aus einem hilflosen, trinkenden Vater, der zwar ein Multimillionendollar-Unternehmen für Rüstungsgüter aus dem Boden stampfen kann, aber mit seinen Kindern überhaupt nicht klar kommt. Seine geliebte Frau ist zwei Jahre vorher unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen, man munkelt von Selbstmord. Der Vater schiebt das Benehmen der Söhne auf diesen Umstand, aber ich habe das Gefühl, die Machtansprüche der Royal-Jungs werden schon länger als zwei Jahre perfektioniert. Die Söhne sind ein Pack von Mobbern, die Gewalt für die Lösung aller Probleme halten, die als Teenager schon frauenverachtende Sprüche klopfen und sich auch dazu passend zynisch benehmen, die den Schuldirektor ruhigstellen, indem sie ihm ein paar Dollarscheine in die Jackentasche stopfen und damit durchkommen. Die für Ella und damit auch für uns Leser unbekannte Regeln in der Schule aufstellen, an die sich alle halten müssen und es auch tun. Die Ella zum Erzfeind erklärt haben, wahlweise weil sie eine Schlampe ist (was die Royal-Brüder einfach so ohne Fakten zu kennen mal in den Raum stellen) oder weil sie was mit Royal Senior hat (was die Royal-Brüder einfach so ohne Fakten zu kennen mal in den Raum stellen) oder weil sie an das Geld der Royals will (was die Royal-Brüder einfach so ohne Fakten zu kennen mal in den Raum stellen). Andererseits darf Ella bloß nicht den Familiennamen beschmutzen, indem sie in einer Bäckerei jobbt und wenn ihr mal nicht von den Stiefbrüdern, sondern von Außenstehenden Gefahr droht, packen die Royal-Jungs klassisches Machoverhalten aus und werfen sich für die neue Schwester Fäuste voran ins Getümmel. Oder vielleicht liegt ihr Engagement auch daran, dass sie sich gerne prügeln. Die Brüder sind ziemlich beliebig, haben keine Tiefe und erwecken den Eindruck, Klone des wortführenden Bruders Reed zu sein. Bis auf Bösartigkeiten und übles Benehmen können sie nichts. Oder nein, ich vergaß, sie sind alle wunderhübsch und haben so tolle Muskeln, die sie immer gerne herzeigen. Sympathien konnte ich keine für sie entwickeln, dafür waren sie zu oberflächlich skizziert.

Dazu kommt Brooke, die Freundin von Royal Senior, deren hervorstechende Eigenschaft es ist, meistens Royal Senior, manchmal aber auch einen der Söhne in aller Öffentlichkeit zu begrapschen. Mit dem Vater hat sie sogar mehr oder weniger vor den Augen der Söhne Sex, was im Grunde nur dadurch verhindert wird, dass die Söhne und Ella sich dezent verziehen. Hoppla.

Zwischendrin driftet die Geschichte mal zum oberflächlichen High School Drama ab, was zugegebener Maßen nicht zu meinen Lieblings-Szenarien gehört. Da tummeln sich Charakterschweine in solchen Massen, dass es einfach schon lächerlich ist und die Schwarz-Weiß-Malerei führt dazu, dass so ziemlich alle Personen wie Karikaturen wirken. Besonders viel Handlung außer pubertärem Teenagergeplänkel, tief auf den Hüften hängenden Jogginghosen und einer am Samstagabend im Käfig tanzenden Ella gibt es nicht.

Ella selbst hat ihre Momente, das muss ich zugeben. Sie gibt Kontra, ist schlagfertig und lässt sich nicht unterbuttern, zeigt auch mal Gefühle und gesteht Schwächen ein und bekommt damit mehr Tiefe als der Rest aller Charaktere zusammen. Sie ist mir noch mit Abstand am sympathischsten erschienen.

Allerdings fand ich es völlig unpassend, dass sie als 17jährige Jungfrau ständig den Eindruck erweckt, sie wäre sexuell erfahren und damit den Schlampen-Vorwurf mehrmals absichtlich untermauert. Um zu provozieren, lässt sie vor Reed ihr Höschen fallen, erscheint im knappen Hemdchen zum Frühstück oder schafft eine Situation, die die Söhne glauben lässt, sie habe tatsächlich ein Verhältnis mit dem Vater. Und das nicht genug, nein sie macht nicht nur mit dem Oberschurken Reed rum, in den sie unsterblich verknallt ist, sondern auch gleich noch mit dem Bruder. Ähm ja.

Andererseits wird sie sowohl innerhalb der Royal-Familie als auch außerhalb Opfer sexuell eingefärbter Einschüchterung und Gewalt, die z. T schon zur Anzeige hätte gebracht werden müssen und steckt das sehr locker weg. Leute, das ist nicht alltäglich, das gehört nicht zum normalen Teenagerleben und es ist auch nicht ausreichend „bestraft“, wenn man den Täter bei nächster Gelegenheit lächerlich macht oder ihm eine Faust ins Gesicht schlägt. Ich hätte hier sehr gerne eine deutliche Aussage gehabt, dass dieses Verhalten der Männer nicht in Ordnung ist und dass man derartige Belästigungen nicht einfach so hinnehmen muss. Diese Täter gehören vor Gericht. Aber leider kommt im Buch nicht ansatzweise etwas in diese Richtung.

Dafür bieten sich zwei Royal-Brüder unabhängig von einander als williges Sexopfer für Ella an, wenn sie nur die anderen Brüder und den Vater in Ruhe lässt. Da hat’s mir gleich nochmal die Sprache verschlagen.

Bei Jugendromanen hänge ich immer dem Ideal nach, dass man miterlebt, wie die jungen Menschen erwachsen werden, sich weiter entwickeln, Verantwortung übernehmen und an den Problemen reifen, mit denen sie konfrontiert werden. Ella erwirbt sich die Sympathien ihrer Stiefbrüder dadurch, dass sie das Gesetz in ihre eigenen Hände nimmt und einem Bösewicht ihrerseits übel mitspielt. Für die Royal-Brüder scheinen Schlägereien sowieso die beste Lösung für alles zu sein. Aber ist die Lehre, die die jugendlichen Leser daraus ziehen sollen, dass man am Besten das Gesetz in die eigenen Hände nimmt und schwere Verbrechen in Selbstjustiz bestraft? Nachdem das als die erfolgreiche Lösung geschildert und nicht ansatzweise kritisiert wird, offensichtlich schon.

Insgesamt empfand ich das Wenige an Handlung als unausgegoren, unlogisch und teilweise lächerlich überzogen. Als Ella Reed vorwirft: „ Meine Güte, wieso änderst du andauernd die Regeln? Halt dich von mir fern, Ella. Steig in mein Auto, Ella. Nutz meinen Vater nicht aus. Verdien nicht dein eigenes Geld, Ella. Ich weiß wirklich nicht, was du willst“ und Reed darauf antwortet: „Da sind wir schon mal zwei“, haben die beiden eigentlich ganz gut das komplette Buch zusammengefasst.

Am Schluss werden wir mit einem Cliffhanger alleine gelassen, der dermaßen blöd und konstruiert ist, dass ich schon wieder lachen musste. Die plumpe Absicht, die Leser anzufixen, damit sie Teil 2 kaufen, war so deutlich, dass auch der naivste Leser merken musste, welche Taktik hier verfolgt wird. Zu dumm, dass ich irgendwann im Buch das letzte Bisschen Interesse daran verloren habe und mich die Auflösung dieses Dramas nun wirklich nicht mehr kratzt. Ich kann’s mir auch so vorstellen.

Wer weitere Eindrücke und Zwischenmeldungen zum Buch haben möchte, kann bei Twitter unter dem Hashtag #BBFliest nachlesen. Auf Twitter hat sich auch unter anderem eine Diskussion darüber entwickelt, ob das Krönchen auf dem Cover nicht eher einer Aufreihen von Hinterteilen gleichen würde, mit Reed als dickstem Ober-Arsch. Ein Schelm, der Böses ….

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

ermittlerduo goldmann & brandner (4), grenzgänger

Grenzgänger

Timo Leibig
E-Buch Text: 284 Seiten
Erschienen bei www.timoleibig.de, 27.01.2017
ISBN B01NBZNF33
Genre: Sonstiges

Rezension:

Darum geht’s:

Durch Glück überlebt der reiche Erbe Francis Maybach einen Mordversuch. Wieso es ein Profikiller auf den harmlosen und unbescholtenen Francis abgesehen haben könnte, ist der Polizei ein Rätsel. Francis hüllt sich in Schweigen und verfolgt offensichtlich seine eigenen Pläne, denn plötzlich ist er spurlos verschwunden.

So fand ich’s:

Kriminalhauptkommissar Brandner muss ohne seine langjährige Kollegin Leonore Goldmann auskommen, deren Gesundheit sie nun endlich doch dazu gezwungen hat, die Dienstwaffe an den Nagel zu hängen. Die Neue im Team, Cahide Pfeiffer, hat noch ein paar Schwierigkeiten, sich einzugewöhnen. Und dann äußert der Chef auch noch einen schlimmer Verdacht gegen sie. Die Ermittler arbeiten noch nicht wirklich harmonisch zusammen – es knirscht im Team.

Weil niemand eine Ahnung hat, was den wohlhabenden Francis Maybach und den Killer einer stadtbekannten Mafiafamilie aufeinandertreffen lässt, ist die Polizei einigermaßen ratlos. Sie hat aber auch alle Hände voll zu tun, das Leben des unkooperativen Francis zu schützen.

Das Thema Mafia verspricht Action und genauso kommt es auch, im Gegensatz zu dem etwas ruhigeren vorhergehenden Band „Totenschmaus“ geht es hier wieder ordentlich zur Sache, was mir sehr gut gefallen hat. Die Story hält einen fest mit einem guten Gleichgewicht zwischen actionreichen Szenen und gut durchdachten Überlegungen und solider Polizeiarbeit. Das war wieder ein Krimi ganz nach meinem Geschmack.

Der zwielichtige Psychologe Dr. Richter hat auch hier einen kurzen, aber entscheidenen Auftritt und die Spannung wächst, was er langfristig im Schilde führt. Das garantiert weitere Spannung auch für Folgebände, auf die ich mich schon sehr freue. Um die Zeit bis zum 5. Teil passend überbrücken zu können, lese ich sicher bald Timo Leibigs Psychothriller „Wenn Böses spielt“ (zuerst erschienen unter dem Titel „Herznote“), in dem Dr. Richter seinen großen Auftritt bekommt.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(70)

102 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

schweden, mord, thriller, stockholm, rache

Der Mörder und das Mädchen

Sofie Sarenbrant , Hanna Granz
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 17.02.2017
ISBN 9783352008931
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darum geht’s:

Cornelia hat es fast geschafft, ihrem gewalttätigen Ehemann zu entkommen. Die neue Wohnung ist gemietet und die Koffer sind gepackt, aber an dem Tag, an dem sie mit ihrer Tochter Astrid die Villa verlassen will, findet Astrid ihren Vater erstochen im Gästezimmer. Die Ermittlungen in diesem Mordfall übernimmt Emma, die Schwester von Cornelias bester Freundin, doch das bringt Cornelia auch keine Vorteile – sie ist die Hauptverdächtige.

So fand ich’s:

In jedem der vielen Kapitel erzählt eine andere beteiligte Person und auf diese Weise können wir allen Charakteren in die Köpfe schauen. Da berichtet die Witwe Cornelia, ihre Freundin Josefin, deren Schwester Emma, die als ermittelnde Polizeibeamtin zwischen privaten Sympathien und beruflichen Erkenntnisse hin und her gerissen ist, genauso wie auch der Makler, der die Villa verkaufen soll, seine Assistentin, Emmas hartnäckiger Exfreund, ihr aktueller Partner und so weiter. Eine Stimme erhält auch der Mörder, und wir Leser bemerken schon, dass er sich im Dunstkreis um Cornelia und Emma bewegt, beobachtet und immer wieder an den Schauplätzen auftaucht, wir kennen aber nicht seine Identität.

Weil die Beteiligten einem nach und nach vorgestellt werden, hatte ich keine Probleme damit, dass ungewöhnlich viele Erzählperspektiven vorhanden sind. Den Überblick darüber, wer wie mit wem verbandelt ist, hatte ich jederzeit. Alle sind stinknormale Menschen und wir bekommen ihre Sorgen und Nöte mit. Hinter jeder noch so glänzenden Fassade gibt es Risse und so hat die Erzählung insgesamt nichts Leichtes oder Fröhliches, sondern die Personen sind überwiegend ängstlich, überarbeitet oder genervt. Wer humorvolle Lektüre sucht, der sollte also besser die Finger von diesem Buch lassen.

Wir Leser bekommen genau so viel Informationen wie die Charaktere im Buch auch, es gibt keinen Wissensvorsprung und wir sind gezwungen, abzuwarten und die Personen zu beobachten, die sich zutiefst menschlich und nicht immer fehlerfrei verhalten. Auf sehr erzählerische Art und Weise wird die Handlung eher ruhig vor einem ausgebreitet, Action ist nur wenig vorhanden. Doch die Frage, wer was zu verbergen hat, in welche Abgründe man noch blicken kann und wer den bösartigen Ehemann Hans nun letztendlich ermordet hat, ließ mich doch mit großem Interesse dran bleiben. Außerdem fand ich die Charaktere spannend, wenn auch nicht immer sympathisch. Sie handelten nachvollziehbar und waren für mich interessant. Und auch der flüssige Schreibstil und die vielen kurzen Kapitel tragen dazu bei, dass man immer weiter liest und sich von der Story mitreissen lässt.

Leider hat der Klappentext bzw. die Kurzbeschreibung bei der eBook-Ausgabe knapp an den Fakten vorbei beschrieben, als die Ermittlerin Emma als hochschwanger bezeichnet wurde – sie ist gerade mal im dritten Monat und ihre Kollegen haben von ihrer Schwangerschaft noch nicht einmal was mitbekommen. Ärgerlich.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist der Titel der deutschen Ausgabe. Es geht hier nicht speziell um den Mörder und das Mädchen und ich fand ihn deshalb nicht besonders passend.

Ich meckere hier aber von der Position einer Leserin aus, die von dem Buch sehr angetan war. Insgesamt hat mich auch ohne nervenzerfetzendem Thrill die Geschichte gefesselt und auch die ungewöhnlich vielen Erzählperspektiven haben mir gefallen. Wer atmosphärische Erzählungen mit Schwerpunkt auf den Charakteren gerne liest, dem wird „Der Mörder und das Mädchen“ bestimmt genauso gut gefallen wie mir.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

thriller, gruselfaktor, mord, chat, gruppenchat

The Message: Thriller

Tibor Rode
E-Buch Text: 185 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 17.01.2017
ISBN 9783732532902
Genre: Sonstiges

Rezension:

Darum geht’s:

Wer kennt diese unseligen Kettenbriefe nicht, in denen man aufgefordert wird, irgend etwas zu tun, damit einem selbst oder seinen Lieben kein Unglück widerfährt? Die Studentin Kathy bekommt so eine Mail und postet sie im Chat ihres Anthropologie-Seminars. Als sie sich am nächsten Tag nicht mehr meldet, fangen die Freunde an, sich Sorgen zu machen. Kurz Zeit später wird ihre Leiche gefunden und der nächste aus der Gruppe erhält diese Kettenmail.

So fand ich’s:

Dieser Thriller ist in einer sehr ungewöhnlichen Form verfasst, nämlich ausschließlich als Nachrichten-Chat. Dafür habe ich extra meinen Kindle Fire mit Farbdisplay hervor geholt, denn da kommt das Layout mit verschiedenfarbigen Umrandungen für die einzelnen Chat-Teilnehmer noch besser zur Geltung.

Die kurzen Dialoge der Studentengruppe und ihres Anthropologie-Professors sind knackig auf den Punkt, in moderner Sprache verfasst und abgesehen von den spannenden und zugleich mysteriösen Ereignissen verleitet einen schon diese Form der Erzählung dazu, immer weiter zu lesen und weiter und weiter. Man erfährt nur das, was sie sich gegenseitig mitteilen, aber das reicht absolut, um einen zu packen, denn das, was ihnen passiert, steigert sich kontinuierlich in seiner Dramatik.

Für lange Charakterstudien oder Nebenhandlungen bleibt kein Raum, aber das stört einen bei dieser Art von Erzählung gar nicht. Die Gefühle und Stimmungen der Studienfreunde kommen auch so deutlich rüber, die Angst und die Anspannung, offen gezeigt oder durch den Versuch, cool zu wirken, übertüncht, ist klar zu spüren.

Der Schluss passt perfekt, denn er ist das Ende des Chats, was aber naturgemäß ein kleines bisschen Unklarheit zurück lässt, denn es fehlt der allmächtige Erzähler, der den letzten Rest auflöst. Das habe ich aber gerne in Kauf genommen, weil es folgerichtig die Art des Erzählens bis zum Ende fortgeführt hat und die Geschichte trotzdem abgeschlossen wurde.

Das Experiment mit der Erzählform ist gelungen, die Handlung packt einen mit spannendem Horror-Thrill und ich würde jedem raten, sich ein bisschen Lesezeit einzuplanen, denn sobald man das Buch angefangen hat, kann man es nicht mehr weglegen, bevor die letzte Nachricht gelesen ist.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(65)

86 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

krimi, münchen, brauerei, mord, dialekt

Zapfig

Felicitas Gruber
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Diana, 13.02.2017
ISBN 9783453358515
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(282)

541 Bibliotheken, 17 Leser, 2 Gruppen, 80 Rezensionen

david hunter, thriller, simon beckett, england, backwaters

Totenfang

Simon Beckett , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 14.10.2016
ISBN 9783805250016
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darum geht’s:

David Hunter soll bei der Bergung und Identifizierung einer Wasserleiche helfen, die in den Backwaters, einem von Kanälen und Wasserläufen durchsetzten Mündungsgebiet an der Küste, gefunden wurde. Man vermutet, die Leiche des seit Monaten vermissten Leo Villiers gefunden zu haben und will auf Nummer Sicher gehen, denn sein Vater ist sehr einflussreich und würde Fehler und Versäumnisse ganz sicher nicht verzeihen. Außer Leo ist auch Emma Darby verschwunden, die mit Leo ein Verhältnis gehabt haben soll. Und dann findet Hunter einen einzelnen Fuß im Wasser.

So fand ich’s:

Was habe ich mich darauf gefreut, endlich einen neuen Fall mit David Hunter lesen zu dürfen. Und auch David freut sich fast schon auf einen neuen Mordfall, denn die Polizei hatte sich schon lange nicht mehr bei ihm gemeldet und um Hilfe gebeten. Doch der Einsatz in den Backwaters steht unter keinem guten Stern. Er bleibt mit dem Auto stecken und verpasst die Teilnahme an der Obduktion und außerdem kommt er durch seine Autopanne näher mit der Familie der vermissten Emma Darby in Kontakt, als der Polizei lieb ist.

Die Gegend der Backwaters, in der sich Süß- und Salzwasser vermischen, die durch Ebbe und Flut auf den einsamen Sträßchen und Dämmen teilweise unbefahrbar wird, die Einsamkeit und Davids ruhige, manchmal sogar grüblerische Art, bringen eine gewisse Melancholie und Ruhe in diese Erzählung. Diese Stimmung hat mir sehr gefallen und ich habe mich gemächlich durch die eher atmosphärische als spannende Handlung gelesen, ohne dass ich dies als langweilig empfunden hätte. Erst zum Ende hin kam Thriller-Spannung auf, die nochmal ordentlich Schwung gebracht hat, die mir aber ein Ende mit einer Auflösung beschert habt, mit der ich nicht ganz glücklich war.

Überhaupt führte der Zufall oft Regie, denn dass Hunter so sehr in den Fall verwickelt wurde und sich länger in der malerischen Gegend der Backwaters aufhielt, war weder von ihm noch von der Polizei so geplant oder gewollt. Genauso wurde auch bei der Klärung der Mordermittlung eine Lösung präsentiert,  mit der ich so nie gerechnet hatte, das aber auch vielleicht aus dem Grund, weil ich sie für etwas weit hergeholt und vom Zufall bestimmt finde. Ich drücke mich so nebulös aus, weil ich die Auflösung natürlich nicht verraten möchte. Unterm Strich hat mich die melancholisch-schöne Stimmung des Buches aber so eingefangen und mich mitgetragen in die Erzählung, dass mir die zwar logische, aber ein bisschen konstruierte Lösung nicht viel ausgemacht hat.

Insgesamt ruhige Unterhaltung,  mit wenige Spannung, aber viel Atmosphäre, die meine Lesestimmung perfekt getroffen hat.

  (6)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(157)

210 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 136 Rezensionen

thriller, psychothriller, schweden, stockholm, krimi

Glücksmädchen

Mikaela Bley , Katrin Frey
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.02.2017
ISBN 9783548288444
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darum geht’s:

Die Kriminalreporterin Ellen Tamm bekommt den Fall der verschwundenen 8jährigen Lycke zugeteilt. Ellen selbst hat ebenfalls mit 8 Jahren ihre Zwillingsschwester verloren und kann bei diesem Fall nicht objektiv sein. Sie nimmt Lyckes Schicksal sehr persönlich, beteiligt sich intensiv an der Suche nach dem Kind und recherchiert im Umfeld der Familie.

So fand ich’s:

„Glücksmädchen“ hat keine ausdrückliche Haupt-Erzählerin, denn neben der Kriminalreporterin Ellen kommen auch die Mutter, die Stiefmutter und die Nanny der verschwundenen Lycke zu Wort. Je mehr man über Lyckes Leben erfährt, desto mehr Mitleid hat man mit dem Kind. Die geschiedenen Eltern konzentrieren sich hauptsächlich auf sich selbst, die neue Frau an Vaters Seite möchte mit dem eigenen kleinen Sohn eine Familie haben, in der Lycke keinen Platz hat, und so wird Lycke an die Nanny abgeschoben. Das Mädchen scheint keine Freundinnen zu haben und führt ein recht trauriges Leben, bis sie verschwindet.

Die Kriminalreporterin Ellen mischt sich tiefer in diesen Fall ein, als es für sie gut ist, denn sie hat das Trauma aus ihrer eigenen Kindheit, als ihre Zwillingsschwester ums Leben kam, nicht wirklich verarbeitet. Außerdem ist ihr Ex-Freund neuerdings ihr Chef und ihre Berichterstattung beim Fernsehsender TV4 provoziert Anfeindungen im Internet und per Telefon gegen sie. Neben ihren Recherchen zu Lyckes Verschwinden nehmen wir auch an ihrem Privatleben teil.

Das alles bietet viel Potenzial für Spannung und Verwicklungen, das für meinen Geschmack aber nicht genug genutzt wurde. Die Erzählstimmung ist ruhig und manchmal sogar melancholisch, Spannung entsteht kaum und schon mal gar nicht genug, um das Buch einen (Psycho)Thriller zu nennen. Ich hatte Mühe, ins Buch hineinzukommen, denn die Art, wie Mikaela Bley erzählt, fand ich sehr bruchstückhaft und abgehackt. Es gab nur sehr sparsamen Informationsfluss und dann auch noch mit Verzögerung, so dass man beispielsweise erst einen halben Dialog lesen musste, bevor man erfuhr, wer da eigentlich sprach. Auch die Geschehnisse in Ellens Kindheit wurden nur oberflächlich angedeutet, genauso wie viele Szenen eine Menge eigene Vorstellungskraft forderten, da sie kaum erläutert oder einsortiert wurden. Das machte es mir nicht leicht, mich von dem Buch einfangen zu lassen, denn weder war genügend Spannung noch die richtige Atmosphäre dafür vorhanden, um mich zu packen. Sämtliche Personen machten es mir auch ziemlich schwer, sie sympathisch zu finden. Die Handlung verzettelt sich für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr in den vielen Nebenhandlungen.

Selbst wenn am Ende alles aufgelöst und auch Lyckes Schicksal geklärt ist, bleibt der Eindruck, dass zu vieles nur angerissen und nicht ausreichend beleuchtet wurde. Es reichte bei Weitem nicht für einen Abbruch, denn sowohl Lyckes Geschichte und die Ermittlungen im Kriminalfall als auch Ellens Handlungsstrang waren doch interessant genug, um weiterzulesen, aber mehr als ein durchschnittliches Leseerlebnis konnte ich für mich aus dem Buch nicht herausholen.

  (10)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

restaurant, krimi, unfall, mord, ermittlungen

Totenschmaus

Timo Leibig
Flexibler Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Leibig - Verlag und Werbung, 01.06.2016
ISBN 9783981707649
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Darum geht’s:

Brandner ist in Urlaub und Leonore Goldmann hat ein Rendesvouz im Sternerestaurant „Dreierlei“. Dort bekommt sie mit, dass der berühmte Restaurantkritiker von Belch erst mit der Bedienung streitet und dann zum nächsten Krach in die Küche verschwindet. Leonores kriminalistische Spürnase schlägt Alarm, als es eine Verzögerung im Menü gibt, weil es in der Küche einen Unfall gegeben hat. Was ist in der Küche passiert?

Die Köchinnen Eli, Bärbel und Kerstin haben es geschafft und ein gut gehendes Sternerestaurant eröffnet. In der Küche harmonieren sie perfekt, aber die drei Freundinnen und Geschäftspartnerinnen verbindet noch viel mehr. Sie würden so einiges tun, um den anderen zur Seite zu stehen und den Ruf des „Dreierlei“ zu schützen.

So fand ich’s:

„Totenschmaus“ ist kein klassischer Krimi, bei dem der Leser auf Verbrecherjagd gehen und mit raten kann, wer der Täter ist. Das weiß man von Anfang an, denn man lernt die Täter ausführlich kennen, ist bei der Tat dabei und erfährt auch ihre Motivation. Der Handlungsstrang aus der Sicht der Leute vom „Dreierlei“ hat einen großen Anteil an diesem Buch. Man konzentriert sich auf diese Personen nicht nur als Täter, die die Polizei überführen möchte, sondern man fühlt auch in gewisser Weise mit ihnen, denn sie sind grundsätzlich nicht unsympathisch und erzählen uns aus ihrer Perspektive.

Daneben beschäftigen wir uns mit Leonore Goldmann, die sich zufälliger Weise im Lokal befindet, als der Restaurankritiker sein arrogantes Schauspiel veranstaltet. Sie ist dort mit Michael Freytag, dem Leiter der Rechtsmedizin, zu einem Rendesvouz und weiß nicht, ob und wie sie ihm von ihrer MS erzählen soll. Es scheint ernst zwischen ihnen zu werden, also muss sie wohl bald mit der Wahrheit herausrücken. Und auch dass Leonore irgendwann ihre Ermittlungen im Außendienst nicht mehr ausüben kann, weil ihre Krankheit zu weit fortgeschritten ist, um die Dienstwaffe zu führen, beschäftigt sie.

Das dritte Standbein dieses Krimis ist dann die eigentliche Ermittlung von Goldmann & Brandner, die tatsächlich hier eben nicht die Hauptrolle spielt. Der Schwerpunkt liegt auf den Charakteren und entsprechend ruhiger ist die Erzählstimmung im Vergleich zu den beiden vorherigen Bänden. „Totenschmaus“ packt einen eher auf subtilere Art, was mir aber durchaus gefallen hat. Denn Timo Leibig versteht es, die menschlie Seite zu beleuchten und einen damit bei der Stange zu halten. Und die eingängige und flüssige Art zu Erzählen trägt dazu bei, dass man das Buch in einem Rutsch durchlesen möchte.

Den undurchsichtigen Psychotherapeuten Doktor Richter haben wir in den Goldmann & Brandner – Krimis bereits als Nebenfigur kennengelernt. In „Wenn Böses spielt“ (zuerst erschienen unter dem Titel „Herznote“)  bekommt er nun seinen großen Auftritt und ich habe vor, diesen Psychothriller aus der Welt von Goldmann & Brandner bald zu lesen. Außerdem dürfen wir uns auf den vierten Goldmann & Brandner Fall mit dem Titel „Grenzgänger“ freuen, der in wenigen Tagen erscheint.

  (22)
Tags:  
 
46 Ergebnisse