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schwarzfahren, humor, prag, leserunde, schwarzfahrer

Im Sarg nach Prag

Mathias Kopetzki
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Piper, 17.09.2012
ISBN 9783492274418
Genre: Humor

Rezension:

Irgendwann hatte der Zug eine neunzigminütige Verspätung und ich bin in die Bahnhofsbuchhandlung, mit Wut über dieses "Scheißunternehmen" im Bauch, mit Wut darüber, ein höllisch teures Ticket erstanden zu haben und noch nicht mal umfassend über die Verspätung informiert zu werden, und da stand es dann einfach: "Im Sarg nach Prag - Erlebnisse eines Schwarzfahr-Profis" - vermutlich genau der richtige Katalysator für mich. Ich verschlang das Buch die kommenden Stunden, in denen ich bibbernd auf den Zug wartete und sämtliche Anschlusszüge verpasste, und völlig verschiedene, in ihrer Unterschiedlich- und versteckten Tiefgründigkeit bisher noch gar nicht wahrgenommene Aspekte des Schwarzfahrens kamen in - meist - humorvollen Geschichten zum Tragen und versöhnten mich mit meiner Situation: das Politische ("Schwarzfahren als Bürgerwehr"), das Soziale (lieber durch die Privatisierung von ihrer "Heimat" vertriebenen Pennern Obst zustecken, als ein Ticket für dieses "Verbrecherunternehmen" zu lösen), das Philosophische (wie ist das mit dem Recht und der Moral? Hat nicht jeder ein unumstößliches Rechtsbewusstein in sich, das nicht zwingend mit dem staatlich doktrinierten Rechtsbegriff zu tun haben muss? - wunderbar dargestellt durch den "Schwarzfahr-Juristen" Uwe Hellbrink, den ich gerne mal kennen lernen würde), das Abenteuerliche (beinahe ein richtiges "Roadbook", in der Tradition von Jack Kerouac, was in den Zitaten von "Hippiesehnsucht" und dem klampfespielenden "Bob-Dylan-Fan" nochmal betont wird), das Traumatische (der Prot begegnet sich selbst als weibliche (!) Schaffnerin, die ihn eiskalt durchschaut, und bei der Fahrt aus der Stadt der Morbidität steht im Gepäckwaggon ein Sarg für ihn bereit), das Übersinnliche (in der wunderschönen Weihnachtsgeschichte "Weihnachten mit einem Schwarzfahr-Engel" hilft ein Schwarzfahrer einem anderen "aus dem Jenseits" - eine Story über die tiefere Bedeutung von Freundschaft über den Tod hinaus) und das Einsame (der Protagonist ist bis auf das kleine, scheue Stelldichein mit der Schwarzfahrkollegin, die ihn später für das Bahnpersonal abblitzen lässt, quasi immer allein, reist dem privaten und beruflichen Glück - oft vergeblich - hinterher - Zitat: "Schwarzfahrer sind Outlaws, Wölfe ohne Rudel"). In der einzigen U-Bahngeschichte (eine der Vielfältigkeiten des Buches ist es, dass alle Zugtypen in ihren Unterschiedlichkeiten und mit ihrem jeweiligen Konfliktpotential auftauchen) wird dann auch noch die sarkastische Bemerkung aufgestellt: "Die Guten bleiben im Leben halt oft die Verlierer" - und im Zusammenhang dieses Satzes ist (zum Glück) nicht ganz klar, wen der Protagonist damit meint: sich selbst oder den Kontrolleur?
Es machte mir großen Spaß, nicht nur die komplett unterschiedlichen und kurzweiligen Geschichten zu durchschmökern (die Unterteilung in längere Storys, kurze Anekdoten aus "Schwarzis Anekdotenkiste und den vergnüglichen, knackigen Dialogen zwischen Schaffner und Schwarzfahrer (bei denen das Sympathieverhältnis ausgewogen bleibt) animieren zum Weiterlesen, selbst wenn man gerade kurz vorm Umstieg ist) und als Freund schwarzen (!) und bitteren Humors mit einer nachdenklichen und provokativen Note war ich vom "Sarg" begeistert und bin gespannt auf weitere Geschichten in diesem neu erfundenden "Schwarzfahr-Genre", für das der geläuterte Herr Kopetzki erfolgreich und menschlich Pionierarbeit geleistet hat. Allerdings gilt das Motto des eingelegten Lesezeichens: "Nichts für Miesepeter und Spaßbremsen" ;)

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